3.
2 Implikaturentypen und
Implikaturentests
Implikatur
• Eine Implikatur ist eine Inferenz, die auf anderer Information beruht
als solcher, die im Propositionenkalkül (mit Wahrheitswerten)
nachgebildet werden kann, also eine Inferenz, die nicht auf die
logische Implikation zurückgeführt werden kann.
• Sie basiert also nicht auf der Satzbedeutung, sondern bezieht
Informationen aus der Sprechsituation und dem gemeinsamen Wissen
der Teilnehmer, insbesondere aus Kommunikationsprinzipien.
• Konversationelle Implikatur: ein besonderer Typ. Sie beruhen auf
einem allgemeinen Kooperationsprinzip
• Pragmatisch
Semantische Implikation (Entailment)
• Implikation ist eine logische Beziehung zwischen zwei Propositionen
• In jeder Situation, wo Satz p wahr ist, muss auch Satz q wahr sein. In
jeder Situation, wo Satz q falsch ist, kann Satz p nicht wahr sein.
• Die Katze liegt auf der Matte.
→ Die Matte liegt unter der Katze.
Die Katze liegt auf der Matte, aber die Matte ist nicht unter der Katze.
→ mangelnde Sprachkompetenz
Allgemeine Eigenschaften von
konversationelle Implikaturen
• Rekonstruierbarkeit
• Kontextabhängigkeit
• Streichbarkeit
• Kriterium für die Abgrenzung von konversationellen Implikaturen und
wörtlichen Bedeutungen sowie von Semantik und Pragmatik.
Rekonstruierbarkeit (engl. calculability)
• Konversationelle Implikaturen sind aus der wörtlichen Bedeutung des
geäußerten Satzes, dem Kooperationsprinzip und seinen
Konversationsmaximen und dem jeweiligen Kontext mithilfe eines
Schlußprozesses rekonstruierbar.
1. Die wörtlichen Bedeutung
2. Die Konversationmaximen und das Kooperationsprinzip
3. Die Kontextbedingungen
• A: Wie war das Essen gestern Abend?
B: Es gab Pilzsuppe und dann noch Pilze in der Pasta.
• wörtliche Bedeutung: Es gab Pilzsuppe und Pasta mit Pilzen.
• Kooperation: B sagt die Wahrheit, es ist relevant, ...
• Kontext: B hasst Pilze.
• → B fand das Essen nicht lecker.
Kontextabhängigkeit (engl. variability)
• die jeweilige konversationelle Implikatur ist abhängig von dem
Kontext, in dem sie auftritt.
• Die gleiche Äußerung kann in verschiedenen Kontexten
unterschiedliche Implikaturen auslösen.
• Anna: Und wie geht es Charlie in seinem neuen Job?
Berta: Ach, bisher gut; im Gefängnis ist er noch nicht gelandet.
• →“Charlie ist potentiell unehrlich.”
• Die Implikatur ändert sich, wenn sich der Kontext ändert, auch wenn
die Äußerung dieselbe ist.
• [Anna und Berta sprechen über einen gemeinsamen Freund Charlie,
der jetzt in einer Bank arbeitet, die eine Geldwaschanlage der Mafia
ist.]
• Anna: Und wie geht es Charlie in seinem neuen Job?
• Berta: Ach, bisher gut; im Gefängnis ist er noch nicht gelandet.
• →“Charlie ist potentiell unehrlich.” →“Charlie ist in Gefahr.”
Streichbarkeit (engl. cancellability)
• Implikaturen sind streichbar, d. h. im selben Kontext kann im
Anschluß an die Äußerung eine Rücknahme der Implikatur stattfinden,
ohne daß dies widersprüchlich wirkt.
• A: Mein Benzin ist alle.
B: Um die Ecke ist eine Tankstelle.
• B: Um die Ecke ist eine Tankstelle, aber die hat längst Pleite gemacht.
2 Typen von konversationellen Implikaturen
• partikularisierte konversationelle Implikaturen:
→ in hohem Maße kontextabhängig
• generalisierte konversationelle Implikaturen:
→ relativ kontextunabhängig
• Ich habe Schmitz mit einer Frau getroffen.
→“Es war nicht seine Frau.”
• Ich habe Schmitz mit einer Frau getroffen, es war seine Frau.
→“Es war nicht seine Frau.” (streichbar)