Kreuzfahrttourismus: Fluch oder Segen für die
Zielgebiete?
Von Lukas Schülting
Hauptseminar WS19/20: Dienstleistungen im 21. Jahrhundert. Seminarleitung: Prof. Neiberger
1. Geschichte
Europa
Amerika
GLIEDERUNG: 2. Effekte auf die Zielgebiete
Ökonomische Effekte
Soziokulturelle Effekte
Ökologische Effekte
3. Ausblick und Fazit
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Hauptseminar WS19/20:
Hauptseminar Dienstleistungen
WS19/20: im [Link]
Dienstleistungen Jahrhundert. Seminarleitung:
[Link]. Seminarleitung: Prof. Prof. Neiberger
Neiberger
DEFINITON KREUZFAHRT
Definition von Kreuzfahrten nach Sterzenbach (2018):
Durch Schifffahrtsunternehmen zur See oder auf Flüssen erbrachte, mehrtägige Schiffsreise
für Privatreisende im Schiffsgelegenheits-(-bedarfs-)verkehr, bei der mehrere Häfen (als
Zugangspunkte zu touristischen Zielen) angelaufen werden.
Dabei steht für den Passagier nicht immer ausschließlich der Aspekt der Beförderung zu
touristisch relevanten Zwischenhaltepunkten, sondern auch der Aufenthalt auf dem Schiff
selbst im Vordergrund der Produktwahl. Das jeweilige Schiff ist in diesem Fall eine vom
Passagier bewusst gewählte „Destination“.
Schiffsreisen sind durch zahlreiche (vertikale und horizontale/ begleitende)
Zusatzleistungen wie An- und Abreise, Verpflegung und Unterhaltungsprogramme
gekennzeichnet.
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[Link]: EUROPA
Abb.1: „Augusta Victoria“ 1891. (wikimedia Commons) Abb.2: „Harmony Of The Seas“ 2019. (WELT)
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1. GESCHICHTE: EUROPA
- Seit 1886 bei Hapag angestellt
- Transantlantikroute wichtigstes Geschäft der Reedereien; aber
Rückgang der Passagierzahlen
- Besonders im Winter geringe Auslastung der Schiffe
Ballin hat Idee zu einer „Lustfahrt“
Abb.3: Albert Ballin (WELT 2018) Abb.4: Flugblatt zur ersten Kreuzfahrt auf Augsuta Viktoria ([Link]
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1. GESCHICHTE: AMERIKA
- Anfänge liegen in den 1920er Jahren: Prohibition
- Bis in 60er Jahre hinein Imitation des Stils alter Atlantikliner
- Angebot in den 60ern nicht mehr zeitgemäß
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1. GESCHICHTE: AMERIKA
- In den 60ern/70ern Neuerfindung der Kreuzfahrt:
- 1966 Gründung „Norwegian Carribean Line“
- 1968 Gründung „Royal Carribean Cruise Line“
- 1972 Gründung „Carnival Cruise Lines“
Abb.5: Marktanteile der Reedereien (Handelsblatt 2018)
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1. GESCHICHTE
Entwicklung der Passagierzahlen seit den
1970er Jahren:
- 1970: 700000
- 1980: 1,4 Mio.
Abb.6: Entwicklung der Passagierzahlen seit 1990 (Steinecke 2018:34)
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1. GESCHICHTE
Abb.7: Entwicklung der Schiffsgrößen in der Kreuzfahrtindustrie ([Link])
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2. EFFEKTE AUF DIE ZIELGEBIETE
Ökonomische Effekte:
- Produktion in Kultur und Verkehrsbetrieben
- Finanz- & Deviseneffekte durch touristische Nachfrage und räumliche
Verlagerung
- Beschäftigteneffekte durch Arbeitsplätze
- Einkommens- & Multiplikatoreffekte durch touristische Kaufkraft
- Infrastruktureffekte & Abbau regionaler Disparitäten durch touristische
Standortanforderungen
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2. ÖKONOMISCHE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
Unterscheidung nach Hafentyp:
Home Port Stopover Port
(Start und Zielhafen (Schiff liegt meist nur
des Kreuzfahrtschiffs) wenige Stunden im Hafen)
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ÖKONOMISCHE EFFEKTE AUF DIE HOME
PORTS
- Potentiell höhere Einnahmen als Stopover Ports durch der Kreuzfahrt vor-
und nachgelagerte Übernachtungen
Bsp. Kiel:
- 2014: ca. 350000 Kreuzfahrtpassagiere
- 2019: ca. 800000 Kreuzfahrtpassagiere
- 80% der Gäste übernachten in Kiel
- ca. 40 Mio. Investitionen in letzten Jahren
- Studie 2013: 7,5Mio Nettoumsatz durch Kreuzfahrtpassagiere
Abb.8: Beschäftigte im Kieler Hafen 2017 (Port of Kiel)
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2. ÖKONOMISCHE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
- Bsp. Rostock:
- 2014 378000 Passagiere
- 2019 634000 Passagiere
- 2018 ca. 41,5 Mio. € Umsatz durch Kreuzfahrttouristen
- Umbau bis Saisonbeginn kostet 35 Mio. € (zusätzliches Terminal,
Landstromanlage)
- 300000 € Wertschöpfung für Rostock pro Anlauf
- Ausgaben der Touristen in Rostock als Homeport im Schnitt ca. 25%
höher
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2. ÖKONOMISCHE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
- Problem der Billigfahnen:
Schiffe fahren unter Billigfahnen und müssen in den Ländern der
Homeports keine Steuern entrichten (Bahamas, Panama, Bermudas,
Malta)
Carnival Cruises 2017 2,6 Mrd.€ Gewinn und 60 Mio.€ Steuerzahlungen
an die USA
In Deutschland gilt „Tonnagesteuer“: Pauschalbetrag pro Tonne
Gewicht
TUI Cruises 2015 bei 126 Mio.€ Gewinn 63767€ Steuer
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2. ÖKONOMISCHE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
Diskrepanz zwischen Home und Stopover Ports:
Rostock: 58/43 Euro
Ostseehäfen (Skandinavien): 167/79 Euro
Venedig: 156/78 Euro
Genua: 85(194)/40 Euro
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2. ÖKONOMISCHE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
Stopover Port
Genua: 85(194)/40 Euro Stopover Port ohne mit gebuchtem
Ausgabentyp Home Port gebuchten Ausflug Ausflug Summe
Abb.9: Ausgaben der Kreuzfahrtpassagiere in Genua (Neumeier 2019 nach OCTI 2011)
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2. ÖKONOMISCHE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
- Ausgaben der Touristen in der Karibik variieren zwischen 15 und 270 €
- Hohe Austauschbarkeit der Destinationen
Investitionen bergen höheres Risiko
Reedereien betreiben eigene „Cruise Villages“
Trend geht zu Inseln in Reedereibesitz
Abb.10: Cruise Village in Basseterre, St. Kitts ([Link] 2018)
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2. ÖKONOMISCHE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
Bsp. Harvest Cay (2km östlich von Belize)
- 2016 von NCL eröffnet, ca. 50 Mio$ Investitionen
Abb.11: Harvest Caye ([Link] 2017)
Abb.12: Harvest Caye Map ([Link] o.J.)
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2. SOZIOKULTURELLE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
- Steigende Anzahl von Protestbewegungen gegen Kreuzfahrtschiffen
- Besonders im Mittelmeerraum
- Grund: Hohe Gesundheitliche Belastungen und Übertourismus
- 50000 Vorzeitige Todesfälle in Europa durch Schiffsabgase
- nach Piereröffnung in Brooklyn 2006 signifikante Zunahme von Asthmaerkrankungen
bei Kindern
- überdurschnittliche Lungenkrebsquote in Venedig
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2. SOZIOKULTURELLE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
- Filialisierung und Fast Foodisierung der Destinationen
- Verdrängung der Geschäfte des kurzfristigen Bedarfs
- Einheimische Bevölkerung wandert ab
Historische Kulisse, aber tote Stadt (Tallinn, Dubrovnik, Venedig)
- Kulturelle Unterschiede relevant; Touristen als Fremdkörper (Mutrah, Oman)
- Gegenbeispiele in ärmeren Regionen zu finden (Grönland,
Griechenland,Columbien, Sizilien)
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2. ÖKOLOGISCHE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
Luftverschmutzung:
- Hohe Luftverschmutzung durch Schwerölverbrennung
zulässiger Schwefelanteil im Treibstoff bei Kreuzfahrtschiffen 3500x höher als im
Straßenverkehr
Kreuzfahrtschiff verschmutzt Luft wie 12000 – 350000 PKW
- Indirekte ökologische Belastung in Potenzialphase der
Angebotserstellung
- Negative Wirkung in Transit und Zielgebieten während Prozessphase
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2. ÖKOLOGISCHE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
Wasserverschmutzung und Müllaufkommen:
- Schwarz- und Grauwasser darf außerhalb der 12 Meilen Zone ins Meer
geleitet werden
- 1% aller Schiffe sind Kreuzfahrtschiffe, 25% des Mülls von Schiffen
stammt von Kreuzfahrtschiffen
- In Southampton 3,8% aller Schiffsankünfte aus Kreuzfahrt, aber Anteil
des Mülls aus Kreuzfahrt 62,5% enorme Herausforderung für werniger
entwickelte Destinationen
Abb. 13: Müllberg auf Osterinsel (Spiegel 2018)
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2. ÖKOLOGISCHE EFFEKTE AUF DIE
ZIELGEBIETE
- Unangemessenes Verhalten der Passagiere an Land
- Bedrohung lokaler Flora und Fauna durch Einschleppen invasiver Keime
und Arten
- Landschaftsverbrauch durch Bau großflächiger Hafenanlagen
Abb.14: Stingray City, Karibik ([Link] 2018)
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3. AUSBLICK UND FAZIT
- Derzeit nur ein Kreuzfahrtschiff mit LNG unterwegs
- Bis 2026 1/3 aller Schiffsneubauten mit LNG
- Manche U-Boote fahren bereits mit emissionsfreiem Wasserstoff
Möglichkeit für Kreuzfahrtschiffe?
- Maßnahmen zur Regulierung der Kreuzschifffahrt in europäischen
Hotspots
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3. AUSBLICK UND FAZIT
Fazit:
Fluch oder Segen für die Zielgebiete? Hängt vom Zielgebiet ab.
Ökonomisch: Extreme Profitgier der Anbieter verhindert echte Gewinnteilhabe
der Destinationen; trotzdem wichtiger Wirtschaftsfaktor
Soziokulturell: Flut an Touristen kann in der Form nicht mehr gehandlet werden,
viele Destinationen werden überrannt
Ökologisch: Katastrophal. Nachhaltiger oder sanfter Tourismus mit
Kreuzfahrtschiffen nicht möglich
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VIELEN DANK FÜRS ZUHÖREN
Quellen:
Beutelsbacher, S. (2017): Auf diesen Trauminseln ist nichts echt. In: Welt.
<[Link] [Link]>
abgerufen am 13.10.2019.
CLIA (2018): Anzahl der Passagiere auf dem weltweiten Kreuzfahrtmarkt von 2009 bis 2019 (in Millionen).
In: Statista. <[Link] dem-
weltweiten-kreuzfahrtmarkt-bis-2014/> abgerufen am 11.10.2019
Escher, A./Karner, M./Rapp, H. (2019) Boom-Brance Kreuzfahrttourismus. Gemachtes Paradies oder
erzeugtes Inferno auf hoher See? In: Geographische Rundschau, Heft 4, Jahrgang 2019, S. 40-45.
Meyer-Hentrich, W. (2019): Wahnsinn Kreuzfahrt. Gefahr für Natur und Mensch. Berlin: Links Verlag.
Neumeier, F. (2019): Bringen Kreuzfahrt-Touristen Geld in die Hafenstädte? Oder belasten sie nur? In:
[Link]. Der Kreuzfahrtratgeber. <[Link]
geld-in-die- hafenstaedte-oder-belasten-sie-nur/> abgerufen am 09.10.2019.
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VIELEN DANK FÜRS ZUHÖREN
Petersen, T. (2019): Diese Städte verlangen von Kreuzfahrtpassagieren Eintritt. In: [Link]
<[Link] diese-orte-kassieren-kreuzfahrt-
passagiere-ab> abgerufen am 12.10.2019.
Rolf, T. (2015): Die Geschichte der Kreuzfahrt. In: Kreuzfahrt-Zeitung. <[Link]
[Link]/hintergruende/kreuzfahrt-geschichte/> abgerufen am 10.10.2019.
Schiff&Hafen (2019: "AIDAnova" - Referenzschiff für den Weg zur grünen Kreuzfahrt. In: Schiff&Hafen,
Nr. 04, S.1.
Schuhmann, A. (2016): Fluch oder Segen? Kreuzfahrttourismus als Entwicklungsfaktor?! In: Praxis
Geographie. Band 46, S.10-17.
Steinecke, A. (2018): Kreuzfahrttourismus. Stuttgart: UTB.
Täglicher Hafenbericht (2019): Kreuzfahrt-Protest jetzt auch auf Mallorca. In: Täglicher Hafenbericht,
Heft 113, S.13 <[Link] [Link]/document/THBE__18011921> abgerufen am 09.10.2019.
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