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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Patent
(Begriffsklärung) aufgeführt.
Ein Patent ist ein hoheitlich erteiltes gewerbliches Schutzrecht für eine Erfindung. Der Inhaber des
Patents ist berechtigt, anderen die Nutzung der Erfindung zu untersagen. Das Schutzrecht wird auf
Zeit gewährt; in Deutschland gemäß § 16 Patentgesetz für 20 Jahre.
Das deutsche Wort wurde im 17. Jahrhundert aus dem französischen patente („Bestallungsbrief,
Gewerbeschein“) entlehnt. Dieses ist gekürzt aus lettre patente („offener Brief“) und geht auf das
lateinische (littera) patens („offener (Beglaubigungs-)Brief des Landesherrn“) zurück. Ursprünglich
war „eine Urkunde über bestimmte Rechte“ gemeint, die heute überwiegende Bedeutung
entwickelte sich mit dem modernen Patentwesen seit dem 19. Jahrhundert. [1]
Abgrenzung
Im deutschen Sprachraum wird der Begriff „Patent“ eindeutig für ein Schutzrecht auf eine technisch
geprägte Erfindung verwendet. Im englischen Sprachraum kennt das US-Recht allerdings zwei Arten
von Patenten, nämlich das utility patent und das design patent. Das utility patent ist ein Schutzrecht
auf eine technische Erfindung, das design patent, hingegen ein Schutzrecht auf Formen und Muster,
entsprechend dem deutschen Eingetragenen Design bzw. Geschmacksmuster.
Geschichte
Rechtsfamilien
Deutscher Rechtskreis
Ökonomische Analyse
Der Patenteigner hat das Recht, eine Nachahmung und Nutzung seiner geschützten Erfindung für
einen bestimmten Zeitraum zu verhindern. Damit wird es ihm ermöglicht,
einen monopolistischen Preis zu realisieren und nicht nur eine Kompensation für die Forschungs- und
Entwicklungskosten der Erfindung, sondern auch einen Profit zu erhalten.[3]
Das grundsätzliche Problem, das der Patentschutz lösen soll, ist Marktversagen, das sich aus
der positiven Externalität von Forschung ergibt: In der Regel liegt der soziale Nutzen einer Erfindung
deutlich über dem privaten Nutzen. Deswegen würde die private Forschung allein zu wenig
investieren. Zu schwache Eigentumsrechte führen zu suboptimalen Innovationsraten, weil Investoren
unzureichend entlohnt werden. Der Staat kann dieses Marktversagen bekämpfen, indem er
Forschung durch Steuergelder subventioniert, oder indem er geistige Eigentumsrechte definiert und
schützt. Ein zu starker Eigentumsschutz ist jedoch ebenfalls nicht optimal, weil Erfindungen dann zu
wenig genutzt und weiterentwickelt werden können. Die Stärke des Eigentumsschutzes variiert
entlang verschiedener Dimensionen. Die Höhe definiert, welche Erfindungen geschützt werden
können. Die Länge definiert, wie lange eine Erfindung geschützt werden kann. Die Tiefe definiert den
Umfang der geschützten Aktivitäten.[3][4]
Es besteht also im Fall von Patenten ein Trade-off zwischen der Schaffung von Anreizen zur Forschung
und Veröffentlichung von Erfindungen einerseits, und der Einschränkung der Nutzung geschützter
Erfindungen während der Patentlaufzeit andererseits.[5] Neben der Einschränkung der praktischen
Nutzung von Erfindungen gibt es auch negative Auswirkungen auf die Geschwindigkeit der
Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Kenntnisstands (seit Ende der 1990er Jahre unter dem
Begriff Anti-Allmende diskutiert): Wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden
patentrechtlich geschützt werden, wird es anderen Forschern erschwert, die Methoden zu nutzen
und auf diesem Wissen aufzubauen.[6][7]
Innovationsraten
Laut einem empirischen Test der Anti-Allmende für die Biowissenschaften liegt ein mäßiger negativer
Effekt auf die Grundlagenforschung vor (gemessen in Zitationen). Dabei ist unklar, welcher
Mechanismus dem veränderten Zitationsverhalten zugrunde liegt. Möglicherweise verschiebt ein
Patentschutz lediglich den Fokus anderer Forscher auf andere, gut substituierbare Projekte; dies
würde einen geringen negativen Effekt durch Patente implizieren. Unklar ist zweitens, ob vor allem
diejenigen Wissenschaftler betroffen waren, die die mit dem später erteilten Patentschutz assoziierte
Publikation bereits vorher zitiert hatten, oder ob die Reduktion in erster Linie auf eine Beschränkung
von potenziell erstmaligen Zitationen zurückzuführen ist.[6]
Eine internationale Analyse von 177 patentrelevanten Politikmaßnahmen in 60 Ländern über 150
Jahre kam zu dem Ergebnis, dass eine Ausweitung des Patentschutzes Innovation (gemessen
im Patentindex) fördert, wenn der Patentschutz anfangs schwach war; sie dagegen behindert, wenn
der Patentschutz anfangs stark war.[5]
Einer weiteren Studie zufolge kann eine mit einem starken Patentrecht assoziierte geringere Zahl von
Patenten allerdings einen größeren sozialen Nutzen haben als die mit einem schwachen Patentrecht
assoziierte größere Zahl von Patenten, wenn ein größerer Anteil der kleineren Zahl von Erfindungen
weiterentwickelt wird und den Produktmarkt erreichen.[5]
Bekanntgabe
Ein Erfinder hat die Möglichkeit, seine Erfindung entweder geheim zu halten oder der Öffentlichkeit
preiszugeben. Eine Patentanmeldung (und damit die darin beschriebene Erfindung) wird durch das
jeweilige Patentamt publiziert. Abgesehen von eher exotischen, geheimzuhaltenden Gebieten ist
Patentschutz nur mit einer Veröffentlichung der Erfindung möglich. Da ein Patent die Verwendung
der Erfindung durch Dritte einschränkt, steigt mit der Möglichkeit Patentschutz zu erlangen die
Wahrscheinlichkeit, dass Erfindungen bekanntgegeben werden. Eine Bekanntgabe ist aus mehreren
Gründen sozial vorteilhaft gegenüber einer Geheimhaltung: Nach dem Auslaufen des Patentschutzes
(spätestens nach Ablauf der Höchstlaufzeit von üblicherweise 20 Jahren) kann jeder die Erfindung
frei nutzen. Zudem verringert eine Bekanntgabe die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere
Wissenschaftler an derselben Erfindung arbeiten, obwohl es effizienter wäre, wenn sie an
unterschiedlichen Projekten forschten. Drittens kann eine Bekanntgabe neue Ideen inspirieren. Aus
diesen Gründen können Patente einen gesellschaftlichen Nutzen bringen, selbst wenn sie nicht die
Innovationsraten steigern sollten.[5]
Einer Umfrage unter US-amerikanischen und japanischen Firmen zufolge sind die mit der
Bekanntgabe assoziierten Spillover relativ gering, da in schnell voranschreitenden
Technologiebereichen die Informationen zum Zeitpunkt der Patentvergabe bereits größtenteils
veraltet sind.[5] Allerdings können Unternehmen durchaus anhand von Patentanmeldungen von
Wettbewerbern einen Hinweis auf deren technische Entwicklungsrichtungen erhalten. [8]
Technologietransfer
Nachdem ein Patenteigner einen Schutz auf seine Erfindung erhalten hat, kann er entscheiden, ob er
die Erfindung selbst nutzt oder das Nutzungsrecht durch eine Lizenzierung an Andere überträgt.
Empirische Studien zeigen, dass die Stärke des Patentschutzes einen wichtigen, positiven Einfluss in
Richtung der Lizenzierung ausübt. Starke Patentrechte fördern die vertikale
Integration und Arbeitsteilung, da sie die Transaktionskosten von Übertragungsverhandlungen
reduzieren. In der Halbleiterbranche bildeten sich auf Chipdesign spezialisierte Firmen heraus,
nachdem das Patentrecht gestärkt wurde. Im Biotechnologie-Sektor wird beobachtet, dass
etablierte Pharmakonzerne mit kleinen und jungen Unternehmen arbeitsteilig kooperieren. [5]
Insofern korrigiert ein Patent seine Schwäche, Dritte von einer Nutzung von Erfindungen
auszuschließen, zu einem gewissen Grad selbst: Ein stärkeres Ausschlussrecht fördert den Transfer
von Erfindungen. Der Bayh–Dole Act in den USA, der Universitäten ein Patentrecht auf durch
öffentliche Mittel finanzierte Erfindungen erlaubte, begünstigte den Austausch von Erfindungen
zwischen Universitäten und dem Privatsektor.[5]
Betriebswirtschaftliche Aspekte
Bei dieser Fragestellung geht es um die Frage, ob ein Marktakteur ein Patent anmelden soll oder
nicht. Dies geschieht unter Prämisse eines gegebenen, wirtschaftlich rational gestalteten
Patentsystems.
So sind Entwicklungsprozesse in der Technik langwierig. Man muss unter Umständen viele
Materialien ausprobieren und mehrere Prototypen entwickeln, bis ein optimales Verfahren gefunden
wird. Bei Medikamenten dauert es oft Jahre, bis eine gute Wirkstoffkombination gefunden wird.
Diese optimale Lösung wird aber durch Markteintritt schnell bekannt und kann so leicht kopiert
werden. So ist in der Technik die Entwicklungszeit viel größer (zum Beispiel 7 Jahre) als die Zeit zum
Kopieren nach Markteintritt (zum Beispiel 6 Monate).
Im Rahmen der normativen Gestaltungsfrage des Patentrechtes ist die häufig im juristischen Bereich
verwendete Eigentumstheorie/naturrechtliche Argumentation aus ökonomischer Sicht unzulässig, da
sich mit ihr keine rationale ökonomische Abgrenzung vornehmen lässt (im Sinne eines Trade-offs von
Vorteilen und Nachteilen).
Geschäftsgeheimnis
Neben der Patentierung einer Erfindung gibt es auch die Möglichkeit, diese Erfindung geheim zu
halten (Betriebsgeheimnis). Dies ist nur möglich, wenn die Erfindung nicht in
einem Produkt erkennbar ist.
Handelbare Wirtschaftsgüter
Sie dienen der Information von Marktkonkurrenten über technisches Wissen und
Lizenzierungsmöglichkeiten: So wird Dritten Doppelarbeit bei der Innovation erspart, während der
Patentinhaber seine Erfindung im Wege der Lizenzierung risikoarm kommerzialisieren kann.
Außerdem werden Dritte mit der Schutzrechtslage über drohende Ansprüche wegen
Patentverletzung informiert.
Patente sind auch Basis für Kooperationen: Patentierte Erfindungen können in einen arbeitsteiligen
Innovationsprozess oder als Einlage in eine zu gründende Gesellschaft eingebracht werden.
Bei Insolvenzen von Patente haltenden Unternehmen besteht mitunter das Problem, dass die
Patente an die Gläubiger verpfändet wurden, was die Weiterführung der Geschäfte durch den
Insolvenzverwalter oder den Verkauf des insolventen Unternehmens erschwert oder sogar
unmöglich macht.
Imageeffekt
Patentstrategien
Innovative Unternehmen, die ihre Entwicklungen gegen Nachahmung schützen möchten, versuchen
einen Patentschutz für solche Produkte und Verfahren zu erreichen, welche zu einem
wirtschaftlichen, technischen oder auch nur einem Marketingvorteil führen, um sich so einen
Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Ein umfassender Patentbestand eines Unternehmens kann
zudem dann hilfreich sein, wenn das Unternehmen von einem Patent eines Wettbewerbers
Gebrauch machen möchte (Kreuzlizenzierung), da es im Gegenzug dem Wettbewerber die Benutzung
eines oder mehrerer seiner Patente anbieten kann.
Die alternative Strategie für ein Unternehmen, anstelle von Patentanmeldungen zu versuchen,
Entwicklungen geheim zu halten, ist in Zeiten von steigender Mitarbeiterfluktuation riskant, da die
Gefahr des Bekanntwerdens der Entwicklung außerhalb des Unternehmens groß ist. Zudem besteht
die Gefahr, dass ein Wettbewerber unabhängig dieselben Entwicklungen macht und seinerseits zum
Patent anmeldet. Zwar räumen eine Reihe von Ländern dem bereits nutzenden Unternehmen ein
sogenanntes Vorbenutzungsrecht ein, dies ist jedoch nicht in allen Ländern der Fall, so dass bei
Geheimhaltung sogar die Gefahr droht, dass der Wettbewerber die Nutzung der Entwicklung
verbieten kann.
Wenn einerseits der Aufwand zur Erlangung eines Patentschutzes vermieden werden soll, gleichzeitig
aber verhindert werden soll, dass ein Wettbewerber, der beispielsweise unabhängig dieselbe
Entwicklung macht, ein Patent auf diese Technologie erhält, kann eine Sperrveröffentlichung getätigt
werden.
Eine nicht immer scharfe Trennung von Patentarten lautet wie folgt: Vorratspatente werden für
Erfindungen angemeldet, deren wirtschaftliche Verwertbarkeit zum Zeitpunkt der Anmeldung noch
nicht feststeht. Vorratspatente, die lediglich bestehende Patente verbessern, werden als
Ausbaupatente bezeichnet. Solche Vorratspatente tragen natürlich zu einem Ausbau des eigenen
Patentbestands bei (siehe oben).
Als Sperrpatente (nicht zu verwechseln mit der oben genannten Sperrveröffentlichung) werden
solche Patente bezeichnet, die vom Patentinhaber nicht genutzt werden, sondern lediglich Dritten
den Eintritt in ein bestimmtes Marktsegment verwehren sollen.
Gemeinnützige Verbände (zum Beispiel DVS) und Organisationen (zum Beispiel DIN) erstellen zur
Vereinheitlichung von Produkten und Verfahren Normen und Standards. In den jeweiligen
Ausschüssen arbeiten die Industrie, das Handwerk, Forschungseinrichtungen und Einzelpersonen
gleichberechtigt mit. Die erstellten Schriftstücke werden der Öffentlichkeit während einer
Einspruchsfrist vorgestellt. Einwände und Verbesserungsvorschläge müssen vom Ausschuss
behandelt werden. Produkte und Verfahren, die in einer Norm oder einem Standard beschrieben
worden sind, lassen sich nicht patentieren, da sie veröffentlicht sind. Mitunter wird befürchtet, dass
eine Firma ein patentiertes Verfahren in einen Standardisierungsprozess einbringen und erst
hinterher verraten wird, dass sie auf den erarbeiteten Standard Patente hält, um so durch die
Standardisierung den eigenen Absatz zu steigern (siehe auch: standardessentielles Patent –
Verfahren vor dem EuGH in der Rs. C-170/13 (Huawei gegen ZTE) und die Schlussanträge in diesem
Vorabentscheidungsverfahren durch den Generalanwalt Wathelet vom 20. November 2014, unter
anderem im Hinblick auf einen möglichen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung).
Rechtliche Aspekte
Recht auf das Patent: Unter welchen Bedingungen wird ein Patent erteilt bzw.
aufrechterhalten?
Recht aus dem Patent: Wenn und solange es existiert: Welche Wirkungen hat ein Patent?
Materielle Voraussetzungen
Damit eine Erfindung patentiert wird bzw. ein einmal erteiltes Patent rechtsbeständig ist, müssen
eine Reihe von materiellen Voraussetzungen vorliegen:
Überall auf der Welt wird gefordert, dass die zu patentierende Erfindung auf
sog. erfinderischer Tätigkeit beruhen muss, also – unjuristisch ausgedrückt – für einen
Fachmann im Metier mehr sein muss als eine einfache Kombination oder Abwandlung
dessen, was schon irgendwann früher irgendwie irgendwo auf der Welt bekannt geworden
ist. Im US-Jargon nennt sich das non-obviousness.
Die europäischen Systeme fordern auch Neuheit, d. h., es darf nicht Stand der Technik sein.
Als Stand der Technik im Patentwesen gilt alles, was zuvor der Öffentlichkeit zugänglich
gemacht wurde, beispielsweise in Fachbüchern, Messen oder anderen Patenten, auch
Patentanmeldungen die noch nicht bekannt geworden (d. h. veröffentlicht) sind.
In den meisten Patentsystemen wird auch gefordert, dass die zu patentierende Erfindung als
Ganzes technischer Natur ist.
→ Hauptartikel: Patenterteilungsverfahren
Für das Prüfungsverfahren gibt es die jeweiligen Patentämter, in denen technisch ausgebildete Prüfer
die obigen materiellen Kriterien und daneben auch andere vorgeschriebene Kriterien überprüfen.
Wenn eine angemeldete Erfindung den Kriterien genügt, wird sie zum Patent erteilt, andernfalls
zurückgewiesen.
Die Rechtsbeständigkeit eines Patents kann auch nach Erteilung jederzeit notfalls gerichtlich
überprüft werden.
Die meisten Patentsysteme lassen auch nach Erteilung eines Patents die förmliche Überprüfung der
Schutzwürdigkeit des Patents zu. Es gibt hierzu beispielsweise das Einspruchsverfahren oder
die Nichtigkeitsklage.
Rechtliche Schutzwirkung
Patente sind nicht Erlaubnisse, etwas tun zu dürfen, sondern als dingliche Rechte Verbietungsrechte.
Sie entfalten einen Schutzbereich, innerhalb dessen die Erfindung von niemandem außer dem
Patentinhaber bzw. von anderen nur mit Genehmigung des Patentinhabers (Lizenz) genutzt werden
darf.
Wenn doch Patentverletzung stattgefunden hat, können dem Inhaber einzelfallabhängig einer oder
mehrere der folgende Ansprüche gegen den Verletzer zustehen:
Anspruch auf Schadenersatz gemäß § 139(2) Patentgesetz für die Vergangenheit, inklusive
Auskunftsanspruch zur Bestimmung des Schadensersatzes,
Unterlassungsanspruch gemäß § 139(1) Patentgesetz für die Zukunft, d. h. Anspruch auf eine
strafbewehrte Unterlassungsverpflichtungserklärung zur Ausräumung der
Wiederholungsgefahr.
Ein vorläufiger Schutz tritt ein mit der Veröffentlichung der Patentanmeldung. Die Veröffentlichung
der Patentanmeldung erfolgt in der Regel achtzehn Monate nach der Erstanmeldung und vor der
Erteilung des Patentes. Der vorläufige Schutz wird erst durchgesetzt, wenn das Patent erteilt ist. Das
heißt, dass rückwirkend ab Veröffentlichung der Patentanmeldung Schadensersatz geltend gemacht
werden kann. Mit der Erteilung des Patentes können zudem Unterlassung und Beseitigung geltend
gemacht werden.
Patentverletzung
Als Patentverletzung bezeichnet man die unrechtmäßige Nutzung von Patenten. Dies kann
unabsichtlich sowie vorsätzlich geschehen, wenn eine Technologie, die noch
einem Schutzrecht untersteht, ohne Lizenz genutzt wird. Nach deutschem Patentrecht muss die
jeweilige Technologie noch im verletzten Bereich erteilt sein.[10] Bei Verdacht auf eine
Patentverletzung kann diese von einem Patentanwalt begutachtet werden. Bindende Festlegungen
können aber nur die Gerichte erlassen. In Deutschland sind
zwölf Zivilgerichte mit Patentstreitkammern speziell auf Patentstreitigkeiten ausgerichtet.[11]
Inhaberschaft
Erfindungen werden rechtlich als Artefakte mit „Werkcharakter“ angesehen, also als Artefakte, die
maßgeblich durch die Bemühungen, das Wissen, die Erfahrung und die Anstrengungen, insgesamt
also durch die Persönlichkeit des/der sie schaffenden Menschen (Erfinder) geprägt sind. Dieser
Werkcharakter führt dazu, dass den Erfindern Rechte an ihrer Erfindung zugestanden werden. Die
folgende Systematik hierzu ist in allen wichtigen Patentsystemen auf der Welt implementiert:
A priori gehören die Rechte an einer Erfindung, also insbesondere die darauf aufbauenden
Schutzrechte, dem Erfinder (oder den Erfindern, wenn es mehrere sind). Erfinder sind
natürliche Personen, die die Erfindung geschaffen haben. Eine juristische Person, z. B. eine
GmbH oder eine AG, kann nicht Erfinder sein, ebenso wenig wie eine künstliche Intelligenz.
[12]
Die Qualität „Erfinder“ ist im rechtlichen Sinne nicht wählbar, sondern bemisst sich
anhand des realen Ganges der Dinge. Es können allerdings mehrere Erfinder an der
Schaffung einer Erfindung beteiligt sein.
Die Rechte an der Erfindung, insbesondere die darauf aufbauenden Schutzrechte und
Anmeldungen dazu, sind vom Erfinder weg übertragbar. Patente und Anmeldungen dazu
können den Eigentümer wechseln. Die Übertragung kann sich aus gesetzlichen
Bestimmungen oder aus einem Vertrag ergeben.
„Patentinhaber“ ist das gleiche wie „Patenteigentümer“, also der Eigentümer (= Inhaber)
eines erteilten Patents.
„Erfinder“ ist diejenige natürliche Person, die eine Erfindung geschaffen hat. Wenn die
Erfindung zum Patent angemeldet wurde und sich keine Rechtsnachfolge eingestellt hat, ist
der Erfinder auch der Anmelder und nach Erteilung der Patentinhaber.
„Miterfinder“ sind zwei oder mehr Erfinder, die gemeinsam eine Erfindung geschaffen
haben.
Anzahl Patente
Deutschland
Im Jahr 2021 langten am Deutschen Patent- und Markenamt 58.568 Einreichungen ein, davon 13.570
Anmeldungen aus Baden-Württemberg, 11.875 aus Bayern und 5.675 aus Nordrhein-Westfalen.
Aktivste Anmelderin war mit 3.966 Anmeldungen 2021 die Robert Bosch GmbH, die Bayerische
Motoren Werke AG meldeten 1.860 Patente an, die Schaeffler Technologies AG & [Link] liegt mit
1.806 Anmeldungen auf den dritten Platz. Am 31. Dezember 2021 waren in Deutschland 134.715
Patente und 72.728 Gebrauchsmuster in Kraft.[13]
Österreich
Die meisten nationalen Patentanmeldungen gab es 2021 aus Oberösterreich (513), gefolgt von
der Steiermark (462) und Wien (325). Die Unternehmen, die die meisten Patente einreichten,
waren AVL List (Motorenentwicklung, 205 Anmeldungen), Julius Blum GmbH (Beschläge, 70
Anmeldungen) und Zumtobel (Beleuchtung, 34 Anmeldungen).[15]
Siehe auch
Abzweigung (Gebrauchsmuster)
Ausschließlichkeitsrecht
Auswahlerfindung
Erfinderbenennung
Erfindernennung
Innere Priorität
Klageänderung im Patentnichtigkeitsprozess
Patentnichtigkeitsprozess
Patentklassifikation
Patentassessor
Softwarepatent
Streitgegenstand im Patentnichtigkeitsverfahren
Technologiediebstahl
Weiterbenutzungsrecht
Wirtschaftsspionage
Literatur
Geschichte
Martin Domke: Deutsche Auslandswerte in den Vereinigten Staaten von Amerika 1945–1950.
In: Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. 13, 1951, S. 537–555,
(Digitalisat, PDF; 2,4 MB).
Peter Kurz: Weltgeschichte des Erfindungsschutzes. Erfinder und Patente im Spiegel der
Zeiten. Heymanns, Köln u. a. 2000, ISBN 978-3-452-24331-7.
Florian Mächtel: Das Patentrecht im Krieg. Mohr Siebeck, Tübingen 2009, ISBN 978-3-16-
150031-2.
Fred Warshofsky: The patent wars. The battle to own the world's technology. Wiley, New
York 1994.
Helmut Schippel: Die Anfänge des Erfinderschutzes in Venedig. In: Uta Lindgren
(Hrsg.): Europäische Technik im Mittelalter. 800 bis 1400. Tradition und Innovation. 4.
Auflage. Gebr. Mann, Berlin 2001, ISBN 3-7861-1748-9, S. 539–550.
Monique Klinkenberg: Das Patent – Krankheiten, Konzerne und Patentklau. Vorwort: Ulrich
Viehöver. Schmetterling-Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-89657-470-1.
Allgemeine Informationen
Informationen über Patentdokumente des In- und Auslands. In: DPMAinformativ. Nr. 5, 2009
(Online [PDF]).
Weblinks
Europäisches Patentamt
Fritz Machlup: An Economic Review of the Patent System. (PDF) In: Diese Studie wurde von
Prof. Machlup (1902–1983) für das Subcommittee on Patents, Trademarks and Copyrights
des amerikanischen Senats erstellt. 1958, S. 88, abgerufen am 14. Mai 2021 (englisch,
Deutsche Übersetzung online nicht mehr frei verfügbar).
Peter Neuhäusler: Patente in Europa und den USA – Veränderungen ab 1991 aufgezeigt an
Gesamtzahlen und dem Technologiefeld des Ubiquitous Computing Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung, Mai 2008
Einzelnachweise
1. Absatz zur Etymologie nach Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24.
Auflage, 2002, Lemma Patent
2. World Intellectual Property Indicators 2019. (PDF; 11,8 MB) World Intellectual Property
Organization, 2019, abgerufen am 6. September 2020.
7. Michele Boldrin, David K. Levine: Against intellectual monopoly. First paperback edition
Auflage. Cambridge University Press, New York 2008, ISBN 978-0-521-12726-4, 8 Does
Intellectual Monopoly Increase Innovation?, S. 184–211, Sections: Intellectual Property and
Innovation in the Twentieth Century, Simultaneous Discovery (Online [PDF; 110 kB;
abgerufen am 3. Februar 2020]).
9. Mitteilung der Firma Patent-Pilot zu Patentanmeldung (Memento vom 22. Dezember 2015
im Internet Archive)
13. [Link]
dpma_jb2021_nichtbarrierefrei.pdf Jahresbericht des Deutschen Patent- und Markenamts
2021, abgerufen am 7. November 2022.
14. Österreichisches Patentblatt 2022, Nr. 8 (August). (PDF; 320 KB) In: Website des ÖPA. S.
6ff, abgerufen am 4. November 2022.
Kategorie:
Patentrecht
Diese Seite wurde zuletzt am 18. Dezember 2025 um 20:06 Uhr bearbeitet.
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