Technische Universität München
Lineare Algebra
für Informatiker [MA 0901]
Übungsblatt 3
Tutorium
T3.1 Sudoku für Mathematiker. Es sei G = {a, b, c, x, y, z} eine sechselementige Menge mit einer
inneren Verknüpfung · : G × G → G. Vervollständigen Sie die untenstehende Multiplikationstafel unter
der Annahme, dass (G, ·) eine Gruppe ist.
· a b c x y z
a c b
b x z
c y
x x
y
z a x
Lösung T3.1: Um die unvollständige Gruppentafel zu vervollständigen, können folgende Argumente
genutzt werden:
(1) In der vierten Spalte und vierten Zeile steht der Eintrag x2 = x. Daraus folgt, dass x das neutrale
Element der Gruppe sein muss. Damit sind bereits alle Eintragungen der vierten Spalte und der
vierten Zeile eindeutig festgelegt.
(2) Die in der Gruppentafel angegebenen Gleichungen ay = c, az = b, b2 = x, usw. sowie die jeweils beim
Ausfüllen neu dazukommenden Gleichungen, können (und müssen) verwendet werden.
(3) In jeder Zeile und in jeder Spalte kann jedes Element der Gruppe nur genau einmal vorkommen. Sind
also in einer Zeile oder Spalte 5 der 6 Eintragungen bekannt, ist der sechste Eintrag bereits eindeutig
bestimmt.
Wir starten mit der gegebenen Gruppentafel und nutzen aus, dass aus x2 = x folgt, dass x das neutrale
Element ist:
a b c x y z a b c x y z
a c b a a c b
b x z b x z b
c y −→ c y c
x x x a b c x y z
y y y
z a x z a z x
Nun stehen in der zweiten Spalte vier von sechs Einträgen. Es fehlen die Einträge c und z. In der ersten
Zeile der zweiten Spalte kann aber das c nicht stehen, weil das c in dieser Zeile schon aufgeführt ist. Also
muss dort ein z stehen. Wir benutzen dann die beiden Gleichungen b2 = x und bc = z, um den Eintrag
1
von bz zu bestimmen: bz = bbc = xc = c.
a b c x y z a b c x y z
a z a c b a z a c b
b x z b b x z b c
c y c −→ c y c
x a b c x y z x a b c x y z
y c y y c y
z a z x z a z x
So wie wir eben die vierte Zeile vervollständigt haben, können wir nun auch die zweite, damit dann
die erste Zeile und hiermit schließlich die letzte Zeile vervollständigen (siehe nächste Gruppentafeln).
Schließlich erhalten wir aus dieser Tafel dann wiederum
c a = (b z) a = b (z a) = b c = z und dann c z = c (a b) = (c a) b = z b = a .
Durch weiteres Anwenden der oben aufgeführten Regeln bekommen wir die komplette Gruppentafel:
a b c x y z a b c x y z
a x z y a c b a x z y a c b
b y x z b a c b y x z b a c
c y c −→ c z y x c b a
x a b c x y z x a b c x y z
y c y y b c a y z x
z c a b z x y z c a b z x y
T3.2 Im Folgenden sind vier multiplikative Gruppen gegeben, die wir jeweils mit G bezeichnen. Stellen
Sie jeweils die Verknüpfungstafel für die Gruppe G auf; dabei sei jeweils e das neutrale Element von G:
(a) G = {e, a},
(b) G = {e, a, b},
(c) G = {e, a, b, c} mit a2 = b,
(d) G = {e, a, b, c} mit a2 = b2 = c2 = e.
Lösung T3.2: Wir begründen vorab, dass in jeder Zeile der Verknüpfungstafel einer Gruppe jedes
Element der Gruppe genau einmal auftaucht. Dazu betrachten wir die Zeile zu einem Element x:
• Jedes Element kommt höchstens einmal vor: Aus xa1 = xa2 folgt nämlich a1 = a2 .
• Jedes Element kommt mindestens einmal vor: Man findet y als x (x−1 y).
Man begründet analog, dass in jeder Spalte der Verknüpfungstafel einer Gruppe jedes Element der Gruppe
genau einmal auftaucht.
(a) Besteht G aus zwei Elementen, so ist die Verknüpfungstafel festgelegt, sie lautet:
· e a · e a
e e a −→ e e a
a a a a e
2
(b) Besteht G aus drei Elementen, so ist erneut die Verknüpfungstafel festgelegt: Es muss b a = e gelten,
die restlichen Einträge sind dann leicht zu vervollständigen:
· e a b · e a b
e e a b e e a b
−→
a a a a b e
b b b b e a
(c) Besteht G aus vier Elementen, so ist die Verknüpfungstafel hierdurch noch nicht festgelegt. Erst die
zusätzliche Bedingung a2 = b legt diese fest. Man beachte, dass a b = c gelten muss, a b = e würde zu
zwei c in der letzten Spalte führen. Damit liegt die zweite Zeile fest. Nun muss b a = c gelten, da aus
b a = e folgen würde, dass auch a b = e gilt. So fortfahrend erhält man:
· e a b c · e a b c
e e a b c e e a b c
a a b −→ a a b c e
b b b b c e a
c c c c e a b
(d) Das ist die sogenannte Kleinsche Vierergruppe:
· e a b c · e a b c
e e a b c e e a b c
a a e −→ a a e c b
b b e b b c e a
c c e c c b a e
Bemerkung. Man beachte, dass durch eine solche Konstruktion einer Gruppentafel nicht gewährleistet ist,
dass die zugrundeliegende Menge mit dieser Verknüpfung · auch eine Gruppe ist, sprich, dass alle Axiome
einer Gruppe erfüllt sind. Insbesondere der Nachweis des Assoziativitätsgesetzes ist meist problematisch.
T3.3 Zeigen Sie für reelle n × n-Matrizen, n ∈ N: Die Menge O(n) = {A ∈ Rn×n | A A⊤ = En } der
sogenannten orthogonalen n × n-Matrizen bildet eine Untergruppe von GL(n) := (Rn×n )× .
Lösung T3.3: Da En ∈ O(n), ist O(n) nicht leer. Jedes A ∈ O(n) ist invertierbar, es gilt A⊤ = A−1 ,
sodass A ∈ GL(n). Damit gilt O(n) ⊆ GL(n). Sind A, B ∈ O(n), so gilt
A B (A B)⊤ = A B B ⊤ A⊤ = En ,
sodass A B ∈ O(n). Schließlich gilt für A ∈ O(n) wegen A⊤ = A−1 auch A−1 (A−1 )⊤ = A⊤ (A⊤ )⊤ =
A⊤ A = En , sodass A−1 ∈ O(n).
T3.4 Es sei G eine Gruppe, deren Elemente sämtlich eine Ordnung ≤ 2 haben. Man zeige, dass G
abelsch ist.
Lösung T3.4: Es seien a, b ∈ G. Aus a2 = eG = b2 und (a b)2 = eG folgt
a a b b = a2 b2 = (a b)2 = a b a b ,
nach Kürzen von a und b also a b = b a.
3
T3.5 Es sei ε = cos( 2π
6
) + i sin( 2π
6
) ∈ C eine 6-te Einheitswurzel (d. h. eine 6-te Wurzel aus 1).
(a) Zeigen Sie, dass G = {1, ε, ε2 , . . . , ε5 } mit der Multiplikation · komplexer Zahlen eine Gruppe ist.
(b) Geben Sie, soweit möglich, zu jedem k ∈ {1, . . . , 6} eine Untergruppe Uk von G an mit |Uk | = k.
Lösung T3.5: (a) Wegen o(ε) = 6 gilt G = ⟨ε⟩; und da die von Elementen einer Gruppe (nämlich von
(C× , ·)) erzeugten Untergruppen insbesondere Untergruppen und als solche Gruppen sind, ist (G, ·) eine
Gruppe.
(b) Nach dem Satz von Lagrange kommen nur Untergruppen der Ordnungen 1, 2, 3, 6 infrage, da dies
die einzigen Teilen von 6 = |G| sind.
Die Untergruppen von der Ordnung 1 und 6 sind klar, es sind dies U1 = {1} und U6 = G.
Eine Untergruppe von der Ordnung 2 kann man erraten: U2 = {1, ε3 }, da ε3 ·ε3 = 1; übrigens ist U2 = ⟨ε3 ⟩.
Eine Untergruppe von der Ordnung 3 findet man ähnlich: U3 = {1, ε2 , ε4 }; hier ist U3 = ⟨ε2 ⟩.
Mit etwas Mühe kann man zeigen, dass es neben U2 bzw. U3 keine weiteren Untergruppen in G von der
Ordnung 2 bzw. 3 gibt – aber das wurde nicht verlangt.
T3.6 Es sei R ein Ring mit der Eigenschaft a2 = a für alle a ∈ R. Beweisen Sie:
(a) In R gilt a + a = 0 für alle a ∈ R.
(b) R ist kommutativ.
Lösung T3.6: (a) Für jedes a ∈ R gilt:
a + a = (a + a)2 = a2 + a2 + a2 + a2 = a + a + a + a ,
also a + a = 0.
(b) Es seien a, b ∈ R. Aus
a + b = (a + b)2 = a2 + b2 + a b + b a = a + b + a b + b a
folgt: a b = −b a. Nach (a) gilt x = −x für alle x ∈ R. Somit gilt für alle a, b ∈ R:
a b = −b a = b a .
4
Zusätzliche Übungen
Z3.1 Beweisen Sie den Satz von Euler erneut für endliche abelsche Gruppen G. Berechnen Sie dazu für
ein beliebiges a ∈ G zum einen x∈G x und zum anderen x∈G (a x).
Q Q
Lösung Z3.1: Für jedes Element a ∈ G gilt G = {a x | x ∈ G}, da λa : G → G, x 7→ a x eine Bijektion
ist. Da G abelsch ist, gilt mit n = |G|:
an x= (a x) =
Y Y Y
x,
x∈G x∈G x∈G
nach Kürzen von x also an = eG . Damit ist der Satz von Euler für abelsche Gruppen bereits
Q
x∈G
bewiesen.
0 1 0 1
! !
Z3.2 Welche Ordnungen haben die Elemente A = ,B= und A B aus GL2 (R)?
−1 0 −1 −1
0 −1
!
−1
Lösung Z3.2: Wegen A2 = 0
, A3 = und A4 = E2 hat A die Ordnung 4.
0 −1 1 0
!
−1 −1
Wegen B =2
und B 3 = E2 hat B die Ordnung 3.
1 0
1 2 1 2n
! ! !
−1 −1
Wegen A B = , (A B) =
2
, . . . , (A B) =
2n
gilt o (A B) = ∞.
0 −1 0 1 0 1
Z3.3 Man zeige: In Z/n ist jedes Element ̸= 0 entweder ein Nullteiler oder invertierbar. Dabei heißt ein
Element a ̸= 0 Nullteiler, falls es ein b ̸= 0 gibt, sodass a b = 0 gilt.
Lösung Z3.3: Wir wissen, dass die invertierbaren Elemente in Z/n genau jene k sind mit ggT(k, n) = 1.
Ist nun k ̸= 0 nicht invertierbar, so ist d = ggT(k, n) ̸= 1. Zu zeigen ist nun, dass ein Element 0 ̸= l ∈ Z/n
existiert mit k l = 0; anders ausgedrückt: Gesucht ist ein l ∈ {1, . . . , n − 1} mit k l ∈ n Z. Hierfür bietet
sich l := nd an. Es gilt nämlich:
!
n k
k = n = 0,
d d
also ist k ein Nullteiler. In Z/12 gilt beispielhaft
2 · 6 = 0 , 3 · 4 = 0 , 8 · 3 = 0 , 9 · 4 = 0 bzw. 5 · 5 = 1 , 7 · 7 = 7 und 11 · 11 = 1 .
Aktuelle Informationen zu Vorlesung und Übungen finden Sie unter: [Link]
5