Gottscheds Poetik und Theaterreform -J. Ch.
Gottsched: Critische Dichtkunst (1730)
2. Situation in Deutschland
A) Hoftheater
B)Wanderbühne
Figuren der Wanderbühnen
Hanswurst (Stegreifkomödie)
Harlekin (Commedia dell’ arte)
Man kannte keine Regeln, man bekümmerte sich um keine Muster. Unsre Staats- und
Helden-Aktionen waren voller Unsinn, Bombast, Schmutz und Pöbelwitz. Unsre Lustspiele
bestanden in Verkleidungen und Zaubereien, und Prügel waren die witzigsten Einfälle
derselben.“ (Lessing: 17. Literaturbrief vom Februar 1759)
Friderike Caroline Neuber
Zusammenarbeit mit Gottsched und seiner Frau
Leipzig wird zum literarischen Zentrum der Frühaufklärung
3. Schauspiel- und Theaterreform
A) Gottsched
gilt als Erneuerer des deutschen Dramas:
Critische Dichtkunst
Der sterbende Cato
Deutsche Schaubühne
B) Friderike Caroline Neuber
gründet die Neubersche Komödiengesellschaft (1727)
Neubersche Komödiantengesellschaft 1727 Leipzig
Leipzig wird zum literarischen Zentrum der Frühaufklärung
verbessert
- die Umstände des Theaterspielens
- die Ausbildung der Akteure
Ziel: - europäisches Niveau erreichen
- Stücke zeigen, die den Zuschauer zum tugendhaften Leben anleiten
- den Geschmack des Publikums verfeinern
. Gottscheds Dramaturgie
Aufgabe: das dt. Theater auf ein aufgeklärtes Niveau zu heben
Verbesserung der Sprechkultur
Anpassung der Kostümierung den historischen Gegebenheiten des jeweiligen Dramas
Verschwinden der Improvisation
Reinigung des Spielplans
Ziel = Verbesserung der Sitten
Drama soll die Tugenden u. Laster zeigen
a) Theorie: Critische Dichtkunst, Die deutsche Schaubühne
b) Praxis:
Übersetzungen aus dem Französischen (Cornaille, Racine, Moliere)
Musterstücke (Der sterbende Cato)
Drama = Nachahmung der Natur
≠ exakte Abbildung
wichtigstes Kriterium:
Wahrscheinlichkeit = Maßstab für den Aufbau der Handlung
Einhalten der 3 Einheiten:
) Einheit der Handlung: Beschränkung des Geschehens auf eine Haupthandlung
Die ganze Fabel hat nur eine Hauptabsicht, nämlich einen moralischen Satz: also muß sie
auch nur eine Haupthandlung haben, um derentwegen alles übrige vorgeht.” (CD)
Einheit des Ortes: keine räumliche Sprünge, keine Schauplatzwechsel (der Zuschauer
verlässt seinen Platz auch nicht)
Einheit der Zeit: Annäherung von Spielzeit und gespielter Zeit (ca 12 Stunden)
Weglassen barocker Elemente: Geister, Götter, Chöre, Hanswurst usw. Begrenzung der
Phantasie
die auftretenden Personen sollen einen festen, durchgehenden Charakter haben:
Ein widersprechender Charakter ist ein Ungeheuer, das in der Natur nicht vorkommt:
daher muß ein Geiziger geizig, ein Stolzer stolz (…) sein und bleiben.” (CD)
Handlung des Dramas = mögliche, aber nicht wirkliche Begebenheit = „Geschichte aus
einer anderen Welt”
Der Poet wählet sich einen moralischen Lehrsatz, den er seinen Zuschauern auf eine
sinnliche Art einprägen will. Dazu erinnert er sich eine allgemeine Fabel, daraus die
Wahrheit eines Satzes erhellet.” (CD
Gottsched lehnte die mittleren Gattungen ab, Tragödie und Komödie sollten
unterschiedliche Stoffe haben. Er hat in der Critischen Dichtkunst die Tragödie und die
Komödie neu bestimmt und suchte sie den Bedürfnissen des aufgeklärten Publikums
anzupassen.
TRAGÖDIE Nachahmung einer Handlung, dadurch sich eine vornehme Person harte und
unvermutete Unglücksfälle zuzieht” (CD)
gewähltere Sprache
- gereimter Alexandriner
KOMÖDIe „Nachahmung einer lasterhaften Handlung, die durch ihr lächerliches Wesen
den Zuschauer belustigen, aber auch zugleich erbauen kann” (CD)
Prosa
Für Gottsched hat die Tragödie Vorrang
d) Ständeklausel
Tragödie hohe Gattung
hohe Standespersonen („vornehme Personen”)
Komödie ’niedere’ Gattung
niedere Standespersonen
Ein Trauerspiel, meine Herren, ist ein lehrreiches moralisches Gedichte, darin eine
wichtige Handlung vornehmer Personen auf der Schaubühne nachgeahmet und
vorgestellet wird. […] Es ist eine allegorische Fabel, die eine Hauptlehre zur Absicht hat,
und die stärksten Leidenschaften ihrer Zuhörer, als Verwunderung, Mitleiden und
Schrecken zu dem Ende erreget, damit sie dieselben in ihre gehörigen Schranken bringen
möge.”
(J. Ch. Gottsched: Die Schauspiele und besonders die Tragödien sind aus einer
wohlbestellten Republik nicht zu verbannen. In: Ausgewählte Werke. Hrsg. v. J. Birke u.a.
Berlin, New York 1966, S. 492-500, hier S. 494.)
Die Tragödie soll einen moralischen Lehrsatz durch das Bühnengeschehen illustrieren.
(Die Fabelgattung hat einen ähnlichen moralischen Zweck, so steht sie neben der
Tragödie an der Spitze von Gottscheds Gattungshierarchie.)
Oedipus „ist so, wie die Menschen insgeheim zu seyn pflegen, das ist, von mittlerer
Gattung, er hat gewisse Tugenden, aber auch gewisse Laster an sich: und doch stürzen
ihn bloß die letzten ins Unglück. Denn hätte er niemanden erschlagen, so wäre alles
übrige nicht erfolget. Er hätte sich aber billig vor allen Todtschlägen hüten sollen:
nachdem ihm das Orakel eine deutliche Weissagung gegeben hatte.” (CD)
Lehrsatz: Gott lässt auch die Laster, die unwissend begangen worden seien, nicht
unbestraft.
Gottsched trennt die Affekte, die die Tragödie hervorrufen soll und ordnet sie
verschiedenen Trauerspieltypen zu:
A) Schrecken historisches Trauerspiel
B) Mitleid Märtyrerdrama
C) Verwunderung/Bewunderung heroisches Trauerspiel
Funktion der Tragödie: Sittenlehre vermitteln, Tugend und Laster zeigen
Verstandeseinsicht
Wirkung: Verbesserung des Menschen
Um diese zu erreichen, muss sie wahrscheinlich sein, die Illusion der Wirklichkeit
erwecken
Lessing Nationaltheater
= geistiges Zentrum
Aufgabe: die kulturelle Identität einer Nation zu befördern
- 1766 Hamburger Nationaltheater
Dramaturg: G. E. Lessing
Hamburgische Dramaturgie
= Berichte über einzelne Aufführungen + Behandlung theoretischer Fragen
Spielplan:
- Abkehr vom französischen Klassizismus
- Deutsche Stücke
Die Studierenden sind in der Lage,
die Elemente von Gottscheds Poetik aufzuzählen und sein Werk Critische Dichtkunst
vorzustellen.
zu bestimmen, worum es im sog. „Literaturstreit” ging.
die epochenspezifischen Gattungen aufzulisten und ihre Merkmale zu erörtern.
die Beliebtheit der Tragödie in der Aufklärung zu begründen.
die bedeutendsten TheaterreformerInnen der Frühaufklärung zu benennen.
die Bühnenreformen der Neuberin darzustellen.
die Funktion der Nationaltheater zu bestimmen.
Gottscheds Dramenkonzept vorzustellen.
die Tendenzen zu benennen, die zum Wandel der Gattung Tragödie führten.
die Gründe für die Entstehung neuer Dramenformen zu bestimmen und ihren
Zusammenhang mit den dichtungstheoretischen Forderungen der Epoche zu erörtern.