Netzwerke und Schaltungen II
Beispiel-Klausur 5
Hinweis: Alle Ergebnisse sind auf 3 signifikante Stellen zu runden. Bsp: 1.3456 × 10−5 m ⇒
13.5 µm
Jeder Rechenschritt muss klar erkennbar sein!
Hinweis: Diese NUSII-Beispiel-Klausur und ihre Musterlösung werden vom
HPE für NUSII-Studierende zum Lernen bereitgestellt. Die Weitergabe an
Dritte ist nicht gestattet. Die Beispiel-Klausur dient als Orientierung dafür,
wie eine NUSII-Prüfung gestaltet sein kann. Zukünftige Prüfungen können
davon jedoch abweichen. Insbesondere kann auch die Gesamtpunktzahl, die
Punkteverteilung auf die verschiedenen Themenbereiche sowie der Umfang der
einzelnen Aufgaben variieren. Eine Klausur kann ausserdem noch Multiple-
Choice-Fragen beinhalten. Diese Beispiel-Klausur würde beispielsweise Multiple-
Choice-Fragen im Umfang von 12 Punkten (ca. 10%) beinhalten. Multiple-
Choice Fragen finden Sie im Moodle.
Für die Bestnote müssen nicht alle Fragen korrekt beantwortet werden. In der vorlie-
genden NUSII-Beispiel-Klausur würden ca. 85% der Punkte ausreichen.
Teil 1 Drehstromsysteme (19 Punkte = 20%)
In Abb. 1 wird eine zweipolige Synchronmaschine an einer symmetrischen dreiphasigen
Spannungsquelle (û = 100 V) mit einer Frequenz von 50 Hz betrieben. Die Synchronma-
schine stellt mit R = 10 Ω und L = 1 H eine symmetrische Last dar. Für die Netzspan-
nungen gilt:
◦ ◦ ◦
û1 = û · ej0 , û2 = û · e+j120 , û3 = û · e+j240
Beachten Sie die gegebenen Winkel der Quellenspannungen, die ein linksdrehendes System
beschreiben.
i1
1
iL1 iR1
u^ 1 u^ 12 C L R
u^ 31
iL2
u^3
u^ 2
R
L
C C
iR2
3 L R 2
i2
i3 u^ 23
Abbildung 1: Dreiphasige Spannungsquelle und Ersatzschaltbild einer Synchronmaschine
mit einem Blindleistungskompensationsnetzwerk (grau hinterlegt).
Für die Teilaufgaben a) - f) soll das in Abb. 1 grau hinterlegte Blindleistungskompensa-
tionsnetzwerk vernachlässigt werden.
a) Berechnen Sie die Spannungen û12 , û23 und û31 in Polarkoordinaten.
b) Skizzieren Sie das Zeigerdiagramm der Spannungszeiger û1 , û2 , û3 , û12 , û23 und û31 .
Achten Sie hierbei insbesondere auf die Winkelbeziehungen der Zeiger untereinander
und legen Sie den Zeiger û1 in die reelle Achse.
c) Berechnen Sie die Quellenströme î1 , î2 und î3 in Polarkoordinaten.
2
d) Skizzieren Sie das Zeigerdiagramm für die beiden Quellenströme î1 und î2 , sowie für
die Lastströme îR1 , îL1 , îR2 und îL2 . Legen Sie den Zeiger îR1 in die reelle Achse.
Hinweis: Sie benötigen hierzu keine numerischen Ergebnisse aus c) oder andere
zusätzliche Berechnungen. Achten Sie vielmehr auf die Winkelbeziehungen der Zeiger
untereinander.
e) Geben Sie die von der Synchronmaschine aufgenommene Schein-, Blind- und Wirk-
leistung an.
f) Das in Abb. 1 grau hinterlegte Kondensatornetzwerk soll verhindern, dass im Be-
trieb Blindleistung aus dem Netz bezogen wird. Berechnen Sie die für die Blindleis-
tungskompensation benötigten Kapazitätswerte, so dass die Synchronmaschine nur
Wirkleistung aus dem Netz bezieht.
g) Geben Sie die Resonanzfrequenz der Verschaltung aus Kondensatornetzwerk und
Synchronmaschine an.
3
Teil 2 Knotenpotentialverfahren (18 Punkte = 19%)
Aufgabe 2A: Netzwerksumformung (6 Punkte)
Transformator
R 1 L1
îq2
C
ûq1 M R
Erdpotential L2
Abbildung 2: Netzwerk A.
Der Transformator in Abb. 2 besitzt die Selbstinduktivitäten L1 und L2 sowie die Kopp-
lungsinduktivität M .
a) Wandeln Sie ûq1 und R in eine bezüglich der Klemmen 1 und 2 äquivalente Strom-
quelle um. Zeichnen Sie dazu das Schaltbild der äquivalenten Stromquelle und geben
Sie alle darin auftretenden Grössen an.
b) Ersetzen Sie den Transformator durch ein auf Stromquellen basierendes Ersatzschalt-
bild und zeichnen Sie das Netzwerk neu. Ermitteln Sie die Parameter der Transfor-
matorersatzschaltung in Abhängigkeit von L1 , L2 und M .
Aufgabe 2B: Netzwerkberechnung (12 Punkte)
îq1 îq3 îq2
C
û1
îC
Erdpotential
Abbildung 3: Netzwerk B.
c) Zeichnen Sie in Netzwerk B alle unabhängigen Knotenspannungen ein. Verwenden
Sie das Erdpotential als Referenzpotential.
4
d) Stellen Sie die Knotengleichungen in Abhängigkeit der Knotenspannungen auf.
e) Berechnen Sie die Spannung û1 in Abb. 3.
Die Stromquelle îq2 wird nun durch den Kondensatorstrom îC gesteuert. Es gilt îq2 = K îC
mit der Konstante K.
f) Wie lauten die neuen Knotengleichungen?
g) Berechnen Sie die Spannung û1 neu.
5
Teil 3 Harmonische Analyse (20 Punkte = 21%)
Aufgabe 3A: Fourieranalyse eines Signals (6 Punkte)
ûq
t
δT
T
Abbildung 4: Gegebenes Signal uq (t).
Abb. 4 zeigt den Zeitverlauf des gegebenen Signals uq (t).
a) Setzen Sie den Nullpunkt t = 0 so, dass sich eine geeignete Symmetrie für 0 < δ < 1
ergibt. Um welche Art von Symmetrie handelt es sich?
b) Stellen Sie die Integralausdrücke aller Fourier-Koeffizienten a0 , ân und b̂n als Funk-
tion der Variablen t, n, δ, T und ûq auf. Geben Sie eine Lösung für die Integrale an.
Hinweis 1: Diejenigen Fourierkoeffizienten, die durch die Symmetrie zu 0 werden,
müssen nicht angegeben werden.
Hinweis 2: Eine Berechnung der Integrale ist nicht notwendig.
Aufgabe 3B: Netzwerkberechnung (14 Punkte)
uq (t) C R uR (t)
Abbildung 5: Netzwerk für Aufgabe 3B.
In der folgenden Teilaufgabe wird das Netzwerk in Abb. 5 betrachtet. Die Quellenspannung
P∞ 4û
sei uq (t) = 2 û + n=1 − π2 n2 cos(nωt).
1
c) Berechnen Sie die Welligkeit w von uq (t) und vereinfachen Sie das Ergebnis so weit
6
wie möglich.
π4
Hinweis: ∞ 1
=
P
n=1 n4 90
d) Geben Sie einen analytischen Ausdruck für die Spannung am Widerstand uR (t) an.
Gehen Sie davon aus, dass transiente Vorgänge abgeklungen sind und dass sich das
Netzwerk im eingeschwungenen Zustand befindet.
7
Teil 4 Laplace-Transformation (20 Punkte = 21%)
Abb. 6 zeigt einen Gleichspannungswandler mit Last. Die Schaltung wird am Eingang von
einer Gleichspannungsquelle mit der Spannung U angeregt. Der Schalter S ist für t < 0 auf
Position 1, so dass alle transienten Vorgänge als abgeschlossen betrachtet werden können.
Zum Zeitpunkt t = 0 wird der Schalter S von Position 1 auf Position 2 geschaltet.
Hinweis: In diesem Aufgabenteil müssen Brüche im Zähler und Nenner von Übertragungs-
funktionen nicht weiter vereinfacht werden.
uL(t)
2
iL(t) L S
t=0 1
iC(t) iR2(t)
R1 C R2 uR2(t)
U
uC(t)
iR1(t)
Abbildung 6: Gleichspannungswandler mit Last.
a) Berechnen Sie für die in Abb. 6 gezeigte Schaltung die Anfangswerte uC (0) und iL (0)
zum Zeitpunkt t = 0.
b) Zeichnen Sie für die in Abb. 6 gezeigte Schaltung das Ersatzschaltbild im Laplace-
Bildbereich für den Zeitraum t ≥ 0.
c) Berechnen Sie den Strom I L (s) analytisch im Laplace-Bildbereich für t ≥ 0 in
Abhängigkeit der Parameter U, R1 , R2 , L und C.
d) Geben Sie die Nullstellen s1 , s2 , ... sn des Nennerpolynoms von I L (s) in Abhängigkeit
von L, C und R2 an. Vereinfachen Sie den Ausdruck für I L (s), um im nächsten
Aufgabenteil eine Partialbruchzerlegung durchführen zu können, und führen Sie in
Nenner und Zähler geeignete Abkürzungen ein.
e) Welche Bedingung muss erfüllt sein, damit die Nullstellen des Nennerpolynoms von
I L (s) reell und einfach sind?
f) Berechnen Sie die Partialbruchzerlegung von I L (s). Nehmen Sie an, dass die Null-
stellen des Nennerpolynoms reell und einfach sind.
g) Berechnen Sie iL (t) im Zeitbereich mit Hilfe der berechneten Partialbruchzerlegung.
8
Teil 5 Verstärkerschaltungen (20 Punkte = 19%)
Abb. 7 zeigt eine Messschaltung, mit der der periodische Strom iM (t) = 10 A cos (ω t)
mit Hilfe des Shuntwiderstandes RS = 10 mΩ gemessen werden soll. Hierfür wird ein
Instrumentationsverstärker mit nachgeschaltetem Filterglied verwendet. Zunächst sollen
alle Verstärker als ideal angenommen werden. Weiter sei dem Messsignal des Shunts eine
Gleichspannung U1 = 2 V überlagert.
+
UB+ A
-
UB− R6
R4 R3 C
C
R1
- UB− R5
uS RS umid - UB−
iM R2
+
B UB+ +
R1 UB+
R4 R3 uM
uO
- UB−
U1 +
UB+
Instrumentationsverstärker Filter
Abbildung 7: Schaltung zur Messung eines periodischen Stroms.
In den folgenden Aufgabenteilen a) - d) wird die Schaltung ohne das Filter betrachtet.
a) Benennen Sie die drei gekennzeichnete Verstärkerschaltungen ⃝,
A ⃝B und ⃝C in Abb. 7,
aus denen der Instrumentationsverstärker aufgebaut ist. Welchen Vorteil bringen ⃝
A
und ⃝B für die Messschaltung?
b) Bestimmen Sie die Gleichtaktverstärkung ACM des Instrumentationsverstärkers und
leiten sie einen Ausdruck für dessen Differenzverstärkung ADM her.
c) Bestimmen Sie den Widerstand R2 so, dass ûM = 2 V. Nehmen Sie hierfür an, dass
R4 = 10 kΩ und dass Teilschaltung ⃝
C mit ADM,C := uuM = −1, 75 verstärkt.
mid
d) Es sollen nun die Messbereichsgrenzen der Schaltung untersucht werden, welche
durch das Sättigungsverhalten der ansonsten idealen Verstärker bestimmt werden.
Diese werden mit den Spannungen UB+ = 3 V und UB− = −3 V versorgt. Ge-
ben Sie einen Ausdruck für die maximale Stromamplitude îM,max in Abhängigkeit
von RS , R2 , R4 , U1 und UB+ an, bei der die Teilschaltung ⃝A gerade noch an der
Sättigungsgrenze betrieben wird.
9
In den folgenden Aufgabenteilen e) - g) wird nur das Filter betrachtet. Die Spannung über
dem Kondensator C zum Zeitpunkt t = 0 sei 0 V.
e) Geben Sie den Filtertypen sowie dessen Ordnung an.
f) Geben Sie einen analytischen Ausdruck für die Übertragungsfunktion UUMo (s)
(s) an, wobei
Uo (s) und UM (s) die Laplacetransformierten der Spannungen uo (t) und uM (t) sind.
g) Bestimmen Sie nun C und R6 so, dass das Filter eine Gleichspannungsverstärkung
von -1 und eine -3 dB Grenzfrequenz von fg = 10 kHz aufweist. Nehmen Sie R5 =
5 kΩ an.
10