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Handout 6

Das Dokument behandelt die Formalisierung von Relativsätzen, Disjunktionen, Negationen, Implikationen und Bikonditionalen in der Argumentationstheorie. Es erklärt die Unterschiede zwischen explikativen und restriktiven Relativsätzen sowie die logischen Ausdrücke, die in verschiedenen Satzstrukturen verwendet werden. Zudem werden Übungen zur Formalisierung von Sätzen angeboten, um das Verständnis der logischen Konzepte zu vertiefen.

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Handout 6

Das Dokument behandelt die Formalisierung von Relativsätzen, Disjunktionen, Negationen, Implikationen und Bikonditionalen in der Argumentationstheorie. Es erklärt die Unterschiede zwischen explikativen und restriktiven Relativsätzen sowie die logischen Ausdrücke, die in verschiedenen Satzstrukturen verwendet werden. Zudem werden Übungen zur Formalisierung von Sätzen angeboten, um das Verständnis der logischen Konzepte zu vertiefen.

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Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Christoph Schamberger

Institut für Philosophie Niklas Parwez


Übung: Argumentation
Wintersemester 2022/23 16./17./18.11.2022

Auch die sogenannten explikativen Relativsätze werden am besten mit der Konjunktion forma-
lisiert. Diese Nebensätze enthalten eine zusätzliche Information über einen namentlich
genannten Menschen oder Gegenstand. Diese Information ist für das Verständnis des
Hauptsatzes nicht erforderlich. Die logische Form dieser Sätze lautet A ∧ B:
(1) Kain erschlug seinen Bruder Abel, den er hasste.
(2) Georg, dessen Freundin in mich verliebt ist, hat mich zum Duell aufgefordert.

Anders zu formalisieren sind restriktive Relativsätze, die ein namentlich nicht genanntes Satz-
glied des Hauptsatzes näher spezifizieren. Die Information des restriktiven Relativsatzes ist
für das Verständnis des Hauptsatzes erforderlich, denn erst aus dem Relativsatz wird klar,
um welchen Gegenstand es im Hauptsatz geht. Sie haben die logische Form A:
(3) Die USA suchten lange nach dem Mann, der die Anschläge auf das World Trade
Center geplant hatte.
(4) Die Firma, für die Herbert arbeitet, bezahlt schlecht.

Stünde hingegen in Satz (3) anstelle von „dem Mann“ ein Name für eine konkrete Person
oder in (4) anstelle von „die Firma“ ein Firmenname, so wird aus dem restriktiven Relativ-
satz ein explikativer Relativsatz:
(5) Die USA suchten lange nach Osama bin Laden, der die Anschläge auf das World
Trade Center geplant hatte.
(6) Die Allianz Versicherung, für die Herbert arbeitet, bezahlt schlecht.

Übung: Formalisieren Sie bitte die folgenden Sätze. Geben Sie jeweils in einer Zuordnungs-
liste die Aussagebuchstaben und die zugehörigen Einzelaussagen an.
(1) Goethe reiste ins Land, wo die Zitronen blühn.
(2) Goethe reiste nach Italien, wo die Zitronen blühn.

4.3 Disjunktion

Teilweise steht der logische Ausdruck „oder“ a) zwischen den Bezeichnungen zweier Gegen-
stände, Ereignisse oder Gruppen, teilweise b) zwischen den Bezeichnungen zweier Eigen-
schaften, Tätigkeiten oder Beziehungen. Die folgenden Sätze haben jeweils die aussagenlogi-
sche Form A ∨ B:

Beispiele für a):


Ute oder Hans ist nett.
Der Erste Weltkrieg oder der Zweite Weltkrieg ging von Europa aus.
Ute oder Hans ist in Bernadette verliebt.
Brandenburg oder Thüringen grenzt an Sachsen.
Die Deutschen oder Franzosen sind Europäer.
Die meisten Italiener oder Franzosen glauben an Gott.
Beispiele für b):
Ute ist nett oder lieb.
Der Zweite Weltkrieg dauerte sechs Jahre oder kostete etwa 55 Millionen Menschenleben.

1
Hans geht spazieren oder genießt das warme Wetter.
Angela liebt Fred oder Bert.

ausschließendes „oder“:
• drückt aus, dass von zwei oder mehreren Möglichkeiten jeweils nur eine als Tatsache
zutrifft,
• kann durch Voranstellen des Worts „entweder“ betont werden,
• kann mit der Kontravalenz (Symbol: „⊕“, „>-<“ oder „><“) formalisiert werden.
einschließendes „oder“:
• drückt aus, dass von zwei oder mehreren Möglichkeiten mindestens eine als Tatsache
zutrifft,
• kann mit der Disjunktion (Symbol: „∨“) formalisiert werden.

Ausschließendes „oder“ kann auch mit anderen logischen Ausdrücken formuliert werden:
Soraya studiert entweder in Düsseldorf oder in Essen.
➢ Soraya studiert in Düsseldorf, oder sie studiert in Essen, aber es ist nicht der Fall,
dass sie in Düsseldorf studiert und in Essen studiert.
➢ Soraya studiert genau dann in Düsseldorf, wenn sie nicht in Essen studiert.
➢ Soraya studiert genau dann nicht in Düsseldorf, wenn sie in Essen studiert.

Ein Satz der Form „entweder α oder β“ lässt sich auf drei Arten formalisieren:
a) (α ∨ β) ∧ ¬(α ∧ β)
b) α ≡ ¬β
c) ¬α ≡ β

Das folgende Argument ist logisch gültig:


(1) Soraya studiert entweder in Düsseldorf oder in Essen.
(2) Soraya studiert in Düsseldorf.
(3) Soraya studiert nicht in Essen.

Das folgende Argument ist logisch ungültig:


(1) Die Übung zur Argumentationstheorie findet am Mittwoch statt, oder sie findet am
Donnerstag statt.
(2) Die Übung zur Argumentationstheorie findet am Mittwoch statt.
(3) Die Übung zur Argumentationstheorie findet nicht am Donnerstag statt.

Schlussregeln Fehlschluss

Disjunktiver Syllogismus:
α∨β α∨β
¬α α
β ¬β

(α ∨ β) ∧ ¬(α ∧ β)
α
¬β

2
Übung: Formalisieren Sie bitte die folgenden Sätze.
(1) Angela oder Erich begleitet mich zum Arzt und in die Apotheke.
(2) Entweder bearbeite ich alle Übungsaufgaben, oder ich falle in der Klausur durch.

4.4 Negation

Die äußere Verneinung lässt sich problemlos mit der Negation (Symbol: „¬“) formalisieren.
Sie wird ausgedrückt, indem eine der folgenden Formulierungen vor die zu verneinende
Aussage gestellt wird:
es ist nicht der Fall, dass …; es gilt nicht, dass …; es stimmt nicht, dass …; es ist falsch,
dass …

In der Zuordnungsliste sollten Einzelaussagen grundsätzlich positiv, also ohne Verneinung,


formuliert werden:
Es ist nicht der Fall, dass Irene die Alaska-Bar um 3.00 Uhr allein verließ.
• A: Irene verließ die Alaska-Bar um 3.00 Uhr alleine.
¬A

Innere Verneinung von Aussage A:


a) Nicht Irene verließ die Alaska-Bar um 3.00 Uhr alleine.
b) Irene verließ nicht die Alaska-Bar um 3.00 Uhr alleine.
c) Irene verließ die Alaska-Bar nicht um 3.00 Uhr alleine.
d) Irene verließ die Alaska-Bar um 3.00 Uhr nicht alleine.

Für die Formalisierung ist es nur selten erforderlich, zwischen innerer und äußerer Vernei-
nung zu unterschieden. Sie können den Sätzen a) bis d) die logische Form ¬A zuweisen.

Weitere Ausdrücke für die Verneinung von Aussagen:


keinesfalls, keineswegs, mitnichten, auf keinen Fall, in keiner Weise

Die folgenden Wörter enthalten eine Verneinung enthalten, haben aber eine spezielle Bedeu-
tung:
kein = nicht ein
niemand = nicht jemand
nichts = nicht etwas
nirgends, nirgendwo = nicht irgendwo
nie, niemals = nicht einmal

Karl-Theodor zu Guttenberg ist kein Doktor. = Karl-Theodor zu Guttenberg ist nicht ein
Doktor.
Niemand verliert gerne. = Nicht jemand verliert gerne.
Peter hat nichts gesehen. = Peter hat nicht etwas gesehen.
Das Bernsteinzimmer ist nirgends zu finden. = Das Bernsteinzimmer ist nicht irgendwo
zu finden.
Ich war nie in Schweden. = Ich war nicht einmal in Schweden.

3
Verneinende Vorsilben (z. B . : unfreundlich, impotent, indiskutabel, missverständlich, verlieren,
ohnmächtig) und Nachsilben (z. B.: arbeitsfrei, arbeitslos) sollten in der Regel ohne Negation
formalisiert werden.

Enthält ein Satz eine vorangestellte Verneinung und dahinter mehrere Einzelaussagen, so wird
darin die Aussage als Ganzes verneint. In der entsprechenden Formel steht die Negation vor
einer Klammer:

Es ist nicht der Fall, dass Claudia oder Franziska zum Fest kommt.
• C: Claudia kommt zum Fest.
• F: Franziska kommt zum Fest.
¬(C ∨ F)

Ich werde nicht das Wittgenstein-Seminar und das Ethik-Seminar besuchen.


• W: Ich werde das Wittgenstein-Seminar besuchen.
• E: Ich werde das Ethik-Seminar besuchen.
¬(W ∧ E)

Enthält ein Satz hingegen mehrere Einzelaussagen und am Ende eine nachgestellte Vernei-
nung, so wird damit üblicherweise jede Einzelaussage verneint:

Claudia und Franziska kommen nicht zum Fest.


¬C ∧ ¬F

Ich werde das Wittgenstein-Seminar oder das Ethik-Seminar nicht besuchen.


¬W ∨ ¬E

Es ist nicht der Fall, dass Claudia oder Franziska zum Fest kommt = Claudia und Fran-
ziska kommen nicht zum Fest.
Ich werde nicht das Wittgenstein-Seminar und das Ethik-Seminar besuchen. = Ich werde
das Wittgenstein-Seminar oder das Ethik-Seminar nicht besuchen.

¬(α ∨ β) ist logisch äquivalent mit ¬α ∧ ¬β.


¬(α ∧ β) ist logisch äquivalent mit ¬α ∨ ¬β.

Achtung: Die Formel ¬(W ∧ E) ist nicht logisch äquivalent mit ¬W ∧ ¬E. Ebenso ist die
Formel ¬(C ∨ F) nicht logisch äquivalent mit ¬C ∨ ¬F.

Übung: Formalisieren Sie bitte die folgenden Sätze.


(1) Es stimmt überhaupt nicht, dass sowohl Trude als auch Sepp zur Party kommen.
(2) Schiller war keineswegs dumm oder blauäugig.
(3) Niemand hatte die Absicht, eine Mauer zu bauen.

4.5 Implikation

Mit dem logischen Ausdruck „wenn – dann“ lassen sich Bedingungssätze bilden. Ein Bedin-
gungssatz beschreibt einen Grund-Folge-Zusammenhang und drückt aus, dass zwei
Sachverhalte einander bedingen.

4
Der mit „wenn“ eingeleitete Nebensatz wird als Antezedens bezeichnet. Der Hauptsatz
eines Bedingungssatzes ist das Konsequens. Das Antezedens nennt eine hinreichende Bedin-
gung für den im Konsequens angegebenen Sachverhalt, das Konsequens nennt eine notwen-
dige Bedingung für den Sachverhalt des Antezedens.

In Bedingungssätzen wird ein (1) kausaler, (2) praktischer, (3) räumlichen, (4) zeitlicher, (5)
epistemischer, (6) begrifflicher oder (7) logischer Zusammenhang beschrieben:
(1) Wenn mein Telefon aus 15 cm Höhe auf den Boden fällt, dann geht es kaputt.
(2) Wenn mir die Arbeit keine Freude macht, dann kündige ich.
(3) Wenn du mit dem Auto von Frankreich nach Portugal fährst, durchquerst du
Spanien.
(4) Wenn es schneit, dann ist es kalt.
(5) Wenn am Körper des Opfers DNA-Spuren von Heinz zu finden sind, dann ist Heinz
der Täter.
(6) Wenn Udo ein Junggeselle ist, dann ist er nicht verheiratet.
(7) Wenn alle sterblich sind, dann ist auch Helmut sterblich.

In umgangssprachlichen Sätzen kann das Konsequens auch vor dem Antezedens stehen: „Es
ist kalt, wenn es schneit.“
• S: Es schneit.
• K: Es ist kalt.
SK

Die deutsche Sprache kennt zahlreiche weitere Ausdrücke, die eine ähnliche Funktion wie
der logische Ausdruck „wenn – dann“ erfüllen:
Wenn es schneit, dann ist es kalt.
Wenn es schneit, so ist es kalt.
Wenn es schneit, ist es kalt.
Schneit es, ist es kalt.
Es ist kalt, wenn es schneit.
Wenn es schneit, dann muss es kalt sein.
Falls es schneit, ist es kalt.
Sofern es schneit, ist es kalt.
Soweit es schneit, ist es kalt.
Gesetzt, es schneit , ist es kalt.
Schneefall ist hinreichend für Kälte.
Schneefall ist eine hinreichende Bedingung für Kälte.
Kälte ist notwendig für Schneefall.
Kälte ist eine notwendige Bedingung für Schneefall.
Voraussetzung für Schneefall ist Kälte.
Ohne Kälte schneit es nicht.
Nur wenn es kalt ist, schneit es.
Es schneit nur dann, wenn es kalt ist.

Steht das Wort „nur“ unmittelbar vor dem Ausdruck „wenn“ oder „dann“, dreht es gewis-
sermaßen den Sinn der Sätze um. Der Nebensatz mit dem Wort „wenn“ drückt das Konse-
quens aus, während der Hauptsatz das Antezedens enthält. So ist ein Satz der Form „nur
wenn B, dann A“ im Sinne von „wenn A, dann B“ zu verstehen.

5
Nur wenn du gesund bist, gelingt dir die Besteigung des Mount Everest.
Die Besteigung des Mount Everest gelingt dir nur dann, wenn du gesund bist.
• M: Dir gelingt die Besteigung des Mount Everest.
• G: Du bist gesund.
MG

Sätze der Form


a) nur/erst/bloß wenn β, dann α
b) α nur/erst/bloß (dann), wenn β
haben die logische Form   β.

Steht jedoch eines der Wörter „nur“, „erst“ oder „bloß“ an irgendeiner anderen Stelle eines
Bedingungssatzes, beispielsweise vor einem Zahlwort, dann hat dies meist keine Auswir-
kung auf das Verhältnis von Antezedens und Konsequens:
Wenn sich nur drei Studierende für das Seminar anmelden, wird es abgesagt.

Der Ausdruck „wenn – dann“ kann auch dazu benutzt werden, Allaussagen zu formulieren:
Wenn (falls/sofern) jemand betrunken Auto fährt, dann riskiert er sein Leben.
Wenn (falls/sofern) man betrunken Auto fährt, dann riskiert man sein Leben.
Wenn (falls/sofern) ein Autofahrer betrunken ist, dann riskiert er sein Leben.
Es handelt sich um Einzelaussagen, die jeweils mit einem einzigen Aussagebuchstaben zu
formalisieren sind.

Übung: Formalisieren Sie bitte die folgenden Sätze.


(1) Henrike ist schon sehr verärgert und wird nach Hause gehen, wenn ihr Freund nicht
bald auftaucht.
(2) Erst wenn du Freunde hast, wirst du glücklich.
(3) Friedrich tanzt nur, wenn Petra oder seine Kumpel mit ihm tanzen.

4.6 Bikonditional

Die Formel A ≡ B hat dieselbe Bedeutung und ist logisch äquivalent mit (A  B) ∧ (B  A).
Auch eine Aussage der Form „A genau dann, wenn B“ ist gleichbedeutend mit „wenn A,
dann B; und wenn B, dann A“. Das Deutsche bietet neben „genau dann – wenn“ weitere logi-
sche Ausdrücke, die mit dem Bikonditional zu formalisieren sind:

Ich bin genau dann glücklich, wenn (falls/sofern) du mich liebst.


Du liebst mich genau dann, wenn ich glücklich bin.
Ich bin dann und nur dann glücklich, wenn du mich liebst.
Dann und nur dann, wenn du mich liebst, bin ich glücklich.
Wenn (falls/sofern) ich glücklich bin, dann liebst du mich; und wenn (falls/sofern) du
mich liebst, dann bin ich glücklich.
Deine Liebe ist hinreichend und notwendig für mein Glück.
Deine Liebe ist die hinreichende und notwendige Bedingung für mein Glück.

Wie beurteilen Sie das folgende Argument?


(1) Die Sonne scheint genau dann, wenn meine Freundin Fußball spielt.
(2) Die Sonne scheint nicht.
(3) Meine Freundin spielt nicht Fußball.

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