Technol 2
Technol 2
1 elektrischen Energiewandlern
Supraleiter sind in einigen Bereichen von Forschung und Technik ein wesentlicher,
unverzichtbarer Bestandteil geworden. Speziell in der Energietechnik wurde für alle gängigen
energietechnischen Systeme ihr Einsatz in Forschungsprojekten erprobt und bis zur
technischen Reife entwickelt. Bei einigen Anwendungen sind kommerziell gefertigte
Produkte am Markt oder in der Markteinführung. Dabei hat sich das Anwendungspotential
durch die Entdeckung der HTSL deutlich erhöht, da
- der Leistungsaufwand zur Kühlung viel geringer ist,
- die Kryostattechnik viel einfacher ist,
- der Stickstoff auch außerhalb der hochentwickelten Industriestaaten relativ leicht verfügbar
ist,
- die thermodynamischen Eigenschaften von LN2 gegenüber LHe deutlich besser sind (höhere
spezifische Wärme, Verdampfungswärme, Wärmeübergangszahl) bei vergleichbaren
dielektrischen Eigenschaften.
Im folgenden wird ein Überblick über den aktuellen Stand des Einsatzes technischer
Supraleiter in Forschung und Technik gegeben. Für Energiewandler (elektrische Maschinen,
Transformatoren, Speichersysteme) wird in den folgenden Abschnitten näher auf die aktuellen
Entwicklungen eingegangen. Anwendung der Supraleitung in der Energietechnik
(Energieerzeugung und –verteilung), in der technischen und forschungsorientierten
Anwendung ist in zwei Kategorien möglich:
a) in Systemen, bei denen der Einsatz von supraleitenden Wicklungen unabdingbar ist:
- Magnetohydrodynamische Generatoren
- Magnetische Speicher (Supraleitende magnetische Energiespeicher, SMES)
- Kurzschlussstrombegrenzer (Fault current limiter, FCL)
- Elektrodynamisches Schweben (EDS) (z. B. Hochgeschwindigkeitsbahnen)
- Fusionsreaktormagnete
- Höchstfeldmagnete für Forschungs- und Messzwecke
- Teilchenbeschleuniger (Detektormagnete, Strahlenführungsmagnete)
- Synchrotron-Strahlungsquellen
b) in Systemen, bei denen der Einsatz der Supraleitung mit konventionellen Bauweisen
konkurriert:
- elektrische Maschinen
- Transformatoren
- Energieübertragungskabel
- Elektromagnetisches Schweben (EMS)
- Computer-NMR-Tomographen (Nuclear Magnetic Resonance, Kernspinresonanz)
- Magnetscheider.
Bei Computer-Tomographen ist die SL-Technik fest am Markt eingeführt und bedeutet für
die Supraleiter-Hersteller den "Markt schlechthin", da jährlich etwa 1500 ... 2000 Geräte
weltweit gefertigt, davon ca. 90% in Supraleitertechnik. Auch bei Höchstfeldmagneten,
Synchrotronstrahlungsquellen und Teilchenbeschleunigern überwiegt der SL-Einsatz bei
neu zu konzipierenden Systemen und Anlagen, aber die Auftragsvolumina sind bedeutend
geringer. Das gleiche gilt für die Großmagnete in der Fusionsforschung. Magnetische
Speicher (SMES), die eine Energieüberbrückung im Sekundenbereich ermöglichen, sind
Bei den anderen, oben genannten Anwendungsgebieten ist der großtechnische Einsatz in den
nächsten Jahren als weit verbreitetes Produkt aus unterschiedlichen Gründen noch unsicher.
Magnetohydrodynamischen Generatoren sind wegen der sehr heißen elektrisch leitfähigen
Fluide und der damit verbundenen Werkstoff-Frage nach wie vor Gegenstand der Forschung
und nicht des großtechnischen Einsatzes. Energieübertragungskabel, Transformatoren,
elektrische Maschinen, Magnetscheider und magnetische Schwebesysteme auf SL-Basis
stehen vor allem in wirtschaftlicher Konkurrenz zu den vergleichbaren normalleitenden
Ausführungen und sind folglich nur als Prototypen für Machbarkeitsstudien realisiert.
2.2.1 Kurzschlussstrombegrenzer
Bild 2.2.1-1: Prinzip der Kurzschlussstrombegrenzung: Fault current limiter (FCL) als a) ohm´scher Widerstand,
b) Induktivität, c) Kombination von a) und b) 2.1
Die zunehmende Vernetzung Europas auf den verschiedenen Spannungsebenen und die
zunehmende Größe der elektrischen Leistung bedingt eine deutliche Steigerung der
Kurzschlussströme. Daher ist eine Begrenzung der Kurzschlussströme von steigender
Bedeutung für die Netzbetreiber. Das auf die Impedanz ZL einspeisende Netz (Klemmen A-B,
Generatorquellspannung U0) erzeugt bei einem Kurzschluss an den Klemmen C-D einen
Dauerkurzschlussstrom
U0
Ik . (2.2.1-1)
RQ2 LQ
2
Er wird nur durch die Quellimpedanz Z Q RQ jLQ begrenzt (Ohm´sche und induktive
Widerstände der Leitungen, Transformatoren und Generatoren). Will man das System gegen
diesen hohen Strom schützen, bis der Leistungsschalter S (Bild 2.2.1-1) den Kurzschlussstrom
abschaltet (ca. 0.1 ... 0.3 s), so müssen die Netzkomponenten diesen hohen Strom (bis zum
20-fachen des Nennstroms) für diese Zeitdauer unbeschadet tragen können und der
Leistungsschalter muss diesen Wechselstrom abschalten können. Es ist deshalb
wünschenswert, dass ein möglichst passiv triggerbares Element, der FCL, den Kurzschluss-
strom begrenzt. Eine Überdimensionierung der Betriebsmittel kann dann entfallen. Bei einer
weiteren Zuschaltung von einspeisenden Netzteilen (= Parallelschaltung weiterer
Quellimpedanzen, somit Verringerung der resultierenden Quellimpedanz, was einer Erhöhung
des Kurzschlussstroms entspricht) müssen die Betriebsmittel nicht verstärkt werden. Die FCL
müssen für die hohen Schaltüberspannungen bemessen sein, die beim Übergang vom SL- in
den Normalleiter-Zustand ("Schaltvorgang") auftreten.
a) Resistive Kurzschlussstrombegrenzer
Bild 2.2.1-2: Die Zunahme des spezifischen elektrischen Widerstands SL beim "Quenchen" (Übergang vom
supraleitenden in den normalleitenden Zustand 1) ist makroskopisch "sprungartig", aber genau genommen doch
stetig (Beispiel: HTSL Bi(2223): kritische Stromdichte Jc1 = 105 A/cm2, Jc2 = 104 A/cm2) 2.1
Bild 2.2.1-3: Resistiver Kurzschlussstrombegrenzer: Begrenzung des Stroms ISL im Supraleiterpfad durch einen
außerhalb des schattierten Kryobereichs angeordneten normalleitenden Parallelwiderstand Rp 2.1
Quenchbedingungen vorfindet,
- der Leiter eine hohe kritische Stromdichte haben, damit die Quenchausbreitungs-
geschwindigkeit hoch ist.
Damit während der Zeit bis zur Abschaltung von Ik durch S der Supraleiter durch die
Joule´sche Verlustwärme nicht überhitzt wird, muss eine Kommutierung des Stroms in einen
normalleitenden Parallelwiderstand Rp vorgesehen werden, um ISL auf ungefährliche Werte zu
begrenzen.
Neben der passiven Selbsttriggerung ist eine zusätzliche externe Triggerung mittels eines
schnellen Stromimpulses aus einer Kondensatorentladung möglich. Ausführungen in LTSL
(NbTi) und HTSL (Bi(2223)) sind realisiert und untersucht worden (Bild 2.2.1-4).
Beispiel 2.2.1.-1:
Y(123) (= YBCO) – Dünnfilm-HTSL (250 nm dick) auf Substrat, für eine kritische
Stromdichte von 20000 A/mm2 bei 77 K im Eigenfeld, mit 100 nm Goldschicht zur
Vergleichmäßigung des Quenchen, spiralige Leiteranordnung: je Element 800 mm lang, 7
mm breit, ist kürzlich für 100 kV entwickelt worden, wobei 10 Elemente in Serie geschaltet
wurden. Einphasiger Prototyptest: 735 V, 135 A Nenndaten, Stoßkurzschluss-
Stromverringerung von 666 A auf 108 A.
Beispiel 2.2.1.-2:
Massiv-Bi(2212)-Leiter, elektrisch in Serie mit normalleitender Spule geschaltet, räumlich
innerhalb dieser Spule so angeordnet, dass ein Homogenfeld vorherrscht. Dadurch wird
gleichmäßiges Quenchen mit passiver Triggerung durch dieses Magnetfeld erreicht. Gebauter
Prototyp einphasig: Nenndaten: 11 kV, 400 A, begrenzt den theoretisch möglichen
Kurzschlussstrom 37 kA (peak) auf 12 kA (peak).
Beispiel 2.2.1.-3:
Am Beispiel des deutschen Projekts von Nexans (gefördert durch das BMBF) soll die jüngere
Entwicklung aufgezeigt werden. Helikal angeordnete, bifilar angeordnete geschnittene,
schmelztexturierte Massiv-BiSCCO-2212-Schichten auf einem Kupfer-Zylinder als By-Pass
(Shunt) im Quenchfall stellen die Zylinderspulen mit nahezu Null Eigenfeld dar, die bei 66 K
betrieben werden. Durch Selbsttriggerung wird bei Überschreiten der kritischen Stromdichte
im Kurzschlussfall die Spule resistiv. Prototypen für 10 kV, 10 MVA, 600 A (Effektivwert)
als Nennstrom wurden gebaut und getestet. Innerhalb von 4 ms nach dem Eintreten des
Kurzschlusses hat durch das Quenchen des Supraleiters beim Prototyptest der
Kurzschlussstrom den Maximalwert 7 kA (das ist etwa 39% des ohne FCL auftretenden
Kurzschlussstromscheitelwerts von 18 kA) erreicht und wird nach 10 ms auf 3 kA (Bild 2.2.1-
5) begrenzt. Dabei kommutiert der Strom vom nun hochohmigen Supraleiter auf den
parallelen niederohmigeren Shuntwiderstand.
In einer Felderprobung ist im Umspannwerk Netphen der RWE ein FCL installiert worden und
wurde ein Jahr lang getestet. Der FCL wurde auf der Niederspannungsseite zwischen zwei
Transformatoren (Sr = 15 MVA Nennscheinleistung, Spannungsübersetzung 110 kV / 10 kV,
bezogene Kurzschlussspannung uk = 12.5%) installiert. Im Kurzschlussfall würde die
Kurzschlussleistung S k S r / u k 15 / 0.125 125MVA auftreten, was einem Dauer-
kurzschlussstrom von S k /( 3U r ) 125000 /( 3 10) 7216 A und im worst-case durch das
volle Gleichstromglied (Faktor 2) einem Stosskurzschlussstrom-Scheitelwert von
2 2 7216 20412 A entspricht. Durch die resistiven Anteile im Netz ist der Scheitelwert in
der Realität mit ca. 18 kA etwas geringer. Der FCL würde ihn auf 7 kA begrenzen.
Bild 2.2.1-5: Begrenzung des Stroms in allen drei Strängen durch einen resistiven FCL (Quelle: Fa. Nexans)
Mit den YBCO-Bandleitern (ähnlich Bsp. 2.2.1.-2) sind die resistiven Kurzschluss-
strombegrenzer in USA weiterentwickelt worden und wurden in einer einphasigen Anordnung
als Niederspannungsausführung bei der KEMA in Holland erfolgreich für einen herab
gestuften Bemessungsstrom getestet. Mit 23.6 Mio. Dollar wird das FCL-Projekt in den USA
für 138 kV / 60 Hz von einem Firmenkonsortium entwickelt. Wie beim Beispiel 2.2.1-3 sind
Unterschiedliche Konzepte sind vorgeschlagen worden und als Prototypen bereits erprobt. Als
ein Beispiel wird das ABB-Konzept mit HTSL (Bi(2212)) beschrieben (Bild 2.2.1-6).
I 2 I1 I N I 2 I 1 ü I1 N . (2.2.1-2)
Der resultierende Fluss durch den Eisenkern ist daher gemäß dem Durchflutungssatz nahezu
Null:
H ds H
C
Fe s Fe ( NI1 I 2 ) 0 (2.2.1-3)
Solange also das Supraleiterrohr im SL-Zustand ist, ist die resultierende Induktivität der Spule
L1 sehr klein und wird nur durch das Streufeld im Ringspalt zwischen Spule und HTSL-Rohr
bestimmt: L1 . Dieses kleine Streufeld ruft im HTSL-Rohr folglich nur kleine Hysteresis-
Verluste hervor, die über das LN2-Bad abgeführt werden. Im Fall der Stromerhöhung primär
durch den Kurzschlussstrom wird auch im HTSL-Rohr der Strom so hoch, dass der den
kritischen Wert Ic überschreitet. Das HTSL-Rohr wird normalleitend und damit resistiv:
RSL > 0. Wegen des hohen Widerstands ist der sekundäre Strom nun so klein, dass der
Durchflutungsausgleich nicht mehr erfüllt ist. Der Primärstrom erregt einen großen
Hauptfluss über das Eisen, was zu einer großen Induktivität L1 führt, die – gemeinsam mit
dem hohen Widerstand des HTSL-Rohrs – als strombegrenzende Impedanz Z für den
Kurzschlussstrom wirkt.
N 2 RSL
Z (2.2.1-4)
N 2 RSL
1
jL1 (1 )
Der Kryostat muss aus nichtleitendem Material aufgebaut sein, da er sonst selbst als
Kurzschlusswindung wirkt und durch Wirbelströme aufgeheizt wird. Der HTSL-Ring muss
möglichst homogen sein, damit Quenchen möglichst gleichzeitig am ganzen Umfang auftritt.
Lokales Quenchen erhitzt auf Grund der hohen Verluste im normalleitenden Zustand lokal
das Rohr so stark, dass durch Wärmespannungen der spröde Bi(2212)-Ring zerbricht. Es
werden aber keine Leiteranschlüsse vom HTSL zu normalleitenden Spulen benötigt. Wegen
der Werkstoffprobleme wird dieser Typ zur Zeit nicht weiter entwickelt.
Beispiel 2.2.1.-4:
Es ist ein einphasiger Prototyp in der beschriebenen Bauweise für 200 A, 8.3 kV, 0.5 m3
Bauvolumen, für 13.2 kA Kurzschlussstrom (66-fach!) getestet worden. Der
Kurzschlussstrom wurde auf 4.3 kA (peak) und nach 20 ms auf 1.4 kA (eff.) begrenzt.
Fazit:
FCL werden erst durch die Supraleitertechnologie möglich. Sie erlauben Einsparungen bei
den Netz-Betriebsmitteln und sind daher wirtschaftlich sehr interessant. Sie können so
gestaltet werden, dass die Wechselstromverluste im SL-Betrieb ausreichend klein bleiben.
Daher haben sie eine große Einsatzattraktivität, die den Aufwand für Entwicklung und für die
im Betrieb erforderliche Kühlung rechtfertigen.
wächst mit Kabellänge) ist der Ladestrom so groß wie der Kabelnennstrom. Da der Markt für
Wechselstromkabel deutlich größer ist als für Gleichstromkabel (HGÜ), müssen für den
Einsatz von Supraleiterkabeln neben den Kühlverlusten auch die Wechselstromverluste im
Supraleiter berücksichtigt werden. Beide sind proportional der Kabellänge und machen eine
aufwendige Kühlungsanlage erforderlich. Daher hat sich trotz ausgiebiger technischer
Erprobung und guter technischer Ergebnisse das LTSL-Kabel aus ökonomischen Gründen
nicht am Markt einführen lassen. Mit der HTSL-Technologie und der damit verbundenen
billigeren Kühlung wird das Supraleiter-Energiekabel für Übertragungsleistungen von ca.
1000 MVA und auch darunter wieder attraktiv. Prinzipiell ist es beim Kabel vorteilhaft, dass
die auftretenden magnetischen Flussdichten gering sind, so dass die relativ niedrige kritische
Flussdichte Bc2 der HTSL-Bi-Multifilamentleiter kein kritisches Kriterium hinsichtlich
Quenchgefahr im Normalbetrieb darstellt.
Beispiel 2.2.2-1:
Strom I = 6 kA (Effektivwert), Durchmesser des Leiterrohrs: d = 4 cm, Eigenfeld an der
Leiterrohr-Oberfläche: 85 mT Amplitude
I
Bˆ e 0 2 85mT (2.2.2-1)
d
HTSL- Bi(2223) haben bei 77 K eine kritische Flussdichte Bc1 der Meissner-Phase je nach
Feldorientierung von ca. 20 ... 80 mT, so dass jedenfalls der SL-Betrieb in der Shubnikov-
Phase mit Eindringen des Feldes in den Supraleiter erfolgt. Wegen der niedrigen
Eigenfeldstärke sind aber die Hysteresisverluste PHy im Leitervolumen V ausreichend klein
und daher kühltechnisch beherrschbar.
Be
PHy ~ V f Beb b 2...3 (2.2.2-2)
Jc
Bei SL-Kabeln wird grundsätzlich zwischen der Ausführung mit kaltem und warmem
Dielektrikum unterschieden.
isolation jener konventioneller Kabel entspricht und sich auf Umgebungstemperatur befindet.
Dadurch ist ein geringerer Einsatz an Supraleitermaterial und ein geringerer Kryobedarf
erforderlich, jedoch fehlt die Magnetfeldkompensation. Das Wechselfeld induziert Wirbel-
ströme in den leitfähigen Kryomantel, die den Kryokreislauf belasten.
Bild 2.2.2.-2: Vollständige Kompensation des äußeren Magnetfelds der drei Kabelstränge durch Rückführung
des Transformator-Sternpunkts über die äußeren Schirmleiter 2.1
Für beide Kabeltypen muss sichergestellt sein, dass die im Störfall auftretenden hohen
Kurzschlussströme vom Kabel verkraftet werden, beispielsweise durch die Kombination des
Kabels mit FCL. Die Kühlflüssigkeit muss bei größeren Kabellängen wegen der unver-
meidlichen Druckabfälle im Rohrsystem mit Überdruck (z. B. 5 bar, 2 l/s Kühlstrom)
eingespeist werden, um etwa 5 W/m Verluste im Kabel (Schätzung!) sicher abzuführen. Je
nach Kabelstrecke muss dies ggf. abschnittsweise geschehen. Die Fertigungslängen der Bi-
HTSL-Leiterseile bedingen auf Grund des Verdrillens bei Kabelabschnitten von einigen
hundert Metern Leiterlängen von 1 km. Die Kabelabschnitte selbst müssen über
Kabelmuffen aneinander gereiht werden (Lötung). Die Kabelendverschlüsse müssen nicht
nur – wie beim konventionellen Kabel – die Hochspannung gesteuert abbauen, sondern auch
verlustarm und abgasgekühlt sein, um den Wärmeeintrag ins Kabel zu minimieren. Beides ist
technisch aufwendig und wird optimiert. Daher wird auch versucht, die Kabelabschnitte zu
verlängern, um den Einsatz der Muffentechnik zu minimieren. Sollten diese technischen
Probleme sicher beherrschbar sein, so ergeben sich zumindest für große
Kabelübertragungsleistungen, die auch in konventioneller Technik aufwendige z. B.
wassergekühlte Ölkabel erfordern, ökonomischer Vorteile.
Beispiel 2.2.2-2:
Kostenvergleich für 380 kV/1 GVA-Hochleistungskabel
a) Konventionelles Ölkabel mit Wasserkühlung,
b) LN2-gekühltes HTSL-Kabel mit Kunststoffisolation. In der Tabelle 2.2.2.-1 sollten die
Zahlenwerte der Kosten nicht absolut, sondern relativ zueinander betrachtet werden, um
als Vergleichsmaßstab zu dienen.
Die Leerverluste (Kühlung) werden mit 7.500 Euro/kW kapitalisiert, die Lastverluste mit
2.500 Euro/kW.
Die optimistische Schätzung der HTSL-Kabelkosten setzt voraus, dass die eingesetzte
Menge HTSL-Material ausreichend klein ist, was eine kritische Stromdichte von zumindest
1200 A/mm2 bei 77 K voraussetzt. Zur Zeit sind kritische Stromdichten von maximal 500
A/mm2 realisiert. Die Verlustleistung ist beim HTSL-Kabel nur etwa 1/5, erlaubt somit bei
gleichen Verlusten die 5-fache Übertragungsleistung. Bei Retrofit-Anlagen, wo die alte
Kabeltrasse verwendet werden kann, ist das HTSL-Kabel wirtschaftlich interessant, da es ca.
5-mal höhere Übertragungsleistungen ermöglicht (Ballungsgebiet, Platzbeschränkung).
Beispiel 2.2.2-3:
In Detroit, Michigan, USA, wurde „downtown“ ein Feldversuch mit einem HTSL-
Warmdielektrikum-Kabel (American Superconductor Comp.) durchgeführt, das eine
konventionelle Kabelverbindung ersetzt.
Beispiel 2.2.2-4:
Ein 350 m langes BiSCCO-2223-HTSL-Kabel für 34.5 kV, 60 Hz, 800 A, 48 MVA, mit
kaltem Dielektrikum wurde entlang dem Erie Boulevard in Albany, NY, USA, im National
Grid installiert (Sumitomo Ltd.). Alle drei Stränge sind in einem gemeinsamen mit LN2
gekühlten Kryostaten geführt. Eine Stück von 30 m Länge wurde durch ein Kabel mit YBCO-
Bandleitern ersetzt, so dass auch eine Kabelverbindung von YBCO zu BiSCCO im Feld
getestet wird (Projektkosten: 27 Mio. Dollar).
Fazit:
Die niedrigen Eigenfelder gestatten 77 K-Betrieb. Fortschritte bei der HTSL-Entwicklung
(höheres Jc, größere Leiterlängen) senken die Investitionskosten. Bei Retrofit-Anlagen
(Ballungsgebiet, Platzbeschränkung) könnten HTSL-Kabel wegen der höheren Übertragungs-
leistung wirtschaftlich interessant werden.
Beim Anliegen einer Ladespannung uL und geöffnetem Schalter S wird die supraleitende
Spule mit der Induktivität Ls mit einem Ladestrom i gemäß
di
u L Ls (2.2.3-1)
dt
beaufschlagt. Steuert der Stromrichter die Spannung auf Null und wird danach mit S
kurzgeschlossen, so fließt i verlustfrei weiter. In der SL-Spule ist die magnetische Energie
I2
Wm Ls (2.2.3-2)
2
TU Darmstadt Institut für Elektrische Energiewandlung
Neue Technologien bei 2.12 elektrischen Energiewandlern
gespeichert. Wenn der Nennladestrom erreicht ist, liefert der Stromrichter die kleine
Spannung, die zum Überwinden der Spannungsfälle im normalleitenden Teil des Stromkreises
(insbesondere die GTO-Spannungsfälle im Stromrichter) notwendig ist. Dadurch wird der
Strom in der Supraleiter-Spule konstant gehalten. Zur Entladung des Speichers wird die
Gleichspannung durch den Stromrichter mit umgekehrter Polarität aufgeprägt. Als
Stromrichter ist ein gesteuerter Gleichrichter vorzusehen, der die Netzspannung UNetz gemäß
dem Steuergesetz
U L ( ) U 0 cos (2.2.3-3)
über den Anschnittwinkel in gewünschter Weise zwischen 30° und 150° (mit
entsprechender Regelreserve 30° und ausreichendem Abstand zur Wechselrichtertrittgrenze)
verändert. Bei sechspulsiger Stromrichterschaltung ist U 0 U Netz 2 3 / ; bei 12-pulsiger
Schaltung ist die Glättung der Gleichspannung noch deutlich besser (Bild 2.2.3-2a).
a)
b)
Bild 2.2.3-2: Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV): a) Anbindung des SMES an das Netz über einen
zwölfpulsigen Stromrichter und Stromrichtertransformator, b) Blockschaltbild für eine USV 2.1
Der Ablauf der Funktion eines SMES für unterbrechungsfreie Stromversorgungen (wie er
bereits an einigen Industriestandorten im Einsatz ist) ist wie folgt (Bild 2.2.3-2b):
- Sobald eine Netzstörung erfasst wird, wird der Eingangskondensator C am Stromrichter
mit Strom aus der Speicherspule aufgeladen.
- Ist der vorgesehene Spannungswert erreicht, schließt Schalter S1. Schalter S2 trennt die
Last vom Netz. Gleichzeitig speist C über den Stromrichter und den Spannungs-
Anpasstransformator die Last.
- Sobald an C die Spannung auf einen gewissen Minimalwert abgesunken ist, öffnet S1
erneut und der Vorgang wiederholt sich. Das Nachladen von C dauert jetzt länger, da auf
Grund der Energieentnahme aus dem Speicher der Stromfluss im Supraleiter Ls kleiner
geworden ist.
- Ist die Netzversorgung wieder verfügbar, wird der Umrichterausgang auf das Netz
synchronisiert, und S2 sorgt für die Netzzuschaltung der Last und Trennung vom SMES.
Der SMES wird wieder nachgeladen. Die Lastübernahme durch den SMES ist auf Grund
der schnellen Leistungselektronik in 2 .. 4 ms möglich.
Bild 2.2.3-3: Klassifizierung von SMES nach Größe und Einsatzbereich 2.1
A, B: Kleinst- und Kleinspeicher für sehr schnellen Leistungsausgleich (ms-Bereich)
C, D: Mittelgroße Speicher für Kraftwerksleistungsausgleich im Sekunden- und Minuten-Bereich
(Primärregelung – Sekundenreserve)
E: Großspeicher für Tageslastausgleich
Kleinst- und Kleinspeicher für sehr schnellen Leistungsausgleich (ms-Bereich) mit Energie-
inhalten von 1 bis 1000 MWs dienen zur unterbrechungsfreien Stromversorgung in
Fertigungsanlagen mit hohem elektronischem Automatisierungsgrad und Problemen bei
Prozessunterbrechung (z. B. Halbleiterfertigung). Für diese Anwendungen existieren bereits
ausgeführte Anlagen an mehreren Standorten.
Großspeicher für den Tageslastausgleich (1 bis 10 GWh) sind als Ergänzung zu Pump-
speicherwerken zu sehen und haben große Abmessungen und enorme Kräfte zu beherrschen.
B B
wm H dB HdB . (2.2.3-4)
0 0
a) b)
Nehmen wir an, eine Ringspule mit N Windungen habe einen Eisenkern mit der Kennlinie
B(H) gemäß Bild 2.2.3-5a (ohne Hysterese). Mit dem Durchflutungssatz folgt für das H-Feld:
NI
N I H 2RT H (2.2.3-5)
2RT
Der zugehörige B-Wert ergibt sich gemäß der B(H)-Kennlinie. Die Auswertung von (2.2.3-4)
ergibt, dass die im Eisen gespeicherte magnetische Energiedichte der schraffierten Fläche in
Bild 2.2.3-5 entspricht. Will man hohe Energiewerte speichern, muss B sehr groß sein. Das
Eisen ist dann sehr hoch gesättigt. Es kann durch die idealisierte Kennlinie Bild 2.2.3-5b
B 0 H J J J s Bs konst. (2.2.3-6)
ersetzt werden. In diesem Idealmodell magnetisiert das Eisen bis zur Sättigungsinduktion Bs
(ca.1.8 T) ideal, d. h. ohne Durchflutungsbedarf. Die gespeicherte magnetische Energiedichte
ist nur durch das ab der Eisensättigung zusätzlich auftretende Luftspaltfeld bedingt. Im Eisen
selbst ist keine Energie gespeichert. Lässt man den Eisenkern weg (Luftspule), so ergibt sich
zwar eine deutlich kleiner Flussdichte in der Spule, aber die gleiche gespeicherte
Energiedichte (wm1 = wm2). Daher sind bei hohen Flussdichten die Speicherspulen eisenlos
ausgeführt.
B B
B B2
Wm wm dV HdB dV dB dV dV (2.2.3-7)
V V 0 V 0
0 V
2 0
Lange schlanke Solenoide (l/R >>1) haben näherungsweise innerhalb der Spule ein
homogenes Feld und außerhalb eine so geringe Flussdichte, dass sie vernachlässigt werden
kann. Mit dem Durchflutungssatz folgt:
NI B2 2 ( NI ) 2 2
H Wm R l 0 R (2.2.3-8)
l 2 0 2l
Ersetzt man l durch 2RT, so erhält man das Feld in der Ringspule. Bei gleich großen
„Längenabmessungen“ ist somit die gespeicherte magnetische Energie im Solenoid größer,
weil das Feld auch den Außenraum um die Spule (wenn auch mit geringer Dichte) erfüllt. Bei
gleicher Menge an verwendetem Supraleitermaterial ist somit das Solenoid wegen der
größeren Menge an gespeicherter Energie bei gleichem Strom günstiger. Nachteilig ist das
weit in den Raum reichende Streufeld. Gemäß VDE 0848 Teil A2 sollten öffentlich
zugängliche Bereiche nicht mehr als 1.25 mT Gleichfeld ausgesetzt sein. Ein
Solenoidspeicher für 5 GWh hat seine 0.5mT-Grenzlinie bei einem Radius von 2.5 km! Aus
diesem Grund sind streufeldarme Solenoidkonzepte (Bild 2.2.3.-4 c) konzipiert worden.
Spulengeometrie:
Die Dicke der Wicklung der Solenoide h ist dadurch begrenzt, dass an der Spuleninnenseite
die dort auftretende höchste Flussdichte die zur jeweiligen Temperatur und Stromdichte J
gehörende kritische Flussdichte Bc2 nicht überschreitet (Bild 2.2.3-6a). Vereinfacht kann
dieser Wert abgeschätzt werden mit
NI J hl
B 0 0 0 J h (2.2.3-9)
l l
Fazit:
Die Wicklungshöhe h bei Solenoiden ist ausreichend niedrig zu bemessen, der Spulenradius R
gemäß (2.2.3.-8) eher groß.
Für Torusspulen liefert der Durchflutungssatz (Bild 2.2.3-6b), dass an der Innenseite die
Feldstärke am höchsten ist. Durch ein großes Verhältnis „mittlerer Torusradius/Spulenradius“
RT/R wird diese Feldüberhöhung gegenüber dem mittleren Wert verringert.
NI NI
B (r ) 0 mittlerer Wert: B 0 (2.2.3-10)
2r 2RT
Fazit:
Das „Aspektverhältnis“ „mittlerer Torusradius/Spulenradius“ RT/R ist ausreichend groß zu
gestalten.
a) b)
Die großen Abmessungen und die zwischen den einzelnen Spulen auftretenden großen Kräfte
bedingen eine aufwendige Abstützkonstruktion dieser Speicher, so dass die Ausführung von
Großspeichern wohl noch auf sich warten lassen wird.
Ausgeführte SMES in Solenoidbauweise als USV oder zur Netzstützung (in US-
amerikanischen Netzknoten) sind mit typisch 3 MJ, 2.5 MW (1.2 s Stützung) im Einsatz. Die
IGBT-Vier-Quadranten-Umrichter sind für ca. 2.8 MVA ausgelegt. Sie arbeiten mit LTSL-
NbTi mit LHeI-Badkühlung bei 4.2 K, haben HTSL-Bi(2223)-Stromzuführungen (auf 60 K
zwischengekühlt) und einen Gifford-McMahon-He-Verflüssiger. Ein gekühlter Zwischen-
schirm reduziert die Wärmestrahlung. Dadurch sinkt der Wärmeeintrag in den Kaltbereich auf
ca. 1 W.
Beispiel 2.2.3-1:
Solenoid-Speicher: NbTi-Spule, Nennstrom 1 kA, Spulenlänge l = 900 mm, Außen-
durchmesser 450 mm, B = 5 T, 1 MWs, 1MW, 1 s Stützungszeit, LHeI-Badkryostat, 1 MVA-
Umrichter.
Durch den Einsatz supraleitender Wicklungen kann bei gleichem Strom die Stromdichte
deutlich erhöht werden. Damit sinken die Wicklungsabmessungen (Spulenhöhe, Spulendicke)
drastisch. Daher kann auch der Eisenkern (Schenkelhöhe, Jochlänge) verkürzt werden, nicht
aber der Eisenquerschnitt, da sonst die Flussdichte zu große Werte (> 1.8 T) annehmen würde
und das Eisen sättigen würde. Die geringeren Eisenmassen (verringertes Eisenvolumen VK )
führen zu
- leichteren Transformatoren (typisch 50% Gewichtseinsparung, Vorteil für Lok-Trafos)
und zu
- geringeren Ummagnetisierungsverlusten PFe.
Die Verluste in der SL-Wicklung (Wechselstromverluste) sind deutlich kleiner als die
Stromwärme- und Wirbelstromverluste in konventionellen Kupferspulen. Die gesamte
Verlustersparnis wird zum Teil durch die Leistung für das Kühlaggregat wieder aufgezehrt,
so dass bei LHe-Transformatoren mit LTSL der Wirkungsgradvorteil nur gering ist. Daher
sind HTSL-Transformatoren wirtschaftlicher als LTSL-Transformatoren, da die Kryo-
stat- und Stromzuführungsverluste den Bedarf an Kühlleistung um den Faktor 40 reduzieren.
In der Kostenbetrachtung von Transformatoren werden neben den Beschaffungskosten auch
die Leer- und Lastverluste mit unterschiedlichen Beträgen - auf die Betriebsdauer von 30 – 40
Jahren hochgerechnet - pönalisiert. Da nun konventionelle Transformatoren, die in der Be-
schaffung deutlich günstiger als SL-Transformatoren sind, bereits sehr hohe Wirkungsgrade
haben (Tab. 2.2.4-1), hat eigentlich nur der HTSL-Transformator eine Chance, wirtschaftlich
konkurrenzfähig zum konventionellen Transformator zu sein.
Warmer Eisenkern:
Beim warmen Eisenkern ist nur die Wicklung im Kryostaten; das ergibt einen geringen
Kühlaufwand. Der Kryostat umschließt wie die Wicklung den Eisenkern und muss daher aus
nichtleitfähigem Material aufgebaut werden, da er andernfalls als Kurzschlusswindung wirkt,
die einerseits den magnetischen Hauptfluss dämpft und andrerseits durch den fließenden
Kurzschlussstrom den Kryostat erwärmt und unnötige Verluste erzeugt. Glasfaserverbund-
werkstoffe sind z. B. in Erprobung, die aber auch die entsprechende Dichtigkeit (Vakuum-
isolation!) aufweisen müssen.
Kalter Eisenkern:
Der gesamte Transformator steht in einem Kryostatkessel, der wie beim konventionellen
Öltransformator auch aus normalem Stahlblech gefertigt sein kann. Die durch die mit der
Kreisfrequenz pulsierenden Streufelder in der Kesselwand induzierten Wirbelströme
müssen allerdings bei der Auslegung der Kühlung berücksichtigt werden. Wegen der großen
Eisenmasse dauert es sehr lange, bis der Transformator „kalt“ gekühlt ist. Umgekehrt ist aber
ein kurzfristiger Ausfall der Kühlmittelversorgung durch die „Kältespeicherung“ im
Eisenkern unproblematisch. Da der Eisenwiderstand RFe mit sinkender Temperatur abnimmt,
steigen die Ummagnetisierungsverluste im Eisenkern gegenüber warmem Eisenkern an (VK:
Volumen des Eisenkerns).
2 BK2
PFe ~ VK (2.2.4-1)
RFe
Die Kerninduktion BK darf wie beim konventionellen Transformator ca. 1.8 T nicht
übersteigen, da sonst das Eisen sättigt.
Eisenloser Transformator:
Da die Wicklung aus Supraleitermaterial besteht, ist prinzipiell auch ein eisenloser
Transformator denkbar. Der deutlich höhere Magnetisierungsstrom kann verlustarm in den
Wicklungen geführt werden. Die Flussdichte des Hauptflusses kann nun deutlich mehr als
1.8 T betragen. Allerdings ist der Fluss nicht mehr gebündelt im Eisenkern geführt, sondern
wie bei den Solenoidspulen des SMES so verteilt, dass an den Leiteroberflächen die
Maximalwerte der Induktion auftreten. Diese dürfen Bc2 nicht übersteigen. Hinzu kommt, dass
gegenüber SMES hier Wechselstrom geführt werden muss. Daher kann die Induktion nicht zu
hoch gewählt werden, um die Hystereseverluste im SL und die Wirbelstromverluste in der
Matrix gering zu halten. Aus diesem Grund sind zwar Eisen-Transformatoren mit SL-
Wicklungen bereits entwickelt und gebaut worden, eisenlose Transformatoren befinden sich
noch im Versuchsstadium.
nicht überschreiten sollen, wenn das Magnetfeld im Bereich der Wicklung max. 0.15 T
beträgt. Bei Transformatoren mit Eisenkern ist nur das Streufeld B im Bereich der
Wicklungen vorhanden. Dieser Streufluss im Spalt zwischen OS- und US-Wicklung kann
leicht abgeschätzt werden. Da im (ungesättigten) Eisen HFe nahezu Null ist, trägt nur der
Flussweg im Spalt zum Durchflutungssatz bei. Wegen des sehr kleinen Magnetisierungs-
stroms sind die Durchflutungen in OS- und US-Wicklung entgegengesetzt gleich groß.
Bild 2.2.4-1: Schematischer Aufbau eines Transformators mit warmem Eisenkern und supraleitenden
Wicklungen: 1: Eisenkern (geblecht), 2: Kryobehälter (nicht leitfähig), 3: Vakuumraum, 4: LHe- oder LN2-
Behälter (nicht leitfähig), OS/US: Oberspannung-/Unterspannungswicklung 2.1
Bild 2.2.4-2: Aufbau der Wicklung: a) Einfach konzentrisch (ungünstig), b) doppelt konzentrisch (günstig, weil
maximale Wechsel-Flussdichte Bw = B kleiner (halb so groß) ist)
h
C
H d s H ds H h N u I u N o I o
0
(2.2.4-2)
Nu Iu
B 0 (2.2.4-3)
h
Wird – anders als in (2.2.4-2) – nicht eine Feldlinie IM Streuspalt, sondern innerhalb z. B. der
US-Wicklung betrachtet (z. B. in Wicklungsmitte), so ist die umfasste Durchflutung nur halb
so groß und daher auch die Flussdichte. Folglich wächst die Flussdichte linear über den
Querschnitt der Wicklung an und hat im Streuspalt in ihren Maximalwert (2.2.4-3), wie Bild
2.2.4-2a zeigt. Dieser Maximalwert kann halbiert werden (z. B. auf ca. 0.15 T), wenn die
US-Wicklung in zwei Teilspulen aufgeteilt wird, die inner- und außerhalb der OS-Wicklung
angeordnet werden (Bild 2.2.4-2b). Mit dieser Maßnahme werden die Wechselstromverluste
ausreichend klein gehalten.
Beispiel 2.2.4-1:
Einphasen-Lokomotivtransformator Prototyp: 1 MVA: Leiter Bi(2223)-HTSL, Multi-
filament-Leiter (3.2 mm x 0.3 mm) mit 55 Filamenten in Silber-Matrix mit Magnesiumzusatz.
Dadurch wird die Matrix resistiver, dafür sinkt die thermische Stabilitätsgrenze. HTSL-Anteil
am Bandleiterquerschnitt: 25%. Nennstromdichte 30 A/mm2 im Bandleiter bei Berück-
sichtigung des Streufelds B und der Wechselstromverluste (Strom-Grund- und Ober-
schwingungen durch die in der Lokomotive übliche Stormrichterbelastung). Stromdichte im
HTSL: 120 A/mm2 (bei Gleichstrombedingungen wären bis zu 250 A/mm2 möglich). Die
kritische Stromdichte des Bandleiters liegt bei 77 K bei ca. 60 A/mm2 unter Wechselstrom-
bedingungen, was dem technischen Stand von 1998 entspricht. Stand 2005: 120 A/mm2.
Die Wicklungen selbst sind aus Gründen der elektrischen Isolation, aber auch zwecks
Beherrschung der Spulenkräfte (vor allem im Kurzschlussfall) bandagiert und mit Epoxidharz
vergossen. Ein besonderes Isolationsmaterial für 77 K wird verwendet (z. B. PEEK).
Beim Bi(2223)-Bandleiter ist allerdings zu berücksichtigen, dass das Silber (Silbermatrix) als
wesentlicher Bestandteil des Leiters bereits ca. 250 Euro/kg kostet. Damit ist das aufgezeigte
Ziel (Bild 2.2.4-3), unter die Kosten des konventionellen Transformators zu gelangen (Kurve
(3)) nicht leicht zu erreichen.
Bild 2.2.4-3: Vergleich der Gesamtkosten Kges von konventionellem Öltransformator (1) mit HTSL-
Transformatoren mit (2) teurem und (3) billigem HTSL-Einstandspreis. Bezugswert sind die Gesamtkosten Ko
eines 100 MVA-Transformator konventioneller Bauweise. 2.1
Trotzdem sollte der Umweltaspekt nicht außer Acht gelassen werden. Die niedrigeren
Gesamtverluste der HTSL-Transformatoren würden alleine in der Schweiz, wenn dort alle
konventionellen Transformatoren nach und nach durch HTSL-Transformatoren ersetzt
würden, zu einer mittleren Verlustleistungsersparnis von 170 MW führen. Da
Transformatoren 24 h am Netz betrieben werden, führt das zu einer jährlichen
Energieeinsparung von 170 MW x 8670 h = 1500 GWh !
Beispiel 2.2.4-2:
Ähnlich wie Bild 2.2.4-5, jedoch einphasig: 1 MVA, 60 Hz, 1.8 kV/ 6.9 kV, warmer
Eisenkern (Aufheizung auf 350 K = 80°C durch Ummagnetisierungsverluste), HTSL gekühlt
auf 25 K, LN2-Vorratstank in aluminisiertem Mylar-Gewebe zur Strahlungsabwehr,
Bandleiter aus Bi(2212), Probebetrieb im Labor mit reiner Blindleistung 0.64 MVA
Beispiel 2.2.4-3:
Dreiphasig, 630 kVA, 50 Hz, 18.7 kV/420 V, Bi(2223)-Bandleiter, LN2-Kühlung, 77 K, je
Strang ein eigener nichtleitender Komposit-Kryostat, wurde eingesetzt im Netzbetrieb in
Genf/Schweiz.
TU Darmstadt Institut für Elektrische Energiewandlung
Neue Technologien bei 2.22 elektrischen Energiewandlern
Bild 2.2.4-5: Dreiphasiger HTSL-Netztransformator mit warmem Eisenkern und LN2-Vorratsbehälter, alles
integriert in einen gemeinsamen Vakuumbehälter zur Minimierung der Wärmeleitung zwischen warmem
Eisenkern und Kryostat (Projektstudie Fa. Waukesha Electric Sys.) 2.14
Beispiel 2.2.4-4:
1 MVA, Lokomotivtransformator, 1-phasig, 16 2/3 Hz, 25 kV/2 x 1.4 kV, 40 A / 2 x 360 A,
uk = 25 %, Bi(2223)-Bandleiter, LN2-Kühlung, Zwangsumlaufströmung, 67 K, kalter
Eisenkern, Kerninduktion 1.7 T, Abmessungen: Höhe des Eisenkerns: 1080 mm,
Außendurchmesser der Spulen: US: 228 mm, 382 mm, OS: 304 mm, Spulenhöhe: 500 mm.
Kryostat im vakuumdichten Kessel: L x B x H = 1140 x 832 x 420 mm
US-Spule: Röhrenspulen, 13 Bandleiter zu einem ROEBEL-Stab verdrillt,
OS-Spule: Scheibenspule mit 9 Scheiben.
Bei Ausfall der Fahrdrahtspannung wird das Kühlaggregat abgeschaltet, die Umwälzpumpe
wird aus der Bordbatterie versorgt. Durch den kalten Eisenkern dauert es in diesem Betriebs-
zustand 6 h, bis sich die Wicklung von 67 K auf 77 K erwärmt. Bei Ausfall der Pumpe
halbiert sich diese Zeit in etwa.
Kühlung: Umwälzpumpe mit 75 W elektrischer Aufnahmeleistung, Vierzylinder-Stirling-
Maschine (10 % Wirkungsgrad), kühlt bei 20 °C Umgebungstemperatur aus dem Trans-
Ob das Magnetfeld durch Ständerspulen oder Ständermagnete erregt wird und die strom-
durchflossenen Leiter in Läufernuten angeordnet sind (Stromzufuhr über Schleifringe) oder
umgekehrt, ist zunächst nebensächlich.
Reluktanzkraft F: Ist der Läufer zahnradähnlich aus einem mit Zähnen und Nuten ver-
sehenen Eisenblechpaket aufgebaut, so wird das von einer Ständerdrehfeldwicklung erzeugte
Luftspaltfeld durch diese Nut-Zahn-Struktur ("Reluktanz") moduliert. Dieses modulierte Feld
erzeugt mit den stromdurchflossenen Ständerspulen wiederum Lorentz-Kräfte, die den Läufer
antreiben, in dem das Ständerdrehfeld den Läufer "mitschleppt".
zI
A (2.2.5-2)
d
M e ~ d 2l A B (2.2.5-3)
Mit der Drehzahl n des Rotors erhält man für die erzielbare mechanische Leistung :
P 2n M e (2.2.5-4)
Supraleitende Arbeitswicklung:
Durch supraleitende Spulen in der Arbeitswicklung kann der Strombelag erhöht werden,
ohne zusätzliche ohm´sche Verluste in Kauf nehmen zu müssen. Bei Wechselstrom-
wicklungen sind allerdings die Wechselstromverluste im SL zu beachten.
Supraleitende Erregerwicklung:
Durch supraleitende Erregerspulen kann das Magnetfeld im Luftspalt deutlich erhöht
werden, ohne zusätzlichen Erregerstrom aufwenden zu müssen. Die Sättigung des Eisens, vor
allem in den Zähnen zwischen den Wicklungsnuten (magnetischer Engpass), muss dadurch
vermieden werden, dass die Zähne entfernt werden. An deren Stelle können zusätzliche
Spulen angebracht werden, was zwar eine besondere Befestigung dieser Spulen erforderlich
macht, aber den Strombelag ohne weitere Maßnahmen verdoppelt ("Luftspaltwicklung").
Der resultierende große magnetisch wirksame Luftspalt (mechanischer Luftspalt plus
Leiterhöhe) bedeutet einen enorm hohen Erregerbedarf, der aber mit SL-Erregerspulen
verlustlos möglich ist.
Supramagnete:
Werden supraleitende Massivteile im normalleitenden Zustand in einem hohen Magnetfeld
von z. B. 4 T in den SL-Zustand abgekühlt, so werden die Flussröhren in der Shubnikov-Phase
„eingefroren“. Jede Änderung des Felds (d/dt) erzeugt gemäß dem Faraday´schen
Induktionsgesetz eine induzierte Spannung im SL, die wegen R = 0 kurzgeschlossen ist, so
dass sofort Supraströme fließen, die eine Flussänderung verhindern.
d
ui 0 konst. (2.2.5-5)
dt
Auf diese Weise ist ein supraleitender Permanentmagnet erzeugt worden, dessen
"Remanenzflussdichte" deutlich höher ist als die konventioneller Selten-Erd-Magnete. Mit
diesen Magneten lassen sich ebenfalls sehr hohe Flussdichten im Luftspalt erzeugen.
Fazit:
Der Einsatz von Supraleitern erlaubt bei elektrischen Maschinen eine Erhöhung der
Luftspaltflussdichte und des Strombelags, so dass bei gleicher Leistung kleinere Abmessungen
möglich sind. Beispielsweise ist durch Übergang auf eine Luftspaltwicklung eine
Verdopplung des Strombelags möglich, was bei gleicher Flussdichte eine Halbierung der
Aktivmassen bedeutet. Es entfallen die ohm´schen Verluste in den SL-Wicklungen. Die
Ummagnetisierungsverluste im Aktiveisen und die Gasreibungsverluste an der Läufer-
oberfläche sinken wegen des verringerten Volumens, so dass trotz der erhöhten Kühlungs-
verluste der Wirkungsgrad steigt.
Unipolarmaschine:
Da SL am besten für Gleichstrom geeignet sind, ist die "reine" Gleichstrommaschine, nämlich
die Unipolarmaschine, der ideale Maschinentyp für SL. Da sie aber bauartbedingt niedrige
Spannungen und hohe Ströme hat, die noch dazu über große Schleifringsysteme aus dem
Läufer abgenommen werden müssen, ist sie nur bedingt interessant.
Gleichstrommaschine:
Die "klassische" Gleichstrommaschine (Kommutator-Heteropolarmaschine) führt im Läufer
Wechselstrom, der über den Kommutator und Kohlebürsten gleichgerichtet wird, wobei
Funkenbildung an den Bürsten proportional zur Höhe des Läuferstroms
("Reaktanzspannung"; bedingt durch den Läuferwechselstrom) auftritt. Wegen der
Wechselstromverluste und der Funkenbildung ist eine SL-Ausführung der Läuferwicklung
ungünstig. Nur die Erregerwicklung im Ständer führt Gleichstrom und ist daher für SL
geeignet. Daher ist dieser Maschinentyp für den SL-Einsatz weniger geeignet.
Drehfeldmaschinen:
Drehfeldmaschinen (Synchron- und Asynchronmaschinen) haben im Ständer eine
Drehstrom-Wicklung. Ähnlich wie bei der Gleichstrommaschine sind daher die
Wechselstromverluste nachteilig für den SL-Betrieb. Während konventionelle
Drehfeldmaschinen mit Luft-Innenkühlung je nach Baugröße Strombeläge von typisch 400 ...
800 A/cm aufweisen, kann der Strombelag durch intensivierte Kühlung (hohlgebohrte Leiter
mit Wasserstoffgas- oder Wasserkühlung deutlich erhöht werden, erst recht aber mit SL (Bild
2.2.5-2). Das Eigenfeld in der Nut – erregt durch die Ströme in den Leitern in der Nut – ist bei
hohem Strombelag aber ebenfalls sehr hoch. Nut- und Zahnbreite werden i. a. etwa gleich
groß gewählt (bQ bd), daher gilt für die Durchflutung je Nut:
Q A (bQ bd ) 2 A bQ (2.2.5-6)
Mit dem Durchflutungssatz und ungesättigtem Eisen folgt gemäß Bild 2.2.5-1 für das
Nutenquerfeld (Eigenfeld) an der Nutöffnung:
Q
BQ 0 H Q 0 0 2 A (2.2.5-7)
bQ
Beispiel 2.2.5-1:
Strombelag A = 2000 A/cm, BQ = 0.5 T. Dies ist deutlich höher als beim supraleitenden Kabel
oder beim SL-Transformator und führt zu ungünstig hohen Wechselstromverlusten.
Wählt man eine Luftspaltwicklung, so sind die Leiter nun dem Hauptfeld selbst in voller
Stärke ausgesetzt, das mindestens 1 T betragen sollte, um die Maschine gut auszunützen.
Fazit:
Wegen des hohen Felds im Bereich der Wechselstromwicklung wird zumeist auf eine SL-
Ausführung der Ständer-Drehfeldwicklung verzichtet und stattdessen eine konventionell
gekühlte Cu-Wicklung (bei großen Maschinen mit verseilten Einzelleitern (ROEBEL-Stäbe))
verwendet. Bei den spröden keramischen HTSL-Materialien sind auch die in AC-Wicklungen
auftretenden Wechselkräfte eine wesentliche Dimensionierungsgröße.
Fluss aus dem Läufer völlig verdrängen. Sie bilden daher kein elektromagnetisches
Drehmoment mit dem Ständerfeld. Daher ist die Asynchronmaschine mit supraleitendem
Läuferkäfig nicht asynchron betreibbar. Nur wenn die Wicklung ausgeprägte
Wechselstromverluste zulässt und damit teilweise resistiv wirkt, ist asynchroner Betrieb
möglich. Diese Verluste widersprechen aber dem Sinn der SL in elektrischen Maschinen, den
Strom möglichst verlustlos zu transportieren.
Bei den Synchronmaschinen rotiert der Läufer gleich schnell wie das Ständerdrehfeld. Er
erhält daher im Stationärbetrieb keine Wechselflussverkettung, es wird keine Spannung im
Läufer induziert. Der Läuferstrom wird als Gleichstrom über Schleifringe der Läufer-
wicklung zugeführt. Das von ihm erregte Magnetfeld bildet mit dem Ständerstrombelag die
gewünschte Kraft. Diese Läuferwicklung kann als SL-Wicklung ausgeführt werden (Bild
2.2.5-2).
Fazit:
Für den Einsatz von Supraleitern in elektrischen Maschinen eigenen sich die
Unipolarmaschine und alle Arten von Synchronmaschinen. Da die Unipolarmaschine sehr
hohe Ströme über Schleifringsysteme führen muss, wird die Synchronmaschine favorisiert.
c) Supraleitende Unipolarmaschine
An Hand der Faraday´schen Scheibe (Bild 2.2.5-3a) ist erkennbar, dass das Magnetfeld nur
in einer Richtung durch den rotierenden Teil (leitfähige Scheibe, "Anker"), also unipolar,
tritt. Der Rückschluss des Felds findet außerhalb der Scheibe statt. Dreht sich die Scheibe mit
der Winkelgeschwindigkeit m = 2n in einem rotationssysmmetrischen Magnetfeld, so
induziert dessen Normalkomponente B(r) auf Grund der Bewegungsinduktion die elektrische
Feldstärke
Eb v xB Eb ( r ) v ( r ) B ( r ) m r B ( r ) , (2.2.5-8)
R
R R
U i Eb ds Eb (r )dr m B(r )rdr (2.2.5-9)
0 0 0
Ui m B R2 / 2 Pi U i I . (2.2.5-10)
Die Spannung ist somit klein, da die Scheibe wie ein einziger Ankerleiter wirkt. Beim
Trommeltyp sind diese am Umfang verteilten Ankerleiter alle parallel zu schalten. Es ist
damit ein großer Strom möglich, aber der muss über ein großes Bürsten-Schleifringsystem mit
entsprechend hohen elektrischen und mechanischen Bürstenverlusten abgenommen werden.
Es nützt auch nichts, den Anker ruhen und den Erregerteil rotieren zu lassen, um diesen
großen Bürstenapparat zu vermeiden. Da die Ankerleiter ruhen, ist m = 2n = 0, so dass die
bewegungsinduzierte Spannung Null ist. Die transformatorisch induzierte Spannung ist
aber ebenfalls Null, (ui ~ - B/t = 0), da auf Grund der Rotationssymmetrie (B hängt nur von
r, aber nicht vom Umfangswinkel ab) die ruhenden Ankerleiter keine zeitliche
Magnetfeldänderung erfahren, wenn der Ständer rotiert. Daher ist die Unipolarmaschine
ziemlich unpraktikabel außer im Sonderanwendungsfall "niedrige Spannung/hoher Strom",
wie z. B. für elektromagnetisch angetriebene "Launcher" oder "Rail-Guns".
Der Einsatz der Supraleitung kann die Betriebseigenschaften verbessern. Wenn die
Gleichstromspulen des Ständers aus SL-Material ausgeführt werden, kann B verlustlos
deutlich erhöht werden (von z. B. 1 T auf 3 T), so dass die Spannung höher wird. Bei den
Solenoidspulen des SMES wurde gezeigt, dass die höchsten Feldstärken an der Leiterober-
fläche auftreten. Auch die Ringerregerspulen der Unipolarmaschine sind Solenoide. Eine
Flussdichte B = 3 T am Ort der Ankerleiter bedeutet an den Erregerspulen selbst eine deutlich
höhere Flussdichte von (je nach Geometrie der Maschine) 8 ... 10 T, so dass für NbTi-SL die
kritische Feldstärke unter Gleichstrombedingungen erreicht wird. Daher ist das Potential der
Felderhöhung mit dieser Technologie begrenzt. Dies und die anderen o. g. Nachteile führten
dazu, dass die supraleitende Unipolarmaschine z. Zt. nicht weiter entwickelt wird. Allerdings
wurde ein 300 kW-Unipolar-Schiffsantrieb der U.S. Navy, der mit LTSL-Erregerspulen
ausgerüstet war (4.2 K-Kühlung), nun auf HTSL-BSCCO-Bandleiterspulen umgerüstet.
Beispiel 2.2.5-2:
Kraftwerk Fawley, England, Kesselspeisepumpenantrieb: Unipolarmotor (Trommeltyp)
2.4 MW, 200/min, Getriebe zur Pumpe, supraleitende Erregerwicklung, Solenoid-
Erregerwicklung, Ringkryostat, LHeI-Kühlung, NbTi-Leiter, 2 Jahre Probebetrieb
TU Darmstadt Institut für Elektrische Energiewandlung
Neue Technologien bei 2.29 elektrischen Energiewandlern
Fazit:
Somit verbleibt für den Einsatz von SL für elektrischen Maschinen nur die Synchron-Bauart,
die mit LTSL in unterschiedlichen Baugrößen zur Serienreife entwickelt worden ist und z. Zt.
für HTSL mit großen Anstrengungen weiterentwickelt wird.
Beispiel 2.2.5-3:
Zweipoliger (2p = 2) 50 Hz-Turbogenerator (f = 50 Hz), Rotordurchmesser d = 2R = 1 m
(Fliehkraftgrenze für 20 % "Overspeed"-Reserve im Störfall):
n f / p 50 / 1 50 / s 3000 / min
p / R 2 m2 / 2 0.52 (2 50) 2 / 2 12.4kWs / kg
(Ideale Gaskonstante: R = 8.31 J/([Link]), m: Anzahl von Molen des Stoffes je kg Masse)
p V / M p V /( V ) p / m R T / M p / m R T / M (2.2.5-14)
Fazit:
Die Erwärmung des He-Gases bei Kompression entsprechend p / 12.4kWs / kg beträgt
unter der Annahme eines idealen Gases ca. 6 K. Wegen der Abweichung vom idealen
Gaszustand ist die Erwärmung kleiner und von Druck und Temperatur abhängig:
Größenordnung ca. 2 K.
1 T2 p1
2 T1 p2
Fazit:
Während bei Raumtemperatur die Gaskompression durch Fliehkraft in einem Turboläufer mit
1 m Durchmesser bei 3000/min mit 0.02 bar sehr klein ist, beträgt sie bei flüssigem LHeI-
Helium bereits ca. 15.5 bar.
Mit den dargestellten Erkenntnissen lässt sich das gängige Kühlprinzip rotierender
Wicklungen mit LHeI (Bild 2.2.5-4) verstehen:
1: Aus einem Hochbehälter (LHeI-Tank) fließt LHeI zufolge der Schwerkraft selbständig
mit 4 K, 1 bar (Luftdruck) der Welle zu.
2: Durch Fliehkraft wird LHeI an die Peripherie befördert und dabei komprimiert und
erwärmt: 7 K, 15 bar.
3-4: Im hohlen Rotor befindet sich eine große LHeI-Menge, die zu Beginn des Betriebs so
weit abgekühlt war, dass sie bei Rotation etwa 4 K bei 15 bar aufweist. Daher kühlt
sich die zuströmende LHeI-Menge ebenfalls auf 4 K infolge Durchmischung ab.
5-6: Durch die noch zu erläuternde Pumpwirkung des Kanals 7-8-9-10 (Unterdruckbildung
im Läuferinneren) ist im Läuferinneren (Punkt 6) das He-Gas auf 0.3 bar, 3 K gekühlt.
Durch die Fliehkraftdifferenz zwischen 4 und 5 ist der Druck in Punkt 5 wieder auf 1
bar und die Temperatur von LHeI von 4 K auf 3 K abgesunken. Die aus der SL-
Wicklung abzuführende Verlustleistung Q1 verdampft LHeI bei 3 K gegen den
Dampfdruck von 0.3 bar. Weil He-Gas leichter ist als LHeI, ist innen das Gas und
außen die Flüssigkeit.
7-8: Das He-Gas wird durch die Pumpwirkung des Kanals 7-8 aus dem Läuferinneren
abgesaugt und von 3 K, 0.3 bar auf 1.02 bar, 6 K komprimiert.
8-9: Die Verlustleistung Q 2 aus dem warmen Läufereisen erwärmt bei 1.02 bar das He-Gas
auf 302 K.
9-10: Durch den rotierenden Kanal 9-10 ergibt sich zwischen dem auf Raumtemperatur
300K, 1 bar Luftdruck befindlichen He-Gas (Punkt 10) und Punkt 9 die
Druckdifferenz 0.03 bar, 2 K. Diese geringe Druckerhöhung des auf hoher Temperatur
befindlichen Gases ergibt gemeinsam mit der hohen Druckerhöhung des auf niedriger
Temperatur befindlichen Gases zwischen 7 und 8 die resultierende Pumpwirkung, die
– ausgehend von 300 K Raumtemperatur und 1 bar Luftdruck – die Temperatur- und
Druckniveaus bis zum Punkt 6 hin festlegt. Die veränderliche Höhe von Q1 je nach
Betriebszustand verändert nur die Abdampfrate.
Der Läufer ist aus massivem Eisen, das entsprechend hohl ausgeführt ist, gefertigt. Es muss
austenitischer Stahl (amagnetisch!) verwendet werden, da konventioneller Stahl bei tiefen
Temperaturen versprödet. An der Nichtantriebsseite wird LHeI zugeführt und He-Gas mit
einer zweiten Leitung abgeführt. Die in den Läufernuten liegende SL-Wicklungen
(konzentrische Spulen, Bild 2.2.5-6) wird von dem LHeI gekühlt, dessen Dampf danach in
zwei als Pumpen ausgebildeten radialen Kühlkanälen zu beiden Seiten des Läufers (Antriebs-
und Nichtantriebsseite) abgesaugt wird. Die beiden "Pump"kanäle kühlen dabei das
Läufereisen und verhindern so, dass von der Turbine her oder von der Erregerstromzuführung
(Schleifringe) Wärme zur SL-Wicklung fließt (Bild 2.2.5-7). Die Nuten haben am Nutgrund
Verbindungskanäle zum inneren zentralen Hohlraum für die LHeI-Zirkulation. Das
zuströmende kühlere He ist dichter und erfährt daher die größere Fliehkraft als das erwärmte
He, so dass durch natürliche Konvektion ("Thermosyphonwirkung") das LHeI aus dem
Zentralraum in die Nuten und zurück zirkuliert.
b)
a)
c)
e) d)
Bild 2.2.5-6: 800 MW-Turbo- Läufer: a) Rotorkörper, eingefräste Nuten für DC-Erregerwicklung, b) Läufernut-
Querschnitt, c) Detail: Läufernut mit Leiteranordnung, d) Leiter: 11 parallele, miteinander verdrillte Teil-Leiter,
e) Teilleiter (Durchmesser ca. 1.8 mm, 2.55 mm2) aus NbTi-LTSL-Filamente (5 m Durchmesser) in Cu-Matrix
(Siemens AG, Mülheim)
Beispiel 2.2.5-6:
600 MVA-Turbo: Einströmende Wärmeleistung über Vakuumisolation (Strahlung),
Stromzuführungen, He-Versorgung: ca. 150 W. Diese Leistung verdampft 6.5 g/s LHeI, was
eine elektrische Kälteleistung von ca. 800 x 150 = 120 kW (0.02% der Nennleistung
erfordert). Hinzu kommt noch die Wärmeabfuhr aus dem Läufereisen (Bsp. 2.2.5-7).
Bild 2.2.5-7: Berechnung der Temperaturverteilung in einer massiven Läuferwelle eines 600 MW-
Synchrongenerators (Kaltseite: 4 K, Warmseite 300 K, Zwischenkühlung mit LN2 auf 77 K). 2.1
Beispiel 2.2.5-7:
Wärmeleitung in einer massiven Stahlwelle: Die in Bild 2.2.5-7 dargestellte einfache Läufer-
eisenkühlung erfordert laut Rechnung folgenden Kühlaufwand:
- 110 W abzuführende Verluste aus der Wicklung bei 4 K: elektrische Kühlleistung ca. 800-
fach: 88 kW,
- 2000 W abzuführende Verluste durch Wärmezustrom aus der Turbine bei 77 K:
elektrische Kühlleistung ca. 20-fach: 40 kW,
- Summenkühlleistung: 88 + 40 = 128 kW = 0.02% von 600 MW.
Bei Anordnung der Kühlkanäle gemäß Bild 2.2.5-5 ist der Kühlleistungsbedarf deutlich
geringer. Daher wird die Läuferkühlung wie in Bild 2.2.5-5 dargestellt ausgeführt.
Zur warmen AC-Wicklung im Ständer hin ist der Läufer durch einen vakuumisolierten
Hohlraum im Läufer thermisch isoliert. Ein thermischer Strahlungsschild auf etwa 110 K
reduziert die einfallende Strahlungswärme durch Reflexion und leitet die von ihm absorbierte
Wärme seitlich in den Läuferkörper ab. Dort wird sie von den He-„Pump“kanälen abgeführt.
Ein außen auf dem Läufer angebrachter elektrischer Dämpfer schirmt kurzzeitige
Ständerfeldänderungen durch Wirbelstrombildung von der darunter liegenden SL-Wicklung
weitgehend ab. Der Dämpfer soll Läuferpendelungen in ca. 0.2 ... 0.5 s abklingen lassen. Er
besteht aus einem Doppelmantel (ähnlich dem Doppelkäfigläufer bei Asynchronmaschinen),
wobei der äußere Mantel aus Bronze (höherer elektrischer Widerstand) und der innere Mantel
aus Kupfer (niedriger elektrischer Widerstand) besteht. Die Kräfte von SL-Wicklung und
Dämpfer werden über den "Drehmomentschaft" auf die Turbinenwelle eingeleitet.
Der vakuumisolierte Hohlraum mit einem Restdruck von ca. p = 10-5 mbar hat bei einem
600 MVA-Turbogenerator ein Volumen von ca. V = 1000 dm3. Soll das Vakuum t = 1 Jahr
bestehen bleiben, bevor erneut evakuiert wird, darf die Leckagerate L
p V 10 5 1000
L 3 10 10 mbar dm 3 / s (2.2.5-15)
t 3600 8760
nicht überschreiten. Dies beschränkt sich auf den He-Dampf, da alle anderen Stoffe (Luft, ...)
an der Kaltseite (ca. 4 ... 6K) ausfriert. Da Vakuumgefäße die geforderte geringe Leckrate i. a.
nicht erfüllen, wird in den kalten Teil des Vakuumraumes eine Sorptionspumpe integriert.
Diese enthält ein Sorptionsmittel (z. B. 100 g Zeolith A), das He-Molküle bei 4 .. 6 K
TU Darmstadt Institut für Elektrische Energiewandlung
Neue Technologien bei 2.34 elektrischen Energiewandlern
adsorbiert, so dass bei üblichen Leckagen von 10-7 mbar.dm3/s das Vakuum über zumindest
ein Jahr aufrechterhalten wird.
Die Ständerwicklung ist als Luftspaltwicklung aus Stäben, bestehend aus verdrillten Cu-
Teilleitern aufgebaut, die z. B. wassergekühlt sind. Die Verdrillung der Teilleiter muss so
ausgeführt sein, dass sowohl das Eigenfeld ("Querfeld") als auch das Hauptfeld ("Längsfeld")
möglichst geringe Wirbelstromverluste in der Wicklung hervorrufen. Die Teilleiter selbst sind
aus wiederum verdrillten Litzenleitern (siehe Detail in Bild 2.2.5-8) aufgebaut. Ein
Stützzylinder dient zur Fixierung der zu einwindigen Spulen verlöteten Stäbe und zur
Übertragung des Drehmoments über Bolzen in das Blechpaket. Das Blechpaket dient dem
magnetischen Rückschluss und schirmt dabei gleichzeitig das hohe Magnetfeld
magnetostatisch gegen den Generatoraußenbereich ab.
b)
a)
Bild 2.2.5-9: Ausführungsbeispiel einer He-Transferkupplung (b) stationär/rotierend mit einer Ferrofluid-
Dichtung (a). 1: Polschuhe, 2: Permanentmagnet, 3: Ferrofluid, sammelt sich an den Zähnen der Welle, 4:
Hilfslager, 5: Einbauorte der Dichtung, 6: Ringnut für abströmendes He-Warmgas, 7: Vakuumräume zur
thermischen Isolation zwischen 4.2 K-LHeI-Zustrom und Warmgas-Abstrom, 8: LHeI-Eintritt, 9: He-Warmgas-
Austritt, 10: He-Gasstrom 2.1
H Luft s Luft H y 2 y H y 2 R sin ( ) 2 Aˆ cos Rd 2 Aˆ R sin (2.2.5-17)
0
BLuft B y 0 H y 0 Aˆ (2.2.5-18)
Das bemerkenswerte Ergebnis besagt, dass das zweipolige Feld in der Bohrung homogen ist,
unabhängig vom Umfangswinkel . In Bild 2.2.5-10 ist dies innerhalb des Läuferballens in
guter Näherung der Fall. Der Abstand R - Rf zwischen dem Außenradius Rf der Erreger-
wicklung und dem Innenradius R des Ständerblechpakets ist auf Grund des dazwischen
befindlichen Vakuumraums, des thermischen Schilds, des Dämpferschilds, des mechanischen
Luftspalts und der Ständerwicklungshöhe (inklusive Abstützzylinder) wesentlich größer als
Rf
B (r R) B (r R f ) (2.2.5-19)
R
Ständerblechpaket
a) b)
Bild 2.2.5-11: Schematisch: a) Erzeugung eines reinen Dipolfelds durch einen sinusförmig verteilten
Strombelag, b) Numerisch berechnetes Magnetfeld mit SL-Erreger-Wicklung 2.1, 2.18
Beispiel 2.2.5-8:
Zweipoliger 600 MVA-Turbogenerator: grobe Richtwerte:
LTSL: R - Rf = 375 mm, normalleitend: mag = 100 mm,
LHeI-Kühlung Wasserkühlung
Erregerstrombelag bei Leerlauf (Ständerstrom ist Null):
A = 30 000 A/cm A = 1100 A/cm
B = 3.75 T B = 1.2 T
0.5
LTSL-Generator: Rf = 500 mm: B(r 0.875m) B( R f ) 0.57 B( R f ) 2.15T .
0.875
An den Spulenoberflächen (Kanten) ist das Feld nochmals höher, so dass insgesamt bei 6 T an
den Erregerspulen das Feld an der Ständerwicklung nur noch ca. 1.7 T beträgt. Sie ist damit
um ca. 50 % höher als bei konventionellen Turbogeneratoren. Bei doppelt so großem
Strombelag (Luftspaltwicklung!) steigt somit die elektromagnetische Ausnützung des SL-
Generators um den Faktor 1.5x2 = 3!
Fazit:
Supraleitende Großgeneratoren weisen gegenüber normal leitenden Großgeneratoren etwa
die doppelte bis dreifache elektromagnetische Ausnützung auf.
Die Hauptinduktivität der Ständerwicklung Lh kann mit der Windungszahl N je Strang wie
folgt abgeschätzt werden:
R
Lh ~ 0 N 2 l (SL: = R, NL: = mag) (2.2.5-20)
Beim SL-Generator ist auf Grund der Luftspaltwicklung der Ständerstrombelag doppelt so
groß wie beim normal leitenden Generator, folglich NSL = 2NNL. Bei 1.5-facher Flussdichte B
am Ort der Ständerwicklung kann der SL-Generator bei gleicher Leistung bis auf 1/3 verkürzt
werden: lSL = lNL/3 (Bild 2.2.5-12).
Bild 2.2.5-12: Vergleich der Baugröße eines normal- und supraleitenden Turbogenerators gleicher Leistung
2.18
Lh ,SL 2
N SL RSL l SL NL 4 0.875 0.33 0.1
0.2
Lh , NL N NL RNL l NL SL
2
1 0.6 1 0.875
Fazit:
Die Hauptinduktivität Lh der Ständerwicklung des SL-Generators ist bedeutend kleiner als die
eines NL-Generators gleicher Leistung. Die „Synchroninduktivität“ Ld Ls Lh (Summe
aus Haupt- und Ständerstreuinduktivität) beträgt etwa 30% des Wertes konventioneller
Turbogeneratoren.
Daher ist das Gegenfeld des Ständers beim SL-Generator ebenfalls deutlich kleiner als beim
NL-Generator. Folglich steigt der Erregerbedarf beim SL-Generator von Leerlauf auf Last
wesentlich weniger an als beim NL-Generator.
Die Verluste im SL-Generator sind deutlich kleiner als bei normal leitenden Generatoren
gleicher Leistung:
- Wegfall der Erregerverluste,
- Stark reduzierte Gasreibungsverluste durch kürzeren Läufer.
Hinzu kommt der Leistungsaufwand für die Kältetechnik. Die Ummagnetisierungsverluste im
Stator-Eisenkreis und in der Ständerwicklung bleiben dabei etwa gleich groß. Zu diesen
Verlusten im idealen Synchronbetrieb kommen Wechselstromverluste in der
Läuferwicklung
- im Synchronbetrieb und
- bei Schieflast oder transienter Belastung.
Beispiel 2.2.5-11:
1000 MVA-Generator, 27 kV verkettet, 15.6 kV Strangwert, 21.4 kA, Y-Schaltung, 50 Hz:
a) Verluste:
konventionell: ca. 10 MW (Wirkungsgrad 99 %).
SL-Generator: (LHeI-Kühlung): -40 % Verluste: Verluste: 6 MW: Wirkungsgrad: 99.4 %
b) Reaktanzwerte: (bezogen auf die Nennimpedanz Z N U N ,Strang / I N 0.73 Ohm)
Konventionell: xd = 1.8 … 2.2 p.u., SL-Generator: xd Ld / Z N 0.6 Ld 1.4mH , Lh =
0.42 mH, Ls = 0.98 mH. Große Kippmoment: Mp0 ~ 1/xd: ca. 3-fach: 1.8/0.6 = 3 !
Beispiel 2.2.5-13:
300 MW Nennleistung Normalleitender Generator Supraleitender Generator
Läufer luftgekühlt NbTi, 4.2 K, LHeI
Verlustsumme 4.3 MW 1.8 MW
Wirkungsgrad 98.6 % 99.4 %
Erreger-Stromzuführung, 160 kW 100 kW
Stromrichter, ...
Erregerspulen 1460 kW 50 W
Stromwärme Ständer ohm´sch 710 kW 840 kW
Zusatzverluste 960 kW 300 kW
Ummagnetisierungsverluste 300 kW 300 kW
Gas- und Lagerreibung 710 kW 210 kW
Kühlaggregat - 50 kW
Tab. 5.2.2.-1: Verlustbilanz Vergleich NL-SL-Generator (Rechenwerte) 300 MVA Nennleistung, cos = 1,
Ständerwicklung direkt luftgekühlt
Fazit:
Trotz des Faktors 1000:1 zwischen Kälteleistung und abzuführendem Watt Verluste aus dem
Läufer ist der Einfluss der Kälteleistung auf den Wirkungsgrad nur 0.017 % (Vergleich
ohne/mit 50 kW Kühlleistung). Bei kleineren Einheitsleistungen wird dieses Verhältnis
ungünstiger, so dass als wirtschaftliche Untergrenze für den LTSL-Generator ca. 100 MW
Nennleistung gelten. Bei HTSL-Synchronmaschinen mit der deutlich billigeren, einfacheren
und leistungsärmeren Kühlung (Faktor 40:1) liegt diese Grenze bei ca. 4 MW.
Beispiel 2.2.5-14:
300 MVA-Generator: 40 Jahre Lebensdauer
normalleitend: Summenverluste 4.3 MW
supraleitend: Summenverluste 1.8 MW
Energieeinsparung per annum: (4.3-1.8).8760 = 21.9 GWh
Fällt der SL-Generator drei Tage pro Jahr öfter aus, so ergibt das produzierte Minderleistung
von 3.300.24 = 21.6 GWh. Dies entspricht der Verlusteinsparung eines ganzen Jahres.
Fazit:
Die Verfügbarkeit des SL-Generators (Gesamtsystem aus Generator, Kältetechnik, Erreger-
einrichtung, Schutzkonzept) muss mindestes ebenso groß sein wie die des NL-Generators.
Vorteile:
- die Kühlleistung wird geringer,
- das Kühlsystem wird einfacher und zuverlässiger,
- die Zuverlässigkeit/Verfügbarkeit der SL-Generatoren steigt (siehe Tab. 5.2.2.-2).
Wegen der erforderlichen hohen Magnetfelder ist die Empfindlichkeit der SL auf
Temperatur-/Feld-/Stromänderungen maßgeblich für die Betriebssicherheit des Generators.
Für kurz gefertigte SL-Drahtstücke, die gegenüber langen Drähten stets die höheren kritischen
Feldstärken/Temperaturen/Stromdichten aufweisen, wird dies in Tab.5.2.2.-2 im Eigenfeld
verglichen. Die Spulen sind (hypothetisch) so ausgelegt, dass sich an der Oberfläche je nach
Stromstärke das angegebene Eigenfeld Be einstellt.
Fazit:
HTSL-Generatoren sind wesentlich unempfindlicher gegenüber Feld- und Temperatur-
änderungen; die Quenchgefahr ist deutlich verringert.
Der Aufbau eines HTSL-Generators ist ähnlich wie bei LTSL-Generatoren, aber doch vor
allem im Kühlsystem deutlich einfacher. Ähnlich sind die normalleitende AC-Cu-
Luftspaltwicklung im Ständer, die thermisch vakuumisolierte SL-Läuferwicklung mit
Die Quencherkennung ist – wie für die LTSL-Maschinen - ein wesentlicher Faktor für die
betriebliche Sicherheit der HTSL-Maschinen. Durch Spannungsfallmessung an der SL-
Wicklung kann dies überwacht werden. Im Bereich des Übergangs von SL- auf NL-Zustand
gilt näherungsweise ein Potentialansatz für die U(I)-Relation.
n
I
U U 0 n n(T , B, B parallel ) 7 (2.2.5-21)
Ic
Da bei Ausfall der Kühlung der Temperaturanstieg auf Grund der Wärmespeicher graduell
erfolgt, bleibt genügend Zeit, die Spannungszunahme zu messen und Gegenmaßnahmen
einzuleiten. Der Beherrschung der Kraftbeanspruchung der spröden HTSL-Leiter kommt
erhöhte Bedeutung zu.
Beispiel 2.2.5-15:
HTSL-Generator 1000 kVA, vierpolig, 60 Hz, 1800/min, Schenkelpolmaschine, He-Kaltgas:
27...30 K als Rotorkühlung, Polbreite/Polteilung: e = 20%, Läuferlänge l = 450 mm, Läufer-
spulenaußen-/innendurchmesser da/di = 490/380 mm
P 1000
Generatorausnützung: C 5.1 kVAmin/m3
2
d l n 0.49 0.45 1800
2
P 1000
Generatordrehmoment bei cos = 1: M 5305 Nm
2n 1 2 (1800 / 60)
Spulendaten:
Mittlerer Spulenradius: R = (490+380)/4 = 217.5 mm,
Spulenhöhe: h = (490 – 380)/2 = 55 mm
Querschnittsfläche einer Spulenseite:
Ac (1 e )( R / 2 p) h (1 0.2) (0.2175 / 4) 0.055 0.0075 m2
Abstand zwischen zwei Spulen“schwerpunkten“: Ersatz durch konzentrierte Leiter mit
ILeite r= : 2 0.2175 0.8 / 8 0.1367 m
Bi(2223)-Bandleiter in Silbermatrix, Stromdichte 100 A/mm2,
Durchflutung je Spulenseite bei Voll-Last: = 320 kA,
320000
Leiter-Füllfaktor: k f 0.43
J Ac 100 10 6 0.0075
Der spezifische elektrische Leistungsbedarf für Kälteanlagen verhält sich gemäß Bild 2.2.5-
13 Leistungsbedarf für T = 4.5 K, 20 K und 80 K etwa wie 40:8:1. Darin liegt die große
Chance der HTSL-Technologie.
Bild 2.2.5-13: Spezifischer elektrischer Leistungsbedarf für Kälteanlagen zur Abfuhr der Wärmeleistung Q r
von unterschiedlichen Temperaturniveaus 2.1
Fazit:
Trotz der im Augenblick erforderlichen Notwendigkeit, HTSL-Motoren mit BSCCO-
Bandleitern bei etwa 30 K zu betreiben, ist gegenüber normal leitenden Maschinen ein
Wirkungsgradvorteil von 1.7 % - Punkte möglich.
Standarddrähte (Bandleiter):
- NbTi (Cu-Matrix): 50 ... 100 Euro/kg bzw. 2 ... 4 Euro/(kA und m) bei 8 T (DC-Wicklung)
- AC-Wicklungen mit Mischmatrix und Dünnfilamentleiter sind bis zu 10-mal teurer!
- Zum Vergleich: Cu-Draht: ca. 5 Euro/kg
Nb3Sn: 500 .... 1000 Euro/kg bzw. 30 ... 60 Euro/(kA und m) bei 13 T
Die wesentlich höheren Kosten stammen vom aufwendigeren Fertigungsverfahren.
BSCCO-Bandleiter: ca. 2000 Euro/kg
Kühlmittel:
Externer Ankauf des flüssigen Kältemittels: LHeI: 7 ... 15 Euro/Liter
LN2: 0.1 ... 0.2 Euro/Liter
Umgerechnet auf die Verdampfungswärme der Flüssigkeit (entspricht der Wärmeabfuhr):
Je Wh „Wärme“: LHeI: 10 ... 20 Euro, LN2: 0.02 ... 0.04 Euro
Fazit:
Der wirtschaftliche Einsatz von HTSL-Maschinen hängt neben der über die Lebensdauer
möglichen Verlusteinsparung entscheidend davon ab, dass HTSL-Bandleiter billiger werden
und bei höheren Temperaturen als 30 K noch ausreichende Magnetfeldfestigkeit aufweisen.
Beispiel 2.2.5-16:
Umrechnung von Euro/kg auf Euro/(kA und m) für NbTi:
Betriebsstromdichte ca. 200 A/mm2: daher benötigt 1 kA einen Drahtquerschnitt von 5 mm2
Dichten: Cu-Matrix: 8.9, Nb: 8.85, Ti: 4.5 (Werte in kg/dm3). 4 Euro/(kA und m): Für 1 kA
Strom ergibt sich eine Supraleitermasse m 5mm 2 1m 8900kg / m 3 0.0445kg .
Beispiel 2.2.5-17:
Für die US Navy wurden von American Superconductor gemeinsam mit Northrop Grumman
und Unterlieferanten wie Alstom mehrere HTSL-Synchronmotoren mit BiSCCO-Rotor-
wicklungen (He-Gas-gekühlt bei 32 K) als künftige Schiffsantriebe entwickelt und erprobt.
Diese Motoren sollen drehzahlvariabel über Umrichterspeisung als Propellerantriebe dienen
und wegen des geringeren Platzbedarfs und besseren Wirkungsgrads als konventionelle
Synchronmotoren in den DD(X) und CG(X)-Fregatten eingesetzt werden.
Bemessungsleistung 5 MW 36.5 MW
Drehzahl n (=Propellerdrehzahl) 230/min 120/min
Motorwirkungsgrad 96 % 97 %
Polzahl 2p 6 16
Ständerspannung (verkettet) 4.16 kV 6 kV
Ständerstrom (effektiv) 722 A 1270 A
Ständerstrangzahl 3 9
cos (Grundschwingung) 1 1
Bemessungsfrequenz f f = n.p = 11.5 Hz 16 Hz
Masse 23 Tonnen 75 Tonnen
Länge x Breite x Höhe 2.5 m x 1.9 m x 1.9 m 3.4 m x 4.6 m x 4.1 m
Statorkühlung Öl-Flüssigkeitskühlung Öl-Flüssigkeitskühlung
Baujahr 2003 2006
Tabelle 2.2.5-1: Daten der HTSL-Synchronmotoren für Propellerantriebe
Bild 2.2.5-15: 6-poliger 5-MW-HTSL-BiSCCO-2223-Motor auf dem Prüfstand (Rugby, UK), Nennmoment: 208
kNm, Nenndrehzahl: 230 /min (IEEE IAS Magazine & Comp. American Superconductor & Alstom)
Beispiel 2.2.5-18:
Für die Handelsmarine werden HTSL-Synchrongeneratoren mit BiSCCO-Rotorwicklungen
von Siemens als zentrale Stromversorgung, angetrieben von dem Schiffsdieselmotor,
entwickelt und erprobt. Diese Generatoren werden bei konstanter Drehzahl betrieben und sind
wegen ihrer höheren Drehzahl bei gleicher Leistung deutlich kleiner als die Propellerantriebe
vom Bsp. 2.2.5-17.
Daten: HTSL – 2-poliger 4 MVA-Synchrongenerator, 3600/min, 6.6 kV, 60 Hz, cos = 0.8
übererregt, BiSCCO-2223-Erreger-wicklung, 25 … 30 K, Neongaskühlung, hohle Läufer-
welle, Ständer-Luftspaltwicklung, luftgekühlt, Länge x Breite x Höhe: 3.7 x 1.9 x 1.8 m3
inklusive Kälteanlage, 7 Tonnen. Trotz der Kälteanlage 20% weniger umschriebenes
Quadervolumen, 40% weniger Masse. Gesamtverluste: Pd = 52 kW.
Generatorwirkungsgrad: S cos /( S cos Pd ) 4000 0.8 /(4000 0.8 52) 98.4%
Konventioneller vierpoliger Synchron-Generator: Pd = 130 kW, 96.1%
a) Kryomaschinen:
In diversen Tieftemperaturanwendungen (z. B. Kältemaschinen) sind die Motoren in die
Arbeitsmaschine so integriert, dass sie vollständig vom Kältemittel umspült werden. Es ist
dann eine deutliche Erhöhung der Leistung (bei etwa gleichen Gesamtverlusten) möglich, so
dass ein wesentlich kompakterer Motor möglich ist. Dabei sind die betrachteten Motor-
leistungen wesentlich kleiner als bei den in Abschnitt 2.2.5 betrachteten Großmaschinen. Aus
Kostengründen sind daher keine aufwendigen speziellen Kühlkreisläufe ausgeführt. Folglich
müssen die gesamten Motorverluste über das Kühlmittel abgeführt werden. Die häufigste und
billigste Ausführung ist der Betrieb in flüssigem Stickstoff.
Bei Asynchronmaschinen, der gängigsten Antriebsart, sind Leistungserhöhungen bis
zum etwa Dreifachen möglich. Die Abnahme des elektrischen Widerstands der Kupfer-
und Aluminiumwicklungen erlaubt – bei gleichen ohm´schen Verlusten – eine deutliche
Erhöhung des Strombelags. Allerdings steigen die Wirbelstromverluste im Dynamoblech, da
auch dessen spezifischer ohm´scher Widerstand sinkt. Ebenso steigen die wirbelstrom-
bedingten Zusatzverluste in den Leitern und Eisenteilen. Die Reibungsverluste im flüssigen
Stickstoff sind i. a. höher als in Luft.
Beispiel 2.2.6.-1:
- Widerstandsabnahme einer Kupferwicklung:
(i) Normmotor: Wärmeklasse (W. Kl.) B gemäß IEC 34-1: (80 K Übertemperatur bei 40 °C
Raumtemperatur): Widerstandszunahme gegenüber 20 °C:
235 80 40
1.39
235 20
(ii) LN2-Kühlung: 77 K Siedebadkühlung: ca. 23 K Temperaturgefälle in der Wicklung,
somit 100 K ( = - 173 °C) Bezugstemperatur: Widerstandsabnahme gegenüber 20 °C:
235 173
0.24
235 20
Der Widerstand der Kupferwicklung sinkt von W. Kl. B auf 100 K um den Faktor 0.24/1.39 =
1/5.7 ab.
Beispiel 2.2.6.-2:
Erhöhung der Ummagnetisierungsverluste PFe = PHy + PFt bei 77 K:
- Die Hysteresis-Verluste PHy werden von der Temperaturänderung i. a. wenig beeinflusst.
- Die Wirbelstromverluste PFt ~ B2/RFe steigen mit sinkender Temperatur, da RFe sinkt. Da
aber Dynamoblech aus "siliziertem" Eisen besteht (Si-Beigabe erhöht den Widerstand),
steigen diese Verluste bei Übergang von ca. 80 °C Eisentemperatur auf 77 K nur um ca. 40%.
- Resultierende Ummagnetisierungsverluste: Im Dynamoblech beträgt bei 50 Hz der Anteil
der Hysteresisverluste ca. 75 % von PFe . PHy / PFe 0.75, PFt / PFe 0.25. Daher nehmen die
Ummagnetisierungsverluste nur um den Faktor [Link] + 0.75 = 1.1 zu.
Fazit:
Beim Kryomotor (LN2-Kühlung) sinken die ohm´schen Verluste gegenüber herkömmlichem
Normmotorbetrieb (Oberflächenkühlung, W. Kl. B) etwa um den Faktor 6, während die
Ummagnetisierungsverluste bei handelsüblichem Dynamoblech um ca. 10% steigen.
TU Darmstadt Institut für Elektrische Energiewandlung
Neue Technologien bei 2.47 elektrischen Energiewandlern
Fazit:
Bei Kryo-Asynchronmotoren ist bei gleichen ohm´schen Verlusten eine Zunahme der Leistung
bei 77 K gegenüber W. Kl. B auf das Dreifache möglich.
Als Maß für die "Motorausnützung" kann der spezifischer Wirk-Drehschub wirk verwendet
werden, der die an der Läuferoberfläche wirksame Flächenschubkraft darstellt, die das
Wellendrehmoment bewirkt.
M 1
Spezifischer Wirk-Drehschub: wirk (2.2.6-1)
d si / 2 d si l Fe
Beispiel 2.2.6.-3:
Oberflächengekühlter Norm-Asynchronmotor als "Kryo"-Motor bei LN2-Kühlung.
Normmotor-Daten: Pm = Pout = 4 kW, 380 V, Y, 9 A, cos = 0.83, 1450/min, W. Kl. B
Hauptabmessungen: dsa/dsi = 180/114.5 mm, lFe = 100 mm, Luftspalt 0.3 mm
Kenngrößen: Widerstand/Strang (20°C): 1.339 Ohm, Pin 3UI cos = 4916 W, Luftspalt-
induktion B = 0.97 T, Ständer-Strombelag A = 250 A/cm, Ständer-Stromdichte J = 7.3 A/mm2
Der Schlupf s sinkt bei 4 kW und 77 K proportional mit dem Widerstand von
1500 1450
s 3.3% auf den Wert 3.3/5.7 = 0.58 %. Bei Erhöhung des Drehmoments um
1500
den Faktor 2.94 steigt er um diesen Wert auf [Link] = 1.72 %.
Norm-Asynchronmotor Kryo-Asynchronmotor
Nennstrom 9A 22.5 A
Nennmoment 26.4 Nm 26.4 x 2.94 = 77.6 Nm
Drehzahl 1450 /min 1475 /min
abgegebene Leistung Pout 4000 W 12000 W
Spezifischer Wirk-Drehschub 0.128 bar 0.38 bar
Ständer: ohm´sche Verluste PCu,s 452 W (120°C) 495 W (100 K)
Ummagnetisierungsverluste 200 W 220 W
Schlupfverluste 140 W 140 (22.5 / 9) 2 / 5.7 154W
PCu ,r s ( Pin PCu ,s PFe )
Reibungs- und Zusatzverluste ca. 50 W ca. 100 W
Summenverluste / Wirkungsgrad 842 W / 82.6 % 969 W / 92. 5 %
Tabelle 2.2.6-1: Erhöhung der Motorleistung eines Normasynchronmotors durch Kryo-Betrieb 2.20
Gemäß Tabelle 2.2.6-2 ist der Wirkungsgrad des Kryo-Motors bei 12 kW höher als bei einer
vergleichbaren konventionellen 12 kW-Maschine bei W. Kl. B, und dies trotz etwa dreifacher
Motorausnützung. Allerdings müssen die VOLLEN Motorverluste mit LN2 gekühlt werden.
Die Bereitstellung des flüssigen Kältemittels für die Abfuhr von 969 W Kryoleistung
erfordert ca. (20 ... 30) x 969 = 19 ... 29 kW elektrische Leistung am Kompressor. Daher lohnt
sich der Einsatz von Kryomotoren nur dort, wo aus technischen Gründen niedrige
Temperaturen ohnehin erforderlich sind, und die kompakten Abmessungen des Antriebs den
erhöhten Leistungseinsatz im Kältemittelbereich rechtfertigen.
b) Hysteresemotoren
Die Kryomotoren können durch den Einsatz von Y(123) als Motoren mit Massiv-Supraleitern
mit geringeren Verlusten konzipiert werden. Es muss auf Grund des anisotropen Verhaltens
von Y(123) die niedrigere kritische Flussdichte quer zur Vorzugsrichtung als
Bemessungsgröße zugrunde gelegt werden. Immerhin sind dabei ca. 0.9 T bei LN2-
Siedetemperatur möglich, was z. Zt. deutlich mehr ist als für BSCCO-Drähte.
Temperatur 20 K 77 K
transversal Bc2 7T 0.9 T
Tabelle 2.2.6-2: Kritische Flussdichte in transversaler Richtung (quer zur Vorzugsrichtung) von handelsüblichem
Y(123)
Die Energiebilanz des Läufers bei asynchronem Lauf mit dem Schlupf s wird aus der auf den
Läufer übertragenen Luftspaltleistung P und dem Volumen V des Hysteresematerials
berechnet. Die Läuferfrequenz fr ist um den Faktor s kleiner als die Ständerfrequenz fs .
fs p s
PHy wHyV f r wHyV s f s s 2 Me Me wHyV (2.2.6-4)
p 2 s
Fazit:
Das durch Hysterese erzeugte elektromagnetische Moment ist drehzahlunabhängig. Es wirkt
im motorischen Betrieb (s < 0) antreibend, im generatorischen Betrieb (s < 0) bremsend. Bei
Schlupf s = 0 ist der Läufer in einem aufmagnetisierten Zustand und somit als
Permanentmagnet wirksam. Bei Schlupf s = 0 ist der Hysteresemotor ein permanent-
magneterregter Synchronmotor. Im asynchronen Lauf kommt zum Hysteresemoment noch u.
U. ein asynchrones Moment auf Grund von Wirbelstromverlusten im Läufer (Bild 2.2.6-1).
Die in Bild 2.2.6-2 dargestellte gemessene B(H)-Kurve einer Y(123)-Probe ist repräsentativ
für das Werkstoffverhalten des Materials eines HTSL-Hysteresemotors. Die mittlere
Permeabilität ist im Arbeitspunkt maximaler Flussdichte:
B 0.22T
0.55 0 r 0
H 300kA / m
Die relative Permeabilität ist kleiner als Eins, da HTSL diamagnetisches Verhalten haben. In
der Meissner-Phase sind SL ideal diamagnetisch (vollständige Flussverdrängung, 0 ). In
der Shubnikov-Phase dringt der Fluss mittels Flussröhren in den SL ein, so dass der
Diamagnetismus unvollständig ist.
Bild 2.2.6-1: Prinzipieller Verlauf des Drehmoments eines Hysteresemotors (MHy: Hysterese-Moment, Mw:
Wirbelstrom-Moment)
Bild 2.2.6-2: Gemessene B(H)-Kurve ("Hystereseschleife mit Neukurve") einer Y(123)-Probe 2.23
Beispiel 2.2.6-4:
Hystereseläufer eines zweipoligen Motors:
Läufergeometrie: geblechter Eisenkern mit aufgeschobenen Y(123)-Ringen: Innen-
/Außendurchmesser der Ringe: 30/70 mm, Gesamtlänge der Ringe 45 mm.
Gesamt-Volumen der Ringe Vr = 141372 mm3, Fläche der B(H)-Kurve: wHy = 47100 J/m3,
p 1
Hysteresemoment: M e wHyVr 47100 0.000141372 1.06 Nm
2 2
Beispiel 2.2.6-5:
Zweipoliger Hysteresemotor, Läufergeometrie von Bsp. 2.2.6-4, 77 K, Abschätzung der
erzielbaren Leistung. Die Flussdichte im Luftspalt ca. 0.32 T ist kleiner als die kritische
Flussdichte. Die Fläche der B(H)-Schleife nimmt etwa mit B2 zu (vgl. Bild 2.2.6-2).
wHy 47100 (0.32 / 0.22) 2 99000 J/m3
Drehmoment: 2.22 Nm, Leistung: Pm 2 2.22 3000 / 60 700W
Bild 2.2.6-3: Ausgeführte zweipolige HTSL-Läufer, Durchmesser ca. 70 mm, HTSL-Aktivlänge 45 mm, links:
Hystereseläufer, rechts: Reluktanzläufer 2.23
Beispiel 2.2.6-6:
Hysteresemotor Reluktanzmotor
Strangspannung U/V 127 127
Strangstrom I/A 15.4 9.4
Leistung Pm / W 720 650
Leistungsfaktor cos 0.19 0.28
Wirkungsgrad 0.63 0.64
spez. Wirk-Drehschub 0.66 bar 0.6 bar
Tabelle 2.2.6-3: Ausgeführter dreiphasiger, zweipoliger HTSL-Hysteresemotor im Vergleich zu ausgeführtem
HTSL-Reluktanzmotor (Bild 2.2.6-3) bei 50 Hz, 3000/min 2.23
c) Reluktanzmotoren
Reluktanzmotoren sind im Läufer so aufgebaut, dass in der Längsachse (d-Achse) der
Luftspalt sehr klein ist. Der Magnetfluss wird durch das Läufereisen so geführt, dass nur der
kleine Luftspalt zu magnetisieren ist. Quer dazu (Querachse, q-Achse) ist der Luftspalt viel
größer, daher ist der Läufer in Querrichtung wesentlich schlechter magnetisierbar. Daher
wird der Läufer versuchen, sich im Ständerdrehfeld so auszurichten, dass die d-Achse mit der
Polachse des Ständerdrehfelds zusammen fällt. Die Ständerinduktivität ist wegen des
kleineren Luftspalts in Richtung der d-Achse größer als in Richtung der q-Achse: Ld > Lq. Bei
Belastung des Läufers wird er aus dieser Achse um den Polradwinkel heraus gedreht. Bei
vernachlässigtem Ständerwiderstand und konstanten Induktivitäten Ld, Lq ist ein maximaler
Polradwinkel von 45° (elektrische Grade = mechanische Grade/p) möglich. Das dabei
erzielbare maximal mögliche Moment (Kippmoment Mp0) ist umso größer, je größer der
Unterschied der Magnetisierbarkeit zwischen Längs- und Querachse ist. Dies kommt durch
die Differenz zwischen Ld und Lq zum Ausdruck.
3p 1 1
Me U 2 sin(2 ) M p 0 sin(2 ) ( X 2f s L ) (2.2.6-5)
2f s Xq Xd
Wird in den Lücken der Querachse HTSL-Material eingebaut, so befindet es sich bei den
technisch erforderlichen Flussdichten von deutlich über 0.1 T nicht mehr in der Meissner-
Phase, sondern in der Shubnikov-Phase. Es erfolgt somit eine unvollständige
Flussverdrängung aus der Pollücke, die die Querinduktivität Lq gegenüber der
konventionellen Reluktanzausführung (mit Luftbereichen in der Pollücke) verringert und
somit das maximale Drehmoment Mp0 steigert. Die Flussdichte in der Pollücke der Querachse
BqSL ist somit kleiner als im konventionellen Fall: BqSL < BqNL.
Bild 2.2.6-4: Zweipolige HTSL-Reluktanzmotoren im axialen Schnitt. Die Pollücken ("Reluktanz") sind mit
HTSL-Y(123) ausgefüllt, das den Magnetfluss teilweise verdrängt und so die Reluktanzwirkung erhöht; links:
Schenkelpoltyp, rechts: "Zebra"-Typ 2.24
Die Gestaltung des Reluktanzläufers zielt bei gegebener Klemmenspannung U auf maximales
Drehmoment Mp0 ab. Maßgebliche Parameter sind das Verhältnis "Polbreite/Polteilung"
p b p / p und "Lückentiefe/Polteilung" hq / p sowie "Lückentiefe/Luftspalt" hq / .
Beispiel 2.2.6-7:
Zweidimensionale Finite-Element-Feldberechnung, 10 kW-Reluktanzmotor, Schenkelpoltyp,
r,HTSL = 0.5, = 0.5 mm, p = 63 mm, hq = 10 mm, p = 0.5.
Ergebnis: SL = 12, = 5, daher Momentsteigerung bei gleichem Strombelag: Mp0: + 80 %.
Die Messung ergab: + 100%.
Bˆ d Bˆ q 0Vˆ / . (2.2.6-8)
Wird angenommen, dass im Bereich der Lücke die Flussdichte auf den konstanten Wert
BqSL Bˆ q / SL sinkt, so kann über die Berechnung der Amplitude Bˆ q1 der Fourier-
Grundwelle des durch die Lücke verzerrten Feldverlaufs der Faktor cq bestimmt werden.
a) b)
2
1
0
Bˆ q1 Bq ( ) sin d (2.2.6-9)
Bˆ q1 sin( p ) 4 p
cq p cos (2.2.6-10)
Bˆ q SL 2
Für den Rotor ohne HTSL wird SL durch ersetzt. Die analoge Rechnung für die Längsachse
liefert (bei Vernachlässigung des Felds in der Lücke gemäß Bild 2.2.6-5)
Bˆ d 1 sin( p )
cd p . (2.2.6-11)
Bˆ d
Bei Vernachlässigung der Ständerstreuung ergibt sich maximales Moment Mp0 dann, wenn
1 1 X d X q X dh X qh cd cq
(2.2.6-12)
Xq Xd Xd Xq X dh X qh cd cq
maximal ist.
Beispiel 2.2.6-8:
HTSL in den Lücken Luft in den Lücken
Lückenfeldfaktor SL = 12 =5
p für max. Moment 0.21 0.36
(cd cq ) /(cd cq ) 6.20 1.94
Momenterhöhung + 220 %
zu Beispiel 2.2.6-7 p = 0.5 p = 0.5
(cd cq ) /(cd cq ) 2.55 1.5
Momenterhöhung + 70 %
Tabelle 2.2.6-4: Rechnerische Abschätzung des optimalen Polbreitenverhältnisses p für maximales Moment
Mp0 und Momenterhöhung bei SL-Reluktanzmotoren
Beispiel 2.2.6-8:
Zweipoliger Reluktanzmotor, Schenkelpoltyp, mit HTSL in den Lücken, Y-Schaltung
Stator: Außen-/Innendurchmesser dsa/dsi = 160/68 mm, Blechpaketlänge lFe = 240 mm,
Ständernutzahl Qs = 36, Lochzahl q = 4, Strangzahl m = 3, Ständerfrequenz fs = 50 Hz,
mittlere Nutbreite bQ,av = 4.9 mm, Zahnbreite bd = 3 mm, p 0.4
Dieser Motor (Bild 2.2.6-6) hat eine relativ geringe Ausnützung und dient lediglich dem
messtechnischen Vergleich hinsichtlich der Wirkung der HTSL-Elemente, durch die das
Drehmoment etwa um den Faktor 2 (ungesättigt) bzw. 1.5 (gesättigt) gesteigert werden kann
(Bild 2.2.6-6 und Tab. 2.2.6-5).
Beispiel 2.2.6-9:
Zweipoliger Reluktanzmotor, "Zebra"-Typ, mit HTSL als Zwischenschichten,
Y-Schaltung,
Stator: Außen-/Innendurchmesser dsa/dsi = 180/68 mm, Blechpaketlänge lFe = 200 mm, 50 Hz,
Bild 2.2.6-7: Messung: Zweipoliger "Zebra"-Reluktanzmotor, 77 K, maximales Moment Mp0 bei variabler
Spannung U 2.25
Der Motor ist hoch ausgenützt. Auf Grund des Kryo-Betriebs wäre ein Wirk-Drehschub von
ca. 0.4 bar zu erwarten, der dank HTSL und der speziellen Auslegung für hohen Strombelag
verdoppelt wurde.
d) Kryo-Permanentmagnetmotoren
Der Prototyp von Bsp. 2.2.6-9 zeigte die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen von HTSL-
Reluktanzmotoren bei 77 K. Der niedrige Leistungsfaktor korrespondiert mit einem hohen
Magnetisierungsstrom, der den Wirkungsgrad begrenzt. Deshalb wird augenblicklich mit
Y(123)-Elementen im Rotor experimentiert, die im normal leitenden Zustand einem hohen
Magnetfeld ausgesetzt sind. Nach Abkühlung in den SL-Zustand auf eine so tiefe Temperatur,
dass das ursprüngliche Feld die kritische Flussdichte unterschreitet, hält der HTSL die
Flussröhren dieses Gleichfelds durch "Flusspinning" (harter Supraleiter!) in der Shubnikov-
Phase an den Pinningzentren fest. Damit ist der HTSL zum Kryo-Permanentmagneten
geworden. Bei 20 K sind z. Zt. 7 T Flussdichte möglich, bei 77 K immerhin noch 0.9 T
(ungünstiger Fall: quer zur Vorzugsrichtung eingeprägtes Feld).
Mit diesen SL-Permanentmagneten lassen sich Motoren bauen, die nicht durch den
Ständerstrombelag magnetisiert werden. Folglich kann auf einen kleinen Luftspalt verzichtet
werden, so dass eine thermische Isolation zwischen Ständer und Läufer – ähnlich wie bei den
Großgeneratoren – möglich wird. Das senkt den Kühlbedarf drastisch. Gleichzeitig verbessert
sich der Leistungsfaktor erheblich, was den Scheinleistungsbedarf der Motoren verringert.
Mit demselben Prinzip des "eingefrorenen" Flusses im HTSL lassen sich auch passive
Magnetlager bauen (siehe Kapitel 3: Magnetlagerung).