Ismaning
Ismaning
zur
von
MUNCHEN 1964
von
Karl Brunnacker, Bruno Paulus, Max Brockert,
Winfried Hinsch und Helmut Vidal
MUNCHEN 1964
B. Landschaftsgeschichte . . . . . , . . . 7
C. Schichtenfolge (Stratigraphie) . . . . . . , 9
1. Der tiefere Untergrund . . . 9
a. Einleitung . . . . . . . . . 9
b. Allgemeines zu den Bohrungen und deren Kurzproiile 11
c. Zur stratigraphischen Gliederung des Molasseprofils . . 14
d. Uberblick über die fazielle Entwicklung der Schichtenfolge
und die paläogeographischen Beziehungen . . . . 14
e. Beschreibung der Schichtenfolge mit Erörterungen strati-
graphischer Probleme . . . . . . . . . . . 17
f. Albsteinähnliche Kalkknollen aus den Bohrungen Pliening
102 und 104 . . . . . . . 47
11. Obere Süßwassermalasse in Oberflächennähe . 53
Obere Serie . . . . . . . . 53
111. Quartär . . . . . . . . . 54
a. Pleistozän ................ . 54
1. Mindeleiszeit ............. . 55
(a) Moräne und Staubeckenablagerungen ... . 55
(b) Schotter .............. . 57
2. Mindel/Riß-Interglazial ......... . 59
3. Rißeiszeit ............... , 63
4. Riß/Würm-Interglazial .......... . 65
5. Würmeiszeit .............. . 65
(a) Äolische Bildungen .......... . 65
(1) Sandlöß ............. < 65
(2) Löß .............. * 66
(3) Lößlehm ............ . 66
(b) Fluviatile Bildungen ......... . 67
(1) Niederterrasse .......... . 67
(2) Altstadt-Stufe .......... 67
(3) Garthing-Stufe .......... 69
Scitc
b. Holozän . . . . . . . . . . . . 69
1. Fluviatile Bildungen . . . . . 70
(a) Neufahrn-Stufe . . . . , . . . . . . 70
(b) Pulling-Stufe . . . . . . . . . 70
(c) Lerchenfeld-Stufe . . . . . . . . . . . . ‘70
(d) Dichtl-Stufe . . . . . . . 70
(e) Auwald-Stufe . . . . . . . . . . . . . . . . 71
2. Subhydrische Bildungen . . . . . . . . . 71
(a) Anmooriger Boden . . . . . . . . . . . . 74
(b) Niedermoortorf und Ocker . . 74
(c) Alm . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
(d) Beschreibung von geologischen Profilen im Bereich
der subhydrischen Bodenbildungen des südlichen
Erdinger Mooses . . . . . . . . . . . 78
3. Ablagerungen im Rahmen der Bodenerosion . . . . 86
(a) Abschlämm-Massen . . . . . . . . . . 87
,(b) Auemergel . , . . . . . . . . . . . . 87
4. Künstliche Aufschüttungen . . . . . . . . . 87
D. Lagerungsverhältnisse (Tektonik) . . . . . . . . . 88
E. Geophysikalische Untersuchungen . , . . . . . . 88
F. Hydrogeologische Verhältnisse . , . . . . . . . . . . . . 88
G. Nutzbare Ablagerungen . . . . . . . . . . . . . 89
H. Die Böden . . . . . . . . . . . . . . . . 89
1. Der Baugrund . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
K. Geologisch wichtige Stellen und Vorschläge für Lehrausflüge . . 91
L. Schrifttum . . . . . . . . . . . 93
1. Tertiär . . . . . . . . . . 93
11. Quartär . . . . . . . . . . . . . 96
Einleitung
In den Jahren 1960/61 wurde der südliche Teil des Erdinger Mooses
durch M. KURSCH (Institut für Geologie der Technischen Hochschule Mün-
chen) im Rahmen einer durch Herrn Professor Dr. P. SC:HMII>T-THOME ge-
stellten Diplomarbeit mit finanzieller Unterstützung des l3ayerischen Geo-
logischen Landesamtes, München, geologisch aufgenommen (M. KURSCH
1962). Diese Kartierung wurde, soweit sie das Blatt Ismaning betrifft,
durch moor-geologische Untersuchungen von H. VIDAL und durch Auf-
nahme noch fehlender Bereiche entlang der Isar und im Gebiet der soge-
nannten Erdinger Altmoräne durch K. BRUNNACKER l) ergänzt.
Die nachfolgenden Erläuterungen zu dieser Karte wurden von K.
BKUNNACKBR und soweit sic die subhydrischen Bildungen betreffen, von
H. VIIIAI. l) verfaßt. Dem Entgegenkommen der Gas- und Wasserwerke
der Stadt München sowie der Deutschen Erdöl-Aktiengesellschaft ist
weiterhin ein durch die Herren M. BROCKIXT, W. HINSCII, B. [Link] und
W. ZIMMBRLE l) bearbeiteter Abschnitt über den durch einige Tiefbohrun-
gen bekanntgewordenen tieferen Untergrund zu verdanken.
Wünschenswert schien die Aufnahme des in Nähe der Stadt München
gelegenen Blattes Ismaning deshalb, weil aus diesem Abschnitt der Mün-
chener Schotterfläche bislang kaum geologische Unterlagen vorhanden
waren; denn seit der ausführlichen geologischen Beschreibung der Um-
gebung Münchens durch L. v. AMMON (1894) mit einer kleinmaßstäblichen
Ubersichtskarte wurde von hier als Karte mit spezieller Darstellung nur
die den Großraum östlich der Isar miterfassende Geologisch-hydrolo-
gische Karte i. M. 1 : 50 000 von H. TILLMANN (1953) veröffentlicht. Der
südliche Teil des Blattes Ismaning wird auch in letztgenannter Karte
dargestellt. Für den nördlichen Teil hingegen lagen bisher keine ge-
naueren Angaben vor. Die Geologische Karte 1 : 25 000 Blatt Ismaning
schließt damit eine Lücke im südlichen Anschlußbereich des Blattes Frei-
sing Süd der Geologischen Karte von Bayern 1 : 25 000 (K. BRUNNACKI:R
1959).
5
A. Geographischer und geologischer überblick
Das Kartenblatt Ismaning erfaßt einen Ausschnitt der weitgespannten
Münchener Schotterfläche, die im wesentlichen erst im jüngeren [Link]är
ihr heutiges Bild erhalten hat.
Den tieferen, nur entlang dem Isarufer streckenweise erschlossenen
Untergrund bildet die Obere Süßwassermalasse. Diese wird im gesam-
ten Kartenbereich von quartären, insbesondere von jungpleistozänen und
holozänen Ablagerungen überdeckt. Im Südosten reicht in das Blattgebiet
außerdem die zumeist durch äolische Sedimente verhüllte Erdinger Alt-
moräne mit flachkuppigen Oberflächenformen in einer Höhenlage um
530 m NN herein. Ablagerungen älterer Eiszeiten finden sich außerdem
in den kleinen, die weite Niederterrassenflur nur um rd. 5 m überragen-
den Hochterrasseninseln von Eicherloh und Eichenried. Der Hochterrassen-
rest bei Ismaning stellt hingegen den nördlichsten Abschnitt des langen,
von München bis Ismaning östlich der Isar verlaufenden Hochterrassen-
zuges dar. Die im Kartengebiet vertretene Altmoräne wird aus noch zu
erörternden Gründen in die Mindeleiszeit gestellt. Die Hochterrasse von
Eicherloh baut sich hingegen aus fluvioglazialen Ablagerungen der Mindel-
eiszeit und jüngeren Ablagerungen auf. Diese jüngeren Bildungen be-
stehen aus Interglazialbildungen des Mindel/Riß und rißeiszeitlichem
Schotter; entsprechendes gilt für Eichenried. Umgelagertes Material dieses
Mindel/Riß-Interglazials wurde ferner an der Basis des Ismaninger Hoch-
terrassenschotters, der somit ebenfalls in die Rißeiszeit gehört, festge-
Stellt (Vgl. R. SCHRÖDER 1915).
Die größte Schotterfläche des Kartenbereiches wird jedoch von der
würmeiszeitlichen Niederterrasse gestellt. Ihre Oberfläche liegt im Süden
bei rd. 500 m NN und fällt nach Nordosten hin auf 465 m NN ab, um
dann unter die Oberdeckung durch holozäne Torf- und Almlager hinab-
zutauchen.
Entlang der Isar, also im westlichen Kartenbereich, treten spät- und
postglaziale Flußablagerungen in reichgegliederter Folge als Fortsetzung
der bereits auf Blatt Freising Süd ausgeschiedenen Schotterflächen auf.
Die große Fläche des etwa 250 km2 großen holozänen Erdinger Mooses,
die von Südsüdwesten nach Nordnordosten den Kartenbereich quert, liegt
im Nahtbereich der würmeiszeitlichen Niederterrasse zur nächstjüngeren,
nämlich der als Altstadtstufe bezeichneten bzw. ihr etwa zeitlich gleich-
gestellten Flußablagerung. Die Entstehung dieser subhydrischen Bildun-
gen ist durch Austritte des Grundwassers aus dem Schotterkörper der
Niederterrasse bedingt. Neben der Bildung von Niedermoortorf ist hier
6
in z.T. flächenmäßig ungewöhnlich großen, jedoch meist nur gering-
mächtigen Lagern, Kalk in der als ,,Alm” bezeichneten Fazies entstanden.
Infolge Grundwasserabsenkung ist heute in diesem Raum die Torf-
bildung und, abgesehen vom Abfluß der Gfällach-Quelle, auch die Kalk-
bildung beendet. Das Grundwasser ist soweit abgesenkt, daß auch im
Bereich dieser Holozängesteine bei landwirtschaftlicher Nutzung jetzt der
Ackerbau überwiegt.
Im südlichen Kartenbereich liegen außerdem der künstlich angelegte
Speichersee und die Fischteiche, die abgeleitetes Wasser von der Isar
bzw. der Kläranlage Großlappen (westlich der Isar auf 131al.t Oberschleiß-
heim) aufnehmen. Uber den Kanal der Mittlere Isar AG wird dieses
Wasser unter Gewinnung von Elektrizität in Kraftwerken der Isar zwi-
schen Moosburg und Landshut wieder zugeführt.
B. Landschaftsgeschichte
Nach Abschluß der Sedimentation im Molassetrog wurde das Gebiet
im Verlauf des Pliozäns herausgehoben und damit dem Abtrag ausge-
setzt. Die landschaftsgeschichtliche Entwicklung ist jedoch erst ab der
Mindeleiszeit im Kartengebiet genauer zu erfassen. Wohl ontlang einem
alten, von Süden nach Norden verlaufenden Flußtal rückte in der Mindel-
eiszeit ein Gletscher nach Norden vor, der beim Abschmelzen die Erdinger
Altmoräne hinterließ. Ein anderes, ebenfalls von Süden nach Norden
ziehendes mindeleiszeitliches Tal wird durch die tiefgelegenen Schotter
der Hochterrasse von Eicherloh angedeutet. Da die alte Moräne des
Kartengebietes ein auf den Inngletscher zeigendes kristallinreiches Ge-
Schiebespektrum aufweist, der Mindelschotter von Eicherloh hingegen
fast nur kalkalpines Material führt, muß gefolgert werden, daß zwischen
diesen beiden Ablagerungsbereichen ursprünglich eine große trennende
Wasserscheide in Form eines Tertiärriedels vorhanden war, der erst im
Zuge der jüngeren Entwicklung vollständig ausgeräumt wurde.
Im Verlauf des MindeliRiß-Interglazials verlagerte sich der Lauf des
Flusses, der zuvor bei Eicherloh seine Schotter abgesetzt hatte, zunehmend
nach Westen. Wahrscheinlich hat er hierbei ebenfalls altes Tertiärhügel-
land, wie es heute nördlich der Münchener Schotterfläche auftritt, aus-
geräumt. Geringmächtige Schluffablagerungen mit interglazialer Mol-
luskenfauna repräsentieren diesen Abschnitt in Eicherloh und zusammen
mit Schottern in Eichenried. Die Neigung zur westwärtigen Verlagerung
des Flußlaufes hat in der Rißeiszeit weiter angehalten. Jetzt wurde die
Hochterrasse von Ismaning aufgeschottert, in Eicherloh und Eichenried
wurde hingegen nur noch eine höchstens einige Meter mächtige Schotter-
decke über die Sedimente des vorangegangenen Interglazials gelegt. Das
kalkalpine Geröllspektrum dieser rißeiszeitlichen Fluvioglazialsedimente
zeigt, daß auch hier eine Zufuhr aus dem Bereich des Inngletschers fehlt.
Der rißeiszeitliche Gletscher des Inntales blieb somit im Innenraum des
mindeleiszeitlichen Moränenbereiches stecken. Seine genaue Lage bedarf
noch der Klärung.
Das Riß/Würm-Interglazial ist durch Bodenreste auf den Hochterrassen
vertreten.
In der Zeit, in der die würmeiszeitlichen Gletscher südlich der heuti-
gen Münchener Schotterfläche aus den Alpen in das Vorland hinaus-
getreten sind, wurde ähnlich wie in der Rißeiszeit, aber jetzt besser faß-
bar, durch die abfließenden Schmelzwässer der Bereich ausgeräumt, der
unmittelbar daran anschließend durch den Vorstoßschotter und den mit
den Endmoränen verzahnten Fluvioglazialschotter wieder zugefüllt wurde.
Hochgelegene Bereiche wurden in der Würmeiszeit ferner mit Löß ver-
schiedener Fazies überdeckt.
Beginnend mit dem Abschmelzen der würmeiszeitlichen Gletscher
schnitten sich die weiterhin abfließenden Schmelzwässer in den über-
höhten Bereich der Jungmoräne und deren Ubergangskegel zur Nieder-
terrasse hin ein. Talabwärts wurde dieses ausgeräumte Material der
Niederterrasse in Form großer Schwemmkegel aufgelagert (vgl. C. TROLL
1926). Der äReste dieser im Kartenbereich erfaßbaren Schwemmkegel ist
der der Altstadtstufe. Diese Altstadtstufe nimmt vom heutigen Isartal
oberhalb Münchens ihren Ausgang. Zur Altstadtstufe wurde außerdem
ein kleinerer Schwemmkegel gestellt, der aus dem Gleißen-Tal heraus
etwa entlang dem Lauf des heutigen Hachinger Baches östlich des Hoch-
terrassenzuges Ramersdorf-Oberföhring-Ismaning nach Norden ge-
schüttet wurde, Die weitere Ausgestaltung der Talentwicklung wurde
nach Abschmelzen der Gletscher, jedoch im gleichen Sinne, von der Isar
übernommen. Die allgemeine Eintiefungstendenz der Talböden im jün-
geren Spätglazial und im Postglazial wurde dabei durch zeitweise ver-
stärkte Ausräumung in den oberen Talstrecken und entsprechende
schwemmkegelartige Akkumulation in den unteren Talstrecken unter-
brochen, Während auf Blatt Freising Süd derartige Schwemmkegel das
wichtigste Element der Talentwicklung darstellen, zeigt sich auf Blatt
Ismaning in zunehmendem Maße nach Südsüdwesten hin der Ausräu-
mungstyp, d.h. hier liegen die gegen die heutige Isar hin zunehmend
jünger werdenden Flußablagerungen durch deutliche Terrassenränder
gegeneinander begrenzt ineinandergeschachtelt.
Im Holozän wurde Niedermoortorf zusammen mit Alm entlang den
Quellaustritten an der Naht zwischen Niederterrasse und Altstadtstufe
gebildet. Das Erdinger Moos ist damit die Folge des Austrittes eines im
Schotterkörper der Niederterrasse von Süden nach Norden ziehenden
Grundwasserstromes. Es tritt dort zutage, wo der Schotter infolge Mäch-
8
tigkeitsabnahme das Grundwasser nicht mehr voll zu fassen vermag.
Bemerkenswert bleibt dabei aber dennoch, daß dieser Bereich der zwi-
schen Niederterrasse und Altstadt-Stufe angelegten Nahtrinne folgt.
Abgesehen von den jüngsten Ablagerungen der Isar finden sich weit
verbreitete, jedoch wegen zu geringer Mächtigkeit auf der Karte zumeist
nicht ausgeschiedene Auelehme des jüngsten Holozäns. Diese Auelehm-
bildung wurde durch die mit der Bodennutzung durch den Menschen in
Zusammenhang stehende Bodenerosion ausgelöst. Diese Bildungen leiten
somit zu den Eingriffen des Menschen in jüngster Zeit hinüber.
C. Schichtenfolge(Stratigraphie)
1. Der tiefere Untergrund unter besonderer Berücl~.sichtigung
des von den Bohrungen Landsharn 1 und Pliening 101-105
erschlossenen Tertiärs
Von BRUNO PAULUS unter paläontologischer Mitarbeit von
Max BIIOCKERT und WINFRIED HINSCH
mit einem sedimentpctrographischen Beitrag von W. ZIMMERLE I)
a. Einleitung
Unter den auf Blatt Ismaning dominierenden Quarl.;irablagerungen
ist eine sedimentäre Schichtenfolge verborgen, deren Dicke bis zum
kristallinen Grundgebirge auf 2,2-2,8 km, vom nördlichen zum südlichen
Blattrand zunehmend, geschätzt werden kann. Ein Viertel der Mächtig-
keit machen mesozoische Schichten aus, drei Viertel sind tertiäre Sedi-
mentc des Molassemeeres. Aufgrund des erfreulichen Umstandes, daß
die Bohrungen Pliening 101-105 und die nur 1,9 km südlich vom Blatt-
rand stehende Bohrung Landsharn 1 die Schichten bis zu 2,2 km Tiefe
erschlossen haben, sind wir in der Lage, das hier bisher nur auf das
oberflächlich Anstehende beschränkte geologische Wissen durch Mittei-
lung der Bohrergebnisse auf das gesamte Tertiärprofil zu erweitern. Für
die Einwilligung zum Veröffentlichen dieses Beitrages sei der Deutschen
Erdöl-Aktiengesellschaft und den Stadtwerken München gedankt.
9
SSE
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-----ObereSußwassennolasse------------- -
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Abb. 1. Nord-Süd-Profil des Tertiärs zwischen den Bohrungen Pliening 102 und Landsharn 1.
b. Allgemeines zu den Bohrungen und deren Kurzprofile
Die Erdölaufschlußbohrung Lands h a m 1 wurdlc im Jahre 1954
niedergebracht und war die erste Tiefbohrung der Deutschen Erdöl-
Aktiengesellschaft in deren Konzessionsgebiet Alpenvorland Feld 2
(München). Aus diesem Grund wurden zahlreiche Orientierungskerne ge-
zogen, so daß viel mehr zuverlässige, auf das ganze Profil verteilte exakte
Daten über Petrographie und Fauna zur Verfügung stehen als bei den
späteren Bohrungen. Das Ziel der Bohrung war vor allem die Erschlie-
ßung des Sannois-Lithothamnienkalkes und von Sanden in den Rupel-
Tonmergelschichten, worin man öl- und Gasvorkommen erhoffte, wie
sie im Jahr zuvor in dem nur 20 km östlich liegenden Feld Isen ent-
deckt worden waren. Der Ansatzpunkt wurde nach vorangegangenen
reflexionsseismischen Messungen festgelegt, deren Ergebnisse eine
Schleppstruktur südlich einer E-W-streichenden synthetischen Abschie-
bung andeuteten. Man vermutete also eine tektonische Falle, in der sich
Kohlenwasserstoffe, die in den mit schwacher Neigung ansteigenden
Speicherhorizonten nach Norden wanderten, gefangen haben konnten.
Die Erwartungen wurden leider nicht erfüllt, da einesteils der Isener
Gassand von Natur aus fehlte, andernteils im Lithothamnienkalk kein
öl oder Gas, sondern nur Wasser enthalten war, was man bei einem
Test nach vorangegangener Säuerung feststellte. Das Bohrloch wurde
aufgrund des negativen Ergebnisses verfüllt. Die Wasserführung läßt
sich möglicherweise damit erklären, daß der Lithothamnienkalk in un-
günstiger Position angefahren wurde; dieses strukturelle Problem konnte
aber bei der seismischen Nachauswertung anhand des I3ohrprofiles nicht
geklärt werden, so daß auf eine Folgebohrung verzichtet wurde. Geo-
logischer Bearbeiter der Bohrung war Herr Dr. K. Gtj~rzmcxa; ihm zur
Seite standen bei der faziellen und stratigraphischen Ausdeutung der
Fossilfunde die Herren Dr. H. C. G. KNIPSCHEER, Dr. F. ASCHMANN, Dr.
F. [Link] und Dr. H. K. ZöaI:Lrni.
Uber den genauen Ansatzpunkt südöstlich des Ortes Landsharn kön-
nen folgende Angaben gemacht werden:
Topographische Karte 1 : 25 000, Blatt Nr. 7836 München-Trudering
Rechtswert 44 84 308, Hochwert 53 38 249,
Höhe über NN -1. 509 m,
Bohrzeit vom 3. 6. bis 26. 10. 1954.
Das Kurzprofil lautet:
O- 0,3 m Mutterboden 1 Quartär
20,8m Schotter der Niederterrasse j
--ca. 395 m Obere Süßwassermalasse (Pont-Torton)
-ca. 495 m Süßbrackwassermalasse (Torton-Oberes Helvet)
---ca. 630 m Glaukonitsande und Blättermergel (Mittleres Helvet)
- 793,2 m Neuhofen-Schichten (Unteres Helvet)
Transgression
11
- 1198 m Sandsteinserie
- 1280 m Sandmergelserie Aquitan
- 1314 m Tonmergel
- 1331 m Hangende Tonmergel 1
Transgression Chatt
- 1794 m Sandsteinserie
-ca.1930 m Liegende Tonmergel j
- 2136 m Tonmergelschichten
- 2170,O m Bändermergel Rupel
- 2172,6 m Heller Mergelkalk 1
-- 2173,8m Fischschiefer 1
- 2196,5 m Lithothamnienkalk Sannois 2,
- 2203,6 m Kalksandstein
- 2204,4 m Tonmergel J
Transgression
(- 2210,6 m) Turon-Tonmergel
12
Tabelle 1
Angaben zu den Lagepunkten und der Bohrzeit der Bohrungen Pliening 101-105
Tabelle 2
Kunprofile der Bohrungen Pliening 101-105
Eingeklammerte Zahl bedeutet Endteufe der Bohrung und somit keine stratigraphische Grenze
Obere Abt.
(Torton-HeiLe?)
Siißbrackwasser-
mokisse
14
(OSCHMANN 1963: Fig. 10). Sicher vorhanden sein wird I>o&.er, mit dem
die marine Sedimentfolge sowohl in Scherstetten 1 (LEMCK~ 1955 b: 58-61)
als auch in Anzing 3 (OSCHMANN, 1. c.) beginnt. Auf jeden Fall ist dann
mit der über 400 m mächtigen Folge der Malmkalksteine zu rechnen, da
derenExistenz schon durch vieleBohrungen in der näheren und weiteren
Umgebung nachgewiesen wurde. Am Ende der Jurazeit fiel unser Gebiet
trocken.
Das Meer kehrte während der Unteren Kreide nur einmal im Unter-
hauterive vorübergehend zurück (u.a. erbohrt in Oberdill 1, Anzing 3
und Hörlkofen 1). Der nächste Meeresvorstoß erfolgte el,st im Cenoman
und hielt mindestens bis ins Obere Turon an, das von tler Landsharn 1
gerade noch angeritzt wurde. Daraufhin zog sich das Mct:r für lange
Zeit weit nach Süden in den Helvetikum-Trog zurück, dpnn vom Coniac
bis Obereozän klafft hier eine große Lücke im Profil.
In Landsharn 1 transgrediert das Tertiär mit einer dünnen Tonmergel-
lage, die beim Kernen leider verlorenging, so daß man sie nur mut-
maßlich dem Sannois zuordnen kann. Nachweislich ins Sannois gehört
der eine Transgressionsbildung darstellende Kalksandsteinhorizont und
der organogene Lithothamnienkalk. Letzterer entspricht I’aziell den Gra-
nitmarmoren des Helvetikums, von denen er sich nur dur<,h ein etwas
jüngeres Alter unterscheidet. Zu jener Zeit war ja unser Gebiet als ein
Teil des nördlichen Schelfs vom Helvetikum-Meer wieder in Besitz ge-
nommen worden, indem es von ausgedehnten Kalkalgenrasen besiedelt
wurde, kurz bevor ihnen durch für sie ungünstige Veränderungen der
Umwelt die Existenzmöglichkeit genommen wurde (Vertiefung des
Meeres, Temperaturwechsel).
Uber dem im Seichtwasser entstandenen Lithothamnienkalk trans-
@-ediert der faziell ganz andersartige, sehr geringmächtige Fischschiefer
des höheren Sannois, der offensichtlich unter ruhigen ‘Verhältnissen in
größerer Wassertiefe abgelagert wurde. Das Rupel beginnt mit der nur
wenige Meter dicken Bank des Hellen Mergelkalks. Darüber folgt der
Bändermergel, ein Fischschiefer, der sich außer durch seine weiße Bän-
derung und das Fehlen von autochthonen Mikrofossilien von demjenigen
dcs Sannois kaum unterscheidet. Diese zuletzt genannten drei Schichten
bilden eine selbständige fazielle Einheit, die sich sowohl von den typi-
schen hclvetischen Bildungen des ObereozäniUntersannIois als auch von
den darüber liegenden eigentlichen Molasseablagerungen unterscheidet.
Man kann sie deshalb als Sedimente eines ,,Vormolassemeeres” betrach-
ten. Bereits BRAUMEILER (1961: 511) hat auf den faziellen Unterschied
zwischen den basalen Tertiärbildungen und den Sedimenten der ,,eigent-
lichen Molassezeit“ hingewiesen. Er zog jedoch die Grenze etwas tiefer,
unterhalb vom Rupcl-Bändermergel, und bezeichnete die: basalen Schich-
ten als ,,ersten Zyklus“, die darüber folgenden Schichten bis einschließ-
lich Helvet als ,,zweiten Zyklus“ oder ,,Malasse-Hauptzyklus“.
15
Eine deutliche Änderung der Sedimentationsverhältnisse erfolgte als
der Untergrund plötzlich rascher abzusinken begann, d. h., als sich der
Molassetrog ausbildete. Schon die Tonmergelschichten des Rupel und
Chatt unterscheiden sich durch größere Mächtigkeit und oft flaserige
Schichtung auffallend von dem sehr regelmäßig feingeschichteten Bänder-
mergelhorizont. In dem ersten, Gerölle führenden Sandsteinhorizont, der
als Äquivalent der Bausteinschichten angesehen werden kann, stellten
sich schließlich die typischen Molassesedimente ein. Mit diesen zugleich
ging die Phase der Unteren Meeresmolasse zu Ende, denn das offene
Meer wich während der darauf folgenden Zeit nach Osten zurück. In
unserem Gebiet entstanden währenddessen die brackischen, teilweise
limnischen, kohleführenden Ablagerungen der Chatt-Sandsteinserie, deren
Ausbildung vollkommen mit der der Cyrenenschichten bzw. der Flöz-
molasse in der Subalpinen Molasse übereinstimmt. Sie ist zeitlich mit
der Unteren Bunten Molasse des Allgäus ungefähr vergleichbar und
folglich mit dem unteren Teil der Unteren Süßwassermalasse.
Nach einer vermutlich kurzen Zeit vollständigen Trockenfallens kehrte
das offene Meer noch im obersten Chatt wieder zurück und hielt sich
hier bis ins tiefe Aquitan hinein Dieser vorübergehende Meeresvorstoß,
von dem zum Vergleich in der Subalpinen Molasse die marinen Prom-
berg-schichten zeugen, lagerte in Landsharn 1 die Hangenden Chatt-
Tonmergel, die basalen Aquitan-Tonmergel und die Aquitan-sandmergel-
Serie ab, die alle zusammengenommen dem größten Teil der Promberg-
Schichten, deren basaler Teil ausgenommen, zeitlich äquivalent sind.
Genauso wie in der Nonnenwald-Mulde darüber der Nantesbucher Sand-
stein liegt, folgt hier ein entsprechender Sandsteinhorizont an der Basis
der aquitanen Sandsteinserie. Auch diese Sandsteinserie ist wiederum
wegen der Verlagerung des offenen Meeres nach Osten in Cyrenen-
schichten-Fazies entwickelt, allerdings mit einem schwach marinen Ein-
schlag. Eine entsprechende Ausbildung zeigt das Aquitan am Falten-
molasserand im Leitzachgebiet (PAULUS 1963: 84). Nach Westen zu, im
Bereich der limnisch-terrestrischen Entwicklung werden die Cyrenen-
schichten von der Oberen Bunten Molasse verdrängt.
In unserem Gebiet ist also die Untere Süßwassermalasse nicht wie
in der Westmolasse eine geschlossene limnische Folge, sondern wird
durch die Promberg-Schichten in zwei vorwiegend brackische Abtei-
lungen aufgespalten, von denen die chattische kurz als USM 1 und die
aquitanische als USM 11 bezeichnet wird (nach GRIMM 1957 b: 15). Da wir
in den Promberg-Schichten neben der Unteren und der Oberen Meeres-
molasse einen dritten marinen Komplex vorliegen haben, kann von einer
zusätzlichen Mittleren Meeresmalasse gesprochen werden. Die Zweitei-
lung der Unteren Süßwassermalasse deutet sich schon, allerdings nicht
so kraß wie hier, im Bohrprofll der Bohrung Scherstetten 1 an, wohin
das Promberger Meer nach LEMCKE (1955 a: 15-18) nur noch mit einer
16
vorgeschobenen verbrackten Bucht reichte, in der die Oberen Cyrenen-
schichten abgelagert wurden, welche die USM in eine Untere und eine
Obere Abteilung aufspalten.
Am Ende des Aquitan entfernte sich das Molassemecr ein zweites
Mal restlos aus unserem Gebiet. Es blieb im Burdigal auf den im Süden
und Südosten liegenden Trogteil eingeengt, während auf dem Festland
junge aquitane Ablagerungen wieder abgetragen wurden. Im Unteren
Helvet nahm das Molassemeer ein drittes Mal von unserem Gebiet Besitz,
indem es schrittweise nach Nordwesten vordrang. Die marinen Neuhofen-
Schichten des Unteren Helvet bilden zusammen mit den etwas schwächer
marinen Glaukonitsanden und Blättermergeln des Mittleren Helvet die
Obere Meeresmolasse.
Mit der oberhelvetischen bis untertortonen Süßbrackwassermalasse
wird wiederum eine Regression, dieses Mal die endgültig letzte, einge-
leitet, bei der sich das Meer ganz aus dem Molassetrog nach Osten
zurückzog. Die jüngsten Sedimente der Molasse sind deshalb die limni-
sehen, bunten Tonmergel und fluviatilen Schotterhorizont<- der Oberen
Süßwassermalasse, die vom Torton bis in das Pleistoziin hineinreichen,
BRAUMÜLLER (1961: 511) trennte diese Schichten als ,,dritten Zyklus“ ab,
den cr für den Ausklang der eigentlichen Molasscsedirncntation hielt.
2 17
kritisch auf nachgefallene Formen überprüft, um fehlerhafte Mikro-
fossillisten zu vermeiden. Allein in Spülproben gefundene Arten wurden
nur dann in die Listen aufgenommen, wenn von ihnen anderswo bereits
bekannt war, daß sie in der jeweiligen Schicht auch tatsächlich vor-
kommen. Für die Bohrung Landsharn 1 wurden die umfangreichen Mikro-
fossillisten von M. BROCKERT erstellt; einige Makrofossilreste bearbeitete
H. K. ZönamN (1954); Herrn Dipl.-Geol. W. WITT sei für die Bestim-
mung von Ostrakoden bestens gedankt. Die Mikro- und Makrofauna
der Pliening-Bohrungen hat W. HINSCH bearbeitet und bestimmt. Die
Foraminiferenlisten sind nach POKOKN; (1958) systematisch geordnet.
Das Belegmaterial für die Fossillisten wird zum größten Teil in den
Geologisch-lagerstättenkundliehen Sammlungen im Bayerischen Geolo-
gischen Landesamt aufbewahrt, deren Archiv-Nummern jeweils ange-
führt werden. Lediglich die H. K. ZöBELExN zur Bestimmung übergebenen
Makrofossilien von der Landsharn 1 befinden sich in der Bayerischen
Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie in München.
2. Obere Kreide
Oberes Turon
Nachdem die Bohrung Landsharn 1 ihr Ziel, die Tertiärbasis, erreicht
hatte, wurde sie eingestellt. Aus diesem Grund sind von dem Turon nur
6,2 m erbohrt worden. Nach dem Kern setzt es sich aus grüngrauen,
feinkörnigen Glaukonitsandsteinen und grauen Tonmergeln zusammen,
die entweder sandarm oder stellenweise auch stärker sandig und kalkig
sind. Das Schichteinfallen beträgt maximal 5’. Im Schlämmrückstand
wurde neben Inoceramenprismen und einigen Ostrakoden eine sehr
reiche, gut erhaltene, marine Foraminiferenfauna festgestellt, die folgende
23 Arten umfaßt (Probe 150181):
Ammodiscus
Textularia
cretaceus (Reuss)
agglutinans D’ORB.
(SS)
(9
Gaudryina
Gaudryina
Marssonella
rugosa D’ORU.
(Siphogaudryina)
oxycona (REUSS)
carinata FRANKE I?)
(h)
Arenobulimina
Pernerina
preslii (REUSS)
depressa (PERNER) I:CR>
Dentalina
Lenticulina
Lenticulina
lorneiana
rotulata
subangulata
D’ORB.
(LAM.)
(REUE.)
(ns)
(ns)
Saracenaria
Vaninulina
sp.
~13. is;
6)
FrÖndicularia
Ramulina
angusta NILSS.
aculeata WRIGHT (9
Buliminella
Pleurostomella
sp.
subnodosa Ruuss ;s;
Gavelinella
Gyroidina
Globigerina
ammonoides
nitida (REUSS)
cretacea D’ORB.
(REUSS)
Ihl
00
i8
Globorotalites multisepta BROTZEN (SS)
Globotruncana lapparenti lapparenti BROTZEN (s)
Globotruncana marginata (REUSS) U-4
Guembelina globulosa (EHREND.) (ns)
3. Tertiär
Tonmergel des Sannois?
Wie aus dem elektrischen Microlog-Diagramm hervorgeht, beginnt
das Tertiärprofil mit einer 0,8 m dicken Lage wahrscheinlich von Ton-
mergeln. Leider ging die Lage beim Kernen ganz verloren und ihr Alter
läßt sich deshalb nicht bestimmen. Es wäre durchaus möglich, daß es
sich dabei um Priabon handelt; da diese Annahme aber nicht bewiesen
werden kann, wird die Lage zunächst mit Vorbehalt ins Sannois gestellt.
Sannois-Lithothamnienkalk
Der Lithothamnienkalk ist nach Diagramm 22,7 m mächtig; davon
liegen 6,0 m im Kern vor. Er besteht aus einer feinkörnigen kalkigen,
stellenweise mergeligen Grundmasse, in die mehr oder weniger große
Lithothamnienknollen und -bruchstücke eingebettet sind. Er wird außer-
dem von einigen dünnen, dunkelgrauen Tonmergelschichtchen durch-
zogen. Das Gestein ist weißgrau bis gelbgrau, sehr fest und kompakt.
In einer mürben Lage des Kerns 2186,0-2192,3 m (mit. 1,5 m Gewinn)
war neben Seeigelstacheln und kleinen Brachiopodenklappen eine reiche,
großwüchsige, ziemlich gut erhaltene Foraminiferenfauna enthalten, die
sich aus folgenden 12 Arten zusammensetzt (Probe 150179):
Triloculina sp.
Globulina gibba D’ORD. Is?
s
Nonien sp. 6s)
Baggina dentata HAGN (ns)
Anomalinoides granosus (HANTKEN) (ns)
19
Cibicides lobatulus (WALK. & JAC.)
Cibicides sp.
Asterigerina bimammata (G~MBEL) (ns)
Asterigerina Planorbis D'ORB. 6)
Asterigerina sp. (ns)
Rotalia lithothamnica UHLIG (SS)
Nummulites sp. (SS)
Sannois-Fischschiefer
Der Fischschieferhorizont ist mit nur 1,2 m Dicke außergewöhnlich
geringmächtig entwickelt, da er normalerweise zehn- bis zwanzigfach so
mächtig ist. In einem 0,3 m langen Kernstück besteht er aus gut ge-
schichtetem, festen dunkelgrauen Tonstein, der auf den Schichtflächen
zahlreiche Fischschuppen und feinverteilten Pyrit erkennen läßt. Mikro-
fossilien waren keine enthalten. Als ein zeitliches Äquivalent am Alpen-
rand ist der Schönecker Fischschiefer aufzufassen.
20
Rupel-Tonmergelschichten
Unter den Rupel-Tonmergelschichten wird in Analogie zur Gliederung
der Bohrprofile Ampfing und Isen (HEERMANN 1954: 16) eine ca. 20 m
mächtige Tonmergelfolge verstanden, die sich durch eine sehr reiche
marine Mikrofauna auszeichnet.
Bezüglich der Lage ihrer Obergrenze besteht Unsicherheit, da aus
dem Grenzbereich nur durch Nachfall stark verunreinigte Spülproben
vorliegen, in denen deshalb der Einsatz der ,,Rupel-Fauna“ nicht klar zu
erkennen ist. Zur Zeit läßt sich außerdem noch nicht beurteilen, ob die
Grenze zu den Liegenden Chatt-Tonmergeln überhaupt mit der in der
Subalpinen Molasse üblichen Grenzziehung zwischen Hupe1 und Chatt
(Hö[Link] 1962) übereinstimmt, denn dort fällt die faunistische Grenze un-
gefähr mit der petrographischen Grenze (Unterkante der höheren Bau-
steinschichten) zusammen, während in Landsharn die Sandsteinserie erst
ca. 130 m oberhalb der Faunengrenze einsetzt. Ober diese in der Molasse
ohnehin problematische Grenze siehe auch bei PAULUS (1963: 70-72).
Die untersten 60 m der Tonmergelschichten wurden mit einem Seil-
kerngerät fortlaufend gekernt; außerdem liegt nur noch ein zweiter
kurzer Kern aus dem obersten Teil vor.
Die Tonmergelschichten bestehen zum größten Teil aus Tonmergeln
von zuweilen braunstichiger mittel- bis dunkelgrauner Farbe. Sie sind
meistens mehr oder weniger stark sandhaltig, wobei von unten nach
oben ein Abnehmen des Sandgehaltes zu beobachten ist. Fein verteilt ist
darin auß’erdem Glimmer und kleine Pyritkonkretionen (Ragenpyrit).
Mergeliger oder kalkiger Sandstein tritt nur in Flasern und Bänkchen
von maximal 15 cm Dicke auf. Dieser enthält im allgemeinen reichlich
Glimmer und wenig Glaukonit; eingeschwemmter Pflanzenhäcksel kommt
häufig vor. Es fehlen hier speicherfähige Sande, wie z.B. die wenige
Meter mächtigen, teilweise gut porösen Sande, die in Isen im unteren
Teil der Tonmergelschichten vorkommen und Erdgas führen (HEERMANN
1954: 16).
Die Fauna der Tonmergelschichten ist marin. In den Spülproben
wurden mehrfach Molluskenreste beobachtet, desgleichen im Kern 1958,3
bis 1962,9 m, worin ZöBrLrIN (1954) außerdem einen zusammengedrückten
Rest von Dentalium sp. und eine kleine Natica sp. fand. Einige Fisch-
schuppen wurden von WEILER als zur Gattung Clupea gehörend erkannt.
An Mikrofossilien sind die Schichten sehr reich und ähneln hierin den
Rupel-Tonmergeln dser Subalpinen Molasse. Es konnten insgesamt 74
Foraminiferen- und 5 Ostrakoden-Arten festgestellt werden (Proben
150/49-66):
Rhabdammina annulata ANDREAE
Rhabdammina sp. ii;;
Ammodiscus incertus (D’ORB.)
Glomospira gordialis (JONBS & PARKER) (SS)
21
Haplophragmoides sp. (ns)
Cyclammina rotundidorsata (HANTKEN) (ns)
Textularia gramen D’ORB. (SS)
Spiroplectammina deperdita (D’ORB.) (ns)
Spiroplectammina carinata (~‘ORB.) (hl
Vulvulina subflabelliformis (HANTKEN) (9
Karreriella siphonella exilis .HAGN (ns)
Quinqueloculina seminula (L.) 6s)
Sigmoilina tenuis (CZJZEK) 64
Nodosaria ewaldi REUSS
Nodosaria spinicosta D’ORB.
Pseudoglandulina aequalis (REUSS)
Dentalina adolphina D’ORB.
Dentalina consobrina 190~.
Dentalina inornata D’ORB.
Dentalina pauperata D’ORB.
Robulus arcuatostriatus (HANTKEN)
Robulus clypeiformis (D’ORB.)
Robulus cultratus MONTF.
Robulus similis (D’ORB.)
Robulus inornatus (D’ORB.)
Astacolus sp.
Vaginulinopsis pseudodecorata HAGN
Saracenaria arcuata (D’ORB.)
Planularia sp.
Marginulina subbullata HANTKEN
Lagena striata (D’ORB.)
Guttulina austriaca D’ORB.
Globulina gibba D’ORB.
Ramulina sp.
Pyrulina cylindroides (ROEMER) (SS)
Pyrulina fusiformis (ROEMER)
Sphaeroidina bulloides D’ORB. Isl
Sphaeroidina variabilis Rnuss Cs)
Bulimina elongata D’ORB. (h)
Bulimina ovata D’ORB. (SI
Globobulimina pyrula (D’ORB.) (ns)
Caucasina ol,igocaenica KHAL. (9
Virgulina schreibersiana CZJZ~:K (ns)
Virgulinella chalkophila (HAGN) 6)
Uvigerina hantkeni CUSHM. & EDW. 6)
Uvigerina urnula D’ORB. 6s)
Angulogerina angulosa (WILL.) (hl
Trifarina bradyi CUSHM. (ns)
Amphimorphina haueriana NEUGEB. 6)
Bolivina beyrichi REUSS (SJ
Bolivina crenulata CUSHM.
Bolivina melettica ANDREAE lal
Bolivina reticulata HANTKEN (SS)
Rectobolivina sp.
Cassidulina crassa D’ORB. I?)
Cassidulina oblonga REUSS
Allomorphina trigona REUSS i:;
Chilostomella czjzeki Reuss 6)
Chilostomella ovoidea REUSS (SS)
22
Nonion commune
Nonion soldanii (~‘0~8.)
(D’ORB.) 6)
6s)
Pullenia
Pullenia
bulloides (D’ORB.)
compressiuscula~Rsuss ii)
Valvulineria
Gyroidinoides
complanata
girardanus
(D’ORB.)
(Rruss) 6)
(SS)
Gyroidinoides
Eponides umbonatus
umbonatus
(REUSS)
(SILV.)
(SS)
(h)
Cibicides dutemplei
Cibicides lobatulus
(D’ORB.)
(W. & J.) 6s)
Cibicides ungerianus
Planulina
Epistomina
costata (HANTKEN)
(D’ORB.)
elegans (D’ORB.)
:s;
(SS)
Globigerina
Asterigerina
bulloides
praeplanorbis
D’ORB.
HAGN ::I
Paracyprideis rarejlstulosa ([Link])
llyocypris cf. gibba (RAMDOHR)
Cytheridea cf. pernota OERTLI & KEY
Loxoconcha favata KUIPER
Leguminocythereis sorneana OERTLI
Coscinodiscus sp.
23
Tabelle 3: Schichtenfolge
Formatior Epoche
T in Landsharn der Vorlandmalasse
Holozän
I 0,3 m Mutterboden
Quartät Jung- 20,8 m Niederterrassenschotte1
pleistozän
200m
Obere
Serie
Untere
und
der
Serie
Mittlere
der
OSM
u. -‘i”ii ,N”[‘i”i’il”“li”i, , ,
Miozän
Burdigal
Sandsteinserie
Aquitan
82 m Sandmergelserie
34 m Basale Tonmergel
Tertiär
17 m Hangende Tonmergel
II Ill II _I 111111111111 II
/
l 13Gm 1 Liegende Tonmergel
Oligozän
206 m Tonmergel
Rupel 34 m 1 Bändermergel
2,6 m Heller Mergelkalk
1,2 m Fischschiefer
Sannois 22,l m Lithothamnienkalk
1,l m Kalksandstein
Tonmergel
Obere
IIl IIIl l I I?I I /lllllllllllll I
Turon
Mergelkalk
Kreide ca. 100 m
Cenoman Sandstein
Untere
IIIIIII IIIIII IIIIIII I IIIIIIIIIIIII I
Hauterive fraglich Sandstein
Kreide
IIIIIIIrriTlT1111Tm IllIIlIIlIII~ll
Malm
ca. 500 m
Dogger
~-
fluviatil
l l l I Irr-n-r-1 l l l l l l l ~-
llllll
limnofluviatil
Obere Stißwassermolasse Obere SilDwassermolasse
limnisch
-
limnisch
Siißbrackwassermolasse Süßbrackwassermalasse
brackisch
~-
niedermarin
~~ Marines Helvet
marin Obere Meeresmalasse
Marines Burdigal
Cyrenenschichten
der Tölz 1
brackisch Untere
bis Obere Bunte Molasse SüI3wassermolasse 11
limnisch
l-, Daser-Schichten
-~
niedermarin - Nantesbuch-Sandstein
brackisch
niedermarin Mittlere Meeresmalasse
marin Promberg-Schichten
~~
marin
-rmi--
I Glassande und
Obere Cyrenenschichten
brackisch Untert?
bis Untere Bunte Malasse süßwa:ise~~molasse 1
lfmnisch Untere Cyrenenschichten
niedermarin - ,,Bausteinschichten“
brackisch -~
niedermarin Tonmergelschichten Untere M<!eresmolasse
marin Deutenhausen-Schichten
marin ?
marin t Vormalasse-Meer
marin Schönecker Fischschiefer
~~
marin
marin
~-
marin ?
llllIllll
marin
Sehelfgebiet des
Helvetikum-Troges
Virgulina schreibersiana CZJZEK
Uvigerina hantkeni CUSHM. & Eow.
Angulogerina angulosa (WILL.)
Cibicides dutemplei (D’ORB.)
26
die Reste von Landbewohnern, wie der Säugerzahn, die zwei Knochen-
splitter von Säugern oder Reptilien und das Chatt-Leitfossil Pomatias
antiquum antiquum (BRONGN.) als eingeschwemmt angesehen werden
müssen.
Die Mikrofauna setzt sich aus wenigen brackischen Foraminiferen-
und Ostrakoden-Arten zusammen, die aber auß[Link] individuen-
reich auftreten. Sie bildet eine für die Cyrenenschichten typische Ver-
gesellschaftung, wie sie schon von HAGN (1960: 135) beschrieben wurde
(Proben 150/30-44) :
Candona sp.
Ilyocypris boehli TRIEBEL
llyocypris gibba (RAMDOHR)
Cyprideis ? Tara GOERLICH
Cyprideis ? glabra GOERLICH
Cytheridea eggeri GOERIJCH
Cytheridea aff. eggeri GOERLICH
Cytheridea muellerii truncatula GOERLICH
Cytheridea aff. acuminata (BOSQUET)
Haplocytheridea helvetica helvetica (LIENENKLAUS)
Haplocytheridea dacica dacica (HEJJAS)
Haplocytheridea cf. dacica dacica (HEJJAS)
Loxoconcha cf. variolata BRADY
Loxoconcha sp.
Cytheromorpha zinndorfi (LIENENKLAUS)
Cytheromorpha sp.
Radiolarien
Characeen-Oogonien
27
und Aquitan wurde mittels Diagrammvergleich von Isen hierher über-
tragen, wo sie seinerzeit von OSCHMANN aufgrund mikrofaunistischer Ver-
gleiche mit dem Prienprofil (HAGN & HöLzL 1952: 36 ff.) festgelegt worden
war. Die Rainer-Mühle-Fauna überschreitet diese Grenze um wenige
Meter und enthält dann im tiefsten Aquitan als bezeichnende Art Uvi-
gerina urnula. Die folgende Fossilliste von 47 Arten umfaßt auch diesen
Bereich, den abzutrennen sich nicht lohnt (Proben 150/28-29):
28
Almaena osnabrugensis (v. MüNsT.) (SS)
Globigerina bulloides D’ORB. Cs)
Ammonia beccarii (L.) (SS)
Coscinodiscus sp. (SS)
29
Bolivina antiqua D’ORB. (ns)
Nonion commune (D’ORB.) (ns)
Nonion granosum (D’ORB.)
Elphidium hiltermanni HAGN Ins;
Haplocytheridea helvetica (LIENENKL.) 6)
Haplocytheridea dacica dacica (HEJJAS)
Ilyocypris gibba (RAMDOHR) ISS)
Cythereis sp. (SS)
Loxoconcha sp. sp. 6)
30
in verschiedenen Farbtönen, so daß sie dann gelb, gelbgrün, gelbbraun
und rotbraun gefleckt oder marmoriert erscheinen. Nach den Spülproben
zu urteilen, wurden öfters kohlige Lagen und auch diinne Kohleflöze
durchmeißelt, außerdem deutet gelegentlich angehäufter Schill mit Resten
von Polymesoda convexa und Tympanotonus margaritaceus auf das Vor-
handensein solcher fossilreicher brackischer Horizonte hin, wie sie für
die Cyrenenschichten bezeichnend sind. In den Kernen hingegen war die
Fossilausbeute gering, denn ZöBrLriN (1954) konnte an dem Kern 1044,9-
1050,0 m nur Reste von Pirenella plicata (BRuG.) und einer eingeschwemm-
ten Landschnecke, vermutlich Cepaea subsuZcosa subsulcosa (THoM.) be-
stimmen und im Kern 1098,4-1104,4 m nur Reste von Tympnnotonus SP.
erkennen. Die Mikrofauna ist ziemlich arm; neben Cirarcc sp. wurde
folgende brackische Foraminiferen- und Ostrakodenfauna festgestellt
(Proben 150/15-22) :
Quinqueloculina seminula (L.) (ns)
Nonien granosum (D'ORB.) (s)
Elphidium hiltermanni HAGN (SS)
Elphidium minutum (Reuss) 6)
Ammonia beccarii (L.) (ns)
? Candona sp. (SS)
Haplocytheridea dacica dacica (HEJJAS) (ns)
Haplocytheridea cf. dacica dacica (H~J.) (SI
Haplocytheridea helvetica (LIENENKLAUS) (ns)
Cytheromorpha zinndorfi (LIENENKLALJS) (SS)
Cyclocypris ovum (JURINE) (SS)
In den drei Bohrungen Pliening 101, 102 und 103 wlurdcn unter der
Helvet-Transgression Kernserien aus dem obersten Aquitan in eben-
falls vorwiegend brackischer Entwicklung mit nur wenigen limnischen
Einschaltungen gewonnen. An Gesteinen treten dort in raschem Wechsel
Tonmergel, Sande und Mergelkalke auf. Die oft sandigen Tonmergel
sind vorwiegend grau gefärbt; sie besitzen ab’er nicht selten bräunliche
oder violettrote Flecken, teilweise sind sie auffällig griinfarben. Die
Sande sind feinkörnig, enthalten ein wenig Glaukonit und Glimmer, sind
kaum verfestigt und daher im Kern mürbe. Ihre Farbe ist meistens Hell-
grau. Die Dicke der Bänke beträgt bis zu 8 m. Im Gegensatz zu den Fein-
sanden erreichen die schlecht sortierten, feinkiesigen Mittel- bis Grob-
sande (Grand) 25-30 m Mächtigkeit. Man kann die Grandhorizonte der
drei Bohrungen wahrscheinlich einem einzigen Horizont zuordnen, dessen
Begrenzung allerdings in jeder der Bohrungen anders liegt. Als limnischc
Einschaltungen kommen gelbliche Mergelkalke mit Planerben und ein-
geschwemmten Landschnecken vor. Einige der Mergelkalklagen sind durch
feinverteilte kohlige Substanz dunkelbraun gefärbt und liegen zuweilen
im Kontakt mit schwarzbraunen Kohlenletten. Ein Glilnzkohleflöz von
schätzungsweise 0,5m Dicke wurde in Pliening 102 kliapp unter der
31
Aquitan-Oberkante durchmeißelt. Die ärmliche Mikrofauna der Kerne
bestand aus Ammonia beccarii (L.), Haplocytheridea dacica dacica (HBJJAS)
und Cytheromorpha zinndorfi. (LIENENKLAUS) (Probe 574/31).
In den Tonmergelbänken der Kerne von Pliening 102 wurden zahl-
reiche brackische Mollusken beobachtet. Von den vorzüglich erhaltenen,
teils einzeln liegenden, teils schillartig angehäuften Muscheln lagen die
Polymesoden oft als aufgeklappte Doubletten vor.
Ostrea cyathula LAMARCK, 574/10
Congeria basteroti (DESHAYES), 57416 b
Unio SP., 57414 b
Polymesoda convexa percostata Hö[Link], 57416 a, 7
Psammobia longa HöLzL, 574113
Psammobia (Gobraeus) difficilis HöLzL, 57414 a
Cardium (Cerastoderma) concameratum HöLzL, 574/12
Hydrobia ventrosa (MONTAGU), 57414 c
Tympanotonus margaritaceus grateloupi (D’ORB.), 574111
Pirenella plicata galeotti (NYsT), 574115
Melanopsis aquensis GRATELOUP, 57418
Melanopsis SP., 574f9
Viviparus pachystomus (SANDIERGER), 57415
Planorbis (Gyrorbis) declivis BRAUN, 574114 a
? Helix SP., 574114 b
Burdigal
Das Meer, das sich gegen Ende des Aquitan aus unserem Gebiet ganz
zurückgezogen hatte, blieb ihm auch während des Burdigal fern. Nach
einer paläogeographischen Karte von OSCHMANN (1963: Fig. 15) verlief die
Küste des Burdigalmeeres ca. 12 km südöstlich von Landsharn 1.
Neuhofen-Schichten
Im unteren Helvet wurde unser Gebiet vom Meer wieder in Besitz
genommen. Mit einer scharfen Transgressionsfläche, die sowohl in den
Spülproben als auch in den elektrischen Diagrammen deutlich hervor-
tritt, überlagern die Sandmergel der marinen Neuhofen-Schichten das
brackische Aquitan. Da das Meer langsam von Südosten nach Nord-
westen vordrang, ist das in der nördlichsten Bohrung transgredierende
Helvet ein kleinwenig jünger als in den südlicheren Bohrungen, was sich
durch Diagrammkorrelation zwischen Pliening 101 und 102 gut beweisen
läßt. Die Mächtigkeit der Neuhofen-Schichten nimmt von 124,5 m in
Pliening 102 auf 163 m in Landsharn 1 bzw. 171 m in Pliening 103 zu.
Durch Einschieben der hier an der Basis fehlenden Horizonte komplet-
tieren sich die Neuhofen-Schichten nach E zu und erreichen z.B. in der
Bohrung Isen 1, wo bereits Burdigal transgrediert, eine Mächtigkeit von
225 m.
Der petrographische Aufbau der Neuhofen-Schichten ist sehr eintönig.
Es überwiegen graue, mehr oder weniger stark schluff- bis feinstsandige,
32
glimmerstaubige Tonmergel, in die lagenweise dünne Flasern von schwach
glaukonitischem Kalkfeinstsandstein eingebettet sind. Gelegentlich kom-
men Feinkiesgerölle im Tonmergel vor. In den basalen Tonmergeln der
Pliening 101 (25 m) und der Pliening 103 (29 m) ist in geringer Menge
aufgearbeitetes Material aus dem Aquitan enthalten, wie z. B. grünlich-
graue oder rotbraune Tonmergelbröckchen und rötliche Grobsandkörner
und Gerölle. Eine Sonderstellung nimmt der etwa 14 m mächtige Basis-
horizont in der Pliening 103 ein, dessen tonmergelig gebundener fein-
kiesiger Mittel- bis Grobsandstein dem Grandhorizont dcs Aquitan sehr
ähnlich sieht. Für diese stark abweichende Ausbildung lieg1 der Grund
sicherlich darin, daß das vordringende Helvetmeer den an jener Stelle
anstehenden, teilweise recht mürben aquitanen Grandhorizont aufge-
arbeitet und am gleichen Ort, mit marinen Fossilien durchsetzt, wieder
sedimentiert hat. Da die darin gefundenen Fossilien dieselben sind wie
in den darüberliegenden Tonmergeln, muß ein Teil des Grandhorizontes
zum Helvet gestellt werden, wobei aber nicht die Miiglichkeit ausge-
schlossen wird, daß diese Fossilien auch in marin entwickeltem Aquitan
vorkommen könnten.
Die Molluskenfauna wurde von HINSCH allein aus dem gekernten Kies-
sandhorizont und den unmittelbar darüber folgenden ‘I’onmergeln der
Pliening 103 geborgen und bestimmt:
Lingula SP., 57518
Pectinidae SP., 575111
Saxolucina (Megaxinus) sp.
? Psammobia sp.
Angulus (Peronidia) nitidus (POL])
Angulus sp.
Dentalium SP., 57519 b
Polinices (Lunatia) catena (DA COSTA), 57519 a
Natica SP., 57515
Acamptochetus submitraeformis (D’ORß.), 57517
Aquilofusus tornatus (Wo~r;), 575110
Fischschuppe, 57516
Die Fauna besteht also durchweg aus marinen Miozänformen, von
denen Aquilofusus tornatus bisher nur aus den tiefaquitanischen Thal-
berg-schichten des Traunprofils bekannt war (Wor.r+ 1896/!17).
Mikrofossilien sind in den stärker tonmergeligen Partien reichlich ent-
halten. Es treten gut erhaltene, großwüchsige marine ll’oraminiferen in
einer Vergesellschaftung auf, wie sie von KNIPSCHIXR (1952: 57) und HAGN
(1955: 340-342) aus den Neuhofen-Schichten Niederbaycrns beschrieben
wurden. Im höheren Teil und vor allen Dingen in stark sandigen Lagen,
wie sie z.B. in dem Kern 655,6-660,7 m von Landsharn 1 angetroffen
wurden, ist die Mikrofauna sehr ärmlich und ähnelt schon stark der-
jenigen des mittleren Helvets. In den Schlämmrückständen wurden außer-
dem Seeigelreste, Schwammnadelfragmente, Radiolarien, Fischreste,
3 33
Ostrakoden und sehr selten aus der Kreide des Helvetikums umgelagerte
Inoceramenprismen und Foraminiferen (GZobotruncana marginata [REIJSS]
und Gaudryina SP.) gefunden ‘(Proben 15019-14, 574/26-30, 575/16-20):
Landsharn Pliening
Rhabdammina sp. - (SS)
Glomospira gordialis (JoN. & PARK.) -
Haplophragmoides sp. rs;
Textularia abbreviata D’ORB. G
Textularia sf). G
Spiroplecta&mina pectinata (REKJSS) (ns)
Trochammina inflata (MONTAG@ ” (SS)
Sigmoilina ten& (C!z&c) 6) (9
? Sigmoilina asperula (KARR.) (SS)
Robulus inornatus (D’ORB.) 1;;; (ns)
-
Robulus sp.
Astacolus crepidulus (F. & M.) (SS) -
Marginulina sp. 6s) -
Vaginulina sp. 6s) -
Lagena striata (D’ORB.) 6s)
GÜttulina probiema D’ORB. @
Bulimina elonaata D’ORB. Gs>
-
Virgulina schreibersiana CZJZEK (SS)
Bolivina antiqua D’ORB. - (SS)
Bolivina dilatÜta (RIXJSS) (SS)
-
Cassidulina subglobosa BRADY (SS>
Nonion affine (ilm~ss) (SS)
Nonion commune (D’ORB.) G 6)
-
Nonion soldanii (D’ORB.) 6) -
Pullenia bulloides (D’ORB.) 6) -
Pullenia quinqueloba (REIJSS) (SS) -
Eponides budensis (HANTKEN) 6)
Eponides umbonatus (REUSS) (SS)
Cibicides cryptomphalus (REUSS) (SS) G
Cibicides dutemplei (D’ORB.) (ns) fns)
Cibicides pseudoungerianus CUSHMAN - 6)
Cibicides ungerianus (D’ORB.) 6s) -
Hanzaweia boueana (D’ORB.) (SS)
Globiperina bulloides D’ORB. (s> 6)
Elphidium cf. antoninum (D’ORB.) - (SS)
Elphidium crispum (L.) Cs) (SS)
Elphidium glabratum CUSHMAN (SS) -
Elphidium minutum (RIXJSS) Cs)
Ammonia beccarii (L.) (SJ Ti
34
verarmte Mikrofauna, die auf eine Verschlechterung der Lebensumstände
hinweist.
Das Mittelhelvet besteht in seinem unteren Teil aus einer Wechsel-
lagerung von sandigen Tonmergeln und tonmergeligen Sanden. Hieraus
stammende Kerne der Pliening 102 zeigten mittelgraue bis grüngraue,
glimmerige, glaukonitische mürbe Feinsande mit einem mergeligen Binde-
mittel und sandige, glimmerige, mittelgraue Tonmergel, die im Gegen-
satz zu denen des Unteren Helvet nur selten Sandflascrn führten. Im
höheren Teil überwiegen Sande. Kerne aus der Pliening 104, von der
Oberkante dieser Schichten, setzten sich aus einer Wechsellagerung von
mittelgrauen, schwach glaukonitischen, glimmerigen, tonmiXrgeligen, mäßig
festen Feinst- bis Feinsanden und harten, hell- bis mittelgrauen Kalk-
feinsandsteinen zusammen. Außerdem wurden in Spülproben aus den
gemeißelten Strecken auch stark glaukonithaltige Feinsandsteine und sehr
selten auch kleine Quarzgerölle beobachtet.
Marine Mollusken sind in diesen Schichten nicht selten, denn in Spül-
proben wurden mehrfach Schalenbruchstücke gefunden. Es konnten aber
auch aus den Kernen keine bestimmbaren Reste geborgen werden. Besser
bekannt ist dagegen ihr Mikrofossilinhalt, der aus geeignc:[Link] tonmerge-
ligen Partien der Kerne von Pliening 102 ausgeschlämmt wurde. Er setzt
sich zusammen aus einer sehr armen, niedermarinen, kleinwüchsigen
Foraminiferenfauna mit vorwiegend Ammonia beccarii CL,.), wenigen
Ostrakoden und Characeen. Darin besteht Ähnlichkeit zu den von KNIP-
SCHBER (1952: 57ff.) und HAGN (1955: 342 f.) von Niederbayern beschrie-
benen Faunen. Bemerkenswert ist eine größere Zahl von umgelagerten
Foraminiferen aus dem Alttertiär und der Oberkreide des Helvetikums
(Proben 574/17-25, 150/8) :
Textularia abbreviata D’ORB.
Quinqueloculina seminula (L.)
Quinqueloculina sp. (skulptiert)
Nodosaria sp.
Bulimina elongata D’ORR.
Nonion commune (D’ORB.)
Cibicides cryptomphalus (RIXJSS)
Cibicides dutemplei (~‘ORB.) (kleinwüchsig)
Cibicides cf. ungerianus (D’ORB.)
Hanzaweia boueana (D’ORB.)
Globigerina bulloides D’ORB.
Elphidium crispum (L.)
Elphidium minutum (Rr:uss)
Ammonia beccarii (L.)
Haplocytheridea sp.
Außerdem Formen aus älterem Tertiär:
Robulus sp.
Bulimina ovata D’ORB.
Uvigerina cf. semiornata D’ORIL
Chilostomella cylindroides REUSS
35
Außerdem Formen aus der Oberkreide:
Bulimina sp.
Globigerina sp.
Guembelina globulosa (Rzuss)
Das Mittelhelvet unseres Gebietes kann aufgrund seiner petrographi-
sehen und faunistischen Ähnlichkeit den Brombacher und Gänshaller
Sanden sowie den Blättermergeln Niederbayerns gleichgestellt werden
(NEUMAIER & WIESENEDER 1939). Blättermergel und Glaukonitsande sind
nach MAYR (1957: 315) zwei Faziesausbildungen, die durch Obergänge
miteinander verbunden sind und sich deshalb nicht als stratigraphische
Horizonte abgrenzen lassen. Eine scharfe Trennung läßt sich auch in
unserem Gebiet nicht durchführen, obwohl die Glaukonitsande vor-
wiegend in dem oberen Teil auftreten; außerdem setzt die Sandschiittung
in Pliening 102 rund 15-20 m tiefer ein als in den übrigen Bohrungen.
Im westlichen Molassetrogteil wurde die Obere Meeresmolasse von
LEMCKE (1953) aufgrund petrographischer Kriterien in zwei Zyklen unter-
teilt, von denen der obere mit dem durch grobes Korn und Fossilreich-
turn ausgezeichneten Baltringer Horizont beginnt. Es besteht daher die
Frage, wie sich diese Zweigliederung zu der bei uns vorgenommenen
Aufteilung in Unter- und Mittelhelvet verhält. Eine klare Antwort könnte
darauf nur durch den Nachweis des Baltringer Horizonts in den Plie-
ninger Bohrungen gegeben werden. Das ist aber nicht möglich und war
ohnehin nicht zu erwarten, denn dessen typische Merkmale wurden schon
innerhalb des von LEMCKE (1953: 22) bearbeiteten Gebietes nach Osten
schwächer und verloren sich ganz. Einen Anhaltspunkt bietet nur der
Diagrammvergleich zwischen Scherstetten 1 (LEMCKB 1953: Taf. VI) und
Pliening 101 (Anlage 2), wonach in Pliening 101 das Niveau des Baltringer
Horizonts mitten in dem Glaukonitsandbereich zwischen 470 m und 490 m
Bohrteufe zu suchen wäre. Das heißt also, daß LEMCKI’S 1. Zyklus der
OMM unserem Unterhelvet einschließlich der unteren Hälfte des Mittel-
helvet und der 11. Zyklus etwa der oberen Hälfte des Mittelhelvet
gleichzusetzen ist.
Süßbrackwassermalasse (SBM)
Als Süßbrackwassermalasse wurden in Anlehnung an LI:MCKE (1953)
die knapp 100 m mächtigen brackischen bis limnischen Ablagerungen zu-
sammengefaßt, die die Obere Meeresmolasse überlagern und zur Oberen
Süßwassermalasse überleiten. Ihre Grenze gegen die OMM ist immer
scharf und läßt einen kleinen Hiatus vermuten. Wie die elektrischen
Diagramme zeigen, befindet sich der Schnitt in den Profilen der Pliening
101, 103 und 104 immer an der gleichen Stelle. Nur in der Pliening 102
liegt die Grenze tiefer, so daß die SBM dort mit 106 m eine größere
Mächtigkeit besitzt. Der plötzliche Wechsel von mariner zu brackischer
36
Fazies wurde bisher auch in der Westmolasse (LBMCKE 1953: 35) und auch
in Niederbayern beobachtet (WITTMANN 1957: 56, MAYR 1957: 319). Die
Untergrenze der SBM stellt somit für einen großen Teil des Molasse-
beckens einen zuverlässigen Bezugshorizont dar.
Die Festlegung der Obergrenze bereitet dagegen Schwierigkeiten, denn
der Obergang der OSM vollzieht sich allmählich ohne einen auffälligen
Wechsel in der Petrographie oder Fauna. Hierin besteht ein Gegensatz
zur Entwicklung in Niederbayern, wo nach GRIMM (1957 a: 103 P.) und
WITTMANN (1957: 83) zwischen den limnischen Süßwas:;ersthichten der
SBM und den fluviatilen sandigen Süßwasserschichten bzw. Schottern der
OSM ein deutlicher Unterschied erkennbar ist. Andererseits ist in der
Westmolasse von LEMCKE (1953), ähnlich wie hier in Pliening, ein all-
mählicher Faziesübergang beobachtet worden. Die Grenze wurde dort
hauptsächlich aufgrund paläontologischer Kriterien gezogen, die leider
faziesbedingten Schwankungen unterliegen, so daß die Lagt: der Grenze
von Bohrung zu Bohrung sicherlich verschieden ist (LEMCKE 1953: 30).
Infolge des Fehlens gemeinsamer Anhaltspunkte mufitc deshalb die
Hangendgrenze der SBM in Pliening anhand der örtlichen Gegebenheiten
gezogen werden. Eine solche bot sich mit der Obergrenze eines stärker
sandigen Komplexes an, der durch seine Kurvencharakteristik im Electric-
log und Microlog ausgezeichnet ist und in seinem Umfang ungefähr der
SBM in dem westlichen und nördlichen Nachbargebiet entspricht.
Die SBM kann in eine untere brackische Abteilung mit gut 40 m Dicke
und eine obere limnische Abteilung mit 55-60 m Dicke unterteilt werden.
Die Grenze zwischen den beiden Abteilungen liegt an der Unterkante
einer ca. 2 m dicken, markanten Mergelkalkbank, die mil: auffälliger Be-
ständigkeit in den Bohrungen Pliening 101 bis 104 und Landsharn 1 immer
an der gleichen Stelle im Profil zu finden ist,
Die untere Abtei 1 ung besteht aus wenig verfestigten, sehr
feinkörnigen Sanden, die Glimmer und ein tonmergeliges Bindemittel
enthalten. Sandige Tonmergel treten darin nur untergeordnet auf. Die
Gesteinsfarbe ist vorwiegend Grau, manche Sandlagen haben aber auch
ein braungraues und manche Tonmergelpartien ein leicht grünstichiges
Aussehen. Etwa 6-9 m unter der Oberkante der Abteilung tritt in drei
Bohrungen die erste Süßwasserbildung auf, eine nur ca. 10 cm dicke,
weißbräunliche bis rötlichstichige Mergelkalkbank. Die Schlämmrück-
stände (Proben 576/16-20) waren sehr arm an Mikrofossilien. Am häu-
figsten wurden Fischzähnchen und andere Fischreste gctfunden. Außer-
dem konnten pyritisierte Charophyten-Oogonien, die [Link] Candona
sp. und einige aus dem Helvetikum umgelagerte Foraminiferen der Ober-
kreide festgestellt werden. Dagegen waren Makrofossilien reichlich ver-
treten. Die Artenzahl in der brackischen Fauna war zwar gering, einzelne
Formen, wie z.B. Congeria clavaeformis, traten so zahlreich auf, daß sie
37
Muschelpflaster bildeten. Die noch sicher für ein Helvetalter sprechende
Fauna umfaßt folgende Arten:
Congeria clavaeformis (KRAUSS), 57411, 2, 3 a, 57513 b, 4 a, 57614, 9
Congeria cf. rotten& (AMMON), sehr selten
Unio SP., 57413 b, 57513 a, 57616
Rzehakia partschi (MAYER), 57512, 576/5
Melanopsis impressa impressa KRAUSS, 575/3 c, 4 b, 57613
Gyraulus sp.
38
Radiolarien, Schwammreste und umgelagerte Foraminiferen aus dem
älteren Tertiär und der Oberkreide, wie z.B. Bolivinoides laevigatus
MARIE und Bolivina incrassata REUSS (Proben 576110-15). Die Mollusken-
fauna unterscheidet sich von derjenigen der unteren [Link] durch das
Fehlen der brackischen Arten. Es treten nur noch selten einige Süß-
wasserarten und eingeschwemmte Landschnecken auf. In den Kernen
der Pliening 103 und 104 wurden von HINSCH gefunden:
Unio sp.
Helix SP., 576/1
Planorbis (Gurorbis) declivis BRAUN vel (Gllraulus) laevis
KLEIN, 576/2
Cepaea Silvana Silvana (KIXIN), 57511
Das Auftreten dieser Arten deutet auf ein Torton-Alter der oberen
Abteilung hin. Da jedoch, wie SCHLICKUM (1964: 37) in den gleichalten
Horizonten Niederbayerns feststellte, die ersten tortonen Landschnecken
neben helvetischen Brack- und Süßwasserarten vorkommen, kann, ehe
die Abgrenzung dort geklärt ist, auch hier eine Einstufung nur ins
,,obere Helvet bis untere Torton“ erfolgen 3).
Stratigraphische Vergleiche mit den SBM-Profilen der
Nachbargebiete zeigen, daß in unserem Gebiet ähnliche Verhältnisse
geherrscht haben, wie sie aus der engeren westlichen und nördlichen
Nachbarschaft bekannt geworden sind. Im Westen schied bereits LEMCKE
(1953) in der SBM der CF-Bohrungen Aichach 1006-1009 und Hohenzell
1001 zwei Abteilungen aus, die petro- und biofaziell mit. denen von
Pliening gut übereinstimmen. Seine untere sandige Abteilung unter-
scheidet sich grundsätzlich nicht von der hier beschriebenen, auch wenn
LEMCKE (: 31, 41) dort einen stärkeren marinen Einfluß annimmt. Auf-
grund der Tatsache, daß in Pliening nur brackische Mollusken vorkom-
men, erscheint es wenig wahrscheinlich, daß nordwestlich von hier
marine Einflüsse auftraten. Diese werden möglicherweise durch umge-
lagerte Foraminiferen vorgetäuscht; außerdem kommen die erwähnten
Fischreste auch in Pliening öfters vor. Die Biofazies der Oberen Ab-
teilung ist in beiden Gebieten gleich limnisch. Die enge Verbindung mit
39
dem Westen wird zusätzlich noch durch die faunistische Beziehung zu
den Kirchberg-Schichten bei Ulm erhellt; beiden Fundstellen sind die
bisher nur bei Kirchberg beobachteten Arten Congeria clavaejormis und
Rzehakia partschi gemeinsam, die in Ostniederbayern fehlen und dort
durch andere Arten dieser Gattungen vertreten werden (SCHLICKUM 1963,
1964: 35 f.). Dagegen kommen ostniederbayerische Arten in Pliening sehr
selten vor, wie z.B. Congeria cf. rottensis und Limnopagetia bavarica
modelli. Im Norden unseres Gebietes weist die SBM der CF-Bohrungen
Freising 1001-1004 nach HAUS dieselbe fazielle Zweiteilung auf (in
ADIXE et al. 1955: 55 f.). Das geht auch aus den Kurzprofilen hervor (in
NATHAN 1955: 92 f.), in denen der Begriff SBM allerdings - von LEMCKES
Definition abweichend - auf die limnische Abteilung allein angewendet
wurde, während die untere brackische Abteilung unter dem Namen
Oncophora-Schichten lief.
Die SBM Ostniederbayerns ist im Durchschnitt etwas weniger stark
ausgesüßt gewesen als die unsrige, denn von den vier Einheiten, die
WITTMANN (1957) in der SBM unterschieden hat, führen nach SCHLICKUM
(1964: 3’7-50) die unteren drei einschließlich des unteren Drittels der
vierten Einheit brackische Mollusken. Die Behauptung, daß die brackische
Oncophora-Schichten-Fazies dort länger anhielt, stützt sich aber auch
auf die naheliegende Annahme, daß die im Westen an der Wende von
der unteren zur oberen Abteilung plötzlich erfolgte, weitverbreitete voll-
ständige Aussüßung in abgeschwächtem Maß auch in Ostniederbayern
wirksam gewesen sein muß. Das scheint in der Tat der Fall zu sein,
denn in dem erwarteten Niveau liegt dort der sog. Aussüßungshorizont,
dessen Fauna sich überwiegend aus Süßwasserarten zusammensetzt.
Dieser Horizont verdankt nach unserer Meinung (SCHLICKUM 1964: 45 mißt
ihm nur eine lokale Bedeutung zu) seine Entstehung einem weiträumig
zur Auswirkung gekommenen Ereignis und wird also als Zeitmarke
gewertet. Einen dritten Hinweis auf die nach Westen stärkere Aus-
süßung liefert das profilmäßige Auftreten der Congerien, die - an einen
bestimmten Aussüßungsgrad gebunden - in Niederbayern ierst im
Schillhorizont zahlreich erscheinen, in Pliening aber bereits an der Basis
der SBM. Beim schematischen Vergleich der Schichtfolgen (Tab. 4) wurde
die Unterkante des Aussüßungshorizonts mit der der Süßwasserkalkbank
an der Basis der oberen Abteilung parallelisiert. Daraus ergibt sich, daß
darüber die Verhältnisse im Westen unwiderruflich limnisch blieben,
während sich im Osten die brackische Fazies noch einige Zeit länger
gehalten hat.
Um stichprobenartig zu prüfen, ob die von LEMCKE et al. (1953: 38)
erarbeitete B-Grenze auch in unserem Gebiet nachweisbar ist, wurden
7 Sandsteinproben von Pliening 104 auf ihren S ch w e rminer a l-
gehalt hin analysiert. Die Lage der B-Grenze wurde aufgrund des
40
Profilvergleichs mit der CF-Bohrung Aichach 1009 im Grenzbereich
zwischen der unteren und der oberen Abteilung vermutet. ZIMMERLES
Untersuchungsergebnisse (Tab. 5) bestätigten diese Vermutung, denn es
zeigte sich folgendes:
1. Das GranatiEpidot-Verhältnis nimmt von 0,18 bis :1,88 vom Liegen-
den nach dem Hangenden zu und verläuft damit gleichsinnig wie in
Aichach 1009.
2. Der Epidot-Anteil nimmt vom Liegenden zum Hangenden - gene-
rell gesehen - etwas ab, was in Aichach 1009 ebenfalls festgestellt
wurde.
Tabelle 4
Schematischer Vergleich mit den Süßbrackwassermalasse-Profilen
Ostniederbayerns und der Westmolasse
OSM
T Aichach CF
1006-1009
LEMCKB
Mergel
1953
und Sande
Pliening
PAULUS & Baoc~cn~r
&
Mergel
HINSCH
u. Sande
Ostniederbayern
WIT~.MANN
S<HUCKLIM
Grobschotter
1957,
1964
-. ..---.
C
Limnische -
Süßwassers& 2
Obere
Obere limnische B
kalkig-mergelige Abteilung
Abteilung Unio-Sande
(limnisch) Schillsande
Aussüßungs-
Süßwasserkalk horizont
i
i
Untere Glimmersande
Untere
sandige Abteilung brackische Schillhorizont
(brackisch-marin?) Abteilung
c
Mehlsande
-;
Glaukonitsande und Blättermergel
41
Tabelle 5
Schwermineralogischer Befund für Proben aus der Süßbrackwassermalasse der Bohrung Pliening 104
I- Kornprozent
-
der
- S.M. ohne
- Granat
- i
8*
Teufe 3ö g Sonstige : zz,c72
i*gm
I
w - L - --$2 - - -
I 520;
347,5 m 3,88 51,3 16,3 4,2 2,4 636 - 16,O 13 0,3 Ch = 0,9; At = 0,3 332
365 m 2,42 49,7 937 L6 130 4:8 11,3 18,4 073 2,6 Ch = 0,6 310
378,5 m 3,06 55,6 18,l 3,O 2,4 237 096 12,7 1,2 2s Ch = 1,5 331
414 m 1,19 49,l 11,3 12’3 Zl 5,3 16,O 12,l 0,5 1,6 Ch = 0,2; Si = 0,2 381
420 m 1,54 55,3 11,7 L2 1,2 3,2 93 15,3 02 L5 Ch = 0,6 471
432 m 0224 76,3 W3 - ‘336 1,o 837 9,5 13 ‘V Ch = 0,4; Sp = 0,2 619
439 m 0,18 65,6 02 - 02 L7 20,7 9,8 o,g 02 Ch = 0,7 459
f
Obere Süßwassermalasse (OSM)
Die Mächtigkeit der OSM beträgt in der nördlichsten Plieninger
Bohrung 310 m und nimmt bis Landsharn 1 auf ca. 375 m zu. Das Alter
läßt sich von den Bohrprofilen her nicht ermitteln, da keine altersweisen-
den Fossilien gefunden wurden, Nach DEHM (1955) können wir aber mit
Gewißheit annehmen, daß die OSM unseres Gebietes Torton bis Unteres
Pont umfaßt.
Aufgrund des petrographischen Bildes ist eine Gliederung der OSM
in zwei Abteilungen möglich, deren Umfang jedoch schwankt, so daß die
zwischen ihnen liegende Grenze ohne stratigraphischen Wert ist.
Die rd. 200 m mächtige u n t e r e Ab t e i 1u n g zeichnet sich durch die
Feinkörnigkeit der Sedimente und eine intensive Buntfärbung aus. Bohr-
kerne wurden in Pliening 102, 103, 105 und Landshani 1 gezogen. Es
herrschen darin mehr oder weniger stark sandige Tonmergel vor, in die
verschieden mächtige Sandbänke eingelagert sind. Das Gestein ist mei-
stens nur wenig verfestigt und wurde in den Kernen als plastischer Ton-
mergel und mürber Sand zu Tage gebracht. Nur wenige I,agen waren
so stark karbonatisch zementiert, daß sie harte Kalksandsteinbänke
bildeten. Die Tonmergel sind bunt gefärbt, wobei als vorherrschende
Grundfarbe Gelbbraun oder Khaki beobachtet wurde. Durch graue,
grüngraue, olivgrünbraune, graubraune, seltener auch rotbraune und
rotviolette Flecken wirken die Tonmergel marmoriert. In der Pliening
102 treten im basalen Teil durch kohlige Beimengungen dunkelgrau
gefärbte Lagen auf. Sand und Glimmer sind entweder fein verteilt
oder in dünnen Flasern angereichert. In den sandigen Partien ist die
vorherrschende Farbe hellgrau, jedoch sind auch bräunliche Flecken nicht
selten. Der Sand ist meist feinkörnig und hat mergeliges Bindemittel.
Mittel- bis grobkörnige Lagen, auch solche mit Feinkiesgeröllen sind sehr
selten. Innerhalb dieser Abteilung bildet der ca. 10 m mächtige Fein-
kieshorizont in der Pliening 102 eine Ausnahme. Das Vorkommen von
Kieslagen im höheren Teil der Abteilung in Landsharn 1 (wie in Bei-
lage 1 dargestellt) ist nicht sicher erwiesen, da dort mit starkem Nachfall
gerechnet werden muß.
Unter den gefundenen Fossilresten konnten keine mit Sicherheit als
autochthone Formen identifiziert werden. Es handelt sich bei ihnen fast
ausschließlich um aus älteren Schichten umgelagerte Arten, Während
aber bisher hauptsächlich Umlagerungen aus dem Helvetikum festgestellt
wurden, liefert jetzt auch die ältere Molasse in stärkerem Maß Fossilien,
Daraus läßt sich ableiten, daß ab Torton zunehmend Molasseablagerun-
gen durch tektonische Vorgänge - wahrscheinlich im subalpinen Ge-
biet - ins Erosionsniveau gebracht wurden. Im Kern 3!10,8.-355,3 m aus
der Landsharn 1 konnten neben Fischresten, Molluskenresten, Schwamm-
43
nadelfragmenten, Radiolarien und Characeen folgende Foraminiferen-
arten festgestellt werden (Proben 150/1-7):
Die 100 m (in Pliening) bzw. 170 m (in Landsharn) mächtige obere
Abteilung ist reichlich von grobkörnigen fluviatilen Bildungen
durchsetzt. An ihrer Basis, die Bohrung Pliening 102 ausgenommen,
kommt ein bis zu 40 m dicker Sand-Schotter-Komplex vor, der dem aus
der nördlichen Nachbarschaft bekannten Hauptschotter zuzuordnen ist.
Der Kern 159,7-165,5 m von Landsharn 1 brachte daraus grobsandigen
Fein- bis Mittelkies mit glimmerreichen Grobsandlagen zu Tage, der fast
ausschließlich aus Quarzgeröllen und wenigen metamorphen zentral-
alpinen Gesteinen bestand. Darüber folgen in unregelmäßigem Wechsel
Sande, Kiese und Tonmergel, deren Färbung im Gegensatz zur unteren
Abteilung vorwiegend grau ist, mit gelbgrünem oder graugrünem Stich.
Bunte Flecken sind selten. Die Sande sind fein- bis grobkörnig, oft stark
glimmerführend, in der Farbe grau bis grüngrau. Die Kiese bestehen
vorwiegend aus Quarzgeröllen. Zu erwähnen sind noch die sehr seltenen
44
Kalkstein- und Mergelkalkbänke, von denen je eine Bank in den Boh-
rungen Pliening 102, 104 und 105 angetroffen wurde. Hierbei handelt es
sich wohl um Absätze in Süßwasserseen, Daß es lokal auch zur Bildung
von Mooren kam, beweist je ein geringmächtiges Kohlenfliiz in Pliening
102 und 105.
Abb. 2. Schematisches Profil der Oberen Süllwasscrmolasse VOII München bis Ost-
niederbayern.
45
Tabelle 6
Schwermineralogischer Befund für Proben aus der Oberen Siißwassermolasse der Bohrung Pliening 105
i - - Kornprozent
- - der
- S.M. ohne Granat
-
,Y
ö
.z
2: E:
m 2g
N 2m
Sonstige
w” - - - - Si 2 - - I
90m 0,77 T 68,l 92 2,7 536 3,2 7,l l,o 1,5 Ch = 0,7
110 m 1,51 61,i’ 7,4 1,7 339 12,l 6,9 1,7 1,4 Ch = 1,O; At = 0,3;
Si = 0,2
130 m 1,83 44,4 7,7 0,3 271 5,2 23,6 11,o 1,2 2,7 Ch = 0,9; At = 0,9
132,5 m 1,85 52,O 11,l 134 60 4J 1,4 9,7 8,7 2,8 Ch = 0,9; At = 1,4;
M + X = 0,9
150 m 2,17 54,5 82 1.7 6.3 5.7 o-7 2 5,7 G.6 2:3 Ch = 1,4; At = 0,3
Die Frage, ob die von LEMCKE et al. (1953: 52) schwermineralogisch
definierte A-Grenze auch in unserem Gebiet erkennbar ist, kann nicht
eindeutig beantwortet werden, denn als Material lagen aus dem mög-
lichen Bereich nur unzuverlässige Spülproben vor. Bei dcbr Untersuchung
von fünf Proben aus dem Teufenbereich 90-150m in der Pliening 105
durch ZIMMERLE (Tabelle 6) ergab sich, daß das GranatiEpidot-Verhältnis
von 2,17 im Liegenden nach 0,77 im Hangenden abnimmt, während
gleichzeitig der Epidot-Gehalt zunimmt. Die anderen Mineralkompo-
nenten zeigen keinen regelmäßigen, deutbaren Gradienlen. Weder der
Apatit- noch der Staurolith-Gehalt deutet auf eine GSA-Vormacht im
Hangenden hin, durch deren Einsatz die A-Grenze [Link] werden soll.
Das wenige uns zur Verfügung stehende Material reicht auch nicht aus,
um zu den von SCHMEER (1955) gegen diese Grenze vorgebrachten Ein-
wänden Stellung zu nehmen.
47
2. Petrographie der albsteinähnlichen Kalkknollen
Aus den beiden genannten weichen Tonmergellagen wurden u. a.
mehrere harte, eckig- bzw. knauerartig-begrenzte Brocken des unruhig
struierten Knollenkalks ausgesucht.
Megaskopische Beschreibung
Die Kalkknollen sind in einem grünlichgrauen (5 GY 6/1) bis dunkel-
grünlichgrauen (5 GY 411) megafossilführenden, sandigen Tonmergel von
wechselnder Härte eingebettet. Die genauen Lagerungsverhältnisse, vor
allem geopetale und polare Gefügemerkmale (vgl. RUTTE 1955 und NÄGELE
1959), können nicht mehr rekonstruiert werden.
;
,i
48
ten: (1) kleineren, rundlichen bis ovalen ,,Kernen“ (nach NÄCELE 1959,
S. 28), (2) dünnen Krusten, die zuweilen die Kerne oder selten die ge-
samte Knolle überziehen und (3) Bindemittel, das die Zwischenräume
füllt. (4) Manchmal haften den Knollen auch oberfliichlich Reste des
braungrünen Hüllgesteins an (Abb. 3).
Die Kerne sind maximal bis zu 2 cm groß, bestehen aus einem dichten
Calcilutit und sind von unregelmäßigen oder radialen Rissen durchzogen,
die mit klarem Calcit ausgeheilt sind. Ihre Abgrenzung gegen das Binde-
mittel ist meist scharf, seltener graduell. Manchmal sind sie auch durch
dünne Krusten vom Bindemittel getrennt.
Der Gehalt an eckigen Sandkörnern beträgt maximal 5 Volumprozent.
Die Kavernen, die sowohl in den Kernen als auch im Bindemittel vor-
kommen, sind entweder vollständig mit klarem Calcit ilusgefüllt oder
mit feinen Calcitrasen randlieh besetzt. Häufig ist die calcitische Kaver-
nenfüllung achatähnlich gebändert. Nur an einer Knolle wurde eine voll-
ständige Umkrustung beobachtet (Abb. 4).
4 49
Das Bindemittel ist entweder heller oder dunkler als die Kerne. Im
Bindemittel ,,schwimmen“ kleinere Kerne unterschiedlicher Größe und
eckige Sandkörner; seltener sind auch kugelrunde, + 0,2 mm große
Pseudooide zu erkennen.
Klar definierte Fossilreste sind selten.
50
Einzelne Kerne nur sind mit lamellaren oder nichtlamellaren, dünnen
Krusten von kryptokristallinem Calcilutit unterschiedlicher Farbe über-
zogen. In einem Fall ist auch im Innern eines solchen Kerns eine dünne
Krustenlage angeschnitten.
Vereinzelt bestehen die Kerne auch aus kryptokristallinem Dolomit,
der durch Anfärbung und röntgenographisch nachgewiesen wurde. Auch
im Bindemittel können mikrokristalline Dolomitkristalle eingestreut sein.
Das Bindemittel ist heterogener und gröber struiert als die einge-
schlossenen Kerne und zeigt meist Krümelstruktur. Vereinzelt sind runde,
schwach konzentrisch gebaute Pseudooide zu erkennen, Manche Partien
sind mit palisadenstruiertem, grobspätigem Calcit ausgefiillt, der die cal-
cilutitische Matrix verdrängt hat. Fragmente von Fossilschalen sind sehr
selten. Kleine Kalkmergelbröckchen, die reichlich dunkelgraut, organische
Einstreuungen führen, sind sporadisch eingelagert.
Eckig-splittrige bis schwach kantenrunde, schlecht sortierte, detritische
Sandkörner (Quarz, Plagioklas, Kalifeldspat, Chlorit und Muskowit sowie
Gesteinsfragmente) und Schwerminerale (Leukoxen, Ilmenit, Granat,
Epidot-Klinozoisit, Zirkon, Disthen, Staurolith, Turmalin, Rutil, Horn-
blende, Chloritoid und Titanit) sind in wechselnder Mengt sowohl in den
Kernen als auch in der Matrix eingestreut. Häufig sind a:lie Sandkörner
in den Kernen besser sortiert und kleiner als die im Bindemittel.
Einzelne, größere, rundlich begrenzte Zwickel oder periphere Ein-
buchtungen sind mit braungrünem, kryptokristallinem Ton gefüllt, der
ebenfalls schwache Andeutungen von Krümelstruktur zeigt. Unter+Nicols
ist der Ton maschig struiert. Gegen die Peripherie der Zwickel hin ist
der reine Ton intensiv mit calcilutitischem Material der Matrix vermengt.
Der Ton, der von dem Hüllgestein in die Kalkknollen eingedrungen ist,
verdrängt die calcilutitische Matrix. Winzige Karbonatrhomben durch-
wachsen unregelmäßig den Ton.
Glaukonit wurde nur ausnahmsweise beobachtet. Sekundiire diagene-
tische Prozesse haben das Gestein überprägt, wie die schwache Ver-
drängung der silikatischen Sandkörner durch Karbonat, die ‘liildung von
grobspätigem Karbonat und die Umkristallisation von gröhcren Fossil-
fragmenten zeigen.
3. Schlußfolgerung
Charakteristisch für Albstein sind schon die Lagerungsverhältnisse.
Brockig ablösende Kalkmergel mit eingebackenen Albsteintrümmern be-
schreiben RUTTE (1955, S. 362) und NÄGELE (1959, S. 16/25).. Auch Gesamt-
habitus und Farbe stimmen mit den Beschreibungen beider Autoren
überein.
Der unruhigen Struktur und wechselnden Färbung der :Kalkknollen
im Handstück und Anschliff steht eine relative Eintönigkeit im Dünn-
51
Tabelle 7: Albstein und albsteinähnliche Bildungen im süddeutschen Molassebecken
(nach NÄGELE 1959 und eigen& Beobachtungen)
- -
n. e. = nicht erwähnt
Charakte-
l inAlbstein i. e. S. Biberacb Krumbacb Aichach Pliening
ristische Ubertageauf- CF-Bohrungen CF-Bohrungen CF-Bohrungen Bohrungen
Schlüssen
Merkmale
I -_-
Mächtigkeit des 60-180 cm 8-00 cm 10&450 cm 50-180 cm mindestens
Albsteinhorizontes
.- 15-25 cm
Zusammenhang kontinuierliche kontinuierliche kontinuierliche kontinuierliche Kalksteinbrocken
des Eank Kalkbank oder Kalkbank oder Kalkbank oder in Tonmergel
Albsteinhorizontes Sandmergel mit Mergel und Sandmergelsteine
Kalkknollen Staubsandsteine mit Kalkknollen
.. mit Kalkknollen
Gesteinsfarbe weiß, hellgelb, weiß bis gelb- weiß, gelbbraun weißlich bis gelblichgrau bis
hellbraun, grün- braun oder rostrot helIbräunIich grünlichgrau
lichgrau, grau
oder rötlich
-
Habitus des löchrig kompakt kompakt knollig-kompakt knollig-kompakt
Gesteins mit porösem mit einzelnen
Habitus KaVernen
Größe der n. e. bis 2 cm n. e. n. e. bis 5 cm
Kalkknollen
Kerne
- vorhanden vorhanden
- vorhanden vorhanden vorhanden
$ Form der Kerne rundlich bis oval, rundlich n. e. rundlich rundlich bis
z
2
-. selten kantig _ OVFA
Sortierung der schlecht bis gut n. e. n. e. n. e. schlecht bis gut
+j Kerne
.. -.
z Größe der 0,5-10 cm bis 2 cm bis 0,2 cm n. e. bis 2 cm
B
Kerne
-. meist 1 cm
p Krusten vorhanden n. e n. e. nur vereinzelt meist nur mikros-
a,
.. _ kopisch erkennbar
.L. 2-15 mm
B
; Dicke derKruster n. e. n. e. n. e. O,Oj-O,Zj mm
-.
o! Bindemittel vorhanden vorhanden vorhanden vorhanden vorhanden
s
-
Pseudooide vorhanden vorhanden n. e. fehlen vorhanden
B
_. bis 0,5 mm groß
-. ~-
Fossilreste
. . spärlich n. e.
-. n. e. zahlreich spärlich
s:
Bezeichnung Albstein i. e. S. Albstein i. w. S. Albstein i. w. S. nur entfernte albsteinähnlicher
und albstein- und albsteinähn- Ähnlichkeit mit Kalk
ähnlicher Kalk licher Kalk Albstein
schliff gegenüber (vgl. RUTTE 1955, S. 363). U.d.M. ließen sich - wie in
den anderen Albsteinvorkommen auch - deutlich vier Bauelemente unter-
scheiden:
(1) Kerne
(2) Krusten
(3) Bindemittel
(4) Mergelgefüllte Zwickel.
Die von RUTTE (1955, S. 376177) und NÄG~LE (1959, S. 46) beobachteten
Pseudooide wurden ebenfalls im Bindemittel erkannt.
Die an einzelnen Knollen und Kernen beobachteten Krusten sind
dünner als die von RUTTE (1955, S. 365) beschriebenen. Ähnliche Beobach-
tungen haben LEMCKI:, VON ENGIXHARDT & F~CHTBAUIX (1953) und NÄGEIZ
(1959) an den Gesteinen aus der Umgebung von Augsburg gemacht.
Nach LEMCKP, VON ENGICLHARDT & FÜCHTBALJIX (1953, S. 32) würde man
das vorliegende Vorkommen als ,,Albsteinandeutungen“ bezeichnen.
NÄGBLC (1959, S. 17) nannte derartige Vorkommen ,,albsteinähnlich“ (vgl.
Tabelle 7).
Den verschiedenen Albsteintypen ist aber allen gemeinsam, ,,daß sie
im Molasseprofil auf eine geringmächtige Zone unmittelbar oder dicht
über der Oberkante der OMM beschränkt sind“ (LIZMCKIC, VON ENGELHARDT
& FÜCHTBAUXR 1953, s. 32).
Der genetischen Zuordnung als Krustenkalk (fossiler Exsudationskalk)
durch RUTTE (1955) und NÄGELT: (1959) läßt sich nach unserer Erfahrung
(KARELAC 1962) beipflichten. Somit muß der Albstein als Anzeichen für
eine Sedimentationsunterbrechung gewertet werden.
53
freigelegt. Ein Eintrag in die Karte unterblieb jedoch an dieser wie an
anderen ähnlich problematischen Stellen, weil die als Zeiger evtl. be-
nutzbaren Quellaustritte westlich der Isar auch eine Folge des Vber-
trittes von Wasser aus dem etwas höher gelegenen Bett des Schwabinger
Baches in die Isar sein können. Die Quartärbasis wird außerdem-heute
nicht mehr erschlossen - aus der in der Hochterrasse einstmals ange-
legten Kiesgrube nordwestlich Ismaning (unmittelbar am Kartenrand)
durch R. ScnRöosa (1915) erwähnt.
Soweit die Obere Süßwassermalasse zwischen der Uferverbauung ent-
lang der Isar genauer erfaßt werden konnte, handelt es sich um grün-
lichgraue Mergel. Diese Ablagerungen gehören zur Oberen Serie inner-
halb der Oberen Süßwassermalasse, die in das höhere Sarmat und das
frühe Pont eingestuft wird (R. DEHM 1955). Paläontologisch ist diese
jüngste Tertiärablagerung im Bereich Münchens durch E. STROMBR (1937,
1940) ausgewertet worden. Von E. STROMER (1940) werden vom linken
Isarufer gegenüber Ismaning, also bereits auf Blatt Oberschleißheim,
genannt: Unio eseri KRAUSS, Margaritifera aff. fiabellata cfr. breviplicata
(NOULET), Planorbis cornu var. indet, dazu kommen bei Fluß-km 120
beiderseits der Isar Funde von Schlundzähnchen von Fischen (der Gat-
tung Cvprinidae).
111. Quartär
Die auf Blatt Ismaning zutage tretenden Gesteine gehören, abgesehen
von den spärlichen und schlecht erschlossenen Vorkommen der Oberen
Süßwassermalasse entlang der Isar, insgesamt dem Quartär an.
a. Pleistozän
Das Pleistozän ist durch Ablagerungen verschiedenen Alters vertreten.
In kleinen Vorkommen finden sich Bildungen des mittleren Pleistozäns,
nämlich von der Mindel- bis zur Rißeiszeit. Die Hauptfläche wird jedoch
von würmeiszeitlichen Ablagerungen eingenommen. Auf diesen liegen
teilweise holozäne Gesteine als Torf, Alm und Auelehm. Entlang der
Isar sind in die würmeiszeitliche Schotterflur aber auch jüngere Fluß-
ablagerungen eingeschachtelt.
Faziell sind im Kartenbereich Gletscherablagerungen und damit in
engstem Zusammenhang stehende Staubeckensedimente der Mindeleiszeit
sowie fluvioglaziale Ablagerungen aus der Mindel-, Riß- und Würmeis-
zeit vertreten. Dazu kommen fluviatile Sedimente aus dem Mindel/Riß-
Interglazial und vermutlich auch aus der Rißeiszeit, ferner aus dem
Spätglazial der Würmeiszeit. Letztere leiten zu den Flußablagerungen
des Holozäns über. Äolische Sedimente treten als Sandlöß, Löß und Löß-
lehm der Würmeiszeit auf.
54
1. Mindeleiszeit
55
vorhandenen Aufschlüsse jedoch nicht geeignet. Eine Auszählung bei
Anzing am Südende dieses Altmoränenzuges hat etwa 10-15 O/oKristallin
und um 10 O/o Quarze erbracht; der Rest besteht aus Kalksteinen und
untergeordnet aus Sandstein. Diese Werte zeigen, daß hier im Gegen-
satz zum Zentralbereich des Inngletschers noch ein erheblicher zusätz-
licher Einfluß durch Materialzufuhr aus dem westlich angrenzenden Ver-
gletscherungsraum, der im wesentlichen Kalksteine führt, ausgeübt wurde
- falls es sich nicht um die Zeugnisse eines westlich des Inngletschers
vorrückenden Gletschers handelt, der zusätzliche Kristallinkomponenten
aufgenommen hat.
Mit einer Basis um 505 m NN tritt im Moränenbereich eine bis 5 m
mächtige Lage gelbgrauen bis graugelben, zum Teil sandigen Schluffes
mit schwachem Kalkgehalt zwischen Finsing und Gelting auf. Wie Boh-
rungen und Baugruben gezeigt haben, folgt darüber noch einmal Moräne.
Diesen Schluff als Seeton, wie er in den Interglazialen und den voran-
gehenden bzw. nachfolgenden Obergangszeiten auftritt, zu deuten, ist
nicht angängig; denn dafür liegt sein Tongehalt zu niedrig und die In-
tensität seiner Vergleyung ist zu gering. Die Deutung, daß es ich um ein
Staubeckensediment als Folge einer (lokalen?) Gletscheroszillation handelt,
liegt bei derartiger Materialausbildung und bei den Verbandsverhält-
nissen mit der Moräne somit viel näher.
Das schwierigste Problem bei diesem Moränenrest ist jedoch die
Altersstellung. Durch L. v. AMMON (1894) und später durch A. PENCK
(1909) wurde die Moräne insgesamt in die Rißeiszeit eingestuft. Dies er-
scheint aber aus folgenden Gründen zweifelhaft: Es liegt keine Ver-
zahnung mit der rißeiszeitlichen Hochterrasse zwischen Notzing und Eit-
ting vor; Moräne und Terrasse sind vielmehr bei Aufkirchen durch einen
Streifen zutage tretender Oberer Süßwassermalasse voneinander ge-
trennt. Die aus dem Innenraum dieser Erdinger Altmoräne bekannten
würmeiszeitlichen Lößprofile werden an ihrer Basis durch eine Fließ-
erde eingeleitet. Diese Fließerde ist aus einem rißeiszeitlichen und an-
schließend unter interglazialen Bedingungen verwitterten Löß hervor-
gegangen (vgl. K. BKUNNACKER 1957). Das Abkunftsgebiet dieser Fließ-
erde war die Außenzone dieser Erdinger Altmoräne, zu der auch der in
unserem Kartenbereich erfaßte Ausschnitt gehört. Ein weiteres Krite-
rium, das aber für sich allein nicht stichhaltig ist, bietet sich im Karten-
bereich westlich der Ortschaft Finsing. Hier liegt nämlich in einer breiten
Zone die heutige Landoberfläche in einer Höhenlage um 505 m NN, also
etwa in Höhe des genannten Staubeckenschluffes. Es ist naheliegend,
diese Verebnung auf eine Begünstigung der Ausräumung des hier ur-
sprünglich ebenfalls durchziehenden Schluffhorizontes zurückzuführen.
Beim Bau des Schulhauses der Gemeinde Finsing war in diesem Bereich
unter 1,5 m Sandlöß ein bis 1 m mächtiger fossiler interglazialer Para-
56
braunerderest aufgeschlossen. Bei Gültigkeit obiger Annahme, daß die
Geländeverebnung durch bevorzugte Ausräumung des fcinkdrnigen Stau-
beckensedimentes entstanden ist, ergibt sich damit für diesen Bereich
folgender Ablauf: 1. Akkumulation der Moräne mit einer Gletscher-
Oszillation, die zwischendurch den Absatz von Staubeckenschluff zur Folge
hatte. 2. Interglaziale Verwitterung. 3. Kaltzeitlich-periglaziale Uber-
Prägung mit Solifluktion, damit Ausräumung des Schluffes und der über-
lagernden Moräne. 4. Interglaziale Bodenbildung. 5. Kahzeitliche Löß-
ablagerung. Zwangsläufig ergibt sich auf diesem Wege für die Moräne
eine Altersstellung in der drittletzten Kaltzeit, d.h. in der Mindeleiszeit.
Die Staubeckensedimente zwingen aber noch zu einer weiteren Uber-
legung. In ihrer Ablagerungszeit muß vor der Gletscherstirn zeitweilig
ein Wasserbecken vorhanden gewesen sein. Gegen die heutige Münchener
Schotterfläche hin muß somit ein Gegenufer bestanden haben. Ob dieses
Ufer aus Ablagerungen eines noch weiter in das Vorland hinausreichen-
den Gletschervorstoßes bestanden hat oder aus einem Tertiärrücken, der
von Kempfing nach Südsüdwesten und dann nach Süden umbiegend
verlief, ist nicht mehr festzulegen. Wegen der gegenüber dieser Moräne
völlig abweichenden Zusammensetzung der mindeleiszeitlichen Schotter
in Eicherloh erscheint allerdings letztere Möglichkeit wahrscheinlicher.
57
Molluskenfauna in das Mindel/Riß-Interglazial und darüber folgt, ge-
trennt durch eine Sedimentationslücke, ein geringmächtiger Schotter der
Rißeiszeit.
Für den Mindelschotter, wie auch für die darüberliegenden Schotter,
ist bezeichnend, daß kristallines Material und Quarze fast ganz ausfallen;
Eicherloh Eichenried
X IX
ii.~N: 485m 475m
Parabraunerde 0”s Parabraunerde CIUS
Lößlehm u Schotter Laßlehm u Schotter
Schluffm Molluskf:
braune Rendzina
hellgrauer Schotter
Schotter
Schluff mit schwach
humosen Bändern
Schotter mit synsedi-
mentären Kryoturbo-
tionen Schotter mtt dzken
Schluffmit intergl Rost-und Mangan -
Molluskenfauna bändern
Schotter
blaugrauer Schluff
mit intergl Mollusken
fauna
58
2. Mindel/Riß-Interglazial, MIR
59
Eicherloh X Eichenried&
Penglazial
fazies
(Lokal- Riß
moteriol)
Abb.7. Körnung und petrographi-
sehe Zusammensetzung an den in
Abb. 6 eingetragenen Probccnt-
nahmestellen:
1. Körnungszusammensetzung als
Summenlinie (in Gewichts-“/u) ;
2. Schotterzusammensetzung inner-
halb der einzelnen untersuchten
Fraktionen (in Stück-o/o) : offene
Kreise = Kalke, senkrecht
schraffiert = Sandsteine und
Hornsteine, schwarz = Kristal-
linkomponenten, Punkte =
Quarze;
3. angegebener Kalkgehalt bezieht
sich auf die Fraktion < 0,2 mm
@ (volumetrisch aus CO, be-
rechnet).
/ Fluvio
ghial- Mmael
i fazles
In Eichenried folgt darüber, wie Abb. 6 zeigt (vgl. auch Abb. 7), rd.
4 m Schotter, den - wie ursprünglich auch getan - in die Rißeiszeit
einzustufen naheliegend wäre, wenn darüber nicht jüngst eine schwache
terrestrische Bodenbildung (verbraunte Rendzina) und dann vor allem
ein zweiter bis 40 cm mächtiger hellgrauer, rostfleckiger Schluffhorizont
mit 92 O/O CaCO, gefunden worden wäre, der folgende, an Individuen
arme Molluskenfauna (ausgeschlämmt aus rd. 15 kg Material) führt:
Succinea pfeifferi ROSSM.
Columella edentula DRAP.
Goniodiscus rotundatus MÜLL.
Goniodiscus perspectivus MEG.
Retinella nitidula DRAP.
Retinella radiatula ALDBR
Vitrea diaphana DRAP.
Vitrea crystallina Mü1.L.
Euconulus trochiformis MONT.
Semilimax semilimax FER.
Helicodonta obvoluta MÜLL.
Arianta arbustorum L.
Eulota fruticum MÜLI..
1vIilar sp. (Mantelschild).
Diese Fauna entspricht in ihrer Zusammensetzung praktisch derjeni-
gen, welche auch in der unteren Schlufflage auftritt. Diese obere Schluff-
lage wird an der Basis durch sandiges Material eingeleitet und der An-
teil an Schill gegenüber den nicht oder nur wenig beschädigten Schnek-
kengehäusen im Schluff ist so gering, daß erneut aufgearbeitetes Material
des unteren Schluffhorizontes verneint werden kann.
Man muß sich damit vorstellen, daß als Folge einer geringen Ein-
tiefung des MindeliRiß-interglazialen Flußbettes Gesteinszerreibsel im
damaligen Hochflutbereich zum Absatz kam. In Eichcnricd wurde an-
schließend Schotter darüber gelegt, vielleicht vergleichbar den jungen
Schwemmkegeln der Isar. An der Oberfläche dieses Schotters entstand
eine schwache Bodenbildung vom Typ der verbraunten Rendzina mit
5 bis 10 cm Mächtigkeit. Vermutlich in der gleichen Zeit, und nicht wie
erst angenommen, im R/W-Interglazial, wurde der tiefere Abschnitt des
Schotters durch Eisen- und Manganausfällungen in einem Grundwasser-
schwankungsbereich (Go-Horizont) überprägt. Dann kam cs hier zu er-
neutem SchluPfabsatz. Die Zeitdauer, die zwischen den beiden Schluff-
ablagerungen verstrichen ist, kann damit nicht sonderlich lange ge-
dauert haben, zumal die Molluskenfauna ein einheitliches Biotop anzeigt.
Die entsprechende, an Arten noch viel reichhaltigere Fauna eines
weiteren Vorkommens aus zwei Lehmschollen an der Basis des Hoch-
terrassenschotters in der alten Kiesgrube nordwestlich Ismaning (am
westlichen Kartenrand) wurde durch R. ScHRöoI:R (1915) bearbeitet, nach-
dem zuvor schon S. CLBSSIN (1907) das durch Freiherr VON Lo1:1’[Link].Z
61
geborgene Material einer allerdings nicht aufrecht zu erhaltenden Be-
stimmung und Datierung unterzogen hatte. Nach R. SCHRÖDER (1915)
kommen in diesen Lehmschollen vor:
Vitrina elongata DRAP.
Euconulus fulvus MÜLL.
Hyalina nitens MICH.
Crystallus crystallinus MÜLL.
Patula rotundata MÜLL.
Eulota fruticum MÜLL.
Euomphalia strigella DRAP.
Fruticicola sericea DRAP.
Fruticicola unidentata DRAP.?
Fruticicola edenlula DRAP.
Fruticicola umbrosa PARTSCH
Fruticicola villosa STUD.
Dibothrion bidens CHEMN.
Arianta abustorum L.
Arianta abustorum var. alpicola FER.
Kuzmicia dubia DRAP.
Ena montana DRAP.
Orcula dolium DRAP.
Torquilla secale DRAP.
Pupilla muscorum DRAP.
Vallonia costata MÜLL.
Vallonia pulchella MÜLL.
Azeca menkeana C. PFR.
Cochlicopa lubrica MÜLL.
Succinea oblonga var. elongata A. BRAUN
Carychium minimum MÜLL.
Atme polita HARTM.
62
3. Rißeiszeit, R, G
63
Außerdem wurden hier Zahnlamellen vom Halsbandlemming ge-
funden (Myodes torquatus KEYS.).
In einem weiteren Aufschluß bei der Papierfabrik Ismaning wurde
durch R. SCHRÖDER (1915) festgestellt:
Euconulus fulvus MÜLL.
Fruticicola sericea cf. var. corneola CLESS.
Arianta arbustorum L.
Graciliaria cornyodes var. minor A. SCHM.
Punctum pygmaeum DRAP.
Cochlicopa lubrica MÜLL.
Limnophysa truncatula MÜLL.
Auch dieser Aufschluß ist heute verfüllt und verfallen bzw. überbaut,
so daß die Fundlag#e nicht mehr zugängig ist. Da das letztgenannte Vor-
kommen bei der Papierfabrik sicherlich dem zuvor erwähnten ent-
spricht, muß angenommen werden, daß hier ein Rest des Hochterrassen-
schotters von jungpleistozänem Schotter überdeckt ist.
Diese Fauna im Hochterrassenschotter zeigt auf kühle, sicherlich aber
noch nicht auf hochglaziale, kalte Klimaverhältnisse. Es ist hier also
eine Ablagerung der beginnenden Rißeiszeit erfaßt. Die hangenden mol-
luskenfreien Schotterpartien gehören hingegen als Vorstoß- bzw. Fluvio-
glazialschotter in das Hochglazial der Rißeiszeit. Insgesamt wird damit
bei Ismaning eine der Hauptabflußlinien während der beginnenden Riß-
eiszeit erfaßt.
In Eicherloh und Eichenried hingegen erfolgte während der Rißeis-
zeit zuerst eine Uberprägung des interglazialen Schluffes durch einen
Tundren-Naaboden und dann eine schwache Uberschotterung. Die syn-
sedimentären Kryoturbationen in Eicherloh stehen damit in Zusammen-
hang.
Eingehendere petrographische Untersuchungen liegen nur von Eichen-
ried und Eicherloh vor (Abb. 7). An beiden Punkten liegt der Anteil der
Kalkgerölle um 97-99 “In. Kristallingeröllc scheinen fast ganz auszufallen.
Im obersten Meter des Aufschlusses von Eicherloh stellen sich außcr-
dem wieder dünne, z. T. humose Schluffbänder, wohl umgelagertes Ma-
terial des unteren Schluffhorizontes, ein. Da diese hangenden Schotter
von Eichenried und Eicherloh nicht dem frühglazialen Basisschotter des
Riß bei Ismaning entsprechen können, sind sie entweder als Lokalfazies
dcs bei Ismaning vorkommenden Fluvioglazialschotters zu deuten oder
als eine eigenständige Ausschüttung im östlichen Bereich der heutigen
Münchener Schotterfläche in Form einer periglazialen Ablagerung, die
aus aufgearbeiteten Ablagerungen dcs MindeliRiß-Interglazials und evtl.
auch älterer Gesteine hervorgegangen ist. Für letzteres spricht einmal
der umgelagerte Schluff in Eicherloh und zum anderen die einem Rest-
schotter ähnliche Anreicherung der Nichtkalke in der gröbsten Fraktion
einer der untersuchten Schotterproben (Abb. 6, Probe Xi4).
64
4. Riß/Würm-Interglazial
Das RißiWürm-Interglazial ist im Kartenbereich nicht durch eigene
Ablagerungen vertreten. Vergleyungserscheinungen in Form zahlreicher
dm-dicker Rost- und Manganbänder in Eichenried könmcn jedoch, falls
nicht wie erläutert MindeURiß-interglazialen Alters, diesem Interglazial
zugehören. Auf der Hochterrasse südlich Ismaning sind ferner in Lehm-
gruben unter würmeiszeitlicher Lößbedeckung stellenweise verlehmte
Schotterpartien erschlossen. Diese gehen auf die als Parabraunerde bzw.
Terra fusca-artige interglaziale Bodenbildung in grundwasserfernen Be-
reichen der Hochterrasse zurück. Die kräftigen Oberflächenböden des
Hochterrassenschotters in Eicherloh und Eichenried sind ebenfalls mög-
licherweise durch die Verwitterung des Riß/Würm-Interglazials beeinflußt.
5. Würmeiszeit
Die Würmeiszeit ist im Kartengebiet durch äolische und vor allem
durch fluviatile Ablagerungen vertreten.
5 65
wurde somit diese Uferzone kaum noch von den würmeiszeitlichen
Schmelzwässern angegriffen. Lediglich bei Gelting, wo besonders ex-
ponierte Randlagen vorkommen, fällt diese äolische Gehängeüberdeckung
aus.
66
(b) Fluviatile Bildungen
Fluviatile Bildungen der Würmeiszeit nehmen die IIauptfläche des
Kartengebietes ein. Nach H. TILLMANN (1953) verfügen die Schotter un-
mittelbar südlich des Blattes Ismaning über eine Mächtigkrit zwischen
15 und 20 m, im südlichen Kartenbereich zwischen 10 und 15 m und auf
Höhe von Eicherloh zwischen rd. 7 und 10 m. Tiefere Auf’schlüsse fehlen,
da sich nach Norden hin der Grundwasserspiegel zunehmend der Ober-
fläche nähert. Sicher ist deshalb auch nicht, daß es sich allein um Ab-
lagerungen der Würmeiszeit handelt. Zumindest streckenweise können
hier auch unter einem geringmächtigen würmeiszeitlichen Schotterschleier
ältere Flußablagerungen liegen, wie es für südlichere Bereiche der Mün-
chener Schotterfläche nachzuweisen ist. Diese fluviatilen Bildungen be-
stehen im wesentlichen aus Schottern. Im einzelnen lassen sich nächst
der Oberfläche die hochglazialen Fluvioglazialschotter der Niederterrasse
unterscheiden, ferner die Schotter der Altstadt-Stufe und schließlich
wurde, mit gewissen Vorbehalten, noch die Garthing-Stufe als Bildung
des ausgehenden Spätglazials in die Gruppe der wiirmeiszeitlichen
Schmelzwasser- bzw. Flußablagerungen aufgenommen.
67
die Ablagerungen des Erdinger Mooses. Daß in der Ablagerungszeit
dieser Altstadt-Stufe noch periglaziale Bedingungen geherrscht haben,
wird durch zeitweise erschlossene synsedimentäre Kryoturbationen in
der Kiesgrube bei P. 478,8 nordwestlich der Fischerhäuser angezeigt.
Nach M. KURSCH (1962) sind diese Schotter deutlich kleinkalibriger
als jene der Niederterrasse, so daß nur wenige Gerölle einen Durch-
messer von mehr als 5 cm erreichen. Auch der Kristallinanteil liegt nach
diesen Untersuchungen wesentlich niedriger als in der Niederterrasse,
aber immer noch höher als in der Hochterrasse, soweit letztere er-
schlossen ist.
Ein flacher Schwemmkegel, der dieser Altstadt-Stufe als ungefähr
zeitgleich zur Seite gestellt und deshalb auf der Karte mit der Altstadt-
Stufe zusammengefaßt wurde, zieht aus dem Gleißen-Tal heraus über
den Bereich des heutigen Hachinger Baches östlich der Hochterrasse
Ramersdorf-Ismaning nach Norden. Im Gebiet nordöstlich Ismaning,
unter Alm verdeckt, dürfte sich dieser Schwemmkegel mit der Altstadt-
Stufe i. e. S. verzahnen oder auf andere Weise verknüpfen.
Die Mächtigkeit dieses östlichen Schwemmkegels ist mit 0,5-1,5 m
höchst gering. Bedeutsam ist jedoch, daß an seiner Basis stellenweise
- so bei Denning und Zamdorf - eine bis 3 dm dicke Lage sandigen
Lehms als Trennschicht zur eigentlichen Niederterrasse vorkommt, die
nach R. SCHRÖDER (1915) Succinea oblonga var. elongata A. BRAUN, aber
auch Vallonia pulchella MÜLL. und Fruticicola sericea DRAP. führt. Zu
den beiden von R. SCHRÖDER genannten Fundstellen östlich der Münchener
Hochterrasse kommt eine weitere in der städtischen Kiesgrube 500 m
östlich der Kirche Englschalking. Hier liegt dieser gelbgraue, rostfleckige,
kalkhaltige, sandige Lehm mit Succinea oblonga DRAP. unter durchschnitt-
lich 1 m mächtigen Schottern des genannten Schwemmkegels. Mit dieser
rostfleckigen Ausbildung zeigen diese Feinsedimente ein ähnliches Bild
wie die im würmeiszeitlichen Löß festgestellten Tundren-Naßböden; die
Vergleyung ist jedoch nicht ganz so stark ausgeprägt. Zeitlich werden
diese Ablagerungen in den Beginn des Spätglazials gestellt (SpWa im
Sinne von K. BRUNNACKER 1957).
Diese feinkörnige Zwischenschicht wurde auch auf Blatt Ismaning in
der Kiesgrube an der Straßenabbiegung, welche nördlich Ismaning nach
Garthing führt, gefunden. Hier war es jedoch nicht möglich, in den san-
digeren Partien, 1,2-1,5 m unter der Oberfläche, mehr als Fragmente
von Molluskenschalen zu finden. Hingegen erbrachte die Schlämmung
einer Schluffprobe aus dem gleichen Horizont zahlreiche Gehäuse von
Succinea oblonga, die z.T. die von R. ScHRöoEu (1915) betonten Merk-
male der var. elongata zeigen.
Bei der Kartierung im Bereich der Fischerhäuser wurde eine sehr
undeutlich ausgeprägte Terrassenkante mit Verlauf unmittelbar östlich
der Straße Ismaning-Erching zwischen 1 km nördlich Straßenabzweigung
68
nach Garching und P. 476,6 nördlich der Fischerhäuser gefunden. Obwohl
die Altstadt-Stufe östlich davon die für sie typische Zersatzzone an der
Schotteroberkante und darüber eine flache Flußmergelauilage zeigt (vgl.
K. BRUNNACKER 1959), die dem hier umschriebenen Bereich Fehlt, wurde
auf eine eigene Kartierung dieser Fläche mangels konkreter Hinweise
verzichtet. Möglicherweise liegt hier ein Unterglied innerhalb der Alt-
stadt-stufe vor, oder sogar die als Garhing-Stufe ausgeschiedene nächst-
jüngere Ablagerung, die sich westlich der Isar an die äußerc: und innere
Altstadt-Stufe isarwärts anlagert.
69
1. Fluviatile Bildungen
Entlang dem Lauf der Isar geht die in der Zeit der Altstadt- und
Garthing-Stufe eingeleitete Entwicklung weiter. Die allgemeine Neigung
zur Tieferlegung der Talsohle wird nämlich durch Phasenhaft auftretende
Erosionsperioden im Oberlauf des Flusses, d.h. bei München und süd-
lich davon, und schwemmkegelartige Akkumulationen als Gegenstück
dazu etwas weiter talabwärts unterbrochen. Auf Blatt Freising Süd sind
im wesentlichen die schwemmkegelartigen Akkumulationen erhalten, auf
Blatt Ismaning treten die einzelnen Stufen hingegen bereits ineinander-
geschachtelt und damit durch mehr oder weniger deutliche Terrassen-
kanten voneinander getrennt auf.
70
schüttung, im Hangenden mit einer 20-30 cm dicken li’lul~mergel-Auf-
lage. Sie tritt beiderseits der Isar auf; z. T. ist sie noch mit Auewald
bestanden.
(e) A u w a 1 d - S t u f e , Au, S f Au, $
Die Auwald-Stufe nimmt den Bereich beiderseits der Isar ein, der
vor der Regulierung noch deren Hochwasserbett bildete. Auch diese Stufe
besteht aus von flacher Flußmergelauflage überdeckten Schottern. Im
Süden des Blattes ist darin an der heutigen Isar noch eine kleine bis
1,5 m hohe Terrassenkante ausgebildet, die jüngste sandige Ablagerungen
der Isar davon abgrenzt. Im Norden des Kartenblattes liegen diese Sande
hingegen im Niveau der Auwald-Stufe. Damit wird westlich Ismaning
angedeutet, daß schon vor der Flußregulierung die ernellte Eintiefungs-
tendenz der Isar wieder wirksam geworden ist.
2. Subhydrische Bildungen
(HELMUT VIDAL~))
In weiter Verbreitung treten auf Blatt Ismaning als Folge von Quell-
austritten und hohem Grundwasserstand subhydrischo Bildungen als
Niedermoortorf und Alm sowie in deren Randgebieten als anmoorige
Eöden auf. Diese Bildungen gehören zum Erdinger Moos, das sich östlich
der Isar von etwa 3 km südlich des Speichersees (außerhalb des Karten-
blattes) in einer Länge von 33-35 km und in einer Breite von 6-10 km
bis nach Moosburg (außerhalb des Kartenblattes) erstreckt und mit ca.
250 km* das größte zusammenhängende ,,Moorgebiet“ Bayerns ist bzw.
war. Es ist seinerseits wieder nur ein Teil der ca. 420 km* großen Nieder-
moore, die sich am Nordrand der Münchener Schotterlläche längs der
Amper und beiderseits der Isar bis zum Südrand des Tertiiirhügellandes
hinziehen und auf Grund besonderer hydrogeologischer Verhältnisse hier
entstanden sind.
Vom würmeiszeitlichen Endmoränengürtel südlich von München er-
streckt sich ein riesiger, nach Norden flach geneigter Sthwemmkegel
(Sander) aus überwiegend fluvioglazialen und fluviatilen Schottern (Mün-
chener Schotterfläche) bis an das Tertiärhügelland. Die ‘IJnterlage dieses
aus verschieden alten hochglazialen, spätglazialen und holozänen Ablage-
rungen bestehenden Schotterpaketes bildet der jungtertiäre Flinz, stark
glimmerhaltige, schluffige Feinsande und hier vor allem Mergel der
oberen Süßwassermalasse, die sehr wasserundurchlässig sind. Sie bilden
die wasserstauende Grundwassersohle und leiten den in breiter Front
71
von Süden kommenden Grundwasserstrom, der in den hangenden porösen
Schottern langsam fließt, nach Nordosten ab. Dort wo die Schotterflächen
und einzelnen -Zungen über dem Flinz ausdünnen (wenig südlich des
Kartenblattes) tritt das Grundwasser flächig aus. Hier setzte die Bildung
der großen Grundwasser- und Quellmoore ein. Als erster hat der Ingol-
Städter Naturwissenschaftler FRANZ v. PAULA SCHRANK (1’786) diese Ent-
stehungsursache erkannt und das Erdinger Moos als sog. Quellstaumoor
beschrieben. Etwa fünfzig Jahre später hat der Münchner Professor der
Landwirtschaft L. ZIERL diese Auffassung durch genaue Grundwasser-
standsbeobachtungen unterbaut. Noch heute entspringen am Südrand des
Erdinger Mooses starke Quellen und haben viele kleinere und größere
Süd-nord-fließende natürliche und künstliche Wasserläufe (See-Bach,
Nudel-Graben, Goldach, Schwarzbach, Weiß-Bach, Dorfen und viele an-
dere) ihren Ursprung und fuhren das hier zu Tage tretende Grundwasser
zur Isar als Hauptvorfluter ab.
Die natürlichen hydrogeologischen Verhältnisse wurden nach dem
ersten Weltkrieg durch den Bau des Speichersees und Kanals der Mittlere
Isar AG. stark gestört. Der von Süden nach Norden verlaufende Grund-
wasserstrom wurde dadurch angeschnitten und wird zu einem großen
Teil oberflächlich abgeführt. Besonders dies, aber auch die frühere An-
lage künstlicher und die Vertiefung natürlicher Wasserläufe im Moor-
gebiet sowie die Eintiefung der Isar selbst haben zu einer flächigen Ab-
senkung des Grundwassers geführt, die nicht nur die weitere Moor-
bildung praktisch unterbindet, sondern auch zu tiefgreifenden Verände-
rungen der bestehenden Moorkörper geführt hat. Schon heute sind große
Flächen des Erdinger Mooses kein Moor im engeren Sinne mehr, sondern
Äcker und Grünland. Mit dieser Veränderung der hydrogeologischen Ver-
hältnisse begann im vorigen Jahrhundert eine intensive Kultivierungs-
tätigkeit, die erst jetzt ihrem Ende entgegengeht (0. DIENER 1931). Hand
in Hand damit ging eine nicht minder rege Gewinnung von Brenntorf,
besonders durch die Brauereien von München, Freising und Erding.
Das Liegende der Torf- und Almlager bilden, wie bereits erwähnt,
fluvioglaziale und fluviatile Sedimente quartären Alters, die sich als
riesiger Schwemmkegel mit einem sehr gleichmäßigen Oberflächengefälle
von 3,l VOO und mit relativ geringem Oberflächenrelief (s. Längsprofil
D-D’ auf Beilage 3) vom südlichen bis zum nördlichen Kartenrand er-
strecken und darüber hinausreichen. Als hochglaziale Bildungen sind da-
bei die würmeiszeitlichen Niederterrassenschotter besonders in der öst-
lichen Blatthälfte weit verbreitet und hier meist nur von einer dünnen
Anmoorhaut bedeckt. Weiter nach Westen zu legen sich über sie die
Torf- und Almlager in einer Mächtigkeit bis maximal 6m. An zwei
Stellen (bei Eicherloh und Eichenried) wird die Niederterrasse (bei Eichen-
ried auch noch der darüber liegende Torf) von zwei älteren Schotter-
vorkommen (rißeiszeitliche Hochterrassenschotter) in Form von flachen,
72
langgestreckten Hügeln inselartig durchragt. Häufig beobachtete Kalk-
krusten an den Geröllen des Niederterrassenschotters haben jedoch noch
zu keiner merklichen Verfestigung geführt. Besonders im Liegenden des
Torfes sind die Gerölle stellenweise stark korrodiert und in eine grau-
gelbliche, sandig-tonige Grundmasse #(Schotterzersatz) eingebettet.
östlich der Isar und zu dieser und dem Westrand der subhydrischen
Bodenbildungen parallel laufend liegen unter Torf jüngere Schotter
der Altstadt-Stufe, die altersmäßig in das Würm-Spätglazial zu stellen
sind (K. BRUNNACKER 1957) sowie stellenweise als Bildungen des Holozäns
Schotter der Pulling- und der noch jüngeren Lerchenfeldstufe (K. BRUNN-
ACKER 1962). Geröllpetrographisch sind diese Schotter durch einen ge-
ringeren Kristallinanteil gegenüber den Niederterrassenschottern aus-
gezeichnet.
Die damalige Bayerische Landesanstalt für Landkultur und Moor-
wirtschaft, heute Bayerische Landesanstalt für Bodenkultur, Pflanzenbau
und Pflanzenschutz, hat wie auch auf dem nördlich anschließenden Kar-
tenblatt Freising Süd (H. VIDAL SC E. HOHENSTATTIIR 195!)) die moorgeo-
logischen Spezialuntersuchungen durchgeführt und die von ihr seit Jahr-
zehnten in diesem Gebiet erarbeiteten Untersuchungsergebnisse durch
Neuaufnahmen ergänzt. Diese wurden vom Verfasser und seinen Mit-
arbeitern, Fräulein Dr. E. HOHENSTATTIXR und den Herren W. LAFORC~: und
W. MEINDL in den Jahren 1961/62 durchgeführt.
Um einen möglichst genauen Einblick in die stratigraphischen Ver-
hältnisse der in diesem Gebiet stark wechsellagernden Torf- und Alm-
ablagerungen und deren noch immer umstrittene Genese sowie über die
Beschaffenheit und Ausformung des mineralischen Untergrundes zu ge-
winnen, wurden die früher überwiegend nur mit der Peilstange vorge-
nommenen Sondierungen durch Bohrungen mit dem Kammerbohrer er-
gänzt und mit diesem von 50 zu 50 cm Tiefe gestörte I3odenproben zur
visuellen Ansprache im Gelände entnommen. Mikrobotanische und boden-
physikalische Spezialuntersuchungen im Laboratorium hat Fräulein Dr.
HOHBNSTATTER an diesen Proben von Fall zu Fall und besonders an un-
gestörten Proben, die mit Stahlstechzylindern aus Bodeneinschlägen ent-
nommen worden sind, durchgeführt. Insgesamt wurden 240 Bohrungen
niedergebracht, die auf drei W-E-verlaufenden Querprofilen (A-C) und
einem N-S-Längsprofil (D) liegen (Beilage 3 und Karte). Diese Profile
sind 100fach überhöht. Trotzdem war es nicht immer mijglich, alle strati-
graphischen Einzelheiten zeichnerisch darzustellen. Die Bohransatzpunkte
wurden nicht nur der Lage, sondern auch der Höhe nach eingemessen und
das Nivellement an das Landeshöhennetz angeschlossen. Dadurch wurde es
möglich, sehr genaue geologische, untereinander gut korrelierbare Profile
zu zeichnen. Diese Vermessungsarbeiten sowie die Zeichnung der hier
abgedruckten Profile haben die Herren W. LAPORCE und W. MEINDL selb-
ständig besorgt, wofür ich ihnen sowie Fräulein Dr. E. HOHENSTATTER
73
und Frau Dr. M. BRUNNACKER (Bestimmung von Mollusken) auch an dieser
Stelle für ihre wertvolle Mithilfe bestens danke.
Im folgenden werden nun die subhydrischen Bodenbildungen im ein-
zelnen beschrieben und die geologischen Profile besprochen,
74
Bei den Torfen handelt es sich um reine Niedermoortorfe (Carex-
Phragmites-Torfe von mittlerer bis starker Zersetzung), die im Ubcr-
gangsbereich zum Alm meist stärker mit diesem und Molluskenschalen
durchsetzt sind, Gelegentlich finden sich auch Holzreste im Torf und im
nördlichen Kartenbereich bis zu 2 m Dicke und nur wenige Quadratmeter
große Linsen von Eisenocker, der häufig auch in disperser Vorteilung im
Torf vorkommt. Die Mächtigkeit des Niedermoortorfes erreicht maximal
bis zu 2,5 m.
Pollenanalytische Untersuchungen aus dem Basistorf unter dem Alm
der Brennermühle - bearbeitet durch H. SCHMEIDL (in K. BRUNNACKER
1959) - zeigen, daß zumindest hier die Bildung des Basistorfes im aus-
gehenden Boreal, wahrscheinlich aber im frühen Atlanl ikum einsetzte.
Die Moorvorkommen mit größerer Torfmächtigkeit wurden besonders
früher in großem Umfang abgetorft und der Brenntorf zum Teil auf
einer eigenen Torfbahn nach Ismaning abtransportiert. Auch heute noch
wird gelegentlich Brenntorf gewonnen. Man muß also ursprünglich
größere Torfmächtigkeiten annehmen. Die abgetorften bzw. milweise ab-
getorften Flächen werden heute nach Entwässerung und Kultivierung als
Grün- und Ackerland genutzt, während die [Link] Moorflächen
meist noch Erlen-, Kiefern- und Birkenbestände tragen.
Ismaning 5,05 1,Ol 0,26 49,22 0,70 0,14 0,09 4,03 39,64
0 Ismaning 3,90 0,38 0,08 51,42 0,49 0,16 0.119 2,46 40,93
N Ismaning 1,48 0,36 0,29 51,03 0,81 0,32 0.07 4,66 41,25
(Kalktuff?)
75
nicht amorph entwickelt ist. Wesentlich feinkörniger als der Alm ist ein
diesem ähnliches Gestein, die Seekreide, ein typisch limnisches Sediment.
Neben dem feinkörnigen Almtyp finden sich auch etwas gröbere Kalk-
ausscheidungen, die überwiegend aus inkrustierten Pflanzenresten be-
stehen. Derartige Bildungen werden als ,,Tuffsand” und, wenn Schilf
überwiegt, als Schilf-Tuff (Phragmites-Tuff) bezeichnet. Dieser leitet zum
festen Kalktuff (Travertin) über, der im Kartenbereich aber nicht an-
getroffen worden ist.
Der Arten- und Individuenreichtum der Alm-Fauna ist je nach Alm-
typ sehr unterschiedlich und läßt auch gewisse genetische Rückschlüsse
auf die Almbildung zu. Eine sehr artenreiche Molluskenfauna des Alm
im Münchener Gebiet - so auch aus dem Kartengebiet-führt J. SCHWIND
(1930) wie auch R. SCHRÖDER (1915) an. Diese Fauna enthält Elemente von
Wasser-, Wald- und Wiesen- sowie Trockenrasenbiotopen. Die erwähn-
ten Mollusken genannter Aufsammlungen kommen im wesentlichen auch
heute noch im Münchener Gebiet vor. Ein völlig anderes Bild zeigt da-
gegen die Zusammensetzung der Molluskenfauna der typischen Almlager,
die im Zentrum des Erdinger Mooses liegen. Abgesehen von in Ober-
flächennähe vorkommenden Gehäusen einer Molluskenbesiedlung bei und
nach Trockenlegung des Alm finden sich hier nur Wassermollusken und
einzelne Arten der Naßwiesen (vgl. Tab. ‘7 in K. BRUNNACKEK 1959). Es
fehlen bzw. treten stark zurück die auf Gebüsch und Wald wie auf
Trockenrasen zeigenden Arten. Außerdem ist dieser typische Alm aus-
gesprochen arm an Mollusken und die Verarmung nimmt vom Liegenden
nach dem Hangenden zu. Eine ähnliche Feststellung konnte übrigens
bereits F. M~NICHSDORFER (1927) machen. Hingegen sind, wie schon
J. SCHWIND (1930) erwähnt, an Kontaktlagen von Torf zu Alm einzelne
Arten in dünnen Schillagen regelrecht angereichert. Im typischen Alm
häufen sich außerdem die Schalen mit Anzeichen von Kümmerwuchs
sowie von Jugendstadien.
Im Kalklager an der Brennermühle wurden folgende Molluskenarten
festgestellt (Bestimmung Dr. MARGRIT BRUNNACKER):
76
Armiger crista nautileus (DRAP.)
* Bithynia tentaculata (L.)
* Valvata piscinalis (0. F. MüIxR)
* Valvata piscinalis alpestris (Küsr~a)
* Pisidium sp.
Davon sind nur die mit * gekennzeichneten Arten im typischen Alm
vorhanden.
Die als Alm bezeichneten lockeren feinkörnigen Quellkalke liegen
meist als flache schildförmige Lager entweder direkt auf den Schottern
oder auf einer mehr oder weniger mächtigen Zwischenschaltung von
Niedermoortorf auf. Aus dem Gebiet östlich von Ismaning ziehen sie in
Form einer nach Nordnordosten ausgezogenen, z. T. etwas gelappten, etwa
3 km breiten Zunge in Richtung Brennermühle, wo sie mit 6 m ihre
größte Mächtigkeit erreichen. Von hier aus verlaufen sie westlich der
Moorzone bis an den nördlichen Kartenrand und setzen sich jenseits
auch auf dem Anschlußblatt Freising Süd fort. Auf c:inige inselartige
Almvorkommen innerhalb der Moorflächen und der Niederterrasse wurde
bereits hingewiesen. Daneben gibt es auch in Reliefdepressionen liegende
und von Torf bzw. Anmoor überdeckte Almlager und solche mit einiger-
maßen ebener Oberfläche (z. B. Querprofil 111, Beilage 3, zwischen B 1 und
B 23). Dabei handelt es sich aber wahrscheinlich nicht um typische Quell-
kalke, sondern um vom fließenden Wasser aufbereiteten und resedimen-
tierten oder breiartig verlagerten Alm (s. unten). Die Mächtigkeit des
Alm schwankt zwischen nur wenigen Dezimetern und mehr als 6 m.
Randlieh gehen die Almkörper in anmoorige Bodenbildungen oder auch
Niedermoortorf über. Es finden sich alle Obergänge vom reinen Alm i. e.S.
über schwach bis stark humosen Alm, almigen Torf bis zum reinen Torf.
Bemerkenswert ist ferner, daß auf dem Alm fast überall eine dünne
Deckschicht von Auemergel liegt. Diese wurde im einzelnen zumeist
nicht auskartiert und auch auf den Profilen nicht dargestellt, soweit ihre
Mächtigkeit 20 cm nicht übersteigt.
Um die deutlich aufgewölbte und die umliegenden Schotter um
mehrere Meter überragende Oberfläche der meisten Almkörper zu er-
klären, muß man für deren Genese lokale Quellaustritte annehmen, wo-
bei es sich um gespanntes Wasser gehandelt haben muß. Das bedeutet,
daß über den Schottern eine wasserundurchlässige Deckschicht vor-
handen gewesen sein mußte, die einem hydrostatischen Druck von min-
destens 0,6 atü zu widerstehen vermochte. Selbst dicht gelagerten Nieder-
moortorfen kann dies kaum zugemutet werden, zum;11 diese im Ver-
breitungsgebiet des Alm nur eine relativ geringe Mächtigkeit besitzen.
Vielleicht hat es sich um Grundwasseraufbrüche durch eine gefrorene
Deckschicht gehandelt. Aus dem Bereich des Dauerfrostbodens in Sibiren,
Alaska und Kanada sind ähnliche Erscheinungen bekannt. K. HUECK (um
1930, S. 95) erwähnt uhrglasförmige Quellmoore am Rande der Romin-
tener HeideiOstpreußen mit einer Kuppelhöhe von 10 m und einem
77
Durchmesser von mehr als 200 m. Recht anschaulich treten die Lage-
rungsverhältnisse derartiger Quellmoore auf einigen dort abgedruckten
geologischen Profilen von Hsss VON WICHDORI:F & RANGE aus ostpreußi-
schen Quellmoorgebieten hervor und lassen eine gewisse Ähnlichkeit mit
den Vorkommen im Erdinger Moos erkennen. Nach HUECK bestehen diese
Quellmoore aus einer Wechsellagerung von erdigen Kalktuffbänken und
mehr oder weniger kalkreichen Niedermaortorfen. Der Kalkgehalt der
Tuffbänke kann über 70 O/o betragen, Die Kalktuffe sind dort reich an
Land- und Süßwassermollusken, die zuweilen lagenweise in großer In-
dividuenzahl auftreten. Neben den Kalkabscheidungen sind auch sehr
häuflg braun und rot gefärbte Eisenockerbildungen von wechselnder
Mächtigkeit beschrieben.
Von den Quellaufbrüchen floß das Wasser dem natürlichen Gefälle
folgend nach Nordnordosten ab und hat dabei sicher die Torfoberfläche
erodiert (z.B. Querprofil 111, Beilage 3) aber auch im Alm selbst Erosion
hervorgerufen, Dieser vom Wasser umgelagerte und auf sekundärer
Lagerstätte talabwärts resedimentierte Alm hat vermutlich zusammen
mit breiartigem Almmaterial, das infolge Wasserübersättigung von den
aufgewölbten Quellkuppen seitwärts und vor allem talabwärts abfloß, zu
einem Fortschreiten der Almablagerung nach Nordnordosten geführt.
Dies erklärt auch die in Fließrichtung langgestreckte, zungen-, z. T. fächer-
artige Form der Almkörper (s. Längsprofil, Beilage 3).
Wir müssen also zwischen dem typischen, in Form des Quellkalkes
in situ abgelagerten Alm im Bereich der Quellkuppen und dem breiartig
von diesen abgeflossenen bzw. dem durch abfließendes Wasser erodierten
und auf sekundärer Lagerstätte resedimentierten Almmaterial unter-
scheiden. Diese Unterscheidung ist im Gelände petrographisch kaum
oder nur schwer möglich. Sie läßt sich aber vermutlich an Hand der
Faunenverteilung biologisch (s. oben) ermöglichen.
78
Querprofil 1
(Profil A-A’ auf der Beilage 3)
Dieses südlichste Querprofil beginnt am östlichen [Link] von Is-
maning und folgt von da aus der Straße nach Osten über den Goldach-
hof bis zur Goldach auf eine Länge von 4,5 km. Wie auch die geologische
Karte zeigt, quert dieses Profll die hier besonders breite Almzone und
verläuft nur östlich des Goldachhofes auf etwa 0,5 km über ein gering-
mächtiges Moorvorkommen, das östlich der Goldach in einer nur zwei
bis drei Dezimeter dicken Anmoorauflage über Niederterrassenschottern
ausklingt.
Wie das Profil erkennen läßt, erstreckt sich der Nied(.!rmoortorfhori-
zont mit zunehmender Mächtigkeit etwa zwei Kilometer vom Goldach-
hof unter dem hangenden Alm nach Westen. Seine maximale Mächtig-
keit liegt bei zwei Meter, im Mittel bei etwa einem Meter. Es handelt
sich um ziemlich stark zersetzte, dicht gelagerte und nicht sehr nasse
Niedermoortorfe (Carex-Phragmites-Torfe), die auf dem Niccklrterrassen-
Schotter aufliegen, dessen Oberfläche auf diesem Profilstück ein etwas
stärker welliges Relief besitzt. Dies kann seine Ursache primär in einer
ungleichmäßigen Schüttung der Schotter, aber auch in einer späteren
Erosion der Schotteroberfläche durch Süd-Nord-verlaufcxlde Wasser-
läufe haben. Auch die Torfoberfläche prägt dieses Untergrundrelief ab.
Es ist aber auch möglich, daß gewisse Erosionserscheinungen vor und
während der Ablagerung des Alm zur Erosion des Torfes beigetragen
haben.
Das Querprofil schneidet zwei Almkörper, wovon der westliche sich
vom östlichen Ortsrand Ismaning etwa 1,5 km nach Osten erstreckt,
während der östliche etwa vom Tränk-Graben bis zum Goldachhof
reicht. Dieser weiter oben bereits erwähnte Almkörper liegt längs des
Querprofils auf Torf. Seine Oberfläche besitzt im Querschnitt eine schild-
förmige Aufwölbung von maximal drei Meter über der Torfoberkante
bzw. über dem umliegenden Gelände. Der Almkörper hat durch seine
Auflast sicher zu einer Verdichtung des liegenden Torfes geführt. Das
westliche Almvorkommen liegt unmittelbar auf den Schottern, hier ver-
mutlich bereits Schotter der Altstadt-Stufe, deren Terrassenkante sich
wahrscheinlich wenig westlich von B 26 befindet. Dieser Almkörper be-
sitzt ebenfalls eine deutliche Aufwölbung von maximal drei Meter über
der Schotteroberkante. Bei B 39 scheint unter dem Alm eine weitere
Terrassenkante zu liegen. Die Ausdehnung dieser gro[$en Almkörper
prägt sich trotz ihrer relativ geringen Aufwölbung auch im Verlauf der
Höhenlinien auf der topographischen Karte deutlich ab. Es ist zu er-
kennen, daß sich die Almkörper ähnlich wie Gletscherzungen teils mehr
fächerartig (westliche Almlinse), teils mehr zungenförmig (östliche Alm-
linse) von Süden gegen Norden erstrecken. Unmittelbar südlich des Quer-
79
proflls 1 hängen beide Zungen noch zusammen und setzen sich als ge-
schlossener Almkörper bis über den Speichersee hinweg nach Süden
fort. Die westliche keilt etwa 1 km nördlich des Querprofils über den
Schottern der Altstadtstufe aus, während sich die östliche, an Breite und
Mächtigkeit zunehmend, nach Norden bis an den Kartenrand und dar-
über hinaus erstreckt (s. Längsprolll, Beilage 3) und auch von den Quer-
profilen 11 (B-B’) und 111 (C-C’) noch erfaßt wird.
Querprofil 11
(Profil B-B’ auf der Beilage 3)
Das Querprofil 11 verläuft etwa 4 km nördlich des Querprofils 1 (A-A’).
Es beginnt im Westen etwa 1,5 km nordöstlich der Ortschaft Fischerhäuser
und folgt der Straße von Fischerhäuser nach Freieneck. Von hier aus
verläuft es 4,3 km über Brennermühle genau nach Osten und biegt dann
schwach nach Ostnordosten ab, um an der Kiesgrube 1,2 km westlich
Moosinning zu enden.
Die Oberkante der Schotter zeigt längs des Profils mit Ausnahme
bei B 1405 keine größeren Niveauunterschiede. Hier läßt ein im Ge-
lände nicht erkennbarer Sprung von etwa 2 m eine verdeckte Terrassen-
kante (Niederterrassenschotter gegen Schotter der Altstadtstufe) ver-
muten. östlich davon bis etwa B 4 liegt eine relativ breite, flache Ab-
flußrinne, deren Verlauf nach Nordnordost auch auf den anderen Quer-
profilen verfolgt werden kann. Zwischen den Bohrungen 4 und 24 bzw.
34 und 40 wurden über den Schottern geringmächtige sandige Tone (Aue-
lehm) sedimentiert. Der etwas mächtigere Horizont beiderseits der Gold-
ach dürfte von dieser herrühren.
Auf etwa Zweidrittel ProAllänge, von B 19 im Westen bis B 40 an
der Gfällach, liegen über dem mineralischen Untergrund Niedermoortorfe
(Carez-Phrag&tes-Torfe) in wechselnder Mächtigkiet. Aber nur zwi-
schen B 33 und 44 stehen diese an der Oberfläche an, die hier leicht auf-
gewölbt ist. Die Torfe sind meist stark zersetzt und stellenweise be-
sonders im Grenzbereich Alm-Torf und beiderseits der Goldach stärker
mit Alm durchsetzt. Zwischen B 1 und 34 ist die Torfoberfläche uneben
- ob durch Erosionsvorgänge oder primär bedingte Mächtigkeitsunter-
schiede hervorgerufen - läßt sich nicht beurteilen; wahrscheinlich dürf-
ten erstere aber eine gewisse Rolle gespielt haben.
Vom westlichen Profilende bis zu B 34 liegt über dem Torf Alm in
wechselnder Mächtigkeit, der maximal etwas über 5 m erreicht, sich aber
an der Goldach ganz unvermittelt auf nur wenige Dezimeter reduziert,
um östlich der Goldach in zwei kleineren Almlinsen nochmals etwas
größere Mächtigkeiten zu erreichen. Wahrscheinlich ist diese plötzliche
Mächtigkeitsreduktion durch die Goldach und deren erosive Wirkung
bzw. die rasche Ableitung der an gelöstem kohlensauren Kalk reichen
80
Wässer verursacht, Die zwischen B 4 und 5 vorhandene Eintiefung der
Oberfläche des Almkörpers ist durch menschliche Eingriffe bedingt, da
hier früher für ein Kalkwerk, der Name ,,Brennermühle” deutet darauf
hin, der Alm gegraben und zu Brand- und Düngekalk verarbeitet worden
ist.
östlich der Gfällach zwischen B 44 und 45 sind die Niederterrassen-
schotter nur von einer dünnen Anmoorauflage überdeckt. Weiter nach
Osten senkt sich die Schotteroberkannte ab. Zwischen B 45 und 54 liegt
eine geringmächtige Alm-Kuppe über den Schottern.
Auf diesem Querprofil wurden aus Bohrung 32 ungestörte Boden-
proben entnommen und mikrobotanisch genauer untersucht. Im folgenden
wird eine Beschreibung dieses Alm-Torf-Profils gegeben.
6 81
Tabelle 8
Bodeneinschlag bei Bohrpunkt 32 (Blatt Ismaning)
n
-E
Tiefe rn r, SDez. Gew. w W?3 WV vt Vmin. vorg. ASClE PH
in cm kg/&? kg/dmJ kg/dmJ (VD) (Q!‘o) wo (VD) Ld (Oh) (“lo) (5’0) (waf) vo (KW
35- 40 1,093 0,650 2,36 681 40,5 44,3 72,45 2,63 27,55 21,9 5,7 89,216 -
70- 75 1,105 0,587 2,35 882 46,9 51,8 75,oo 3,oo 25,OO 19,2 538 85,976 -
75- 80 0,972 0,249 1,92 290 74,4 72,3 87,04 6,71 12,96 5,3 7,7 56,884 7,35
90- 95 0,994 0,291 1,93 242 70,7 70,3 84,93 5,63 15,07 731 8,O 64,374 7,65
100-105 1,039 0,339 1,98 206 67,4 70,o 82,88 4,84 17,12 979 7,2 77,318 7,55
105-110 1,009 0,261 1,94 287 74,l 74,8 86,55 6,43 13,45 570 835 50,384 7,55
115-120 1,045 0,281 1,97 272 73,l 76,4 85,74 6,Ol 14,26 6’3 8,3 57,056 7,61
125-130 0,972 0,153 1,45 535 84,2 81,9 89,45 8,47 10,55 035 10,o 9,272 7,25
145-150 1,015 0,166 1,50 512 83,6 84,9 88,94 8,04 11,06 o,g 10,2 14,548 6,55
155-160 1,027 0,222 1,61 380 78,4 80,5 86,21 6,25 13,79 333 10,5 38,964 6,53
165-170 1,223 0,488 2,21 151 60,l 73,5 77,92 3,53 22,08 13,6 8,5 73,890 6,62 z
Der Wassergehalt in Gewichtsprozenten (w,) ist das Verhältnis des
Wassergewichtes zum Gesamtgewicht des natürlichen Bodens.
Der Wassergehalt in Volumprozenten (w,) ist das prozentuale Ver-
hältnis des Wasservolumens zum Gesamtvolumen des natürlichen Bodens.
Das Gesamtporenvolumen (n) ist das im Boden vorhandene, teils mit
Wasser, teils mit Luft erfüllte Porenvolumen in Prozent des Gesamt-
bodenvolumens.
Die Porenziffer F ist das Porenvolumen in Prozent des Volumens der
völlig porenfreien Bodenfestsubstanz.
Das Substanz-Volumen (V,) (Volumen der Trockenmasse der Boden-
probe) vermittelt einen Einblick in die Raumerfüllung eines bestimmten
Bodenvolumens durch die Festsubstanz und ist damit ein Maßstab für
seine Lagerungsdichte (Ld).
Das Mineralsubstanz-Volumen (Vmin.) gibt den prozentualen Volu-
menanteil der Mineralstoffe am Gesamtbodenvolumen wieder.
Das Volumen der Organ. Substanz (Vorg.) stellt den der organischen
Substanz entsm-echenden Volumenanteil dar.
Die Asche- (wasserfrei) bezeichnet den bei einer Temperatur von
775’ C & 25’ C erhaltenen Verbrennungsrückstand in Gewichtsprozent der
wasserfreien Bodensubstanz.
Der PH-Wert (KCl) zeigt, ob der Boden sauer, neutral oder alkalisch
reagiert.
Der Humifizierungsgrad (H) nach v. POST ist ein Ma13 für den Abbau
der Pflanzensubstanz von der zunächst noch faserigen Struktur zur
immer stärker amorphen Form der Humuskolloide. H 0 bedeutet unzer-
setzte, H 10 vollkommen zersetzte (humiflzierte) Pflanzensubstanz.
Querprofil 111
(Profll C-C’ auf der Beilage 3)
6 d 83
Oberfläche ansteht. Zwischen B 1 und 22 liegen Anmoorbildungen (mehr
oder weniger stark almige Niedermoortorfe und humose Auelehme) über
einem Almhorizont bzw. dem mineralischen Untergrund. Zwischen B 22
und 39 ist die ursprüngliche Mächtigkeit des Torfes durch Abtorfung
reduziert und die von diesem gebildete Geländeoberfläche uneben. Wäh-
rend dies anthropogen bedingt ist, lassen sich die Reliefunterschiede der
Torfoberkante zwischen B 39 und 52 (unter der Almlinse) nur durch
erosive Vorgänge erklären. Wahrscheinlich haben ehemalige Wasserläufe
vor und bei Bildung des Alms die ursprünglich freie Mooroberfläche
erodiert.
Auch dieses Profil schneidet zwei Almkörper. Der westliche besitzt
nur geringe Mächtigkeit und liegt teilweise auf Niedermoortorf, teilweise
auf Schottern. Er tritt aber nirgendwo unmittelbar zu Tage, sondern ist
auf seiner ganzen Erstreckung von mit Alm durchsetzten Anmoorbildun-
gen und humosem Auelehm überdeckt. Der östliche Almkörper besitzt
größere Mächtigkeiten, maximal 4 Meter, und eine schildförmig auf-
gewölbte Oberfläche, die sich auch durch den Verlauf der Höhenlinien
auf der Karte deutlich abprägt. In Nord-Süd-Richtung ist er zungen-
förmig gestreckt. Es handelt sich hierbei um eine größere, auf der Nie-
derterrasse aufsitzende Alminsel.
Auf diesem Querprofil wurden aus Bohrung 39 ungestörte Boden-
proben entnommen und mikrobotanisch und bodenphysikalisch unter-
sucht.
84
Tabelle 9
Bodeneinschlag bei Bohrpunkt 39 (Blatt Ismaning)
5- 10 0,849 0;304 1,68 179 64,2 54,5 81,90 4,52 18,lO 3,3 14,8 28,650
15- 20 1,160 0,558 2,21 108 52;0 60,3 74,76 2,96 25,24 15,6 W 74,180
25- 30 0,865 0,239 1,87 262 72,5 62,7 87,22 6,82 12,78 4,5 833 49,848
35- 40 0,918 0,261 2,04 252 71,6 65,7 87,21 6,82 12,79 5,3 7,5 54,111
45- 50 1,003 0,214 1,80 368 78,6 78,9 88,lO 7,30 11,90 3,7 82 45,612
55- 60 1,084 0,297 2,07 265 72,6 78,7 85,65 5,96 14,35 W 6,4 71,334
65- 70 1,072 0>255 2,04 320 76,2 81,7 87,50 7,oo 12,50 5,7 68 59,404
75- 80 1,043 0,188 1,73 455 82:O 85,5 89,14 8,25 10,86 2,7 831 38,538
85- 90 1,002 0,130 1,49 670 87,0 87,2 91,28 10,46 8,72 0,5 W 9,768
95-100 0,981 0,126 1,51 678 87,l 85,5 91,66 10,98 8,34 0,5 7,9 9,920
105-110 1,055 0,189 1,83 460 82.5 86,6 89,68 8,69 10,32 3,O 7,4 41,638
li5-12ij 100 c:.: :ü 1,54 815 89,l 89,c1 09 *c
.,Iy?"" l?xl
*..,u.. 7,14 0;5 6:6 12:846
> 6
125-130 1,007 ü,ü97 1,46 938 90,4 91,o 93,36 14,05 6,64 02 6,4 5;858
135-140 1,001 0,103 1.49 872 89,7 89,s 93,09 13,47 6,91 0,3 66 7,004
145-150 1,009 0.103 1,55 879 89,8 90,6 93,36 14,05 6,64 W ‘51 14,726
s 155-160 1,238 0,473 2,27 162 61,8 76,5 79,18 3,80 20,82 12,8 830 71,846
Längsprofil
(Profil D-D’ auf der Beilage 3)
Das etwa 8 km lange Längs-(Nord/Süd)-Profil beginnt im Süden am
Dammfuß des Speichersees etwa 1,8 km westlich des den See teilenden
Dammes, verläuft von dort nach Norden zur Goldach, folgt dieser etwa
250 m, knickt ab und läuft über den Höhenpunkt 485,2 auf die Straßen-
gabelung bei Freieneck zu, von hier, die Straße kreuzend, über die
Straßengabelung bei Zengermoos, dem Feldweg entlang über die Höhen-
punkte 468,8 und 466,9 direkt nach Norden bis zum Kartenrand. Es be-
rührt bzw. schneidet die drei Querprofile.
Dieses Profil zeigt sehr gut den Verlauf der fast ebenen Schotter-
oberkante, die mit 3,l O/OOvon Süden nach Norden absinkt. Uber den
Schottern ist es mit Ausnahme des südlichsten Profilkilometers, wo diese
zu Tage treten, und zwischen B 34 und 37 auf der gesamten Profillänge
zur Moorbildung gekommen, die aber nur südlich und nördlich des Alm-
körpers größere Mächtigkeit erreicht. Nur zwischen B 12 und 20 bzw.
B 62 und ‘76 stehen die Niedermoortorfe an der Geländeoberfläche an.
Sonst bilden sie in meist nur geringer Mächtigkeit das Liegende von
zwei getrennten Almkörpern.
Der südliche Almkörper beginnt 2 km nördlich des Speichersees und
erstreckt sich auf 2,8 km Länge unter Zunahme der Mächtigkeit von zwei
Meter im Süden, auf vier Meter im Norden, Bei Freieneck findet ganz
unvermittelt eine Mächtigkeitsreduktion auf nur etwa einen Meter statt.
Auf weitere 1,8 km legt sich dieser Almkörper mit abnehmender Dicke
über den Niedermoortorf, um bei B 20 aufzuhören. Auf etwa 900 Meter
tritt dieser zu Tage und erreicht hier seine größte Mächtigkeit von zwei
Meter. Bei B 12 erfährt er eine starke Mächtigkeitsreduktion und wird
erneut auf einen Kilometer von einem etwa einen Meter mächtigen Alm-
körper überlagert, der in seiner südlichen Hälfte eine etwa 3-4 Dezi-
meter starke Anmoordecke trägt.
Auf der südlichen Profilhälfte besitzen die Moor- und Almbildungen
ein etwas geringeres Oberflächengefälle (1,8 O/oo) als die Schotterober-
kante. Auf der nördlichen Profilhälfte laufen diese und die Geländeober-
fläche ungefähr parallel.
86
(a) Abschlämm-Massen, ,L,u
Abschlämm-Massen wurden in den flachen Tälchen des Altmoränen-
gebietes ausgeschieden. Flache Schwemmkegel, bestehend aus solchen
Abschlämm-Massen, leiten in den Bereich der Münchener Schotterfläche
über. Bohrungen zufolge liegt die Mächtigkeit dieser jüngsten Ablage-
rungen zwischen rd. 1 und 2 m. Da diese Sedimente aus entkalkten
Böden hervorgegangen sind und die Möglichkeit für Beimischung kalki-
ger Komponenten kaum bestanden hat, sind diese Ablagerungen zumeist
kalkfrei bzw. nur schwach kalkhaltig.
4. Künstliche Aufschüttungen
Als künstliche Aufschüttungen wurden die Dämme des Speichersees
auf der Karte eingetragen, soweit dies bei deren geringer Breite sinnvoll
war. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang außerdem die Ufer-
bebauung der Isar, die derzeit einer Kartierung des Tertiäraustrittes
entlang dem Flußlauf so sehr im Wege steht.
D. Lagerungsverhältnisse (Tektonik)
Für die Lagerungsverhältnisse des tieferen Molasseuntergrundes er-
geben sich aus der Kartierung des Blattes Ismaning keine neuen Ge-
sichtspunkte. Insgesamt liegt dieser Raum im Bereich der sog. Vorlands-
molasse, d.h. in einem während des Tertiärs in Absenkung begriffenen
Gebiet zwischen dem Alpenrand und einer durch die heutige schwäbisch-
fränkische Alb und den Bayerischen Wald gegebenen nördlichen Be-
grenzung.
E. Geophysikalische Untersuchungen
Reflexionsseismische Messungen, die nicht veröffentlicht sind, haben
zum Ansatz mehrerer Untersuchungsbohrungen durch die Deutsche
Erdöl-Aktiengesellschaft im südöstlichen Kartenbereich geführt (s. Abb. 1).
F. Hydrogeologische Verhältnisse
Die Abflußverhältnisse entlang der Isar wurden bereits in den Er-
läuterungen zu Freising Süd unter Einschluß des Blattes Ismaning
behandelt. Im Bereich der Münchener Schotterfläche östlich der Isar liegt
hingegen folgende Situation vor:
Wie schon auf S. 71 dargelegt, zieht in den jungquartären Schottern
über dem wasserstauenden Flinzuntergrund ein Grundwasserstrom nach
Norden. Da die Mächtigkeit dieser Schotter nach dorthin abnimmt, nähert
sich der Grundwasserspiegel zunehmend der Erdoberfläche. Hinsichtlich
der Einzelheiten dieser Annäherung des Grundwasserspiegels an die
Erdoberfläche sei auf die Karte von H. TILLMANN (1953) verwiesen. Dort,
wo heute das Erdinger Moos liegt, trat dieses Grundwasser im Holozän
an zahlreichen Stellen an die Oberfläche und gab Anlaß zur Bildung von
Niedermoortorf und schließlich auch von Alm.
Die Neigung der Isar zur Eintiefung führte im Verlauf des jüngeren
Postglazials jedoch dazu, daß ein Teil des genannten Grundwasserstromes
seitlich nach Westen unmittelbar zur Isar abzuziehen vermochte. Die
Bildung des südlichsten Bereichs des Erdinger Mooses kam damit zum
Abschluß. Diese natürliche Grundwasserabsenkung wurde im Bereich
des Blattes Ismaning noch durch die Anlage des sog. Abfanggrabens (auf
Blatt München-Trudering) und durch andere Maßnahmen verstärkt.
Dennoch finden sich im Kartenbereich einige größere Quellaustritte,
von denen die Gfällach 1 km nordöstlich Eicherloh mit rezenter Kalk-
bildung genannt sei.
88
G. Nutzbare Ablagerungen
Bei der derzeitigen wirtschaftlichen Situation ist der Abbau von Torf
in größerem Umfang, wie er früher im Erdinger Moos durch die
Brauereien von München, Freising und Erding in großem Umfang
betrieben worden ist, bedeutungslos. Das gleiche gilt für den Alm, der
an der Brennermühle zeitweilig als Düngekalk abgebaut wurde. Auch
die Schotter der Hochterrasse, die bei Ismaning gewonnen wurden, wer-
den heute nicht mehr verwendet. Hochterrassenschotter wird nur noch
für örtlichen Bedarf in kleinen Kiesgruben bei Eicherloh und Eichenried
abgebaut. Damit bleiben als nutzbare Ablagerungen nur noch der Löß
und Lehm sowie die jungen Schotter der Niederterrasse ,und der jünge-
ren Stufen entlang der Isar übrig. Der Löß und die ihn unterlagernde
lehmige Fließerde werden auf der Hochterrasse südlich Ismaning in
zahlreichen Gruben für Ziegeleizwecke abgebaut. Hingegen fehlen grö-
ßere Kiesgruben auch im Bereich der jungen Schotterfliichen, weil hier
das Grundwasser sehr nahe unter der Oberfläche liegt, was besondere
Fördereinrichtungen erforderlich macht. Für lokale Zwecke sind hin-
gegen zahlreiche kleine Kiesgruben vorhanden. Aber auch sie werden
zunehmend aufgelassen zugunsten der großen Gewinnungsanlagen vor
allem südlich des Kartenblattes.
H. Die Böden
Die Böden des Kartenblattes Ismaning zeigen im grollen und ganzen
die gleiche Ausbildung, wie sie schon für den Bereich der Bodenkarte
Freising Süd (K. BRUNNACKER 1960) beschrieben wurden. Die aus Löß und
Lößlehm hervorgegangenen Böden entsprechen außerdem weitgehend den
aus gleichem Substrat hervorgegangenen Bildungen der Bodenkarte Frei-
sing Nord (K. BRUNNACKBR 1963).
Demnach treten im Bereich des Sandlösses, Lösses und Lößlehms als
postglaziale Böden Parabraunerden auf. Zumeist sind diese Böden, vor
allem die aus Lößlehm, pseudovergleyt. Insgesamt ist hier diese Pseudo-
vergleyung schon etwas stärker ausgeprägt als auf Blatt Frcising Nord.
Neben primärer relativ dichter Lagerung des Ausgangssubstrates darf
man dem hier schon recht feuchten Klima des Alpenvorlandes (bis
850 mm Niederschlag pro Jahr) die Ursache dafür zuschreiben.
Infolge der landwirtschaftlichen Nutzung haben diese Parabraunerden
inzwischen jedoch beträchtliche Veränderungen erfahren. Deshalb sind
sie in hängigen Lagen auch mehr oder weniger erodiert. Hier treten
zumeist erodierte Parabraunerden und, bei kalkigem Ausgangsmaterial,
Pararendzinen auf. Allgemein haben diese Parabraunerden und erodier-
ten Parabraunerden außerdem im Zuge der Ackernutzung gewisse Um-
wandlungen erfahren, so daß diese landwirtschaftlich genutzten Typen
89
als Ackerbraunerden bezeichnet werden. Während nämlich bei der typi-
schen Parabraunerde der durch Tonverarmung gekennzeichnete A-Hori-
zont und der durch Tonanreicherung ausgezeichnete B-Horizont durch
Färbung, Struktur, Schlämmungsmerkmale und dgl. klar erkennbar und
deutlich voneinander abgesetzt sind, hat bei der Ackerbraunerde vor
allem infolge biologischer Vorgänge eine Regression in Form einer
Durchmischung und Aufarbeitung der einzelnen Horizonte stattgefunden.
Die Merkmale der typischen Braunerde treten damit hier in den Vorder-
grund.
Die aus den Schottern der Niederterrasse entstandenen Böden südlich
des Kartengebietes sind ebenfalls als Parabraunerden mittlerer Entwick-
lungstiefe ausgebildet. Im Kartenbereich selbst fehlt diese Ausbildung;
denn hier lag ursprünglich der Grundwasserspiegel auch in den heute
völlig trockenen Bereichen der Landoberfläche zu nahe, um eine solche
Bodenentwicklung zu begünstigen, Heute treten Rendzinen auf, die gegen
das Erdinger Moos hin in kalkhaltigen Anmoorgley übergehen.
Die spät- bis postglazialen Flußablagerungen entlang der Isar tragen
flachgründige Pararendzinen und Rendzinen, deren Entwicklungsgrad in
Abhängigkeit zum Alter der jeweiligen Terrassenfläche steht. Die ur-
sprüngliche Bodenausbildung ist jedoch auch in diesen Bereichen durch
die Ackernutzung etwas verändert; denn durch die Pflugarbeit wird aus
dem in geringer Tiefe liegenden kalkreichen Ausgangs- bzw. Unter-
grundmaterial laufend Kalk nach oben befördert und somit eine zusätz-
liche Aufkalkung erreicht. Auch auf den Almkuppen liegt heute zumeist
eine Rendzina bzw. bei mächtigerer Eindeckung mit Auemergel eine
Pararendzina.
Paternien, d. h. noch wenig entwickelte Böden des Auebereiches, kom-
men auf den jüngsten Isarablagerungen vor, und zwar auf der Dichtl-
sowie der Auwald-Stufe.
Die Böden des Erdinger Mooses bestehen in Randgebieten aus An-
moorgley, der vor allem im Grenzbereich zur Niederterrasse und zum
Alm hin vorkommt. Ansonsten findet sich hier Niedermoor, das basen-
reich oder bei Wechsel mit Alm einen gewissen Kalkgehalt aufzuweisen
vermag. Soweit dieses Niedermoor trockengelegt ist und ackerbaulich
genutzt wird, zeigt es eine gewisse Neigung zum Pufilgwerden, d. h. die
koloidalen Eigenschaften des Torfes sind in Oberflächennähe im Schwin-
den. Dies wirkt sich in der schlechten Benetzbarkeit der einzelnen
Humusteilchen durch Wasser und in der Neigung zur Auswehung aus.
Insgesamt kommen also auf Blatt Ismaning vorwiegend flach- bis
mittelgründige, zumeist kalkhaltige bis kalkreiche Böden aus Schotter
und Flußmergeln vor. Bodenartlieh überwiegt lehmiges Material.
Die Bodenerosion beschränkt sich auf Abspülvorgänge im Bereich der
Altmoräne. Die Auswehung von puffigem Niedermoor durch Wind hat
jedoch nicht die große Bedeutung wie auf Blatt Freising Süd.
90
1. Der Baugrund
Hinsichtlich der Standfestigkeit des Untergrundes für Bauzwecke
stehen sich auf Blatt Ismaning zwei grundsätzlich verschiedene Gegeben-
heiten gegenüber. Während die Schotter- und Moränenablagerungen ein-
schließlich ihrer Deckschicht aus äolischen Sedimenten durch verhältnis-
mäßig hohe Belastungsmöglichkeiten gekennzeichnet sind, sind die
holozänen aquatischen Bildungen des Erdinger Mooses nicht bzw. nur
wenig standfest.
Bei den Schottern ist hinsichtlich Baugründung auf das Vorkommen
alter in der Zwischenzeit wieder verfüllter Kiesgruben zu achten. Außer-
dem ist die Möglichkeit kleinerer Rutschurigen im Altmor5ncngebiet dort
nicht ganz ausgeschlossen, wo das schluffige Staubeckensediment in
Hanglagen ausstreicht.
Die Bildungen des Erdinger Mooses sind als Baugrund nicht oder nur
höchst bedingt geeignet. Während der Alm vor allen1 dort, wo eine
unterlagernde Torfschicht fehlt, möglicherweise noch geringe Belastungen
verträgt, ist der Torf dafür von vornherein völlig ungeeignet. In jedem
Falle empfiehlt es sich, im Bereich des Erdinger Mooses bei Baugrün-
dungen den unterlagernden Schotter als Basis zu nehmen oder zumindest
durch entsprechende bodenmechanische Untersuchungen die technischen
Möglichkeiten zu klären.
Insgesamt kommt für das Kartengebiet als zweites Problem hinsicht-
lich des Baugrundes der vielfach hohe, z.T. bis fast an die Oberfläche
reichende Grundwasserspiegel hinzu.
91
grube. Da hier der Kiesabbau nicht mehr sonderlich lebhaft umgeht, sind
die Aufschlußverhältnisse etwas besser; die beiden interglazialen Schluff-
horizonte müssen jedoch jeweils etwas freigeschürft werden, wenn man
sich nicht mit im Abraum liegendem Material begnügen will. Die Route
führt dann weiter durch das Zengermoos nach dem großen Almlager bei
der Brennermühle. Hier ist der Alm an der Straße zum Großsender
München in einem alten Abbau etwas erschlossen. Bei der Weiterfahrt
in Richtung Fischerhäuser wird das Almlager gequert und mit scharfer
Grenze - also praktisch ohne Ubergangsfazies - tritt der Schotter der
Altstadt-Stufe mit einer geringmächtigen Flußmergelschicht zutage. In
diesen Ablagerungen sind nördlich der Straße einige Kiesgruben ange-
legt. Dann führt die Route von den Fischerhäusern wieder nach Süden,
um bei Ismaning die große Hochterrasse zu erreichen. Hier können die
würmeiszeitlichen Lößdeckschichten in zahlreichen Lehmgruben beobach-
tet werden.
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