Lalling
Lalling
zur
von
MUNCHEN 1969
von
MONCHEN 1969
Vorwort . . . . . . . . . . . 5
1. Geographischer Uberblick . . . . . . . . . . . . . 6
3. Gesteinsfolge . . . . . . . . . . . 10
3.1. Metamorphe Sedimentgesteine . 11
3.1.1. Perlgneis ......... 11
3.12. Cordieritführender Perlgneis . 15
3.1.3. Geschonte Relikte im Perlgneis 17
[Link]. Cordierit-Sillimanitgneis . . 18
[Link]. Biotit-Plagioklasgneis . 19
[Link]. Lagengneis ....... 20
[Link]. Amphibolit ....... 22
[Link]. Kalksilikatfels ...... 24
3.2. Metamorphe Eruptivgesteine . . 25
3.2.1. Orthoamphibolit ...... 25
3.2.2. Metabasit (WILHELM BAUBI:RGEIC) 26
3.3. Anatektische Gesteine .............. 27
3.3.1. Paragranodiorit ............... 28
3.3.2. Nestergranit ................. 30
3.3.3. Palit .................... 31
3.4. Eruptivgesteine ................ 33
3.4.1. Redwitzit ................. 34
3.4.2. Quarzdiorit ................ 35
3.4.3. Titanitfieckendiorit ............. 38
3.4.4. Flasergranit ................ 39
3.4.5. Ganggranite in den Südhängen des Leopoldswaldes 41
3.4.6. Kaußinger Granit ............. 45
3.4.7. Ganggranite des Kaußinger Massivs ...... 48
3.4.8. Lamprophyr ................ 51
3.4.9. Pegmatit ................. 52
3.5. Kreide .................... 53
3.6. Tertiär .................... 53
3.7. Quartär ................... 54
3.7.1. Pleistozän .................. 54
3.7.2. Holozän .................. . 56
3
Seite
4. Tektonik ..................... * 57
4.1. Tektonik des Kristallins ....... , ..... . 57
4.2. Nachvariskische Schollenbewegungen ........ . 64
5. Geophysikalische Untersuchungen . . . . . . . . . . . . 66
5.1. Radioaktivitätsuntersuchungen auf Uran und Thorium
(HEINZ ZIEH@ , . . . . . . . . . . I . . . . . . 66
5.2. Regionale geophysikalische Untersuchungen (KURT BADER) . 71
6. Hydrogeologische Verhältnisse . . . . . . , . . . . . 73
9. Der Baugrund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
11. Schrifttum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
Vorwort
In den Jahren 1956-1958 entstanden am Institut für Gesteinskunde
der Universität München unter der Leitung von Prof. Dr. GEORG FISCHER
zwei Diplomarbeiten, in denen die Ost- und Westhälfte des Blattes
Lalling neu kartiert und bearbeitet wurden (DÜRR 1958, LIST 1958’)). Diese
geologisch-petrographischen Untersuchungen lieferten die Grundlagen
für die vorliegenden Erläuterungen. Ebenso sind die Ergebnisse einer
späteren Dissertation von F. K. LIST (1961), soweit sie das Gebiet des Blattes
Lalling betreffen, hier mit berücksichtigt worden,
Bei der Gestaltung der Erläuterungen wurde von beiden Verfassern
eine gewisse Arbeitsteilung entsprechend den Schwerpunkten der jewei-
ligen Arbeitsgebiete durchgeführt: Die Beschreibung der Eruptivgesteine
und der quartärgeologischen Erscheinungen stützt sich stärker auf die
Untersuchungen von ST. Düne, während die Darstellung der Gneise und des
Paragranodiorits die Arbeiten von F. K. LIST zur Grundlage hat.
Von G. RÜCKERT wurden 1968 unter Mitarbeit von A. BÖHM die Löß-
flächen mittels Handbohrungen untersucht und auskartiert. Gleichzeitig
fand durch W. BAUBÜRGEReine Begehung des Kartenblattes statt, was zu
einzelnen Ergänzungen und Änderungen führte. Die Änderungen betrafen
vor allem die Darstellung der Eruptivgesteinsgänge. Diese sind auf der
Manuskriptkarte von ST. DÜRR sehr differenziert dargestellt, was z. T. nur
eine scheinbare Genauigkeit ist, da große Flächen des Kartenblattes von
tiefgründigen Zersatzzonen überdeckt werden. In diesen Gebieten wurde
die Darstellung etwas generalisiert und schematisiert.
Die beiden Verfasser danken vor allem ihrem hochverehrten Lehrer,
Herrn Professor Dr. GBORG FISCHER, herzlich für seine sorgsame Betreu-
ung und Beratung bei der Kartierung und Ausarbeitung der Ergebnisse.
Ihr besonderer Dank gebührt auch Herrn Präsidenten Dr. H. NATHAN vom
Bayerischen Geologischen Landesamt in München für seine großzügige
Unterstützung der Geländearbeiten und Herrn Präsidenten Dr. H. VIDAI.
für die Drucklegung von Karte und Erläuterungen. Für eine großzügige
flnanzielle Beihilfe sind sie der Bayerischen Braunkohlen-Industrie AG
in Schwandorf verpflichtet. Schließlich danken sie allen Freunden und
Helfern im Bayerischen Wald.
5
1. Geographischer überblick
Das Gradabteilungsblatt Lalling umfabt einen Teil des südlichen Baye-
rischen Waldes. Mit seiner südwestlichen Ecke berührt es fast die Donau,
im Nordosten reicht es bis in die Nachbarschaft des Pfahls.
Die Kammlinie des ,,Vorderen Waldes” führt durch den N-Teil des
Blattes und teilt es morphologisch in zwei deutlich unterschiedene Be-
reiche.
Im Südteil des Blattes Lalling steigt die Landschaft in großen Stufen
zur jungen Donauebene hin ab. Zwei verschiedene Höhenlagen (um 450 m
und um 600 m NN) treten stärker in Erscheinung; sie entsprechen wohl
Resten alter Verebnungsflächen und sind als Piedmonttreppe angeordnet.
Die der Sonne zugekehrten Hänge erwärmen sich im Frühjahr rasch.
Der besonders geschützte ,,Lallinger Winkel“ begünstigt durch sein mildes
Lokalklima einen ertragreichen Obstbau; Ackerbau überwiegt hier bei
weitem die forstliche Nutzung des Geländes.
Nördlich der Wasserscheide bietet die Landschaft ein anderes Bild:
Weit ist das Relief gespannt, und im Gegensatz zu dem von N-S-fließen-
den Bächen zerschnittenen südlichen Blattbereich ist das Entwässerungs-
netz weniger dicht. Bewaldete Bergrücken ragen auf über 1000 m auf,
und rauhe Hochflächen dachen sich allmählich zum Regental hin ab.
Die höchste Erhebung stellt der Dreitannenriegel mit 1092 m Höhe
dar, der in der NW-Ecke des Blattes liegt und eine Ersteigung mit schönen
Ausblicken auf den Arber und die Donauebene lohnt. Bis zur Donau-
ebene, die rund 300 m über NN liegt, ergibt sich so ein Höhenunterschied
von nahezu 800 m. Bäche, die nicht auf der flachen Abdachung des Ge-
birges zum Regental hin entwässern, sondern ihren Weg zur Donau ge-
sucht haben, sind daher auch in eindrucksvollen Schluchten in das Ge-
birge eingeschnitten. Ein schönes Beispiel bietet der Saulochbach, der
sich nördlich der Oberglasschleife 200 m tief in den Gneis eingegraben hat.
Das nördliche Blattgebiet mit seinem rauhen Klima wird fast aus-
schließlich forstwirtschaftlich genutzt. Um die spärlichen Ansiedlungen
herum ist nur wenig gerodet; im Landschaftsbild herrscht der Wald vor.
Die Verkehrserschließung des Gebietes ist gering. Von der Eisenbahn
wird es nirgends berührt. Im NW-Teil des Blattes zieht die Bundes-
straße 11 durch, die Deggendorf mit Regen verbindet. Der jähe Auf-
schwung dcs Gebirges wird auf 5 km überwunden; diese früher berüch-
tigte Steilstrecke ist die ,,Rusel”.
Etwa in E-W-Richtung verläuft die Landstraße von Deggendorf über
Schaufling nach Lalling; eine weitere Landstraße verbindet Lalling über
Auerbach mit der Donauebene.
6
So sind, besonders im Norden, große Teile des Gebietes recht schlecht
zu erreichen; erst in den letzten Jahren hat man versucht, mit dem Bau
von Forststraßen zumindest die Abfuhr von Holz aus den Forsten zu
erleichtern.
8
Homogenisierung des Stoffbestandes. Dadurch entstand ein Gestein,
welches in seinem Habitus wie auch im Chemismus einem Granodiorit
sehr nahe kommt. Da jedoch die sedimentäre Abkunft insbesondere
durch die nähere Untersuchung der akzessorischen Schwermineralien
(LIST 1961, 1965) als gesichert angesehen werden darf, soll dieses Gestein
zum Unterschied von einem aus einer flüssigen Schmelze auskristalli-
sierten, also ,,magmatisch” entstandenen Granodiorit als P a r a g r a n o -
d i o r i t bezeichnet werden. Seine Entstehung erfolgte also synchron mit
der Bildung der Perlgneise.
Mit der Entstehung des Paragranodiorits zusammen oder wenig später
dürften die gr ani t ist hen Mob ilisa t e im Perlgneis, die be-
sonders in der Osthälfte des Blattes auftreten, entstanden sein.
Danach muß die Durchwärmung des ganzen Komplexes relativ rasch
wieder abgeklungen sein. Die Bewegungen beschränkten sich immer
mehr auf die eigentliche Pfahlzone. Dort intrudierte auch der F 1 a s e r -
g 1‘a n i t , der gneisverwandte Palite unklarer Herkunft einschließt. Auch
der Flasergranit ist ungefähr homotaktisch zum Perlgneis beansprucht
worden. Er entsendet jedoch Gänge in den bereits konsolidierten Perl-
gneis. Einzelne Zonen stärkerer Verschieferung laufen aus dem Flaser-
granit in den Perlgneis hinein, Diese pfahlparallelen Scherzonen treten
auch weiter südlich noch auf.
Die Intrusion der eigentlichen varistischen Magmatite begann mit dem
Einschub von Quarzdioriten und Titanitfleckendioriten.
Zwar sind auf Blatt Lalling keine eindeutigen Intrusionskontakte auf-
geschlossen, aus denen die Stellung der Diorite zu den Paragranodioriten
einerseits und den Massivgraniten andererseits mit Sicherheit abgelesen
werden könnte. Auf dem benachbarten Blatt Ruhmannsfelden jedoch ist
zu sehen, daß die Diorite als Gänge den Paragranodiorit durchschlagen
und ihn in Schollen umschließen. In dem östlich anschließenden Gebiet
von Fürstenstein sind wiederum die Diorite als Vorläufer der Massiv-
granite zu erkennen (TROLL 1964), so daß an der Altersstellung der Diorite
kaum Zweifel bestehen können.
Nach dem Aufhören der orogenetischen Bewegungen intrudierte der
auffallend kalifeldspatarme K a u ß i n g e r G r a n i t und seine Gang-
gefolgschaft. Gleichartige Spannungen waren allerdings noch wirksam;
das Gefüge im Massiv und, noch strenger ausgeprägt, das Gefüge in den
Gängen ordnet sich dem regionalen herzynischen Baustil ein.
Damit war die Bildung des kristallinen Grundgebirges im wesent-
lichen abgeschlossen. Das konsolidierte Gebirge wurde nun in großen
Schollen aus den tieferen Stockwerken emporgehoben. Postvaristische
Sedimente, die diese Ereignisse dokumentieren würden, fehlen auf un-
serem Blatt so gut wie vollständig. Weiter abliegende Vorkommen,
9
namentlich die der Bodenwöhrer Bucht, gestatten jedoch einige allge-
meine Aussagen.
Das Perm und der größere Teil des Mesozoikums dürften Zeiten der
Abtragung gewesen sein. Die klastischen Ablagerungen, die den alten
Sockel umsäumen, sprechen dafür.
Im Jura, teilweise auch in der Kreide mag das Meer zu Zeiten das
,,Alte Gebirge“ überdeckt haben. Die damals gebildeten Sedimente sind
aber vollständig wieder abgeräumt worden. Einzig Reste eines Eisen-
sandsteins, die sich im Südteil des Blattgebietes finden, könnten aus der
Kreide überkommen sein.
Die heutige Morphologie entstand im Jungmesozoikum und im Tertiär.
Die Erosion wurde durch das Spiel der Tektonik immer neu und anders-
artig angeregt. Das Gebirge war in Blöcke zerlegt; Bewegungen sind an
zahllosen größeren und kleineren Fugen nachweisbar. Uber viele Meß-
tischblätter hinweg lassen sich schwache Verbiegungen verfolgen (FISCHER
1939 b).
Die Erosion hat mit der Verwitterung nicht immer Schritt halten
können. Im wesentlichen aus dem Tertiär stammen die vielfach noch
Erhaltenen Zersatzmassen, in die der Fels oft auf 10er m Mächtigkeit
übergegangen ist. An einigen Stellen finden sich geringmächtige Tonlager
mit englischroten Farben; sie weisen auf ein tropisch warmes Klima hin.
Der Obergang zur Eiszeit (Pleistozän) vollzog sich allmählich. Sichere
Spuren einer Vergletscherung oder Verfirnung kennen wir nicht. Die
‘Interglaziale waren Perioden des Abtrags und der Ausräumung. Im jüng-
sten Glazial (Würm) wurde das Relief eher wieder ausgeglichen, die Un-
ebenheiten durch Blockströme, Hangschuttdecken und Fließerden über-
kleidet, in den Tälern Schotter und Lehme abgelagert und die donau-
nahen Hänge mit inzwischen verlehmtem Löß eingedeckt.
Der Torf, der sich manchenorts im oberen Walde unter der Grasnarbe
findet, bildet sich in einigen kleinen Waldmooren noch heutzutage.
3. Gesteinsfolge
Wie schon erwähnt, treten im Bereich des Blattes Lalling kaum un-
veränderte Sedimentgesteine auf. Die vorherrschenden Gesteine des
Kristallingebirges sind unter hohem Druck und Temperaturen umge-
wandelte, metamorphosierte Sedimente, die heute als Paragneise vor-
liegen. Dieser Gneisrahmen wird von einer bunten Gesellschaft von In-
trusivgesteinen durchwirkt, die teilweise noch tektonische Beanspruchun-
gen erlebt haben.
10
3.1. Metamorphe Sedimentgesteine
Unter den Metamorphiten ist der sogenannte Perlgneis bei weitem
am verbreitetsten; er stellt gewissermaßen das Grundgewebe dar, in dem
alle anderen Gneise in Form von reliktischen Schollen liegen, Die ganze
Gesteinsgesellschaft gehört der Zone meso- bis katazonaler Metamor-
phose an; die vorherrschenden Mineralien sind Quarz, Plagioklas, Kali-
feldspat, Biotit, Cordierit, Sillimanit und Granat. Durch jüngere Be-
wegungen in höherem Niveau (Epizone) bedingt, treten daneben Musco-
vit, Chlorit etc. und jüngere Verquarzungen auf. Besonders gilt das für
den südlichen Teil des Blattes, in dem sich die Störungszone des Donau-
randbruches bemerkbar macht.
11
l-3 mm großen ,,Feldspatperlen“, nach denen das Gestein seinen Namen
erhalten hat. Diese weißlich-trüben ,,Perlen“ durchsetzen regellos als
offenes Teilgefüge das Grundgewebe, welches aus Biotit und Quarz be-
steht. Der Biotit kann in seiner Ausbildung vop deutlich zusammen-
hängenden Lagen bis zu einem gleichmäßig verteilten Netzwerk wechseln;
ebenso ist sein Mengenanteil am Gestein großen Schwankungen unter-
worfen. Von hellen, hauptsächlich aus Feldspat und Quarz bestehenden
Gneisen (Steinbruch an der Ruselstraße, 500 m E Oberglasschleife) bis zu
sehr dunklen Varietäten, bei denen die Feldspatperlen in einem dichten,
zusammenhängenden Grundgewebe von Biotit stecken, ilnden sich alle
Ubergänge. Bei den Abarten mit deutlichem s-Flächengefüge ist meist
auch ein schlieriger Lagenbau von Biotitzeilen und Quarz-Feldspatlagen
zu beobachten. Die rundlichen, leicht getrübten Quarzkörner von 1-2 mm
Größe treten makroskopisch kaum in Erscheinung.
Unter dem Mi kr OS kop zeigt der Perlgneis durchwegs ein
granoblastisches Gefüge (Taf. 1, Fig. 2). Auch im Schliffbild lassen sich alle
Ubergänge von mehr oder weniger deutlichem Lagenbau bis zu richtungs-
los körniger Ausbildung beobachten.
Der Mineralbestand setzt sich aus Biotit, Muscovit, Chlorit, Plagioklas,
Kalifeldspat und Quarz zusammen; untergeordnet finden sich Cordierit,
Granat, Zirkon, Apatit, Spinell, Epidot, Kalzit und Erz.
Die B i o t i t e zeigen einen kräftigen Pleochroismus von blaß gelblich-
braun nach kräftig dunkelrötlichbraÜn und liegen als große, meist gut
ausgebildete Scheiter vor. Die Anordnung dieser Biotite auf iiasrig aus-
gebildeten Scherflächen (Taf. 1, Fig. 2) macht es wahrscheinlich, daß& sich
um tektonisch beanspruchte, ehemals verbogene und zerschmierte Biotite
handelt, die rekristallisiert sind. Neben diesen im allgemeinen deutlich
geregelten Externbiotiten treten als Einschlüsse in Plagioklasen, Kali-
feldspäten und Cordieriten gelegentlich Internbiotite auf. Sie sind wesent-
lich kleiner und weichen in ihrer Orientierung von der Regelung der Ex-
ternbiotite ab.
Mitunter sind die Biotite baueritisiert; häufiger ist die Umwandlung
in Pennin, von der die einzelnen Seheiter erst in Streifen parallel der
Basis und dann völlig ergriffen werden. An jüngeren Scherbahnen ist
Biotit nicht selten in Muscovit umgewandelt. Dabei wurde häufig Ilmenit
ausgeschieden und in dünnen Täfelchen parallel (001) in das Muscovit-
Bitter eingelagert.
Der P 1 a g i o k 1 a s bildet rundliche bis annähernd idiomorphe Indi-
viduen, Der Anorthitgehalt wurde nach der Methode von KAADEN (1951)
aus der Wanderung der Zwillingsachsen bestimmt; er schwankt zwischen
29 und 35 O/o An. Der durchschnittliche An-Gehalt liegt bei 30-32 O/o An.
Der Plagioklas entspricht in seiner chemischen Zusammensetzung also
einem Oligoklas-Andesin.
Die einzelnen Körner sind meist frisch und nur leicht serizitisiert. Sie
lassen fast immer eine enge, unverbogene Zwillingslamellierung mit ge-
raden Grenzen erkennen, Bei über 80°/o der untersuchten Plagioklase
tritt als häufigstes Zwillingsgesetz das Albit-Als-Gesetz auf, bei rund
12
2OYo das Albit-Karlsbader-Gesetz. Hin und wieder trifft man auch reine
Albit- oder Karlsbader-Zwillinge.
In manchen Schliffen ist ein offenbar älterer. stark in Zerfall be-
griffener Plagioklas 1 zu beobachten, in dem die rundlichen Blasten von
Plagioklas 11 aufsprossen. die für den Perlgneis kennzeichnend sind. Als
ein& noch jünger& Plagioklas 111 können Wir die Albite in den Myrme-
kiten und die Albitkornneubildungen an den Intergranularen betrachten.
Neben Akzessorien sind nicht selten Biotite in Plagioklas 11 einge-
schlossen, Sie sind wie die Externbiotite teilweise in Pennin und Musco-
vit umgewandelt. Außerdem finden sich häufig Einschlüsse von rund-
lichen Quarzen; ob es sich dabei um alte Einschlüsse oder junge Ver-
drängungen handelt. muß offen bleiben. Hie und da sind im Plagioklas 11
kleine, rechteckige Antiperthite zu beobachten, die unregelmäßig verteilt
sind. In ihrer Menge bleiben sie stets bescheiden und werden auch in
den weiter unten behandelten alkalisierten Perlgneisen nicht häuflger.
Häufig sind auch fleckige Auslöschung oder zumindest abweichend
auslöschende, entkalkte Randzonen anzutreffen. Diese Erscheinungen und
die buchtigen, unregelmäßigen Umrisse, denen die Randzonen getreu
folgen, weisen auf einen metasomatischen Lösungsumsatz hin, bei dem
die Plagioklase angegriffen worden sind.
Bemerkenswert ist die für die Perlgneise charakteristische rundliche
Tracht der Plagioklase. Im allgemeinen pflegen ja aufsprossende Plagio-
klase ihre eigene, anisometrische Kristallform kräftig durchzusetzen. Es
müssen also bei der Kristallisation der Plagioklase besondere Bedingungen
geherrscht haben. In unserem Falle lassen sich die rundlichen Formen
wohl darauf zurückführen, daß die paratektonisch aufsprossenden Plagio-
klas-Blasten während ihres Wachstums rotiert wurden, ähnlich den Gra-
naten in manchen Granatglimmerschiefern.
Die Gitterung der Kalifeldspäte, die sich allerdings häufig nur
durch die huschende Auslöschung verrät, zeigt an, daß es sich um Mikro-
kline handelt. Diese Mikrokline kommen im gewöhnlichen Perlgneis nur
sehr untergeordnet vor: häuf& fehlen sie ganz. In den Perlgneisvarie-
täten, die iereits makr&kopis& eine deutliche Anreicherung -der hellen
Bestandteile zeigen, kann der Mikroklin über 20,% des Gesteins aus-
machen. Er bildet sann große, zerlappte und deutlich gegitterte Indivi-
duen, die in ihren Umrissen mitunter annähernd idiomorph sind. Der
Mikroklin tastet sich von den Intergranularen aus ins Gestein vor und
verdrängt dabei alle übrigen Gernengteile.
Q u a r z bildet ein leicht verzahntes Pflastergefüge; ehemalige größere
Körner sind oft in mehrere annähernd gleichorientierte Subindividuen
zerbrochen. Alle Quarze löschen undulös aus; teilweise sind sie optisch
leicht zweiachsig. Häufig sind Einschlüsse kleiner Flüssigkeitströpfchen
zu beobachten, die in parallelen Reihen angeordnet sind.
Zirkon Andet sich reichlich in kleinen Kristallen, die meist ge-
rundete Kornformen aufweisen. In Biotit verursachen sie kräftige pleo-
chroitische Höfe.
Apatit dagegen ist selten. Er bildet größere, idiomorphe Körner,
die niemals radioaktive Höfe hervorrufen.
13
Quantitative Bestimmungen des Mineralbestandes mit Hilfe des Inte-
grationstisches ergeben folgende Werte in Volumprozenten:
14
vor; daneben entwickelt sich auf den Intergranularen ein typisches Quarz-
Albit-Kleinkorngewebe, das auf jüngere metasomatische Umsetzungen
hinweist,
Bestimmungen des quantitativen Mineralbestandes ergaben hier
folgendes Bild:
QU m Bi Kf Mu Akz
1) 32,l 40,7 20,7 4,9 190 0,O“Io
2) 31,5 34,0 11,2 Zl,3 L6 0,4 Ul0
3) 26,6 33,2 18,8 19,4 1,3 0,7 010
Mittel 30,o 36,0 16,9 15,2 I,3 0,6 O/o
15
Feldspäten nicht zu unterscheiden; die makroskopische Abtrennung von
cordieritfreien Perlgneisen kann in diesem Fall unmöglich werden.
Im Dünnschliff ist das Auftreten von Cordierit, daneben auch
von Sillimanit und Granat, für das Gestein typisch. Der restliche Mineral-
bestand entspricht völlig dem der cordieritfreien Perlgneise; auf eine ge-
sonderte Beschreibung kann hier deshalb verzichtet werden.
Der C o r d i e r i t bildet große, meist annähernd idiomorphe Kristalle,
die häufig in Lagen parallel zum s des Gneises angereichert sind. In
seinem Inneren finden sich fast immer runde Quarzeinschlüsse; auch vom
Rand her greift der Quarz in buchtigen Formen weit in den Cordierit
vor. Die Quarz,,einschlüsse“ sind mit großer Wahrscheinlichkeit solche
Quarzflnger, die quer zu ihrer Achse geschnitten sind.
Interessant sind die Umwandlungen des Cordierits in eine Reihe von
anderen Mineralien, die seine ehemalige Gestalt pseudomorphosieren.
Zwischen dem Netzwerk der Umwandlungsprodukte finden sich immer
noch frische Partien; völlig frische Cordierite wurden andererseits nie
beobachtet (Abb. 1).
16
Drei verschiedene Stadien der Umwandlung lassen sich unterscheiden:
1. Als erstes wird der Cordierit, bevorzugt am Rand und in Unregel,-
mäßigen Schläuchen und Flecken. in eine farblose. fast isotrope Masse
verwandelt. Sie entspricht der Von’GAxsrss (1901) beschriebenen ,,Zwischen-
substanz“. Ihre Lichtbrechuna ist erheblich niedriger als die des Cordierits.
2. Als nächstes Stadium tritt am Rand und aÜf Klüften eine Hellver-
glimmerung ein; die unter dem Mikroskop nicht mehr näher bestimm-
baren feinkristallinen Individuen durchsetzen wie Perlschnüre den ganzen
Kristall und hüllen ihn ein. Die Lichtbrechung dieser Substanz liegt höher
als die des Cordierits. Die Klüfte, auf denen die Umwandlung bevorzugt
auftritt, besitzen meistens eine subparallele Lage; sie sind wohl durch
tektonische Beanspruchung aufgerissen. Dieses zweite Stadium durch-
setzt das erste und schneidet es ab.
3. Zuletzt sprossen in dem ganzen Kristall große Hellglimmer auf und
umhüllen ihn völlig. Ihre Lage ist im allgemeinen parallel zu den Um-
grenzungsflächen (100) und (010) des Cordierits. Die Hellglimmer ver-
drängen die ersten beiden Stadien.
Untergeordnet finden sich daneben Chloritaggregate in schuppiger oder
radialstrahliger Ausbildung. Sie bestehen aus Pennin und Klinochlor.
Nach der Definition von GAREIS (1901) handelt es sich bei diesen Um-
wandlungen um Pseudomorphosen von Pinit nach Cordierit. Der Cor-
dierit ist in den cordieritführenden Perlgneisen offensichtlich kein echter
Gernengteil, sondern ein i n s t ab i 1 e s Re 1 i k t einer älteren Mineral-
paragenese, nämlich der Cordierit-Sillimanitgneise.
Dasselbe gilt für den Granat, der jedoch wesentlich seltener ist.
Es sind größere, rundliche bis idiomorphe Körner, die manchmal in
mehrere Stücke zerbrochen und in s zerschert sind. Meist lassen sie Druck-
risse erkennen und werden von Hellglimmern und Plagioklas angegriffen.
Bestimmungen des quantitativen Mineralbestandes ergaben folgende
Werte in Volumprozenten:
Qu Pl? Bi Ki Mu Cord Pin Gra Akz
2 17
[Link]. Cordierit-Sillimanitgneis, cgn
Der Cordierit-Sillimanitgneis tritt im Nordteil des Blattes in Linsen
auf, die über einige hundert Meter hin aushalten können. Größere Vor-
kommen liegen NW des Ranzinger Vorberges, wo die Gneise in einem
kleinen verfallenen Steinbruch aufgeschlossen sind, und bei den Toten-
brettern.
1 m H a n d s t ü c k zeigt der Cordierit-Sillimanitgneis einen unregel-
mäljigen, flasrigen Lagenbau dunkler und heller Anteile. Diese sind
kräftig durchbewegt und miteinander verknetet. Die dunklen Lagen he-
stehen aus dunkelgrünen Cordieritpseudomorphosen, unverändertem Cor-
dierit und Biotit; bis zu haselnußgroße Granaten werden davon um-
Aasert. Oft glänzt diese Grundmasse silbrigweiß, wenn sie von Sillimanit-
fasern durchzogen wird. In den hellen, meist etwas gelblich gefärbten
Anteilen lassen sich getrübte Feldspäte und bläuliche Quarze unter-
scheiden; nicht selten enthalten diese hellen Lagen auch Hellglimmer.
An einigen Stellen wird der Cordieritgneis von Cordierit-Fleckenaploiden
durchsetzt.
Das Mengenverhältnis der beiden Anteile wechselt sprunghaft. Von
sehr dunklen, dichten, nur gelegentlich durch Quarznester aufgelockerten
Varietäten über solche mit klarem, engzeiligem L,agenbau bis zu sehr
hellen Gesteinen, bei denen nur noch feine, kurze Streifen dunklen
Materials zu finden sind, finden sich alle Ubergänge.
Auch im D ii n n s c h 1 i ff bestätigt sich die deutliche Trennung der
beiden Bestandteile; die Grenze ist im allgemeinen scharf. Daneben sieht
man, daß das Gesteinsgefüge kräftig durchbewegt ist.
D a s d u n k 1 e T e i 1 g e i ü g e enthält unregelmäßig eingesprengt
große, buchtig angegriffene G r a n a t e (Almandine). Sie umsehliegen
parallelgeordnete, feinste Sillimanitnadeln und opake Blättchen; es ist
möglich, daß auch die kleinen Biotite im Granat zu diesen ältesten Ge-
fügebestandteilen gehören. Jedenfalls ist das Gewebe außerhalb der
Granate jünger als diese.
Zu diesem Grundgewebe gehört einmal der rot- bis ockerbraune
Bi o t i 1;. Seine großen, zugerundeten Scheiter sind nicht selten in Hell-
glimmer und Chlorit, im wesentlichen Pennin, umgewandelt. Die Biotite
siedeln sich auch auf Rissen des Granats an und verdrängen ihn.
Teils älter, teils aber auch jünger als die Biotite scheinen die S i 11 i -
man i t e zu sein. Die großen, langen Nadeln halten sich an die Ränder
der Biotite oder durchspießen sie; sie ordnen sich gerne zu streng gc-
regelten Zügen. Zusammen mit dem Biotit können sie verwickelte Falten-
bilder ergeben. Diese Erscheinungen müssen wir auf eine ä 1 t er e D e -
f o r m a t i o n zurückführen.
Den Hauptteil des dunklen Teilgefüges nehmen C or dier it e ein,
die in allen Stadien der Pinitisierung stehen. (Bei den cordieritführenden
Perlgneisen wurden diese Vorgänge ja schon näher beschrieben.) Die
Cordierite umschließen zum Teil das geregelte Biotit-Sillimanit-Gefüge
und verdrängen die Granate; sie sind also posttektonisch in Bezug auf
18
die ältere Deformation kristallisiert. Ihre Randzonen sind oft frei von
Einschlüssen.
Als Einschlüsse im Biotit und Cordierit finden sich reichlich Erzkörner
und -blättchen, einzelne, gegenüber normalen Körnern oft riesenhaft er-
scheinende Zirkone, sowie große, löchrige Titanite.
Die Biotite in dem außerhalb der Cordierite liegenden Biotit-Silli-
manitgewebe sind häufig mehr oder weniger zerschert. Wir müssen hier-
für eine j ü n g e r e D e f o r m a t i o n verantwortlich machen. Auf-
fallend ist bei diesem Vorgang, daß die Cordierite die Beanspruchung
erstaunlich gut überstanden haben; FISCHER (1939 a) hat hierauf bereits
hingewiesen.
Das helle Teilgefüge besteht oft nur aus einem etwas ge-
streckten Mosaik undulös auslöschender Q u a r z e , die miteinander ver-
zahnt und ausgezeichnet geregelt sind. Dazu treten annähernd wiirfelig
aussehende P 1 a g i o k 1 a s e (Oligoklase), gelegentlich auch Reste de-
formierter K a 1 i f e 1 d s p ä t e , die in Hellglimmer umgewandelt sein
können.
Die hellen Mineralien, besonders die Quarze, schieben sich in alle
Lücken des dunklen Teilgefüges und verdrängen es vielfach.
Bei den Cordierit-Sillimanitgneisen südöstlich Seiboldsried hat die
jüngere Deformation fast alle Spuren der älteren verwischt. Hier sitzen
in einem Gewebe nahezu völlig zerscherter Biotite und geregelter Silli-
manitnadeln augenförmig die beinahe unbeschädigt erhaltenen Cordieritc
und einzelne Granate. Ihr Intern-s, durch Sillimanite angedeutet, ist
meistens gegen das externe s verdreht.
[Link]. Biotit-Plagioklasgncis
Biotit-Plagioklasgneis kommt ebenfalls in Form von Einschlüssen im
Perlgneis vor; diese reliktischen Schollen erreichen jedoch nirgends solche
Größe, daß sie auf der Karte ausgeschieden werden konnten. Es handelf.
sich um Linsen, die im s des Perlgneises liegen; ihre Längsachse ent-
spricht dem regionalen B. Ihre Länge beträgt im Durchschnitt wenige
dm, ihre Mächtigkeit bis zu 10 cm. In einem Fall konnte ein Einschluß
von 1 m Länge beobachtet werden. Schollen von Biotit-Plagioklasgneis
finden sich in vielen der untersuchten Aufschlüsse.
1 m Ha n d st ü c k sind es graue, sehr feinkörnige Gesteine, die eine
deutliche Schieferung erkennen lassen. Diese Schieferung liegt der Schic-
ferung des Perlgneises mehr oder weniger parallel, Als vorherrschendes
Mineral fällt der Biotit auf, dessen feine Schüppchen streng in s ein-
geregelt sind; dazwischen liegen Quarz und Feldspat in feiner Verteilung.
Neosomatische Bänder von 1-5 mm Mächtigkeit liegen ebenfalls in s.
Die Grenzen der Einschlüsse zum Perlgneis sind scharf; die Enden der
Linsen sind jedoch oft in lange Schlieren ausgezogen und gehen unscharf
in den Perlgneis über.
U n t er d e m M i k r o s k o p fällt auf, da13 das Gefüge bei annähernd
gleichem Mineralbestand wesentlich feinerkörnig ist als das des Perl-
gneises; außerdem sind keine Anzeichen einer Feldspatblastese ZU er-
19
kennen. Man kann jedoch einen schwachen Lagenbau aus gröber- und
feinerkörnigen Zeilen beobachten. Die gröberen Lagen führen Biotit,
Plagioklas und Quarz; die feineren bestehen fast nur aus Biotit und
Quarz. Es ist nicht ausgeschlossen, daß wir in dem nicht übermäßig
durchbewegten Gestein noch einen sedimentären Lagenbau vor uns
haben.
B i o 1;i t bildet kleine Scheiter, die eine ausgezeichnete Basalregelung
erkennen lassen, ohne sich zu zusammenhängenden Lagen zu vereinigen.
Die Individuen werden von den hellen Gernengteilen angegriffen und
haben daher ein etwas zerfranstes Aussehen. Sie enthalten Einschlüsse
von kleinen Apatitkörnern, radioaktivem Z i r k o n , sowie etwas
E r z.
Der P 1 a g i o k 1 a s - ein Oligoklas - ist völlig frisch. Er zeigt enge,
durchlaufende Zwillingslamellen nach dem Albitgesetz. Die einzelnen
Körner sind viel kleiner als im Perlgneis. Oft umwachsen sie Biotit, wo-
bei der cingeschIossene Biotit bereits das s-Gefüge der Externbiotite auf-
weist.
Q u a r z ist reichlich vorhanden; er bildet ein gut verzahntes, fein-
körniges Grundgewebe. Die einzelnen Individuen löschen leicht undulös
aus.
[Link]. L a g e n g n e i s , gn z
Der Lagengneis tritt an zwei Stellen, nämlich nördlich von Rusel-
absatz und bei Hainstetten in Form von größeren geologischen Körpern
auf. Einschlüsse von dm- bis m-Größe im Perlgneis sind dagegen nicht
selten. Am Südhang des Dattinger Berges erlangen diese linsenförmigen
Einschlüsse größere Verbreitung. Hier finden sich auch ausgedehntere
Schollen, die zum Teil auf der Karte dargestellt werden konnten.
Die Lagengneise gehen oft mit unscharfen Grenzen in Perlgneis über.
Lagenbau und Faltenstrukturen können dabei noch reliktisch erhalten
bleiben (Taf. 2, Fig. 1). Es entstehen so Perlgneise, bei denen im dm- bis m-
Bereich das alte Gefüge nebulitisch durchschimmert; im Handstück da-
gegen erscheint das Gestein völlig homogen und richtungslos grano-
hlastisch. Da man bei der Kartierung zum allergrößten Teil auf Lese-
steine angewiesen ist, konnten solche Übergangstypen auf der Karte
nicht erfaßt werden.
Der allmähliche Ubergang von Lagengneis in Perlgneis wird durch
zunehmende Zerscherung und Plagioklasblastese bewirkt. Daneben findet
man auch scharf begrenzte Schollen von Lagengneis, deren Gefüge dis-
kordant vom Perlgneis abgeschnitten wird. Dies ist als Beweis anzu-
sehen, daß der Lagengneis tatsächlich einer älteren Gesteinsgesellschaft
angehört, deren Entstehung - oder besser gesagt, letzte Prägung -
durch einen deutlichen Hiatus von der Bildung des Perlgneises getrennt
ist. Die scharf umgrenzten Schollen sind wohl als kompetente Relikte
20
aufzufassen, die von der Zerscherung und damit von der nachfolgenden
Rekristallisation des Gefüges verschont geblieben sind.
Vielfach finden sich Übergangstypen von Lagengneis zu Cordierit-
Sillimanitgneis, die als Cordierit-Sillimanit-Lagengneis bezeichnet werden
könnten. Wenn diese Gesteine auch nicht genügend Ausdehnung er-
reichen, um sie auskartieren zu können, so geben sie doch den Hinweis
darauf, daß in der älteren Gesteinsgesellschaft der Orogenese 1 Cordierit-
Sillimanitgneis und Lagengneis eng miteinander verknüpft waren. Ebenso
trifft man Ubergänge zu den feinkörnigen Biotit-Plagioklasgneisen.
Die hellen Lagengneise, besonders die Vorkommen N Ruselabsatz und
bei Hainstetten, zeigen nicht selten Anzeichen einer stärkeren Migmati-
sierung: Quergreifende helle Mobilisate durchbrechen das Gefüge und
lösen es in Schollen auf. Offenbleiben muß bei den wenigen Aufschlüssen
die Frage, ob die hellen Lagen auch schon als verflüssigtes neosomatisches
Material gebildet wurden, ob es sich also um Migmagneise gehandelt hat.
Im H an d s t ii c k lassen sich zwei Varietäten unterscheiden: Der
Lagengneis im Westteil des Blattes ist ein sehr helles Gestein, das einen
Lagenbau heller Quarz-Feldspatlagen und dunkler Biotitzeilen aufweist.
Des öfteren sind kräftige Verfaltungen mit spitzwinkligen Faltenbildern
zu erkennen.
Die Vorkommen am Dattinger Berg und Durchfurther Schuß erscheinen
im Allgemeineindruck dunkler, der Zeilenbau ist straffer (Taf. 2, Fig. 2).
Wie schon bemerkt, können die dunklen Lagen auch Cordierit enthalten.
U n t e r d e m Mikro s k o p ist wieder das ausgeprägte lagige Ge-
füge das beherrschende Element. Dunkle Zeilen, aus ßiotit und manch-
mal Granat bestehend, wechseln mit wesentlich mächtigeren hellen Quarz-
Feldspatlagen.
B io t i t ist in schmalen Zeilen angeordnet; die einzelnen Biotit-
scheiter zeigen eine deutliche Basalregelung. Von den hellen Gemeng-
teilen werden sie stark angegriffen und durchlöchert, so daß manchmal
nur mehr unzusammenhängende, eingeregelte Fetzen auf die ehemaligen
Zeilen hinweisen. Unter Ausscheidung von 11 m e n i t sind die Biotite
öfters in Pen nin oder Muse ovi t umgewandelt.
C o r d i e r i t hält sich streng an die dunklen Lagen und fehlt in den
hellen Gesteinsvarietäten überhaupt. Er umschließt geregelte Sillimanit-
nadeln und ist mit den häufig in Bruchstücke aufgelösten Gran at e n
in Bändern angeordnet. Biotit umflasert den Granat.
P 1 a g i o k 1 a s ist in den hellen Lagen reichlich vorhanden. Seriziti-
sierte, rundliche Körner von Plagioklas 1 werden von dem frischen Plagio-
klas (Oligoklas) 11 umschlossen. Plagioklas 1 scheint dabei in undeut-
lichen Lagen angeordnet zu sein, die etwa senkrecht auf dem jetzigen
s-Flächenbau stehen; eine Erscheinung, die auch in den Biotit-Plagioklas-
gneisen nicht selten beobachtet werden kann. Von den Intergranularen
aus setzt an vielen Stellen eine kräftige Myrmekit- und Albitkornneu-
bildung ein (Plagioklas 111).
21
Kalifeldspat ist in stark wechselnden Mengen vorhanden. In
den dunklen Lagengneisen kann er völlig fehlen, während er in den
hellen Gesteinen den Hauptanteil der leukokraten ‘Zeilen ausmacht. Der
Kalifeldspat bildet große, rundlich oder lappig umgrenzte Körner, die
stets eine deutliche Mikroklingitterung aufweisen. Sie umschließen Plagio-
klas 1 und 11, sowie Quarze, die häufig sechseckige idiomorphe Quer-
schnitte besitzen. Von den vom Plagioklas ausgehenden Myrmekiten wird
der Kalifeldspat kräftig angegriffen.
Quarz ist reichlich vorhanden; er bildet ein grobes Pflastergefüge
und greift alle Gefügepartner an.
Die Metatekte, die den Gneis diskordant durchsetzen, weisen
einen einfacheren Mineralbestand auf; sie bestehen aus Quarz, Mikroklin,
Plagioklas 11 und etwas Biotit. Die Ausbildung der Mineralien ist die
gleiche wie im Gneis.
[Link]. Amphibolit, c~
Amphibolit tritt im Bereich des Blattes Lalling nur in geringer Menge
auf; leider ist er nirgends im Anstehenden aufgeschlossen, so daß über
den Verband zum Nebengestein keine sicheren Aussagen möglich sind.
Soweit auf Grund der Lesesteinkartierung festgestellt werden kann,
handelt es sich um Linsen bis zu ca. 100 m Länge, die etwa im s des
Perlgneises liegen. Auskartierbare Vorkommen liegen NW Ranzing und
W Dösing; meist dürften die Scherlinge jedoch nur einige dm bis m
Länge erreichen, so daß bei der Kartierung nur ein oder zwei Lese-
steine gefunden wurden, Solche Einzelfunde wurden auf der Karte nicht
eigens vermerkt.
Schwierig zu entscheiden ist die Frage, ob die Amphibolite nun Ab-
kömmlinge von Intrusivgesteinen oder von Sedimenten sind, also Ortho-
oder Paraamphibolite darstellen. Bei einem Großteil der untersuchten
Stücke macht die inhomogene Ausbildung, öfters beobachteter Lagenbau
im mm-Bereich und der ziemlich hohe Quarzgehalt die Abkunft von
Paramaterial wahrscheinlich. Für diese Deutung spricht ferner, daß
Chromit, der auf eine gabbroide Abkunft hinweisen würde, in diesen
Gesteinen völlig fehlt. Auch die Tatsache, daß häufig Ubergänge von
Amphibolit in Kalksilikatfels zu finden sind, erklärt sich unschwer durch
die Herleitung aus mergeligem Material, das mit Kalklinsen durchsetzt
war.
1 m H a n d s t ü c k ist der Amphibolit ein feinkörniges, dunkelgrünes
bis schwärzlich-braunes Gestein, das mehr oder weniger stark geschiefert
ist. An Mineralien sind bis zu einige mm lange Hornblendenadeln und
wechselnde, jedoch meist geringe Anteile von Feldspat zu erkennen. In
den größeren Amphibolitkörpern treten feinkörnige Typen mit ausge-
zeichneter Paralleltextur auf, in denen Plagioklase massenweise als in-
sekteneiergroße Flecken in Erscheinung treten.
22
U n t e r d em M i k r o s k o p zeigt das Gestein eine deutliche Rege-
lung der Amphibole nach der Gestalt: Die Hornblenden sind mit ihrer
Längsachse in das s der Schieferung eingeschlichtet. Hornblende- und
plagioklasreiche Lagen wechseln manchmal in mm-Bereich; der Lagen-
bau ist jedoch nicht deutlich ausgeprägt. In dem groben Gefüge durch-
dringen sich die einzelnen Körner sehr stark.
D i e A mp h i b o 1 e beherrschen das Schliffbild; es sind große, nach
der c-Achse gestreckte Individuen von gemeiner Hornblende, die lappig
umgrenzt sind. Die einzelnen Körner sind nicht homogen; sie bestehen
aus brauner Hornblende, die randlieh in blaßgrüne und farblose Horn-
blende übergehen kann, Auch inmitten der einzelnen Kristalle finden
sich Partien von grüner Hornblende. Die einzelnen Anteile löschen etwas
verschieden aus. Häufig zeigen die Hornblenden Zwillingslamellen nach
(100).
D i o p s i d findet sich in einigen Schliffen als Relikt in der Horn-
blende. Es sind blaßgrüne, unregelmäßig umgrenzte Körner, die gelegent-
lich von einem dünnen Limonithäutchen umgeben werden.
B i o t i t hat sich als jüngere Bildung auf tektonischen Klüftchen in
der Hornblende angesiedelt. Die untereinander subparallelen Scheiter
bilden einen deutlichen Winkel mit der Schieferungsebene des Gesteins.
P 1 a R i o k 1 a s ist der zweite wesentliche Anteil des Gesteins. Im Che-
mismus-variiert er von Andesin bis Labrador. Der Plagioklas ist völlig
frisch und mit breiten Lamellen nach dem Albit- und Periklingesetz ver-
zwillingt. Er setzt seine Eigengestalt teilweise durch und bildet mit den
Hornblenden ein grob diablastisches Gefüge.
Q u a r z ist in wechselnder Menge vorhanden; er fehlt in keinem der
untersuchten Schliffe. In Form kleiner unregelmäßig begrenzter Körner
füllt er alle Zwickelräume aus oder durchspießt seine Gefügepartner.
An Obergernengteilen finden sich Apatit, Leukoxen, Mag-
netit und etwas Magnetkies.
Als Mittelwert für die modale Zusammensetzung des Amphibolits
wurde aus zwei Schliffen ermittelt:
Hb1 pg Qu Bi AP Erz
52,9 40,7 3,3 079 894 1,8 Vol. “/a
Gesondert sei noch ein Vorkommen eines G r a n a t a m p h i b o 1 i t s
beschrieben, der westlich des Aiben-Berges gefunden wurde.
Das Grundgewebe wird von aktinolithischen Hornblenden
eingenommen, die zuweilen einen schwachen Pleochroismus von farblos
nach hellgrün zeigen. Sie sind wirrstrahlig miteinander verfasert und
vorwiegend xenomorph umgrenzt. K 1 i n o z o i s i t ist ebenfalls reichlich
am Aufbau des Grundgewebes beteiligt. P 1 a g i o k 1 a s , der die Zwickel-
räume der Grundmasse ausfüllt, ist dagegen ziemlich selten. Der G r a -
na t ist vollständig in ein Mineralgemenge aus Hornblende, Plagioklas
und Klinozoisit umgewandelt; Klinozo i s i t ist etwas stärker am
Aufbau der Pseudomorphosen beteiligt, daneben tritt auch E p i d o t auf.
Tremolit ist häufig durch eine braun oder grün gefärbte gemeine Horn-
blende ersetzt.
23
[Link]. K a 1 k s i 1 i k a t f e 1 s
Wie Amphibolit und Biotit-Plagioklasgneis tritt auch der Kalksilikat-
fels nur in Form verhältnismäßig kleiner, reliktischer Scherlinge im Perl-
gneis auf. Die größte beobachtete Linse von Kalksilikatfels wies eine
Länge von 1 m auf. Daneben finden sich auch Kalksilikatbänder bis zu
10 cm Mächtigkeit, die konkordant im s der Gneise liegen. Insbesondere
die Kalksilikatbänder sind nicht selten eng mit Amphibolit verknüpft;
in manchen Fällen wurde sogar ein mehrfacher Lagenbau im cm-Bereich
von Kalksilikat- und Amphibolitlagen beobachtet. Die Grenze zwischen
beiden Gesteinen ist meist unscharf; ein kontinuierlicher Obergang von
Kalksilikatfels in Amphibolit ist nicht ungewöhnlich.
Aufgrund der geringen Größe der Vorkommen ist der Kalksilikatfels
auf der Karte nicht ausgeschieden worden.
1 m Hand stück ist der Kalksilikatfels ein dunkelgrünlich bis
blaugrau gefärbtes, dichtes und hartes Gestein mit splittrigem Bruch, das
in frischem Zustand deutlichen Fettglanz besitzt. Als Lesesteine sind
Kalksilikatfelsbrocken leicht an ihrer typischen weißlichen Verwitterungs-
rinde erkennbar. Lagenbau ist häufig vorhanden; jedoch kommen auch
ganz homogene Stücke vor.
Unter dem Mi kr OS kop zeigt der Kalksilikatfels ein dichtes,
diablastisches Gefüge. Ein Zeilenbau aus hornblende-diopsidreichen, gra-
natreichen und feldspatreichen Partien ist häufig zu beobachten. Auf-
fällig ist die straffe Regelung des Gefüges; nicht nur die mafischen Mine-
rale sind deutlich nach der Gestalt geregelt, auch Plagioklase und Quarze
(x in s) weisen eine Gitterregelung auf.
Der Mineralbestand setzt sich im wesentlichen aus Plagioklas, Diopsid,
Hornblende, Granat, Apatit und Quarz zusammen; untergeordnet treten
Zirkon und opake Erzkörnchen auf. Nach der Definition von GOLDSCHMIDT
(1911) handelt es sich also um einen Diopsid-Plagioklas-Grossular-Horn-
fels.
D i o p s i d bildet häufig große, idiomorph begrenzte Kristalle, die
jedoch von Quarz und Plagioklas so stark diablastisch durchwachsen
werden, daß die einzelnen Individuen nur als Skelette vorliegen. Die
farblosen Körner von Diopsid sind randlieh eng mit Hornblende ver-
wachsen und zeigen beginnende Uralitisierung.
Die gern einen Hornblenden sind wesentlich seltener als die
Pyroxene. Sie bilden zerlappte Formen, die einen fleckigen Pleochroismus
von hellgelblich nach grün aufweisen. Um eingeschlossene Zirkone bilden
sich braune pleochroitische Höfe.
G r an a t setzt im allgemeinen seine Kornform durch; an den äqui-
dimensionalen. rundlichen Körnern sind stets auch Kristallflächen aus-
gebildet. ’
Der P 1 a g io kl a s ist ein Labrador und nimmt die Hauptmenge
des Gesteins ein. Die nach dem Albit- und Periklingesetz breit ver-
24
zwillingten Individuen sind völlig unregelmäßig begrenzt und ineinander
verschränkt. Von Quarz werden sie pflockartig durchwachsen.
Quarz nimmt am Aufbau des Gesteins wesentlichen Anteil. Er
bildet ein Pflastergefüge von rundlichen, glatt umgrenzten Körnern, das
teilweise etwas verzahnt ist.
Die kleinen Körnchen von Z i r k o n sind recht selten, während man
A p a t i t in gedrungenen Kristallen häufiger Andet.
Als Besonderheit ist das Auftreten von W i 1 ui t zu erwähnen, der
sich gelegentlich in Form rundlicher, oft zu mehreren aneinander ge-
reihter Blasten findet.
3.2.1. Orthoamphibolit
Die Amphibolite gehören zu den äResten Bestandteilen der Gneis-
Serie. Ein Teil wurde schon unter den metamorphen Sedimentgesteinen
behandelt. Ober etwas abweichende Varietäten, bei denen eine Abstam-
mung von basischen bis ultrabasischen Magmatiten wahrscheinlich ist,
soll hier kurz berichtet werden. Auf der Karte wurde keine Unterteilung
in Ortho- und Paraamphibolite vorgenommen.
Amphibolit, der sich wahrscheinlich aus Orthomaterial herleitet, tritt
NW Wanzing und SE des Forsthauses Sehachten auf. Er bildet größere,
auskartierbare Einlagerungen von linsiger Gestalt im Perlgneis.
1 m H a n d s t ü c k zeigt der Orthoamphibolit eine ausgezeichnete
Paralleltextur. Durch zahlreiche kleine Plagioklaskörnchen erscheint das
Gestein weiß gepunktet.
Unter dem Mi kr OS kop ist ein schwacher Zeilenbau zu er-
kennen. Der Mineralbestand setzt sich im wesentlichen aus Pyroxen,
Amphibol und Plagioklas zusammen untergeordnet findet sich Chlorit,
Epidot, Zoisit, Klinozoisit, Hellglimmer, Titan& Apatit, Orthit, Zirkon
und Erz. Der Zeilenbau wird in der Hauptsache durch den Wechsel von
gelblich-braunen, kräftig pleochroitischen gemeinen Hornblenden und
gelegentlichen Diopsidresten mit Lagen, die vorwiegend aus Oligoklas-
Andesinen bestehen, hervorgerufen. Reliktstrukturen fehlen, jedoch
sprechen der Mineralbestand und das homogene Gefüge für ein ehe-
maliges Orthogestein, etwa einen Diabas.
25
An anderen Stellen wechselt das Aussehen der Amphibolite in weiten
Grenzen. Besonders bunte Sammlungen, auch fast reine Amphibolgesteine
kann man an den Hängen N und NW Dösing zusammentragen.
Die grünlich-schwarzen Gesteine, die dort auftreten, bestehen fast nur
aus miteinander verschränkten gelblichbraunen Hornblenden; in die
wenigen Zwickelräume haben sich basische Plagioklase (Labrador) ge-
schoben, die oft in Aggregate von Hellglimmern, Epidot, Zoisit und Klino-
zoisit umgewandelt sind. Dabei können auch Karbonate ausgeschieden
worden sein. Des weiteren finden sich strahlige Klinochlorneubildungen,
seltener Pennin, auch in den Hornblenden. Auffällig ist ein hoher Ge-
halt an Erz (neben Ilmenit und Magnetit etwas Pyrit und Magnetkies),
sowie großen Apatitkörnern. Als Einschlüsse treten außerdem Zirkone,
Orthite und Titanite auf. Der Gehalt an basischem Plagioklas kann aber
auch wesentlich höher sein: Apatit, Zirkon und Erz stehen dann zurück.
Auch diese Amphibolite stammen möglicherweise von basischen bis ultra-
basischen Magmatiten ab.
(WILHELM BAUBERGER*))
Bei der Begehung des Gebiets wurde 1 km nordwestlich Grattersdorf
zwischen Kreuzer-H. und Eiserding (R”” 83,96/-” 08,46) auf freiem Feld
ein faustgroßer Lesestein eines metabasitischen Gesteins gefunden.
Irgendeine morphologische Herauswölbung, die auf ein größeres Vor-
kommen dieses Gesteins hindeuten könnte, ist nicht vorhanden; die Suche
nach weiterem Material war ohne Erfolg.
Das Gestein ist sehr dunkel, frische Bruchflächen sind fast schwarz.
Die Verwitterungsrinde ist dunkelgrün mit rostbraunen Flecken. Auf-
fällig ist eine sehr rauhe narbige Oberfläche, die durch selektives Her-
auswittern rundlicher Mineralkomponenten (vorwiegend Plagioklas) her-
vorgerufen wurde. Eine Gefügeregelung ist nicht erkennbar.
Die Hauptmasse des Gesteins besteht aus großen (Korndurchmesser
mehrere mm) teilidiomorphen Pyroxenen, die mehr oder weniger stark
durch eine braune Hornblende verdrängt wurden. Die Hornblende bildet
ebenfalls große Kristalle, die ebenflächig begrenzt flecken- bis baustein-
artig die Pyroxene durchsetzt. In den Pyroxenen sind zahlreiche Ein-
schlüsse vorhanden, vor allem ebenflächig begrenzte Erzkörner (vermut-
lich Magnetit), und in untergeordneter Menge Titanit. Außerdem ist
Hämatit in diffuser Verteilung im Gestein vorhanden. Z. T. eingeschlossen
in Pyroxen, z. T. zwischen den Körnern liegend, sind im Gestein rund-
liche 1-2 mm große Mineralaggregate zu erkennen, die aus diopsidischem
Augit und Plagioklas in symplektitischer Verwachsung mit brauner Horn-
2c
blende bestehen, Vereinzelt kommt außerdem noch Biotit vor. Jüngste
Neubildungen sind Chlorit und Muscovit, die sich die anderen Minerale
verdrängend gebildet haben.
Gefüge und Mineralbestand dieses Gesteins stimmen weitgehend mit
als Eklogit beschriebenen Gesteinen des Moldanubikums überein, Aller-
dings unterscheidet es sich von diesen durch das Fehlen von Granat,
wobei dieser im vorliegenden Schliff durch Diopsid und Plagioklas er-
setzt worden sein könnte.
27
ligen Verflüssigung. Gesteine, die diesem Bildungsbereich entstammen,
werden im Gegensatz zu den metamorphen Gesteinen einerseits und den
Eruptivgesteinen andrerseits als ,,anatektische Gesteine” bezeichnet. Auf
Blatt Lalling gehören zwei Gesteinstypen dem anatektischen Bildungs-
bereich an; der Paragranodiorit und der Nestergranit.
3.3.1. Paragranodiorit, Ca
Der ,,Paragranodiorit“, wie er hier genannt werden soll, wurde bereits
von GÜMBEL (1868) als eigenes Gestein von den übrigen Gneisen und
Graniten des Bayerischen Waldes abgetrennt und als ,,Waldlagergranit“
bezeichnet. Da das Gestein im Habitus wie in der chemischen Zusammen-
setzung einem Granodiorit nach der Definition von TRÖGER (1935) außer-
ordentlich nahekommt, andererseits eine nichtmagmatische Entstehung
sehr wahrscheinlich gemacht werden konnte (LIST 19$8,1961,1966,1969), er-
schien die Bezeichnung ,,Paragranodiorit“ als naheliegendste Lösung für
das in der Petrographie oft so leidige Problem der Nomenklatur.
Der Paragranodiorit tritt einmal im NW des Blattes auf, wo er, von
dem großen Paragranodiorit-Komplex auf Blatt Deggendorf und Ruh-
mannsfelden ausgehend, zwischen Rohrmünz und Haidhof auf Blatt Lal-
ling übertritt und in einem ca. 1 km breiten Zug nach SE weiterstreicht.
Er überquert das tief eingeschnittene Tal des Höllbaches, in dem auch
die Ruselstraße verläuft, und endet nach etwa 3 km bei Muckenthal. Ein
zweiter Paragranodioritkörper liegt etwas südlich davon bei Nemering.
Ein weiterer herzynisch streichender Zug von Paragranodiorit tritt von
Blatt Schöfweg im SE auf Blatt Lalling über, wo er von dem Massiv des
Kaussinger Granits abgeschnitten wird.
Von großer Bedeutung ist der Aufschluß an der Ruselstraße, wo der
Paragranodiorit das Höllbachtal überquert. Hier ist deutlich zu sehen, wie
an der Talsohle der Perlgneis unter dem Paragranodiorit hindurchzieht.
Der Paragranodiorit stellt also keinen Lagergang oder eine steilstehende
Platte dar, sondern es handelt sich offenbar um eine f 1 a c h 1 i e g e n d e
Zu n g e , die von einem Zentrum im NW aus langsam höhersteigt und
bald nach Uberquerung des Höllbaches in die Luft ausstreicht.
Ein weiteres Merkmal des Paragranodiorits ist der allmähliche Uber-
gang in Perlgneis; so gut wie nie ist eine scharfe Grenze zwischen beiden
Gesteinen ausgebildet. Scharfbegrenzte Gänge von Paragranodiorit im
Nebengestein fehlen völlig. Die Obergangszone von Paragranodiorit zum
Perlgneis kann einige hundert Meter mächtig werden. Bei der Kartierung
bereitet deshalb die Grenzziehung zwischen beiden Gesteinen oft Schwie-
rigkeiten. Kontaktmineralien, Skarnbildungen oder ähnliches fehlen im
Hof des Paragranodiorits völlig. Nähert man sich dem Kontakt zum Para-
granodiorit, so stellt sich im Perlgneis lediglich eine allmähliche schwache
Kornvergröberung und eine leichte Mikroklinblastese ein.
28
Interessant ist das Auftreten von Nebengesteinsschollen im Para-
granodiorit. Alle durch die Orogenese 1 geprägten älteren Gesteine, also
Cordierit-Sillimanitgneis, Lagengneis, Biotit-Plagioklasgneis, Amphibolit
und Kalksilikatfels, die als reliktische Schollen im Perlgneis auftreten,
finden sich ebenso als Einschlüsse im Paragranodiorit. Scharfbegrenzte
Schollen von Perlgneis dagegen fehlen.
Diese Feldbeobachtungen sprechen mehr für eine anatektische Ent-
stehung des Paragranodiorits; bei einem Eindringen des Paragranodiorits
als Schmelze in den Perlgneisrahmen wäre ein anderes Bild zu erwarten.
Untersuchungen der Zirkone im Paragranodiorit haben ergeben, daß
es sich größtenteils um sedimentäre Zirkonkörner handelt (LIST 1966). Die
Abkunft des Paragranodiorits von sedimentärem Material kann damit
als weitgehend gesichert angesehen werden. Ein Vergleich des Mineral-
bestands und der chemischen Zusammensetzung von Perlgneis und Para-
granodiorit spricht ebenfalls für diese Deutung (LIST 1961, 1969).
1 m H a n d s t ü c k ist der Paragranodiorit ein mittelkörniges Gestein,
dessen Gernengteile bei einem Korndurchmesser von 2-3 mm ungefähr
gleiche Größe erreichen. Der Biotit, der einen auffällig hohen Prozent-
satz des Gesteins ausmacht, ist in putzenförmigen, nicht zusammen-
hängenden Aggregaten angeordnet. Quarz und Feldspat bilden rundliche,
teils auch idiomorphe Körner. Insgesamt ist das Gestein recht inhomogen;
schlierige Biotitanreicherungen wechseln mit Partien stärkerer Mikroklin-
fiihrung.
Unter dem Mi kr OS kop erkennt man ein halokristallines,
hypidiomorph-körniges Gefüge, das eine starke, prä- bis parakristalline
Durchbewegung erlitten hat (Taf. 3, Fig. 1). In der Nähe von Scherflächen
ist häufig Kataklase der Quarze und Feldspäte zu beobachten, die auf gleich-
gerichtete postkristalline Beanspruchungen hinweist. Diese erfolgten in
höherem Niveau, in dem die neugebildeten Chlorite und Muscovite bereits
stabil waren.
Der M i n e r a 1 b e s t a n d setzt sich aus Biotit, Plagioklas, Kalifeld-
spat und Quarz zusammen. Apatit, Zirkon, Monazit, Titanit und Ilmenit
bilden die akzessorischen Bestandteile. Muscovit und Pennin sind jüngere
Umbildungen des Biotits.
Der B i o t i t ist stets deutlich basalgeregelt: Die großen, randlieh
zerfransten Scheiter sind völlig rekristallisiert. Sie umflasern in unzu-
sammenhängenden Strähnen die Quarze und Feldspäte, An Bewegungs-
bahnen sind die Biotite in P e n n i n umgewandelt, wobei sich T i t a n i t
entlang den Spaltrissen und in strahligen Aggregaten ausscheidet. Sel-
tener wandelt sich der Biotit in M u s c o v i t um; in diesem Fall scheiden
sich dünne Täfelchen von 11 me n i t aus. Der Ilmenit ist mit dem
Muscovit parallel verwachsen.
Die Ausbildung der Biotite unterscheidet sich in charakteristischer
Weise von der der Biotite im Perlgneis. Im Paragranodiorit sind die
29
Individuen größer als im Perlgneis; gleichzeitig ist ihr Habitus ein
anderer. Die Länge der c-Achse erreicht häufig den Durchmesser der
Basis, während die Biotite im Perlgneis dünntafeliger ausgebildet sind.
Die einzelnen Biotitblättchen im Paragranodiorit sind auch größer als
die im Perlgneis.
P 1 a g i o k 1 a s ist der vorherrschende Feldspat im Gestein (35,7 V01.~/o
Pg gegenüber 16,l Vol.O/o Kf). Der Anorthitgehalt schwankt von 25-35O/o
An. Meistens ist der Kern der Plagioklase etwas basischer als die Rand-
partien: Doch ist der Ubergang stetig, und ein scharfbegrenzter Zonarbau
nicht zu beobachten. Rund 93 O/Oder gemessenen Plagioklase sind nach
dem Albit-Ala-Gesetz verzwillingt; bei 20 O/O tritt das -Karlsbader-Gesetz
auf. Einfache Albitlamellen oder Albit-Karlsbad-Zwillinge sind sehr
selten.
Der ziemlich frische Oligoklas-Andesin ist nicht selten im Kern kräftig
serizitisiert; die anorthitreicheren Partien erweisen sich gegenüber der
Hellverglimmerung als weniger widerstandsfähig. Der Plagioklas ist an-
nähernd idiomorph ausgebildet und gut umgrenzt; fast immer enthält
er kleine rechteckige Antiperthiteinschlüsse, Biotit, der wie die Extern-
biotite schon durch Muscovit ersetzt sein kann, und vereinzelt runde
Quarze.
Von Mikroklin und Quarz wird der Plagioklas kräftig angegriffen.
Albitkornneubildungen und Myrmekitwarzen stellen einen jüngeren
Plagioklas dar.
Der K a 1 i f e 1 d s p at liegt stets als Mikroklin vor und bildet große,
lannig begrenzte Individuen mit deutlicher Gitterung. Der Achsenwinkel
2 Vi schwankt zwischen 60° und 7W. Der Projektionspunkt des Lotes auf
die Fläche (100) fällt in dem Stereogramm von v. D. KAADEN (1951) ziem-
lich genau zwischen die Punkte von Orthoklas und Mikroklin. Der Kali-
feldspat ist häufig nach dem Karlsbader-Gesetz verzwillingt. Er um-
schließt alle anderen Gernengteile und wird an der Grenze zu Plagioklas
häufig von großen Myrmekiten angegriffen.
Quarz füllt die Zwickelräume als unregelmäßiges Pflaster. Die
Körner sind leicht verzahnt und zeigen undulöse Auslöschung. Er greift
alle Gefügepartner kräftig an; insbesondere von ehemals größeren Plagio-
klaskörnern findet man nicht selten nur noch eine Anzahl kleiner, gleich-
orientierter Uberbleibsel.
Unter den Akzessorien nimmt der A p at i t den Löwenanteil ein. Er
kommt in gedrungenen, kurzprismatischen Körnern in merklich höherer
Menge vor. als es sonst in granitischen Gesteinen der Fall ist. Radio-
aktive Höfe wurden bei ihm mcht beobachtet, stets jedoch beim Z i r k o n,
der kleine, teils gerundete, teils idiomorphe Körner bildet. Es spricht
vieles dafür, daß ein Teil dieser Zirkone sedimentärer Herkunft ist (Lrsr
1966). Dazu tritt etwas M o n a z i t , sowie 11 m e n it in mäßiger Menge.
Er kommt in größeren, zerlappten Körnern vor.
3.3.2. Nestergranit
Der Nestergranit tritt in wechselnder Menge im gesamten Blattgebiet
auf. Schöne Vorkommen findet man in den Perlgneisblöcken am Durch-
further Schuß. Er kommt in Form dm-großer, unregelmäßig länglicher
Nester im Perlgneis vor; man darf ihn wohl als Produkt einer in situ
bis zur Palingenese gesteigerten Anatexis, also einer lokalen Gesteins-
30
aufschmelzung, ansehen. Wegen der geringen Größe der Vorkommen
konnte der Nestergranit nicht auf der Karte dargestellt werden.
Im Handstück erscheint das Gestein als heller, feinkörniger
Granit. Eine Regelung ist meist nicht zu erkennen. Der Habitus des
Gesteins ist inhomogen, oft wechseln schon im Handstückbereich dunklere
Schlieren mit biotitarmen, mikroklinreichen Partien ab. Je größer das
Schmelznest ist, desto einheitlicher wird die Gesteinsausbildung.
Unter dem Mikroskop fällt auf, daß Kalifeldspäte und
Plagioklase etwa die gleiche Kornausbildung aufweisen. An Mineralien
treten dazu Biotit und Quarz; in manchen Proben findet sich auch Musco-
vit in größerer Menge.
P 1 a g i o k 1 a s hat stets den Chemismus von Oligoklas; als Besonder-
heit ist zu erwähnen, daß die Zwillingslamellierung nach dem Albitgesetz
wie in den Perlgneisen öfter fehlt. Der Plagioklas zeigt metasomatisch
entkalkte Ränder und buchtige Korrosionsformen und wird von Kali-
feldspat verdrängt. Schemenhaft läßt sich bisweilen ein idiomorpher
Zonarbau in der entkalkten breiten Randzone erkennen.
Die Mikro kline sind fast nie idiomorph, sondern unregelmäßig
rundlich oder länglich ausgebildet. Sie enthalten kaum Biotite, selten
kleine Plagioklase, jedoch reichlich Quarz.
Die B io tite treten sehr zurück; das Gestein ist ausgesprochen
leukokrat.
Q u a r z ist kaum verzahnt und zeigt auch keine undulöse Auslöschung;
er scheint also keinerlei tektonische Beanspruchung mehr erlebt zu haben.
Hauptsächlich an Biotit geknüpft sind Apatit und Zirkon. Die
Ubernahme von Zirkon in die Feldspäte könnte auf eine Verdrängung
des Biotits durch Feldspat hinweisen. Als weitere Akzessorien Anden sich
Orthit und Granat.
31
getrennt. Dunkle, nur von gelegentlichen Feldspatflammen durchschossene
Einschlüsse sind häufig. Sie bilden Lagen und schwimmen knollenartig
oder auch eckig umgrenzt im helleren Palit.
In einzelnen Partien sind Hornblenden als grünliche Bänder oder
Putzen sichtbar. An die basischen Mineralien sind auch kleinste Erz-
einsprenglinge (Magnetkies und Pyrit) gebunden.
Die selteneren hell en Abarten können durch die Einschaltung
zahlreicher und recht großer Kalifeldspäte (bis über 4 cm lang) zu mittel-
körnigen hellen, fast granitischen, aber straff geregelten Gesteinen
werden, Auch Brocken eines hornblendehaltigen pegmatischen Gesteins
wurden beobachtet.
Unter dem Mikroskop läßt der normale, grobkörnige Palit
eine scharfe Trennung in ein dunkles und helles Teilgefüge erkennen.
Das Gestein ist stark durchbewegt. Der Mineralbestand setzt sich im
wesentlichen aus Amphibol, Biotit, Plagioklas, Kalifeldspat und Quarz
zusammen; dazu treten in untergeordneter Menge Hellglimmer, Chlorit,
Epidot, Karbonat, Titanit, Rutil, Apatit, Zirkon, Orthit und Erz.
32
Die d u n k 1 e n V a r i e t ä t e n und knollenförmigen Einschlüsse im
Palit führen fast keinen Kalifeldspat. Sie sind zum Teil im mikroskopi-
schen Bild sehr perlgneisähnlich.
Andere Palite enthalten neben gelblichbraunen B i o t i t e n , die
kräftig beansprucht erscheinen, vornehmlich bläulichgrüne gemeine
B o r n b 1 e n d e n. Gleichzeitig treten M a g n e t k i e s und T i t a n i t
hervor; weiter finden sich Epidot, Klinozoisit, Zoisit und
Pseudozoisit. Die Plagioklase werden etwas basischer (Ande-
sine). Sie sind alle stark gerundet und enthalten geschonte Biotite, haben
also die Verformung besser überstanden als Biotit und Q u a r z.
Bei den hellen Abarten des Palits nehmen die Kalifeld-
späte an Größe und Menge rasch zu, doch bleiben die Plagioklase immer
noch in ansehnlicher Menge am Aufbau des Gesteins beteiligt.
Die Integrationsanalysen ergaben in Volumprozenten:
Hb1 Bi pg Kf Qu Rest
3.4. Eruptivgesteine
Unter der Bezeichnung ,,Eruptivgesteine“ sind alle Gesteine zusammen-
gefaßt, für die eine Auskristallisation aus dem schmelzflüssigen Zustand
sicher ist oder nach dem gegenwärtigen Wissensstand als wahrscheinlich
anzunehmen ist. Dabei herrschen die sauren Eruptivgesteine mengen-
mäßig bei weitem vor, während sich die intermediären und basischen
Eruptiva durch größere Mannigfaltigkeit in Mineralbestand und Er-
scheinungsform auszeichnen.
3 33
3.4.1. Redwitzit, Re
Anstehend ist der Redwitzit im Untersuchungsgebiet nirgends auf-
geschlossen, so daß man bei der Kartierung auf Lesesteine angewiesen
ist und über den Verband zum Nebengestein nichts ausgesagt werden
kann. Da die verschiedenen Vorkommen nur geringe Ausdehnung be-
sitzen, haben sie keinerlei praktische Bedeutung. Im Gelände sind sie
trotzdem kaum zu übersehen, weil sie nicht wie die Gneise und Granite
rasch zu Grus zerfallen, sondern zu wallsachähnlichen, kugeligen Ge-
bilden verwittern.
Die geologische Stellung und Genese der Redwitzite ist noch weit-
gehend ungeklärt; für den Petrographen stellen sie daher ein hoch-
interessantes Problem dar.
1 m Handstück ist das Material ungemein zäh und nur schwer
mit dem Hammer zu zerschlagen. Auf frischem Bruch treten die großen
Biotite deutlich hervor, die untereinander wie auch mit Hornblende ver-
schränkt sind. Feldspat füllt die Zwickelräume. Auffällig ist die starke
Inhomogenität dieser Gesteine im Chemismus und Gefüge, die bis in
den Handstückbereich gehen kann.
U n t e r d e m M ikr o s k o p zeigt der Redwitzit ein hypidiomorph-
körniges Gefüge, das sich von dem echter Tiefengesteine in keiner Weise
unterscheidet. An Mineralien finden sich im wesentlichen Amphibol,
Biotit, Plagioklas und Quarz; Pyroxen ist weniger häufig. Dazu treten
in geringer Menge Chlorit, Apatit, Zirkon, Orthit, Titanit und Erz.
Ein kleiner Stock eines mittelkörnigen Redwitzites findet sich im Grei-
singer Hochwald. Im Dünnschliff zeigt auch dieser Redwitzit ein hyp-
idiomorph-körniges Gefüge. Die Biotite sind teilweise deutlich geregelt.
Die großen dunklen Bio t i t e und olivgrünen gemeinen Horn -
b 1 enden bilden größere Aggregate und sind eng miteinander ver-
wachsen. Die Biotite sind häufig siebartig durchlöchert und streifenweise
in Pennin umgewandelt. Die eingeschlossenen 0 r t h i t e, Z i r k on e
und Titanite haben sich mit pleochroitischen Höfen umgeben. Die zahl-
reichen idiomorphen A p a t i t e sind nicht radioaktiv.
Pl a gi o kl a s bildet neben Biotit die Hauptmenge des Gesteins;
er ist frisch, oft annähernd idiomorph und besonders schön verzwillingt.
Neben Antiperthit-Täfelchen kann er anders orientierte Kerne von seri-
zitisiertem Plagioklas umschließen. In den Zwickelräumen findet sich zu-
weilen etwas Quarz.
Ein zweites, sehr kleines Vorkommen am Dattinger Berg unter-
scheidet sich von dem eben beschriebenen nur dadurch, daß das Korn
gröber und der Charakter basischer ist, Die Apatite sind sehr groß-
wüchsig, die Plagioklase von Andesin- bis Labradorcharakter, Quarz
fehlt.
Ein drittes, etwas andersartiges Vorkommen liegt als knollenförmiger
Körper SE von Kapfing an der Spitze des nach NW weisenden Aus-
34
läufers des Paragranodiorits. Das Gestein ist hier feinerkörnig und
homogen. In einer graugrünlich dunklen, weißlich verwitternden Grund-
masse, in der man glasig-weißliche, unregelmäßig begrenzte Plagioklase
erkennt, sind reichlich Biotittäfelchen eingesprengt. Die Bestandteile sind
nicht geregelt. Auf die mikroskopisch sichtbare dichte Verfilzung und
sperrige Verwachsung der Mineralien ist wohl die große Zähigkeit des
Gesteins zurückzuführen. Eine Regelung ist auch im Schliff nicht er-
kennbar.
Die P 1 a g i o k 1 a s e , die den Hauptbestandteil des Gesteins bilden,
sind recht verschieden groß, doch zeigt sich dabei kein Hiatus. Die größe-
ren haben teilweise den Chemismus saurer Labradore, die meisten den
von Andesin, die kleinen können bis in den Bereich der Oligoklase ge-
raten.
Eingelagert in das sperrige Gewebe der Plagioklasleisten sind große,
dicke B i o t i t t a f e 1 n , die weitgehend korrodiert sind. Sie schließen
mitunter recht große Z i r k o n e ein, die metamikt sein können. A p a -
t i t e , oft in dicknadeligen Formen sind reichlich vorhanden, ebenso Erze
(Magnetkies und Magnetit) in zerlappten Körnern und Blättern.
Des weiteren sind in das Plagioklasgewebe massenhaft rundlich um-
grenzte tremolitische Ho r n b 1 e n d e n eingesprengt, die häufig ver-
zwillingt sind. Sie werden oft von Biotiten umschlossen oder umschließen
diese, vielfach kommen auch Parallelverwachsurigen von Biotit und Horn-
blende vor; es macht den Eindruck, daß der Altersunterschied beider
gering ist. Die Amphibole enthalten feinste Erzflitter, wohl 11 m e n i t ,
orientiert eingelagert, die häufig zwei aufeinander senkrechte Richtungen
einhalten (uralitisierte Pyroxene?). Reste von H y p e r s t h e n sind noch
erhalten,
Biotit und Amphibol werden vor allem vom Plagioklas verdrängt.
Untergeordnet und oft auf Zwickelräume beschränkt, tritt der Quarz
auf. Er zeigt keine Spuren irgendeiner postkristallinen Beanspruchung.
35
Dieses Bild variiert sehr. Die Biotitstreifen können fehlen, die Plagio-
klaseinsprenglinge seltener werden; dafür wird dann die Grundmasse
etwas gröberkörnig und erscheint durch die Plagioklase gesprenkelt. Die
Regelung kann undeutlich werden; andererseits gibt es fast mylonitisch
verschieferte Typen (Taf. 3, Fig. 2).
Einige wenig beanspruchte Diorite, z.B. die von Böse& führen relik-
tisch statt der Biotitlineale rund 0,5 cm lange Amphibolknollen, die von
Biotit ummantelt werden.
Der Mineralbestand setzt sich aus Biotit, Plagioklas, Kalifeldspat und
Quarz zusammen; dazu treten in geringerer Menge Amphibol, Chlorit,
Rutil, Apatit, Orthit, Zirkon und Erz.
U n t er dem M i k r o s k o p weist der Quarzdiorit meist ein außer-
ordentlich feinkörniges Grundgewebe auf, das von straff parallel ge-
richteten Biotiten beherrscht wird.
36
Der dritte Hauptbestandteil ist der Q u a r z. Die Körner sind rund-
lich bis länglich und nur schwach verzahnt. Häufig enthalten vor allem
die Quarze haarfeine, lange Nadeln hoher Lichtbrechung, die wohl
R u t i 1 e darstellen.
K a 1 i f e 1 d s p a t findet sich normalerweise in geringen Mengen.
Häufig ist er in linsenförmig umgrenzten Bereichen oder Schlieren an-
gereichert. Es sind xenomorphe Individuen, die mitunter eine perthitische
Entmischungsstruktur zeigen, Zuweilen werden sie von Quarz und Myr-
mekit verdrängt. - Die jüngere Albitblastese ist auch an den Lagen
kleinster Quarze und saurer Plagioklase nachweisbar.
Die Kalifeldspäte können vielleicht, wie auch DRESCHER (1930) und HEGE-
MANN (1932) vermutet haben, auf eine Zufuhr aus dem sehr kalireichen
Granit, der mit den Dioriten verknüpft ist, zurückgehen.
Eine Abart der Diorite enthält gemeine Hornblenden. Sie
sind pleochroitisch von dunkelbläulichgrün zu hellgelblichgrün, in ein-
zelnen Knollen angereichert oder auch gleichmäßig verteilt. Zugleich
finden sich auffällig viele Tit ani t e, die zumeist die Ilmenitkörner
umringen.
Integrationsanalysen einiger Dünnschliffe ergaben folgendes Bild der
modalen Zusammensetzung in Volumprozenten:
Hb1 Bi pg Qu Kf Erz+Ap Orth+Zr
-t Tit
1) - 21,4 30,6 23,9 18,8 v 1,4 o/o
2) - 26,6 31,0 26,6 11,4 4,2 0,2 Qlo
3) 4,4 26,0 37,9 18,9 996 237 0,5 010
1) Quarzdiorit mit kalifeldspatreicher Schliere, Durchfurth. 2) Heller,
etwas gröberkörniger Quarzdiorit, Tannbühl bei Seiboldsried. 3) Amphi-
bolführender Quarzdiorit, Ginn.
Alle drei Analysen wurden an Gesteinen gemacht, die vom Normaltyp
etwas abweichen. Das typische Gestein selber ist meist zu feinkörnig, als
daß sich der Mineralbestand mit Hilfe des Integrationstisches erfassen
ließe. Deshalb wurde durch Vergleich mit den integrierten Proben die
modale Zusammensetzung, als Beispiel die des Gesteins vom Padlinger
Bruch (Laschinger) so genau wie möglich geschätzt. Sie beträgt:
Hb1 Bi RZ Qu Kf ErzSAp OrthSZrSTit
-_ 25 34 29 5 6 1 O/o
In der Zusammensetzung entspricht dieser Quarzdiorit annähernd dem
Quarzdioritporphyrit nach der Definition von TRÖGER (1935).
Den besten Einblick in die Geologie der Quarzdiorite gewähren, knapp
außerhalb der Blattgrenze auf Blatt Schöfweg, der Steinbruch Laschinger
nördlich von Padling und der stillgelegte Steinbruch westlich daneben.
Dort sieht man, daß Diorit und Perlgneis gemeinsam verformt worden
sind, Beweise dafür liefern die in den Quarzdiorit hineingezogenen Perl-
gneisflatschen, bzw. die in den Perlgneis eingearbeiteten Dioritapophysen.
37
Im Dünnschliff läßt sich beobachten, daß Scherbahnen aus dem Gneis
ohne abzusetzen in die Grundmasse des Diorits hineinlaufen. Die Re-
kristallisation der Minerale des Dioritgrundgewebes, ebenso wie die der
Biotite, Feldspäte und Quarze des Perlgneises ist jünger als die Ver-
formung. Die Diagramme der Biotit- und Quarzregelung des Diorits be-
stätigen das Bild eines Blastomylonits.
Mit den Quarzdioriten zusammen tritt häufig, aber in sehr ge-
ringen Mengen, ein sehr kalifeldspatreicher, heller, feinkörniger Granit
auf, der in die Verformung miteinbezogen worden ist und streng ge-
regelt erscheint. Auch Mischprodukte finden sich in Einzelfällen. Zum
Teil ist eine Kalifeldspatblastese im Diorit deutlich an die Nähe des
Granits gebunden.
Sein Auftreten entspricht vielleicht dem der feinkörnigen Granite,
die in ähnlicher Weise im Regensburger- und im Passauer Wald der
Dioritintrusion unmittelbar folgten. In den Padlinger Steinbrüchen ist
der jüngere Granit gröberkörnig und teilweise sehr viel dunkler als
normal, seine Verformung ist hier besonders schön zu studieren. Der
Granit ist mit verfaltet worden. Diese Scherfalten zeigen, wie der Quarz-
diorit eine einscharige nichtaffine Gleitung erlitten hat, also in die tek-
tonische Formung seines Rahmens miteinbezogen worden ist. Die vom
Granit sich abspaltenden Aplite blieben länger mobil und konnten das
Gestein schließlich quer durchbluten.
Die eben geschilderten Verhältnisse gelten für die Mehrzahl der auf
der Osthälfte des Blattes gelegenen Quarzdioritvorkommen.
Andererseits ist festzustellen, daß eine Reihe von Dioriten, z.B. öst-
lich der Ruseler Kreuzstraße, bei Böse1 und an anderen Orten eine nur
schwache oder gar keine Verformung erlitten hat. Der im Westteil des
Blattes gelegene Aufschluß an der Höhe 863,6m NE Frohnreut zeigt den
Quarzdiorit zwar im großen akkordant, im einzelnen jedoch diskordant
gegen das s des Perlgneises laufend und kaum geregelt. Das Innere des
Ganges ist gröberkörnig und ungeregelt. Gegen das Salband zu wird das
Gefüge sehr feinkörnig und zeigt eine deutliche Fließregelung. Man
kann annehmen, daß es sich bei diesen verschiedenen Vorkommen um
geringfügig altersverschiedene Quarzdioritintrusionen handelt, oder daß
die Verformung, von der die Diorite und Perlgneise gemeinsam be-
troffen wurden, sich nicht überall gleichmäßig ausgewirkt hat.
3.4.3. Titanitfleckendiorit, ti Dr
Titanitfleckendiorit findet%h nur in zwei kleineren Vorkommen NW
Ennsmannsberg. Der Verband zum Perlgneis ist nirgends aufgeschlossen;
doch dürfte es sich, wie bei den Quarzdioriten, um akkordant im Gneis
liegende Gänge handeln.
38
1 m H a n d s t ü c k unterscheidet sich der Titanitfieckendiorit von
den Quarzdioriten durch die weißlichen, durchschnittlich 5 mm im Quer-
schnitt messenden ,,Flecken”. Diese sind in B gelängt und lassen Quarz,
Feldspat und Titanit als Bestandteile erkennen. Bereits makroskopisch
zeigen die Gesteine eine deutliche Schieferung.
Unter dem Mikroskop erkennt man in einem feinkörnigen
Grundgewebe deutlich die groben Quarz-Feldspat-Flecken, in deren Mitte
immer ein großer Titanitkristall liegt. Die Flecken werden von den
Biotiten umflasert. Der Mineralbestand der Flecken setzt sich aus Kali-
feldspat, Plagioklas, Quarz, Hornblende, Biotit, Chlorit, Vermiculit und
Titanit zusammen; daneben treten Apatit, Zirkon, Orthit und Erz auf.
Die Grundmasse entspricht im Mineralbestand und Gefüge den Quarz-
dioriten; eine gesonderte Beschreibung erübrigt sich deshalb.
39
1 m Ha nd s t ü c k ist das Gestein zumeist einheitlich mittelkörnig.
Überwiegend besitzt der Flasergranit eine ausgeprägte, flaserige Stenge-
lung. Oft deutet sich zusätzlich noch eine flächige Schieferung an.
Der Eindruck der Stengelung entsteht durch eine unregelmäßige ab-
setzende Anordnung der dunklen und hellen Glimmer in leichtgewellten
Linearen. Sie umschließen auf diese Weise, zusammen mit kleinsten
Körnern heller Gernengteile, die langaugenförmig ausgebildeten Feld-
späte. Diese sind im Mittel 3 mm groß.
Dieser Grundtyp variiert. Die B-achsiale Stengelung kann zu einem
geplätteten s-Tektonit überleiten, andererseits gibt es fast vollkommen
unbeanspruchte Granite. Neben einigen feinerkörnigen kommen auch
gröberkörnige Abarten vor. Feinerkörnige, geschonte Partien finden sich
z.B. am Buchbügel.
Unter d em Mikro s k o p ist die strenge Regelung des Gefüges
meist deutlich zu erkennen. Der Mineralbestand setzt sich aus Biotit,
Plagioklas, Mikroklin und Quarz zusammen; dazu treten Chlorit, Hell-
glimmer, Sillimanit, Rutil, Titanit, Apatit, Orthit, Zirkon und Erz.
Den Hauptteil des Gesteins nehmen große Mikro kli n e ein. Sie
zeigen meist eine deutlich ausgebildete Gitterung; zuweilen fehlt sie aber,
und die Kalifeldspäte sind stattdessen unregelmäßig gestreift. Möglicher-
weise kommt dies durch eine scherende Beanspruchung zustande. Spindel-
förmige Perthite sind häufig. Die einzelnen Kalifeldspäte sind meist deut-
lich zugerundet oder in s augenförmig zugespitzt. Auch Spuren einer
Verbiegung oder gleitenden Zerlegung fehlen nicht. Als Einschlüsse
finden sich rundliche Quarze, kleine, in etwa noch idiomorphe Plagio-
klase, buchtig umgrenzt und mit entkalkter Randzone, und idiomorphe
Biotittäfelchen.
Die P 1 a g i o k 1 a s e (Oligoklase) treten zurück, nur selten bilden sie
größere Individuen und lassen dann manchmal noch einen Zonarbau
erkennen,
Des weiteren treten Q u a r z a g g r e g a t e aus undulös auslöschen-
den, miteinander verzahnten Teilindividuen auf, die parkettartig zer-
felderten ehemaligen Großkristallen entsprechen. Der Quarz enthält zu-
weilen haarfeine R u t i 1 n a d e 1 n.
Quarz und Feldspataggregate werden von langen B i o t i t - M u s -
c o v i t - Flaserzügen umhüllt, die deutlich die Spuren einer para- bis
postkristallinen Deformation zeigen. In scharfem Gegensatz dazu stehen
die wohlerhaltenen Internbiotite.
Sekundär aus Biotit gebildet werden C h 1 o r i t , Ru t i 1, T i t a n i t
oder Muscovit, in deren Basisfugen Erzblättchen eingelagert sind.
Als Einschlüsse enthält der Biotit idiomorphe Zir kone, Orthit e,
rundliche Er z kö r n er und viele größere A p a t it e.
In den vom Massiv ausgehenden Gängen hat das Magma, besonders
wenn es die Zone der Cordierit-Sillimanitgneise quert, Sillimanit in
teilweise recht erheblicher Menge übernommen; in anderen Flasergranit-
Gängen kam es zu tektonoblastischer Neubildung von Sillimanit auf den
40
Intergranularen. Bemerkenswert sind neben der starken mechanischen
Beanspruchung des Biotits (Zerscherung in Teilindividuen, Seheiterzöpfe,
Verbiegungen) die chemischen Umsetzungen, sichtbar z.B. an den von
wurmförmigem Quarz zerfressenen, ruinenartigen Biotiten und Musco-
Viten.
Zu diesen durch die mechanische Beanspruchung ausgelösten Diaph-
thoreseerscheinungen gehören auch die starke Hellglimmerblastese
(garbenartige Büschel) und die Ausbildung eines Quarz-Albit-Korn-
Pflasters auf den Intergranularen. Kleine Plagioklase und Mikrokline
werden von diesem vollständig verdrängt. Gleichalt mit dem Quarz-Albit-
Pflaster sind die vielen Myrmekitwarzen, die sich am Rande und auf
Spaltrissen der Mikrokline festsetzen. Die Quarze greifen neben den
Glimmern auch die Feldspäte an und können sie siebartig durchlöchern.
Das Mittel aus vier Integrationen, worunter zwei von den Flaser-
granitgängen des Ranzinger Berges stammen, ergibt:
Bi Mu pg Qu Kf Rest
69 w 23,l 33,8 26,l 1,o 010
Es handelt sich also um einen quarzreichen, hellen Granit.
Das einheitliche Massiv zerschlägt sich nach SW zu; in einigen Sand-
gruben läßt sich beobachten, daß Perlgneisschollen aufgenommen und
eingeregelt worden sind. Einzelne Einschlüsse scheinen vom Flasergranit-
magma etwas angegriffen worden zu sein, gewöhnlich aber weisen sie
scharfe Grenzen auf. Gegen den Kamm des Waldes hin überwiegt der
Perlgneis immer mehr; man kann nach der Verteilung der Lesesteine
nach W und SW streichende Granitgänge annehmen.
Im Cordierit-Sillimanitgneis-Bruch NNW des Ranzinger Vorberges ist
ein Gang mit einem Streichen von 80° und einem Einfallen von 50’ N
aufgeschlossen.
In den Gipfelfelsen des Leitenbühl und an einzelnen Blöcken treten
ebenfalls Gänge im Perlgneis auf, die aller Wahrscheinlichkeit nach auch
noch vom Flasergranitmassiv direkt abzuleiten sind.
Man muß den Flasergranit nach diesen Beobachtungen für jünger als
die Hauptphasen der Perlgneisbildung halten. Er ist jedoch noch von
etwa gleichgerichteten Bewegungen erfaßt worden, die möglicherweise
schon zur Pfahltektonik in weiterem Sinn gerechnet werden können.
41
Am Dattinger Berg lassen sich vier Arten dieser Granite gut gegen-
einander abgrenzen, darunter der oben beschriebene Nestergranit. Auf
der Karte wurden die verschiedenen Granitvarietäten mit Ausnahme des
geflaserten Lagerganggranits einheitlich als ,,Ganggranit“ dargestellt.
42
Die Bi o t i t e sind bräunlich-olivgrün bis zart meergrün gefärbt.
Sie enthalten Erze, Zirkone und größere rundliche Apatite.
Große Hellglimmer-Chlorit-Knoten, die öfters imschliff-
bild erscheinen, sind aufgrund des Auftretens der ,,gelben Zwischen-
substanz” wohl als Cordieritpseudomorphosen anzusehen.
Bei der posttektonischen Rekristallisation wachsen auf den Gleit-
flächen garbenförmige, dichte Aggregate von H e 11 g 1 i m m e r n.
Gelegentlich, besonders in dichten Hellglimmernaketen oder auch auf
Korngrenzen und Rissen im Plagioklas,- haben- sich S i 11 i m a n i t -
n a d e 1 n in parallel geordneten Zügen oder wirrstrahligen Girlanden
neu gebildet.
Weiter entwickelt sich von den Intergranularen aus ein Quarz-Albit-
Kleinkorngewebe, aus dem heraus die jüngere Myrmekitgeneration auf-
sproßt, die den Mikroklin verdrängt. Bei den jüngsten Stoffumsetzungen
im Gestein wird Muscovit durch Quarz verdrängt.
Die mikroskopischen Beobachtungen (Antiperthittäfelchen in den
Plagioklasen, Cordieritführung u. a.), die Obergänge zu den Nester-
graniten und auch der Fund eines andalusitführenden, granitähnlichen
Gesteins aus der gleichen geologischen Position weisen darauf hin, daß
es sich auch hier um Migmagranite, also palingen gebildete Gesteine,
handeln könnte.
43
Quarze (eingeschlossene Frühausscheidungen oder später metasomatisch
eingewandert?). Perthitspindeln und -bänder erscheinen regelmäßig.
Manchmal sind die Kristalle durch massenhaft eingelagerte, hoch licht-
brechende Mikrolithen wolkig getrübt.
In losen Zügen hintereinander liegen in der Grundmasse kleine,
manchmal noch idiomorphe, meist aber stark korrodierte B i o t i t e mit
Erz, Zirkon und Apatit.
Die Pl a gi o kla s e treten zurück; an einzelnen, etwas größeren
Exemplaren läßt sich noch ein vielschichtiger Zonarbau erkennen; die
Kristalle scheinen ursprünglich idiomorph gewesen zu sein. Innen haben
sie den Chemismus saurer Andesine, außen den von Oligoklasen. Die
Umgrenzungslinie ist buchtenreich, eine albitische Randzone greift lappig
nach innen vor.
Die Quarz e sind nur zum Teil miteinander verzahnt, sie bilden
größere Aggregate. Eine undulöse Auslöschung fehlt im allgemeinen.
Dieser Altbestand ist kräftig verflasert worden (Intern-Extern-Biotite,
zugerundete, zum Teil zerlegte Mikrokline, zerlegte Großquarze).
Auf die Rekristallisation geht wie üblich die Hellglimmerblastese und
die Entwicklung eines voluminösen Kleinkorngewebes zurück (Quarze,
kleine Mikrokline, viele Albitknospen und Myrmekitwarzen).
44
Ranzinger Vorberges und auch recht genau aus der Lesesteinkartierung
auf dem Rücken des Gebirges, wo Fließerdewanderungen ausgeschlossen
werden können.
Auch viele Gänge am Leitenbühl scheinen nach Lesesteinfunden sicher
NE-SW zu laufen.
Andererseits sind auch schieferungsparallele Granitgänge durch Auf-
schlüsse belegt, so in den Felsen unterhalb des Gipfels 765,5 m am
Leitenbühl.
Nach Mineralbestand und Struktur gleichen sie dem Flasergranit. Es
müßten somit von der Durchbewegung erfaßte Apophysen des Massivs
sein; doch kann man auch eine Deutung als Migmagranit nicht durchweg
ablehnen.
Allerdings treten hier auch hellere, biotitärmere, teils aplitgranitische
Gesteine auf, die gut durchgeregelt sind und Gangraniten des Kaußinger
Massivs vollkommen gleichen. Anstehend ließen sie sich nicht auffinden.
45
Der am frühesten ausgeschiedene Hauptgernengteil ist der B i o t i t ;
die länglichen Blätter sind oft sperrig aneinander gelagert. Seine Farbe
hat einen für das Massiv charakteristischen Stich ins olivgrüne.
Als Einschlüsse finden sich kleine idiomorphe oder größere zugerundete
A p a t i t e. Zahlreiche, große, bräunlich-honiggelbe 0 r t h i t e mit engem
Zonarbau wurden in einem der feinstkörnigen Granite des Thiele-Bruches,
der auch besonders epidotreich ist, beobachtet. Sie werden von E p id o t
und Klinozo isi t häufig ummantelt. Freilich liegen sie heute nur
noch als voneinander isolierte und teilweise angegriffene Bruchstücke vor.
Die Erzeinschlüsse sind oft idiomorph mit quadratischen Um-
rissen.
Wenn der Biotit umgewandelt wird, so selten in M u s c o v i t , sondern
häufiger unter Ausscheidung von Epidotmineralien auf den Spaltflächen
in Pennin.
Die Biotite zeigen meist deutliche Spuren einer kräftigen Korrosion.
In den angreifenden Plagioklasen (die später ausgeschiedenen Mikrokline
und Quarze sind weniger aktiv) bleiben als Oberreste eines verdauten
Biotits nur etwas Erzstaub und unbeschädigt übernommene Apatite und
Zirkone. Häufig ist der Biotit am Rande zu Plagioklas in Muscovit mit
eingelagerten Erzblättern umgewandelt. Primäre Muscovite sind seltener
anzutreffen.
Den Hauptteil des Gesteins nehmen leistenförmige P 1a g i o k 1a s c
ein, die nur ausnahmsweise stark geregelt sind. Meist sind sie prachtvoll
zonar gebaut. Innen besitzen sie den Chemismus basischer Andesine, nach
außen gehen sie allmählich in saure Oligoklase über. Die abweichend aus-
löschenden Zonen liegen meist in der Mitte zwischen Rand und Mittel-
punkt oder im äußeren Drittel des Kristalls. Sie sind deutlich voneinander
abgesetzt und folgen vielfach dicht aufeinander.
Die Kerne sind oft serizitisiert; die kleinen Glimmerblättchen können
sich zu durchbrochenen Muscoviten zusammenschließen. Als skelettartige
Neubildungen treten auch Epidot, Zoisit, Klinozoisit und Karbonat auf.
Gelegentlich findet man wirr eingewachsen kleinste Kaolinitschuppen.
Fast alle Plagioklase zeigen um den idiomorphen Kern eine albitische
Randzone. Sie ist meist vollkommen klar, die Zwillingslamellen fehlen.
Nach außen zu ist sie buchtig umgrenzt. Unmittelbar aus dieser Rand-
zone heraus entwickeln sich die schwammartig gegen die Mikrokline
vorwachsenden Myrmekite. Sie sind jedoch nicht allzu häufig und oft auf
die Stirnflächen der leistenförmigen Plagioklase beschränkt.
Meist sind die Plagioklase nach dem Albitgesetz, oft zusätzlich nach
dem Karlsbader Gesetz verzwillingt. Das Periklingesetz fehlt fast voll-
ständig.
Unter den mengenmäßig zurücktretenden K a 1 i f e 1 d s n ä t e n finden
sich neben den deutlich gegitterten Mikroklinen auch einheitlich aus-
löschende Individuen. Sie sind meist xenomorph oder nur sehr unvoll-
kommen quaderförmig entwickelt. Häufig sieht man amöbenartig ge-
staltete Blasten, die den Plagioklas deutlich verdrängen. Kleine idio-
morphe Plagioklase finden sich besonders häufig als Einschlüsse; sie
zeigen zwar meist einen albitischen Reaktionssaum, jedoch nur sehr selten
eine Entwicklung von Myrmekit. Bandförmige Perthite sind recht selten,
häufig füllen sie Risse, die z.B. um Einschlüsse herum entstanden sind.
Sie folgen also nicht kristallographisch vorgezeichneten Richtungen,
sondern stehen immer senkrecht auf der Grenzfläche gegen den Einschluß.
Die Gitterung meidet perthitführende Partien nach Möglichkeit.
46
Quarze, manchmal mit reihenweise angeordneten Flüssigkeitsein-
schlüssen, finden sich in Aggregaten und schwach miteinander verzahnt.
Sie löschen meist streifig undulös aus. Im Kern der Quarze findet sich
oft R u t i 1 in zahlreichen haarfeinen Nadeln.
In zwei Schliffen ließ sich beobachten, daß korallenstockartig ver-
zweigte Quarzindividuen von Intergranularen aus den Mikroklin durch-
wachsen. Im Querschnitt erscheinen diese durchsiebt.
Als sekundäre Bildungen im Granit wurden schon erwähnt die
Epidotmineralien, Chlorite und Karbonat. Pennin wächst
oft selbständig rosettenförmig.
Selten treten Tit anite auf, einmal wurden auch feinste S illi -
manitnadeln beobachtet.
Auch für den Kaußinger Granit seien die Ergebnisse von 4 Inte-
grationen in Volumprozenten mitgeteilt:
Bi Mu Kf pg Qu Rest
47
Im Thiele-Bruch sieht man, daß der mittelkörnige Granit etwas älter
ist als ein sehr feinkörniger, der seinerseits allmählich in den normal
feinkörnigen Kaußinger Granit übergeht.
Bei einem Streifen von feinstkörnigem Granit, der über die Altreut
hinwegzieht, kann man vermuten, daß es sich um eine größere Schliere
von der Art der feinstkörnigen Fazies im Thielebruch handelt.
48
2) Typisch und für die Mehrzahl der Gänge bezeichnend dagegen ist eine
starke Durchbewegung und Verflaserung des Granits, die zu einer
straffen linearen, oft auch flächigen Regelung der Biotite und Feld-
späte führt.
In der näheren Umgebung des Massivs kommt eine Reihe von wei-
teren Varietäten häufiger vor (teils mit, teils ohne Regelung):
3) Der Granit wird gröberkörnig, ein Teil der Biotite ist durch Muscovit
ersetzt.
4) Mit zunehmender Entfernung vom Massiv sinkt der Glimmergehalt
immer mehr ab; das Gestein nimmt leukokraten Charakter an (Aplit-
granite bis Aplite).
5) Die Biotite können mehrere mm2 groß werden und in weitem Abstand
verteilt das Gestein sprenkeln, während in der Grundmasse vor-
nehmlich Muscovit auftritt.
Wir haben somit über Aplitgranite alle Obergänge zu Apliten, die nur
noch geringe Mengen Biotit und Muscovit führen, Sie sind jedoch
selten, glimmerfreie Aplite fehlen fast vollständig.
6) Die Aplitgranite können auch gröberkörnig werden und durch einzelne
Biotit-Muscovit-Anreicherungen streifig gefleckt erscheinen.
7) Ubergänge zu pegmatitischer Entwicklung kommen nur ganz spora-
disch vor. Gelegentlich finden sich dann auch kleine Turmahnnester.
8) Etwas altersverschieden vom Hauptgranit und seiner unmittelbaren
Ganggefolgschaft scheint der sehr feinkörnige Granit zu sein, der von
Kohlhaus nach Urlading zieht. Er ist gut geregelt. Die Biotite und
Feldspäte bleiben meist unter 1 mm Länge.
Die Granitgänge im Granodiorit bei Klemming sehen teilweise
ähnlich aus. Manchmal neigen sie zu porphyrischer Ausbildung mit
bis zu 3-5 mm großen Feldspäten.
Bei der mikroskopischen Beschreibung sei der sehr
feinkörnige Typ 8) zuerst behandelt.
Kennzeichnend ist die ausgezeichnete Regelung mit der Entwicklung
flaseriger Scherbahnen, die die hellen Bestandteile, augenförmige Quarz-
und Feldspataggregate, umhüllen.
Die B i o t i t e sind bis auf wenige Internbiotite in Mikroklinen zer-
schert, verbogen und nur unvollkommen rekristallisiert. Häufig sind sie
unter den üblichen Begleiterscheinungen chloritisiert. Im wesentlichen
werden die Scherbahnen aber durch M u s c o v i t e tapeziert.
Charakteristisch sind auch die - wohl etwas älteren -.
unzähligen kleinsten S i 11 i m a n i t n a d e 1 n , die, parallelgeordnet oder
wirr bis subparallel zu Faserzügen und Girlanden zusammengefügt, die
Muscovitfasern fortsetzen und in Muscovit und Biotit hineinspießen.
Von den Intergranularen aus schwärmen sie auch in die Feldspäte und
Quarze aus. Sie sind meist unzerbrochen und als tektonoblastische Neu-
bildung aufzufassen, ähnlich wie in den Gangflasergraniten.
4 49
Die Plagio klase (Oligoklase) zeigen nur selten einen primären
Zonarbau, häufig dagegen breite, fleckig nach innen vorgreifende Ent-
kalkungszonen. Sie treten im Unterschied zum Massivgranit gegenüber
den hypidiomorphen Mikroklinen zurück und werden von ihnen ver-
drängt; häufig sind unverdaute Reste von Plagioklas im Kalifeldspat zu
finden.
Die M i k r o k 1 i n e ihrerseits werden von korallenstockförmigen
Quarzblasten und von Myrmekitwarzen verdrängt. Die Albitisierung
spielt jedoch keine besondere Rolle.
Die Q u a r z e löschen etwas undulös auf und sind zu Aggregaten
zusammengeschlossen.
Das Schliffbild der übrigen Ganggranite kann zusammenfassend be-
schrieben werden. Der Mineralbestand setzt sich zusammen aus Biotit,
Plagioklas, Kalifeldspat und Quarz; dazu treten untergeordnet Hell-
glimmer, Sillimanit, Chlorit, Apatit, Zirkon und opakes Erz. Bei den
aplitgranitischen Arten ist der Anteil der Frühausscheidungen Erz, Apatit
und Zirkon, zusammen mit Biotit, oft auffällig gering.
50
sind oft unter Titanitausscheidung chloritisiert. Ein deutliches Albit-
korn-Myrmekit-Gefüge ist entwickelt, das die xenomorphen Mikrokline
in den Zwickeln angreift.
3.4.8. Lamprophyr, L
Lamprophyrgänge zeugen als letzte von einer magmatischen Aktivität.
Anstehend wurden sie einmal schlecht identifizierbar S der Furthmühle,
im Sauloch und deutlicher, aber vollständig verwittert, als spannenbreiter
Gang am N-Ende des Thielebruches an der Altreut beobachtet. Es ergibt
sich jedoch auch aus der Lesesteinkartierung, daß es sich um Gänge
handelt, die maximal wenige dm mächtig werden, sich aber dennoch weit
aushaltend in herzynischer Richtung erstrecken. In der Karte sind nur
die wichtigsten Vorkommen eingetragen.
GüMasL (1868) hat diese Gesteine unter dem Namen Nadeldiorite be-
schrieben.
Im Handstück besteht der verbreitetste Typ aus einer dunkel-
grünlich-grauen, dichten Grundmasse, in der bräunlich-schwarze, glän-
zende Hornblendennadeln verschiedener Größe schwimmen. Sie liegen im
allgemeinen bevorzugt in einer Richtung. Öfters treten sie ZU stern-
förmigen Aggregaten zusammen. Die Nadeln können sehr klein sein;
im Durchschnitt sind sie 2-3 mm, selten bis zu 5 und 10 mm lang.
Verwittert das Gestein, so wird die Grundmasse mergelartig gelblich-
weißlich, die Hornblenden heben sich jedoch bis zuletzt dunkel ab.
Wenn die Hornblenden an Menge zurücktreten, es sich also nicht
mehr um die eigentlichen Nadeldiorite handelt, so können die Feldspäte
in der Grundmasse etwas hervortreten oder sogar Einsprenglinge bilden.
Es gibt auch völlig einsprenglingsfreie, sehr feinkörnige, makrosko-
pisch dichte Lamprophyre. Sie zeichnen sich durch einen gewissen
Pyroxengehalt aus.
Unter d em Mikro s k o p entpuppt sich die dichte Grundmasse
der Lamprophyre als ein halokristallines Gewebe aus Plagioklas, Horn-
blende, Chlorit, Epidot, Zoisit, Karbonat, Hellglimmer, Apatit und Erz.
Als porphyrische Einsprenglinge schwimmen darin die Hornblendenadeln,
in untergeordnetem Maße Plagioklase.
Auch im Dünnschliff ist eine gewisse Fließregelung der idiomorphen
Hornblendeeinsprenglinge erkennbar. Es handelt sich um
gemeine Hornblende von hellbräunlicher Farbe, Weit verbreitet sind
Zwillingsbildungen und eine Abfolge verschieden tief gefärbter Zonen.
Die Hornblenden sind häufig hohl und umschließen dann einen Kern
aus C h 1 o r i t. Dieser ist möglicherweise aus ursprünglich eingeschlos-
senem Glas entstanden.
D i e G r u n d m a s s e ist außerordentlich feinkörnig. Zuerst fallen in
ihr sehr kleine Hornblenden auf, die innen öfters mit Plagioklas
51
gefüllt sind. Zwischen den Einsprenglingshornblenden und denen der
Grundmasse bestehen alle Ubergänge.
Der andere wesentliche, ja überwiegende Gernengteil sind kleine, nicht
näher bestimmbare P 1 a g i o k 1 a s 1 e i s t c h e n , die nach der Gestalt ein-
geregelt sind. Diese stäbchenförmigen Kristalle sind im einzelnen oft
sperrig verwachsen, bilden im größeren Zusammenhang doch deutlich
ein Fließgefüge ab, dem sich auch die großen Hornblendeeinsprenglinge
einordnen. Die Plagioklase sind meist kräftig zersetzt und in fein-
schuppige Aggregate von nicht näher bestimmbaren Hellglimmern um-
gewandelt.
In der Grundmasse treten weiter oft skelettartige größere oder viele
kleinkörnige E p i d o t e auf, die sich flechtenartig auszubreiten scheinen.
Mit den Epidoten sind zuweilen auch Z o i s i t e verwachsen. Wenn es
sich dabei um eine Saussuritisierung handelte, könnte man auch eine
Albitneubildung im Grundgewebe annehmen.
Ebenso häufig ist eine schwammartige K a r b o n a t ausscheidung in
der Grundmasse. Die Kalzite können sich fleckenförmig zu auffallenden
Paketen anreichern.
Ähnlich finden sich eingesprengt und als Zwickelfüllung K 1 in o -
c h 1 o r. Die radialstrahligen, sehr feinkörnigen Aggregate nehmen am
Aufbau der Matrix größeren Anteil. Sie sind wohl aus einer ursprünglich
vorhandenen Glassubstanz hervorgegangen.
Als Nebengernengteil tritt Pyrit in angefressenen Würfeln oder
unregelmäßig lappig umgrenzten Körnern auf. Oft ist er von einem Hof
von Brauneisen umgeben.
A p a t i t liegt in dünnen Nädelchen fein verteilt in der Grundmasse.
Kleinste Drusen im Gestein, die sehr selten vorhanden sind, werden
von Quarz ausgekleidet; im Inneren der Quarzschale findet sich zu-
weilen etwas Karbonat.
3.4.9. Pegmatit, Pe
Im Kartenblattgebiet wurden zwei kleine Pegmatitkörper beobachtet.
Der eine Fundpunkt liegt 1,3 km nördlich Grattersdorf (R 45 84 920 / H 54
09 410) bei Weiking. Es ist hier eine ca. 1 m im Durchmesser messende
Pegmatitlinse in einem Hohlweg aufgeschlossen.
Der zweite Pegmatitkörper ist ebenfalls nur &-groß und steht in
einer Wegböschung am Dattinger Berg an (R 45 81500 / H 54 15 060).
Beide Pegmatite sind grobe Quarz-Feldspatverwachsungen mit einem
hohen Anteil an Kalifeldspat. Der Pegmatit vom Dattinger-Berg enthält
neben Muscovit auch Biotit und sporadisch Turmalin in Nestern.
52
3.5. Kreide
Limonitsandstein
Dort, wo das Kristallin am S-Rand des Blattes Lalling unter die
jungen Sedimente der Hengersberger Bucht abtaucht, finden sich auf
den Äckern vereinzelt Lesesteine eines braunen, mittel- bis feinkörnigen
Limonitsandsteins. Dieser besteht aus kaum abgerollten Quarzkörnern,
die mit einer limonitischen Grundmasse fest verkittet sind. Ganz selten
finden sich im Schliff eckige Turmaline und Muscovitblättchen.
Vor allem W Auerbach gibt es diese Lesesteine. Nicht auf der Karte
eingetragen sind die Fundpunkte vereinzelter Stücke zwischen Urlading
und Wainding oder bei Oisching. An eine bestimmte Höhenlage (die
Vorkommen liegen zwischen 350 und 450 über NN) scheinen sie sich nur
sehr bedingt zu halten.
Diese Gesteine liegen offenbar als strandnahe Bildungen einer jüngeren
Transgression diskordant auf dem kristallinen Sockel. Sie wurden von
WURM (1938) ins Obermiozän gestellt. Nach einer freundlichen mündlichen
Mitteilung von H. TILLMANN, München, sind jedoch ebensolche Limonit-
sandsteine in dem ca. 60 km nordwestlich des Untersuchungsgebietes
gelegenen Gebiet von Roding recht verbreitet. Sie bilden dort zwischen
dunklen Mergeln Bänke von l-l,5 m Mächtigkeit und gehören dem
Oberturon an. Da andererseits aus dem in Frage kommenden Tertiär
nirgends solche oder ähnliche Limonitsandsteine bekannt sind, ist es sehr
wahrscheinlich, daß die Limonitsandsteine analog den Rodinger Vor-
kommen ebenfalls in das Oberturon zu stellen sind.
3.6. Tertiär
Während des Tertiärs erfolgte eine tiefgründige Verwitterung aller
Gesteine mit Herausbildung von Verebnungsflächen, Diese Verebnungs-
flächen bilden heute sogenannte alte Landoberflächen, die im Bereich des
Kartenblatts in verschiedener Höhenlage hintereinandergestaffelt auf-
treten.
Die Vergrusungszone reicht im Bereich des oberen Waldes gewöhnlich
2-5 m tief hinab; auf der tiefer gelegenen Verebnungsfläche des Lallinger
Winkels wurden bis zu 8 m mächtiger sandiger oder lehmiger Zersatz
beobachtet. Der feinkörnige Granit zerfällt besonders leicht. Die tat-
sächliche Zersatztiefe des Kristallins dürfte vielfach mehrere zehn Meter
betragen.
Sicher dem Tertiär angehörende Ablagerungen sind selten. Bei der
Begradigung und Verbreiterung der Straße zwischen Auerbach und
Rohrstetten wurde S von Gottsmannsdorf an der S-Flanke einer kleinen
Kuppe, die aus metertief zersetztem Granit besteht, unter Diluviallehm
eine l-2 m mächtige Auflagerung von weißlich-grünlichem, z. T. stark
53
quarzsand- und glimmerhaltigem Ton angeschnitten, der in einzelnen,
langgezogenen Flecken englischrot gefärbt ist.
Ähnliche Farben im Verwitterungslehm wurden auch bei Wainding
gefunden.
Es handelt sich hier zweifellos um Reste einer tertiären Rotverwitte-
rung. Neben dem Ton ist also wohl ein Teil der lehmigen Verwitterungs-
decken ebenfalls ins Tertiär zu stellen.
Tertiäre Tone sind sicher weiter verbreitet, jedoch ausnahmslos unter
der Diluviallehmdecke verborgen.
Weiter könnten ins Tertiär einige gutgerundete Quarzbrocken gehören,
wie sie beispielsweise E Urlading, NE Huschertsfurth und im Walde S
Gottsmannsdorf zu finden sind. Zur Rekonstruktion einer Quarzrest-
schotterdecke reichen sie allerdings nicht aus. Es könnte sich auch um
lediglich stark angelöste, während langer Zeiten der Verwitterung so-
zusagen herunterprojizierte Reste von Quarzknauern oder Quarzgängehen
handeln.
ESE Wainding liegt an einem Wegeinschnitt in ca. 350 m Höhe über
NN, wenige m über dem Niveau der ,,Hochterrasse“, ein glimmer- und
quarzsandreicher Lehm, der reichlich zugerundete Quarzbrocken, auch
gelegentlich Kalksilikatfelse oder zersetzte Perlgneisgerölle enthält. Auch
dieser verlehmte Schotter war an einer Stelle noch englischrot gefärbt;
ein tertiäres Alter erscheint nicht ausgeschlossen.
3.7. Quartär
Während des Pleistozäns lag das Gebiet des Blattes Lalling im peri-
glazialen Klimabereich. Als Zeugen dieser Periode sind uns Hanglehme,
Fließerden, Fluviatile Schotter, Löß und Lößlehme sowie Blockströme
überliefert. Das Holozän wirkte sich durch Nacharbeitung der kleinen
Wasserläufe und sandig-kiesige Ablagerungen der Hengersberger Ohe
aus.
[Link]. H a n g 1 e h m , F 1 i e ß e r d e , ,,fl
Als wichtigste Ablagerungen des Pleistozäns sind Hanglehme und
Fließerden zu nennen, An Aufschlüssen kann immer wieder beobachtet
werden, wie in geneigtem Gelände beide Bildungen ineinandergreifen;
eine Trennung wurde deshalb auf der Karte nicht durchgeführt.
In den flachen Quellmulden nördlich des Grenzkammes sind es vor
allem sandige, in kleinen Mulden der unteren Verebnungsfläche und auf
54
den Hängen meist lehmige Ablagerungen von mehreren m Mächtigkeit,
die während der Eiszeit als Fließerden von dem umgebenden, höher ge-
legenen Gelände gekommen sein müssen. Vermutlich kam es während
des Pleistozäns mehrmals zur Bildung von Fließerden, so daß die einzel-
nen Fließerden z. T. unterschiedliches Alter besitzen können.
Man könnte vermuten, daß dabei, vornehmlich im Lallinger Winkel,
Lößlehme beteiligt seien, Für eine typische Probe (aus 1 m Tiefe eines
3 m mächtigen Diluviallehmprofils) nordwestlich von Euschertsfurth kann
das jedoch sicher ausgeschlossen werden (Korngrößenanalyse durch das
Bayerische Geologische Landesamt, die Herr Dr. KOHL deutete).
An die Fließerdebildungen reihen sich die Hangschuttmäntel, die an
allen steileren Hängen in wechselnder Mächtigkeit (öfters 2-3 m) auf-
treten, Die unteren Lagen sind zuweilen fest verbacken, so am Ranzinger
Berg oder im Thielebruch an der Altreut und ähneln dem, was PRIE-
I-IAUSSER (1951) als Firneisgrundschutt bezeichnet.
[Link]. F 1 u v i at i 1 e S c h o t t e r
[Link].1. Schotterreste in Fließerden und Löß
In der Südhälfte des Kartenblattes wurden an mehreren Stellen in
Fließerden oder Löß eingebettete Schotter gefunden. Es handelt sich hier
offensichtlich um Schotterreste die während des Pleistozäns während
einer Auftauperiode in den Frostboden einsanken. Hierfür spricht, daß
die Schotter nur bis zu einer bestimmten Tiefe (meist ca. 1 m) innerhalb
der Fließerden vorkommen und außerdem an der Unterkante der Gerölle
55
führenden Zone angereichert sind. Als Geröllkomponente überwiegt
Quarz bzw. quarzitisches Material, Granitgerölle etc. kommen nur spora-
disch vor. Die Größe der Gerölle ist z.T. beträchtlich, bis 10 cm-große
Gerölle sind keine Seltenheit, bei Urlading wurde sogar ein Geröll mit
einem Durchmesser von 17 cm gefunden. Aufschlüsse in diesen Schottern
findet man nördlich Auerbach bei R 45 80 580 / H 54 09 100 und nördlich
Seebach bei R 45 74 280 / H 54 07 840. Weitere Fundpunkte liegen bei Ur-
lading und bei Oisching, ihre Verbreitung ist aber sicherlich größer.
[Link]. T a 1 b o d en , ,,f
Die vorgegebenen Zustände wurden während des Holozäns sicher nur
noch unwesentlich abgeändert, An den Südhängen des Grenzkammes und
auf der unteren Verebnungsfläche im Lallinger Winkel schnitten sich die
Bäche in den Verwitterungsgrus, den Fließerden- und Hangschuttmantel
ein und schütteten dann verhältnismäßig rasch einen nahezu ebenen
Talboden auf, der aus Sanden, kleinkörnigen Schottern und Hochflut-
lehmen besteht. Diese ,,Niederterrasse“ hat zum mindesten in Teilen als
alluviale Ablagerung zu gelten.
56
4. Tektonik
4.1. Tektonik des Kristallins
Die tektonische Prägung des Perlgneises ist einheitlich im Aufschluß
wie im Blattbereich. Durch die intensive Zerscherung, die der Kristalli-
sation des Perlgneises vorausging, wurden nahezu alle Spuren älterer
Deformationspläne ausgelöscht. Die Prägung der flachliegenden herzyni-
schen B-Achsen und der s-Flächen ist auf einen einzigen tektonischen
Akt zurückzuführen. Das gesamte Blattgebiet stellt einen homogen
[Link] Bereich dar.
57
Die s-Flächen (Schieferung) streichen herzynisch mit einem mittleren
Wert von 125’ und fallen mittelsteil bis steil nach NE ein. Die B-Achsen
streichen etwas flacher, im Durchschnitt llO”, und tauchen mit lO--15O
flach nach SE ein; teilweise pendeln sie um die Horizontale bis zu flachem
NW-Tauchen.
In dem tektonischen Sammeldiagramm (Abb. 2) sind alle im Bereich
des Blattes Lalling gemessenen Schieferungsflächen eingetragen. Dabei
wurden die Pole der Schieferungsflächen im Scumnr’schen Netz auf-
getragen und nach Flächen gleicher Belegungsdichte ausgezählt (Näheres
über diese Art der Darstellung bei SANDER 1948).
0
0
S
Abb. 3. Darstellung von 26 Kleinfaltenachsen (0) aus Lagengneis Biotitstrie-
mungen (’ ) aus Perlgneis und Paragranodiorit. %xmmTsches Netz, untere
Lagenkugel.
58
Das Diagramm läßt erkennen, daß die Schieferungsflächen im ganzen
Untersuchungsgebiet eine recht einheithche Lage aufweisen. Das Maxi-
mum der s-Flächenpole zeigt eine, wenn auch nicht sehr deutliche
Streckung entlang zwei Großkreisen: Einmal entlang dem Großkreis, der
zu der jüngeren herzynischen Achse (B,) gehört. Diese konstruierte B-
Achse, die ein Streichen von 110’ und ein Eintauchen von 15O nach SE
aufweist, deckt sich recht gut mit dem Maximum der im Gelände ge-
messenen Biotit-Striemungen (Abb. 3).
Ein weiterer Großkreis läßt sich so durch das s-Flächenmaximum
legen, daß eine zugehörige B-Achse B, mit einem Streichen von 52’ und
einem Eintauchen von 40’ nach NE resultiert. Auch diese Achse tritt,
wenn auch untergeordnet, im Gelände in Erscheinung: Man findet sie
in Form von Kleinfaltenachsen in reliktisch im Perlgneis erhaltenen
Lagengneisen.
Betrachtet man nun zur räumlichen Lage der s-Flächen auch die
regionale Verteilung der Schieferungsflächen, so zeigt sich, daß der Streu-
ung der s-Flächen in der Lagenkugel-Darstellung eine gewisse regionaIe
Variation zugrunde liegt. Die Schieferung des Perlgneises wie auch der
eingelagerten Paragranodioritkörper zeigt die Andeutung einer S-förmigen
Wellung über den Blattbereich hin. In der NW-Ecke des Blattes streichen
die s-Flächen steil herzynisch mit etwa 170°, legen sich dann in der
Mitte des Gebietes flacher bis zu einem Streichen von rund 120°, um dann
in der Umgebung des Kaußinger Massivs wieder leicht nach S umzu-
schwenken. Ob diese Erscheinung nun auf eine mit der Bildung des
Perlgneises und der Schieferungsflächen gleichalte, senkrecht auf der
herzynischen Achse stehende B-Achse zurückgeht (BIB’), oder aber einer
jüngeren NE-Achse zuzuschreiben ist, läßt sich allein aus dem vor-
liegenden Untersuchungsgebiet nicht entscheiden.
Recht einheitlich verhalten sich die herzynisch streichenden B-Achsen,
die in dem Diagramm Abb. 3 dargestellt sind. Sie sind im Perlgneis und
im Paragranodiorit nur durch eine runzelig-lineare Anordnung der
Biotite auf den s-Flächen angedeutet. Richtiggehende Falten um diese
Achsen wurden nur in den reliktisch erhaltenen Lagengneisen beobachtet.
Ebenfalls ausschließlich in den reliktischen Lagengneisen finden sich
NE-streichende Achsen, die mehr oder weniger steil nach NE eintauchen.
Man darf in diesen NE-Achsen wohl die Relikte einer ehemals allgemein
verbreiteten älteren Prägung sehen, die der von SCHREYER (1957) im Raum
Vilshofen festgestellten Orogenese 1 zuzuordnen sind. Die flachliegende
herzynische Achse gehört der jüngeren, das heutige Gefügebild be-
stimmenden Orogenese 11 an.
Der Paragranodiorit unterscheidet sich, wie schon erwähnt, in seiner
tektonischen Prägung nicht vom Perlgneis.
59
Die im Flasergranit ausgebildete Stengelung dagegen und das zu-
gehörige Kluftgefüge sind etwas anders orientiert. Die Biotitstriemung
im Flasergranit ist um etwa 10° im Gegensinn des Uhrzeigers gegenüber
der B-Achse im Perlgneis verdreht. Die Verflaserung wird örtlich fast
zu einer mylonitischen Verschieferung. Es scheint, daß diese besonders
starke, eventuell etwas jüngere Durchbewegung auf einzelne, herzynisch
streichende Zonen beschränkt ist (z.B. SE Seiboldsried und WNW Dorn-
hof).
Diese Zonen setzen sich in den Perlgneis hinein fort. Sie treten jedoch
auch unabhängig vom Flasergranit auf, wie östlich und westlich vom
Tannbühl bei Seiboldsried. östlich von Stritzling läuft eine solche mylo-
nitische Zone auf den Kaußinger Granit zu und scheint an ihm zu enden.
Diese Bewegungen scheinen also zwischen der Intrusion des Flasergranits
und der Platznahme des Kaußinger Granits stattgefunden zu haben.
Das junge Massiv des Kaußinger Granits ist in NE-SW-Richtung ge-
streckt. Sein tektonischer Bau läßt sich ohne eingehendere Gefügever-
messungen nur schwer entziffern. Der Granit ist kaum geregelt. In den
Brüchen bei Auerbach und an einigen Stellen im Bruch an der Kaußinger
Abb. 4. Abb. 5.
Abb. 4. Darstellung von 143 Klüften aus dem KauiSinger Granit, nordöstlicher
Massivteil. ScHMmTsches Netz, untere Lagenkugel; außen Häufigkeitsverteilung
der Kluftstreichrichtungen. Flächen gleicher Belegungsdichte: 0-0,7-2,8-5,6 o/o.
Abb. 5. Darstellung von 100 KIüften aus dem KauOinger Granit, Stbr. Kau-
ßinger Mühle. Scmmx’sches Netz, untere Lagenkugel; außen Häufigkeitsvertei-
lung der Kluftstreichrichtungen. Flächen gleicher Belegungsdichte: 0-1-2-4-
> 8 Qlo.
60
Mühle läßt sich eine flachliegende Biotitfaser mit einem Streichen von
50-60° vermuten. Die Glimmerputzen, soweit sie linsig-tafelig ausgebildet
sind, streichen in den Brüchen bei der Furthmühle und im Kaußinger
ßruch herzynisch, mit meist steilem Einfallen nach NE. Das stimmt auch
mit dem generellen Kluftbild überein (Abb. 4, 5, 6). Die rund 30’
streichenden Klüfte sind als Q-Klüfte aufzufassen. Dem entspricht auch,
daß sie gewöhnlich weit durchsetzen und etwas mineralisiert sind. Es
finden sich vor allem lettige Bestege, Quarz- und Muscovittapeten. Da-
neben tritt Epidot als charakteristisches Mineral auf. In einem Schliff
eines sehr feinkörnigen Granites war an einem solchen Q-Haarriß Aus-
bleichung des Gesteins sowie Chlorit- und Epidotneubildung zu beobachten.
Die um llO--130° streichenden Klüfte sind wohl als Längs- oder L-
Klüfte aufzufassen, während die Maxima um 0 und 90’ Scherklüfte im
Granit darstellen.
Eine auffällige Ausnahme bildet der Bruch an der Altreuth. Daß hier
ein mittelkörniger Vorläufer des Hauptgranites auftritt, wurde schon
gesagt. Die Hauptklüfte liegen seltsamerweise flach (Abb. 7). Vor allem
im Bereich des mittelkörnigen Granits finden sich auf ihnen Epidot-
Abb. 6. Abb. 7.
Abb. 6. Darstellung von 89 Klüften aus dem Kaußinger Granit, Südteil des
Massivs (Stbr. Sehleifmühle, Auerbacher Granitwerk. ScHMmrsehes Netz, untere
Lagenkugel; außen Häufigkeitsverteilung der Kluftstreichrichtungen. Flächen
gleicher Belegungsdichte: 0-1,1-3,4-> 7,9 “‘io.
Abb. 7. Darstellung von 100 Klüften aus dem Kaußinger Granit, Stbr. Thiele
an der Altreut. Scmnorsches Netz, untere Lagenkugel; außen Häufigkeitsver-
teilung der Kluftstreichrichtungen. Flächen gleicher Belegungsdichte: 0-1-3-
> 8 010.
61
beläge. An einer E-W streichenden Bruchwand (Kluft) läßt sich ab-
schätzen, daß die längsten Achsen der basischen Einschlüsse in der Mehr-
zahl etwa parallel zu dieser Wand nach E abtauchen. Ein ß steht also
ungefähr senkrecht auf dem Kluftmaximum, d, h. es sind vermutlich
Q-Klüfte.
Das durch Glimmerputzen belegte B und das Kluftgefüge stimmen
generell mit dem der umgebenden Gneise überein. Es ergibt sich demnach
das Bild einer Intrusion, die vielleicht ein Querkluftsystem aufgeweitet
lA
A
A
A l
0
A
A
. .
0 O
AAA A
0
A A.
s
Abb. 8. Darstellung von Streichen und Fallen (Pole der Salbandflächen) von
Ganggraniten des Kaußinger Massivs. (0) 19 Gänge aus dem nördlichen Rahmen
des Massivs; Grenzlinie Prechhausen-Nabin. (*) 24 Gänge aus dem Südrand des
Massivs, Stbr. Thiele und Auerbacher Granitwerk. (A) 37 Gänge aus dem süd-
lichen Rahmen des Massivs. SCHMIDTSChCS Netz, untere Lagenkugel.
62
hat und noch unter demselben, wenn auch abgeschwächten Streßplan
stand, wie er für die vorhergegangenen orogenetischen Bewegungen
gültig war.
Unregelmäßigkeiten treten am Südrand des Massivs auf, in den
Steinbrüchen bei Auerbach. Dort zerschlägt sich der Granit in zahllose
Gänge.
Die verschiedenen Richtungen der Granitgänge spiegeln das Kluftnetz
wieder, das der intrudierende Granit vorgefunden und aufgeweitet hat.
Im Diagramm Abb. 8 sieht man, daß ein Schwerpunkt bei Gängen mit
GA
So fließt zum Beispiel der Geßnach-Bach zwischen Schaufling und
Geßnach mit einem Gefälle von 1,4 O/Oin einer über 100 m breiten Aue
dahin, deren ebener Talboden mit alluvialen Ablagerungen gefüllt ist.
Stromabwärts, südlich Geßnach, tritt der Bach plötzlich auf rund 700 m
Länge in ein enges Tal mit steilen Hängen ein, auf dessen schmalem
Grund er kräftig erodierend dahinschäumt. Das Gefälle beträgt hier
86 Oio. Bei der Urladinger Mühle weitet sich das Tal wieder, das Gefälle
vermindert sich auf l,& “/e. Nach einer Strecke von 550 m folgt bei Auholz
wieder eine Engstelle, wo der Bach auf 450 m Länge sogar 5,5 O/o Gefälle
aufweist. Anschließend tritt er in die weite, flache Aue der Hengers-
berger Ohe ein.
Es liegen also - in der Fließrichtung gesehen - vor steilen und engen
Tälern, in denen offenbar kräftig erodiert wird, breite Talböden mit
merklich geringerem Gefälle, in deren Bereich aufgeschottert wird. Auch
die anderen Bäche im Südwestteil des Blattes zeigen dieses Bild.
Man könnte nun darandenken, die wechselnden Talformen auf Härte-
unterschiede in den durchflossenen Gesteinen zurückzuführen. Diese
Erklärung befriedigt jedoch nicht. Der als Beispiel angeführte Geßnach-
Bach fließt stets durch Perlgneis, der keine erkennbaren Veränderungen
seiner Härte und Verwitterungsbeständigkeit aufweist.
Wir müssen also wohl annehmen, daß einzelne, verhältnismäßig kleine
Schollen gegenüber ihrer Umgebung relativ gehoben worden sind. Die
auf der alten Landoberfläche bereits vorhandenen Gerinne wurden an
diesen Stellen gezwungen, sich kräftig erodierend in das Gebirge ein-
zuschneiden. Die weiten, flachen Talungen und die schmalen Engtäler sind
also altersverschieden. Die breiten Talformen sind noch aus der Zeit vor
der Blocktektonik erhalten; die Engtäler sind jünger und als antecedente
Bildungen anzusehen.
Wie haben wir uns aber den Mechanismus dieser Schollenbewegungen
vorzustellen? In vielen Teilen des Bayerischen Waldes verliefen die
Bewegungen in der Weise, daß die einzelnen Schollen um flache herzyni-
sche Achsen rotiert wurden. Die Teilschollen dieser antithetischen Ver-
werfungstreppe zeigen jetzt NE-Fallen. Dadurch trat im abgesenkten
Teil der Kippschollen eine Aufschotterung ein, während sich in den ge-
hobenen Teilen die Gerinne tief einschnitten (FISCHER 1939 b).
Diese Erklärung gilt jedoch in unserem Fall nur für die großräumigen
Bewegungen. Die kleinen Schollen (400 bis 800 m im Durchmesser) aber,
die für den Wechsel der Talformen verantwortlich sind, wurden lediglich
vertikal bewegt. Der obergang der weiten zu den engen Talstücken er-
folgt stets plötzlich; die Schollen sind allseitig mehr oder weniger deutlich
aus ihrer Umgebung hervorgehoben, Ein langsamer Ubergang von Auf-
schotterung zu Erosion, wie wir ihn bei Schollenkippung fordern müßten,
ist nicht zu beobachten.
5 65
5. Geophysikalische Untersuahungen
5.1, Radioaktivitätsuntersuchungen auf Uran und Thorium durch
die Bayerische Braunkohlen Industrie AG. Schwandorf
(HEINZ ZIEHK “))
5.1.1. Einleitung
Bei der Uransuche der Bayerischen Braunkohlen Industrie AG. (BBI)
Schwandorf in Bayern von 1954-1961 wurde im Erlaubnisgebiet Bayeri-
scher Wald das Meßtischblatt Lalling auf Uran und z. T. auf Thorium
untersucht. Die geologische Aufnahme des Blattes erfolgte auf Vorschlag
des Verfassers im Rahmen eines Kartierungsauftrages durch das Institut
für Gesteinskunde der Universität München unter Leitung von Professor
Dr. Georg Fischer. Mit der Kartierung wurden die Herren S. Dürr und
F. List beauftragt.
Die Prospektionsarbeiten führte die Geologische Abteilung der BBI
Schwandorf unter Leitung des Verfassers durch. Ab Januar 1957 stellte
das Bundesministerium für Atomenergie hierfür in dankenswerter Weise
finanzielle Mittel zur Verfügung,
5.1.2. Untersuchungsarbeiten
[Link]. Die geologischen Voruntersuchungen durch den Verfasser began-
nen im Sommer 1956 im Bereich von Hunding, wo früher Bergbau auf
Blei und Silber und später auf Gold umging. Uranvererzungen wurden
dort nicht festgestellt, jedoch fand der Verfasser bei Lalling in einem
0,5 m mächtigen Pegmatitgängchen erstmals Autunit. Prospektionsarbeiten
in der Nähe des mineralogischen Fundpunktes ergaben keine weiteren
übernormalen Strahlungswerte. Die bei den geologischen Kartierungen
von S. DÜRR und F. LIST gesammelten Proben wurden radiometrisch
analysiert, Gesteine mit höheren Strahlungswerten wurden dabei nicht
gefunden.
[Link]. Au t o p r o s p e k t i o n
Bei der zuerst nach geologischen Gesichtspunkten durchgeführten ra-
diometrischen Prospektion wurden nur lokale Bereiche des Meßtisch-
blattes auf radioaktive Substanzen untersucht. Zur Ergänzung dieser
Arbeiten erfolgten Szintillometermessungen vom fahrenden Auto (Jeep)
aus. Die Wege und Straßen wurden beidseitig abgefahren, um die linke
und rechte Straßenseite bzw. das angrenzende Gestein radiometrisch zu
untersuchen. Mit einem Beta- f Gammastrahlen empfindlichen US-Szin-
tillometer Typ Custom 111 C wurde kontinuierlich ca. 50-75 cm über
66
dem Boden gemessen. Die Meßwerte in Milliröntgen pro Stunde (mrih)
wurden laufend abgelesen und dabei die Umgebungsstrahlung ermittelt.
Zusätzlich wurde zur besseren AufAndung der Anomalien ein Lautspreche1
(Squealer Modell 123) eingesetzt. Strahlungswerte, die 100 O/o über dem
background lagen, wurden als Anomalien bezeichnet und davon sofort
Proben (3-5) für Laboruntersuchungen entnommen. Insgesamt wurden
65 Wegprofile abgefahren und dabei 1 Anomalie mit 0,12 mrih nordwest-
lich Schaufling gefunden (Beilage 1). Die Strahlungswerte (Beta + Gamma)
in dem vorwiegend von Gneisen mit Granit durchsetzten Gebiet schwan-
ken zwischen 0,009 und 0,025 mrih.
[Link]. Gittermessungen (Grid-mapping)
und Schürfarbeiten
Im Bereich der Anomalie bei Schaufling erfolgten Szintillometer-
messungen in 0,4 m tiefen Löchern in einem Abstand von 10 m. Mit
1500 Meßpunkten wurde eine Fläche von 135 000 rn’ radiometrisch pro-
spektiert. An 14 Stellen treten Strahlungswerte mit dem 2-6fachen
background auf; davon wurden 4 durch Schürfe weiter untersucht. Die
Schürfgräben, 1,5 m tief und 4 m bis 6 m lang, lagen alle im mittel-
körnigen Granit, der bis 0,90 m tief vergrust ist. Vereinzelt kommen im
Grus Granit- und Pegmatitblöcke vor. Die Strahlungswerte im Granitgrus
schwanken, sie betragen stellenweise das a-fache des backgrounds. Die
höchsten Radioaktivitätswerte sind an Biotit-reiche Gneiseinschaltungen
gebunden; sie treten auch als Lesesteine auf.
[Link]. Radiometrische, chemische und mikroskopi-
sche Untersuchungen der Anomalie Schaufling
Die z. T. aus den 4 Schürfgräben entnommenen Proben wurden radio-
metrisch und z. T. chemisch auf Uran und Thorium analysiert.
Tabelle 1
Radiometrische Analysen von Biotit-reichen Gneisproben der Anomalie
und Schürfgräben bei Schaufling (Auszählwerte Beta- im Gammastrahlung
in Uranäquivalent umgerechnet)
67
Tabelle 2
Chemische Uranbestimmungen von Biotit-reichen Gneisproben aus den
Schiirt’gräben bei Schaufling (fluorimetrische Analysen der BBI Schwan-
dorf, Analytiker R. Fritsch)
Uran-
Analysen- äquivalent Uran
proben Nr. dt dt
1749 250 100
1760 400 35
1761 525 65
1762 170 25
1763 125 35
1764 170 35
Die chemischen Uranbestimmungen ergaben, daß die radiometrisch
ermittelten Uranäquivalentgehalte 2,5 bis 11 mal höher liegen. Der größte
Teil der Strahlungsaktivität ist, wie die Thoriumanalysen zeigen, durch
Thorium-haltige Mineralien bedingt, ähnlich wie dies auch bei den radio-
aktiven Anomalien auf Meßtischblatt Zwiesel und anderen Fundorten
im Bayerischen Wald festgest$llt wurde (ZIEHR 1969).
Tabelle 3
Chemische Thoriumbestimmungen von stark radioaktiven Biotit-Gneis-
Proben bei Schaufling und zum Vergleich von Oberzwieselau bei Zwiesel
(Chemisches Laboratorium Fresenius, Wiesbaden)
Uranäquivalent Thorium (Th)
Probe Nr. Gestein dt dt
225 Biotitgneis 250 750
229 Biotitgneis 850 2170
Zwiesel Körnelgneis 285 200
Zwiesel Körnelgneis 1000 2900
Zwiesel Körnelgneis 1100 1700
Die mikroskopischen Untersuchungen sowie Autoradiographien einiger
radioaktiver Gesteinsproben ergaben, daß als Thorium-haltige Mineralien
neben Monazit hauptsächlich Apatite auftreten, wie dies auch bei Zwiesel
und Bodenmais beobachtet wurde (ZIEHR 1960, 1969).
68
[Link]. Radiometrische Untersuchungen der
verschiedenen Gesteinsarten
Die bei den geologischen Kartierungen und bei der Prospektion ge-
sammelten Proben wurden radiometrisch analysiert und die Ergebnisse
auf ein Deckblatt eingetragen, um so die Verteilung der Radioaktivität
in Abhängigkeit von den verschiedenen Gesteinstypen darzustellen (Bei-
lage 2).
Insgesamt wurden 320 Proben aufgesammelt und untersucht. Das Ge-
steinsmaterial wurde nach Trocknung auf 0,5 mm zerkleinert und davon
12 cm? in einem Beta-Gamma empfindlichen Becherzählrohr Typ DA,
Zentralwerkstätte Göttingen mit einem Ratemeter der Fa. Elektro Spezial
Hamburg 2 Minuten lang ausgezählt. Die Auszählwerte, in Impulse pro
Minute registriert, wurden mittels Eichproben in Uranäquivalent um-
gerechnet.
Tabelle 4
Radiometrisch (Beta- i- Gammastrahlung) ermittelte Uranäquivalent-
gehalte von kristallinen Gesteinen vom Meßtischblatt Lalling
Mittel Min. Max.
U r a n ä 4 u i v a 1e n t Proben-
dt L?ahl
Paragneise 30 15 50 31
(Biotitgneise, Gerigieise)’ ’ ’ * ’ *
Amphibolit .......... 30 20 40
Kalksilikat .......... 15 - -
Migmatit i- Pegmatoide ..... 55 55 66 2
Dioritische Gesteine ....... 2’7 17 35 7
Granite
Ganggranit ......... 40 15 75 87
feink. Granit ......... 30 17 45 33
mittelk. Granit ........ 31 30 32 3
Granitgrus ......... 35 20 60 11
Flasergranit ......... 40 25 52 25
Granit -t Gneis ....... 40 22 60 17
Quarzit-Feldspatpegmatit ... 40 10 75 45
Pegmatitquarz ........ 10 - - 2
Aplite ........... 74 45 95 11
Bei den in Tabelle 4 aufgeführten Proben sind die stark radioaktiven
Biotitgneise (Tabelle 1) von der Anomalie Schaufling nicht mit enthalten.
Die Paragneise (Perlgneise, Cordierit-Sillimanitgneise) haben mit 30 g/t
Uranäquivalent (Mittelwert) dieselben Strahlungswerte wie die Para-
gneise auf Blatt Zwiesel, Amphibolite und dioritische Gesteine haben mit
69
30 glt bzw. 27 glt relativ hohe Strahlungswerte. Den höchsten Uranäquiva-
lentgehalt haben mit 55 git 2 Migmatitgneis-Proben, die allerdings Peg-
matoideinlagerungen mit Kalifeldspat enthalten. Den niedrigsten Strah-
lungswert hat mit 15 g/t U-Äquivalent eine Kalksilikatprobe. Ähnliche
Werte weisen Kalksilikate vom Blatt Vohenstrauß (15 git) und vom Blatt
Amberg (8 und 10 git) auf (ZIBMR 1963, 1965). Von den Graniten haben die
Gang- und Flasergranite mit 40 git U-Äquivalent die höchsten und die
fein- und mittelkörnigen Granite mit 30 bzw, 31 git U-Äquivalent die
niedrigsten Strahlungswerte. Die Strahlungsaktivität der Granite auf
Blatt Lalling ist damit um 20-25 O/o niedriger als die der Granite in
der nördlichen Oberpfalz (ZIEHR 1961). Einen niedrigen Strahlungswert
weisen mit 40 git U-Äquivalent 45 Pegmatitproben auf. Sie enthalten
reichlich Quarz, radioaktive Mineralien fehlen.
Den höchsten Strahlungswert aller untersuchten Proben haben Granit-
aplite (11 Proben) mit einem Mittelwert von 74 git und einem Max.-
Wert von 95 git U-Äquivalent, Die Mittelwerte petrographisch und geo-
logisch ähnlicher Aplite aus dem Moldanubikum liegen mit 30 git U-
Äquivalent (Blätter Eslarn, Vohenstrauß) und 44 git (Blatt Amberg, Blatt
Oberviechtach) wesentlich niedriger.
Die Ursache der höheren Strahlungswerte der Aplite von Lalling
wurde nicht weiter untersucht. Sie dürfte durch einen höheren K,O-Gehalt
(doK) und eventuell durch Spuren von Uran bedingt sein.
[Link]. Die Anomalie bei Schaufling mit 0,12 mr/h ist strahlungsmäßig
interessant, auch die Gittermessungen brachten gute Ergebnisse. Die
chemischen Analysen ergaben als Ursache der hohen Strahlungsaktivität
Thorium, das nach den Dünnschliffuntersuchungen an Apatit und Monazit
gebunden ist, Es sind Schwermineral-Anreicherungen in Biotit-reichen
Gneisschlieren im Granit, wie sie bei der Prospektion an mehreren Stel-
len im Bayerischen Wald gefunden wurden. Für eine weitere Prospektion
sind diese Thorium-Anreicherungen uninteressant.
70
Schrifttum
ZII:HR, H.: Erfahrungen bei der Uranprospektion in Bayern. - Braun-
kohle, Wärme und Energie, H. 5, 1959.
- Uranprospektion mit dem Helikopter. - Die Atomwirtschaft, H. 5,
1960.
- Geophysikalische Verhältnisse. - In: FORSTLR, A.: Erläuterungen
zur Geologischen Karte von Bayern 1 : 25 000 Blatt Nr. 6640 Moos-
bach, S. 82-86, München (Bayer. Geol. Landesamt) 1962.
- Radiologische Untersuchungen. - In: TILLMANN, H., TREIBS, W.,
ZIEIIR, H. : Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern
1 : 25 000 Blatt Nr. 6537 Amberg, S. 162-167, München (Bayer.
Geol. Landesamt) 1963.
- Radioaktivitätsmessungen auf Uran und Thorium durch die Baye-
rische Braunkohlen Industrie AG. SchwandorfiOpf. - In: MADEL, J.,
PROFACH, G. und REICH, H.: Erläuterungen zur Geologischen Karte
von Bayern 1 : 25 000 Blatt Nr. 6945 Zwiesel, S. 68-77, München
(Bayer. Geol. Landesamt) 1968.
5.2.1. Refraktionsseismik
Im Rahmen der Erforschung des tieferen Untergrundes in Mittel-
europa werden seit 1954 mit Hilfe von Großsprengungen in Steinbrüchen
refraktionsseismische Messungen über große Entfernungen durchgeführt.
Ein Meßprofil führt vom Sprengort Eschenlohe am Alpenrand in Rich-
tung Viechtach etwa 2 km nordwestlich am Blattgebiet vorbei. Ein wei-
teres Meßprofil vom Sprengort Böhmischbruck bei Vohenstrauß verläuft
nordöstlich des Blattgebietes. Wegen der nur pauschalen Aussagekraft
können die Ergebnisse aus diesen Messungen auf das Blattgebiet von
Lalling übertragen werden. Die genannten Profile wurden mangels eines
geeigneten Sprengortes im Bayerischen Wald nur in einer Richtung ge-
messen, so daß die Aussagen über die Tiefe und die Neigung von seismi-
schen Diskontinuitäten im tieferen Untergrund entsprechend unsicher
sind. Die bekannten seismischen Grenzflächen, die Conrad- und die Mo-
horivicic-Diskontinuität, letztere eine erdumspannende seismische Grenz-
fläche, welche definitionsgemäß die Erdkruste vom oberen Erdmantel
trennt, wurden in etwa 18 km bzw. 28 km Tiefe gefunden (Deutsche
Forschergruppe für Großsprengseismik 1964).
71
5.22. Gravimetrie und Magnetik
Ebensowenig lassen sich zur Zeit genauere Aussagen über die
S c h w e r e v e r t e i 1 u n g im Blattgebiet machen, da bisher im gesam-
ten Bayerischen Wald nur eine linienhafte Schwerevermessung durchge-
führt worden ist. Die relativ niedrigen Schwerewerte (GBRKB 195’7) ent-
sprechen jedoch dem in dieser geographischen Breite bereits vorhandenen
generellen Schwereabfall zu den Alpen hin.
Das E r d m a g n e t f e 1 d zeigt nach der magpetischen Vermessung
2. Ordnung von Bayern (BURMEISTER 1962) eine positive Anomalie von
100 Gamma mit einer Halbwertsbreite von etwa 10 km, über deren Ur-
sache bislang nichts bekannt ist. Diese Anomalie liegt in der Nachbar-
schaft einer Gruppe weiterer Anomalien ähnlicher Art südlich des Pfahls
im Dreieck Deggendorf-Freyung-Hauzenberg. Gesteine mit erhöhtem
Magnetitgehalt und großer Ausdehnung sind in diesem Areal bislang
nicht beschrieben worden.
Schrifttum
BURMBISTER, F.: Magnetische Vermessungen 11. Ordnung in Bayern 1955. -
Geophysikal. Observ. Fürstenfeldbruck, Serie B, H. 2, Fürstenfeld-
bruck 1962.
DEUTSCHE FORSCHERGRUPPE FÜR GROSSPRENGSEISMIK: Crustal Structure in
Western Germany. - Z. Geophysik, 30, S. 209-234, Würzburg 1964.
GBRKB, K.: Die Karte der Bouguer-Isanomalen 1 : 1000 000 von West-
deutschland. - Deutsch. Geodät. Komm., Reihe B, H. 46, Teil 1,
Frankfurt a. M. 1957.
6. Hydrogeologische Verhältnisse
Für die Wasserversorgung kommen auf Blatt Lalling drei verschiedene
Möglichkeiten in Frage:
1. Wasser aus Klüften in frischen kristallinen Gesteinen;
2. Porenwasser aus dem Zersatzgrus des Kristallins;
3. Wasser aus den pleistozänen Schottern der größeren Bäche.
73
zu 3. Schließlich bleiben noch die holozänen Ablagerungen der
größeren Bäche, also der Hengersberger Ohe, des Folachbaches und des
Seebacher Baches. Hier, in den ebenen Talalluvionen, dürften am ehesten
Grundwasserstöme anzutreffen sein, deren Wasserführung auch für die
Versorgung kleinerer Ortschaften ausreicht. Da die Abdichtung der wasser-
führenden Kies- und Sandschichten gegen die Oberfläche durch Auelehme
meist unvollkommen ist und die Auen intensiv landwirtschaftlich genutzt
werden, ist auch hier die mögliche Verunreinigung des Wassers ein
wesentliches Problem.
Auch die pleistozänen Fließerden der flacheren Gerinne werden in
vielen Fällen genügend Wasser führen, um Brunnen von mittlerer Er-
giebigkeit zu speisen.
7. Nutzbare Ablagerungen
7.1. Mineralien und Erze
C. W. v. GÜMBEL (1894, S. 468) erwähnt ein Vorkommen von Arsenkies
bei Kapfing; nähere Angaben über die Größe des Vorkommens fehlen.
Auf dem Nachbarblatt Schöfweg wird von GÜMBEL (1868) ein Bergbau
auf Blei-Zink-Erze bei Runding beschrieben. Außer einigen Pingen und
verfallenen Resten von Schachtanlagen findet man heute keine Spuren
mehr davon, Auf Blatt Lalling selbst wurden keine Gänge mit einer
Pb-Zn-Mineralisation angetroffen.
Ebenfalls etwas außerhalb der Blattgrenze liegt der schon mehrfach
erwähnte Dioritsteinbruch von Padling. Bei Radioaktivitätsmessungen
wurden dort deutlich höhere Werte als im Nebengestein gemessen. Für
eine wirtschaftliche Ausbeutung kommt das Vorkommen jedoch nicht in
Frage.
Der Limonitsandstein ist an Menge zu unbedeutend, um wirtschaftlich
genutzt werden zu können. Dasselbe gilt für die tertiären Tonvorkommen.
7.2. Gesteine
Einen guten Werkstein stellt der Granit des Kaußinger Massivs dar.
In zahlreichen Steinbrüchen, wie bei Lalling, Kaußing oder Auerbach,
wurde der Granit auch in größerem Umfang abgebaut. Heute liegt ein
Teil der Brüche allerdings still.
Der Kaußinger Granit ist ein weitgehend homogenes Gestein von
hoher Festigkeit. Die basischen Putzen stören wegen des nur wenig vom
Granit abweichenden Mineralbestandes und Gefüges nicht. Jedoch wird
der Granit von engscharigen Klüften durchzogen, so daß die Gewinnung
74
großer Blöcke meist nicht möglich ist. Der Kaußinger Granit wird daher
bevorzugt zu Pflastersteinen, Schotter und Split verarbeitet.
Zur Splitgewinnung wird auch der Quarzdiorit benutzt (Padlinger
Bruch). An Festigkeit steht der Quarzdiorit dem Granit nicht nach. Er
zerbricht jedoch in stengelig-plattige Stücke, die nicht ganz die ideale
,,kubische“ Form des Granitsplits erreichen.
Auch im Perlgneis liegen mehrere Steinbrüche, die heute alle außer
Betrieb sind. Nur der Bruch am Ruselabsatz, der in cordieritführendem
Perlgneis steht, wurde in letzter Zeit gelegentlich zur Schotter- und Split-
gewinnung genutzt.
Sofern der Perlgneis frisch und unverwittert ist, kann er ohne weiteres
zu Split oder Schotter verarbeitet werden. Im praktischen Gebrauch
unterscheidet er sich in Bezug auf Festigkeit und Haltbarkeit kaum vom
Granit. Es ist allerdings schwieriger, im Perlgneis wirklich frische
Partien, die für den Abbau geeignet sind, zu finden.
Zur Verarbeitung auf Split und Schotter durchaus geeignet wäre auch
der Paragranodiorit, sofern man frisches Material verwendet. Er wird
,iedoch im Blattgebiet nirgends abgebaut. Auch die Gewinnung größerer
Blöcke erscheint durchaus möglich. Allerdings ist das Gestein wegen der
schwächeren Klüftigkeit weniger gut zu brechen als der Kaußinger Granit.
Der Verwitterungsgrus von Perlgneis und Paragranodiorit wird von
den Bauern verschiedentlich in kleinem Umfang als ,,Sand“ abgebaut. Bei
Reichertsried liegen mehrere solcher ,,Sandgruben“ im Flasergranit.
Lediglich lokale Bedeutung kommt auch dem Abbau von Torf bei
Reichertsried zu.
8. Die Böden
(GUSTAV RÜCKERTu))
8.1. Allgemeines
Das Gradabteilungsblatt Nr. 7144 Lalling zeigt einen Abschnitt des
südlichen Bayerischen Waldes und zwar den sogenannten ,, L a 11 i n g e r
Winke 1“ mit seiner Umrandung. Der weite, nach Süden offene Tal-
kessel wird von vielen bewaldeten Höhenrücken durchzogen. Sanfter
geneigte Hänge, z. T. mit Terrassenanlagen, werden ackerbaulich genutzt.
Zahlreiche Bäche ziehen in schmalen, tief eingeschnittenen Talschluchten,
seltener in breiter Aue, der Donau zu. Da die Talböden trotz ihres star-
ken Gefälles recht naß sind und sich die kleinklimatischen Verhältnisse
in den Tälern ungünstig auswirken, wird hier ausschließlich Grünland-
wirtschaft betrieben.
In steilem, über 200 m hohem Anstieg führen die Hänge des Talkessels
hinauf zu den weniger schroff geformten Bergketten des Bayerischen
Waldes (‘700-900 m NN), über die sich die einzelnen Gipfel der beherr-
schenden Berge erheben, von denen einer, der Dreitannenriegel (1092 m
NN) noch innerhalb des Blattes an seinem nördlichen Blattrand liegt.
Ausgedehnte Nadelwälder geben den höheren Lagen des Bayerischen
Waldes ihr Gepräge. Die landwirtschaftliche Nutzung beschränkt sich auf
die tiefer gelegenen, etwas geschützten Hänge, wobei Südhanglagen be-
vorzugt werden. Die Täler sind meist den Wiesen vorbehalten.
Große Höhendifferenzen und starker Wechsel der Landschaftssituation
auf engem Raum pflegen sich auch kl i m at i s c h auszuwirken. So
nimmt die Jahresdurchschnittstemperatur vom Süden des vor rauhen
Winden geschützten Talkessels zum exponierten Dreitannenriegel von
i” C auf 5O C ab (in der Vegetationszeit von 15O auf 11’ C), während die
Niederschlagsmenge von 800 mm pro Jahr auf 1400mm ansteigt (in der
Vegetationsperiode von 240 auf 400 mm).
Landwirtschaftlich gesehen bedeutet der Temperaturabfall mit zuneh-
mender Höhe eine Verkürzung der Vegetationszeit anspruchsloserer Feld-
früchte im Bereich der Höhenlagen im Gegensatz zum klimatisch begiin-
stigten Lallinger Winkel. So verzögert sich die Frühjahrsbestellung der
Felder ebenso wie die Ernte in der nördlichen Blatthälfte um jeweils
mehrere Wochen. Während im Lallinger Winkel Gerste und Weizen
mit gutem Erfolg angebaut werden und vereinzelt auch Obstplantagen
befriedigende Erträge liefern, beschränkt sich der Ackerbau nördlich der
Linie Maxhofen - Rusel - Reichertsried auf Hafer, Roggen, und Kar-
toffeln. Als Futterpflanze wird hier der Kohlrübe gegenüber der Runkel
der Vorzug gegeben.
76
Nach den angegebenen Klimawerten, die dem Klimaatlas von Bayern
entnommen sind, ist das Blattgebiet dem kühlfeuchten Klimabereich des
Ostbayerischen Grenzgebirges zuzurechnen. Für die Bodenbildung und
Bodenentwicklung bedeutet dies stärkere Auswaschungsverluste von Alka-
lien, Erdalkalien, Eisen und Aluminium aus den oberen Bodenhorizonten,
ein Prozeß, der durch die gute Durchlässigkeit dieser Böden, verbunden
mit einem nicht sehr großen Wasserspeicherungsvermögen noch ver-
schärft wird. Im Bereich der pleistozänen Fließerden und Lößlehmdecken
sind diese Eigenschaften nicht mehr so stark ausgeprägt. Die hier vor-
kommenden Böden sind i. a. etwas bindiger und mitunter schwach ver-
dichtet. Ihr Wasserspeicherungsvermögen ist daher besser, doch neigen sie
auf Verebnungen und in Unterhanglagen leicht zu schwacher Staunässe
im Unterboden.
77
B o d e n t y p o 1 o g i s c h gesehen gehört das Blattgebiet zum Ver-
breitungsbereich der Braunerden, die in exponierten Lagen meist mitt-
lere, sonst aber i. a. große bis sehr große Entwicklungstiefen aufweisen.
Bei Felsfreistellungen und in den Blockmeeren (Sauloch-Schlucht) treten
kleinflächig Rohböden auf. Unter Wald ist eine geringe Podsolierung
zu beobachten, Auf den Verebnungsflächen und in den Mulden der Hoch-
lagen sind Anmoor- und Moorgleye verbreitet. Diese Bodentypen wurden
auch häufig in den Quellbereichen der Bäche angetroffen. In den Wäl-
dern südlich von Reichertsried entwickelte sich ein größeres Hochmoor.
Auf den Talsohlen der Bachtäler mit ihren starken Grundwasserschwan-
kungen wechseln Gleye mit Braunerde-Gleyen ab.
Bevor die Böden im einzelnen behandelt werden, sei auf Beobach-
tungen hingewiesen, die auf einem Großteil unserer Böden, besonders
aber auf den Mittelgebirgsböden gemacht wurden. Wie auch unsere Ana-
lysen (s. S. 88 u. 89) zeigen, sind die meisten Böden sehr nährstoffarm. Der
ständig ablaufende Auswaschungsprozeß macht eine dauernde Zufuhr
mineralischer Nährstoffe erforderlich, um die bisher eingetretenen Ver-
luste auszugleichen und die Nährstoffgehalte darüberhinaus auf eine
Höhe zu bringen, wie sie für die Erzielung optimaler Erträge erforderlich
ist. Bodenchemische Untersuchungen zeigen immer wieder, daß den Bö-
den i. a. nur ungenügende Mineraldüngergaben zugeführt werden und sie
daher Nährstoffgehalte aufweisen, die weit unter’ den derzeitig als gün-
stig für das Pflanzenwachstum ermittelten Werten liegen. Wie die pH-
Werte der Analysen zeigen, gehören die Braunerden des Blattgebietes,
bodentypologisch gesehen, zu den ,,sauren“ Braunerden, d. h., sie haben
in den meisten Fällen einen PH-Wert unter 5,2. Diesen anzuheben sollte
durch verstärkte und häufigere Kalkungen angestrebt werden, wobei
dolomitischen Kalken wegen ihres höheren Magnesiumgehaltes der Vor-
zug gegeben werden müßte. Eine Erhaltungskalkung von 5 dzlha, wie sie
heute i. a. gegeben wird, reicht jedoch nach SCHMID (1963) höchstens aus,
um die Auswaschungsverluste und den Nährstoffentzug der Feldfrüchte
innerhalb eines Jahres in etwa auszugleichen, Um die von SCHEFFER &
SCHACHTSCHABEL (1960) als optimal angesehene Ca-Sättigung von 80 mvalO/o
und eine Mg-Sättigung von 15 mvalO/o der Austauschkapazität zu errei-
chen, sind wesentlich höhere Kalkgaben erforderlich. So hohe Werte wie
die geforderten werden aber erfahrungsgemäß auch nicht in Betrieben
erreicht, die bekanntermaßen einen hohen Mineraldüngereinsatz betreiben.
Ähnlich ist es mit der Versorgung der Böden des Blattgebietes mit
Phosphorsäure. Für diesen Nährstoff gibt der Verband Landwirtschaftlicher
Untersuchungs- und Forschungsanstalten (LUFA) einen Gehalt von lO-
18 mg je 100 g Boden in der Krume als notwendig an, um mit weiteren, auf
den Nährstoffbedarf der jeweils angebauten Frucht abgestimmten Phos-
phorsäuregaben befriedigende Erträge zu erzielen. Auch diese Forderung
ist nur in einem der neun untersuchten Böden erfüllt, Alle anderen
‘78
ackerbaulich genutzten Böden liegen ebenso wie die untersuchten Grün-
landflächen z. T. erheblich unter diesen Werten.
Etwas höher sind anscheinend die Kaligaben in diesem Gebiet. Für
diesen Pflanzennährstoff gibt die LUFA bei Sandböden einen K-Gehalt
von 5-10 mg je 100 g Boden und bei Lehmböden von 10-20 mg als aus-
reichend an. Diese Werte werden nach den Untersuchungen i. a. auf den
landwirtschaftlichen Flächen erreicht, in einem Fall sogar überschritten.
Neuere Untersuchungen (RIEHM & WIECHENS 1967 u. WIECHENS 1969) zeigen
jedoch, daß eine nachhaltige Anreicherung des Bodens mit Phosphor-
säure und Kali erst bei jährlichen Gaben von 90 kgiha (P,O,) bzw.
140 kgiha K$O) erzielt wird. Erst eine derartig gesteigerte Nährstoff-
zufuhr gewährleistet nach den genannten Autoren Erträge von 40 dzlha
GE und verhindert gleichzeitig ein erneutes Absinken der Nährstoff-
gehalte innerhalb kürzerer Zeit.
Profilbeschreibung:
AD 0-20 cm dunkelgraubrauner, humushaltiger, schluffiger Sand;
Krümelgefüge; Durchwurzelung gut; Wurmröhren
vorhanden
B” 20-35 cm bräunlichdunkelgrauer, stark glimmerhaltiger, grusi-
ger, stark lehmiger Sand; Bröckelgefüge; Durchwur-
zelung gut; Wurmröhren vorhanden
%G 35-60 cm graubrauner, schwach rostfleckiger, stark glimmerhal-
tiger, schwach steiniger, grusiger, lehmiger Sand
Analysen s. S. 88.
79
Profil 2: R 75 500 H 18 330
FA. Deggendorf; Forstbez. Irlmoos 11; Dreitannenriegel; E-Hang 5 “/o;
Mischwald (Fi, Bu), Heidelbeere, Wurmfarn, Bärlapp
B r a u ne r d e großer Entwicklungstiefe, schwach podsolig, aus Perl-
gneis; sandiger Lehm
Profilbeschreibung:
0, 1 cm
01<7 2 cm Moder
Olr 3 cm 1
Ah 0- 5 cm dunkelgraubrauner, humushaltiger, sandiger Lehm;
Bröckelgefüge; Durchwurzelung gut; einzelne Quarz-
körner entrindet
B Vi 5-25 cm dunkelgelbbrauner, sehr schwach steiniger, schwach
grusiger, sandiger Lehm; Brockelgefüge; Durchwur-
zelung gut
JA2 25-45 cm graubrauner, schwach steiniger, schwach grusiger,
sandiger Lehm, Bröckel- bis Subpolyedergefüge;
Durchwurzelung gut
CA 45-80 cm braungrauer, grobsteiniger, grusiger, stark lehmiger
Sand; Bröckel- bis Subpolyedergefiige
Analysen s. S. 88.
Wie die Analysen zeigen, überwiegt bei der Korngrößenzusammen-
setzung dieser Böden der Sandanteil, der in der Regel zwischen 50-60°/o
des Feinbodens einnimmt. Der Anteil der Tonsubstanz liegt meist zwi-
schen 10 und 20°/o. Bodenartlieh gesehen, sind die Böden aus Perlgneis
damit den mittleren Böden zuzurechnen. Der landwirtschaftlichen Nut-
zung und Bearbeitung bieten sie keinerlei Schwierigkeiten, zumal sie
- zumindest im Oberboden - keinen Steingehalt aufweisen. Nur Relief
(Steilhanglagen und exponierte Kuppen) und Klima (rauhe Hochlagen)
setzen der landwirtschaftlichen Nutzung enge Grenzen.
Die PH-Werte liegen unter Wald im sehr stark sauren bis sauren
Bereich (PH 2,9 bis 4,2), unter Acker ist die Reaktion dank der Kalkungen
sauer (im Unterboden pH 4,7) bis neutral (in der Krume pH 6,6).
Neben der Verbesserung der Bodenreaktion fördert eine Kalkung auch
eine bessere Ausnutzung der anderen Nährstoffe, von denen das Kali in
größerem, wenn auch nicht in ausreichendem Maße, gesteinsbedingt ver-
fügbar ist. Phosphorsäure ist dagegen nur in sehr geringen Mengen im
Boden vorhanden, wie besonders aufschlußreich die Nährstoffanalyse des
ersten Profils zeigt, wo nur in der Krume laktatlösliche Phosphorsäure
festgestellt wurde, während in den tieferen Horizonten nicht einmal Spu-
ren festgestellt werden konnten. Eine wesentliche Erhöhung der Zufuhr
an Kali und Phosphorsäure auf solcher Fläche ist daher vordringlich
anzustreben, um die von der LUFA als optimal empfohlenen Nährstoff-
verhältnisse herzustellen,
80
8.2.2. Böden aus Paragranodiorit
Profil 3: R 76 060 H 13 640
Schaufling; S Ringelwies; Furth; S-Hang 3 Oio; Schonung (Fi, Bi, Bu),
Heidelbeere, Rasenschmiele, Wurmfarn, Ginster, Waldwachtelweizen
Profilbeschreibung:
01,
1
1 cm
0, 1 cm Moder
011 2 cm
4, 0- 8 cm dunkelbrauner, humushaltiger, stark lehmiger Sand;
Bröckelgefüge; Durchwurzelung stark
B Y1 8-35 cm hellbrauner, glimmerhaltiger, steiniger, grusiger, stark
lehmiger Sand; Bröckelgefüge; Durchwurzelung gut
Bd 35-50 cm graubrauner, glimmerhaltiger, steiniger, grusiger,
stark lehmiger Sand; Bröckelgefüge; Durchwurzelung
gut
C” 50-80 cm braungrauer, glimmerhaltiger, steiniger, grusiger,
schwach lehmiger Sand; schwach ausgebildetes Brök-
kelgefüge; Durchwurzelung gut
in allen Horizonten grobe Verwitterungsrestblöcke
Analysen s. S. 88.
81
2.2.3. Böden aus Kaußinger Granit
Profil 4: R 83 410 H 10 580
Nabin; NW Gottmannsdorf; W-Hang 4 Oio; Acker
B r a u n e r d e großer Entwicklungstiefe aus Kaußinger Granit; glim-
merhaltiger, lehmiger Sand
Bodenschätzung: 1s 4V 48138
Profilbeschreibung:
82
8.2.4. Böden aus Flasergranit
Profil 5: R 85 520 H 17 480
SW Reichertsried; S-Hang 3 Oio; Acker
B r a u n e r d e mittlerer Entwicklungstiefe aus Flasergranit; steiniger,
grusiger, sandiger, schluffiger Lehm (6 dm) über Gesteinsverwitterung
Bodenschätzung: 1s 4V 39/33
Profilbeschreibung:
83
8.2.5. Böden aus pleistozäner Fließerde
Profil 6: R 76 600 H 12 100
Schaufling; E Nemering; WSW-Hang 5 O/o Mischwald (Fi, Bu, Bi), Faul-
baum, Heidelbeere, Seggen
B r a u n e r d e großer Entwicklungstiefe aus pleistozäner Fließerde;
glimmerhaltiger, lehmiger Sand bis sandiger, schluffiger Lehm (8 dm)
über glimmerhaltigem, steinigem, grusigem, stark lehmigem Sand
Profilbeschreibung:
01,
orr
Al, 0-
1 cm
1 cm 1 Moder
2 cm grauer, humushaltiger, schwach glimmerhaltiger, leh-
miger Sand; Bröckelgefüge; Durchwurzelung stark
B Vl 2- 35 cm gelbbrauner, schwach glimmerhaltiger, lehmiger Sand;
Bröckelgefüge; Durchwurzelung stark
B VS 35- 50 cm dunkelbraungrauer, schwach glimmerhaltiger, sandi-
ger, schluffiger Lehm; Bröckelgefüge; Durchwurze-
lung gut
C,B, 50 - 80 cm graugelber, schwach glimmerhaltiger, sandiger, schluf-
figer Lehm; Bröckel- bis Subpolyedergefüge; Durch-
wurzelung mäßig; schwach verdichtet
11 S,,C, 80-100 cm grau- und rostbraunmarmorierter, glimmerhaltiger,
steiniger, grusiger, stark lehmiger Sand mit zahlrei-
chen schwarzbraunen Konkretionen; Bröckel- z. T.
Plattengefüge; Durchwurzelung sporadisch; dicht ge-
lagert
Analysen s. S. 89.
Höhere Schluff- und Tonanteile am Feinboden sowie eine starke
Abnahme von Grus und Steinen sind die augenfälligsten Merkmale der
Fließerden. Sie neigen dank ihrer bodenartlichen Zusammensetzung zu
Verdichtungen in Unterboden und Untergrund, die aber auch eine Folge
der pleistozänen Bodenrutschurigen sein können. Diese letztgenannte
Ursache wird für die Verdichtungen des vorliegenden Profils angenom-
men. Die dichte Lagerung kann zu Staunässeerscheinungen führen, deren
Merkmale hier Marmorierung und Konkretionsbildung im Untergrund
sind. Sie wirken sich in dieser Tiefenlage jedoch keinesfalls mehr schäd-
lich aus, zumal die Hanglage einen schnellen Wasserabzug ermöglicht.
Deshalb stellen diese Böden auch gute Ackerstandorte dar. Die Wald-
bestände zeigen auf diesen Böden i. a. bessere Wuchsleistungen als auf
den rezenten Verwitterungsböden.
Auch dieses Profil ist sehr stark sauer (PH 3,5 bis 3,8) und verfügt,
wie die Analyse zeigt, nur über sehr geringe Vorräte an laktatlöslichem
K,O und P,Or,. Der Gehalt an beiden Nährstoffen steigt zwar im Unter-
grund um mehrere Prozente an, jedoch scheinen diese Vorräte, wie das
84
Wurzelbild zeigt, den Bäumen infolge der Bodenverdichtungen nur in
beschränktem Maße zur Verfügung zu stehen.
85
8.2.7. Böden der holozänen Bachablagerungen
Profil 8: R 80 360 H 09 240
N Auerbach; Ohe-Tal; eben; Wiese
G 1 e y - B r a u n e r d e aus holozäner Bachablagerung; glimmerhaltiger
Schluff (6 dm) über glimmerhaltigem, lehmigem Sand
Bodenschätzung: L 11 b3 48143
Profilbeschreibung:
AP 0- 20 cm dunkelbraungrauer, humushaltiger, glimmerhaltiger,
lehmiger Schluff; Subpolyedergefüge; Durchwurze-
lung stark; Wurmröhren vorhanden
B” 20- 50 cm hellbrauner, schwach glimmerhaltiger, lehmiger
Schluff; Subpolyedergefüge; Durchwurzelung gut;
Wurmröhren vorhanden
G,B, 50- 60 cm braungrauer, schwach rostfleckiger, stark glimmer-
haltiger. lehmiger Schluff: Subpolyeder- bis Poly-
edergefhge; DÜrchwurzelung gering; Wurmröhren
vorhanden
% 60- 80 cm fahlbraungelber, schwach rostfleckiger, glimmerhalti-
ger, schluffiger, lehmiger Sand mit einzelnen Kon-
kretionen; Bröckelgefüge; Durchwurzelung gering
GO, 80-100 cm grauer, rostfleckiger, glimmerhaltiger, schwach lehmi-
ger Sand
Das Grundwasser steht bei 1,2m u. Fl, Bei höher anstehendem
Grundwasser (0,8dm u. Fl.) wurde folgendes Profil aufgenommen:
Analysen s. S. 89.
87
w
~000 v? ”
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r(r13-43
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0 0 ö ö 0 0 0
^ ^ Q,
m-7-l
89
8.3. Bewertung der Böden durch die Bodenschätzung
Wie aus den Profilbeschreibungen ersichtlich, wurden alle landwirt-
schaftlich genutzten Flächen von der Bodenschätzung bewertet. Diese
Schätzungsergebnisse werden vom Bayerischen Geologischen Landesamt
ausgewertet und in Form der Gemeindebodenschätzungskarten i. M.
1 : 5000 veröffentlicht. Die Karten, die auch weitergehende Hinweise
über Bodenart, Mächtigkeit der Bodenbildung und Wasserverhältnisse
geben, liegen bei den zuständigen Landwirtschaftsämtern und können
dort eingesehen werden.
90
Schrifttum
BRUNNACKER, K.: Erläuterungen zur Bodenkarte von Bayern 1 : 25 000 Blatt
Nr. 6945 Zwiesel. München (Bayer. Geologisches Landesamt) 1965.
FINGER, 0.: Mehrjährige und einjährige Düngungsversuche mit gesteigerten
Gaben an Phosphorsäure und Kali zur Nachprüfung der Grenz-
werte. - Landw. Forsch., 18, S. 1-36, Frankfurt 1965.
- Düngungsversuche in Rheinland-Pfalz zur Nachprüfung der Grenz-
werte der chemischen Bodenuntersuchung. - Phosphorsäure, 26,
S. 81-86, Essen 1966.
KOHL, F.: Die Böden. - In: STETTNER, G.: Erläuterungen zur Geologischen
Karte von Bayern 1 : 25 000 Blatt Nr. 5937 Fichtelberg. München
(Bayer. Geologisches Landesamt) 1958.
- Die Böden. - In: STETTNER, G.: Erläuterungen zur Geologischen
Karte von Bayern 1 : 25 000 Blatt Nr. 5836 Münchberg. München
(Bayer. Geologisches Landesamt) 1960.
RACKERT. G.: Die Böden. - In: EMMERT, U. u. STETTNER. G.: Erläuterun-
gen zur Geologischen Karte von’ Bayern 1 : 25 060 Blatt Nr. 5737
Schwarzenbach a. d. sächs. Saale. München (Bayer. Geologisches
Landesamt) 1968.
- Die Böden. - In: HORSTIG, G. v. u. STETTNER, G.: Erläuterungen zur
Geologischen Karte von Bayern 1 : 25 000 Blatt Nr. 5736 Helm-
brechts. - [In Druckvorbereitung].
SCHACHTSCHABEL, P: Zur Kennzeichnung des Kalk- und Basenstatus. -
Vortrag, gehalten in Hohenheim am 21. 4. 1967.
SCHEFFER, F. &SCHACHTSCHABEL, P.: Lehrbuch der Agrikulturchemie und
Bodenkunde. - Stuttgart 1960.
SCHMID, G.: Beziehungen zwischen Kalkung und Ertrag auf magmatischen
und metamorphen Gesteinverwitterungsböden des Bayer. Wal-
des. - Landw. Forsch., 16, H. 2, Frankfurt 1963.
- Basensorption und Basenverlagerung auf Ackerböden unter beson-
derer Berücksichtigung von Magnesium und Kalium. - Kali-Briefe,
10, S. 1-10, Hannover 1967.
SCHMID, G. Sz RUDERT, K: Zusammenhänge zwischen Meliorationskalkung
und Ertrag, Qualität sowie Rentabilität auf Urgesteinsböden nord-
ostbayerischer Mittelgebirgslagen. - Die Bodenkultur, 15, H. 3,
Sonderdruck, Wien-München 1964.
91
9. Der Baugrund
Da je nach Art der bautechnischen Maßnahmen ganz bestimmte
Kriterien für die Beurteilung eines Baugrundes wichtig sind, ist eine all-
gemeine gleichartige Behandlung des Blattgebietes hinsichtlich boden-
und felsmechanischer Eigenschaften nicht möglich. Es wird daher emp-
fohlen, bei Ausführung größerer Bauwerke ein ingenieurgeologisches
Gutachten über die für das betreffende Bauwerk wichtigen örtlichen
Gegebenheiten einzuholen.
Das anstehende feste Kristallingestein, sei es Gneis oder Granit, stellt
in Bezug auf Festigkeit einen idealen Baugrund dar, auf den unbedenk-
lich gegründet werden kann. Allerdings ist in solchen Fällen der Aushub
mit beträchtlichen Schwierigkeiten verbunden. Insgesamt sind Fälle, wo
direkt ins Anstehende gegründet wird, im Blattgebiet wohl ziemlich
selten.
Häufiger wird man vergrustes Kristallin antreffen. In halbwegs ebenem
Gelände, wo der Gesteinsgrus direkt, ohne Umlagerung aus dem Gneis
oder Granit hervorgegangen ist, kann die Tragfähigkeit des Untergrundes
für Gebäude normaler Größe als durchaus ausreichend angesehen werden.
Dasselbe gilt für den Diluviallehm. Bei Bauten, die in größeren morpho-
logischen Mulden liegen, ist unter Umständen mit einem hochliegenden
Grundwasserspiegel zu rechnen.
Schwieriger wird die Gründung von Bauwerken auf steilen Hängen,
die mit Fließerden und Schuttstömen überdeckt sind. Beim Anschnitt
solcher Schichten besteht die Gefahr, daß Teile der Schuttdecke ab-
reißen und ins Rutschen geraten. Bei einer Zwischenlagerung von
wasserstauenden, gleitfähigen Schichten (Lehm) ist die Rutschgefahr noch
höher. Eine Gründung ins Anstehende ist zu empfehlen; mitunter wird
sich auch eine Sicherung der gleitfreudigen Verwitterungsdecken als not-
wendig erweisen.
Für die Gründung größerer Gebäude in junge Ablagerungen des
Quartärs ist unbedingt eine vorhergehende baugeologische Untersuchung
des Baugrundes erforderlich (Flachbohrungen). Auch dem Problem des
Grundwassers muß in solchen Fällen erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt
werden.
92
10. Vorschläge für Exkursionen
Gute Aufschlüsse in den verschiedenen Gesteinsarten sind, soweit
vorhanden, bei den Gesteinsbeschreibungen bereits erwähnt. Für zu-
sammenhängende Lehrwanderungen können folgende Routen empfohlen
werden :
Im Westteil des Blattes hält man sich zweckmäßigerweise an die
Bundesstraße 11, die von Deggendorf nach Regen führt. Als eine auch
landschaftlich sehr schöne Wanderung bietet sich die Schlucht des ,,Sau-
lochbaches“ an. Die Schlucht zweigt von der Bundesstraße 11 kurz hinter
Maxhofen bei der ,,Oberglasschleife“ ab, gerade bevor der steile Aufstieg
der Ruselstraße beginnt. Nach etwa 1,5 km verengt sich das Tal sehr
stark, und auf beiden Talhängen treten ausgeprägte Blockströme hervor.
Etwa hier liegt auch die Grenze vom Perlgneis zum Paragranodiorit, der
in einer großen, herzynisch streichenden Zunge das Tal überquert. Wo
sich dann das Tal bei der Rohrmünzmühle wieder weitet, löst der Perl-
gneis wieder den Paragranodiorit ab.
Von Rohrmünz aus kann der Dreitannenriegel bestiegen werden, der
mit 1092 m die höchste Erhebung auf Blatt Lalling darstellt. Vom Gipfel
des Dreitannenriegels aus genießt man bei klarem Wetter einen aus-
gezeichneten Blick auf die Formen des Kristallingebirges und weit in die
Donauebene hinaus.
Der weitere Verlauf der Ruselstraße von der Oberglasschleife ab
führt am ,,Maxfels“, einem Felsklotz aus Perlgneis, vorbei auf den
,,Ruselabsatz“. Dort liegt auf der nördlichen Straßenseite am Waldrand
ein kleiner Steinbruch, wo frischer cordieritführender Perlgneis auf-
geschlossen ist.
Der Cordieritgneis selbst kann am besten an dem in der Karte ein-
getragenen Vorkommen SE Seiboldsried studiert werden. Halbwegs gut
aufgeschlossen ist er auch in einem kleinen Steinbruch, der E der Ruseler
Kreuzstraße am S-Fuß der Höhe 772,7 m liegt,
Die Lagengneise findet man am Durchfurther Schuß und in kleinen
Schollen am Südhang des Dattinger Berges.
Aufschmelzungserscheinungen im Perlgneis, Nestergranite und zugleich
diskordante Ganggranite kann man am besten in der Waldblöße am
Durchfurther Schuß studieren.
Im Ostteil des Blattes führt die Straße von Auerbach nach Rohrstetten
durch den Granit des Kaußinger Massivs. Etwa 1 km ENE Auerbach liegt
an der Altreut ein großer Steinbruch (Thiele); im Südteil dieses Bruches
wird ein etwas älterer mittelkörniger Granit vom Kaußinger Massiv-
granit eingeschlossen. Zahlreiche dunkle Einschlüsse (Gneis in ver-
schiedenen Stadien der Resorption) führt der Granit unmittelbar am
Kontakt zum Perlgneis (stilliegender Steinbruch oberhalb der ehemaligen
93
Schleifmühle an der Straße 750 m ENE Auerbach). Ein weiterer Stein-
bruch im Kaußinger Massivgranit liegt an der Kaußinger Mühle, S von
Kaußing; er ist jedoch von der großen Straße aus schlecht zu erreichen.
Folgt man der Straße weiter, so gelangt man kurz hinter Rohrstetten
an die im Wald N der Straße liegenden, schon mehrfach erwähnten
Dioritbrüche von Padling. Dort ist der Verband der Quarzdiorite mit dem
Perlgneis und hellen Graniten in sehr schöner Weise aufgeschlossen,
11. Schrifttum
(vgl. auch Schrifttum auf S. 71, 72 u. 91)
94
HEGEMANN, F.: Uber Feldspatflecken in Dioriten des Bayerischen Waldes
und ihre Bedeutung für die Genesis dieser Gesteine. - N. Jb.
Mineral., 63. Beil.-Bd., Abt. A, S. 173-214, Stuttgart 1932.
KAADEN, G. v. D.: Optical studies on natura1 plagioklase feldspars with
high- and low-temperature optics. - Diss. Univ. Utrecht 1951.
LIST, F. K.: Geologisch-petrographische Untersuchungen im Westteil des
Gradabteilungsblattes Lalling. - Geol. Dipl.-Arbeit Univ. München
1958.
- Ober Granitisation im Grundgebirge des südlichen Bayerischen
Waldes, - Diss. Univ. München 1961.
- Statistische Untersuchungen an Zirkon und Apatit in Anatexiten
des südlichen Bayerischen Waldes. - Geol. Rdsch., 55, S. 509-530,
Stuttgart 1966.
- Geologische Exkursionen im Gebiet nördlich und östlich Deggen-
dorf an der Donau. - Geologica Bavarica, Nr. 58, S. 86-93, München
(Bayer. Geologisches Landesamt) 1967.
- Ausbildung und Entstehung des Paragranodiorits nördlich von
Deggendorf (südlicher Bayerischer Wald). - Geologica Bavarica,
Nr. 60, S. 95-132, München (Bayer. Geologisches Landesamt) 1969.
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Mineral., 37, S. 117-206, Stuttgart 1959.
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1. Teil: Allgemeine Gefügekunde und Arbeiten im Bereich Hand-
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südlichen Bayerischen Waldes. - Geol. Rdsch., 46, S. 306-317,
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TRÖGER, W. E. : Spezielle Petrographie der Eruptivgesteine. - 360 S.,
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95
Tafel 1 -4
Tafel 1
Fig. 1.
Fig. 2.
Tafel 2
Fig. 2. Die Lagengneise am Dattinger Berg zeichnen sich durch einen straffen
Zeilenbau aus, der von einigen Quarz-Feldspat-Mobilisaten, die kon-
kordant im s des Gneises liegen, aufgelockert wird. Etwa senkrecht
dazu durchziehen migmatisch erweichte Scherbahnen das Gestein. Fpkt:
Osthang des Dattinger Berges, neue Forststraße.
Tafel 2
Fig. 1.
Tig. 2.
Tafel 3
Fig. 1.
Fig. 2.
TafeI 4
==8-11 r b I-J /
T
‘77 7-10 \3
8-17” ,
fl
14574 176 177 178 179 160 Ie1 Ie2 Ie3 184 14585
&= Gittermessungen
0
I
1 2km
I
H. ZIEHR 1950
Beilage 2 zu den Erläuterungenzur Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt 7144 Lalling
A.l
l AnomaliQn ,--\
i ‘\ 0 - 50 cpm 201 cpm und darüber
o Fundpunkt /’
r;o Anzahl der QntnommenQn Proben
iii) SO- 99 cpm 2cpm=lg/t Uranäquivalent
!y MittQlWQrt in cpm
[Link] 1958