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Mittenwald

Das Dokument bietet Erläuterungen zur geologischen Karte von Bayern im Maßstab 1:25000 für das Gebiet Mittenwald, verfasst von Hermann Jerz und Roland Ulrich, mit Beiträgen über Moorvorkommen von Helmut Vidal und Erika Hohenstatter. Es umfasst geographische und erdgeschichtliche Überblicke, Stratigraphie, Lagerungsverhältnisse, hydrogeologische Verhältnisse sowie nutzbare Ablagerungen und Böden. Die Veröffentlichung enthält 21 Abbildungen, 2 Tabellen und 2 Beilagen und wurde 1966 vom Bayerischen Geologischen Landesamt herausgegeben.

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manuel lopez garcia
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Mittenwald

Das Dokument bietet Erläuterungen zur geologischen Karte von Bayern im Maßstab 1:25000 für das Gebiet Mittenwald, verfasst von Hermann Jerz und Roland Ulrich, mit Beiträgen über Moorvorkommen von Helmut Vidal und Erika Hohenstatter. Es umfasst geographische und erdgeschichtliche Überblicke, Stratigraphie, Lagerungsverhältnisse, hydrogeologische Verhältnisse sowie nutzbare Ablagerungen und Böden. Die Veröffentlichung enthält 21 Abbildungen, 2 Tabellen und 2 Beilagen und wurde 1966 vom Bayerischen Geologischen Landesamt herausgegeben.

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Erläuterungen

zur

Geologischen Karte von Bayern


1: 25000

Blatt Nr. 8 5 3 3 I 8 63 3 Mittenwald


von
HERMANN JERZ und ROLAND ULRICH
mit einem Beitrag von HELMUT VIDAL & ERIKA HOHENSTATTER
(Die Moorvorkommen)

Mit 21 Abbildungen, 2 Tabellen und 2 Beilagen

MONCHEN 1966

Herausgeber und Verlag: Bayerisches Geologisches Landesamt


München 22, Prinzregentenstraße 28
Erläuterungen
zur

Geologischen Karte von Bayern


1: 25000

Blatt Nr. 8533C3633 Mittenwald


von

HERMANN JERZ und ROLAND ULRICH


mit einem Beitrag von HELMUT VIDAL & ERIKA HOHENSTATTER
(Die Moorvorkommen)

Mit 21 Abbildungen, 2 Tabellen und 2 Beilagen

MONCHEN 1966

Herausgeber und Verlag: Bayerisches Geologisches Landesamt


München 22, Prinzregentenstraße 28
Gesamtherstellung: Akademische Buchdruckerei F. Straub, München
Inhaltsverzeichnis
Seite
Vorbemerkung ..................... 5

A. Geographische Ubersicht und Erforschungsgeschichte ... 6

1. Geographische Ubersicht ............. 6

11. Erforschungsgeschichte ............. 8

B Erdgeschichtlicher Uberblick ............... 9

C. Schichtenfolge (Stratigraphie) ........... 12

a. Trias ................... 12
1. Anisische Stufe . . 12
Reichenhaller Schichten 12 ‘7 Alpiner Muscheikalk 16
2. Ladinische Stufe . . . , . . 19
Wettersteinkalk 19 1 bartnachschichten 22 ’ ’ ’
3. Kainische Stufe . 24
Raibler Schichten 24
4. Norische Stufe . 34
Hauptdolomit 34 1 ‘Piattenkaik ‘38’ ’
5. Rätische Stufe . 39
Kössener Schichten 39 ’ ’ ’
b. Jura . . . . . . 42
1. Lias 42
Grauer ‘ßasiskalk’ 42 i Bunter ‘Liaskalk 43 ‘-’
Bunte Mergel 44
2. Dogger . . . . . . . . . 44
3. Malm . . . . . . . . . . . . . 45
Kieselkalk 45 - Aptychenschichten 45
c. Kreide . . . . . . . . . . . 47
Unterkreide-Aptychenmergel 47
d. Quartär . . . . . . . . . . 49
1. Pleistozän . . . . . . . . . 49
Rißeiszeitliche und ältere Bildungen . 50
Moränen 50 - Schotter 51 - Hochlandbreccie 51
RißiWürm-interglaziale und Würm-frühglaziale ßil-
dungen . . . . . . . . . . . . . . . . 53
Gehängeschutt-Breccien (Viererspitz-ßreccie, Krump-
lehner ßreccie) 53 - Bachschutt-Breccien (Seinsbach-
ßreccie, u.a.) 54 - Frühwürmglaziale Seekreide und
Schotter im Isartal 55
Ablagerungen des Hochwürmglazials . . . . 59
Fernmoräne 60 - Lokalmoräne (Hochwürm bis Post:
glazial) 61
Würm-spätglaziale Bildungen . . . 64
Spätglaziale Staubeckensedimente (Seekreiden, ’ ’ .
Schotter) 64 - Buckelwiesen 73
Seite
2. Holozän . . . . . . . . . . 77
Postglazialer Schotter 78 - Bachschuttkegel 78 - Block-
schutt 78 - Bergsturz 78 - Hangschutt 78 - Verwitte-
rungsschutt 78 - Postglazialer Seeton 78
Die Moorvorkommen auf Blatt Mittenwald (H. VIDAL 8c
E. HOHENSTATTER) . . . . . . . . . . . . . . . . 80

D. Lagerungsverhältnisse (Tektonik) . . . . . . . . . 93
1. Ältere Arbeiten und tektonische Vorstellungen . . . . . . 93
11. Faltenstrukturen . . . . . . . 95
1. Wamberger Sattelzone . . 96
2. Westliche Soierngruppe . . 97
3. Wetterstein-Hauptmulde , . 97
4. Mittenwalder Karwendelmulde 98
5. östliches Wettersteingebirge . 99
6. Schartkopf-Sattel . . . . . 100
7. Sulzleklamm-Sattel und dessen Ostfortsetzung im
Kirchlkar , , . . , . . . . . . . . . . . 101
8. Nördliche Karwendelkette , . . . . . . . . . 102
9. Brunnenstein-Gebiet . . . . . . . . . . , 104
10. Arnspitz-Massiv , . . . . . . . . . . . . 104
111. Störungen . . . . . . . . . . . . 105
E. Geophysikalische Untersuchungen . . . . . . . 105
F. Hydrogeologische Verhältnisse . . 106
1. Isartal und Leutaschtal . . . . 106
2. Moränengebiet . . . . . . . 106
3. Kalkalpen . . . 106
G. Nutzbare Ablagerungen ................ 107
Kies 107 -Bau- und Schottersteine 107 - Seekreiden 107
Die ,,Sonderfazies“ und Lagerstätten im Oberen Wetter-
steinkalk .................. 107
H. Die Böden ...................... 120
1. Der Baugrund .................... 136
K. Vorschläge für Lehrausflüge ............... 136

L. Schichtenverzeichnisse von Bohrungen ........... 141


M. Schrifttum . . . . . . . . . . . 144
Vorbemerkung
Das Blatt Nr. 8533/8633 M i t t en w a 1 d der Geologischen Karte von
Bayern 1 : 25 000 ist aus den geologischen Aufnahmen von H. JERZ (1964)
und R. ULRICH (1959, 1960) unter Verwendung der geologischen Kartie-
rungen von H.-J. SCHNEIDER (1951) und H. FRISCH (1964) zusammengestellt
(vgl. S. 8). Zusätzlich sind Ecgebnisse von Kartierungsübungen, die unter
der Leitung von Prof. Dr. P. SCHMIDT-THOME vom Geologischen Institut
der Technischen Hochschule München durchgeführt worden sind, in der
Kartendarstellung berücksichtigt.
In den vorliegenden Erläuterungen sind der geographische und erd-
geschichtliche Oberblick, die Abschnitte ,,Trias“, ,,Quartär“, ,,Lagerungs-
verhältnisse“, ,,Hydrogeologische Verhältnisse“, ,,Nutzbare Ablagerungen”,
,,Die Böden” und ,,Vorschläge für Lehrwanderungen“ von H. JERZ be-
arbeitet. Die Abschnitte ,,Jura” und ,,Kreide“ sowie ,,Der Baugrund“
stammen von R. ULRICH. Der Beitrag über die Moorvorkommen auf Blatt
Mittenwald ist von H. VIDAL & E. HOHENSTATTER verfaßt l).

‘) Anschriften der Verfasser: Dipl.-Geol. Dr. HERMANN JERZ, Bayerisches Geo-


logisches Landesamt, München 22, Prinzregentenstraße 28; Regierungsrat Dipl.-
Gcol. Dr. ROLAND ULRICH, Bayerisches Geologisches Landesamt, München 22,
Prinzregentenstraße 28; Präsident Dr. HELMUT VIDAL, Dipl.-Geologe, Bayerisches
Geologisches Landesamt, München 22, Prinzregentenstr. 28; Dr. ERIKA HOHEN-
STATTER, Bayerische Landesanstalt für Bodenkultur, Pflanzenbau und Pflanzen-
schutz, München 38, Menzinger Straße 54.

5
A. Geographische Übersicht und Erforschungsgeschichte
1. Geographische ‘Übersicht
Das Gradabteilungsblatt Mittenwald zeigt einen Ausschnitt aus den
Bayerisch-Nordtirolischen Kalkalpen. Etwa die Hälfte des Blattgebietes
gehört der Hochgebirgsregion an. Hierzu zählen der Ostteil
des Wettersteingebirges, das Arnspitz-Massiv und das nordwestliche Kar-
Wendelgebirge einschließlich Vorkarwendel. Im Norden des Wetterstein-
gebirges schließt sich eine Art ,,Mittelgebirgslandschaft” an
mit dem Kranzberggebiet und dem Wamberger Höhenzug (,,Werdenfelser
Mittelgebirge“).
Ausgeprägte T a 1 z ü g e gliedern das Gebiet des östlichen Werden-
felser Landes *), Das Isartal und das Leutaschtal verlaufen als tief ein-
geschnittene Quertäler etwa senkrecht zur Hauptstreichrichtung der Kalk-
aipen. Das in Gebirgsrichtung verlaufende Längstal mit dem Kanker-
hach und dem unteren Kranzbach verbindet das Isartal mit dem Loisach-
tal. Weitere bedeutende Längstalfurchen links der Isar sind nördlich
des Wettersteinhauptkammes mit dem Lautersee und Ferchensee und
nördlich des Kranzberggebietes mit dem Drüsselgraben und oberen Kranz-
bach. Rechts der Isar sind es das Seinsbach-Tal im Vorkarwendel und
das Karwendelbach-Tal südlich der Nördlichen Karwendelkette. Wo
Seitentäler in Haupttäler einmünden oder wo Talzüge sich kreuzen be-
finden sich T a 1 b e c k e n (Wallgau-Krün, Mittenwald, Scharnitz) oder
T a 1 w e i t u n g e n (Elmau, Kranzbach). Kennzeichnend für die Um-
gebung von Mittenwald ist, daß Hochgebirgs-, Mittelgebirgs- und Tal-
Landschaften räumlich eng beisammen liegen.
Die Kalkhochalpen reichen im Kartengebiet in einer Vielzahl von
Gipfeln über die 2000 m-Grenze hinaus. Im Ostabschnitt des W e t t e r -
Steinhauptkammes, der sich nach Westen u.a. über die Drei-
torspitzen zum Schneefernerkopf und zur Zugspitze (2963 m) fortsetzt
und auf dem die deutsch-österreichische Landesgrenze verläuft, sind die
Rotplattenspitze (2429 m), die Obere und die Untere Wettersteinspitze
(2296 m bzw. 2152 m) die bedeutendsten Gipfel. Gegen das Isartal im
Osten verliert der Hauptkamm rasch an Höhe (Grünkopf 1588 m; Burg-
berg 1193 m). Dem Wettersteinhauptkamm vorgelagert sind der Kämi-
kopf (1817 m) und der Zirbelkopf (1987 m) sowie die Einmuldung am
Gamsanger (1978 m).

2) Das ,,Werdenfelser Land“, nach der früheren Grafschaft Werdenfels be-


nannt, die bis 1803 zum Bistum Freising gehörte, reicht vom Wcteersteinhaupt-
kamm im Süden bis zum Krottenkopf und Kramer im Norden und von den
Törlen im Westen bis zum Karwendelgebirge im Osten.

6
Südöstlich Mittenwald erhebt sich steil über dem Isartalboden das
Karwendelgebirge. Hier stößt die Nördliche Karwendelkette
gegen das Isartal. Ausgehend von der Westlichen Karwendelspitze (Mit-
terkreuz, 2385 m) kann das ins Blattgebiet hereinreichende Karwendel
nach dem Kammverlauf folgendermaßen aufgegliedert werden: Nach
?*,rrt n zieht ein kurzer Gebirgskamm über die Karwendelköpfe zur
Kreuzwand (2132 m) und zur Viererspitze (Nördliches Karwendelkreuz,
2052 m). Nach Südwesten verläuft ein Grat über die Nördliche Linder-
spitze (2374 m) zum Gerberkreuz (Südliches Karwendelkreuz, 2302 m). Von
der Nördlichen Linderspitze nach Süden zieht ein Gebirgskamm über
die Südliche Linderspitze (2304 m) zur Gamsangerscharte, setzt sich von
dort über die Sulzleklammspitze (2318 m), Kirchlspitze (2302 m) zur Rot-
wandlspitze (2190 m) und Brunnensteinspitze (2180 m) fort und fällt gegen
Scharnitz und gegen das Karwendeltal steil ab.
Der Hauptkamm der Nördlichen Karwendelkette - mit der Landes-
grenze - verläuft von der Westlichen Karwendelspitze zunächst in nord-
östliche Richtung über die Lerchfleckspitze (2362 m), Tiefkarspitze (2430 m)
und die Großkarspitzen zum Wörner (2476 m). Außerhalb des Blatt-
gebietes setzt er sich in östlicher Richtung über die Hochkar-, Raffel-,
Schlicht- und Ostliehe Karwendelspitze (2538 m) fort.
Im Norden schließt sich an die nördliche Hochgebirgskette des Kar-
wendels das Vor k a r w ende1 an. Hierzu gehört der Höhenzug
Schwarzkopf-Zunderweidkopf-Wörnerkopf. Von der bekannteren Soiern-
gruppe (mit Soiernspitze, 2258 m) liegen die Schöttelkarspitze (2049 m),
Feldernkreuz (2047 m), Seinskopf (1956 m) und Lausberg (1854 m) im
Kartenbereich.
Eine vermittelnde Stellung zwischen dem Wettersteingebirge und dem
Karwendelgebirge nimmt das Arnsp i t z-Massiv ein, u.a. mit der
Großen Arnspitze (2196 m) und dem Riedkopf (1831 m). Das Massiv wird
im Westen vom Leutaschtal, im Osten vom Isartal begrenzt.
Zum ,,Werdenfelser Mittelgebirge“ im Wettersteinvorland gehören das
K r a n z b er g - G e b i e t mit dem Hohen und Kleinen Kranzberg (1391 m
bzw. 1250m) und der Wamberger Höhenzug mit dem Wamberg
(1302 m) und dem Hirzeneck (1186 m).
Die morphologischen Verhältnisse auf Blatt Mittenwald werden in
erster Linie vom Gesteinsuntergrund bestimmt. Daneben beeinfußten
tektonische Vorgänge nach der Auffaltung des Gebirges die Formenent-
wicklung. Eine sehr große Bedeutung für dieses Gebiet hatte die glaziale
Geländeausformung während der Eiszeiten. Die präglaziale Oberflächen-
gestalt wurde dadurch stark umgeformt, Altformen sind weitgehend ver-
wischt.
Die steil aufragenden Hochgebirgsanteile, Wetterstein, Karwendel und
Arnspitzstock, mit ihren schroffen Felsformen werden von Kalkgesteinen

7
aufgebaut. Im Kartenbereich ist es vor allem der hellgraue Wetterstein-
kalk. Der dunkelgraue Muschelkalk hat als Felsbildner lediglich im Kar-
wende1 eine Bedeutung.
In der Soierngruppe sind Hauptdolomit und Plattenkalk Felsbildner.
Kennzeichnend sind stark zerklüftete Felsformen mit steilen Sehrofen
und Runsen.
Für die tektonisch stark zusammengepreßte Zone zwischen dem Hoch-
karwendel und der Soierngruppe mit vorwiegend mergeligen Schichten
(Kössener Schichten und Gesteine der Jura- und Kreideformation) sind
weichere Geländeformen charakteristisch (Rehberg-Alm, Zunderweid-
Ws-h
Die als ,,Mittelgebirgslandschaft” zusammengefaßten Gebiete besitzen
bei unterschiedlichem Gesteinsuntergrund gemeinsame morphologische
Merkmale. Dies ist in erster Linie auf die Wirkung des Gletschereises
zurückzuführen. Sowohl im Kranzberggebiet mit Hauptdolomit als Fels-
untergrund als auch im Bereich des Wamberger Höhenzuges mit Muschel-
kalk, PartnachSchiefertonen und Raibler Sandsteinen Anden sich vom
Eis gerundete Bergformen und glazial ausgeschürfte Wannen mit Seen
und kleinen Mooren.
Auch in der Hochgebirgsregion haben glaziale Vorgänge die Gebirgs-
formen in starkem Maße weiterentwickelt. Zeugen der Schurfkraft der
Lokalgletscher sind die formenreichen Kare. Das abgeschürfte Material
findet sich großenteils in den Moränenkränzen wieder. Die Kare liegen
bevorzugt an der Nordseite der Gebirgskämme (vgl. Tabelle 1, S. 63).

11. Erforschungsgeschichte

Abgesehen von einer eingehenden Erkundung nach abbauwürdigen


Erzlagerstätten im 15. und 16. Jahrhundert setzte die geologische Erfor-
schung des Gebietes in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Die geologi-
schen Verhältnisse in der Umgebung von Mittenwald sind erstmals in
der ,,Geognostischen Karte von Tirol“ (1851) dargestellt und in C. W.
G~MBELS ,,Blatt Werdenfels der Geognostischen Karte des Königreichs
Bayern“ (1858) enthalten. Beide Karten lassen neben der Verbreitung der
wichtigsten Gesteine bereits Strukturzusammenhänge erkennen.
Einen wesentlichen Fortschritt hinsichtlich der Kenntnis der Schich-
tenfolge und des Alters der Gesteine sowie der Lagerungsverhältnisse
brachten die geologischen Aufnahmen und Beschreibungen von A. ROTH-
PLETZ (1888) und 0. AMPFBRER (1903) für das Karwendelgebirge und von
0. M. REIS & F. W. PFAFF (1910) für das Wettersteingebirge.
Zur weiteren Kenntnis der Stratigraphie und Tektonik des Gebietes
trugen die geologischen Spezialkartierungen von F. TRUSHEIM (1930) im

8
Bereich der Mittenwalder Karwendelmulde und von J. NIEDERMAYER (1936)
im Gebiet zwischen Loisach, Isar und Walehensee bei.
In den vergangenen 15 Jahren wurde das gesamte Gebiet des Grad-
abteilungsblattes Mittenwald nach modernen Gesichtspunkten geologisch
neu aufgenommen. Vor allem wurde die lithologische und stratigraphi-
sehe Gliederung verfeinert, das Quartär weiter gegliedert und wesent-
liche tektonische Zusammenhänge geklärt. Im einzelnen wurde das Arn-
spitz-Gebiet von H. J. SCHNEIDER (1951), das Kirchl-Kar von H. FRISCH
(1964) und das Vorkarwendel vom Geologischen Institut der Technischen
Hochschule München (Kartierungsübungen 1959, 1960) neu kartiert. Die
weiteren Gebiete wurden von H. JERZ und R. ULRICH (1959, 1960, 1964)
neu aufgenommen, die Aufnahmen der Mitarbeiter wurden dabei revi-
diert und zusammengestellt.

B. ErdgeschichtlicherUberblick
Mächtige Meeresablagerungen mit mehreren tausend Meter Sediment,
die in der ostalpinen Tethysgeosynklinale während der Trias-, Jura-
und Kreidezeit, im Mesozoikum, abgelagert und während der alpidi-
sehen, gebirgsbildenden Phasen, insbesondere in der höheren Kreide und
im Tertiär, aufgefaltet wurden, bauen die heutigen Nördlichen Kalk-
alpen auf. Es ist nicht geklärt, ob der ursprüngliche Ablagerungsraum
der Sedimente nördlich der heutigen Zentralalpen anzunehmen und der
Gebirgskörper autochthon gebildet worden ist, oder ob die Nördlichen
Kalkalpen allochthon sind und als oberostalpine Teildecke von einem
Bildungsraum südlich der Zentralalpen nach Norden an ihre heutige
Position verfrachtet worden sind.
Das älteste Schichtglied der triassischen Schichtenfolge, der Buntsand-
stein, ist im Blattgebiet von Mittenwald nicht aufgeschlossen. Nach sei-
nem Vorkommen in tektonischen Schuppen östlich Lenggries und östlich
Tegernsee und nach seiner großen Verbreitung im Süden der Nördlichen
Kalkalpen ist es wahrscheinlich, daß auch in diesem zentralen Bereich
dir triassischen Ablagerungen mit Buntsandstein beginnen.
Im Oberen S k y t h (?) und Unteren A n i s transgrediert das Tethys-
meer in den mit z.T. festländischen Sedimenten erfüllten Ablagerungs-
raum. Auf noch unruhige Sedimentationsbedingungen deuten die wieder-
holt auftretenden Breccien in den Reichenhaller Schichten hin. Mit der
Sedimentation des Alpinen Muschelkalkes dürfen ruhigere Verhältnisse
angenommen werden. Er unterscheidet sich nicht nur altersmäßig, son-
dern weitgehend auch lithologisch vom Germanischen Muschelkalk.
Schichtenkonkordante, tuffogene Lagen bezeichnen einen schwachen, ini-
tialen Magmatismus.

9
Für das Ladin ist eine erhöhte Sedimentation bei gleichzeitig
starker Absenkung des Meeresbodens kennzeichnend. Die verschieden-
artigen, etwa altersgleichen Sedimentbildungen lassen sich wenigstens
teilweise aus dem unterschiedlichen, submarinen Relief erklären, Die vor-
wiegend tonige Fazies der Partnachschichten - nach den Schiefertonen
bei der Partnach-Klamm benannt - dürfte sich in den tieferen Bereichen
aus feindetritischen Einschwemmungen gebildet haben. Die kalkige Fazies
.~des Wettersteinkalkes mit Riffbildungen weist auf eine geringere Bil-
dungstiefe hin. Im höheren Ladin treten die Riffbildner zurück. Es über-
wiegt die lagunäre Fazies. Bei lokal zeitweise euxinischen Faziesbedin-
gungen und episodischem, submarinen Vulkanismus haben sich Sapro-
pelite und sulfidische Erze gebildet.
Im Karn erfährt die Karbonatsedimentation durch die Einschüt-
tung terrigener Sedimente eine mehrfache Unterbrechung. Das sandige,
detritische Material ist von im Norden und im Süden gelegenen Ab-
tragungsgebieten eingeschwemmt worden. Bemerkenswert ist die Auf-
füllung des tieferen Trogbereiches mit Partnachschiefer-Fazies durch
mächtige, sandige Schiefertone und Sandsteine der Raibler Schichten
(3-4 fache Menge gegenüber im Hangenden des Wettersteinkalkes). Für
eine Trockenlegung des Wettersteinkalkes vor der Ablagerung der fein-
klastischen Raibler Sedimente (,,Präkarnische Festlandszeit“) gibt es keine
Hinweise. Im mittleren Karn überwiegen die Karbonatsedimente. Nach
dem wiederholten Auftreten von Kalkalgen sind es im großen und
ganzen flachmeerische Bildungen. Im höheren Karn darf für die Sedi-
mente eine noch geringere Bildungstiefe angenommen werden. Die ver-
breiteten, sehr unterschiedlich mächtigen Sedimentärbreccien (Rauh-
wacken) bezeugen unruhige Sedimentationsverhältnisse bei lebhaftem,
submarinen Relief. In lokalen Einzelbecken haben sich Anhydrit- und
Gipslager gebildet.
Im No r sind unter weniger wechselhaften Bedingungen der äußerst
mächtige Hauptdolomit und der meist bituminöse Plattenkalk (Ob. Nor
und ? Unt. Rät) als Flachmeer-Sedimente zum Absatz gekommen, Auf-
fallend sind beträchtliche primäre Mächtigkeitsunterschiede. Insbesondere
nimmt die Hauptdolomitmächtigkeit von Westen nach Osten zu.
Im Rät haben tonige Einschwemmungen zur Bildung der Kössener
Schichten geführt. Die kalkigen Zwischenschaltungen sind vorwiegend
riffreie Bildungen. In der Ostfortsetzung der Karwendel-Mulde ist mit
zunehmender Gesamtmächtigkeit die Riff-Fazies stärker entwickelt.
In den Jura-Ablagerungen der Karwendel-Mulde stellt sich über
dem basalen Lias eine starke Differenzierung hinsichtlich der Fazies
und der Mächtigkeit ein. Im Westteil der Mulde weisen außer den ge-
ringmächtigen Sedimentfolgen die vorherrschende Crinoiden-Fazies auf
eine geringe Bildungstiefe hin. Mit zunehmender Wassertiefe nach Osten

10
Neokom Aptychenmergel PO-)6Om

Malm Aptychenschichten 30-)lOOm

? Unt. Malm
Kreselkalk 0-j 2m
a ? Dogger
Bunte Mergel O-)15m
az 7 Ob Lias
3
7 Lias Bunter Liaskalk
Hrerlatrkalk ) Roter Knollenkalk
O-15m o-25n1
Grauer Basiskalk 0.8-1.5m

Rät Kössener Schichten 20-15Om


Schrefertone, Mergelkalke. Kalke

Plattenkalk 250-400rn
Nor
Hauptdolomit l4OOm ( 7)2000 1

Raibler Schichten 220-550m


Karn Schiefertone, Sandsteine, Dolomite, Kalke. Rauhwacken Grps
cn
a
- Wettersteinkalk Partnach Schichten
fx Ladin z T dolomitrsch Schrefertone mrt Kalkeinschaltungen
l-
1000-1500 m 300-400 m

Alpiner Muschelkalk 300-45Orn


Anis Kalke, Hornsternknollenkalke. Tuffrt -Layerr

Reichenhaller Schichten )x)()rn


Kalke, Dolomite. Breccren. Rauhwacken

Skyth nicht aufgeschlossen

Abb. 1
Stratigraphischc Ubcrsicht der kalkalpinen Schichtenfolge auf Blatt Mittenwald.

11
sind Knollenkalke, Fleckenkalke und Fleckenmergel zum Absatz ge-
kommen. Eine verstärkte Absenkung greift erst im Oberen Malm auch
auf den westlichen Muldenbereich über (ULRICH 1960, S. 142). Jedoch bleibt
die Mächtigkeit der Aptychenkalke im Westabschnitt der Mulde gegen-
über im mittleren und östlichen Muldenteil erheblich zurück. Die häu-
figen konglomeratischen Lagen im Oberjura bezeichnen unruhige Sedi-
mentationsverhältnisse.
In der K r e i d e reichen die mergeligen Aptychen-Schichten, die aus
den Oberjura-Mergelkalken hervorgehen, nur bis in die tiefere Unter-
kreide (Hauterive, ? Barreme).
Jüngere, marine Ablagerungen sind nicht bekannt. Es bleibt dahin-
gestellt, ob vor den ersten bedeutenden Faltungsvorgängen an der Wende
Unter-/Oberkreide noch jüngere Sedimente abgelagert und wieder ab-
getragen worden sind, oder ob die Meeressedimentation mit den Neokom-
Mergeln zu Ende gegangen ist.
Von der mittleren Kreide bis in das Tertiär haben ge-
birgsbildende Vorgänge die kalkalpinen Sedimente eingeengt, verfaltet
und gebietsweise übereinander geschoben. Faltung und jüngere tekto-
nische Vorgänge, u.a. Längs- und Querstörungen, ließen einen kompli-
ziert gebauten Gebirgskörper entstehen, der etwa seit Ende des Tertiärs
als Hochgebirge besteht.
Seit dem Jungtertiär haben verschiedene Erosionsvorgänge das Ge-
birge in seiner Morphologie stark verändert. Im jüngsten Abschnitt der
Erdgeschichte, im Q u a r t ä r , sind Gebirge und Täler vor allem durch
das Gletschereis in den einzelnen Eiszeiten überformt worden.

C. Schichtenfolge (Stratigraphie)
a. Trias
1. Anisische Stufe
Reichenhaller Schichten, rh
Die Reichenhaller Schichten sind im Kartenbereich die äResten auf-
tretenden Gesteine. Sie umfassen Breccien, Kalke und Dolomite im
Liegenden des Alpinen Muschelkalkes. Ihre zeitliche Abgrenzung ist
nicht gesichert, möglicherweise reichen die Reichenhaller Breccien noch
in das Obere Skyth hinunter.
Mo~srsov~cs benannte die dunklen Kalke in der Umgebung von Bad
Aussee als Reichenhaller Kalke auf Grund ihrer lithologischen Ähnlich-
keit mit Kalken, die in der Umgebung von Reichenhall in der Nähe der
Salzlager auftreten. ROTHPLETZ (1888, S. 17) bezeichnete den ganzen
Schichtenkomplex als ,,Myophorienschichten“ nach dem Auftreten von
Myophoria costata ZENKER in den dunklen Kalken.

12
Bemerkenswerterweise ist aber keiner der beiden Namen bezeichnend
für diese Gesteinserie, denn in der Umgebung von Reichenhall treten
nicht alle Schichtglieder auf, und außerdem sind in den Kalken die
Myophorien äußerst selten. In der einschlägigen Literatur ist der Name
Reichenhaller Schichten dennoch zu einem festen Begriff für die unten
beschriebene Schichtenfolge geworden.
Verbreitung: Ihre Hauptverbreitung haben die Reichenhaller
Schichten in der Sulzle-Klamm (dolomitische Kalke und wandbildende
Mürbkalke und -dolomite), im Kirchl-Kar und am Gamsanger (Breccien
und dolomitische Kalke) und im Karwendelbach-Tal. Reichenhaller Brec-
cien begrenzen das bedeutendste tektonische Element des Gebietes, die
Uberschiebung der ,,Inntal-Decke“, nach Norden bzw. bilden die Basis
der Uberschiebungsmasse. Am deutlichsten sichtbar ist die Uberschie-
bungsbahn in den relativ weichen Reichenhaller Gesteinen im Kirchl-
Kar, im Bereich der westlichen Karwendelspitze, ,,Auf dem Damm“, am
Predigtstuhl und bei den Steinklippen. Als ,,Reichenhaller Band“ läßt
sich der Gleithorizont am Nordabfall der nördlichen Karwendelkette,
zwischen Wettersteinkalkmassen eingequetscht, noch weit nach Osten
verfolgen. Im Gjaidsteig bildet dieses ,,Band“ einen von Bergsteigern
häufig benutzten Obergang vom Vorkarwendel (Vereins-Alm) zum Bärn-
alp1 und Karwendeltal.
Weitere, kleinere Vorkommen der Reichenhaller Schichten bilden tek-
tonische Schubfetzen östlich und westlich der Riedberg-Scharte, Zusam-
men mit den ebenfalls verschleppten Kössener Schichten und Jura-Ge-
steinen markieren sie die Fortsetzung der Oberschiebungslinie gegen das
Leutasch-Tal. Reichenhaller Breccien finden sich ferner bei der Lokalität
,,Im Flecken“, westlich Unterleutasch, in einem aufgebrochenen Muschel-
kalk-Sattel.
Lithologische Gliederung: Eine genaue Gliederung der
Reichenhaller Schichten ist in den vorwiegend stark gestörten Vorkom-
men nicht durchzuführen. Die Schichtenfolge ist in den tektonisch ein-
geengten Streifen, in den isolierten Schuppen und an der Basis der Uber-
Schiebung ,,Inntal-Decke” auf ,,Lechtal-Decke“ stark reduziert.
FRISCH (1964, S. 9; Taf. 2) beschreibt aus dem östlichen Teil des Kirchl-
Kars ein ungestörtes Teilprofil. Vom Hangenden zum Liegenden treten
auf:
Alpiner Muschelkalk
Gut gebankte, dolomitische Kalke, mit Partien eines zellig-löchrigen,
dolomitischen Kalkes (,,Rauhwacken“)
Gut gebankte, dunkelgraue bis schwarze Kalke
Grobe Breccien mit faust- und manchmal kopfgroßen Komponenten
Feine Breccien mit hellen bis schwarzen, eckigen Komponenten.

13
Gesteinsbeschreibung: Die Breccien, die vorzugsweise
im Liegenden der Reichenhaller Schichten auftreten, verdanken in fast
allen Vorkommen der ausgeprägten Tektonik ihre Entstehung. Mit
Sicherheit sedimentär gebildete Breccien (,,Rauhwacken“ i. e. S.) sind nur
selten nachzuweisen.
Die grauen, mit braungrauer und stellenweise auch rötlichbrauner
Farbe verwitternden Breccien zeigen einen unterschiedlichen Kornaufbau
und eine teils monomikte, teils polymikte Zusammensetzung. Die Kom-
ponenten der Freinbreccien sind vorwiegend arenitisch bis feinruditisch
(0,02-20mm @), die der sog. Grobbreccien gröber ruditisch (20-200
mm @).
Die monomikten Breccien sind überwiegend tektonisch überprägt. Nur
vereinzelt und lagenweise treten sie mit ungestörten Gesteinsbänken auf
und gleichen den Raibler Sedimentärbreccien (s. S. 33): Die mürb an-
witternden, kalkig-dolomitischen Komponenten sind mit kalkigem Bindc-
mittel fest verbacken, In stärker verwittertem Zustand haben die Ge-
steine ein zellig-luckiges Aussehen.
Die polymikten Breccien enthalten als Komponenten vor allem dunkle,
eckige Kalke und Mürbkalke, ohne sichtbare Einregelung. Das Zwischen-
mittel ist vorwiegend kalkig. Da sie nur in gestörter Lagerung aufge-
funden wurden, können keine sicheren genetischen Rückschlüsse ge-
zogen werden. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß sie bei tektonischen Vor-
gängen gebildet wurden, und daß es sich hierbei um Dislokationsbreccien
handelt, Ihre in der Literatur gebräuchliche Bezeichnung als ,,Rauh-
wacken“ wäre demnach nicht zutreffend. Ein Zusammenhang des Zer-
brechens der Schichten mit einer Salztektonik (ROTHPLBTZ 1888, S. 19) ist
nicht nachzuweisen.
Die Kalke und D olomi t e der Reichenhaller Schichten treten
vorzugsweise im Hangenden der Breccien auf. Die dunkelgrauen bis
grauschwarzen, zähen Kalke sind auffallend bituminös und spätig (mit
umkristallisierten Crinoidenresten). Zahllose kalzitverheilte Klüfte durch-
ziehen das tektonisch beanspruchte Gestein, Die grauen bis hellgrauen
Dolomite, sowie die bräunlichgrauen, nicht selten auch rötlichbraunen
dolomitischen Kalke sind vielfach mürbe und zeigen poröse Anwitte-
rungsflächen. Im Sulzleklamm-Sattel bilden hellgraue, mürbe Dolomite
das Hangende der Reichenhaller Schichten. Beiderseits der Riedberg,-
Scharte treten ähnliche Gesteine in gestörter Lagerung unter dem Alpi-
nen Muschelkalk auf. Eine Besonderheit weisen die gelblichbraunen,
dolomitischen Mergelkalke in der unteren Sulzle-Klamm auf: Die fein-
geschichteten Lagen zeigen häufig Kreuzschichtung (Cross bedding) und
gradierte Schichtung (graded bedding).
Die Mächtigkeit der Reichenhaller Serie ist ohne ihre Liegendgrenze
auch nicht annähernd zu ermitteln, In den aufgeführten Vorkommen
dürfte sie jedoch mindestens 100 m betragen.

14
E r g u ß g e s t e i n e in den Reichenhaller Schichten
Am Gamsanger (2188 m) und wenig westlich davon, zwischen der
Sulzleklamm-Spitze und der Südlichen Linder-Spitze (Karwendel), sind
von zwei Fundpunkten in den stark gestörten, groben Reichenhaller
Breccien teils körnige, teils dichtere Gesteine bekannt, die den Charakter
eines Ergußgesteins haben. Es handelt sich um dunkelgrüngraues, grau-
grün verwitterndes, meist stark zersetztes Material mit kleinen weißen
Flecken (Mandelsteintextur). Der ursprüngliche Kontakt zum Neben-
gestein ist nicht aufgeschlossen.
Die ca. 20 m westlich des Gamsanger-Joches gelegene, wenige Quadrat-
meter große Fundstelle wurde von G. MUTSCKLECHNER entdeckt. Er hat
das Material als Massengestein beschrieben (1954, S. 391). In der von der
oberen Sulzleklamm zum Gamsanger hochziehenden Rinne hat R. ULRICI(
bei seinen Begehungen (1959, 1960) ein zweites, kleineres Vorkommen
dieser Art gefunden (ca. 1920 m NN).
Dünnschliffuntersuchungen von Frl. Dr. D. SCHM~I:R, Bayerisches Geo-
logisches Landesamt München, haben ergeben, daß die vulkanischen Ge-
steine vom Gamsanger große Ähnlichkeit mit dem ,,Hornblende-Ehrwal-
dit“ TROMMSDORIW (1962, S. 300 f.) besitzen, wobei in einem Fall ein Uber-
gangstyp zum augitreicheren Ehrwaldit ermittelt wurde.
(a) H o r n b 1 e n d e r e i c h e r Gesteinstyp: In der Grundmasse Anden
sich reichlich serpentinisierte und noch weiter zu Fe-haltigen Montmorin-
mineralen und Kalzit abgebaute, ehemalige Olivinkörner, sowie Augit
und Hornblendesyntagmatit, rötlichbrauner Biotit und reichlich Chlorit.
Nach röntgenographischen Aufnahmen von Dr. M. SALGER, Bayerisches
Geologisches Landesamt München, enthält die Basis viel Analcim.
Als Einsprenglinge treten v. a. Olivinpseudomorphosen und Augit auf.
Vereinzelt ist schlecht erhaltener Plagioklas. Daneben finden sich grober
Apatit, Zirkon, Titanit bzw. Leukoxen und vereinzelt Zoisit.
Die Olivinpseudomorphosen sind von kleinen Hornblendestengeln um-
randet. Blasenförmige, hyaline Bereiche mit stark umgewandelter Glas-
basis (mit Zeolith) zeigen randlieh Hornblende, Biotit und Apatit.
(b) Neben dem hornblendereichen Typ treten a u g i t r e i c h e r e Ge-
steine auf, die eine Art Obergangstyp zum Ehrwaldit-Typ 1 TROMMSDORWS
(1962, S. 290 ff.) darstellen.
In der aus Umgewandeltern Glas bestehenden Basis finden sich reich-
lich Augit und grobe Erzkörner (Magnetit, Titanomagnetit, Pyrit), wenig
Hornblende und Biotit, reichlich Chlorit, vereinzelt Apatit und Zoisit
sowie kleine Olivinpseudomorphosen. Nur stellenweise treten größere
Einsprenglingspseudomorphosen von Olivin auf.
Hyaline Bereiche mit stark umgewandelter Glasbasis zeigen mit rand-
lieh zunehmender Menge Hornblendesäulchen. Biotit und Apatit sowie
eine Erzanreicherung. Äugit tritt hier stark zurück.
Die Ehrwaldite, Lamprophyre etwa vom Typ Monchiquit (TROMMS-
»ORFI: 1962, S. 323 f.) treten in der tektonisch angelegten Puitentalzone,
südlich des Wettersteinhauptkammes, im Kontakt mit mesozoischen Ge-
steinen (einschließlich Neokommergel) auf. Die Gänge lagern meist kon-

15
kordant, seltener diakordant im Nebengestein und sind von jüngeren
tektonischen Bewegungen während oder nach der Auffaltung des Ge-
birgskörpers erfaßt worden.
Demgegenüber können die petrographisch dem Ehrwaldit ähnlichen
Gesteine in den Reichenhaller Schichten vom Gamsanger im Karwendel
altersmäßig nicht genau eingestuft werden (Untere Trias - jünger?).
Nach ihrer Lagerung in den gestörten Reichenhaller Breccien ist nicht
auszuschließen, daß es sich um t,ektonische Schubfetzen aus Ehrwaldit
handelt, die ohne kenntliche Begleitgesteine im Nachbarbereich der Kar-
wendel-Hauptüberschiebung auf sekundärer Störung emporgeschleppt
worden sind.

Alpiner Muschelkalk, m
Zur Unterscheidung vom Muschelkalk im Germanischen Faziesraum
wird der ,,Muschelkalk“ der anisischen Stufe in den bayerisch-nord-
tirolischen Kalkalpen wie bei GÜMBEL (1861) als ,,Alpiner Muschelkalk“
bezeichnet. Er unterscheidet sich in seiner Gesteinsausbildung deutlich
vom Germanischen Muschelkalk und umfaßt eine geringere Zeitdauer.
Verbreitung: Im Norden des Kartenblattes, im Wamberger
Höhenzug, bildet der Alpine Muschelkalk als ältestes dort auftretendes
Gestein den Kern von Sattelstrukturen. Eine größere Verbreitung hat er
im Karwendel, wo er mit dem überlagernden Wettersteinkalk gebirgs-
bildend ist. Er bildet u. a. die Gipfel der westlichen Karwendel-Spitze,
der Linder-Spitzen und der Sulzleklamm-Spitze, sowie die Sockel einer
größeren Anzahl weiterer Erhebungen (Abb. 2). Die Vorkommen im Kar-
wende1 haben ihre westliche Fortsetzung im Muschelkalk beiderseits der
Riedberg-Scharte, am Schart-Kopf und südlich des Wetterstein-Haupt-
kammes.
Während im Bereich der Wamberger Sattelzone nur die oberen Par-
tien des fast ausschließlich aus Kalken bestehenden Schichtgliedes auf-
geschlossen sind, ist im Karwendel der Muschelkalk an mehreren, wenn
auch nur schwer zugänglichen Stellen im Gesamtprofil zu erfassen.
ROTHPLETZ (1888, S. 19 ff.) untergliederte im Karwendel den Alpinen
Muschelkalk in drei Fossilhorizonte, vom Liegenden zum Hangenden in
einen Gastropoden-, Brachiopoden- und Ammoniten-Horizont. Bei dem
meist sehr geringen Fossilinhalt im Muschelkalk des Aufnahmegebietes
sind für eine Unterteilung des Kalkkomplexes lithologische Merkmale
von größerer Bedeutung. Die nachstehende Dreigliederung ist jedoch mit
der des Germanischen Muschelkalkes nicht zu parallelisieren.
Der Untere Alpine Muschelkalk besteht aus überwiegend
dunkelgrauen bis grauschwarzen, gut gebankten Kalken, die lagenweise
etwas spätig sind und Crinoidenreste’ enthalten. Besonders auffallend sind
die zahllosen, mit reinweißem Kalzit verheilten Klüfte und ein merk-

16
Abb. 2. K i r c h 1 -K a r. Blick vom Karboden nach Norden auf die Kirchlen.
Sic bestehen mit A~unahmc der obcrstcn Gipfclrcgion (mit Wettersteinkalk) aus
gut gcbanktem Alpinen Muschelkalk.

licher Bitumengehalt. Außerdem kennzeichnend sind wulstig-wellige


Schichtflächen (,,Wurstelbänke“). Im höheren Niveau treten in zunehmen-
dem Maße Kieselknollenkalke auf, in denen im Karwendel grüne Tuffit-
Lagen (,,Pietra Verde“, s. S. 18) nachgewiesen sind. Eine Besonderheit sind
die auf Schichtflächen des Muschelkalkes der Westl. Karwendelspitze aus-
gebildeten Oszillationsrippeln.
Der Mittlere Alpine Muschelkalk setzt sich aus heller
grauen, dickbankigen bis massigen Kalken zusammen. Partienweise
finden sich dünnerbankige, spätige Kalke mit Crinoidenresten (Dado-
crinus gracilis v. MAYER) und Cidaris-Bruchstücke (,,Cidarisbänke“, ROTH-
FLETZ 1888, S. 20). Brachiopoden wie Terebratula (Coenothyris vulgaris
SCMLOTH.), Rhynchonella und Spiriferina sind besonders häufig in Muschel-
kalkbänken südlich des Mitter-Kars.
Im Muschelkalk-Steinbruch beim Riedboden führen die grauschwar-
zen, bräunlich anwitternden Kalke sedimentäre Breccien und zeigen einen
deutlichen Eisengehalt, z. T. in Form von Brauneisen-Krusten (SCHNEIDER
1953 a, S. 22 f.).
Der Obere Alpine Muse helkalk besteht aus dunkelgrauen
und bläulichgrauen, heller grau anwitternden Kalken, die gut gebankt
bis dünnbankig sind und einen schwachen Bitumengehalt aufweisen. Die
Schichtflächen sind häufig uneben und knollig (,,Knollenkalke“). Neben

2 17
den bezeichnenden kalzitverheilten Klüften treten mit einem höheren
Kieselgehalt in den Kalken wieder Hornsteinknollen auf.
Im Kai-wende1 ist der obere Muschelkalk - im Vergleich zu den Vor-
kommen in der Wamberger Sattelzone und im Bereich der Riedberg-
Scharte - bei weitem nicht so dünnbankig. Auffallend ist hier eine
stärkere Hornsteinführung in Verbindung mit einer großen Anzahl gering-
mächtiger Tufflagen und Tuffitbänkchen. Den vulkanischen Sedimenten
dürfte wenigstens teilweise die Kieselsäure entstammen, die zu der früh-
diagenetischen Hornsteinbildung führte (vgl. MILLER 1962).
Im Hangendbereich treten wiederholt geringmächtige Mergellagen auf,
die vor allem in der Wamberger Sattelzone entwickelt sind und litho-
logisch zu den Partnach-Schichten überleiten. In den südlicheren Vor-
kommen finden sich in diesem Niveau vielfach Mergelkalke, die mit
gelblichbrauner Farbe verwittern.
Die Gesamtmächtigkeit des Alpinen Muschelkalkes ist nur im Kar-
wende1 mit einiger Genauigkeit zu ermitteln. Dabei bestehen bedeutende
Unterschiede zwischen den Vorkommen nördlich und südlich der Uber-
Schiebungslinie: Nördlich der Störung, im Bereich der ,,Lechtal-Decke“,
ist der Muschelkalk rd. 380 m mächtig. Südlich davon, im Bereich der
,,Inntal-Decke“, beträgt seine Mächtigkeit ca. 250 m. Nach FRISCH (1964,
S. 16) treten in Gesteinen der südlicheren tektonischen Einheit die Horn-
steine zurück.
In der Pattnach-Klamm (Wamberger Sattelzone) ist der dort ange-
schnittene Mittlere und Obere Muschelkalk rd. 300 m mächtig. Ein von
KRUMM (1957) beschriebenes Tuffvorkommen im Wamberger Wald wurde
nicht mehr aufgefunden; es ist dennoch in der geologischen Karte be-
rücksichtigt, Im nordwestlichen Wetterstein-Gebirge sind die Tufflagen
im Oberen Muschelkalk wieder wesentlich häufiger und mächtiger (VIDAL
1953, S. 62 ff.).

T u f f i t e im Alpinen Muschelkalk
Mit den stark hornsteinführenden Schichten im Unteren und Oberen
Alpinen Muschelkalk treten einzelne, bis zu 70 cm mächtige, konkordante
Lagen eines hellgrünen, olivgrün bis graugrün verwitternden, tuffltischen
Materials (,,Pietra Verde“) auf, das gegen die Muschelkalkbänke scharf
begrenzt ist. Leicht auffindbar sind die kleinen Vorkommen in der Lind-
lähne, nördlich der Westlichen Karwendel-Grube (am Abstieg zur Mitten-
walder Hütte), zwischen westl. und mittl. Kirchl und an mehreren Stellen
im Kirchlkar.
Bereits im Handstück erkennbar sind dünne Hornsteinbänder, die
den bitumenhältigen Muschelkalk von den Tuffiten trennen. Im Dünn-
schliff zeigt der Kalk wellige Feinschichten mit tonflasrigen Partien.
Organische Reste sind Skeletteile von Schwämmen und Radiolarien.

18
Bei dem tuffltischcn Material handelt es sich vorwiegend um eine
serizitische Masse mit reichlich Chlorit und feinverteiltem Quarz mit
authigenen Kalzitkristallen. -- Lagenweise finden sich in der Grundmasse
eckige Bruchstücke von Eruptivquarzen, Fcldspateinsprenglinge, darunter
reichlich Plagioklas mit Zwillingslamellierung, und eingeregelter Biotit.
Akzessorien sind Apatit, Zirkon, Leukoxen und Erzkörner.
Die Tuffite enthalten folglich vulkanische Produkte, die mit dem
sedimentären Material vermengt sind. Die Lagen mit den Einspreng-
lingen besitzen Ähnlichkeit mit dem Kristalltuff im westlichen Wettcr-
Steingebirge, der von VIDRL (1953, S. 66) ,,als Produkt intermediärer bis
basischer Magmen in die Reihe der Andesit- bzw. Porphyrittuffe“ ein-
gegliedert wird,
Nicht geklärt ist die Frage der Herkunft des tuffogenen Materials.
Eine Reihe von Autoren nehmen eine Einwehung oder Einschwemmung
aus dem Süden an und parallelisieren die ,,Pietra Verde”-Gesteine mit
den südalpinen Buchcnsteiner Schichten (u.a. VIDAI. 1953, S. 67ff.; dort
weitere Literaturhinweise). Andere Autoren machen einen autochthonen,
submarincn Vulkanismus im nordalpinen Ablagerungsraum für die Bil-
dung der Tuffitc verantwortlich (u. a. KRUMM 1957, MILLICR 1962, S. 17).

2. Ladinische Stufe
Im Hangenden des Alpinen Muschelkalkes ist es zu zwei unterschied-
lichen, im wesentlichen gleichalten Faziesbildungen gekommen. Im nörd-
lichen Teil des Kartenblattes ist die vorwiegend feindetritisch-tonige
Fazies der Partnachschichten entwickelt. Sie ist im Bereich des Wam-
berger Höhenzuges aufgeschlossen. Im Süden ist es die karbonatische
Fazies des Wettersteinkalkes mit Riffbildungen. Er bildet mit dem unter-
lagernden Muschelkalk die Hochgebirgsanteile.

Wettersteinkalk, wk
V e r b r e i t u n g : Die hellgrauen und weißen Kalkmassen des Wetter-
steinkalkes bauen die Mehrzahl der markanten Gipfel auf: Im Wetter-
steinhauptkamm sind es - vom Isartal nach Westen - der Burgbcrg-
Grünkopf-Rücken, die Untere und Obere Wetterstein-Spitze, die Weiße
Wand mit der Rotplatten-Spitze und der nördlich vorgelagerte Zirbelkopf
und Kämikopf.
Außerhalb des Blattgebietes, in der Fortsetzung dieses Gebirgszuges
nach Westen, bestehen u.a. folgende bekannte Kletterberge aus Wetter-
steinkalk: Musterstein, Dreitor-Spitzen, Schüsselkar-Spitze, Ober- und
Hinterreintal-Sehrofen, Hochwanner, Gatterl-Köpfe, Schneeferner-Kopf,
Zug-Spitze, Höllental-Spitzen, Hochblassen, Alp-Spitze und Waxensteinc.
Im westlichen Karwendel sind es von Süden nach Norden u.a. die
Brunnstein-Spitze, die Kirchl-Spitze, dann das über Mittenwald sich er-
hebende Felsmassiv mit der Vierer-Spitze, der Kreuzwand, dem Lind-

19
Iähne-Kopf und dem Gerberkreuz. Dagegen besteht die Westliche Kar-
Wendel-Spitze aus Muschelkalk. Der Wettersteinkalk ist weiter gipfel-
bildend in der Nördlichen Karwendelkette, die im Kirchle und in der
Leichfleck-Spitze beginnt, sich über die Tiefkar-Spitze und die Großkar-
Spitzen zum Wörner fortsetzt und von dort in östlicher Richtung ver-
läuft (Hochkar-Spitze, Raffel-Spitze, u. a.).
Im Südteil des Kartenblattes baut der Wettersteinkalk das Arnspitz-
Massiv auf.
Der Wettersteinkalk ist neben d,em Hauptdolomit der mächtigste auf-
tretende Schichtenkomplex. Im nordwestlichen Karwendel erreicht er
700-800 m (TRKJSHEIM 1930, S. 9), im östlichen Wettersteingebirge 800-
900 m und im Arnspitz-Massiv über 1000 m (SCHNEIDBK 1953 a, S. 24).
Eine genaue biostratigraphische Gliederung dieser mächtigen Schichten-
folge mit Hilfe des nur spärlichen und stark rekristallisierten Fossil-
inhaltes ist noch nicht gelungen.
Im folgenden wird im großen und ganzen die von REIS (1911, S. 67 ff.)
nach lithologischen Merkmalen durchgeführte Dreigliederung des Wetter-
steinkalkes beibehalten.
Der tiefere Wettersteinkalk (einschließlich der ,,Partnachkalke”, s. u.)
ist - abgesehen von einer gut gebankten Obergangszone zum liegenden
Muschelkalk - durch grobbankige bis massige, meist bräunlichgraue
Kalke mit dunkelgrauen bis grauschwarzen Partien gekennzeichnet, Dolo-
mitische Ausbildungen sind untergeordnet und auf einige wenige, gering-
mächtige Lagen beschränkt. Bemerkenswert für dieses Niveau sind die
vor allem im Wettersteingebirge und im Arnspitzgebiet häufigen ,,Groß-
oolithe”. Es sind rundlich-ovale bis schlauchförmige Gebilde in einem
dichten Kalk, von dem sie sich besonders an Anwitterungsflächen abheben.
Teils zeigen sie einen feinschichtigen, lagigen Aufbau, teils sind sie mit
Kalkspat oder mit faserigem Kalzit erfüllt. Es handelt sich um anorga-
nische Bildungen, die Hohlräume in Riffgesteinen und in Riffblockschutt
ausfüllen. Daneben finden sich im Wettersteinkalk die organisch gebilde-
ten Stromatolithen, die den ,,Großoolithen“ sehr ähnlich sind.
LEUCHS (1928, S. 381) betrachtet die ,,Großoolithe” als sekundäre Aus-
füllung primärer Hohlräume in einem Riffgestein. SANDER (1936, S. 69,
119 ff., Fig. 35-37) erklärt die Kalkspäte in den ,,Großoolithen“ als para-
diagenetische Füllung von Kleinhöhlen mit chemischem Anlagerungs-
gefüge. VIDAL (1953, S. 70 f.) scheidet gleichfalls eine aktive Beteiligung
von Organismen aus und betrachtet die ,,Großoolithe“ als Hohlraum-
ausfüllung in Riffgesteinen.
Die spärlichen Fossilfunde beschränken sich auf Kalkalgen (Diplo-
poren) und auf stark umkristallisierte und schlecht erhaltene Reste von
Ammoniten, Gastropoden und Crinoiden aus einlgen nesterartigen Vor-
kommen. Dr. R. ULRICH, München, fand bei seinen Begehungen südlich

20
der Tiefkar-Spitze, etwa in 2200 m Höhe, äußerst gut erhaltene Stielteile
und -glieder von Encrinus cf. liliiformis.
AMI+XRER & HAMMER (1898, S. 312), AMIJFIXEK (1903, S. 177; 1924, S. 13)
und SCHMIDEGG (1951, S. 166) unterschieden die grauschwarzen bis grau-
braunen Kalkpartien im Liegenden des hellgrauen Wettersteinkalk& als
eigene Fazies des Unteren Wettersteinkalkes. SCHNEIDEK (1953 a. S. 23 f.)
trennte diese Kalkserien im Arnspitz-Gebiet als ,,P a r t n a c h - ‘K a 1 k e”
ab. Gegen eine Abtrennung nach lithologischen Merkmalen - sie ist auch
dort nur bereichsweise und ohne scharfe Grenze möglich - ist nichts
einzuwenden; ihre Bezeichnung als Partnach-Kalke ist jedoch irreführend,
da sie mit diesen im Verbreitungsgebiet der Partnach-Schichten weder
lithologisch noch zeitlich verglichen werden können. Auf der geologischen
Karte wurden diese dunkleren Kalkpartien über dem dünnbankigen
oberen Muschelkalk insgesamt dem untersten Wettersteinkalk zugeordnet.
Im mittleren Profilbereich des Wettersteinkalkes sind hellere Kalke
von vorwiegend massiger Ausbildung entwickelt. In ihnen treten dolo-
mitische Zwischenlagen, die sog. ,,Zwischenschichten“ (SANDER 1936, S. 44ff.)
auf, die eine deutlich erkennbare Feinschichtung im mm-Rhythmus
zeigen und aus kalkigen und dolomitischen Feinschichten bestehen
(,.Camgite“).
In den grobgcbankten, höheren Partien des mittleren Wetterstein-
kalkes sind lagenweise massenhaft ,,rasenbildende“ Kalkalgen der Familie
Dasycladaceae erhalten (v. a. Diplopora, Gyroporella, Teutloporella).
Vielfach sind sie mit karbonatischem Detritus in Algenschuttkalken an-
gehäuft. Hier finden sich auch vereinzelt Lagen mit Stromatolithen (An-
zeiger einer lagunären Fazies).
Die obersten 100 m des Wettersteinkalkes bilden hellgraue bis
weißgraut, gut gebankte Kalke. Auch in diesem Niveau treten Kalk-
Dolomitgesteine auf, die Bankungsrhythmus und rhythmische Fein-
schichtung zeigen. Auffallend ist das fast völlige Zurücktreten der Dasy-
cladaccen. Außer in den Rhythmiten zeichnen sich in den wiederholt
auftretenden, seitlich rasch auskeilenden Breccienlagen unruhige Sedi-
mentationsverhältnisse ab. Die bis zu mehreren Zentimeter großen Kom-
ponenten entstammen ausschließlich dem Wettersteinkalk. Sie sind eckig
und kantig und gegen das mit bräunlichgrauer bis gelblichgrauer Farbe
verwitternde Zwischenmittel (Matrix) scharf begrenzt.
LEUCHS (1928, S. 401 ff.) bezeichnet sie als ,,endogene Breccien“: das
Ausgangsgestein ist durch Gebirgsdruck zertrümmert worden. SANDEN
(1936, S. 31, 148 ff.) erklärt sie als Inhomogenitätsbreccien, die paradia-
genetisch entstehen, ,,indem rupturell-brüchige Schichten innerhalb noch
bildsamer Pelite zerbrechen . .“
Gegen das Hangende treten lokal sapropelitische Gesteine auf, die als
Besonderheit sulfidische Erze und Flußspat führen. Diese Sonderentwick-
lung im Oberen Wettersteinkalk ist in einem gesonderten Kapitel be-
schrieben (s. S. 107 ff.).

21
Partnachschichten, p
Verbreitung: Die Vorkommen von Partnachschichten sind auf
die Wamberger Sattelzone beschränkt. Sie bilden die Umrahmung dieser
Zone, die Füllung enggefalteter Spezialmulden und den Kern einer Sattel-
struktur am Barmsee.
Ihre vorwiegend tonige Fazies, die am Nordrand und am Südrand
der Nördlichen Kalkalpen im Liegenden des Wettersteinkalkes bzw.
-dolomites entwickelt ist, bildet hier eine vollständige Vertretung dei
Wettersteinkalk-Fazies im Südteil des Kartenblattes. Lediglich in den
Einschaltungen der Partnach-Kalkbänke bestehen fazielle Beziehungen.
Die Faziesvertretung auf engstem Raum wurde erstmals von MOJSISO-
VICS (1874, S. 112) erkannt. Spätere Autoren (u.a. REIS 1911, S. 103 f.) such-
ten das Fehlen des Wettersteinkalkes tektonisch zu erklären, Erst mit
den Arbeiten von MYLIUS (1916) und LEUCHS (1923 und spätere Arbeiten)
hat sich die Auffassung von einem normalen ubergang der Partnach-
schichten in die Raibler Schichten durchgesetzt.
Grenze Muschelkalk/Partnachschichten: Der fazielle
Ubergang aus dem unterlagernden Muschelkalk ist allmählich. Mergel-
lagen im Oberen Muschelkalk sind Vorläufer der mächtigen Partnach-
schiefertone. Die Grenzziehung erfolgt nach petrographischen Merkmalen
im Hangenden der reichlich hornsteinführenden, dünnbankigen Knollen-
kalke, die dem Alpinen Oberen Muschelkalk zugerechnet werden. ES
bleibt jedoch dahingestellt, ob damit auch die Grenze zwischen der ani-
sischen und der ladinischen Stufe zusammenfällt. Entsprechendes gilt
für die lithologische Grenze MuschelkalkWettersteinkalk.
Lithologische Beschreibung: Die Partnachschichten be-
stehen aus einer rund 400 m mächtigen Folge von Schiefertonen, Ton-
mergeln mit darin eingeschalteten Mergelkalken und Kalken. Die grau-
schwarzen Schiefertone und die grauen, kalkigeren Tonmergel zerfallen
grusig und stengelig-griffelig und verwittern mit hellgrauer bis bräun-
lichgrauer und rostbrauner Farbe. Vereinzelt finden sich zähe, kieseligc
und bituminöse Schiefer, insbesondere im Hangenden des Muschelkalkes.
Häufig sind ovale, brotlaibförmige, schalig zerbrechende Geoden, die
einen höheren Karbonatgehalt aufweisen und möglicherweise Stellen
nicht fossilisierter Organismen (Makroplankton) bezeichnen. Dabei könn-
ten Fäulnisprozesse in organischen Resten zur Bildung von Ammoniak
geführt haben, das den pn-Wert im Sediment erhöhte und aus Poren-
lösungen stammendes Karbonat am Fossil ausfällte (vgl. LIITMANN 1955,
S. 487).
Die Partnachschiefer sind im frischen Zustand deutlich kalkig, im
normalen Bodenprofil jedoch bis in über 50 cm Tiefe entkalkt. Das Haupt-
tonmineral ist Illit, untergeordnet ist Kaolinit. Der Anteil an gröberen,
silikatisch-detritischen Mineralen (Quarz, Feldspat, Glimmer) ist gering

22
Die zwischengeschalteten Partnachkalke unterscheiden sich vom oberen
Muschelkalk durch ihre dickbankige bis massige Ausbildung, durch ihre
heller graue Farbe und durch die geringere Hornsteinführung. Einzelne,
lagenweise auftretende, dünnbankige Kalke mit knollig-wulstigen Schicht-
flächen lassen sich im Handstück kaum vom Muschelkalk unterscheiden,
sie müssen nach ihrem Verband mit den Partnachschiefern eingestuft
werden.
Die Mächtigkeit der Kalkeinschaltungen schwankt zwischen 0,5 und
30m, wobei die mächtigste Kalkbank im oberen Drittel der Partnach-
serie auftritt. Häufig lassen sich die Kalkzüge nur über eine kurze
Distanz in streichender Richtung verfolgen. Wenigstens teilweise ist dies
tektonischen Vorgängen zuzuschreiben, die die Kalkbänke gegeneinander
versetzt haben (z.B. am Hirzeneck). In relativ ungestörten Bereichen ist
,andererseits nachzuweisen, daß die Bänke rasch auskeilen oder aber sich
teilen können.
Die Schiefertone und Tonmergel der Partnachschichten erwiesen sich
als fossilleer. In den Kalkbänken sind mit Ausnahme von vereinzelten,
rekristallisierten Crinoidenresten und Schalenfragmenten (? Brachiopoden)
keine Fossilien gefunden worden.
Grenze Partnachschichten/Raibler Schichten: Der
lithologische Obergang von den Partnachschichten in die unteren Raibler
Schichten ist kontinuierlich, ohne scharfe Grenze. Die Möglichkeiten einer
Grenzziehung sind durch Schlämmprofile (KRUMM 1957; JERZ 1960) und
,durch mineralogische Untersuchungen (JERZ 1966) eingeengt worden. Der
mögliche Fehler der kartierten Grenze liegt im Meterbereich, also unter
der auf der Karte auszuscheidenden Genauigkeit.
(a) Die Gr,enze kann mit dem ersten Auftreten eines deutlichen Sand-
gehaltes (mit Quarz, Feldspat, Glimmer) bzw. mit den ersten Sandstein-
bänkchen in den dunkelgrauen Schiefertonen gezogen werden.
(b) Damit verbunden ist das fast völlige Verschwinden des Karbonat-
gehaltes, der den frischen Schiefertonen und Tonmergeln der Partnach-
schichten eigen ist.
(c) Mit den sandigen Einschüttungen treten spontan massenhaft
Mikrofossilien auf. In Schlämmproben sind u. a. gefunden worden: Fisch-
zähnchen, Molluskenbrut (z. T. pyritisiert), Echiniden- und Crinoidenreste,
Ostrakoden, Foraminiferen (mit den Gattungen Gaudr&%a, Lenticulina,
Lagena, Rhabdamminu) und Rogenpyrit (? vererzte Bakterien).
Mit der verstärkten Zufuhr detritischen Materials waren offenbar
bessere Existenzbedingungen (Durchlüftung, Nahrungszufuhr) für eine
Meeresfauna gegeben. Insgesamt bleibt die Fauna jedoch kleinwüchsig
und artenarm.

23
M o r p h o 1 o g i e : Die Partnachschichten mit ihren weichen Gelände-
formen bilden vorzugsweise weitflächige Mähder und Weideland. In
flachen Hanglagen kommt es zu Anmoor- und Moorbildungen; steilere
Böschungen neigen zu Hangrutschurigen und bilden Ausgangspunkte von
Muren. Zahlreich sind die Quellaustritte. Die begrünten Hänge sind durch
Baumreihen und -gruppen gegliedert, die auf den durchstreichenden
Kalkzügen ihren Standort haben. Ihnen ist die vorteilhafte Auflockerung
des Landschaftsbildes zu verdanken (Abb. 3).

Abb. 3. Blick von Westen auf das Hirzencck (südlich Schloß Kranzbach).
Vcrbrcirungsgcbict der Partnachschichten im Bereich des Wambcrger Höhcnzug~s
mit weichen Geländeformen.

3. Karnische Stufe
Raibler Schichten
Die Raibler Schichten3) leiten die Alpine Obere Trias ein. Von allen
triassischen Schichtgliedern ist die Raibler Schichtenfolge am stärksten
differenziert. Sie umfaßt Schiefertone, Sandst’eine, Mergel, Mergelkalke,
Kalke, Rauhwacken, Dolomite und Evaporite.

3) Der Name ,,Raibler Schichten” wurde erstmals von FOETTERLE (1856, S. 373)
für den ,,petrefaktenreichen Schichtenkomplex zwischen dem Hallstätter Kalk und
dem Dachsteinkalk“ bei Raibl in Kärnten vcrwcndet.

24
Köchel -Graben
(Südwestl. Klais)

Abb. 4. Ausbildung der


crstcn Schicfcrton- und
Sandstein-Serie der Raiblcr
Schichten im Köchel-Graben
südwestlich Klais.
ßcschreibung der Schichten-
folgt siehe Seite 26.

Om

25
Im Hangenden des Wettersteinkalkes zeigt sich in den feinklastiscben
Sedimenten der Raibler Serie ein äußerst deutlicher Einschnitt. Es ist
nicht geklärt, ob mit der scharfen lithologischen Grenze die biostrati-
graphische Grenze Lad$niKarn zusammenfällt. Der Wechsel in der Sedi-
mentation geht auf Festlandseinflüsse zurück. Die Unterbrechung der
Karbonatsedimentation ist durch die Zufuhr terrigenen Materials be-
dingt. Die Auflagerung der Raiblcr Schiefertone und Sandsteine auf den
Wettersteinkalk ist konkordant, Vor der Ablagerung der detritischen
Sedimente kam es zu keiner Regression des Meeres bis zu einer völligen
Emersion. Dies gilt nicht nur für den Kartenbereich und die benach-
barten Gebiete, sondern mit Ausnahme eines Vorkommens bei Lech am
Arlberg für die gesamten westlichen Nordalpen (Je~z 1966, S. 72 ff.).
Auch in den westlichen Ammergauer Alpen, wo KOCKEL, RICHTER &
STLINMANN (1931, S. 14 ff.) eine präkarnische Regression und Festlands-
zeit vermutet haben, ist eine Schichtenkonkordanz nachgewiesen (SCHNEI-
DI:R & WALDVOGEL 1964, S. 112 ff.). Die dortigen Sandkalkeinschaltungen
gehören in den Oberen Wettersteinkalk.
V e r b r e i t u n g : Im Norden des Kartenblattes begleiten die Raibler
Schichten den ENE streichenden, nach Osten abtauchenden Wamberger
Sattelzug mit Muschelkalk und Partnachschichten. Bei Klais bilden sie
die ältesten oberflächig aufgeschlossenen Schichten dieses Struktur-
elementes. Hier nehmen sie weitaus die größte Fläche ein. Ein durch-
gehendes Profil ist in diesem Gebiet infolge Quartärüberdeckung nicht
aufgeschlossen. Ein bis auf die Rauhwacken vollständiges Profil läßt sich
jedoch aus den Teilprofilen im Köchel-Graben südwestlich Klais (Abb. 4)
und im Steinbruch östlich Klais (an der Bahnlinie nach Mittenwald)
crmittcln.

Zu Abb. 4: Schichtenfolge im P r o f i 1 Kö c h e 1 - G r a b e n (südwest-


lich Klais)
Raibler Schichten (ohne Hangendgrenze):
140-t Kalke, bräunlichgrau, gut gebankt; liegendste Bank mit ein-
zelnen Sphaerocodien
138-140 Schiefertone, sandig, mit einer Sphaerocodienkalkbank (30 cm)
82-138 Sandsteine, grünlichgrau, mit graubrauner bis rostbrauner
Farbe verwitternd, feinkörnig, vereinzelt Pflanzenreste
9- 82 Schiefertone, stark sandig, mit Sandsteinlagen
m 0- 9 Schiefertone, schwach sandig bis sandig; einzelne dünne Sand-
steinbänkchen
Partnachschichten (p): Schiefertone und Tonmergel, grau bis schwarzgrau,
stets etwas kalkig, mit zwischengeschalteten Mergelkalken
und Kalken,

Zu Abb. 5: Schichtenfolge im Ra ib 1 er Profi 1 nördlich des


Z i r b e 1 k o p f e s (Wetterstein-Gebirge)

26
Zirbelkopf Predigt Stuhl
(WellersteIn) (Vorkarwendel)

hd

Abb. 5. Profil der


Raibler Schichten
nördlich dcs ‘Zirbcl-
kopfes (CMiches
Mcttcrstcingebirge).
fieschreibung der
Schichtcnfolgc
siehe Seite 28.

Abb. 6. Ausbildung
der Raiblcr Schichten
unterhalb dcs Pre-
digtstuhls (Vorkar-
wendcl).
Bcschrcibung der
Schichtenfolge
siehe Seite 28 f.
- Om

wk

Abb. 5. Abb. 6.
27
Hauptdolomit (hd)
333410 Kalkige Rauhwacken und Mürbkalke mit dolomitischen Ein-
schaltungen
318-333 Dolomite, dünnbankig
275-318 Rauhwacken, Mürbkalke und Dolomite
183-275 Mergelkalke, dünnbankig, und Kalke, grobbankig; im unteren
Teil mit Aufarbeitungslagen (,,Schlickgerölle“)
172-183 Rauhwacken und Mürbkalke
149-172 Kalke, dickbankig
140-149 Kalke, Mergelkalke mit Schiefertoneinschaltungen
134-140 Sphaerocodienkalkbank (0,5 m), Mergelkalke mit ? Wurm-
röhren und Crinoidenspatkalke
130-134 Mergel, Tonmergel, sandige Schiefertone und Sandsteine; in
den Mergeln und Tonmergeln zwei Fossillagen (10-15 cm) mit
v. a. Ostreen
127-130 Mergelkalke mit ? Wurmgrabgängen
124-127 Tonmergel und schwach sandige Schiefertone
118-124 Mergelkalke, dünnbankig
113-118 Tonmergel, Mergel und Mergelkalke
95-113 Kalke und Mürbkalke
92- 95 Schiefertone und Tonmergel mit einer Sphaerocodienkalk-
bank (10-15 cm)
75- 92 Kalke und Mergelkalke, gut gebankt
56- 75 Mürbkalke und Rauhwacken
42- 56 Kalke, dickbankig
36- 42 Kalke, meist dünnbankig; liegendstc Kalkbank mit
einzelnen Sphaerocodien
34- 36 Tonmergel und Schiefertone mit einer Sphaerocodienkalkbank
(40 cm)
27- 34 Sandige Schiefertone und Sandsteine mit Pflanzenresten; bei
m 27: Sphaerocodienkalkbank (45 cm)
m 0- 27 Sandige Schiefertone und Sandsteine, zum Hangenden (etwa
ab m 15) überwiegend Sandsteine, reichlich Pflanzenreste
führend
Wettersteinkalk (wk)
Zu Abb. 6: Schichtenfolge im Rai bler Profil unterhalb des
P r e d i g t s t u h 1 s (Vorkarwendel)
Hauptdolomit (hd)
158-218 Kalkige Rauhwacken und Mürbkalke mit Dolomitbänkchen
103-158 Kalke, meist dickbankig
93-103 Kalke und Mergelkalke, vereinzelt Fossilien
Rl- 93 Schiefertone und Mergel
84- 91 Sphaerocodienkalkbank, Mergelkalke, fossilführend (v. a.
Ostreen), und Crinoiden-Spatkalke
79- 84 Mergelkalke mit ? Wurmröhren, Tonmergel und sandige
Schiefertone

28
75- 79 Tonmergel und Mergel
57- 75 Kalke und Mürbkalke, zwischen m 57-59 Tonmergelhorizont
42- 57 Kalke, gut gebankt
32- 42 Mürbkalkc mit rauhwackigen Lagen
26- 32 Kalke, z.T. dickbankig, mit einzelnen Hornsteinknauern
23- 26 Kalke, gut gebankt, stark Hornstein-führend, zahlreiche
Echinodermenreste
21- 23 Tonmergel und Schiefertone mit einer Sphaerocodienkalkbank
13- 21 Sandsteine, Pflanzenreste führend, und sandige Schiefertone
12,5- 13 Sphaerocodienkalkbank
m 0-12,5 Sandige Schiefertone und Sandsteine mit Pflanzenresten
Wettersteinkalk (wk)
Die Gesamtmächtigkeit der Raibler Schichten beträgt im Norden und
Nordosten, in der weiteren Umgebung von Klais, über 500 m. Von allen
Vorkommen in den westlichen Nordalpen sind sie hier am mächtigsten
entwickelt. Südlich des Wamberger Höhenzuges nimmt die Mächtigkeit
der Raibler Gesteine von Osten nach Westen ab, bei Elmau beträgt sie
nur noch 400-350 m.
Im Süden begleiten die Raibler Schichten den Nordfuß des Wetter-
stein-Hauptkammes bzw. bilden die Füllung der Einmuldungen im
Wettersteinkalk am Kämikopf, Zirbelkopf und Gamsanger. Weitere, ver-
einzelte Vorkommen finden sich unter den Nordabstürzen des Karwendel-
Massivs bei der Erzgrube, am Oberen Ochsenboden und unterhalb des
Predigtstuhls. Ein zusammenhängendes Profil befindet sich nördlich des
Zirbelkopfes. Gut aufgeschlossene Teilprofile sind in den Jöchern süd-
lich des Zirbel- und Kämikopf sowie unterhalb des Predigtstuhls er-
halten, Die Raibler Gesamtmächtigkeit im östlichen Wettersteingebirge
beträgt rd. 400 m (Abb. 5), im Vorkarwendel erreicht sie nur noch 220 m
(Abb. 6).
Morphologisch treten die Raibler Kalke und Dolomite als Felsstufen
in Erscheinung. Im Norden bilden sie bewaldete Höhenzüge. Die Schiefer-
tone, Sandsteine und Mergel bilden vielfach auffällige Depressionszonen,
sie sind gute Wasserstauer und bezeichnen Quellhorizonte.
Gliederung der Raibler Schichten: Sie ist sowohl nach litholo-
gischen als auch nach faunistischen Gesichtspunkten möglich. In An-
lehnung an die von v. WÖHRMANN (1889, 1893) durchgeführte Unterteilung
können die Raibler Schichten wie folgt gegliedert werden:
(a) Nach faunistischen Merkmalen in eine Untere Abteilung, die
Cardita-Schichten, mit dem Leitfossil Cardita crenata guembeli PICHLER,
und in eine Obere Abteilung, die Torer Schichten”), mit dem häufigen
Auftreten von Ostrea montis caprilis KLIPSTEIN;

“) SUESS (1867; in: SUESS & MOJSISOVICS) trennte die fossilreichen oberen
Raibler Schichten am Torer Sattel bei Raibl als ,,Torer Schichten“ ab.

29
(b) Nach lithologischen Merkmalen in Schieferton- und Sandstein-
serien einerseits und in Karbonatgesteinsserien andererseits.
(1) U n t e r e A b t e i 1 u n g (= Cardita-Schichten)
(Ia) Liegendste oder erste Schiefertonserie
Mit scharfer Grenze, aber konkordant liegen dem oberen Wetterstein-
kalk dunkelgraue bis grauschwarze, karbonatarme Schiefertone auf, die
im Liegenden reichlich Pyrit führen, rostbraun verwittern und Limonit-
krusten bilden. Ihr Tonmineralbestand setzt sich vorwiegend aus glim-
merartigen Illit-, untergeordnet aus Kaolinitmineralen zusammen. Als
Besonderheit findet sich 30 cm über der Wettersteinkalk-Hangendgrenze
eine mit Hydrargillit angereicherte Lage. Gegen das Hangende weisen
die Schicicrtonc einen zunehmenden Gehalt an detritischen Mineral-
körnern (Quarz, Feldspat, u. a.) auf, leiten zu den Sandsteinen über bzw.
wechsellagern mit diesen. Im mittleren Niveau dieser Serie führen san-
dige Schiefertone und Sandsteine reichlich Pflanzenhäcksel mit nur selten
bestimmbaren Resten von Schachtelhalmen (Equisetites) und Palmfarnen
(Pteroph@unz). Im Hangenden dieser Serie nimmt der Sandgehalt wieder
ab, gleichzeitig erhöht sich der Ton- und auch der Karbonatanteil, Im
oberen Drittel des Horizontes 1 a sind 1-2 Sphacrocodienkalkbänke cnt-
wickelt (s. u.).
Die Mächtigkeit dieser Serie beträgt im Hangenden des Wetterstein-
kalkes 2540 m, über den Partnachschichten sind bis zu 140 m nach-
gewiesen.
Die Raibler Sandsteine in der Liegendserie - sie sind außerdem in
der oberen Abteilung, im Horizont 11 b entwickelt - können nach ihrer
Farbe, ihrem Kornaufbau und nach ihrer mineralogischen Zusammen-
setzung wie folgt charakterisiert werden:
Dunkelgraue bis grauschwarze, lagenweise grünlichgraue, mit grau-
brauner bis rostbrauner, seltener mit gelblichgrüner Farbe verwit-
ternde, feinsandige, tonarme bis stark tonhaltige,
schlecht bis mittelmäßig sortierte,
kalkige und häufiger kieselige,
glimmerig-chloritische, vereinzelt glaukonitische
Arkosen und Feldspatgrauwacken.
Bemerkenswert sind die Unterschiede im Kornaufbau der Sandsteine
der nördlichen und südlichen Vorkommen. Die feinklastischen Sedimente
im Hangenden des Wettersteinkalkes sind gröber körnig (Korngrößen-
maximum: 63-112~; Medianwerts) Md: 70-80 ~4) und besser sortiert
(So: 1,6-1,7) “).

“) Der Mcdianwert Md bezeichnet die Korngröße im Schnittpunkt der 50 oio-


Linie mit der Summenkurve.
“) Der Sortierungsgrad So ist aus Q,, und Q,, der Korngröße in den Schnitt-
punkten der 75Oio - bzw. 25O/o - Lini’c mit der Summenkurvt, crmittclt worden
(so = JQsl~d.

30
Die mächtigeren Raibler Sandsteine über den Partnachschichten sind
feiner körnig ([Link].: 20-63~; Md: 15~) und bei höherem Ton-
anteil wesentlich schlechter sortiert (So: rd. 4). Nach dem Kornaufbau
und der hohen Mächtigk,eit kann auf eine starke Sedimenteinschüttung
in diesen Trogabschnitt geschlossen werden. Sedimentpetrographische
Untersuchungen in den westlichen Nordalpen haben ergeben, daß Ab-
tragungs- und Liefergebiete des terrigenen Materials im Norden und im
Süden des Ablagerungsraumes bestanden haben (JT-RZ 1966, S. 84 ff.).
Sphaerocodien-,,Oolithkalke” (Onkolithe): Bedeutende ,,Leithorizonte“
in den Raibler Schichten sind die rd. 50 cm mächtigen Sphaerocodien-
kalkbänke mit der fossilen Alge Sphaerocodium bornemanni ROTHINLETZ.
In der Liegendserie sind in den südlichen Vorkommen, über dem Wetter-
steinkalk des Wetterstein- und Karwendelgebirges, zwei dieser charak-
teristischen Bänke entwickelt, wobei die tiefere Bank auffallend reich-
lich Schalenschill und Echinodermenreste führt. Im Norden, über der
Partnachschiefer-Fazies in der Wamberger Sattelzone, ist nur die obere
Sphaerocodienkalkbank ausgebildet,
Die genaue systematische Zuordnung der Sphaerocodien ist nicht ge-
sichert. Wahrscheinlich sind es Chlorophyceen aus der Familie der
Codiaceen (MÄGDWRAU 1953, S. 405). Sie bilden vorzugsweise Um-
wachsurigen um Schalenreste und Mineralkörner in Gestalt rundlicher
und ovaler Körper von unterschiedlicher Größe (bis ca. 1 cm @> und
konzentrisch-schaligem Aufbau, der besonders an Anwitterungsflächen
deutlich zu erkennen ist. Das Zellgeflecht ist mit Kalk inkrustiert, im
Dünnschliff und unter starker Vergrößerung sind nur selten noch die
Fäden des Algenthallus zu erkennen.
In den Kalkeinschaltungen sind außer den Sphaerocodien sehr häufig:
Cardita crenata guembeli PICHL., Pentacrinus propinquus MÜNST. und
Cidaris-Stacheln. In den Schiefertonen und Sandsteinen dieser Serie sind
dagegen keine Makrofossilien gefunden worden.

(1 b) Untere Karbonatgesteinsserie
Diese 50-60 m mächtige Serie umfaßt ausschließlich Kalke und Zellen-
kalke. Die blaugraue, bräunlichgrau anwitternde, liegende Kalkbank
führt vereinzelt Schalenreste, die für die damit auftretenden Sphaero-
codien Anwachsmöglichkeiten bieten. Im Vorkarwendel, nordwestlich des
Predigtstuhls, sind die liegenden Kalke dieser Serie auffallend spätig
und führen reichlich Cidaris-Bruchstücke und -Stacheln, Crinoidenreste
und kalkige Schwammnadeln, Letztere, in einem frühdiagenetischen
Stadium entkieselt, sind als Lieferanten der Kieselsäure in den dort
häufigen Hornsteinlinsen zu betrachten. Im mittleren Bereich dieser Serie
bilden mürb anwitternde Zellenkalke mit rauhwackigcn Lagen eine deut-
liche Depression. Sie werden ihrerseits von dünnbankigen bis gut ge-
bankten, hellgrauen Kalken überlagert.

31
(1 c) Zweite Schiefertonserie
Diese Einschaltung grauer bis bräunlichgrauer Schiefertone und Ton-
mergel ist trotz ihrer geringen Mächtigkeit von 2-5 m ein regional weit
verbreiteter Horizont. Neben dünnen Mergelkalkbänkchen mit Nlyophoria
fissidentata WÖHRM. tritt eine dm-mächtige Sphaerocodienkalkbank auf.
die reichlich Crinoidenstielglieder aufweist, die von Sphaerocodium bor-
nemanni ROTHPL. umwachsen sind. Cardita crenata guembeli PICHI.. tritt
in diesem Horizont stark zurück.

(11) 0 b e r e Ab t e i 1 u n g (= Torer Schichten)


Dieser Komplex enthält alle Raibler Gesteinstypen, einschließlich
Sandsteine und Sulfatgesteine, und umfaßt den größeren Teil des Ge-
samtprofils. Für die Vorkommen im Wettersteingebiet und im nördlichen
Karwendel konnte eine Gliederung aufgestellt werden, die weitgehend
mit dem Gliederungsschema übereinstimmt, das von ANGIXMFXR, Pöscm
& SCHNEIDIX (1963, S. 93, Abb. 3) für die Chiemgauer Alpen entworfen
wurde.

(IIa) Zweite oder mittlere Karbonatgesteinsserie


Sie umfaßt hellgraue, gut gebankte bis dickbankige Kalke und gelb-
lichgraue, mürb anwitternde, zellige Kalke, die insgesamt 20-30 m
mächtig werden. Im Hangenden dieser Serie leiten Mergellagen in die
nächst höhere, tonreichere Sedimentfolge über,

(11 b) Dritte Schieferton- und Sandsteinserie


Sie bildet die am stärksten differenzierte Schichtenfolge innerhalb
der Raibler Schichten. Sie umfaßt Mergel, Tonmergel, sandige Schiefer-
tone und Sandsteine mit mehrfachen Einschaltungen von Mergelkalk-
bänken. In den Mergel wurden zwei je 10-15 cm mächtige Fossillagen
nachgewiesen. Bemerkenswert ist, daß sich in den kalkigen Sedimenten
die ursprünglichen Kalkschalen erhalten haben. Die häufigsten Fossilien
sind:
Ostrea montis caprilis KLIPSY.
Placunopsis fissistriata (WINKLER)
Pecte?a yXosu.s HAUER
Odontoperna (Gerwilleia) bouei (HAUER)
Angustella (Gervilleia) angusta (GOLDP.)
Gonodon (Corbis) mellingi (HAUER)
Neritopsis pauciornata WÖHRM.
Terebratula cf. paronica TOMMASI

Aus den fossilreichen Mergeln entwickeln sich zum Hangenden sandige


Schiefertone und Sandsteine. die Pflanzenreste führen. Ober den fein-

32
klastischen Sedimenten ist eine 0,5 m mächtige Onkolith-Bank ausge-
bildet, die mit von Sphaerocodien umwachsenen Schalenresten erfüllt ist.
Außer den beschriebenen Gesteinen sind für diese Serie graublaue,
hellgrau anwitternde Mergelkalke kennzeichnend. In zwei Horizonten
zeigen sie unregelmäßig im Gestein sitzende, rostfarbene Röhren, die als
Wurmgrabgänge oder -freßbauten gedeutet werden können. Die höhere
Bank mit ,,Lebensspuren” wird von einer rd. 1 m mächtigen, grünlich-
grauen Crinoiden-Spatkalkbank, mit u. a. Pentacrinus propinquus MÜNsT.,
Pentacrinus tirolensis LAUBE und Echiniden- und Ophiurenresten, abge-
löst, die ihrerseits von Mergelkalkbänken mit Ostrea montis caprilis
KLIPST. (sog. ,,Ostreenkalke“) überlagert wird. Letztere bilden das Han-
gende dieser insgesamt 20-25 m mächtigen Serie und leiten zu den weit
weniger differenzierten, höheren Raibler Schichten über.

(11 c) Höhere Raibler Serien

Im Hangenden der fossilreichen Bänke folgen 50 m mächtige, dick-


bankige, bräunlichgraue Kalke, die im östlichen Wettersteingebirge durch
eine weitere Schiefertonfolge unterbrochen sind. Sie werden von dünn-
bankigen, dunkelgrauen, mit hellgrauer Farbe verwitternden, ca. 10 m
mächtigen Mergelkalken überlagert, in d’enen einzelne sedimentäre Auf-
arbeitungslagen (,,Schlickgerölle“) auftreten. Es folgen über 50 m mäch-
tige, bräunlichgraue, dichte Kalke mit knolligen Schichtflächen und im
Hangendbereich mit Oszillationsrippeln auf Schichtoberflächen (Stein-
bruch östlich Klais).
Die obersten Raibler Schichten setzen sich aus unterschiedlich mäch-
tigen Mürbkalken und vorwiegend kalkigen Rauhwacken zusammen
(90-150 m), die gegen das Hangende in zunehmendem Maße dolomitischc
Partien aufweisen. Die gelblichgrauen, dünnbankigen, mürbe anwitternden
Dolomite bezeichnen Härtlinge innerhalb der zu Eintiefungen neigenden
Rauhwackenserie. Die hellgrauen bis hellgelblichgrauen Rauhwacken,
die schon im Horizont 1 b lagenweise entwickelt sind, sind brecciöse Ge-
steine, sog. Sedimentärbreccien, deren zellig-luckiges Aussehen in an-
gewittertem Zustand wie folgt erklärt wird: Die vielfach groben Breccien-
komponenten mit einem deutlich ,,sandigen“ Kornaufbau sind gegenüber
dem festen, feiner körnigen Bindemittel bevorzugt herausgewittert. Eine
Erklärung des kavernösen Habitus durch Auslaugung von Gips ist nicht
stichhaltig. Auch in unverwitterten Proben wurde kein Sulfatgehalt fest-
gestellt (JIXZ 1966, S. 58 ff.).
Gips- und Anhydritvorkommen sind im eigentlichen Kartenbereich
nicht bekannt. Eine stark verfallene Grube, in der in früheren Zeiten
Düngegips gewonnen wurde (G~MBEI. 1861, S. 294, 885) befindet sich am
Weg östlich des unteren Mark-Grabens in 1050 m Höhe (ca. 100 m außer-

3 33
halb des nördlichen Kartenrandes). Ein Gewinnungsversuch im Brand-
Graben, knapp oberhalb seiner Einmündung in den Gütle-Graben, blieb
ohne Erfolg. Bedeutend ergiebiger waren die früher östlich Partenkirchen
und bei Obcrau betriebenen Gipsbrüche. Die Evaporite sind keine zu-
sammenhängende, horizontgebundene Bildungen, sondern stockartige
Einzelvorkommen, die bevorzugt in den oberen Raibler Schichten auf-
treten. Das direkte Nachbargestein bilden dunkle, stark bituminöse Dolo-
mite, die ihrerseits zu den kalkigen Rauhwacken überleiten. Möglicher-
weise bezeichnen Dolinen im Grenzbereich zum Hauptdolomit weitere,
teilweise ausgelaugte Gipslager.

4. Norische Stufe
Hauptdolomit, hd
Der Hauptdolomit, der mit dem überlagernden Plattenkalk (s. 0.) etwa
die norische Stufe umfaßt, ist nach seiner Verbreitung und seiner Mäch-
tigkeit das Hauptgestein in den bayerisch-tirolischen Kalkalpen 7).
V e r b r e i t u n g : In den ausgedehnten Vorkommen westlich der Isar
bildet der Hauptdolomit als jüngstes dort auftretendes Schichtglied struk-
turell den Kern der Mittenwalder Wettersteinmulde mit den Erhebungen
des Hohen und des Kleinen Kranzberges, östlich der Isar bildet der
Hauptdolomit mit dem Plattenkalk die Umrahmung der Mittenwalder
Karwendelmulde, die von Kössener Schichten und Jura- und Kreide-
gc>steinen gebildet wird. Nördlich des Seins-Baches wird der Hauptdolomit
gipfelbildend im Lausberg, in den Seinsköpfen und im Feldernkreuz.
Im Kranzberg-Gebiet baut der Hauptdolomit eine ,,Mittelgebirgs-
landschaft“ auf, die im Pleistozän vom Gletschereis überformt worden
ist. Im höher gelegenen Vorkarwendel und im Soiern-Gebiet bildet das
Hauptdolomitgestein schroffe Felsformen, steile Wände, tief eingeschnit-
tene Schluchten und formenreiche Karbildungen (SCHMIDT-THOMA 1953).
Hier ist der Dolomit ein starker Schuttbildner.
A u s b i 1 d u n g : Das meist dichte, seltener feinkristallinische Haupt-
dolomitgestein zeigt im allgemeinen gelblichgraue bis bräunlichgraue
Farbtöne. Es ist stark zerklüftet und zerfällt in scharfkantige, polygonale
Stücke. Dime Bankung ist sehr wechselhaft, es treten dünnbankige und
plattige Dolomite auf mit Ubergängen zu weniger gut geschichteten bis
massigen Partien. Horizontweise Anden sich kalkige Einschaltungen,
bituminöse Zwischenlagen, bunte Schichten und Breccienlagen. Dennoch
erscheint der Hauptdolomit wenig gegliedert.
Der Obergang aus den Raibler Schichten ist allmählich. Auf mürbe,
dünnplattige Dolomite und Rauhwacken, die noch der Raibler Serie zu-

‘) Das gesteinsbildende Mineral Dolomit CaMg (CO,), ist nach dem französi-
schen Mineralogen Dolomicu (1750-1801) benannt.

34
geordnet werden, folgen dünnbankige, feingehänderte; tonhaltige, bitu-
minöse, vorwiegend bräunlichgelbe Schichten des Hauptdolomits. Gegen
das Hangende ist eine T’endenz zu grobbankiger, örtlich auch massiger
Ausbildung festzustellen.
Hinsichtlich seiner Mächtigkeit können nur ungefähre Angaben ge-
macht werden. Spezialverfaltungen im Südflügel der W,ettersteinmulde
und vermutete Isoklinalfalten in deren Nordflügel erlauben keine ge-
nauen, verbindlichen Aussagen. Hinzu kommen primäre Mächtigkeits-
unterschiede, die auch in den unterlagernden Schichtgliedern beträchtlich
sind. Im Vergleich der beiden Muldenflügel scheint der Hauptdolomit
von Norden (mindestens 1200m ohne Hangendgrenze) nach Süden ge-
ringer mächtig zu werden. Auch in streichender Richtung nach Westen
ist eine Mächtigkeitsabnahme festzustellen, Dagegen erreicht er im Vor-
karwendel, südlich der Jura-Kreidemulde, bis zu 2000 m (ULRICH 1954,
S. 6). In den ndrdlicheren Hauptdolomitvorkommen und im Soiern-Gebiet
wird mit 1400-1500m gerechnet (SCHMIDT-THOMA 1950, S. 7). Wie die
Raibler Schichten, so hat auch der Hauptdolomit in diesem Gebiet, das
einen zentralen Bereich im nordostalpinen Ablagerungsraum darstellt,
ein Mächtigkeitsmaximum.

Sonderausbildungen im Hauptdolomit
(a) Kalkige Einschaltungen:
Den fast stets etwas kalkigen Dolomitgesteinen sind einzelne Kalk-
bänke zwischengeschaltet, Im unteren Roß-Graben und im unteren
Kreidenbach-Tal sind im liegenden Hauptdolomitkomplex 10-15 m mäch-
tige, dolomitische Kalke mit Bitumenbestegen auf den Schichtflächen auf-
geschlossen. Im Roß-Graben wurden sie früher in geringem Umfang für
Bausteine und Schotter abgebaut.
Im stratigraphisch höheren Hauptdolomit Anden sich in einigen Bach-
aufschlüssen südlich des Hohen Kranzberges dünnplattige Kalke und
gröber gebankte, dolomitische Kalke in verhältnismäßig geringer Mäch-
tigkeit.

(b) Bituminöse Schichten:


Vorkommen im Blattgebiet: Unterer Roß-Graben, unteres Kreiden-
hach-Tal, östlich Felseneck, Große Ochsenlähne. Die bituminösen Schich-
ten sind in der Literatur nach den Vorkommen bei Seefeld vielfach als
sog. ,,Asphaltschiefer” beschrieben. Verschiedentlich sind sie auch unter
den Namen ,,Fischschiefer, Brandschiefer und ölschiefer” erwähnt. SANDER
(1921, 1922) hat die bituminösen Lagen im Hauptdolomit nach ihrer petro-
graphischen Beschaffenheit in dem Begriff ,,bituminöse Mergel“ zu-
sammengefaßt.

35
SANDER (1922, S. 4) unterscheidet erstens Gesteine mit authigenem Bi-
tumen, ohne oder mit Zeichen einer Mobilisation, und zweitens Gesteine
mit allothigenem Bitumen.
Zur ersten Gruppe gehören die mattkohleartigen, sapropelitischen Ge-
steine (,,Asphaltflözchen“) und Karbonat-Ton-Gesteine mit Bitumen im
Kleingefüge. Zur zweiten Gruppe der im allg. bitumenärmeren Lager
gehören vorzugsweise die Bitumenbestege auf Schichtflächen und bitumen-
imprägnierte, schwarze Karbonatgesteine.
In der Umgebung von Seefeld (Tirol) ist aus den bituminösen Schie-
fern bereits im Mittelalter Asphalt und Steinöl (,,Thürschen-Blut“) ge-
wonnen worden. Im Seefelder Asphaltwerk, das seit 1845 in Betrieb ist,
werden die ,,Asphalt- oder Fischschiefer“ zur Gewinnung von Ichthyol-
öl und Teer abgebaut. GÜMIIEL (1861, S. 323) erwähnt eine Verwendung
der Bitumina aus dem Karwendel als ,,Wagenschmiere und Vieharznei“.
In einem kleinen Abbau im Felsen-Graben östlich Krün (Grube ,,Wolf-
gang“; ca. 1000m über NN) wurden früher die stark bituminösen, 15-
20 cm mächtigen Schiefer in einer rd. 20 m mächtigen Serie dünnbankiger
Dolomite abgebaut und im Ölschieferwerk ,,Karwendel“ in Krün ver-
arbeitet.
SANDER (1922, S. 33) gibt Werte von 7 Analysen eines hochwertigen
Flözes vom Seefelder Typus an, nach denen der Gehalt an Gas zwischen
10,8 und 16,8 O/o, an öl zwischen 4,3 und 26,l O/U,an Kohlenstoff zwischen
5,6 und 18,9Oio und an Wasser zwischen 0,8 und 4,6 O/o schwankt.
In den dunklen Kalken und Dolomiten, die durch ehemals mobiles,
nachträglich karbonatisiertes Bitumen kohlig geschwärzt sind, gingen
früher an vielen Orten Schürfe auf Kohle um, die jedoch stets erfolglos
waren.
In 6 Analysen dieser Gesteine (SANDER 1922, S. 40) schwanken die Ge-
halte für Gas zwischen 2,5 und 8 O/o, für öl zwischen 0,O und 1,2 “io, für
Kohle zwischen 1,0 und 4,7O/o und für Wasser zwischen 0,7 und 1,3”/0.
Spektralanalytische Untersuchungen von bituminösen Lagen im Haupt-
dolomit von Dr. F. ALBRECHT (in: VIDAL 1953, S. 72 f.) ergaben Gehalte an
Si, Al, Fe, Ca, Mg, Ti und Mn zwischen 0,l und 20 O/o, sowie an Cr 0,03 “/o,
V 0,02 O/Ound Zn 0,02 O/o und geringere Mengen (unter 0,Ol O/o) oder Spuren
von Pb, Zr, Cu, Ni, Be, Ga und Mo.
In den bituminösen Mergeln sind vereinzelt organische Reste er-
halten. Im Asphaltwerk Seefeld sind Fischschuppen und Reste von Se-
mionotus und Lepidotus gefunden worden. SANDER (1922, S. 34) beschreibt
aus bitumenärmeren Begleitgesteinen Mikroschill, u. a. Schälchen von
Ostrakoden, Molluskenbrut und Foraminiferen, sowie Mikrohäcksel (1922,
S. 33 f.; Taf. 11, Abb. 12), das im Gestein inkohlt wurde, und ,,pollcn-
oder sporenartige, ovaloide Körperehen” von 0,Ol und 0,02 mm Durch-
messer. Sie sind schichtweise angereichert.
GÜMBEL (1861, S. 355) und ROTHPETZ (1888, S. 26) beschreiben aus den
bituminösen Schiefern im Karwendel Funde von Coniferenzweigen
(cupressites alpinus Rühm.).

36
Die Vorkommen im unteren Roß-Graben und im unteren Kreiden-
hach-Tal sowie in einem Graben südöstlich Felseneck zeigen 50-80 cm
mächtige, schwarze, bituminöse Mergeleinschaltungen. Sie gehören in den
Unteren Hauptdolomit. Im Nachbargestein zeigen sich häufig Bestege
von ehemals mobilem Bitumen.
Am Weg von der Schmalseehöhe zum Luttensee befindet sich bei Kote
950 m ein Aufschluß mit plattigen, bituminösen Dolomiten und fein-
geschichteten, dolomitischen Mergellagen mit einer ca. 30 cm mächtigen
Einschaltung bitumenhaltiger, schwarzer Mergel und Schiefertone mit
deutlichem Sandgehalt. Aus dem Schlämmrückstand (ohne Ton) wurden
rund 80% Karbonat, davon 6O’O/o Dolomit und 20 O/o Kalzit, und 20 O/o
silikatische (Quarz, Feldspat, u. a.) und opake Minerale bestimmt.
In dem Einschnitt der Großen Ochsenlähne sind in 1600 m Höhe, am
oberen Jägersteig, etwa 50 cm mächtige, bituminöse Mergellagen auf-
geschlossen. Weitere Vorkommen außerhalb des Blattgebietes sind u. a.
im östlichen Soiernkessel, im Bärnbach- und im Fermersbach-Tal be-
kannt. Sie gehören insgesamt dem stratigraphisch höheren Haupt-
dolomit an.

(c) Bunte Schichten:


Eine weitere Besonderheit im Hauptdolomit sind die sog. ,,Bunten
Schichten”, die als gelblich-rötliche Dolomite von grobbankig bis mas-
siger Ausbildung und als dünne Lagen roter Tone auftreten, ohne er-
kennbare Bindung an ein stratigraphisches Niveau. Besonders weit ver-
breitet sind sie im Lainbach-Tal bei Mittenwald, im Ferchenbach-Tal
zwischen Ferchensee und Elmau, im Wettersteinwald und am Aufstieg
von der Hochlandhütte zum Wörnergrat in 1900 m Höhe. TRUSHEIM (1930,
S. 19) beschreibt fossilleere, quarzfreie, rote Tone von nordwestlich des
Seinskopfes in etwa 1580m Höhe. Die Entstehung der Rotfärbung ist
noch nicht befriedigend geklärt. Möglicherweise stammt das Eisenoxyd
von Einschwemmungen terrigener Rotschiamme (vgl. SANDER 1936,
s. 200 ff.).

(d) Breccienlagen:
Zu den wenigen Besonderheiten im Hauptdolomit gehören ferner kon-
kordante, nicht schichtbeständige Breccienlagen, die von vielen Fund-
punkten und aus stratigraphisch verschiedenen Horizonten bekannt sind.
Die eckigen und kantigen Komponenten bestehen ausschließlich aus
Hauptdolomit und sind im Durchschnitt kleiner als 1 cm.
Die brecciösen Lagen sind sedimentär entstanden. Die Bildung der
Resedimente erfolgte zu einem Zeitpunkt, als das Sediment bereits etwas
diagenetisch verfestigt war. Als Ursache der Breccienbildung werden
submarine Umlagerungsvorgänge angenommen.

37
Davon sind die im Hauptdolomit ebenfalls häufigen tektonischen Brec-
cien und Mylonite zu unterscheiden. Sie treten meist mit Harnischen auf,
sind nicht schichtenkonkordant und enthalten sehr unterschiedlich große
Komponenten,

Anhang:
Wiederholt von Interesse und Gegenstand von Spekulationen war in
früheren Zeiten die sog. ,,Gold- und Silbererzgrube Andreasberg” im
Kasreiter-Bach nordöstlich Mittenwald in ca. 1100m Höhe. Nach dem
Bericht einer Fundesbesichtigung im Jahre 1871”) handelt es sich um
,,gold- und silberhaltigen Schwefelkies, welcher in Keuperdolomit und
-kalk nur in Schnüren von einigen Linien bis höchstens 1,5 cm Stärke“
auftritt.
Im Jahre 1870 reichte Andreas Baader, Techniker aus Mittenwald.
die Mutung ein. Nach ihm ist die Fundstelle ,,Andreasberg” benannt.
Nach der Verleihungsurkunde aus dem Jahre 1871 war F. X. Zettler,
Kaufmann und Kunstanstaltsdirektor aus München, fortan der Rcprä-
srntant des Unternehmens. In der Folgezeit wurde das im HauptdolÖmit
befindliche Vorkommen häufig beschürft, jedoch
_ gelang - es nicht, einen
Bergbau in Betrieb zu setzen-
Letztmals wurde die Lokalität im Jahre 1922 von Prof. K. Oebbeke,
München, anläßlich einer Begehung gemeinsam mit dem Antiquitäten-
händler und damaligen Repräsentanten der Gewerkschaft ,,Andreasberg“
K.. Schaefer, München, sowie mit dem Bergführer Krinner und dem
Sprengmeister Lohner, begutachtet, Am Fundpunkt wurden jedoch nur
wenige Spuren von Schwefelkies festgestellt, die es als nicht lohnend
erscheinen ließen, das Vorkommen weiter aufzuschließen, Auf eine
Sprengung wurde deshalb verzichtet, Da es K. Schaefer auch später wegen
der hohen Erschließungskosten nicht gelang, einen Bergbau in Gang zu
bringen, hat 1924 eine gerichtliche Aufhebung des Bergwerkseigentums
dem Unternehmen ein Ende gesetzt.

Plattenkalk, pk
Den Ubergang vom Hauptdolomit in den Plattenkalk vermittelt eine
15-20 m mächtige Wechselfolge von Kalk- und Dolomitbänken. Es ist
nicht nur die lithologische Grenze unscharf, mangels Fossilien ist auch
eine stratigraphische Abgrenzung nicht möglich. Es wird angenommen,
daß der Plattenkalk vor allem die obere norische Stufe umfaßt und mög-
licherweise noch bis in die rätische Stufe hinaufreicht.
V e r b r e i tun g : Die Plattenkalkvorkommen sind im Kartenbereich
auf zwei Gebiete beschränkt:
(a) Am Südflügel der Mittenwalder Karwendelmulde weist er eine
überwiegend saigere bis schwach nach Norden überkippte Lagerung auf.

“) Die Angaben sind den Akten des Königlich-Bayerischen Oberbergamtes


Münhen, die jetzt im Staatsarchiv für Oberbayern in München verwahrt sind,
entnommen (Fast. 34, Nr. 268/1906-1924; Fax. 63, Nr. 55511872-1873).

38
Seine Mächtigkeit beträgt hier 200-250 m. Kompliziert ist seine Lage-
rung am Schwarzkopf. Dort wird eine isoklinale Sattel- und Mulden-
Struktur vermutet.
Nördlich der Karwendelmulde ist der Plattenkalk entlang einer be-
deutenden Längsstörung unterdrückt. Es ist nicht anzunehmen, daß er
hier primär fehlt, denn in ungestörten Profilen in östlicher Streichrich-
tung, am Jöchel und im Fermersbach-Tal, ist er wieder normal aus-
gebildet.
(b) Am nordöstlichen Kartenrand reicht der Plattenkalk der Soiern-
Gruppe, wo er das markanteste Bauelement bildet, in das Blattgebiet
von Mittenwald. Er sitzt schüsselförmig dem söhlig gelagerten bis flach
geneigten Hauptdolomit auf. Am Feldernkreuz sind die dünnbankigen
unteren Kalklagen intensiv spezialgefaltet. In der Schöttelkar-Spitze ist
er gipfelbildend. Weitere bekannte Berggipfel aus Plattenkalk sind in
der näheren Umgebung die Soiern-Gruppe, die Krapfenkar-Spitze, der
Scharfreiter und der Krottenkopf.
Nach SCHMIDT-THOME (1950, S. 7) ist der Plattenkalk im Soierngebiet
300-400 m mächtig.

A LI s b i 1 du n g : Der Plattenkalk setzt sich aus einer Serie von gut


gebankten bis plattigen, dunkelgrauen, hellgrau anwitternden, tonreichen
[Link] mit meist starkem Bitumengehalt zusammen. Gegen das Hangende
sind den Kalken wiederholt Tonmergellagen und dünne Bänkchen mit
zusammengeschwemmtem Schalenschill (Lurmichellen) zwischengeschaltet.
In den mergelig-tonigen Lagen bestehen fazielle Beziehungen zu den
überlagernden Kössener Schichten. Aus den Mergeln sind außer den
Schillagen Foraminiferen und Fischzähnchen bekannt. Aus den Mergel-
kalken und Kalken sind Muscheln und Schnecken beschrieben, u.a. Me-
galodon scutatus SCHAPH., Rissoa alpina GÜMB., Naticopsis SP., Turritella
SP., Cerithium sp. Vereinzelt und lagenweise findet sich Sphaerocodium
bornemanni ROTHPL.
In söhlig bis flach geneigter Lagerung zeigen die Schichtbänke aus
Plattenkalk vielfach Verkarstungserscheinungen in Form von Karren und
Rinnen. Nicht selten sind Dolinen als Karstformen. Wechsellagerungs-
folgen von Kalkbänken und leichter verwitterbaren Tonmergeln bilden
durch kleine Stufen abgesetzte Schichtpakete.

5. Rätische Stufe
Kössener Schichten, k
Das Rät ist in der vorwiegend mergelig-tonigen Fazies der Kössener
Schichten entwickelt. Oberrätkalke in Riffazies sind in diesem Gebiet
nicht ausgebildet.

39
Verbreitung: Im Kartenbereich haben die Kössener Schichten
ihre größte Verbreitung in der Mittenwalder Karwendelmulde. In meist
steiler Lagerung bilden sie die Umrahmung der Muldenzone sowie den
Kern eines Spezialsattels innerhalb dieser Strukturzone. Kössener Schich-
ten finden sich ferner als tektonische Schubfetzen in der oberen Sulzle-
Klamm (vgl. ROTHPLETZ 1888, S. 49 f. u. Abb. ll), im Tiefen Tal und in
der Riedberg-Scharte (vgl. SCHNEIDER 1953 a, S. 26 ff., Abb . 1). Neu auf-
gefu .nden wurde ein Kössener Vorkommen westlich Untel :leut asch.

Marmor-Graben

1 ias

-80m
Oberrätische Grenzmergel
Kössener Mergel
-67m

Kossener Riffkalke
und Oxycolpos- Kalke

-52m

Kossener Mergel
-42m

Choristoceras-Schichten
-32m

Kbssener Mergel

lammellibranchiaten-
Schichten
- Om

Plattenkalk

Abb. 7. Ausbildung der Kösscner Schichten im Marmor-Graben nordöstlich


Mittenwald (nach FABRICIUS 1960).

A u s b i 1 d u n g : Im Normalprofil ist die Liegendgrenze der Kössener


Schichten, i.e. Tonmergel, Mergel und Kalke, gegen den Plattenkalk
nicht immer scharf begrenzt. In den dunkelgrauen bis grauschwarzen
Mergeln und Tonmergeln, lagenweise mit schwachem Sandgehalt, sind

40
mehrfach grauschwarze Mergelkalke und bituminöse, dunkelgraue Kalke
zwischengeschaltet. Bemerkenswert ist ihre reiche Fossilführung (s. u.).
FABRICIUS (1960, S. 28) gibt für das Rät im Westabschnitt der Kar-
Wendelmulde vom Hangenden zum Liegenden folgende Gliederung an
(Abb. 7):
Lias
Oxycolpos-Kalke
Choristoceras-Schichten
Lamellibranchiaten-Schichten
Plattenkalk,
Nach den Faziesuntersuchungen von FABRICIUS (1960, S. 28 f.) bestehen
hier u. a. folgende Gesetzmäßigkeiten: Mächtige Riffbildungen sind nicht
entwickelt. Jedoch treten an verschiedenen Stellen im Profil korallen-
führende Kalke auf, insbesondere über den Oxycolposkalken. Die Fazies
des Rätolias-Riffkalkes ist am Ostende der Karwendelmulde (Achensee-
gebiet) ausgebildet und entspricht zeitlich den oberen Kössener Schichten.
Spirigera o~ycolpos Suass kann in den Korallenkalken (mit Thecos-
milia clathrata EMMR.) auftreten. Dagegen sind die Choristoceraten stets
von der Riffazies getrennt, sie kommen in den dünngeschichteten, merge-
ligen Kalken vor. Als oberstes Rät sind unter dem grauen Lias-Basiskalk
die ,,oberrätischen Grenzmergel” ausgebildet. Sie führen reichlich sand-
schalige Foraminiferen.
Die Gesamtmächtigkeit der Kössener Schichten schwankt zwischen 20
und 100 m. Stellenweise ist sie zusätzlich tektonisch reduziert. Allgemein
nimmt die Mächtigkeit von Westen nach Osten zu.
Bekannte Fossilfundpunkte sind im oberen Marmor-Graben, im Stein-
kar, im Tiefen Tal und in der Sulzle-Klamm. Die Mehrzahl der Fossilien
wittert aus den Mergeln aus oder zeigt sich an Anwitterungsstellen und
Schichtflächen der Mergelkalke und Mergel. Besonders häufige Fossilien
sind:
Ammonoidea: Choristoceras ammonitiforme (GÜMB.)
Lamellibranchiata: Cardita cf. austriaca HAUER
Gervillia inpata SCHAFH.
Pteria (,,Avicula“) contorta PORTI..
CnsianelUa decussata MÜNST. et sp.
Pecten SP., Lima SP., Modiola SP., Nucula sp
Gastropoda: Turritella SP., Natica sp.
Brachiopoda: Terebratula gregaria Suess
Rhynchonella subrimosa (SCHAFH.)
Rhynchonella fissicostata SUESS
Spiriferina austriaca (SUESS)
Spirigera oxycolpos SUESS
Retzia superba Susss
Cnidaria: [Link] clathrata EMMK.
Thamnastrea rhaetica GÜMB.

41
Ferner sind Foraminiferen und Crinoiden- und Echinidenreste sehr
zahlreich.
Morphologisch bilden die Kössener Schichten mit ihren leicht ver-
witternd’en und wenig erosionsbeständigen Schichtfolgen auffallende De-
pressionen und tiefe Erosionsgräben (z. B. Marmor-Graben). In Hoch-
lagen sind sie bedeutende Grundwasserstauer mit häufigen Quellaus-
tritten. Sie bilden Almböden, anmooriges Gelände und kleine Moore.

b. Jura

Der weitaus größte Teil der Juraablagerungen ist an den Bereich der
Karwendel-Mulde gebunden. Die faziellen und stratigraphischen Erörte-
rungen beziehen sich daher nur auf dieses Gebiet, in dem eine geschlos-
sene Schichtenfolge von den Kössener Schichten bis in die Unterkreide
vorliegt. Kleinere, aus dem Verband gerissene Vorkommen am Riedboden
(1000 m NN), am Brunnensteineck (950-1100 m NN), an der Sulzle-Klamm
(1650m NN) und westlich der Riedberg-Scharte (1200m NN) sind an die
Inntaldeckenüberschiebung gebunden.
Die stark differenzierte Ausbildung der Jura-Gesteine ließ es ratsam
erscheinen, eine altersmäßige Gliederung vorzunehmen, die sich vorzugs-
weise auf die Arbeiten von ROTHINLETZ (1888), SCHÄFER #(1888), TRAUTH (1948),
QUENSTEDT (1951), LANGE (1952) und [Link] (1960) stützt.

1. Lias, 1

Grauer Basiskalk
Verb r e i tun g. Der Graue Basiskalk tritt als lithologischer Leit-
horizont an der Basis des Lias in der gesamten streichenden Erstreckung
der Karwendel-Mulde auf.
A u s b i 1 d u n g. Faziell den Kössener Schichten sehr ähnlich, handelt
es sich um ebenflächig gebankte, dunkelgraue bis schwarzgraue Kalke
und sandige Mergel in Bankdicken von einigen cm bis dm. Lagenweise
sind Kalkpsammite und spätige Kalke in dm-Stärke eingeschaltet.
M ä c h t i g k e i t. Sie beträgt 0,80 bis 1,5 m.
Fossilführung und Alter. Aus dem Grauen Basiskalk vom
Marmorgraben gibt ROTHPLETZ (1888, S. 33) folgende Fauna an:
Terebratula punctata (Sow.)
Terebratula punctata var. Andleri (OIT.)
Waldheimia perforata (PIETTE)
Rhynchonella Qraphitica (Qu,)
Rhynchonella plicatissima (Qu.)
Spiriferina pinguis (ZIET.)
Lima punctata (Sow.)

42
Aufgrund weiterer Untersuchungen von LANGE (1952) und ULRICH (1960)
aus dem östlichen Teil der Karwendel-Mulde kann der Graue Basiskalk
in den Lias-Alpha 1 eingeordnet werden.

Bunter Liaskalk
Unter der Bezeichnung ,,Bunter Liaskalk“ werden sowohl Spatkalke
(Hierlatz-Fazies) als auch Knollenkalke (Adnether-Fazies) zusammenge-
faßt, da eine strenge Trennung aufgrund kontinuierlicher Ubergänge
nicht möglich ist. Beide Gesteinstypen sind Bildungen im Aachen Wasser,
wobei der wesentliche Unterschied in der Anzahl und Art der Organismen
liegt. Aufarbeitungen, Zusammenschwemmungen von Mollusken, wie sie
in den Knollenkalken auftreten, finden sich in ähnlicher Form als nahezu
reiner Crinoidenschuttkalk.
V e r b r e i t u n g. Bereich der Karwendel-Mulde und fossilmäßig nicht
belegt in der Sulzle-Klamm und am Brunnenstein-Eck.
A u s b i 1 d u n g. Dichter, körniger Kalk, vorwiegend ungcschichtet-
massig, von weißer bis gelbgrauer, manchmal lachsroter Farbe. Im Strei-
chen ist häufig ein rascher Wechsel von grobkörnigem, grauweißem Spat-
kalk zu dunkelrotem Crinoidenkalk festzustellen. Das größtenteils aus
Echinodermenresten bestehende Gestein hat eine mergelige Grundmasse.
Daneben tritt im Streichen und quer dazu wechsellagernd Knollenkalk
auf. Typisch ist ein dichter, meist rot bis rotbraun gefärbter, gut gc-
bankter Kalk mit wulstig-knolligen Schichtflächen. Die Grundmasse
besteht aus Kalkpelit mit abgerollten Kalktrümmern des gleichen Gesteins.
Stellenweise schalten sich perlschnurartig angeordnete Hornsteinknauern
ein.
M ä c h t i g k e i t. Die Bunten Liaskalke treten in Mächtigkeiten zwi-
schen 5 und 40 m auf, wobei keine Ausbildung horizontbeständig über
eine größere streichende Erstreckung vorliegt.
Fossilführung und Alter. Stratigraphisch kann der Bunte
Liaskalk nahezu den gesamten Lias umfassen. Fossilmäßig nachgewiesen
ist Lias-Alpha 2 bis -Delta, wobei mit Schichtlücken und stratigraphischer
Kondensation zu rechnen ist, nachdem das Westende der Karwendel-
Mulde als Schwellengebiet während des größten Teiles der Jurazeit
vorlag (ULRICH 1960).
< Von ROTHPIXTZ (1888, S. 33) wird folgende Fauna aus dem Marmor-
graben angegeben:
Waldheim& subnumismalis (DAv.)
Rhynchonella belemnitica (Qu.)
Rhyncho,nella plicatissima (Qu.)
Rhynchonella Caroli (GEM.)
Rhynchonella retusifrons (OPP.)
Spiriferina Darvini (GEM.)

43
Bunte Mergel
Verbreitung und Ausbildung. Am Zunderweidkopf (1726m
NN) - 1 km östlich des Marmorgrabens - treten im Hangenden von
Knollenkalken dünnbankige, lebhaft grau und rot gefärbte, tonreiche
Mergel auf. Soweit nicht tektonisch unterdrückt, erscheinen die Bunten
Mergel in der östlichen Fortsetzung der Karwendel-Mulde im Hangenden
der Bunten Liaskalke.
Mächtigkeit. Im Bereich des Kartenblattes werden die Mergel
nur einige Meter, nach Osten bis über 35 m mächtig.
Fossilf ührung und Alter. Für die im Kartenbereich auftre-
tenden Bunten Mergel ist die stratigraphische Stellung nicht gesichert.
Sie erscheinen hier als Bindeglied zwischen Lias und Malm. In der
östlichen Fortsetzung der Karwendel-Mulde, bei der Tölzer Hütte, wurde
folgende Ammonitenfauna gefunden 8 a) :
Fuciniceras cf. crassiplicatum (Fut.)
Fuciniceras cf. lavinianum (MENEGH.)
Lytoceras cf. conjugatum (BONAR.)
Coeloceras cf. sellae (GEMM.) var.
Arieticeras cf. miriflcum (Fut.)
Phylloceras cf. geyeri (BONAR.)
Rhacophyllites ezimus (HAUER)
Lillia comensis (BUCH.) var.
Grammoceras cf. normannianum (D’ORB.).
Daraus ergibt sich für das Alter der Bunten Mergel Mittel- bis
Oberlias.

2. Dogger
Der stratigraphische Nachweis für den Dogger konnte im Bereich der
Karwendel-Mulde noch nicht eindeutig erbracht werden. Die ungünstigen
Ausschlußverhältnisse im Kartenbereich ermöglichten bisher keine Klä-
rung dieser Frage. Nach den bisherigen Untersuchungen (QUENSTEDT 1951,
AMPFERER & HEISSEL 1951, ULRICH 1960) läßt sich lediglich feststellen, daß
der Dogger meist in bunten, oft kieseligen Mergeln und Kieselkalken zu
suchen ist. Ausgedehnte Untersuchungen über den Mikrofossilgehalt
(ULRICH 1960) hatten bisher keinen Erfolg. Die Mergel enthalten zwar eine
typische Fauna, eine stratigraphische Einordnung war damit jedoch nicht
zu erreichen. Vorherrschend und sehr zahlreich sind Ostratoden, daneben
Foraminiferen der Gattungen Lenticulina, lnvolutina, Dentalina und
Astacolus, sowie Echinodermenreste, Seeigelstacheln, Fischzähnchen,
Schwammreste und Radiolarien.

“it) Die Bestimmung erfolgte durch Dr. W. BARTHEL, München, 1959.

44
3. Malm, w
Kieselkalk
V er b r e i t u n g. Die Kieselkalke sind auf den Bereich der Karwen-
del-Mulde beschränkt und erscheinen hier erst im östlichen Teil als
Liegendes der Aptychenschichten.
A u s b i 1 d u n g. Dünnbankiger (Bankdicke 5-10 cm), vorwiegend tief-
roter, manchmal grünlicher und schwarzer, splittriger Kalk. In einer
Kalkpelit-Grundmasse sind mehr oder minder gleichmäßig verteilt, zahl-
reiche kieselige Organismen l(Radiolarien und Schwammreste) eingebettet.
Sekundäre Kieselsäureanreicherungen lassen das Gestein gelegentlich
makroskopisch als ,,Radiolarit” erscheinen. Stellenweise können kieselige
Mergel von graugrüner und rötlicher Farbe den Kieselkalk im Streichen
ersetzen.
M äc h t i g k e it. Meist nur einige Meter, maximal 10 m.
F o s s i 1 f ü h r u n g und A 1 t e r. Makrofossilien treten nur spärlich
auf. Es handelt sich um schlecht erhaltene Aptychen der Gattung Laev-
[Link] und Lamellaptychus. Danach ist zumindest eine Alterseinstufung
in den unteren Malm (Oxford-Kimmeridge) möglich. Aufgrund seiner
Lage in der Jura-Schichtenfolge darf angenommen werden, daß der
Kieselkalk in den Zeitabschnitt zwischen oberen Dogger und Kimmeridge
zu stellen ist (QUENSTEDT 1951).

Aptychenschichten
V e r b r e i t u n g. Außer im Zentralbereich der Karwendel-Mulde,
sind die Aptychenschichten auch an den kleinen Jura-Vorkommen der
Sulzle-Klamm, vom Brunnenstein-Eck, vom Riedboden und der Riedberg-
Scharte beteiligt.
A u s b i 1 d u n g. Die Malm-Aptychenschichten beginnen an der Basis
meist mit gelbgrauen Mergeln und Kalkmergeln, die in lichtgrauen Kalk
übergehen. Der Kalk ist gut gebankt, von einigen cm bis dm Bankdicke.
Tonige Bestege oder dünne Mergellagen zwischen den Bankfugen sind
typisch. Die feinpelitischen Kalke weisen einen beträchtlichen Anteil an
Mikroorganismen, vorwiegend Radiolarien und Schwammreste, auf.
Im unteren Teil der Aptychenkalkfolge flndet sich häufig eine Fazies
feinsandiger, dünnplattiger Kalke mit massenhaften Zusammenschwem-
mungen von Aptychen (Abb. 8). Damit verbunden sind vielfach Konglo-
meratlagen. Die Geröllkomponenten sind meist nur durch das Heraus-
wittern an der Oberfläche festzustellen. Im Dünn- und Anschliff ist zu
erkennen, daß die aus dem gleichen Material wie das Einbettungsmittel
bestehenden Komponenten einerseits nahezu ohne Zwischenmittel anein-
anderpassen, andererseits schon in der gleichen Bank völlig verschwinden

45
Abb. S. Oberjura-Konglomerat mit abgcrollten Kalktrümmern cics g&hen
Gesteins und mit zusammcngeschwcmmten Aptychcn. Dünnschliff, Vcrgr. cn. 10 X.
Oberer Jura. Jöchel (Nord-Hang).

können. TKUSHEIM (1930, S. 41) deutet die Konglomerate als Schlickgerölle,


welche in einem Flachmeer durch starke Wasserbewegung entstanden sind.
Häufig enthält der Aptychenkalk linsenförmige bis schichtige, seltener
knollige Hornsteinanreicherungen, deren Menge zum Hangenden ab-
nimmt. Die zur Bildung der Hornsteine notwendige Kieselsäure entstammt
den im Sediment vorhandenen Organismen mit kieseligem Skelett. An-
zeichen für eine anorganische Zufuhr der Kieselsäure sind nicht vorhanden.
Die Bildung der Hornsteine hat sich im wesentlichen bald nach der
Sedimentation, im noch weichen Sediment, am Meeresboden vollzogen
(ULRICH 1960).
Neben den Aptychenlumachellen treten in den höheren Horizonten
der Malm-Aptychenschichten weitere klastische Einlagerungen auf. Die
meist wenig kantengerundeten Komponenten setzen sich aus kalkalpinem
Material zusammen, das vom Oberjura bis zum Hauptdolomit reichen
kann. Die Konglomerate sind sedimentärer Entstehung (ULRICH 1960, S. 111).
M ä c h t i g k e i t. Im Bereich des Kartenblattes nehmen die Aptychen-
schichten von Westen (Marmorgraben etwa 30 m) nach Osten (etwa 150 m)
stetig zu. Die Konglomerateinschaltungen betragen darin nur einige MeteR.

46
Fos silf iihrung und Alter. An Makrofossilien sind nur Apty-
chen angetroffen worden, die vorzüglich aus dem Gestein herauswittern
und meist einen guten Erhaltungszustand aufweisen. Fundpunkte sind
der Marmorgraben und der Schieger Graben.
Von hier stammen:
Lamellaptychus lamellosus (PARK.)
Lamellaptychus beyrichi (OW.)
Punctaptychus punctatus (VOLTZ). (Abb.)

Abb. 9. Punctaptychus punctatus (VOLTZ) vx. n. divergens TRTH.


Oberjura-Konglomerat (Tithon). Turm a. d. Vereinsalm.

Punctaptychen sind auf den mittleren und oberen Teil der Aptychen-
schichten beschränkt. Hier wird in Dünnschliffen auch Calpionella alpina
LOR. angetroffen. Danach sind die Aptychenschichten zum größten Teil
ins Tithon einzustufen, die unteren mergeligen Partien reichen wahr-
scheinlich bis in den oberen Dogger.

c. Kreide
Unterkreide-Aptychenmergel, n
V e r b r e i t u n g. Die Unterkreide-Aptychenschichten bilden den Mul-
denkern der Karwendel-Mulde. Daneben treten noch kleinere Vor-
kommen, als östliche Ausläufer der Puitental-Zone, im Leutasch-Tal und
am Riedboden auf.
A u s b i 1 d u n g. Der Ubergang vom obersten Malm in die Unterkreide
ist lithologisch nicht scharf ausgeprägt. Dünnbankige, weiße, meist horn-
steinfreie Kalke mit Mergeleinschaltungen leiten zu den typischen Neo-
korn-Mergeln über. Es handelt sich hierbei um feinschichtige, tonreiche
Mergel von graugrüner, in feuchtem Zustand bläulicher Farbe. Bezeich-
nend sind, vorwiegend an Fossilien gebundene, ,,Rostflecken“. Lebens-
spuren auf den Schichtflächen sind häufig anzutreffen.
Stellenweise treten Quarz-Kalkpsammite mit karbonatischem Binde-
mittel auf, Vereinzelt wurde Chlorit und Glimmer festgestellt. Organische
Reste an Crinoiden- und Molluskenbruchstücken sind wenig beteiligt.
Durch die braune Verwitterungsfarbe heben sich die Sandsteinlagen
deutlich von den Mergeln ab.
M ä c h t i g k e i t. Die starke Spezialfaltung läßt keine genauen An-
gaben zu. Im Marmorgraben sind es kaum mehr als 10 m. Nach Osten
kann eine Zunahme auf etwa 60 m angenommen werden. Die Sandstein-
bänke treten in einer Stärke von einigen cm bis dm auf.
Fossilführung und Alter. Wie im Malm, so sind auch in der
Unterkreide die Aptychen die vorherrschenden Versteinerungen. Fossil-
fundpunkte sind der Marmorgraben und der Schieger Graben.

Marmorgraben
Lamellaptychus motilleti (PKT. & LOK.)
Lamellaptychus seranonis (COQU.)
Aptychus noricus (WKL.) 8 b)
Terebratula Janitor (PIcT.) slO
Schieger Graben
Lamellaptychus mortilleti (PKT. & LoR.)
Lamellaptychus angulocostatus (PET.)
Lamellaptychus herthae (WKL.)
Lamellaptychus theodosia (DEsH.)
Lamellaptychus excavatus TRTH.
Lamellaptychus diday (COQU.).

Abdrücke von Cephalopoden sind durchaus nicht selten, bestimmbare


Exemplare konnten im Kartenbereich bisher jedoch nicht aufgefunden
werden. Daneben sind häufig Schalenbruchstücke von lnoceramus sp.
anzutreffen.
Der Mikrofossilgehalt der Unterkreide-Aptychenschichten beschränkt
sich auf eine eintönige, untypische Fauna von Lenticulina, Epistomina,
Involutina, Dentalina und Ammodiscus 8 c). Daneben treten Radiolarien
zahlreich in Erscheinung.

“11)Nach ROTHPLETZ 1888, S. 34.


*c) Bestimmung von Dr. H. HAGN, München, 1959.

48
_ .._ _-_---- .-..-_ --- -..

Abb. 10. Lamellaptychus angulocostatus (PET.). Vergr. ca. 3 X.


Neokom-Aptychenschidten. Fermcrsbach.

Die aufgefundenen Aptychen erlauben nach TRAUTH (1938, S. 207) eine


Einstufung der Unterkreide-Aptychenschichten in das Berriasien bis
Hauterivien.

d. Quartär
1. Pleistozän
Glaziale und periglaziale Bildungen haben wesentlich zum heutigen
Landschaftscharakter des Werdenfelser Landes beigetragen. Besonders
vielfältig sind die pleistozänen Ablagerungen in der Umgebung von
Mittenwald. Sie wurden bereits von einer Reihe früherer Autoren be-
schrieben. Insbesondere ist es den grundlegenden Arbeiten von PENCK
(1882, 1922, 1925,193O) und PENCK & BRücKNen (1909) zu verdanken, daß die
geomorphologischen Zusammenhänge und die meist heute noch gültigen
Altersbeziehungen frühzeitig erkannt wurden. Ergänzende Beiträge wur-
den geliefert IJ. a. von LEVY (1920), v. W01.r; (1924), WEHRLI (1928), TRUS-

4 49
HEIM (1930), SAUER (1938), MUTSCHLECHKZR (1948), SCHMIDT-THOME (1950, 1953)
und SCHNEIDER (1953 c).
Wegen der Bedeutung der quartären Ablagerungen für die weitere
Umgebung von Mittenwald sind nachstehend alle im Kartenbereich be-
kannten Vorkommen dieser Art kurz beschrieben und gegebenenfalls die
bisherigen Kenntnisse ergänzt.
Im Pleistozän (oder Diluvium) können vom Älteren zum Jüngeren
folgende Bildungen unterschieden werden:
a. Rißeiszeitliche und ältere Bildungen
b. Riß-Würm-interglaziale und Würm-frühglaziale Bildungen
c. Ablagerungen des Hochwürmglazials
d. Würm-spätglaziale Bildungen.
Im Quartär, das mindestens vier Eiszeiten - von PENCK (1882) nach
den Flüssen Günz, Mindel, Riß und Würm benannt - und drei Zwischen-
eiszeiten umfaßt, waren die Berge während wiederholter Klimaver-
schlechterungen von Firn- und Gletschereis bedeckt. In den Alpentälern
flossen mächtige Eisströme in nördliche Richtung, räumten die inner-
alpinen Täler aus bzw, übertieften sie und verfrachteten ungeheure
Mengen Gesteinsschutt in das Alpenvorland.
Das Mittenwalder Gebiet ist während der Eiszeiten von Süden nach
Norden vom Isargletscher durchflossen worden. Während der hochglazi-
alen Zeit überwog die Ausräumung. Dennoch sind Bildungen der letzten
Eiszeit, einschließlich des Frühwürm- und Spätwürmglazials, überaus
zahlreich. Ältere Ablagerungen, teils in zwischeneiszeitlichen Wärme-
perioden, teils in früheren Eiszeiten gebildet, sind nur an wenigen ge-
schützten Stellen erhalten (z.B. am Nordwestfuß des Karwendels).

Rißeiszeitliche und ältere Bildungen


Moränen, R
Zu den ältesten quartären Ablagerungen im Blattgebiet von Mitten-
wald gehören einige kleinflächige Moränenreste. Nach ihrer Uberdeckung
von Bildungen des Riß-Würm-Interglazials besitzen sie ein mindestens
rißeiszeitliches Alter.
Das größte Vorkommen dieser Art befindet sich am Aufstieg von
Mittenwald zur Dammkar-Hütte zwischen Kote 1130 m und 1160 m. Das
verfestigte Moränenmaterial ist äußerst kalkschlammreich und enthält
kristalline Geschiebe, u. a. Gneise und kristalline Schiefer. Es wird von
der Viererspitz-Breccie (s. S. 53) überlagert, die ihrerseits von Würm-
moräne überdeckt ist (vgl. PENCK 1930, S. 81 ff.; Abb. 6). Die Uberlagerung
durch die Breccie ist besonders gut sichtbar in einem von Südosten herab-
ziehenden Wassergraben (R *4 46360, Hs” 56700). Die Unterlagerung der
Moräne bilden stark verbackene Schotter unbestimmten Alters (s. S. 51).

50
Ein ähnliches, qm-großes Vorkommen befindet sich ebenfalls am Auf-
stieg zum Dammkar, bei Kote 1060 m. Ob es sich dabei um einen Moränen-
rest handelt, ist nicht ganz gesichert.
Ein kleiner Rest verfestigter Moräne mit zentralalpinen Gesthieben
wird bei Niedrinwasser an einem Anschnitt am rechten Isarufer direkt
bei der Einmündung des Wasserstich-Grabens sichtbar. Das Vorkommen
ist von Seekreiden des Riß-Würm-Interglazials überdeckt (vgl. PENCK
1922 a, S. 184; NIEDERMAYER 1936, S. 467 f.).
PENCK (1925 b S. 333 ff.; Fig. 1) beschreibt verkittete Grundmoränen-
reste (Tillit) der Mindeleiszeit im Liegenden der Hochlandbreccie (S.U.)
zwischen der Oberen Kälberalm und der Hochlandhütte (unterhalb des
Sleiaes). sowie östlich des Mitterecks. Nach dem Geländebefund ist nicht
sicher ‘zu entscheiden, ob es sich hierbei um Moräne einer früheren
Lokalvergletscherurig handelt oder ob das weniger grobe Material im
Liegenden der Breccien diesen zugerechnet werden muß.

Schotter, M,G
Ältere, vor den vermutlichen Rißmoränen abgelagerte Schotter sind
im Raineckwald erhalten. Nach den Lagerungsverhältnissen bilden sie
das Liegende der (?) Rißmoränen und haben somit ein mindestens früh-
rißglaziales bis Mindel-Riß-interglaziales Alter. Die Nagelfluhbänke
reichen bis in Kote 1130 m, das sind mehr als 200 m über dem heutigen
Isarbett. Die Geröllkomponenten bestehen vorwiegend aus Wetterstein-
kalk. Mengenmäßig treten Gerölle aus Muschelkalk, Hauptdolomit,
Raibler Kalk und Reichenhaller Kalk zurück. Der Anteil an zentral-
alpinem Material ist äußerst gering (< 1 Oio). Auffallend ist die deutliche
Schichtung und eine gute Sortierung (geringer Matrixgehalt) in den sich
abwechselnden Feinkies- und Grobkieslagen. Bemerkenswert sind n?-
große Blöcke aus Wettersteinkalk und Muschelkalk in den Nagelfluh-
bänken. Möglicherweise handelt es sich um Blockmaterial eines im mitt-
leren Pleistozän aus dem Viererspitz-Gebiet niedergegangenen Berg-
sturzes.

Hochlandbreccie, ,X
Zu den älteren pleistozänen Ablagerungen gehören eine Reihe, ver-
mutlich gleichaltriger Breccien in den Hochlagen des westlichen Vor-
karwendels. Sie wurden von PENCK (1925 b, S. 335) unter dem Namen
,,Hochlandbreccie“ nach den Vorkommen bei der Hochlandhütte zu-
sammengefaßt.
Das höchst gelegene Vorkommen befindet sich am westlichen Gehänge
des Wörner Sattels (1989 m) und reicht bis in etwa 1870 m herunter (Ein-
fallen rd. 20’ NW).
Die größten Breccienvorkommen Anden sich am Weg von der Hoch-
landhütte zum Wörner Sattel bei Kote 1620 m (Böschungswinkel 23-25’

51
W) sowie zwischen der Oberen Kälberalm (1553 m) und der Hochland-
hütte (1630 m). Das Einfallen der deutlich zu erkennenden Schichtung
beträgt 5-7O W. Zwei weitere Breccienreste sind südöstlich und südlich
des Mitterecks erhalten.

Die oben aufgeführten Breccienvorkommen in der Umgebung der


Hochlandhütte sind in ihrer Zusammensetzung sehr ähnlich. Die unter-
schiedlich großen Komponenten (crn:’ bis m:‘-Größe) bestehen vor allem
aus Wettersteinkalk und Hauptdolomit, weniger häufig aus Muschelkalk.
Die Vorkommen am [Link] enthalten außerdem Raibler Kalke und
Reichenhaller Kalke.

Ein in der Zusammensetzung sich unterscheidendes Vorkommen liegt


oberhalb des Oberen Ochsenboden in 1460-1500 m Höhe. Die verkitteten
Komponenten sind vorwiegend aus Raibler Kalk, vereinzelt auch aus
Wettersteinkalk und Muschelkalk. Dieses Breccienvorkommen, gleich-
falls als Hochlandbreccie bezeichnet, wird am Steig von der Erzgrube
zum Dammkar sichtbar von der Viererspitz-Breccie (s. u.) überlagert.
Die einzelnen Vorkommen waren vermutlich ursprünglich zusammen-
hängend und bildeten einen Schuttmantel bzw. eine Reihe von Schutt-
fächern am Felsfuß der nördlichen Karwendelkette.

Ober die zeitliche Einstufung der Hochlandbreccie besteht keine Klar-


heit. PENCK (1925 b, S. 342) betrachtet sie als Mindel-Riß-interglaziale
Talzuschüttung. WEHRLI (1928, S. 375) verbindet ihre Entstehung als Ge-
hängezuschüttung zeitlich mit der Bildung der Viererspitz-Breccie und
bezeichnet sie als ,,Gassellahn-Breccie“.

PENCK (1925 b, S. 336) bezieht ein höheres Alter darauf, daß die Vor-
kommen bei der Hochlandhütte heute sehr stark zerschnitten und un-
zusammenhängend sind. Für WEHRLI (1928, S. 372ff.) ist die Viererspitz-
Breccie im Vergleich mit der Hochlandbreccie nur deshalb besser cr-
halten, weil sie sich am Nordwestabfall der Viererspitze in geschützter
Position und in geringerer Höhenlage befindet und nicht im Einzugsgebiet
eines Baches liegt.

Demgegenüber sind die unterschiedlichen Abstände der beiden Brec-


ciengruppen von ihrem direkten Einzugsgebiet besonders auffällig.
Während die Viererspitz-Breccie nur durch eine Erosionsrinne (Rainbach-
Klamm bei der Erzgrube) vom Fuß der Viererspitze getrennt ist, weisen
die Vorkommen der Hochlandbreccie einen beträchtlichen Abstand (bis
zu 500 m) von der schuttliefernden Felsregion auf. Nach den morpho-
logischen Gegebenheiten ist man geneigt, der PENCKSChen Deutung zu-
zustimmen.

52
RißiWürm-interglaziale und Würm-frühglaziale
Bildungen

Gehängeschutt-Breccien, R/W,X
Ein zusammenhängendes Breccienvorkommen stellt die V i e r e r -
spi t z-Breccie am Nordfuß der Viererspitze dar. Das Riß-Würm-
interglaziale Alter des gewaltigen Hangschuttfächers gilt als gesichert
(vgl. PBNCK 1925 b, S. 332 ff.). Jedoch kann es sich - im Gegensatz zu
WEHKLI (1928, S. 375) - nicht um eine mit der Hochlandbreccie ursprüng-
lich zusammenhängende Bildung handeln, da erstere oberhalb des Oberen
Ochsenbodens von der Viererspitz-Breccie überlagert wird.
Große Flächen der B,reccie sind von Würm-spätglazialen bis -post-
glazialen Moränen und von Verwitterungsschutt überdeckt. Besonders
gut sichtbar ist die Uberdeckung durch Lokalmoräne am Ansatzpunkt
der von SE gegen den Raineck-Wald herabziehenden beiden Schuttrinnen
oberhalb des Weges Erzklamm-Dammkar bei Kote 1380 m bzw. 1510 m.
Die mittelmäßig bis stark verfestigte Breccie besteht fast ausschließ-
lich aus dem Wettersteinkalk entstammenden Komponenten. Muschel-
kalk ist nur vereinzelt an der Zusammensetzung beteiligt. Die größten
Komponenten, die Faustgröße übersteigen, Anden sich vorzugsweise am
unteren Saum des Vorkommens. Der Schuttkegel weist in den hoch ge-
legenen Aufschlüssen ein starkes Einfallen auf (z.B. unterhalb der Fels-
wände in 1410 m Höhe 35’ NW, in 1305 m Höhe 25-30’ NW). In den
tieferen Lagen sind es kleinere Böschungswinkel (10-15’ NW).
Besonders gut aufgeschlossen ist die Viererspitz-Breccie bei der Erz-
grube und in d’er über der Rainbach-Klamm hochziehenden Rinne, am
unteren Weg zum Dammkar, oberhalb des Oberen Ochsenbodens und
stellenweise in den sich einschneidenden Schuttrinnen.
Krumplehner Breccie: Ein weiterer bedeutender Gehänge-
Schuttkegel erstreckt sich vom Krumplehner, nordwestlich der Arnspitze,
in das Leutasch-Tal (von ca. 1500-1070m). Er verzahnt sich in seinen
unteren Lagen mit interglazialen Seetonen (vgl. SCHNEIDEK 1953 c, S. 241 f.,
Abb. 1-3) und ist stellenweise von Jungmoränenmaterial überdeckt, so
daß seine Entstehung vor der letzten Hauptvergletscherurig datiert
werden muß.
Die Komponenten der stark verfestigten Breccie bestehen ausschließ-
lich aus Wettersteinkalk. Nicht selten finden sich darin kubikmetergroße
Blöcke. Die Böschungswinkel sind verhältnismäßig groß, am Mittel- und
Unterhang ist das Einfallen noch 25-20° W bis NW.
Ein isolierter, ehemals mit der Krumplehner Breccie zusammen-
hängender Rest ist nördlich des Hauptvorkommens in einem abgerunde-
ten, eisüberschliffenen Hügel, der sich als flache Kuppe im Talboden der

53
Leutasch abhebt, erhalten. Vor der Würmvereisung waren offenbar große
Bereiche des Talbodens von dem Schuttkegel verschüttet. Durch den
Leutasch-Gletscher dürften die Schuttmassen später z. T. erodiert, durch
die Aufschotterurig der Leutascher Ache im Würm-Spätglazial und -Post-
glazial z.T. überdeckt worden sein.
Verfestigtes Hangschuttmaterial findet sich ferner in einem kleinen
Vorkommen unter dem Ostabfall des Ofelekopfes am südwestlichen
Kartenrand.

Eachschuttbreccien, R/W,X
Ebenso verbreitet wie verfestigte Gehängeschuttfächer sind Bachschutt-
breccien, die vorwiegend der letzten Interglazialzeit angehören.
Das größte Vorkommen dieser Art ist die S e i n s b a c h - B r e c c i e,
ein interglazialer Bachschuttkegel, der an der unteren Seinsbach-Klamm
ansetzt, sich noch über das linke Isarufer hinaus nach Westen erstreckt
und in zwei weiteren, kleineren Vorkommen am rechten Isarufer, ca. 1 km
nördlich des ,,Isarhorns“, erhalten ist. Die besten Aufschlüsse befinden
sich an der Straße Mittenwald-Krün (bei der südlichen Isarbrücke), am
Prallhang der Isar gegenüber dem ,,Isarhorn“ und vor allem im unteren
Seinsbach.
Die eckigen bis wenig gerundeten, stark verkitteten Komponenten
entstammen ausschließlich der Trias und dem Jura des Vorkarwendels.
Das Auftreten einzelner Raibler Sandsteingerölle weist auf einen kurzen
Transportweg hin.
Das Riß-Würm-interglaziale bis frühwürmglaziale Alter der Breccie
erscheint dadurch gesichert, daß sie im unteren Seinsbach, beim ehe-
maligen Kreidewerk und am Isarhorn die frühwürmglazialen Seetone
unterlagert bzw. sich mit den unteren Partien dieser glazi-limnischen
Ablagerungen verzahnt (vgl. P~NCK 1930, S. 87).
Streich- und Einfallrichtungen in den gut geschichteten Breccienresten
verdeutlichen die ursprünglich große flächenhafte Verbreitung des nach
Westen gerichteten Bachschuttkegels (vgl. Meßwerte auf der geologischen
Karte).
Im Gütle-Graben, nordöstlich Kaltenbrunn, befindet sich ober-
halb und unterhalb der Klamm je ein Vorkommen aus verfestigtem
Bachschutt mit bereits Nagelfluhcharakter. Die sichtbar ecken- und
kantengerundeten Komponenten bestehen vor allem aus Kalken und
Rauhwacken der Raibler Schichten; vereinzelt tritt Hauptdolomit damit
auf. Zentralalpines Material wurde nicht beobachtet. Auffallend klein
sind die Böschungswinkel (2-5’ S bis SW) in den Nagelfluhbänken. Die
unteren Vorkommen sind von Würmmoräne überlagert, eine Bildung des
Schuttkegels im Riß-Würm-Interglazial ist wahrscheinlich.

54
Vom unteren B erglen-B ac h (linker Zufluß der Leutasch) wird
ein interglazialer (Y Riß-Würm) Schwemmkegel angeschnitten. Die heute
getrennten Breccienvorkommen sind von einer dünnen Fernmoränen-
decke und von einer mächtigeren Lokalmoräne des Berglental-Gletschers
(Schiern-Gschnitz-Vorstoß) überdeckt (vgl. SCHNEIDER 1953 c, S. 246, Abb. 4).
Unterhalb der S u 1 z 1 e b a c h - K 1 a m m bildet eine interglaziale
(? Riß-Würm) Bachschuttbreccie die Verfüllung einer alten Klamm in
Reichenhaller Kalken. Der heutige Bachlauf befindet sich seitlich daneben.
Die Breccie enthält Komponenten aus Reichenhaller Schichten, Muschel-
kalk und Wettersteinkalk.

Frühwürmglaziale Seekreide und Schotter im Isartal


Nördlich Mittenwald bilden mächtige glazi-limnische und glazi-fluviale
Ablagerungen das linke Steilufer der Isar. Der Fluß hat sich hier fast
100m tief durch Würmmoräne, Schotter und Seekreiden eingeschnitten
und ausgezeichnete Aufschlüsse geschaffen, z. B. beim alten Postkeller
nördlich der Husselmühle, beim ehemaligen Kreidewerk und gegenüber
der Lokalität ,,Auf dem Horn“.
östlich Mittenwald im Raineck-Wald und stellenweise am rechten
Isarufer sind gleichaltrige Schotter bzw. Seetone aufgeschlossen.
(a) Beim alten Postkeller, einem alten Lagerkeller, treten
verfestigte Schotter (Nagelfluhbänke) als markante Rippen am Isargehänge
hervor. Sie werden unterlagert von sehr stark verdichteten, feingebän-
derten Seekreiden, die einen hohen Sandgehalt aufweisen sowie grob-
sandige bis feinkiesige Zwischenlagen führen, teils über Zehnermeter
horizontbeständig, teils nach wenigen Metern in nördlicher Richtung aus-
keilend (5-10°). Die verfestigten Seekreiden sind bedeutend erosions-
beständiger als die zwischengeschalteten Kieslagen, die auswitternde
Fugen in den hervortretenden Seekreiden bilden.
In den Brüchen bei der Husselmühle sind in früheren Zeiten Kalk-
sandsteine (,,Kofelstein“ genannt) für Bauzwecke gewonnen worden
(GÜMBBL 1861, S. 894).
(b) In dem aufgelassenen Bruch des ehemaligen Kr e i d e w e r k e s
B ö gl e links der Straße Mittenwald-Krün sind die Seekreide-Vor-
kommen besonders leicht zugänglich. Die gebänderten, gelblichgrauen,
schwach sandigen, schluffigen Seeablagerungen sind hier ohne Liegend-
grenze in einer Mächtigkeit von ca. 15-20 m aufgeschlossen. Sie bilden
steile Bruchwände, zerfallen plattig nach der Bänderung und brechen
griffelig senkrecht zu den Feinschichten. Die verhältnismäßig hohe Kon-
sistenz dieser Seekreiden beruht auf der starken Verdichtung durch das
rd. 800 m mächtige Gletschereis in der Würmeiszeit.

55
(c) In dem bekannten, von der Isar geschaffenen Anriß gegenüber
der Lokalität ,,Au f d em Ho r n“ (Isarhorn) sind fast 100 m mächtige
frühwürm- und hochwürmglaziale Ablagerungen aufgeschlossen. Die See-
kreiden, die sich im Isarbett noch mit Breccien des Seinsbach-Schutt-
kegels verzahnen, reichen von der Talsohle (885 m) bis in 940 m Höhe
hinauf.
Bemerkenswert ist der rasche Fazieswechsel in den Seekreiden. Unter-
schiede werden besonders deutlich im Vergleich der Vorkommen südlich
und nördlich des Riegels aus Seinsbach-Breccie (s. S. 54). Am Kreide-
werk treten fast reine Seekreiden auf, am Isarhorn stellen sich in dem-
selben Niveau häufig Sand- und Kieslagen ein.
Die fluviatilcn Bildungen erreichen gegenüber dem Isarhorn in der
Kote 975 m eine Mächtigkeit von rd. 35 m. Die unteren Partien stehen
in raschem Wechsel von Grobkies-, Feinkies- und Sandlagen. Die
Hangenden 5-7 m mit vorzugsweise grobem Material sind meist ver-
festigt und treten im Vertikalprofil als Konglomeratrippe hervor. Die
Gerölle sind auffallend schlecht sortiert. Es handelt sich vorwiegend um
kalkalpines Material. Gerölle zentralalpiner Herkunft, teils frisch, teils
durchverwittert, machen am Gesamtbestand nur wenige Prozente aus.
Es finden sich u. a. Gneise, Granatamphibolithe, Glimmerschiefer, Horn-
blendeschiefer, Granite.
Die frühwürmglazialen Bildungen sind von durchschnittlich 5-10 m
mächtiger, kalkschlammreicher Grundmoräne überlagert (Abb. 11).
Im R a i n e c k - W a 1 d sind frühwürmglaziale Schotter den älteren
pleistozänen Ablagerungen (Viererspitz-Breccie, Rißmoräne, vorrißeis-
zeitliche Schotter) angelagert. Dabei unterscheiden sich die ,,jüngeren
Schotter“ von den ,,älteren Schotter“ durch den höheren Anteil zentral-
alpiner Gerölle, durch eine geringere Verfestigung und durch eine sehr
schlechte Sortierung, bedingt durch den hohen Matrixanteil und die
häufigen groben Gerölle.
Die große Höhenlage (bis 1070 m) dieser Schotterreste erklärt sich aus
der geschützten Position am Nordwestfuß dcs Karwendels. Demgegenüber
ist auf der linken Isarseite der höhere Teil des Schotterpaketes beim
Gletschervorstoß abgeschürft worden. Im Raineck-Wald wechsellagern die
Schotter gegen das Liegende mit Seekreidelagen (Kote 960 m). Diese litho-
logische Ausbildung entspricht dem mittleren Profilniveau dieser Serie
am Isarhorn (Kote 940m).
Weiters finden sich am Hirtenbühl bei den Bundeswehrkasernen und
in einem kleinen Hügel nordöstlich davon frühwürmglaziale Schotter,
denen in den liegenden Partien Seekreiden zwischengeschaltet sind.
Eine Reihe weiterer Seekreidevorkommen sind am rechten Isarufer
zwischen dem Isarhorn und Krün aufgeschlossen. Dagegen sind Schotter-

56
Abb. 11. ,,Iirdpyramidc” gcgcnübcr dem Is,~rhorn nördlich Mittcnwnld, im Prüh-
sommcr 1960 während cincr längeren Regcnpcriodc unterspült und eingestürzt.
Frühwürmglaziale, lagcnwcise vcrfestigcc Schotter, die von Würmmoränc iiber-
deckt sind, bilden die rückwärt@ und die scitlichcn Aufschlußw~ndc.

reste nicht erhalten. Sie sind beim Vorstoß des Gletschers erodiert worden.
Seine Schurfkraft war auf der Ostseite des Isartales, wo er keine Aus-
weichmöglichkeit hatte, bedeutend wirksamer.
Weitere Seekreide- und Schottervorkommen isarabwärts werden von
,SAUER (1938) und SCHMIDT-THOMA (1950, 1955) beschrieben.

Entstehung und zeitliche Einstufung der Seekreiden


und Schotter im Isartal:
Nach PENCK (1922 b, S. 241) sind die lakustren und Auviatilen Sedi-
mente in einem geschlossenen See gebildet worden, der sich vom oberen
Isartal bis zum Alpenrand erstreckt hat. Jungquartiire tektonische Ver-
biegungen sollen die einzelnen Vorkommen nachträglich aus ihrem ein-
heitlichen Niveau gebracht haben. Nach SCHMIDT-THOM~C (1955, S. 157) gibt
es keine Hinweise für eine quartäre Wölbungstektonik im Isartalbereich.
Nach Rltrc~ (1955, S. 166 f.) -ist vielmehr mit isostatischen Bewegungen
zu rechnen. Insbesondere im jüngeren Pleistozän waren es großräumige
Absenkungen, in deren Verlauf erodierte Flußtäler wieder zugeschüttet
worden sind. Beispielsweise liegt die Isarfelssohle ca. 100 m tiefer als das
heutige Flußbett (SCHMIDT-THOMA 1955, S.155). SAUER (1938, S. 353) be-

57
zeichnet die verschiedenen Kreidevorkommen als ,,örtliche, unzusammen-
hängende Bildungen“, die in durch Gletscher und Moränen aufgestauten
Einzelseen entstanden sind.
Die Seekreiden und Schotter zwischen Mittenwald und Krün können
als Faziesbildungen des Frühwürm bezeichnet werden: Kalkschlamm-
reicher Schluff (s. S. 72, Tab. 2) ist als ein von Moränen ausgewaschenes
Material in einem Stadium als Seekreide zum Absatz gekommen, als die
Gletscherstirn das Isartal bei Mittenwald noch nicht erreicht hatte. Die
Ausschlämmung kann während eines kurzzeitigen Gletscher-zwischen-
haltes bevorzugt erfolgt sein. Möglicherweise kam es im Absatzgebiet
zu lokalen Aufstauungen an Talzuschüttungen (z. B. Seinsbach-Schutt-
kegel). Mit dem Näherrücken des Hauptgletschers kommt es immer häu-
figer zu sandigen und kiesigen Einschaltungen, bis schließlich die Schotter-
ablagerungen (,,Vorstoßschotter“) überwiegen. Beim endgültigen Gletscher-
vorstoß ist ein Teil der Schotter wieder erodiert worden. Auf reliefierter
Unter1ag.e ist Grundmoränenmaterial abgesetzt und an der Gletscher-
sohle sind parallel zur Eisbewegungsrichtung Drumlins gebildet worden.
Bereits bei der Bildung der Seekreiden haben eiszeitliche Klima-
bedingungen geherrscht. Organische Reste sind nicht bekannt. Unter-
suchungen auf Pollen erbrachten ein negatives Ergebnis O).
Eine Einstufung dieser Seekreiden und der überlagernden Schotter
in das Frühwürmglazial erscheint damit gesichert. Mit ihrer Erklärung
als Faziesbildungen ist es einleuchtend, daß die glazilimnischen und
-fluvialen Sedimente von Süden nach Norden ein unterschiedliches Niveau
einnehmen.
Im L e u t a s c h - Ta 1, gegenüber Lochlehen, ist eine weitere See-
kreidebildung aus der Zeit vor der letzten Vereisung aufgeschlossen. Das
kleine Vorkommen liegt einige Meter über dem heutigen Talboden nahe
dem rechten Flußufer. Die Seekreiden verzahnen sich hier mit den
unteren Lagen der Krumplehnerbreccie (vgl. SCHNEIDER 1953 c, S. 241 ff.
Abb. l-3). Nach ihrem Gehalt an wärmezeitlichen Baumpollen können
sie dem letzten Interglazial zugeordnet werden.
Pollenbestimmungen von Frau Dr. E. HOHBNSTATTER, München (in:
SCHNEIDER 1953 c, S. 243) haben ein deutliches Vorherrschen der Tannen-
pollen bei insgesamt geringer Pollenfrequenz ergeben. Im einzelnen sind
in 76 cm* Präparatfläche gefunden worden:
Abies sp. 40 (Pollen) = 53 Prozent
Pinus sp. 18 24
Pinus montana 7 9
Picea sp. 10
cf. Betula 1 tiest)

0) Frau Dr. E. HOHENSTATTER, Baycriscllc Landesanstalt für Bodenkultur.


Pflanzenbau und Pflanzenschutz, München, hat dankenswerterweise einige Stich-
proben vom Kreidebruch im Isartal pollenanalytisch untersucht.

58
Den interglazialcn See im Leutasch-Tal haben nach PENCK (1922 a,
S. 188; 1925 b, S. 330) ehemals vorhandene Altmoränen aufgestaut. Nach
den geomorphologischen Verhältnissen dürfte jedoch die Erklärung von
SCHNIXDER (1953 c, S. 244) der Wirklichkeit am nächsten kommen. Danach
haben sich die Seekreiden vor der letzten Vergletscherurig in einem Sec
gebildet, der von der Talverschüttung des Krumplehner-Schuttkegels
nach Norden abgedämmt worden ist.
Von den oben bcschriebcncn Seekreiden zu trennen sind jüngere, im
Postglazial gebildete Seeabsätze im Flußbett der Leutascher Ache (s. S. 78).

Ablagerungen des Hochwürmglazials


Während der Würmeiszcit, insbesondere während des gesamten Hoch-
Würm, floß ein vom Inngletscher abgezweigter Ferneisstrom zwischen
dem Buchener Sattel (östlich der Hohen Munde) und dem Seefelder Paß
in nördliche Richtung. Durch das Arnspitz-Massiv ist der Gletscher ge-
teilt worden. Der Haupteisstrom zwängte sich durch den Engpaß bei
Scharnitz, die Porta Claudia, übertiefte das enge Isartal, das bereits in
den vorherigen Eiszeiten durch die Eismassen zu einem Trogtal (U-för-
miger Querschnitt) geformt wurde, und überschliff insbesondere den West-
abfall des Karwendels und die Ostflanke des Arnspitzgebietes (Ried-
berg). Ein zweiter Eisstrom floß durch das 100 m höher gelegene Leu-
tasch-Tal, vereinigte sich wieder nördlich der als Nunataks aus dem Eis
herausragenden Arnspitzen mit dem westlichen Teil des Hauptgletschers
und überschritt noch in über 1700 m Höhe den Burgberg-Grünkopf-
Rücken, Dabei hat der Hauptgletscher das Isartal erheblich stärker über-
tieft als der kleinere Seitengletscher das Leutasch-Tal. Um die Höhen-
differenz zu überwinden, hat sich die Lcutaschcr Acht in spät- und post-
glazialer Zeit tief in den Wettersteinkalk eingeschnitten und die Leu-
tascher Klamm geschaffen,
Uber dem Isartal, z.B. unterhalb der Brunnenstein-Spitze, reicht die
Schliffgrenze bis in rund 1900 m Höhe. Am Lindlähne-Kopf (1802 m) ist
noch die Trogschulter zu erkennen. Gletscherschliffe und -schrammen
an den Felswänden des Trogtales sind jedoch infolge von Witterungs-
einflüssen nur selten erhalten.
Ein besonders schöner Gletscherschliff befindet sich bei der Almwirt-
schaft ,,Am Gletscherschliff“ (1000 m) südlich der Leutasch-Klamm. Er
wurde I930 von Geheimrat Prof. Dr. ‘A. PI!NCK in einem bei Bauarbeiten
freigelegten Aufschluß entdeckt. Die eisüberschliffene Wand aus Wetter-
steinkalk, durch Überdachung weitgehend vor Verwitterung geschützt,
zeigt gut erhaltene, von angepreßten Gesthieben eingekritzte Schrammen
und vom Gletscherwasser geschaffene Rinnen mit herausgearbeiteten
Luv- und Leeseiten, die eine von Süden nach Norden gerichtete Eis-
bewegung beweisen,

59
In diesem Zusammenhang sei auch auf die eindrucksvollen Schliff-
formen im Hauptdolomit rd. 500 m nördlich Wallgau, links der Straße
nach Walehensee, hingewiesen.
Während an der gesamten Karwendel-Westflanke über 1100m keine
zentralalpinen Geschiebe gefunden wurden, sind sie im Arnspitzgebiet
an geschützten Stellen bis in über 1820 m nachgewiesen. Demzufolge und
nach der Höhe der Schliffgrenze hat im Isartal zwischen Scharnitz und
dem Burgberg bei Mittenwald die Eismächtigkeit rund 800 m betragen.
Weitere hochgelegene Moränenreste finden sich am Riedkopf, im Krump-
Ichner, auf dem Grünkopf und auf dem Hohen Kranzberg.
Nach dem Engpaß zwischen dem Wetterstein- und dem Karwendel-
gobirge konnte sich das Eis vor allem weiter nach Westen ausbreiten.
Dies hatte ein gleichzeitiges Absinken der Eishöhe zur Folge. Der Haupt-
gletscherstrom stieß in breiter Front nach Norden vor (über Krün, Wall-
gau, Walehensee und Kachelsee ins Alpenvorland). Nördlich Mittenwald
entstanden in Richtung des Eisstromes wechselständig angeordnete Drum-
lins. Eine Voraussetzung zu ihrer Bildung war mit der Platzerweiterung
nördlich der Hochgebirgsmassive gegeben. Der westliche Flügel des Isar-
gletschers bildete über das Ferchenbach- und das Kankerbach-Tal die
Verbindung zum Loisachgletscher. Das Kranzberg-Gebiet, ein Hindernis
und Eisteiler, wurde noch von beträchtlichen Eismassen überflossen und
dabei stark überformt.

Fernmoräne
Weite Teile des Kartengebietes sind von einem Moränenschleier über-
zogen, der häufig ausgedehnte, zusammenhängende Flächen überdeckt.
Neben dem überwiegenden kalkalpinen Material ist der Gehalt an ,,exo-
tischen”, zentralalpinen Gesthieben sehr hoch.
Auf der geologischen Karte sind nur solche Flächen mit Moränen-
Signatur versehen, die eine Uberdeckung von mindestens 50 cm auf-
weisen.
Großflächige Moränenreste haben sich vorzugsweise in Verebnungen,
Senken und Tälern erhalten und bilden vielfach die Umrahmung von
Seen.
Nach der Zusammensetzung kann das Moränenmaterial des Fern-
gletschers in eine karbonatreiche und kristallinarme G r u n dm or än e
und in eine R ü c k z u g s m o r ä n e mit bedeutendem Anteil an zentral-
alpinen Gesthieben unterteilt werden: Das kalkschluffreiche Grund-
moränenmaterial, beim Tiefschurf des Gletschers abgehobelt, kam ins-
besondere im Hauptdurchflußgebiet des Gletschers zum Absatz und wurde
teilweise drumlinisiert. Seine Mächtigkeit über den frühwürmglazialen
Schottern links der Isar zwischen Mittenwald und Krün beträgt 3-20 m.

60
Das während des Eiszerfalls abgesetzte kristallinreichere Rückzugs-
moränenmaterial bildet teils die direkte uberdeckung des anstehenden
Gesteins, vor allem in den glazial ausgehobelten Wannen und übertieften
Tälern, teils eine lückenhafte Moränendeckc über der Grundmoräne. Auf-
fallend sind hier die tonreichen Verwitterungsprodukte der kristallinen
Komponenten. Im Gegensatz zur karbonatreichen Grundmoräne, die vor-
zugsweise zu Rendzinabödcn verwittert, bilden sich auf dem tonreichen
Substrat der Rückzugsmoräne häufig Braunerden (s. S. 131). ,,Restgeschiebe“
zentralalpiner Herkunft erreichen vielfach Faustgröße und nicht selten
auch Kopfgröße. Stellenweise ragen aus den Moränenablagerungen kubik-
metergroße Findlingsblöcke (,,Erratica“) hervor.
Unterhalb der Kare und Firnfelder kommt es im Hochwürm zu einer
Verschmelzung der Lokalgletscher mit dem Ferneis, Im Wettersteinwald
reichen die zentralalpinen Geschiebe bis in max. 1250 m Höhe. Am Bann-
holz-weg ist die Grenze unscharf und zusätzlich von postglazialem Hang-
schutt verwischt. Im Raineck-Wald reicht das Fremdmaterial nicht über
1100 m Höhe hinaus. Nachdem MUTSCHLIXHNER (1948, S. 199 f.) und ULRICH
(1954, S. 28) am Vereinsalm-Sattel (rd. 1430 m) und in einigen Karwendel-
tälern der Nachweis von kristallinem Material gelungen ist, ist es sicher,
daß während des Eishochstandes die Eigenvergletscherurig auch im Kar-
wende1 das Ferneis nicht überall ganz verdrängen konnte.
Im Hochwürm bildete der Isargletscher im Alpenvorland die End-
moränengirlanden des Würmsee-, Wolfratshausener und Tölzer Lobus.
Im Spätglazial zog er sich in einzelnen Etappen zurück. Im inneralpinen
Gebiet des Blattes Mittenwald finden sich Moränenwälle späterer Rück-
zugsphasen östlich Krün, zwischen Klais und Gerold, im Scharfesmoos-
Wald und nordwestlich der Schmalseehöhe. Besonders deutlich wird der
Mächtigkeitsschwund des Eisstromes in den Seitenmoränen NW Schmal-
seehöhe, Endmoränen von Rückzugsstadien sind nördlich Mittenwald
nicht ausgebildet. Dagegen sind im Leutasch-Tal (südl. Kartenrand) eine
Reihe eng hintereinander gestaffelter Endmoränenwälle erhalten. Nach
SCHNEIDER (1953, S. 245 ff.) bezeichnen sie eine ,,relativ längere Halte-
phase des Ferneisstromes mit quantenweisem Rückschmelzen der Eis-
zunge“.

L o k a 1 m o r ä n e (Hochwürm bis Postglazial)


Während des Hoch-Würm vermengte sich das fast ausschließlich kar-
bonatische Material der Lokalgletscher mit dem Ferneisstrom. Nach dem
Auftreten kristalliner Geschiebe ist nur eine unscharfe Grenze zu ziehen.
Erst im Spätglazial und im frühen Postglazial, nach Rückzug des Fern-
eises, kamen lokale Gletschervorstöße besser zur Geltung. Ihre End-
moränen, sowie ihre Seiten- und Mittelmoränen, bilden charakteristische
Wallformen nördlich des Wettersteinhauptkammes, nördlich der vorderen

61
Karwendelkette und in den Karen und Talausgängen südlich dieser Ge-
birgszüge.
Eng hintereinander gestaffelte Moränenwälle bezeichnen verschiedene
Gletscherhalte. Wallgruppen in unterschiedlicher Höhenlage sind ver-
schiedenen Vorstößen zuzuordnen. Um letztere miteinander in Beziehung
bringen und mit Vorbehalt zeitlich datieren zu können, wurde nach
der Hörrkschen Methode auf empirischem Wege versucht, die Höhe der
zugehörigen Schneegrenzen zu bestimmen. Nach HÖFER (1879, S. 25) liegt
die Firnlinic (- Schneegrenze) fast immer in halber Höhe zwischen dem
Firnkamm und dem Gletscherende bzw. den Endmoränen Diese Methode
hat sich bei der Einstufung von Moränenwällen lokaler Gletschervorstöße
als recht brauchbar erwiesen, vor allem wenn das Verhältnis Nährgebiet
zu Zehrgebiet etwa wie 3 : 1 ist.
In Tabelle 1 sind die im Kartengebiet ausgebildeten Endmoränen
der Lokalgletscher zusammengestellt. Es sind ihre Exposition und Höhen-
lage, die errechnete Schneegrenze und die Schneegrenzendepression, so-
wie ihre Zuordnung in die Stadialbildungen im Spätglazial (Schlern-
Stadium) und im Postglazial (Gschnitz-, Daun- und Eggessen-Stadium)
angegeben. Den Werten über die Schneegrenzendepression sind bei End-
moränen in Nordexposition 2500 m, in Nordwestexposition 2400 m und in
Südexposition 2600 m als heutige klimatische Schneegrenze zugrunde
gelegt.
KLEBELSBERG (1935, S. 559 ff.) gibt für die spät- und postglazialen Vor-
stöße folgende Abweichungen von der heutigen Schneegrenze an:
Daun-Stadium -300 m
Gschnitz-Stadium -700 m
Sehlern-Stadium -900 m
Vergleichsweise wird für das Würmhochglazial eine Depression von
mindestens - 1200 m angenommen.
Außer den in Tab. 1 berücksichtigten Endmoränenwälle sind auf der
Karte eine Reihe hangabwärts gerichteter Wallformen ausgeschieden, die
den Charakter von Seiten- und Mittelmoränen haben. In Bezug auf die
nächst höher gelegene Endmoränenwallgruppe können sic jeweils einem
älteren Gletschervorstoß zugeordnet werden. Zum Beispiel sind die lang-
gezogenen Moränenwälle im südlichen Wettersteinwald, Dammkar, Mitter-
kar, Gasseilahnbach- und Kälberalplbach-Tal, zu beiden Seiten des Seins-
bach-Tales und im Laus-Graben in geringerer Höhenlage als die Daun-
Endmoränen. Mangels zugehöriger Endmoränenwälle können sie insge-
samt nur der Zeitspanne der Schiern-Gschnitz-Vorstoßphasen zugeordnet
werden. Lediglich der Berglental-Gletscher kann mit einiger Sicherheit
in das Schiern-Stadium gestellt werden (vgl. SCHNEIDER 1953 c, S. 146 f.).
PENCK (1930, S. 98 f.) betrachtet die Moränenwälle im Gassellahnbach-Tal
als dem Gschnitz-Stadium zugehörig.

62
Tabelle 1. Endmoränenwälle der Lokalgletscher und ihre zeitliche Zuordnung

EX- Höhe der Errechnete Schneegrenzen- Stadialbildungen


Position Endmoränen Schneegrenze Depression der
Lokalität m NN m NN m Lokalgletscher

Wetterstein-
Gebirge
Kar zwischen Zirbel- 1670- 2040- 360-
Kopf u. Kämi-Kopf . N 1750 2080 320 Daun-Stadium
Windfall-Hütte . . . N 1390 1900 600 Gschnitz-Stadium
Kar der Wetterstein-
Spitze . . . N 1350 1800 700 Gschnitz-Stadium
Berglen-Tal . . . . 1300 1900 700 Gschnitz-Stadium
1100 1800 800 Schiern-Stadium

Karwendel-
Gebirge
1750 2050 450 Daun-Stadium
Kirchl-Kar (Ost) 1200 1750 750 Gschnitz-Stadium
Kirchl-Kar (West) SE 1900 2100 400 Daun-Stadium
Damm-Kar . NW 1650 2000 400 Daun-Stadium
NW 1800 2050 350 Daun-Stadium
Mitter-Kar NW 1560-- 1950- 450-
1640 2000 400 Daun-Stadium

Wörner-Grube NW 1850 2050 350 Daun-Stadium


1700 1800 600 Gschnitz-Stadium
Stein-Kar . .( : 1500 1700 700 Gschnitz-Stadium
0) Schöttel-Kar N 1540 1650 750 Gschnitz-Stadium
ca
Würm-spätglaziale Bildungen
Spätglaziale Staubeckensedimente
Beim Zerfall des Gletschereises im Spätglazial haben sich stellenweise
Staubeckensedimente gebildet, die noch im räumlichen und zeitlichen
Zusammenhang mit der Vereisung stehen. In glazial übertieften Tal-
zügen und in ausgeräumten Nischen sind Schotter und Seekreiden, auf-
gestaut an Seiten- und Endmoränenwällen, abgelagert worden. Wo Mo-
ränenbarrieren fehlen, können diese Bildungen auch durch Aufstau an
Eisresten erklärt werden. Denn es ist nicht anzunehmen, daß die topo-
graphischen Verhältnisse im Spatglazial sich wesentlich von den heutigen
unterschieden haben.
Die glazifluvialen und glazilimnischen Ablagerungen wechseln häufig
sehr rasch in ihrer Fazies: Den Deltaschottern im Liegenden sind zum
Hangenden in zunehmendem Maße schräggeschichtete Feinsande und
Seekreidebänder zwischengeschaltet. Die Uberlagerung bilden gebänderte
Ser>kreiden mit grauen und hellgelben Partien, Ablagerungen dieser Art
finden sich
(a) In der Umgebung von Elmau,
(b) in der Umgebung des Schlosses Kranzbach,
(c) nördlich Kaltenbrunn (Kreidewerk).
Nach ihrer Position über den heutigen Talsohlen sind sie in post-
glazialer Zeit vom Ferchen-Bach, Kranz-Bach und Kanker-Bach ange-
schnitten und teilweise ausgeräumt worden.
(a) Am weitesten verbreitet sind spätglaziale Schotter und Seetone
in der U m g e b u n g v o n E 1 m a u. Es handelt sich hier wie in anderen
Vorkommen um ein von Schmelzwässern aus den Moränen ausgewasche-
nes Material.
An der Forststraße westlich Elmau, oberhalb der Brücke über den
Ferchen-Bach, bilden Seekreiden das Liegende der spätglazialen Ab-
lagerungen. Es sind ca. 20 m mächtige, blaugraue, gebänderte Seekreiden.
Zum Hangenden (rd. 3m) werden sie heller grau und weisen einen
höheren Sandgehalt auf. Die Seeabsätze haben sich in einem Raum ge-
bildet, wo Raibler Schiefertone und Partnachschiefer glazial ausgeräumt
worden sind.
Nach Osten verzahnen sich die höheren Seekreiden mit Schotterabla-
gerungen bzw. werden von diesen überlagert. Als Reste eines spätglazialen
Bachschuttfächers des Elmauer Baches sind sie an mehreren Stellen deut-
lich erkennbar. Schloß Elmau steht auf einer Terrasse aus spätglazialen
Schottern. Weitere Vorkommen mit vielfach ausgeprägten Erosionsrändern
umsäumen die Elmauer Talweitung. Die ehemals geschlossene Schotter-
fläche ist von jüngeren Bachsystemen zerschnitten worden.

64
Beim Gutshof Elmau sind die Schotterablagerungen gut aufgeschlossen,
Die Fein- und Mittelkieslagen im unteren Aufschlußbereich lassen eine
deutliche Deltaschüttung erkennen (ca. 10 0 NNW). Dezimeter-mächtige
Seekreidebänder sind den mittleren Partien zwischengeschaltet. Die
hangenden Geröllagen führen grobes Material, die Schichtung ist weniger
deutlich. Das wenig gerundete Material ist vorwiegend kalkalpinen Ur-
sprungs. Die recht häufigen zentralalpinen Gerölle sind besser gerundet
und häufig stark verwittert.
(b) Eine vergleichbare Sedimentfolge ist in den Vorkommen in der
Umgebung des Schlosses Kranzbach gegeben, Feingebän-
derte, helle, reine Seekreiden zeigen zum Hangenden höhere Sandgehalte
find wiederholt eingeschaltete Feinsandlinsen. Sie werden von wenig
sortierten Schottern mit Deltaschichtung überlagert. Die Gerölle sind vor-
wiegend kalkalpiner Herkunft.
Die spätglazialen Ablagerungen reichen im Kreidenbach-Tal bis in
11.00 m Höhe.
Die Kreidelager im Kranzbach- und Kreidenbach-Tal sind seit alters
bekannt. GÜMBEL (1861, S. 886) erwähnt aus diesem Gebiet sieben Brüche.
Die Kreiden kamen früher als ,,Kranzberger Kreide” in den Handel und
fanden vor allem als ,,Tüncherkreide“ Verwendung (siehe auch S. 72).
(c) Beim Kreidewerk Kaltenbrunn sind die im Abbau
befindlichen Schotter und Seekreiden besonders gut aufgeschlossen.
Das Liegende bildet unverfestigtes und völlig unsortiertes Material
mit groben Gesteinsblöcken, darunter reichlich Raibler Sandsteine, die
nach den geologischen Verhältnissen in der nächsten Umgebung die Unter-
lagerung dieser spätglazialen Ablagerungen bilden. Die aus den Moränen
ausgewaschenen Komponenten sind wenig transportiert. Sie bestehen vor
allem aus Wettersteinkalk, Raibler Kalk, Hauptdolomit und bunten Jura-
kalken. Untergeordnet ist zentralalpines Material Io).
Die überlagernden und partienweise verfestigten, ca. 20 m mächtigen
S c h o t t e r (Abb. 12) besitzen geringere Korngrößen, sind weitaus besser
sortiert und gut gerundet. Deutlich ist der Gehalt an kristallinen Ge-
röllen. Feinsandige bis feinkiesige Lagen zeigen Schrägschichtungsblätter
mit variierender Schüttungsrichtung (bevorzugt 5-10° nach NE und N).
Den obergang aus den Schottern zu dem eigentlichen Kreidelager
vermittelt ein ca. 1 m mächtiger Horizont aus dunkelgrauen Seekreiden
und kiesigen Zwischenlagen.
Im Bereich des Abbaubetriebes können zwei Seekreidetypen unter-
schieden werden. Im unteren Teil des Bruches tritt eine vorwiegend
g r a u e S e e k r e i d e mit deutlicher Bänderung auf. Uber der bläulich-

l”) Die Beobachtungen im liegenden Teil des Bruches wurden bei einem Besuch
der Kreidebrüche im Jahre 1959 gemacht. Der betreffende Aufschluß westlich des
Bürogebäudes ist heute verfüllt.
5 65
Abb. 12. Späq$azinlc, vcrfcstigtc
Schotter im Licgcndcn der Kaltcnbrunncr Sec-
I<reidcablagcrungell.
Krcidc-, Kies- und Sandwerk E. Goldmann, Knltcnbrunn bei Garmisch.

grauen Kreide im mittleren Bruchabschnitt folgt eine meist reinere h e ll-


g e 1 b e S c e k r c i d e, die den gesamten oberen Teil des Bruches ein-
nimmt. Die Unterschiede werden auch in der chemischen Zusammcn-
Setzung deutlich (s. u.).
Bemerkenswert sind die vorzugsweise im unteren Bruchabschnitt
auftretenden, geringmächtigen Geröllagen (l-3 cm) und seitlich rasch
auskeilendc Kieslinsen (Abb. 13), die auf kurzzeitig wechselnde Ablage-
rungsbedingungen hinweisen. Dagegen dürften die nicht selten in den
schluffigen Seekreiden isoliert auftretenden Gerölle (bis einige cm c$,
Abb. 14) aus triftenden Eisschollen ausgeschmolzen worden sein. Weitere
Besonderheiten sind Setzungsrisse und Warvcnschichtung. Es bleibt offen,
ob letztere durch jahreszeitlichen Rhythmus oder nur durch episodischc
Regenfälle mit erhöhter Einschwemmung von Tontrübe bedingt ist.
Abb. 13. I<rcidcbruch dcs I<rcidcwcrkcs KnlUxbrunn.
SpLitglaziale, graue Scclucidcn, dcutlicl~ gcbändert, mit cincr seitlich rasch aus-
kcilcnden Kicslinsc und cincm wciterrn Ccröllhorizont knapp oberhalb der I<ruch-
SOlllC.

ßezeichnung, Zusammensetzung und Verwendbar-


keit der Seekreiden
Für die karbonatischen, schluffigen Seeabsätze und Staubeckensedi-
mente in den Alpen und im Alpenvorland hat sich die Bezeichnung
,,S e c k r e i d e“ eingebürgert, obwohl es sich nicht um Kreide im geo-
logischen Sinne handelt, die sich aus Schalenresten mariner Kleinlcbe-
Wesen gebildet hat, wie z.B. die Rügcncr Kreide oder die Champagne-
Kreide.
Nach der Korngrößenzusammensetzung handelt ES sich bei den Sce-
Irreiden um Schluffe mit wechselndem Sand- und Tongehalt (s. Tab. 2).
Nach dem Karbonatgehalt könnten die Seeabsätze nach SAUIX (1938,
S. 307 f.) auch als ,,dolomitische Mergel“ bezeichnet werden.

67
Abb. 14. Spitglazialc Seekreiden im Bruch des Kreidewerkes Kaltcnbrunn.
Gr~uc Scckrcidcn mit Warvenschichtung und cinzclncn großen Geröllen (vcrmut-
lieh ;ILIS Eisschollen nusgcschmolzen). Durchmesser der beiden großen Gerölle
8-10 cm.

Nach DIN 1280 (1942) sind Ablagerungen von kohlensaurem Kalk eis-
zeitlicher Abriebe (sog. Gletschermilch) als B e r g k r e i d e zu benennen.
Sie kann nach dem Vorkommen des Rohstoffes durch Angabe der Land-
schaft und des Ortes näher bezeichnet werden (z. B. Kaltenbrunner Berg-
kreide).

Die Handelsware besteht aus CaCO, und enthält wesentliche Mengen


kohlensaurer Magnesia (MgCO,) und wenig Ton (Al,O,). Sie kommt ent-
weder ungemahlen als in Brocken getrocknete Kreide (sog. Brocken- oder
Stampfkreide) oder als durch Schlämmen, Mahlen, Sichten, etc. gefeinte
Kreide in den Handel.

Die im folgenden angegebenen chemischen Analysenwerte und die


Angaben über die Verwendbarkeit der Seekreiden entstammen den Be-

68
triebsakten der Firma E. GOLDMANN, Kreide-, Kies- und Sandwerk, Kal-
tenbrunn bei Garmisch ll).
Eine mineralogische Untersuchung der grauen Seekreide von Kalten-
brunn hat Herr Dr. M. [Link], Bayerisches Geologisches Landesamt
München, durchgeführt. Den Bitumengehalt von zwei Kreideproben aus
Kaltenbrunn hat Herr Dr. A. WILD, Bayerisches Geologisches Landesamt
München, bestimmt.
Die Angaben über die Korngrößenzusammensetzung der Seekreiden
von Kaltenbrunn, Kranzbach und vom Isartal sind nach den von SAUER
(1938, S. 339, 340, 342) veröffentlichten Tabellen zusammengestellt (siehe
Tab. 2, S. 72).
In dem im Abbau befindlichen Kaltenbrunner Kreidebruch kann ein
g r a u e r Seekreidetyp im unteren Bruchabschnitt von einem g e 1 b e n
Typ im oberen Teil des Bruches unterschieden werden. Beide Seekreide-
typen zeigen eine etwas voneinander abweichende chemische Zusammen-
setzung:

0 b e r FLr B r u c h : Hellgelbe Kreide


CaCO:, 69-71 “in ‘-)
WSO:, 9-14 o/o
Fe,O,, 2- 2,5 010

7J n t c r e r B r u c h : Graue Kreide
caco, 60-71 “/o (durchschnittlich 62-64 “‘11)
MgCO,, 3-15 o/u
Fe,O,, 2- 7 ‘Ill
Während der obere Bruchbereich eine verhältnismäßig einheitliche
Zusammensetzung aufweist, nimmt gegen den unteren Bruchabschnitt
der Kalkgehalt etwas ab und der Eisengehalt zu.
Eine Durchschnittsbruchuntersuchung Ia) hat folgende Analysenwerte
ergeben:

11) Für die Erlaubnis zur Einsichtnahme der Akten und für die Freigabe der
Analyscnwcrtc zur Veröffentlichung sei Herrn Goldmann, München, auch an
dieser Stelle bcstcns gedankt.
12) Analyscnwertc ~011 Dr. F. ENGELHARD'T, Schcidegg.
‘:‘) Durchgeführt von der Forschungsstelle für Elcktronentnikroskopie an der
Tcchnischcn Hochschule Graz.

69
Durchschnittswerte Schwankungsbereich ld)
~~
Glühverlust 35,8 O/n
SiOv 13,0 8,4-19,O “io
Al,O, 22 1,3- 7,l
Fc20,, 3,8 0,6- 7,0
Ca0 38,0 31,8-40,O
Mg0 533 2,2- 9,6
Alkali 2,o max. 6,0

caco:, 68,2 010 56,8-71,s “io


MgCO:, 11,5 “Ill 4 , 6-19 >5 “is

Im nachstehenden Abschnitt ist ein Beitrag von Dr. M. SALGBK, Mün-


chen, zur Mineralogie der grauen Seekreiden von Kalten-
brunn wiedergegeben.
Die Korngröße dcs Karbonatanteils liegt unter 10 {(. Der Säurerück-
stand beträgt 21,3 D/u.

Aufgliederung des Rückstandes:


< 0,l !( 0 7 “Ill
<2P 12’0 “Yo
2- 6/< 3:7 “io
6- 20 ,” 3 2 ‘Vo
20- 60 /c 1:7 (‘/‘IJ
60-100 /L < 0,l O/a
100-200 ,/J < 0,l “;‘ll
Summe 21,3 “:II

Mineralbestand des Salzsäurerückstandes:


Glimmer Hoch licht-
QLIUZ Iatspnt + Chlorit brcch. Min. Opnk Org.

<O,l// - - 03 - - 0,l nicht best.


< 2p spuren 12,0 nicht best.
2- 6,~ 193 037 1,6 021
6-20 ,” 198 027 036 41
20-60 jt 1S 02 w 0,1 O,l O,l
Die Tonfraktion < 2 p wurde durch Zentrifugieren in 8 Fraktionen
unterteilt. Sie besteht aus einem dioktaedrischen Illit und Chlorit. Beim
Illit sind in den gröberen Fraktionen noch die Mehrzahl der für die 2 M-

“) Nach clvanischcn Analysenwcrtcn von Dr. 1:. ENGI:[Link], Schcidc~g und


I)r. L. BÖHM, München.
(In: Bctricbsnktcn der Firma E. Goldmann. Knltenbrunn.)

70
Modifikation charakteristischen Linien zu erkennen. Auch die feinste
Fraktion zeigt noch zwei schwache Linien der 2 M-Modifikation.
Auffallend ist bei ihr aber das fast vollständige Verschwinden der
Basisinterferenzen. Die Mengenverhältnisse von Chlorit und Glimmer
können nicht bestimmt werden, da keine Komponente rein auftritt und
der Chlorit sich ändert. Innerhalb der Tonfraktion werden aber zwei
Tendenzen sichtbar:
1. Mit abnehmender Korngröße nimmt der Glimmer gegenüber dem
Chlorit zu.
2. Im gleichen Sinn nimmt das Verhältnis Fe : Mg im Chlorit ab.
Parallel mit der Abnahme des Fe im Chlorit geht die Zunahme von
freiem Eisenhydroxyd. In der feinsten Fraktion beträgt es etwa 20 O/u
F,O,.
Organische Substanz: Die organische Substanz tritt ver-
einzelt in den mikroskopischen Fraktionen in Form von stark verbraun-
ten Zellverbänden auf. In den Tonfraktionen nimmt ihr Anteil gleich-
zeitig mit dem der freien Eisenhydroxyde mit Feinerwerden der Fraktion
zu, erkennbar an dem Dunklerwerden der Präparate. Es dürfte sich da-
bei um unlöslich gewordene Huminstoffe handeln, denn kochende, kon-
zentrierte Natronlauge wird kaum gefärbt. Die kolloidale organische
Substanz dürfte auch für die ungewöhnlich starke Dispergierung des
Tones verantwortlich sein.
Z u r G en e s c : Die Abnahme des Chloritgehaltes mit abnehmender
Korngröße der Tonfraktion spricht gegen eine Entstehung nach der Ab-
lagerung des Sediments. Der Nachweis der 2 M-Modifikation beim Illit
sagt für den Illit dasselbe aus. Es handelt sich bei den Tonkomponenten
um detritäres Material, das in einem von Huminstoi’fen getrübten Raum
abgelagert wurde. Das vereinzelte Auftreten von Pyrit weist auf schwach
reduzierendes Milieu hin.
Die Bestimmung des B i t u m e n - Gehaltes in der grauen und in der
gelben Kaltenbrunner Seekreide (je 1 Probe) erbrachte keine Unterschiede
bei insgesamt geringem Bitumengehalt. Dr. A. WILD, München, extrahierte
das feingemahlene Probegut im Soxhlet 12 Stunden lang mit einem
Benzol-Äthanol-Gemisch (SO : 10). Für beide Seekreidetypen ergaben sich
Bitumengehalte von 0,02 “io.
Die dunklere Färbung des grauen Kreidetyps beruht auf einem höhc-
ren Tonanteil (vgl. Tab. 2), auf dem Gehalt an Huminstoffen sowie auf
einem etwas höheren Mangangehalt. Die grauen Seekreiden besitzen
U,O4 “/o Mn, die gelben Kreiden enthalten 0,03 O/o15).

15) Die Mangnn-Gchaltc wurden von der Untersuchung,anstal~ Weihcnstephal


bestimmt (in: l~ctricbsakten der Firma E. Goldmann, Kaltcnbrunn).

71
Tabelle 2. Korngrößenzusammensetzung einiger Seekreiden
in der Umgebung von Mittenwald (nach E. SAUER 1938)
Kreidewerk Kranzbach-
Kaltenbrunn Tal Isartal
dunkcl-
gM”C bl<ILK gelhe Krcide- HUW- Kreidrwerk
h<m~rol;en Krcidc Krcidc Kreide #ruhe miihle K. I%ögle Irarhoro
c in i<~) 01” “in % % / % % ‘Io

> 100 2,5 094 083


50-100 2,4 037 13 5,2 24,3
20- 50 74 737 3,6 14’9 IO,9 17,6 27,8
10- 20 12,o 16,4 18,6 15:6 26,4 23,8 14,8
5- 10 16,4 19,0 20,o 19,6 20,8 20,6 93
2- 5 17,8 20,o 20,2 13,6 14,8 14,4 W’
l- 2 10,4 11,6 11,o 9,2 890 68 494
0.5- 1 934 82 93 526 W 424 23
< 0,5 20,2 12,6 10,6 7,2~~ 4,2 2,8 VJ
~~ ..~----
98,l 96,2- 93,8 95,5 90,l 95,6 93,9
Seit alters werden Seekreiden in der Umgebung von Mittenwald ab-
gebaut, früher in weit stärkerem Maße als dies heute der Fall ist. Vor
allem im vorigen Jahrhundert war eine Vielzahl von Kreidebrüchen in
Betrieb. Die Kreide wurde hauptsächlich zum Wcilltünchen (,,Tünchcr-
kreide“), als Düngemittel und auch für Hcilzweckc (,,Heilerde”), später
v. a. zur Herstellung von Kitt verwendet. Der Absatzmarkt umfaßte nicht
nur den bayerischen Raum, sondern reichte bis in die Balkanländer. Die
Kreide wurde in Fässern verpackt, auf der Isar auf Flößen verfrachtet
und auf der Donau weiter verschifft.
Nach den beiden Weltkriegen kam es zu erheblichen Absatzschwierig-
keiten. Nachdem die Kreidebrüche im Kranzbach-Tal schon seit länger
Zeit aufgelassen sind, hat nach dem letzten Krieg auch das Kreidewerk
im Isartal den Abbau eingestellt. Lediglich das Kreidewerk Kaltenbrunn,
seit über 350 Jahren in Betrieb, hat die Krisen überdauert.
Heute haben die Seekreiden (nach DIN 1280: Bergkreiden) eine viel-
seitige Verwendung:
Die feingemahlene, graue und gelbe ,,Kaltenbrunner Bergkreide“, die
unter der Bezeichnung ,,Standardmahlurig” in den Handel kommt, flndet
vor allem bei der Herstellung von Kitt Verwendung. Als Rohstoff in der
chemisch-technischen Industrie wird die Bergkreide für Farben (,,Maler-
kreide“), Lacke, Linoleum, etc. verwendet. In der Baustoffindustrie wer-
den daraus u. a. Leichtbauplatten hergestellt. Mit Portlandzement ver-
mischt (60 : 40) hat die kieselsäurehaltige, graue Seekreide ähnliche Eigen-
schaften wie der Romanzement. Die besonders feine, graue Supermah-
lung“ kann mit geeigneten Zusätzen zu Kunststoffen, Preßartikeln, Folien,
etc. verarbeitet werden, Unbegrenzt ist die Verwendung der feingemah-
lenen Kreide als Füllstoff.

72
Buckelwiesen
Im Raum Mittenwald, Klais und Krün, in der rund 100 m über dem
Isarbett gelegenen, von langgezogenen Drumlins beherrschten Weitung,
geben die Mittenwalder Mähder mit ihren zahlreichen und auffälligen,
buckligen Oberflächenformen dem Landschaftsbild ein eigenes Gepräge
(Abb. 15). Es ist das bekannteste und am häuiigsten beschriebene Buckel-
wiesengebiet in den deutschen Alpen. Doch sind die Buckelwiesen auch
in den übrigen Nördlichen Kalkalpen und im Alpenvorland weiter vcr-
breitet als häufig angenommen wird. Lediglich in den Hochlagen und auf
den jungen Schotterablagerungen fehlen sie.
In der weiteren Umgebung von Mittenwald sind Buckelwicscn auf
dem verschiedensten geologischen Substrat bekannt, auf MorBnen, Schot-
terfluren und Karbonatgesteinen ebenso wie auf Schiefertonen. Die Buckel
und Mulden bilden ein Kleinrelief, die relativen Hijhenunterschiede bc-
tragen 50-100 cm, maximal wurden 150 cm beobachtet. Die Vorkommen

Abb. 15. ßuckclwicscnlatldschaR nördlich Mittenwnld, im Hintergrund das


Krottenkopf-Gebiet.
I~u&clwic:cn in t~rsprün~lichcm Zustand ncbcn cingecbnctcn Mlhdcrflächen.
beschränken sich nicht auf bestimmte Oberflächenformen, sie sind in
ebenem Gelände ebenso häufig wie in Hanglagen.
Uber die Vorgänge, die zur Bildung von Buckeln und Mulden führen,
wie auch über die Bildungszeit bestehen die gegensätzlichsten Ansichten.

73
Gerade in den letzten Jahrzehnten wurde die Entstehung der Buckel-
wiesen heftig diskutiert. Die verschiedenen Auffassungen der einzelnen
Forscher können im wesentlichen in zwei Gruppen eingeteilt werden:
1. Die meisten Erklärungsversuche bringen die Bildung der Buckel-
wiesen in direkten Zusammenhang mit der Eiszeit. Sie besagen, daß ihre
Entstehung nur in periglazialem Bereich möglich war.

EIIERL (1930) deutet die unruhigen Reliefformen als ,,glazialen Wild-


boden<‘, eine Kessel- und Kameslandschaft im kleinen.
KNAUIX (1943) betrachtet die Buckelwiesen als fossile Bildungen, die
während der Eiszeit oder beim Rückzug der Gletscher als eine ..besondere
Art der Ablagerung von Grundmoränenmaterial<’ gebildet worden sind.
Die Buckel sind gleich Kameshügel dem Gelände aufgesetzt.
LUTZ (in: LUTZ u. PAUL, 1947) beschreibt sie als klimatisch bedingte
Bodenbildung unter dem Einfluß periglazialen Klimas während der
letzten Rückzugsstadien. Als primäre Ursache der Buckelbildung werden
Netzrisse in einem Dauerfrostboden angenommen, in denen durch Rege-
lationsvorgänge (Auftauen und Wiedergefrieren der oberen Schicht) Eis-
keile entstanden sind. Durch ihre seitliche Ausdehnung verursachten die
Frostkeile Hebungen, nach ihrem Ausschmelzen wurden die Spalten mit
Verwitterungsmaterial verfüllt.
PRIBHÄUSER (1957) hält die Buckelwiesen für Abschmelzformen einer
Firneisdecke der Jüngeren Tundrenzeit. Die Buckel und Mulden sind ein
getreues Spiegelbild der Eishohlformen und Eisrestkörper.
ScHöNnAxs (1957) macht frostmechanische Vorgänge während der Spät-
eiszeit für die Buckelbildung verantwortlich. Die auflagernden Böden
sind nicht an Ort und Stelle durch Verwitterung entstanden, sondern
aus einer Deckschicht, die durch den Wind aus den Ablagerungen des
Inn und seiner Zuflüsse angeweht wurde.

11. Gegen die Auffassung, daß es sich bei den Mittenwalder Buckel-
wiesen um fossile Bildungen handelt, wenden sich A. PENCK und vor
allem E. EBIXS. Als Ursache ihrer Entstehung wird eine bis rezent an-
dauernde Lösungsverwitterung angenommen, die besonders auf kalk-
schlammreicher Grundmoräne und auf karbonatischen Gesteinen wirk-
sam ist.

PENCK (1941): Die Buckel sind Aufragungen von festem Gestein oder
unverwitterter Grundmoräne. In den Vertiefungen dazwischen sitzen mit
gelbem Lehm verfüllte Verwitterungssäcke.
EBERS (1957, 1959): Bei den karbonatreichen Sedimenten ist eine Art
Verkarstung wirksam, die örtlich mit großen Substanzverlusten ver-
bunden ist.
MÜLLLR (1959) betrachtet die Buckelwiesen in der Pokljuka (Julische
Alpen), die dort stellenweise in Dolinenfelder übergehen, als rezente
Bildungen. Eine den Vorgang der Buckelbildung einleitende Funktion
wird der dortigen Waldvegetation beigemessen. Die Bäume stehen fast
ausschließlich auf Buckeln. Ihre Wurzeln und der einen jeden Baum
umgebende Rohhumus verhindern ein rasches Versickern der Nieder-

74
Schläge. Überschüssiges Wasser wird mit Humussäuren an die Umgebung
abgegeben und bewirkt einen langsamen und gleichmäßigen Lösungs-
vorgang.
STINI (194011941) bezeichnet die Buckelwiesen als eine aus einer Wald-
zeit ererbte Form, die den Windwürfen ihre Entstehung verdankt.
Um das Phänomen der Buckelbildung näher beleuchten zu können
sind nachstehend die Bodenbildungen der Buckelwiesen auf verschie-
denem geologischen Substrat kurz beschrieben (vgl. S. 131/132). Auf Grund
der Bodenentwicklung sind daran anschließend die Vorgänge diskutiert,
die zur Entstehung der Buckelwiesen geführt haben,
(1) In dem großflächigen Buckelwiesengebiet nördlich Mittenwald
treten über G r un dmo r än c auf engstem Raum zwei verschiedene
Bodentypen auf:
(a) Mullartige Rendzinen und Mullrcndzinen (z.T. verbraunt) mit
geringer Entwicklungstiefe aus bräunlichgrauem, steinigen, feinsandigen,
schlufflgen Lehm,
(b) Braunerden aus gelbbraunem und braunem, sandigen, schluffigen
Lehm, in Zapfen und Spalten in größerer Mächtigkeit.
Die Rendzinen haben sich vor allem aus dem kalkschlammreichen
Grundmoränenmaterial, das nur vereinzelt zentralalpine Geschi#ebe auf-
weist, entwickelt. Dagegen können die Braunerden nach den darin häufi-
gen kristallinen Restgesthieben und dem fast völligen Fehlen karbona-
tischer Komponenten nicht durch Verwitterung des nnterlagernden Sub-
strates entstanden sein. Es handelt sich vielmehr um eine Bodenbildung
aus kristallinreichem Moränenmaterial, das beim Rückgang der Gletscher
im Spätglazial abgelagert worden ist, und wie CS heute in den glazial
ausgeschürften Wannen im Kranzberggebiet in stark verwittertem Zu-
stand anzutreffen ist. Dort fehlt Grundmoränenmaterial i. e. S.
Die Entstehungszeit der Böden vom Typ Braunerde war eine Warm-
zeit im Spätglazial, vermutlich das Alleröd. Die Bodenentwicklung wurde
durch eine Klimaverschlechterung in der Jüngeren Tundrenzeit unter-
brochen. In dieser Zeit, in der die Lokalgletscher vorstießen, konnten
sich in periglazialem Bereich in Dauerfrostböden Frostrisse und Eiskeile
bilden, welche durch Hebungsvorgänge die Buckelbildung verursachten
(vgl. LUTZ 1947, S. 107 ff.). Nach dem allmählichen Ausschmelzen der
Frostbildungen wurden die Zapfen mit Braunlehm verfüllt, wobei Ver-
witterungsmaterial von den Buckeln abgetragen und in den Hohlformen
abgesetzt worden ist (Abb. 16). Während und nach diesen Umlagerungen
waren noch wiederholt frostdynamische Vorgänge wirksam, Kryotur-
bationen haben die Füllung der Taschen und Mulden vielfach verwürgt.
Zudem gibt es Hinweise für SoliAuktion. In schwach geneigtem Gelände
befinden sich die Spalten und Zapfen nicht mehr in der ursprünglichen
Lage, sondern sie sitzen schief und dem Hang zugewendet im Unter-

75
grund und sind stellenweise von hangabwärts bewegtem Schuttmaterial
überdeckt. Derartiges Bodenfließen von stark durchnäßtem Material in
der Auftauzone ist bereits bei sehr geringer Hangneigung möglich.
Die Entwicklung der Rendzinen aus dem Grundmoränenmaterial
konnte erst nach der Umlagerung und teilweisem Abtrag der älteren
Rodenbildung einsetzen und ist etwa seit dem Postglazial im Gange.
(2) In karbonatischem Gestein, insbesondere im klüftigen Haupt -
d o 1 o m i t , sitzen die Eiskeilspalten + senkrecht im Untergrund (Abb. 16).
In dem buckligen Kleinrelief bezeichnen die Mulden häufig nicht die
Lage von Zapfen. Die mit Braunerde verfüllten Spalten sind ebenso
häufig unter Buckeln anzutreffen, vor allem in bewaldeten Gebieten.
Bereits ScHöNHAIs (1957, S. 327) weist darauf hin, daß dort die Klcin-
formen der heutigen Oberfläche von der Pflanzendecke bestimmt werden.
Die Bäume und Wurzelstöcke stehen in Waldflächen vorzugsweise auf

Abb. 16. Eiskeilzapfen in Hnuptdolomicgrus; frischer Weganschnitt NE Ferchcn-


sec. Der fast 1 m tiefe Zayfcn ist mit ;ilterem Uodcnmaterlal (umgclagcrtc Urnun-
erde) verfüllt: B,.l: gelblichbrauncr, humushaltiger, sandiger, schluffiger Lehm;
R : dunkelbrauner, sehr stark humushaltiger, schwach sandiger, schluffiger Lehm.
D?r Oberboden, eine Rcndzina aus dolomitischcm Solifluktionsmatcrial (vgl. Bodcn-
Profil Nr. 21, S. 132) ist an dieser Stelle künstlicl~ abgetragen.

Buckeln, deren Ausbildung durch eine dezimetermächtige Rohhumus-


auflage noch verstärkt erscheint. Stocken die Bäume mit ihrem mächtigen
Rohhumuspolster über Zapfen und Spalten, so ist das Primärrelief um-

76
gekehrt worden. Auf nicht bewaldeten Flächen ist das ursprüngliche
Relief meist gewahrt.
Die Verfüllung der Zapfen (vgl. Abb. 16) bildet ein meist schluffiger
Lehm mit reichlich zentralalpinen Restgeschicben. Stellenweise findet
sich in feinsandig-schluffigem Lehm ein grauer Horizont, den LUTZ (1947,
S. 104, Fig. 2) und ScnöNnAi.s (1957, S. 318) als Podsolierungszone deuten.
Im unteren Teil der Zapfen weist der schluffige Lehm neben einem
geringen Mangangehalt einen äußerst hohen Humusgehalt auf (vgl. Ana-
lyscn zu Bodenprofil Nr. 21. S. 132).
(3) Buckclwicsen treten nicht nur auf karbonatreichem Substrat auf.
Ebenso häufig finden sie sich auf Schi cf ert onen der Partrrach-
schichten und der Raibler Schichten. Die Tiefe der Verwitterungsschicht
- Braunerden mit Ubergängen zu Pseudogley - zeigt keinen gesetz-
mäßigen Zusammenhang zu den Buckel- und Muldenformen. Ob CS sich
dabei um das Primärrelief handelt, ist nicht geklärt. Kryoturbate Vor-
gänge, Bodenfließen und Hangrutschurigen dürften das ursprüngliche
System der Frostrisse verwischt haben.
(4) Buckliges Kleinrelief zeigen außerdem die spätglazialen Sch ot -
t er t e r r a s s c n bei Elmau und Kranzbach sowie in geringerem Maße
die ältesten Terrassen im Isartal. Auf den jüngsten Schotterfluren wurden
keine Buckel beobachtet.
Auf den kleinräumigen Wechsel der Pflanzengesellschaften, der durch
die rasch wechselnden Bodentypen bedingt ist, weisen LUTZ & PAUI. (1947)
hin.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die LUTZ%&! Erklärung,
wonach die Buckelwiesen durch Eiskeile in Verbindung mit Frost-
hebungen unter dem Einfluß postglazialen Klimas entstanden sind, sich
mit den geologischen und bodenkundlichen Verhältnissen vereinbaren
läßt. Auch die Auffassung von ScnöNnAi.s, soweit sie die frostmechani-
schen Vorgänge betrifft, steht damit im Einklang. Seiner Deutung der
Bodenentwicklung aus einer äolischen Deckschicht kann jedoch nicht zu-
gestimmt werden.
Eine Beteiligung von Lösungsvorgängen bei der Buckelbildung im
Sinne Mü[Link] ist - mit Vorbehalt - nur auf bewaldeten Flächen mit
karbonatischem Untergrund denkbar. Gegen die Verkarstungstheoric
(PLNCK, EBERS) spricht vor allem das Auftreten von Buckelwiesen auf
sandigem und tonigem Substrat.

2. Holozän
Das Holozän oder Postglazial umfaßt etwa die letzten 10000 Jahre
der Erdgeschichte.
Während sich das Ferneis bereits im Spätglazial in zentrale Alpen-
bereiche zurückgezogen hat, sind im frühen Holozän die postglazialen

77
Lokalgletscher schrittweise, mit mehreren Haltephasen, in die höheren
Gebirgslagen zurückgegangen. In der Folgezeit liegt der Schwerpunkt
der Landschaftsformung in der Talentwicklung. Die meisten Täler sind
schon frühzeitig durch tektonische Vorgänge vorwiegend im Jungtertiär
und im Altquartär vorgezeichnet und durch die Schurfkraft des Gletscher-
eises und die Erosionskraft des fließenden Wassers in den verschiedenen
Eis- und Zwischeneiszeiten weiter geformt worden. Im Zusammenspiel
dieser Kräfte hat sich das Isar-Tal gebildet, In postglazialer Zeit hat
hier die Isar mehrmals aufgeschottert und sich wiederholt in die S c h o 1 -
t e r a b 1 a g e r u n g e n eingeschnitten, Am ,,Isarhorn” und nördlich da-
von gegen den Isar-Stausee bei Krün können fünf verschiedene T cr -
r a s s en untergliedert werden, mit von der jüngsten Terrasse (T,) zur
ältesten, höchstgelegenen Terrasse (T,) fortgeschrittenen Stadien der
Bodenentwicklung (s. S. 134 f.).
Im Leutasch-Tal haben sich im Postglazial Seekreiden (S.U.) gebildet,
die noch von Schotterablagerungen überdeckt sind. Dort lassen sich zwei
Schotterterrassen nach ihrer Höhenlage unterscheiden. Postglaziale, ter-
rassierte Schotter bilden ferner im Drüsscl-Graben bei Elmau und im
Kankerbach-Tal bei Kaltenbrunn flächenhafte Ablagerungen.
Zu den jüngsten Ablagerungen gehören die zahlreichen Bach -
Schuttkegel, von denen die größten ins Isartal münden. Am linken
Isarufcr ist es der große Schwemmkcgel des Lain-Baches, der sich im
Ortsbereich von Mittenwald auf postglazialen Isarschottern ausbreitet.
Rechts der Isar sind es u. a. die Schuttkegel des Sulzleklamm- und Rain-
Baches und des Marmor-Grabens.
B 1 o c k s c h u t t - Material findet sich vorzugsweise unter den Wän-
den im Karwcndel- und Wetterstcingebirgc. Der Bergsturz von
Lochlehen im Leutasch-Tal ist nach den geologischen Verhältnissen nach
dem endgültigen Rückzug des Ferneises und vor dem letzten Vorstoß der
Lokalgletscher im Spätglazial bzw. frühen Postglazial erfolgt.
Am Fuß der Felswände im Wetterstein- und Karwcndclgebirge bildet
11 a n g s c h u t t - Material vor allem aus Wettersteinkalk und Muschel-
kalk stellenweise riesige und steile Schuttfächer. Im Kranzberg-Gebiet
ist der Hauptdolomit Schuttbildner. Im Soiern-Gebiet liefern Haupt-
dolomit und Plattenkalk das Material der gewaltigen Schuttreißen.
Lehmiger V e r w i t t e r u n g s s c h u t t bildet sich hauptsächlich aus
tonig-sandigem Substrat, In Hanglagen kommt es bei starker Durch-
icuchtung zur Bildung von Muren und Hangrutschurigen.
Po s t g 1 a z i a 1 e See t o n e sind im Flußbett der Leutascher Ache
zwischen Lochlehen und Unterleutasch an mehreren Stellen als graue
Seekreiden aufgeschlossen. Sie sind von jüngeren Schottern flächenhaft
überdeckt. SCHNLXDER (1953 c, S. 247 ff. Abb. 5) erwähnt weitere Aufschlüsse
in Baugruben u. ä. mit über 1 m mächtigen Seekreiden (ohne Liegend-

73
grenze) bei einer Schotterüberdeckung von ca. 1,5 m. Nach der Beschrei-
bung SCHNEIDERS enthalten die höheren Seekreidelagen Holzstücke, Blatt-
reste und kleine Schnecken. Prof. Dr. K. MÄGDEIXAU bestimmte die Holz-
reste als Quercus sp. und Picea sp. Die Blattreste stammen v. a. von Salix
sp. und Ulmus sp.
Frau Dr. E. HOI-I~;NSTATTLZ bestimmte aus diesem höheren Krcide-
horizont den Polleninhalt, der insgesamt als gering zu bezeichnen ist. Im
Pollenspektrum sind Tannenpollen vorherrschend. Daneben erscheinen
Ulme und Linde. Zusammen mit den Holzresten von Eiche und Fichte
kann eine Waldvegetation vom ,,Eichenmischwald“-Typus abgeleitet
werden.

Pollcninhalt (in etwa 400 cm’ Präparatfläche)


Pinus sp. 24 Pollen = 40 “/II
Pinus cf. cembra 13 21
Abies sp. 14 22
cf. Betula 3 5
cf. Larix 2 3
Picea Sp. 1 (Rest)
cf. Ulmus 3 5
Tilia sp. 1 (Rest)
Ferner sind Gramineen, Algen und Protozoen nachgewiesen.

Hinsichtlich der Schneckenfauna wird auf die ausführliche Faunen-


liste bei SCHNI!IDIX (1953 c, S. 252) verwiesen, Es handelt sich um 22 Land-
schneckenarten, die in die Seeabsätze eingeschwemmt worden sind. Die
bestimmten Arten sind in den Nördlichen Kalkalpen noch rezent.
Die tieferen Seekreidelagen sind stärker sandig. Sie enthalten gleich-
falls Schnecken. Jedoch sind keine Pollen nachgewiesen.
Altersmäßig sind die Seekreiden im Leutasch-Tal dem Postglazial,
und zwar nach dem Auftreten der Tanne und vor der Ausbreitung der
Rotbuche dem späten Atlantikum bzw. etwa der Wende AtlantikumiSub-
boreal zuzuordnen (SCHNEII>ER 1953 c, S. 254).

79
Die Moorvorkommen auf Blatt Mittenwald der Karte ,l : 25 000
([Link] VIDAL & ERIKA HOHENSTATTEI~ IO))

Im Rahmen der geologischen Bearbeitung des Kartenblattes 8533!8633


(Mittenwald) der Geologischen Karte von Bayern 1 : 25 000 durch H. JICRZ
(1964) und R. [Link] (1959, 1960) wurden die Moorvorkommen durch die
Abteilung ,,Moorkunde und Torfwirtschaft“ der Bayerischen Landesanstalt
für Bodenkultur, Pflanzenbau und Pflanzenschutz kartiert und z.T. auch
durch Bohrungen genauer untersucht. Die Aufnahmen erfolgten im Som-
mer und Herbst 1965. Wegen der geringen Ausdehnung der Moorvor-
kommen und ihrer geringen wirtschaftlichen Bedeutung sowie der un-
mittelbar bevorstehenden Drucklegung der zu diesem Kartenblatt ge-
hörenden Erläuterungen wurden nur an einem Moorvorkommen unge-
störte Bodenproben entnommen und bodenphysikalisch im Laboratorium
untersucht. Nur von den größeren Mooren wurden Lagepläne und geo-
logische Profile gezeichnet, die fünfzigfach überhöht sind, um die strati-
graphischen Verhältnisse besser darstellen zu können. Zu ihrer Erschlie-
ßung wurden mittels Kammerbohrer von 50 zu 50 cm Tiefe gestörte
Bodenproben entnommen und diese im Gelände visuell petrographisch
und botanisch angesprochen. Die hier beschriebenen Profile wurden im
i,aboratorium mikrobotanisch genauer untersucht. Die Bohrungen wurden
fast alle auf Profillinien angesetzt, die Bohransatzpunkte nach Lage und
Höhe eingemessen. Dabei wurde aus Gründen der Zeitersparnis auf einen
Anschluß an das Landesnivellement verzichtet. Die Bohrarbeiten sowie
die Entwürfe der Profile und Lagepläne haben die Herren KARGLSEDER
und LAFORCE, die Vermessungsarbeiten sowie die Reinzeichnung der Letzt-
genannte ausgeführt. Unseren Mitarbeitern sei auch an dieser Stelle
für ihre wertvolle Hilfe bestens gedankt.
Da es sich bei Blatt Mittenwald um ein ausgesprochenes Hochgebirgs-
blatt handelt, ist die Verbreitung der Moore entsprechend gering. Es
wurden nur wenige und relativ kleine, wirtschaftlich völlig unbedeu-
tende, floristisch aber interessante Vorkommen festgestellt, die sich im
wesentlichen auf die Randgebiete der größeren Seen erstrecken und
Hohlformen des glazial stark überprägten Geländes nördlich und west-
lich von Mittenwald ausfüllen. Gelegentlich kam es auch in Mulden
und sogar an Hängen im Bereich der stark wasserstauenden Partnach-
Mergel und undurchlässiger Grundmoränenablagerungen zur Ausbildung
kleiner Moore. Weit verbreitet sind hier die durch ihre Vegetation auf-

Io) Anschriften der Verfasser: Präsident Dr. HELMUT VIDAL, Dipl.-Geologe, Baye-
risches Geologisches Landesamt, 8 München 22, Prinzregentenstr. 28; Dr. ERIKA
HOHENSTATTER, Botanikerin, Bayerische Landesanstalt für Bodenkultur, Pflanzen-
bau und Pflanzenschutz, 8 München 19, Menzinger Str. 54.

80
fallenden Vernässungszonen, die aber wegen der geringen Mächtigkeit
der Humusschicht von meist nur einem Dezimeter keineswegs als Moore,
ja kaum als Anmoor zu bezeichnen sind. Die mittlere jährliche Nieder-
schlagssumme liegt im Kartenbereich zwischen 1300 und 1400 mm, die
mittlere Jahrestemperatur bei f 6’ C.

Im folgenden werden die einzelnen Moore beschrieben.


Moore zwischen Kaltenbrunn und Klais
Es handelt sich dabei teils um Verlandungsmoare (Barm-See, Wagen-
brüch-See, Grub-See), teils um kleinere Versumpfungsmoare, die sich in
flachen Mulden oder am Hang durch Vernässung als ombrogene Moore
gebildet haben.
Moor am Barm-See- Ostufer: (Lageplan und geologisches
Profil s. Beilage 1) Das Moor am Barm-See (Meereshöhe 890 m) stellt ein-
schließlich des jenseits des Kartenrandes gelegenen Moorteils den größten
Komplex in diesem Gebiet dar. Auf das Kartenblatt Mittenwald entfällt
nur eine 7,3 ha große Fläche am Südostufer des Sees. Die Vegetation
besteht überwiegend aus Pflanzengesellschaften des Magnocaricion und
Schoenetums mit Peucedanum palustre, Equisetum limosum, E. palustre,
Menyanthes trifoliata, Orchis latifolius, Carex elata, C. fusca; gegen das
Seeufer zu wird Phragmites officinalis dominierend; hier wächst zwi-
schen Caltha palustris sehr viel Ranunculus aconitifolius. Der lockere
Waldbestand am Südrand des Moopes gegen den Hang zu bzw. im Mittel-
teil besteht aus Erlenbruch mit Weiden und Fichten (Impatiens noli-
tangere, Epilobium palustre). Innerhalb dieser Vegetation sind zwei sehr
flachgründige Hochmoor-Inseln entstanden, denen die dort aufkommen-
den Latschen Hochmoorcharakter verleihen. Hier wachsen neben Pflanzen
des Nieder- bis Ubergangsmoores (Schoenus ferrugineus, Gentiana acau-
lis, Carex fusca, C. lasiocarpa, C. panicea, C. dioica, Trichophorum caespi-
tosum, Molinia coerulea) bereits Vaccinium oxycoccus, Andromeda poli-
folia, Sphagnum palustre, Sph. cuspidatum. Auffallend ist hier an sehr
sonnigem Standort zwischen Pinus montana und Vaccinium uliginosunt
im Sphagnetum das Vorkommen von Lonicera caerulea in einer sehr
niederen, reichblütigen Form, die H. PAUL (1927) überwiegend für das
westliche Gebiet angibt. Bestände dieser Art zeigen eine allmähliche
Nährstoffverarmung an und würden im weiteren Verlauf der Entwicklung
zum echten Hochmoor führen. Zur Zeit der Aufnahme, im außergewöhn-
lich nassen Frühsommer 1965, standen hier z.B. Vaccinium oxycoccus
und Andromeda polifolia unmittelbar am Seeufer und wurden zeitweilig
sogar überschwemmt. Der Torfkörper liegt ein’er mächtigen Seekreide-
schicht auf. Dazwischen gelagert sind Lebermudde bzw. Torfmudde. Bei
Bp. 3 und 4 hat sich bereits Obergangsmoortorf gebildet. Hochmoortorf-
bildung hat jedoch noch nicht eingesetzt.

6 81
Am östlichsten Rand des Moores wurde der Torf stellenweise von
minerogenen Sedimenten des Kranzbaches überlandet und liegt hier bis
zu 1 m unter sandigem Lehm. Die genaue Ausdehnung dieses verschüt-
teten Moorkörpers konnte nicht festgestellt werden.

Ein bei Bp. 5 entnommenes Bodenprofil ergab folgenden Befund:

Botanischer Befund PI1

- 50 Stark zersetzter, schwach rezent durch-


Wurzelter Carex-Niedermoor-Torf mit
etwas Trichophorum caespitosum . 5-6 85,9 10.4 599
-100 Obergangsmoor-Torf mit Carex rostr.,
C. limosa, Sphagnum palustre, fein-
faserig, Amoeben Schalenreste . . 5 88,4 8,G VJ
-150 Niedermoortorf mit Carex und etwas
Phragmites, geringe Rindenreste, ver-
einzelt Sphagnum, feinfaserig 4-5 88,9 6.0 598
-200 Niedermoortorf aus Carex (viel C.
rostr.), Phragmites, Hypnaceen, verein-
zelt Betula, mittelfaserig . 4-5 89,5 64 528
-250 Hypnaceen-Torf mit viel Calliergon
trif., Carex rostr., etwas Phragmites,
Centropyxis acul. . . 4 91,9 871 W’
-270 Stark humose Seekreide mit Resten
von Hypnaceen und Carex, Callidina
angustic. . . . . . 81,8 41,9 796
-300 Humose, feinsandige Seekreide 58,2 68,5
170m südlich des Barm-Sees, jedoch topographisch höher als dieser,
liegt eine 1,05 ha große, durch Hangwasser stark vernäßte Niedermoor-
fläche, die zur Zeit der Begehung teilweise unter Wasser stand.
Am Westrand des Barm-Sees, in einer schmalen in West-Ost-Rich-
tung verlaufenden Geländerinne, doch wesentlich höher als der See ge-
legen, liegt eine 2,45 ha große Niedermoorfläche mit sehr nassen Menyan-
thes trijoliata- und Equisetum limosum-Beständen, deren auffallendstes
Merkmal zahlreiche Orchideen (Orchis Zatifolius, 0. maculatus, Epipactis
palustris) sind. Dazwischen finden sich Cardamine pratensis (allgemein
auf nassen Gebirgswiesen), Eriophorum latifolium, Verutrum album,
Pinguicula vulgaris, P. alpina, Carex fusca, C. panicea, Schoenus fer-
rugineus.
Die Torfschichten bestehen hier bis 150 cm Tiefe aus Niedermoortorf
mit Picea-Holz (H 4-5), bis 200 cm aus sehr nassem Phragmites-
Schwemmtorf, bis 370 cm aus wenig zersetztem Carex-Holztorf (H 3-4),
bis 400 cm aus schwach tonigem Fein- bis Mittelsand, bis 500 cm aus
schwach tonigem Fein- bis Mittelsand mit Kies und etwas Holz.

82
Am Südwestende des Grub-Sees hat sich ein kleines Anmoor mit
ähnlicher Niedermoorvegetation mit einer durchschnittlichen Mächtigkeit
von 30 cm gebildet. Typisch ist hier, wie im gesamten Gebiet Mittenwald,
das Obergreifen von sonst alpinen Pflanzen auf die Moorflächen, so z.B.
Burtschia alpina, Biscutella laevigata, Gentiana cccaulis, Anthyllis vul-
neraria, Pinguicula alpina sowi,e das kalkalpine Pedicularis foliosa, dessen
Hauptverbreitungsgebiet zwischen 1400-2400 m liegt, in der Gegend von
Klais jedoch bis etwa 800 m herunterreicht und hier auf den moorigen
und anmoorigen Wiesen ziemlich häufig zu finden ist.
Die am Nord- und Ostrand des Wagenbrüch-Sees in 950m
Meereshöhe liegenden Moorflächen von 5,3 ha sind bis auf schmale Rand-
streifen am Hang durch Verlandung entstanden. Es handelt sich im
wesentlichen um sehr nasses Niedermoor mit vorherrschend Menyanthes
trifoliata, Carex fusca, C. lasiocarpa, C. dioica, Equisetum palustre, E.
limosum, Dianthus superbus, Caltha palustris, Pedicularis palustris, sel-
tener Orchis morio, 0. latifolius. Im mittleren Teil hat sich eine kleine
Übergangsmoorinsel gebildet mit zahlreichen Sehlenken, in denen Sphag-
num cuspidatum, Carex limosa, Drosera rotundifolia, D. anglica, Erio-
phorum augustifolium, vereinzelt auch Eriophorum gracile wachsen. Eine
sonst im Moor seltenere Pflanze, Scorzonera humilis, kommt hier wie im
ganzen Gebiet, besonders in nassen Niedermoorbeständen sowie am Rand
von Übergangsmooren, massenweise vor.

Ein hier entnommenes Profil ergab folgenden Befund:

‘Ticfc
in cm Botanischer Befund

-100 Carex-Torf mit etwas Phragmites 4 89,7 4,7 4,5


-150 desgl. . . 5 89,8 62 427
-200 Carez-Phragmites-Torf 3-4 90,l 590 4,8
-300 Carex-Phragmites-Torf mit viel Picea-
Holz . . 3-4 91,2 571 4,g
-400 Carex-Torf mit viel Holz, einzelne
Reste von Hypnaceen . . . . 4-5 91,4 w 5,O
-470 Waldtorf mit groben Picea-Holz-
Stücken, etwas Carex . 6 87,8 20,2 5,5
-500 Waldtorf mit wenig Carex und etwas
Hypnaceen, einzelne Reste von Phrag-
mites . . . . . . . 7 89,8 18,0 5,8
-620 Seekreide - - -
Zwischen Wagenbrüch-See und Grub-See ca.500m nörd-
lich der Hauptstraße in fast 1000m Meereshöhe sind zwei kleine Moore
aufgewachsen, von denen das eine am Fuße des sog. Geißschädel mit

83
1,3 ha als flachgründiges Hangmoor durch Vernässung entstanden ist. Es
liegt in eine Mulde eingebettet und entwässert nach Süden. Im obersten,
trockeneren Drittel hat sich ein Molinetum ausgebildet mit Galium bo-
reale, Trichophorum alpinum, Anthyllis vulneraria, Bartschis alpina,
Carex cf. pallescens. Im mittleren Teil überwiegen Trichophorum caespi-
tosum, Gentiana acaulis, Primula farinosa, Orchis latifolius, Scorzonera
humilis, der unterste nässeste Teil wird von einem Schoenetum gebildet
mit Carex panicea, C. fusca, C. hostiuna. Am Moorrand-Hangwald wachsen
Thalictrum aquilegifolium, Aquilegia atrata, Polygala vulgaris, Siler mon-
tanum, Carex montanum sowi#e als Seltenheit Choralliorrhiza trifida.
Etwa 200 m nordwestlich davon liegt ein nur 1 ha großes Hochmoor
(auf der Karte 1 : 5000 als Dimpflmoos bezeichnet), dessen Vegetation
und Stratigraphie völlig anders ist. Es handelt sich um ein in einer tiefen,
abflußlosen Mulde entstandenes Moor mit dichtem Latschen- und Spir-
kenbestand, im nassen Teil wächst hier Sphagnum acutif., cf. quinque-
farium, Sph. rubellum., Sph. medium, Eriophorum vaginatum, sehr viel
Andromeda polifolia, im trockeneren Teil Vaccinium myrtillus, V. uli-
ginosum, Calluna vulgaris, Rhamnus frangula, in der Obergangszone zu
den umgebenden Trockenwiesen Scorzonera humilis, Nigritella nigra,
Selaginella helvetica, Polygonum viviparum (sonst selten im Moor). Eine
Bohrung aus dem Zentrum des Hochmoores ergab folgendes Profil:

Zer-
setzungs-Wnsser- As&?-
Tiefe gehalt gehalt
in cm Botanischer Befund rd Wo) Ph) PH

- 50 Gut zersetzter Hochmoortorf mit


Sphagnum acutif., einzelne Reste von
Eriophorum vag., etwas Vaccinium-
Reisigreste, vereinzelt Carex, zahlreiche
Picea- und einzelne Abies-Pollen, mit-
telfaserig . . . . . . : 5 90,3 52 32
-100 Hoch-Übergangsmoortorf mit Sphag-
num palustre und acutif., Carex ros-
trata und Carex cf. lasiocarpa, Erio-
phorum vag. und Vaccinium-Reisig-
reste . . . 4-5 92,2 2.5 3,o
-150 Übergangsmoortorf mit Sphagnum pa-
lustre, subsec., Carex rostr., C. limosa,
C. fusca, C. cf. chordorhiza, Andro-
meda polif., Tilia-Pollen, feinfaserig 5 88,4 23 3,7
-200 Carex-Hypnaceen-Torf mit Meesea
triq., Carex fusca . 5 89,6 296 3,8
-250 Carex-Waldtorf mit viel Picea-Holz-
resten, feinfaserig . . . . . 5-6 88.8 3.0 4.0

84
Zer-
setzungs- Wasscr- AS&-
Tiefe grad gehalt gehalt
in cm Botanischer Befund H Wo) W) PH

-300 Sphagnum Hochmoortorf mit Sphag-


num pal. und acutif., einzelne Reste
von Meesea, Pinus-Holz . . . . . 4 90,5 23 4,1
-400 Fast reiner Hypnaceen-Torf aus Cal-
liergon trif. und Scorvidium mit Sa-
men von Menyanthes; Sphagnum cf.
acutif., Carex limosa, vereinzelt
Scheuchzeria pal., Rhabdocoeliden-
Phyllopoden-Schalen . . . , . . . 2 93,8 2,4 4,5
-500 Hypnaceen-Torf mit Drepanocladus
spec., Calliergon, Meesea triq. und
Hypnum spec. . . . . . . , . 3-4 91,6 5,8 593
-580 desgl., mineralisch mit Picea - Holz-
resten . . . . . . . . . . . . . 4 89,9 20,l 6,4
-630 Stark humose Seekreide mit Hypnaceen
und zahlreichen Schneckenresten, VuZ-
vata spec. . . . . . , . , . , . - - - -

As c h e n m o o s (Lageplan und geologische ProAle s. Beilage 1)

Zwischen Kaltenbrunn und Gerold, südlich der Bahnlinie liegt in ca.


900 m Meereshöhe der mit insgesamt 8,2 ha größte Moorkomplex des
Kartenblattes.
Um ein zentrales Hochmoor mit lockerem Latschenbestand und auf-
fallend großen und zahlreichen Schienken liegt eine Trichophoretum-
Obergangszone, die jedoch gerade gegen die Hochmoorschlenkenvegetation
nur schwer abzugrenzen ist, ‘Ini westlichen Teil bilden Schienken und
ein lockerer Spirkenbestand den ubergang zum angrenzenden Nieder-
moor mit einer Vegetation, die teils zu den Caricetalia fuscae-, teils zu
den Tofieldietalia-Pflanzengesellschaften mit den im Gesamtgebiet ein-
gestreuten montan-alpinen Begleitern (hier vor allem Veratrum album,
Bartschis alpina, Pinguicula vulgaris und alpina, Gentiana verna, G.
acaulis, Scorzonera humilis, Gymnadenia conopea, Carex pulicaris, Vale-
riana dioica) gehört.. Neben zahlreichen Exemplaren von Orchis latifolius
fällt hier am Moorrand auf Mineralboden und Anmoor besonders die
sonst seltene Traunsteineria globosa mit zahlreichen Exemplaren auf. In
den Hochmoorschienken wachsen neben Lycopodium inundatum, das oft
mehrere Quadratmeter überzieht, Carex limosa, C. rostrata (steril), Me-
nyanthes trifoliata, Drosera rotundifolia, D. anglica und intermedia,
Sphagnum cuspidatum.

Der Torf besitzt eine Maximalmächtigkeit von ca. 4 m. Hier wurde


auch geringmächtige Torfmudde festgestellt. Eine Bohrung am Rand der
Schlenkenvegetation ergab folgenden Befund:

85
Botanischer Befund

- 50 /
Hochmoorschlenkentorf mit Sphagnum
cuspid., Sph. palustre, Carex cf. fusca,
Trichophorum caesp., Algenfäden,
Phyllopoden-Schalen, Wassermilben-
larven, Juncus spec., Pinus-Rinden-
restc . . . . . . . 4 93,o 4,8 4,s
-103 Schlenkentorf, muddig mit zahlreichen
tierischen Resten, Sphagnum spec.,
geringe Carex- und Hypnaceen-Rest? 5-ö 93,6 4,5 436
-200 Hoch-Übergangsmoortorf mit Sphag-
num palustre, etwas Eriophorum an-
gustif., Menyanthes, Scheuchzeria,
Phyllopoden-Schalen, Arcella spec.,
Amphitrema fl., Callidina angusticollis,
zahlreiche Picea- und einzelne Abies-
Pollen . . . 5 92,4 4,6 496
-240 Waldtorf mit zahlreichen Holz- und
Rindenresten von Picea, Betuba und
Pinus . . . . . . . . 5-6 87,6 28,5 5,1
darunter sandiger Kies.

Am nordwestlichen Rand des Aschenmooses wurden außerdem in


einem Bodeneinschlag ungestörte Proben entnommen, die folgende bota-
nische Zusammensetzung aufwiesen:

Tiefe
in cm Botanischer Befund
--.. 20 Stark rezent durchwurzelter Carex-Torf mit viel Equise-
turn, einzelne Pinus-Wurzeln . . . . . 6
-- 40 Carex-Torf mit viel Equisetum, etwas Eriophorum vag.,
Holzreste von Pinus und Picea, ganz vereinzelt Carex
limosa . . . . . . . . . . . 5-6
- 60 Carex-Waldtorf mit viel Equisetum, Juncus spec.,
Assulina spec. . . . . . . . . , . . . . . . 5-6
-- 80 Picea-Waldtorf mit sehr vielen wenig zersetzten, groben
Holzresten, vereinzelt Equisetum . 3-4
---100 Picea-Betuba-Waldtorf, fast ausschli%ch aus Holz und
Rindenresten bestehend . . . . 3
-120 Mineralischer Waldtorf mit überwiegend Picea und Pinus
Holzresten, wenig Betula . . . 5

Das Moor wurde nur vorübergehend für Torfgewinnung genutzt und


dient heute im trockeneren Teil zur Streunutzung.
Unmittelbar südlich vom Bahnhof Kaltenbrunn sowie etwa 200 m
weiter südlich am Hang sind zwei insgesamt 1,4 ha große Moore in

86
flachen Geländemulden aufgewachsen. Die Vegetation besteht im wesent-
lichen aus einem Schoenetum im oberen Teil mit zahlreichen Orchideen,
Orchis latifolius, 0. militaris, 0. incarnatus, 0. masculus, Traunsteineria
globosa, Platanthera bifolia, Gymnadenia conopea, Listera ovata sowie
Arnica montana, Trifolium montanum, Heleocharis palustris, Polygonum
viviparum, Carex fusca und C. Davalliana. Ähnliche kleine und kleinste
Moore und Anmoore finden sich im ganzen Gebiet in Hangmulden sicher
noch in größerer Anzahl, ohne daß sie alle auf dem Kartenblatt in Er-
scheinung treten, da sie wegen der geringen Ausdehnung gar nicht er-
faßt werden konnten. Andererseits ließen bei der B,egehung größere
Flächen auf nasses Niedermoor schließen; bei der Sondierung mit dem
Bohrer wurde jedoch festgestellt, daß es sich dabei um reine Mineral-
böden handelte (häufig Kalksümpfe und Sickerfluren). Das schönste Bei-
spiel hierfür ist das ,,Moos am Wamberg“ (S.U.).
200 m nördlich Kaltenbrunn liegt in einer Hangrinne in 900 m Meeres-
höhe ein 0,5 ha großes Übergangsmoor mit lockerem Fichtenbestand,
Molinia coerulea, Trichophorum caespitosum und Eriophorum vaginatum;
am Rand wächst zwischen Erlen und Fichten Lonicera alpigena und
Listera cordata. 1 km nördlich von Kaltenbrunn in 1000 m Höhe bei den
Gipsbrüchen liegen im Tannen-Fichtenhochwald 0,8 ha Moor und An-
moorflächen, die jedoch nur schwer abzugrenzen und als schmale Ver-
nässungszonen zwischen minerogenen Bodenbildungen eingebettet sind.
Es handelt sich um mit eingeschwemmtem Rohhumus aufgefüllte Rinnen,
die durch kalkhaltige Quellen vernäßt werden. Entlang dieser Quell-
austritte hat sich tuffartiger Quellkalk mit Cratoneum comutatum und
Chara spec. gebildet. Auf Moor wachsen Dicranodontium denudatum,
Trichocolea tomentella, Thuidium tamariscinum, Brachythecium spec.,
Scleropodium purum, Sphagnum squarrosum, Sph. quinquefarium und
cf. subicolor zusammen mit Cardamine amare, Viola biflora, Adoxa
moschatelina, Equisetum maximum und E. silvaticum, vereinzelt auch
Phragmites communis, Lycopodium annotinum, Cystopteris montana,
Coeloglossum viride, Listera ovata (typisch für kalkarme, sumpfige
Wälder).
1 km westlich davon liegt ein 0,2 ha großes, auf der Karte 1 : 5000 als
Veitlesmoos bezeichnetes trockenes Fichtenwaldmoor mit zahlreichen
Exemplaren von Listera cordata. Diese kleinste Orchidee hat ihr Haupt-
verbreitungsgebiet in der Berg- und subalpinen Region und ist gegen-
über der Bodenreaktion ziemlich indifferent. Im Wettersteingebiet ist sie
relativ häufig und kommt hier zusammen mit Homogyne alpina, Vacci-
nium myrtillus, Carex ornithopoda, Luzula campestris, Pirola unifiora
vor.
Die meisten dieser Moore liegen im Landschaftsschutzgebiet, das von
Garmisch entlang der Straße bis nördlich vom Barm-See verläuft. Außer-

87
halb dieses Gebietes liegt zwischen Bahnlinie und Isar auf den Buckel-
wiesen etwa 300 m östlich des Tonihofes ein 2,5 ha großes Moor in 960 m
Meereshöhe, das keine Bezeichnung führt. Der nördliche Teil besteht aus
einem Latschenhochmoor mit dichtem, randlichen Spirkenbestand und
viel Vaccinium uliginosum, V. vitis idea, V. myrtillus, Andromeda poli-
folia, der südliche Teil ist kultiviert und trägt Molinia-Streuwiesen bzw.
am Rand Futterwiesen.

Eine Bohrung im Hochmoor ergab folgenden Befund:


Zer-
setzungs- Wasscr- Asdle-
Tiefe grad gehnlt gehalt
in cm Botanischer Befund H Wo) W) Pli

-100 Sphagnum-Eriophorum-Hochmoortorf
mit Pinus-Holz . . . . . . . . . 2-3 88,2 1,l 3,0
-200 Carex-Hypnaceen-Torf mit vielen
Pinus-Holzresten, vereinzelt Erio-
phorum vag. . . . . . . . . . 5 87,3 2,7 3,4
-280 Hypnaceen-Carex-Torf mit Drepanocl.
spec. . . . . . . . . . . . . 4-5 86,6 6,9 5,6
-290 Torfmudde, mineralisch, Hypnaceen-
Reste, Carex limosa . . . . . 6-7 - - -

Eine Anzahl kleinerer Moore erstreckt sich nördlich der Straße Klais
-Kranzbach-Elmau, so zwei kleine vernäßte Waldwiesen (mit viel Carex
paucifiora) westlich vom Forsthaus Klais. Fünf Niedermoore mit insge-
samt 3,4 ha liegen 500 m nördlich von Schloß Kranzbach, deren größtes
1,8 ha groß ist. Die Vegetation besteht im wesentlichen aus Tofieldietalia
mit zahlreichen kalkalpinen Begleitern und vielen Orchideen (Gymnade-
nia conopea, Platanthera bifolia, Coeloglossum viride, Orchis ustulatus,
Alnica montana, Anthyllis vulneraria, Alectorolophus spec., Pedicularis
palustris, Aster bellidiastrum, Homogyne alpina). Im Obergangswald
wurde Listera cordata, im randlichen Fichtenhochwald auf feuchtem
Waldhumus die sehr seltene Microstylis monophyllos gefunden. Etwa
1 km südlich von Gerold ,,am Berg“ liegt eine auf der Karte als vernäßt
gekennzeichnete kleine Fläche, die jedoch kein Moor darstellt. Es handelt
sich lediglich um durch Quellwasser stark vernäßte Wiesen mit ausge-
sprochener Niedermoorvegetation. Unmittelbar bis zum Rand der nassen
Wiese dominieren Pflanzen der alpinen Trockenrasen, so Globularia Will-
kommii und G. cordifolia, Antennaria dioeca, Helianthemum camun,
Biscutella laevigata, Aster alpinus, Peucedanum Oreoselinum, Trifolium
montanum, Sesleria coerulea, Carex sempervirens, C. montana sowie in
einer seltenen Häufigkeit Traunsteineria globosa; es dürfte sich um eines
der schönsten Vorkommen dieser Orchidee im ganzen Gebiet handeln.
600 m westlich von Schloß Kranzbach, nördlich der Straße, liegen drei
insgesamt 2,3 ha große Niedermoorflächen. Es handelt sich um Hang-
moore, die von Quellen durchsetzt sind. Ihre Vegetation besteht im
wesentlichen aus einem Schoenetum mit Cardamine amara, an trocke-
neren Teilen aus einem Trichophoretum mit Cardumine pratensis, die
charakteristisch für Gebirgswiesen mit Molinia und Trichophorum ist,
sowie Arnica montana, Carex panicea, C. fusca, Crepis aurea, Polygala
amara, Eriophorum angustifolium, Sphagnum acutifolium.
Nördlich der Straße Kranzbach-Elmau, östlich der Elmauer Alm, be-
findet sich in 1100 m Höhe ein insgesamt 8 ha großer Moorkomplex, der
aus mehreren kleinen durch schmale Mineralbodenrücken voneinander
getrennten Teilen besteht. Oberflächig entspricht die Vegetation einem
zusammenhängenden Niedermoor mit einer kleinen Latschenhochmoor-
insel im Norden. Die Vegetation setzt sich überwiegend aus Kleinseggen
zusammen (Carex fusca, C. Davalliana, C. echinata, C. panicea, C. fiava);
auf nässerem Standort treten Schoenus ferrugineus mit Pinguicula alpina
und P. vulgaris, Carex hostiana, C. pallescens, Polygala amara, Carda-
mine amara, Dianthus Superbus, Ranunculus aconitifolius sowie Selagi-
nella selaginoides, das für moorige Alpenweiden typisch ist, auf. Trocke-
nere Standorte am Hang bevorzugt Scirpus caespitosus mit seinen typi-
schen Begleitern, auch Molinia kommt hier vor. Am Rand des Hoch-
moores haben sich Erosionsschlenken mit Lycopodium inundatum, Carex
limosa, C. pauciflora, C. lasiocarpa und Scheuchzeria palustris gebildet.
Das eigentliche Latschenhochmoor ist ziemlich trocken, so daß hier be-
reits am Rand Fichten stärker hervortreten; die Bodenvegetation besteht
nur z. T. aus einem Sphagnetum medii, z. T. aus einem Vaccinio uliginoso
Mugetum. Im randlichen Moorwald wächst häuflg Pedicularis foliosa
sowie am Hang in Massen die seltene Coralliorrhiza trifida. Für das
starke Auftreten der oft jahrelang ausbleibenden Orchidee ist möglicher-
weise das ungewöhnliche Wetter bestimmend. Das im ganzen Gebiet
starke Auftreten von Veratrum album ist eine Folge der Beweidung.
Eine Bohrung im Niedermoor ergab eine Tiefe vom 110 cm Nieder-
moor-Übergangsmoortorf (H 5-6), darunter folgt blaugrauer, zähplasti-
scher Ton.

89
Eine Bohrung im Hochmoor am Latschenrand erbrachte folgenden
Befund:
Zer-
scrzungs- Wasser- Aschc-
Tiefe grad gehalt Rehalt
Botanischer Befund
-H Wo)
in cm Wo) PH

-100 Obergangsmoortorf mit Sphagnum


acutif. und palustre, Carex limosa, C.
rostr. (Schlenkentorf) . . . . . 3 33
-150 Übergangsmoortorf mit Pinus-Holz
und Rindenresten . . . . 3-4 89,8 4,6 3,7
-200 Waldtorf mit viel Pinus- und Picea-
Holzresten, vereinzelt Garer, fein-
faserig . . . . . . . . . . 5 86,5 5,6 490
-300 Carex-Waldtorf mit Betula-Holz, ver-
einzelt Eriophorum cf. angust. . . . 5 90,2 4,l 477
-350 Waldtorf mit Holzresten, vereinzelt
Carex . . . . . . . . . . . . . 5 89,7 6,9 5,7
-360 Sandiger Kies . . . . . . . . . . - -

700 m weiter westlich in 1150 m Höh,e liegt direkt von Fichtenhoch-


wald umgeben nochmals eine kleinere Moorfläche mit 0,5 ha, die nicht
näher untersucht worden ist.
Weiter im Süden zwischen Isar und Kranzberg liegen verschiedene
vernäßte Flächen, die jedoch nur vegetationsmäßig, nicht aber strati-
graphisch als Moore anzusehen sind. So bei der Gr ö b e 1 a 1 m sowie
südwestlich des Schmal-Se es. Bei letzterem hat sich über Kalk
und einer nur wenige Zentimeter mächtigen Rohhumusauflage Erica
carnea, Dryas octopedala, Carex humilis und in zahlreichen Exemplaren
Ophrys muscifera angesiedelt. Lediglich 3 Moore wurden in dem Gebiet
festgestellt und näher untersucht, Das erste liegt ca. 300 m östlich vom
S c h m a 1 - S e e direkt östlich der Bahnlinie Klais-Mittenwald (Lage-
plan und geologisches Profil s. Beilage 1) mit einer Fläche von 4,8 ha und
besteht im südlichen Teil aus einem noch nicht typisch ausgebildeten
Latschen-Spirkenhochmoor. Vereinzelt stehen hier Latschen auch auf
Übergangsmoorwiesen zusammen mit Primula farinosa, Gentiana acau-
lis, Scirpus caespitosus und Equisetum palustre, Aulacomnium palustre,
Sphagnum recurvum, an nässeren Stellen auch Schoenus ferrugineus. Im
nördlichen Teil ist das Moor kultiviert und trägt wechselfeuchte kraut-
reiche Futterwiesen mit viel Ranunculus scelerantus, R. auricomus und
Sgmphytum officinale.
Hochmoortorf hat sich nur im Zentrum mit einer Mächtigkeit von
maximal 150 cm gebildet, darunter folgt bis maximal 220 cm Tiefe holz-
reicher Übergangsmoorwaldtorf, darunter weißer trockener Sand. Bei
Bp. 5 ergab sich folgender Befund:

90
Tide
in cm Uotanischcr Befund

-150 Sphagnum-Eriophorum-Hochmoortorf
mit etwas Pinus-Holz . . . . . 3 90,2 3,8 4,7
-220 Curex-Waldtorf mit viel Picea- und
Pinus-Holz . . . . . . . . . . 4-5 88,5 8,l 4,6

Das zweite Moor, nördlich der Militärstraße zum Lutten-See, ist wegen
seiner Tiefe bei nur 1 ha Fläche bemerkenswert. Es handelt sich wahr-
scheinlich um ein durch kalkhaltige Quellen versumpftes Gelände, wo-
für der öftere Wechsel von Seekreide, Lebermudde und reinem Torf
spricht, Die Vegetation des von Birken - Kiefernwald mit Amelanchier
ovalis (im ganzen Gebiet verbreitet) umgebenen Moores besteht über-
wiegend aus Tofieldietuliu und Curicetuliu fuscue mit viel Geyltianu clusii,
Primulu furinosa; zwischen Schoenus ferrugineus wächst Seluginellu hel-
vetica. Dort wo Streu gemäht wird, dominiert Scirpus cuespitosus und
Galium boreule. Dieses Moor liegt im Landschaftsschutzgebiet.

Eine Bohrung im Zentrum des Moores ergab folgenden Befund:

Tiefe
in cm Botanischer Befund

- 50 Curex-Hypnaceen-Torf mit Curex Zi-


mosu, mehrfach Rhizopoden-Reste, Ar-
Cella sDec.. Phvllonoden-Schalen. ver-
einzelt- Eq&ise&um- . . . . . ‘. . . 4 87,5 28,3 576
-100 Ubergangsmoortorf mit viel Curex,
Phragmites, mehrfach Hypnaceen-Re-
ste, vereinzelt Sphagnum, cf. Rhyn-
chospora, Centropyxis acul., Arcella
spec., Difflugiu spec. . . . . 4 92,0 730 5,5
-200 Hypnaceen-Curex-Torf, etwas muddig,
mit sehr viel Calliergon spec., etwas
Sphagnum, Reste von Lebermoosen,
Phyllopoden-Schalen, Arcellu spec. . 4-5 92,5 10,9 633
-260 Hypnaceen-Calliergon-Torf mit Diato-
meen-Schalen, zahlreiche Schnecken,
Tropodiscus spec. . . . . . - 90,5 15,9 7,2
-300 Humose Seekreide mit viel Culliergon
cf. gigunteum, Pisidium subtruncatum,
Vulvatu piscinulis, Tropodiscus carina-
tus, T. planorbis, Sphaerium corneum - 82,0 50,6 7,6
-320 Reiner Culliergon-Torf mit einzelnen
Schneckenschalen . . 1 91,8 15,4 7,7
-450 desgl., viel Pisidium subtrunc. 2-3 90.7 17.5 798

91
Zer-
satzungs- Wasser- Asche-
Tiefe grad gehalt gehalt
in cm Botanischer Befund H (‘id PM PI-l

470 Stark kalkhaltiger Hypnaceen-Torf


(Calliergon und Scorpidium sc.) mit
vielen Schneckenresten . . . . 5 89,4 30,6 8,0
-520 Seekreide mit Schalen von Tropodiscus
Planorbis, Pisiclium subtrunc., Valvata
piscinalis . . , . . . . - 67,6 69,l -

Unmittelbar am Lutten-See-Nordufer erstreckt sich eine schmale


Niedermoorfläche mit sehr nassen Schoenus-Beständen mit viel Heleo-
charis palustris, Pedicularis palustris und Carex dioeca. Am Südrand des
Sees ist ein Übergangsmoor mit Eriophorum vaginaturn, E. angustif., viel
Sphagnum fuscum, Calluna vulgaris, dazwischen und am Rand Phrag-
mites communis, Bartschis alpina, Carex lasiocarpa, Ranunculus monta-
nus aufgewachsen. Es handelt sich bei dem in 1020 m Meereshöhe ge-
legenen Moor um ein Verlandungsmoor mit insgesamt 3,5 ha, das sich
auch im See noch fortsetzt. Eine genaue Grenze der Torfschichten konnte
wegen des extrem hohen Wasserstandes nicht festgelegt werden. Eine
Bohrung im südlichen Übergangsmoor erbrachte folgenden Befund:

Tiefe
in cm Botanischer Befund PH

-100 Übergangsmoortorf mit viel Sphag-


num, Carex, Phragmites, einzelne Holz-
reste . . . . . 4 87,7 9,7 4,3
-200 Sphagnum-Hypnaceen-Torf mit Sphag-
num pal. und acutif., einzelne Carex-
und Holzreste . . . . 5 91,3 18,4 6,6
-250 Halbtorf mit vielen Holzresten - 82,5 45,0 7,5
-300 Schwach humose Seekreide . - 62,7 77,2 -

Eine 0,35 ha große Moor- und Anmoorfläche südlich der Gröbelalm


mit zahlreichen stark wachsenden Latschen und Kiefern wurde wegen
der geringen Ausdehnung und Mächtigkeit nicht näher untersucht.
Zwei weitere kleine Moore liegen zwischen Kranz-Berg und Ferchen-
See, ca. 700m südwestlich vom Kranzberghaus in 1330 m Meereshöht.
Beide haben zusammen eine Fläche von 0,8 ha. Es handelt sich bei beiden
um Hoch-Ubergangsmoore mit einzelnen Fichten und Latschen, dazwi-
schen Scirpus caespitosus, Sphagnum girgensohnii, Sph. quinquefarium.
Das nördlicher gelegene Moor ist fast kreisrund und hat eine geschlossene
etwa 5-8 m breite ringförmige Laggzone (Carex fusca, C. rostrata -
steril), die unmittelbar an den umgebenden Bergwald am Hangfuß grenzt.

92
Hier und im Gebiet des Kranz-Berges wachsen neben Rhododendron
ferrugineum, Vaccinium myrtillus, Amelanchier ovalis, Sorbus aria, Car-
damine alpina, Carex humilis, Luzula nivea, welch letztere Pflanze für
das Gebiet um Mittenwald charakteristisch ist und sonst selten vorkommt.
Am Ostende des Ferchen-Sees erstreckt sich entlang seines Zuflusses
ein schmales Anmoor mit nassen Schoenus-Wiesen (Trollius europaeus,
Carex Davalliana usw.).
Ca. 700m westlich des Ferchen-Sees liegen in 1150 m Höhe am Fuß
der Wetterstein-Spitze einzelne sehr kleine Moor- und Anmoorflächen,
von denen 1)ediglich eine näher untersucht worden ist. Sie hat eine Aus-
dehnung von 0,‘7 ha, der Kern [Link] aus einem dichten Latschenhoch-
moor, um das sich ein schmaler Obergangsmoorgürtel legt. Auffallend
ist hier das starke Auftreten von Cardamine pratensis zwischen Molinia
coerulea und Trichophorum caespitosum. Der Moorkörper reicht bis zu
einer Tiefe von 180 cm und besteht aus Carex- und Hipnaceen-Resten
sowie vereinzelt Sphagnum. Eine Hochmoortorfbildung ist noch nicht
erfolgt.
Außerhalb dieses Gebietes, östlich der Isar, liegt in 1600 m Höhe
westlich vom Zunderweidkopf eine 0,6 ha große Niedermoorfläche bei
der Rehbergalpe. Der feinfaserige Torf besteht bis 230 cm aus Hypnaceen-
Resten mit Carex und Equisetum, H 5, im Untergrund Kies. Dieses Moor
liegt innerhalb des Karwendel-Naturschutzgebietes.

D. Lagerungsverhältnisse(Tektonik)
1. Xltere Arbeiten und tektonische Vorstellungen

Nach dem Auftreten von zwei ,,tektonischen Einheiten“ im Blatt-


gebiet von Mittenwald befassen sich die meisten älteren Arbeiten (vgl.
Erforschungsgeschichte, S. 8) vorwiegend mit großtektonischen Proble-
men, insbesondere im Zusammenhang mit dem Verlauf und der Bedeu-
tung der sog. ,,Deckenüberschiebung”. Im folgenden sollen die wichtig-
sten tektonischen Auffassungen hierzu kurz erläutert werden.
Nach der vereinfachten Deckenvorstellung sind die Kalkalpen durch
tektonische Vorgänge zerbrochen und in Großschollen zerlegt worden,
Einzelne Gebirgsteile sind infolge einer starken räumlichen Einengung
von Süden nach Norden als ,,Decken“ übereinandergeschoben und danach
noch miteinander verfaltet worden. Stellenweise ist die aufgeschobene,
höhere tektonische Einheit durch die Erosion abgetragen und die tiefere
tektonische Einheit in Erosionsfenstern freigelegt.

93
Die Untersuchungen zur Klärung der tektonischen Verhältnisse und
Zusammenhänge setzten für dieses Gebiet bereits im vorigen Jahr-
hundert ein. Sie wurden seit Beginn des 20. Jahrhunderts in größerem
Umfang fortgesetzt, so daß die weitere Umgebung von Mittenwald heute
als eines der am besten erforschten Gebiete in den Nördlichen Kalkalpen
angesehen werden kann.
Für das Karw end el g e b i r g e war es insbesondere AMPFERER.
dem es u. a. gelang, dort eine bedeutende Uberschiebung nachzuweisen
(1903). Auf Grund seiner weiteren Aufnahmen (1905) und der Kartierung
von REIS (1911) verband er diese Störung nach Westen über das Arnspitz-
Gebiet mit dem Südrand der ,,Jungschichtenzone“ im Puitental und ver-
folgte sie weiter bis in die Lechtaler Alpen. AMPFEREK (1912) bezeichnete
die südliche Schubmasse als ,,1 n n t a 1 - D ecke“ und stellte die nörd-
lich sich anschließenden, stellenweise überschobenen Gebirgsteile zur
,,Lechtal-Decke“.
Eine Klärung der komplizierten Verhältnisse im Kirchlkar ist jedoch
den Aufnahmen von FRISCH (1964) zu verdanken. Dort ist die ,,Inntal-
Decke“ nach Süden eingebuchtet, die ,,Lechtal-Decke“ wird in einem
Erosionsfenster sichtbar.
Im A r n s p i t z - G c b i et vermutete AMPFERBR (1905, 1912) die Fort-
setzung der ,,Karwendelüberschiebung“ in den Schuppen jungmesozoiscber
Schichten am Riedbodeneck sowie in einer Störung am Wildsteigkopf, die
von REIS (1911) als ,,Wildsteigkopf-Uberschiebung“ kartiert wurde.
SCHNEIDER (1951, 1953) gelang der Nachweis, daß die Uberschiebungs-
linie nicht am Wildsteigkopf verläuft, sondern südlich davon durch die
Riedbergscharte zieht, wo sie von Schubfetzen von Reichenhaller Schich-
ten, Kössener Schichten und Oberjura-Kalken an der Oberschiebungsstirn
begleitet wird, AMPFERER und auch SCHNEIDER ist es jedoch entgangen,
daß die Störung am Riedbodeneck die Verbindung zu den Störungen in
der Hasellähm und am Brunnensteineck darstellt, also südlich der
eigentlichen ,,Inntal-Deckengrenze“ verläuft.
Ebenfalls umstritten war die Zuordnung des W e t t e r s t e i n - G e -
b i r g e s. Während SCHLAGINTWEIT (1912 a u. b) die ,,Jungschichtenzone“
zwischen Ehrwald und Leutasch (Puitental) als ,,Deckenfenster“ und das
Mieminger und Wetterstein-Gebirge als tektonische Einheit (,,Wetter-
steindecke”) betrachtete, stellte AMPPBRKR (1912) die südlich der ,,Zone
der jungen Schichten” gelegenen Gebirgszüge zur ,,Inntal-Decke“ und
bezeichnete das Wettersteingebirge als Teil der ,,Lecbtal-Decke“.
In ähnlichem Sinne wie SCHLAGINTWEIT (1912) vertraten HADIIR (1934),
RICHTER (1929) und KRAUS (1949) die Auffassung von der Halbfenster-
natur der ,,Jungschichtenzone“. Sie verbanden das Mieminger Gebirge
mit dem Wettersteingebirge und legten die Uberschiebungsgrenze weiter
im Norden fest. HABER (1934) legte sie beispielsweise an den Nordfuß des
Wettersteingebirges.

94
LEUCHS (1930) und BÖGEL (1958) sehen in der ,,Jungschichtenzone“ im
Puitental einen eingebrochenen Graben, in dem die Jura-Kreide-Ge-
steine bei einer späteren Einengung zwischen den Triaskalkmassen im
Norden und Süden hochgepreßt wurden. Sie bilden stellenweise am Nord-
rand dieser Zone die Unterlagerung von mächtigen Kalkpartien, z.B.
am öfelekopf. Diesen gestörten Südrand des Wettersteingebirges be-
zeichnete LEUCHS (1930) als ,,Wetterstein-Südrandstörung“.
Nach Nordosten läßt sich diese Störung über den Ostfuß des öfele-
kopfes, wo Neokom-Mergel gegen Wettersteinkalk und Muschelkalk an-
gepreßt sind, mit dem kleinen Vorkommen von Kössener Schichten west-
lich Unterleutasch verbinden. Ostlieh des Leutaschtales, im Bereich der
Riedbergscharte, nähert sie sich der Uberschiebungsstirn der ,,Inntal-
Decke“ und begrenzt dort Reste von Kössener Schichten und Oberjura-
gesteinen gegen den Muschelkalk des Schartkopfgewölbes. Im Leutaschtal
ist die ,,Jungschichtenzone“ vermutlich von den quartären Ablagerungen
überdeckt.
Im Verlauf der Uberschiebungsstörung ,,Inntal-Decke”/Lechtal-Decke”
ist eine von Westen nach Osten zunehmende Vberschiebungstendenz fest-
zustellen. Während die ,,Jungschichtenzone“ am Südrand des [Link]-
Steingebirges lediglich zusammengepreßt ist und noch keine Oberschie-
bung i.e. S. aufweist, ist diese Zone im Arnspitzgebiet an einer nord-
wärts gerichteten, steilen Aufschiebung fast ganz überschoben. Im Kar-
wende1 ist bei nach Osten flacher werdender Uberschiebungsbahn eine
deutliche Zunahme der Oberschiebungsweite festzustellen.
Diese ,,gebundene Tektonik“ steht im Gegensatz zu der auch heute
noch von einigen Autoren vertretenen Deckenvorstellung im Sinne
AMIYCXERS, nach der die ,,Inntal-Decke“ von Süden als selbständige tek-
tonische Einheit ganz auf die ,,Lechtal-Decke” aufgeschoben sein soll. Die
sog. ,,Deckengrenze“ ist vielmehr eine u b e r s c h i e b u n g s s t ö r u n g
von begrenzter Länge, die in Streichrichtung wieder von einem zusam-
menhängenden Faltenbau abgelöst wird.

11. Faltenstrukturen
Die beiden großtektonischen Einheiten gliedern das Blatt Mittenwald
in den nördlichen Bereich der ,,Lechtal-Decke“ und in den südlichen Be-
reich der ,,Inntal-Decke“. Die Uberschiebungsgrenze überschneidet einige
der generell West-Ost streichenden Faltenelemente.
Nach den Faltenstrukturen und Gebirgskomplexen läßt sich das
Kartengebiet folgendermaßen weiter untergliedern (vgl. Beilage 2):
1. Wamberger Sattelzone
2. Westliche Soierngruppe
3. Wetterstein-Hauptmulde

95
4. Mittenwalder Karwendelmulde
5. Östliches Wettersteingebirge
6. Schartkopf-Sattel
7. Sulzleklamm-Sattel und dessen Ostfortsetzung im Kirchlkar
8. Nördliche Karwendelkette
9. Brunnenstein-Gebiet
10. Arnspitz-Massiv

1. Wamberger Sattelzone
Die nördlichste Großstruktur im Kartenbereich ist die WSW-ENE
streichende W a m b e r g e r S a t t e 1 z o n e mit mehreren Sätteln und
Mulden, häufig isoklinal gefaltet und nordvergent überkippt. Sie läßt
sich durch das gesamte Wettersteinvorland verfolgen, vom Gebiet Grainau
-Hammersbach im Westen (VIDAL 1953, S. 81 ff.) über die Partnachklamm
nach Wamberg (KRUMM 1957) mit westlichem Achsentauchen und ab
Wamberg nach Osten über das Hirzeneck, Klais, Barmsee und Krün mit
östlichem Achsentauchen. Im Isartal östlich Wallgau setzt sich dann die
Struktur in einem breiten Hauptdolomitgewölbe fort (SCHMIDT-THOMA?
1950, S. 27).
Der Hauptdolomit in der Nordwest-Ecke der Karte gehört bereits zu
der nördlich sich anschließenden Krottenkopfmulde, die ihrerseits dem
sog. Synklinorium angehört.
Die stärkste Sattelaufwölbung ist im Bereich des Wamberger Waldes
mit Muschelkalk im Sattelkern. Mit PartnachSchichten und Raibler
Schichten treten in der Ostfortsetzung des Wamberger Sattelzuges jüngere
Gesteinsserien auf,
a. Am markantesten ist die südlichste Teilstruktur der Sattelzone.
der Wamberger Wald-Sattel, ausgebildet. Es handelt sich um
die östliche Fortsetzung des PartnachklammSattels. Alpiner Muschelkalk
bildet über eine große Erstreckung den Sattelkern. Im Westteil des
Kartenblattes ist der Muschelkalk auf die Partnach-Schichten aufge-
schoben. Außerdem ist der Muschelkalksattel bei der Isoklinalfaltung
aufgebrochen: Dünnbankiger, oberer Muschelkalk ist vom dickbankigen,
tieferen Muschelkalk abgeschert, teilweise sind südliche Kalkpartien auf
nördliche aufgeschoben,
b. Nördlich des Warmberger Wald-Sattels folgen zwei weitere
Sattelstrukturen mit Muschelkalk im Sattelkern, Im Westen, außerhalb
des Blattgebietes, vereinigen sich beide Strukturelemente zu einem Sattel-
zug, dem gleichfalls nordvergenten Rappenschrofen-Satte1
(KKUMM 1957). Nach Osten tauchen die Muschelkalkkerne unter die Part-
nach-Schichten. Die Mulden zwischen den Sätteln enthalten isoklinal ge-
faltete Partnach-Schichten mit Kalkbänken. Eine dieser räumlich stark

96
eingeengten Teilmulden tritt nochmals am Hirschbühel in Erscheinung,
hier mit Raibler Sandsteinen im Muldenkern.
c. Die nördlichste Sattelstruktur der Wamberger Sattelzone ist der
K a 1 ten b r u n n er S at t e 1. Es handelt sich um eine lokale Sattel-
aufwölbung mit Raibler Sandsteinen im Sattelkern.
d. D,er Wagenbrüchsee-Barmsee-Sattel mit Partnach-.
Schichten im Kern verbindet die Strukturen des Wamberger Sattels im
Westen mit dem Hauptdolomitgewölbe im Isartal. Es bleibt jedoch offen,
ob es sich dabei um die direkte Fortsetzung des Rappenschrofen-Sattels
oder des Kaltenbrunner Sattels handelt. Verbiegungen der Sattelachsen,
Quartärüberdeckung und vermutlich eine Störungslinie parallel zum
Kankerbachtal (s. Profiltafel) verwischen den genauen Zusammenhang.
Die Ostfortsetzung des Wamberger Wald-Sattels ist letztmals in den
Raibler Schichten bei Klais erkennbar.

2. Westliche Soierngruppe
Im Nordostteil des Kartenblattes sowie weiter im Osten bauen Haupt-
dolomit und Plattenkalk die gesamte Soierngruppe auf. Strukturell han-
delt es sich um den Südteil des großen, bis 10 km breiten Hauptdolomit-
Sattels, dessen Sattelscheitel im Isartal zwischen Wallgau und Sylven-
steinspeieher verläuft, als Ostfortsetzung der Wamberger Sattelzone
(SCHMIDT-THOME 1950, S. 27f.). Nach Süden reicht der weitgespannte Sattel
bis zur Mittenwalder Karwendelmulde. Der meist flach lagernde Haupt-
dolomit ist deutlich spezialgefaltet, dem Großbau untergeordnete Sattel-
strukturen sind u. a. am Lausberg und im Seinsbachtal ausgebildet. Nach
Osten wird der Hauptdolomit von Plattenkalk überlagert. Dort ent-
sprechen Faltensättel aus Plattenkalk den höchsten Erhebungen, z. B.
Schöttelkarspitze, Soiernspitze.

3. Wetterstein-Hauptmulde
Zwischen der Wamberger Sattelzone im Norden und dem Wetterstein-
gebirge im Süden nimmt die ungefähr West-Ost streichende W et t er -
s t e i n - H a u p t m u 1 d e einen breiten Raum ein. Ihr Ostabschnitt
zwischen Mittenwald und Elmau wird auch als Kranzberg-Mulde be-
zeichnet. Die Muldenfüllung besteht aus mächtigem Hauptdolomit, die
Muldenflügel sind durch die Raibler Schichten gekennzeichnet. Die Rich-
tung der Muldenachse ist 100°/200 Ost (ermittelt aus 12 statistisch aus-
gewählten Schichtflächenmessungen im Muldenbereich).
Nach Westen steigt die Muldenachse weiter an. Westlich der Partnach
bedingt eine deutliche Zunahme der Achsensteigung das Ausheben der
Wettersteinmulde im Waxenstein-Zugspitz-Gebiet. Im Osten hat die
Wettersteinmulde ihre strukturelle Fortsetzung in der Mittenwalder Kar-
Wendelmulde mit Jura- und Neokom-Schichten im Muldenkern (S.U.).

7 97
Spezialsättel und -mulden komplizieren den Bau der breit angelegten
Hauptdolomitmulde. Für den Muldensüdflügel konnten im Hauptdolomit
drei Spezialmulden, gleichfalls mit östlichem Achsentauchen, nachgewiesen
werden. Am Muldennordflügel fallen die Schichten dagegen einheitlich
nach Süden. Mangels lithologischer Merkmale im Gesamtprofil des Haupt-
dolomits ist nicht geklärt, ob der Nordflügel der Wettersteinmulde noch
isoklinale Faltungen aufweist, ähnlich wie die Wambergcr Sattelzone,
oder ob der Hauptdolomit hier in normaler Lagerung vorliegt. Letztcn-
falls wäre der Hauptdolomit des Muldennordflügels weitaus mächtige1
(> 2000 m) als der dcs Südflügels (ca. 1400 m). Möglicherweise bestehen
primäre Unterschiede in der Hauptdolomitmächtigkeit (s. S. 35).

4. Mittenwalder Karwendelmulde
Zwischen dem Soierngebict im Norden und dem Karwendelgebirge im
Süden bildet die Mittenwalder Karwendelmulde die strukturelle Fort-
setzung der Wetterstein-Hauptmulde im Westen. Teils als einfache Mulde,
teils als kompliziert gebaute Muldenzone mit jurassischen und untcr-
kretazischen Gesteinen erstreckt sie sich vom Isartal im Westen bis zum
Achensee im Osten. Die Schichten stehen saiger oder sind isoklinal nach
Süden geneigt. Die Muldenachsc weist östliches Achsentauchen auf (lO-
15” Ost). Der Südflügel der Mulde ist bis zu den Raibler Schichten voll-
ständig erhalten. Dagegen sind im Norden der Plattenkalk und stellcn-
weise auch jüngere Schichtglieder an einer streichenden Störung abge-
schnitten. Es handelt sich um eine steile Abschiebung der Mulde gegen
den nördlich anschließenden Sattel aus Hauptdolomit und Plattenkalk
(ULRICH 1954, S. 38).

Im Westen beginnt die Mulde mit jungen Schichten im Marmor-


graben. Sie hat hier noch einen einfachen Bau und eine auffallend
geringe Breit’c. Kössener Schichten, Jura-Gesteine und Neokom-Mergel
sind bis auf 120 m zusammengepreßt. Nach der Engstelle im Marmor-
graben erweitert sich die Mulde im Bereich der Rehberg-Alm. An der
großen Querstörung (Nordnordost-Südsüdwest) zwischen der Rchberg-
Alm und dem Zunderweidkopf wird der Westabschnitt der Mulde ab-
geschnitten. Östlich dieser Störung, an welcher der Ostteil abgeschoben
ist, hat die Karwendelmulde den Charakter einer M u 1 d c n z o n c. Bis
zur nächsten bedeutenden Querstörung im Schieger-Graben sind maximal
v i e r Spezialmulden entwickelt mit Neokom-Mergel bzw. Malm-Kalken
im Muldenkern. Die Spezialsättel sind durch Kössener Schichten bzw.
Liaskalke gekennzeichnet,

Östlich des Schieger-Graben ist die Muldenzone zunächst auf eine


Doppelmulde reduziert. Weiter im Osten im Fermersbachtal herrscht
wieder ein einfacher Muldenbau vor,

98
Die starke Einengung der Mulde im Marmorgraben beruht nicht allein
auf tektonischen Vorgängen, sondern sie ist teilweise auch auf die pri-
mär geringen Schichtmächtigkeiten im Westabschnitt der Karwendelmulde
zurückzuführen.

5. östliches Wettersteingebirge
Am Bau des östlichen Wettersteingebirges sind drei Faltenelemente
beteiligt, Die nördlichste Struktur zeigt sich in den Aufsattelungen im
Kämikopf, Zirbelkopf und nördlich des Gamsanger. Die Ostfortsetzung
dazu bildet der Grünkopf-Burgberg-Rücken. Südlich dieses Sattelzuges
ist ein schmaler Muldenzug ausgebildet. Der eigentliche Wetterstein-
hauptkamm gehört strukturell zu dem sich südlich anschließenden großen
Muschelkalkgewölbe, dem Schartkopf-Sattel,

Zirbelkopf-Sattel, Grünkopf-Burgberg-Sattel
Südlich der Wetterstein-Hauptmulde folgt ein vielfach gestörter und
durch tiefe Kare unterbrochener Sattelzug aus Wettersteinkalk. Im Kämi-
kopf zieht er von Westen her in das Blattgebiet und setzt sich mit öst-
lichem Achseristeigen im Zirbelkopf und nördlich des Gamsanger fort.
östlich der ,,F r a n z o s en s t e i g - S t ö r u n g“, die als steile Diagonal-
Störung (150’) den Gebirgskörper zwischen dem Ferchenseeraum und
dem Leutaschtal durchschneidet, erscheint die Sattelstruktur wieder im
Grünkopf-Burgberg-Rücken, hier jedoch mit östlichem Achsentauchen
und mit nach Osten zunehmender Nordvergenz. Eine bedeutende Tren-
nungslinie gegen das Karwendelgebirge bildet das Isartal. Es verdankt
seine Anlage einer großen Querstörung, an der außerdem der Grünkopf-
Burgberg-Sattel bis zur ,,Franzosensteig-Störung“ eine beträchtliche Ab-
senkung erfahren hat.
Die Fortsetzung dieser Sattelstruktur in den Nordwestabstürzen des
Karwendels könnte der tektonisch begrenzte Muschelkalk darstellen, der
von oberhalb der Mittenwalder Hütte bis ins Vordere Dammkar zu ver-
folgen ist.

Einmuldungen am Gamsanger, Zirbelkopf und


Kämikopf
Dem Wettersteinhauptkamm vorgelagert ist ein schmaler, stellenweise
tektonisch eingeengter Muldenzug mit Raibler Schichten. Es handelt sich
um die Ostfortsetzung der Reintal-Mulde. Flache Einmuldungen befinden
sich südlich des Kämikopfes, südlich des Zirbelkopfes und am Gamsanger.
Vom Zirbelkopf nach Osten ist die Richtung der Muldenachse llO-120°i
25” West. Ihre Fortsetzung östlich der ,,Franzosensteig-Störung“ dürfte
im Bereich der Leutaschklamm im Wettersteinkalk liegen.

99
östlicher Wettersteinhauptkamm
Der Ostabschnitt des Wettersteinhauptkammes zwischen den Wetter-
steinspitzen und der Rotplattenspitze bildet den Nordflügel des im Süden
folgenden Schartkopf-Sattels aus Muschelkalk (S.U.). Am Grat steht der
gut gebankte Wettersteinkalk meist saiger oder fällt steil nach Norden
ein. Nach Süden gegen das Leutaschtal ist er stellenweise spezialgefaltet
und stark zerbrochen.

6. Schartkopf-Sattel
Zwischen dem Wettersteinhauptkamm bzw. der Leutaschklamm im
Norden und dem Leutaschtal bzw. der Riedbergscharte im Süden streicht
ein breiter M u s c h e 1 k a 1 k s a t t e 1 ungefähr West-Ost. Seine Fort-
setzung östlich der Isar bildet der Sulzleklamm-Sattel aus Reichenhaller
Schichten.
Die geologisch-tektonischen Verhältnisse sind besonders gut im Schart-
kopfgebiet zu erkennen. Dort ist der Sattelnordflügel im Grenzbereich
Muschelkalk/Wettersteinkalk stark zerschert. Der Muschelkalk steht je-
doch im normalen Verband mit dem Wettersteinkalk am Wildsteigkopf
(SCHNEIDER 1953 a, S. 36). Dagegen ist der Südflügel des Schartkopf-Sattels
beiderseits der Riedbergscharte durch zwei der bedeutendsten Störungen
im Kartengebiet amputiert, Es handelt sich erstens um die Uberschiebung
der sog. ,,1 n n t a 1 - D e c k e“ auf die ,,L e c h t a 1 - D e c k e“, zweitens
ist es die Ostfortsetzung der ,,W e t t e r s t e i n - S ü d r a n d s t ö r u n g“.
Schubspäne von Reichenhaller Schichten, die von der Basis des aufge-
schobenen Muschelkalkes abgetrennt und bei der Uberschiebung mitge-
schleppt worden sind, gehören zur ,,Inntal-Decke“. Davon zu trennen sind
die tektonischen Schubfetzen von Kössener Schichten und Jura-Gesteinen.
Sie liegen nördlich der steilen Uberschiebungsbahn und sind Reste einer
zur ,,Lechtal-Decke“ gehörenden ,,Jungschichtenzone“, die von der ,,Inn-
tal-Decke“ von Süden nach Norden überfahren worden ist.
Nach Westen über das Leutaschtal ist der Muschelkalksattel in seinem
Nordflügel noch im unteren Berglental und am Ostfuß des öfelekopfes
erkennbar. Kompliziert wird sein Bau durch den zur Lot. Im Flecken
hochziehenden Spezialsattel, dessen steil ansteigende Sattelachse vom
generellen West-Ost-Verlauf der Strukturen abweicht. Der Sattel ist in
seinem Scheitel aufgebrochen, in seinem Sattelkern werden Reichenhaller
Schichten sichtbar.
Die ,,Wetterstein-Südrandstörung“ verläuft westlich der Riedberg-
scharte quer über das Leutaschtal zu einem kleinen Vorkommen mit Kös-
sener Schichten westlich Unterleutasch. Es ist anzunehmen, daß die
Störungslinie dort in eine Südwest-Richtung umbiegt, denn ihr weiterer
Verlauf wird durch die Neokom-Mergel westlich Lochlehen, am Ostfuß

100
des öfelekopfes, markiert. Die jungen Schichten sind dort gegen Muschel-
kalk und Wettersteinkalk angepreßt und stellenweise von den starren
Kalkmassen nach Süden überschoben (s. Prohltafel).
Die Uberschiebungsbahn der ,,Inntal-Decke“ dagegen ist im Leutasch-
tal gänzlich vom Quartär verhüllt. Als steile Störung ist sie weiter im
Südwesten, am Nordfuß der Gehrenspitze wieder nachgewiesen, wo sie
im Puitental die ,,Jungschichtenzone“ gegen den südlich anschließenden
Wettersteinkalk begrenzt. Vergleichsweise ist dort die ,,Zone der jungen
Schichten” nicht überschoben, sondern lediglich zwischen den Gebirgs-
zügen im Süden und Norden zusammengepreßt (BÖG~L 1958).

7. Sulzleklamm-Sattel und dessen Ostfortsetzung im Kirchlkar


In der unteren Sulzleklamm bilden isoklinal gefaltete Reichenhaller
Schichten einen nach Norden überkippten Sattel. Alpiner Muschelkalk
kennzeichnet die Sattelflügel. Der S u 1 z 1 e k 1 a m m - S a t t e 1, ver-
schiedentlich auch Leitersteig-Gewölbe genannt, ist die östliche Fort-
setzung des Muschelkalksattels im unteren Leutaschtal und des Schart-
kopf-sattels. Weiter im Osten ist die Sattelstruktur erst wieder im
K i r c h 1 k a r aufgeschlossen. Der Zwischenbereich wird von der ,,I n n -
t a 1 -D e c k e“ verhüllt, die sich zwischen dem Gatter1 und dem Gams-
angerl als ein gefalteter ,,Lappen“ (s. u.) auf die östliche Verlängerung
des Südflügels des Sulzleklamm-Sattels legt (FICISCH 1964, S. 43). Im Kirchl-
kar hat die Erosion die unterlagernde ,,L e c h t a 1 - D e c k e“ freigelegt,
das Erosionsfenster läßt beide Flügel einer Sattelstruktur im Muschel-
kalk erkennen. Im östlichen Kirchlkar verschwindet der Muschelkalk-
sattel wieder unter der ,,Inntal-Decke“.
Die Störungslinie, die den Nordrand der ,,Inntal-Decke“ markiert, im
Westen durch die Riedbergscharte verläuft (s. S. 100) und anschließend
das Isartal quert, tritt südlich der Sulzleklamm ins Karwendel (s. Abb. 17)
und ist in der oberen Sulzleklamm beim Wasserfall besonders gut auf-
geschlossen. Unter der Basis der ,,Inntal-Decke” mit Muschelkalk und
Reichenhaller Schichten finden sich tektonische Schubfetzen von Kössener
Schichten, Oberjura und Neokom. Im weiteren Verlauf der Störung nach
Osten fehlen die ,,Jungschichten”. Dies dürfte in erster Linie auf die nach
Osten zunehmende Uberschiebungsweite zurückzuführen sein.
Von der oberen Sulzleklamm über das Gatter1 zum Kirchlkar verläuft
die Uberschiebungsstörung im Muschelkalk. Reichenhaller Schichten, die
häufig einen Gleithorizont bilden, fehlen in diesem Abschnitt, so daß
hier Muschelkalk zweier verschiedener tektonischer Einheiten aufeinander
liegt. An den zugänglichen Stellen ist eine deutliche Winkeldiskordanz
nachgewiesen, Die flache Uberschiebungsfläche fällt etwa 30’ nach Süd-
osten (FRISCH 1964, S. 54).

101
“Lechtaldecke” 1 “lnntaldecke”
Goms-Aßgeri

EllulJI it%z,ko,k m Obe+m -Kolk


m r%%%Yer

Abb. 17. Westabstürze der Nördlichen Karwendclkcttc im Isartal zwischen


Mittenwald und Scbarnitz (aus FKlScH 1964).
Die Karwcndcl-Ubcrscbiebung im Norden bczcichnet die Grenze ,,Inntaldcckc”/
,,Lechtaldecke“. Die steile Störung im Süden bildet die Fortsetzung der ,,Wcttcr-
stein-Südrandstörung“ im Karwendcl.

Am Gatter1 weicht die Grenze der Jnntal-Decke” nach Südosten zu-


rück, zieht in das Kirchlkar und springt in der Westlichen
hinunter Kar-
wendelspitze wieder nach Norden vor (s. S. 103). Dort liegen wieder
Reichenhaller Breccien an der Basis der fischen Uberschiebung. Inner-
halb des Kirchlkar-Erosionsfensters finden sich auf dem
Muschelkalk der ,,Lechtal-Decke” Reichenhaller Breccien, die Reste der
,,Inntal-Schubmasse“ darstellen. Sie liegen im zentralen Bereich des Kars
sowie in einer tektonisch angelegten ,,Rinne“ südlich der Westlichen Kar-
wendelspitze (vgl. FRISCH 1964, S. 44).
Die geologisch-tektonischen Verhältnisse im Kirchlkar zeigen, daß die
Jnntal-Decke” hier auf verhältnismäßig flacher Gleitbahn von Süden
auf die ,,Lechtal-Decke“ überschoben worden ist. Die I)berschiebungsweite
beträgt für diesen Bereich mindestens 1,5 Kilometer.

8. Nördliche Karwendelkette
Am Bau der Nördlichen Karwendelkette sind zwei tektonische Ein-
heiten beteiligt. Wettersteinkalk der ,,Lechtal-Decke“, der den Südflügel
der Mittenwalder Karwendelmulde bildet, ist von Reichenhaller Schich-
ten, Muschelkalk und Wettersteinkalk der Jnntal-Decke“ überschoben.
Die Reichenhaller Schichten haben dabei als Gleitbahn eine besondere
Rolle gespielt. Am besten ist dies nördlich der Westlichen Karwendel-
spitze, ,,Auf dem Damm“, am Predigtstuhl und bei den ,,Steinklippen“
zu erkennen, wo auf steil bis überkippt stehendem Wettersteinkalk die
meist flach geneigten Schichten der Schubmasse liegen.

102
“Lechtaldecke” / “Inntaldecke”
N Sud1 Korwendel-Kopf

Abb. 18. Grenze ,,Inntaldccke“/,,Lechtaldccke“ zwischen Mittlerem und Süd-


lichcm Karwendclkopf (aus FRISCH 1964).

Zur ,,Lechtal-Decke” gehören u. a. die Viererspitze, die Kreuzwand,


die Wettersteinkalkwände im Vorderen Dammkar und der Predigtstuhl.
Dagegen sind die Westliche Karwendelspitze, die Lerchfleckspitzen, die
Tiefkarspitze, die Großkarspitzen und der Wörner Erhebungen am Nord-
rand der ,,Inntal-Decke“.
Die Nordgrenze der ,,Inntal-Decke“, die im Kirchlkar eine Einbuch-
tung nach Süden hat, reicht in der Westlichen Kaiwendelspitze weiter
nach Norden. Reichenhaller Schichten am Fuß des eigentlichen Gipfel-
stockes aus fIach liegendem Muschelkalk bezeichnen die oberschiebungs-
linie. Von dort verläuft die Störung zwischen dem Siidlichen und Mitt-
leren Karwendelkopf (s. Abb. 18) nach Nordosten zur Lot. ,,Auf dem
Damm“, wo Reichenhaller Schichten überschoben auf Wettersteinkalk
liegen. Weiters zieht die Oberschiebungsbahn durch das Hintere Damm-
kar und wird am Predigtstuhl wieder sichtbar. [Link] liegen Alpiner
Muschelkalk und gequetschte Reichenhaller Schichten der höheren tek-
tonischen Einheit auf Wettersteinkalk der tieferen tektonischen Einheit.
Ähnliche Verhältnisse liegen bei den ,,Steinklippen“ vor, außerdem sind
dort die Raibler Schichten und der Wettersteinkalk am Südflügel der
nördlich anschließenden Mulde (,,Lechtal-Decke“) tektonisch stark redu-
ziert. Am Wörner-,,Sattel” stößt der Wettersteinkalk der ,,Inntal-Decke“
gegen mylonitisierte und in ihrer Mächtigkeit auf ein Minimum reduzierte
Raibler Schichten der ,,Lechtal-Decke“. Jenseits des Kartenrandes läßt
sich die Uberschiebungsstörung noch weit nach Osten verfolgen: Ein
schmales Band von ausgequetschten Reichenhaller Schichten, das sog.
,,Reichenhaller Band“, trennt den Wettersteinkalk zweier verschiedener
tektonischer Einheiten.

103
9. Brunnenstein-Gebiet
Es bildet den Nordflügel der im Süden sich anschließenden H i n ter-
aut al- Muld e. Der nördliche Bereich, am Nordrand der ,,Inntal-
Decke“, ist auffallend stark gefaltet. Am Gamsanger1 bilden die Reichen-
haller Schichten einen eng gefalteten, nach Norden überkippten Sattel.
Bemerkenswert ist dort das vereinzelte Auftreten von Eruptivgesteinen.
Es entzieht sich jedoch der Feststellung, ob sie altersmäßig den Reichen-
haller Breccien zugerechnet werden können, oder ob es sich bei den
Gesteinen vom Typ Ehrwaldit um Schubfetzen handelt (vgl. S. 15), die
bei der ,,Inntal-Deckenüberschiebung“ aus der ,,Jungschichtenzone“ mit-
geschleppt worden sind.
Das eigentliche Brunnenstein-Gebiet wird von mächtigem Wetterstein-
kalk aufgebaut, dessen Schichten nach Süden gegen das Karwendeltal
einfallen. Der Gebirgskomplex wird von einer steilen Störung
durchschnitten (s. Abb. 17), die im Süden der ,,Inntal-Deckengrenze“ vom
westlichen Wettersteingebirge über das Arnspitz-Gebiet und Karwendel-
tal in Richtung Karwendelhaus (Schlauchkar-Graben) verläuft. Zwischen
den Gebirgsschollen sind stellenweise Reste von ,,Jungschichten“ und
Späne älterer Triasgesteine eingeklemmt. Die Störung zieht von Westen
(Hasellähne, Riedbodeneck, s. u.) quer durch das Isartal und erreicht
zwischen dem Brunnensteinköpfl und dem Brunnensteineck das Kar-
Wendel, wo sie anfangs von Klemmspänen aus Malmkalken und Muschel-
kalk sowie von relativ großen tektonischen Breccien begleitet wird. Nach
Osten verläuft sie durch die Roßlähne hinauf zum Brunnensteinanger
und von dort über das Brunnensteinkar hinunter zum Kirchlbach. Jen-
seits des Karwendelbaches bezeichnen zwischen Muschelkalk und Wetter-
steinkalk eingeklemmte Schuppen von Reichenhaller Schichten den
weiteren Verlauf der Störung.

10. Arnspitz-Massiv
Der Gebirgsstock mit den Arnspitzen, Achterköpfen und Riedkopf
nimmt eine vermittelnde Stellung ein zwischen dem Wetterstein- und
Karwendelgebirge. Der aus Wettersteinkalk und Muschelkalk bestehende
Gebirgskomplex ist im Norden bei der Riedbergscharte auf den Südflügel
des Schartkopf-Sattels aufgeschoben, wobei von der Muschelkalkbasis
abgetrennte Reichenhaller Schichten mitgeschleppt worden sind. Bei die-
ser nordwärts gerichteten ,,Inntal-Deckenüberschiebung“ wurde nach
SCHNEIDLR (1953 a, S. 38 f., 43, 51) der Arnspitzstock nach Nordwesten aus
seinem Verband herausgedreht. Dies ist an dem vom Generalstreichen
(West-Ost) abweichenden Schichtstreichen des Wettersteinkalkes deut-
lich zu erkennen. Die südliche Begrenzung der sog. Arnspitz-,,Gipfel-
schuppe“ (SCHNEIDER 1953 a, S. 37 ff.) bildet die steile ,,H a s e 11 äh n e -
S tö r u n g“, die von der Südseite der Arnspitzen nach Osten in das

104
Isartal hinunterzieht. Die Störung erscheint wieder am R i e d b o d e n -
eck, wo Schubspäne von Oberjura-Gesteinen und Neokom-Mergeln
zwischen Wettersteinkalk eingeklemmt sind. Zwischen dem Riedbodeneck
und der Hasellähne ist die Störungslinie nach Nordwesten versetzt. Ihre
Ostfortsetzung im Karwendel hat sie am Westabfall der Brunnenstein-
Spitze.

111. Störungen
Die West-Ost streichenden Faltenstrukturen werden von einer Reihe
bedeutender Störungen durchsetzt, die unabhängig vom Gebirgsbau und
vom Gesteinswechsel quer zum Streichen verlaufen. In erster Linie
sind es zwei Diagonal-Störungssysteme, die nach Nordnordwest bzw. nach
Nordnordost gerichtet sind. Es handelt sich vorzugsweise um ,,Blattver-
schiebungen“, häufig in Verbindung mit einer steilen Abschiebung. Sie
entstanden nach der Anlage des Großfaltenbaues. Teils können sie mit
der Oberschiebungstektonik (s. Seite 95) in Zusammenhang gebracht
werden, teils sind sie aber auch jünger.
Im östlichen Wettersteingebirge, im Sehartkopf-Gebiet und im Arn-
spitz-Massiv sind die Störungen meist nach Nordnordwest (150-170’)
gerichtet, wobei der Westteil nach Nordwesten versetzt. ist. Im westlichen
Vorkarwendel, insbesondere in der Mittenwalder Karwendelmulde,
herrscht die Nordnordost-Richtung vor (15-30’). Hier ist jeweils der Ost-
teil nach Nordosten versetzt und zusätzlich an steiler Störfläche abge-
schoben.
Eine bedeutende Störung verläuft parallel zum l’sartal. An ihr ist
z. B. der Burgberg-Grünkopf-Rücken gegenüber dem Karwendel bis zur
Querstörung beim Franzosensteig deutlich abgesenkt.

E. GeophysikalischeUntersuchungen
Ergebnisse geophysikalischer Untersuchungen sind für das Blatt
Mittenwald nicht veröffentlicht.

105
F. Hydrogeologische Verhältnisse
Der Grundwasserhaushalt eines Gebietes im Alpenraum wird in erster
Linie vom Wasseraufnahmevermögen bzw. von der Durchlässigkeit der
Gesteine und von der Oberflächenwassermenge bestimmt. In der Um-
gebung von Mittenwald kommt ferner den hohen Niederschlagsmengen
eine große Bedeutung zu. Die Niederschlagsrate liegt zwischen 1300 mm
und 2000mm pro Jahr, wobei die niedrigsten Niederschläge im Isartal
und die höchsten in den Hochgebirgslagen gemessen sind (vgl. S. 120).
Nach hydrogeologischen Gesichtspunkten lassen sich im Blattgebiet
folgende drei Bereiche unterscheiden:

1. Isartal und Leutaschtal


Die jungquartären Schotterablagerungen in den Haupttälern sind stark
wasserdurchlässig. Der Grundwasserspiegel steht meist nur wenige Meter
unter der Geländeoberfläche (vgl. Bohrprofile, S. 142). Der Grundwasser-
strom wird teils vom Vorfluter, teils vom unterirdisch zufließenden Hang-
wasser der Bergflanken gespeist. Das reiche Grundwasserangebot könnte
für die Wasserversorgung herangezogen werden, sofern in weitem Um-
kreis Vorsorge für die Beseitigung von Abwasser getroffen ist.

2. Moränengebiet
Im Verbreitungsgebiet der Moränen ist mit wechselnden hydrogeolo-
gischen Verhältnissen zu rechnen, je nachdem, ob sandig-kiesige oder
schluffig-lehmige Moräne den Untergrund bildet. Letztere ist bedingt
wasserstauend, es treten vorwiegend kleinere Quellen auf. Die sandig-
kiesige Moräne im Drumlingebiet nördlich Mittenwald ist verhältnis-
mäßig durchlässig, das versickernde Niederschlagswasser tritt stellen-
weise am Westufer der Isar über den Seekreiden wieder aus.

3. Kalkalpen
In den kalkalpinen Bereichen hängt der Wasserhaushalt des Unter-
grundes hauptsächlich von der petrographischen Beschaffenheit der Ge-
steine ab. Wasserstauende Schichten sind insbesondere Partnach-Schich-
ten, Raibler Schiefertone und Sandsteine, Kössener Schichten und Kreide-
mergel. Darin finden sich viele Quellen, die meist ganzjährig schütten.
Dagegen versickert das Wasser in den mächtigen, stets klüftigen Kar-
bonatgesteinen sehr rasch. Vereinzelte Quellaustritte in Störungszonen
oder in mergeligen Zwischenlagen schütten nur zeitweise und versiegen
bereits nach einer kurzen Trockenperiode. Häufiger sind Wasseraustritte

106
in Gehängeschuttmaterial und am Fuß von Geröllhalden. Die Schüttungs-
menge dieser Schuttquellen richtet sich ebenfalls nach den jahreszeitlich
wechselnden Niederschlagsmengen.

G. Nutzbare Ablagerungen
Kies
Die Kicsgrubcn nördlich Mittenwald in kiesiger Moräne sowie bei
Kranzbach und westlich Elmau in spätglazialen Schottern werden nur
für den örtlichen Bedarf genutzt. Dagegen wird im Isartal aus den jüng-
sten Schotterablagerungen in größerem Umfang Betonkies gewonnen.

Hau- und Schottersteine


Gegenwärtig steht nur der Marmorbruch im unteren Marmorgraben
im Abbau. Dort wcrdcn Liaskalke gebrochen, die im polierten Zustand
einen wertvollen ,,Marmor“ liefern. Der Abfall wird bei der Wildbach-
Verbauung oder als Weg- und Straßenschotter verwendet.
Nicht mehr abgebaut werden die Steinbrüche im unteren Roßgraben
südlich Klais (Kalkbänke im Hauptdolomit), an der Bahnlinie östlich
Klais (Raibler Kalk), östlich Kaltenbrunn (Partnach-Kalk), am Brunnen-
steineck nordöstlich Scharnitz (Wettersteinkalk) und westlich des Ried-
bodcns (Alpiner Muschelkalk).

Seekreiden
Industriell verwertet werden nur noch die Seekreidevorkommen nörd-
lich Kaltenbrunn (vgl. S. 65 ff.). Die Kreidebrüche am Westufer der Isar
und in der Umgebung von Kranzbach sind aufgelassen.

Die ,,Sonderfazies“ und Lagerstätten im Oberen Wettersteinkalk


Der Wettersteinkalk zeigt in seinen oberen, wohlgebankten Partien
eine bemerkenswerte Faziesdifferenzierung. Diese Sonderentwicklung
wurde vor allem von SCHNEIDER (1953 b, 1954) und TAUPITZ (1954) in den
Nördlichen Kalkalpen untersucht und als ,,Sonderfazies im Oberen Wet-
tersteinkalk“ beschrieben. Sie ist gekennzeichnet durch bituminöse Kalk-
Dolomitgesteine mit Mergellagen, Resedimente von Karbonatpeliten
(,,Schwarze Breccie“) und Karbonat-Flußspatgesteine mit akzessorischen
sulfidischen Erzen (Pb, Zn, Fe). Stärkere Anreicherungen der Erze bilden
kleine Lagerstätten, die in früheren Zeiten beschürft und örtlich abge-
baut worden sind (S.U.).
Die Gesteine der Sonderfazies treten nach SCHNEIDER (1954, S. 12)
,,selten in größerer vertikaler und horizontaler Verbreitung auf, sondern
beschränken sich meist, in unruhiger Wechsellagerung, auf & schicht-

107
beständige Linsen und weit auskeilende, dem normalen Bankungsrhyth-
mus des oberen Wettersteinkalkes zwischengeschaltete Einschaltungen“.
Die Mächtigkeit der Sonderfazies schwankt in den unten beschriebenen
Vorkommen bei Mittenwald zwischen 40 und 60m.

Beschreibung der Gesteinstypen:


In den Rhythmiten und in dem Zurücktreten der Kalkalgen im Oberen
Wettersteinkalk deuten sich erste Änderungen der Faziesverhältnisse an.

Abb. 19. ,,Spezialfazies“ im Oberen Wettersteinkalk. Schurfbau ,,Gute Hoffnungs-


zeche“, unter den Ferchenseewänden südwestlich Mittenwald.
Die ,,Spezialfazies“, die hier 40-5 0 cm mächtig wird, umfaRt cinc Mcrgellagc (l),
Schwarze Brcccien (2), Karbonat-Flußspat-Rhythmite mit etwas Blciglnnz (3) so-
wie größere Massen von Kalzit, Flußspat und derbem Bleiglanz (4). -f strat.
Hangendes.

108
Die S a p r o p e 1 i t e , i. e. bituminöse Kalke und Dolomite (vgl. chemische
Analyse), die in feinster Verteilung Sulflderze und Flußspat enthalten,
erlauben Rückschlüsse auf euxinische Faziesbedingungen. Mit diesen Ge-
[Link] treten als 20-60 cm mächtige ,,S p e z i a 1 f a z ie s“ Mergel,
Breccien und Karbonatgesteine mit hohem Flußspatgehalt und mit Erz-
anreicherungen auf (Abb. 19). Auf Schichtflächen, Klüften und Haarrissen
hat sich leicht mobilisierbares Bitumen angesammelt
a. Im Liegenden der Spezialfazies finden sich geringmächtige, grün-
lichgraue bis bräunlichgraue, blättrige M e r g e 1, die häufig bis auf
wenige Zentimeter tektonisch zusammengepreßt sind (vgl. chemische
Gesamtanalyse).
Chemische Analyse eines Bitumen-Rhythmit vom Riedbodeneck
(Aus: SCHNEIDER 1953 b, S. 15)
Pb 0,36 Olo
Zn 2,05
Fe 0,86
S 0,82
Ca 34,56
Mg 1,35
Mo Spuren
Rest: CO,, Bitumen und toniger Rückstand
Gesamtanalyse der weichen, blättrigen Mergel aus der ,,Guten
Hoffnungs-Zeche” (Aus: SCHNEIDER 1953 b, S. 19)
Glühverlust (viel organische Substanz, H-0, COz, etc.)
35,41 o/o
SiOu 22,33
Al,O, 7,20
Fe@, 2,49
Mg0 14,44
Ca0 15,75
Sr0 2,29 (!)
Summe 99,90 O/U
b. Unvermittelt auf die Mergellage folgt eine 3-10 cm (max. 20 cm)
mächtige Breccienlage, deren auffallendste Kennzeichen dunkelgraue bis
grauschwarze Komponenten sind (,,S c h w a r z e B r e c c i e“), die einige
Zentimeter Durchmesser aufweisen und sich scharf gegen das Zwischen-
mittel abheben (Abb. 20). Daneben treten auch heller graue Gesteins-
reste auf.
Nach der Lagerung im Schichtenverband ist eine tektonische Ent-
stehung der Breccie ausgeschlossen. Vielmehr handelt es sich um mecha-
nische Resedimente im Sinne SANDBRS (1936, S. 69 ff.), die in einem bereits
schwach verfestigten Zustand während eines kurzen Aufarbeitungs-
~JrOZeSSeS in einem noch nicht diagenetisch verfestigten Pelit zum Absatz
gekommen sind.

109
Abb. 20. Schwnrzc Breccic in der ,,S?czinlfazics“ im Obcïcn Wcttcrst-cinknlk;
Anschliff.

Schwarze Breccien treten auch in den stratigraphisch tieferen Lagen


der Sonderfazies auf (Abb. 21) sowie unregelmäßig im Hangenden der
Rußspatführenden Gesteine.

c. Karbonatgesteinc mit Flußspat und


sulfidischen Erzen
Auf die ,,Schwarze Breccie“ der Spezialfazies folgt eine 5-15 cm
mächtige, besondere Faziesbildung mit einer bereits im Handstück er-
kennbaren rhythmischen Feinschichtung. Das pelitischc Karbonatgestein
enthält reichlich Fluoritaggregate und führt akzessorisch derben Blei-
glanz und Zinkblende. Untergeordnet ist Pyrit als Einzelkörner oder als
,,bromheerartige“ Anhäufungen (Y vererzte Bakterienkolonien). Vgl. che-
mische Analyse.
Im Hangenden des Karbonat-Flußspat-Rhythmits tritt der Flußspat
makroskopisch in größeren Massen auf.
Auf die extensive Verbreitung des Flußspates in Gefügen der Gesteine
der Sonderfazies machten erstmals SCHNMIXR (1953 b, 1954) und TAUIWZ
(1954) aufmerksam.

110
Chemische Analyse eines Gesteins mit sedimentärem Flußspatgehalt
(Aus: SCHNEIDER 1954, S. 24 Tab. 2).
Lot. ,,Gute Hoffnungs-Zeche“ b’ei Mittenwald, FlußspatbankiLager
Ca 37,oo Q/o
Mg 3,32
Al 5,3
Fe 0,26
Pb 0,12
Zn nicht nachzuweisen
SiO, 0,02
s - 0,15
F 24,58
Sr 0,8 (9
Nach SCMNI~IDEIC (1953 b, S. 21 ff.; 1954, S. 18 f.) können insgesamt drei
Mineralisationsphasen unterschieden werden:
1. Sedimentäre Phase (-- Generation 1)
Die feingeschichteten Gesteine zeigen im Dünnschliff im Licgendcn
einer jeden Feinschicht einen Kristallrasen von hypidiomorphem Pyrit.
Dabei zeigt sich deutlich, wie die Kristalle von durchschnittlich 0,5 mm,
maximal 1,5 mm Kantenlänge nach unten in ein noch unvcrfestigtcs
Scdimcnt hineinwachsen. Im Hangenden des Kristallrasens kommt es
im Verlauf der weiteren Sedimentation rasch zu einer weitgehenden
Unterbrechung des Kristallwachstums durch die mechanische Anlagerung
eines Karbonatpsammits. Im Hangenden der Feinschicht wird der Kar-
bonatanteil pclitisch, der absolute Flußspatgchalt nimmt wcitcr ab. Die
vereinzelt auftretenden, in Pclit eingebetteten Kristalle sind vorwiegend
idiomorph.
Der Flußspatgehalt einer Feinschicht kann bis zu 50 “io betragen. Zu-
sä[Link] treten in kleinen Mengen Sulfiderze auf, meist diffus verteilt
und nur u.d.M. erkennbar.
2. Diagenetische Phase i. w. S. (-- Generation 11)
Bei stärkerer Vergrößerung zeigt sich am Rande von zersetzten Fluß-
spataggrcgatcn ein sekundäres Kristallwachstum, eine Art Spatisation.
Verhältnismäßig reiner, vorwiegend farbloser, hypidiomorpher Flußspat
wächst mit scharf begrenzten Kristallformen in Kleinsthohlräume hinein.
Die Restlumina sind mit Kalzit ausgefüllt. SCHNBIDI:R (1954, S. 18) ordnet
den Flußspat dieser zweiten Phase einer para- bis postdiagenetischen
Sammelkristallisation (,,Reinigungskristallisation“) zu.
3. Phase hydatogener Umlagerungen (- Generation 111)
Vorwiegend im Hangenden der Spezialfazies tritt makroskopisch auf-
fälliger, klarer bis schwach gelblicher, selten schwach violetter Flußspat
auf, meist in massiger Ausbildung mit grobkörnigem Gefüge, seltener

111
idiomorph. Die Kristallwürfel besitzen eine Kantenlänge von mehreren
Millimetern (max. 10 mm). Sie sind mit milchig-weißem Kalkspat ver-
wachsen, der die Abgrenzung zum hangenden Wettersteinkalk bildet
bzw. taschenförmig in diesen hineingreift. Häufig sind hier schwarze
Bitumenbestege.
Mit dem Kalkspat und Flußspat dieser Phase treten als derbe Massen
und Butzen angereichert Bleiglanz, Zinkblende und in kleinen Mengen
Schwefelkies auf. Wie typische Verdrängungsbilder zeigen, sind die Sul-
fiderze gemeinsam mit dem Flußspat während paradiagenetischer Sammel-
kristallisationen in das Nebengestein ausgewandert und haben zu dessen
Vererzung geführt (vgl. MAUCHER 1954; SCHNEIDER 1953 b, 1954).

Zur Herkunft des Flußspates und der sulfidischen


Primärerze:
Die sedimentären Anlagerungsgefüge innerhalb der Feinschichten
zeigen eine syngenetische Bildung des Flußspats und der sulfidischen
Erze mit dem Karbonatgestein. Diagenetische Umkristallisationen und
Lösungsumsetzungen haben vielfach das Sedimentärgefüge verwischt.
Eine hydrothermale, epigenetische Stoffzufuhr und Vererzung erscheint
ausgeschlossen.
Für die Zufuhr des Fluors und der Metallionen wird ein schwacher
,,initialer Magmatismus“ im mitteltriadischen Geosynklinalraum verant-
wortlich gemacht. Auch die ausfällenden Anionen der syngenetisch-sedi-
mentären Sulfiderze können von submarinen Exhalationen hergeleitet
werden (SCHNEIDER 1953 b, 1954).

Sichere Hinweise für eine vulkanische Tätigkeit fehlen im Unter-


suchungsgebiet und in der weiteren Umgebung. Anhaltspunkte für einen
zeitweisen, schwachen, submarinen Vulkanismus geben lediglich die Tuffit-
lagen im unterlagernden Alpinen Muschelkalk (s. S. 18 f.).
Nach dem rhythmischen Auftreten des Flußspates im Sedimentgefüge
wird auf eine nur zeitweise Fluorzufuhr geschlossen (SCHNEIDER 1954,
S. 26f.). Während episodischer Exhalationen gelangte das Fluor in das
Meerwasser und wurde nach geringem Lösungstransport mit den Ca,-
Ionen als schwerlösliches CaF, ausgefällt. Die Fluorkonzentration war
dabei maßgebend für die Anzahl und Größe der Flußspatkristalle.
Mit dem Auftreten von Flußspat steht der Bitumengehalt in ursäch-
lichem Zusammenhang: Die Zufuhr des Fluors hatte eine Vergiftung des
Lebensraumes und ein Absterben der Organismen zur Folge. Das Bitumen
ist also ebenfalls primär sedimentär gebildet.

Erzkörper und Erzminerale


Innerhalb der ? schichtbeständigen Lagen der Sonderfazies treten die
Sulfiderze im Verband mit Kalkspat und Flußspat (,,Gangart“) unregel-

112
mäßig und nesterartig in derben Massen auf. Die Primärerze Zinkblende,
Bleiglanz und Schwefelkies sind während einer diagenetischen Sammel-
kristallisation angereichert worden. SCHNEIDER (1953 b, S. 55 ff.) hat diesen
konkordanten Lagerstättentyp nach seiner geringen Entfernung von den
Raibler Schichten (ca. 10-15 m im Liegenden der Raibler Schiefertone
und Sandsteine) als ,,Raiblernahes Lager“ beschrieben.
Außerdem sind die Erze in Störungszonen, die die schichtigen Lager
durchsetzen, deszendent angereichert. Als schlauchförmige Erzkörper
sitzen sie auf Klüften und in Gangspalten. FluDspat als ,,Gangart“ fehlt.
Neben sulfidischen Erzen (v. a. Schalenblende) treten hier vorzugsweise
oxydische Erzparagenesen auf. Es handelt sich vor allem um die Sekundär-
erze ,,Galmei“ und Schwarzbleierz. Eine Besonderheit ist das Vorkommen
von Molybdän- und Vanadium-Erzmineralen. SCHNEIDER (1953 b, S. 55 ff.)
bezeichnete diese diskordanten Lagerstätten als ,,Raiblerferne Lager“.
Die epigenetischc Vererzung hat sich mit den gebirgsbildenden Phasen
und den späteren tektonischen Beanspruchungen gebildet (MILLER 1960.
S 73). Eine Oxydation der Sulfiderze (PbS + Cerussit, ZnS -+ ,,Galmei“)
unter gleichzeitiger Anreicherung der Erze ist während des Tertiärs er-
folgt. Wulfenit und Descloizit haben sich erst nach der teilweisen Oxy-
dation des Bleiglanz und der Zinkblende gebildet,

Erzminerale
a. Primärerze: ZnS, PbS, FeS,
Zinkblende (ZnS) tritt vor allem als derbes, grobkörniges Erz
von honiggelber Farbe (,,Honigblende“) auf. Daneben finden sich rötlich-
braune, feinerkörnige bis dichte Erzpartien mit Gelstrukturen. Diese
gelblichbraune bis rosafarbene ,,Schalenblende“ befindet sich nach SCHNEI-
DER (1953 b, S. 58f.) nicht im sedimentären Verband und ist bei sukzes-
siven Lösungsvorgängen in Hohlräumen entstanden. Randlieh gehen die
schalig struierten Erze in die Honigblende über.
Nach SCHNEIDEIL (1953 b, S. 58 f.) enthält die Zinkblende in isomorpher
Mischung relativ wenig Eisen (bis zu 0,6 O/o Fe) und einen verhältnis-
mäßig hohen Cadmium-Gehalt (bis zu 0,2 O/o Cd).
Bleiglanz (PbS) tritt als schwarzgraues, ,,bleigraues” Erz mit
stark metallischem Glanz in derben Massen auf. Er besitzt einen be-
merkenswert hohen Silbergehalt (AgS). Nach älteren Angaben hat er
bis zu 1000 gr Ag/to Erz, durchschnittlich 300-450 grito betragen. Die
silberreichen Erze aus der Zementationszone wurden in früheren Zeiten
abgebaut. Die heute auffindbaren Bleierze weisen einen weit geringeren
Ag-Gehalt auf.
Nach SCHNEIDER (1953 b, S. 58 f.) ist in den schichtigen Lagern das
durchschnittliche Mengenverhältnis der Sulfiderze ZnS : PbS etwa 7 : 1.
Im ehemaligen Bergbau am Riedbodeneck ist das Verhältnis etwa 9 : 1.
In den Schurfbauen unter den Fcrchenseewänden und am Rupfenvogel
tritt ZnS gegenüber PbS fast ganz zurück.

8 113
S c h w e f c 1 k i e s (Fe&), Pyrit und Markasit, tritt makroskopisch
nicht in Erscheinung.

b. Verwitterungserze
Wo die Verwitterungszone (,,Hutzone“) nicht tief eindringen konnte,
treten die oxydischen Erze nur an der Oberflache auf, z. B. in den Aus-
bissen der Sonderfazies mit schichtiger Vercrzung.
Auf Kluft- und Störungssystemen reicht die Oxydationszone tiefer.
Hier wurden die Sulfiderze oxydiert und gleichzeitig angereichert. Es
entstanden Sulfatc, unter denen das ZnSO,, gegenüber dem PbSO,, cr-
heblich leichter löslich ist. In Verbindung mit Karbonaten bildeten sich
ZnCO,, PbCO,, u.a., die Sulfate (CaSO,, MgSO,) wurden weggeführt.
Aus Zinkblende bildete sich ,,Ga 1 m e i“ (v. a. Zinkspat und Zink-
blüte) mit nierig-schaligem Habitus, teils farblos, trüb und gelblich,
teils stark verunreinigt.
,,Galmei” ist ein Sammelbegriff für karbonatische und silikatische
Zinkerze aller Art: Zinkspat ZnCO,, Zinkblüte (Hydrozinkit Zn, ((OH),
CO,),), Kieselzinkerz (Hemimorphit Zn,< ( (OH)2 Si-O,) * H,O.
Aus dem Bleiglanz bildete sich C c r u s s i t (PbCO,), vor allem das
noch mit Bleiglanz vcrmcngtc Schwarzbleierz, seltener rein wcißcs Weiß-
bleierz.
In der Zementationszone, unter dem Grundwasscrspiegcl, konnten sich
beim Zusammentreffen von in Lösung zugeführten Metallen mit frischen
Sulfidcn Edelmetalle anreichern (z. B. Silberglanz Ag&.
W u 1 f e n i t PbMoO., und D c s c 1 o i z i t Pb (Zn, Cu) (OHIVO,) haben
sich beim Zusammentreffen der aus den hangenden Schichten zugeführten
Molybdän- und Vanadium-Elemente mit den Blei- und Zinkerzen in der
Oxydationszone gebildet
Mo und V ist in den Raiblcr Schiefertonen und in den bituminösen
Schiefern des Hauptdolomits in deutlichen Spuren vorhanden. Sie gc-
langten bei der Verwitterung des Deckgebirges mit dcszendenten Wässern
auf Klüften und Spalten in die Tiefe.
In der griißten Blei-Zink-Lagerstätte im Wettersteingebirge, in der
Johannes-Zeche bei den ,,Knappenhäuscr“, oberhalb der Höllentalklamm,
wurde während des 1. Weltkrieges das Gelbbleierz Wulfenit gewonnen.
Das Molydänmetnll diente zur Stahlveredlung (vgl. MII.I.~R 1960, dort
weitere Literaturhinwcisc).
E r z v o r k o m m c n im Grenzbereich Wcttersteinkalk/Raibler Schichten:
Der obere Wettcrstcinkalk weist in seinen hangenden Lagen einen
hohen, bereits im Handstück erkennbaren Schwefelkiesgehalt auf. Pyrit
und Markasit sind teils idiomorph, teils diffus eingesprenkelt (,,Sprenkel-
crz“). Der Gehalt an FeS, nimmt vom tieicrcn zum höheren Oberen
Wettersteinkalk zu; gleichzeitig nimmt der PbS-Gehalt ab (GERMANN 1963,

114
S. 42). Im angelösten Kalk erscheinen die in Brauneisen umgcwandcltcn
Eisensulfidc in Form von Krusten und Schwarten sowie pseudomorph
nach Pyrit.
Den direkten Grenzhorizont zu den Raibler Schichten bildet ein lO-
15 cm mächtiger Horizont mit Limonit und mit traubig-nicrigem Glas-
kopf (,,brauner Glaskopf“), An erosionsgeschützten Stellen erweisen sich
diese Verwitterungserze als ein schichtbeständiges Lager (,,Raibler Grenz-
lager“, Sc~r~rmm 1953 b, S. 41 ff.). Auch die überlagernden Raibler Schic-
Vertone enthalten noch reichlich Schwefelkies, der 1..T. in Limonit um-
gewandelt ist.
Das ,,Grenzlager“ enthält nach TAUIWZ (1954, S. 44)außer Schwefelkies
und Limonit Spuren von Pb, Zn, Mo, V, u. a.
Die Erze der Schwefelkies-Paragenese, Pyrit und Markasit, sind in
einem frühdiagenetischen Zeitpunkt gebildet worden (SCHNEIDRII 1953 &
Mitarb.). Die Metallionen, teils im Meerwasser gelöst, teils mit den ter-
rigcnen, feinklastischen Raibler Sedimenten zugeführt, wurden in einem
reduzierenden Milieu von Bakterien in Sulfid umgesetzt bzw. durch H?S
(Fäulnisgase) aus deszendenten Fe-reichen Lösungen in Kleinhöhlen aus-
gefällt.
D:ls Brauneisen bzw. Limonit ist durch die Oxydation der Sulfiderze
entstanden, und zwar bevorzugt an der Schichtgrenze Wettersteinkalk!
Raibler Schichten. Die Umwandlung erfolgt seit dem jüngeren Tertiär,
seit dem Abtrag dcs Dcckgebirgcs, und war zeitweise durch ein feucht-
warmes Klima begünstigt.
Die Vorkommen der Verwitterungserze im Blattgebiet sind auf die
Einmuldungen am Gamsanger, Zirbelkopf und Kämikopf beschränkt. Sie
sind unbauwürdig.
Im westlichen Wettersteingebirge hatten diese Erze in früheren Zeiten
wegen ihres relativ hohen Eisengehaltes eine geringe bergwirtschaftliche
Bedeutung. Ihre geringe Mächtigkeit, die große Höhenlage und die schlech-
ten Zugänge machten den Bergbau wenig rentabel.
Bcreils im 15. Jahrhundert wurde an mehreren Fundpunkten gc-
schürft und Limonit abgebaut, insbesondere bei der Hammersbacher Alpe
und im Bereich der Hupflcitc (vgl, VACIT~ 1960). Schon damals bestand
bei Hammersbach ein Hammerwerk. Die Abbaue beschränkten sich fast
ausschließlich auf’ die anstehenden Verwitterungserze (,,Eiserner Hut”).
I!; den Primärerzen waren die ohnehin kleinen Lagersiätten nicht mehr
bauwürdig. Im 17. Jahrhundert murdc bei der Hnmmersbachcr Alpe
,,Eisenvitriol” (Eiscnsulfatc) zur Gewinnung von ,,Vitriolsud“ abgebaut.

Laagerstätten
Der Erzbergbau in den Nördlichen Kalkalpen hatte nur in früheren
Jahrhunderten eine gewisse wirtschaftlicht: Bedeutung. Die kleinen Ab-

115
baue und Schürfe in der Umgebung von Mittenwald spielten dabei eine
nur untergeordnete Rolle.
Die Blei-Zink-Bergbaue fallen zeitlich nach SCHNEIDER (1953 b, S. 119 ff.)
in folgende 3 Blüteperioden:
(a) ,,Erschließerzeit” vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum 30-
jährigen Krieg.
(b) Zweiter wirtschaftlicher Aufschwung, meist durch landesfürstliche
Initiative, um 1660 bis Mitte des 18. Jahrhunderts.
(c) Letzte Abbaue um 1820 bis Mitte des 19. Jahrhunderts.
Von 1870-1900 erlebte der Bergbau eine ,,Scheinblüte“ mit großzügig
angelegten Aufschlußarbeiten. Die oxydischen Verwitterungserze (Hut-
erze) und auch die deszendent auf Störungen angereicherten Erze waren
jedoch durch die früheren Abbaue weitgehend erschöpft.
Die äResten Angaben über Erzvorkommen im Kartengebiet stammen
aus dem Jahre 1476. nach denen bei Mittenwald ,,reiche Silberadern“
(BAADI:R 1880, S. 27, PFUND 1895, S. 37 f.) entdeckt wurden. MAYER (1930,
S. 47 f.) bezieht sich auf Angaben in den ..Relationes Curiosae Bavaricae“
(1715) ‘wonach um das Jahr 1480 bei Mittenwald ein Silberbergwerk bc-
standen hat und es darüber zu einem Streit um das Bergregal kam
zwischen dem damaligen Landesherrn Bischof Sixtus zu Freising und
dem Herzog Albrecht von Bayern. Ein weiterer Hinweis auf Bergwerks-
arbeiten bei Mittenwald stammt aus dem Jahre 1487.
Im Jahre 1552 erhielt ein Leonhard Mertl aus Nürnberg von Bischof
Philipp die Erlaubnis, im Karwendel nach Galmei zu graben. Der Ab-
bau war 33 Jahre in Betrieb.
1620 wurden am Rupfenvogel Bleierze entdeckt. Den Beschreibungen
zufolge (BAADER 1880, S. 51) sollen 1 Zentner Bleiglanz-Reicherze 70 Pfund
Blei erbracht haben. In diese Zeit dürften auch die ersten Bergbauver-
suche am Riedbodeneck fallen. Bei Mittenwald und Partenkirchen be-
standen damals Blei- und Zinkschmelzen. Der 30-jährige Krieg hat dieser
Bergbauperiode ein Ende gesetzt.
1706 wurde der Erzabbau im Karwendel von einem Andräas Forster
wieder aufgenommen. Während des Spanischen Erbfolgekrieges wurde
der Bergbau eingestellt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Erzvorkommen
am Riedbodeneck neu beschürft und die Bleierze in den Ferchensee-
wänden entdeckt (s. u.).
Erwähnenswert ist, daß bei Nassereith und Dirstentritt (Tirol) bis
Mitte des 20. Jahrhunderts Blei-Zinkerze abgebaut wurden. In Lafatsch
im Karwendel wird von der Bleiberger Bergwerksunion noch heute ein
Hoffnungsbau betrieben,
Nach einer von SCHNEIDER (1953 b, S. 54, Tab. 1) stammenden Zu-
sammenstellung der Erzvorkommen im oberen Wettersteinkalk in den
Nördlichen Kalkalpen liegen im Kartenbereich folgende bedeutende
frühere Abbaue und Schurfpunkte:

116
Ferchensee-Wand 1 Schurf und 3 Fundpunkte:Pb, (Zn), CaF,, FeSp
Erzgrube Schurf: Fe-Huterze und Pyrit
Predigtstuhl Schurf: Fe-Huterze und Pyrit
Rupfenvogel-Lähne Abbau: Pb, Zn, Huterze, Ag!
Riedbodeneck Abbau: Pb, Zn, Huterze, Wulfenit!
,,Franz-Adolf-Zeche“
Die Erzvorkommen dieser Lagerstätte am Riedbodeneck südlich Mit-
tenwald wurden von SCHNEIDER (1953 b, S. 68 f.) genau untersucht und als
tibergangstyp von den schichtigen zu den diskordanten Lagerstätten
bezeichnet.
Von dem in früheren Zeiten nahe der heutigen österreichischen Grenze
umgegangenen Abbaubetrieb finden sich noch an mehreren Stellen Berg-
bauversuche. Der größte Stollen befindet sich am Ende des durch den
Riedboden führenden Fahrweges bei der Lot. Ehern. Bleibergwerk.
Weitere Abbaue und Schürfe liegen im Wettersteinkalk oberhalb des
nach Scharnitz führenden Verbindungsweges.
Der Abbau richtete sich auf die unregelmäßig auftretenden sulfidi-
sehen Erze (v. a. Zinkblende) und auf die oxydischen Erzlager (v. a. Galmei
und Schwarzbleierz). Die Lagerstätte ist tektonisch stark beansprucht und
von zahlreichen Diagonalstörungen durchsetzt. Die Abbaustollen waren
nach den erzführenden Spalten (,,Blätter”), die wenige Zentimeter breit
waren, ausgerichtet. Silberhaltiger Bleiglanz und Galmei sind bevorzugt
dort angereichert, wo die ,,Blätter” sich kreuzen,
Bemerkenswert ist das bereits von SCHNEIDEK (1953 b, S. 69) be-
schriebene Auftreten von Wulfenit in Gestalt von orangegelben bis gelb-
grauen Kristallen auf der Oberfläche von in Umsetzung begriffenen Blei-
glanzkristallen.
1816 17) wurde für die verschiedenen Bergbaue in der Umgebung des
Riedberges, die z. T. schon Anfang des 16. Jahrhunderts bestanden haben,
von Alois König und seinem Consorten Johann Gaugg, beide aus Schar-
nitz, um Schürferlaubnis eingebracht.
1824 wurde den Messingfabrikanten 1. Ducrue und A. Schmid aus
Augsburg das Schürfrecht auf Galmei zusammen mit dem Privilegium zur
Errichtung einer Zinkschmelze bei Mittenwald erteilt. 1831 wurden die
Abbaue an Joh. Biebel, München, neu vergeben, der sie nach wechsel-
haften Schürferfolgen 1854 wieder abgab.
1870 wurde für das verlassene Bergwerk unter dem Riedberg, am
Riedbodeneck, erneut Mutung eingereicht. Die Verleihungsurkunde von
1871 ist auf den Repräsentanten der Galmei- und Bleigrube, Franz Xaver
Zettler, Kaufmann und Kunstanstaltsdirektor aus München, ausgestellt.
Beteiligte waren Adolf Schreyer, Privatier aus München und Andreas

“) Die Angaben über die historischen Bergbauversuche in der Umgebung von


Mittenwald sind den Akten des Königlich-Bayerischen Oberbergamtes München,
jetzt Staatsarchiv für Oberbayern, entnommen (Fast. 49, Nr. 380/1816-1818;
Fax. 53, Nr. 43911823-1859; Fast. 63, Nr. 55311856-1913).

117
Baader jr,, Techniker aus Mittenwald. Die Grube wurde ,,Franz-Adolf-
Zeche“ benannt, Im Gewerkenbuch der ,,Ersten oberbayerischen Blei-
und Zink-Gewerkschaft Franz-Adolf-Zeche bei Mittenwald“ sind 29 Ge-
werken aufgeführt. Die Anzahl der Kuxen betrug 504. 1873 übertrug
Franz Xaver Zettler alle Rechte der Zeche ,,Andreasberg” (s. S. 38) und
der ,,Franz-Adolf-Zeche“ an Markus Bernhard Heidtmann, Kaufmann zu
Hamburg. Nach dessen Tod löste sich die Gewerkschaft um das Jahr
1903 auf.

,,Gute Hoffnungs-Zeche“
Direkt am Fuße der Ferchensee-Wände, von Halde und Vegetation
verdeckt, befinden sich zwei Stollenmundlöcher des ehemaligen Schurf-
betriebes ,,Gute Hoffnungs-Zeche” (Abb. 21).
Die beiden Horizontalstollen sind noch zugänglich, ein weiterer nach
unten abgehender Stollen ist versoffen.
Stollen 1 (24 m lang, 0,8-1,4 m breit, 1,8-1,Y m hoch) ist querschlägig
im Wettersteinkalk vorgetrieben und hat nur taubes Gestein angefahren.
Die erzfreien Lager L, und L, enthalten Mergel und ,,schwarze Brcccien“.
Stollen 11 folgt der Streichrichtung des saiger bis überkippt stehenden
Wettersteinkalkes und schließt über eine Länge von 12,5 m die hier
maximal 30 cm mächtige Spezialfazies (L,) auf. Ausbisse der vercrzten
Schichten finden sich im unteren Teil der Ferchenseewand, im Normal-
profil ca. 10-12 m unter der Wettersteinkalk-Hangendgrenze.
Im Verband der feinschichtigen Karbonatgesteine und Flußspat als
,,Gangart“ tritt vorwiegend Bleiglanz auf, feinverteilt und in groben
Massen. Zinkblende und Schwefelkies sind nur in geringer Menge vor-
handen.
Ab. 19 zeigt die Spezialfazies in Stollen 11.
Der erste Erzfund in den Ferchenseewänden wurde von einem ge-
wissen Karner aus Mittenwald gemacht. 1879 reichte die ,,Erste Ober-
bayerische Blei- und Zink-Gewerkschaft, Franz-Adolf-Zeche bei Mitten-
wald“ die Mutung ein. Der Schurfbetrieb ,,Gute Hoffnungs-Zeche“ er-
reichte jedoch keine wirtschaftliche Bedeutung,
In der Wettersteinkalkwand über dem Ferchensee befinden sich noch
weitere, unbedeutendere und schwer zugängliche Schürfe. Schurfpunkte
am Burgberg (GüMnr:L 1801, S. 247) wurden nicht wieder aufgefunden.
Am Westabfall des Karwendels, am Rupfenvogel (Kote 1310m; süd-
westlich der Mittenwalder Hütte), befindet sich ein Abbaustollen, in dem
im 17. Jahrhundert und später silberhaltige Bleierze gewonnen wurden
(vgl. S. 116).
Schurfstellen auf Blei- und Zinkerze finden sich ferner in der Erz-
grube östlich Mittenwald.

118
wk - Wettersteinkalk L 1 c Lager 1
pnb Sonderfazies mit Pbs u. CaF
IZI Schwarze Breccie

H Jerr

~bb. 21. Schurfbau ,,Gute Hoffnungs-Zeche “ südwestli& Mittenwald. - Grundriß.


H. Die Böden

1. Allgemeiner Uberblick

1. Landschaft und Boden


Im Blattgebiet von Mittenwald haben sich unter dem starken Einfluß
von Höhenlage und Gebirgsklima trotz Verschiedenstern Ausgangsmaterial
nur arme Böden entwickeln können. Sie werden vorwiegend forstwirt-
schaftlich genutzt. Die landwirtschaftliche Nutzung ist in tieferen Lagen
(bis ca. 1300 m) auf Mähweide, in mittleren Hochlagen auf Waldweide
beschränkt.
Nach ihrer Bedeutung für die Bodenentwicklung können im Auf-
nahmegebiet 18) vier Landschaften unterschieden werden:
a) die Hochgebirgsregion, fast ausschließlich aus Kalkgestein auf-
gebaut, mit Initialstadien der Bodenentwicklung und flachgründigen
Rendzinen.
b) die ,,Mittelgebirgslandschaft“ mit dem Kranzberggebiet und dem
Wamberger Höhenzug. Auf karbonatischem Substrat treten vorzugsweise
Rendzinen auf, auf sandig-tonigem Material reichen die Bodenbildungen
von Braunerden bis zu Gleyen, örtlich mit Anmoor- und Moorbildungen.
c) die Moränen-Drumlin-Landschaft nördlich Mittenwald mit Rend-
zinen und braunlehmartigen Böden.
d) das Isartal mit mullartigen Moderrendzinen auf den Schotterfluren.
Talböden mit schluff- und tonreichem, kolluvialem Material tragen viel-
fach Gleye und Anmoorbildungen.

2. Klima und Boden


In der Umgebung von Mittenwald sind die klimatischen Verhältnisse
nach den hohen Niederschlagsmengen und den niedrigen Durchschnitts-
temperaturen im ganzen als kühlfeucht zu bezeichnen. Die nachstehenden
Mittelwerte sind dem Klimaatlas von Bayern (KNOCH 1952) entnommen.
Den Angaben liegen langjährige Beobachtungen zugrunde (1889-1930).
Mittlere Niederschlagsmenge pro Jahr:
a. im Isartal 1300-1400 mm
b. in höher gelegenen Seitentälern und in mittleren Höhen
(,,Mittelgebirge“) 1400-1600 mm
c. in Hochlagen 1600-2000 mm

Ia) Die Bodenkundlichen Aufnahmen blieben auf den bayerischen Anteil dcs
Kartenblattes Mittenwald beschränkt.

120
Niederschlagsmengen in der Vegetationsperiode (Mai-Juli):
a. in Tallagen und mittleren Höhen . . 500-600 mm
b. in Hochlagen . . . . . . . . . . 600-800 mm
Mittlere wirkliche Lufttemperatur (Jahresmittel):
a. in Tallagen . . . . . . . . . , 6-7’ C
b. in mittleren Höhen . . . . . . . 4-5O C
Lufttemperatur-Durchschnittswerte in der Vegetationsperiode:
a. in Tallagen . . . . . . 12O c
b. in mittleren Höhen . . . . . . 10° C

Diese Klimabedingungen bewirken eine starke physikalische und


chemische Verwitterung und fördern die Humusbildung: Die Karbonate
werden durch das kohlensäure- und huminsäurenhaltige Bodenwasser
gelöst und weggeführt, Tonsubstanz wird freigesetzt und angereichert.
Die hohen Niederschläge erklären die Basenverarmung der oberen Boden-
horizonte. Verlagerungsvorgänge sind Entkalkung des Oberbodens, Ton-
durchschlämmung und stellenweise sogar eine schwache Podsolierung.
Neben den großklimatischen Verhältnissen sind für die lokale Boden-
entwicklung vor allem das Ausgangsmaterial, Exposition, Relief und die
Pflanzendecke von großer Bedeutung. Sie bestimmen das Kleinklima und
damit das Bodenklima.
Die Abhängigkeit der Bodenentwicklung von der Exposition ist be-
sonders im Kranzberg-Gebiet auffällig. Die Hauptdolomithänge mit Süd-
und Ostexposition tragen vorwiegend trockene, mullartige Rendzinen
von geringer Entwicklungstiefe. Demgegenüber zeigen Nord- und West-
hänge in gleicher Höhenlage und bei gleichem Ausgangsmaterial feuchte
Moderrendzinen mit mächtigen organischen Auflagen (Moder bis Roh-
humus). Dies steht in gewissem Gegensatz zu den bisher in den Mittel-
gebirgen gemachten Erfahrungen, wonach die mächtigsten Humusauf-
lagen an den Nord- und Osthängen zu finden sind. Die dem Isartal zu-
gewandten Osthänge des Kranzberges unterliegen dem Föhneinfluß, der
die Ursache für einen schnelleren Abbau der Humussubstanzen bei
stärker entwickeltem Bodenleben ist. In geringerem Maße treffen diese
Verhältnisse auch für die föhnbeeinflußten, niederschlagsreicheren West-
hänge am Schwarzkopf, am Lausberg und an den Seinsköpfen zu.
Einen starken Einfluß haben die Unterschiede im Lokalklima auf den
Waldbestand. Gegenüber den dicht bewaldeten Nord- und Westhängen
weisen die Süd- und Osthänge nur lückigen Waldbestand auf.

3. Gesteine und Boden


Für die Bodenbildung ist neben den Klimafaktoren die petrographi-
sehe Zusammensetzung des geologischen Substrates bestimmend. Nach

121
dem Ausgangsmaterial richtet sich vor allem die Bodenart, d. h. die Korn-
größenzusammensetzung des Bodens. Der Bodentyp hingegen enthält die
Dynamik eines Bodens.
Die Karbonatgesteine sind unter den herrschenden Klimabedingungen
einer starken Lösungsverwitterung ausgesetzt. Ihr geringer Tonanteil,
der bei der Lösung der Karbonate frcigcsctzt wird, steht jedoch mit den
erzeugten Humusstoffen in einem ungünstigen Verhältnis, so daß eine
Bildung stabiler Ton-Humus-Komplexe (Mull-Humus durch Bindung der
Huminstoffe an mineralische Bodenaggregate) nicht erfolgen kann. Statt
dessen kommt es zur Entstehung von organischen Auflagehorizonten.
Stärkere Tonanhäufungen finden sich auf Kalkmcrgeln und Mergelkalken
der Raibler Schichten und auf Plattenkalk. Die Bodenbildungen reichen
von Rendzinen zu Braunerden geringer Entwicklungstiefe. Auf ton-
reichem Ausgangsmaterial, den Schiefertonen und Tonmergeln der Part-
nachschichten und der Raibler Schichten, entwickeln sich Böden größerer
Entwicklungstiefe, die stellenweise von Stau- und Grundwasser beein-
flußt sind. Es treten Braunerden und Pseudogleye auf, in Hanglagen und
Eintiefungen bilden sich Gleye, Anmoore und Moore.
Auf Moränenablagerungen ist der häufig kleinflächige Bodenwechsel
durch die Unterschiede im Geschiebebestand bedingt. Auf karbonat-
schlammreicher Würm-Grundmoräne entwickeln sich Rendzinen und
Braunerde-Rendzinen, auf kristallinreichem Moränenmaterial häuflg
auch Braunerden. Aus den postglazialen Schotterablagerungen im Isartal
gehen Rendzinen hervor, die mit höherem Alter stärker entwickelt sind
und höheren Mullanteil aufweisen. Die Humusstoffe (organische Sub-
stanz) sind infolge des intensiveren Bodenlebens in den Mull-Humus-
formen gebunden.

4. Alter der Böden


Die Entwicklung der auf Blatt Mittenwald auftretenden Böden ist
frühestens seit dem Spätglazial im Gangc. Die meisten Bodenbildungen
dürften jedoch postglazialen Alters sein. Anhalte für spätglaziale Bodcn-
bildungen sind in dem Auftreten von Braunerden gegeben. Vermutlich
haben sie sich im Alleröd, eine Warmzeit im Spätglazial, gebildet.
An der Wende Spätglaxial/Postglazial hat eine Kaltzeit, die Jüngere
Tundienzeit, die Bodenentwicklung unterbrochen. Zwar haben die Lokal-
gletscher die Tallagen nicht mehr erreicht, doch kam es im periglazialen
Bereich zu beträchtlichen Umlagerungen durch kryoturbatc Vorgänge und
durch Solifluktion. Während dieser Kaltzeit dürften sich auch die Buckel-
wiesen durch frostmechanische Vorgänge gebildet haben (s. S. 73ff.). Erosion
und Akkumulation führten später zu einer Verfüllung ausschmelzcndcr
Eiskeile mit braunlehmartigem Material. Der postglazialen Bodenbildung
liegt das durch Solifluktion freigelegte Substrat zugrunde. In erster Linie

122
sind es Würm-Grundmoräne und Hauptdolomit, auf denen sich wie auf
den postglazialen Schotterterrassen im Isartal Rendzinen entwickelt
haben.
Nachstehend sind die wichtigsten auf Blatt Mittenwald auftretenden
Bodenarten und Bodentypen, geordnet nach den geologischen Kartier-
einheiten, beschrieben. Einheiten mit einer geringen flächenmäßigen Aus-
dchnung - Kössener Schichten, Gesteine der Jura- und Kreideforma-
tion - sind nicht berücksichtigt.

11. Die Kartiereinheiten und ihre Böden l”)


Alpiner Muschelkalk, m
Der alpine Muschelkalk hat als Bodenbildner insbesondere am bewal-
deten Nordhang des Wamberger Höhenzuges (Aschenmoos-Wald, Zotzen-
Berg, Wamberger Wald) eine Bedeutung. Am Oberhang treten Moder-
Rendzinen geringer Entwicklungstiefe auf. Mittel- und Unterhänge zeich-
nen sich durch Rendzinen mit stark zersetztem, schmierigen Moder aus.
Vielfach ist hier die Bodenentwicklung durch Erosion gestört.
In den Hochlagen des westlichen Karwendels wirken starke Verwit-
terung und Erosion einer Bodenbildung entgegen. Günstigstenfalls treten
initiale Entwicklungsstadien auf. Im Bereich des Schart-Kopfes finden
sich vor allem auf flach gelagerten Muschelkalkplatten Moderrendzinen,
z. T. mit mullartiger Auflage.

Profil 1: Rd” 39 500 Hs2 60 450


Klais W (Hirzeneck W); Oberhang 30° N; 1000 m NN;Mischwald (vor-
wiegend Fichte)
M o d e r r e n d z i n a, geringe Entwicklungstiefe, aus Oberem Muschel-
kalk mit Hornsteinknauern; stark schluffiger Lehm

Profilbeschreibung:
O,, 2 cm Nadel- und Laubstreu, gut zersetzt
Ah 0-10 cm dunkelgrauer, sehr stark humoser, stark schluffiger Lehm;
Krümelgefüge; durchsetzt von weißen und schwefelgelben
Pilzhyphen
C,, 10-20 cm dichter, z.T. spätiger Kalk mit auswitternden Hornstein-
knauern
Partnachschichten, p
Am Südabhang des Wamberger Höhenzuges und auf dessen Kuppen
(Am Berg, Hirzeneck) bilden die Partnachschichten das geologische Sub-

1”) Die bodcnkuadliche hegchun und Aufnahme wurde gcnicinsnm mit Dr.
TH. Drcz und G. HOLZNEK durchgefu -t:lrt.

123
strat für die Bodenbildung. Die Schiefertone und Tonmergel sind tief-
gründig verwittert und liefern wenig durchlässige Böden. Vor allem in
Unterhang- und Mittelhanglagen sind infolge Wasserzuzug vom Oberhang
Hanggleye entwickelt (Profil 2). Bei geringer Hangneigung (< 5’) führt
eine stellenweise stärkere Vernässung zur Ausbildung von Anmoorgley
und Moorgley mit Dezimeter-mächtigen Torfauflagen. Die im allgemeinen
trockneren Oberhänge liefern pseudovergleyte, schwach durchschlämmte
Braunerden mittlerer bis großer Entwicklungstiefe (Profil 3).
Auf dem Hirzeneck-Höhenrücken finden sich auf einem ausgeprägten
Kleinrelief mit Buckeln und Mulden schwach durchschlämmte Braun-
erden unterschiedlicher Entwicklungstiefe (Profil 4).
Die Kalkzüge in den Partnachschichten treten als Bodenbildner nur
untergeordnet in Erscheinung. Auf den Südhängen des Hirzenecks bilden
sich auf den Partnachkalken vorzugsweise Parabraunerden.

Profil 2: R44 40 300 Hs2 60 120


Schloß Kranzbach NW; Mittelhang 15’ S; 1080m NN; Mähwiese und
Weideland

Hang-Gley, aus Schiefertonen und Tonmergeln der Partnach-


schichten; lehmiger Ton

4, 0- 8 cm braungrauer, fleckiger, sehr stark humushaltiger, stark


schluffiger Lehm; Gefüge krümelig bis bröckelig; Durch-
wurzelurig mittel
G,, 8-20 cm hellgrauer, stark rostfleckiger, lehmiger Ton; Prismen-
gefüge; Durchwurzelurig schlecht
G,, 2045 cm dunkelggrauer bis blaugrauer, schwach rostfleckiger,
schwach grusiger, lehmiger Ton; Polyedergefüge
G, 45-55 cm blaugraue, grusig zerfallende Schiefertone mit schluf-
figen, tonigen Uberzügen
C!, 55-80 cm -k blaugraue, schwach kalkhaltige Schiefertone

Profil 3: Ra4 40 120 HG2 60 420


Klais W (Hirzeneck S); Oberhang 15’ S; 1140 m NN; Bergwiese
Pseudovergleyte Braunerde, durchschlämmt, große Entwick-
lungstiefe, auf Schiefertonen und Tonmergeln der Partnachschichten;
schluffiger, toniger Lehm
4, 0-10 cm braungrauer, sehr stark humoser, entkalkter, stark
schluffiger Lehm; Krümelgefüge
A,B, 10-25 cm gelbbrauner, stark schluffiger Lehm; Gefüge bröckelig
bis subpolyedrisch
B,B, 25-65 cm gelblichbrauner, schluffiger, toniger Lehm; Subpolyeder-
gefüge; schwache Pseudovergleyung

124
Analysen*O) zu den Profilen 1 und 2

2 Hori- pr-1 S-Wert T-Wert v-wert arg. <YN IC, 0 P200


4 mnt (ICCI) (nival) (nwal) %
SlhSt.
Verh. (Inkt.) (lakt.)
Ul” (mg; (W
B
1 *h 493 65,3 28,6 >50 14
~~-
2 Al, 399 14,7 43,0 44,5 93 ll,o 14 1
Go 3,8 13,8 2'7,5 50,2 9 <l
G,. 4,2 17,0 24,8 68,5
C, 496

Profil 4: R’” 40 220 H”* 60 530


Klais W (Hirzeneck); Bergkuppe mit Kleinrelief; 1186 m NN; Bergwiese
B r a u n e r d e, schwach durchschlämmt, z. T. pseudovergleyt, aus Schie-
fertonen und Tonmergeln der Partnachschichten; stark schluffiger Lehm
4, 0-10 cm schwarzbrauner, stark humoser, stark schluffiger Lehm;
Krümelgefüge
B yl 10-30 cm gelbbrauner, stark schluffiger Lehm
B v2 30-50 cm hellgelblichbrauner, schluffiger Lehm
BC 50-70 cm schluffiger Lehm mit Schiefertongrus

Wettersteinkalk, wk
Auf Wettersteinkalk sowie auf seinen Hangschuttfächern und Block-
schuttlagen reichen die Bodenbildungen wie vergleichsweise im Blatt-
gebiet von Füssen (Dxnz 1964, S. 123, 127 ff.) von Initialstadien der Boden-
entwicklung über formenreiche Rendzinen bis zu braunlehmartigen Ver-
witterungsböden,

Profil 5: R”4 43 820 Hs2 55 500


Mittenwald SSW (Burgberg N); unterer Mittelhang 25O N; 960 m NN;
Mischwald, Schneeheide, Heidelbeere, Alpenrose

B r a u n e r d e - R e n d z i n a , mittlere Entwicklungstiefe, aus reinen


Kalken des Oberen Wettersteinkalkes; steiniger, lehmiger Schluff
OA,, 0- 5 cm schwach zersetzter Auflagehumus mit Wurzelfilz
4, 5-20 cm dunkelgraubrauner, sehr stark humushaltiger, steiniger,
stark schluffiger Lehm; Krümelgefüge

20) Die Untersuchungen im Laboratorium erfolgten nach dem Methodenbuch


von THUN, HERRMANN & KNICKMANN (1955).

125
BC 20-40 cm gelbbrauner, stark steiniger, sandiger, lehmiger Schluff;
bröckeliges bis krümeliges Gefüge

Profil 6: R”” 43 800 H”’ 55 450


Mittenwald SSW (Burgberg N); unterer Mittelhang 25” N; 980 m NN;
Mischwald
M o d e r r e n d z i n a (Alpine Pechrendzina), aus reinem Wettersteinkalk;
steiniger, stark schluffiger Lehm
0 3 cm wenig zersetzter Auflagehumus
A,: 0-20 cm grauschwarzer, sehr stark humushaltiger, steiniger, stark
schluffiger Lehm; Krümelgefüge

Profil 7: R4‘L 43 740 H= 55 480


Ort und Lage wie in Profil (6)
M o d e r , mullartig, initiale Bodenbildung auf Wettersteinkalk
Moderauflage mit geringem Mineralbodenanteil
:“‘l 5-60 5 cm + reiner Kalk
O-
Stellenweise treten nördlich des Wcttcrstcinhauptkammes und am
Nordwestfuß des Karwcndels Tang el r endz inen auf mit bis zu
30 cm mächtigen organischen Auflagen aus Nadelstreu, Moosen, Schnee-
heide, Alpenrose, Heidelbeere, u. a.

Analysen zu den Profilen 5-7

UN
j ~i!Gq-Gyi+:-:; Vd,.

.’ .~

5 4, 61 0 14,6 23,l 63,2 19,7 20,o


BC 7,0 10,o 11,5 13,l 87,8
~ -~~ .~~.
6 4, 5,6 56,7 22,F 16 5
- .~- -.-~ ~~
7 CA,, 6,5 46 50,8 15,0 36 30

Raibler Schichten, r
Die Raibler Schichten mit Schichtgliedern von unterschiedlicher petro-
graphischer Zusammensetzung liefern sehr verschicdenartigc Biidcn. Aus
den feinklastisch-detritischen Sedimenten (sandige Schiefertone und Sand-
steine) bilden sich bei der Verwitterung vorzugswcisc Braunerden großer
Entwicklungstiefe; die Böden auf den Raibler Karbonatgesteinen reichen
von Moderrendzinen bis zu Braunerden geringer Entwicklungstiefe.

126
Profil 8: R”” 40 260 H= 59 850
Schloß Kranzbach NW; Oberfläche eines Ricdels mit kleiner Verebnung;
1040 m NN; einzelne Fichten und Kiefern, Borstgras

B r a u n c r d e, durchschlämmt, große Entwicklungstiefe, aus Raibler


Sandsteinen; steiniger, schluffiger, toniger Lehm
0 3 cm
dunkelbrauner, schwach zersetzter Moder
4, 0- 2cm
graubrauner, sehr stark humoser, steiniger, stark
schluffiger Lehm; Krümelgefüge; Durchwurzelurig
mittel bis stark
A,B,. 2- 32 cm gelbbrauner, steiniger, schlufiiger. toniger Lehm;
Krümclgeiügc; Durchwurzclung mittel
B,B, 32- 80 cm braungelber, schwach rostfleckiger, toniger Lehm;
Subpolyedergefüge
C, 80-100 cm Jr grünlichgraue Sandsteinbruchstücke mit schluffigem
Zwischenmittel

Profil 9: R”’ 40 650 Hq2 59 700


Schloß Kranzbach NW; Kuppe eines Hügels; 1060 m NN; Fichten- und
Tannenwald, Hcidclbecrc, Etagen- und Bürstenmoos
B r a u n e r d c mit Tangelhumusauflage, geringe Entwicklungstiefe, aus
Mergelkalken der Raiblcr Schichten; schwach steiniger, schlufliger
Lehm

01, 2 cm Moos- und Nadelstreu


01.7 3 cm schwarzbraune, schwach zersetzte organische Auflage
Oll 5 cm braunschwarze, gut zersetzte organische Auflage
A,,B,,O-10 cm gelbbrauner, schwach steiniger, schluffiger Lehm; Sub-
polyedcrgcfügc, mit Ton-Humustapeten;
Wurmröhren vorhanden
BC 10-30 cm angewitterter Kalk mit schluffig-lehmigen Kluft- und
Spaltenfüllungen

Profil 10: R“l 40 580 Hs2 59 660


Schloß Kranzbach NW; Mittelhang 30” S; 1050 m NN; Fichten- und
Tannenwald

M o d c r r c n d z i n a, mullartig, aus Mergclkalken der Raibler Schichten;


schwach steiniger, schluffiger Lehm
OAl, 0-12 cm dunkelbraunschwarzer, sehr stark humoscr, schwach
steiniger, schlufligcr Lehm; bröckelig-krümeliges Gc-
füge; Durchwurzelurig stark; Wurmröhren vorhanden
CV 12-15 cm angcwittcrtc Mcrgclkalke

127
Analysen zu den Profilen 8-10
1c 0 r I, g I ö % c II qo
Ikxl - PI1 ‘1’.Wert
Sdlhlff (KCI) (lilYdl)
< TUI1
Z”llt 0,002 0,002-
0,06 ,,,NI

8’10 394
*h 396 16,3 16,2 15 1
4% 32,3 51,7 V-J 35,5 3,4 3 <l
Bt% 40,o 47,2 3,6 50,o 490 4 <1
~~
9 OII 3,2 ‘72,6 26,4
*IG% 594 31,2 56,7 9,4
-~
10 04, 58 40,5 17,2 30

Hauptdolomit, hd
Auf Hauptdolomit, dem Hauptgestein im Kranzberg-Gebiet und im
Vorkarwendel, bilden sich fast ausschließlich Rendzinen. Unterschiede in
den Subtypen und Varietäten sind vor allem durch die Exposition be-
dingt. Moderrendzinen treten insbesondere in westlichen und nördlichen
Hanglagen, mullartige Moderrendzinen auf nach Süden und nach Osten
geneigten Hängen auf. Hochlagen im Bereich des Kranzberges und der
Seinsköpfe tragen häufig Mullrendzinen. Tonsilikatreiche Moränenreste
auf Hauptdolomit mit einer sauren Braunerde als Bodenbildung (Profil
17) bedingen einen kleinflächigen Bodenwechsel.

Profil 11: R’I 39 550 Hs” 57 280


Kleiner Kranzberg S (bei P. 1091 m); Mittelhang 12O W; Mischwald
Alpine Pechrendzina, aus Hauptdolomit; schwach steiniger,
schluffiger Lehm
0, 2 cm schwach zersetzte organische Auflage
0, 8 cm grauschwarzer, gut zersetzter, schmieriger Auflagehumus
Al, 0-10 cm grauschwarzer, sehr stark humushaltiger, kalkhaltiger,
scbluffiger Lehm; Gefüge bröckelig; Durchwurzelurig
stark; Wurmröhren vorhanden
AC 10-15 cm rötlichbrauner bis braunschwarzer, sehr stark humoser,
kalkhaltiger, schwach steiniger, schluffiger, toniger Lehm.

Profil 12: R’” 39 550 H”* 57 040


Kleiner Kranzberg S; Mittelhang 10’ S; 1080 m NN; lichter Mischwald
und Waldweide

128
M o d e r r e n d z i n a , geringe Entwicklungstiefe, aus Hauptdolomit;
schwach steiniger, lehmiger Schluff
OAll 0-10 cm grauschwarzer, sehr stark humoser, schwach kalkhaltiger,
lehmiger Schluff; Krümelgefüge; Durchwurzelurig mittel;
Wurmröhren vorhanden
AC 10-15 cm Dolomitgrus mit lehmigem Schluff als Zwischenmittel

Profil 13: R4” 39 560 Hup 57 000


Kleiner Kranzberg S; Mittelhang 8O S; 1080m NN; lichter Mischwald,
Schneeheide, Thymian
M o d e r r e n d z i n a , mullartig, mittlere Entwicklungstiefe, aus Haupt-
dolomit; lehmiger Schluff
OA,,, 0- 5 cm grauschwarzer, sehr stark humoser, kalkhaltiger, leh-
miger Schluff; Krümelgefüge; Durchwurzelurig mittel;
Wurmröhren vorhanden
4,~ 5--15 cm graubrauner, sehr stark humoser, stark kalkhaltiger,
lehmiger Schluff; Krümelgefüge
AC 15-40 cm hellgraubrauner, sehr stark kalkhaltiger, stark steiniger,
sandiger Schluff

Profil 14: R”“ 42 320 Hue 59 370


Klais S (westl. Roß-Graben, bei P. 1035 m); Mittelhang 5’ N; Wald
(vorwiegend Fichte)
M o d e r r e n d z i n a , aus Hauptdolomit; steiniger, lehmiger Schluff
OI? 15 cm rötlich-braunschwarze, schwach zersetzte organische
Auflage
01-1 5 cm braunschwarze, gut zersetzte organische Auflage
AC 0- 5 cm dunkelgraubrauner, humoser, sehr stark kalkhaltiger,
stark steiniger, schluffiger Lehm; Durchwurzelurig stark
CV 5-20 cm Dolomitgrus und angewitterter Dolomit mit schlufflgen
Kluftfüllungen

Profil 15: R“4 42 170 Hs2 58 380


Hoher Kranzberg N; flach welliges Gelände, 3O N; 1120 m NN; Bergweide,
einzelne Fichten, Tannen und Buchen
Moderrendzina, aus Hauptdolomit; schluffiger Lehm
01, 2 cm wenig zersetzte ‘Pflanzenreste
OF 18 cm schwach rötlichbrauner, schwach zersetzter Auflagehumus
OH 5 cm bräunlichschwarzer, gut zersetzter Auflagehumus
A, 0- 2 cm schwarzbrauner, sehr stark humoser, schwach kalkhaltiger,
schluffiger Lehm; Krümelgefüge
C, 2-25 cm angewitterter Dolomit

Profil 16: R44 42 120 Hu” 58 400


Hoher Kranzberg N; 1120m NN; Bergweide

9 129
M LI 11 r e n d z i n a , geringe Entwicklungstiefe, aus Hauptdolomit;
steiniger, schluffiger Lehm
Al, 0- 5 cm schwarzgrauer, sehr stark humoser, sehr stark kalkhalti-
ger, steiniger, schluffigcr Lehm; Krümelgcfügc
C, 5-10 cm angewittcrter Dolomit mit schluffigem Zwischenmittel

Analysen zu den Profilen 12, 13, 15, 16 und 17


k 0 r II g r ö ß c II O/”
2-: pl I l-\vicrt V-wert (hl& ILO PJ),-,
‘c
Hori-
X”I,C ‘I’W, sclllult (KCI) ([Link]) (‘,f,,
c’N (l&r.) (I&t.)
0,002- S’:;$r. Vch. Crna) (,,,&,)
4Li < 0,002 0.06 11,111

12 04, 53 63,2 20,6 20 11


~~ ~~~~ ~~
13 %,t 677 35,0 17,0 16 3
O*I,, 791 14,0 88,6
AC 399 58,l
--~~ ~~ .~~-
15 0,. 3,5
Oil 421 63,8 20,l
4, 598 24,3 19,l
.~~~~_~~~~~ -~-
16 Al, 24,l 83,8 29,5 11,6 23 1

17 Al, 5,O 26,9 35,3 13,3 15,4 6 <l


B,,, 22,0 54,3 43 17,l 55,0 4 <l
BB,.2 25,8 52,7 637

Profil 17: R” 43 400 H”’ 57 440


Mittenwald NW (Korbinian-Haus N); Buckelwiesenhang; 30° N; 1140 m
NN; Bergweide mit einzelnen Spirken

B r a u n e r d e, geringe (bis mittlere) Entwicklungstiefe, aus geringmäch-


tiger, kristallinreicher Moräne über Hauptdolomit; steiniger, schluffiger
Lehm

41 0-12 cm graubrauner, stark humushaltiger, kalkfreier, schluffiger


Lehm; Gefüge bröckelig
B,, 12-25 cm braungelber, kalkfreier, steiniger (Kristallingeschiebe),
schluffier Lehm; Bröckelgefüge
B,,! 25-27 cm dunkelbrauner, stark kalkhaltiger, steiniger, schluffiger
Lehm; Krümelgefüge; ? Mn-Gehalt
C,. 27-40 cm angewitterter Dolomit

130
Würmciszcitlichc Moränen
Ablagerungen der lctztcn Eiszeit sind insbesondere im Raum Mitten-
wald-Klais-Krün weit verbreitet. Das Gcschicbcmaterial des Fern-
gletschers besteht dort vor allem aus karbonatreichcr Grundmoräne. Ihr
Gehalt an zentralalpinen Gesthieben ist auffallend gering.
Kristallinreicheres Moränenmaterial, wie CS z.B. in den glazial aus-
geschürftcn Wannen im Kranzberg-Gebiet erhalten ist, tritt in der Mo-
räncn-Drumlin-Landschaft nördlich Mittenwald oberflächig nicht auf
bzw. ist auf cinzelnc kubikmetergroße Gneis- und Amphibolitblöcke be-
schränkt. Kristallinrcichcs Substrat, das von Rückzugsmoränen hcrgc-
leitet wird, war jedoch an einer spätglazialen Bodenbildung beteiligt.
Dies beweisen die Verfüllungen von gegen Ende dcs Spätglazials ge-
bildeten Eiskcilzapfcn mit braunerdeartigen Böden mit reichlich kristal-
lincn Restgeschiebcn. Kryoturbate Verwürgungcn und Solifluktion ver-
ändcrtrn Form und Lagt der Zapfen und Spalten, so daß eine heute
morphologisch ausgcprägtc Mulde keineswegs immer deren Lage im
Untergrund bezeichnet (vgl. S. 75 f.).
Im Verlauf des Postglazials haben sich nach Abtrag der ältcren Bodcn-
bildung aus dem karbonatreichcn Material der Grundmoräne - sowohl
über Buckeln als auch über von Solifluktionsschutt überdeckten Mulden
und Zapfen - mullartige Rendzinen gebildet.

Profil 18: Ft’” 44 920 H”’ 61 900


Mittenwald N (Buckelwicscn-Gebiet); 40 cm hoher Buckel; 940 m NN;
Mähweide
M u 11 a I‘ t i g c R c n d z i n a, geringe Entwicklungstieic, aus karbonat-
rcichcr Grundmoräne; stcinigcr, schwach feinsandiger, schlufflger Lehm
Al, 0- 5 cm braungrauer, sehr stark humushaltigrr, kalkhaltiger,
schwach feinsandiger, schlufflgcr Lehm; Krümelgefüge
AC 5-10 cm graubrauner, humushaltiger, sehr stark kalkhaltiger, sehr
stark steiniger, schluffiger Lehm
C, 10-20 cm karbonatreiche, steinig-schluffigc Moräne

Profil 19: R”’ 44 920 H”” 61 900


Mittenwald N (Buckelwicscn-Gebiet); ca. 30 cm tiefe Mulde; 940 m NN;
Mähwcide
Mullartige Rendzina, aus karbonatrcicher Grundmoräne; fein-
sandiger, schlufflger Lehm
Ai,, 0-20 cm dunkelbraungrauer, humushaltiger, kalkhaltiger, stcini-
gcr, feinsandiger, schluffiger Lehm; Subpolyedergefüge
AI,? 20-30 cm dunkelbraungrauer, humushaltiger, kalkhaltiger, fein-
sandiger, sehlufflger Lehm; Krümelgefügt
C 30-40 cm / karbonatreichc, steinig-schluffige Moräne

131
Verfüllungen in Eiskeilzapfen
a. In Würm-Grundmoräne

Profil 20: R44 44 920 H= 61 900


Mittenwald N (Buckelwiesen-Gebiet); schwach geneigter Hang, 3’ N;
940 m NN; Mähweide
M u 11 a r t i g e R e n d z i n a (als Oberboden) aus karbonatreichem Soli-
fluktionsmaterial über umgelagerter B r a u n e r d e (als Verfüllung
in Zapfen) aus kristallinreichem (Rückzugs-)Moränenmaterial; stark
schluffiger Lehm bzw. sandiger, schluffiger Lehm
Ah 0- 10 cm dunkelbraungrauer, sehr stark humoser, kalkfreier,
stark schlufflger Lehm; Bröckelgefüge
C” 10- 15 cm karbonatreiches, steiniges, stark schlufflges Soli-
fluktionsmaterial
[Link],,l 15- 40 cm gelbbrauner, schwach humoser, kalkfreier, sandiger,
schlufflger Lehm; Gefüge bröckelig bis krümelig;
reichlich kristalline Restgeschiebe; einzelne kohlige
Lagen
1. fB,., 40- 50 cm dunkelbrauner, humushaltiger, kalkfreier, sandiger,
schluffiger Lehm; Krümelgefüge; häuflg kristalline
Komponenten
2. fC 50-100 cm -t karbonatreiche, steinig-schlufflge Moräne
b. In Hauptdolomit

Profil 21: R4” 41250 Hs2 56 200


Ferchensee NE; frischer Weganschnitt an schwach geneigtem Hang, 3O W;
1150 m NN
M u 11 a r t i g e R e n d z i n a (als Oberboden) aus Hauptdolomit-Ver-
Witterungsschutt über umgelagerter B r a u n e r d e (als Verfüllung
in Zapfen) aus kristallinreichem Moränenmaterial; schluffiger Lehm
bzw, sandiger, schluffiger Lehm.
Einen mit älterem Bodenmaterial verfüllten Eiskeilzapfen in Haupt-
dolomitengrus zeigt die Abb. 16, S. 76.

Profilbeschreibung:
04, 0- 5 cm dunkelgraubrauner, sehr stark humushaltiger, kalk-
haltiger, schluffiger Lehm; Bröckelgefüge
Cl, 5-10 cm gelblichgrauer, stark verwitterter Dolomitgrus
(Solifluktionsmaterial)
1. fB,, 10-35 cm dunkelgelbbrauner, mäßig humoser, schlufflger Lehm;
Gefüge krümelig
1. fB,,’ 10-35 cm hellgelbbrauner, stark humoser, sandiger, schluffiger
Lehm; Gefüge krümelig bis bröckelig
1. fB,,, 30-40 cm dunkelbrauner, sehr stark humoser, schwach sandi-
3540 cm ger, schluffiger Lehm; Gefüge krümelig; geringer Mn-
Gehalt
2. fC, 40-50 cm -l- gelblichgrauer, kleinstückig zerfallender Dolomit
(Hauptdolomit)

132
Analysen zu den Profilen 18, 20 und 21

Hori- PH s-wert T-Wut v-wert Ort-s CIN


zollt (ICCI) (rnv.1l) (nn‘d) S1ht. Vdl.
Qlo Qla
(~~%)

*h 6,5 122 16,0 76,3 15,2 17,4 6 < 1

20 *h 4,7 791 24,7 28,7 9,6 15,4 6 < 1


1. f B,r 4,9 5,8 14,9 38,9
~--~
21 W, 399 77,9 19,2
1. f B,, 3,l 10,4 65,9 18,6 1,6
1. I B,,, 4,2 370 17,6 17,0 3,2
1. i B,, 4,4 21,8 83,2 26,2 41,9

Sonstige Analysen zu Profil 21:


Freies Eisen nach DEH (1950/51) Mangan, HCl-lösl.,
(Fe,O,), in O/O in O/O
6, 1,52
B,,’ 2,52 0,02 Mn
B “2 3,24 0,03 Mn0

Spätglaziale Stauschotter
Eine Besonderheit sind auf spätglazialen, kiesigen Stausedimenten
auftretende podsolige Braunerden und Podsol-Braunerden unter Misch-
wald mit einer geringen Bonität.

Profil 22: R44 42 300 H6” 59 430


Klais S (westl. Roß-Graben, bei P. 1035 m); Mittelhang 5’ N; Mischwald
mit Kümmerformen, Heidelbeere, Etagenmoos
P o d s o 1 - B r a u n e r d e, geringe Entwicklungstiefe, aus kiesigen und
sandigen Stausedimenten; schwach kiesiger, sandiger, lehmiger Schluff
04, O--8 cm braunschwarzer, sehr stark humushaltiger, sandiger
Lehm
4: 8--12 cm blaßviolettgrauer, schwach kiesiger, sandiger, lehmiger
Schluff
BV 12-25 cm rötlichbrauner, sehr stark humushaltiger, schwach
kiesiger, schluffiger Lehm
C” 25--50 cm f stark sandiger Kies
Freies Eisen nach DEB (1950/51)
(Fe,O,), in O/O
4 1,44
Bv 2,72

133
Postglaziale Schotter
Die Bodenbildungen auf den vcrschiedcn alten postglazialen Schottcr-
tcrrassen im Isartal sind ausschließlich Rendzincn. Die Böden der jüng-
stcn Terrassen (T,, T,,) besitzen mullartigen Modcr als Humusform.
Stellenweise finden sich begrabene, humushaltigc Bodenhorizonte (vgl.
P-,ofll 23). Ergebnis der weiter fortgeschrittenen Bodcncntwicklung nul
den älteren Terrassen (T,,-T,) sind mullartige Rendzincn und Mul!-
rc -.?dzincn.

Profil 23: R’.’ 45 500 H”” 60 860


Mittenwald N; Isar-Schotterterrasse (T.,); eb:nc bis flach wollige Obcr-
Räche; 878 m NN; lichtcr Auenwald mit Spirke, Kiefer, Fichte und
Tanne
M u 11 a r t i g c R c n d z i n a , geringe Entwicklungstiefe, aus Fluß-
schottcrn und -sanden; stark schluffigcr Lehm
0 3 cm schwarzbrauner, mullartiger Moder
Al, 0- 6 cm braunschwarzer, sehr stark humoser, stark kalkhalti-
ger, stark schluffiger Lehm; Krümelgefüge; Durch-
wurzelung stark; Wurmröhren vorhanden
C 6-17 cm gelbgrauer, vorwiegend karbonatischer Fein- und
Mittelsand (Flußsand)
1. fA1, 17-24 cm hellbraungrauer, humushaltiger, kalkhaltiger, stark
schluffiger Lehm; Krümelgefüge; Durchwurzelurig
schwach
1. fC 24-27 cm hellgrauer, vorwiegend karbonatischer Grobsand
2. fA,, 27-37 cm braungrauer, humushaltiger, kalkhaltiger, stark
schluifiger Lehm; Krümelgefüge; Durchwurzelurig
sehr schwach
2. fC 3’7-60 cm f Isarschotter, vor allem Wcttersteinkalkgeröllc
Profil 24: IT”’ 45 420 H”’ 60 780
Mittenwald N; Isar-Schotterterrassen (T, f TY); flach wellige Oberfläche;
880m NN; lichter Auenwald
M u 11 a r t i g e R e n d z i n a , geringe Entwicklungstiefe, aus Isarschottcr;
lehmiger Schluff

Profilbeschreibung:
0 2 cm schwarzbrauner, mullartiger Moder
A,, 0- 4 cm braunschwarzer, sehr stark humushaltigcr, mäßig kalki-
ger, lehmiger Schluff; Krümelgefüge; Durchwurzelurig
stark; Wurmröhren vorhanden
C, 4-20 cm -l- Isarschotter mit lehmig-schlufflgem Zwischenmittel; Ge-
rölle vor allem aus Wettersteinkalk
Profil 25: R’” 45 380 H”’ 60 760
Mittenwald N; Isar-Schotterterrase (T,); flach wellige Oberfläche; 885 m
NN: lichter Auenwald

134
M u 11 a r t i g e R e n d z i n a bis M u 11 r e n d z i n a, geringe bis mittlere
Entwicklungstiefe, aus Isarschotter; lehmiger Schlufi
0 2 cm schwarzbrauner, mullartiger Modcr
A,, 0-10 cm braunschwarzer, sehr stark humushaltiger, mäßig kar-
bonathaltiger, lehmiger Schluff; Krümelgefüge; Durch-
wurzelung stark; Wurmröhren vorhanden
C,. 10-30 cm -/- Isarschotter mit lehmig-schlufllgem Zwischenmittel; Ge-
röllc vorwiegend aus Wettersteinkalk und Hauptdolomit

Analysen zu den Profilen 22-25

Hori- pl 1 V-\vcrt Org. GIN l’.>O,


Yxlllf (I<CI) ‘?!,, SLIIIFL. VL!rh. (hkt.)
u’o I rmpj
I ~.-

04, 4,7 61,5 18,l 16 10


4, 493 21,0 39,6 53,0 3 <1

BV 496 13,l 61,7 21,2 23,2 4 <1


---~ ~--
23 Al, 69 60,6 18,4 16,5

24 4, 6,2 1,l 54,3 16,l

25 Al! 6,7 3$ 40,l 14,7

Holozäne Talfüllungen
Eine bodenkundliehe Untersuchung junger Talböden wurde außer auf
den Schotterterrassen im Isartal (s. 0.) nur im Kranzbach-Tal zwischen
Klais und Krün durchgeführt, In diesem Abschnitt ist hauptsächlich dolo-
mitisches Material akkumuliert, das dem Hauptdolomit im Kranzberg-
gebiet entstammt.
Nördlich des Tenn-See ist der Vorfluter streckenweise reguliert. Hier
entwickelt sich aus einem 50 cm mächtigen Auenboden (graubrauner,
karbonathaltiger, schlufllgcr Lehm) in den oberen 20 cm eine Ren d -
zina-Braunerde.
Weiter bachabwärts entstanden auf einem nicht dränierten Talboden
karbonathaltige Gleye (Profil 26) über einem begrabenen, anmoorigen
Zwischenhorizont, der sich vermutlich beim Verlanden des südlichen
Barmssceufers in postglazialer Zeit gebildet hat.

Profil 26: R”4 44 300 H”” 62 420


Klais NE (Kranzbach-Tal, bei P. 888m); ebener Talboden; Wiese
K a 1 k - G 1 e y , aus Bachschuttmaterial; schluffiger Lehm

135
A 0-10 cm dunkelgrauer, sehr stark humoser, karbonathaltiger,
schluffiger Lehm
G*, 10-40 cm grauer, schluffiger Lehm; mit Rostflecken
1. fA, 40-60 cm braunschwarzer, sehr stark humoser Schluff (An-
moorhorizont mit unzersetzter organischer Substanz)
1. fG, 60-80 cm + blaugrauer, schluffiger, schwach toniger Lehm

1. Der Baugrund
Aussagen über den Baugrund können nur im Zusammenhang mit dem
Bauvorhaben gemacht werden. Das bedeutet, daß die Beurteilung des
Untergrundes unterschiedlich ausfallen kann, je nachdem, ob es sich z. B.
um Hochbau, Felshohlbau, Straßenbau oder Wasserbau handelt. Die
grundsätzlichen Materialeigenschaften des jeweils vorliegenden Unter-
grundes können der Gesteinsbeschreibung (S. 12 ff.) entnommen werden.
Spezielle Untersuchungen sind nach den Anforderungen des Bauvorhabens
durchzuführen,
Für den Bereich des Kartenblattes ist lediglich auf die starke Rutsch-
empfindlichkeit der Partnachschichten und der Seekreiden hinzuweisen.

K. Vorschlägefür Lehrausflüge
Die Aufschlußverhältnisse sind im Bereich des Blattes Mittenwald
meist sehr gut. An Hand der geologischen Karte können daher außer den
nachstehend beschriebenen Exkursionen leicht weitere Routen zusammen-
gestellt werden. Einzelheiten über die geologisch interessanten Stellen
sind im Text beschrieben.
Zur Orientierung im Gelände ist es zweckmäßig, eine gute Wander-
karte mitzuführen, auf der die Wege deutlicher erkennbar sind als auf
der geologischen Karte (z. B. ,,Wanderkarte Mittenwald und Karwendel-
gebirge“ 1 : 50 000, Bayer. Landesvermessungsamt München; oder Blatt 32
,,Karwendelgebirge” oder Blatt 34 ,,Wetterstein“ 1 : 100 000, von Freytag
& Berndt, Wien).
Die vorgeschlagenen Lehrausflüge - alle mit Mittenwald als Aus-
gangspunkt - bilden lediglich eine Auswahl von vielen interessanten
Routen. Die Vorschläge l-3 sind in erster Linie quartärgeologische Wan-
derungen. Die Exkursionen 3-10 vermitteln einen Einblick in die Schich-
tenfolge der kalkalpinen Gesteine. Die Routen 7-10 führen in Hoch-
gebirgsregionen.

1. Isartal und Isarhorn


Die Exkursionsroute führt von Mittenwald nach Norden auf einer
postglazialen Schotterterrasse der Isar zur Hussel-Mühle. Von dort folgt
die Route ca. 2 km der Bundesstraße nach Krün, Am linksseitigen Steil-

136
hang sind an mehreren Stellen Seekreiden und darüber meist verbackene
Schotter aufgeschlossen, die ihrerseits am Oberhang von Würmmoräne
überdeckt sind. Besonders gut erschlossen sind die Seekreiden weiter
nördlich im Bruch des ehemaligen Kreidewerkes. Bis zur südlichen Isar-
brücke am ,,Isarhorn” finden sich links der Straße zwei Aufschlüsse mit
verfestigten Breccien. Es handelt sich um Reste des vorwürmeiszeitlichen
Seinsbach-Schuttkegels, Gegenüber dem Isarhorn, am Prallhang des
Flusses, befindet sich ein imposanter, fast 100 m hoher Aufschluß in jung-
pleistozänen Ablagerungen. Am Fuß des Prallhanges sowie im Flußbett
finden sich wieder Reste der Seinsbach-Breccie, darüber frühwürm-
glaziale Seetone und Schotter und als Hangendes kalkschlammreiche
Moräne der letzten Eiszeit (s. Abb. 11).
Die Exkursion führt weiter über die südliche Isarbrücke zur Lot. Am
Seinsbach. Dort ist die Seinsbach-Breccie an mehreren Stellen gut auf-
geschlossen, vor allem beiderseits des Seinsbaches bis hinauf zur Klamm
im Hauptdolomit.
Von hier kann noch ein Abstecher weiter nach Norden zum Wasser-
stich-Graben gemacht werden, an dessen Einmündung in die Isar bei
Niedrigwasser ein kleines Vorkommen von Altmoräne (? Riß) unter den
Seekreiden zu sehen ist. Wenig nördlich davon finden sich nochmals
Reste der Seinsbach-Breccie. Am Rückweg nach Mittenwald auf der
rechten Isarseite steht Hauptdolomit an, dessen gut gebankte Schichten
spezialgefaltet sind.

2. Raineck-Wald

Die Route beginnt am Aufstiegsweg zum Dammkar. Oberhalb der


ersten großen Wegkurve stehen am Hang frühwürmglaziale, verbackene
Schotter an. An einer Stelle ist darunter ältere Moräne (? Riß) sichtbar.
Uber den Nagelfluhbänken liegt Würmmoräne. Am weiteren Aufstieg,
bei Kote 1130 m, sind ältere Schotterablagerungen (? Mindel-Riß) zu be-
obachten, die von Altmoräne (? Riß) überlagert sind. In einem von Süd-
osten herabziehenden Wassergraben (bei 1160 m) ist die Uberdeckung der
älteren Moräne durch die Viererspitz-Breccie zu erkennen. Von hier ver-
läuft die Route nun ohne Weg hinunter zum unteren Ochsenboden. Das
Hangprofil gewährt nochmals Einblick in die bereits am Weg zum Damm-
kar gestreiften quartären Ablagerungen: ? Rißmoräne, die unterlagern-
den älteren Schotter sowie die bis 1070 m hoch reichenden frühwürm-
glazialen Schotter, die den älteren pleistozänen Bildungen angelagert sind.
Vor der Rückkehr nach Mittenwald können nach kurzem Anstieg vom
Gasthaus Raineck noch die Aufschlüsse in der Viererspitzbrecci,e in der
Nähe der Erzgrube besichtigt werden.

137
3. Drumlin- und Buckelwiesenlandschaft nördlich Mittenwald
Die Route verläuft zunächst auf der Bundesstraße nach Klais, wo
Hauptdolomit ansteht. Oberhalb der Bahnüberführung ist eine Kiesgrube
in kiesiger Würmmoränc angelegt. Weiters führt der Weg östlich am
Schmalsee vorbei. Hier bietet sich ein Ausblick auf die Drumlin- und
Buckelwiesenlandschaft. Am Nordende dcs Sees ist in einer weiteren
Grube kiesiges Moränenmatcrial aufgeschlossen. Der Weiterweg zum
Tonihof vermittelt einen Eindruck von den Buckelwiesen (vgl. S. 73).
Einzelne Mähder sind eingeebnet (Abb. 15). Den Kultivierungsmaß-
nahmen fallen von Jahr zu Jahr immer mehr Buckclwicsenflächcn zum
Opfer.
Nördlich des Tonihofes führt ein Weg talwärts nach Westen in Rich-
tung Klais. Empfehlenswert ist ein Besuch des Steinbruches an der Bahn-
linie. Die Raibler Kalke im Südteil dcs Aufschlusses zeigen Oszillations-
rippcln auf den Schichtoberflächen, Im nördlichen Aufschlußbereich kön-
nen mit einem Spaten o.ä. Raibler Mergel mit Ostreenbänken freigelegt
werden. Insgesamt handelt es sich um die mittleren Serien im Raiblcr
Gesamtprofil. Von Klais nach Mittenwald besteht Fahrtmöglichkeit mit
der Bahn.

4. Elmau und Kranzbach


Am Aufstieg zum Lautersee durch das Laintal steht Hauptdolomit
an, stellenweise mit Bunten Schichten, Am Südufer des Lautersee und
Ferchensee sind Raibler Rauhwacken aufgeschlossen. Vom Ferchcnscc
führt die Route durch das Ferchenbachtal, wo am Weg bis kurz vor
Elmau überall Hauptdolomit ansteht, In der Elmauer Talweitung sind
verschieden alte, spät- bis postglaziale Schotterterrassen erhalten. 2. B.
steht das Schloß auf spätglazialen Schottern. Sic sind in einer Kiesgrube
westlich dcs Gutshofes aufgeschlossen.
Am Weg von Elmau nach Kranzbach werden Raiblcr Schichten und
Partnachschichten gestreift. Letztere können bei einem Abstecher zum
Hirzeneck (Aussichtspunkt) noch besser beobachtet werden. An der Fahr-
straße Kranzbach-Klais sind an mehreren Stellen spätglaziale Schotter
und Seekreiden zu sehen, Die alten Kreidebrüche links der Straße sind
weitgehend verfallen. Beim Forsthaus Klais, wo die Exkursion endet,
können noch Raibler Kalke und Rauhwacken besichtigt werden.

5. Riedbodeneck, Brunnensteineck
Von Mittenwald führt die Route nach Süden zur Leutasch-Klamm.
Die Leutascher Ache hat sich hier tief in den Wctterstcinkalk eingc-
schnitten, um den ca. 100 m betragenden Höhenunterschied zwischen dem
Lcutaschtal und dem Isartal zu überwinden. Nach einer Besichtigung der
Klamm kann noch der besonders gut erhaltene Gletscherschliff beim

138
Gasthaus ,,Gletscherschliff” besucht werden (vgl. S. 59). Nach Süden ver-
läuft der Weg weiter durch den Riedboden auf einer postglazialen Schot-
trrtcrrassc der Isar, zunächst zu einem Steinbruch im Alpinen Muschcl-
kalk, und von dort zum Riedbodeneck mit dem chcmaligcn Bleibergwerk
,,Franz-Adolf-Zeche“. Auf der Abraumhalde vor dem Hauptstollen linden
sich noch einzelne vererztc Wettersteinkalkbrocken, vor allem mit Blei-
glanz, Cerussit, Zinkblende und Galmei. Von einem Besuch der strecken-
weise verstürzten Stollen wird abgeraten.
Westlich des aufgelassenen Bergwerkes sind tcktonische Schubfetzen
von Juragesteinen und Neokommergel gegen steil stehenden Wetterstein-
kalk gepreßt.
Die Exkursionsroute quert danach das Isartal - unterhalb des Zoll-
hauscs führt ein Steg über den Fluß - und verläuft hinüber zum Brun-
nensteineck. Nördlich des Steinbruches im Wettersteinkalk, am Fuß der
großen Geröllhalde, werden unter dem Schuttmaterial Jurakalke sicht-
bar. Als Klemmspäne zwischen Wettersteinkalk sind sic nochmals ober-
halb des Schuttfächers zu erkennen. Am Rückweg nach Mittenwald bietet
sich nach Westen ein Ausblick auf das östliche Arnspitz- und Schart-
kopfgebiet.

8. Leutaschtal
Von Mittenwald fährt man mit dem Postbus bis zum Gasthaus Donncr-
rose in Lochlehen, Gemeinde LeutaschiTirol. Zunächst kann man den
Bergsturz nördlich Lochlehen besichtigen. Von dort verläuft die Route
nach Süden zum Berglenbach. An seinem Unterlauf sind unter Moränen-
bedeckurig stellenweise ältere Bachschuttbreccien aufgeschlossen. Folgt
man dem nach Westen ansteigenden Weg bis in 1220 m Höhe, so gelangt
man zu einer stark schüttenden Quelle, die am tektonischen Kontakt
Muschelkalk gegen Neokommergel zutage tritt. Weiter im Suden, in einer
Höhle oberhalb eines großen Geröllfeldes, sind wiederum :Kreidcmergel
unter mächtigen Triaskalkmassen zu beobachten. Am Rückweg nach Loch-
lehen werden mehrere Moränenwälle gequert, die einem spätglazialen
Rückzugsstadium dcs Ferneises zugeordnet werden. östlich Lochlehen ist
in mehreren Aufschlüssen die Krumplehner Breccic zu sehen. Auf dem
Rückweg nach Unterleutasch sind am Ufer der Leutascher Ache wieder-
holt postglaziale Seetone aufgeschlossen. Von Unterleutasch besteht Rück-
fahrtmöglichkeit (Postbus) nach Mittenwald.

7. Marmor-Graben, Rehberg-Alm, Zunderweid-Kopf


Die Exkursion führt auf der rechten Isarscite nach Norden zuerst zu
einem Steinbruch im unteren Marmorgraben am Westend<! der Mitten-
walder Karwendelmulde. Dort werden Lias-Hierlatzkalke abgebaut. In
unmittelbarer Nähe des Steinbruches sind ferner Kössener Schichten,

139
Plattenkalk und Hauptdolomit erschlossen. Oberhalb des Bruches finden
sich im Muldenkern neben den Liaskalken noch Malmkalke und Neokom-
mergel.
Der Aufstieg zur Rehberg-Alm erfolgt über die Aschauer Alm, und
zwar folgt man der Wegabzweigung oberhalb der Aschauer Alm nach
Süden. Der Weg verläuft zunächst im Hauptdolomit. Zwischen Kote
1460 m und der Forsthütte wird das Juraprofil gequert. Südlich der Hütte
stehen Neokommergel an (Quelle). Diese bilden auch den Untergrund des
Rehberg-Almgeländes. Am Zunderweidkopf treten rote Knollenkalke
(Lias), bunte Mergel und Kieselkalke (z. T. vermutlich Dogger) und Apty-
ehenkalke (Malm) auf. Südöstlich des Zunderweidkopfes sind entlang
einer großen Störung Plattenkalk und Kössener Schichten aufgeschlossen.
Der Abstieg nach Mittenwald führt entweder wieder über die Reh-
berg-Alm und Aschauer Alm oder über die Hochlandhütte (Ubernach-
tungsmöglichkeit).

8. Hochlandhütte, Predigtstuhl, Westliche Karwendelspitze


Der Aufstieg zur Hochlandhütte erfolgt über die Untere und Obere
Kälberalm. Unterhalb der Hütte führt der Weg an der Hochlandbreccie
vorbei. In der Umgebung der Hochlandhütte sind noch weitere ähnliche
Breccienreste erhalten.
Weiters quert die Route das Mitterkar und erreicht über eine steile
Geröllhalde den Einstieg zum Predigtstuhl. Ein Band von Reichenhaller
Schichten markiert hier die Uberschiebungsstörung zwischen der ,,Inn-
tal-Decke“ mit Muschelkalk und der ,,Lechtal-Decke“ mit Wetterstein-
kalk. Ober das ,,Reichenhaller Band“ gelangt man zum Predigtstuhl und
von dort hinunter in das Hintere Dammkar. Uber Geröll und Blockschutt
erreicht man nach kurzem Anstieg die Lot. Auf dem Damm, wo Reichcn-
haller Schichten auf Wettersteinkalk aufgeschoben sind. Hier bietet sich
ein weiter Ausblick auf das Dammkar und das Vorkarwendel. Nach dem
Durchstieg zwischen dem südlichen Karwendelkopf und dem Gipfelstock
der Westlichen Karwendelspitze befindet man sich am Ostrand der west-
lichen Karwendelgrube, wo wiederum die ,,Deckenüberschiebung“ durch-
zieht. Am Fuß der Westlichen Karwendelspitze, die vom Alpinen Muschel-
kalk aufgebaut ist, bilden Reichenhaller Schichten die Gleitbahn der
Uberschiebung. Nach einer Besteigung des Gipfels erfolgt der Abstieg
nach Mittenwald über die Mittenwalder Hütte.

9. Sulzle-Klamm
Die Route führt vom Gasthaus Gerber südlich Mittenwald auf dem
Leitersteig zur Lindlähne, zunächst im Wettersteinkalk und im Sulzle-
Wald im Alpinen Muschelkalk. Wenige Meter südlich der Lindlähne sind
am Weg grüne Tuffitlagen im Hornsteinknollenkalk zu sehen. Im Bereich

140
der unteren Sulzleklamm finden sich gute Aufschlußverhältnisse in steil
stehenden Reichenhaller Schichten.
Südlich der Sulzleklamm benützt man den Aufstiegsweg zur Brunnen-
steinhütte und steigt von dort in die obere Sulzleklamm. Hier sind an
der Basis der ,,Inntal-Decke“ mit Reichenhaller Schichten und Muschel-
kalk tektonische Schubfetzen von Kössener Schichten, Juragesteinen und
Neokommergel erschlossen.
Zurück geht es wieder über die Brunnensteinhütte, von wo aus noch
die Brunnensteinspitze bestiegen werden kann. Der Rückweg nach Mitten-
wald führt über den gewaltigen Schuttkegel des Sulzlebaches.

19. Riedkopf, Arnspitze


Die Exkursion verläuft von Mittenwald nach Süden über die Leutasch-
klamm zum Gasthaus ,,Gletscherschliff“ (vgl. S. 59). Der Anstiegsweg zur
Riedbergscharte führt zunächst durch Wettersteinkalk und danach durch
Muschelkalk. In der Riedbergscharte sind Schubfetzen von Kössener
Schichten am Nordrand der ,,Inntal-Deckenüberschiebung“ erschlossen.
Am weiteren Aufstieg zum Riedkopf finden sich vereinzelt kristalline
Geschiebe des Ferneisstromes. Weiters führt der im Wettersteinkalk an-
gelegte Steig unterhalb der Achterköpfe vorbei zur Arnspitz-Hütte (nicht
bewirtschaftet). Empfehlenswert ist eine Besteigung der Großen Arn-
spitze (weiter Rundblick!). Der Abstieg und Rückweg führt durch die
Hasellähne hinunter zum Riedboden und von dort durch das Isartal nach
Mittenwald.

L. Schichtenverzeichnissevon Bohrungen
Bei den angeführten Bohrungen handelt es sich ausschließlich um
Wasserbohrungen, die im Schlagbohrverfahren niedergebracht wurden.
Die Profile l-6 sind dem Archiv des Bayerischen Geologischen Landes-
amtes München entnommen; die Profile 7-9 wurden vom Bayerischen
Landesamt für Wasserversorgung und Gewässerschutz, München, zur
Verfügung gestellt.
Die Beschreibung der Schichten stammt von Bohrmeistern der an-
gcgcbcncn Bohrilrmcn. Auf der geologischen Karte sind nur die genau
fixierten Ansatzpunkte der Bohrungen eingetragen.

Wasserbohrungen der Gemeinde Mittenwald im Jahre 1952


Bohrfirma: Aufschläger, Simbach - München.
Lage: Etwa 1 km südlich der Ortsmitte Mittenwald, Lot. Brunnhaus
Ansatzpunkt: Etwa 920 m über NN

141
Profil 1: Beobachtungsbrunnen
Ruhewasserspiegel: 4,60 m unter Gcländc
--O,40 m Humus schwarz
--4,Ofl m Grobkies gelb, sehr hart mit Sand und Steinen
--6,50 m Grobkies gelb, mit Sand und Steinen.

Profil 2: Beobachtungsbrunnen
Ruhcwasscrspicgcl: 420 m unter Gcliindv
--0,30 m Humus schwarz, mit Steinen
-5,50 m Grobkies grau, sehr hart mit Sand und groDen Steinen
--6,20 m Grobkies grau, sehr hart mit grollen Steinen.

P r o f i 1 3 : Beobachtungsbrunnen
Ruhewasserspiegel: 4,90 m unter Gelände
-0,30 m Humus schwarz
-4,00 m Grobkies grau, hart mit Sand und groben Steinen
--4,90 m Grobkies grau, hart mit Sand und grofjcn Stcineir
-7,00 m Grobkies grau, Sand, Steine, wasscriührcnd.

P I‘ o f i 1 4 : Beobachtungsbrunnen
Ruhewasserspiegel: 4,80 m unter Gelände
-0,30 m Humus schwarz, Steine
-0.40 m Grobkies grau, hart mit Sand und großen Stcincn
-~-7,20 m Grobkies grau, hart mit Sand und großen Stcincn.

Profil 5: Beobachtungsbrunnen
Ruhewasserspiegel: 4,80 m unter Gcliinde
-0,30 m Humus
-4,30 m Grobkies grau, hart mit Sand und Steinen
--4,80 m Grobkies grau, hart mit Sand und Scincn
---8,00 m Grobkies grau, hart mit Sand und Steinen

1~r o i i 1 6 : Entnahmebrunnen
Ruhewasserspiegel: 4,60 m unter Gelände
~-- 0,30 m Humus schwarz, Steine
-- 1,70 m Grobkies gelbgrau, hart mit Sand und Steinen
-- 4,60 m Grobkies gelbgrau, hart, Lehm, Sand und Stcinc
--13,50 m Grobkies grau, hart mit Sand und grofjcn [Link]
-15,40 m Rollkies grau, hart mit wenig Sand.

Brunnenbohrung der Gemeinde Mittenwald (1937/38)


Brunnenbohrfirma: K. Bauer, Sehrobenhausen
Profil 7:
I,age: Am Unteren Rain, etwa 100m unterhalb des Karwendelsteges
Ansatzpunkt: 905 m über NN

142
Ruhcwasscrspiegel: 2,12 m unter Gelände
Leistung: 10 Uscc. (Absenkung auf 4,40 m)
14 lixc. (Absenkung auf 5,lO m)
-125 m Holozäne Schotter der Isar (kalkhaltig-dolomitischer Gehängc-
Schutt, vermengt mit Flußschottern).

Versuchs-Wasserbohrung des Schlosses Kranzbach (1947)


Hrunnenbohrfirma: K. Bauer, Sehrobenhausen
Prol’il 8:
1 ,agc: Schloß Kranzbach
Ansatzpunkt: 1030 m über NN
--~5,OO m Steine und Kies, meist Schutt vom Hauptdolomit
---650 m Ton grüngrau, teilweise gebändert, sehr zäh
-8,lO m Große Geschiebe zcntralalpincr Herkunft: Gneis und phylliti-
schc Gesteine, Glimmerschiefer mit zähem, tonigen Zwischcn-
mittel.
Die Bohrung wurde wegen Materialschwicriglreiten und auC Grund
dcs geologischen Befundes eingestellt,

Wasserbohrung der Firma E. Goldmann, Kreide- und Kalksandsteinwerke,


Kaltenbrunn bei Garmisch (1953)
Tiefbohrfirma: Etsch& & Meyer, Hof a.d. Saale

Profil 9:
T,agc: Etwa 500 m nordnordöstlich Bahnhof Kaltcnbrunn
R 4438,23; H 5261,82
Ansatzpunkt: 870m über NN
Ruhewasserspiegel: 2,50 m unter Gelände
Ein früherer, 15,5 m tiefer Brunnen wurde wegen zu geringem Wasser-
zulaui nicht ausgebaut.
15,50-1800 m Beton, Kies, Holz
-19,20 m Ton grau, fest
-19,70 m Ton braun
-22,60 m Ton grau, hart mit Kalkstein-Schichten
--2380 m Ton grau
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-30,OO m Schiefer grau.

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BFCK-MANNAGETTA, P.: Geologische Ubersichtskarte der Republik öster-


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B~GIX, H. & SCHMIDT-THOMR, P.: Geologische Karte von Bayern 1 : 100000
Blatt Mittenwald. Farbige Manuskriptkarte am Geol. Inst. Techn.
Hochsch. München.
V~TTBRS, H. : Geologische Karte der Bundesrepublik Österreich und der
angrenzenden Länder 1 : 500 000. Wien 1937.

Geologische Spezialkarten

Böcer., H.: Geologische Karte des Gebietes zwischen Puiten-Tal und


Buchener-Sattel im Süden des Wetterstein-,Hauptkammes (Tirol).
Farbige Manuskriptkarte 1 : 10 000 mit Profiltafel: München 1958. -
[Bibliothek des Geol. Inst. TH München].
FRISCH, H.: Geologische Karte der Nördlichen Karwendelkette zwischen
Isartal und Tiefkar-Spitze. Farbige Manuskriptkarte 1 : 10 000 mit
Profiltafel, München 1964.
- Geologische Karte des Kirchl-Kars (Nördliche Karwendelkette).
Farbige Manuskriptkarte 1 : 5000, München 1964. - [Bibliothek des
Geol. Inst. Techn. Hochsch. München].
Geognostische Karte von Tirol, ca. 1 : 100 000 (farbig). - Aufgenommen
und herausgegeben vom Geognost.-Montanist. Verein von Tirol und
Vorarlberg, München 1851.
GÜMBEL, C. W.: Blatt Werdenfels 1 : 100 000 der Geognostischen Karte des
Königreichs Bayern. München (Justus Perthes, Gotha) 1858.
JLRZ, H.: Geologische Karte der Mittenwalder Wettersteinmulde. Farbige
Manuskriptkarte 1 : 10 000 mit Profiltafel, München 1960. - [Biblio-
thek des Geol. Inst. Techn. Hochsch. München].
KRUMM, H.: Geologische Karte des mittleren Wettersteingebirges östlich
der Partnach. Farbige Manuskriptkarte 1 : 25 000 mit Profiltafel,
München 1957. - [Bibliothek des Geol. Inst. Techn. Hochsch. Mün-
chen].
NIEDBRMAYER, J.: Geologische Karte der bayerischen Alpen zwischen
Loisach, Isar und Walehensee. 1 : 25 000. - N. Jb. Mineral. usw.;
76. Beil.-Bd., Abt. B, Stuttgart 1936.
REIS, 0. M. & PPAFP, F, W.: Geologische Karte des Wettersteingebirges
1 : 25 000. München 1910.
ROYHPUYIX, A.: Geologische Karte des Karwendelgebirges. Farbige Karte
1 : 50 000, D.Ö.A.V. München 1888.

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SCHNEIDER, H. J.: Geologische Karte des Arnspitzstockes zwischen Leu-
tasch und dem Isartal. Farbige Manuskriptkarte 1 : 25 000 mit
Profiltafel, München 1951. - [Bibliothek des Geol. Inst. Techn.
Hochsch. München].
TRUSHEIM, F.: Geologische Karte der Mittenwalder Karwendelmuldc.
1 : 25 000. Wiss. Veröff. D.Ö.A.V., 7, Innsbruck 1930.
ULKICH, R.: Geologische Karte des Vorkarwendels zwischen Soiern-Spitze
und Wörner. Farbige Manuskriptkarte 1 : 25 000 mit Profiltafel,
München 1954. - [Bibliothek des Geol. Inst. Techn. Hochs& Mün-
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