Graf Zeppelin
„Herr Meier kam geflogen auf einem Fass Benzin.
Da dachten die Franzosen, er sei ein Zeppelin.
Sie luden die Kanonen mit Sauerkraut und Speck
Und schossen dem Herrn Meier die Unterhose weg.“
So geht ein kleines Spottgedicht aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, das ich
noch in den 60er-Jahren als Kind lernte. Es wirkt harmlos und enthält doch viel
von der Tragik der bisherigen Zeppelingeschichte.
Ferdinand Graf von Zeppelin (1838-1917) hat
gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine geniale
Idee. Um Ballone durch die Luft lenken zu
können, müssen sie eine aerodynamische Form
haben. Und sie müssen groß genug sein, um sich
selbst, die Motoren, den Treibstoff und die
Passagiere tragen zu können. Dazu braucht der
Ballon in seinem Inneren einen leichten aber
festen Rahmen. Genau solche Ballone in Form
von riesigen Zigarren beginnt der Graf nun am
Bodensee zu bauen.
Nach einigen Schwierigkeiten schafft er es im Jahre 1908 endlich:
Sein Luftschiff LZ4 ist 136 Meter lang, enthält 15.000 Kubikmeter
Wasserstoffgas (Hydrogenium) und lässt sich mit 60 Stundenkilometern
Geschwindigkeit durch die Lüfte steuern. Von 1910 bis 1914 erleben etwa
34.000 Menschen ihren ersten Flug in einem der „Zeppeline“, wie die neuen
Fluggeräte vom Volk sofort genannt werden.
Franz Specht: Zeppelin - Eine richtige Idee zur falschen Zeit © Max Hueber Verlag, Ismaning 2001
Der Erste Weltkrieg
Dann kommt das Jahr 1914. Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs werden die
Zeppeline zu fliegenden Waffen. Allein im Deutschen Reich werden zwischen
1914 und 1918 fast 90 Luftschiffe für militärische Zwecke gebaut. Aber
Deutschland verliert den Krieg, alle seine Luftschiffe und auch die Erlaubnis,
weitere zu bauen.
In 21 Tagen um die Welt
Erst Mitte der 20er-Jahre beginnt die zweite und
bisher erfolgreichste Epoche in der Geschichte
der Luftschiffe. Hugo Eckener ist der Nachfolger
des 1917 verstorbenen Grafen Zeppelin. Er
organisiert den Bau des 236 Meter langen
LZ127, der 1929 unter dem Namen „Graf
Zeppelin“ in 21 Tagen rund um die Welt fliegt. Diese großartige Leistung bringt
die Luftschiff-Idee nun auch international voran.
Die „Hindenburg“, der größte Zeppelin aller Zeiten
1933 kommen in Deutschland die Nazis an die
Macht. Sie wollen der Welt beweisen, wie
mächtig ihr Führer-Staat ist und lassen den
größten Zeppelin aller Zeiten bauen. Er bekommt
den Namen des Reichspräsidenten Paul von
Franz Specht: Zeppelin - Eine richtige Idee zur falschen Zeit © Max Hueber Verlag, Ismaning 2001
Hindenburg, ist 245 Meter lang, bis zu 41 Meter breit und fasst 200.000
Kubikmeter Gas. Der Passagierbereich bietet 50 Reisenden jeden Komfort,
den sie sich wünschen können.
Eigentlich soll die „Hindenburg“ mit Helium gefüllt werden, das im Gegensatz
zu Wasserstoff nicht brennbar ist. Aber ist sehr teuer und muss aus den USA
importiert werden. Als die Vereinigten Staaten wegen Hitlers aggressiver
Politik kein Helium mehr an Deutschland verkaufen, wird die „Hindenburg“ mit
Wasserstoffgas gefüllt.
Die Explosion der „Hindenburg“
Und so kommt es zu der Tragödie
am 6. Mai 1937, als die
„Hindenburg“ bei ihrer Landung
auf dem Flugplatz von Lakehurst
in den USA explodiert. Das riesige
Luftschiff wird in einer halben
Minute völlig zerstört und 36
Menschen verlieren ihr Leben. Ob
es ein Unfall ist oder ein Attentat gegen die Nazis, wird nie festgestellt.
Die Katastrophe der „Hindenburg“ beendet die Zeit der Zeppeline. Krieg und
Militarismus verhindern zweimal, dass sich Luftschiffe als Verkehrsmittel
durchsetzen können. Es gibt zwar nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem in
den USA noch einige Versuche mit militärischen Luftschiffen und Ballons.
Sonst aber wird es still um die „Leichter-als-Luft-Fliegerei“.
Technologie der Vergangenheit oder fliegender Kran der Zukunft?
Seit 1980 werden wieder mehr zeppelinähnliche Ballone gebaut. Aber diese
kleinen „Prall-Luftschiffe“ werden meist nur für Werbezwecke eingesetzt.
Luftschiffe sind also eine Technologie der Vergangenheit, oder?
„Im Gegenteil!“ sagen einige Zeppelinfans
im Jahr 1996 und gründen die Firma
CargoLifter AG. Sie glauben an ihr Projekt,
den „fliegenden Kran“ CL 160. Schon ab
dem Jahr 2004, so werben sie, soll ihr 260
m langes Luftschiff schwerste Lasten bis
zu 10.000 km weit transportieren – und
das auch noch umweltfreundlich und
konkurrenzlos billig!
Zu schön, um wahr zu sein? Nein,
einige Jahre lang sieht es ziemlich gut
aus für die Jungunternehmer. Die
Entwicklung des CL 160 kommt voran.
In Brandenburg entsteht eine große
Produktionsstätte. Aber es fehlt immer
wieder an risikofreudigen Kapitalgebern
und im Sommer 2002 geht der Firma
dann endgültig das Geld aus.
Ein serienmäßiger Einsatz der „Leichter-als-Luft-Technologie“ ist wieder in weite
Ferne gerückt und damit auch die Antwort auf eine spannende Frage: Ist die große
Zeit der Zeppeline schon vorbei oder kommt sie erst noch?