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Physikalisches Praktikum
Weihenstephan
Übersicht:
1. Physikalische Grundlagen
2. Versuchsbeschreibung
2.1 Versuchsaufbau
2.1.1 Bauteile
2.1.2 Beleuchtungseinrichtung
2.1.3 Okular und Zwischenbildeinsatz
2.1.4 Augenmodell
2.1.5 Objektmikrometer
2.1.6 Okularmikrometer
2.2 Versuchsdurchführung
3. Aufgabenstellung
137
MIK
1. Physikalische Grundlagen
Objektiv und Okular, die wesentlichen optischen Bauelemente des Mikroskops, sind aus Linsen
aufgebaut. Kenntnisse über die Abbildung mit Linsen sind daher Voraussetzung für das Ver-
ständnis des Mikroskopes.
Sammellinsen sind in der Achse dicker (konvex), Zerstreuungslinsen dünner (konkav) als am
Rand. Ein parallel zur optischen Achse auf die Linse auftreffendes Lichtbündel wird von einer
Sammellinse in einem hinter der Linse liegenden Brennpunkt F' vereinigt. Von einem Objekt-
punkt wird ein Bild dort erzeugt, wo sich alle Strahlen, die vom Objektpunkt ausgehen und die
Linse durchsetzen, treffen. Das Bild kann man also durch Konstruktion dieser Lichtstrahlen, die
nach dem Brechungsgesetz n1 sin 1 = n2 sin 2 (vgl. PHO) an den Linsenflächen gebrochen wer-
den, ermitteln. Beschränkt man sich auf schlanke Lichtbündel mit kleinem Neigungswinkel ge-
gen die optische Achse und auf das achsennahe Gebiet, so kann man die Wirkung einer Linse
wesentlich einfacher beschreiben, wenn man sie als "dünne Linse" betrachtet.
Dünne Linsen liegen vor, wenn der Radius der begrenzenden Kugelflächen groß gegenüber der
Dicke der Linse ist. In diesem Fall ist die Linse zu beschreiben durch ihre optische Achse, ihre
Mittelebene und die beiden Brennpunkte F und F', die im gleichen Abstand von der Mittelebene
auf der optischen Achse liegen.
In dieser Anleitung wird davon ausgegangen, dass Objektiv und Okular als dünne Linsen aufge-
fasst werden können. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um komplizierte Linsensysteme.
Trotzdem können mit dieser Vereinfachung wesentliche Aspekte des Lichtmikroskopes deutlich
gemacht werden.
Als Lichtrichtung wird die Richtung von links nach rechts gewählt. Die Linsenform wird oft an-
gedeutet, obwohl sie für die Konstruktion des Strahlenganges überflüssig ist. Außerdem arbeitet
man mit einer Maßstabsüberhöhung senkrecht zur optischen Achse.
138
MIK
y
F F' optische Achse
B S B'
f f
y'
s s'
N E'
1.1.3 Abbildungsgleichungen
Aus der Abb. 1 lassen sich folgende Zusammenhänge ablesen: Der Abbildungsmaßstab ergibt
sich als Verhältnis von Bildgröße zu Gegenstandsgröße
y s
(1)
y s
y f
(2)
y y s
1 1 1
(3)
s s f
* Konstruieren Sie mit Bleistift und Lineal das Bild eines 5 cm großen Gegenstan-
des, der 8 cm von einer Linse der Brennweite 4 cm entfernt ist.
Lösen Sie das gleiche Problem rechnerisch.
Geben Sie den Abbildungsmaßstab an.
139
MIK
Oft kennt man bei Abbildungsproblemen nur den Abstand p zwischen Gegenstand und Bild
(p = s + s') - also weder s noch s' allein - sowie y und y', also die Größen von Bild und Gegen-
stand.
* Zeigen Sie, dass sich dann mit Gleichung (1) und (3) die Brennweite der Linse an-
geben lässt zu
p
(4) f 2
1
Das optisch sehr komplizierte menschliche Auge wird hier stark vereinfacht so dargestellt:
Es besteht aus der dünnen Linse L, aus der als eben angenommenen Netzhaut N und dem Aug-
apfel, der beides zusammenhält. Das Auge sieht einen Gegenstand scharf, wenn sein Bild auf der
Netzhaut entsteht. Die "Scharfstellung" (Akkomodation) erfolgt durch Verändern der Brennweite
der Augenlinse (unterschiedliche Wölbung der Linsenfläche).
y
(5) tan .
s
Befindet sich der Gegenstand im Abstand s = d = 25 cm, so spricht man von der Normsehweite
(irreführend auch "deutliche" Sehweite genannt). Befindet sich der gesehene Gegenstand im Un-
endlichen, so liegt die Brennebene der Augenlinse auf der Netzhaut. Die von einem unendlich
fernen Objektpunkt kommenden Strahlen sind untereinander parallel und werden durch die Au-
genlinse in der Brennebene zum Bildpunkt vereinigt. Den Bildpunkt findet man, wenn man den
im Parallelbündel enthaltenen Mittelpunktstrahl einzeichnet, der die Augenlinse ungebrochen
durchsetzt.
140
MIK
1.3.1 Bildkonstruktion
Die Abb. 4 zeigt die Bildkonstruktion bei einer (Sammel-) Linse, die als Lupe verwendet wird.
Das Bild y' des Gegenstandes y ist virtuell, d. h. es kann nicht auf einem Schirm aufgefangen
werden. Für den Betrachter scheinen die Strahlen nicht von E sondern von E' herzukommen. Vir-
tuelle Bilder erhält man immer dann, wenn y innerhalb der Brennweite der Linse liegt; y' ist in
jedem Fall ein vergrößertes Bild von y.
141
MIK
Das Auge, das durch die Lupe blickt, muss die von E' ausgehenden Strahlen in einem Punkt auf
der Netzhaut vereinigen, um E zu sehen. Dazu muss die Augenlinse passend gewölbt werden. In
der Praxis zeigt sich, dass dies bei längerer Arbeit anstrengend ist; man bevorzugt daher eine
Anordnung, bei der der Muskel, der die Augenlinse wölbt, entspannt ist. Das ist der Fall, wenn
das Auge unendlich ferne Gegenstände betrachtet. Mit der Lupe kann dieser Fall simuliert wer-
den, indem Strahlen, die von einem Punkt (z. B. E) ausgehen, durch die Lupe parallel gemacht
werden, also scheinbar aus dem Unendlichen kommen. Zu diesem Zweck muss der Gegenstand y
in der Brennebene der Lupe liegen.
Aus Abb. 2 und Abb. 5 sieht man, dass die Lupe den Sehwinkel vergrößert. Wird das Objekt
ohne Lupe in der Normsehweite d betrachtet, so gilt für den Sehwinkel 0 nach Gleichung (5)
y
(6) tan 0 .
d
Wird eine Lupe verwendet, vergrößert sich der Sehwinkel auf L. Aus Abb. 5 entnimmt man
y
(7) tan L ,
fA
142
MIK
tan L
(8) Vn .
tan 0
Man nennt Vn die Normalvergrößerung der Lupe. Sie lässt sich also aus der Normsehweite d und
der Brennweite fL der Lupe berechnen. Aus den geometrischen Beziehungen der Abb. 5 erhalten
Sie
d
(9) Vn .
fL
Wie man aus der Gleichung (9) formal schließen kann, lassen sich durch entsprechend geringe
Brennweiten beliebig starke Vergrößerungen erzielen. Praktisch stehen diesem Vorhaben jedoch
große Schwierigkeiten entgegen. Die technische Herstellung extrem kurzbrennweitiger und da-
mit zwangsläufig kleiner Linsen ist sehr schwierig. Ferner wird das Bildfeld bei ihrer Anwen-
dung sehr klein und man kann sich mit den Linsen auch nicht beliebig weit dem Objekt nähern.
Für höhere Vergrößerungen ersetzt man daher die einfache Lupe durch das Mikroskop.
Das Mikroskop stellt ein Linsensystem aus zwei kurzbrennweitigen Sammellinsen, dem Objektiv
und dem Okular dar. (Die zum Objektiv gehörenden Größen sind im Folgenden mit dem Index 1,
die zum Okular gehörenden mit Index 2 bezeichnet.)
Die Abbildung erfolgt in zwei Schritten: Das Objektiv Ob entwirft in der Brennebene oder inner-
halb der Brennweite des Okulars Ok ein (reelles umgekehrtes) vergrößertes Bild y' des Gegen-
standes y. Das Okular wirkt wie eine Lupe. Es erzeugt vom Zwischenbild y' ein (aufrechtes, also
vom Gegenstand ein umgekehrtes, virtuelles und) noch einmal vergrößertes Bild y'':
Ob Ok
y
F1 F1' F2 F2'
y'
y''
143
MIK
Wird mit entspanntem Auge gearbeitet, so ergibt sich folgende Konstruktion des Strahlenganges:
Ob Ok
D
y y'''
F1 F1' F2
F2' FA
s y'
fA
Abb. 7: Mikroskopische Beobachtung mit entspanntem Auge
* Konstruieren Sie den Strahlengang für die Beobachtung mit entspanntem Auge für
folgenden Fall:
Objektiv f1 = 3,0 cm
Okular f2 = 5,0 cm
Abstand D = 12,5 cm (siehe Abb.7)
Objekt y = ± 1 cm im Abstand s = 5 cm vom Objektiv
Bilden Sie Spitze und Fußpunkt des Objektes ab!
Augenabmessungen selbst wählen.
Entsprechend der zweistufigen Abbildung kann man die Vergrößerung VM des Mikroskopes dar-
stellen als das Produkt des Abbildungsmaßstabs 1 des Objektivs und der Normalvergrößerung
V2 des Okulars
(10) VM 1 V2 .
Beispiel: Das durch das Objektiv 10-fach vergrößerte Bild y' des Objektes y wird mit einem 8x-
vergrößernden Okular betrachtet. Gesamtvergrößerung VM = 80.
In dieser Form wird in der Praxis die Gesamtvergrößerung einer Objektiv- Okular- Kombination
ermittelt. 1 und V2 sind bei den handelsüblichen Objektiven bzw. Okularen aus der Beschriftung
zu entnehmen.
Die vergrößernde Wirkung des Mikroskops läuft - analog zu den Betrachtungen bei der Lupe -
auf eine Vergrößerung des Sehwinkels für das Auge hinaus. Als Vergrößerung VM des Mikro-
skops ergibt sich (Abb. 7)
144
MIK
wobei 0 wieder durch Gleichung (6) definiert ist. M ergibt sich gemäß Abb. 7 analog zu Glei-
chung (7) aus
y
(12) tan M .
fA
Will man die Länge eines Brettes messen, so legt man einen Meterstab an das Brett an und liest
auf ihm die Werte für Anfang (meist "Null") und Ende des Brettes ab.
Bei einem mikroskopisch kleinen Objekt, z. B. einer Hefezelle, kann man leider nicht so vorge-
hen, denn man kann den Maßstab nicht nahe genug an das Objekt heranbringen. Das verhindert
schon das Deckglas, mit dem diese Objekte abgedeckt sind.
Um die Länge eines mikroskopisch kleinen Objektes zu bestimmen, benutzt man einen Trick:
man misst die Länge des Bildes (y') des Objektes, das - im Gegensatz zum Objekt (y) - frei zu-
gänglich ist und an das man daher einen "Meterstab" direkt und unmittelbar anlegen kann. In der
Praxis benutzt man einen durchsichtigen Maßstab, der sich in der Brennebene des Okulars befin-
det, also genau dort, wo das Bild des Objektes entsteht. Der Maßstab wird "Okularmikrometer"
genannt. Okulare mit einem solchen, eingebauten Maßstab heißen "Messokulare".
Wie groß das Bild ist, hängt außer vom Objekt auch vom abbildenden Objektiv ab: je höher die
Vergrößerung (der Abbildungsmaßstab) umso größer ist das Bild des Objektes. Zur Feststellung
des Abbildungsmaßstabes legt man "ein Objekt genormter Länge" unter das Mikroskop - am
einfachsten eine kalibrierte Skala, d. h. ein "kleines Metermaß", genannt "Objektmikrometer". Es
besteht aus Glas und hat z. B. eine Skala mit einem Teilstrichabstand von 10 m. Das Objektiv
bildet diese Skala genauso in die Brennebene des Okulars ab wie jedes mikroskopische Objekt.
Blickt man durch das Okular, so sieht man also die beiden Maßstäbe (das Bild des Objektmikro-
meters und das Okularmikrometer) nebeneinander. Durch Vergleich der beiden Skalen über eine
möglichst große Strecke bestimmt man den Abbildungsmaßstab. Man berechnet daraus, wie groß
z. B. 1 m des Objektes (y) im Bild (y') dargestellt wird. Damit kann man "rückwärts" berechnen,
wie groß das mikroskopische Objekt wirklich ist, wenn man nur sein Bild vermessen hat.
Hinweis zu Objekt- bzw. Okularmikrometer: Der Ausdruck "Mikrometer" für einen Gegenstand
ist aus heutiger Sicht unglücklich, da 1 Mikro-meter ( m) eine Längeneinheit ist, nämlich
1 10 6 m. Besser wären Bezeichnungen wie Objektmaßstab oder Okularmaßstab.
was sich in der Objektebene befindet: was man beim Einblick in das Mikroskop sieht:
keinObjekt
kein Objekt Okularmikrometer
Okularmikrometer
145
MIK
Objekt
Objekt Bild
Bilddes Objektes
des Objektes
++
Okularmikrometer
Okularmikrometer
0,3
0 ,3
Objektmikrometer
Objektmikrometer BildBild
desdesObjektmikrometers
Objektmikrometers
++
Okularmikrometer
Okularmikrometer
Das Bild einer Kieselalge misst auf einem Okularmikrometer sx= 46,4 Skalenteile.
xOb = 385 µm eines Objektmikrometers werden auf dem Okularmikrometer zu
sOk = 96,2 Skt groß abgebildet. Wie lang ist die Kieselalge? Geben Sie die Länge
x der Alge in µm an. (186 µm)
Erstellen Sie nach dem beschriebenen Verfahren eine Formel x=f(sx,xOb,sOk), mit
der Sie die Größe eines unbekannten Objektes bestimmen können. Weisen Sie
nach, dass der Maßstab des Okularmikrometers nicht bekannt sein muss - dass
man also nicht wissen muss, wie groß das Bild des Objektes tatsächlich (in mm)
ist.
Das Mikroskop soll Strukturen sichtbar machen, deren Einzelheiten das Auge ohne Hilfsmittel
nicht aufzulösen vermag. Nach rein geometrisch-optischen Gesichtspunkten könnte man dazu
beliebig hoch vergrößernde Mikroskope bauen. Tatsächlich setzt die Wellennatur des Lichtes
dem jedoch eine Grenze. Im folgenden wird gezeigt, wodurch diese Grenze der sinnvollen Ver-
größerung entsteht und wodurch sie bedingt ist.
Als Objekt, das mit dem Mikroskop beobachtet werden soll, nehmen wir zur Vereinfachung ein
feines Strichgitter an (Abb. 8). Es bestehe aus parallelen Schlitzen, die senkrecht zur Zeichen-
ebene stehen und von links mit parallelem Licht bestrahlt werden. An den Schlitzen wird das
Licht gebeugt, d. h. so überlagert, dass sich in bestimmten Richtungen Maxima der Intensität
ergeben.
Die Maxima treten gerade für solche Winkel auf, für die BC = z ist:
BC
(13) sin
g
146
MIK
Die von ABBE begründete Theorie der mikroskopischen Abbildung verlangt, dass möglichst viele
Beugungsmaxima, die vom Objekt (Gitter) ausgehen, in das Objektiv eintreten, damit eine ein-
wandfreie Abbildung erzielt wird. Werden weniger Beugungsmaxima zur Bildentstehung ver-
wertet, so führt das zu einer Qualitätsminderung im Bild. Tritt nur die 0. Ordnung (z = 0, BC = 0,
"Geradeausstrahl") ein, so entsteht überhaupt kein Bild des Objektes.
BC = z für Intensitätsmaxima
= Wellenlänge des Lichts
A
g = Abstand der Schlitze
= Gitterkonstante
z = 0, 1, 2, 3, ..... g
Maximum 0., 1., 2., ...Ordnung
Die Auflösungsgrenze eines Objektivs kann man durch folgende Überlegung berechnen:
Damit das Gitter, das heißt seine Schlitze gese- 2.O. Objektiv
hen werden können, muss mindestens das Ma-
ximum 1. Ordnung in das Objektiv eintreten.
Dazu darf der zugehörige Beugungswinkel
1.O.
nicht größer sein als der Winkel , den die
Randstrahlen, die noch in die Frontlinse des Ob-
jektivs eintreten können, mit der optischen Ach- Gitter
1.O.
se bilden (Abb. 8, 9). Je kleiner die Gitterkon- Ra
nd
stante g ist, desto größer ist nach (13) aber der str
ah
Winkel . l
2.O.
Abb. 9: Schematisches Beispiel:
Strahlen 1. Ordnung treten ins Objektiv ein,
Strahlen 2. und höherer Ordnung nicht mehr.
Die Auflösungsgrenze gmin eines Objektivs ist der kleinste Abstand, den zwei Objektpunkte ha-
ben dürfen, damit sie gerade noch getrennt abgebildet werden. Mit BC = 1 liefert Gl. (13):
(14) g min .
sin
Bringt man zwischen Objekt und Objektiv ein optisch dichteres Medium mit dem Brechungs-
index n>1, so beträgt die Wellenlänge darin /n und die Auflösungsgrenze erniedrigt sich um
den Faktor 1/n.
(15) g min .
n sin A
A ist die gebräuchliche Kenngröße eines Objektives hinsichtlich der Auflösungsgrenze und heißt
numerische Apertur:
(16) A n sin .
Für Trockenobjektive mit dem Zwischenmedium Luft ist
(17) A sin .
147
MIK
Praktisch erreichbar sind mit Trockenobjektiven: A < 1 und mit Immersionsobjektiven (Wasser,
Glycerin, Öl): A 1,3. Die numerische Apertur ist als wichtige Kennzahl auf den handelsüblichen
Objektiven angegeben.
Als förderliche Vergrößerung Vförd wird diejenige Vergrößerung des Mikroskops bezeichnet, bei
der zwei Punkte im Abstand von gmin vom Auge getrennt gesehen werden. Das ist der Fall, wenn
die Bildpunkte auf zwei getrennte Sehzellen der Netzhaut fallen und entspricht etwa einem
Punktabstand von 0,2 mm in der Normsehweite. Rechnet man zur Sicherheit mit dem doppelten
Abstand 0,4 mm, so gilt also
(18) Vförd g min 0,4 mm .
Mit (15) und = 0,4 µm (kleinste Wellenlänge des sichtbaren Lichts, vgl. PHO) folgt für ein
Objektiv der Apertur A die für die Praxis wichtige Regel
(19) Vförd 1000 A .
Um sinnvoll zu mikroskopieren, muss also die tatsächliche Vergrößerung VM des Mikroskops
unterhalb von Vförd bleiben. Ob das der Fall ist, kann mittels (10) jederzeit rasch überprüft wer-
den, da 1 und V2 auf Objektiv und Okular eingraviert sind. Eine Steigerung der Vergrößerung
VM durch stärkere Okulare über Vförd hinaus ist möglich, ergibt aber nur eine "leere" Vergröße-
rung, da die Struktur der einzelnen Bildpunkte nicht weiter aufgelöst werden kann.
* Die Auflösungsgrenze hängt - wie gezeigt - vom verwendeten Objektiv ab. Rech-
nen Sie sich aus, wie groß die förderliche Vergrößerung und die Auflösungsgrenze
für das bestmögliche Lichtmikroskop sind.
Anmerkung:
In dieser Anleitung wird der Ausdruck "Auflösungsgrenze" für den "kleinsten trennbaren Ab-
stand zweier Objektpunkte" verwendet. Der häufig verwendete Begriff "Auflösungsvermögen"
hat unterschiedliche Bedeutung: er ist umgekehrt proportional zur Auflösungsgrenze (hohes Auf-
lösungsvermögen entspricht kleiner Auflösungsgrenze), wird aber oft synonym mit Auflö-
sungsgrenze verwendet.
Objektive und Okulare werden durch Kennzahlen charakterisiert. Auf einem Objektiv sind im-
mer der Abbildungsmaßstab und die numerische Apertur in der Form 1/A, auf einem Okular die
Vergrößerung V2 eingraviert. (Das /-Zeichen ist ein Trennstrich, kein Bruchstrich.)
148
MIK
2. Versuchsbeschreibung
2.1 Versuchsaufbau
Zur Verfügung steht ein Mikroskop, das in seinen Elementen etwa doppelt so groß ist wie die
üblichen Mikroskope, ein dazu passendes vereinfachtes Augenmodell, sowie verschiedene Mess-
und Hilfseinrichtungen.
2.1.1 Bauteile
OBJEKTE:
Objektmikrometer 1 mm, geteilt in 10 µm
Objektträger mit Testobjekten
AUGENMODELL
mit einer Mattscheibe als Netzhaut Nh, sowie
einer in Achsrichtung verschiebbaren Augenlinse
Al.
LUPE
Stahlbandmaß 350 mm
kleiner Maßstab 50 mm
149
MIK
2.1.2 Beleuchtungseinrichtung:
Die Helligkeit der Beleuchtung kann durch die Einstellung am Transformator verändert werden.
Warnung:
Achten Sie darauf, dass Sie stets das Blaufilter eingeschwenkt haben, wenn Sie mit Ihrem Auge
in das Mikroskop blicken! Nur wenn Sie Bilder auf Mattscheiben projizieren, schwenken Sie das
Blaufilter heraus, um hellere Bilder zu bekommen.
Abb. 11
2.1.4 Augenmodell:
Beachten Sie, dass beim Augenmodell das Scharfstellen nicht durch Ändern der Brennweite der
Augenlinse erfolgen kann (Glaslinsen haben nur eine feste Brennweite), sondern durch Verschie-
ben der Augenlinse in Richtung der optischen Achse. Die Brennweite der Augenlinse des Mo-
dells beträgt fA = 60 mm.
2.1.5 Objektmikrometer:
Das Objektmikrometer ist eine Glasplatte, auf der sich ein Maßstab von 1 mm Länge, geteilt in
100 Teile, befindet.
2.1.6 Okularmikrometer:
Das vorhandene Okular lässt sich als Messokular verwenden, wenn Sie den kleinen Maßstab in
die Ebene des Zwischenbildes einschieben, d. h. auf die Gesichtsfeldblende legen.
150
MIK
2.2 Versuchsdurchführung
Die Gesamtvergrößerung VM wird durch die Kombination aus verwendetem Objektiv und Okular
bestimmt. In diesem Versuch müssen Sie die Gesamtvergrößerung über die Sehwinkel ermitteln,
weil Sie 1 und V2 nicht kennen.
Abb. 13
151
MIK
3. Aufgabenstellung
Hinweis: Anstelle eines Objektmikrometers wird ein Objektträger mit verschieden dicken
Drähten verwendet, deren Durchmesser angegeben sind.
1. Bestücken Sie das Mikroskop mit einem Objektiv (also kein Okular einsetzen) und legen Sie
als Objekt y das Objektmikrometer ein.
Suchen Sie mit der Mattscheibe am Stiel das Bild y' des Objektes, das durch das Objektiv
erzeugt wird.
Verändern Sie mit dem Trieb Tr die Stellung des Objekttisches und beschreiben Sie kurz,
was Sie bezüglich des neuen Ortes des Bildes und seiner Größe dabei feststellen können.
(Versuchen Sie in Ihrer Aussage auch die entsprechenden optischen Größen zu verwenden.)
2. Setzen Sie den Zwischenbildeinsatz anstelle des Okulares ein und erzeugen Sie ein scharfes
Bild y' des Objektes y auf der Mattscheibe des Zwischenbildeinsatzes.
a) Bestimmen Sie den Abbildungsmaßstab 1 des Objektivs. Sie müssen dazu die Größe des
Bildes messen. Benutzen Sie gegebenenfalls die beigefügte Lupe.
b) Ermitteln Sie die Brennweite f1 des Objektivs.
c) Prüfen Sie durch ein einfaches Verfahren, ob die gefundene Brennweite größenordnungs-
mäßig richtig ist.
3. Sie haben bei 2a) die Lupe zum Betrachten des Zwischenbildes y' benutzt. Machen Sie sich
klar, dass das Okular, das Sie jetzt in das Mikroskop einsetzen, die gleiche Funktion erfüllt.
Vergewissern Sie sich, dass Sie beim Einblick in das Okular (Filter einschwenken!) das
Zwischenbild y' auch dann sehen, wenn es nicht auf einer Mattscheibe aufgefangen wird.
(Sie können dazu die Mattscheibe in das Okular einschieben.)
4. Beschäftigen Sie sich mit dem Augenmodell: Lassen Sie das Augenmodell verschieden weit
entfernte Gegenstände "anschauen"; Sie können es auch "lesen" lassen (f A = 60 mm).
a) Was müssen Sie dazu verstellen?
(Verwenden Sie wiederum die passenden optischen Größen!)
b) Wie wird die gleiche Wirkung beim menschlichen Auge erreicht?
c) Stellen Sie das Augenmodell so ein, dass es als "entspanntes Auge" blickt. Wie erreichen
Sie das?
152
MIK
C. Gesamtvergrößerung
5. Setzen Sie das Modell des entspannten Auges auf das Mikroskop und lassen Sie es das Ob-
jektmikrometer betrachten. Sie sollen jetzt die Gesamtvergrößerung VM des Mikroskops er-
mitteln.
6. a) Berechnen Sie aus den bisher gewonnen Daten die Vergrößerung V2 des Okulars.
b) Berechnen Sie die Brennweite f2 des Okulars.
9. Auf den Objektiven und Okularen handelsüblicher Mikroskope befinden sich zum prakti-
schen Gebrauch bestimmte Kennzahlen. Geben Sie diese Kennzahlen für das verwendete
Objektiv und Okular an.
10. Bestimmen Sie mit dem Mikroskop die Länge eines Testobjektes (nach Angabe des Betreu-
ers). Verwenden Sie den kleinen Maßstab als Okularmikrometer und die Drähte als Objekt-
mikrometer. Benutzen Sie nicht das Augenmodell.
11. Prüfen Sie die Längenmessung mit einem der aufgestellten Originalmikroskope. Ein echtes
Objektmikrometer und ein Okularmikrometer stehen Ihnen zur Verfügung.
12. Führen Sie für die mit dem Modellmikroskop bestimmte Länge des Testobjekts eine Fehler-
rechnung durch. Berücksichtigen Sie dabei die Messunsicherheit der Bilder auf dem Oku-
larmikrometer (kleiner Maßstab) sowie die Unsicherheiten der Drahtdurchmesser (Objekt-
mikrometer). Beachten Sie, dass Sie die Längen durch Differenzmessungen ermitteln (vgl.
3.2.2).
153