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Das Dokument behandelt die physikalischen Grundlagen des Mikroskops, einschließlich der Abbildung mit Linsen, der Konstruktion von Bildern und der Vergrößerung. Es beschreibt den Versuchsaufbau und die Durchführung eines physikalischen Praktikums, das sich mit den Eigenschaften von Objektiv und Okular sowie der Längenmessung im Mikroskop beschäftigt. Zudem werden die Aufgabenstellungen und die theoretischen Konzepte zur Bildkonstruktion und Vergrößerung erläutert.

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Das Dokument behandelt die physikalischen Grundlagen des Mikroskops, einschließlich der Abbildung mit Linsen, der Konstruktion von Bildern und der Vergrößerung. Es beschreibt den Versuchsaufbau und die Durchführung eines physikalischen Praktikums, das sich mit den Eigenschaften von Objektiv und Okular sowie der Längenmessung im Mikroskop beschäftigt. Zudem werden die Aufgabenstellungen und die theoretischen Konzepte zur Bildkonstruktion und Vergrößerung erläutert.

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MIK

Physikalisches Praktikum
Weihenstephan

MIK: Das Mikroskop

Übersicht:
1. Physikalische Grundlagen

1.1 Abbildung mit einer Linse


1.1.1 Dünne Linsen
1.1.2 Zeichnung von Strahlengängen und Bildkonstruktion
1.1.3 Abbildungsgleichungen

1.2 Das Auge

1.3 Die Linse als Lupe


1.3.1 Bildkonstruktion bei der Lupe
1.3.2 Vergrößerung der Lupe

1.4 Das Mikroskop


1.4.1 Konstruktion des Bildes
1.4.2 Vergrößerung des Mikroskops
1.4.3 Längenmessung im Mikroskop
1.4.4 Die Auflösungsgrenze des Mikroskops
1.4.5 Die Kennzahlen von Objektiv und Okular

1.5 Das HUYGENSsche Okular

2. Versuchsbeschreibung

2.1 Versuchsaufbau
2.1.1 Bauteile
2.1.2 Beleuchtungseinrichtung
2.1.3 Okular und Zwischenbildeinsatz
2.1.4 Augenmodell
2.1.5 Objektmikrometer
2.1.6 Okularmikrometer

2.2 Versuchsdurchführung

3. Aufgabenstellung

137
MIK

MIK: Das Mikroskop

1. Physikalische Grundlagen

Objektiv und Okular, die wesentlichen optischen Bauelemente des Mikroskops, sind aus Linsen
aufgebaut. Kenntnisse über die Abbildung mit Linsen sind daher Voraussetzung für das Ver-
ständnis des Mikroskopes.

1.1 Abbildung mit einer Linse

1.1.1 Dünne Linsen

Sammellinsen sind in der Achse dicker (konvex), Zerstreuungslinsen dünner (konkav) als am
Rand. Ein parallel zur optischen Achse auf die Linse auftreffendes Lichtbündel wird von einer
Sammellinse in einem hinter der Linse liegenden Brennpunkt F' vereinigt. Von einem Objekt-
punkt wird ein Bild dort erzeugt, wo sich alle Strahlen, die vom Objektpunkt ausgehen und die
Linse durchsetzen, treffen. Das Bild kann man also durch Konstruktion dieser Lichtstrahlen, die
nach dem Brechungsgesetz n1 sin 1 = n2 sin 2 (vgl. PHO) an den Linsenflächen gebrochen wer-
den, ermitteln. Beschränkt man sich auf schlanke Lichtbündel mit kleinem Neigungswinkel ge-
gen die optische Achse und auf das achsennahe Gebiet, so kann man die Wirkung einer Linse
wesentlich einfacher beschreiben, wenn man sie als "dünne Linse" betrachtet.

Dünne Linsen liegen vor, wenn der Radius der begrenzenden Kugelflächen groß gegenüber der
Dicke der Linse ist. In diesem Fall ist die Linse zu beschreiben durch ihre optische Achse, ihre
Mittelebene und die beiden Brennpunkte F und F', die im gleichen Abstand von der Mittelebene
auf der optischen Achse liegen.

In dieser Anleitung wird davon ausgegangen, dass Objektiv und Okular als dünne Linsen aufge-
fasst werden können. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um komplizierte Linsensysteme.
Trotzdem können mit dieser Vereinfachung wesentliche Aspekte des Lichtmikroskopes deutlich
gemacht werden.

1.1.2 Zeichnung von Strahlengängen und Bildkonstruktion

Als Lichtrichtung wird die Richtung von links nach rechts gewählt. Die Linsenform wird oft an-
gedeutet, obwohl sie für die Konstruktion des Strahlenganges überflüssig ist. Außerdem arbeitet
man mit einer Maßstabsüberhöhung senkrecht zur optischen Achse.

Grundregeln zur Bildkonstruktion:

a) Achsenparallel einfallender Strahl EM wird zum Brennstrahl MF'E',


b) Brennstrahl EFN tritt als achsenparalleler Strahl NE' aus,
c) Mittelpunktstrahl ESE' wird nicht gebrochen.

138
MIK

Gegenstandsraum Bildraum (gestrichene Größen)

E M Mittelebene der Linse

y
F F' optische Achse
B S B'
f f
y'
s s'
N E'

Abb. 1: Abbildung durch eine dünne Sammellinse

1.1.3 Abbildungsgleichungen

Aus der Abb. 1 lassen sich folgende Zusammenhänge ablesen: Der Abbildungsmaßstab ergibt
sich als Verhältnis von Bildgröße zu Gegenstandsgröße

y s
(1)
y s

s und s' heißen Gegenstandsweite und Bildweite.


Aus der Ähnlichkeit der Dreiecke MSF' und MNE' folgt:

y f
(2)
y y s

Mit Gleichung (1) folgt daraus die "Linsenformel"

1 1 1
(3)
s s f

* Konstruieren Sie mit Bleistift und Lineal das Bild eines 5 cm großen Gegenstan-
des, der 8 cm von einer Linse der Brennweite 4 cm entfernt ist.
Lösen Sie das gleiche Problem rechnerisch.
Geben Sie den Abbildungsmaßstab an.

139
MIK

Oft kennt man bei Abbildungsproblemen nur den Abstand p zwischen Gegenstand und Bild
(p = s + s') - also weder s noch s' allein - sowie y und y', also die Größen von Bild und Gegen-
stand.

* Zeigen Sie, dass sich dann mit Gleichung (1) und (3) die Brennweite der Linse an-
geben lässt zu

p
(4) f 2
1

1.2 Das Auge

Das optisch sehr komplizierte menschliche Auge wird hier stark vereinfacht so dargestellt:

Es besteht aus der dünnen Linse L, aus der als eben angenommenen Netzhaut N und dem Aug-
apfel, der beides zusammenhält. Das Auge sieht einen Gegenstand scharf, wenn sein Bild auf der
Netzhaut entsteht. Die "Scharfstellung" (Akkomodation) erfolgt durch Verändern der Brennweite
der Augenlinse (unterschiedliche Wölbung der Linsenfläche).

Abb. 2: Das Auge sieht den Gegenstand y scharf. (Bildkonstruktion)

Der Gegenstand wird unter dem Sehwinkel gesehen. Es gilt

y
(5) tan .
s

Befindet sich der Gegenstand im Abstand s = d = 25 cm, so spricht man von der Normsehweite
(irreführend auch "deutliche" Sehweite genannt). Befindet sich der gesehene Gegenstand im Un-
endlichen, so liegt die Brennebene der Augenlinse auf der Netzhaut. Die von einem unendlich
fernen Objektpunkt kommenden Strahlen sind untereinander parallel und werden durch die Au-
genlinse in der Brennebene zum Bildpunkt vereinigt. Den Bildpunkt findet man, wenn man den
im Parallelbündel enthaltenen Mittelpunktstrahl einzeichnet, der die Augenlinse ungebrochen
durchsetzt.

140
MIK

Abb. 3: Das Auge sieht einen unendlich fernen Gegenstand scharf.

1.3 Die Linse als Lupe

1.3.1 Bildkonstruktion

Die Abb. 4 zeigt die Bildkonstruktion bei einer (Sammel-) Linse, die als Lupe verwendet wird.

Abb. 4: Bildkonstruktion bei der Lupe

Das Bild y' des Gegenstandes y ist virtuell, d. h. es kann nicht auf einem Schirm aufgefangen
werden. Für den Betrachter scheinen die Strahlen nicht von E sondern von E' herzukommen. Vir-
tuelle Bilder erhält man immer dann, wenn y innerhalb der Brennweite der Linse liegt; y' ist in
jedem Fall ein vergrößertes Bild von y.

141
MIK

* Lösen Sie folgendes Problem mit einer Konstruktionsskizze:


Gegeben sind zwei Lupen unterschiedlicher Brennweite. Welche Lupe erzeugt ein
größeres Bild bei gleicher Gegenstandsweite?

Das Auge, das durch die Lupe blickt, muss die von E' ausgehenden Strahlen in einem Punkt auf
der Netzhaut vereinigen, um E zu sehen. Dazu muss die Augenlinse passend gewölbt werden. In
der Praxis zeigt sich, dass dies bei längerer Arbeit anstrengend ist; man bevorzugt daher eine
Anordnung, bei der der Muskel, der die Augenlinse wölbt, entspannt ist. Das ist der Fall, wenn
das Auge unendlich ferne Gegenstände betrachtet. Mit der Lupe kann dieser Fall simuliert wer-
den, indem Strahlen, die von einem Punkt (z. B. E) ausgehen, durch die Lupe parallel gemacht
werden, also scheinbar aus dem Unendlichen kommen. Zu diesem Zweck muss der Gegenstand y
in der Brennebene der Lupe liegen.

Abb. 5: Lupenbeobachtung mit entspanntem Auge

1.3.2 Die Vergrößerung der Lupe

Aus Abb. 2 und Abb. 5 sieht man, dass die Lupe den Sehwinkel vergrößert. Wird das Objekt
ohne Lupe in der Normsehweite d betrachtet, so gilt für den Sehwinkel 0 nach Gleichung (5)

y
(6) tan 0 .
d

Wird eine Lupe verwendet, vergrößert sich der Sehwinkel auf L. Aus Abb. 5 entnimmt man

y
(7) tan L ,
fA

wobei fA die Brennweite des entspannten Auges ist.

142
MIK

Als Maß für die Vergrößerung verwendet man

tan L
(8) Vn .
tan 0

Man nennt Vn die Normalvergrößerung der Lupe. Sie lässt sich also aus der Normsehweite d und
der Brennweite fL der Lupe berechnen. Aus den geometrischen Beziehungen der Abb. 5 erhalten
Sie

d
(9) Vn .
fL

Wie man aus der Gleichung (9) formal schließen kann, lassen sich durch entsprechend geringe
Brennweiten beliebig starke Vergrößerungen erzielen. Praktisch stehen diesem Vorhaben jedoch
große Schwierigkeiten entgegen. Die technische Herstellung extrem kurzbrennweitiger und da-
mit zwangsläufig kleiner Linsen ist sehr schwierig. Ferner wird das Bildfeld bei ihrer Anwen-
dung sehr klein und man kann sich mit den Linsen auch nicht beliebig weit dem Objekt nähern.
Für höhere Vergrößerungen ersetzt man daher die einfache Lupe durch das Mikroskop.

1.4 Das Mikroskop

1.4.1 Konstruktion des Bildes

Das Mikroskop stellt ein Linsensystem aus zwei kurzbrennweitigen Sammellinsen, dem Objektiv
und dem Okular dar. (Die zum Objektiv gehörenden Größen sind im Folgenden mit dem Index 1,
die zum Okular gehörenden mit Index 2 bezeichnet.)

Die Abbildung erfolgt in zwei Schritten: Das Objektiv Ob entwirft in der Brennebene oder inner-
halb der Brennweite des Okulars Ok ein (reelles umgekehrtes) vergrößertes Bild y' des Gegen-
standes y. Das Okular wirkt wie eine Lupe. Es erzeugt vom Zwischenbild y' ein (aufrechtes, also
vom Gegenstand ein umgekehrtes, virtuelles und) noch einmal vergrößertes Bild y'':
Ob Ok

y
F1 F1' F2 F2'
y'

y''

Abb. 6: Konstruktion des Bildes im Mikroskop

143
MIK

Wird mit entspanntem Auge gearbeitet, so ergibt sich folgende Konstruktion des Strahlenganges:

Ob Ok
D

y y'''
F1 F1' F2
F2' FA
s y'

fA
Abb. 7: Mikroskopische Beobachtung mit entspanntem Auge

* Konstruieren Sie den Strahlengang für die Beobachtung mit entspanntem Auge für
folgenden Fall:
Objektiv f1 = 3,0 cm
Okular f2 = 5,0 cm
Abstand D = 12,5 cm (siehe Abb.7)
Objekt y = ± 1 cm im Abstand s = 5 cm vom Objektiv
Bilden Sie Spitze und Fußpunkt des Objektes ab!
Augenabmessungen selbst wählen.

1.4.2 Die Vergrößerung des Mikroskops

Entsprechend der zweistufigen Abbildung kann man die Vergrößerung VM des Mikroskopes dar-
stellen als das Produkt des Abbildungsmaßstabs 1 des Objektivs und der Normalvergrößerung
V2 des Okulars

(10) VM 1 V2 .

Beispiel: Das durch das Objektiv 10-fach vergrößerte Bild y' des Objektes y wird mit einem 8x-
vergrößernden Okular betrachtet. Gesamtvergrößerung VM = 80.
In dieser Form wird in der Praxis die Gesamtvergrößerung einer Objektiv- Okular- Kombination
ermittelt. 1 und V2 sind bei den handelsüblichen Objektiven bzw. Okularen aus der Beschriftung
zu entnehmen.
Die vergrößernde Wirkung des Mikroskops läuft - analog zu den Betrachtungen bei der Lupe -
auf eine Vergrößerung des Sehwinkels für das Auge hinaus. Als Vergrößerung VM des Mikro-
skops ergibt sich (Abb. 7)

Sehwinkel mit Mikroskop tan M


(11) VM ,
Sehwinkel ohne Mikroskop tan 0

144
MIK

wobei 0 wieder durch Gleichung (6) definiert ist. M ergibt sich gemäß Abb. 7 analog zu Glei-
chung (7) aus
y
(12) tan M .
fA

1.4.3 Längenmessung im Mikroskop

Will man die Länge eines Brettes messen, so legt man einen Meterstab an das Brett an und liest
auf ihm die Werte für Anfang (meist "Null") und Ende des Brettes ab.
Bei einem mikroskopisch kleinen Objekt, z. B. einer Hefezelle, kann man leider nicht so vorge-
hen, denn man kann den Maßstab nicht nahe genug an das Objekt heranbringen. Das verhindert
schon das Deckglas, mit dem diese Objekte abgedeckt sind.
Um die Länge eines mikroskopisch kleinen Objektes zu bestimmen, benutzt man einen Trick:
man misst die Länge des Bildes (y') des Objektes, das - im Gegensatz zum Objekt (y) - frei zu-
gänglich ist und an das man daher einen "Meterstab" direkt und unmittelbar anlegen kann. In der
Praxis benutzt man einen durchsichtigen Maßstab, der sich in der Brennebene des Okulars befin-
det, also genau dort, wo das Bild des Objektes entsteht. Der Maßstab wird "Okularmikrometer"
genannt. Okulare mit einem solchen, eingebauten Maßstab heißen "Messokulare".
Wie groß das Bild ist, hängt außer vom Objekt auch vom abbildenden Objektiv ab: je höher die
Vergrößerung (der Abbildungsmaßstab) umso größer ist das Bild des Objektes. Zur Feststellung
des Abbildungsmaßstabes legt man "ein Objekt genormter Länge" unter das Mikroskop - am
einfachsten eine kalibrierte Skala, d. h. ein "kleines Metermaß", genannt "Objektmikrometer". Es
besteht aus Glas und hat z. B. eine Skala mit einem Teilstrichabstand von 10 m. Das Objektiv
bildet diese Skala genauso in die Brennebene des Okulars ab wie jedes mikroskopische Objekt.
Blickt man durch das Okular, so sieht man also die beiden Maßstäbe (das Bild des Objektmikro-
meters und das Okularmikrometer) nebeneinander. Durch Vergleich der beiden Skalen über eine
möglichst große Strecke bestimmt man den Abbildungsmaßstab. Man berechnet daraus, wie groß
z. B. 1 m des Objektes (y) im Bild (y') dargestellt wird. Damit kann man "rückwärts" berechnen,
wie groß das mikroskopische Objekt wirklich ist, wenn man nur sein Bild vermessen hat.
Hinweis zu Objekt- bzw. Okularmikrometer: Der Ausdruck "Mikrometer" für einen Gegenstand
ist aus heutiger Sicht unglücklich, da 1 Mikro-meter ( m) eine Längeneinheit ist, nämlich
1 10 6 m. Besser wären Bezeichnungen wie Objektmaßstab oder Okularmaßstab.

Schematische Darstellung des Verfahrens:

was sich in der Objektebene befindet: was man beim Einblick in das Mikroskop sieht:

keinObjekt
kein Objekt Okularmikrometer
Okularmikrometer

145
MIK

Objekt
Objekt Bild
Bilddes Objektes
des Objektes
++
Okularmikrometer
Okularmikrometer

0,3
0 ,3

Objektmikrometer
Objektmikrometer BildBild
desdesObjektmikrometers
Objektmikrometers
++
Okularmikrometer
Okularmikrometer

Das Bild einer Kieselalge misst auf einem Okularmikrometer sx= 46,4 Skalenteile.
xOb = 385 µm eines Objektmikrometers werden auf dem Okularmikrometer zu
sOk = 96,2 Skt groß abgebildet. Wie lang ist die Kieselalge? Geben Sie die Länge
x der Alge in µm an. (186 µm)
Erstellen Sie nach dem beschriebenen Verfahren eine Formel x=f(sx,xOb,sOk), mit
der Sie die Größe eines unbekannten Objektes bestimmen können. Weisen Sie
nach, dass der Maßstab des Okularmikrometers nicht bekannt sein muss - dass
man also nicht wissen muss, wie groß das Bild des Objektes tatsächlich (in mm)
ist.

1.4.4 Die Auflösungsgrenze des Mikroskops

Das Mikroskop soll Strukturen sichtbar machen, deren Einzelheiten das Auge ohne Hilfsmittel
nicht aufzulösen vermag. Nach rein geometrisch-optischen Gesichtspunkten könnte man dazu
beliebig hoch vergrößernde Mikroskope bauen. Tatsächlich setzt die Wellennatur des Lichtes
dem jedoch eine Grenze. Im folgenden wird gezeigt, wodurch diese Grenze der sinnvollen Ver-
größerung entsteht und wodurch sie bedingt ist.

Als Objekt, das mit dem Mikroskop beobachtet werden soll, nehmen wir zur Vereinfachung ein
feines Strichgitter an (Abb. 8). Es bestehe aus parallelen Schlitzen, die senkrecht zur Zeichen-
ebene stehen und von links mit parallelem Licht bestrahlt werden. An den Schlitzen wird das
Licht gebeugt, d. h. so überlagert, dass sich in bestimmten Richtungen Maxima der Intensität
ergeben.

Die Maxima treten gerade für solche Winkel auf, für die BC = z ist:

BC
(13) sin
g
146
MIK

Die von ABBE begründete Theorie der mikroskopischen Abbildung verlangt, dass möglichst viele
Beugungsmaxima, die vom Objekt (Gitter) ausgehen, in das Objektiv eintreten, damit eine ein-
wandfreie Abbildung erzielt wird. Werden weniger Beugungsmaxima zur Bildentstehung ver-
wertet, so führt das zu einer Qualitätsminderung im Bild. Tritt nur die 0. Ordnung (z = 0, BC = 0,
"Geradeausstrahl") ein, so entsteht überhaupt kein Bild des Objektes.

BC = z für Intensitätsmaxima
= Wellenlänge des Lichts
A
g = Abstand der Schlitze
= Gitterkonstante
z = 0, 1, 2, 3, ..... g
Maximum 0., 1., 2., ...Ordnung

Abb. 8: Beugung an zwei Schlitzen (Objekt- C


punkten) A und B eines Strichgitters B

Die Auflösungsgrenze eines Objektivs kann man durch folgende Überlegung berechnen:

Damit das Gitter, das heißt seine Schlitze gese- 2.O. Objektiv
hen werden können, muss mindestens das Ma-
ximum 1. Ordnung in das Objektiv eintreten.
Dazu darf der zugehörige Beugungswinkel
1.O.
nicht größer sein als der Winkel , den die
Randstrahlen, die noch in die Frontlinse des Ob-
jektivs eintreten können, mit der optischen Ach- Gitter
1.O.
se bilden (Abb. 8, 9). Je kleiner die Gitterkon- Ra
nd
stante g ist, desto größer ist nach (13) aber der str
ah
Winkel . l
2.O.
Abb. 9: Schematisches Beispiel:
Strahlen 1. Ordnung treten ins Objektiv ein,
Strahlen 2. und höherer Ordnung nicht mehr.

Die Auflösungsgrenze gmin eines Objektivs ist der kleinste Abstand, den zwei Objektpunkte ha-
ben dürfen, damit sie gerade noch getrennt abgebildet werden. Mit BC = 1 liefert Gl. (13):

(14) g min .
sin
Bringt man zwischen Objekt und Objektiv ein optisch dichteres Medium mit dem Brechungs-
index n>1, so beträgt die Wellenlänge darin /n und die Auflösungsgrenze erniedrigt sich um
den Faktor 1/n.

(15) g min .
n sin A
A ist die gebräuchliche Kenngröße eines Objektives hinsichtlich der Auflösungsgrenze und heißt
numerische Apertur:
(16) A n sin .
Für Trockenobjektive mit dem Zwischenmedium Luft ist

(17) A sin .

147
MIK

Praktisch erreichbar sind mit Trockenobjektiven: A < 1 und mit Immersionsobjektiven (Wasser,
Glycerin, Öl): A 1,3. Die numerische Apertur ist als wichtige Kennzahl auf den handelsüblichen
Objektiven angegeben.
Als förderliche Vergrößerung Vförd wird diejenige Vergrößerung des Mikroskops bezeichnet, bei
der zwei Punkte im Abstand von gmin vom Auge getrennt gesehen werden. Das ist der Fall, wenn
die Bildpunkte auf zwei getrennte Sehzellen der Netzhaut fallen und entspricht etwa einem
Punktabstand von 0,2 mm in der Normsehweite. Rechnet man zur Sicherheit mit dem doppelten
Abstand 0,4 mm, so gilt also
(18) Vförd g min 0,4 mm .
Mit (15) und = 0,4 µm (kleinste Wellenlänge des sichtbaren Lichts, vgl. PHO) folgt für ein
Objektiv der Apertur A die für die Praxis wichtige Regel
(19) Vförd 1000 A .
Um sinnvoll zu mikroskopieren, muss also die tatsächliche Vergrößerung VM des Mikroskops
unterhalb von Vförd bleiben. Ob das der Fall ist, kann mittels (10) jederzeit rasch überprüft wer-
den, da 1 und V2 auf Objektiv und Okular eingraviert sind. Eine Steigerung der Vergrößerung
VM durch stärkere Okulare über Vförd hinaus ist möglich, ergibt aber nur eine "leere" Vergröße-
rung, da die Struktur der einzelnen Bildpunkte nicht weiter aufgelöst werden kann.

* Die Auflösungsgrenze hängt - wie gezeigt - vom verwendeten Objektiv ab. Rech-
nen Sie sich aus, wie groß die förderliche Vergrößerung und die Auflösungsgrenze
für das bestmögliche Lichtmikroskop sind.

Anmerkung:
In dieser Anleitung wird der Ausdruck "Auflösungsgrenze" für den "kleinsten trennbaren Ab-
stand zweier Objektpunkte" verwendet. Der häufig verwendete Begriff "Auflösungsvermögen"
hat unterschiedliche Bedeutung: er ist umgekehrt proportional zur Auflösungsgrenze (hohes Auf-
lösungsvermögen entspricht kleiner Auflösungsgrenze), wird aber oft synonym mit Auflö-
sungsgrenze verwendet.

1.4.5 Die Kennzahlen von Objektiv und Okular

Objektive und Okulare werden durch Kennzahlen charakterisiert. Auf einem Objektiv sind im-
mer der Abbildungsmaßstab und die numerische Apertur in der Form 1/A, auf einem Okular die
Vergrößerung V2 eingraviert. (Das /-Zeichen ist ein Trennstrich, kein Bruchstrich.)

* Was können Sie in der Praxis mit folgenden Kennzahlen anfangen:


Objektiv 16/0,40; Okular 12,5 ?

1.5 Das HUYGENSsche Okular


Der gebräuchlichste Okulartyp, mit dem auch hier gearbeitet wird, ist das HUYGENSsche Okular.
Es besitzt zwischen der als Lupe wirkenden Linse und dem Objektiv noch eine weitere Sammel-
linse, die Feldlinse. Zweck der Feldlinse ist die Vergrößerung des Gesichtsfeldes. Ohne sie könn-
ten nur Strahlen, die nahe der optischen Achse verlaufen, durch das Okular treten. Die Feldlinse
kann im Rahmen dieses Versuches außer Betracht bleiben.

148
MIK

2. Versuchsbeschreibung

2.1 Versuchsaufbau

Zur Verfügung steht ein Mikroskop, das in seinen Elementen etwa doppelt so groß ist wie die
üblichen Mikroskope, ein dazu passendes vereinfachtes Augenmodell, sowie verschiedene Mess-
und Hilfseinrichtungen.

2.1.1 Bauteile

MIKROSKOP bestehend aus


Stativ St,
Objektiv Ob,
Okular Ok,
Objekt O auf
Objekttisch Ts, mit
Trieb Tr in der Höhe verstellbar,
Beleuchtungseinrichtung Bl, abziehbar,
mit ausschwenkbarem
Filter Fi, sowie Transformator

OBJEKTE:
Objektmikrometer 1 mm, geteilt in 10 µm
Objektträger mit Testobjekten

AUGENMODELL
mit einer Mattscheibe als Netzhaut Nh, sowie
einer in Achsrichtung verschiebbaren Augenlinse
Al.

LUPE

Stahlbandmaß 350 mm
kleiner Maßstab 50 mm

Mattscheibe Ma zum Beobachten von Zwi-


schenbildern

Lochblende Lo anstelle des Okulars einsetzbar

Zwischenbildeinsatz, anstelle des Okulars ein-


setzbar

149
MIK

2.1.2 Beleuchtungseinrichtung:

Die Helligkeit der Beleuchtung kann durch die Einstellung am Transformator verändert werden.
Warnung:
Achten Sie darauf, dass Sie stets das Blaufilter eingeschwenkt haben, wenn Sie mit Ihrem Auge
in das Mikroskop blicken! Nur wenn Sie Bilder auf Mattscheiben projizieren, schwenken Sie das
Blaufilter heraus, um hellere Bilder zu bekommen.

2.1.3 Okular und Zwischenbildeinsatz:

In der Ebene des Zwischenbildes befindet


sich im Okular eine Blende (Gesichtsfeld-
blende).
Der Zwischenbildeinsatz ist so konstruiert,
dass seine Mattscheibe sich in der gleichen
Ebene befindet, in der beim zugehörigen
Okular das Zwischenbild entsteht. Das Bild
entsteht auf der Oberseite der Mattscheibe.

Abb. 11

2.1.4 Augenmodell:

Beachten Sie, dass beim Augenmodell das Scharfstellen nicht durch Ändern der Brennweite der
Augenlinse erfolgen kann (Glaslinsen haben nur eine feste Brennweite), sondern durch Verschie-
ben der Augenlinse in Richtung der optischen Achse. Die Brennweite der Augenlinse des Mo-
dells beträgt fA = 60 mm.

2.1.5 Objektmikrometer:

Das Objektmikrometer ist eine Glasplatte, auf der sich ein Maßstab von 1 mm Länge, geteilt in
100 Teile, befindet.

2.1.6 Okularmikrometer:

Das vorhandene Okular lässt sich als Messokular verwenden, wenn Sie den kleinen Maßstab in
die Ebene des Zwischenbildes einschieben, d. h. auf die Gesichtsfeldblende legen.

150
MIK

2.2 Versuchsdurchführung

2.2.1 Messung der Gesamtvergrößerung

Die Gesamtvergrößerung VM wird durch die Kombination aus verwendetem Objektiv und Okular
bestimmt. In diesem Versuch müssen Sie die Gesamtvergrößerung über die Sehwinkel ermitteln,
weil Sie 1 und V2 nicht kennen.

2.2.2 Messung der numerischen Apertur des Objektivs (Abb. 12):

Die Strahlen, die vom Objekt ausgehen und


in das Objektiv gelangen, müssen aus dem
Kegel mit dem Basisdurchmesser B1B2
stammen. Misst man B1B2 sowie den Ab-
stand b des Objektes von der Basis B1B2 ,
so kann man damit die numerische Apertur
des Objektivs bestimmen.

Praktisch gehen Sie so vor:


Legen Sie Ihr Messprotokoll auf den Tisch
unter das Mikroskop. Blicken Sie in das
Mikroskop, stellen Sie das Objekt scharf
(Filter einschwenken!) und entfernen Sie
das Okular. Ziehen Sie vorsichtig die Be-
leuchtungseinrichtung Bl vom Mikroskop
ab. Beim Einblick in den Tubus sehen Sie
das Messprotokoll, auf dem Sie die Breite
des vom Objektiv erfassten Sichtkegels
markieren können (siehe Abb. 13). Damit
dabei die Einblickrichtung festgelegt ist, Abb. 12
setzen Sie die Lochblende anstelle des Oku-
lars ein.

Abb. 13

151
MIK

3. Aufgabenstellung

Hinweis: Anstelle eines Objektmikrometers wird ein Objektträger mit verschieden dicken
Drähten verwendet, deren Durchmesser angegeben sind.

A. Abbildung mit dem Mikroskop

1. Bestücken Sie das Mikroskop mit einem Objektiv (also kein Okular einsetzen) und legen Sie
als Objekt y das Objektmikrometer ein.
Suchen Sie mit der Mattscheibe am Stiel das Bild y' des Objektes, das durch das Objektiv
erzeugt wird.
Verändern Sie mit dem Trieb Tr die Stellung des Objekttisches und beschreiben Sie kurz,
was Sie bezüglich des neuen Ortes des Bildes und seiner Größe dabei feststellen können.
(Versuchen Sie in Ihrer Aussage auch die entsprechenden optischen Größen zu verwenden.)

2. Setzen Sie den Zwischenbildeinsatz anstelle des Okulares ein und erzeugen Sie ein scharfes
Bild y' des Objektes y auf der Mattscheibe des Zwischenbildeinsatzes.
a) Bestimmen Sie den Abbildungsmaßstab 1 des Objektivs. Sie müssen dazu die Größe des
Bildes messen. Benutzen Sie gegebenenfalls die beigefügte Lupe.
b) Ermitteln Sie die Brennweite f1 des Objektivs.
c) Prüfen Sie durch ein einfaches Verfahren, ob die gefundene Brennweite größenordnungs-
mäßig richtig ist.

B. Beobachtung mit Okular und Auge

3. Sie haben bei 2a) die Lupe zum Betrachten des Zwischenbildes y' benutzt. Machen Sie sich
klar, dass das Okular, das Sie jetzt in das Mikroskop einsetzen, die gleiche Funktion erfüllt.
Vergewissern Sie sich, dass Sie beim Einblick in das Okular (Filter einschwenken!) das
Zwischenbild y' auch dann sehen, wenn es nicht auf einer Mattscheibe aufgefangen wird.
(Sie können dazu die Mattscheibe in das Okular einschieben.)

4. Beschäftigen Sie sich mit dem Augenmodell: Lassen Sie das Augenmodell verschieden weit
entfernte Gegenstände "anschauen"; Sie können es auch "lesen" lassen (f A = 60 mm).
a) Was müssen Sie dazu verstellen?
(Verwenden Sie wiederum die passenden optischen Größen!)
b) Wie wird die gleiche Wirkung beim menschlichen Auge erreicht?
c) Stellen Sie das Augenmodell so ein, dass es als "entspanntes Auge" blickt. Wie erreichen
Sie das?

152
MIK

C. Gesamtvergrößerung

5. Setzen Sie das Modell des entspannten Auges auf das Mikroskop und lassen Sie es das Ob-
jektmikrometer betrachten. Sie sollen jetzt die Gesamtvergrößerung VM des Mikroskops er-
mitteln.

D. Vergrößerung des Okulars

6. a) Berechnen Sie aus den bisher gewonnen Daten die Vergrößerung V2 des Okulars.
b) Berechnen Sie die Brennweite f2 des Okulars.

E. Numerische Apertur und Auflösungsgrenze

7. Bestimmen Sie die numerische Apertur A des Objektivs.

8. a) Berechnen Sie die Auflösungsgrenze des verwendeten Objektivs.


b) Nennen Sie biologische Strukturen, die mit diesem Objektiv gerade noch gesehen werden
können.
c) Geben Sie die förderliche Vergrößerung an, die mit dem verwendeten Objektiv erreicht
werden kann.
d) Ist die verwendete Kombination aus Objektiv und Okular sinnvoll?

9. Auf den Objektiven und Okularen handelsüblicher Mikroskope befinden sich zum prakti-
schen Gebrauch bestimmte Kennzahlen. Geben Sie diese Kennzahlen für das verwendete
Objektiv und Okular an.

F. Längenmessung mit dem Mikroskop

10. Bestimmen Sie mit dem Mikroskop die Länge eines Testobjektes (nach Angabe des Betreu-
ers). Verwenden Sie den kleinen Maßstab als Okularmikrometer und die Drähte als Objekt-
mikrometer. Benutzen Sie nicht das Augenmodell.

11. Prüfen Sie die Längenmessung mit einem der aufgestellten Originalmikroskope. Ein echtes
Objektmikrometer und ein Okularmikrometer stehen Ihnen zur Verfügung.

12. Führen Sie für die mit dem Modellmikroskop bestimmte Länge des Testobjekts eine Fehler-
rechnung durch. Berücksichtigen Sie dabei die Messunsicherheit der Bilder auf dem Oku-
larmikrometer (kleiner Maßstab) sowie die Unsicherheiten der Drahtdurchmesser (Objekt-
mikrometer). Beachten Sie, dass Sie die Längen durch Differenzmessungen ermitteln (vgl.
3.2.2).

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