CAD-SYSTEME
Unigraphics NX2 Nr. 11 November 2003
Auf dem Weg in eine
gemeinsame Zukunft
Mit Unigraphics NX2 bietet UGS PLM Solutions,
(ehemals EDS PLM Solutions) nicht nur eine weiter-
entwickelte Version des bewährten CAD/CAM/CAE-
Systems Unigraphics an, sondern präsentiert auch
einen weiteren Schritt der Zusammenführung von
zwei leistungsfähigen Konstruktionswerkzeugen, der
I-deas-Software und dem Unigraphics-System.
SOFTWARE UNTER DER LUPE
Die Redaktion des CAD-CAM RE- Mit der Verfügbarkeit von Unigra- graphics NX2 wird, wie auch schon
PORT informierte sich über den ak- phics NX2 wird eine vereinfachte bei den beiden Vorgängerversio-
tuellen Stand der Zusammenführung Migration von I-deas-Daten reali- nen, das Schlagwort »Usability« in
sowie über die weiteren Schritte hin sierbar. Spezielle Migration-Wi- den Vordergrund gestellt. Dabei
zu einem einheitlichen System, mit zards unterstützen den Anwender zeigt sich die erhöhte »Usability«
dem sowohl die beiden bestehen- bei den dafür notwendigen Schrit- aber nicht nur in der verbesserten
den Anwendergruppen als auch ten. Die PDM-Software Teamcenter Benutzeroberfläche und der schnel-
Neukunden überzeugt werden kön- bildet dabei als MultiCAD-Lösung leren Erlernbarkeit, sondern auch
nen. In der zweiten Hälfte des Jahres die Plattform zur Integration der in einem höheren Gesamtnutzen,
2004 soll dieses System, dessen Co- Daten. Zunächst werden die Meta- der sich unter anderem in einer
dename zur Zeit noch NX lautet, daten der I-deas-eigenen proprie- steigenden Produktivität in den
dem Markt zur Verfügung stehen. tären TDM-Datenbank überprüft, einzelnen Bereichen der Produkt-
Bild 1: Der Assembly-Navigator wurde
mit einem neuen Vorschaufenster
versehen, um beispielsweise schnell
eine direkte grafische Vorschau
auf die verschiedenen Unterbaugruppen
oder Einzelteile zu erhalten, ohne
diese laden zu müssen.
Ausgehend von den Versionen wenn notwendig berichtigt und entstehung, von der Konzeptionie-
I-deas 9 und Unigraphics V18 hat dann in die auf Oracle basierende rung bis zur Fertigung und Monta-
UGS PLM Solutions im Laufe der Teamcenter-Datenbank übertragen. ge, niederschlägt.
letzten zwei Jahre die Interoperabi- Anschließend können die I-deas-
lität zwischen beiden Systemen Modelle inklusive der Konstruk- Einerseits wurde ein schnellerer
ständig ausgebaut, so dass beide tionshistorie in das NX-Datenformat und einfacherer Zugriff auf die ein-
Systeme heute in Koexistenz ein- übertragen werden. zelnen Funktionen ermöglicht, bei-
setzbar sind, wobei immer ein Sys- spielsweise indem erheblich weni-
tem die Datenhoheit besitzt. Ge- Dies gilt sowohl für 3D-Geome- ger Maus-Bewegungen und -Klicks
meinsame Datenbasis bildet die trien und 2D-Zeichnungen mit Be- notwendig sind. Ferner besteht
PLM-XML-Pipeline von UGS mit Pa- maßungen und sonstigen Erläute- über die rechte Maus-Taste immer
rasolid als Geometriestandard und rungen als auch für Feature- und ein objektorientierter Zugriff auf die
XML zur Übertragung von Struktu- Baugruppen-bezogene Informatio- Befehle, die in der jeweiligen Situa-
ren und Features. Spezielle NX-Ga- nen. Ist dieser Schritt vollzogen, tion sinnvoll sind. Andererseits wird
teways der einzelnen Systeme sor- sind die ehemaligen I-deas-Daten die Produktivität innerhalb von Uni-
gen dabei für die Kompatibilität zur in Unigraphics NX2 weiterverwend- graphics NX2 durch eine Vielzahl
PLM-XML-Pipeline. bar. Bei der aktuellen Version Uni- von Automatismen erhöht, zum Bei-
SOFTWARE UNTER DER LUPE
Bild 3: Die dynamische Geometriemanipu-
lation mit sofortiger Vorschau trägt auch
zur Erhöhung der »Usability« bei. Hier
ist die neue Extrude-Funktion zu sehen.
Bild 2: Die Erstellung von Entwurfs-
skizzen wird jetzt mit dem
Dynamic Navigator 2 unterstützt.
um beispielsweise schnell eine di-
rekte grafische Vorschau auf die
verschiedenen Unterbaugruppen
oder Einzelteile zu erhalten, ohne
spiel durch unterschiedliche Arten bisherigen Modell-Navigator er- diese laden zu müssen (Bild 1).
von Wizards, die entweder kom- setzt. Unter anderem lassen sich
plette prozessbasierende Work- jetzt auch Zeichnungen und ver- In vielen Anwendungsfällen las-
flows abbilden oder aber auch nur schiedene Ansichten integrieren, sen sich so genannte Templates
eine handvoll von Befehlsschritten wobei über flexible Filtereinstellun- (Vorlagen/Schablonen) nutzen.
enthalten, um etwa ein bestimmtes gen nur die gewünschten Daten vi- Damit stehen einmal definier te
Feature zu definieren. Für einen gu- sualisiert werden. Gleiches gilt im Standardeinstellungen immer wie-
ten Überblick und einen schnellen Zusammenbau für den Assembly- der schnell zur Verfügung. Dies er-
Zugriff auf einzelne Bauteile sorgt Navigator, der mit einem neuen möglicht einerseits einen schnel-
len Einstieg für »Neulinge« oder
der neue Part-Navigator, der den Vorschaufenster versehen wurde,
gelegentliche Nutzer. Andererseits
können auf diese Weise einheitli-
Bild 4: Mit dem Mirror-As- che Konstruktionsstandards unter-
sembly-Wizard nehmensweit einfacher durchge-
lassen sich komplette Bau-
setzt werden.
gruppen oder
ausgewählte Bauteile Die Erstellung von Entwurfsskiz-
einer Baugruppe spie-
geln, wobei eine Neu- zen (Sketching) wird jetzt mit dem
positionierung möglich ist. Dynamic Navigator 2 unterstützt,
Funktionalität die aus der I-deas-
Software übernommen wurde, um
den Skizziermodus zu optimieren
(Bild 2). Ferner kann die Kompo-
nentenkonstruktion direkt im Kon-
text erfolgen, wobei die dynami-
sche Geometriemanipulation mit
sofortiger Vorschau auch zur Erhö-
hung der »Usability« beiträgt. Als
Beispiel soll hier die komplett neue
Extrude-Funktion erwähnt werden
(Bild 3). Die Manipulation bezie-
hungsweise die Modifikation der
Geometrie erfolgt wie in vielen an-
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deren Anwendungsfällen innerhalb plette Baugruppen oder ausge- tionsbegleitend auf Basis der inte-
der neuen Unigraphics-NX-Version wählte Bauteile einer Baugruppe grierten Knowledge-Engine, ob die
über so genannte »Handles«. Diese spiegeln, wobei eine Neupositio- jeweils definierten Konstruktionspa-
»Ziehpunkte« im dreidimensionalen nierung der gespiegelten Bauteile rameter eingehalten werden. Wenn
Raum ermöglichen eine flexible möglich ist (Bild 4). Ferner steht es beispielsweise Mindestabstände
und schnelle Geometrieerzeugung dem Anwender frei, eine assoziati- zwischen den einzelnen Bauteilen
und -veränderung. Auch bei der ve Verknüpfung zwischen Original unterschr itten werden, meldet
Baugruppenmodellierung bietet und Kopie festzulegen. Beim Du- Quick Check diese Übertretung
die NX2-Version neue Funktiona- plizieren von Teilen kann eine Kol- sofort und das Modell kann nicht
lität, die von der I-deas-Software lisionskontrolle ablaufen, so dass gespeichert werden. Neue Mög-
Bild 5: Das wissensbasierende
Diagnose-Werkzeug Check Mate
enthält fast 100 Basis-Checks
für Modelle, Baugruppen, Zeichnungen
und Dateien. Zusätzlich können Kurven,
Flächen und Körper gemäss der
Richtlinie VDA 4955 überprüft werden.
übernommen wurde. Dazu gehören schon während der Baugruppen- lichkeiten bietet in diesem Zu-
unter anderem der Mirror-Assem- modellierung eine so genannte sammenhang die Integration von
bly-Wizard sowie die Funktion »As- DMU-Kontrolle (Digital-Mock-Up) Web- und e-Mail-Adressen, um
sembly Arrangements« zur Defini- realisierbar ist. beispielsweise auf die detaillierten
tion von unterschiedlichen Konfigu- Konstruktionsrichtlinien zuzugrei-
rationen, die bei I-deas »Configura- Die Qualitätskontrolle der Kon- fen oder aber einen Spezialisten
tions« genannt werden. struktionsdaten wird auch durch die um Rat zu fragen.
Module Quick Check, Check Mate
Mit dem Mirror-Assembly-Wi- und Quick Stack erleichtert (Bild 5). Das wissensbasierende Diagno-
zard lassen sich entweder kom- Quick Check überprüft konstruk- se-Werkzeug Check Mate enthält
SOFTWARE UNTER DER LUPE
fast 100 Basis-Checks für Modelle,
Baugruppen, Zeichnungen und Da-
teien. Zusätzlich können Kurven,
Flächen und Körper gemäss der
Richtlinie VDA 4955 überprüft wer-
den. Auf diese Weise lassen sich fir-
menüberg reifende Standards
durchsetzen, aber auch spezielle
Richtlinien für einzelne Projekte de-
finieren und kontrollieren. Aufwän-
dige manuelle Überprüfungen ge-
hören damit der Vergangenheit an.
Außerdem bietet die frühzeitige
Kontrolle und Fehlererkennung ein
erhebliches Einsparpotenzial be-
züglich des Zeitaufwandes und der
Kosten für die Problembehebung.
Speziell für die Toleranzanalyse
wurde Quick Stack entwickelt. Da-
Bild 6: Der Vergleich von Bauteilen beziehungsweise von unterschiedlichen Änderungsständen
mit können verschiedene Szenarien wird in Unigraphics NX2 mit der Funktion »Model Compare« durchgeführt.
bezüglich der Fertigungstoleranzen
verglichen werden, um eine optima- Funktion »Model Compare« ist die metrisierung enthalten, entspre-
le Toleranzauslegung und Reihen- Tatsache, dass auch Modelle ohne chend den Anwenderwünschen pa-
folge des Zusammenbaus zu defi- Konstruktionshistorie, beispiels- rametrisieren. DMX erkennt und
nieren. Folglich lässt sich die Fertig- weise importierte Fremdgeome- überprüft während der Interaktion
barkeit beziehungsweise die Mon- trien, verarbeitet werden können. das geometrische Umfeld der ge-
tierbarkeit am digitalen Modell Das Ergebnis des Modellvergleichs, wählten Flächen oder Kanten und
ermöglicht dadurch die Parametri-
sierung. Beispielsweise können so-
mit auch CATIA-V4-Modelle weiter-
Bild 7: Der weitverbreitete verarbeitet werden.
Standard-FE-Solver NX Nastran
wird von UGS PLM Solutions Unigraphics NX2 kann CATIA-
als Standalone-Produkt
V4-Modelle direkt einlesen und
oder als Desktop-Version mit
CAD-Anbindung oder Pre- und auch speichern. Beim Einlesen läuft
Postprozessor angeboten. im Hintergrund eine so genannte
Healing-Funktion, mit der die CA-
TIA-Daten überprüft und vorhande-
ne Fehler korrigiert werden. Eben-
so lassen sich über die Befehle
»Datei öffnen« beziehungsweise
»Datei speichern« auch IGES-,
STEP-, DXF- und DWG-Da-
ten einlesen und zurück-
schreiben.
überprüfen und
zu hohe »Angsttoleran- Auf die Neuerungen im Bereich
zen«, die oftmals überhöhte der Zeichnungserstellung von
Fertigungskosten nach sich zie- Bauteilen und Baugruppen kann
hen, können vermieden werden. in diesem Rahmen nicht näher
eingegangen werden. Hier soll
Der Vergleich von Bauteilen be- das heißt die Unterschiede in der nur erwähnt werden, dass auch
ziehungsweise von unterschied- Geometrie werden farblich her- die Zeichnungserstellung und
lichen Änderungsständen wird in vorgehoben und lassen sich auch Stücklistengenerierung sehr ele-
Unigraphics NX2 mit der Funktion in einer Tabelle speichern. gant und effektiv über Templates
»Model Compare« durchgeführt gesteuer t werden können. Be-
(Bild 6). Sie ermöglicht eine einfa- Mit Hilfe der so genannten DMX- sonders im Bereich der Zeich-
che Positionierung und Ausrichtung Technologie (Direct Modeling Ex- nungserstellung konnte über die
der zu vergleichenden Bauteile zu- tension), lassen sich importierte »Usability«-Maßnahmen die Pro-
einander. Das Besondere an der Fremdgeometrien, die keine Para- duktivität für typische Arbeitsschrit-
te erheblich gesteigert werden (Bild zwei Jahren vorgestellte Zeitplan
8). Die CAM-Anwendungen von trotz der hochgesteckten Ziele weit-
Unigraphics NX2 wurden sowohl für gehend eingehalten. Nachdem mit
den Maschinenbau als auch für den Unigraphics NX1 die Interoperabi-
Werkzeug- und Formenbau er- lität mit I-deas bezüglich der reinen
weitert. Neue Fräsfunktionalität er- Geometrie in Angriff genommen
leichtert das Gravieren von Texten wurde, steht jetzt mit Unigraphics
sowie die Bearbeitung von Ecken. NX2 eine Plattform zur Verfügung,
Ferner wurden die 3D-Radiuskor- mit der die Datenmigration erheb-
rektur, tangentiale Erweiterungen lich vereinfacht wird.
und die HSC-Bearbeitung (High
Speed Cutting) verbessert. So sollen nun 80 Prozent der Fea-
tures übertragen werden können.
Die wohl bedeutendste Erweite- Ferner lassen sich komplette Bau-
rung der NX-Produktpalette wurde gruppenkonfigurationen, Bauteil-
jedoch durch NX Nastran realisiert und Baugruppenzeichnungen ein-
(Bild 7). Der weitverbreitete Stan- schließlich der Bemaßung und Be-
dard-FE-Solver (Gleichungslöser) schriftung übernehmen. Mit der NX-
Bild 8: Innerhalb von Unigraphics NX2 können auch die Zeichnungserstellung und Stücklisten-
generierung sehr elegant und effektiv über Templates gesteuert werden.
wird neuerdings von UGS PLM So- Version, die im nächsten Jahr zur
lutions als Standalone-Produkt oder Verfügung stehen soll, wird der Um-
als Desktop-Version mit CAD-An- fang der übertragenen Informatio-
bindung oder Pre- und Postprozes- nen noch weiter erhöht, so dass die
sor angeboten, nachdem die ameri- Barrieren bezüglich eines Umstiegs
kanische Kartellbehörde das Unter- zu NX weiter verringert werden.
nehmen [Link] zur Wieder-
herstellung des Wettbewerbs ver- Damit kommt UGS PLM Solutions
pflichtet hat. dem Ziel ihrer NX-Strategie, die In-
vestitionen ihrer Kunden bezüglich
Mit der Zusammenführung von der Daten und Prozesse zu schüt-
Unigraphics und I-deas zu einer zen, einen erheblichen Schritt nä-
neuen Produktgeneration, deren her. Die unternehmensspezifischen
Codename NX lautet, hat UGS PLM Feinarbeiten müssen dann in den
Solutions ein Software-Projekt in An- jeweiligen Migrationsprojekten ge-
griff genommen, das seines Glei- meinsam mit dem entsprechenden
chen sucht. Dabei wurde der vor Kunden realisiert werden. -fr-
CAD-CAM REPORT Nr. 11, 2003