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FDP (2002) Wahlprogramm

Das Wahlprogramm der Freien Demokratischen Partei (FDP) zur Bundestagswahl 2002 betont die Notwendigkeit von Freiheit und Verantwortung, um Deutschland wirtschaftlich und gesellschaftlich zu stärken. Es fordert Steuersenkungen, die Schaffung von Arbeitsplätzen, eine Rückbesinnung auf die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft sowie eine Reform des Bildungssystems. Die FDP positioniert sich als Partei für alle Bürger, die mehr Eigenverantwortung und weniger staatliche Bevormundung wünschen.

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FDP (2002) Wahlprogramm

Das Wahlprogramm der Freien Demokratischen Partei (FDP) zur Bundestagswahl 2002 betont die Notwendigkeit von Freiheit und Verantwortung, um Deutschland wirtschaftlich und gesellschaftlich zu stärken. Es fordert Steuersenkungen, die Schaffung von Arbeitsplätzen, eine Rückbesinnung auf die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft sowie eine Reform des Bildungssystems. Die FDP positioniert sich als Partei für alle Bürger, die mehr Eigenverantwortung und weniger staatliche Bevormundung wünschen.

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Wahlprogramm

zur Bundestagswahl 2002


der Freien Demokratischen Partei

„Bürgerprogramm 2002“

(Beschlossen auf dem Bundesparteitag


in Mannheim vom 10. – 12. Mai 2002)

_________________________
Quelle/Zitierweise: ADL, Druckschriftenbestand; Signatur D1-3977
Archiviert als PDF-Dokument; Signatur IN5-11

Archiv des Liberalismus


2008.01.22 10:01:48 +01'00'
••
BURGERPROGRAMM
2002

Programm der FDP zur Bundestagswahl 2002

beschlossen auf dem 53. Ord. Bundesparteitag vom 10. bis 12. Mai 2002 in Mannheim.

FDP Bundesgeschäftsstelle, Reinhardtstraße 14, 10117 Berlin, Tel.: 030 - 284 95 80


INHALTSÜBERSICHT

Bereit zur Verantwortung 1

Politik für ein wirtschaftlich starkes Deutschland 3


I. Steuern runter - Jobs rauf ::l
11. Arbeitsplätze schaffen statt Arbeitslosigkeit verwalten 5
111. Bürgergeld-Anreize für neue Arbeitsplätze 8
IV. Sozialstart - Sicherungssysterne zukunftsfest machen .
V. Entmonopolisierungs- und Wettbewerbsoffensive ..
VI. Schlanker Staat - Starker Staat ..
VII. Mittelstand - Jobmaschine Nr.1 ..
VIII. Neue Länder - Wirtschaftsstandort mit Zukunft .
IX. Wohneigentum für Alle 22
X. Der Landwirt muss wieder zum Unternehmer werden 23
XI. Liberales Verständnis vom mündigen Verbraucher 25
XII. Ökologische Marktwirtschaft 25

Politik für ein innovatives Deutschland 29


I. Bildung ist eine Hauptaufgabe der Gesellschaft ­
und der Familie 30
11. Praxistaugliche Berufsausbildung 35
111. Hochschule - Mehr Qualität durch Wettbewerb 38
IV. Forschung und Technologiepolitik ­
Chancen verantwortungsvoll nutzen .44

Politik für eine Verantwortungsgesellschaft 47

Politik für ein freies und sicheres Deutschland 54


I. Freiheit erhalten .. 54
11. Sicherheit gewährleisten 57
111. Rechtssicherheit wiederherstellen 60
IV. Öffentliche Dienste modernisieren 60
V. Zuwanderung steuern und begrenzen, Integration fördern 61
VI. Innere Einheit 64
VII. Mehr Demokratie 64
VIII. Föderalismus 65
IX. Kirchen und Religionsgemeinschaften 66
K S~ m
XI. Kulturpolitik 67
XII. Medien und Rundfunk 69

Politik für ein bewegliches Deutschland 71

Politik für eine freie Welt 77


I. Europa ist unsere Antwort auf die internatignalen
Herausforderungen 7
11. Liberale Ordnungspolitik für Stabilität und Entwicklung 81
111. Chancen der Globalisierung nutzen 85
IV. Äußere Sicherheit schafft Sicherheit auch im Inneren 87

Stichwortverzeichnis 89
Bereit zur Verantwortung

Deutschland befindet sich mitten im Prozess globaler Veränderungen von der Indu­
striegesellschaft zur Informationsgesellschaft. Kapital, Arbeit, Information werden
immer mobiler, nationale Grenzen verlieren an Bedeutung, der Staat verliert an
Steuerungskompetenz. Die neue Zeit ist mit keiner anderen Idee so gestaltbar wie
mit der Idee der Freiheit: Der Freiheit zur Verantwortung.

Die anderen Parteien missverstehen den Staat und die Politik als den Vormund der
Bürgerinnen und Bürger. Nur die FDP begreift Politik und Staat als den Wächter über
die Fairness im Zusammenleben mündiger Bürgerinnen und Bürger. Die anderen
Parteien ruinieren den Staat, indem sie dafür sorgen, dass er sich in immer mehr
einmischt und immer weniger beherrscht. Die FDP setzt auf die verantwortlich den­
kenden Menschen im Volk.

Die FDP ist eine Partei für das ganze Volk. Eine Partei für alle, die fragen, was sie für
ihre Gemeinde, ihr Land und ihr Volk tun können, anstatt immer gleich nach dem
Staat zu rufen. Wir wenden uns an alle, die mehr Freiheit und Verantwortung und
weniger staatliche Bevormundung wollen.

Als Partei für das ganze Volk gehen wir unabhängig in die Bundestagswahl 2002.
Die FDP will 2002 einen politischen Kurswechsel. Die FDP will das nächste Regie­
pmgsprogramm nachhaltig bestimmen.

Die FDP ist die Partei der Sozialen Marktwirtschaft. Wir wollen eine Rückbesinnung
auf die Tugenden der klassischen sozialen Markwirtschaft, um Arbeitsplätze und
Wohlstand für alle zu sichern: durch eine neue Kultur der Selbstständigkeit, durch
mehr Freiheit und weniger Staat, durch weniger Steuern und weniger Abgaben.

Die FDP ist die Partei der Bildung. Freiheit ist Voraussetzung von Bildung und Bil­
dung ist Bedingung von Freiheit. Bildung ist und bleibt Bürgerrecht. Die FDP sieht in
der Bildung, Ausbildung, im Wissen und im Forschergeist die wichtigsten Zukunfts­
ressourcen, um Deutschland gesellschaftlich und wirtschaftlich für das Informations­
zeitalter fit zu machen.

Die FDP ist die Partei für Familien. Familie ist vor allem dort, wo Kinder sind. Diese
Familien bedürfen besonderer Förderung. Denn Kinder sind unsere Zukunft.

Die FDP ist die Partei des Rechtsstaates. Die FDP steht in der liberalen Tradition der
Freiheitsrechte für die Bürgerinnen und Bürger gegen staatliche Bevormundung. Wir
sind die Partei der Toleranz und Weltoffenheit. Wir wollen dazu beitragen, dass
Deutschland ein international anerkanntes Land in der zivilen Weltgesellschaft bleibt.

Die FDP ist die Partei der Mobilität. Eine Gesellschaft im Aufbruch darf nicht alltäg­
lich im Verkehrsstau stecken bleiben. Unsere Gesellschaft braucht eine Offensive für
mehr Beweglichkeit. Wir wollen Chancengleichheit durch eine mobile Gesellschaft.
Mobilität muss belohnt werden - nicht Stillstand. Die FDP ist die Partei der ökologi­
schen Modernisierung. Wir wollen mehr Effizienz und Effektivität durch marktwirt­
schaftliche Instrumente - einen Umweltschutz mit den Menschen und nicht gegen
sie.
2 3

Die FDP ist die Europapartei. Wir haben in der Vergangenheit mit den liberalen Au­ Politik für ein wirtschaftlich starkes Deutschland
ßenministern Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel Grenzen und
Barrieren eingerissen und zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Frieden in Europa Wirtschaftspolitische Aufgabe Nr. 1 ist für die FDP die Bekämpfung der unerträglich
beigetragen. Die Westintegration, die Ostpolitik der Liberalen waren Voraussetzun­ hohen Arbeitslosigkeit. Arbeitslosigkeit bedeutet nicht nur Einkommensverlust für die
gen für die Einheit Deutschlands in Frieden und Freiheit. Die Lehre der Geschichte Betroffenen und Vergeudung von Ressourcen für die Volkswirtschaft. Sie verletzt vor
des 20. Jahrhunderts ist die Einbettung Deutschlands in ein freiheitliches friedliches allem die Würde der Arbeit suchenden Menschen und ihrer Familien und beraubt sie
Europa. eines wichtigen Teils ihrer Freiheit. Das ist die größte soziale Ungerechtigkeit rot ­
grüner Wirtschaftspolitik.
Die FDP wendet sich mit ihrer Politik an alle jene, die von der Politik nicht mehr hö­
ren wollen, was nicht geht, sondern Lösungen erwarten. Erstklassige Bildung für je­ Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit reichen kurzfristige, kopflose Arbeitsmarktaktio­
den und mehr Jobs durch Steuersenkung in einem weltoffenen, freien und sicheren nen nicht aus. Die FDP will an den Ursachen ansetzen - an der fundamentalen
Deutschland sind die zentralen Ziele unserer Politik. Einer Politik für Freiheit zur Ver­ Wachstums-, Investitions- und Innovationsschwäche, an falschen Strukturen, Fehlan­
antwortung. reizen, Verkrustungen und Regelungswut. Sie will die Menschen aber auch für ein
neues Denken gewinnen: für mehr Selbstverantwortung, mehr Bereitschaft zu Ver­
änderungen, mehr Mut.

Die Wirtschaftspolitik der rot - grünen Regierung ist gescheitert. Sie erweist sich als
interventionistisch, kurzatmig, unsystematisch und widersprüchlich.

Umkehr ist geboten. Aufbruch zu neuer wirtschaftlicher Dynamik muss die Devise
sein. Gefordert ist eine andere, eine moderne, eine zukunftsorientierte Wirtschaftspo­
litik.

Deutschland braucht keine "neue" Soziale Marktwirtschaft. Deutschland braucht eine


Rückbesinnung auf die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft. In dieser Tradition
steht die FDP.

I. Steuern runter - Jobs rauf

Steuersenkungen sind das beste Beschäftigungsprogramm. Das geltende Steuer­


recht ist kaum noch verständlich, die Steuerbelastung viel zu hoch. Dazu hat die rot­
grüne Koalition in den letzten Jahren kräftig beigetragen. Für die FDP steht eines
fest: In der nächsten Legislaturperiode muss Schluss sein mit laufend neuen unsy­
stematischen Reformversuchen und Korrekturen am Steuersystem. Wir schlagen
daher ein völlig neues Steuerrecht vor. Niedrige Steuersätze, einfache und verständ­
liche Regeln, eine gerechte Belastung aller, das sind die Kennzeichen. Bürger und
Unternehmer akzeptieren Steuern nur in maßvoller und berechenbarer Höhe. Die
Besteuerungsgrundlagen müssen zudem verständlich sein. Beides ist heute nicht der
Fall.

Niedrige Steuern erreichen wir durch unseren Einkommensteuer-Stufentarif:

Einkommensteile von 0 bis 7.500 € 0% Steuern


Einkommensteile von 7.501 bis 15.000 € 15 % Steuern
Einkommensteile von 15.001 bis 40.000 € 25 % Steuern
Einkommensteile ab 40.001 € 35 % Steuern

Wichtig ist: Jeder, der über den Null-Steuersatz hinausverdient, zahlt immer nur für
den höheren Einkommensteil den höheren Steuersatz. So kann sich jeder seine
4 5

Steuerbelastung selbst ausrechnen. Bei Ehegatten verdoppeln sich die Einkom­ werden die mit der Ökosteuer finanzierten Zuschüsse des Staates zur Rentenversi­
mensstufen. Ergebnis unseres Tarifs: Der Bürger behält das meiste des verdienten cherung und damit auch die Ökosteuern zurückgeführt.
Geldes, er muss nur einen akzeptablen Anteil beim Finanzamt abliefern.
Darüber hinaus soll nicht mehr das Halten eines Autos besteuert werden, sondern
Zur Freistellung des Existenzminimums gibt es für jeden Bürger, also auch für jedes nur noch der Betrieb. Aus diesem Grund entfällt die KfZ-Steuer. Sie wird auf die Mi­
Kind, einen einheitlichen Grundfreibetrag von 7.500 €. Der besonderen Belastung neralölsteuer umgelegt.
von Familien einschließlich der Alleinerziehenden wird durch diese Verdoppelung
des Freibetrags für Kinder Rechnung getragen. Das Kindergeld wird entsprechend Die bisher nur ausgesetzte Vermögensteuer wird endgültig abgeschafft. Unterneh­
angepasst. men müssten sie aus der Substanz finanzieren, Bürger aus bereits versteuertem
Einkommen. Die Erbschaftsteuer auf Betriebsvermögen wird entsprechend dem briti­
Das Einkommensteuerrecht wird drastisch vereinfacht. Wir wollen die Steuererklä­ schen Modell neu geregelt. Im Erbfall wird die Erbschaftssteuer festgesetzt und dann
rung auf einem Blatt Papier ermöglichen. Es entfällt die Unterscheidung zwischen auf 10 Jahre gestundet. Pro Jahr der Fortführung des Betriebes durch die Erben wird
den sieben verschiedenen Einkunftsarten. Auch für Körperschaften gilt der Stufenta­ die Erbschaftsteuer um ein Zehntel erlassen. Die Besteuerung des Trinkgeldes und
rif. Ausschüttungen werden immer mit 35 % bei der Gesellschaft belastet. Beim An­ die Bauabzugsteuer werden abgeschafft.
teilseigner kann diese Steuer auf Antrag angerechnet werden. Die Besteuerung wird
so rechtsformneutral. Für die Bürger spielt es also keine Rolle, ob Einnahmen von Der Staat muss sich aus vielen Bereichen zurückziehen, in denen er heute kosten­
einer Kapitalgesellschaft oder einer Personengesellschaft, durch selbständige oder trächtig tätig ist. Wer deutlich weniger Steuern bezahlen möchte, kann nicht in jeder
nichtselbstständige Arbeit erzielt werden. Um Kapitalflucht zu verhindern, werden als Situation nach dem Staat rufen, er muss mehr Eigenverantwortung übernehmen.
einzige Ausnahme hierzu Zinsen durch eine an der Quelle anonym erhobene Abgel­
tungsteuer von 25 % besteuert. Die Steuer wird auf Antrag auf die persönliche Ein­ Ein neues einfaches Steuerrecht mit einer maßvollen und gerechten Belastung für
kommensteuerschuld angerechnet. alle setzt voraus, dass Steuervergünstigungen, Finanzhilfen und Subventionen um­
fassend abgebaut werden. Unterm Strich profitieren alle: Die Bürger haben mehr
Voraussetzung und Folge der Gleichbehandlung aller Einkunftsarten ist der Wegfall Geld zur Verfügung. Die Unternehmen erhalten neuen Spielraum für Investitionen.
der Gewerbesteuer. Sie ist eine Sonderbelastung für eine immer geringere Zahl Mehr Dynamik in der Wirtschaft sorgt für Wachstum und Beschäftigung. Und: Ein
deutscher Unternehmen und im internationalen Vergleich ein Wettbewerbsnachteil. schlanker Staat lebt gesünder und ist nicht mehr anfällig für blaue Briefe aus Brüssel.
Der Wegfall der Gewerbesteuer muss einhergehen mit einer umfassenden Reform
der Gemeindefinanzen. Die Gemeinden können mit einem eigenen Hebesatzrecht
einen Zuschlag auf die zuvor gesenkte Einkommen- und Körperschaftsteuer erhe­ 11. Arbeitsplätze schaffen statt Arbeitslosigkeit verwalten
ben. Zusammen mit einem höheren Anteil an der Umsatzsteuer erhalten sie eine er­
giebige und planbare Finanzausstattung. Der deutsche Arbeitsmarkt leidet unter zu geringem wirtschaftlichen Wachstum, un­
ter strukturellen Defiziten und seiner Inflexibilität. Etwa 50 Mrd. Euro werden insge­
Für die Alterseinkünfte wird die nachgelagerte Besteuerung schrittweise eingeführt. samt für Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe und arbeitsmarktpolitisch motivierte
Soweit Beiträge zur gesetzlichen und privaten Altersvorsorge steuerlich abzugsfähig Frühverrentungen aufgewandt, ohne dass dies zu einer Wende auf dem Arbeitsmarkt
sind, müssen daraus resultierende Alterseinkünfte beim Zufluss versteuert werden. geführt hätte. Diese hohen Ausgaben haben starke Steuer- und insbesondere Bei­
tragsbelastungen zur Folge, die ihrerseits die Beschäftigungsdynamik einschnüren.
Das Einkommensteuerrecht wird im Übrigen durch den Wegfall von Sondertatbe­ Dieser Teufelskreis kann und muss durchbrochen werden.
ständen, Steuerbefreiungen und Steuervergünstigungen vereinfacht. "Steuern mit
Steuern" soll es künftig nicht mehr geben. Staatliche Förderung bestimmter Zwecke Die FDP will Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt. Die arbeitsmarktpolitischen Maß­
ist nur noch durch direkte Zahlungen möglich. Das schafft mehr Transparenz und nahmen sind dringend auf Umfang, Wirksamkeit und Effizienz zu durchforsten, denn
zwingt Leistungsempfänger und Staat laufend zur Rechtfertigung der Fördermaß­ sinnvolle Arbeitsmarktpolitik muss dazu beitragen, mit möglichst geringem MitteIein­
nahme. satz Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder möglichst rasch zu beenden. Die FDP fordert
daher, die Arbeitsmarktpolitik mit dem Ziel der Erleichterung von NeueinsteIlungen
Ein so vereinfachtes Einkommensteuerrecht führt zu einer gerechten und damit ak­ grundlegend zu reformieren.
zeptablen Belastung. Die Bürger können wieder mehr Eigenverantwortung überneh­
men. Unternehmen erhalten neuen finanziellen Spielraum für Investitionen und die In der Arbeitslosenversicherung muss wieder ein strengeres Versicherungsprinzip
Schaffung von Arbeitsplätzen. zur Geltung kommen. Die aktive Arbeitsmarktpolitik, z. B. Arbeitsbeschaffungsmaß­
nahmen, die häufig in Konkurrenz zu kleinen und mittelständischen Privatunterneh­
Die Steuererhöhungen mit dem Etikett Ökosteuer sind unsozial und ungerecht. Sie men tritt, muss entschlossen gestrafft werden. Versicherungsfremde Leistungen, wie
müssen rückgängig gemacht werden. Sie haben weder positive Umwelteffekte erzielt die Kosten für die Fortsetzung des Sofortprogramms zum Abbau der Jugendarbeits­
noch die Lohnnebenkosten gesenkt. Im Rahmen einer umfassenden Rentenreform losigkeit sowie die in den Haushalt der Bundesanstalt verschobenen arbeitsmarktpo­
litischen Programme müssen bezüglich ihrer Notwendigkeit überprüft und gegebe­
6 7

nenfalls reduziert werden. Die verbleibenden Programme müssen aus dem Bundes­ Kriterien Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit und Unterhaltsverpflichtungen erfol­
haushalt finanziert werden. Dadurch wird eine Senkung der Beiträge zur Arbeitslo­ gen. Besonders qualifizierte Mitarbeiter sollen aus der Sozialauswahl ausgenommen
senversicherung von heute 6,5 % auf 4,5 % ermöglicht. werden können. Es ist zu prüfen, ob Sondervorschriften für Menschen mit Behinde­
rungen diesen die Annahme eines Arbeitsplatzes erleichtern oder eher erschweren.
Die Vermittlung und Beratung von Arbeitsuchenden muss neu organisiert und soweit
wie möglich privatisiert werden. Die Kompetenzen für die Bereiche Arbeitsmarkt und Manche Vorschriften, die im tatsächlichen oder vermeintlichen Interesse von Frauen
Arbeitsrecht sind in das Bundeswirtschaftsministerium zu verlagern, um eine bessere eingefÜhrt wurden oder faktisch fast nur auf weibliche Arbeitnehmer Anwendung fin­
Abstimmung der arbeitsmarktpolitischen Gesetzgebung auf die ökonomischen Not­ den, verkehren sich auf dem Arbeitsmarkt zu Beschäftigungshemmnissen für Frau­
wendigkeiten zu erreichen. Mittelfristig sollte die Bundesanstalt für Arbeit in eine rei­ en. Ziel muss es sein, solche rechtlichen Schranken dort abzubauen, wo sie Frauen
ne Versicherungsanstalt umgewandelt werden, die auch Vermittlungsgutscheine schaden statt nutzen. Dazu müssen Schutzvorschriften und besondere Ansprüche
ausgibt. Die Arbeitsmarktpolitik hingegen wird durch eine nachgeordnete Bundesbe­ kritisch überprüft und im Ergebnis gegebenenfalls auch gestrichen werden.
hörde durchgeführt, da arbeitsmarktpolitische Maßnahmen als allgemein sozialpoliti­
sche Leistungen ohnehin stärker aus dem Steuerhaushalt zu vergeben und zu kon­ Das ArbeitnehmerÜberlassungsgesetz muss liberalisiert werden. Die Zeitarbeit ist
trollieren sind. Die 10 Landesarbeitsämter sind abzuschaffen. dem Baubereich zu öffnen. Das Synchronisationsverbot ist aufzuheben. Die ver­
schärfte Tarifbindung im zweiten Beschäftigungsjahr ist zurück zu nehmen. Die Be­
Der Wettbewerb zwischen privaten und staatlichen Arbeitsvermittlern muss stärker fristung von Arbeitsverträgen muss durch Abschaffung des Verbots eines wiederhol­
gefördert werden. Arbeitslose erhalten Vermittlungsgutscheine, die mit marktüblichen ten Abschlusses eines befristeten Arbeitsvertrages und die Ausdehnung der Befri­
Preisen ausgestattet werden und die vermittlungshemmende und -fördernde Merk­ stung auf 4 Jahre erleichtert werden. Der einseitige Rechtsanspruch auf Teilzeitar­
male wie Qualifikation, Alter und Gesundheit berücksichtigen. Damit können sie ei­ beit, der gerade für Frauen ein Einstellungshemmnis darstellt, ist zurückzunehmen.
nen Arbeitsvermittier ihres Vertrauens beauftragen. Sie gelten für private und für Mit dem pauschal besteuerten, sozialversicherungsfreien 630-Euro-Job - und damit
staatliche Vermittler, so dass es einen echten Wettbewerb gibt. Vermittler bei der auf dem doppelten Niveau der früheren 630 DM-Jobs - soll die Möglichkeit geringfü­
Bundesanstalt für Arbeit sind erfolgsabhängig zu bezahlen. giger Beschäftigungsverhältnisse wieder eingeführt werden.

Beim Arbeitslosengeld muss die Anspruchsdauer wieder auf grundsätzlich 12 Mona­ Die großflächige Vernichtung von Arbeitsplätzen und sozialen Chancen durch starre,
te festgesetzt werden, um den Anreiz zur Arbeitsaufnahme zu erhöhen, hinsichtlich betriebsferne Flächentarife muss gestoppt werden. Der Flächentarifvertrag, der die
älterer Arbeitsloser muss eine angemessene RückfÜhrung der Bezugsdauer geprüft Arbeitsverhältnisse bis ins Detail bundeseinheitlich regelt, hat ausgedient. Die Tarif­
werden. Jeder Arbeitslose sollte verpflichtet sein, mit seinem Arbeitsamt laufenden parteien sollen sich darauf beschränken, Rahmenbedingungen zu setzen. Innerhalb
Kontakt zu halten, denn nur so wird seine intensive und effektive Vermittlung und dieses Rahmens wird die Entscheidung insbesondere über das Arbeitsentgelt und
Betreuung durch das Arbeitsamt gewährleistet. die Arbeitszeit auf die betriebliche Ebene verlagert, auf Vereinbarungen zwischen
dem Unternehmen und den Mitarbeitern bzw. den gewählten Belegschaftsvertretun­
Alle Maßnahmen müssen den Betroffenen bereits von Beginn der Arbeitslosigkeit an gen. Nur sie, die Partner im Einzelbetrieb, kennen seine wirtschaftliche Lage und
zur Verfügung stehen. Förderungsmaßnahmen hängen vom individuellen Arbeitsu­ seine speziellen Anforderungen. Nur sie können hierauf flexibel und individuell rea­
chenden ab und müssen möglichst frühzeitig aus allen zur Verfügung stehenden gieren. Durch entsprechende Änderung des Tarifvertragsgesetzes und des Betriebs­
Möglichkeiten ausgewählt werden können. Priorität sollten dabei nach dem Vorrang verfassungsgesetzes ist diese neue Form der Tarifverträge gesetzlich abzusichern.
der Vermittlung die berufliche Weiterbildung, die Förderung der Selbstständigkeit mit Die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen ist abzuschaffen. Die Nachwirkung
qualifizierter Beratung sowie das Probearbeitsverhältnis mit befristetem Einarbei­ von Entgelttarifverträgen bei Ausscheiden aus dem Arbeitgeberverband ist zu be­
tungszuschUSS haben. Während der Elternzeit muss die Möglichkeit bestehen, Quali­ grenzen.
fizierungsmaßnahmen über das Arbeitsamt wahrzunehmen.
Das Günstigkeitsprinzip in § 4 Abs. 3 Tarifvertragsgesetz muss dahin gehend ge­
Das Kündigungsschutzgesetz muss gelockert werden, sodass es NeueinsteIlungen ändert werden, dass künftig auch ein geringerer Lohn oder eine längere Arbeitszeit
erleichtert statt diese zu verhindern. Seine heutige Form ist ein Einstellungshemmnis für den Erhalt des Arbeitsplatzes günstiger sein kann, wenn hierdurch der Arbeits­
und verfehlt zugleich seine soziale Schutzfunktion, da es nur zu einer Vielzahl von platz gesichert wird und dem 75 % der abstimmenden Mitarbeiter des Unterneh­
Arbeitsgerichtsprozessen führt, die in der Regel nicht den Arbeitsplatz erhalten, son­ mens zugestimmt haben. In Fällen der Krise eines Unternehmens ist der Fortbe­
dern ohnehin in Abfindungsregelungen münden. Das Kündigungsschutzgesetz sollte stand und damit der Erhalt von Arbeitsplätzen oft nur möglich, wenn ein Erwerber
daher erst ab der Betriebsgröße von 20 Mitarbeitern gelten und erst zwei Jahre nach das Unternehmen zu Bedingungen übernehmen kann, die den Fortbestand des
Beginn des Arbeitsverhältnisses einsetzen. Zudem muss den Arbeitnehmern mehr Unternehmens in seiner Hand gewährleisten. Deswegen setzt sich die FDP dafür
Spielraum eingeräumt werden, welche Form des Kündigungsschutzes sie wollen. ein, dass die Regelung des § 613a BGB zum Betriebsübergang im Falle der dro­
Daher sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber statt des Kündigungsschutzes eine Ab­ henden Insolvenz eines Unternehmens dahingehend geändert werden soll, dass
findungszahlung für den Fall der Kündigung vereinbaren können oder der Arbeitge­ der Betriebsveräußerer oder Betriebserwerber Arbeitsbedingungen, die durch Ta­
ber sich zur Finanzierung einer Weiterqualifizierungsmaßnahme verpflichten. Im üb­ rifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag gelten, ändern darf, um den
rigen soll die Sozialauswahl bei betriebsbedingten Kündigungen nur nach den drei
8 9

Fortbestand des Betriebes zu sichern. In der Insolvenz eines Unternehmens soll § unattraktiv werden, Arbeit zu niedrigen Löhnen anzunehmen. Um einem arbeitsfähi­
613a BGB keine Anwendung mehr finden. gen Sozialhilfeempfänger größere Anreize zu geben, Arbeit aufzunehmen und in das
Erwerbsleben zurückzukehren, müssen die Freibeträge erhöht werden, die Anrech­
Die Sperrwirkung des § 77 Abs. 3 Betriebsverfassungsgesetz, der vom Tarifvertrag nungssätze langsamer ansteigen und der Eingangssteuersatz auf 15 Prozent ge­
abweichende Betriebsvereinbarungen bislang untersagt, ist zu ändern. Vereinbarun­ senkt werden.
gen auf betrieblicher Ebene zwischen Unternehmen und Belegschaftsvertretung, die
freiwillig geschlossen werden und der 75 % der abstimmenden Mitarbeiter zuge­ Notwendig ist ein Transfer-System, das auch im Niedriglohn-Sektor Arbeitsanreize
stimmt haben, sollten möglich sein. erhält und Brücken in neue Beschäftigung baut. Das von der FDP vorgeschlagene
Bürgergeld baut solche Brücken besser als alle bisher versuchten Kombilohn­
Alle arbeitsmarktpolitischen Programme müssen nach den Prinzipien der Wirtschaft­ Modelle. Durch die beim Bürgergeld nur teilweise Anrechnung von Erwerbseinkom­
lichkeit und Effizienz öffentlich ausgeschrieben werden. Projektträger müssen zu­ men auf Sozialleistungen können trotz niedrigen Lohnes oder geringer Stundenzahl
künftig im Wettbewerb stehen. Durch ständige Leistungsvergleiche sollte der Quali­ bisher arbeitslose Leistungsempfänger ihr Auskommen sichern und gegenüber der
tätswettbewerb zusätzlich verstärkt werden. Arbeitslose sollen über Qualifizierungs­ Nicht-Erwerbsfähigkeit verbessern.
gutscheine die Möglichkeit haben, als Nachfrager aufzutreten und damit den Wett­
bewerb zwischen den Anbietern zu stärken. Um das Bürgergeld-System, das gerade geringer qualifizierten, aber leistungswilligen
Menschen hilft, finanzierbar zu machen, schlägt die FDP vor, die Anrechnungssätze
Die FDP lehnt Tariftreueregelungen bei der öffentlichen Auftragvergabe ab. Dadurch von Erwerbseinkommen auf die Sozialleistungen progressiv zu gestalten. Für Men­
wird den kleinen und mittelständischen Unternehmen gerade in den neuen Ländern schen mit Behinderungen bzw. bei Betreuungsnotwendigkeit von Angehörigen soll es
die Möglichkeit genommen, aufgrund ihrer betrieblichen Kostensituation ein freies einen erhöhten Bürgergeld-Anspruch geben.
Angebot zu kalkulieren. Sie verlieren damit ihre Konkurrenzfähigkeit, weil sie dadurch
auch bei öffentlichen Ausschreibungen benachteiligt sind. Die öffentlich subventio­ Als erster Schritt zum Bürgergeld muss die Arbeitslosenhilfe vollständig mit der Sozi­
nierte, unfaire Konkurrenz für mittelständische Unternehmen und Existenzgründer alhilfe zu einem System mit einer Leistung, mit klaren Zuständigkeiten, eingleisigen
durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Strukturanpassungsmaßnahmen, etwa Verfahren und schlankerer Verwaltung zusammengefasst werden.
im Bereich des Garten- und Landschaftsbaus, des Handwerks und der Bauwirtschaft,
muss deutlich eingeschränkt werden. Vorhandene Anbieter werden durch die mit öf­ Bis zur Einführung des Bürgergeldes muss die Sozialhilfe so ausgestaltet werden,
fentlichen Geldern subventionierten Anbieter aus dem Markt gedrängt und private dass sie einerseits den tatsächlich Bedürftigen ein Leben in Würde ermöglicht, ande­
Arbeitsplätze gehen verloren. Die Möglichkeit, durch die bloße Teilnahme an diesen rerseits aber zugleich die Selbstständigkeit aller Hilfeempfänger stärkt und den Lei­
Maßnahmen den Anspruch auf Arbeitslosengeld aufzubauen bzw. zu erneuern, stungsmissbrauch vermeiden hilft. Dazu gehört auch die Pauschalierung von Lei­
muss ebenfalls abgeschafft werden. Die Höhe der Bezahlung darf sich nicht mehr stungen statt der bürokratischen und zu Missbrauch einladenden Erstattung einzel­
wie bisher üblich an den tariflichen Löhnen ausrichten, sondern muss sich am an­ ner Aufwendungen.
sonsten bestehenden Transferanspruch orientieren, um so den Anreiz zur Suche und
Aufnahme einer regulären Beschäftigung zu stärken. Es ist Ziel der Liberalen, be­ Dem Gegenleistungsprinzip muss wieder Geltung verschafft werden. Wenn jemand
sonders jungen Menschen ein Angebot zur Beschäftigung zu machen. Dies sollte gesund und arbeitsfähig ist und keine Kinder oder pflegebedürftigen Angehörigen zu
von einem individuellen Fallmanagement durch private Agenturen begleitet werden. versorgen hat, dann ist es ihm zuzumuten, dass er für das, was er erhält, auch eine
Gegenleistung erbringt. Die vorhandenen Sanktionsmechanismen müssen in Zukunft
straffer und stärker angewandt werden. Bisher muss das Sozialamt beweisen, dass
11I. Bürgergeld-Anreize für neue Arbeitsplätze ein Sozialhilfeempfänger entgegen seiner Behauptung arbeitsfähig ist. Dies will die
FDP ändern: In Zukunft muss der Sozialhilfeempfänger darlegen, dass er nicht ar­
Die Beschäftigungspolitik muss sich auch den Auswirkungen der Globalisierung auf beitsfähig ist. Der Staat ist gehalten, über einen Fallmanager geeignete Angebote zu
den Arbeitsmarkt stellen. Während für Arbeitsplätze mit hohen Qualifikationsanforde­ machen.
rungen Arbeitskräfte fehlen, werden Arbeitsplätze mit geringen Qualifikationsanforde­
rungen im Hochlohn-Land Deutschland weiter abgebaut, nicht nur in Sektoren der Nur bei einem solchen Nachweis eigener Bemühungen zur Aufnahme von Arbeit be­
Wirtschaft, die im internationalen Wettbewerb stehen. Zugleich werden durch den steht der Anspruch auf Leistungen, die ü[Link] materielle Existenzminimum hinaus
technologischen Wandel vorhandene alte Qualifikationen entwertet. für die Eingliederung des Bedürftigen in die Gesellschaft erforderlich sind. Ansonsten
erfolgt eine Kürzung der Geldleistungen auf das materielle Existenzminimum, also
Es kommt daher darauf an, produktivitätsorientierte Löhne zuzulassen und gleichzei­ die Existenz sichernden Leistungen wie Ernährung, Unterkunft, Kleidung und Haus­
tig ein Abgleiten in Armut zu verhindern. Das heutige Transfer-System ist dazu nicht rat. Im Gegenzug werden bei der Sozialhilfe nach dem Bürgergeld-System die An­
in der Lage. Für viele arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger lohnt es sich nicht, eine Ar­ rechnungssätze für selbst verdientes Einkommen abgesenkt. Damit werden Modelle
beit anzunehmen, weil gerade bei niedrigem Einkommen der Lohnabstand zu gering nach dem §18 V BSHG (Einstiegsgeld) zum Regelfall.
ist. Das Niveau der steuerfinanzierten Sozialleistungen und die weitgehende Volian­
rechnung von Erwerbseinkommen auf die Sozialhilfe lassen es für den Betroffenen
10 11

IV. Sozialstart - Sicherungssysteme zukunftsfest machen und seine Folgen abzusichern. Ein freiheitliches Gesundheitswesen ohne übermäßi­
ge Bürokratie und Reglementierung bietet hierfür die besten Voraussetzungen.
Ein wichtiges Kennzeichen der Sozialen Marktwirtschaft ist nicht nur ihre hohe öko­
nomische Leistungsfähigkeit, die Arbeitsplätze schafft und so die Menschen in die Grundsätzlich ist der Markt mit seiner Vielfalt der handelnden Personen und seiner
Lage versetzt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Zur Sozialen Marktwirtschaft Flexibilität am besten geeignet, die Gesundheitsversorgung zu optimieren. Der Staat
gehört auch eine aktive soziale Verantwortung des Staates, die greift, wenn der Ein­ soll nur dort steuernd eingreifen, wo der Markt versagt. Er hat den Rahmen für eine
zelne nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft für die Absicherung der großen Lebens­ sozial verantwortliche Gesundheitspolitik zu setzen, nicht jedoch alles und jedes bis
risiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit und Alter Vorsorge zu treffen. Ein so ins kleinste Detail gesetzlich zu regeln, wie das heute weitgehend der Fall ist. Der
ausgestaltetes Sozialsystem, das seinem Charakter nach subsidiär ist, ist nicht qualitätsorientierte Wettbewerb fördert die Kreativität, versicherten- und patientenge­
Fremdkörper sondern produktiver Faktor in der Sozialen Marktwirtschaft. rechte Lösungen zu finden. Er muss deshalb intensiviert werden.

Bei uns allerdings haben sich die sozialen Sicherungssysteme verselbstständigt. Ein Daher setzt die FDP auf ein Gesundheitswesen, das eine gute und bezahlbare medi­
Drittel des Sozialprodukts verschlingt bei uns der Sozialbereich. Eigenverantwortung zinische Versorgung aller Bürgerinnen und Bürger gewährleistet, den Menschen Ge­
wurde so zunehmend zurückgedrängt, kollektive Verantwortung immer weiter in den staltungsmöglichkeiten für den Umfang ihres Versicherungsschutzes gibt, Anreize für
Vordergrund gerückt. Freiheit und Gestaltungsspielräume werden beschnitten, An­ alle Beteiligten setzt, mit den vorhandenen Ressourcen sparsam umzugehen, die
spruchs- und Besitzstandsdenken verfestigt und gefördert, Leistungsanreize gemin­ freie Arztwahl garantiert, Schluss macht mit gesetzlich vorgegebenen Budgets gleich
dert und die Anreizsysteme zur Arbeitsaufnahme vor allem in den Bereichen der un­ welcher Art und feste Preise für die einzelnen ärztlichen, zahnärztlichen und psycho­
teren Lohngruppen ausgehebelt. Was sozial gemeint ist, wird so in hohem Maße un­ therapeutischen Leistungen vorsieht.
sozial.
Die gesetzliche Vorgabe für einheitliche und gemeinsame Verhandlungen der Kran­
Wegen der Umbrüche auf dem Arbeitsmarkt und der demografischen Entwicklung kenkassen muss fallen. An die Stelle staatlicher Vorgaben müssen Verhandlungslö­
müssen die Systeme der sozialen Sicherung den veränderten Gegebenheiten ange­ sungen treten. Staatliche Planwirtschaft führt zu Missmanagement und Fehlleitung
passt werden. Um Generationengerechtigkeit wiederherzustellen, sind dringend Re­ knapper Ressourcen. Der Risikostrukturausgleich ist schrittweise abzubauen. Was
formen der Sozialversicherung, die heute auf den umlagefinanzierten Systemen für für eine Übergangszeit Chancengleichheit für im Wettbewerb stehende Kassen
Rente, Krankheit und Pflege beruht, erforderlich. Gleiches gilt auch für die Siche­ schaffen soll, wird in einem funktionierenden Markt zunehmend überflüssig ja sogar
rungssysteme der Beamten und Politiker, bei denen die Umlagefinanzierung auf kontraproduktiv. In der Betriebs- und Verwaltungseffizienz müssen die gesetzlichen
Steuern basiert. Unser Ziel ist es, die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest zu Krankenkassen sich mit der Effizienz der privaten Krankenkassen messen lassen.
machen, durch Transparenz und Vereinfachung für mehr Gerechtigkeit zu sorgen
und die Beitragslast dauerhaft unter 40 % zu senken. Auch auf Seiten der Leistungsanbieter ist Wettbewerb erforderlich, um eine effiziente
Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu erreichen. Dabei muss der freie Zugang
Notwendig sind dafür echte Strukturreformen. Die FDP lehnt weitere Steuerzuschüs­ zur Berufsausübung stets erhalten bleiben.
se in unreformierte Systeme strikt ab. Zur Wahrung der Generationengerechtigkeit ist
von unabhängiger Stelle dem Bundestag regelmäßig eine Generationenbilanz vorzu­ Zum Wettbewerb gehört auch, dass sich möglichst viele Menschen entscheiden kön­
legen. In ihr müssen auf der Habenseite Leistungen wie Bildung, Infrastruktur und nen, ob sie in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) oder in der Privaten
soziale Sicherheit, auf der Sollseite Belastungen wie Staatsverschuldung, Pensions­ Krankenversicherung (PKV) versichert sein wollen. Eine Anhebung der Versiche­
lasten und Generationenverträge ausgewiesen werden. rungspflichtgrenze ist deshalb strikt abzulehnen. Die Ausdehnung der Beitragsbe­
messung auf weitere Einkunftsarten lehnt die FDP ab.
Die Weiterentwicklung der sozialen Sicherungssysteme soll sich an dem Grundsatz
orientieren: Versicherungspflicht statt Pflichtversicherung. Es soll der freien und indi­ Versicherte und Patienten haben ein Anrecht darauf, sich umfassend und neutral
viduellen Entscheidung eines jeden Bürgers überlassen sein, wie und wo er dieser informieren zu können. Das Werbeverbot muss deshalb im Hinblick auf sachgerechte
Versicherungspflicht für die großen Risiken nachkommt. Die sozialen Sicherungssy­ Informationen gelockert werden.
steme sind schrittweise vom Beschäftigungsverhältnis zu lösen.
Patient und Arzt müssen wissen, wie teuer eine Behandlung ist. Das Sachleistungs­
prinzip hält den Patienten künstlich uninformiert. Deshalb muss grundsätzlich die Ko­
Für eine leistungsfähige und bezahlbare Gesundheitsversorgung stenerstattung die Sachleistung ersetzen.

Der Erhalt der Gesundheit und eine gute Versorgung im Krankheitsfall sind zentrale Die bevormundende leistungsfeindliche Ausgabendeckelung muss abgeschafft wer­
Anliegen der Menschen in unserem Land. Der Staat muss deshalb Rahmenbedin­ den, denn sie führt zur Rationierung in Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäusern.
gungen schaffen, die es den Menschen unabhängig von ihrem Einkommen oder ei­ Warteschlangen, wie in den skandinavischen Ländern und Altersgrenzen, wie in
ner eventuellen Behinderung oder Vorerkrankung ermöglichen, das Krankheitsrisiko England dürfen in Deutschland nicht Realität werden. Die Budgetierung muss durch
leistungsgerechte Vergütungen und Anreize zu wirtschaftlichem Handeln auf allen
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Seiten ersetzt werden. Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten brauchen feste Rentenversicherung
Preise für qualitativ hochwertige Leistungen, die Krankenhäuser ein echtes Preissy­
stem. Die heutigen Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung sind durch die letzten
Reformen in keiner Weise gelöst worden. Der Kostendruck hält unvermindert an.
Die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen wird von den Versicherten mitbe­ Gründe dafür sind die hohe Arbeitslosigkeit, die zu Einnahmeverlusten bei den Bei­
stimmt. Sie können durch ein gesundheitsbewusstes Leben dazu beitragen, Krank­ trägen geführt hat, der immer noch zu frühe Rentenzugang und vor allem der längere
heiten zu vermeiden. Informationen darüber, wo Risiken liegen und wie ihnen be­ Rentenbezug auf Grund längerer Lebenszeit, die höhere Ausgaben zur Folge hatten.
gegnet werden kann sowie Angebote zur Gesundheitsförderung müssen deshalb Eine weiter steigende Bezuschussung der Rentenversicherung aus Steuermitteln
frühzeitig in Kindergärten und Schulen erfolgen. Ebenso wichtig ist der Auf- und Aus­ lehnt die FDP strikt ab. Notwendige Strukturreformen werden hierdurch verzögert.
bau einer qualitätsgesicherten Gesundheitsvorsorge und entsprechender Früherken­ Steuermittel dürfen nur zur Finanzierung versicherungsfremder Leistungen herange­
nungsmaßnahmen. Bonussysteme, wie beim Zahnersatz, tragen dazu bei, die Moti­ zogen werden.
vation zu unterstützen.
Die FDP sieht in der konsequenten Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch bessere
Immer mehr Menschen nehmen alternative Heilmethoden in Anspruch. Die FDP tritt Rahmenbedingungen der Wirtschaft auch den Weg, die Einnahmen in der Renten­
dabei auch für den qualitätsorientierten Wettbewerb zwischen schulmedizinischen versicherung zu verbessern. Bei den jährlichen Rentenanpassungen ist der längere
und alternativen Heil- und Behandlungsmethoden und deren Chancengleichheit ein. Rentenbezug wieder angemessen zu berücksichtigen. Vor allem muss das durch­
Wir begrüßen die Pilotprojekte verschiedener Krankenkassen, alternative Heilmetho­ schnittliche Rentenzugangsalter an das gesetzliche Rentenzugangsalter angenähert
den anzubieten und fordern, den Krankenkassen hier größere Spiel räume einzuräu­ werden. Die längere Lebensarbeitszeit will die FDP in erster Linie durch früheren Be­
men. rufsbeginn möglich machen, wozu kürzere Bildungs- und Ausbildungszeiten und die
Aussetzung der Wehrpflicht beitragen. Bei einem Rentenbeginn vor 65 Jahren will
Das heutige System widerspricht dem Wunsch vieler Menschen, ihre Belange mög­ die FDP für Männer und Frauen gleiche versicherungsmathematisch korrekt ermittel­
lichst umfassend in eigener Verantwortung zu regeln. Die Tarifgestaltung in der GKV te Abschläge, bei einem späteren Rentenbeginn entsprechende Zuschläge. Dadurch
muss deshalb flexibler werden. Die FDP will die Zwangsbeiträge auf Kernleistungen hebt sich das durchschnittliche Zugangsalter.
beschränken und Wahlmöglichkeiten und Gestaltungsspielräume für individuelles
Handeln eröffnen. Versicherungsfremde Leistungen müssen aus dem Bundeshaus­ Die FDP trat schon immer für die private Vorsorge als Ergänzung zur Rente ein. Sie
halt finanziert werden. Versicherte müssen die Möglichkeit haben, Tarife mit unter­ unterstützte daher auch bei der letzten Reform 2001 den Ansatz, mit 4% des Brutto­
schiedlichen Optionen abzuschließen. Selbstbehalte und Selbstbeteiligungen setzen lohnes diese Vorsorge aufzubauen. Allerdings ist die Reform mit unzureichender
Anreize für ein kostenbewusstes Verhalten. Regelungen für einkommensschwache Generationengerechtigkeit, mangelnder Beitragssatzstabilität, fehlender Steuerbe­
Versicherte müssen dafür sorgen, dass niemand von medizinisch notwendigen Ge­ freiung aller Vorsorgebeiträge und einer viel zu komplizierten Ausgestaltung der An­
sundheitsleistungen ausgeschlossen wird. lagekriterien in der praktischen Ausgestaltung misslungen. Als wesentliches Kriteri­
um für die geförderte Vorsorge hätte eine praktikable Zweckbestimmung für die AI­
Die Einkommensteuer neutrale Auszahlung des Arbeitgeberanteils als echter Be­ tersvorsorge ausgereicht. Es muss ein echter Wettbewerb aller Anbieter gewährlei­
standteil des Lohnes soll dem Einzelnen deutlich machen, was sein Krankenversi­ stet sein, als Option ein vererbbarer Kapitalstock gebildet werden können und die
cherungsschutz tatsächlich kostet. Das erhöht den Anreiz, stärker auf das Preis­ angebotenen privaten Altersvorsorgeprodukte bestimmten Mindeststandards genü­
Leistungsverhältnis der Krankenkassen zu achten und verschärft damit den Wettbe­ gen. Der Bürger muss bei der Auszahlung Wahlfreiheit je nach seinen individuellen
werb. Die Abkopplung der Krankenversicherungsbeiträge von den Lohnzusatzkosten Bedürfnissen haben: Er muss entscheiden können, ob er z. B. eine Verrentung, ei­
erleichtert zudem die Schaffung von individuellen Spiel räumen zur Gestaltung der nen lebenslangen Auszahlungsplan in abnehmenden oder steigenden Raten wählt
Tarife. Ferner wird der Automatismus zwischen steigenden Gesundheitsausgaben oder sich einen Platz in einem Alten- oder Pflegeheim sichern will. Auch das Sparen
und steigenden Lohnkosten durchbrochen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der zum Aufbau von Wohneigentum muss als Vorsorgeform in praktikabler Weise aner­
deutschen Wirtschaft gestärkt. kannt werden.
Zusammen mit einer Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für Arzneimittel sowie Die private Vorsorge soll nach einem schrittweisen Übergang die gesetzliche Ren­
der Rückgängigmachung der erheblichen Finanztransfers in andere Sozialversiche­ tenversicherung ergänzen und so weit ersetzen, dass die Altersvorsorge zu etwa 50
rungszweige, die die rot-grüne Regierungskoalition in den letzten zwei Jahren vorge­ % auf der privaten und betrieblichen Vorsorge beruht. Wenn die Sparer vom Angebot
nommen hat, wird der Beitragssatz für alle Beitragszahler deutlich reduziert. Ergänzt der geförderten Altersvorsorge nicht im dafür erforderlichen Umfang Gebrauch ma­
durch eine mutige Steuerreform, wie die FDP sie mit ihrem Stufenmodell vorschlägt, chen, liegt eine Pflicht zur Versicherung nahe - aber nur wenn die für die private
verbleibt den Bürgern erheblich mehr Geld in ihrer Tasche, das u. a. für eine zusätz­ Vorsorge genannten Voraussetzungen erfüllt sind.
liche Zukunftsvorsorge im Hinblick auf die Folgen des demografischen Wandels auf­
gewandt werden kann. Die staatlichen Anreize, insbesondere die nachgelagerte Besteuerung der in aner­
kannten Vorsorgeformen geleisteten Beiträge, sind für sie unverzichtbare Vorausset­
zungen der künftigen Reform der Eigenvorsorge. Die umlagefinanzierte gesetzliche
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Rentenversicherung muss im Gegenzug Schritt für Schritt zu einer beitragsfinanzier­ zu den wichtigsten wirtschaftspolitischen Aufgaben des Staates in der sich wandeln­
ten Grundsicherung umgebaut werden. Die Belastung der Arbeitnehmereinkommen den Wirtschaft.
durch die gesetzlich geregelte und staatlich geförderte Altersvorsorge darf 20% der
Einkommen auch künftig nicht überschreiten. Die berufsständischen Versorgungs­ Der von FDP-Wirtschaftsministern begonnene Weg der Deregulierung und Privatisie­
werke erhalten eine Bestandsgarantie und werden vor staatlichem Zugriff geschützt. rung, der für die Bürger in vielen Bereichen bessere Leistungen zu günstigeren Prei­
sen erbracht hat, muss konsequent fortgesetzt werden. Die nächsten Schritte müs­
Aus Gerechtigkeitsgründen und mit Blick auf die Haushaltsrisiken für kommende Ge­ sen sein:
nerationen muss mit einer solchen Reform auch eine der Beamtenversorgung ein­
hergehen. Das Briefmonopol muss schnellstmöglich auslaufen, damit auch bei Briefsendungen
bis 200 g, adressierten Katalogen und Infopost bis 50 g Wettbewerb möglich wird.
Wir brauchen eine klare und einfache Regelung, um es Rentnern ohne finanziellen Die ehemaligen Staatsmonopole Post und Telekom sind bis zum Jahr 2005 vollstän­
Schaden zu ermöglichen, hier zu arbeiten und Rentenversicherungsbeiträge zu zah­ dig zu privatisieren.
len und im Alter ins Ausland überzusiedeln. Dies ist auch notwendig im Hinblick auf
eine Gewährleistung der Freizügigkeit in Europa. Die Telekommunikationsnetze, insbesondere im Ortsnetzbereich, in dem der
Marktanteil der Deutschen Telekom von 98 % einen wirklichen Wettbewerb weiter
Im Ergebnis wird die Alterssicherung der Zukunft eine neue Statik haben. Sie setzt verhindert, sind weiter zu liberalisieren. Der liberalisierte Netzzugang auf den
sich aus der umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung und den aus be­ Strommärkten ist wiederherzustellen. Auch' bei der Wasser- und Abfallwirtschaft
trieblicher und privater Eigenvorsorge erwachsenen Ansprüchen zusammen. Nur so ist Deregulierung und Privatisierung erforderlich.
ergibt sich ein ausgeglichenes Modell, das zu einem auskömmlichen Alterseinkom­
men führt, aber die jüngere Generation vor Überforderung schützt. Netz und Betrieb bei der Bahn AG sind konsequent zu trennen. Außerdem ist es er­
forderlich, Wettbewerb zwischen den einzelnen Teilen der bisherigen DB Holding zu
ermöglichen sowie den diskriminierungsfreien Zugang Dritter zum Netz sicherzustel­
Pflegeversicherung len.

Langfristig wird aufgrund der demografischen Entwicklung die Anzahl der Pflegebe­ Die Aufgabe der Sicherstellung von Wettbewerb muss wieder beim Bundeskartellamt
dürftigen und auch der Demenzkranken deutlich steigen. Die Einnahmen werden konzentriert und die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post in der
damit nicht Schritt halten können. Der so entstehende Kostendruck darf jedoch nicht nächsten Legislaturperiode aufgelöst werden.
zu einer Erhöhung der Pflichtbeiträge führen. Die Pflegeversicherung muss deshalb
im Hinblick auf Zielgenauigkeit, Effizienz und Organisation und auch im Hinblick auf Nachdem die EU für Landesbanken und kommunale Sparkassen ab spätestens
die Folgerungen aus dem Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Entlastung der Fami­ 2005 die Beendigung der unbeschränkten Haftung der sie tragenden Gebietskörper­
lien auf den Prüfstand. Aus Sicht der FDP müssen hierbei insbesondere die Weichen schaft verfügt und deren Anstaltslast eingeschränkt hat, fordert die FDP schon jetzt
für den Aufbau einer ergänzenden kapitalgedeckten Säule der privaten Eigenvorsor­ die grundsätzliche Neuordnung dieses Sektors.
ge für das Pflegerisiko gestellt werden.
Die Landesbanken sind insgesamt zu privatisieren und damit für den Wettbewerb mit
Dem gesetzlich festgeschriebenen Grundsatz des Vorranges der Rehabilitation vor privaten und genossenschaftlichen Banken zu öffnen. Die kommunalen Sparkassen,
der Pflege muss Rechnung getragen werden. Das bestehende System der Pflege­ ein notwendiger Teil ländlicher Infrastruktur, sind zu "Bürgersparkassen" fortzuent­
versicherung läuft diesem zuwider. Es gibt keine Anreize, Betroffene zu fördern, um wickeln.
ihren Zustand verbessern zu können und sie somit z. B. in eine niedrigere Pflegestu­
fe einzustufen. Das gesamte deutsche Kammerwesen ist auf seine Zweckmäßigkeit hin grundsätz­
lich zu überprüfen. Bei den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerks­
kammern ergeben sich der öffentlich -rechtliche Status und die daraus resultierende
V. Entmonopolisierungs- und Wettbewerbsoffensive Pflichtmitgliedschaft der Gewerbetreibenden -aus den öffentlichen Aufgaben, die den
Kammern durch Gesetz und Verordnung zugewiesen sind. Die Kammern müssen
Wettbewerb ist das Herzstück der Sozialen Marktwirtschaft. Wettbewerb zwingt die sich jedoch grundlegend reformieren. Die Kammern dürfen sich nicht mehr auf Fel­
Unternehmen, besser, leistungsfähiger, stärker zu werden. Deshalb bekämpfen libe­ dern betätigen, wo ein ausreichendes Angebot von Seiten privater Dienstleister zur
rale alle Tendenzen, Wettbewerb abzubauen, zu verzerren oder zu verfälschen. Verfügung steht. Doppelarbeit zwischen Kammern und Behörden und zeitraubende
bürokratische Querverbindungen sind zu vermeiden.
Wir treten ein für ein strenges Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, gegen
Kartelle, Monopole, abgestimmtes Verhalten und wettbewerbsbeschränkende Fusio­ Das Ladenschlussgesetz ist ersatzlos zu streichen. Das Gesetz gegen den unlaute­
nen. Wir treten ein für einen starken Staat, der die Wettbewerbsregeln durchsetzt ren Wettbewerb ist zu entrümpeln.
und weiterentwickelt. Denn Bewahrung und Stärkung des Wettbewerbs gehören mit
16 17

VI. Schlanker Staat - Starker Staat Problematik wird dadurch abgeschwächt, dass v.a. in Handwerk und Gewerbe etli­
che tausend Facharbeitsplätze nicht besetzt werden können, die für die im Schnitt
Für Liberale ist nicht der Staat besonders leistungsfähig, der sich in möglichst viele 33jährigen Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Die Bundesregierung wird aufgefordert,
Bereiche der Gesellschaft einmischt, sondern der Staat, der sich auf seine Kernauf­ für diejenigen Bergbaubeschäftigten, deren berufliche Qualifikation nicht den Anfor­
gaben konzentriert. Der schlanke Staat ist der starke Staat. Deshalb will die FDP derungen des Arbeitsmarktes entspricht, ausreichende Mittel für Qualifizierungs­
Subventionen abbauen, öffentliche Aufgaben zurückführen und staatliche Beteiligun­ maßnahmen und Umschulungsprogramme bereitzustellen. Die Kosten für die Folge­
gen privatisieren. schäden des Bergbaus werden vom Bund übernommen. Der Kohleabbau unter be­
bautem Gebiet wird gestoppt.
Die FDP will eine Politik der Haushaltskonsolidierung. Ausgeglichene Haushalte aller
staatlichen Ebenen bleiben Ziel der FDP. Nur so wird die Politik in der Praxis auf Die öffentliche Hand erfüllt in Deutschland zu viele Aufgaben. Der Staat ist an zu vie­
Dauer dem Grundgedanken einer wirkungsvollen Begrenzung der Staatsverschul­ len Unternehmen beteiligt. Für die FDP ist die Privatisierung wirtschaftlicher Betäti­
dung gerecht, wie er in unserem Grundgesetz und im Europäischen Stabilitätspakt gungen der öffentlichen Hand und die Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen
verankert ist. Im Sinne unseres Grundsatzes, dass Steuern nur für unverzichtbare ein Kernziel liberaler Politik. Deshalb wollen wir alle Bundesbeteiligungen innerhalb
öffentliche Aufgaben erhoben werden dürfen, bedeutet dies: alle derzeit vom Staat von fünf Jahren veräußern. Liegenschaften in öffentlichem Besitz sind ebenfalls zu
wahrgenommenen Aufgaben sind unter dem Gesichtspunkt ihrer Verzichtbarkeit zu reduzieren.
überprüfen und in Frage zu stellen. Auch von lieb gewordenen staatlichen Betäti­
gungsfeldern gilt es Abschied zu nehmen. Die größten Privatisierungspotenziale liegen aut kommunaler Ebene. Bundesweit
führen die Kommunen über 100.000 Eigenbetriebe. Dabei ist nicht einsichtig, warum
Gerade im öffentlichen Sektor wird der Wohlstand der Gegenwart mit Hypotheken Grünflächenpflege, Müllabfuhr, Tierparks, Gebäudeverwaltung oder Druck- und
auf die Zukunft finanziert. Kredite, die heute aufgenommen und verwendet werden, Buchbindearbeiten in kommunaler Hand liegen müssen. Auch die vielfach vorge­
müssen die Bürger und Steuerzahler kommender Generationen zurückzahlen. Des­ nommenen Scheinprivatisierungen sind der falsche Weg. Sie ebnen den Kommunen
halb fordert die FDP, den Bundeshaushalt innerhalb von fünf Jahren auszugleichen vielmehr den Weg in lukrative mittelständische Märkte und stehen für eine Ausdeh­
und danach keine zusätzliche Verschuldung mehr zu erlauben. Der Deutsche Bun­ nung von Staatstätigkeit zu Lasten kleiner und mittlerer Unternehmen. Die Kommu­
destag soll hierzu einen für ihn selbst und die Bundesregierung verbindlichen Stu­ nen besitzen Wohnungen im Gesamtwert von über 50 Mrd. Euro. Ein Verkauf an die
fenplan beschließen. Mieter ist wo immer möglich anzustreben. Das erhöht die gesellschaftspolitisch ge­
wollte Eigentümerquote und setzt erhebliche Mittel für Zukunftsinvestitionen der Ge­
Die Staatsquote muss mittelfristig auf ein Drittel des Sozialproduktes gesenkt wer­ meinden frei.
den.

Subventionen führen zur Fehlleitung von Ressourcen zu Lasten der Steuerzahler VII. Mittelstand - Jobmaschine Nr.1
und Verbraucher. Zudem fließen sie zu häufig den Großunternehmen zu und
benachteiligen damit den Mittelstand. Unvertretbar sind Dauersubventionen. Sie Der Mittelstand ist der größte Arbeitgeber in Deutschland. Zwei Drittel aller Beschäf­
konservieren Produkte und Produktionsverfahren aus der Vergangenheit und verhin­ tigten arbeiten in mittelständischen Betrieben. Mittelständische Unternehmen erbrin­
dern Innovationsprozesse am Markt. gen weit über 80 % der Ausbildungsleistung. Die Marktnähe und das unmittelbare
Gespür für Markterfordernisse tragen dazu bei, dass der Mittelstand besonders inno­
Die FDP setzt sich deshalb dafür ein, Subventionen nur degressiv und zeitlich auf vativ ist.
fünf Jahre befristet zu gewähren. Eine Neuauflage kommt nur nach erneuter Bestäti­
gung im Parlament in Betracht. Angesichts der hohen Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen zur wirk­
samen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit muss der Mittelstand Bedingungen vorfin­
Die deutsche Steinkohle ist ein nicht wettbewerbsfähiger Energieträger. Die bewuss­ den, die es ihm erlauben, seine Potenziale im Interesse einer freiheitlichen Gesell­
te und dauerhafte Subventionierung ist auch aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht zu schaft und einer funktionsfähigen Sozialen Marktwirtschaft voll zu entfalten.
verantworten. Durch sie werden enorme volkswirtschaftliche und finanzielle Res­
sourcen in einen vergangenheitsorientierten Wirtschaftszweig fehlgeleitet. Diese feh­ In ihrer Steuerreform hat die rot-grüne Bundesregierung die Personengesellschaften,
len für dringend notwendige Zukunftsinvestitionen mit den Schwerpunkten Bildung und damit insbesondere den Mittelstand, drastisch benachteiligt. Im Mittelpunkt einer
und Verkehr. Deshalb fordert die FDP, den für den Zeitraum 2002 bis einschließlich Steuerreform muss deshalb der Übergang zu einem einfachen Stufentarif mit Steu­
2005 vorgesehenen Gesamtsubventionsbetrag seitens des Bundes und der Länder ersätzen von 15 %, 25 % und in der Spitze 35 % stehen. Von Vereinfachungen im
zu halbieren. Seitens des Bundes wird letztmalig für das Jahr 2005 ein Subventions­ Einkommensteuerrecht profitieren insbesondere mittelständische Unternehmen, die
betrag in Höhe von 2 Mrd. EURO gewährt. Nach 2005 erfolgt keine Subventionierung nur selten über Möglichkeiten und Kapazitäten für Steueroptimierungsstrategien ver­
des deutschen Steinkohlebergbaus mehr. Zur Umsetzung der durch die Subventi­ fügen. Deshalb wird im Zuge einer Steuerreform auch ein radikaler Abbau steuerli­
onskürzungen bedingten Personalanpassungsmaßnahmen können betriebsbedingte cher Ausnahmeregelungen sowie die Abschaffung der Gewerbesteuer zu verwirkli­
Kündigungen am Ende nicht mehr ausgeschlossen werden. Die damit verbundene chen sein.
18 19

Die Reform der betrieblichen Mitbestimmung hat mit der Absenkung der Schwellen­ Der Mittelstand leidet besonders stark unter der schlechten Zahlungsmoral der
werte insbesondere die kleinen und mittelständischen Betriebe massiv belastet. Die öffentlichen Hand. Es ist ein Unding, dass der Staat einerseits die
FDP setzt auf betriebliches Miteinander statt funktionärische Fremdbestimmung. Wir Unternehmensgründung fördert, andererseits existierende Unternehmen durch
sprechen uns daher für eine Öffnungsklausel im Betriebsverfassungsgesetz aus, schlechte Zahlungsmoral in die Insolvenz treibt. Die Zahlungsmoral der öffentlichen
damit Betriebe bei Zustimmung der Geschäftsleitung und der Mehrheit der Mitarbei­ Hand ist deutlich zu verbessern.
ter rechtsverbindlich alternative Mitbestimmungsmodelle vereinbaren können.
Die größten Chancen für zusätzliche Arbeitsplätze bestehen im Bereich der wirt­
Bei der Neufassung der Richtlinien zur Unterlegung von Bankkrediten mit Eigenkapi­ schaftsnahen und sozialen Dienstleistungen. Hier liegen besondere Chancen für Exi­
tal ("Basel 11") dürfen die Finanzierungsmöglichkeiten des Mittelstandes insbesondere stenzgründer und kleine und mittlere Unternehmen - sei es im Bereich der Informati­
bei langfristigen Krediten nicht abgeschnitten werden. Grundsätzlich entspricht es onstechnologie, der Freien Berufe, im Bereich Tourismus oder im Sozialbereich.
zwar einem marktwirtschaftlichen Ansatz, wenn der Zinssatz auch das Risiko eines
Kredites widerspiegelt. Bei der Gewichtung des Risikos sind aber neben dem Eigen­ Die FDP will deshalb Marktzutrittsbarrieren auf dem Weg in die Selbstständigkeit ab­
kapital auch die Qualität der Betriebsleitung und der Produkte, die Stabilität des bauen, die Existenz unabhängiger Freiberufler sichern und eine neue Kultur der
Marktes, die Größe des Kredites u. ä. zu berücksichtigen.
Selbstständigkeit in Deutschland fördern. Die von Rot-Grün beschlossenen Regelun­
gen zur sogenannten Scheinselbstständigkeit sollen rückgängig gemacht werden.
Nach der in den letzten Jahren erfolgreich angelaufenen Privatisierung von öffentli­
chem Beteiligungsbesitz muss verstärkt das Augenmerk auf Aufgabenprivatisierun­
gen gelegt werden. Unabdingbar ist deshalb aus Sicht der Liberalen eine Beweis­
VIII. Neue Länder - Wirtschaftsstandort mit Zukunft
lastumkehr bei der Aufgabenwahrnehmung durch die öffentliche Hand. Soll eine Auf­
gabe durch die öffentliche Hand durchgeführt werden, so ist nachzuweisen, dass
Die wirtschaftliche Angleichung zwischen alten und neuen Bundesländern ist eine
andere Aufgabenträger dazu nicht vergleichbar in der Lage sind. Die Privatisierung
wesentliche Voraussetzung dafür, die innere Einheit Deutschlands bald zu vollenden.
öffentlicher Aufgaben ist gleichbedeutend mit der Stärkung mittelständischer Unter­
Die FDP wird eine "Offensive für Zukunftsinvestitionen in den neuen Bundesländern"
nehmen. Die öffentlichen Serviceleistungen werden vielfach durch Private bereits
beginnen, die - unter Beachtung des Primats der Haushaltskonsolidierung - vor al­
angeboten und sind in erster Linie Betätigungsfelder kleiner und mittlerer Unterneh­
lem die Rahmenbedingungen und die Infrastruktur verbessert, die Förderung auf
men.
wirtschaftsnahe Infrastruktur, Investitionen und Innovationspotenziale konzentriert
und die bei der konkreten Wirtschaftsförderung die regionalen Unterschiede beach­
Den Unternehmen in Deutschland werden jährlich ungeheure Bürokratielasten zu­
tet.
gemutet. Die FDP will die Regelungsdichte abbauen und Genehmigungsverfahren
beschleunigen. Dazu gehört auch die Einführung eines "Bürokratiekosten-TÜV". Die
An erster Stelle muss die Verbesserung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedin­
FDP setzt sich dafür ein, dass Gesetze stärker als bisher mit Verfallsdaten versehen
gungen stehen. Die überhöhte Steuerbelastung, das überbordende Niveau der Sozi­
werden. Es ist außerdem erforderlich, zielgerichtet den Mittelstand, insbesondere
alabgaben, die überzogenen Bürokratieanforderungen und häufig noch überdimen­
Klein- und Kleinstunternehmen, von den Pflichtdiensten so weit wie möglich zu be­
sionierten und wenig dienstleistungsorientierten Verwaltungen sowie die Überregulie­
freien. Dies kann z.B. über längere Erhebungsfristen beim Steuereinzug oder groß­
rungen am Arbeitsmarkt und in anderen Bereichen wirken sich auch und gerade in
zügigere Abschneidegrenzen bei der amtlichen Statistik geschehen. Beispiele sind
den neuen Ländern negativ auf die Wirtschaftsentwicklung aus.
hier die Verlängerung der Umsatzsteuervoranmeldung von einem auf drei Monate,
die Abschaffung der Umsatzsteuerjahresmeldung sowie die Entwicklung einer ein­
Infrastruktur bildet den Nährboden für eine prosperierende Wirtschaft. Wirtschaftsför­
heitlichen und behördenübergreifenden Verdienstbescheinigung.
derung muss daher in erster Linie den Aufbau der wirtschaftsnahen Infrastruktur vo­
rantreiben, Investitionen anregen und Innovationspotenziale erschließen. Dabei soll­
Als Ausbilder Nr.1 braucht der Mittelstand eine noch schnellere und flexiblere Anpas­
ten auch in Zukunft innovative Netzwerke stärker unterstützt werden.
sung der Ausbildungsverordnungen. Nach wie vor werden zu wenige Jugendliche in
den Dienstleistungsberufen ausgebildet. Dies hat auch etwas mit nicht vorhandenen
Bei der Vergabe der knappen Fördermittel muss in zunehmendem Maße differenziert
Ausbildungsberufen zu tun. Neue Berufe entstehen aber am Markt und nicht am
werden. Ziel muss es sein, Mitnahmeeffekte und Subventionsmentalität durch eine
Schreibtisch. Deshalb müssen die Ausbildungsordnungen offener werden für zukünf­
Förderung nach dem "Prinzip der Gießkanne" zu vermeiden und regionale Beson­
tige Marktentwicklungen.
derheiten bzw. Stärken zu beachten. In wirtschaftlich besser entwickelten Regionen
sollen branchenspezifische Spezialisierungsmuster unterstützt werden. Im Gefolge
Die Bereitstellung von zusätzlichen Verbundausbildungsplätzen durch mehrere klei­ solcher Cluster entstehen in der Regel regionale Netzwerke von Zulieferern und
ne Unternehmen, die allein nicht zu einer qualifiZierten Berufsausbildung in der Lage Dienstleistern.
wären, sollte durch eine Prämie gefördert werden. Völlig verfehlt ist hingegen die Ein­
führung einer Ausbildungsabgabe.
20 21

Bei der zukünftigen Förderung sollen folgende Schwerpunkte gesetzt werden: Investitionszulage für ostdeutsche Unternehmen sollte nach 2003 noch einmal ver­
längert werden. Die heute noch aus verschiedenen nationalen Quellen gespeiste
Investitionsförderung muss neu organisiert werden. Dabei sollten sämtliche Investiti­
Auf- und Ausbau der Infrastruktur Ostdeutsch lands weiter vorantreiben onshilfen in einer einheitlichen Fördermaßnahme zusammengefasst werden. Die In­
vestitionszulage soll in die Gemeinschaftsaufgabe überführt werden. Gleichzeitig
Die zeitliche Erreichbarkeit der Fernverkehrsinfrastruktur über das nachgeordnete
müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die Antrags- und Vergabepraxis bei
Straßennetz ist in den neuen Bundesländern noch deutlich schlechter als in den al­
der Gemeinschaftsaufgabe zu entbürokratisieren und flexibler zu gestalten.
ten Bundesländern. Auch bei Schienenwegen und Wasserstraßen ist der Ausbau­
standard teilweise geringer, so dass der hier vorhandene Vorteil einer höheren Netz­
dichte wirtschaftlich nicht genutzt werden kann. Die Flächenerschließung bzw. der
Technologie- und Innovationsförderung fortsetzen
Ausbaustandard müssen insbesondere abseits der Magistralen im Verkehrswege­
netz der neuen Bundesländer deutlich verbessert werden. Die FDP wird daher mög­ Keimzellen für neue Arbeitsplätze sind innovative Produkte und Dienstleistungen. Sie
lichst schnell einen neuen langfristig angelegten Bundesverkehrswegeplan vorlegen, sind vor allem das Ergebnis von Forschung und Entwicklung (FuE). Die industrielle
der die Vergleichbarkeit anstehender Verkehrsprojekte auf der Basis aktueller Daten FuE ist daher einer der wichtigsten Ansatzpunkte für zukünftige Fördermaßnahmen
ermöglicht. Es gilt, Qualitätsunterschiede zu verringern, nicht aber bundesweit die in den neuen Bundesländern. Derzeit ist das FuE-Personal im Wirtschaftssektor mit
gleiche Qualität herzustellen, denn auch in den alten Bundesländern gibt es Unter­ 3,9 FuE-Beschäftigten je 1 000 Einwohner in Westdeutsch land mehr als doppelt so
schiede in der Infrastrukturausstattung. Das Niveau der Verkehrsinfrastrukturinvesti­ hoch wie in den neuen Ländern (1,6). Diese Schwäche muss dringend überwunden
tionen muss insgesamt steigen, um den hohen Bedarf in Gesamtdeutschland zu werden, wenn die neuen Bundesländer wirtschaftlich vorankommen wollen. Gute
decken. Dabei können privatwirtschaftliche Lösungen für Verkehrsinfrastruktur ein Ansatzpunkte bieten die mittlerweile entstandene kleinbetriebliche Struktur leistungs­
Modell sein, das auch bundesweit Anwendung finden sollte. Je nach Verkehrssystem fähiger Unternehmen und der Ausbau der industrienahen Forschung an den Hoch­
müssen die Schwerpunkte für Investitionen unterschiedlich gesetzt werden: schulen und Forschungsinstituten. Um sie in ihrer standortprägenden, modernisie­
• Bei Bundesfernstraßen müssen einige Abschnitte der Bundesautobahnen renden Rolle jedoch zu unterstützen, bedürfen sie in besonderem Maße der Einbin­
noch modernisiert und Lücken im Netz geschlossen werden (Ostseeauto­ dung in nationale und internationale Innovationssysteme und der Ergänzung durch
bahn A 20, Bundesstraßen einschließlich Ortsumgehungen). die Ansiedlung leistungsstarker Unternehmen. Denn in der ostdeutschen Industrie
• Bei den Schienenwegen müssen die Anteile der Strecken erhöht werden, fehlt nach wie vor ein gesunder Mix an großen, mittleren und kleinen Unternehmen,
die elektrifiziert, mehrgleisig ausgebaut und für höhere Geschwindigkeiten die ein dichtes Netzwerk von Innovationsaktivitäten zusammen mit Hochschulen und
zugelassen sind. Forschungseinrichtungen bilden. Das Kernproblem der neuen Bundesländer ist, dass
• In der Schifffahrt müssen Maßnahmen gegen den niedrigen Wasserstand es an ausreichenden FuE-Kapazitäten großer Unternehmen fehlt. Wir wollen über
auf den Bundeswasserstraßen ergriffen werden. Nationale Lückenschlüsse eine steuerliche Forschungsförderung vorhandene Potentiale stärken, Investitionen
(Verkehrsprojekt 17) und grenzüberschreitende Projekte müssen be­ in FuE anregen und vor allem FuE-Kapazitäten auswärtiger Investoren in den neuen
schleunigt werden. Außerdem muss der Ausbau der seewärtigen Hafenzu­ Bundesländern ansiedeln. Bereits heute gibt es zahlreiche Innovationsinseln in Ost­
fahrten fortgesetzt werden. deutschland, die sich durch wettbewerbsfähige Strukturen auszeichnen. Diese Re­
gionen und ihre Vernetzung untereinander sollten in besonderer Weise bei der zu­
künftigen FuE-Förderung berücksichtigt werden.
Investitionsförderung auf hohem Niveau fortführen, mittelfristig neu organisie­
ren
Förderung des überregionalen Absatzes ostdeutscher Produkte und Dienstlei­
Eine Verbreiterung und Vertiefung der industriellen Basis in den neuen Bundeslän­
stungen
dern ist vorrangig, um die Wirtschaft in Ostdeutschland wieder auf einen höheren
Wachstumspfad zu heben. Die Förderung des weiteren Aufbaus des Kapitalstocks in Die Steigerung und Verstetigung des überregionalen Absatzes ostdeutscher Produk­
den Unternehmen in Ostdeutschland muss daher für absehbare Zeit auf hohem Ni­ te und Dienstleistungen müssen vorrangiges Ziel der zukünftigen Förderung sein.
veau fortgesetzt werden. Die regionale Förderung Ostdeutschlands im Rahmen der Die gesamtdeutschen Absatzfördermaßnahmen müssen durch die speziellen Hilfe­
Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GA) stellungen für ostdeutsche Unternehmen, wie z.B. das Vermarktungshilfeprogramm
sollte in Zukunft auf Basis bundesweit einheitlicher Kriterien erfolgen. Bei entspre­ neue Bundesländer, weiterhin flankiert werden. Hilfreich sind dabei besonders die
chender Ausgestaltung dieser Kriterien könnten die spezifischen Probleme Ost­ Ansätze zur Unterstützung von internationaler Vermarktung (Kontaktanbahnung, Er­
deutschlands ausreichende Berücksichtigung finden. Für eine einheitliche Regional­ stellung von Marketingplänen) sowie Lieferantenforen und internationale Kontaktbör­
förderung in Deutschland spricht die Tatsache, dass Ostdeutschland bereits heute sen. Darüber hinaus sollten ostdeutsche Unternehmen im Rahmen der Hermes­
hinsichtlich der Wirtschaftskraft große regionale Unterschiede aufweist. Die Regio­ Förderung in besonderer Weise berücksichtigt werden. Mangelnde internationale
nalförderung muss in besonderer Weise dafür Sorge tragen, dass Abstrahleffekte Vermarktung ist häufig auch ein Personalproblem. Hier kann die aktive Arbeitsmarkt­
sogenannter Wachstumspole in Ostdeutschland durch eine verbesserte Infrastruktur politik in sinnvoller Weise ansetzen, um entsprechende Kompetenzen zu vermitteln.
für strukturell schwächere Regionen wirksam werden können. Das Instrument der
22 23

Unternehmensfinanzierung in Ostdeutschland erleichtern Die FDP wird das bestehende Mietrecht entbürokratisieren und ändern, um die
Rechte der Vermieter wieder mit den Rechten der Mieter in Einklang zu bringen. Die
Ausreichende Finanzierung zu akzeptablen Konditionen ist gerade für die Unterneh­ sogenannte "zweite Miete" belastet Mieter und Vermieter. Die FDP fordert die Sen­
men in den neuen Bundesländern oftmals ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Sie kung öffentlicher Abgaben und Kostentransparenz. Wohngeld und Belegungsrechte
haben in der Regel keinen Zugang zum Kapitalmarkt. Sie brauchen eine Hausbank, sind die marktwirtschaftlichen Steuerungsinstrumente zur Wohnraumversorgung ein­
die ihnen den nötigen finanziellen Spielraum gibt und auch hinter ihnen steht, wenn kommensschwächerer Mitbürgerinnen und Mitbürger. Die Belegungsrechte müssen
die wirtschaftliche Entwicklung einmal nicht optimal verläuft. Eine gute Bonität erfor­ für private Vermieter insgesamt wirksamer gestaltet werden. Der klassische soziale
dert eine solide Eigenkapitaldecke, die in der ostdeutschen mittelständischen Wirt­ Wohnungsbau, ein Relikt der 50er Jahre, ist viel zu teuer, zu ineffizient und nicht
schaft jedoch oft bedrohlich gering ist. Die FDP wird gemeinsam mit der Kreditwirt­ zielgenau. Er hat deshalb ausgedient. Die dafür bereitgestellten Finanzmittel sollten
schaft nach Wegen suchen, unter wettbewerblichen Rahmenbedingungen die Kredit­ als Länderaufgabe dem Wohngeld zugeordnet werden.
risiken mit den besonderen Finanzierungserfordernissen des Mittelstands in den neu­
en Bundesländern in Einklang zu bringen. Dabei sind Angebote der öffentlichen För­ Die FDP spricht sich eindeutig gegen eine Erhöhung der Erbschaftsteuer aus und
derbanken erforderlich, die es der Kreditwirtschaft erlauben, auch künftig einen "ge­ trägt eine Reform der Grundsteuer, die zu Steuererhöhungen führt, nicht mit.
sunden Mix" aus öffentlichen Fördermitteln und eigenen Finanzprodukten effizient und
kostengünstig bereitzustellen. Nach der nunmehr erfolgten Fusion der Deutschen Für private Investoren müssen auch finanzielle Anreize geschaffen werden, alten­
Ausgleichsbank (DtA) mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) muss die DtA und behindertengerechte Wohnungen zu bauen oder aus dem Bestand zu entwik­
rasch zu der Mittelstandsbank des Bundes werden. Die für eine bisher verzögerte kein. Damit können ältere Mitbürger und Menschen mit Behinderungen sich freier
Umsetzung des Fusionsbeschlusses verantwortlichen Meinungsverschiedenheiten entscheiden, wie und wo sie wohnen möchten. Kostensparendes, flächensparendes
zwischen Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium müssen schleunigst be­ und umweltfreundliches Bauen sind liberale Leitlinien. Unsinnige bauphysikalische
seitigt werden. Die von den Ländern getragenen Förderinstitute müssen enger mit der Vorschriften beim energiesparenden Bauen lehnt die FDP ab.
DtA kooperieren und ihre Produkte besser miteinander verzahnen.

X. Der Landwirt muss wieder zum Unternehmer werden


Aktive Arbeitsmarktpolitik mittelfristig zurückführen
Die Agrarpolitik muss sich zukünftig an den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft
Eine dauerhafte Lösung für die Arbeitsmarktprobleme Ostdeutschlands kann nicht orientieren. Die FDP rückt den unternehmerischen Landwirt in den Mittelpunkt. Die
über den zweiten Arbeitsmarkt geschaffen werden, sondern nur, wenn dauerhaft unerträgliche Agrar-Bürokratie muss radikal zurückgeschnitten werden. Quoten und
mehr Beschäftigung rentabel wird. Für eine Übergangszeit können ABM weiter not­ Marktregulierungen müssen durch marktwirtschaftliche Elemente ersetzt werden.
wendig sein. Dabei spricht sich die FDP allerdings eindeutig gegen den Wegfall des Deshalb sollen die Landwirte zukünftig für ihre Leistungen zur Pflege und Erhaltung
Zusätzlichkeitskriteriums im JOB-AQTIV-Gesetz aus. Bisher konnten ABM-Kräfte nur unserer Kulturlandschaft eine produktunabhängige Kulturlandschaftsprämie erhalten.
für zusätzliche Arbeiten eingesetzt werden. Nun können herkömmliche Arbeiten Im Gegenzug entfallen schrittweise die bisherigen Quoten und Marktordnungen.
durch ABM-Stellen durchgeführt werden. Diese unfaire Konkurrenz für mittelständi­
sche Unternehmen und Existenzgründer durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Ein solcher Ausstieg kann nicht von heute auf morgen erfolgen. Unternehmerische
Beschäftigungsgesellschaften ist auszuschließen. Landwirte brauchen Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen. Na­
tionale Sonderwege - wie sie in vielen Bereichen von Rot-Grün beschritten wurden ­
sind abzulehnen. Sie verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen
IX. Wohneigentum für Alle Landwirtschaft und isolieren Deutschland innerhalb der EU. Vor dem Hintergrund von
Krisen muss der vorsorgende Gesundheits- und Verbraucherschutz gestärkt und
Die Bau- und Wohnungswirtschaft befindet sich in einer tiefen Krise. Aus dieser Tal­ durch privatrechtliche Elemente ergänzt werden.
sohle führt nur eine marktwirtschaftliche Wirtschaftspolitik, die die Steuer- und Abga­
benbelastung der Bürger und Unternehmen zurückführt, die weniger reguliert und Die rot-grüne Bundesregierung setzt mit der so genannten Agrarwende die falschen
mehr Freiräume schafft. Bürokratische Regelungen wie die Bauabzugssteuer und Rahmenbedingungen für den Verbraucherschutz und die heimische Land-, Forst­
das Tariftreuegesetz lehnt die FDP entschieden ab. und Ernährungswirtschaft. Die Verbraucher- sind durch nationale Alleingänge beim
Verbraucherschutz in einem offenen Binnenmarkt nicht wirklich zu schützen. Die ein­
Es ist der Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger, Wohneigentum zu erwerben. Die seitige und überproportionale Förderung des ökologischen Landbaus ist ohne die
Wohneigentumsquote in Deutschland ist jedoch zu niedrig. Die FDP hält deshalb an entsprechende Verbrauchernachfrage kontraproduktiv. Qualitative, auch geschmack­
der Wohneigentumsförderung fest. Wohneigentum schafft Freiheit, Unabhängigkeit liche, Unterschiede zwischen Produkten aus konventionellem und ökologischem
und Sicherheit gerade auch im Alter. Deshalb muss Wohneigentum gleichberechtigt Landbau sind wissenschaftlich nicht belegbar. Es besteht die Gefahr, funktionierende
neben anderen Anlagemöglichkeiten in die Förderung der privaten Altersvorsorge Märkte durch eine unangemessene staatliche Förderung zu zerstören und die Ein­
einbezogen werden. kommensbasis der ökologisch wirtschaftenden Betriebe zu gefährden.
24 25

Die FDP fordert ein europäisches Pflanzenschutzamt, das Standards für Rückstände Dringend überprüft werden muss die Frage der Versicherungspflicht bei der landwirt­
und ZUlassungen EU-weit regelt und in das entsprechende nationale Zuständigkeiten schaftlichen Alterssicherung für Nebenerwerbsbäuerinnen. Hier muss die Beitrags­
und Aufgaben übergehen. last auf ein tragbares Maß festgesetzt werden.

Die so genannte Agrarwende und deren "Herzstücke", das Ökosiegel und die Modu­
lation, führen in die Sackgasse. Das Ökosiegel für Produkte des ökologischen Land­ XI. Liberales Verständnis vom mündigen Verbraucher
bau stellt im Gegensatz zu dem von der Wirtschaft entwickelten "QS-Siegel" für kon­
ventionell hergestellte Nahrungsmittel keine ausreichende Kontrolle sicher. Die vor­ Ein wirksamer Verbraucherschutz hat gute Chancen in einer marktwirtschaftlichen
gesehene Umsetzung der Modulation, also die Kürzung der EU-Prämien, bläht die Ordnung, die strikte Regeln setzt und ihre Einhaltung kontrolliert. Staatliche Dirigis­
Agrar-Bürokratie weiter auf und bedingt durch den vorgeschriebenen Freibetrag men, die vom Misstrauen gegenüber dem Markt, den Produzenten und Verbrauchern
agrar- und strukturpolitische Verzerrungen. Da ein marktwirtschaftlicher Rahmen der gekennzeichnet sind, sind keine Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft. Die
beste Verbraucherschutz ist, müssen freiwillige betriebliche Eigenkontrollen, Quali­ FDP will Markttransparenz durch Information, damit der Verbraucher eine Grundlage
tätsmanagement, Ökoaudit und Zertifizierung durch unabhängige Dritte sowie eine für seine Entscheidungen erhält: Nach liberalem Verständnis muss schon bei der
konsequente Produkthaftung die staatliche Aufsicht ergänzen. Vorbereitung von Gesetzestexten in den zuständigen Ministerien und innerhalb der
parlamentarischen Beratung ein "Gesetzes -TÜV" greifen. Dieser beinhaltet die Prü­
Die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes ist rückgängig zu machen. Aus eigen­ fung von Gesetzestexten auf ihre Verbrauchertauglichkeit (Kosten, Bürokratie- und
tums-, naturschutz- und agrarpolitischen Gründen ist die bisherige Ausgleichsrege­ Verwaltungsaufwand, AI/gemeinverständlichkeit). Verbraucherpolitik ist Quer­
lung wieder einzuführen, dem Vertragsnaturschutz eindeutigen Vorrang einzuräumen schnittsaufgabe auf allen politischen Ebenen. Klare Entscheidungen und Kompe­
und die gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft wieder ausschließlich in den maß­ tenzzuweisungen sind notwendig. Dazu gehört ein abgestimmtes Vorgehen auf EU-,
geblichen Fachgesetzen zu regeln. Bundes- sowie Landes- und Kommunalebene. Die Sicherung der unabhängigen Ar­
beit der Stiftung Warentest durch einmalige Bereitstellung eines Stiftungskapitals hat
Der Einsatz von Antibiotika und vergleichbarer Mittel in der Tiermast ist zu verbieten. für die FDP oberste Priorität.
Die rot-grüne Bundesregierung hat die steuerlichen Belastungen in unverantwortli­
cher Art und Weise für die Agrarwirtschaft erhöht: Das reicht von der Einführung ei­ XII. Ökologische Marktwirtschaft
nes deutlich erhöhten Steuersatzes für Agrardiesel, der Ökosteuer bis hin zur Erhö­
hung der Umsatzsteuer für Tierarzneifütterungsmittel zur Finanzierung der so ge­
nannten Agrarwende. Schließlich stellt die Einführung eines Steuersatzes für Agrar­ Die FDP ist die Partei der ökologischen Modernisierung in deren Mittelpunkt der
diesel von 25 cts/I eine immense Steuererhöhung und Benachteiligung gegenüber Mensch steht. Liberales Leitbild ist dabei eine nachhaltige zukunftsverträgliche Ent­
den Hauptwettbewerbern in Europa dar. Diese Steuererhöhungen von mehr als 500 wicklung, die ökologische Belastungen weiter reduziert und die Ressourcenprodukti­
Millionen Euro müssen zurückgenommen werden. vität erhöht. Das liberale Leitbild beinhaltet darüber hinaus qualitative Ziele, die äs­
thetische und kulturelle Belange berücksichtigen, ein gesundes Umfeld schaffen und
Eine unternehmerische Landwirtschaft ist auf die Nutzung des technischen Fort­ somit dem Wohlbefinden der Menschen dienen. Für effizienten Umweltschutz sind
schritts angewiesen. Daher ist es unverantwortlich, die Potentiale der Grünen Gen­ moderne marktwirtschaftliche Mechanismen zielführend und nicht bürokratisch­
technik in der Landwirtschaft aus ideologischen Gründen in Deutschland und Europa dirigistische Verfahren. Die FDP setzt vorrangig auf die Eigenverantwortung von
zu blockieren. Bürgern und Wirtschaft statt auf staatliche Verordnungen. Soziale Marktwirtschaft ist
ökologisch.
Auf Grund des anhaltenden und sich verstärkenden Strukturwandels wächst der An­
teil der Sozialausgaben des Agrarhaushaltes stetig. Diese steigenden Kosten der
sozialen Sicherungssysteme in der Landwirtschaft belasten den Etat und die land­ Nachhaltigkeit
wirtschaftlichen Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe gleichermaßen. Um einem weite­
ren Anstieg der Belastungen in der Landwirtschaft entgegen zu wirken, aber auch um Die FDP versteht Nachhaltigkeit als ein Prinzip der Gerechtigkeit zwischen den Ge­
langfristig den Sozialhaushalt zu entlasten, sind Reformen dringend nötig. nerationen. Es geht darum, die Lebensqualität und den sozialen Zusammenhalt
nachfolgender Generationen zu sichern. Die-s erfordert eine sachgerechte Verknüp­
In der kommenden Legislaturperiode ist ein kapital gedecktes System in der landwirt­ fung ökologischer, ökonomischer und sozialer Erfordernisse. Nachfolgende Genera­
schaftlichen Unfallversicherung auf den Weg zu bringen. Mit diesem Umstieg zu ei­ tionen sol/en die gleichen Chancen zur wirtschaftlichen Entfaltung haben wie die
ner privat organisierten landwirtschaftlichen Unfallversicherung kann langfristig ganz heute lebenden Generationen. Jede Generation ist verpflichtet, die Freiheitschancen
auf staatliche Zuschüsse verzichtet werden. Kurzfristig sind höhere Mittel zur Kapi­ Nachgeborener zu bewahren und nicht durch Verbindlichkeiten und Verschwendung
taldeckung erforderlich. dieses Erbes zu riskieren. Dabei geht es nicht allein um die Menge und Qualität na­
türlicher Ressourcen. Zum Erbe gehören auch wirtschaftliche, soziale und kulturelle
Errungenschaften. Die Nutzung des marktlichen Preismechanismus gewährleistet,
dass wirtschaftliche Dynamik und technischer Fortschritt Potenziale zur Kostensen­
26 27

kung aufdecken und auch Chancen für neue Arbeitsplätze entstehen. Umweltpoliti­ technologien Vorrang haben, die - ob erneuerbar oder nicht - die höchsten Effi­
sche Ziele sollen dabei stets mit größtmöglicher Effizienz realisiert werden, so dass zienzsteigerungen bei Energiegewinnung und Klimaschutz versprechen.
mit gegebenen Mitteln ein möglichst großer Umweltnutzen erreicht wird.

Abfallwirtschaft
Energie sinnvoll nutzen
Wie bei Telekommunikation und Energieversorgung muss zum Wohle der Bürgerin­
Ziel liberaler Energiepolitik ist eine nachhaltig zukunftsfähige und effiziente Energie­ nen und Bürger auch bei der Abfallentsorgung der Weg zu einer weiteren liberalisie­
versorgung. Eine konsequente Verringerung der Treibhausgasemissionen ist im In­ rung beschritten werden. Umfang und Intensität der abfallpolitischen Regulierung
teresse des Erdklimas geboten. Liberale Energiepolitik orientiert sich am Leitbild der sollen auf das umweltpolitisch gebotene Ausmaß reduziert werden. Die FDP will die
Nachhaltigkeit. Unsere Aufgabe ist es daher, die gleichrangige Verwirklichung von Abfallwirtschaft vollständig in privatwirtschaftliche, wettbewerbliche Strukturen über­
Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit sowie Umwelt- und Sozialverträglichkeit führen. Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz soll mit dem Ziel der Aufhebung
durchzusetzen. Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit bei der Energieversor­ landesrechtlicher Andienungs- und Überlassungspflichten geändert werden, um be­
gung bedeuten, dass der Anteil einzelner Träger an der Gesamtenergieversorgung stehende Monopole und monopolähnliche Strukturen aufzuheben und so die Vor­
die tatsächlichen Kosten der Energieumwandlung berücksichtigen muss. Auch bei aussetzung für eine wettbewerbsgerechte und mittelstandsfreundliche Neugestaltung
der Energieversorgung muss jede Form von Ressourcenverschwendung vermieden der Verträge zu schaffen. Außerdem müssen bei der seit langem angekündigten No­
werden. Es gilt also, einen optimalen Energiemix unter geringst möglichen Kosten vellierung der Verpackungsverordnung stärker als bisher faire Wettbewerbsbedin­
bereitzustellen. Effiziente Energieversorgung bedeutet demnach grundsätzlich nichts gungen für konkurrierende Systeme gewährleistet werden. Die FDP tritt dabei auch
anderes als eine wirtschaftliche Energieversorgung, die zugleich umweltverträglich für eine Flexibilisierung der Mehrwegquote ein. Die grundsätzliche ökologische Über­
ist. Dies betrifft besonders den Klimaschutz. Aus Klimaschutzgründen ist der Ab­ legenheit von Mehrwegverpackungen ist wissenschaftlich widerlegt. Nicht mehr an­
schied von der Kernenergie der falsche Weg. Auch über die Betriebszeit der heuti­ gemessen sind damit auch die alten Instrumente zur Durchsetzung der Mehrwegquo­
gen Kernkraftwerke hinaus brauchen wir diese Option der Stromerzeugung. Zu den te. Das Zwangspfand ist ökologisch kontraproduktiv, technisch unzeitgemäß und
förderungswürdigen neuen umweltfreundlichen Technologien gehört auch die Kern­ wirtschaftlich unvertretbar.
fusion. Mit einem umfassenden Emissionshandel werden externe Kosten der Ener­
giebereitstellung elegant bei der Preisbildung berücksichtigt und Innovationen ange­
stoßen. Liberale Energiepolitik setzt weiterhin auf Energieeinsparung, auf eine Erhö­ Tier-, Natur- und Artenschutz
hung der Energieeffizienz sowie auf eine Förderung erneuerbarer Energien. Die wirt­
schaftlich unvertretbaren und auf Dauer angelegten Subventionen nach dem "Gesetz Für den Naturschutz fordert die FDP mehr Kooperation mit Eigentümern und den
zur Förderung Erneuerbarer Energien" sind dazu jedoch der falsche Weg. Deshalb Betroffenen durch freiwillige Maßnahmen und einen Ausbau des Vertragsnaturschut­
fordert die FDP die Abschaffung dieses Gesetzes und seine Ersetzung durch eine zes. Die FDP lehnt dagegen die in der rot-grünen Naturschutznovelle vorgesehenen
marktwirtschaftliche Lösung. Die Frage, welche konkrete Energieform im Kreise aller Nutzungseinschränkungen ab, weil sie ökologisch sinnlos sind und die naturschutz­
möglichen erneuerbaren Energien wirtschaftlich genutzt und in das Stromnetz einge­ relevanten Wirtschaftsbereiche unnötig belasten. Um ökologische Ziele im Natur­
speist wird, soll nach Auffassung der FDP nicht von Staats wegen entschieden wer­ schutz zu erreichen, setzt die FDP andere Akzente. Lebensqualität und sozialer Zu­
den. Für den technischen Fortschritt bei der Nutzung erneuerbarer Energien wurde sammenhalt können auch auf nationaler Ebene nur gewährleistet werden, wenn die
unter Regierungsverantwortung der FDP viel erreicht. An die Erfolge gilt es anzu­ Menschen im Mittelpunkt der Umweltpolitik stehen. Menschen, die sich in ihrer Hei­
knüpfen. Die FDP will die Forschungsförderung im Bereich der sogenannten erneu­ mat wohlfühlen, leisten freiwillig mehr für Natur und Umwelt als grüne Öko-Bürokratie
erbaren Energien verbessern, indem die Mittelvergabe künftig durch Ausschrei­ und staatliche Verbotspolitik. Deshalb setzt die FDP auf persönliche Verantwortung
bungswettbewerbe und damit sowohl wirtschaftlich als auch transparent erfolgt: Der­ und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Mit öffentlichen Geldern finanzierte Maß­
jenige kommt zum Zug, der das günstigste Angebot vorlegt. Diese Förderung wird nahmen können privaten Eigentümern Vorbilder sein. Nur Menschen, die die Natur
ergänzt, indem ein marktlich organisiertes Handelsmodell eingerichtet wird, um aus­ kennen und mit ihr vertraut sind, haben aus eigenem Erleben eine positive Bezie­
gereifteren Techniken eine eigenständige Marktteilnahme zu ermöglichen. Eine staat­ hung zur Natur und schützen sie besser, als unkontrollierbare Verordnungen dies je
liche Vorgabe bestimmter Techniken und die Garantie überhöhter Preise, die vor al­ erreichen können. Daher muss eine Naturschutzpolitik langfristig scheitern, die den
lem im Bereich der Windenergienutzung zu erheblichen Fehlentwicklungen geführt Menschen aussperrt. Menschen sollen nicht als Störenfriede aus der Natur ver­
hat, lehnt die FDP ab. Um die Akzeptanz erneuerbarer Energien nicht zu gefährden, drängt, sondern, wo dies geboten ist, mit den Argumenten des Natur- und Arten­
darf ihr Einsatz nicht gegen den Willen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort erfolgen. schutzes um Rücksichtnahme gebeten werden. Die Naturnutzer - dazu gehören
Dazu gilt es die kommunale Planungshoheit in diesem Bereich zu stärken und die auch Segler und andere Sportler, Jäger und Wanderer - haben Freude an ihren Re­
Privilegierung von Windkraftanlagen im Baugesetzbuch entsprechend zu novellieren. vieren. So sind beispielsweise die Sportfischer als Naturnutzer auch engagierte Na­
turschützer. Nicht Naturschutz und Umweltpolitik gegen die Menschen, sondern mit
Generell gilt, dass bei der Ausrichtung der Förderschwerpunkte in der Energiepolitik ihnen und für sie ist das Konzept der FDP.
sowie der Bemessung der bereitzustellenden Fördermittel die Energiegewinnungs­
28 29

Die FDP hält an der Einführung des Staatszieles Tierschutz fest, da es eine effektive Politik tür ein innovatives Deutschland
Möglichkeit ist, eine sinnvolle Abwägung zwischen den Belangen des Tierschutzes
und etwa der Forschungs- und Religionsfreiheit zu erreichen. Bildung ist das am meisten vernachlässigte Feld der deutschen Politik. Diesen Miss­
stand kann nur eine entschiedene Wende hin zur Freiheit für das Bildungswesen­
überwinden.

Bildung ist Bürgerrecht. Erziehung, Bildung und Ausbildung junger Menschen zählen
zu den vorrangigen Aufgaben der Gesellschaft. Nur engagierte, gut ausgebildete und
kreative Menschen werden angesichts des rasanten gesellschaftlichen, sozialen und
vor allem technischen Wandels die Herausforderungen der Zukunft beWältigen. In
unserem rohstoffarmen Land ist Bildung der entscheidende Standortfaktor für nach­
haltigen Wohlstand aller. Bildung schafft damit die materielle Grundlage unseres mo­
dernen Sozialstaates.

Gleichrangig mit der Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten muss unser Bildungs­
system Werte und Normen unserer Gesellschaft und Kultur den jungen Menschen
nahe bringen. Bildung und Ausbildung sollen zu Unabhängigkeit und Selbstbewusst­
sein erziehen und die Bereitschaft fördern, Verantwortung für sich und andere zu
übernehmen.

Bildung muss auf die Lebenswirklichkeit der Menschen eingehen und alle Dimensio­
nen menschlicher Fähigkeiten, von den emotionalen und willensmäßigen über die
ästhetischen bis zu sozialen und handlungsbezogenen Aspekten des Daseins erfas­
sen. Bildung muss eine souveräne Orientierung in der Welt vermitteln.

Ein solides Grundwissen in Verbindung mit fachlichem Können und sozialer Kompe­
tenz ermöglicht es den Menschen, Leistungen zu erbringen, neue Herausforderun­
gen zu bewältigen und gesellschaftliche Prozesse mitzugestalten statt sie nur nach­
zuvollziehen.

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands hängt im Wesentlichen davon


ab, wie gut die Menschen für den Beruf ausgebildet sind und wie sie sich im und ne­
ben dem Beruf weiterbilden können. Das für die berufliche Praxis nötige Spezialwis­
sen wandelt sich immer schneller und erfordert eine ständige Überprüfung und Er­
neuerung des einmal Gelernten. Der beruflichen Bildung und Weiterbildung kommt
angesichts dessen eine besondere Bedeutung zu.

Unser Bildungssystem muss sich ständig selbst überprüfen

Nur mit großer Vielfalt unterschiedlichster Bildungsangebote und Organisationsfor­


men kann die Gesellschaft heutigen und künftigen Anforderungen gerecht werden.
Darum wollen wir eine Neuverteilung der Verantwortung im Bildungsbereich: Für eine
Stärkung der Eigenverantwortung der Bildungseinrichtungen, für Wettbewerb um die
besseren Konzepte und damit auch um die Bildungsteilnehmer selbst. Bildungsein­
richtungen in freier Trägerschaft erweitern und bereichern das staatliche Bildungsan­
gebot. Sie zeigen schon heute, dass pädagogische Vielfalt im Wettbewerb zu guten
Ergebnissen führt. Aber auch sie werden künftig mehr gefordert sein, wenn staatliche
Schulen im Wettbewerb mehr Bewegungsfreiheit erhalten. Bildungseinrichtungen in
freier Trägerschaft, die staatlich anerkannte Abschlüsse anbieten, müssen daher
30 31

dieselbe Förderung erhalten, wie die entsprechenden staatlichen Einrichtungen. Pri­ Die Bildung unserer Kinder muss so früh wie möglich anfangen, denn Bildungsdefizi­
vate Träger erhalten künftig die gleichen Pro-Kopf-Beträge wie die staatlichen. te in den ersten fünf Jahren können von der Schule nicht mehr aufgeholt werden.
Deshalb muss ein bildungspolitischer Schwerpunkt auf Kindertagesstätten und Kin­
Die FDP wird den Anteil der Bildungsausgaben erhöhen und gibt Investitionen in Bil­ dergärten gelegt werden. Hierzu ist eine verstärkte finanzielle Förderung und eine
dung und Forschung Vorrang in den öffentlichen Haushalten. Verbesserung der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern nötig. Damit die vor­
schulische Ausbildung professionell betrieben werden kann, benötigen wir pädagogi­
Die FDP wird dafür eintreten, dass die Kultusministerkonferenz abgeschafft wird. Das sche Profis.
überregUlierte Bildungswesen braucht Raum, um neue Konzepte erproben zu kön­
nen. Die PISA-Ergebnisse zeigen, dass wir im Interesse unserer Kinder handeln Eine bessere Ausstattung mit Kinderbetreuungsplätzen ist eine wichtige Aufgabe, der
müssen. Die Kultusminsterkonferenz zerredet notwendige Reformen. Die FDP for­ sich die Politik zwingend stellen muss. Insbesondere das Betreuungsangebot für
dert unabhängige Qualitätssicherungsagenturen, die als Stiftung oder GmbH geführt Kinder unter drei Jahren und für Grundschulkinder ist zu erweitern. Die Förderung
werden. Die Agenturen überprüfen und zertifizieren die Qualität von Schulleistungen, von Kindern in den Tageseinrichtungen und der Tagespflege erfüllt eine gesellschaft­
zunächst in den Kernbereichen Mathematik, einer Naturwissenschaft, deutsche liche Funktion. Kindertageseinrichtungen sind auch als frühzeitige Vorbereitung auf
Sprache und erste Fremdsprache. Der Weg, die gesteckten Ziele zu erreichen, bleibt den Schulbesuch ein elementarer Bestandteil des Bildungssystems und gerade in
den einzelnen Schulen selbst überlassen. Einzelne Schulen, auch Schulen in freier unserer sich wandelnden Informationsgesellschaft wichtig. Die FDP setzt sich für die
Trägerschaft, sowie Länder können sich dem Zertifizierungsverfahren anschließen. Verbesserung der Kinderbetreuung durch mehr Markt und Wettbewerb ein.
Nach einer Erprobungsphase auf freiwilliger Basis ist eine flächendeckende Teil­
nahme aller Schulen anzustreben. Wir wollen keine Vereinheitlichung, sondern krea­ Darüber hinaus fordert die FDP ein breiteres Angebot an integrativen Kindergärten
tive Vielfalt im Bildungswesen und deshalb einen Wettbewerb der Bundesländer um für deutsche und ausländische Kinder. Auch muss die Förderung deutscher Sprach­
die beste Bildungspolitik. Dabei werden die Liberalen in jedem Bundesland dafür kenntnisse, bei deutschen genauso wie bei ausländischen Kindern, integraler Be­
eintreten, den Schulen schrittweise mehr pädagogische Freiheit und umfassende standteil der Vorschulerziehung werden. Insgesamt muss der Bildungsauftrag des
Selbstverwaltungsrechte zu gewähren. Dies sind die wichtigsten Voraussetzungen Kindergartens aufgewertet werden. Dazu gehört auch eine neue Balance von Ler­
für einen qualitätssteigernden pädagogischen Wettbewerb. nen, Spielen und Bewegen. Die Vermittlung von für das schulische Lernen grundle­
genden Fähigkeiten sollte nach skandinavischem Vorbild durch ein Rahmencurricu­
Darüber hinaus darf Bildung in einer sich ständig und teilweise sprunghaft wandeln­ lum, das einrichtungsspezifisch umzusetzen ist, verbindlichen Charakter erhalten.
den Welt nicht als eine einmalige Angelegenheit verstanden werden. Bei mittlerweile
fast dreißigtausend Weiterbildungsträgern, 20 Mio. Teilnehmern und einem Kosten­ Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz muss von den Bundesländern um­
volumen von 52 Mrd. Euro pro Jahr müssen Rahmenbedingungen für mehr Effizienz gesetzt werden, damit er von den Eltern als Vertreter ihrer anspruchsberechtigten
und Transparenz geschaffen werden. Dazu sollte eine Stiftung Bildungstest, ähnlich Kinder wirklich in Anspruch genommen werden kann. Gemeinsam mit den Kommu­
der Stiftung Warentest, eingerichtet werden. Die Bildungsträger müssen verpflichtet nen ist zusätzlich für ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsbetreuung für Kinder
werden, Systeme freiwilliger Zertifizierung zu schaffen. Für Teilnehmer an Weiterbil­ verschiedener Altersstufen zu sorgen. Ein Sparpotenzial besteht in diesem Zusam­
dung ist ein Bildungspass zu schaffen, der ihre Bildungs- und Weiterbildungsschritte menhang in der Beseitigung bürokratischer Hemmnisse, der Verschlankung kosten­
auf freiwilliger Basis in standardisierter Form dokumentiert. treibender Bauvorschriften für Kindergärten und in dem Verzicht auf überholte und
überzogene Regulierungen, z.B. bei der räumlichen Ausstattung. Ziel der Liberalen
In den Schulen muss die Qualifikation von Lehrern in der unterrichtsfreien Zeit eben­ ist die Schaffung eines neuen Freiraumes für Kommunen und die einzelnen Einrich­
so selbstverständliche Pflicht werden wie in den Hochschulen. Die wissenschaftliche tungen, um nach konkreten Erfordernissen vor Ort zu entscheiden. Denn Kommunen
Weiterbildung muss für die Professoren der Hochschulen bundesweit dritte Pflicht­ und andere Träger von Betreuungseinrichtungen sind selbstständig in der Lage, ge­
aufgabe neben Lehre und Forschung werden. meinsam mit den Eltern die erforderlichen Standards sowie die Prioritätensetzung zu
definieren.
Die FDP fordert die Erstellung eines nationalen Bildungsberichtes. In diesem Bericht
sind einmal pro Legislaturperiode die Daten zum gesamten Bildungssystem vom Um ein flexibleres und am Bedarf orientiertes Angebot zu schaffen, fordert die FDP
Kindergarten bis zur Weiterbildung von Bund und Ländern zu erheben und dem die Einführung des sogenannten Kita-Gutschein-Modells. Mit dem Kita-Gutschein
Bundestag vorzulegen. wird der Anspruch der Eltern auf eine Kinderbetreuung bestätigt, ohne dass damit die
Zuweisung eines konkreten Platzes verbunden ist. Mit dem Kita-Gutschein treten die
Eltern auf dem Markt der Anbieter als Nachfrager auf und suchen sich die von ihnen
I. Bildung ist eine Hauptaufgabe der Gesellschaft - und der Familie gewünschte Leistung aus. Die Qualität des Betreuungsangebotes soll die Nachfrage
bestimmen - nicht bloß die Nähe der Wohnung. In diesem Zusammenhang muss es
Elternschaft heißt auch, den Erziehungsauftrag des Grundgesetzes ernst zu neh­ auch möglich werden, die Kita-Gutscheine bei Arbeitgebern einzulösen, die in ihrem
men: "Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die Unternehmen eine Kinderbetreuung ermöglichen, die bestimmten, zu definierenden
zuvörderst ihnen obliegende Pflicht" (Artikel 6, Absatz 11). Die Aufgabe der Bildung Qualitätsstandards entspricht.
unserer Kinder ist durch die Schule nicht alleine zu erfüllen.
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Leistungsstarke Schulen - neue Rahmenbedingungen schaffen Begabungen und vor allem auch Sprachprobleme erfasst. Kinder, die zum Zeitpunkt
des Schuleintritts die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, sind so lan­
Aufgabe der Schule der Zukunft wird es vor allem sein, bei der nachwachsenden ge gesondert zu fördern, bis sie den Anschluss an die anderen Kinder ihrer Jahr­
Generation die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen zu wecken und die entspre­ gangsstufe erreicht haben. Wie der Schulalltag, aber auch zahlreiche Untersuchun­
chenden Fähigkeiten dazu auszubilden. Die Überregulierung des deutschen Schul­ gen (z.B. PISA) zeigen, hat die Zahl derjenigen Schüler, die Schwierigkeiten beim
wesens muss abgebaut werden, damit unsere Schulen diese Aufgabe lösen können. Erlernen der Kulturtechniken wie Rechnen, Lesen und Schreiben haben (Dyskalkulie,
Legasthenie), ständig zugenommen. Die FDP spricht sich deshalb dafür aus, dem
Alter der Kinder angemessene Lernmethoden zu fördern und in Schulversuchen zu
Für eine solide Grundausbildung erproben, die geeignet sind, der Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwäche vorzu­
beugen, diese möglichst zu beseitigen und gleichzeitig die Konzentration und Auf­
Die Grundschulen sind wesentlich zu stärken. Schulhorte sind generell an die Schu­ merksamkeit der Kinder zu stärken.
len zu koppeln. Fremdsprachenunterricht soll beginnend mit der ersten Klasse fester
Bestandteil des Lehrplans werden. Die Entscheidung, welche Fremdsprache gewählt Die FDP begrüßt die verschiedenen Formen der Bemühungen zur Integration von
wird, obliegt den Schulen. Eine größere Chancengerechtigkeit für die Schüler durch behinderten Kindern in Kindergärten und Schulen. In allen Bundesländern sollen be­
Vertiefung der Grundkenntnisse und -fertigkeiten erfordert eine deutliche Ausweitung hinderte Kinder in Regelkindergärten und Regelschulen gehen können. Dem EItern­
der Ganztagsangebote in allen Schulformen. Die Ganztagsschule, soweit sie die er­ willen und den Wünschen der behinderten Menschen sollte in Zukunft vermehrt
gänzende Betreuung von Kindern umfasst, muss ein Angebot bleiben, dessen An­ Rechnung getragen werden. Die Durchlässigkeit zwischen den Einrichtungen ist zu
nahme letzten Endes von der Entscheidung der Eltern abhängt. Die FDP lehnt dabei verbessern. Behinderte und nichtbehinderte Menschen sollten zukünftig gemeinsam
ein Modell der Ganztagsschule, das ausschließlich verstanden wird als eine Verlän­ innerhalb einer Bildungseinrichtung unterrichtet werden. Sonder- und Regelschulen
gerung der Halbtagsschule, ab. Für die Betreuung der Kinder an Ganztagsschulen können unabhängig voneinander unter einem Dach existieren.
müssen neue Modelle erlaubt werden, die eine Zusammenarbeit mit Kinderhorten
und anderen Einrichtungen freier Träger ebenso sinnvoll einbeziehen, wie eine Zu­ Ebenso wie Lernschwache und Lernbehinderte haben auch Hochbegabte ein Recht
sammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten. auf besondere schulische Förderung. Die FDP will die durchgehende Förderung
Hochbegabter - vom Kindergarten über die Grundschule und weiterführende Schule
Die FDP will, dass unsere Kinder schon mit fünf Jahren eingeschult werden können. bis zum Studium und zur Berufsbildung. Bei Hochbegabten versagen die üblichen
Kinder, die besonderer Förderung bedürfen, sollten durch den verstärkten Einsatz Methoden der Pädagogik. Die FDP fordert daher bundesweit die Einrichtung von
von Entwicklungsdiagnostik im Elementarbereich frühzeitiger erkannt und unterstützt Lehrstühlen für Hochbegabtendidaktik und -pädagogik sowie eine Reform der Leh­
werden. Sie müssen nötigenfalls von der Einschulung zurückgestellt werden, um den rerausbildung, die den Bedürfnissen der Hochbegabten Rechnung trägt.
für sie individuell richtigen "Übergangsmoment" zu finden. Im Ergebnis ist somit eine
durchschnittlich frühere, aber zugleich flexiblere Einschulung anzustreben. Eine frü­
here Einschulung trägt nicht nur den sich zunehmend verändernden Lebensverhält­ Für Innovationen
nissen vieler Familien Rechnung. Sie eröffnet die Möglichkeit, die Lernbereitschaft
und Wissbegier der Schüler frühzeitig pädagogisch sinnvoll zu nutzen. Die Leistun­ Zu keiner Zeit reichte es aus, sich auf einmal erworbenem Wissen auszuruhen. Le­
gen unserer Kinder müssen für Eltern und Kinder verständlich bewertet werden. benslanges Lernen gewinnt jedoch eine neue Qualität, wenn sich die Innovationszy­
klen auf immer kürzere Zeitspannen reduzieren. Arbeitsplätze entstehen durch Bil­
Die Arbeitsbedingungen besonders der Grundschulen sind zu verbessern. Die PISA­ dung. Zur notwendigen Bildung, die im Berufsleben gefordert ist, gehören auch
Studie hat deutlich gemacht: Während in anderen Ländern Klassengrößen von 20 Kenntnisse im Umgang mit neuen Medien. Für Menschen mit Behinderungen muss
Kindern nicht überschritten werden dürfen, sind - vor allem in den Ballungsgebieten ein ungehinderter Zugang ermöglicht werden.
Deutschlands - Klassenstärken von bis zu 30 Kindern die Normalität. Die FDP setzt
sich daher für eine deutliche Verbesserung der Lehrer-Schüler Relation in den Neue Werkzeuge wie Computer erfordern auch neue Konzepte. Deshalb: Neue Me­
Grundschulen ein. dien gehören in die Bildungseinrichtungen. Die dafür nötigen Haushaltsmittel, auch
solche für Systembetreuung, sind bereitzustellen.

Für Chancengleichheit Schulsponsoring ist durch den Abbau von bürokratischen Hindernissen zu fördern.
Unternehmen sollen sich dazu bekennen dürfen, Schulen mit Computern oder Bü­
Chancengleichheit im Bildungswesen zu gewährleisten, hat für die FDP Priorität. Das chern ausgestattet zu haben. Schulen sollen mit einer guten Ausstattung für sich
bedeutet Gleichheit der Chancen am Start, jedoch nicht Gleichheit der Ergebnisse werben dürfen. So kann die Wirtschaft tatsächlich mit in die Verantwortung für eine
am Ziel. gute Ausbildung der Schüler genommen werden.

Vor der Einschulung sollten alle Kinder einen verbindlichen Eingangstest durc~lau­
fen, der nicht nur ihre "Schulfähigkeit", sondern auch Lernschwächen, besondere
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Leistungsstarke Schulen - Eigenständigkeit, Wettbewerb und Verantwortung In der sich so entwickelnden Wettbewerbsordnung muss der Staat künftig staatlichen
und Bildungsanbietern in freier Trägerschaft die gleichen Möglichkeiten einräumen.
Im Schulwesen soll die Vielfalt der Angebote und die Eigenständigkeit der einzelnen
Schulen entwickelt werden. Dazu benötigen die Schulen deutlich mehr Möglichkeiten
zur Selbstverwaltung, als es die geltende Gesetzgebung derzeit zulässt. Die FDP Praxistaugliche Lehrerausbildung
fordert eine größere pädagogische und finanzielle Verantwortung der einzelnen Bil­
dungseinrichtungen, damit sich der Wettbewerb zwischen den einzelnen Schulen Die heutige Lehrerausbildung ist zu wenig praxisbezogen und bereitet die zukünfti­
verstärkt und das bessere Konzept sich durchsetzen kann. Derzeit verlassen pro gen Lehrer nicht hinreichend auf ihr späteres Berufsleben vor. Längere frühzeitige
Jahr circa 87000 Schüler (9%) die allgemeinbildende Schule ohne Abschluss. Dieser Praktika in Schulen sind deshalb verbindlich in die Lehrerausbildung zu integrieren.
erschreckend hohen und leider gestiegenen Zahl kann nur entgegengearbeitet wer­ Der Erwerb von wesentlichen, im Lehrerberuf geforderten Kompetenzen (Präsentati­
den, wenn neue Konzepte schulischer Arbeit entwickelt und umgesetzt werden. on, pädagogische Diagnostik, erzieherische Beratung, Psychologie des Jugendal­
ters) ist zu verstärken. Die diagnostischen Fähigkeiten der Lehrer müssen verbessert
Darüber hinaus ist die Profilbildung von Schulen zu erleichtern und der Wettbewerb werden, um Hochbegabungen, Lernschwächen und Erziehungsschwierigkeiten frü­
zwischen allen Schultypen zu fördern. Die Bundesländer müssen in ihren Schulge­ her erkennen zu können.
setzen den Schulen Verantwortung übertragen. Dabei bilden Pro-Kopf­
Pauschalzuweisungen, die die Schulen vom Schulträger erhalten und über deren Die FDP befürwortet die Durchführung von Modellversuchen für eine gestufte Leh­
Verwendung die Schulen selbstständig entscheiden können, und volle Personalauto­ rerausbildung mit Bachelor- und Masterabschluss, wie es der Wissenschaftsrat vor­
nomie die Chance für eine Qualitätsverbesserung und den Wettbewerb. Schulen geschlagen hat.
müssen die Möglichkeit erhalten, das Personal selbst einzustellen, das sie benöti­
gen. Die Versorgung mit Schulpsychologen muss deutlich verbessert und flächendeckend
angeboten werden.
Wo noch Schulbezirke bzw. Schulsprengel bestehen, müssen diese abgeschafft
werden. Nur so erhalten auch die Eltern die Möglichkeit, sich aus einem vielfältigen
Schulangebot die geeignete Bildungseinrichtung für ihre Kinder auszuwählen. 11. Praxistaugliche Berufsausbildung

Eine verbindliche und transparente Qualitätssicherung ist die entscheidende Voraus­ Das duale System mit seinen Komponenten der Berufsschulausbildung und der prak­
setzung für den Stellenwert der deutschen Schulen im internationalen Maßstab tischen Lehrzeit in Betrieben besitzt national und international einen hohen Stellen­
ebenso wie für deren Vergleichbarkeit bundesweit und am einzelnen Schulort. Die wert. Zwei Drittel aller Jugendlichen eines Altersjahrgangs absolvieren eine Ausbil­
Qualitätssicherung an Schulen muss künftig eng mit einer regelmäßigen Rechen­ dung im dualen System. Allerdings ist dieses Berufsbildungssystem reformbedürftig.
schaftslegung gegenüber den Eltern, der Kommune, der Wirtschaft und den weiter­ Derzeit sind 20% der Jugendlichen nach Besuch der allgemeinbildenden Schule
führenden Bildungseinrichtungen verbunden werden. Eine Einbeziehung von Verei­ nicht wirklich berufsausbildungsfähig. 10-14% der Jugendlichen eines Altersjahr­
nen, Unternehmen, Kirchen, Bibliotheken usw. ist ein dringendes Erfordernis. Die gangs bleiben trotz aller Fördermaßnahmen ohne Berufsausbildung. Der dualen Be­
Qualität einer Schule muss messbar und überprüfbar gemacht werden. Um dieses rufsausbildung drohen infolge dieser Faktoren materieller Schaden und Imageverlust
Ziel zu erreichen und die Öffentlichkeit stärker in den Bildungsprozess einzubezie­ zugleich.
hen, ist ein Ranking unter den Schulen sinnvoll. Erfahrungsgemäß wird im Rahmen
jedes Rankings über die Qualitätsmaßstäbe gestritten; sie sind daher offen zu legen. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Ausbildungsbereitschaft in der deutschen
Dann kann sich im offenen gesellschaftlichen Wettbewerb jeder entscheiden, welche Wirtschaft und Europäisierung in allen Wirtschaftszweigen muss sich Deutschland
pädagogischen Leistungen er als besondere Schulqualität anerkennt. Schulen sollen einer Strukturreform in der beruflichen Bildung stellen. Grundlagenwissen, spezielles
sich, wie es im Hochschulbereich bereits begonnen hat, frei gewählten Akkreditie­ Fachwissen und lebenslange Weiterbildung müssen miteinander verzahnt werden.
rungsverbünden anschließen und sich von ihnen regelmäßig zertifizieren lassen. Dabei müssen Fremdsprachen im Vordergrund stehen.

Qualitätssicherung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die zukünftigen so­
zialen Chancen unserer Jugend. Vordringliches Ziel aller Veränderungen im Schul­ Ganzheitliches Berufsprofil
system muss die konsequente Erarbeitung und Sicherung vergleichbarer Standards
in allen Abschlüssen und Prüfungen sein. Um eine Vergleichbarkeit der Schulab­ Für die FDP muss die Berufsausbildung auch zukünftig zu einem klaren Berufsprofil
schlüsse zu gewährleisten, setzt sich die FDP daher für generelle Abschlussprüfun­ führen, welches die volle berufliche Kompetenz gewährleistet. Es sichert Arbeits­
gen nach der neunten bzw. zehnten Klasse ein. Damit sollen die Aussichten der marktmobilität und vermeidet Mehrkosten. Dem Auszubildenden verschafft es eine
Schulabgänger auf dem Arbeitsmarkt verbessert werden. Auch fordert die FDP das hohe Identität mit dem erlernten Beruf.
Abitur bundesweit nach 12 Jahren. Dabei müssen Mindeststandards festgelegt wer­
den, um einer faktischen Entwertung des Abiturs als Zugangsberechtigung zum
Hochschulstudium entgegenzuwirken.
36 37

Verhältnis Staat - Wirtschaft verbessern Berufsbildungsangebot erweitern

Die FDP will das Verhältnis von Wirtschaft und Staat neu definieren. Dabei darf die Die FDP fordert ein Berufsbildungsangebot, das differenzierter als das herkömmliche
Ausbildungsverantwortung der Wirtschaft nicht durch staatliche Vorgaben eingeengt ist. Es muss auf neue Berufsbilder mit neuen Profilen und flexiblen Ausbildungszei­
werden. Vielmehr muss die Wirtschaft die Ausbildung lenken, während der Staat nur ten reagieren. Die FDP tritt ein für eine zukunftsorientierte Verknüpfung von allge­
begleiten soll. meinbildenden Schulabschlüssen mit Fachausbildungen.

Das LE-GO-Modell - Flexible Regelungen mit Modulsystem Strukturwandel an staatlichen Berufsschulen

Eine starre Berufsausbildung entspricht nicht mehr den dynamischen Entwicklungen Staatliche Berufsschulen müssen für den Wettbewerb mit privaten Berufsschulen,
in der heutigen Arbeitswelt. Vielmehr müssen Lernzielkataloge flexible Rahmenbe­ Akademien, freien Trägern und betrieblichen Berufsschulen fit gemacht werden. Sie
dingungen für die Vermittlung von typischen Tätigkeitsfeldern schaffen. Die FDP brauchen dringend mehr Eigenverantwortung, damit sie wirkliche Selbstständigkeit
schlägt eine Differenzierung und Verkürzung, in besonderen Situationen eine Ver­ und Handlungsfreiheit entwickeln. Curricula und Schulangebote müssen auf Bedürf­
längerung der Ausbildungszeiten vor. Diese Ausbildungszeiten setzen bausteinartige nisse der Ausbildungsbetriebe zugeschnitten werden. Berufsschulen müssen hin­
Ausbildungsangebote voraus (Modulsystem "LE-GO!" = Learn and Go!). Die fachli­ sichtlich der technischen Ausstattung verbessert werden. Insgesamt muss die Attrak­
che Qualifikation ist dabei der Kern der Ausbildung und wird ergänzt durch die Ver­ tivität des dualen Berufsschulsystems gegenüber den Ausbildungen an Berufsaka­
mittlung von Sozial- und Methodenkompetenzen. demien und Hochschulen erhöht werden.
Zunächst vermittelt ein Grundbaustein das komplette berufliche Orientierungswissen
und die typischen Tätigkeitsfelder des Berufes. Daran knüpfen differenziert und Integration behinderter Menschen in weiterführende Schulen
wahlweise Aufbaubausteine an. Sie vermitteln die volle fachliche Berufskompetenz.
Verschiedene Ausbildungsabschnitte wie Pflicht-, Wahlpflicht- oder Wahlmodule Die integrative Beschulung und Unterrichtung behinderter Menschen sollen auch auf
können - auch zeitlich unabhängig voneinander - vermittelt werden. Durch Zusatz­ die weiterführenden und berufsbildenden Schulen ausgeweitet werden. Die FDP
qualifikationen ist der Auszubildende im späteren Beruf flexibel. Berufliche Fort­ spricht sich ausdrücklich gegen die Tendenz aus, auf Grund von Kostendruck Bil­
bildungsthemen könnten im LE-GO!-System zeitlich vorgezogen werden und damit dungs- und Fördereinrichtungen für behinderte Kinder und Jugendliche in Pflegeein­
eine echte Konkurrenz zu akademischer Bildung darstellen. Wenn mit Hilfe von LE­ richtungen umzuwandeln. Die berufliche Eingliederung von Jugendlichen mit Behin­
GO! einzelne Ausbildungsabschnitte geprüft und bewertet werden, hat auch der derung ist gerade im Hinblick auf die Hilfe zur Selbsthilfe wichtig. Durch innovative
Ausbildungsabbrecher eine Chance, später seine Ausbildung mit einem Berufsab­ Modellprojekte wie z.B. Integrationsfachdienste soll eine weitgehende Eingliederung
schluss zu komplettieren. in den allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglicht werden.

Mit LE-GO! können sich auch die Jugendlichen integrieren, die aufgrund spezieller
persönlicher Fähigkeiten in der herkömmlich eingeteilten Ausbildungsstruktur weni­ Lehrerberuf mit neuen Anreizen
ger gute Leistungen erbringen würden. Sie entscheiden sich für eine andere
Schwerpunktsetzung der Ausbildungskomponenten. Auf drei freie BerufsschullehrersteIlen bewirbt sich derzeit ein Lehrer. Damit droht
den Berufsschulen ein erheblicher Lehrermangel. Die Ausbildung zum Berufsschul­
lehrer muss neu überdacht, Studienordnungen überarbeitet und ausgeweitet werden.
Euro-Ausbildungspass So muss auch in den betriebswirtschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Diszi­
plinen die Ausbildung von Berufsschullehrern bundesweit möglich sein. Berufsbeglei­
Die FDP will einen Ausbildungspass einführen, in dem einzelne Ausbildungsab­
tende Studiengänge für praxiserfahrene Diplom-Ingenieure wären geeignet, die
schnitte als Teilkompetenzen ausgewiesen werden. Auf diese Bescheinigungen kann
Fachkräfte auch für eine Lehrtätigkeit an beruflichen Schulen vorzubereiten.
bei späteren Nachqualifizierungen oder Nachholung des Abschlusses zurückgegrif­
fen werden. Während der Ausbildung gibt der Pass über den erreichten Stand der
Ausbildung und über noch zu vermittelnde Teilausbildungsmodule Auskunft. Auch
Virtuelle Wissensvermittlung
Ausbildungsabbrechern ermöglicht der Pass den Nachweis über abgelegte Teilaus­
bildungen. Durch den Pass kann eine Ausbildung an mehreren Ausbildungsstätten
Die virtuelle Wissensvermittlung fördert das eigenständige Lernen unabhängig von
oder auch virtuell durchgeführt werden. Dies wiederum fördert Ausbildungsverbünde,
Ort und Zeit, entlastet den Präsenzunterricht und schafft somit Freiräume für das Ar­
Lernortkooperationen und überbetriebliche Ausbildungen. Allerdings darf durch die
beiten an Projekten.
Einführung des Ausbildungspasses nicht der Eindruck erweckt werden, dass einzel­
ne Ausbildungsbausteine genügen würden, um einen vollwertigen Berufsabschluss
zu erhalten bzw. in einem Beruf gleichgestellt arbeiten zu können.
38 39

Internationalisierung des Berufes von Bund-Länder-Notprogrammen. Bei der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau


schiebt der Bund eine Bugwelle finanzieller Verpflichtungen gegenüber den Ländern
Die internationale Komponente in der beruflichen Ausbildung muss stärker gefördert für deren jahrelange Vorleistungen in Milliarden-Höhe vor sich her. Die interne Struk­
werden. Bisher fehlen Anreize für die Ausbildung deutscher Azubis im Ausland. Auch tur der Universitäten und Fachhochschulen ist, bedingt durch das öffentliche Dienst­
müssen Möglichkeiten für ausländische Auszubildende geschaffen werden, sich in recht und eine bürokratische Mittelbewirtschaftung, in hohem Maße ineffizient. Quali­
Deutschland ausbilden zu lassen. Ausländischen Unternehmen sind in Deutschland tät in der Lehre zahlt sich für Hochschullehrer oftmals nicht aus, Studierende haben
nur dann verstärkt ausbildungsbereit, wenn sie besser informiert und betreut werden. keine Nachfragemacht. In Studiengängen, die von der Zentralen Vergabestelle für
Die Ausbildungsordnungen müssen so verändert werden, dass sie mit den LE-GO!­ Studienplätze (ZVS) kontrolliert werden, werden ihnen die Hochschulen und den
Modulen kompatibel sind. Der Auszubildende muss eigenverantwortlich entscheiden Hochschulen die Studierenden vorgeschrieben. Die von Rot-Grün versprochene
können, welche weiterführenden Qualifikationen er nach dem Grundbaustein able­ grundlegende BAföG-Reform ist ausgeblieben.
gen will. Durch entschlackte Ausbildungsordnungen könnten Unternehmen auch
konkrete Aufträge in die Ausbildung integrieren. Dies würde das selbständige Arbei­ Die wettbewerbsfähige Hochschule ist international, unabhängig, wirtschaftlich und
ten und die Motivation der Auszubildenden fördern. profiliert. Dieses Leitbild kann nur verwirklicht werden, wenn die zentralistischen und
bürokratischen Strukturen des jetzigen Hochschulwesens überwunden werden. Die
Hochschulen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft sollen so beweglich werden wie
Lebenslanges Lernen - Fortbildung durch Anreize und Eigenengagement die Hochschulen in freier Trägerschaft.
Die Berufsschule muss auch Weiterbildungseinrichtung sein, in der Aus- und Weiter­
bildung ineinander übergehen. Daneben muss nach liberalem Verständnis die eigen­
Wettbewerbsfähige Hochschulen sind international
verantwortliche Fortbildung des Arbeitnehmers außerhalb der Arbeitszeit gefördert
werden. Beispielsweise muss der Arbeitnehmer Anspruch auf Dokumentation der Die deutschen Hochschulen wollen international wieder in die Spitzengruppe gelan­
Weiterbildung als Berufsqualifizierung im Ausbildungspass haben. gen. Dafür brauchen sie neben einer besseren Finanzausstattung einen Ordnungs­
rahmen, der den wissenschaftlichen Leistungswettbewerb national und international
ermöglicht und anregt. Die FDP hat in ihrer Regierungszeit durchgesetzt, dass Ba­
Bessere PrÜfungen gewährleisten chelor- und Masterstudiengänge ermöglicht wurden. Diese StUdiengänge müssen
sich aber erst am Arbeitsmarkt bewähren.
Abschlussprüfungen in der Berufsausbildung müssen in der Wertigkeit allgemeinbil­
denden Abschlüssen gleich stehen. Mit dem Modulsystem muss ein flexibleres Prü­
Wir wollen im eigenen nationalen Interesse die Position Deutschlands auf dem glo­
fungssystem mit höherwertigen Zwischenprüfungen geschaffen werden.
balen Bildungsmarkt verbessern, das Studienangebot und die akademischen Grade
unserer Hochschulen stärker internationalisieren sowie die Werbung für den Studien­
und Forschungsstandort Deutschland im Ausland erhöhen. Werbung für den Hoch­
Ausbildungsfinanzierung
schulstandort Deutschland muss auf Produktqualität setzen. Nur wenn Bildung und
Die FDP will keine Rückkehr zum "Lehrgeld". Auszubildende leisten während ihrer Ausbildung in Deutschland oder durch deutsche Bildungseinrichtungen wieder ein
praktischen Ausbildungszeit wertvolle Arbeit in Betrieben. Eine Vergütung ist ge­ Qualitätsprodukt wird, werden wir Erfolg haben. Bürokratische Verfahren z.B. bei der
rechtfertigt. Durch die Dokumentation ohne aufwendige Prüfungsverfahren für die Visaerteilung in den Botschaften müssen abgebaut werden. Deutsche Außenhan­
verschiedenen Module werden die Prüfungskosten der Ausbildungsbetriebe eher delskammern müssen in die Werbung stärker einbezogen werden. Aktives Aus­
gesenkt. landsmarketing bedeutet Kooperationen mit Hochschulen, aber auch die Gründung
von Zweigstellen deutscher Hochschulen im Ausland. Die Deutschen Schulen im
Die berufliche Bildung braucht Reformen, damit in Zukunft Berufsschüler durch kom­ Ausland sind wichtige Werbeträger und dürfen nicht länger als Steinbruch im Haus­
petente Berufsschullehrer gut qualifiziert ausgebildet werden. Nur dann werden Ab­ halt des Auswärtigen Amtes missbraucht werden.
solventen einer Berufsschule den Anforderungen einer modernen Wirtschafts- und
Wissensgesellschaft gerecht. Die FDP hat die Grundlagen für die Einführung von Bachelor- und Masterstudien­
gängen geschaffen. Diese Studiengängen sollen von den Hochschulen selbstständig
eingerichtet werden können. Die FDP spricht sich dafür aus, keinen Unterschied zwi­
11I. Hochschule - Mehr Qualität durch Wettbewerb schen Bachelor- und Masterabsolventen von Fachhochschulen und von Universitä­
ten bei der Einstufung im Öffentlichen Dienst zu machen. Dies war auch die ur­
Die Qualität des deutschen Hochschulwesens ist im internationalen Vergleich zu sprüngliche Intention bei der Einführung dieser Studiengänge.
verbessern, um die Wettbewerbfähigkeit zu erhöhen. In vielen Bereichen der Lehre
und Forschung zählt Deutschland nicht mehr zur Weltspitze. Die Arbeit an den
Hochschulen ist bestimmt durch die Engpässe der Länderhaushalte und abhängig
40 41

Wettbewerbsfähige Hochschulen sind unabhängig Die Hochschulen sollen künftig selbst über die Aufnahme ihrer Studierenden ent­
scheiden können, so dass auch über fachspezifische Eignungstests Begabungen
Wir wollen das Hochschulwesen nicht mehr staatlich planen und vereinheitlichen. frühzeitig erkannt werden können. Die Kriterien und Verfahren, nach denen sie die
Das Hochschulrahmengesetz erhält eine neue Aufgabe: Es soll den Hochschulen im Studierenden auswählt, entwickelt die Hochschule selbst.
Interesse der Wissenschaftsfreiheit eine umfassende Autonomie sichern und die bü­
rokratischen Tendenzen der Wissenschaftsministerien der Länder zurückdrängen. Die Abschaffung der ZVS ist die Grundbedingung für eine wirkliche Freiheit in Lehre
Dazu ist das Hochschulrahmengesetz grundlegend zu überarbeiten mit dem Ziel, die und Studium. Alle Studienbewerber in Deutschland müssen das Recht erhalten, sich
Hochschulautonomie zu erweitern, indem den Hochschulen Kompetenzen und Ver­ direkt an der Hochschule ihrer Wahl zu bewerben. Die Hochschulen ihrerseits erhal­
antwortung für Finanz-, Personal- und Organisationsentscheidungen übertragen ten das Recht, sich unter den Bewerbern nach Leistungskriterien die Geeigneten
werden. Der Verzicht auf Regelungen des Bundes in einem reformierten Hochschul­ auszusuchen. Die Initiative der Länder Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen,
rahmengesetz darf nicht zu einer Zunahme der Regelungen der Bundesländer füh­ den bestehenden Staatsvertrag zu kündigen, entspricht den Vorstellungen der FDP.
ren. Sie ist der richtige Weg, den alle Länder gehen sollten.

Die Übernahme von Eigenverantwortung durch die Hochschulen ist zu fördern und An den Hochschulen sind Bedingungen zu schaffen, die das Studium eines Men­
der Wettbewerb zwischen ihnen ist zu stärken. Leider wurden die im novellierten schen mit Behinderungen zur Normalität werden lassen. Neben baulichen und ande­
Hochschulrahmengesetz vorgesehenen Gestaltungsfreiheiten für die Hochschulge­ ren Maßnahmen, die das Studium erst ermöglichen, setzen wir auf die verantwortli­
setze der Länder nicht zugunsten der Hochschulautonomie umgesetzt. Wir wollen che Zusammenarbeit von Studenten, Universitätsverwaltungen und Hochschulleh­
den Hochschulen das Recht einräumen, ihre Leitungsstrukturen endlich nach ihren rern, um Ideen zur individuellen Unterstützung zu entwickeln.
Bedürfnissen und Erfahrungen in ihren Grundordnungen selbst zu bestimmen.

Ein modernes Dienstrecht muss dem Umstand Rechnung tragen, dass Forschung Wettbewerbsfähige Hochschulen sind wirtschaftlich
zunehmend projektförmig organisiert ist. Dafür brauchen wir die Möglichkeit, flexibel
zeitlich begrenzte Arbeitsverhältnisse mit dem am besten Qualifizierten abschließen Neue Formen der Bildungsfinanzierung steigern nicht nur die Autonomie der Hoch­
zu können. schulen, sondern werden es ihnen auch ermöglichen, mehr und bessere Ausbil­
dungs- und Forschungsleistungen zu erbringen. Die Globalisierung der Hochschul­
Die FDP begrüßt die Einführung des Juniorprofessors. Zugleich erkennt sie an, dass haushalte beginnt mit der gegenseitigen Deckungsfähigkeit aller Personal-, Sach­
verschiedene Fakultäten nach wie vor mit gutem Grund nicht auf die Habilitation ver­ und Baumittel sowie der Möglichkeit der Rücklagenbildung durch Aufhebung des
zichten wollen. Jährlichkeitsprinzips. Mit der Befreiung von der Kameralistik und der Umstellung auf
ein kaufmännisches Rechnungswesen wird die Chance einer internen Kostenrech­
Mit der Stärkung der Eigenverantwortung der Hochschulen müssen andere Willens­ nung als Grundlage eines erfolgreicheren Hochschulmanagements eingeräumt. Als
bildungs- und Entscheidungsstrukturen einher gehen. Die Hochschulen verstärken in nächstes muss die Kapazitätsverordnung abgeschafft werden, da sonst die neue
diesem Prozess ihre Managementfähigkeiten und beseitigen Führungsdefizite. Das Freiheit der Hochschulen auf der Ausgabenseite ihrer Etats, die auch die Steilenplä­
schließt ein, dass den Fachbereichen im Rahmen einer mit der Hochschulleitung ab­ ne umfassen soll, in Konflikte mit der Kapazitätsverordnung gerät. Diese geht davon
gestimmten Zielsetzung entscheidend mehr Eigenverantwortung bei der Erarbeitung aus, dass der Staat den Studiengängen wissenschaftliche Stellen zuweist, aus deren
von Studien- und Prüfungsordnungen sowie in Lehre und Forschung übertragen Lehrverpflichtungen sich Ausbildungskapazitäten errechnen lassen, die durch staat­
wird. lich festzusetzende Zulassungszahlen auszuweisen sind und die verwaltungsgericht­
lich am Maßstab der Kapazitätsverordnung überprüfbar sind. Ohne eine Abschaffung
Jede Hochschule muss ihr Profil selbst bestimmen können, wie zum Beispiel durch der Kapazitätsverordnung kann die Autonomie der Hochschulen nicht verwirklicht
die Einführung neuer Studienfächer, Zielvereinbarungen und Studienabschlüsse so­ werden.
wie die stärkere Weiterentwicklung einzelner Fachbereiche, die Bündelung von
Fachbereichen oder die Bildung von interdisziplinären Forschungsgruppen. Durch Die Höhe der Globalhaushalte wird sich künftig an der Anzahl der Studierenden und
regelmäßige interne und externe Evaluation der Ziele und Leistungen der Hochschu­ ihrem Verhältnis zur Anzahl des wissenschaftlichen Personals orientieren. Die bun­
le in Forschung und Lehre und die Veröffentlichung von deren Ergebnissen wird es desweite Einführung von Bildungsgutscheinen sichert den Hochschulen eine lei­
Studienbewerbern erleichtert, die für ihre persönlichen Ziele am besten geeignete stungsgerechte Vergütung und ermöglicht den Ausbau der von den Studierenden
Hochschule herauszufinden. bevorzugten Standorte. Bildungsgutscheine verkörpern für jeden angehenden Stu­
dierenden sein "Recht auf Bildung" und sollen nach Schulabschluss entsprechenden
Der Wettbewerbsgedanke - in der Forschung längst verankert - muss auch im Be­ Studienanfängern vom Staat unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Bildungs­
reich der Lehre verwirklicht werden. Es sind die Voraussetzungen dafür zu schaffen, gutscheine ermöglichen jedem Studenten, unabhängig vom Einkommen der Eltern,
dass sich die Hochschulen durch exzellente Ergebnisse in Ausbildung und For­ den Erwerb eines ersten berufsqualifizierenden Abschlusses - und wahren damit die
schung dem Wettbewerb untereinander stellen. Chancengleichheit aller Studierenden. An welcher Hochschule der Studierende diese
Gutscheine zum Einsatz bringt, bleibt ihm selbst überlassen. Die Summe der Bil­
42 43

dungsgutscheine jeder Hochschule entscheidet über die Höhe der Fördermittel durch Durch die neuen Finanzierungsstrukturen wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in
den Staat. Dieser Finanzierungsweg fördert das bisher fehlende Interesse der Hoch­ den sparsamen Umgang der Hochschulen mit den bereitgestellten staatlichen Mitteln
schulen an der Aufnahme einer möglichst großen Zahl von Studierenden, solange spürbar wachsen. Das wird es der FDP politisch erleichtern, den Hochschulen die
die Wettbewerbsfähigkeit der angebotenen Ausbildungsqualität dadurch nicht leidet. dringend benötigten Mittel zu sichern. Wir wollen den Hochschulen in der nächsten
Die Studierenden sollen das Recht erhalten, mit ihren Bildungsgutscheinen auch an Legislaturperiode 5 Mrd. Euro aus Bundesmitteln zusätzlich zur Verfügung stellen.
den staatlich anerkannten Hochschulen in freier Trägerschaft zu studieren. Dies wird Außerdem soll der Bund 1,2 Mrd. Euro jährlich für den Hochschulbau aufwenden, um
den Wettbewerb um die Studierenden beleben und an allen Hochschulen zu energi­ die "Bugwelle" rückständiger Baufinanzierungen abzubauen.
schen Studienreformen beitragen.

Darüber hinaus erweitert die Einführung von Bildungsgutscheinen auch die persönli­ Wettbewerbsfähige Hochschulen sind profiliert
chen Gestaltungsfreiheiten des einzelnen Studierenden im Bezug auf die Planung
seines Studiums. Der Wettbewerb um die Studierenden wird es ihnen erleichtern, Eine künftige Hochschulreform sollte sich nicht mehr an einem statischen binären
ihre Wünsche nach einem Teilzeitstudium durchzusetzen. In einer dynamisierten Ar­ Modell orientieren, in welchem zwei gleichwertige Hochschultypen, also Universität
beitswelt starten auch viele Studierende früh ins Arbeitsleben, machen sich nebenher und Fachhochschule, nebeneinander stehen. Universität und Fachhochschule wer­
selbstständig, versuchen sich neben dem Studium weitere Qualifikationen anzueig­ den miteinander im Wettbewerb um die Studierenden und um Forschungsmittel ste­
nen. Ein Staat, der sich zu seinen jungen Unternehmern bekennt, muss auch die hen, so wie die Universitäten untereinander und die Fachhochschulen untereinander
Voraussetzungen dafür schaffen, dass junge Menschen ihr Studium und ihre berufli­ zunehmend im Wettbewerb stehen werden. Jede Hochschule ist frei, sich ein eigen­
che Laufbahn flexibel gestalten können. Angesichts dieser veränderten Studiensitua­ verantwortetes wissenschaftliches Profil zu geben. Fachhochschulen sollen mehr
tion kann mit den Bildungsgutscheinen eine Flexibilisierung erreicht werden, bei der forschen können und Universitäten sollen mehr praxisorientierte Lehre anbieten kön­
der Studierende nicht pro Semester, sondern pro Lehrveranstaltung gefördert wird nen. Die erwünschten Projekte wissenschaftlicher Kooperation wird es zwischen frei­
und so seine individuelle Studienorganisation realisieren kann. en Hochschulen ebenfalls zunehmend geben - nicht nur im internationalen Bereich.

Durch die Einführung von Bildungsgutscheinen wird ein gesunder Wettbewerb der Die Kapazitäten an den Fachhochschulen müssen weiter ausgebaut werden. Die
Hochschulen um die Studierenden entfacht. Mit differenzierten und unterschiedlich Organisationsstrukturen der Fachhochschulen sind auf noch mehr Flexibilität auszu­
profilierten Studienangeboten werden Hochschulen versuchen, die Studierenden zu richten. Dies entlastet die Universitäten für ihre ureigenste Aufgabe der Ausbildung
gewinnen. des wissenschaftlichen Nachwuchses. Ein Studium an der Fachhochschule ist eine
andersarti~e, jedoch gleichwertige Ausbildung. Die Einstufung beim Zugang zum
Das System der Bildungsgutscheine garantiert ein gebührenfreies Erststudium. Da­ höheren Offentlichen Dienst muss deshalb im Wettbewerb der Absolventen aller
her lehnt die FDP die Einführung von allgemeinen Studiengebühren zum gegenwär­ Hochschularten, also auch der der Fachhochschulen, erfolgen.
tigen Zeitpunkt ab. Die Situation vieler Hochschulen spottet einer Kostenpflichtigkeit
von akademischer Ausbildung. Der Aufbau dualer Studiengänge und ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium für be­
fähigte Berufstätige sind zu fördern, um so ein enges Zusammenspiel von Wirtschaft
Stärker als bisher werden zur Einnahmeseite der Hochschulen die Drittmittel im Be­ und Hochschule bei der gezielten Ausbildung von wissenschaftlichen Nachwuchsfüh­
reich der Forschung gehören. Die Unterstützung der Wissenschaft durch gemeinnüt­ rungskräften zu fördern. Die Einbeziehung dualer Komponenten bei der Verbindung
zige Einrichtungen ist unverzichtbarer Bestandteil der Wissenschaftsförderung. Pri­ von Studium und praktischer beruflicher Ausbildung erfordert von den Hochschulen
vatwirtschaftliches Sponsoring, beispielsweise für Hochschulsanierungen und den mehr als nur organisatorische Anstrengungen, um diese Bedingungen als produktive
Ausbau von Studiengängen soll stärker in Anspruch genommen werden. Das bedeu­ Chance zu begreifen und curricular zu berücksichtigen.
tet zugleich Möglichkeiten für die Einrichtung von Stifter-Lehrstühlen durch die Wirt­
schaft. Alle neuen Modelle müssen sich künftig an leistungsbezogenen Kriterien ori­ Die FDP hält an der Reform der Studienförderung nach dem sogenannten Dreikör­
entieren. Die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und der Wirtschaft ist zu bemodell fest, für das sie bereits einen eigenen Gesetzentwurf vorgelegt hat. Die
begrüßen. Der Aufbau gemeinsamer Netzwerke ist zu fördern. Sponsoring ist kein Förderung von hochbegabten Studierenden ist von privaten und öffentlichen Stiftun­
Schimpfwort, sondern kann zur Verbesserung der Finanzausstattung sowie zu einer gen, durch die Hochbegabtenförderungsprogramme der Stiftungen der Parteien, der
realitätsnahen Ergänzung des Angebots führen. Dabei ist allerdings darauf zu ach­ Kirchen, des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und das Heisenberg­
ten, dass Drittmittel nicht zu einer Streichung staatlicher Förderungsmittel führen. Programm weiter auszubauen. Die an den Hochschulen existierenden Möglichkeiten
Eine staatlich finanzierte Grundlagenforschung bleibt unverzichtbar. Die Wirtschaft ist der Begabtenförderung in Form von Promotionsstipendien reichen nicht aus und
dazu aufgefordert, nicht nur unmittelbar kommerziell umsetzbare Forschungs- und müssen verstärkt werden. Auch künftig müssen Graduiertenkollegs an den Hoch­
Ausbildungsvorhaben zu unterstützen. Die Hochschulen müssen die Zusammenar­ schulen eingerichtet und gefördert werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft
beit mit Gründerzentren verbessern und dafür gesonderte Einrichtungen schaffen, (DFG), deren Anliegen es ist, die Wissenschaft in allen ihren Zweigen zu fördern,
um den Studierenden die Gründung von Unternehmen zu erleichtern. trägt dabei eine besondere Verantwortung.
44 45

IV. Forschungs- und Technologiepolitk - Chancen verantwortungsvoll Die Wettbewerbe BioRegio und InnoRegio haben gezeigt, wie wichtig Forschung für
nutzen die wirtschaftliche Leistung einer Region sein kann. Die FDP wird dafür sorgen, dass
diese Projekte weitergeführt und ausgebaut werden.

Forschung ist frei Der Transfer von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen in Unternehmen und
damit in neue Produkte muss beschleunigt werden. Die Umsetzung von Forschungs­
Die FDP steht zur Freiheit der Forschung. Nicht die Wissenschaftler müssen sich ergebnissen sowie neuen technischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen in Pro­
rechtfertigen, wenn sie etwas erforschen wollen, sondern der Staat braucht gute
Gründe, wenn er in die Forschungsfreiheit eingreifen will. Allerdings gehört zur Frei­
1 dukte und Patente durch Technologietransfer muss von Hochschulen, Forschung
und Wirtschaft als gemeinsame Aufgabe und Chance angesehen werden. Maßnah­
heit auch die Verantwortung, die eine "grenzenlose Wissenschaft" nicht zulässt und men zur Unterstützung des Transfers von neuen Technologien und Wissen in kleine
ethisch-moralische Schranken setzt.
.1 und mittlere Unternehmen sind zum Beispiel Technologietransfernetzwerke und Ko­
operationsprojekte, die ein Beratungsangebot für die Wirtschaft im Bereich For­
Forschungs- und Technologiepolitik hat eine Querschnittfunktion. Sie verbindet die schung und Entwicklung zur Verfügung stellen. Die FDP begrüßt die Gründung von
jeweiligen Politikbereiche von der Bildungs- bis zur Wirtschaftspolitik. Innovation und TransfersteIlen an Hochschulen. Die Bundesregierung hat diese Zentren jedoch nur
Fortschritt können nur entstehen, wenn durch Bildung und Ausbildung der heran­ aus UMTS-Mitteln anfinanziert, die in wenigen Jahren auslaufen. Hier wollen wir eine
wachsenden Generation die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. Da­ Sicherung der Finanzierung, bis die Patent- und Lizenzeinnahmen eine eigene Fi­
zu gehört die Vermittlung einer positiven GrundeinsteIlung zu Wissenschaft und nanzierung sicherstellen. Nachdem in den letzten Jahren die großen Forschungsver­
Technik in den Schulen. Dazu gehören auch Schüler- und Jugendwettbewerbe in bünde evaluiert und z.T. umstrukturiert worden sind, ist es an der Zeit, auch die Res­
Wissenschaft und Technik. sortforschung der Bundesregierung gründlich zu überprüfen.

Forschung ist international. Die FDP begrüßt die grundsätzliche Struktur des 6. For­
Forschung im Wettbewerb schungsrahmenprogramms der EU, vermisst aber die konkrete Ausgestaltung. Die
FDP vermisst ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zur französischen Bewer­
Die FDP will wettbewerbliche Strukturen auch in der Forschung. Institute, Hochschu­ bung um das Projekt ITER, das wichtige Erkenntnisse zur Kernfusion liefern könnte.
len und Organisationen sollen miteinander um Forschungsaufträge und Förderung
konkurrieren, aber auch stärker kooperieren. Von der institutionellen Förderung wird Die EU-Forschungsförderung soll den Forschern und den Wirtschaftsunternehmen
es immer mehr in Richtung einer programmorientierten Förderung gehen. helfen, die Chancen europaweiter Kooperationen zu erkunden und zu nutzen. Sie
darf aber nicht in Industriepolitik abgleiten und unter dem Vorwand der Forschungs­
Der durch Drittmittel finanzierten Forschung kommt sowohl an den Hochschulen als politik durch Subventionen unternehmerische Entscheidungen lenken. Der Zugang
auch an den außeruniversitären Forschungseinrichtungen eine wachsende Bedeu­ von kleineren und mittleren Unternehmen zu Fördermitteln der EU und die Beratung
tung zu. In Konkurrenz eingeworbene Drittmittel sind ein sicheres Indiz für Qualität der KMUs muss verbessert werden.
und gesellschaftliche Relevanz der Forschung der wissenschaftlichen Einrichtungen.
Um den Wettbewerb der Forschungseinrichtungen untereinander zu fördern und ihre
Möglichkeiten, Drittmittel einzuwerben, zu sichern, müssen auch die öffentlichen Gentechnologie - Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts
Drittmittelgeber (wie beispielsweise die DFG) dazu übergehen, den Hochschulen und
Forschungsinstituten einen institutionellen Overhead auf die bewilligten For­ Im Mittelpunkt der gentechnischen Forschung steht die Grundlagenforschung zur
schungsmittel zur Kompensation der Gemeinkosten der Hochschule zu zahlen. Eine Struktur der Gene und das Ziel, Therapien gegen schwere genetisch bedingte
solche zusätzliche Belastung der Förderinstitutionen soll mit einer entsprechenden Krankheiten zu entwickeln. Für viele Patienten stellt die Gentechnik deshalb eine
Stärkung der öffentlichen Drittmittelgeber Hand in Hand gehen. große Hoffnung dar. Gleichzeitig gilt: Menschen mit Behinderungen, seien sie durch
genetische Disposition oder anderweitig verursacht, gehören ganz selbstverständlich
Forschungsmittel des Bundes sind möglichst in einem wettbewerblichen Verfahren und gleichberechtigt zu unserer Gesellschaft.
zu vergeben. 'l Forschung an embryonalen Stammzellen bietet große Chancen für die Verbesserung
des Verständnisses der Programmierung von Zellen. Wenn wir wissen, warum sich
Wir brauchen in Deutschland mehr Zentren der Exzellenz. Hier müssen ambitionierte
Forschung und Lehre zusammenkommen und Hochschulen, Forschungszentren und J Zellen zu bestimmten Zelltypen ausbilden (z.B. Leber-, Nieren oder Muskelzellen)
können wir versuchen, diese Entwicklung gezielt zu steuern und Zellersatz für Orga­
Wirtschaft zusammenarbeiten. Die FDP wird- in Kooperation mit den Bundesländern
- solche Zentren fördern. Die Einwerbung von Drittmitteln aus der Wirtschaft ist er­ ne oder z.B. zur Behandlung von Alzheimerpatienten zu züchten. Parallel ist die For­
wünscht. Spitzenforschung ist heute allein aus öffentlichen Mitteln nicht mehr finan­ schung an adulten Stammzellen zu verstärken.
zierbar.
Das vom Bundestag beschlossene Stammzellgesetz ist ein Minimalkonsens. Die
FDP hat ihm zugestimmt, ist sich aber bewusst, dass es bald der Nachbesserung
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bedarf. Durch die restriktive Stichtagsregelung werden kaum Zelllinien zur Verfügung Politik für eine Verantwortungsgesellschaft
stehen, die qualitativ für therapeutische Forschung geeignet sind.
Ziel liberaler Gesellschaftspolitik ist es, dem Bürger möglichst viele Chancen zur Ge­
Das Klonen von Menschen bleibt in Deutschland verboten und muss auch internatio­ staltung seines Lebens zu eröffnen. Im Mittelpunkt liberaler Gesellschaftspolitik steht
nal geächtet werden. die Politik für Familien und andere Verantwortungsgemeinschaften, in denen Men­
schen dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen. Dazu zählen auch genera­
Die Präimplantationsdiagnostik ist ein bereits in zehn europäischen Staaten ange­ tionenübergreifende Verantwortungsgemeinschaften. Bindungen sind in unserer heu­
wandtes Verfahren, durch das durch nicht heilbare Erbkrankheiten besonders bela­ tigen individualisierten Gesellschaft von besonderer Bedeutung. Verantwortungsge­
stete Paare feststellen lassen können, ob der Embryo durch eine Erbkrankheit bela­ meinschaften sind zu achten und rechtlich abzusichern.
stet ist. Sie ist in Deutschland auch in engen rechtlichen Grenzen zu ermöglichen.
Pluralisierung, Individualisierung und neue Lebensentwürfe von Frauen und Männern
haben in unserer Gesellschaft zu vielfältigen familiären Lebensformen und Lebenssti­
len geführt. Für Liberale ist Familie das Zusammenleben mit Kindern: Familie ist dort,
wo Kinder sind. Eben diese Familien bedürfen unserer besonderen Förderung. Denn
Kinder sind eine Bereicherung für die Zukunft. Eine moderne Familienpolitik muss
insbesondere den sich ändernden gesellschaftlichen Bedingungen Rechnung tragen.

Familie und Beruf

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eines der wichtigsten Ziele liberaler Fami­
lien- und Frauenpolitik. Ein breiteres und flexibleres Angebot an staatlichen und pri­
vaten Kinderbetreuungsplätzen muss geschaffen werden. Erst dann besteht wirkliche
Wahlfreiheit für Frauen und Männer, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Die FDP tritt für mehr Markt und Wettbewerb in der Kinderbetreuung ein. Dies wird
durch Einführung der so genannten Kita-Gutscheine erreicht. Damit wird den Eltern
ihr Anspruch auf Kinderbetreuung gesichert, ohne Zuweisung eines konkreten Kin­
dergartenplatzes. Die Eltern suchen sich auf dem Markt der Anbieter als Nachfrager
die von ihnen gewünschte Leistung aus.

Um die Förderlücken zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr zu schließen, müssen in


diesem Bereich verstärkt Kinderbetreuungsplätze angeboten werden. Denn das ein­
kommensabhängige Erziehungsgeld wird in den meisten Bundesländern nur für die
ersten beiden Jahre gezahlt, der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz gilt
aber erst ab dem vollendeten 3. Lebensjahr. Die Einrichtung von Betriebskindergär­
ten ist durch flexible und vereinfachte gesetzliche Vorgaben zu erleichtern. Für klei­
nere Unternehmen bieten sich Kooperationsformen mit anderen Betrieben oder mit
Kindergärten an. Des Weiteren müssen, um Gleichberechtigung für Eigeninitiativen
zu gewährleisten und Kindergartenplätze in ausreichendem Maße zu schaffen, ein­
schlägige Bauvorschriften auf ihre Erforderlichkeit überprüft werden. Überholte und
überzogene Regulierungen müssen dabei zu Gunsten einer familiengerechten Politik
abgebaut werden. .

Ferner soll ein 5-Jahres-Programm aufgelegt werden, in das Bund und Länder je­
weils 500 Millionen Euro jährlich einzahlen, um die Infrastruktur und das Angebot an
Kinderbetreuungsplätzen zu verbessern. Private und ehrenamtliche Initiativen auf
dem Gebiet der Kinderbetreuung sind stärker zu unterstützen. Die tatsächliche und
rechtliche Stellung von Tageseltern muss verbessert werden. Entsprechende Wei­
terbildungsangebote sollen die Beachtung von Qualitätsstandards sicherstellen.
48 49

auf die heutige Sozialhilfe (Bürgergeld, Einstiegsgeld) sinnvoller als die Bezuschus­
Eltern müssen sich sicher sein können, dass ihre Kinder auch bei Stundenausfall bis sung der Sozialversicherungsbeiträge (z.B. Mainzer Modell).
mittags in der Schule betreut werden. Betreuungsangebote vor und nach dem Unter­
richt im Zeitrahmen von 7.00 - 14.00 Uhr müssen geschaffen werden. Im Bereich der Zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf müssen anfallende Betreuungsko­
weiterführenden Schulen wird angestrebt, neben den bestehenden Angeboten an der sten, wie KiTa-Gebühren, Kosten für Tagesmütter etc. für Arbeitnehmer/innen als
Schule die Einrichtung weiterer Betreuungsangebote am Nachmittag zu unterstützen. Werbungskosten und für Selbständige als Betriebsausgaben absetzbar sein. Auch
Das Angebot an Ganztagsschulen muss bedarfsorientiert und in enger Abstimmung die Kosten für die Inanspruchnahme von Dienstleistungsagenturen für die Kinderbe­
mit den Schulträgern - insbesondere den bestehenden Hort-Angeboten - ausgebaut treuung sind steuerlich zu berücksichtigen. Die steuerliche Abzugsfähigkeit von
werden. hauswirtschaftlichen Beschäftigungsverhältnissen ist wieder einzuführen, um sozial­
versicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse in Privathaushalten zu schaffen. Der
Eine quantitativ und qualitativ verbesserte Kinderbetreuung ist der Schlüssel für die Höchstbetrag der Abzugsfähigkeit ist auf 12.500 Euro (d.h. von zuletzt 18.000 DM
bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber gleichzeitig ist die Schaffung fami­ pro Jahr auf ca. 25.000 DM pro Jahr) zu erhöhen.
lienfreundlicher Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt ein wichtiges Ziel. Um den
Lebensplanungen der Frauen und Männer Rechnung zu tragen, die sich gesell­
schaftliches, berufliches und familiäres Engagement gleichermaßen wünschen, sind Familie und soziale Sicherung
vor allem Flexibilität und kreative individuelle Lösungen gefragt - stall staatlicher
Zwangsmaßnahmen: Eine höhere Flexibilität des Arbeitsmarktes unter Verzicht auf Als Konsequenz aus dem Verfassungsgerichtsurteil zur Pflegeversicherung vom Ap­
überzogene Schutzbestimmungen würde den (potenziellen) Eltern ermöglichen, ent­ ril 2001 sind Familien mit Kindern während der Erziehungsphase der Kinder (und nur
sprechend ihrer jeweiligen Lebenssituation Voll- oder Teilzeit zu arbeiten oder auch während der Phase der Kindererziehung) in der Sozialversicherung dort zu entlasten,
temporär aus der Arbeitswelt auszusteigen. Weitere Flexibilisierungen bei Arbeitszeit wo ihr Beitrag zur intergenerativen Kostenverteilung nicht ausreichend berücksichtigt
und Arbeitsort helfen dabei, familiäre Pflichten trotz der Berufstätigkeit zu erfüllen. wird. Die vom Bundesverfassungsgericht geforderte stärkere Berücksichtigung der
Auch für Familienfreundlichkeit in der Personalpolitik und bei der Gestaltung von Kindererziehung in der Sozialversicherung soll nicht durch eine Beitragsstaffelung
Ausbildungs-, Fort- und Weiterbildungsangeboten gibt es viele gute Beispiele, die in nach Kinderzahl verwirklicht werden, sondern durch direkte Beitragszuschüsse an
Form von Netzwerken, Kooperationen, Gütesiegeln oder dergleichen gefördert wer­ die Familien. Familien zu fördern ist Aufgabe staatlicher Sozialpolitik.
den müssen. Familienpolitische Leistungen sind als Transferleistungen von Versicherungsleistun­
gen zu trennen und aus allgemeinen Steuermilleln zu finanzieren.

Familie und Steuern Die Forderung, allgemein das Armutsrisiko für Familien möglichst zu beseitigen, gilt
insbesondere, wenn außergewöhnliche finanzielle Belastungen durch behinderte
Durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist die finanzielle Be­ oder chronisch kranke Kinder vorliegen. Deshalb sind hier bei Bedarf zusätzliche Un­
nachteiligung der Familien vor allem im Steuerrecht aufgezeigt worden. Die Umset­ terstützungen notwendig. Die Gewissheit, dass man als Familie in solchen Notlagen
zung des Urteils von 1999 zur Einführung eines Erziehungs- und eines Betreuungs­ mit speziellen staatlichen Hilfen rechnen kann, erleichtert potenziellen Eltern erheb­
betrages bleibt aber hinter dem Notwendigen und Gebotenen zurück. Deshalb muss lich die Entscheidung für Kinder.
die Familie weiter steuerlich entlastet werden. Das liberale Konzept der finanziellen
Entlastung und Förderung von Familien sieht folgende Maßnahmen vor: Die soziale Sicherung der Familie besteht nicht nur aus direkter, finanzieller Famili­
enförderung. Immer deutlicher zeigt sich, dass Erziehung, Bildung, Betreuung, Bera­
Das Existenzminimum bleibt steuerfrei. Nur das darüber hinaus gehende Einkommen tung, Freizeitgestaltung ebenso bedeutend für das Wohlergehen und die positive
darf als disponibles Einkommen der progressiven Besteuerung unterworfen werden. Entwicklung der Kinder sind. Kinder haben ein Recht auf Erziehung. Die Ausgestal­
Zur Freistellung des Existenzminimums will die FDP einen einheitlichen steuerlichen tung einer sozialen Infrastruktur ist für Kinder und Jugendliche besonders wichtig.
Grundfreibetrag in Höhe von 7.500 Euro für jeden Bürger, also auch für jedes Kind. Eltern müssen in der Erfüllung ihrer familiären Aufgaben gestärkt und unterstützt
Der besonderen Belastung von Familien einschließlich der Alleinerziehenden wird werden. Gleichzeitig sind bei Bedarf aber auch pädagogische Angebote und soziale
durch diese deutliche Erhöhung des Freibetrags für Kinder Rechnung getragen. Das Dienste bereit zu stellen.
direkt ausgezahlte Kindergeld bleibt erhalten und wird entsprechend angepasst.

Kindern soll ermöglicht werden, in einem durch Eigenverantwortlichkeit geprägten Lebenspartnerschaften


Haushalt aufzuwachsen. Wie in anderen Ländern will die FDP mit Hilfe des Bürger­
geldkonzepts speziell Alleinerziehenden den Sprung in eine Teilzeiterwerbstätigkeit Als Verantwortungsgemeinschaften sind neben Ehe und Familie seit 2002 auch ein­
erleichtern: Sie könnten bei jedem selbstverdienten Euro sicher sein, ein höheres getragene Lebenspartnerschaften anerkannt. Die FDP begrüßt die Möglichkeit für
Einkommen zu behalten als ohne Arbeit. Heute sind dazu Brulloverdienste erforder­ gleichgeschlechtliche Paare, ihre Partnerschaften rechtlich abzusichern. Die FDP
lich, die häufig nur durch den übergangslosen Sprung in Vollzeitarbeit erreicht wer­ halle als erste Partei in der laufenden Wahlperiode einen Gesetzentwurf hierfür vor­
den können. Um hier kurzfristig Abhilfe zu schaffen, sind Teilanrechnungsmodelle
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gelegt, der im Gegensatz zum jetzt beschlossenen Gesetzespaket ein Entwurf der ihr eigenes Leben selbst bestimmen, können sie sich bewusst und frei entscheiden
Freiheit, der Entscheidungsfreiheit der Partner war. Leider hat Rot-Grün keinen ge­ und eine partnerschaftliche Gleichberechtigung herbeiführen.
sellschaftlichen Konsens gesucht. In der Folge wurden wichtige Teile des Gesetzes­
paketes im Bundesrat blockiert. Als Ergebnis gibt es heute ein Ungleichgewicht von
Rechten und Pflichten zu Lasten der eingetragenen Lebenspartner. Die FDP setzt Senioren
sich dafür ein, die offenen Rechtsfragen unverzüglich gesetzlich zu regeln und Rech­
te und Pflichten in Einklang zu bringen. Mittelfristig ist zu untersuchen, ob die beste­ Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung wächst stetig an. Diese
henden gesetzlichen Regelungen den Bedürfnissen von gleichgeschlechtlichen Le­ Entwicklung begreift die FDP als Ansporn für eine neue Seniorenpolitik, welche die
bensgemeinschaften gerecht werden oder ob in anderen Rechtsbereichen weitere Chancen älterer Bürger verbessert, sich in der Bürgergesellschaft mehr zu beteiligen
Diskriminierungen bestehen. Diese Diskriminierungen müssen beseitigt werden. Die und an Entscheidungen mitwirken zu können.
FDP fordert hier insbesondere Änderungen im Erbschaftssteuerrecht.
Eine liberale Seniorenpolitik geht Jung wie Alt gleichermaßen an, weil sie das Ge­
geneinander der Generationen verhindern und das Miteinander erreichen will. Ältere
Frauen Menschen sollen ihre Freiheit behalten und ihre Verantwortung wahrnehmen können.
Ihre Lebensleistung verdient Anerkennung. Auf ihre Erfahrungen und ihr Wissen
Klassische Wertvorstellungen und gesellschaftliche Rollenbilder befinden sich in ei­ kann die moderne Gesellschaft nicht verzichten, ohne Schaden zu nehmen. Das gilt
nem rasanten Wandel. Vor diesem Hintergrund hat sich vor allem das Selbstver­ besonders in der Arbeitswelt.
ständnis von Frauen fundamental geändert. Viele Frauen wollen heute Beruf, Karrie­
re und Familie verwirklichen. Dieser Wunsch muss heute genauso möglich sein, wie Nur in Deutschland werden ältere Arbeitnehmer in so großer Zahl und so frühzeitig in
die Entscheidung für einen der Bereiche. Viele Frauen sehen sich heute vor die Ent­ den Ruhestand geschickt. Während in Deutschland nur 39 % der Menschen zwi­
scheidung zwischen Kind, Berufstätigkeit und Karriere gestellt. Dies führt häufiger schen 55 und 64 Jahren erwerbstätig sind, liegt der Vergleichswert in anderen Indu­
dazu, dass auch gut ausgebildete Frauen auf Kinder verzichten. Es ist Aufgabe von strieländern bei bis zu 70 %. Der Verzicht auf diese erfahrenen Arbeitnehmer ist kei­
Politik und Arbeitgebern, dieser Entwicklung durch Schaffung entsprechender Rah­ ne Maßnahme gegen die Arbeitslosigkeit - im Gegenteil; andere Industriestaaten mit
menbedingungen für die Vereinbarkeit von Kindern, Berufstätigkeit und Karriere höherer Erwerbsbeteiligung älterer Menschen haben insgesamt eine höhere Er­
entgegen zu wirken. werbsquote und eine niedrigere Arbeitslosenquote als Deutschland.

Die FDP begreift liberale Frauenpolitik nicht als weibliche Spartenpolitik, weil sie in Der Umbau der Arbeitsrechtsordnung ist daher erforderlich. Schutzvorschriften sind
alle politischen und gesellschaftlichen Bereiche hineinreicht. Sie muss als politische zu durchforsten und die Subventionierung der Frühverrentung muss eingestellt wer­
Querschnittsaufgabe begriffen werden, die mit jedem Politikfeld Berührungspunkte den zu Gunsten von Anreizen, dem Arbeitsmarkt länger zur Verfügung zu stehen.
hat.
Heute sind ältere Bürger ungleich aktiver und leistungsfähiger als früher. Daher sind
Obwohl die Gleichberechtigung von Frauen und Männern gesellschaftlich und juri­ auch gesetzliche Altersgrenzen für berufliche Tätigkeiten zu überprüfen und ggf. zu
stisch festgelegt ist, sind Frauen jedoch nach wie vor in denjenigen Positionen unter­ streichen. Auf der kommunalen Ebene sollen Senioren zur stärkeren Mitwirkung in
repräsentiert, die mit hohem Einkommen und Sozialprestige ausgestattet sind. Trotz Seniorenvertretungen und Parlamenten motiviert werden. Ein freiwilliges soziales
hoher beruflicher Qualifikation sind Frauen in Führungspositionen nach wie vor eine Jahr für Senioren sollte eingeführt und wie das freiwillige soziale Jahr der Jugendli­
Seltenheit. Formelle und informelle Netzwerke sowie persönliche Förderung sind un­ chen mit finanziellen Anreizen versehen werden. Die Tür zu neuen Techniken und
verzichtbar für den beruflichen Erfolg. Die FDP unterstützt das Konzept des "Mento­ Medienkompetenz sollte sich durch gezielte Bildungsangebote besser öffnen.
ring", um verschiedenartige diskriminierende Faktoren auszugleichen, die den Frau­
en den Weg zu informellen Nachrichten oder karriererelevanten Kontakten erschwe­ Der notwendige Umbau der Sozialsysteme muss Versorgungssicherheit, Beitrags­
ren. stabilität und Generationengerechtigkeit in gleichem Maße zum Ziel haben. Eine Ge­
nerationenbilanz ist als Grundlage für die notwendige Weichenstellung regelmäßig
Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist in unserer Gesellschaft nach wie vor zu erstellen.
Realität. Die Benachteiligungen von Frauen im Beruf und von Männern in der Kin­
dererziehung spiegeln nicht die Wünsche vieler Paare nach einer partnerschaftlichen Liberale Seniorenpolitik ist nicht nur Politik für die aktiven Alten. Sie befasst sich
Gestaltung ihres Familienlebens wider. Die FDP verkennt nicht, dass Frauen, um auch mit der bedarfsgerechten Versorgung alter, hilfe- und pflegebedürftiger Men­
gleichberechtigte, selbstbestimmte Verantwortung realisieren zu können, Unterstüt­ schen. Zunehmend sind Familien hier völlig überfordert, eine professionelle Hilfe in
zung in der Gesellschaft und Politik brauchen. Als einzige Partei setzt sie auf das allen Notlagen ist finanziell kaum leistbar. Schon mit einem Wohnungsbau, der für
kreative Potenzial der einzelnen Bürgerinnen, ihre Leistungsbereitschaft und ihren einen Generationenmix sorgt, sowie mit Netzwerken gegenseitiger Hilfe der Senioren
Willen, ihr Leben selbst bestimmt zu leben. Die FDP setzt auch darauf, dass zuneh­ untereinander, können zukunftsweisende Entwicklungen einsetzen. Die FDP spricht
mend erkannt wird, dass Wirtschaft und Gesellschaft die Potenziale und Fähigkeiten sich in diesem Zusammenhang vorrangig für generationsübergreifende Wohnmodel­
von Frauen brauchen und nicht länger ausgrenzen können. Nur wenn Frauen über
52 53

le aus, in denen ältere Menschen und junge Familien zusammen leben und einander Gute Förderung ist die Grundvoraussetzung für echte Teilhabe und somit für ein
unterstützen. selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen. Dabei muss gute Förderung häufig
eine Leben lang stattfinden, will sie wirklich dauerhafte Erfolge erzielen: FrÜhförderung
Auch die Medizin muss sich fachlich auf die zunehmende Zahl erkrankter alter Men­ spielt beim Erlernen von Grundfertigkeiten eine nicht zu unterschätzende Rolle. Diese
schen einstellen. Schon in der Ausbildung an Universitäten durch Errichtung ent­ bestimmen die ganze weitere Entwicklung. Die Eltern behinderter Kinder sind auf Un­
sprechender Lehrstühle für Geriatrie und Gerontologie ist das Fachwissen bei Haus­ terstützung und auf ortsnahe, flexible mobile oder ambulante Hilfe dringend angewie­
und Fachärzten zu verbreitern. Die FDP tritt nachdrücklich für eine präventive AI­ sen. Dabei sind auch von Behinderung bedrohte Kinder zu berücksichtigen.
tersmedizin ein.
Die medizinische Forschung ist bezüglich Entstehung und Auswirkungen der ver­
Für behinderte Menschen, die das Rentenalter erreicht haben, sind spezielle integra­ schiedenen Behinderungsarten zu intensivieren. Schwerpunktmäßig sind Behandlung
tive Konzepte zu entwickeln. Herkömmliche Alten- und Pflegeheime sind auf die be­ und Rehabilitation gezielt zu erforschen. Die FDP lehnt in diesem Zusammenhang die
sonderen Bedürfnisse älterer Menschen mit Behinderung stärker auszurichten. Forschung an nicht einwilligungsfähigen Personen ab. Liberale Forschungspolitik ori­
entiert sich immer an der Würde des Menschen.

Menschen mit Behinderungen


Bürgerschaftliches Engagement
Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige haben ein Recht auf ein wei­
testgehend selbstbestimmtes Leben. Sie müssen mit klaren Rechten und fairen Bürgerschaftliches Engagement ist ein wichtiges Element einer freiheitlichen Gesell­
Chancen ausgestattet werden. In jedem Lebensabschnitt und in jeder Lebenssituati­ schaft. Grundlegend für dauerhafte starke demokratische Strukturen ist der unent­
on müssen sie die Chance erhalten, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es wollen und geltliche Einsatz persönlicher, geistiger und manueller Kreativität in der und für die
können. Gesellschaft, verbunden mit individueller Leistungsbereitschaft, Verantwortungsbe­
wusstsein und Pflichtgefühl. Die Liberalen treten für die Stärkung des selbstbestimm­
Behindertenpolitik darf nicht nur für behinderte Menschen, sie muss mit behinderten ten und selbstverantworteten ehrenamtlichen Engagements der Bürger ein. Die Rolle
Menschen gemacht und wesentlich durch sie mit gestaltet werden. Dies gilt für alle des Staates darf nur diejenige eines Rahmengesetzgebers sein, der die rechtlichen
Formen von Behinderungen. Einzelne Gruppen von behinderten Menschen, die kei­ und tatsächlichen Voraussetzungen für freiwillige Tätigkeit schafft. Dazu gehört etwa
ne Lobby haben oder sich nicht so gut artikulieren können, dürfen nicht benachteiligt die Festlegung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für einen allgemeinen Freiwil­
werden. ligendienst.

Ziel liberaler Behindertenpolitik ist echte Teilhabe, denn Menschen mit Behinderun­ Mit neuen Anreizen müssen die vorhandenen Potentiale für ehrenamtliche Tätigkei­
gen gehören in die Mitte der Gesellschaft. Um dieses Ziel zu erreichen, muss gerade ten erschlossen werden. Im Gegensatz zu dem allgemeinen Grundsatz einer strikten
in der Behindertenpolitik von der Objekt- zur Subjektförderung umgesteuert werden: Trennung von ehrenamtlichem Engagement und Erwerbsarbeit soll in den Fällen ei­
Nicht vorrangig die Einrichtungen für behinderte Menschen sind zu fördern, sondern ne soziale und versicherungsrechtliche Absicherung ausdrücklich zugelassen wer­
die behinderten Menschen selbst. Sie sollen im Regelfall ein persönliches Budget den, in denen Menschen während ihrer Einsatzzeit ausschließlich in diesem Rahmen
erhalten, mit dem sie sich die notwendigen Leistungen nach ihren Wünschen und tätig sind. Die Förderung neuer Formen des bürgerschaftlichen Engagements, wie
Bedürfnissen besorgen können. Selbstverständlich sind dabei die jeweiligen persön­ z.B. Freiwilligen-Agenturen, muss verstärkt werden.
lichen Fähigkeiten zu berücksichtigen und die notwendige Assistenz z.B. durch An­
gehörige, Selbsthilfeverbände oder Betreuungspersonen zu gewährleisten. Die FDP will die Wehrpflicht aussetzen, dadurch entfällt auch der Zivildienst als Er­
satzdienst. Die bisher vom Zivildienst erfüllten Aufgaben sollen durch ehrenamtlich
Die FDP unterstützt die verschiedenen Formen der BemÜhungen zur Integration von Tätige und hauptamtlich Beschäftigte erfüllt werden. Dazu bedarf es insbesondere
behinderten Kindern in Kindergärten, Schulen und weiterführenden Bildungseinrich­ einer Neuorientierung der Freiwilligendienste in Deutschland. Die bisherigen Mög­
tungen. Dem Elternwillen und den Wünschen der behinderten Menschen sollte ver­ lichkeiten eines Freiwilligen Sozialen Jahres oder eines Freiwilligen Ökologischen
stärkt Rechnung getragen werden. Jahres sind zu starr. Freiwilligendienste müssen auch für weitere Aufgaben zugelas­
sen und zeitlich flexibler für alle Altersgruppeli möglich sein.
Für die meisten Menschen mit Behinderungen ist die Aufnahme einer bezahlten Be­
schäftigung ein wichtiger Beitrag zu mehr Selbständigkeit. Meist sind sie sehr zuver­
lässige, hoch motivierte und produktive Arbeitnehmer. Sondervorschriften, die Men­
schen mit Behinderungen eigentlich die Arbeit erleichtern sollen, gehören vorurteils­
frei auf den Prüfstand. Kriterium ist, ob diese Vorschriften die Annahme eines Ar­
beitsplatzes wirklich erleichtern oder eher erschweren.
54 55

Politik für ein freies und sicheres Deutschland werden, wenn sie das erkennende Gericht im Urteil vorbehalten hat, ein Verteidiger
die Rechte des Verurteilten wahrt und die Entscheidung durch das erkennende Ge­
I. Freiheit erhalten und Sicherheit gewährleisten richt erfolgt.

Die FDP versteht den Rechtsstaat als Garant für die Freiheit einer offenen Bürgerge­ Die FDP wird darauf achten, dass jegliche Pläne zur Entkriminalisierung sogenannter
sellschaft, die an seinen politischen Entscheidungen teilnimmt und bereit ist, in ihm Bagatellkriminalität keine Chance bekommen. Auch in Zukunft müssen Ladendieb­
Verantwortung zu übernehmen. Es ist eine wesentliche Aufgabe des Staates, die stahl, Schwarzfahren und Graffitischmierereien konsequent bekämpft werden. Hierzu
Rechte seiner Bürger zu schützen. Freiheit und Sicherheit dürfen keine Gegensätze gehört die Schaffung eines Straftatbestandes bei Graffitischmierereien.
werden. Zur Freiheit gehört es, die Rechte anderer zu respektieren. Sicherheit darf
nicht zur Überwachung und Gängelung führen. Darum muss sich der Staat auf seine
Kernaufgaben konzentrieren. Die Herrschaft des Rechts sichert Freiheiten und Mit­ Verfassungsschutz
wirkungsrechte, sie gewährt die Chancengleichheit und den Schutz der Minderhei­
ten, sie definiert die Pflichten des Einzelnen gegenüber dem Staat und die Pflichten Die Terroranschläge in New York und Washington vom [Link] 2001 haben
des Staates gegenüber dem Einzelnen. Die dabei erforderlichen Gesetze muss er die Notwendigkeit eines wirksamen Verfassungsschutzes vor Augen geführt. In
durchsetzen und verwirklichen können. Vor der Verabschiedung neuer Gesetze ist einem Rechtsstaat ist es aber zwingend geboten, die Sammlung und Auswertung
zu prüfen, ob die bereits bestehenden Gesetze nicht ausreichen. Ein Staat, der zu persönlicher Daten nur unter engen Voraussetzungen zu erlauben. Es handelt sich
viele Gesetze hat, misstraut seinen Bürgern und macht sie zu Untertanen. In bei dieser Arbeit um einen nicht unerheblichen Eingriff in die persönliche Freiheit.
Deutschland besteht ein Vollzugsdefizit und nicht ein Gesetzgebungsdefizit. Daher Andererseits kann unsere freiheitliche Gesellschaft auch durch frühzeitige
müssen Polizei und Justiz personell sowie materiell ausreichend ausgestattet sein. Erkenntnisse vor terroristischen Anschlägen geschützt werden. Die Dienste müssen
dazu in die Lage versetzt werden, Informationen durch einen weitreichenden Zugriff
auf Daten zu gewinnen. Es bedarf daher in allen Fällen einer gesetzlichen Grundla­
Staatliches Gewa/tmonopol ge, einer nachträglichen Benachrichtigung des Betroffenen und auch nachträglich
einer gerichtlichen Kontrolle. Auch muss die parlamentarische Kontrolle auf Bund­
Das staatliche Gewaltmonopol ist für die FDP Kernelement des Rechtsstaates. Es ist und Länderebene gestärkt werden.
die stärkste Garantie für eine möglichst gewaltlose Gesellschaft. Ein Rechtsstaat
kann nur effektiv reagieren, wenn er über die inzwischen zum Standard gehörenden
technischen Mittel verfügt. Die FDP möchte auf der einen Seite in Bund und Land Datenschutz
eine Polizei, die besser ausgebildet, organisiert, besoldet und moderner ausgestattet
wird. Gleichzeitig fordert sie eine Polizei, die sich auf die Kernaufgaben konzentriert. Deutschland verfügt über ein gut entwickeltes und ausdifferenziertes Recht des Ein­
Die wichtigste Kernaufgabe ist dabei der Schutz der Bürgerrechte. Auf der anderen zelnen auf Schutz seiner Daten. Das Datenschutzrecht genießt sogar Verfassungs­
Seite lehnt es die FDP ab, dass eine immer weitere Herabsenkung der polizeilichen rang. Es gilt freilich nicht absolut. Vielmehr muss es immer mit ranggleichen Interes­
Eingriffsschwellen im Rahmen von Bundes- und Landesgesetzen erfolgt. sen der Allgemeinheit abgewogen werden, wie z.B. dem Interesse an einer effektiven
Terrorismusbekämpfung. Dabei hat es der Datenschutz seiner abstrakten Natur nach
Die Bekämpfung der Kriminalität darf nicht an den Bundesgrenzen enden. Die Zu­ als Abwägungsfaktor generell schwer, sich gegen Interessen der Allgemeinheit, wie
sammenarbeit von Polizei und Strafverfolgungsbehörden in Europa muss zügiger als z.B. das Interesse an einer effektiven Terrorismusbekämpfung, zu behaupten. Dies
bisher verbessert werden. gilt umso mehr, als der Begriff "Datenschutz" in den Grundrechten unserer Verfas­
sung gar nicht auftaucht. Gerade bei den erweiterten Befugnissen von Polizei und
Die FDP erteilt auch weiterhin allen Überlegungen eine Absage, polizeiliche Befu­ Nachrichtendiensten im Zuge der Terrorismusbekämpfung ist es erforderlich, nach
gnisse auf private Sicherheitsunternehmen zu übertragen. Zur Entlastung der Steu­ außen sichtbare Abwehrrechte des Bürgers entgegen zu setzen. Das bedeutet: In
erzahler müssen aber die Kosten eines Einsatzes zu dem Schutz und der Bewa­ das Grundgesetz muss ein eigenständiges Grundrecht auf Datenschutz aufgenom­
chung von privatwirtschaftlichen Großveranstaltungen soweit wie möglich zu Lasten men werden. Dies empfiehlt sich auch im Hinblick auf die Verfassungen der europäi­
des Veranstalters gehen. schen Nachbarn und die Europäische Grundrechtscharta, die bereits entsprechende
Regelungen enthalten. ­
Die FDP setzt sich dafür ein, dass durch einen effektiven Einsatz von Polizei und
Staatsanwaltschaft, gerade im Bereich von sogenannter Alltagskriminalität, die Strafe Die FDP wendet sich gegen die Abschaffung des Bankgeheimnisses, da bereits jetzt
der Tat auf dem Fuße folgt. Das beschleunigte Verfahren muss hier verstärkt zur Banken im Rahmen strafrechtlicher Ermittlungen auskunftspflichtig sind. Das materi­
Anwendung kommen. Denn gerade eine schnelle Bestrafung führt dem Straftäter vor elle Recht bietet damit ausreichende Möglichkeiten zur Bekämpfung von Geldwä­
Augen, dass er Freiheitsrechte anderer verletzt hat. Die nachträgliche Anordnung der sche und illegalen Finanztransaktionen.
Sicherungsverwahrung kann bei Straftätern geboten sein, deren andauernde Gefähr­
lichkeit sich erst während des Strafvollzuges herausstellt. Sie kann nur verhängt Unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung darf nicht der "gläserne Bürger"
geschaffen werden. Dem Bürger muss die Möglichkeit eingeräumt werden, staatli­
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ches Handeln, das ihn betrifft, zu kontrollieren. Dabei bedarf es eines Informations­ Das Waffenrecht ist nur ein Aspekt in der Diskussion über die Ursachen von Gewalt
freiheitsgesetzes, welches den Bürgern das Recht einräumt, die über ihn geführten und über präventive und repressive Lösungsansätze. Gründliche Analysen und das
Akten einzusehen. Abwägen von Expertenvorschlägen müssen Vorrang vor politischen Schnellschüs­
sen haben. Die FDP fordert die Einsetzung einer Gewaltkommission, die auf der
Der Datenschutz muss den neuen technischen Entwicklungen angepasst werden. Grundlage einer fundierten Analyse Handlungsempfehlungen abgibt.
Die Rechte des Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder müssen ver­
bessert werden, so zum Beispiel im Bereich der Telefonüberwachungsmaßnahmen,
die in Deutschland in den letzten Jahren massiv angestiegen sind. Darum fordern 11. Innere Sicherheit
wir, dass dem Bundestag und den Landtagen jährlich ein Bericht vorgelegt wird, aus
dem sich mindestens Art der überwachten Einrichtungen, Anzahl und Dauer der Te­ Kernaufgabe des liberalen Staates ist die Sicherung der Freiheit. Für die Liberalen ist
lefonüberwachungen, die Zahl der erfassten Gespräche, der Anlass und die Art der der Gedanke der Freiheit keine Bedrohung, vor der man Zuflucht bei der Sicherheit
Entscheidung, das Ergebnis und die Kosten der Maßnahmen, die Zahl der betroffe­ suchen müsste. Sicherheit ist kein Selbstzweck, sondern Durchsetzung der Rechts­
nen Personen, ihre Beziehung zur vermuteten Tat und ihre Benachrichtigung. Die ordnung zur Sicherung der Freiheit. Es ist zwar richtig, dass Freiheit ohne Sicherheit
FDP wird die Erfahrungen mit dem Abhören von Wohnungen nach Artikel 13 GG nicht möglich ist. Das bedeutet aber nicht, dass eine Gesellschaft um so freier wäre,
weiterhin kritisch begleiten. Bereits jetzt hält sie eine Verbesserung der parlamentari­ je intensiver ihre Bürger überwacht, kontrolliert und beobachtet werden. Die FDP
schen Kontrolle und der Berichterstattung an den Deutschen Bundestag für unum­ lehnt die immer wiederkehrende Reaktion der Politik ab, bei Bedrohung von Freiheit
gänglich. und Sicherheit durch Kriminalität und Terror möglichst schnell immer neue, spektaku­
läre und umfangreiche Gesetze zu erlassen. Dieser Aktionismus erreicht wenig oder
Die FDP hält das Instrument der Rasterfahndung für geeignet, bei einem hinreichend nichts. Die FDP orientiert sich an den Grundrechten und an den Grundsätzen der
konkreten Raster durch die umfangreiche Sammlung von Daten, Verdächtige und Erforderlichkeit, Verhältnismäßigkeit und Geeignetheit. Wir sind der Überzeugung,
potenzielle Täter aufspüren und ergreifen zu können. Die FDP fordert eine rechts­ dass wir kein Defizit an Gesetzen, sondern ein Defizit bei ihrem Vollzug haben. Wir
staatliche Anwendung der Rasterfahndung und eine stärkere Kontrollbefugnis durch sind der Auffassung, dass die internationale Zusammenarbeit der Polizei dringend
die Datenschutzbeauftragten. Insbesondere ist sicherzustellen, dass Rasterfahndun­ verbessert werden muss. Dabei kommt es nicht nur auf eine rechtsstaatliche Weiter­
gen grundsätzlich eine richterliche Entscheidung voraussetzen und dass die dabei entwicklung von EUROPOL an, sondern darauf, die unmittelbare grenzüber­
angefallenen Daten gelöscht werden, soweit sie nicht für das der Fahndung zugrun­ schreitende Zusammenarbeit der Polizeien der Länder endlich wieder von Bürokratie
de liegende Verfahren benötigt werden zu befreien. Die Zusammenarbeit der Polizei Nordrhein-Westfalens mit der nieder­
ländischen Polizei oder der Polizei Brandenburgs mit der polnischen Polizei muss
ebenso reibungslos möglich sein wie die Zusammenarbeit der Polizeien der Bundes­
Verfallsdaten für Gesetze länder untereinander.

Die FDP setzt sich dafür ein, dass Gesetze stärker als bisher mit Verfallsdaten ver­ Die FDP hat das Sicherheitspaket 11 der Bundesregierung aus Überzeugung abge­
sehen werden. lehnt, da es nur in wenigen Fragen überhaupt mit dem Vorgehen gegen Terrorismus
zusammenhängt, die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit, Notwendigkeit und Geei­
gnetheit bei den tiefen Einschnitten in die Bürgerrechte nicht eingehalten werden und
Waffenrecht das Verfahren zur Beratung des Sicherheitspaktes 11 den Prozessen einer demokra­
tischen Willensbildung in keiner Weise entsprochen hat. Die aufgrund der Ereignisse
Das konsequente Vorgehen gegen illegalen Waffenhandel und Waffenbesitz in vom 11. September 2001 verabschiedeten Gesetze müssen anhand dieser Maßstä­
Deutschland bleibt Hauptforderung der FDP. be überprüft und gegebenenfalls angepasst, eingeschränkt oder teilweise auch wie­
der rückgängig gemacht werden.
Beim legalen Waffenbesitz setzt sich die FDP für eine Änderung des Waffengesetzes
mit dem Ziel ein, den Erwerb von Schusswaffen durch Jugendliche und Heranwach­ Die FDP lehnt einen Einsatz der Bundeswehr zum Schutz der inneren Sicherheit ab.
sende zu begrenzen. Die Bundeswehr ist zum Schutz der äußeren Sicherheit da, die Polizeien des Bundes
und der Länder zum Schutz der inneren Sicherheit.
Die bestehenden Verpflichtungen zur Meldung der Überlassung und des Erwerbs
von Waffen müssen konsequent überwacht und sanktioniert werden. Gerade im Waf­
Opferrechte stärken
fenrecht gibt es große Vollzugsdefizite. Deshalb fordert die FDP, die zuständigen
Behörden materiell und personell so auszustatten, dass die angestrebten Verände­ Das Strafverfahren dient der raschen und nachdrücklichen Aburteilung des Täters. In
rungen auch umgesetzt werden können. den Mittelpunkt der Rechtspolitik gehören jedoch der Schutz und die Rechte der Op­
fer von Straftaten. Die gesetzlichen Maßnahmen, durch die die rechtliche, tatsächli­
che und psychologische Situation der Opfer, ihrer Angehörigen sowie der Zeugen
58 59

verbessert werden sollten, sind von der Bundesregierung nicht entschieden genug Extremismusbekämpfung
fortgesetzt worden. Daher setzt sich die FDP weiterhin für eine konsequente Reform
des Strafprozessrechts, des Strafrechts sowie der Opferschutzgesetze ein. Die FDP verurteilt jeglichen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und
Gewalt. Der Umfang extremistischer Straftaten in der Bundesrepublik Deutschland ist
Schon im Strafverfahren soll das Opfer seine Ansprüche gegen den Täter durchset­ Besorgnis erregend. Die Annahme, es handele sich um vorübergehende Vorgänge,
zen können. Die FDP tritt konsequent denjenigen entgegen, die durch ein falsches hat sich nicht bestätigt. Die FDP unterstützt die zügige Umsetzung des "Bündnisses
Verständnis für Straftäter den viel wichtigeren Schutz der Opfer und Unschuldiger für Demokratie und Toleranz ~ gegen Extremismus und Gewalt" unter Beteiligung
vergessen. Dazu gehört auch ein klares Vorgehen gegen häusliche Gewalt und un­ insbesondere der Freiwilligen-Organisationen mit ihrem breiten Angebot an Jugend­
zumutbare Belästigungen, wie ständiges Verfolgen und Nachstellen gegen den Wil­ arbeit. Zusätzlich soll ein jährlicher Betrag für Projekte zur Förderung der kommuna­
len des Opfers, etwa durch Telefonterror. Die FDP tritt für eine entschiedene Be­ len Jugendarbeit, insbesondere für politische Bildung und soziales Engagement fest­
kämpfung des Menschenschmuggels und Frauenhandels ein. Sie fordert eine ent­ gesetzt werden.
schiedene Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes in der Praxis. Gewalt als Mittel der
Auseinandersetzung darf in unserer Gesellschaft niemals Erfolg haben. Die FDP fordert eine stärkere Unterstützung der freiwilligen Organisationen mit ihrem
breiten Angebot an Jugendarbeit (Sport- und sonstige Freizeitangebote). Jährlich
muss ein Betrag von mindestens 130 Millionen Euro für Projekte zur Förderung der
Sexuellen Missbrauch von Kindern bekämpfen kommunalen Jugendarbeit, insbesondere für politische Bildung, soziales Engage­
ment und für kulturelle Arbeit in nichtstaatlichen Organisationen im Bundeshaushalt
Die Zahl der bekannt gewordenen Fälle sexuellen Missbrauchs bewegt sich neben bereitgestellt werden. Die Bundeszentrale für politische Bildung muss schwerpunkt­
der anzunehmenden sehr hohen Dunkelziffer unverändert auf einem erschreckend mäßig Projektjugendarbeit in den neuen Bundesländern entwickeln und durchführen.
hohen Niveau. Jungen und Mädchen müssen vor jeglicher Form der Verletzung ihrer
sexuellen Selbstbestimmung, vor körperlicher und psychischer Gewalt geschützt
werden. Die FDP setzt sich dafür ein, dass sich die Maßnahmen zum Schutz der Suchtpolitik
Kinder nicht nur auf Gesetzgebung und Strafverfolgung erstrecken, sondern dass
auch umfassende Prävention, Schutz und Hilfen für Opfer sowie ein aktives Enga­ Grundlage einer effizienten und erfolgreichen Suchtpolitik ist die Erforschung der Ur­
gement der Zivilgesellschaft gefördert werden. Darüber hinaus fordert die FDP die sachen und Auswirkungen dieser Erkrankungsformen. Die FDP setzt sich deshalb für
internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung der kommerziellen sexuellen Aus­ eine Verbesserung der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung ein.
beutung von Kindern als ein weltweites und grenzüberschreitendes Verbrechen, das Generelles Ziel aller Maßnahmen muss neben der Vermeidung der Sucht die Wie­
sich auch auf Deutschland erstreckt. derherstellung der Freiheit von Sucht sein. Für die bereits Süchtigen muss ein be­
darfsgerechtes, differenziertes Therapieangebot auf- und ausgebaut werden, das
einen umgehenden Therapiebeginn gewährleistet.
Kinder- und Jugendkriminalität
Eine bessere Bekämpfung der organisierten Drogenkriminalität sowie des internatio­
Primäres Ziel der Bekämpfung von Kinder- und Jugendkriminalität bleibt dabei Prä­ nalen Rauschgifthandels muss die Präventionsangebote und die Hilfen für Sucht­
vention. Es gilt, Gewalt und ihre Ursachen gerade bei Kindern in ihrem Ursprung zu kranke wirksam ergänzen. Das Dealen mit Drogen ist eine schwere Straftat, die ins­
bekämpfen. Daher ist die FDP für eine Ächtung jeglicher Gewalt. Dies ist eine ge­ besondere im Interesse junger Menschen nachdrücklich bekämpft werden muss.
samtgesellschaftliche Aufgabe und umfasst insbesondere auch die soziale Absiche­
rung von Kindern, ein ausreichendes Angebot an Betreuungseinrichtungen und ein Drogenabhängige Menschen brauchen darüber hinaus Hilfen im niedrig schwelligen
Schulsystem, das auch schwächeren Schülerinnen und Schülern eine Perspektive Bereich, z. B. in Form von Drogenkonsumräumen, in denen medizinische, hygieni­
gibt. Eine Absenkung des Strafmündigkeitsalters kommt für die FDP jedoch nicht in sche und psychologische Hilfen angeboten werden sowie die Bereitschaft zum Be­
Frage. Wenn es zu einer Jugendstrafe kommt, muss durch ein endlich einzuführen­ ginn einer Therapie gefördert wird. Der Drehtüreffekt der heutigen Suchthilfe kann
des Jugendstrafvollzugsgesetz in einer weit effektiveren Weise den erzieherischen durch die Organisation eines Case Management nachhaltig verringert werden, indem
Aufgaben eines solchen Vollzuges Platz gegeben werden. es den Abhängigen hilft, die zeitliche und sachliche Ordnung aller Therapieschritte zu
realisieren. Der Prävention kommt eine zentrale Bedeutung zu. Die FDP fordert des­
halb eine langfristige umfassende Suchtpräventionsstrategie, in deren Mittelpunkt die
Korruption Förderung der Lebenskompetenz bei Kindern und Jugendlichen stehen soll, sowie
das ZielDrogenkranken zu helfen und die Beschaffungskriminalität einzudämmen.
Die Zunahme von Korruptionsdelikten stellt den Rechtsstaat vor neue Aufgaben. Er Die FDP strebt die rasche Auswertung der Ergebnisse des 2002 anlaufenden Versu­
muss alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um diese Kriminalitätsformen ches zur kontrollierten Heroinvergabe an. Nach Vorliegen der Ergebnisse wird auf
zu bekämpfen. Dazu gehört auch die Schaffung eines zentralen Korruptionsregisters. wissenschaftlicher Grundlage entschieden werden können, ob und inwieweit die He­
roinvergabe der Methadonsubstitution überlegen ist. Diese Angebote für
Schwerstabhängige dürfen aber nicht zu Lasten bewährter, abstinenzorientierter
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drogenfreier Therapien gemacht werden. Für Schwerstabhängige kann die staatlich te, um die öffentlichen Dienstherren am Arbeitsmarkt handlungsfähig zu machen, wie
kontrollierte, durch qualifizierte Ärzte verordnete Betäubungsmittelvergabe auch in z.B. Sonderzuschlagsregelungen, damit qualifiziertes Personal kurzfristig gewonnen
Deutschland eine Möglichkeit sein. werden kann. Schließlich brauchen unsere öffentlich Beschäftigten in den neuen
Bundesländern endlich eine klare zeitliche Perspektive, um die Ostbezahlung an das
Westniveau im öffentlichen Dienst anzupassen. Mindestens eine jährliche Anhebung
11I. Rechtssicherheit wiederherstellen des Besoldungsniveaus Ost bis 2007 erscheint finanzierbar.

Eine unabhängige, moderne, bürgernahe und leistungsstarke Justiz ist unverzicht­ Die FDP wird die Auswirkungen des von der rot-grünen Bundesregierung durchge­
bar, damit ein effektiver Rechtsschutz für den Bürger gewährleistet ist. setzten Versorgungsänderungsgesetzes kritisch, insbesondere auch auf die Bela­
stungssymmetrie hin, überprüfen.
Die letzten vier Jahre waren von einer wahren Flut von Gesetzen insbesondere im
Zivil- und Verfahrensrecht gekennzeichnet. Gesetze, die zum Teil aus ideologischen Etwaige Benachteiligungen vorhandener Versorgungsempfänger und anderer Beam­
Gründen tiefgreifend in bewährte Regelungen eingegriffen haben. Die Folge hiervon tengruppen dürfen nicht bestehen bleiben. Die alten Beamten dürfen nicht die Verlie­
ist eine erhebliche Rechtsunsicherheit und eine unnötige Belastung bei allen Beteilig­ rer der Versorgungsreform sein.
ten, vor allem bei der Anwaltschaft und der Justiz. Die FDP wird im Dialog mit der
Praxis sorgfältig prüfen, welche Neuregelungen überhaupt hilfreich sind und welche
unsinnigen Änderungen dringend korrigiert werden müssen. Die Abschläge bei V. Zuwanderung steuern und Integration fördern
Rechtsanwaltsgebühren in den neuen Ländern müssen endlich abgeschafft werden.
Weniger Gesetze und eine Vereinfachung der Rechtsordnung, dafür aber eine bes­ Die Bundesrepublik Deutschland ist seit Jahren faktisch ein Einwanderungsland. Für
sere personelle und sachliche Ausstattung der Justiz, auch mit modernster Techno­ eine umfassende und klare Regelung der Zuwanderung fehlte den anderen Parteien
logie, sind wichtige Ziele liberaler Rechtspolitik. Die FDP fordert die Einführung einer jedoch bis jetzt der Mut. Diese Inkonsequenz führte zu erheblichen Problemen in der
wirtschaftlichen Folgenabschätzung bei der Beratung neuer Vorschriften. Integration, da Deutschland aus seinem Selbstverständnis heraus nicht auf eine
dauerhafte Zuwanderung eingestellt war. Die FDP hat als erste Partei bereits zu Be­
ginn der Legislaturperiode einen Gesetzentwurf zur Regelung der Zuwanderung und
IV. Öffentliche Dienste modernisieren Integration in den Bundestag eingebracht und diesen unter Einbeziehung der Ergeb­
nisse der "Unabhängigen Kommission Zuwanderung" fortentwickelt. Unter Fachleu­
Für unseren liberalen Rechtsstaat brauchen wir einen zukunftsfähigen, d.h. einen ten ist unstreitig, dass Deutschland auch in Zukunft im eigenen Interesse Zuwande­
leistungsstarken und effizient arbeitenden öffentlichen Dienst. Deswegen fordert die rung braucht. Es ist nicht weiter hinnehmbar, den tatsächlichen Zuzug von Menschen
FDP ein Modernisierungsprogramm für den öffentlichen Dienst in seiner ganzen Brei­ aus dem Ausland nur über ausländer- und asylrechtliche Instrumentarien regeln zu
te. Ziel muss es sein, das früher von der FDP betriebene Programm zur Verwal­ wollen.
tungsmodernisierung und Rückführung von Staatsaufgaben wieder aufzugreifen, die
von der rot-grünen Bundesregierung zu verantwortende Stagnation zu überwinden Der Gesetzentwurf der FDP sieht vor, durch die Schaffung eines Gesetzes zur Steu­
und die Attraktivität des öffentlichen Dienstes für die Beschäftigten und damit die Lei­ erung der Zuwanderung Regeln für den Umfang, für die Voraussetzungen (z.B.
stungsfähigkeit der Verwaltungen auf allen Ebenen für den Bürger ständig zu erhö­ Qualifikationen) und die Art und Weise des Zuzugs sowie für die Integration von Aus­
hen. ländern zu begründen.

Eine Säule eines leistungsfähigen öffentlichen Dienstes ist das Berufsbeamtentum, Die Steuerung der Zuwanderung ist eine herausragende Zukunftsaufgabe, der ver­
das auf seine Kernbereiche zu reduzieren ist. Die Liberalen haben in der Vergan­ antwortungsvolle Politik nicht ausweichen darf. Eine klare und transparente Rege­
genheit die Leistungsorientierung des Dienstrechts initiiert. Sie werden in Kontinuität lung trägt dazu bei, teilweise noch vorhandene Ängste in der Bevölkerung abzubau­
ihrer früheren Beamtenpolitik die Leistungsinstrumente des modernen Besoldungs­ en sowie das Klima für die Integration der bereits hier lebenden und der künftig zu­
rechts weiter ausbauen und kleinliche Beschränkungen und komplizierte Verfahren wandernden Ausländer zu verbessern.
abbauen. Wir fordern, dass endlich die von den Bundesinnenministern versprochene
Liberalisierung und Vereinfachung des Laufbahnrechts umgesetzt wird, um den Auf­
stieg in allen Formen zu erleichtern. Der Personalaustausch der Beschäftigten inner­ Zuwanderung
halb des öffentlichen Dienstes, einschließlich der europäischen Institutionen, aber
auch von und zu Arbeitgebern außerhalb des öffentlichen Dienstes muss erleichtert Die FDP setzt auf den Dreiklang aus stärkerer Ausrichtung der Zuwanderung am ei­
werden. genen Interesse unseres Landes, Wahrung der humanitären Verpflichtungen
Deutschlands und Verbesserung der Integrationsbemühungen.
Die FDP fordert die Rückkehr zum Gleichklang von Tarif und Besoldung bei den re­
gelmäßigen Anpassungen. Darüber hinaus brauchen wir ein transparentes, funkti­ Die Zuwanderung kann Wirtschaftswachstum und Wohlstandsentwicklung in
ons- und leistungsgerechtes Bezahlungssystem. Hinzu kommen müssen Instrumen­ Deutschland festigen und fördern, indem sie den in vielen Branchen bestehenden
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Arbeitskräftemangel ausgleicht. Dabei soll die Zuwanderung jedoch nicht allein dem Die Situation von illegal in Deutschland lebenden Personen gerät zunehmend in das
Fachkräftemangel abhelfen; vielmehr setzt die FDP auf die Förderung der Ausbil­ Blickfeld der Politik. Die FDP will die illegale Einreise, insbesondere in Verbindung
dung und Umschulung von in Deutschland lebenden Arbeitslosen zu benötigten mit kriminellem Schleuserwesen, konsequent bekämpfen.
Fachkräften. Nicht Qualifizierung und Weiterbildung vor Zuwanderung, sondern Qua­
lifizierung und Weiterbildung plus Zuwanderung ist die richtige Lösung. Die FDP setzt sich dafür ein, dass das überaus bürokratische Erfordernis der Ar­
beitserlaubnis abgeschafft wird. Diejenigen, die sich gesetzlich auf rechtlicher Grund­
Zum Wettbewerb um die besten Köpfe gehört auch die Attraktivität des Studien­ lage in der Bundesrepublik Deutschland aufhalten, haben auch das Recht, eine be­
standortes Deutschland. Deshalb müssen die insoweit bestehenden Hürden für aus­ zahlte Arbeit aufzunehmen. Arbeitsverbote schaden der deutschen Wirtschaft und
ländische Studierende und Wissenschaftler abgebaut werden. Dazu gehören die den betroffenen Menschen. Der freie Zugang zum Arbeitsmarkt und damit das
Vereinfachung ausländer- und arbeitserlaubnisrechtlicher Regelungen, die Be­ Bestreiten des Lebensunterhalts aus eigener Kraft gehören zu den Grundlagen eines
schleunigung der Einreiseverfahren, die Erleichterung im Genehmigungsverfahren menschenwürdigen Lebens und individueller Freiheit.
nach der Einreise, etwa bei einem Fachrichtungswechsel oder bezüglich der Auf­
nahme einer Erwerbstätigkeit, und die Förderung des Verbleibs qualifizierter Absol­
venten nach Abschluss des Studiums. Zur Verbesserung der Bedingungen gehört Integration
ebenso, Zuwanderungshemmnisse, wie Arbeitsverbote für mitwandernde Ehegatten,
abzubauen. Aufgrund der mittel- und langfristigen demografischen Entwicklung for­ Einwanderung nach Deutschland kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Integrati­
dert die FDP auch eine quotierte Zuwanderung junger, qualifizierter Menschen, die on gelingt. Inbegriff der Integration ist das Zusammenleben der Deutschen mit den
sich an der demografischen Entwicklung ausrichtet. zugewanderten Menschen, nicht nur das Nebeneinanderleben. Integration ist nicht
Assimilation, ist nicht das beziehungslose Nebeneinander. Gelungene Integration
Die Zuwanderung kann helfen, das demografische Problem einer alternden und bedeutet gleichberechtigte Teilhabe am politischen, wirtschaftlichen, sozialen und
schrumpfenden Bevölkerung zu lösen, indem sie die kommenden Belastungen für kulturellen Leben auf der Grundlage unserer Verfassung und der in ihr verankerten
die sozialen Sicherungssysteme abmildert. Durchgreifende Reformen in der Sozial-, Werte. Deutschland braucht ein umfassendes Integrationskonzept auf allen Ebenen
Arbeitsmarkt-, Renten- und Gesundheitspolitik kann und darf sie jedoch nicht erset­ - der Kommune, des Landes und des Bundes. Dieses Konzept muss für die Men­
zen. schen, die künftig nach Deutschland einwandern, genauso gelten, wie es auch die
bereits Zugewanderten mit umfassen muss, für deren Eingliederung mehr als bisher
getan werden muss.
Asylrecht
Der Weg zu einer erfolgreichen Integration wird maßgeblich durch das Erlernen der
Für die FDP kommt weder eine Abschaffung des Asylgrundrechts noch eine Be­ deutschen Sprache bestimmt. Kenntnisse der deutschen Sprache sind eine unver­
schneidung der grundgesetzlichen Rechtsweggarantie in Frage. Zuwanderung aus zichtbare Voraussetzung zur Beseitigung sozialer Benachteiligungen und zum Errei­
wirtschaftlichen oder anderen nicht humanitären Gründen sowie die Schutzsuche chen schulischer, beruflicher und gesellschaftlicher Erfolge. Auf dem Gebiet der
wegen politischer oder sonstiger Verfolgung sind zwei sich im Sinne eines "Zwei­ Sprachförderung müssen Angebote geschaffen und gebündelt werden, mit denen
Türen-Modells" einander grundsätzlich ausschließende Tatbestände. Beschleuni­ alle Zuwanderinnen und Zuwanderer erreicht werden. Vor allem Migrantinnen leben
gungsmöglichkeiten bei den Verfahren durch einfachgesetzliche oder andere Maß­ häufig jahrelang in Deutschland, ohne Kontakt zu deutschen Bürgerinnen und Bür­
nahmen sollten aber genutzt werden. Der größte Handlungsbedarf besteht bei der gern knüpfen zu können. Auch für sie müssen gesonderte sprachliche Förderungs­
Verkürzung der Gerichtsverfahren. Die personelle Verstärkung der zuständigen Ge­ maßnahmen eingerichtet werden, um ihnen den Einstieg in die Gesellschaft und den
richte ist das beste Mittel, um eine Beschleunigung zu erzielen. Arbeitsmarkt zu öffnen.

Wer nicht als schutzbedürftig anerkannt wird, muss Deutschland möglichst zügig Das Erlernen der deutschen Sprache muss möglichst frühzeitig beginnen. Bereits in
wieder verlassen, wobei auf eine freiwillige Rückkehr hinzuwirken ist. Ansonsten den Tageseinrichtungen für Kinder sind daher Sprachförderangebote einzurichten.
bleibt nur die konsequente Abschiebung. Für Fälle der unzumutbaren Härte soll eine Gerade im Vorschulbereich können Weichenstellungen getroffen werden, die eine
Härtefallklausel im Ausländerrecht eingeführt werden, die den Behörden den not­ unverzichtbare Grundlage für eine erfolgreiche Integration bilden. Eltern müssen ein­
wendigen Handlungsspielraum lässt, in begründeten Einzelfällen von einer Abschie­ bezogen werden.
bung abzusehen.
Die Sprachkurse für Zuwanderer/innen sollen verpflichtend sein und eine angemes­
Eine Diskussion kann aber nur auf europäischer Ebene stattfinden. Die FDP steht für sene Beteiligung an den Kosten vorsehen.
eine Harmonisierung, bei der die Genfer Flüchtlingskonvention Standard sein soll.
Zur Verbesserung der schulischen Integrationsansätze sollte die Zweisprachigkeit
der Kinder und Jugendlichen im Rahmen der schulischen Ausbildung gefördert wer­
den. Wie z.B. in Holland sollte die Mehrsprachigkeit zum Gegenstand der schuli­
schen Pädagogik und Lehrerausbildung werden. Wichtige gesellschaftliche Institutio­
64 65

nen und Bereiche müssen für Integration offen sein - die Schulen, Bildungseinrich­ staatlicht wird, desto geringer wird der Einfluss der Parteien. Zugleich verlieren damit
tungen und Universitäten, die Medien, aber auch Polizei und Behörden. Bauliche und zahlreiche Interessenverbände die Möglichkeit, den Staat zu instrumentalisieren. Zur
soziale Ghettosituationen müssen vermieden werden. Einschränkung der Parteienmacht gehört auch die Entflechtung von Parteien und
Medien. Dazu gehört nach Auffassung der FDP die Stärkung der Position des ein­
Die Muslime bilden in Deutschland neben den christlichen Kirchen die zweitgrößte zelnen Abgeordneten, auch gegenüber der eigenen Fraktion. Die FDP lehnt daher,
Religionsgemeinschaft. Islamischer Religionsunterricht kann einen wesentlichen Bei­ entsprechend ihrer eigenen Tradition, die Ausübung von Fraktionszwang und die
trag zur Integration der ausländischen Muslime leisten. Maßregelung von Abgeordneten aufgrund abweichender Auffassungen, insbesonde­
re bei Gewissensentscheidungen, entschieden ab.
Die FDP setzt sich für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichtes an öf­
fentlichen Schulen ein, der in deutscher Sprache erfolgen und unter der Aufsicht der Eine große Mehrheit der Deutschen will auch auf Bundesebene mehr direkte Demo­
deutschen Schulbehörden stehen muss. Da qualifizierte islamische Lehrkräfte fehlen, kratie. Die FDP unterstützt diesen Wunsch. Die FDP bekennt sich zur repräsentati­
sind islamische Lehrstühle an deutschen Hochschulen zum Zweck der Lehrerausbil­ ven Demokratie. Sie will diese jedoch um Elemente der direkten Demokratie berei­
dung einzurichten. chern. Der Bürger muss sich vor allem in seinem unmittelbaren Umfeld stärker an
Entscheidungen beteiligen können. Bürgerentscheide, Bürgerbegehren und Bürger­
Um die Bedeutung der Integration als gesamtstaatliche Aufgabe zu unterstreichen, befragungen sind dafür die richtigen Wege. Die Bürgerinnen und Bürger sollten das
fordert die FDP, die Integration als Staatszielbestimmung in das Grundgesetz aufzu­ Recht haben, auch den Bundespräsidenten in Direktwahl zu bestimmen.
nehmen.
Die FDP setzt sich dafür ein, die Macht der Bürger zu stärken, in dem ihnen die Mög­
lichkeit eingeräumt wird, stärker als bisher auf die Auswahl der Mandatsträger Ein­
VI. Innere Einheit fluss zu nehmen. Durch die Möglichkeit des Kumulierens und Panaschierens auf
kommunaler Ebene können Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen bündeln und da­
Die Vollendung der inneren Einheit Deutschlands ist leider immer noch nicht abge­ mit die bisher von den Parteien vorgegebene Reihenfolge der Kandidatenliste verän­
schlossen. Zwar hat die FDP für die Bundesrepublik Deutschland viele wichtige dern. Dies sollte auch bei Landtags- und Bundestagswahlen möglich sein.
Schritte auf dem Weg zur Bewältigung der materiellen und immateriellen Folgen der
SED-Diktatur erreicht. Dennoch wird es auch in den nächsten Jahren noch notwen­ Die Bürger wissen um die Notwendigkeit einer angemessenen Entschädigung der
dig sein, die Geschichte der DDR, als Teil der deutschen Geschichte weiter aufzu­ Politiker, weisen aber zu Recht unangemessene Privilegien zurück. Dem Vorwurf der
arbeiten. Dies zeigen nicht nur die Fragen im Umgang mit dem Stasi-Unterlagen­ Selbstbedienung will die FDP durch die Einsetzung einer unabhängigen Kommission
Gesetz, bei dem es weder ein Recht auf Ausspionierung der Privatsphäre von Op­ zur Festlegung der Entschädigung begegnen. Die FDP tritt für ein privatwirtschaftli­
fern des SED-Unrechtsregimes noch einen Unterschied in der Behandlung von Bür­ ches Versicherungsmodell ein, das es den Abgeordneten ermöglicht, sich eigenver­
gern Ost und Bürgern West geben darf. Die Liberalen, als erste gesamtdeutsche antwortlich um ihre Altersversorgung zu kümmern.
Partei, halten daran fest, dass die deutsche Teilung weder vergessen werden noch
verdrängt werden darf. Sie setzen sich daher auch weiterhin dafür ein, dass dort, wo
noch Lücken bei der Wiedergutmachung kommunistischen Unrechts bestehen, den VIII. Föderalismus
Opfern die ihnen zustehende Hilfe gewährt wird.
Im deutschen Föderalismus gibt es Fehlentwicklungen. Die Gewaltenteilung ist ei­
Gleichzeitig wird sich die FDP aber auch dafür einsetzen, dass endlich den im Eini­ nem System der gegenseitigen Verflechtung zwischen Bund und Ländern in Politik­
gungsvertrag vom 31.08.1990 bekundeten Zielvorstellungen zur Wiederherstellung gestaltung und Verwaltung gewichen. Daher sind die Bürger kaum noch in der Lage,
von privatem Eigentum an bebauten Grundstücken und Gebäuden Genüge getan politische Entscheidungen und ihre Folgen zuzuordnen und darauf aufbauende
wird. Dieses gilt sowohl für Fälle, bei denen zu DDR-Zeiten wegen staatlicherseits Wahlentscheidungen zu treffen. Da die in Nizza für das Jahr 2004 beschlossene Re­
verursachter Uberschuldung Privateigentum aufgegeben werden musste als auch für gierungskonferenz u.a. die Aufgabenverteilung zwischen den Mitgliedstaaten der
Fälle, in denen Widerstandskämpfer gegen das Hitlerregime entschädigungslos ent­ Europäischen Union und den Organen der EU regeln wird, ist eine Reform des bun­
eignet wurden. desdeutschen Föderalismus um so dringeneer. Die FDP fordert wettbewerblichen
Föderalismus mit transparenter Entscheidungsfindung und klarer Kompetenzvertei­
lung.
VII. Mehr Demokratie
Im Sinne des Subsidiaritätsgedankens sollen Kompetenzen, die nicht zwingend bun­
Die FDP will die Parteienmacht zugunsten von mehr Bürgerrnacht zurückdrängen. deseinheitlich und auf der nationalen Ebene geregelt werden müssen, vom Bund auf
Die Parteien sollen sich wieder auf die ihnen in der Verfassung zugewiesene Rolle die Länder zurückverlagert werden. So kann dem Gebot der Verantwortlichkeit und
beschränken. Nur so wird der Staat von einer Repräsentation der Parteien zu einer Durchschaubarkeit politischer Entscheidungsprozesse Rechnung getragen werden.
Repräsentation der Bürger. Die FDP will den Einfluss der Parteien durch Privatisie­
rung öffentlicher Aufgaben und Unternehmen zurückdrängen. Denn: Je mehr ent­
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Die nachträglich in das Grundgesetz eingeführten "Gemeinschaftsaufgaben" haben Angesichts der terroristischen Angriffe des 11. September 2001 sieht sich eine ge­
die Staatsaufgaben über falsche Ausgabenanreize aufgebläht. Daher sind die Artikel samte Religionsgemeinschaft dem Generalverdacht eines religiös geprägten Extre­
91 a und 91 b aus dem Grundgesetz ersatzlos zu streichen und diese Aufgaben voll­ mismus ausgesetzt. Die FDP setzt sich für gegenseitiges Verständnis und Toleranz
ständig an die Länder zurückzugeben und die Finanzausstattung der Länder ent­ ein, damit diese Aktionen als das gesehen werden, was sie tatsächlich sind: isolierte
sprechend zu verbessern. Ebenso müssen die Bundesfinanzhilfen an die Länder Taten einiger Extremisten, die in keinem Zusammenhang mit der Religionszugehö­
(Art. 104 a, Abs. 4 GG) entfallen, die dem Bund die Möglichkeit eröffnen, von den rigkeit stehen. Die FDP will den Dialog zwischen den Religionen und Kulturen fördern
Ländern Zuständigkeiten "zu erkaufen". und unterstützen.

Der Gesetzgebungskompetenz muss die Pflicht zur Kostentragung folgen. Das heißt, Religionsfreiheit findet allerdings ihre Grenzen in den Menschenrechten, wie sie z.B.
dass der Bund nicht mehr, wie geschehen, das Recht auf einen Kindergartenplatz von den Vereinten Nationen definiert werden. Deshalb ist es für die FDP von zentra­
beschließen und die Kommunen mit Aufgaben und Kosten belasten kann. Daher ist ler Bedeutung, dass alle Religionsgemeinschaften sich klar und deutlich zu den
Art. 104 a Abs. 2 GG entsprechend zu ändern. Menschenrechten als Teil der staatlichen Rechtsordnung bekennen und gegen diese
nicht verstoßen. Religion trifft in Deutschland auf Offenheit und Toleranz und dieses
Für mehr Transparenz bei den Staatsfinanzen müssen Staatsaufgaben und Steuer­ erwarten wir auch von den Religionsgemeinschaften.
kompetenzen wieder übereinstimmen. Daher sind die Verbundsteuern schrittweise
abzuschaffen. Jede Ebene muss für die von ihr erhobenen Steuern die alleinige Ver­
antwortung haben. Daher soll durch Bundesgesetzgebung eine einheitliche Bemes­ X. Sport
sungsgrundlage für die Steuern festgelegt werden, und Bund und Länder sollen das
Recht erhalten, untereinander frei konkurrierend darauf je ihre eigenen Steuertarife, Sport ist politisch zu fördern, da er für alle, insbesondere für Jugendliche ein Le­
wie für Einkommen- und Körperschaftssteuer, anzuwenden. Bei der Einkommens­ bensbereich ist, in dem sich liberale und soziale Werte und Ziele optimal ergänzen.
teuer sollen die Gemeinden das gleiche Recht erhalten. Für den Bürger muss dabei Liberale Sportpolitik unterstützt den Spitzensport ebenso wie den Breiten- und Be­
klar erkennbar bleiben, welche Gebietskörperschaft wie viele Steuern von ihm er­ hindertensport - und verwendet sich insbesondere für den Schulsport. Die FDP for­
hebt. dert die flexiblere Bereitstellung von Sportflächen und Bewegungsräumen sowie die
Belohnung des freiwilligen, ehrenamtlichen Engagements im Sportwesen.
Der Länderfinanzausgleich hat die grundsätzliche Funktionsfähigkeit der Länder zu
sichern. In diesem Zusammenhang muss er gewährleisten, dass die Länder in der Die FDP unterstützt die Bewerbung Deutschlands für die Ausrichtung der Olympi­
Lage sind, die Gesetze zu wahren, die öffentliche Ordnung und die Bürgerrechte zu schen Spiele 2012 und begrüßt, dass das Bewerbungsverfahren mit einer verstärk­
garantieren sowie die sozialen Mindeststandards zu sichern. Die Orientierung an klar ten Förderung des Schulsports verknüpft wird. In diesem Zusammenhang fordert die
definierten Zielen vereinfacht den Finanzausgleich erheblich. Bei der Gestaltung ei­ FDP eine gezielte Talentförderung durch sportbetonte Schulen und Sportinternate.
nes - vereinfachten - Systems ist auf ein niedriges Ausgleichsniveau und geringe
Grenzbelastungen zu achten. Die nach den reformierten Kriterien noch zu zahlenden Die Sport-Geißel Doping muss im Leistungssport, aber auch im Freizeit- und Fit­
Zuweisungen sollen gemeinsam (je zur Hälfte) vom Bund und den anderen Ländern nessbereich energisch bekämpft werden. Zur besseren Datenerhebung, Verstärkung
- von diesen nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit - aufgebracht werden. der Forschung, Ausweitung der Trainings- und Wettkampfkontrollen muss die in
Gründung befindliche Nationale Anti-Doping-Agentur im Zusammenwirken von
Sportverbänden, öffentlicher Hand und Wirtschaft ausreichend ausgestattet werden.
IX. Kirchen und Religionsgemeinschaften Gegen den Schwarzmarkthandel mit Dopingprodukten muss härter durchgegriffen
werden, die gesetzlichen Vorgaben zum Jugendschutz und gegen den Arzneimittel­
Für die FDP ist Religionsfreiheit und Toleranz gegenüber allen Religionsgemein­ missbrauch sollten noch strenger umgesetzt werden. Ein eigenes Anti-Doping­
schaften ein zentrales Anliegen. Die Liberalen wollen, dass freie Bürger in einem Gesetz oder die Schaffung eines eigenen Straftatbestandes "Doping" sollten hinge­
freien Staat ihre Religion frei und ungehindert ausüben können. gen erst und nur dann ins Auge gefasst werden, wenn der Sport selbst in der ihm
zustehenden Autonomie mit dem Problem nicht mehr fertig wird. Dann könnte etwa
Um der zunehmenden kulturellen und damit auch religiösen Vielfalt gerecht zu wer­ daran gedacht werden, einen Straftatbestand,,,Doping im Profi-Sport" in das Gesetz
den, definiert die FDP Kirchenpolitik als Religionspolitik. Die FDP sucht das Ge­ gegen unlauteren Wettbewerb aufzunehmen.
spräch mit der evangelischen und katholischen Kirche ebenso wie mit dem Juden­
tum, dem Islam und allen anderen Religionsgemeinschaften. Alle Religionsgemein­
schaften, die sich zu der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und den Men­ XI. Kulturpolitik
schenrechten bekennen und diese leben, finden in der FDP einen ehrlichen Anwalt
ihrer Interessen. Wir wollen, dass der Staat sein Verhältnis zu den Religionsgemein­ Liberale wollen kulturelle Vielfalt und Offenheit. Liberale Kulturpolitik hat es sich da­
schaften in einer Weise definiert, die allen Religionen und ihren Gläubigen gerecht her zur Aufgabe gemacht, die Freiheit der Kunst und Kultur zu garantieren und allen
wird. Bürgern eine gleichberechtigte Teilhabe an Kultur zu ermöglichen. Kulturpolitik hat
auch eine Wirtschaftspolitische Dimension. Innovative künstlerische Entwicklungen
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gilt es zu unterstützen und das einzigartige deutsche Kulturerbe in all seinen Ausfor­ tern und die Stiftungsarbeit transparenter machen. Ebenso muss das Stiftungssteu­
mungen zu bewahren und zu pflegen. Staatliche Kunstförderung soll die Grundlagen errecht verbessert werden.
für die freie Entfaltung der Kunst sichern. Dabei kommt der Zusammenarbeit zwi­
schen dem Bund und den Ländern eine besondere Bedeutung zu. Das bürgerschaft­
liehe kulturelle Engagement muss gestärkt und seine Weiterentwicklung befördert XII. Medien und Rundfunk
werden. Das neue Selbstverständnis bundesdeutscher Kulturpolitik muss auf Bun­
desebene seinen angemessenen Ausdruck finden. Bei der Entwicklung neuer Technologien bewertet die FDP grundsätzlich die Chan­
cen höher als die Risiken. Wer nur die Risiken sieht, verhindert Fortschritt. Gesetzli­
Die Träger deutscher Kultur im Ausland, die maßgeblich zu einem gegenseitigen che Überregulierungen sind abzubauen und die Zuständigkeiten für Gesetzgebung
Verständnis auf internationaler Ebene beitragen, wie das Goethe -Institut Inter Natio­ und Aufsicht dort, wo es Sinn macht, zu bündeln!
nes, aber auch die deutschen Auslandsschulen, bedürfen verstärkter staatlicher Un­
terstützung.
Jugendschutz
Die kulturelle Aufgabensteilung dieser Institutionen sollte eine Entsprechung in ihrer
administrativen Zuordnung erhalten. Dem Jugendschutz kommt in unserem Zeitalter besondere Bedeutung zu. Daher for­
dert die FDP einen klaren einheitlichen Regelungsrahmen für den Jugendschutz in
Der Bewahrung und Pflege unseres historischen Erbes, zu dem die Deutsche Spra­ allen Medien sowie den Abbau des Zuständigkeitsgeflechts zwischen Bund und Län­
che, Musik und Bildende Kunst gehören, kommt eine große Bedeutung zu. Die Ver­ dern. Nutzerautonome technische Zugangssperren sind neben den bestehenden
antwortung für das baukulturelle und das archäologische Erbe bleibt wesentlicher Sendezeitbegrenzungen ein sinnvoller Schutz für Kinder und Jugendliche.
Bestandteil gesellschaftlichen Kulturauftrages. Unter der fortschreitenden Vereini­
gung Europas kann das historische Erbe der deutschen Länder einen wichtigen Bei­ Die Institution Jugendschutznet und die Selbstregulierungsinstanzen Freiwillige
trag zur gesellschaftlichen Identitätsstiftung leisten. Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) und Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia (FSM)
übernehmen wichtige Kontrollfunktionen.
Neben eher traditionellen Kunstformen wie Malerei und Plastik, ebenso Installatio­
nen, sollen auch innovative und experimentelle Kunstformen bessere staatliche
Rahmenbedingungen erhalten. Diese Kunstformen reflektieren eine aktuelle gesell­ Datenschutz und Sicherheit im Netz
schaftliche Entwicklung und können Wegweiser für eine Problem- und Zukunftsbe­
wältigung sein. Mit der staatlichen Förderung dieser Kunstformen sollen besonders Datenschutz hat im Internet hohe Bedeutung, um das Vertrauen der breiten Bevölke­
Nachwuchskünstler und -künstlerinnen die Möglichkeit erhalten, ihre künstlerische rung in das neue Medium zu erhalten. Die FDP lehnt deshalb Maßnahmen ab, wie
Tätigkeit frei zu entfalten. Auch die wettbewerbsrechtliche Verbesserung der Rah­ z.B. ein Kryptografieverbot, die die Sicherheit im Netz beschränken. Gleiches gilt für
menbedingungen für Künstler, Kulturvermittler und Kunstmarkt, so etwa die Moderni­ eine Protokollierungs- und Aufbewahrungspflicht der digitalen Spuren, die jeder In­
sierung des urheberechtlichen Folgerechts, gehören zu einer zukunftsweisenden ternetnutzer hinterlässt. Dies wäre ein unverhältnismäßiger Eingriff in das Recht auf
liberalen Kulturpolitik. informationelle Selbstbestimmung. Derartige Eingriffe dürfen nur auf Grund einer
richterlichen Anordnung erfolgen. Von der Bundesregierung ist jährlich ein Bericht
Die Liberalen halten an der föderalen Struktur der deutschen Kulturpolitik fest. Um so vorzulegen, in dem je nach Bundesland die Art der überwachten Einrichtungen, der
dringender bedarf es in Abstimmung mit den Ländern der Klärung der Frage nach Anlass, der Verlauf, die Zahl der Betroffenen und die Kosten der Überwachung be­
schrieben werden.
den kulturpolitischen Zuständigkeiten von Kommune, Land und Bund (vertikale Ent­
flechtung). Den umfassenden Aufgaben einer KUlturpolitik auf Bundesebene (hori­
zontale Entflechtung) muss eine angemessene Ausstattung der kürzlich auf Initiative
Urheberrecht für digitale Medien
der FDP gegründeten Kulturstiftung des Bundes entsprechen.
Erst ein wirksamer Schutz des geistigen Eigentums durch das Urheberrecht schafft
Es wird angestrebt, die Kulturstiftung der Länder und die Kulturstiftung des Bundes
die notwendigen Anreize für kreative Tätigkeit und für Investitionen in deren wirt­
unter einem Dach zusammenzufassen.
schaftliche Verwertung. Das gilt auch und gerade für die digitalen Medien.
Die Liberalen wollen allen Bürgerinnen und Bürgern eine weitgehende Teilhabe am
Von besonderer Bedeutung ist die künftige Regelung des Rechts der privaten Ver­
kulturellen Leben ermöglichen. Dazu gehört das Festhalten der FDP an der Buch­
vielfältigung urheberrechtlieh geschützter Werke. Die individuelle Lizenzierung hat
preisbindung ebenso wie die Schaffung von Anreizen für mehr bürgerschaftliches
hier grundsätzlich Vorrang vor einer Pauschalabgabe auf Geräte und Speichermedi­
Engagement im Kulturleben. Deshalb halten die Liberalen an ihrem Konzept für ein
en. Der Systemwechsel darf, wo er technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist,
modernes Stiftungsrecht fest. Dazu wollen wir die Errichtung von Stiftungen erleich­
nicht behindert werden. Das digitale Rechtemanagement muss stattdessen auch
durch geeignete urheberrechtliehe Rahmenbedingungen gefördert werden.
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Fortschreibung des dualen Rundfunksystems Politik für ein mobiles Deutschland


Öffentlich-rechtliche und private Sender tragen gemeinsam zu einer Programmvielfalt Für die FDP ist Mobilität ein Teil der Freiheit. Sie ist Voraussetzung von Flexibilität,
und Meinungspluralität in Deutschland bei, die es zu erhalten gilt. Dabei hat der öf­ Lebensqualität, Fortschritt und Wirtschaftswachstum. In einer sich wandelnden Ge­
fentlich-rechtliche Rundfunk die Aufgabe der Grundversorgung zu erfüllen, die es sellschaft heißt mobil zu sein, geistige Freiheit für sich in Anspruch zu nehmen und
verbietet, Programme lediglich mit Blick auf Einschaltquoten und nach den Gesetzen geistig wie wirtschaftlich beweglich zu sein. Freiheit muss jedem zugänglich sowie für
des wirtschaftlichen Wettbewerbs zu gestalten. jedermann erschwinglich sein. Mobilität stärkt die Freiheit sowie die Eigenverantwor­
tung der Menschen. Mobilität im Sinne von körperlicher und geistiger Bewegungs­
Die Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben die Interessen der freiheit bedeutet Teilhabe - Teilhabe am gesellschaftlichen, politischen und wirt­
Allgemeinheit zu vertreten und dürfen nicht unter einen dominierenden Einfluss von schaftlichen Leben. Der Grad an Mobilität ist ein Gradmesser für Teilhabe. Die libera­
Staat und Parteien geraten. le Bürgergesellschaft ist eine Teilhabegesellschaft. Bürger und Wirtschaft wollen und
brauchen Bewegungsfreiheit, Entscheidungsfreiheit und Mut, um zukünftigen Her­
Im Internet hat sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf programmbezogene Ange­ ausforderungen gerecht werden zu können.
bote zu beschränken und im Wege einer Selbstverpflichtung den finanziellen Auf­
wand zu begrenzen. Deutschland steht in punkto Mobilität jedoch im Stau. Vor allem auch auf unseren
bundesdeutschen Verkehrswegen. Die Infrastruktur ist überlastet, das Durchschnitts­
Die FDP fordert die Abschaffung der Mehrfachgebührenpflicht in privaten Haushalten tempo hat sich verlangsamt und der Staat hemmt zusätzlich die Mobilitätsentwick­
und die Einführung einer Standortgebühr im nicht-privaten Bereich zur Entlastung lung durch Steuern, Abgaben und ideologisch begründete Lenkungsmaßnahmen.
des Mittelstandes. Etwaige Einnahrneausfälle für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
sind durch Maßnahmen zur Erhöhung der GebÜhrengerechtigkeit (gleichmäßige Be­ Deutschland braucht eine neue Verkehrspolitik. Eine Verkehrspolitik, die die Mobilität
lastung aller potentiellen Gebührenzahler, Identifizierung von Schwarzhörern und ­ von Menschen und Gütern als Voraussetzung des wirtschaftlichen Wohlstandes si­
sehern) auszugleichen. chert.

Bewegungsfreiheit muss wieder bezahlbar werden. Die Infrastruktur muss zügig fit
Telekommunikation und Internet gemacht werden. Deshalb müssen alle Verkehrsträger mit ihren spezifischen Vortei­
len zu einem attraktiven, umweltschonenden und sicheren Gesamtsystem vernetzt
Telekommunikationslinien sind die Lebensadern der Neuen Medien und der Netz­ werden. Das künftig zu erwartende Wachstum des Verkehrs muss unter Beachtung
ökonomie. Die FDP setzt sich nachhaltig für einen zügigen Ausbau der Netzstruktu­ von Verkehrssicherheit und Umweltschutz bewältigt werden. Eine mobile Gesell­
ren, insbesondere der Breitbandnetze ein, um damit einen funktionierenden Wettbe­ schaft braucht alle Verkehrsträger und muss offen sein für neue EntWicklungen und
werb unter den Fernseh-, Internet- und Telefonanbietern zu ermöglichen. Nur faire
moderne Technologien.
Wettbewerbschancen für alle Anbieter und Infrastrukturen ermöglichen Vielfalt und
nutzerfreundliche Preise, z.B. auch pauschale Nutzungsentgelte, sog. Flatrates.
Kein Tempolimit bei Reformen
Erweiterte Impressumsoffenlegungspflichten für mehr Transparenz in den Me­ Der bisherige Ordnungsrahmen, die staatlichen Lenkungsinstrumente und Subven­
dien tionen und nicht zuletzt das unternehmerische Handeln des Staates im Verkehrssek­
tor haben sich nicht bewährt. Die vergangenen Reformen zur Liberalisierung und zur
Die FDP fordert, dass das Impressum jeder Zeitung oder Zeitschrift zusätzlich zu den Privatisierung des Verkehrssektors waren wichtig, reichen aber nicht aus. Die Steu­
bisherigen Pflichtangaben eine Aufstellung der Eigentümer sowohl der Zeitung als er-, Abgaben- und Investitionspolitik ist zu einem staatlichen Abkassier- und Umver­
auch des dazugehörigen Verlages enthält. Hierzu gehört eine Angabe aller Eigentü­ teilungsmechanismus verkommen, statt verursachergerechte Kostenanlastungen zu
mer, die direkt oder indirekt mehr als 5 % des Eigenkapitals halten. Eigentümer, die fördern und durch Wettbewerb Mobilität effizient und bezahlbar zu machen.
weniger als 5 % des Eigenkapitals halten, müssen zusammengefasst als Streubesitz
ausgewiesen werden. Liberale Verkehrspolitik baut auf zwei Grundsätzen auf. Zum einen wissen Bürger
selbst besser als der Staat, in welcher Form sie mobil sein wollen. Zum anderen soll­
te sich die Rolle des Staates darauf beschränken, die Infrastruktur zu geWährleisten
und den Wettbewerb der Verkehrsträger untereinander zu fördern.

Aus diesen Grundsätzen ergeben sich vier Forderungen an eine liberale Verkehrspo­
litik: Das Verursacherprinzip ist konsequent anzuwenden, denn nur dann ist die freie
Verkehrsmittelwahl durch den Bürger gesamtwirtschaftlich effizient. Sofern Subven­
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tionen im Verkehr erforderlich sind, sollen sie so gezahlt werden, dass sie nicht Mobilität und Infrastruktur
Wettbewerb verhindern, sondern Wettbewerbsverzerrungen vermindern. Für die Fi­
nanzierung der Verkehrsinfrastruktur ist so viel privates Kapital wie möglich zu Das System der Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur über die öffentlichen Haus­
erschließen. Bei der Privatisierung ist darauf zu achten, dass keine neuen privaten halte ist angesichts des Verkehrswachstums, vor allem auf der Straße, überfordert.
Monopole geschaffen werden, sondern Strukturen, die den funktionsfähigen Wettbe­ Die Investitionen in Neu- und Ausbau reichen nicht aus, um die Infrastruktur zeit- und
werb sicherstellen. bedarfsgerecht bereitzustellen. Die Betriebs- und Erhaltungsaufwendungen sind viel
zu gering, der Substanzverlust ist vorprogrammiert. Deutschland schiebt einen Repa­
ratur-, Ausbau- und Neubau-Stau in Höhe von mehr als 20 Milliarden Euro vor sich
Mobilität und Privatisierung her. Mittelfristig muss die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur deshalb von der
Haushaltsfinanzierung auf die Nutzerfinanzierung umgestellt werden. Die FDP fordert
Der Staat ist ein schlechter Verkehrsunternehmer. Die Vermischung von unterneh­ ein benutzer- und verursachergerechtes Gebührensystem sowie die Einbeziehung
merischem Handeln einerseits, Daseinsvorsorge und politischer Opportunität ande­ privater Unternehmen in Bau, Betrieb und Unterhaltung der Verkehrsinfrastruktur, um
rerseits, schwächt die Wettbewerbsfähigkeit und die Effizienz der Unternehmen der deren Effizienz zu steigern und überflüssigen Neubau zu vermeiden.
öffentlichen Hand, erhöht deren Subventionsbedarf und verteuert die Mobilität insge­
samt. Es ist deshalb das Ziel der Liberalen, die staatliche Beteiligung an Verkehrsun­ Im Luftverkehr ist ein bedarfsgerechter Ausbau der internationalen Verkehrsflughäfen
ternehmen auf allen Ebenen aufzugeben. Zur Sicherung der Daseinsvorsorge reicht und Regionalflugplätze erforderlich, damit die wachsende Nachfrage im Passagier­
es letztlich aus, wenn Bund, Länder und Kommunen als Bedarfsträger auftreten und und Luftfrachtbereich beWältigt werden kann. Eine ausreichende Luftverkehrsinfra­
notwendige und politisch gewünschte Verkehrsleistungen im Wettbewerb an private struktur ermöglicht nicht nur Mobilität für die Bürger und die Sicherung von Arbeits­
Unternehmen vergeben. Die Gründung privatwirtschaftlich organisierter Infrastruktur­ plätzen in der Luftfahrtindustrie, sondern stellt zusätzlich einen wichtigen Standort­
gesellschaften ist ohne Verzögerung auf allen Ebenen möglich und wäre ein erster faktor im Wettbewerb der europäischen Regionen um Unternehmen und Fachkräfte
Schritt zur Privatisierung vor allem des Straßen- und des Schienennetzes. dar.

Vor allem im Bereich des Schienenverkehrs müssen endlich klare Rahmenbedin­ Zur besseren Ausnutzung des Luftraumes in Deutschland und Europa gehört eine
gungen zur Einführung von Wettbewerb führen. Wettbewerb auf dem Schienennetz leistungsfähige Luftraumüberwachung mit einheitlichen Standards für privatrechtlich
ist eine wesentliche Voraussetzung für die Bahnreform. Bei dem derzeitigen Stand organisierte Flugsicherungseinrichtungen nach deutschem Vorbild, die unternehme­
der Umsetzung der Bahnreform kann aber nicht erwartet werden, dass Private (Drit­ risch handeln können. Die FDP will deshalb die Reform der europäischen Flugsiche­
te) sich den diskriminierungsfreien Zugang erstreiten. Die Trennung von Netz und rung vorantreiben. Auf europäischer Ebene sind zur Vermeidung von Wettbewerbs­
Betrieb ist für einen funktionsfähigen Wettbewerb die Grundvoraussetzung. In den verzerrungen Regelungen zur Reduzierung des Fluglärms anzustreben.
letzten Jahren war es der Deutschen Bahn AG als Monopolist durch den Alleinge­
sellschafter Bund erlaubt, den Wettbewerb gegen sich selbst zu organisieren, sie ist
also Spieler und Schiedsrichter in einem. Dies muss sich nach der Bundestagswahl Mobilität und Staat
schnellstmöglich ändern. Die FDP fordert einen Privatisierungsplan für die Bahn AG.
Das Schienen netz ist aus der Holding der Bahn AG herauszulösen, damit der Netz­ Aufgabe des Staates ist es, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, Mobilität für
zugang auf der Schiene diskriminierungsfrei auch für Dritte möglich ist und dort ein alle zu geWährleisten. So muss Mobilität grundsätzlich für jedermann bezahlbar sein.
Preis- und Leistungswettbewerb ausgelöst wird. Sie darf nicht zum Luxusgut für Wohlhabende werden, indem sie zur Steuer- und
Abgabenerhöhung oder zur speziellen Finanzierung anderer staatlicher Leistungen,
Die weitere Umsetzung der Privatisierung der Flughafenbeteiligungen des Bundes, wie des Rentensystems, missbraucht wird. Verkehrslenkung über prohibitive Be­
der Länder und Gemeinden ist zügig voranzutreiben. Die Straßenverkehrsverwal­ steuerung mit der Wirkung einer Zugangsbeschränkung führt ebenso zu
tung, speziell die Autobahnmeistereien, sind ebenso zu privatisieren wie Hafenbetei­ Wohlstandsverlusten wie staatlich geregelte Diskriminierung einzelner Verkehrsträ­
ligungen der Gebietskörperschaften. Private Unternehmen sind verstärkt in Betrieb ger.
und Unterhaltung der Verkehrsinfrastruktur einzubeziehen.
Die FDP setzt sich deshalb für ein verursachergerechtes und nutzungsabhängiges
Der ordnungspolitische Grundsatz der vollständigen Deregulierung der Verkehrs­ Gebühren- und Steuersystem ein, das verkehrsmittelneutral ist, und fordert die Ab­
märkte in der EU muss mit Konsequenz verfolgt werden. schaffung der Kraftfahrzeugsteuer und deren aufkommensneutrale Umlegung auf die
Mineralölsteuer. Die durch den Verkehr erzeugten Steuereinnahmen und Abgaben
sind in die Verkehrsinfrastruktur zurückzuführen.

Liberale wenden sich auch gegen staatliche Gängelung in der Verkehrspolitik. Ge­
schwindigkeitskontrollen dienen der Verkehrssicherheit und nicht der Erhöhung der
staatlichen Einnahmen. Sie sind deshalb auf Unfallschwerpunkte und konkrete Ge­
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fahrenstellen zu konzentrieren. Das Punkte- und Bußgeldsystem muss dringend ent­ oder Bahn, Auto oder Motorrad, Fahrrad oder Flugzeug: Die Bürger wollen ihr Ver­
rümpelt und vereinfacht werden. Nicht unfallträchtige Delikte sind schwächer zu ge­ kehrsmittel frei wählen können.
wichten als schwerpunktmäßige Unfallursachen. Die Registrierungspflicht für Klein­
delikte bis drei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei muss von zwei Jah­ Insbesondere für Menschen mit Behinderungen müssen Hindernisse aller Art abge­
ren auf ein Jahr reduziert werden. In diesem Zusammenhang fordert die FDP auch baut werden. Denn Mobilität ist gerade auch für diejenigen Menschen elementar,
die Ausweitung des Bonussystems bei freiwilliger Nachschulung. deren Chancen auf Teilhabe z.B. aufgrund von Behinderungen eingeschränkt sind.

Behinderte Menschen müssen sich vor allem frei in der Gesellschaft bewegen kön­
Mobilität und Wirtschaft nen. Dabei ist die von Liberalen angestrebte Barrierefreiheit umfassend zu verste­
hen: Sie bezieht sich einerseits auf die Zugänglichkeit von öffentlichen Gebäuden
Eine leistungsfähige Verkehrswirtschaft und eine bedarfsgerechte Verkehrsinfra­ und Plätzen. auf den privaten Wohnungsbau und die Nutzbarkeit öffentlicher Ver­
struktur sind Standortfaktoren von hohem Rang und Grundbedingung für die Ansied­ kehrsmittel. Behindertengerechte Rampen, Aufzüge oder visuelle und auf dem Tast­
lung neuer sowie die Sicherung bestehender Arbeitsplätze. Der Verkehrssektor ist sinn beruhende Orientierungsmöglichkeiten und Leitsysteme sollen bereits beim Bau
eine der Branchen mit den größten direkten und indirekten Beschäftigungswirkun­ berücksichtigt werden. Viele Bahnhöfe sind mittlerweile rollstuhlgerecht, aber nicht
gen. Die Zukunft dieser Arbeitsplätze hängt unmittelbar von ihrer Wettbewerbsfähig­ behindertengerecht ausgestattet. Bei den Zügen ist der Nachholbedarf noch größer:
keit ab. Mobilität in der Arbeitswelt bedeutet, Flexibilität zu zeigen und bei besseren Erleichterte Einstiegsmöglichkeiten sowie rollstuhlgerechte Abteile sind eine große
Arbeitsplatzchancen die Möglichkeit zu haben, zu einem weiter entfernten Arbeits­ Hilfe. die künftig zum Standard werden müssen.
platz zu gelangen.
Mobilität ist auch für ältere Menschen von wesentlicher Bedeutung. Ältere Menschen
Um die logistischen Rahmenbedingungen für den Standort Deutschland zu schaffen, wollen und brauchen keine Sonderrechte. sondern Akzeptanz ihrer Lebensleistung.
ist neben dem leistungsfähigen Neu- und Ausbau der Verkehrswege insbesondere Verantwortung kennt keinen Ruhestand. Und Eigenverantwortung lässt sich nicht in
die Erhaltung der vorhandenen Infrastruktur von großer Bedeutung. Deutschland ist Rente schicken. Öffentliche Gebäude und Straßen sind barrierefrei zu gestalten, und
auf die Modernisierung seines Verkehrswesens in besonderer Weise angewiesen. die Förderung der Mobilität älterer Menschen ist in neuen Verkehrskonzepten zu be­
Nach der Wiedervereinigung sind die Anforderungen an den Ost-West-Verkehr stark rücksichtigen.
angestiegen. Die zukunftsorientierte Gestaltung insbesondere des Schienen- und
Straßenverkehrs eröffnet Chancen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Integra­
tion von West- und Osteuropa. Die Erweiterung der EU nach Osten macht Deutsch­ Mobilität und Raumordnung
land verkehrsgeografisch noch deutlicher zu einem Transitland. Mit den zunehmen­
den wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen dem Baltikum, Mittel- und Südosteuro­ Persönliche Mobilität bestimmt sich auch durch eine effiziente Funktionsmischung
pa und Westeuropa werden sich neue zentrale Verkehrswege herausbilden. Eine der Bereiche Leben, Wohnen und Arbeiten. Die Raumordnungs- und Städtebaupoli­
weitere bisher zu wenig erkannte Möglichkeit zur kurzfristigen Nutzung freier Infra­ tik beeinflusst das Mobilitätsverhalten der Bürgerinnen und Bürger im wesentlichen
strukturkapazitäten im Verkehr ist die Verlagerung von Transporten von der Straße Ausmaß. Liberale Raumordnungs- und Siedlungspolitik trägt den Verkehrsbedürfnis­
auf die Küsten- und Binnenschifffahrt. Die deutschen Binnenwasserstraßen gehören sen Rechnung. Die FDP setzt sich für die Stadt der kurzen Wege und funktionieren­
neben dem Schienen- und Straßennetz zu den bedeutendsten Güterverkehrswegen de Stadtviertel ein. Wir wollen durch eine Änderung der Baunutzungsverordnung ei­
in Europa und sind somit unverzichtbare Lebensadern des Wirtschaftsstandortes ne stärkere Durchmischung der Funktionen erreichen. Wir wollen die Stadt-Umland­
Deutschland. Beziehungen durch ein leistungsfähiges integriertes Verkehrsangebot auf der Basis
des öffentlichen Personennahverkehrs verbessern. Wir wollen den ländlichen Raum
Bei der bevorstehenden EU-Osterweiterung muss der besonderen Wettbewerbssi­ durch ein bedarfsgerechtes Schienen- und Busverkehrsangebot stärken. Dazu trägt
tuation der deutschen Verkehrswirtschaft, speziell des Güterkraftverkehrsgewerbes. auch mehr Wettbewerb durch eine stärkere Einbeziehung Privater im öffentlichen
der Binnenschifffahrt und der Ostseehäfen angemessen Rechnung getragen werden. Personennahverkehr bei.
Dringend notwendig ist die Harmonisierung der Wettbewerbsbedingungen für die
Verkehrswirtschaft auf europäischer Ebene.
Mobilität und Technik

Mobilität und Mensch Technischer Fortschritt und Entwicklung bieten neue Chancen zur Bewältigung der
steigenden Mobilitätsbedürfnisse. Deswegen setzt sich die FDP ein für die Förderung
Mobilität dient den Menschen. Sie darf nur dort reglementiert werden, wo es zwin­ und Anwendung neuer Technologien.
gend erforderlich ist. Liberale Mobilitätspolitik orientiert sich am Leitbild des eigen­
verantwortlichen Menschen, der rücksichtsvoll mit anderen Verkehrsteilnehmern und
mit seiner Umwelt umgeht und der übertriebene staatliche Gängelei ablehnt. Ob Bus
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Zum Beispiel die Entwicklung neuer Logistiksysteme mit dem Ziel, die durchschnitt­ Politik für eine freie Welt
liche Transportentfernung zu reduzieren, Leerfahrten weitgehend zu vermeiden und
den Güterfluss zu verstetigen, wird den Güterverkehr wirtschaftlicher gestalten. Liberale Außenpolitik ist werteorientierte Interessenpolitik. Deutschland muss eine
aktive, verantwortungsvolle und angemessene Rolle in der Weltpolitik übernehmen;
Eine intelligente Verkehrssteuerung mit Hilfe der Telematik ist möglich und hilft, dabei muss es in seiner internationalen Verantwortung zwei Fehler vermeiden: es
Staus zu vermeiden. Forschung und Entwicklung müssen diese Möglichkeiten mit sollte sich nicht größer machen, als es ist, aber auch nicht kleiner. Deutschland sollte
Priorität zur Anwendungsreife bringen. zusammen mit Partnern den Beitrag leisten, der seinem Gewicht und seinen Fähig­
keiten entspricht und den auch seine Verbündeten von ihm erwarten. Die Prinzipien
Eine Verknüpfung des Hochgeschwindigkeitsnetzes der Bahn mit den Flughäfen ist und Werte, die für unsere Verfassung und unser innerstaatliches Handeln gelten,
notwendig, um die Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Bahn möglich zu ma­ sind auch für unsere Außen - und Sicherheitspolitik verbindlich.
chen. Die FDP bekennt sich zur Magnetschwebetechnik. Der Transrapid kann die
Geschwindigkeitslücke zwischen dem Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Schiene Die internationale Verantwortung Deutschlands muss Hand in Hand gehen mit deut­
und dem Kurz- und Mittelstreckenluftverkehr schließen. Der Staat finanziert die Infra­ scher Außen- und Sicherheitspolitik in und mit der Europäischen Union. Die Notwen­
struktur. Der Betrieb des Transrapids muss von der privaten Wirtschaft getragen digkeit, die Handlungsfähigkeit und Effizienz der EU zu stärken, liegt mehr denn je
auf der Hand. Deswegen sind die konstitutionelle Entwicklung und der erfolgreiche
werden.
Abschluss der nächsten Erweiterungsrunde strategisch zentrale Felder für die deut­
Neue Antriebstechniken, wie derzeit die Wasserstofftechnologie und die Brennstoff­ sche Politik. Die europäische Integration, der Aufbau einer europäischen Sicherheits­
zellentechnik, können in absehbarer Zeit den Verbrennungsmotor ergänzen. Die und Friedensordnung, sowie die Stärkung der Vereinten Nationen liegen ebenso im
Forschung an marktfähigen Modellen muss unterstützt und der Aufbau der Wasser­ deutschen Interesse wie der Export von Stabilität durch eine aktive Entwicklungs­
stoffinfrastruktur flankiert werden. Entsprechendes gilt für alternative Kraftstoffe zur und Menschenrechtspolitik und die Schaffung von Rahmenbedingungen für einen
COz-Verminderung und zur Verringerung der Abhängigkeit von Krisenmärkten. freien Welthandel.

Die Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika bleibt ein tragendes Fun­
dament deutscher Außenpolitik. Zunehmende sicherheits- und handelspolitische
Herausforderungen stellen die transatlantischen Beziehungen jedoch vor neue Be­
währungsproben. Dabei wissen wir, dass der selbstbewusste Umgang miteinander
letztlich auch Ausdruck unserer transatlantischen Wertegemeinschaft ist. Echte Part­
nerschaft wird durch Kritik nicht geschwächt, sondern gefestigt. Nicht aus dem Auge
gelassen werden darf aber auch die Etablierung belastbarer, vertrauensvoller Bezie­
hungen zu den östlichen Nachbarn, wie z.B. Russland und der Ukraine. Bei aller
Notwendigkeit der Vertiefung der europäischen Integration und der euro-atlantischen
Partnerschaft dürfen auch die traditionellen Beziehungen und die deutschen Interes­
sen in Afrika, Lateinamerika und Asien nicht vernachlässigt werden.

I. Europa ist unsere Antwort auf die internationalen Herausforderungen

In den nächsten fünf Jahren stehen in der Europapolitik zentrale Aufgaben auf der
Agenda: Europas Handlungsfähigkeit muss sichergestellt und die Vereinigung Euro­
pas vorangebracht werden. Im Einzelnen ist es dazu erforderlich, eine Verfassung
für Europas Bürger zu erarbeiten, die europäische Sicherheitspolitik auszubauen, die
europäische Innen- und Justizpolitik zu vertiefen, Europas Wirtschaft zu stärken und
die europäische Agrar- und Strukturpolitik zu reformieren. Durch die Erfüllung dieser
Aufgaben muss sich die Europäische Union zu einem starken und fairen Global
Player entwickeln. Die FDP lehnt die Einführung eines Europaministers ab. Außen­
und Europapolitik sind untrennbar und müssen im Interesse einer europäischen Poli­
tik Deutschlands im Auswärtigen Amt bleiben.
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Europäische Verfassung in die EU und den europäischen Binnenmarkt. Denn die Osterweiterung bringt für die
deutsche Wirtschaft und damit für den deutschen Arbeitsmarkt enorme Chancen. Die
Es ist an der Zeit, das europäische Gesellschaftsmodell, beruhend auf den Grund­ Beitrittsländer müssen in ihrem Bemühen unterstützt werden, das Regelwerk der
prinzipien Freiheit, Demokratie, Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten, Gemeinschaft nicht nur zu übernehmen, sondern auch durchzusetzen. Dazu gehört
Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Subsidiarität und Solidarität, als föderal ver­ auch, dass sie ihre Wirtschafts-, Geld- und Finanzpolitik an den Zielen der Wirt­
fasste Europäische Union vertraglich zu verankern. schafts- und Währungsunion ausrichten. Soweit die Osterweiterung in Grenzregio­
nen der Bundesrepublik für einzelne Berufsgruppen und Branchen zu Anpassungs­
Zu klären sind dabei das Verhältnis der Nationalstaaten zu den europäischen Institu­ problemen führt, ist es Aufgabe der Politik, sie abzufedern. Die zeitliche Verschie­
tionen auch im Sinne einer klaren, sinnvollen Kompetenzabgrenzung zwischen euro­ bung der Öffnung der Arbeitsmärkte hält die FDP für falsch. Dienstleistungsfreiheit
päischer, nationaler und regionaler Ebene, das Verhältnis der europäischen Organe und Arbeitnehmerfreizügigkeit dürfen nicht behindert werden.
untereinander, die Frage der demokratischen Legitimität und Kontrolle von Entschei­
dungen auf europäischer Ebene sowie die dafür notwendige Transparenz der Ent­
scheidungsfindung. Bei der hierfür erforderlichen Neuformulierung und ggf. Zweitei­ Die europäische Außen- und Sicherheitspolitik ausbauen
lung der Europäischen Verträge muss darauf geachtet werden, dass sie auch für die
Bürgerinnen und Bürger verständlich sind. Europa muss außenpolitisch mit einer Stimme sprechen und in der Lage sein, in
Konfliktfällen schnell und flexibel zu reagieren. Ziel der GASP ist es, durch effektive
Die FDP setzt sich für die Ausarbeitung einer europäischen Verfassung ein. Grund­ präventive Diplomatie Konflikte zu vermeiden und eine gesamteuropäische Friedens­
stein dieser europäischen Verfassung muss die Europäische Grundrechtecharta und Stabilitätsgemeinschaft aufzubauen. Grundlage ist dabei eine den Menschen­
sein, die von einem Konvent erarbeitet wurde und bisher nicht rechtsverbindlich ist. rechten und der Demokratie, der sozialen und ökologischen Marktwirtschaft sowie
Die FDP hat sich für den Europäischen Verfassungskonvent eingesetzt, da in diesem eine dem Ausgleich zwischen Süd und Nord verpflichtete Politik. Die FDP streitet für
Konvent mit großer Beteiligung von Parlamentarierinnen und Parlamentariern die eine werteorientierte europäische Außenpolitik.
Chance besteht, einen Verfassungstext für die Regierungskonferenz 2004 zu erar­
beiten. Die herkömmlichen Strukturen reichen nicht mehr aus, um die Europäische Die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) muss konsequent
Union im Innern entscheidend zu reformieren und demokratischer und handlungsfä­ ausgebaut und gefestigt werden. Ein Konkurrenzverhältnis zur Nordatlantischen Alli­
higer auszubauen. anz, die auch künftig Motor und Garant einer breit angelegten europäischen Sicher­
heitsarchitektur bleiben muss, darf dabei nicht entstehen. Vielmehr ist eine strategi­
Die FDP fordert, dass es über eine europäische Verfassung zu einer Volksabstim­ sche Partnerschaft zwischen EU und NATO bei der Krisenbewältigung das Ziel, in
mung kommt. der die EU nur dann tätig wird, wenn sich die NATO nicht engagieren kann oder will.
Die Einsatzkräfte der ESVP werden ab 2003 nationale Alleingänge überflüssig ma­
chen. Eine funktionierende ESVP stärkt nicht nur Europa, sondern auch die Allianz.
Europäische Osterweiterung Längerfristiges Ziel ist die Schaffung gemeinsamer europäischer Streitkräfte unter
einheitlichem Oberbefehl.
Es besteht die historische Chance, ein neues, freies und vereintes Europa zu schaf­
fen. Die vordringlichste Aufgabe für die nächsten Jahre ist daher das Vorantreiben Der wehrtechnische Abstand zwischen den USA und den europäischen Partnern in
der Ost-Erweiterung der Europäischen Union unter Beteiligung der Bürgerinnen und der NATO ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden und er wächst
Bürger. Die europäische Orientierung der Beitrittskandidatenländer darf nicht ent­ weiter. Dies drängt Europa in die Rolle eines einflusslosen Hilfspolizisten und ge­
täuscht werden, sonst werden sie sich andere Orientierungen suchen. Daher muss fährdet mittelfristig die Existenz der NATO selbst. Um dieser Entwicklung entgegen­
die Europäische Union endlich die notwendigen Reformen der Institutionen sowie der zutreten, ist eine effiziente Nutzung der gar nicht geringen europäischen Verteidi­
Agrar- und Strukturpolitik durchführen, um ihre Erweiterungsfähigkeit sicher zu stei­ gungsausgaben notwendig. Ziel muss es sein, in einer Europäischen Verteidigungs­
len. union Rüstungsforschung und Rüstungsindustrien zu koordinieren, die Ausrüstung
der Streitkräfte der Mitgliedstaaten der EU zu standardisieren und die dabei frei wer­
Die Erweiterungsverhandlungen müssen gleichzeitig mit der Vertiefung der Union denden Mittel für modernste Ausrüstung und Ausbildung zu verwenden.
zügig weitergeführt werden mit dem Ziel, nach strikter Erfüllung der Beitrittskriterien
gut vorbereiteten Kandidaten einen raschen Beitritt so rechtzeitig zu ermöglichen,
dass deren Bürger an den Europawahlen 2004 teilnehmen können. Die FDP setzt Europäische Innen- und Justizpolitik vertiefen
sich dafür ein, in einem demokratischen Meinungsbildungsprozess eine breite Mehr­
heit der Bevölkerung für die Ost-Erweiterung zu gewinnen. Ein europaweit abgestimmtes Vorgehen gegen Terrorismus und Kriminalität gehört
zu einer handlungsfähigen politischen europäischen Union. Bisher gehört die Justiz­
Abgesehen von der moralischen und politischen Verpflichtung gegenüber den Län­ und Innenpolitik noch vorwiegend zur zwischenstaatlichen Zusammenarbeit, der sog.
dern und den Menschen Mittel- und Osteuropas fordert die FDP auch aus wirtschaft­ dritten Säule. Das Europäische Parlament hat in diesem Bereich kaum Entschei­
lichen Gründen die rasche umfassende und konsequente Einbindung dieser Länder dungskompetenzen und der Rechtsschutz des Bürgers ist unzulänglich, wie z.B. das
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Europolübereinkommen zeigt. Die derzeitige, von der Bundesregierung unterstützte, Das deutsche Gesundheitssystem muss so umgestaltet werden, dass die Chancen
Entwicklung in der Europäischen Union, zunehmend die gegenseitige Anerkennung im europäischen Raum genutzt werden können. Die Grenzen der Leistungs­
der Entscheidungen der nationalen Behörden in den Mitgliedstaaten zu vereinbaren, inanspruchnahme dürfen nicht an nationalen Grenzen enden. Die Voraussetzungen
schwächt die Stellung des Bürgers zusätzlich. So liegt z.B. dem europäischen Haft­ für europaweiten Wettbewerb um Leistungen im Gesundheitswesen müssen umge­
befehl die gegenseitige Anerkennung zugrunde, mit der Folge, dass ein gegen einen hend geschaffen werden.
Deutschen z.B. in Spanien oder Irland oder Dänemark wegen des Verdachts einer
Straftat verhängter Haftbefehl von den Polizeibehörden und Gerichten in Deutsch­
land ohne Prüfung akzeptiert werden muss, und der betroffene deutsche Bürger Europäische Agrar- und Strukturpolitik
ausgeliefert wird. Einheitliche strafrechtliche und strafprozessuale Rechtsstandards,
wie z.B. Richtervorbehalt oder Haftgründe, gibt es in den europäischen Mitgliedstaa­ Die Europäische Agrarpolitik muss sich zukünftig stärker an den Prinzipien der So­
zialen Marktwirtschaft und der Nachhaltigkeit orientieren. Die Landwirte müssen von
ten jedoch nicht.
bürokratischer Gängelung und bürokratischen Marktregulierungen befreit und damit
wieder zu Unternehmern gemacht werden. Sie müssen die Chance haben, einen
Die FDP fordert deshalb die Schaffung einheitlicher Rechtsstandards im Bereich In­ wesentlichen Teil ihres Einkommens am Markt zu erzielen. Zukünftig sollen die
nen und Justiz und eine schrittweise Überführung von Aufgaben der Innen- und Ju­ Landwirte für ihre Leistungen zur Pflege und Erhaltung unserer Kulturlandschaft eine
stizpolitik in das Gemeinschaftsrecht. Die demokratische Kontrolle durch das Euro­ Produkt unabhängige Kulturlandschaftsprämie erhalten. Im Gegenzug entfallen
päische Parlament und der unverzichtbare Rechtsschutz durch den Europäischen schrittweise die bisherigen bürokratischen Marktregulierungen. Weil unternehmeri­
Gerichtshof müssen verbessert werden. sche Landwirte Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen brauchen,
kann ein Umbau der produktbezogenen Stützung zu einer Produkt unabhängigen
Kulturlandschaftsprämie nicht von heute auf morgen erfolgen. Die anstehende Halb­
Europas Wirtschaft stärken zeitbewertung der Agenda 2000 muss genutzt werden, um die mit der Agrarreform
von 1992 und mit der Agenda 2000 eingeleitete marktwirtschaftliche Orientierung der
Die Europäische Union hat Stabilitäts- und Wohlstandswirkungen nicht nur nach in­ EU-Agrarpolitik beherzt fortzuführen.
nen. Sie muss sich darüber hinaus in einer sich zunehmend globalisierenden Welt
behaupten und sich steigender Verantwortung auch für die Weltwirtschaft als ganze Die FDP fordert eine Stärkung der Mitgliedstaaten durch mehr Subsidiarität und grö­
stellen. Durch die einheitliche Währung werden die Vorteile des Binnenmarktes bes­ ßere nationale Steuerungsmöglichkeiten. Dazu sollte das Instrument der Kofinanzie­
ser ausgeschöpft, werden die Investitionen im Euro-Raum stimuliert und der Euro­ rung in der Europäischen Agrarpolitik weiter ausgebaut werden, damit die Aus~
Raum erhält insgesamt ein stärkeres Gewicht in der Weltwirtschaft. Der Euro kann gleichsmaßnahmen besser auf die örtlichen Notwendigkeiten abgestimmt werden.
aber nur dann ein Erfolg werden, wenn der Binnenmarkt tatsächlich vollendet wird. Dieser Umbau der Europäischen Agrarpolitik ist auch erforderlich, um die Herausfor­
Dazu gehören vor allem die wirkliche Integration der Geld- und Kapitalmärkte im Eu­ derungen der laufenden Welthandelsrunde (WTO) und der EU-Osterweiterung er­
ro-Raum sowie eine Abstimmung in der Wirtschafts- und Finanzpolitik, ohne den folgreich zu bestehen. Mit Rücksicht auf die höheren Standards und die multifunktio­
Wettbewerb der Volkswirtschaften untereinander zu behindern. Darüber hinaus for­ nalen Leistungen unserer heimischen Landwirtschaft muss bei den laufenden Ver­
dert die FDP weitere Fortschritte in der Liberalisierung der Märkte, vor allem auch handlungen der WTO die Wettbewerbsfähigkeit unserer Landwirtschaft sichergestellt
des Arbeitsmarktes, um die notwendigen Strukturanpassungen in einer sich globali­ werden, ohne dass neue protektionistische Barrieren aufgebaut werden.
sierenden Welt zu erleichtern.
Auch die Strukturpolitik muss reformiert werden, nicht nur aus finanziellen Gesichts­
Auch in Handelsfragen muss die EU künftig mit einer Stimme sprechen. Die Veto­ punkten. Die neuen Prioritäten müssen bei der Verbesserung von Infrastruktur und
möglichkeit bei Entscheidungen des Rates im Rahmen der Handelspolitik muss so Bildung sowie der Förderung von unternehmerischer Eigeninitiative und der Entwick­
schnell wie möglich beseitigt werden, damit die einzelnen EU-Mitgliedstaaten bei den lung von wettbewerbsfähigen Klein- und Mittelbetrieben liegen, um Europa wieder
WTO-Verhandlungen nicht gegeneinander ausgespielt werden können. innovativ und wettbewerbsfähig mit anderen Weltregionen werden zu lassen.

Die FDP widersetzt sich Bestrebungen der Europäischen Union, das europäische
Kartellrecht gleichsam auf den Kopf zu stellen: an die Stelle des bisherigen KarteIl­ 11. Liberale Ordnungspolitik für Stabilität und Entwicklung
verbotes, bei dem Ausnahmen der ausdrücklichen Erlaubnis bedürfen, würde die
faktische Kartellfreiheit treten. Dabei soll das Prinzip der Selbsteinschätzung gelten: Deutschland hat ein nationales Interesse an weltweiter Stabilität und Entwicklung.
die betroffenen Unternehmen dürfen selbst beurteilen, ob ein von ihnen angestrebtes Gerade nach dem 11. September 2001 ist die Bewältigung globaler Herausforderun­
Kartell freigestellt ist; es entfällt der Zwang zur Rechtfertigung eines Kartells. Wer gen wie Terrorismus, Abrüstung, Entwicklung, Umweltschutz, internationale Krimina­
dagegen angehen will, hat für den KarteIlverstoß die Beweislast zu tragen. Dieser lität, Migration und Flüchtlingselend zentrale Aufgabe der Außenpolitik. Außen- und
fundamentale Kurswechsel in der europäischen Wettbewerbsordnung schadet den Sicherheitspolitik sind über ihre klassischen diplomatischen und militärischen Dimen­
Interessen der Verbraucher und der kleinen und mittleren Unternehmen. sionen hinausgewachsen und integrale Bestandteile der Weltinnenpolitik geworden.
Präventive regionale und multilaterale Zusammenarbeit liegen daher mehr als je zu­
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vor im nationalen Interesse. Eine zukunftsweisende außenpolitische Strategie muss Ansatz bietet sich auch für eine "post-conflict-Regelung" in Afghanistan sowie für den
daher die Stärkung multilateraler Netzwerke vor allem im Rahmen der Vereinten Na­ Nahost-Friedensprozess an. Die FDP fordert eine regionale Konferenz für Sicherheit
tionen und ihrer regionalen Abmachungen in den Vordergrund stellen. und Zusammenarbeit im Nahen Osten (KSZNO) unter Schirmherrschaft der Verein­
ten Nationen, an deren Ende eine belastbare Friedensregelung stehen muss. Die
Umsetzung dieser Regelung sollte durch VN-mandatierte multilaterale Sicherheits­
Die Vereinten Nationen umfassend stärken kräfte abgesichert werden. Grundlage für den Frieden im Nahen Osten ist aus libera­
ler Sicht neben der Abkehr von Gewalt und Terrorismus sowohl das unantastbare
Die Vereinten Nationen (VN) sind als zentrales weltinnenpolitisches Instrument alter­ Existenzrecht Israels als auch die Schaffung eines unabhängigen Palästinenserstaa­
nativlos. Die FDP fordert, dass das VN-System in allen seinen Bereichen ausgebaut tes.
und nachhaltig gestärkt wird. Als drittgrößter Beitragszahler steht Deutschland hier in
besonderer Verantwortung. Deutschland muss daher gemeinsam mit unseren Part­
nern in der Europäischen Union eine Initiative zur Stärkung der Vereinten Nationen Die euro-atlantische Partnerschaft vertiefen
als zentralem Instrument zur Bewältigung der neuen globalen Herausforderungen
ergreifen. Es ist bislang nicht gelungen, einen Rahmen zu finden, der den wachsenden euro­
atlantischen Herausforderungen standhält. Die hohen Erwartungen an eine "neue
Die FDP fordert eine zugige Reform der Vereinten Nationen. Hierzu zählt eine transatlantische Agenda" und den "Business-Dialog" haben sich nicht erfüllt. Ein um­
grundsätzliche Stärkung der Generalversammlung und des Generalsekretärs der VN, fassendes Konzept zur Erfassung der euro-atlantischen Beziehungen ist daher drin­
eine Neustrukturierung des Wirtschafts- und Sozialrates, wie sie die Weizsäcker­ gend erforderlich. Dabei geht es sowohl um Handlungsoptionen für die zügige Ver­
Quereshi-Kommission vorgeschlagen hat und eine Reform des Sicherheitsrates, die wirklichung eines transatlantischen Marktes einschließlich WTO-konformer Streit­
der Weltlage des 21. Jahrhunderts entspricht. Hierzu gehört die Beteiligung Deutsch­ schlichtungsmechanismen, als auch um eine neue Qualität der Sicherheitspartner­
lands unter Aufrechterhaltung der Perspektive eines europäischen Sitzes ebenso wie schaft zur gemeinsamen Bewältigung neuer weltpolitischer Herausforderungen wie
einer angemessenen Beteiligung bislang nicht vertretener Weltregionen. Die entwick­ Terrorismus, Proliferation von Massenvernichtungswaffen und Abrüstung.
lungspolitischen und humanitären VN-Organisationen müssen zu wirkungsvollen
Präventionsinstrumenten weiter entwickelt werden. Zur Stärkung friedenserhaltender
und friedensschaffender Maßnahmen sind permanente VN-Kapazitäten aufzubauen. Den Dialog mit Russland intensivieren
Deutschland soll sich für eine gemeinsame europäische VN-Politik durch Erarbeitung
gemeinschaftlicher Positionen im Rahmen der VN-Generalversammlung einsetzen. Russland muss in der gesamteuropäischen Friedensordnung eine zentrale Rolle ein­
nehmen. Dies erfordert eine enge Anbindung Russlands an die Strukturen der euro­
päischen Integration, insbesondere an die der NATO und der EU. Die Intensivierung
Der OSZE mehr Gewicht beimessen bedeutet aber auch, dass schwierige Themen wie die Demokratisierung Russlands
und die Menschenrechtssituation in Tschetschenien auf der Tagesordnung bleiben
Besonders im Zuge von EU- und NATO-Erweiterung gilt es, den vertrauensbildenden müssen. Zur Lösung der Rückführung der so genannten "Beutekunst" schlägt die
Charakter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) FDP die Gründung einer deutsch-russischen KUlturstiftung vor.
weiter auszubauen und zu festigen und ihr die zentrale Rolle bei der Neugestaltung
der europäischen Sicherheitsordnung zu übertragen. Deshalb fordert die FDP ein
höheres Maß an politischer Verbindlichkeit der OSZE-Beschlüsse und Krisenpräven­ Menschenrechte durchsetzen
tionsfunktion der OSZE durch "OSZE-First". Die OSZE muss als regionale Abma­
chung im Sinne der VN-Charta gestärkt werden. Die Befugnisse des OSZE­ Die Universalität der Menschenrechte und ihre weltweite Geltung und Durchsetzung
Generalsekretärs sind zu erweitern und das "Konsens minus eins-Prinzip" muss um­ sind unverzichtbarer Bestandteil liberaler Außenpolitik. Demokratische, nachhaltige,
gesetzt werden. Die OSZE-Feldeinsätze müssen verstärkt werden. soziale und ökologische Entwicklung braucht als Fundament die Verwirklichung der
Menschenrechte.

Die KSZEIOSZE als Modell für regionale Vertrauensbildung Menschenrechte haben auch in Zeiten des Terrorismus Gültigkeit. Gegenüber
menschrechtsverletzenden Diktaturen darf es keinen Menschenrechtsrabatt geben.
Das bewährte KSZE/OSZE-Modell sollte Grundlage einer dauerhaften politischen Der globale Menschenrechtsdialog und die Instrumente des Menschenrechtsschut­
Lösung regionaler Konflikte werden. Dies gilt insbesondere für die weiter schwelen­ zes der Vereinten Nationen müssen verbessert und verstärkt werden. Dazu gehört
den Konflikte im ehemaligen Jugoslawien. Die FDP fordert daher, den betroffenen eine bessere finanzielle Unterstützung der VN-Hochkommissarin für Menschenrech­
Staaten nicht nur im Rahmen des Stabilitätspaktes Wiederaufbauhilfe zu leisten, te, sowie die vorbehaltlose Ratifizierung und innerstaatliche Umsetzung von Men­
sondern sie zu einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Süd-Ost­ schenrechtsabkommen wie u. a. der Zusatzprotokolle zu Menschenrechtskonventio­
Europa (KSZSE) zusammen zu führen, um alle offenen Fragen wie Minderheitensta­ nen. Zur Menschenrechtspolitik gehört für die FDP der Einsatz gegen Folter und den
tus, Vertriebenenrückkehr und Rüstungskontrolle gemeinsam zu lösen. Der OSZE­ Missbrauch von Kindern, das Engagement für die Abschaffung der Todesstrafe, der
84 85

Schutz der weltweit zunehmenden Zahl von Flüchtlingen sowie das Eintreten für eine Public Partnerships" hinzu gezogen werden. Die FDP fordert eine Reform der Aus­
Einbeziehung transnationaler Unternehmen in die Verantwortung für die Menschen­ wärtigen Kulturpolitik mit programmatischem Schwerpunkt auf transkulturellem Dia­
rechte. Die FDP setzt sich deshalb für ein Zusatzprotokoll zur Anti-Folter-Konvention log insbesondere zwischen Regionen, Religionen und Kulturen. Auch die Auswärtige
der Vereinten Nationen ein, das u. a. ein effektives Verfahren für unangekündigte Kulturpolitik muss einen Beitrag zum Abbau von Feindbildern und Vorurteilen und
Besuche in Gefängnissen und anderen Hafteinrichtungen etabliert und damit men­ damit auch zur Bekämpfung des Terrorismus leisten. In diesem Rahmen ist es unab­
schenunwürdige Behandlung und Folter aufdecken und verhindern helfen kann. dingbar, das Auswärtige Amt, die politischen Stiftungen, die Mittler der Kulturpolitik,
die deutschen Auslandsschulen und einschlägige Nicht-Regierungsorganisationen
Weitere Kernforderungen liberaler Menschenrechtspolitik sind die Durchsetzung der finanziell nicht weiter zu beschneiden, sondern sie im Gegenteil wieder stärker zu
tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter und das ambitionierte Vorgehen ge­ fördern.
gen Gewalt besonders gegen Frauen und ihr Schutz vor entwürdigenden und ge­
sundheitsschädigenden Praktiken.
11I. Chancen der Globalisierung nutzen
Die FDP tritt für einen wirksamen SChutz von ethnischen und religiösen Minderheiten
ein. Im Rahmen der bestehenden internationalen Abkommen wird ein wirksamer Gerade angesichts der terroristischen Bedrohungen muss die Staatengemeinschaft
Rechtsschutz garantiert. Der Schutz von Minderheiten muss jedoch stärker in der ihren gemeinsamen Willen zur Festigung und Ausweitung des Freihandels deutlich
internationalen Politik diskutiert werden. machen. Mehr Handel und verbesserter Marktzugang für Entwicklungsländer sind die
wirkungsvollste Entwicklungshilfe. Wettbewerb und freier Welthandel sind die Grund­
Zu einem wirksamen Schutz von Minderheiten zählt der diskriminierungsfreie Zugang lage für Wohlstand in allen Ländern der Welt. Freier Handel ist die Lösung - nicht
zu Bildung und öffentlichen Ämtern sowie die freie Ausübung von kulturellen Bräu­ das Problem.
chen und Religionen. Die FDP lehnt religiöse Strafgesetze ab, da sie sich gezielt ge­
gen Minderheiten richten.
Welthandel
Die Straflosigkeit von Menschenrechtsverbrechen muss beendet werden. Die Schaf­
fung des schon von liberalen Außenministern geforderten Internationalen Strafge­ Die FDP verfolgt auch auf internationaler Ebene eine Politik der Öffnung der Märkte
richtshofes ist dazu ein wichtiger Beitrag. Die FDP fordert ein wirksames Programm und der Liberalisierung. Der weitere Abbau von Zöllen und anderen Behinderungen
für den Schutz von Opfern und Zeuginnen und Zeugen, die vor dem Internationalen verstärkt den Wettbewerb und schafft wirtschaftliche Freiräume für alle. Zukunftsori­
Strafgerichtshof auszusagen bereit sind, sowie die finanzielle Beteiligung der Bun­ entierte Handelspolitik beruht insbesondere auf den Prinzipien der Nichtdiskriminie­
desregierung an einem entsprechenden Opfer-Entschädigungsfonds. rung und Meistbegünstigung. Die Handelsliberalisierung muss ganz oben auf der
Agenda bleiben.

Außenpolitische Instrumente stärken Die Bemühungen um weiter gehende institutionelle Reformen der Welthandelsrunde
(WTO) als Organisation und Verhandlungsforum müssen verstärkt fortgesetzt wer­
Die FDP fordert, dass der Auswärtige Dienst in allen Teilen finanziell und personell in den. Dazu gehören höhere Effizienz, Transparenz und eine bessere Einbindung der
die Lage versetzt wird, den neuen weltweiten Herausforderungen wirkungsvoll zu Parlamente, z.B. in Form einer Parlamentarischen Versammlung bei der WTO. Die
begegnen. Die Außenrepräsentanz Deutschlands muss nachhaltig verstärkt werden. FDP wird sich darüber hinaus massiv für die Integration der Wettbewerbspolitik in
Eine ersatzlose Schließung von Auslandsvertretungen und Goethe-Instituten schadet das WTO-Regelwerk einsetzen. Ziel muss es sein, mittelfristig Wettbewerbspolitik als
den langfristigen Zielen der Politik Deutschlands. Vielmehr müssen endlich auch in neuen Teil der WTO-Überprüfungsmechanismen zu etablieren und langfristig zu ei­
der gemeinsamen europäischen Außenpolitik die Weichen für gemeinsame Struktu­ nem Rahmen gemeinsamer Wettbewerbsregeln und zu einer globalen Wettbewerbs­
ren in der Außenvertretung geschaffen werden. Eine glaubwürdige Wahrnehmung ordnung unter dem Dach der WTO zu kommen.
deutscher Interessen im Ausland setzt im Übrigen auch voraus, dass der Auswärtige
Dienst wieder seine umfassenden Querschnittskompetenzen zurück erhält. Die FDP Die FDP lehnt es ab, Sozial- und Umweltstandards zur allein gültigen Voraussetzung
fordert, die Tätigkeitsfelder des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenar­ für die Teilnahme am Welthandel zu machen. Das schadet den ärmeren Ländern, da
beit und Entwicklung und des Auswärtigen Amtes zusammen zu führen. es sie hindert, ihre Wettbewerbsvorteile auszuspielen. Eine Sondersteuer auf Devi­
sentransaktionen - die so genannte "Tobin-Steuer" - lehnt die FDP ab.

Innovative Lösungen tür die Auswärtige KUlturpolitik Auch die Außenwirtschaftsförderung ist Aufgabe deutscher Außenpolitik. Vor allem
der deutsche Mittelstand, der über kein eigenes Netz von Auslandsvertretungen ver­
Die Auswärtige Kulturpolitik muss mit kreativen und innovativen Konzepten auf die fügt, ist auf flankierende Unterstützung durch die deutsche Außenhandelspolitik an­
Herausforderungen der Globalisierung reagieren. Dies bedeutet zum Einen den ziel­ gewiesen. Die FDP will ein aktives Engagement des Auswärtigen Dienstes sowie
genaueren Einsatz knapper Mittel. Zum Anderen sollten in der Auslandskulturarbeit eine bessere Vernetzung mit den Außenhandelskammern.
auch stärker als bisher nicht öffentliche Träger im Rahmen so genannter "Private

~I
86 87

Die Herausforderungen der WTO und die EU-Osterweiterung müssen durch markt­ Die Verhandlungsergebnisse der Siebten Weltklimakonferenz von Marrakesch waren
wirtschaftliehe Reformen der Europäischen Agrarpolitik begleitet werden. Die WTO­ ein Durchbruch für die internationale Klimapolitik. Jetzt geht es darum, dass mög­
Runde hat sich im Agrarbereich durch den Beschluss zum völligen Abbau der Ex­ lichst viele Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention den Ratifizierungsprozess
portstützungen, zur Erleichterung des Marktzugangs und zu einem Umbau der inter­ zügig und entschlossen einleiten. Das Europäische Parlament hat mit großer Mehr­
nen Stützmaßnahmen weitgehend festgelegt. Die FDP fordert einen konkreten Zeit­ heit die Ratifizierung des Kyotoprotokolls befürwortet; ein Richtlinienentwurf der EU­
plan für das Ende der Exporterstattungen im Agrarhandel, die den Markt erheblich Kommission sieht vor, dass ein verpflichtender Börsenhandel mit Emissionszertifika­
und besonders zu Lasten der Entwicklungsländer verzerrt haben. ten europaweit ab 2005 unter Beteiligung mehrerer tausend Unternehmen beginnen
soll. Die FDP tritt dafür ein, die flexiblen Mechanismen des Kyotoprotokolls auch in
Deutschland unverzüglich zu nutzen und unterstützt grundsätzlich die Vorschläge der
Chancen der Globalisierung für die Entwicklungsländer nutzen EU-Kommission. Ein Emissionshandel darf jedoch nicht auf ausgewählte Branchen
und Großunternehmen beschränkt bleiben, sondern muss zügig auf alle Wirtschafts­
Wirtschaftliches Wachstum ist der einzige Weg, um Armut zu überwinden. Liberale bereiche ausgedehnt werden. Die ökonomischen Chancen, die ein moderner Klima­
Entwicklungspolitik ist deswegen nicht Welt-Sozialhilfe. Nur die Mobilisierung eigener schutz auch für kleine und mittlere Unternehmen eröffnen kann, dürfen nicht verspielt
Kräfte in den Entwicklungsländern bringt den angestrebten gesellschaftlichen Fort­ werden. Bei der Ausgestaltung des Emissionshandels müssen insbesondere mit
schritt. Die Schaffung marktwirtschaftlicher Strukturen muss zur vorrangigen Aufgabe Blick auf die bestehende Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft zur Klimavor­
öffentlicher Entwicklungshilfe werden. Die Soziale Marktwirtschaft bietet das wir­ sorge Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden. Die Selbstverpflichtung muss
kungsvollste System für eine nachhaltige Entwicklung. Zusammen mit einer aktiven durch eine zumindest teilweise Anrechnung von im Ausland erzielten Emissionsmin­
Bildungspolitik unter Einsatz neuer Kommunikationstechnologien ist die Soziale derungen flexibilisiert und modernisiert werden. Auch auf der Ebene internationaler
Marktwirtschaft damit ein Schlüssel zur Überwindung von Unterentwicklung und Ar­ Zusammenarbeit muss Deutschland die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die
mut. durch Klimaschutzprojekte erzielten Emissionsminderungen auf deutsche Redukti­
onsverpflichtungen angerechnet sowie für die beteiligten Unternehmen und Länder
Präventive Entwicklungshilfe muss wieder die notwendige Priorität erhalten. Entwick­ zertifiziert und im Sinne der Kyotomechanismen in einem deutschen Emissionshan­
lungspolitik muss sich strategisch erneuern und durch gezielte Armutsbekämpfung deissystem und international handelbar werden. Durch den Emissionshandel wird
einen maßgeblichen Beitrag zur Beseitigung von sozialen, wirtschaftlichen und politi­ insbesondere auch für die Entwicklungsländer eine attraktive Möglichkeit erschlos­
schen Missständen leisten. Diese bedeutet neben zusätzlichen finanziellen Leistun­ sen, aktiv und in eigener Verantwortung am Welthandel teilzunehmen, auf diese
gen eine Zusammenführung der politischen Verantwortung für Außen- und Entwick­ Weise zugleich substanzielle Beiträge zum Klimaschutz zu leisten und ihre wirt­
lungspolitik, sowie deren strukturelle Neuausrichtung auf effiziente multilaterale Zu­ schaftliche Situation zu verbessern. Ein weltweiter Emissionshandel ist insoweit auch
sammenarbeit. Die beste Entwicklungshilfe ist die Öffnung der europäischen Märkte eine große Chance für die entWicklungspolitische Zusammenarbeit.
für Produkte von Entwicklungsländern und die Mobilisierung von Investitionskapital.
Die Finanzierung verstärkter Hilfeleistung für Entwicklungsländer muss langfristig
sichergestellt werden, damit diese ihre Interessen in einer multilateralen Welthan­ IV. Äußere Sicherheit schafft Sicherheit auch im Inneren
delsordnung wahrnehmen können.
Frieden und Freiheit gehören unteilbar zusammen. Sie sind im Interesse der Men­
Die Entwicklungszusammenarbeit der Mitgliedsstaaten der EU mit der Europäischen schen herbeizuführen und zu sichern, notfalls auch mit militärischen Mitteln. Dieser
Union muss zu einer wirksamen europäischen Entwicklungspolitik umgestaltet wer­ Maxime der Atlantischen Allianz verdanken wir Deutschen unsere Einheit in Freiheit.
den. Die Vereinten Nationen müssen zu einer schlagkräftigen Weltorganisation fort­ Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Deutschland seine neue Rolle verantwor­
entwickelt werden, die zentrale Aufgaben bei der Koordinierung der internationalen tungsvoll annimmt und die Bundeswehr schnell und konsequent bündnisfähig macht.
Entwicklungszusammenarbeit übernimmt. Der Internationale Währungsfonds muss
sich wieder verstärkt auf seine klassischen währungspolitischen, die Weltbank auf
ihre entwicklungspolitischen Aufgaben konzentrieren. Die Bundeswehr bündnisfähiger machen

Die sicherheitspolitische Lage hat sich grundlegend geändert. Nach dem Ende des
Klimaschutz Kalten Krieges, dem Zerfall der Sowjetunion und der Öffnung der NATO für neue
Mitglieder hat sich eine massive militärische Kräfteverschiebung vollzogen. Das At­
Die FDP hält am nationalen Klimaschutzziel zur RedUZierung der CO 2 -Emissionen in lantische Bündnis ist heute jedem denkbaren Gegner in konventioneller Hinsicht
Deutschland um 25% bis 2005 gegenüber 1990 fest. Die FDP fordert dazu seit lan­ mindestens dreifach überlegen, ohne auch nur einen Reservisten einberufen zu
gem den Einsatz der flexiblen Instrumente des Kyotoprotokolls. Im Vordergrund steht müssen. Die Mehrheit der NATO-Mitgliedstaaten hat die Wehrpflicht ausgesetzt, eine
das Ziel, unverzüglich Maßnahmen zur Verminderung der weltweiten Treibhausgas­ Entscheidung, die auch schnellstens für die Bundeswehr getroffen werden sollte. Die
emissionen zu ergreifen. Dabei ist entscheidend, dass pro eingesetztem Euro soviel Wehrpflicht ist sicherheitspolitisch nicht mehr zu begründen. Die Anforderungen an
Kohlendioxid wie möglich vermieden wird. Klimaschutz muss deshalb gerade auch Streitkräfte sind heute mit dem traditionellen Bild der Massenarmee nicht zu bewälti­
dort betrieben werden, wo er zu den geringsten Kosten realisiert werden kann. gen.
88 89

Deutschland benötigt eine hochmotivierte, sehr gut ausgebildete und mit modernster
Bewaffnung ausgerüstete Bundeswehr. Sie muss professionell, flexibel und schnell Stichwortverzeichnis
einsetzbar sein sowohl im Rahmen der Bündnisverteidigung, der Krisenbewältigung,
der Terrorbekämpfung, der Friedenssicherung, als auch der humanitären und der Bundesnatu=huUgosetz 24
AbIa11w1rtschaft 15,27

Abgeilungssleuer 4 famll'&ntörderung 49
Katastrophenhilfe. Bunoo5>W'hr 57,87ft
Familienpolitik ,Hf!
Bund!!sWlrtsehattsmlnlslellum 6,22
abweichende Betnebsvere'nbarung Alich8f1lanfwrtra9 7
Biino"uslah1gk611 87
Die Reform der Bundeswehr, wie sie von der Bundesregierung entschieden wurde, Afghanistan 63
Biirgerenlscheldel-begahrOll 65
entspricht in keiner Weise den Erfordernissen. Die Personalstärke ist aufgrund des Agenda 2000 81
Bürgergeld 8ft,4SN
Födel1lll!ll'TWS 65

starrsinnigen Festhaltens an der Allgemeinen Wehrpflicht zu hoch, die Einsatzbereit­ Agrarpolitik!· wende
BUIQlIfschallhchesEngagemenl
ForschUnQurx:lEntMCklung(FuE)llellre 2140ff,16

Alleinerziehend" 4.48 Forsdluflgs-- und Technotoglepolitik


schaft zu niedrig - nur etwa 50.000 von 300.000 Soldaten der Bundeswehr sind heu­ allgemelnerFrlllIMlhgendlensl 53
Bürokral,8l<osten - TÜV 18
Frak\lonszwang 65
te einsatzbereit. Die Aussetzung der Wehrpflicht wird die Einsatzfähigkeit der Bun­ alternal'~ Heilmelt1<xJen 12
Bußgeldsyslem 73
Frauenpolitik 47.50fl

deswehr erhöhen, die Ausbildungs- und Materialkosten senken und den investiven Ant,-Fol1er-Konvenllon 83" frete~11t

Anteil steigern. Die für Verteidigung im Bundeshaushalt vorgesehenen Mittel (23,6 AntISemitismus 59 CO 2 Verrnlndel\lng 76, B6 FreiWllhger>agenturen 53

Mrd. €) reichen bei weitem nicht aus. Das Ansehen und die Reputation Deutschlands A~tnehmerfrellii9'\;lk6l1 79 freiwllliges sovalesl ökol09'sc/l6S Jahr

[Link]ßrlahmen 5, 8. 22 Datenscnutt 55ft,69 Fremdspr3chenI-unterndlt 32,35


laufen Gefahr, beschädigt zu werden. Arbeitslosengeld 511 <!emografiscne Enlwlcklun~ WaflO9l 10 ff, 62

Arbeitslosenhilfe 5,9 D",ulsche Forscnungsgemelnschalt 43 ff

Ein Personalumfang von 240.000 Soldaten entspricht den heutigen Anforderungen Arbert$lOSenquote 51 Deutsche Schulen Im Ausland 68, 85 Ganztagsschule 32,48

und Bedürfnissen an die Bundeswehr. Grundwehrdienstleistende werden nicht mehr ArtJe,lSlosenvarslcharung SI1 [[Link]/'ll11\e<l 79 Gagenl8lstUngsprlnzlP 9

benötigt. Dafür sollten 30.000 Kurzzeitsoldaten mit einer Verpflichtungszeit von 12 ArbllilS10Slgkeil 3.5ff, 10, 13, 17,51 direkte Demokrane 65 Gem9lnClehnanzen 4

bis 24 Monate eingeplant werden, aus denen sich vorrangig der notwendige Nach­ ,
ArbllllSmalktr· pol'tik 311,17, 19H, 34 H, 48, 51, 61 ft, 79 Doping 67 Gemalnschaftllaufgaben

Generationengerechtigkell
66

10,13,51
Dn"körbemodall 43
wuchs rekrutieren wird. Die Laufbahnen müssen neu gestaltet werden, Besoldung Arbeitsplätze 1,5H, 17, 19ff, 33. 52, 74fl
Dntlmltte!flnanzillrung Gemachnik .5
ArmulSns,ko 49
und Weiterbildung einen anderen Stellenwert erhalten als heute. Darüber hinaus Drogen 59fl Genng/ljglga 8ellchäfbgungsverMlln,ssa (6.'JJ € Job) 7
Asyhecht 61 fl
müssen Ausrüstung und Bewaffnung unverzüglich und umfassend modernisiert wer­ Ausbudungsllnanllerung 38
dualeS!lJd'engänge 43 GesUllClt>Bits- und Ve!brlwcherachutz 23 ft

den. Der Verteidigungshaushalt ist auf 25 Mrd. € anzuheben und in dieser Größen­ Ausbilourogsverortlnurog 1a
Duales R~nd'llJrlksystem 70 Gesuncflad:slörderung 12

Duales Syslem 35 ft G8Bunct1elIspolitik 11.62


ordnung real zu verstetigen. Ausbll<b1gszelten 13,36ft
Gewerbesleuer 4, 17
Ausgabe<ldockelung Gesundheils_n 11
Ehrenamt 47,53.67 G1eu::hstellurg 84

Die FDP bekennt sich dabei zu ihrer internationalen Verantwortung und lehnt Bestre­ Außen-. und Sicl\artleilspolitik 77
E,gnungstest 41 globaler Bildungsmalkt 39
AußeMandelskammlim 39,85
bungen zur Aufhebung des Parlamentsvorbehalts ab. Aul'len..-,rtschaftsfilrderung es
Elngangsstllullrs81Z 9 Glob8Fisoerung 8,84ff

Elnkommensteuerl' recht 3 H. 12. 17,66 Goe1ha -Institut 68,84


Auswärt\Q1l Kultu!pOli~k 54 ft
GfÜ[Link] 42

EmisSIonshandel 26, 87 GruOOlr81belrag 4,48


Die NATO stärken Bachllior ,15,39
Energlep(ljllik 26 Grundschule 32ft
BAlöG - Reform 39
Entwlcklungspohtik n,82,86 Grund$18uer 23
BalJ8lellknmll'\aJilät 55
Die FDP erwartet von der Erweiterung der NATO einen Zugewinn an Stabilität und Bahn AG 15,72
Erbschattsstooeff· r\!Cht 5,50 .GrOneG&ntllChllll<;" 24

Chance für den Frieden. Die uneingeschränkte Aufrechterhaltung der Handlungsfä­ Beamtenversoryung U
EU - Oslarwel1erung 74,78 fl. B6 GOnslIgkertspm\Zlp 7

EURO BO
higkeit des Bündnisses als Garant euro-atlantischer Sicherheit ist hierbei unverzicht­ Behinderunge<1 7ft,23,33,4t,45,52t1,7S
Europäische Agrar· undSlrukturpolitik 77fl,81 Haushallskonsolldlerung 16.19

bar. Ein Bündnis, das durch die Erweiterung in seiner Leistungsfähigkeit beeinträch­ Bellragslast 10,25
Europä,scheAußen-, ur(! SlCherheit!lpolitik 77,79fl Hochtlegilbung 3211,43

tigt würde, nützt weder den Neumitgliedern noch den zu stabilisierenden Regionen. EuropBlscheGrundrechtscharta 55,78 Hochsd1u1l11J\01lorl1le 40
BerufSSChulen 3711
Daher muss die sicherheitspolitische Kompatibilität der Kandidaten ein Beitrittskrite­ t>erufsständJschllVlIrsorguogswelke 14
[Link] 77,79fl Hod'I8ochUlbau 39,43

rium sein. BelreuungvonAngel1örigen 9


Europä,scheUmon 65,77H

EurQO(i,sche Verfassung 76 Hochschulrahmenll"!'tz 40


belnebsb9dlngteKi:indlgung 6,16
l:u,opalScherGericlltshol 80 Hochschulsponsonng 42
Betnebslunoergarteo" 47
E:uropii,M:herHattbefehl ao
BetnebvenasslllQSgeselz 7f!.18
EuropäJscherSlablli1i!1spak! 16 ImPf"SSUmaoffenlegungspftlch1 70

Europälschervertassungskonvenl 18...
ß<ldlRlQSretprm 31 fI
Eurc«lrschesKartelirech\ 80 Inlormalions1retheltsgelvtz 56
~Idungsbencht 30
Europ3Jsd1es Pariamen179ft, 87 Infonnatioosgasellscha1t 1,31
Bildungsgutscheine 4111
Europamrn'ster 77 InlormatJonstechnolClgle 19
ß~dung:spass 30,3611
Europawahlen 78 InnereS!ch8ltlM 57
ßildungssyslem 29ft
EUAOPOl 57. BO Insolvenz 7fl,19
ßioReglo 45
EXlslenzgnind9r 8,19ff Intemabonaillf Slrafganctl\stlof 84
BnefmorlOpOl 15
EXlslenzmlnimum 4,9,48
Bundesanstalt !ur ArbElit 6
Extrem,smus 59,67 Islarrusdler Religoonsunlerncht 64
ßundaslmanp,i1len 66
..... 83
Bundaskanellaml 15
Fam,lielfam,lIiire LabaOSformen 1,3 tl, 14, 30ft.'" ff
90 91

Ök061egel 24
Stralm(irl<jlgkeil 58
[Link] - Geseu 22 ÖkoslBLIe' 4!1,24
S',ommarkt 15
JlIg8'1Qart>elt 59 Opfer-Entschäd,gU"9"fQlld:; 84
Subjekt-IObjekl1Ö1"OlIrunll 52
Jugendarbellslos'gi<e" 5 ÜIllerschutzgesetz
Subveobonen 5,16,26,45, 711f
Jugendsct1utz 67t! Onsnetz 15

Jumorproles50J 40
Tarilgwsetzl-vertrag 7fl,12

Tanftreverege\ung 8, 22
KaPItalflucht 4
Tochnolog,eförderung 21
KlImll<lVrgie 26
Tochnologl8transler 45
Kemhls,on 26 45 Paler1lle<:ht 45
\8CtIOOIog,scherWandel 8
KfZ-Steuer 5.7'3
Te,lzMart:lert 7
Klnder- und Jugendknm,nalitäl 58 PfiegelierslC:t1erll'9 14,49
Telelonüoorwactmng 56
KindefefZlehung 49tl PfI~htll1lt9hedschal1lHK 1S

KlnderyBrtenl-tagessliille 30ft PISA -Ergebnis/-studie 3011


TerrOlTsmusbekämpiung
Kindergeld 4,46 PräJmplarltatlonsdlagnostik (PID) 46
T'ermasl 24
Kita-GebUhren 49 pnvate Vorsorge 4fl,1'311

Kita-Gutscl1e;n 31".47 publlc Pnvale PartnershIp 65

Khmaschulz 261f,861f

Quali~ZIe<ungsgutschelne 8 Transrap'd 76
kommunale' E,genbelneb 17
Trelbhaus~asemlsslonen 26,86
Kommunll<abonstochnolog'y 86
Rankingllon(Hoch)schulen 3'l
KorpersctJaftss'euer 4,66
Rasterlahndung 56 4,18,24
KOmJpnon 56
Rechtsanspruch Klnderganenplatz UMTS-Mitlel
K,ankenllerslch8runggesetzhchlpnllat
Rechtsschutz 6OIl,79ft 1 4, 25ft, 71 ff,8'
K,ankenllerslcherungsOOII'äge 12
Regufierungsbehbrde l(ir Post und Telekommunlkalloo 15
Knmlnaliliil 54ft,79ft
Rehglonsfreih8llf· geme,nschaften 28, 64 ff
Kryptogra"ellerbol 69
Renlenrelorm 4
KSZE; 82
RenlenvefSlcherung 5,1311
KSZNO 83
R,sll<ost,ukturallS9lelch 11 Verelnl)(u\<el' Familie! Beruf 1 ff, 14,47 ft
KSZSE 82
Ve,elnleNaIIOfl(t!l f,7, nff,82ff
Kulturpolitik 67,68
Verlallsda'en lu' G&seue 18,56

Schienenwege 20 [Link] 55
Kimdlgungssdwtz 6
SchulooZlr1<9I'· sprengel 34 Ver1lehrslnfraslruktur 2O,72ff
Kyoloprolokoll B6ff
Schulsr:onsonng 33 Vennögens'euer 5

SelbslslBnl;ftgkeot 1,6,9,19 Verpackungsveror()\ung 27


liIdenschlussgeselz 15
SeIb$lIIerwallung 30,34 V,rtuelle Wlssensllenn,ffiun9 37
LAnderlrnal'lUlusgllllch 66
Senioren! - poh~k 51 ff
LandesbanKIHl 15
Waffenrecht 56ff
Lebenspartnllrschaftan 49ft
Slcherheitspake'lI 57 WasserstraSS&1\ 20,74
Leh'erausbll<Jung 33ft,63t1
WehrpflICht 13,53,8711
Lehrer-SChuler RelaMn 32
S,ctJerungsverwahrung 54 WeHhandel Tl, 81,85 It

Soz,ale Mar'<t....rtschaft 3,10,14,17,23 ft. 7911, 00 Well:leverbot'urÄrzle 11


Luftraumiiberwachung 73
SOZIaler Wohnungsbau 23 Wettbewerosbeschränkungen 14
Luflllerkenrslnfrastruk'u,7311
SOZIalhilfe 811,549 Wiedergutmachung 64

SOZialleistungen 811 W,ndenergle 26


Malnzer Modell 49
Scwals\aal 29 W'rtscl1attsfördenmg 19
Mas1erabschluas 35,39
Soz,alvsl'Slcherung 10,49 Wlrtsctlattspolitik 3,22,44
MenschBnrechtspolitik 77t1,83lf
Spor1 59,67fl Wohneigentum
.Mentoorog" 50
Sprachförderung 6,1 WTO 801/
M,ndBTtlBllenschlJtZ 54,84
slaafl,clles Gewaltmonopol 54
MIneralösteuer 5.73
Slaalsqullle 10 ZIVI',d'enst 53
Mittelsland 16f!.22,27, 70, 85
S,aalsIlBlSGhuldur,g 10,16 Zuwanderung

Stammlelien, adul,e/ embryonale 45 lVS 3911


Na"osl- FneoensproZ9ss
Stammleilgesetz 45 lwangspfand
NATO 79,82,6711
S'aslur,lerlagengeselz 64
NaturschlJtz 24,27
S'einkollle;- bergbau If,
"IeueBundeslilnder 19ff,59ff
SteIJerreform 12.17

Steuersenkung 2ff
öffen\licnerO,enst 39ft,60ft
Sti1le' Lehrstühle 42
ÖKoIog<scheM8rklwlrtschaft 2~
S1<ttung Bildungs'est 30
öKologischer Landbau 23~'
S"ftungs(stBuer)recht 43,6811

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