Motivation
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Motivation
Robert Grassinger, Oliver Dickhäuser und Markus Dresel
Verständnisfragen – 225
Literatur – 225
208
In diesem Kapitel lernen Sie Motivation als Bedingung des 1987; . Abb. 11.1). Darin wird menschliches Handeln als eine
Lern- und Leistungsverhaltens in Schule und Unterricht ken- zeitliche Abfolge von vier Phasen dargestellt, in denen Mo-
nen. Sie werden verstehen lernen, warum Schülerinnen und tivation unterschiedliche Funktionen (Handlung initiieren,
Schüler ihre Hausaufgaben machen, Extraaufgaben überneh- ausrichten, steuern, qualitätsvoll regulieren, aufrechterhalten,
men, im Unterricht intensiv mitarbeiten oder die Beschäfti- bewerten) aufweist.
gung mit einer Aufgabe vorzeitig beenden. Die Psychologie In der (1) prädezisionalen Phase bewerten Personen,
liefert auf solche Fragen vielfältige, spannende Antworten. a) wie bedeutsam für sie das Erreichen eines erwünsch-
ten bzw. das Vermeiden eines unerwünschten Zustandes ist
(Wertkomponente der Motivation), und b) inwieweit sie das
11.1 Grundvorstellungen zur Motivation von Gewünschte herbeiführen bzw. das Befürchtete vermeiden
Lernenden können (Erwartungskomponente der Motivation). Die Wert-
komponente der Motivation bezieht sich auf die Wünschbar-
In diesem Abschnitt werden verschiedene Funktionen der keit von zukünftigen Zuständen und die Erwartungskompo-
Motivation im Handlungsverlauf erklärt. Es werden verschie- nente der Motivation auf deren Realisierbarkeit. Handlungs-
dene Begriffe und Konzepte zur Beschreibung von Moti- ziele werden dann zur Umsetzung in die Tat ausgewählt,
vation eingeführt. Die Zusammenhänge der motivationalen wenn sie mit größerer Wahrscheinlichkeit stärker wünsch-
Komponenten werden in einem Rahmenmodell verdeutlicht. bare und realisierbare Folgen haben als andere Ziele. Diese
Entscheidung zur Umsetzung eines Wunsches in die Tat ver-
gleichen die Autoren des Rubikon-Modells der Handlungs-
phasen mit dem Überschreiten des gleichnamigen Flusses
11.1.1 Was ist Motivation?
durch Julius Cäsar, eine einschneidende Handlung, die nach
längerer Abwägung erfolgte und unumkehrbar in den Krieg
Menschen tun Dinge, weil sie etwas antreibt. Diesen Hand- mit Pompeius führte.
lungsantrieb bezeichnen wir als Motivation. Der Begriff leitet Ist eine Intention für ein Ziel gebildet, sind die psychi-
sich vom lateinischen Verb movere (zu bewegen) her und wird schen Prozesse nicht mehr auf das „Ob“, sondern auf das
wie folgt definiert (vgl. Dresel & Lämmle 2011; Schunk, Pin- „Wann“ und „Wie“ einer Handlung gerichtet. Die (2) präak-
trich & Meece 2008; Ziegler 1999): tionale Phase umfasst die Planung der Handlung, das Her-
beiführen oder Abwarten einer günstigen Gelegenheit zur
Motivation ist ein psychischer Prozess, der die Initiierung, Handlungsinitiierung und die Abschirmung von konkurrie-
Ausrichtung und Aufrechterhaltung, aber auch die renden Zielen. Das Zusammenspiel der individuellen Bedeut-
Steuerung, Qualität und Bewertung zielgerichteten samkeit des Ziels (manche Ziele sind für Personen wichtiger
Handelns beeinflusst. als andere) mit der situationalen Gelegenheit zur Realisie-
rung des Ziels (in manchen Situationen ist die Gelegenheit,
ein Ziel zu realisieren, günstiger als in anderen) entscheidet
Motivation ist ein theoretisches Konstrukt und kann nicht darüber, welches Ziel in der jeweiligen Situation verfolgt wird.
direkt beobachtet, sondern nur mithilfe von Indikatoren er- Dabei können mit einer Handlung auch unterschiedliche Zie-
schlossen werden. Wenn die Schülerin Michaela regelmäßig le verfolgt werden. Wenn sich der Schüler Stefan regelmäßig
rege im Unterricht mitarbeitet, um sich zu verbessern, so ist im Unterricht meldet, dann vielleicht deshalb, weil er seiner
dies ein Indikator für ihre hohe Motivation. Lehrkraft zeigen möchte, was er kann und weil er den Lern-
Motivation ist im gesamten Handlungsverlauf von Rele- stoff verstehen möchte.
vanz. Nicht nur Initiierung und Ausrichtung der Handlung, Während in der prädezisionalen und in der präaktio-
sondern auch Ausführung und Bewertung werden durch nalen Phase die Funktion der Motivation vor allem in der
motivationale Prozesse beschrieben, erklärt und vorherge- Initiierung und Ausrichtung einer Handlung zu sehen ist,
sagt. Der Handlungsverlauf lässt sich mit Hilfe des Rubikon- besteht diese in der (3) aktionalen Phase darin, die initiier-
Modells der Handlungsphasen beschreiben (Achtziger & te Handlung zu steuern, deren Qualität zu gestalten sowie
Gollwitzer 2010; Heckhausen 1987; Heckhausen & Gollwitzer aufrechtzuerhalten. Lernende tun dies beispielweise durch
B C
Motivationale Tendenzen
Merkmale des
und Überzeugungen
Lehr-Lern-Kontexts
(mehr oder weniger bereichsspezifisch)
D
Planung, Initiierung und Ausführung
der Lern- und Leistungshandlung
Handlungsergebnisse:
Lernzuwachs/Leistung
. Abb. 11.2 Rahmenmodell der Lern- und Leistungsmotivation (Dresel & Lämmle 2011, S. 86–87)
illustriert, dass Motivation sich auf den kompletten Hand- Im Rahmenmodell sind auch Wirkungen und Rückwir-
lungsverlauf bezieht und diesen initiiert, ausrichtet, steuert, kungen zwischen den genannten Merkmalsgruppen verdeut-
qualitätsvoll reguliert, aufrechterhält und bewertet. licht. Beispielsweise erfolgt die Suche nach den Ursachen für
Block E umfasst die Bewertung des Handlungsergebnis- Erfolg und Misserfolg häufig nicht objektiv, sondern verzerrt
ses unter Nutzung einer kriterialen (Vergleich der Leistung in Abhängigkeit personaler motivationaler Tendenzen und
mit sachlichem Kriterium, etwa das Beherrschen der Auf- Überzeugungen (B ! E). So tendieren Schülerinnen und
gabe), sozialen (Vergleich der Leistung mit der Leistung Schüler, die von ihren eigenen Fähigkeiten wenig überzeugt
anderer) oder individuellen (Vergleich der Leistung mit in- sind dazu, die Ursachen für Misserfolg im Fähigkeitsmangel
dividuell früheren Leistungen) Bezugsnorm. Aus dieser Be- zu suchen, während Schülerinnen und Schüler mit einem po-
wertung resultiert das Erleben von Erfolg oder Misserfolg. sitiven Fähigkeitsselbstkonzept Misserfolge eher der Schwere
Zugleich wollen Lernende verstehen, warum sie Erfolg oder der Aufgabe oder dem Zufall (Pech) zuschreiben. Darüber
Misserfolg haben und versuchen, Ursachen zu ergründen hinaus beeinflussen Merkmale des Lehr-Lern-Kontexts die
(7 Abschn. 11.4.2). Bewertung des Handlungsverlaufs und des Handlungsergeb-
nisses (C ! E). So neigen Schülerinnen und Schüler dazu,
Die Erfolgserwartung bezeichnet die subjektive
einen Erfolg auf eigene Begabungen zurückzuführen, wenn
Einschätzung von Personen darüber, mit welcher Wahr-
die Lehrkraft diesen durch fähigkeitsbezogene Rückmeldun-
scheinlichkeit Erfolg bei der Bearbeitung einer Aufgabe
gen kommentiert (z. B. „Diese Aufgabe war etwas für Mathe-
eintritt.
Cracks“).
Konsequenzen dieser Attributionen sind wiederum Emo-
tionen wie Stolz, Enttäuschung oder Ärger. Zudem wirken Psychologen haben die fundamentale Bedeutung von Er-
Attributionen auf die Einschätzung der Realisierbarkeit und wartungen für die Motivation bereits sehr früh erkannt. So
Wünschbarkeit und damit auf die Motivation in vergleichba- differenzieren Heckhausen und Rheinberg (1980) in ihrem
ren Situationen zurück. Die Schülerin Anja, die beispielsweise erweiterten kognitiven Motivationsmodell zwischen drei Er-
beim Basketball den Korb verfehlt und dies auf ihre momen- wartungen, die Personen während des Abwägens (prädezisio-
tane Unkonzentriertheit zurückführt, wird die Chance auf nale Phase) ausbilden:
einen nächsten Treffer nicht geringer einschätzen (E ! A). Die Handlungs-Ergebnis-Erwartung meint die angenom-
Wenn sie stattdessen den Fehlwurf wiederholt auf mangelnde mene Wahrscheinlichkeit, mit der ein Ergebnis durch
Fähigkeit zurückführt, kann sich ihre als eher stabil ange- eigenes Handeln herbeigeführt werden kann. Wenn der
nommene Fähigkeitsüberzeugung ändern (E ! B). Schließ- Schüler Maximilian davon überzeugt ist, dass er durch ei-
lich kann die Bewertung von Handlungsergebnissen auch auf ne intensive Vorbereitung eine anstehende Klassenarbeit
Merkmale des Lehr-Lern-Kontexts zurückwirken (E ! C), gut meistern kann, hat er eine hohe Handlungs-Ergebnis-
wie bei sich ändernden Erwartungen von Bezugspersonen. Erwartung. Diese Form der Erwartung ist für die Moti-
Erbringt etwa der Schüler Marc wiederholt gute oder sehr gu- vation besonders bedeutsam. Ein verwandtes (aber nicht
te Leistungen, so lässt sich erwarten, dass die Lehrkraft ihre identisches) Konstrukt ist jenes der Selbstwirksamkeitser-
Überzeugung über die Leistungsfähigkeit von Marc potenzi- wartung (Bandura 1977, 1997). Es bezieht sich auf die An-
ell nach oben korrigiert. nahme einer Person darüber, ob sie selbst eine bestimmte
Handlung erfolgreich ausführen kann – Maximilian im
1 Aktuelle Motivation. . . Beispiel also überhaupt denkt, sich intensiv vorbereiten zu
können.
umfasst eine Erwartungs- und eine Wertkomponente, Die Situations-Ergebniserwartung bezieht sich auf die an-
bezieht sich auf den kompletten Handlungsverlauf, genommene Wahrscheinlichkeit, mit der ein Ergebnis oh-
hat die Funktion, Handlungen zu initiieren, auszurichten, ne eigenes Zutun durch die Situation festgelegt ist. Hat die
zu steuern, qualitätsvoll zu regulieren, aufrechtzuerhalten Schülerin Ayse die Überzeugung, eine schlechte Note bei
und zu bewerten und einer bevorstehenden Klassenarbeit zu erhalten – unab-
ist beeinflusst von Merkmalen der Person und der Situa- hängig davon wie sich sich vorbereitet – hat sie eine hohe
tion und wirkt auf diese zurück. Situations-Ergebnis-Erwartung. Diese bewirkt, dass die
Motivation beeinträchtigt ist und Lernhandlungen kaum
initiiert werden.
11.2 Die Erwartungskomponente im Fokus Die Ergebnis-Folgen-Erwartung schließlich charakteri-
siert die angenommene Wahrscheinlichkeit, mit der ein
In diesem Abschnitt lernen Sie unterschiedliche erwartungs- Ergebnis zu den gewünschten Folgen führt. Wenn eine
nahe Konzepte der Motivation kennen. Sie erfahren, welche Schülerin davon überzeugt ist, dass eine in Aussicht ge-
Relevanz das Fähigkeitsselbstkonzept von Schülerinnen und stellte Belohnung (z. B. Kinobesuch) für das regelmäßige
Schülern für die aktuelle Motivation hat und wie Lehrkräfte Erledigen von Hausaufgaben tatsächlich erfolgt, hat sie
die Erwartungskomponente ihrer Schülerinnen und Schüler eine hohe Ergebnis-Folgen-Erwartung. Dies kann zielfüh-
positiv beeinflussen können, um diese zu motivieren. rende Lernhandlungen für positiv bewertete Folgen (wie
in unserem Beispiel) begünstigen.
11.2.2 Personale und kontextuelle wie Personen zu ihrem Wissen über eigene Fähigkeiten gelan-
Determinanten der gen. Entscheidend ist, dass nicht das Leistungsniveau an sich
Erwartungskomponente das Fähigkeitsselbstkonzept beeinflusst, sondern Vergleiche
der eigenen Leistung mit der Leistung anderer (external-
sozialer Vergleich) sowie mit den eigenen Leistungen in ande-
Angesichts der hohen Relevanz von Erwartungen ist es nicht ren Fächern (internal-dimensionaler Vergleich). Dabei füh-
zuletzt aus Sicht der Motivationsförderung interessant zu ren Abwärtsvergleiche (z. B. Vergleiche mit schlechteren Mit-
verstehen, was diese beeinflusst. Konsistent zum Rahmen- schülerinnen und Mitschülern oder schlechteren Fächern) zu
modell der Motivation in Lern- und Leistungssituationen höheren Fähigkeitsselbstkonzepten als Aufwärtsvergleiche.
(. Abb. 11.2) lassen sich personale und kontextuelle Deter- Der Einfluss schulischer Leistungen auf das Fähigkeitsselbst-
minanten von Erwartungen unterscheiden. konzept wird in der Literatur als skill development bezeichnet.
Schülerinnen und Schüler erlangen durch bessere schulische
1 Personale Determinanten der Erfolgserwartung Leistungen ein höheres Fähigkeitsselbstkonzept.
Personen haben ein differenziertes Wissen über ihre eigenen Die Wirkung des Fähigkeitsselbstkonzepts auf die aktuel-
Fähigkeiten und Begabungen. „Ich bin gut in Englisch, aber le Motivation und dadurch vermittelt auch auf Lernprozesse
Übersetzungen fallen mir schwer“, „Mathematik kann ich“ und Leistungen wurde vielfach gezeigt (vgl. Stiensmeier-
oder „Ich bin sportlich“ sind Aussagen, die das Selbstkonzept Pelster & Schöne 2008). Es wird angenommen, dass Lernende
reflektieren. Dieses – nicht notwendigerweise realistische – die wahrgenommene Schwierigkeit einer Aufgabe in Relation
Wissen beeinflusst die Erfolgserwartung in der konkreten zu ihrem aufgabenspezifischen Fähigkeitsselbstkonzept set-
Lern- und Leistungssituation. Das Fähigkeitsselbstkonzept zen und so die situative Erfolgserwartung bilden (Eccles 1983;
kann wie folgt definiert werden (Dresel & Lämmle 2011; Reinhard & Dickhäuser 2009). Weiterhin zeigen Studien, dass
Stiensmeier-Pelster & Schöne 2008): Schülerinnen und Schüler mit einem positiveren Fähigkeits-
selbstkonzept – vermittelt über eine höhere Erfolgserwartung
Das Fähigkeitsselbstkonzept beschreibt kognitive Reprä- – weniger handlungsirrelevante Gedanken (z. B. Sorgen) ha-
sentationen eigener Fähigkeiten und Begabungen. ben, günstigere Lernstrategien einsetzen, ihr Lernen stärker
metakognitiv kontrollieren und bei Schwierigkeiten ausdau-
ernder sind.
Abzugrenzen ist das Fähigkeitsselbstkonzept zum einen
von einem allgemeinen Selbstkonzept und zwar dahinge- Studie: Einfluss des Fähigkeitsselbstkonzepts auf die Er-
hend, dass im allgemeinen Selbstkonzept sämtliches selbst- folgserwartung
bezogenes Wissen repräsentiert ist, und das Fähigkeitsselbst- In einer Studie untersuchten Dickhäuser und Stiensmeier-
konzept als Teil dessen sich rein auf das Wissen über Fähig- Pelster (2003a), wie Unterschiede im Fähigkeitsselbstkonzept
keiten und Begabungen bezieht. Zum anderen umfasst das mit Unterschiedenin der Erfolgserwartung und im nachfolgen-
Fähigkeitsselbstkonzept rein deklaratives Wissen („Ich bin den Verhalten korrespondieren. Die Autoren argumentieren,
intelligent“, „Ich bin gut in Mathematik“), affektive Tönun- dass sich Unterschiede im Fähigkeitsselbstkonzept in Unter-
gen dessen („Ich schäme mich, so schlecht im Fußball zu schieden in der spezifischen, auf bestimmte Aufgaben hin be-
sein“, „Ich bin stolz darauf, gut in Mathematik zu sein“) wer- zogenen Erfolgserwartung niederschlagen und dass das nach-
den zum Selbstwertgefühl gezählt. In der Literatur finden sich folgende Verhalten neben anderen Variablen eben von der
zum Teil andere Begriffe wie schulisches Fähigkeitsselbstkon- Erwartung abhängt, erfolgreich zu sein. In der Studie wurden
zept oder Vertrauen in die eigenen (schulischen) Fähigkeiten, 200 Studierende (100 Männer, 100 Frauen) unter anderem zu
die jedoch überwiegend synonym sind (Überblick bei Mosch- ihrem Fähigkeitsselbstkonzept in Bezug auf die Arbeit mit Com-
ner & Dickhäuser 2010). putern befragt. Für eine bestimmte Situation des Arbeitens mit
Empirische Studien zeigen, dass Lernende das Wissen dem Computer wurden dann die Erfolgserwartung und das be-
über ihre eigenen Fähigkeiten fach- bzw. aufgabenspezifisch absichtigte Wahlverhalten (Absicht, in dieser die Aufgabe mit
kognitiv repräsentieren. So haben Schülerinnen und Schüler Hilfe des Computers zu lösen) erfasst. Unter anderem zeigte
eine Vorstellung über ihre Fähigkeiten in Mathematik, Eng- sich, dass das computerspezifische Fähigkeitsselbstkonzept die
lisch, Deutsch oder Geschichte. Zugleich können sie erahnen, Erfolgserwartung vorhersagte, diese wiederum die beabsich-
wie gut sie Bruchrechen-, Textaufgaben oder Gleichungen tigte Wahl. Für die generelle Gültigkeit dieser Zusammenhänge
mit zwei Unbekannten lösen können. Spannend ist in diesem spricht, dass sich die Zusammenhänge zwischen diesen Varia-
Zusammenhang, dass Fähigkeitsselbstkonzepte unterschied- blen für die Geschlechter nicht unterschieden. Es zeigten sich
licher Fächer kaum miteinander in Beziehung stehen, auch lediglich Unterschiede in der mittleren Ausprägung der Va-
wenn sich die Leistungen in den Fächern ähneln (Möller, riablen (etwa ein niedrigeres computerspezifisches Selbstkon-
Pohlmann, Köller & Marsh 2009). Schülerinnen und Schüler, zept der Studentinnen), nicht aber Unterschiede in der Enge
die von ihren Fähigkeiten in Mathematik überzeugt sind, sind der Zusammenhänge. Dies spricht dafür, dass es sich bei den
dies nicht per se auch in Fächern wie Englisch oder Deutsch. Zusammenhängen zwischen Selbstkonzept, Erfolgserwartung
Zur Erklärung hat Marsh (1986) das Internal/External und nachfolgendem Verhalten um einen universellen motiva-
Frame of Reference Model (I/E-Modell) entwickelt. Es zeigt, tionalen Prozess handelt.
Das Fähigkeitsselbstkonzept beeinflusst somit schulische se Studie in vielfacher Weise kritisiert wurde (Rost 2009), ist
Leistungen, was als self enhancement bezeichnet wird. Zu ein Einfluss von Lehrkrafterwartungen – wenn auch nicht auf
beachten ist, dass ein unrealistisches, stark überhöhtes Fähig- die Intelligenzentwicklung – auf die Motivation von Schüle-
keitsselbstkonzept auch negative Effekte auf Lernhandlungen rinnen und Schülern und in Konsequenz auf deren Lernver-
und Leistungen haben kann (Helmke 1992; Schütz 2005). halten und Leistungen anzunehmen (Jussim & Harber 2005;
Daher wird in der Literatur ein moderat optimistisches Fä- Urhahne 2015 7 Kap. 21).
higkeitsselbstkonzept als motivational besonders günstig an- Auch die interpersonellen Erwartungen von Eltern ge-
gesehen. Marsh und O’Mara (2008) berichteten, dass der Ein- genüber ihren Kindern haben Auswirkungen auf die Erfolgs-
fluss eigener Leistungen auf das Fähigkeitsselbstkonzept (skill erwartung. Beispielsweise argumentieren Dresel, Schober
development) etwas stärker ist als der Einfluss des Fähigkeits- und Ziegler (2007), dass fähigkeitsbezogene Elternerwartun-
selbstkonzepts auf schulische Leistungen (self enhancement). gen mitverantwortlich sind für die ungünstige Entwicklung
des Fähigkeitsselbstkonzepts von Mädchen in mathematisch-
1 Kontextuelle Determinanten der naturwissenschaftlichen Fächern. Wenn Eltern aufgrund ge-
Erwartungskomponente schlechtsrollentypischer Überzeugungen ihren Töchtern we-
Die Erfolgserwartung von Schülerinnen und Schülern hängt niger in Fächern wie Mathematik, Physik, Chemie oder Tech-
nicht nur von den zum Fähigkeitsselbstkonzept geronnenen nik zutrauen, hat dies ungünstige Auswirkungen auf das Fä-
eigenen Leistungserfahrungen ab, sondern auch von anderen higkeitsselbstkonzept der Mädchen.
Personen. Beispielsweise haben die Annahmen von Lehr- Schließlich beeinflusst das Leistungsniveau der Schulklas-
kräften über Fähigkeiten, zukünftiges Verhalten, zukünftige se das Fähigkeitsselbstkonzept der Schülerinnen und Schüler.
Leistungen sowie Stärken und Schwächen einzelner Schüle- Wie erwähnt vergleichen Schülerinnen und Schüler ihre Leis-
rinnen und Schüler (interpersonelle Erwartungen) Einfluss tungen miteinander (sozialer Vergleich). Wenn die Schülerin
auf Fähigkeitsselbstkonzepte und in Konsequenz auf die Er- Laura in einer Klassengemeinschaft ist, in der die Mitschü-
folgserwartung dieser Schülerin bzw. dieses Schülers. Ganz lerinnen und Mitschüler insgesamt sehr gute Leistungen er-
allgemein beeinflussen die Annahmen, die eine Person A bringen, wird ihr Fähigkeitsselbstkonzept eher gering sein, da
über Verhalten, Kompetenzen und andere Merkmale einer sie viele Aufwärtsvergleiche (Vergleiche mit Besseren) vor-
Person B hegt, wie sich Person A gegenüber Person B verhält. nimmt. In einer Klasse mit geringerem Leistungsniveau hin-
Das wiederum ruft bestimmte Reaktionen auf Seiten der Per- gegen hat Laura ein höheres Fähigkeitsselbstkonzept, da sie
son B hervor, sowohl kognitiv (z. B. Annahmen über eigene dann mehr Abwärtsvergleiche (Vergleiche mit Schlechteren)
Fähigkeiten) als auch behavioral (konkrete Handlungen). vornimmt. Marsh (1987) hat diesen Effekt als Big-Fish-Little-
Im Unterricht hängt beispielsweise das Instruktions- und Pond-Effekt bezeichnet, weil sich Laura wie der große Fisch
Kommunikationsverhalten von Lehrkräften von deren inter- im kleinen Teich vorkommt, wenn sie viele Abwärtsverglei-
personellen Erwartungen gegenüber ihren Schülerinnen und che in einer leistungsschwachen Klasse vornehmen kann. Bei
Schülern ab. So erhalten Schülerinnen und Schüler, die von Veränderungen der Leistungsstärke der Klasse, beispielswei-
ihrer Lehrkraft als leistungsstärker eingeschätzt werden, mit se nach dem Übertritt auf eine weiterführende Schule, sind
einer höheren Wahrscheinlichkeit anspruchsvollere Aufga- daher Änderungen im Fähigkeitsselbstkonzept der Schüle-
ben. Dadurch steigt das Fähigkeitsselbstkonzept oder bleibt rinnen und Schüler zu erwarten.
hoch. Wenn hingegen eine Lehrkraft die Überzeugung hegt,
bestimmte Schülerinnen und Schüler seien nur wenig befä-1 Die Erwartungskomponente der Motivation. . .
higt, gibt sie ihnen tendenziell leichtere Aufgaben und ruft
sie bei schweren Fragen im Unterricht seltener auf. Dies hat spiegelt die Einschätzung der Realisierbarkeit eines er-
zur Konsequenz, dass das Fähigkeitsselbstkonzept sinkt oder wünschten Zustandes (Ziels) wider,
niedrig bleibt. lässt sich unterteilen in Handlungs-Ergebnis-Erwartung,
In diesem Zusammenhang sehr bekannt geworden ist die Situations-Ergebnis-Erwartung und Ergebnis-Folge-
Arbeit von Rosenthal und Jacobson (1968), die eine Wirkung Erwartung und
der interpersonellen Erwartung über die Leistungsfähigkeit ist beeinflusst durch das Fähigkeitsselbstkonzept und in-
einzelner Schülerinnen und Schüler auf deren schulische terpersonelle Erwartungen von Bezugspersonen sowie
Leistungen und Intelligenzentwicklung fanden (Pygmalion- dem Leistungsniveau in der Schulklasse.
Effekt). Konkret wurde in der Studie Grundschullehrkräften
mitgeteilt, dass für einzelne Schülerinnen und Schüler (20 %
der Klasse) aufgrund ihres Ergebnisses in einem Intelligenz- 11.3 Die Wertkomponente im Fokus
test eine überdurchschnittliche Leistungsentwicklung zu er-
warten sei. In der Tat waren diese Schülerinnen und Schüler In diesem Abschnitt lernen Sie intrinsische und extrinsische
jedoch zufällig ausgewählt und nicht intelligenter als ande- Anreize sowie situatives Interesse als wertbezogene Aspek-
re. Ein Jahr später schnitten diese Schülerinnen und Schüler te der aktuellen Motivation kennen. Sie erfahren, dass diese
in der Lesenote und einem Intelligenztest signifikant besser von Merkmalen der Person wie Motive, Bedürfnisse, Ziel-
ab als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Auch wenn die- orientierungen und Interesse beeinflusst werden. Zugleich
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werden Sie verstehen, wie Lehrkräfte durch die Gestaltung der Schüler Dominik seine Hausaufgaben erledigt, weil ihm
des Lernkontexts die Wertkomponente der Lern- und Leis- gute Noten wichtig sind oder er prüfen will, ob er schwierige
tungsmotivation beeinflussen können. Aufgaben meistern kann, tut er dies selbstbestimmt-extrin-
sisch. Fremdbestimmt-extrinsisch motiviert ist die Handlung
hingegen, wenn der Beweggrund in externalen Belohnungen,
11.3.1 Wertbezogene Aspekte der aktuellen Sanktionen, Regeln oder Normen liegt. Dann erledigt Do-
Lern- und Leistungsmotivation minik seine Hausaufgaben nur, um eine Strafe zu vermeiden
oder kein schlechtes Gewissen zu bekommen.
Zu betonen ist, dass Schülerinnen und Schüler zugleich
Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit schulischen intrinsisch und extrinsisch motiviert sein können. Es schließt
Themen, wenn sie z. B. von den Fibonacci-Zahlen fasziniert sich nicht aus, dass sich Lernende mit Lerninhalten beschäf-
sind, Interesse an Geschichte haben, mit Freude im Schulor- tigen, weil es ihnen Spaß bereitet und sie zugleich eine gute
chester musizieren, gute Noten erreichen, Anerkennung von Note anstreben. Wie Buff (2001) berichtete, können Schüle-
Dritten erhalten oder Ärger mit den Eltern vermeiden wollen. rinnen und Schüler sowohl den Gegenstand von Lernhand-
All diese Beweggründe lassen sich unterschiedlich klassifizie- lungen interessant finden als auch die damit verbundene
ren und kennzeichnen qualitativ unterschiedliche Arten der Kompetenzerweiterung als nützlich für die spätere Berufstä-
Motivation (7 Abschn. 11.1.2). tigkeit erachten.
Empirische Studien zeigen unter anderem, dass Schü-
1 Intrinsische Motivation, Extrinsische Motivation und lerinnen und Schüler, die intrinsisch oder extrinsisch-
Amotivation selbstbestimmt motiviert sind, vorteilhaftere Lernstrategi-
Eine bedeutsame Unterscheidung möglicher Beweggründe en verwenden als extrinsisch-fremdbestimmt Lernende (vgl.
für Handlungen haben Deci und Ryan (1985 1993) in ih- Ryan & Deci 2000). Zugleich investieren intrinsisch motivier-
rer Selbstbestimmungstheorie der Motivation vorgeschlagen. te Schülerinnen und Schüler neben den Hausaufgaben auch
Demnach sind Lernende dann motiviert, wenn sie etwas er- mehr zusätzliche Lernzeit (Mischo 2006).
reichen wollen, also eine Intention bzw. ein Ziel haben. Inten- Eine weitere bewährte – und in Teilen ähnliche – Klas-
tionale Handlungen können unmittelbar befriedigende Er- sifikation möglicher Beweggründe für Handlungen wurde
fahrungen darstellen (z. B. weil die Handlung als interessant, von Eccles (1983; Wigfield & Eccles 2000) vorgeschlagen.
spannend oder aufregend erlebt wird) oder auf ein länger- Sie unterscheidet zwischen intrinsischem Wert, Nützlichkeit,
fristiges Handlungsergebnis (z. B. Erzielen einer guten Note) persönlicher Wichtigkeit und Kosten einer Handlung. Erst-
ausgerichtet sind. Zugleich gibt es Handlungen, die nicht genannte Komponente ist der intrinsischen Motivation sehr
intentional sind (z. B. herumlungern, dösen) oder einem un- ähnlich und beschreibt den in einer Handlung liegenden
kontrollierten Handlungsimpuls folgen (z. B. Wutausbruch). Anreiz. Die Nützlichkeit einer Handlung charakterisiert das
Solche Handlungen werden als amotiviert bezeichnet, da sie Ausmaß, in dem die Handlungskonsequenz dienlich für das
nicht durch intentionale Prozesse gesteuert werden (Deci & Erreichen anderer Ziele ist (vgl. fremdbestimmt-extrinsische
Ryan 1993). Motivation). Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Schü-
lerin Verena lernt, um eine gute Note zu erhalten. Die per-
Intrinsische Motivation beruht auf der Antizipation einer sönliche Wichtigkeit beschreibt die Übereinstimmung einer
als befriedigend oder positiv erlebten Ausführung einer Handlung mit dem Selbstkonzept einer Person. Der Schüler
Handlung. Extrinsische Motivation speist sich aus den Tom arbeitet z. B. im Unterricht gut mit, weil er sich als gu-
antizipierten Konsequenzen einer Handlung. Amotivation ter Schüler definiert; die Schülerin Monika strengt sich im
stellt einen nicht zielgerichteten Antrieb für Handlungen Sportunterricht besonders an, weil sie von sich das Bild hat,
dar. sportlich zu sein (vgl. selbstbestimmt-extrinsische Motivati-
on). Kosten umfassen (1) die Begrenzung der Möglichkeit,
eine alternative Handlung auszuführen (z. B. kann man wäh-
Charakteristisch für die intrinsische Motivation ist, dass rend den Hausaufgaben nicht mit Freunden spielen), (2)
die Handlung selbstbestimmt erfolgt. Intrinsisch motivierte notwendige Anstrengung und (3) emotionale Kosten (z. B.
Lernende handeln autonom und unabhängig von möglichen Ärger während der Hausaufgaben). Kosten reflektieren damit
Konsequenzen dieser Handlung (Verstärkung, Sanktionie- unter anderem, dass in der präaktionalen Phase unterschied-
rung). Extrinsische Motivation hingegen ist durch eben diese liche Ziele bestehen, deren Verfolgung ähnlich wünschbar
Folgen gekennzeichnet, die sehr vielfältig sein können. Da- wäre, aber nicht zeitgleich möglich ist (7 Abschn. 11.1.1).
her klassifizieren Deci und Ryan (1985) verschiedene Formen Studien konnten zeigen, dass der subjektive Wert schu-
extrinsischer Motivation, abhängig davon, inwieweit diese lischer Inhalte mit entsprechenden Schulleistungen in Zu-
mit persönlichen Werten und Zielsetzungen korrespondieren sammenhang steht (vgl. Eccles, Wigfield & Schiefele 1998).
(. Abb. 11.3). Dettmers, Trautwein, Lüdtke, Kunter und Baumert (2010) be-
Selbstbestimmt-extrinsisch lernen Personen, wenn die richtet überdies, dass Schülerinnen und Schüler mehr Zeit
Konsequenzen einer Handlung für sie persönlich bedeutsam und Anstrengung für Hausaufgaben aufbringen, je höher sie
sind, etwa hinsichtlich des Erreichens anderer Ziele. Wenn den subjektiven Wert der Hausaufgaben ansiedeln.
Nicht
Verhalten Selbstbestimmt
selbstbestimmt
Wahrgenom-
Eher Eher
mener Ort der External External Internal Internal
external internal
Verursachung
. Abb. 11.3 Selbst- und fremdbestimmte Formen der Motivation (nach Ryan & Deci 2000)
Für den Lern- und Leistungskontext werden auf der abstrak- formanzzielen weisen empirische Befunde darauf hin, dass
ten Ebene Lern-, Performanz- und Arbeitsvermeidungsziele Annäherungsperformanzziele mit positiven Selbsteinschät-
unterschieden (Ames 1992; Dweck 1986; Maehr & Midgley zungen und kurzfristig mit guten Leistungen in Zusammen-
1991; Nicholls 1984), die in . Tab. 11.1 charakterisiert sind. hang stehen, nicht jedoch mit der langfristigen Auseinan-
Bei Lernzielen steht für den Lernenden der Lernprozess im dersetzung mit einem Thema. Die positiven Effekte kommen
Vordergrund. Schülerinnen und Schüler mit ausgeprägten insbesondere dann zum Tragen, wenn der Zielfokus darauf
Lernzielen beschäftigen sich mit schulischen Inhalten, um liegt, besser als andere Personen sein zu wollen, aber we-
diese zu verstehen und eigene Kompetenzen zu erweitern. Bei niger, wenn bei anderen ein möglichst positiver Eindruck
Performanzzielen (oft auch Leistungsziele genannt) wirken hinterlassen werden soll (Hulleman, Schrager, Bodmann &
die antizipierte Wirkung auf andere und der Vergleich eigener Harackiewicz 2010). Motivational betrachtet sind Annähe-
Leistungen mit der Leistung anderer motivierend. Oft haben rungsperformanzziele gegenüber Annäherungslernzielen als
Schülerinnen und Schüler konkrete Adressaten vor Augen, weniger günstig zu bewerten. Als besonders ungünstig er-
denen gegenüber sie ihre Kompetenz darstellen wollen (z. B. weisen sich Vermeidungsperformanzziele. Diese gehen mit
Eltern, Lehrkraft, Klassenkameradinnen und Klassenkame- geringerer Anstrengung, der Nutzung von oberflächlichen
raden; Ziegler, Dresel & Stöger 2008). Bei Arbeitsvermei- Lernstrategien (Memorieren), dem Erleben von Prüfungs-
dungszielen streben Lernende danach, mit möglichst wenig angst, Hilflosigkeit nach Misserfolg sowie, in Konsequenz aus
Anstrengung vorgegebenen Anforderungen zu genügen (Ni- allem, schlechten Schulleistungen einher. Schließlich zeigen
cholls 1984). Schülerinnen und Schüler, die Arbeitsvermeidungsziele ver-
Die Unterscheidung der Subkomponenten Annäherung folgen, weniger Interesse an Lerninhalten, nutzen weniger
und Vermeidung hat sich vor allem bei Performanzzielen effektive Lernstrategien und zeigen in Folge dessen niedrigere
bewährt, um uneinheitliche Effekte auf Lern- und Leistungs- Leistungen.
handeln zu verstehen (Middleton & Midgley 1997). Auch bei Wichtig ist zu betonen, dass mehrere Ziele verfolgt wer-
Lernzielen gibt es diese Unterscheidung (Elliot & McGregor den können (multiple Zielsetzungen) und diese nicht unab-
2001). Sie ist jedoch umstritten, da noch wenig empirische hängig voneinander sind. Beispielsweise setzen sich Schü-
Evidenz über differenzielle Effekte besteht (vgl. Moller & lerinnen und Schüler, die (Annäherungs-)Lernziele verfol-
Elliot 2006). Empirische Studien zeigen, dass Schülerinnen gen, mit höherer Wahrscheinlichkeit zugleich auch Annä-
und Schüler, die im schulischen Unterricht (Annäherungs-) herungsperformanzziele und mit geringerer Wahrscheinlich-
Lernziele verfolgen, sich mehr anstrengen, verstärkt tiefen- keit Vermeidungsperformanzziele und Arbeitsvermeidungs-
orientierte Lernstrategien einsetzen (Elaborationsstrategien), ziele (Pintrich 2000). Zudem gibt es Hinweise darauf, dass
angemessener auf Fehler und Misserfolge reagieren und her- Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Fächern unter-
ausfordernde Aufgaben wählen (vgl. Meece, Anderman & schiedliche Ziele verfolgen (Sparfeldt, Buch, Wirthwein &
Anderman 2006; Meece, Glienke & Burg 2006). Bei Per- Rost 2007). Eine Schülerin kann also in Englisch Lernziele
und in Physik Vermeidungsperformanzziele verfolgen.
Motive sind zeitlich überdauernde Präferenzen für Zielorientierungen sind individuelle motivationale
bestimmte Anreizklassen. Es werden implizite und explizite Tendenzen, die immer dann die Ausbildung eines
Motive unterschieden. Unter impliziten Motiven werden konkreten Ziels wahrscheinlich machen, wenn die
primär unbewusste, affektbasierte Präferenzen gefasst, Situation das Verfolgen des Ziels erlaubt.
während explizite Motive eher kognitive Präferenzen
darstellen.
Im Unterschied zu Zielen, aber auch zu Motiven und
Bedürfnissen, weist personales Interesse einen Gegenstands-
bezug auf (Krapp 2002 2009). So sind dauerhaft gepflegte
Große Bedeutung wird insbesondere drei Motiven zu-
Hobbies oft Ausdruck personaler Interessen. Beispielsweise
gesprochen, die alle Personen in unterschiedlicher Ausprä-
schauen Schülerinnen und Schüler, die sich für Geschich-
gung aufweisen: Leistungs-, Anschluss- und Machtmotiv. Für
te interessieren, bevorzugt historische Dokumentationen im
Lern- und Leistungssituationen gilt vor allem das Leistungs-
Fernsehen oder arbeiten im Geschichtsunterricht qualitäts-
motiv als bedeutend. Dieses speist sich aus den Subkom-
voller mit.
ponenten Hoffnung auf Erfolg und Furcht vor Misserfolg.
Schülerinnen und Schüler, die eine ausgeprägte Hoffnung auf
Erfolg haben, wählen häufiger herausfordernde Aufgaben, Interesse ist eine relativ stabile Präferenz, Einstellung
engagieren sich stärker und reagieren auf erbrachte Leistun- oder Orientierung in Bezug auf bestimmte Themenfelder,
gen eher mit Stolz. Haben Schülerinnen und Schüler hinge- Lerngegenstände oder Tätigkeitsformen. Die Besonder-
gen eine ausgeprägte Furcht vor Misserfolg, sind sie darauf heit der Interessenbeziehung besteht in dem Erleben
bedacht, sich nicht beschämt oder blamiert zu fühlen. Sie von positiven emotionalen Zuständen während der Be-
wählen häufiger einfach lösbare oder unlösbare Aufgaben, schäftigung mit dem Interessengegenstand, einer hohen
um beschämende Misserfolge zu vermeiden. Steinmayr und subjektiven Wertschätzung dieses Gegenstands sowie
Spinath (2009) berichteten, dass Schülerinnen und Schüler dem ausgeprägten Ziel, das Wissen über den Gegenstand
mit ausgesprochener Hoffnung auf Erfolg bessere Leistun- zu erweitern.
gen erbringen als Schülerinnen und Schüler mit verstärkter
Furcht vor Misserfolg. Unter Anschlussmotiv wird die über-
dauernde Präferenz für das Schließen und Pflegen sozialer Nach aktueller Auffassung entwickelt sich personales In-
Kontakte gefasst. Personen mit ausgeprägtem Anschlussmo- teresse aus situativem Interesse durch Internalisierung und
tiv präferieren Nähe, schließen gerne Bekanntschaften und Identifikation (Hidi & Renninger 2006; Krapp 2002). Wenn
gehen gerne Beziehungen ein. Sie kooperieren bevorzugt und Lernende wiederholt gewecktes, situatives Interesse erleben
verhalten sich eher loyal. Schließlich beschreibt das Macht- und sich damit identifizieren, entwickeln sie personales In-
motiv eine überdauernde Präferenz für die Kontrolle der teresse. Empirische Studien zeigen, dass personales Interesse
sozialen und gegenständlichen Umwelt. Personen mit profi- beispielsweise beeinflusst, welche Kurse, Studiengänge oder
liertem Machtmotiv gestalten gerne und bevorzugen es, an- Berufe Personen wählen. Zudem begünstigt personales In-
dere Personen zu führen. teresse die Nutzung tiefenorientierter Lernstrategien und die
Bedürfnisse sind ähnlich wie Motive eher bereichs- bzw. Leistungserbringung im Interessengebiet (Köller, Trautwein,
fächerübergreifend konzeptualisiert. Deci und Ryan (1985) Lüdtke & Baumert 2006; Schiefele, Krapp & Schreyer 1993).
postulieren in ihrer Selbstbestimmungstheorie der Motiva-
tion (7 Abschn. 11.3.1) drei grundlegende Bedürfnisse, die1 Kontextuelle Determinanten der Wertkomponente
erfüllt sein müssen, damit intrinsische Motivation entstehen Zahlreiche Studien unterstreichen die Relevanz von Bezugs-
kann: die Bedürfnisse nach Kompetenzerleben, sozialer Ein- personen für die Wertkomponente der Motivation – dies
gebundenheit und Autonomie. Vergleicht man diese Bedürf- ist als Sozialisationseffekt zu verstehen. Beispielsweise sind
nisse mit den vorgestellten Motiven, wird deren Ähnlichkeit miteinander befreundete Schülerinnen und Schüler hinsicht-
offensichtlich: Das Bedürfnis nach Kompetenzerleben ähnelt lich ihrer Motivation einander ähnlich und diese Ähnlichkeit
dem Leistungsmotiv, das Bedürfnis nach sozialer Eingebun- nimmt mit Dauer der Freundschaft zu (Schunk et al. 2008)
denheit erinnert an das Anschlussmotiv und das Bedürfnis oder Schülerinnen und Schüler aus bildungsferneren Eltern-
nach Autonomie passt zum Machtmotiv. häusern weisen schulischen Lehrinhalten geringere Bedeu-
Zielorientierungen sind das Pendant zu situationsspezi- tung zu (Möller 2008). In der Arbeit von Friedel, Cortina,
fischen Zielen auf der Ebene motivationaler Tendenzen. So Turner und Midgley (2007) zeigte sich, dass die Zielorientie-
wurde in der Zielforschung bereits früh angenommen, dass rungen von Eltern mit denen ihrer Kinder korrespondierten.
Personen sich relativ überdauernd dahingehend unterschei- Als weiterer Beleg für solche kontextuellen Einflüsse wer-
den, ob sie in Lern- und Leistungssituationen bevorzugt den Geschlechtsunterschiede in der Wertkomponente der
Lern-, Performanz- oder Arbeitsvermeidungsziele verfolgen Motivation diskutiert, die mit kulturellen Geschlechtsstereo-
(z. B. Dweck 1986; Nicholls 1984). typen übereinstimmen (Meece, Glienke & Burg 2006; Ziegler,
218
lässt sich nach intrinsischen und extrinsischen Anreizen reitung zu beginnen, regelmäßig Vokabeln zu lernen oder
sowie nach unterschiedlichen Zielen klassifizieren, Wissenslücken zu schließen. Solche „Absichten zum Errei-
ist beeinflusst durch Motive, Bedürfnisse, Zielorientie- chen bestimmter Ziele“ (kurz: Intentionen) bilden sich in der
rungen und personales Interesse und prädezisionalen Phase des Handelns und sind beeinflusst von
steht in Zusammenhang mit kontextuellen Merkmalen Erwartungs- und Wertabwägungen (7 Abschn. 11.1.1). Der
wie der Klassenzielstruktur. Intentionsbildung folgt die Handlungsvorbereitung (präak-
tionale Phase) und Handlungsrealisierung (aktionale Phase).
Die Umsetzung von Absichten in Handlungen und die wil-
11.4 Der Handlungsverlauf im Fokus lentliche Steuerung dieser Handlungen stehen im Fokus der
Volitionspsychologie. Sie versucht z. B. zu erklären, warum
Lernende ihre Prüfungsvorbereitung erfolgreich gestalten
In diesem Abschnitt lernen Sie volitionale und attributionale
oder daran scheitern.
Prozesse kennen. Sie lesen über die Wirkungen verschiedener
Volition bezieht sich auf Prozesse der Selbstregulation, de-
willensbezogener Strategien und Möglichkeiten der Ursa-
ren Funktion es ist, die Ausführung einer Handlung – auch
chenzuschreibung von Ereignissen und erfahren umgekehrt,
gegen Widerstände – zu initiieren und bis zum Erreichen ei-
welche Faktoren diese Prozesse beeinflussen.
nes Ziels aufrechtzuerhalten (vgl. Kuhl 1983). In . Tab. 11.2
sind verschiedene Strategien aufgezeigt, die nach Kuhl (1983)
die Umsetzung von Intentionen in Handlungen und deren
11.4.1 Volition Steuerung begünstigen.
Szymansky, Beckmann, Elbe und Müller (2004) unter-
Manche Schülerinnen und Schüler nehmen sich immer wie- scheiden grundsätzlich zwischen Prozessen der Selbstkon-
der vor, bei der nächsten Prüfung früher mit der Vorbe- trolle und der Planung. Selbstkontrolle umfasst Prozesse, bei
der eine Absicht gegen konkurrierende Ziele, Impulse, Be- macht und anschließend den Hunger stillt, zeugt dies von
dürfnisse und Wünsche abgeschirmt wird (hierunter würde einer hohen Handlungsorientierung. Die Aufmerksamkeit
etwa die in . Tab. 11.2 genannte Strategien der Umwelt- oder ist im Wesentlichen auf die Handlungsausführung gerich-
der Aufmerksamkeitskontrolle fallen). Planung beschreibt tet. Lageorientierte Lernende fokussieren in ihrer Aufmerk-
die Steuerung des Handlungsprozesses durch Handlungsplä- samkeit hingegen verstärkt auf vergangene oder zukünftige
ne (sog. Implementierungsabsichten). Implementierungsab- Zustände (Beckmann & Strang 1991). Sie versuchen mög-
sichten haben die Form eines „Wenn-dann-Plans“. Sie be- lichst viele Informationen aufzunehmen und bewerten stets
nennen im Wenn-Teil eine bestimmte Situation, die für ziel- Handlungsalternativen und andere Ziele. Nach Misserfolg
führendes Verhalten besonders günstig sind und benennen tendieren sie zum Grübeln und tun sich schwerer, sich neu-
im Dann-Teil eben dieses Verhalten, dass sich die Person an en Aufgaben zu widmen (Kuhl & Beckmann 1994; Kellmann
den Tag zu legen vornimmt. Beispielsweise könnte sich der & Langenkamp 2006). Empirische Studien zeigen, dass die
Schüler Michael das regelmäßige, kurzzeitige Lernen fremd- Unterscheidung von Lage- versus Handlungsorientierung be-
sprachlicher Vokabeln dadurch erleichtern, indem er sich deutsam mit Lernhandlungen und Leistungen assoziiert ist.
vornimmt, immer als erstes die Vokabeln kurz zu wieder- So fand beispielsweise Strang (1991), dass Handlungsorien-
holen, wenn er mit den Hausaufgaben beginnt. Implemen- tierung unter belastenden Umständen mit wirksamer An-
tierungsabsichten unterstützen den Selbstregulationsprozess, strengungsregulation assoziiert ist. In der Studie von Helm-
indem relevante Situationen schneller erkannt werden und in ke und Mückusch (1994) ging Lageorientierung mit Lern-
diesen Situationen auch wahrscheinlicher das „richtige“ (d. h. und Aufmerksamkeitsstörungen sowie Vermeidungstenden-
zielführende) Verhalten gezeigt wird (Gollwitzer 1999). zen einher.
Selbstkontrolle als zentraler volitionaler Prozess
(7 Abschn. 11.4.1) ist eingeschränkt, wenn Wert oder Er-
wartung gering sind oder sich währenddessen reduzieren. So
11.4.2 Personale und kontextuelle schieben Schülerinnen und Schüler die Vorbereitung auf eine
Determinanten von Volition Klassenarbeit hinaus, wenn sie wenig Lust verspüren, oder
unterbrechen ihre Hausaufgaben eher, wenn sie diese als
Lernende unterscheiden sich dahingehend, wie gut es ihnen sehr schwer erleben. Folglich beeinflussen Unterrichtsgestal-
gelingt, (Lern-)Handlungen zu initiieren und zu steuern und tung und Aufgabenstellungen volitionale Prozesse. Labuhn,
wie sie diese und deren Ergebnisse bewerten. So gibt es Schü- Bögeholz und Hasselhorn (2008) fanden, dass durch eine un-
lerinnen und Schüler, die Hausaufgaben stets sofort anfan- terrichtsintegrierte Förderung der Selbstregulation von acht
gen, konsequent bis zum Ende dabeibleiben und Misserfolge Wochen sich die Volition von Schülerinnen und Schülern
motivational günstig auf geringe Anstrengung zurückfüh- bedeutsam steigern lässt.
ren. Genauso kennt man im Schulalltag Schülerinnen und
Schüler, die sich beim Initiieren und Aufrechterhalten von
Lernhandlungen (z. B. Erledigen der Hausaufgaben) schwer- 11.4.3 Attributionale Prozesse
tun oder Misserfolge motivational betrachtet ungünstigen
Ursachen zuschreiben. Gründe hierfür liegen sowohl in per- Am Ende eines Handlungsverlaufs bewerten Lernende ihr
sonalen als auch kontextuellen Faktoren (. Abb. 11.2). Handlungsergebnis (z. B. Erfolg bzw. Misserfolg) und schrei-
Personen unterscheiden sich in dem Ausmaß, in dem sie ben dieses bestimmten Ursachen dafür zu (z. B. eigene An-
zu willentlichen Handlungen in der Lage sind. Dies wird strengungen oder die Hilfe von Anderen als Ursachen für
in der Literatur als Selbstkontrollkapazität bezeichnet (Bert- Erfolg). Das geschieht nicht immer bewusst. Die Ursachen-
rams & Dickhäuser 2009). In Abhängigkeit von solchen zuschreibungen (Attributionen) beeinflussen zum einen, wel-
dispositionalen Unterschieden zeigen sich Unterschiede im che Emotionen (z. B. Stolz, Dankbarkeit, Ärger, Enttäu-
Regulationserfolg, etwa bei der Regulation von ungünsti- schung) erlebt werden und zum anderen die Motivation für
gen Emotionen wie Prüfungsangst. Entsprechend unterlie- anschließende Handlungen. Damit beeinflussen die Ursa-
gen Personen mit niedriger Selbstkontrollkapazität stärker chenzuschreibungen auch nachfolgendes (Lern-)Verhalten.
den negativen Einflüssen von ungünstigen Emotionen und Attributionen definiert Försterling (1986, S. 23) folgenderma-
erbringen schlechtere Leistungen (Bertrams, Englert, Dick- ßen:
häuser & Baumeister 2013).
Kuhl (2000 2001) nimmt in seiner Handlungskontroll-
theorie an, dass die Umsetzung von Absichten in Handlungen Attributionen sind Ursachen, die Individuen zur Erklärung
und deren willentliche Steuerung von der individuellen Dis- von Ereignissen, Handlungen und Erlebnissen (genereller:
position zur Handlungsorientierung versus Lageorientierung Effekten) in verschiedenen Lebensbereichen heranziehen.
abhängt. Charakteristisch für die Handlungsorientierung ist
das Abschirmen einer Absicht gegenüber konkurrierenden
Impulsen, Bedürfnissen und Wünschen des Selbst. Wenn die Studien zeigen, dass Lernende bei gleichem Lernergeb-
Schülerin Zeynep beispielsweise während den Hausaufga- nis verschiedene Ursachen dafür verantwortlich machen und
ben Hunger bekommt, zuerst aber ihre Hausaufgaben fertig dass diese Attributionen keineswegs realistisch sein müssen.
220
Task – Nutzung von abwechslungsreichen, vielfältigen, persönlich bedeutsamen, sinnhaften, emotional reichen und damit inter-
(Aufgaben- essanten Aufgabenstellungen
stellungen) – Verwendung von individuell herausfordernden Aufgaben, die mit Anstrengung zu bewältigen sind
– Strukturierung von Lernaktivitäten in Teilschritte und Teilziele, anhand derer Schülerinnen und Schüler ihren Fortschritt
erkennen können
Authority – Entwicklungsangemessene Übertragung der Verantwortung für das Lernen und die Zusammenarbeit in der Klasse
(Autorität und – Möglichkeiten zur Wahl von (Teil-)Lernzielen, Lernaktivitäten, Lernwegen und Lernmaterialien entsprechend der Selbstre-
Autonomie) gulationsfähigkeiten der einzelnen Schülerinnen und Schüler
– Möglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, Entscheidungen zu treffen und Führung wahrzunehmen
Recognition – Anerkennung von Anstrengung durch Lob, positive emotionale Reaktionen, Belohnung und andere Formen der Verstär-
(Anerkennung) kung
– Vermittlung der Überzeugung, dass Anstrengung zur Verbesserung von Kompetenzen führt und dass Kompetenzen das
Ergebnis von Anstrengungen sind
– Anerkennung von individuellen Verbesserungen
– Keine Bevorzugung von leistungsstarken Schülerinnen und Schülern
– Anerkennung des Verständnisses (anstelle der reinen Memorierung) des Lernstoffs
– Anerkennung von individuellen Lösungszugängen
– Realisierung eines konstruktiven Fehlerklimas, in dem Fehler als Lernchancen und nicht als Anzeichen mangelnder Kom-
petenzen betrachtet werden
Evaluation – Verwendung von individuellen und kriterialen Bezugsnormen bei der Aufgabenbewertung
(Bewertung) – Vermeidung der sozialen Bezugsnorm
– Vermeidung von sozialen Vergleichen
– Möglichst starker Verzicht auf wettbewerbsorientierte Methoden
– Möglichst starker Verzicht auf öffentliche Leistungsrückmeldungen (z. B. bei der Herausgabe von Klassenarbeiten) und
intensive Nutzung privater Rückmeldungen (in mündlicher und schriftlicher Form)
Beispiele für motivational günstiges, attributionales Feedback butionales Feedback bei erfolgreicher Aufgabenbearbeitung,
sind in . Tab. 11.6 aufgeführt. abhängig davon, welcher Untersuchungsgruppe sie per Zufall
Empirische Studien belegten mehrfach die Wirksamkeit zugelost wurden (im Misserfolgsfall wurde stets attributionales
von Reattributionstrainings (Dresel 2004; Ziegler & Finster- Feedback auf mangelnde Anstrengung gegeben). Schülerin-
wald 2008). Dabei waren unterrichtsbegleitende Kleingrup- nen und Schüler der Gruppe „Fähigkeit-Anstrengung“ erhielten
pentrainings (zusätzlich zum Unterricht) effektiver als unter- in den Sitzungen 1 bis 3 Erfolgsattributionen auf hohe Fähig-
richtsintegrierte. Zudem konnte die Forschung zeigen, dass keiten (z. B. „Man merkt, dass dir der Stoff liegt“) und in den
im Erfolgsfall sowohl Anstrengungs- als auch Fähigkeitsrück- Sitzungen 4 bis 6 auf hohe Anstrengung (z. B. „Man merkt, wie
meldungen nötig sind (Dresel 2004). konzentriert du gearbeitet hast“). Der Gruppe „Anstrengung-
Fähigkeit“ wurde das attributionale Feedback in vertauschter
Studie: Wirkung von Reattributionstrainings Sequenz und der Gruppe „Anstrengung/Fähigkeit“ per Zufall
In einer Untersuchung prüften Dresel und Ziegler (2006) die ausgewählt und damit ohne feste Sequenzierung dargebo-
Wirkung attributionalen Feedbacks und inwieweit deren Rei- ten. Eine vierte Gruppe schließlich stellte die Placebogrup-
henfolge unterschiedliche Wirkung zeigt. Hierzu wurden 140 pe dar; die Schülerinnen und Schüler dieser Gruppe erhiel-
Schülerinnen und Schüler der siebten Jahrgangsstufe zwei Wo- ten bei der Bearbeitung der Lernsoftware zwar Rückmeldun-
chen vor sowie zwei Wochen und sechs Monate nach dem Bear- gen zu ihrer Leistung, jedoch kein attributionales Feedback.
beiten einer Lernsoftware im Fach Mathematik befragt (Prätest, Die Ergebnisse erbrachten insbesondere, dass die Sequenzie-
Posttest, Follow-Up). Während des Lernens mit der Software rung „Anstrengung-Fähigkeit“ sowohl im Posttest als auch im
erhielten die Schülerinnen und Schüler unterschiedliches attri- Follow-Up zu einem besseren Fähigkeitsselbstkonzept, größe-
224
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