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Reihen

Das Dokument behandelt die Konzepte von Reihen und konvergenten Reihen in der Mathematik, einschließlich der Definitionen von Partialsummen und den Kriterien für die Konvergenz. Es werden verschiedene Beispiele angeführt, um die Konzepte zu veranschaulichen, darunter geometrische und harmonische Reihen, sowie Sätze, die Bedingungen für die Konvergenz und Divergenz von Reihen festlegen. Besondere Aufmerksamkeit wird auf Reihen mit positiven Gliedern und das Majorantenkriterium gelegt, um die Konvergenz zu bestimmen.

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Andrei Eckstein
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Das Dokument behandelt die Konzepte von Reihen und konvergenten Reihen in der Mathematik, einschließlich der Definitionen von Partialsummen und den Kriterien für die Konvergenz. Es werden verschiedene Beispiele angeführt, um die Konzepte zu veranschaulichen, darunter geometrische und harmonische Reihen, sowie Sätze, die Bedingungen für die Konvergenz und Divergenz von Reihen festlegen. Besondere Aufmerksamkeit wird auf Reihen mit positiven Gliedern und das Majorantenkriterium gelegt, um die Konvergenz zu bestimmen.

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REIHEN

Anfangend von eine gegebene Folge (an )n> n0 kann man, durch Summation, eine
neue Folge, (sn )n> n0 , folgenderweise definieren:
n
X
sn = ak , n > n0 .
k=n0

Zum Beispiel, für an = n, n > 1, also für die Folge 1, 2, 3, 4, ... erhält man die
Folge: s1 = 1, s2 = 1+2, s3 = 1+2+3, s4 = 1+2+3+4, ... , sn = 1+2+3+...+n,
n(n + 1)
also die Folge: 1, 3, 6, 10, ... , oder, kurz, sn = , n > 1.
2
Definition 1. (Reihe) Es seien n0 ∈ N und (an )n> n0 eine Folge in R. Die Summe
Xn
sn = ak , n > n0 , heisst die n-te Partialsumme dieser Folge.
k=n0
Die Folge (sn )n> n0 der Partialsummen heisst Reihe.
X∞ X
Man bezeichnet diese Reihe mit an oder an .
n=n0 n> n0
an ist der allgemeine Glied der Reihe.

X
Definition 2. (konvergente Reihe) Die Reihe an heisst konvergent, falls die
n=n0
Folge (sn )n> n0 der Partialsummen konvergent ist, andernfalls heisst sie divergent.
Der Grenzwert der Folge (sn ) ist Summe der Reihe (oder Grenzwert der Reihe)

X
genannt und wird ebenfalls mit an bezeichnet.
n=n0

Beispiel 1. (geometrische Reihe)


Es sei b ∈ R, b 6= 0, und die geometrische Folge an = bn , n > 0. Wir betrachten
n
X
die Folge der Partialsummen (sn )n> n0 , sn = ak . Es ist bekannt dass
k=0

n+1
 1−b

wenn b 6= 1
sn = 1−b

n + 1, wenn b = 1
X
Die Reihe bn ist konvergent wenn die Folge (sn )n> 0 konvergent ist. Als n + 1
n> 0
1 − bn+1
divergent ist und konvergent nur für b ∈ (−1, 1) ist, folgt es, dass die
1−b
X
Reihe bn konvergent ist wenn und nur wenn b ∈ (−1, 1). In diesem Fall kann
n> 0

1
man auch die Summe der Reihe berechnen:
∞ n
X
n
X 1 − bn+1 1
b = lim bk = lim = .
n→∞ n→∞ 1 − b 1−b
n> 0 k=0

X1
Beispiel 2. 2
ist eine konvergente Reihe. Tatsächlich, wie wir es beweisen
n> 1
n
werden, ist diese Reihe eine monoton steigende und beschränkte Reihe, deshalb
also auch eine konvergente Reihe.
n
X 1
Die Folge der Pertialsummen, sn = ist eine steigende Folge denn
k=1
k2
   
1 1 1 1 1 1 1 1
sn+1 − sn = + + ... + + − + + ... + = > 0.
12 22 n2 (n + 1)2 12 22 n2 (n + 1)2
1 1 1 1
Diese Folge ist auch beschränkt denn sn > s1 = 1 und sn = 2 + 2 + 2 +...+ 2 6
1 2 3 n
     
1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
+ + + ... + = 1+ − + − + ... + − =
1 1·2 2·3 (n − 1)n 1 2 2 3 n−1 n
1
2 − < 2.
n
1 1 1
Wir haben die Gleichung = − benützt.
k(k + 1) k k+1
Obwohl es ziemlich leicht gewesen ist die Konvergenz dieser Reihe zu beweisen, es
ist viel schwieriger seine Summe zu berechnen. Es reicht zu sagen dass es bekannt
X1 π2
ist dass 2
= , um sehen zu können dass die Entdeckung der Wert der
n> 1
n 6
Summe keine einfache Sache sein kann.

Die obige Situation ist typisch bei der Untersuchung der Konvergenz von Reihen:
wenn man für die Folge (sn )n> n0 keine Berechnungsformel geben kann, dann ist
die Summe nur sehr selten berechnbar. Deshalb ist man bei der Untersuchung der
Konvergenz der Reihen, im allgemeinen nur um die Bestimmung der ,,Natur” der
Reihe interessiert: ,,Ist die Reihe konvergent oder divergent?”

Für die Konvergenz einer Reihe ist das ,,Verhalten am Anfang” gleichgültig;
das heisst:

Satz 1. (Verhalten am Anfang)


X X
Für beliebiges m > n0 ist an konvergent wenn und nur wenn an konvergent
ist. n> m n> n0

Beweis: Die Folge der Partialsummen der zweiten Reihe ist sn = an0 + an0 +1 +
... + am−1 + am + ... + an , oder sn = an0 + ... + am−1 + s0n wo (s0n )n> m die Folge
der Partialsummen der ersten Reihe ist. Dann ist es leicht zu sehen, dass (sn )n> n0

2
konvergent ist wenn und nur wenn (s0n )n> m konvergent ist und dass, in diesem Fall,
X∞ X∞
0
lim sn = an0 + ... + am−1 + lim sn , also an = an0 + ... + am−1 + an . 2
n→∞ n→∞
n=n0 n=m

X ∞
X
Satz 2. Es seien an und bn zwei konvergente Reihen und α ∈ R. Dann
n=n0 n=n0

X ∞
X
sind die Reihen (an + bn ) und αan auch konvergente Reihen und es gilt
n=n0 n=n0

X ∞
X ∞
X X∞ ∞
X
(an + bn ) = an + bn und αan = α an .
n=n0 n=n0 n=n0 n=n0 n=n0
n
X n
X
Beweis: Es seien sn = ak , s0n = bk , n > n0 und `1 = lim sn , `2 = lim s0n .
n→∞ n→∞
k=n0 k=n0
Dann ist es bekannt dass die Folgen (sn + s0n )n> n0 und (αsn )n> n0 auch konver-
gente Folgen sind und dass lim (sn + s0n ) = lim sn + lim s0n = `1 + `2 und
n→∞ n→∞ n→∞
lim (αsn ) = α · lim sn = α · `1 . 2
n→∞ n→∞

Satz 3. (Notwendinge Bedingung der Konvergenz)


X
Wenn an eine konvergente Reihe ist, dann ist die Folge (an )n> n0 konvergent
n> n0
und lim an = 0.
n→∞
Beweis: Die Folge der Partialsummen erfüllt sn = an0 + an0 +1 + ... + an−1 +an =
| {z }
sn−1 + an . sn−1
X X∞
Wenn an eine konvergente Reihe ist die die Summe S = an hat, dann ist
n> n0 n=n0
lim an = lim (sn − sn−1 ) = S − S = 0. 2
n→∞ n→∞

Die obige Bedingung ist also eine notwendige Bedingung für Konvergenz, aber nicht
eine genügende Bedingung.
X n n
Beispiel 3. Die Reihe ist divergent weil an = −→
n> 0
1000n + 1 1000n + 1
1
6= 0.
1000
X
Beispiel 4. Die Reihe sin n ist divergent weil es den Grenzwert lim an nicht
n→∞
n> 0
gibt.
X 1 1
Beispiel 5. Die Reihe √ √ ist divergent obwohl lim √ √ = 0.
n> 0
n+ n+1 n→∞ n+ n+1

3
n n √ √
X 1 X k− k+1
Tatsächlich, sn = √ √ = √ √ √ √ =
k> 0
k + k + 1 k> 0
( k + k + 1)( k − k + 1)
n √ √ n
X k− k+1 X √ √
= − ( k − k + 1) =
k> 0
k − (k + 1) k> 0
√ √ √ √ √ √ √ √ √ √
− [( 0 − 1) + ( 1 − 2) + ( 2 − 3) + ... + ( n − n + 1)] = −( 0 − n + 1) =

n + 1 −→ ∞.
Also gilt die Umkehrung des obigen Satzes nicht, das heisst, aus der Bedingung
X∞
lim an = 0 folgt es nicht dass die Reihe an konvergent ist.
n→∞
n=n0
X
Satz 4. (Cauchy-Kriterium) Sei an eine Reihe in R. Dann sind äquivalent:
n> n0

X
(a) Die Reihe an ist konvergent.
n=n0
n
X
(b) Für jedes ε > 0 gibt es ein N0 (ε) ∈ N so dass ak < ε, ∀ n > m > N0 (ε).
k=m+1
n
X
Beweis: Für die Folge der Partialsummen gilt dass sn − sm = ak . Die Bedin-
k=m+1
gung (b) ist also äquivalent dazu, dass (sn )n> n0 eine Cauchyfolge ist. Nach Satz
(”Jede Cauchyfolge in R ist eine konvergente Folge.”) ist das äquivalent dazu, dass
(sn )n> n0 konvergent ist. 2

X 1
Beispiel 6. Die Reihe heisst die harmonische Reihe. Sie ist divergent weil
n=1
n
sie die Bedingung (b) nicht erfüllt. Tatsächlich, sollte man in (b) n = 2m > m
1
und ε = nehmen, dann:
2
2m 2m
X 1 X 1 1 1 1 1 1 1
= = + + ... + > + + ... + =
k=m+1
k k=m+1
k m + 1 m + 2 2m 2m 2m 2m
1 1
m· = .
2m 2 n
1 X
Also für ε = lässt sich kein N0 (ε) finden so dass die Bedingung ak < ε
2 k=m+1
für alle n > m > N0 (ε) erfüllt ist.

Die harmonische Reihe ist ein zweites Beispiel von eine Reihe die die Bedingung
lim an = 0 erfüllt obwohl sie divergent ist.
n→∞

4
REIHEN MIT POSITIVE GLIEDER
Der Fall der Reihen mit an > 0, ∀ n > n0 hat eine besondere Wichtigkeit: erstens
weil solche Reihen sehr often vorkommen und zweitens weil diese Reihen sich besser
studieren lassen:
aus sn = sn−1 + an , folgt dass sn − sn−1 = an > 0, also dass die Folge der Partial-
summen eine steigende Folge ist.
Wenn die Folge (sn )n> n0 auch beschränkt ist, dann ist sie konvergent, also ist in
X
diesem Fall die Reihe an konvergent.
n> n0
Wenn die Folge (sn )n> n0 nicht beschränkt ist, dann hat sie den Grenzwert
X
lim sn = +∞, also ist in diesem Fall die Reihe an divergent.
n→∞
n> n0

Für positive Reihen stellt man also die Frage:


X
”Ist die Reihe an konvergent oder hat sie den Grenzwert +∞ ?”
n> n0

Leider gibt es keine Methode die die obige Frage deutig beantwortet. Jedoch gibt
es Kriterien die wenn man sie anwenden kann, die Frage beantworten.

1. Majorantenkriterium

Satz 5. (Majorantenkriterium)
X X
Seien an und bn Reihen die die Bedingung 0 < an 6 bn , ∀ n > n0
n> n1 n> n2
erfüllen. Dann gilt es:
X X
wenn bn konvergent ist, dann ist an auch konvergent.
n> n2 n> n1
X
Beweis: Wenn die Reihe bn konvergent ist, dann ist die Folge (s0n )n> n0 ,
n> n2
n
X
s0n = bk konvergent, also beschränkt. Aber, als ak 6 bk , ∀ k > n0 , ist die
k=n0 n n
X X
Folge (sn )n> n0 der Partialsummen sn = ak 6 bk auch beschränkt. Sie ist
k=n0 k=n0
X X
auch steigend, also ist sie konvergent. Weil an konvergent ist, folgt dass an
n> n0 n> n1
auch konvergent ist (laut des Satzes ,,Verhalten am Anfang”, es ist unwichtig mit
welchem Glied man die Reihe anfängt). 2

5
Folgerung 1. (Minorantenkriterium)
X X
Seien an und bn Reihen die die Bedingung 0 < an 6 bn , ∀ n > n0
n> n1 n> n2
erfüllen. Dann gilt es:
X X
wenn an divergent ist, dann ist bn auch divergent.
n> n1 n> n2
X
Beweis: Wir benützen die ,,Reductio ad absurdum”. Nehmen wir an dass bn
n> n2
X
konvergent ist. Nach den Majorantenkriterium folgt dass an auch konvergent
n> n1
ist, also ein Wiederspruch. 2
X1
Beispiel 7. Im Beispiel 2. haben wir bewiesen dass konvergent ist. Dies
n> 1
n2
X 1
haben wir bewiesen indem man eigentlich bewiesen hat dass konver-
n> 2
n(n − 1)
1 1 X1
gent ist und, als 0 < an = 2 6 = bn , ∀ n > 2, folgte dass 2
auch
n n(n − 1) n> 1
n
konvergent ist.
X 1
Beispiel 8. Die Reihe √ ist divergent.
n> 1
n
1 1 X1
Beweis (Methode 1.): 0 < 6 √ , ∀ n > 1 und ist divergent (Beispiel 6.).
n n n> 1
n
X 1
Nach den Minorantenkriterium ist also √ auch divergent.
n> 1
n
1 1 X 1
Beweis (Methode 2.): 0 < √ √ 6 √ , ∀ n > 1 und √ √
n+ n+1 2 n n> 1
n + n+1
X1 1
ist divergent (Beispiel 5.). Nach den Minorantenkriterium ist also · √ di-
n> 1
2 n
X 1
vergent. Nach Satz 2. (mit α = 2) folgt dass √ auch divergent ist.
n> 1
n
X1
Bemerkung. Wie bei Methode 1. beweist man dass α
für alle α 6 1 diver-
n> 1
n
gent ist.
X1
Beispiel 9. ist konvergent für alle α > 2.
n> 1

6
1 1 X1
Beweis: 0 < 6 , ∀ n > 1 und ist konvergent, also, laut das Majoran-
nα n2 n> 1
n 2

X1
tenkriterium, ist α
konvergent, ∀ α > 2.
n> 1
n
X1
Konklusion: α
ist konvergent wenn α > 2 und divergent wenn α 6 1. Wir
n> 1
n
1 1
werden später sehen was passiert wenn α ∈ (1, 2). (Da haben wir 0 < 2 6 α
n n
1 1
und 0 < α 6 , aber keine von diese Ungleichungen hilft uns um, mit Hilfe
n n X1
der Majoranten− oder Minorantenkriteriums, zu entscheiden ob die Reihe
n> 1

konvergent oder divergent ist.)
Das zeigt uns die Schranken von diesen Kriterium:
X X
wenn 0 < an 6 bn , ∀ n > n0 und an konvergent ist oder bn divergent ist,
n> n0 n> n0
da folgt nichts über die andere Reihe. Da braucht man andere Kriterien.

2. Vergleichungskriterium

Satz 6. (Vergleichungskriterium)
X X
Seien an und bn Reihen mit an , bn > 0, ∀ n > n0 . Wenn es den Grenzwert
n> n1 n> n2
an an X X
lim gibt und lim = ` ∈ (0, ∞) dann haben die Reihen an und bn
n→∞ bn n→∞ bn
n> n n> n 1 2

dieselbe Natur, d.h. sie sind entweder beide konvergent, oder beide divergent.
an
Beweis: Sei ε > 0 so dass ` − ε > 0. Weil lim = `, es gibt n00 > n0 so dass
n→∞ bn
an
`−ε< < ` + ε, ∀ n > n00 . Also, für n > n00 , gilt es (` − ε)bn < an < (` + ε)bn .
bn
X X
Wenn an konvergent ist, dann ist (` − ε)bn auch konvergent (Majoran-
n> n1 n> n2
X X
tenkriterium), also ist bn konvergent. Wenn an divergent ist, dann ist
n> n2 n> n1
X X
(` + ε)bn auch divergent (Minorantenkriterium) und deshalb bn auch di-
n> n2 n> n2
vergent. 2
an an
Was passiert wenn lim = 0 oder lim = ∞?
n→∞ bn n→∞ bn

7
an X X
• lim = 0 zeigt dass an ,,viel kleiner” als bn ist. Da haben die zwei
n→∞ bb
n> n1 n> n2
X
Reihen nicht umbedingt dieselbe Natur: es ist möglich dass an - konvergent
n> n1
X
und bn - divergent sind. Aber:
n> n2
X X
- ist bn konvergent, so ist an konvergent;
n> n2 n> n1
X X
- ist an divergent, so ist bn divergent.
n> n1 n> n2
an
Eigentlich, wenn lim = 0, dann gilt es 0 < an 6 bn , ∀ n > n0 und man kann
n→∞ bn
den Majoranten−, bzw. Minorantenkriterium anwenden.
an X X
• lim = ∞ zeigt dass an ,,viel grösser” als bn ist. Da haben die zwei
n→∞ bb
n> n1 n> n2
X
Reihen nicht umbedingt dieselbe Natur: es ist möglich dass an - divergent und
n> n1
X
bn - konvergent sind. Aber:
n> n2
X X
- ist bn divergent, so ist an divergent;
n> n2 n> n1
X X
- ist an konvergent, so ist bn konvergent.
n> n1 n> n2
an
Eigentlich, wenn lim = ∞, dann gilt es 0 < bn 6 an , ∀ n > n0 und man kann
n→∞ bn
den Minoranten−, bzw. Majorantenkriterium anwenden.
X 2n2 + 3n + 4
Beispiel 10. Die Reihe ist konvergent.
n> 0
5n5 + 6
X 2n2 + 3n + 4 X1
Man vergleicht mit (wir werden sehen warum man genau
n> 0
5n5 + 6 n> 1
n3
X1 2n2 + 3n + 4 1
die Reihe 3
gewählt hat). Für a n = 5+6
und b n = 3
berechnet man
n> 1
n 5n n
2n2 + 3n + 4
an 5n5 + 6 2n2 + 3n + 4 n3 2n5 + 3n4 + 4n3
lim = lim = lim · = lim =
n→∞ bn n→∞ 1 n→∞ 5n5 + 6 1 n→∞ 5n5 + 6
n3
2
∈ (0, ∞).
5

8
X 2n2 + 3n + 4 X1 
1 X1
Also haben und dieselbe Natur. Als 3 mit α =
 n> 0
5n5 + 6 n> 1
n3 n n> 1

3 > 2 konvergent ist (sehe Beispiel 9.), nach den Vergleichungskriterium, folgt
X 2n2 + 3n + 4
dass konvergent ist.
n> 0
5n5 + 6

Bemerkungen:
X 2n2 + 3n + 4 X1
1. Warum haben wir genau mit verglichen?
n> 0
5n5 + 6 n> 1
n3

Wenn n gross ist, benehmen sich 2n2 + 3n + 4 und 5n5 + 6 ungefähr wie 2n2 , bzw.
2n2 2 1
5n5 , also an wie 5
= · 3.
5n 5 n
Im allgemeinen: sollte an der Quotient zweier Polynomen sein, da vergleicht man
1
immer mit α wo α die Differenz der Graden ist:
n
ck nk + ck−1 nk−1 + ... + c1 n + c0 1
wenn an = j j−1
, dan vergleicht man mit bn = j−k .
dj n + dj−1 n + ... + d1 n + d0 n
k k−1
an ck n + ck−1 n + ... + c1 n + c0
Als man lim berechnet, erhielt man lim ·
n→∞ bn n→∞ dj nj + dj−1 nj−1 + ... + d1 n + d0

nj−k ck nj + ck−1 nj−1 + ... + c1 nj−k+1 + c0 nj−k ck


= lim j j−1
= ∈ (0, ∞).
1 n→∞ dj n + dn−1 n + ... + d1 n + d0 dj
X X
2. Meistens vergleicht man an mit Reihen bn für denen man die Natur

schon kennt. Am sonsten hilft das Vergleichungskriterium nur wenn man danach
X
die Natur von bn noch entscheiden kann.

Die bei der Bemerkung 1. beschriebene Methode wirkt auch in andere ähnliche
Fälle:

X n + 2 4 n9 + 1
Beispiel 11. Die Reihe √
3 + n4 n + 3
ist konvergent.
n> 0
n
√4 √
Weil n + 2 n9 + 1 ' 2n9/4 und n3 + n4 n + 3 ' n9/2 (für n gross), ist
√4
n + 2 n9 + 1 2n9/4 1 1
an = 3 4
√ ' 9/2
= 2 · 9/4 , also mit 9/4 verglichbar. Tatsächlich:
n +n n+3 n n n
√4
n + 2 n9 + 1 √
√ 4
n3 +n4 n+3 n + 2 n9 + 1 n9/4 n1+9/4 + 2n9/4+9/4 + n9/4
lim = lim 3 4 √ · = lim =
n→∞ 1 n→∞ n +n n+3 1 n→∞ n3 + n9/2 + 1
n9/4

9
 
9/2 1 1
n + 2 + 9/4
n13/4 +2n9/2 +n9/4 n5/4 n
lim = lim   = 2 ∈ (0, ∞).
n→∞ n3 + n9/2 + 1 n→∞ 1 1
n9/2 3/2 + 1 + 9/2
n n
X 1 X 
1 9 X
Als konvergent ist mit α = > 2 , ist an auch konvergent.
n> 1
n9/4 n> 1
n α 4

Konklusion (Vorteile und Nachteile des Vergleichungskriteriums)

Vorteile:
1. Erlaubt die Natur gewisser Reihen endgültig zu entscheiden.
2. Hat breite anwendungen.
Nachteile:
X X
1. Man muss die Reihe bn mit dem man die Reihe an vergleicht, ,,ausraten”.

2. Man kann nur mit solche Reihen vergleichen für denen die Natur schon bekannt
ist oder leicht(er) ist zu entscheiden.

3. Quotientenkriterium (oder Kriterium von d’Alembert)

Satz 7. (Quotientenkriterium, QK)


X
Sei an eine Reihe mit an > 0, ∀ n > n1 .
n> n1
an+1
Wenn es den Grenzwert lim = ` gibt, dann:
n→∞ an
X
a) ist ` < 1 so ist die Reihe an konvergent;
n> n1
X
b) ist ` > 1 so ist die Reihe an divergent;
n> n1
c) ist ` = 1 so kann man die Natur der Reihe
X
an mit dieses Kriterium nicht entscheiden. Jean-Baptiste le Rond
n> n1 d’Alembert (1717-1783)
(Die Reihe kann konvergent oder divergent sein.)
Beweis: a) Sei ε > 0 so dass ` − ε > 0 und ` + ε < 1.
an+1
Dann gibt es ein N0 = N0 (ε) so dass 0 < ` − ε < < ` + ε, ∀ n > N0 .
an
Sei n > N0 . Dann hat man:

10
aN0 +1
0<`−ε< <`+ε
aN0
aN +2
0<`−ε< 0 <`+ε
aN0 +1
..
.
an
0<`−ε< < ` + ε.
an−1
Multipliziert man diese n − N0 Ungleichungen, so erhält man
aN +1 aN +2 aN +3 an−1 an
0 < (` − ε)n−N0 < 0 · 0 · 0 · ... · · < (` + ε)n−N0 , also
aN0 aN0 +1 aN0 +2 an−2 an−1
a n
0 < (` − ε)n−N0 < < (` + ε)n−N0 .
aN 0
aN0 n
X
Es folgt dass an < bn = · (` + ε) , ∀ n > N 0 . Die Reihe bn ist
(` + ε)N0 n> N 0

konvergent (sehe Beispiel 1. mit b = ` + ε < 1), also, laut das Majorantenkriterium
X X
ist die Reihe an konvergent also an auch konvergent.
n> N0 n> n1

b) Es sei ε > 0 so dass ` − ε > 1. Genau wie bei a), gibt es ein N0 = N0 (ε) so dass
an
0 < (` − ε)n−N0 < < (` + ε)n−N0 , ∀ n > N0 .
aN0
aN0 n
X
Es folgt davon dass bn = · (` − ε) < an . Aber (` − ε)n ist divergent
(` − ε)N0 n> N0
X
(Beispiel 1. mit b = ` − ε > 1), also, laut das Minorantenkriterium, ist an
X n> N0
divergent und deshalb auch an divergent.
n> n1

c) Wir werden durch zwei Beispiele beweisen dass es tatsächlich möglich ist dass
X
1) an konvergent ist
X
2) an divergent ist
an+1
wenn lim = 1.
n→∞ an
1
1 an+1 (n + 1)2 n2
1) Es sei an = 2 . Dann ist lim = lim = lim 2 =1
n n→∞ an n→∞ 1 n→∞ n + 2n + 1
n2
X
und an ist konvergent.
1
1 an+1 n
= lim n + 1 = lim
X
2) Es sei an = . Dann ist lim = 1 und an
n n→∞ an n→∞ 1 n→∞ n + 1
ist divergent. n 2

11
X 2n
Beispiel 12. ist konvergent weil:
n> 0
n!
2n+1
an+1 (n + 1)! 2n+1 n! 2 QK
lim = lim n = lim · n = lim = 0 < 1 =⇒
n→∞ an n→∞ 2 n→∞ (n + 1)! 2 n→∞ n + 1
n!
X 2n
- konvergent.
n> 0
n!
X nn
Beispiel 13. ist divergent weil:
n> 0
2n · n!
(n + 1)n+1
an+1 2n+1 · (n + 1)! (n + 1)n+1 2n · n! (n + 1)n
lim = lim = lim · = lim =
n→∞ an n→∞ nn n→∞ 2n+1 · (n + 1)! nn n→∞ 2nn
n 2n · n!
1

1 e QK
X nn
· lim 1 + = > 1 =⇒ n · n!
- divergent.
2 n→∞ n 2 n> 0
2

Konklusion (Vorteile und Nachteile des Quotientenkriteriums)

Vorteile:
1. Es lässt sich sehr leicht anwenden: Imagination spielt keine Rolle.
2. Es eignet sich sehr wohl für die Fälle wenn in an Faktoren wie n! oder an vor-
kommen. Polynomiale Faktoren stören nicht, helfen aber auch nicht.
Nachteile:
1. Often wird der berechnete Grenzwert ` = 1 sein. Da kann man den Quotien-
tenkriterium nicht anwenden. Dies ist immer der Fall wenn es um Reihen der Form
P (n)
geht, wo P, Q Polynomen sind. Da wird ` immer 1 sein.
Q(n)
Jedoch, wie es wir später sehen werden, hat die Untersuchung der Konvergenz mit
den Quotientenkriterium eine natürliche Fortsetzung, nämlich mit das Kriterium
von Raabe.

12
4. Wurzelkriterium (oder Kriterium von Cauchy)

Satz 7. (Wurzelkriterium, WK)


X
Sei an eine Reihe mit an > 0, ∀ n > n1 .
n> n1

Wenn es den Grenzwert lim an = ` gibt, dann:
n
n→∞
X
a) ist ` < 1 so ist die Reihe an konvergent;
n> n1
X
b) ist ` > 1 so ist die Reihe an divergent;
n> n1
c) ist ` = 1 so kann man die Natur der Reihe
X
an mit dieses Kriterium nicht entscheiden.
n> n1 Baron Augustin-Louis
(Die Reihe kann konvergent oder divergent sein.) Cauchy (1789 − 1857)
Beweis: a) Sei ε > 0 so dass ` − ε > 0 und ` + ε < 1.

Dann gibt es ein N0 = N0 (ε) so dass 0 < ` − ε < n an < ` + ε, ∀ n > N0 .
Sei n > N0 . Dann hat man:
an < bn = (` + ε)n ∀ n > N0 .
X
Die Reihe bn ist konvergent (sehe Beispiel 1. mit b = ` + ε < 1), also, laut das
n> N0
X X
Majorantenkriterium ist die Reihe an konvergent also an auch konvergent.
n> N0 n> n1

b) Es sei ε > 0 so dass ` − ε > 1. Genau wie bei a), gibt es ein N0 = N0 (ε) so dass

0 < bn = (` − ε)n < an , ∀ n > N0 .


X
Aber (` − ε)n ist divergent (Beispiel 1. mit b = ` − ε > 1), also, laut das
n> N0
X X
Minorantenkriterium, ist an divergent und deshalb auch an divergent.
n> N0 n> n1

1 1 √ X1
c) Für an = , bzw. an = 2 ist lim n an = 1 wenn konvergent, bzw.
n n n→∞ n
X1
divergent ist. 2
n2
X n n2
Beispiel 14. ist konvergent weil
n+1
s n2  n
n n n 1 1
lim = lim = lim  = < 1.
n→∞ n+1 n→∞ n + 1 n→∞ 1  n
e
1+
n

13
Bemerkung: Für die obige Reihe könnte man auch das QK anwenden aber die
an+1
Berechnung des Grezwertes lim ist schwierig. Das WK anzuwänden war viel
n→∞ an
bequemer.

Bemerkung (Die Verbindung zwischen QK und WK)

Liefert bei einer Reihe das Quotientenkriterium eine Entscheidung (das heisst ` < 1
im Falle der Konvergenz bzw. ` > 1 im Falle der Divergenz) so liefert auch das
Wurzelkriterium dieselbe Entscheidung (das heisst ` < 1 im Falle der Konvergenz
bzw. ` > 1 im Falle der Divergenz). Dies ist von den Cauchy-d’Alembert Satz
festgestellt:

Satz von Cauchy-d’Alembert: Wenn an > 0, ∀ n und es den Grenzwert


an+1 √
lim = ` gibt dan gibt es auch den Grenzwert lim n an und
n→∞ an n→∞

√ an+1
lim n
an = lim = `.
n→∞ n→∞ an

X
Folgerung: Wenn das QK die Natur der Reihe an nicht entscheiden kann weil
an+1
lim = 1, dann kann das WK die Natur der Reihe auch nicht entscheiden
n→∞ an

denn lim n an = 1.
n→∞
an+1
Es ist jedoch möglich dass es den Grenzwert lim nicht gibt, und deshalb das
an
n→∞

QK nicht anwendbar ist, und der Grenzwert lim n an 6= 1 doch gibt und das WK
n→∞
anwendbar ist. Es ist der Fall im folgenden
1 4
Beispiel 15. Sind die Reihenglieder a2n = 2n und a2n+1 = 2n+1 dann ist
2 2
a2n+1 a2n+2 1 an+1
= 2 und = . Hier gibt es den Grenzwert lim nicht, deshalb ist
a2n a2n+1 8 n→∞ an

das Quotientenkriterium nicht anwendbar.


Das Wurzelkriterium liefert hier aber eine Entscheidung weil
√ √ 1 √ 1
lim 2n a2n = lim 2n+1 a2n+1 = also lim n an = < 1.
n→∞ n→∞ 2 n→∞ 2X
Aus den Wurzelkriterium folgt die Konvergenz von an . Das Wurzelkriterium
ist also echt schärfer als das Quotientenkriterium.
Xn
Beispiel 16. Die Reihe ist konvergent.
2n

14
n+1
an+1 n+1 n + 1 2n
mit das Quotientenkriterium: lim = lim 2 n = lim n+1 · =
n→∞ an n→∞ n→∞ 2 n
n
n+1 1 X 2
lim = = `. Als ` < 1, es folgt dass an konvergent ist.
n→∞ 2n 2
√ √
√ n
n n
n 1
mit das Wurzelkriterium: lim an = lim √
n
n
= lim = = `.
n→∞ n→∞ 2n n→∞ 2 2
X
Als ` < 1, es folgt dass an konvergent ist.
an+1
Wie es der Satz von Cauchy-d’Alembert sagt, Falls es der Grenzwert lim
n→∞ an
an+1 √
gibt, da sind lim und lim n an gleich. In diesem Beispiel sind beide Grenz-
n→∞ an n→∞
1
werte .
2
Konklusion (Vorteile und Nachteile des Wurzelkriteriums)

Vorteile:
1. Wie das QK, lässt sich das WK direkt anwenden: Imagination spielt keine Rolle.
2. Es eignet sich sehr wohl für die Fälle wenn an die Form an = (bn )n hat. Da ist
√n a = b

n und das macht lim
n a
n n leicht berechnbar.
n→∞
Nachteile:
1. Wie bei das QK, often wird der berechnete Grenzwert ` = 1 sein. Da kann man
den Wurzelkriterium nicht anwenden. Dies ist immer der Fall wenn es um Reihen
P (n)
der Form geht, wo P, Q Polynomen sind. Da wird ` immer 1 sein.
Q(n) √
2. Often ist der Grenzwert von n an nicht leicht zu berechnen. Wenn es nicht klar
an+1
ist das dieser Grenzwert leichter zu berechnen ist als lim , dann empfehlen
n→∞ an
wir das QK anstatt das WK.

5. Kondensationskriterium (oder Cauchyscher Verdichtungskriterium)

Satz 8. (Kondensationskriterium)
Ist (an )n> 1 eine monoton fallende Folge positiver reeller Zahlen, so konvergiert die
X X
Reihe an dann und genau dann, wenn die Reihe 2n · a2n konvergiert.
n> 1 n> 0
X X
(Mit andere Wörte, haben die Reihen an und 2n · a2n dieselbe Natur.)
n> 1 n> 0

15
Beweis: Als die Folge der Partialsummen steigend ist (weil sn+1 = sn + an > sn ),
X
ist die Reihe an konvergent wenn und genau wenn die Folge der Partialsummen

(sn )n> 1 auch beschränkt ist. Es gielt einerseits:


n
X
s2n+1 −1 = a1 + a2 + a3 + a4 + a5 + a6 + a7 +...+a2n + a2n +1 + ... + a2n+1 −1 6 2m ·
|{z} | {z } | {z } | {z }
a2m . =1·a1 6 2·a2 6 4·a4 6 2n ·a2n m=0
X
Wenn die Reihe 2n ·a2n konvergent ist, dann ist die Folge seiner Partialsummen,
n> 0
n
X
(tn )n> 0 , tn = 2m · a2m beschränkt.
m=0 
Von der obigen Berechnung folgt, dass die Folge s2n+1 −1 n> 0
auch beschränkt
ist. Aus 0 6 sn 6 s2n+1 −1 6 M , folgt dass die Folge der Partialsummen (sn )n> 1
X
beschränkt ist. Als sie auch steigend ist, ist sie konvergent, also ist die Reihe an
konvergent. n> 1

Umgekehrt gilt:
s2n = a1 + a2 + a3 + a4 + a5 + a6 + a7 + a8 +... + a2n−1 +1 + a2n−1 +2 + ... + a2n >
|{z} | {z } | {z } | {z }
=1·a2 > 2·a4 > 4·a8 > 2n−1 ·a2n
n
1 X m 1
· 2 · a2m = · tn .
2 m=0 2
X
Ist die Reihe 2m · a2m divergent, so ist die Folge seiner Partialsummen unbe-
m> 0
schränkt und deshalb lim tn = ∞. Es folgt dass lim s2n = ∞, also ist im diesem
n→∞ n→∞
X
Fall die Reihe an divergent. 2
n> 1

Dieser Satz sagt dass Falls an > 0 und (an )n> 1 fallend ist dann ist die Konvergenz
X
der Reihe an nur von wenige Glieder der Folge (an )n> 1 entschieden, nähmlich
n> 1
von a2m , m > 0. Aber, während es nur wenige Glieder zählen, haben diese Glieder
eine je grössere Gewicht (a2n wird 2n mal gezählt).

Beispiel 17. (Harmonische Reihen)


X1
Wir haber schon erwähnt dass die harmonische Reihen , α > 0, sehr wichtig
n> 1

sind indem man sie, zusammen mit den Vergleichungskriterium anwenden kann um
die Natur einer Reihe zu bestimmen. Jetzt sind wir in der Lage die Natur dieser
harmonischen Reihen endgültig zu bestimmen:

16
X1 X 1
Laut das Kondensationskriteriums, haben die Reihen α
und 2n n α
n> 1
n n> 0
(2 )
X 1 X
1−α n
2n

dieselbe Natur. Aber = 2 ist konvergent wenn und genau
n> 0
(2n )α n> 0
wenn −1 < 21−α < 1, also wenn und genau wenn α > 1.

Est ist wichtig sich zu merken dass:

X 1
α
ist konvergent wenn α > 1
n> 1
n
divergent wenn α 6 1.

X 1
Beispiel 18. Bestimme die Natur der Reihe .
n> 2
n ln n
Man kann versuchen die Natur dieser Reihe mit das Vergleichungskriterium bes-
1 1 1
timmen. Als es für alle α > 1 ein N0 gibt so dass α < < , ∀ n > N0 ,
n n ln n n
X 1
mann kann es sehen dass die Vergleichung der Reihe mit eine harmonis-
n> 2
n ln n
che Reihe nichts gibt. Also ist das Vergleichungskriterium nicht anwendbar.
Hier hilft das Kondensationskriterium:
1
Als n und ln n steigende un positive Folgen sind, ist fallend. Dann hat
n ln n
X 1 X 1 X 1 1 X1 X1
dieselbe Natur wie 2n · n = = . Als
n> 2
n ln n n> 1
2 · ln(2n ) n> 1 n ln 2 ln 2 n> 1 n n> 1
n
X 1
divergent ist, folgt dass auch divergent ist.
n> 2
n ln n

Konklusion (Vorteile und Nachteile des Kondensationskriteriums)

Vorteile:
Dieses Kriterium ist sehr leicht anwendbar. Es ist besonderst geeignet wenn log n
(ln n, lg n) vorkommt denn log n wird durch die Substitution n 7→ 2n in n log 2
verwandelt (wie es der Fall war im obigen Beispiel).
Nachteile:
Manchmal hat die zweite Reihe ein sehr komplizierten Ausdruck und wenn wir
dieses Kriterium anwenden, machen wir keinen Fortschritt.

17
6. Kriterium von Raabe (Raabesche Kriterium)

Satz 6. (Kriterium von Raabe)


X
Sei an eine Reihe mit an > 0, ∀ n > n1 .
n> n1  
an
Wenn es den Grenzwert lim n −1 =`
n→∞ an+1
gibt, dann:
X
a) ist ` < 1 so ist die Reihe an divergent;
n> n1
X
b) ist ` > 1 so ist die Reihe an konvergent;
n> n1
c) ist ` = 1 so kann man die Natur der Reihe
X
an mit dieses Kriterium nicht entscheiden. Joseph Ludwig Raabe
n> n1 (1801 − 1859)
(Die Reihe kann konvergent oder divergent sein.)
 
an 1+`
Beweis: a) Falls ` < 1, es gibt n0 ∈ N so dass n −1 6 < 1, ∀ n > n0 .
an+1 2
 
an `−1
Dann: n −1 −16 < 0, also nan − (n + 1)an+1 < 0, ∀ n > n0 . Es
an+1 2
folgt dass (nan )n> n0 eine steigende Folge ist, also nan > n0 an0 , ∀ n > n0 . Von
1 X
an > n0 an0 · und das Vergleichungskriterium folgt, dass an divergent ist
n n> n
X1 0

(weil divergent ist).


n
b) Falls ` > 1, es gibt n0 ∈ N so dass
 
an 1+`
n −1 > > 1, ∀ n > n0 (∗).
an+1 2
Dann folgt, wie im obigen Fall, dass nan − (n + 1)an+1 > 0, ∀ n > n0 , also
dass (nan )n> n0 eine fallende Folge ist. Als sie auch beschränkt ist, so folgt, dass
(nan )n> n0 eine konvergente Folge ist.
`−1
Aus (∗) folgt, dass · an+1 6 nan −(n+1)an+1 = bn . Die (,,teleskopische”) Reihe
X 2
bn ist konvergent weil die Folge seiner Partialsummen ist: sn = (1 · a1 − 2 · a2 ) +

(2 · a2 − 3 · a3 ) + ... + (n − 1)an−1 − nan = a1 − nan , also eine konvergente Folge.
X
Laut das Vergleichungskriterium, als an 6 bn , folgt dass an eine konvergente
Reihe ist.

18
X1
c) Zum Beispiel, für die divergente Reihe ist
    n
an n+1
lim n − 1 = lim n − 1 = lim 1 = 1.
n→∞ an+1 n→∞ n n→∞
X 1
Für die konvergente Reihe (die Konvergenz beweist man mit dem Kon-
n ln2 n
densationskriterium)
  sind  
an n+1
lim n − 1 = lim n − 1 = lim 1 = 1.
n→∞ an+1 n→∞ n n→∞
2

Bemerkungen:

1. Dieser Kriterium ist eine Ergänzung des Quotientenkriteriums:


an+1
wenn dies keinen Antwort liefert, also wenn lim = 1 (das bedeutet
 auch dass
n→∞ an 
an 1 an
lim = = 1), ist der Grenzwert den man berechnen muss, lim n −1 ,
n→∞ an+1 1 n→∞ an+1
ein unbestimmter Ausdruck der Art ∞ · 0.
Falls das QK wirkt, dann wirkt auch das Raabesche
 Kriterium:

an+1 an 1
• wenn lim = L > 1, dann ist lim −1 = − 1 < 0, also
n→∞ an n→∞ an+1 L
   
an 1
lim n −1 =∞· − 1 = −∞ < 1, also ist die Reihe divergent.
n→∞ an+1 L  
an+1 an 1
• wenn lim = L < 1, dann ist lim −1 = − 1 > 0, also
n→∞ an n→∞ an+1 L
   
an 1
lim n −1 =∞· − 1 = ∞ > 1, also ist die Reihe konvergent.
n→∞ an+1 L
2. Dieses Kriterium gibt eine natürliche Fortsetzung des Quotientenkriteriums:
die Schritte sind:
an+1
I. erstens berechnet man
an
an+1
II. dann berechnet man L = lim ; wenn L 6= 1 gibt das QK eine Antwort.
n→∞ an
III.
 Falls L = 1, benützt man die Berechnungen vom ersten Schritt um
an
n − 1 , und danach seinen Grenzwert zu berechnen.
an+1
X 1 · 3 · 5 · ... · (2n − 1)
Beispiel 19. Bestimme die Natur der Reihe .
n> 1
2 · 4 · 6 · ... · 2n
1 · 3 · 5 · ... · (2n − 1) 1 · 3 · 5 · ... · (2n − 1)·(2n + 1)
Es sei an = . Dann ist an+1 = .
2 · 4 · 6 · ... · 2n 2 · 4 · 6 · ... · 2n · (2n + 2)

19
Die Schritte:
an+1 2n + 1
I. =
an 2n + 2
an+1 2
II. lim = = 1, also bringt das QK keine Entscheidung;
n→∞ an 2
   
an 2n + 2 1 n 1
III. n −1 = n −1 = n· = −→ < 1 also ist die
an+1 2n + 1 2n + 1 2n + 1 2
Reihe divergent.

Bemerkung 3. Alles is umgekehrt bei das Raabesche Kriterium in Bezug auf das
QK:
an+1 an
anstatt haben wir hier und die Reihe ist nicht konvergent wenn ` < 1
an an+1
wie es bei dem QK der Fall war, sondern im Gegenteil, wenn ` > 1.
Man kann eine andere, äquivalente Form, des Raabe Kriterium geben:
 
a n+1
Wenn es den Grenzwert `0 = lim n − 1 gibt, dann:
n→∞ an
• wenn `0 < −1 dann ist die Reihe konvergent
• wenn `0 > −1 dann ist die Reihe divergent
• der Fall `0 = −1 ist unentschieden.
 
an
Bemerkung 4. Falls es den Grenzwert lim n −1 nicht gibt, da kann man
n→∞ an+1
dieses Kriterium nicht anwenden.
X1
Beispiel 20. Man kann die Natur von auch mit das Kriterium von Raabe
n2
entscheiden:
1 1 an+1 n2 n2
sei an = 2 ; dann ist an+1 = und = = −→ 1.
n (n + 1)2 an (n + 1)2 n2 + 2n + 1
Das QK liefert keinen Antwort, aber man setzt mit das Raabe Kriterium fort:
n2 +2n+1 2n2 +n
   
an an 2n+1 an
= , − 1 = also lim n − 1 = lim =
an+1 n2 an+1 n2 n→∞ an+1 n→∞ n2
2 > 1 also ist die Reihe konvergent.
X 4n
Beispiel 21. Bestimme die Natur der Reihe n
.
C2n

20
2
4n 4n 4n · (n!)2 4n+1 · (n + 1)!
Sei an = n = = . Dann ist an+1 =  und
C2n (2n)! (2n)! 2(n + 1) !
n! · n!
2
an+1 4n+1 · (n + 1)! (2n)! 4(n + 1)2 2n + 2
= · n = = −→ 1, also gibt
an (2n + 2)! 4 · (n!)2 (2n + 1)(2n + 2) 2n + 1
das QK keine Antwort.
   
an 2n + 1 −1 −n 1
Man berechnet n −1 = n −1 = n· = −→ − < 1
an+1 2n + 2 2n + 2 2n + 2 2
also ist die Reihe divergent.
an+1 2n + 2
Dies könnte man schon früer festellen: = > 1, also ist (an )n eine
an 2n + 1
steigende Folge. Als an > 0, es ist unmöglich dass lim an = 0. Es folgt dass die
n→∞
Reihe divergent ist.

REIHEN MIT NICHT NUR POSITIVE GLIEDER


Wir haben gesehen, dass, um die Natur einer positive Reihe zu entscheiden, uns
eine Menge von Kriterien zur Verfügung stehen.
X
Was können wir machen um die Natur einer Reihe an zu studieren wenn nicht

alle an positiv sind.


• Der einfachste Fall ist wenn es nur endlich viele an negativ oder Null sind, also
X
wenn an > 0, ∀ n > n0 . Dann kann man für die Reihe an alle Kriterien für
n> n0
X
positive Reihen benützen um die Natur von an zu bestimmen.

• Sehr einfach ist auch der Fall wenn (fast) alle Glieder negativ sind, denn in diesem
X X X
Fall können wir an = − | an | schreiben und die Konvergenz von | an |

mit die bekannten Kriterien studieren.


• Es bleiben zu studieren die Reihen die unendlich viele positive und unendlich
viele negative Glieder haben. Ein wichtiger Fall von solche Reihen sind die:

Alternierende Reihen

Definition 3. (Alternierende Reihe)


X
Eine Reihe an heisst alternierende Reihe, wenn die Folgenglieder an abwech-

selnd positives und negatives Vorzeichen haben.


X (−1)n X (−1)n+1 X cos(nπ)
Beispiele: ; ; √
n> 1
n n> 3
2n + ln n n> 0
1 + n

21
X X
Alle diese Folgen haben die Form (−1)n bn (oder (−1)n+1 bn ), wo bn > 0,
n> n0 n> n0
∀ n. Für das dritte Beispiel ist dies vielleicht nicht so leicht bemerkbar, aber
cos(nπ) = (−1)n .
Für solche Reihen ist das Leibniz-Kriterium sehr nützlich:

22
Satz 7. (Kriterium von Leibniz)
Sei (bn )n> n0 eine monoton fallende Folge mit lim bn = 0.
X n→∞
Dann konvergiert die Reihe (−1)n bn .
n> n0

Beweis: Sei zunächst n0 = 0. Der allgemeine Fall,


mit n0 ∈ N, kann durch das Umnumerierung der
Glieder der Reihe und, wenn nötig, Multiplikation
durch −1 auf dem Fall n0 = 0 zurückgefürt wer-
den. Wir betrachten die Teilfolgen (s2n )n> 0 und
(s2n+1 )n> 0 der Folge der Partialsummen.
Als b2k+1 6 b2k 6 b2k−1 , ∀ k ∈ N∗ , folgt, dass
s2k = s2k−2 + (−1)2k−1 b2k−1 + (−1)2k b2k =
s2k−2 − (b2k−1 − b2k ) 6 s2k−2 und
2k
s2k+1 = s2k−1 + (−1) b2k + (−1) 2k+1
b2k+1 = Gottfried Wilhelm
Leibniz (1646 − 1716)
s2k−1 + (b2k − b2k+1 ) > s2k−1 .
Also sind (s2n )n> 0 fallend und (s2n+1 )n> 0 steigend.
Es gilt s1 6 s2k−1 = s2k −b2k 6 s2k 6 s0 , also sind die zwei Teilfolgen (s2n )n> 0 und
(s2n+1 )n> 0 beschränkt, also konvergent. Es seien `1 = lim s2n und `2 = lim s2n+1 ,
n→∞ n→∞
`1 , `2 ∈ R. Als s2n = s2n−1 + a2n und lim a2n = 0, folgt, dass `1 = `2 + 0, also
n→∞
lim s2n = lim s2n+1 . Dann gibt es lim sn = `1 = `2 , also ist die Reihe konvergent.2
n→∞ n→∞ n→∞
X (−1)n+1
Beispiel 22. Die alternierende harmonische Reihe, ist, nach dem
n> 1
n
Leibniz-Kriterium, konvergent. Ihr Grenzwert ist, wie sich später heraustellen
wird, ln 2.

Absolut konvergente Reihen1


X
Definition 4. Eine Reihe an heisst absolut konvergent falls die Reihe
X n> n0
| an | konvergent ist.
n> n0

Also eine Reihe ist absolut konvergent falls die Reihe der Absolutwerte konvergent
ist.
X
Beispiel 23. Der Beispiel 1. zeigt, dass die geometrische Reihe bn absolut
konvergent ist für b ∈ (−1, 1). n> 0

1
Dieser Begriff, sowie der zugehöriger Satz, wirkt auch für Reihen mit Glieder an ∈ C.

23
Satz 8. Jede absolut konvergente Reihe ist konvergent und es gilt
X X
an 6 | an | .
n> n0 n> n0
X
Beweis: Sei an eine absolut konvergente Reihe. Dann gibt es, nach Satz 4.,
n> n0
n
X
zu jedem ε > 0 ein N0 ∈ N so dass | ak | < ε für alle n > m > N0 . Dann
k=m
n
X n
X n
X
gilt auch ak 6 | ak | = | ak | < ε für alle n > m > N0 , also
k=m k=m k=m
X
erfüllt an das Cauchy-Kriterium. Nach Satz 4. ist sie dann konvergent. Da
n> n0
n
X n
X X X
ak 6 | ak |, mit Grenzübergang n −→ ∞ folgt dass an 6 | an | .2
k=n0 k=n0 n> n0 n> n0

Bemerkung: Die Umkehrung von Satz 8. gilt nicht: die alternierende harmoni-
sche Reihe ist konvergent (s. Beispiel 22.) aber nicht absolut konvergent (die
harmonische Reihe ist divergent). Solche Reihen, die konvergent sind, aber nicht
absolut konvergent sind heissen semikonvergente Reihen.
X X
Bemerkung: Der obige Satz sagt: wenn | an | konvergent ist, dann ist an
auch konvergent.
Deshalb, um die Konvergenz einer Reihe zu beweisen ist es genügend seine abso-
lut Konvergenz zu beweisen. Der Vorteil ist, dass, in Gegentum mit die gegebene
Reihe, für die Reihe der Absolutwerte man alle Kriterien anwenden kann, denn die
Reihe der Absolutwerte ist eine Reihe mit positive Glieder.
Für alternierende Reihe ist das Leibniz test besser geeignet als der obige Satz. Zum
X (−1)n
Beispiel Leibniz wirkt sehr einfach für α
, ∀ α > 0 (es sagt diese Reihen sind
n> 1
n
alle konvergent). Aber diese Reihen sind absolut konvergent (und deshalb, nach
dem obigen Satz auch konvergent) nur für α > 1. Für α ∈ (0, 1) beantwortet der
obige Satz die Frage der Konvergenz der Reihe nicht (nur das Leibniz test tut es).
X cos n
Beispiel 24. Die Reihe ist konvergent.
n2
Weil der Vorzeichen von cos n schwer zu kontrolieren ist (es ändert sich sehr often),
ist die beste idee zu beweisen dass diese Reihe absolut konvergent ist. Tatsächlich,
cos n 1 X1
weil 6 (weil −1 6 cos x 6 1, ∀ x) und konvergent ist, so folgt
n2 n2 n2
X cos n X cos n
nach das Majorantenkriterium, dass auch konvergent ist also
n2 n2
X cos n
absolut konvergent ist. Laut des Satzes 8., ist dann auch konvergent.
n2

24
Kleine Zeilen über grosse Mathematiker
([Link]

1. d’Alembert

Jean-Baptiste le Rond genannt d’Alembert (Paris, 16 November 1717 − Paris, 29


Oktober 1783) war einer der bedeutendsten Mathematiker und Physiker des 18ten
Jahrhunderts und ein Philosoph der Aufklärung. Gemeinsam mit Denis Diderot
war er der Herausgeber der berühmten Encyclopédie.
D’Alembert, der ausser der Ehe geboren war, wurde von seine Mutter an die
Kapelle St. Jean-le-Rond, neben den Nordturm der Notre-Dame Kirche in Paris
ausgesetzt. Später wurde er adoptiert. Sein Vater ermöglichte ihm jedoch eine
umfassende Erziehung.
D’Alembert studierte erst Rechtswissenschaft (er bekam Rechtsanwalt), dann Me-
dizin, ehe er sich endgültig autodidaktisch der Mathematik und Physik zuwandte.
D’Alembert interessierte sich unter anderem auch für die Musik. Er schrieb eini-
ge sehr wichtige Werke darüber. Seine Beiträge zur Encyclopédie erschien zwis-
chen 1751 und 1780. Er schrieb den ,,Discours préliminaire” im ersten Band,
eine Art ,,Manifest der Aufklärung”, und verfasste über 1.700 Beiträge. Sein
Einfluss über das Denken der Menschheit, seine Rolle in die Entwicklung der
europäische Gesellschaft und in die Veränderung der Mentalitäten sind riesig.
D’Alembert war auch ein glänzender Tacitus-Übersetzer. Er war Mitglied einer
Pariser Freimaurerloge, Freund von Voltaire und führte Briefverkehr auch mit
,,aufgeklärten Herrschern” wie Friedrich II. von Preussen oder die russischen Zarin
Katharina die Grosse.
Nach ihm ist das D’Alembertsche Prinzip der Mechanik benannt. D’Alembert
arbeitete auch auf dem Gebiet der Konvergenz von Reihen und fand das Quotien-
tenkriterium, das nach ihm auch D’Alembert-Kriterium genannt wird. In ,,Traité
de dynamique” erscheint auch der Satz von d’Alembert (auch Satz von Gauss-
d’Alembert genannt). Dieser Satz behauptet dass ein Polynome n-ten Grad mit
komplexe Koeffizienten hat genau n, nicht umbedigt distinkte, Würzel in C. Dieser
Satz wird nur in den 19ten Jahrhundert von Carl Friedrich Gauss bewiesen.

2. Cauchy

Augustin Louis Cauchy (1789 − 1857) war ein französischer Mathematiker. Als
ein Pionier der Analysis entwickelte er die von Gottfried Wilhelm Leibniz und Sir
Isaac Newton aufgestellten Grundlagen weiter, wobei er die fundamentalen Aus-
sagen auch formal bewies. Insbesondere in der Funktionentheorie stammen viele
zentrale Sätze von ihm. Cauchys Vater, Louis-François, war ein streng katholischer,
belesener Royalist. Zum Zeitpunkt der Erstörmung der Bastille am 14. Juli 1789
war er die rechte Hand des Lieutenant Général der Polizei von Paris. Augustin
Louis wurde mitten in die französische Revolution hinein geboren. Louis-François

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nahm aus Angst vor Denunziation seine Familie mit in ihr Landhaus nach Arcueil,
5km südlich von Paris, wo sie in Armut und Hunger lebten. Der kleine Augustin
Louis erhielt von seinem Vater grundlegenden Unterricht. Nach dem Ende der Ter-
rorherrschaft kehrte die Familie nach Paris zurück, Louis-François machte wieder
Karriere und wurde schliesslich nach Napoléons Staatsstreich Generalsekretär des
Senats. Das führte zu einer engen Bekanntschaft mit dem damaligen Innenminister
Pierre-Simon Laplace (der auch in Arcueil lebte) und dem Senator Joseph-Louis
Lagrange, zwei bedeutenden Mathematikern. Sie erkannten bereits früh das math-
ematische Talent des Sohns, so soll etwa Lagrange gesagt haben: ,,Eines Tages
wird dieser Junge uns simple Geometer alle übertreffen.”
Auf Anraten von Lagrange lernte Cauchy zunächst klassische Sprachen, was ihn
auf eine weitere Mathematikausbildung vorbereiten sollte. 1805 absolvierte er als
Zweitbester die Aufnahmeprüfung zur École Polytechnique, wo er zwischen andere
Ampère als Lehrer hatte. Als junge Ingenieur erhielt Cauchy einen Auftrag beim
Bau des Hafens Port Napoléon in Cherbourg. Später, in 1815, bekam er Proffesseur
an der École Polytechnique. Als Mitglied der Académie (seit 1815) war eine von
Cauchys Pflichten die Begutachtung von eingesandten wissenschaftlichen Artikeln.
Dieser Arbeit widmete er viel seiner Zeit, allerdings nicht unbedingt zur Freude
der Schreiber. So schrieb Abel: ,,Cauchy ist verrückt und man kann nichts dagegen
tun. Allerdings ist er zur Zeit der einzige, der weiss, wie man Mathematik machen
sollte.” Als Lehrender ging Cauchy mit grossem Eifer zur Sache. Er legte grossen
Wert auf die Genauigkeit der Definitionen und führte viel neuen Stoff ein, wie
seine neue Definition der Ableitung, die auf einem Grenzwert beruhte und nicht
auf dem Infinitesimalkalkül. Dies gefiel den Studenten nicht, denen Cauchys Vor-
lesungen zu abstrakt und zu wenig ingenieurorientiert waren. Seine Vorstellungen
von der Lehre schrieb er in einigen Büchern nieder. Diese sind Meilensteine der
Analysis. Im Juli 1830 wurde der reaktionäre König Karl X. gestürzt. Kurz darauf
verlor Cauchy seine Posten. Bereits 1833 verliess er die Stadt, um sich Karl X. auf
dem Hradschin in Prag anzuschliessen, und wurde Hauslehrer dessen Enkels Hein-
rich, des Herzogs von Bordeaux. Cauchy wurde aufgrund seiner wissenschaftlichen
Meriten den Prinzen in Mathematik und den Naturwissenschaften, insbesondere
Chemie und Physik, zu unterrichten. Er nahm diese Aufgabe sehr ernst, so wie er
auch den Anspruch des Prinzen auf den Thron lebhaft unterstützte. So bereitete
er sich gewissenhaft auf die Unterrichtsstunden vor und betrieb in diesen Jahren
so gut wie keine Forschung. Es zeigte sich auch hier, wie schon in Paris, sein man-
gelndes Talent als Lehrer. Der Prinz zeigte keinerlei Interesse oder Begabung für
Mathematik und er verstand von dem, was Cauchy ihm erzählte, herzlich wenig.
Bis zu seinem 18. Lebensjahr, als seine Ausbildung beendet wurde, entwickelte er
eine ausgiebige Abneigung gegen Mathematik. Cauchy zeigte als Lehrer keinerlei
Autorität, und der verwöhnte Bourbonenprinz tanzte ihm nach Belieben auf der
Nase rum und trieb derbe Spässe mit ihm.
In der Theorie der Folgen und Reihen hat Cauchy viele wichtige Kriterien für
deren Konvergenz entwickelt. Von grundlegender Bedeutung für die Theorie der

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Folgen und Reihen ist die Cauchy-Folge. Cauchy benutzte im Cours d’analyse das
Cauchykriterium für Reihen, das analog auf Folgen angewandt werden kann, um
ihre Konvergenz zu zeigen. Einen echten Beweis dafür, dass Cauchyfolgen in R
konvergieren, gab er allerdings nicht.
Cauchy zeigte die Konvergenz der geometrischen Reihe und leitete daraus das Quo-
tientenkriterium und das Wurzelkriterium ab.
Der Grenzwertsatz von Cauchy besagt schliesslich, dass das arithmetische Mittel
der Elemente einer konvergenten Folge gegen den Grenzwert dieser Folge strebt.
Der cauchysche Verdichtungssatz gibt ein Kriterium an, wie ausgewählte Glieder
einer Reihe (daher verdichtet) als Kriterium für eine streng monoton fallende Reihe
verwendet werden können. Cauchy hat ausser die Cauchy-Hadamard Formel noch
weitere Erkenntnisse über die Potenzreihen geliefert. Vor allem bewies er erstmals
mit formaler Strenge das taylorsche Theorem und entwickelte in diesem Zusam-
menhang das Cauchysche Restglied einer Taylorreihe.
Als erster bewies er streng die Konvergenz der schon von Leonhard Euler unter-
 n
1
suchten Folge 1 + , deren Grenzwert die eulersche Zahl e ist.
n
Cauchy war faktisch bis etwa 1840 der einzige, der sich mit Funktionentheorie
beschäftigte. Dementsprechend gross ist sein Beitrag zu diesem Gebiet: Cauchy-
Riemann-Differentialgleichungen, des cauchyschen Integralsatzes für das Rechteck,
den Residuensatz für den Fall der Integration b̈er ein Rechteck. Alle holomor-
phen Funktionen können mit Hilfe der Integralformel von Cauchy beliebig oft dif-
ferenziert werden. Cauchy untersuchte ebenfalls gewöhnliche Differentialgleichun-
gen und gab für lineare Systeme mit konstanten Koeffizienten einen Lösungsweg,
basierend auf der Fourier-Transformation und seinem Residuensatz. (Sie werden
diese Sätze im zweiten Semester studieren!). Nach ihm ist das Cauchy-Problem
benannt, das sind Anfangswertprobleme, bei denen die Lösungen auf dem kom-
pletten Raum gesucht werden.
Die Cauchy-Schwarz-Ungleichung gibt an, dass der Absolutwert des Skalarproduk-
tes zweier Vektoren nie grösser als das Produkt der jeweiligen Vektornormen ist.

3. Raabe

Joseph Ludwig Raabe (1801 − 1859) war ein Schweizer Mathematiker. In die
Geschichte der Mathematik gebührt Raabe nicht ein sehr wichtiger Platz. Raabe
wurde nur durch das nach ihm benanntes Kriterium von Raabe bekannt.
Raabes Eltern waren recht arm. Daher musste Raabe sich schon früh seinen Leben-
sunterhalt verdienen, indem er Privatunterricht erteilte. 1820 begann er daneben
in Wien am Polytechnikum das Mathematikstudium. Im Herbst 1831 zog er nach
Zürich. Dort habilitierte er sich 1833 und wurde anschliessend Gymnasiallehrer
und Privatdozent an der Universität. 1855 erhielt er einen Lehrstuhl am neu
gegründeten eidgenössischen Polytechnikum.

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4. Leibniz

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 − 1716) war ein deutscher Philosoph und Wis-
senschaftler, (Mathematiker, Physiker und Historiker), Diplomat und Politiker. Er
gilt als der universale Geist seiner Zeit und war einer der bedeutendsten Philoso-
phen des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts sowie einer der
wichtigsten Vordenker der Aufklärung. Leibniz sagte über sich selbst: ,,Beim
Erwachen hatte ich schon so viele Einfälle, dass der Tag nicht ausreichte, um sie
niederzuschreiben.”
Leibniz wurde am 1. Juli 1646 in Leipzig geboren. Sein Vater war Jurist und
Professor für Ethik und seine Mutter Catharina war die Tochter des Leipziger
Professors und Rechtswissenschaftlers Wilhelm Schmuck. Der achtjährige Leib-
niz erlernte anhand der umfangreichen väterlichen Bibliothek autodidaktisch die
lateinische und die griechische Sprache. 1661 immatrikulierte sich Leibniz an der
Leipziger Universität und betrieb philosophische Studien. 1672 reiste Leibniz als
Diplomat nach Paris. Dort unterbreitete er dem ,,Sonnenkönig” Ludwig XIV.
einen Plan für einen kreuzzugähnlichen Eroberungsfeldzug gegen Ägypten, um ihn
von den geplanten Eroberungskriegen in Europa abzubringen. Der König lehnte
diesen Plan ab; über einhundert Jahre später jedoch setzte Napoléon Bonaparte
ihn in der Ägyptischen Expedition um. 1672/73 vollendete Leibniz Arbeiten an
einer Rechenmaschine mit Staffelwalze für die vier Grundrechenarten und wurde
Mitglied der Londoner ,,Royal Society”. Leibniz wird oft als letzter Universal-
gelehrter bezeichnet. Zu seine Name sind auch Pläne für ein Unterseeboot und
Verbesserung der Technik von Türschlössern gebundet. Er war einer der ersten die
das Infinitesimalrechnung (Integralrechnung und Differentialrechnung) Matrizen
und Determinanten benützt hat. Leibniz betrachtete die Wissenschaft als eine
Einheit. Seine Erkenntnisse in der Integralrechnung, die Theorie der unendlichen
Reihen, seine neuartige Geometrie, die Theorien der Kombinatorik, die Vorstel-
lung über die Grundlagen der Mathematik und die Wahrscheinlichkeitsrechnung
entwickelten sich in enger Verbindung mit seinen philosophischen Ansichten. Das
gleiche trifft auf seine Erkenntnisse der Dynamik, auf die biologischen und geolo-
gischen Konzeptionen sowie auf die Forschungen im Bereich der praktischen Politik
und der theoretischen Geschichtswissenschaft zu.
Während eines Parisaufenthalts in den Jahren 1672 bis 1676 trat Leibniz in Kon-
takt zu führenden Mathematikern seiner Zeit. Ohne sichere theoretische Grundlage
lernte man damals, unendliche Folgen und Reihen aufzusummieren. Leibniz fand
ein Kriterium zur Konvergenz alternierender Reihen (Leibniz-Kriterium), aus dem
X (−1)n
insbesondere die Konvergenz der sogenannten Leibniz-Reihe folgt. Mit-
n> 0
2n + 1
π
tels geometrischer Überlegungen fand er auch deren Grenzwert . Durch Summa-
4
tion von Reihen gelangte Leibniz 1675 zur Integral- und von dort zur Differential-
rechnung; er dokumentierte seine Erfindung 1684 mit einer Veröffentlichung in den

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acta eruditorum. Nach heutigen Massstäben (Priorität der Erstveröffentlichung)
würde er als alleiniger Erfinder der Infinitesimalrechnung gelten; diese Betrachtung
ist jedoch anachronistisch, da wissenschaftliche Kommunikation im 17. Jahrhun-
dert primär mündlich und per Briefwechsel erfolgte. Bleibender Verdienst von
Leibniz ist insbesondere die heute noch übliche Notation von Differentialen (mit
einem Buchstaben
R d von lat. differentia), Differentialquotienten (dy/dx) und In-
tegralen ( dx; das Integralzeichen ist abgeleitet aus dem Buchstaben S von lat.
summa). Der englische Naturwissenschaftler Sir Isaac Newton hatte die Grundzüge
der Infinitesimalrechnung bereits 1666 entwickelt. Jedoch veröffentlichte er seine
Ergebnisse erst 1687. Daraus entwickelte sich Jahrzehnte später der vielleicht
berühmteste Prioritätsstreit der Wissenschaftsgeschichte. Leibniz entwickelte auch
die Dyadik (Dualsystem) mit den Ziffern 0 und 1 (Dualzahlen), die für die moderne
Computertechnik von grundlegender Bedeutung ist.

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