32. Jahrgang . 63. Folge . Pfingsten 2007 .
ISSN 1864-7111
BRIEFE AUS
BRENNDORF
Herausgegeben von der Dorfgemeinschaft der Brenndörfer
Künstler von europäischem Rang:
Reinhardt Schuster stellt in Andernach und Dinkelsbühl aus
Pfarrer Helmut Kramer: „Unsere Hilfe und unser Mitdenken sind gefragt“
Architekt Dr. Fabini erstellt Kurzgutachten für Kirche in Brenndorf
[Link]
Dorfgemeinschaft der Brenndörfer
Briefe aus Brenndorf
32. Jahrgang, 63. Folge, Pfingsten 2007, ISSN 1864-7111
Inhaltsverzeichnis: Seite
1. Begegnungen mit der Zeit
Pfr. Helmut Kramer Unsere Hilfe und unser Mitdenken sind gefragt .. .. 1
2. Brenndörfer Zeitgeschehen
Sorana Scholtes Künstler von europäischem Rang: R. Schuster .. .. .. 2
Edgar Bauer-Kloos Gedanken zur Malkunst Reinhardt Schusters .. .. .. 4
Siegbert Bruss Fabini über Kirchenrenovierung in Brenndorf .. .. .. 5
Siegbert Bruss Die Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung .. .. .. .. .. .. .. 6
Heide Stamm-Kaul Jung und Alt sind uns gleichermaßen wichtig. .. .. .. 8
N. Thiess / G. Mechel Zwei Angebote für junge Brenndörfer .. .. .. .. .. .. .. 10
Rainer Lehni Die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend . .. .. .. .. .. .. 11
Horst Hergetz Faschingsfeier in Neuhaus .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 13
Bettina Zibracky Skitreffen der Brenndörfer Jugend .. .. .. .. .. .. .. .. .. 14
Manfred Copony Nachrichten aus Brenndorf .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 15
L. und H. Darabas Einladung zum Brenndörfer Treffen in Garching . 17
Siegbert Bruss Das Burzenland baut Führungsposition aus . .. .. .. 18
Johann Unberath Nachruf auf Hans Hermannstädter .. .. .. .. .. .. .. .. 20
Otto Gliebe Sechster Band der Presbyterialprotokolle .. .. .. .. .. 21
O. Gliebe / H. Thiess Aus dem Leben der Gemeinschaft .. .. .. .. .. .. .. .. .. 22
Wir gratulieren zum Geburtstag .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 24
3. Siebenbürgische Kultur und Geschichte
Erna Magyari „Unser Land im Aufbruch“ .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 26
Dr. Heinz Heltmann Der Pfefferminzanbau im Burzenland .. .. .. .. .. .. .. 27
Otto Gliebe Unsere Spiele in der Neugasse (2) .. .. .. .. .. .. .. .. .. 30
4. Zum Lesen am Feierabend
Günter Wagner Leserbrief aus Australien . .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 33
Edgar Bauer-Kloos Dorfschönheiten (Aus Onkel Jahns Zeiten) .. .. .. .. 34
5. Beiträge und Spenden an die Dorfgemeinschaft
eingegangen von November 2006 bis April 2007 .. 37
Neue Anschriften der Brenndörfer .. .. .. .. .. .. .. .. .. 40
Fotonachweis: Das Titelbild zeigt ein Kunstwerk von Reinhardt Schuster:
„Elementares“, Gouache, 1998/2005
Layout des Umschlags: KrausPrePrint, Landsberg am Lech
Layout und Gestaltung der restlichen Seiten: Siegbert Bruss
Unsere Hilfe und unser Mitdenken sind gefragt
Grußwort zu Pfingsten 2007 von Pfarrer Helmut Kramer
„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, hörten sie wieder von der Not anderer
sondern durch meinen Geist geschehen, und legten das ganze Geld zusammen,
spricht der Herr Zebaoth“. um zu helfen und Not zu lindern. Bis
(Sacharja 4,6) heute ist die Kirche nicht gebaut. „Wir ha-
Sie lebten in einem kleinen Dorf in den ben keine Kirche“, sagen die Menschen,
Bergen und waren sehr arm. Mit viel Lie- „aber es gefällt uns doch in unserem Dorf.
be und einigem Aufwand hatten sie im Wir sind zu einer großen Familie zusam-
Dorf eine kleine Kirche aus Holz erbaut. mengewachsen.“ Die Hoffnung haben
Eine Kerze, die nicht gelöscht worden sie nicht aufgegeben: Auf dem Platz, wo
war, hatte das Kirchlein eines Tages in die Kirche einmal stehen soll, spielen die
Brand gesteckt. Und seither war dort, wo kleinen Kinder ...
die Kirche stand, ein leerer Platz und die Warum diese Geschichte? Weil ich
Leute hielten in einem kleinen Schul- glaube, dass sie ein kleiner Hinweis sein
zimmer Gottesdienst. Ihr sehnlichster kann auf das, was Pfingsten sein will: ein
Wunsch war, die Kirche wieder aufzu- Geschehen, das die Beteiligten mitnimmt
bauen, dafür mussten sie eisern sparen. und in Bewegung setzt; ein Geschehen,
Da verstarb eine alte Frau, die kurz vor das die Beteiligten erkennen lässt, was
ihrem Tod ihr ganzes erspartes Geld dem vordergründig absolut wichtig und un-
Dorf geschenkt hatte – für eine neue Kir- aufschiebbar zu tun ist, ohne das eigent-
che. Die Dorfbewohner hatten gerade die liche Ziel aus den Augen zu verlieren.
Pläne für das neue Gebäude in Auftrag Die Schlussszene mit dem für die Kirche
gegeben, da hörten sie von einem großen bestimmten Platz, auf dem die kleinen
Erdbeben im benachbarten Land. Sie sa- Kinder spielen, vermittelt Zukunftsper-
hen schreckliche Bilder von eingefallenen spektive. Da hat man noch Träume und
Häusern. Und sie sagten sich: „Wir wol- Visionen. Die kann man haben, wo man
len eine Kirche bauen und dort ist solche zu einer großen Familie zusammenge-
Not?“ Kurz entschlossen schickten sie wachsen ist.
das ganze Geld ins Erdbebengebiet. Die Vielleicht gehört zu Pfingsten auch,
eigene Kirche vergaßen sie aber nicht. Sie mit Abbrüchen leben zu lernen: mit Ab-
sparten weiter und langsam aber sicher brüchen, die neue Chancen eröffnen.
kam Geld zusammen, damit mit dem Bau Jeder von uns, der die alte Heimat ver-
begonnen werden konnte. lassen hat, ist durch unterschiedlichste
Da lasen sie in der Zeitung von asiati- Abbrucherfahrungen gegangen. Allen
schen Bootsflüchtlingen, die niemand ha- gemeinsam war die Trennung von der
ben wollte und sie dachten sich: „Können Kirche in Brenndorf. Vielen hat diese
wir mit ruhigem Gewissen eine Kirche Trennung damals schon wehgetan, am
bauen, wenn Flüchtlinge keine Heimat meisten all jenen, die mit viel Einsatz nach
haben?“ dem Erdbeben von 1977 „ihre“ Kirche
Ohne zu zögern nahmen sie das ganze renoviert hatten. Nun ist sie, die so viele
Geld, setzten drei alte Häuser in Stand, Jahrzehnte (und Jahrhunderte) manches
um in ihnen Flüchtlinge aufzunehmen. überstanden hat, wieder in Bedrängnis.
Und erneut begannen sie mit dem Sparen. Reparaturen sind nötig – dringender
Doch jedes Mal, wenn sie Geld hatten, denn je. Wünschen wir den Verantwort-
Briefe aus Brenndorf 63/2007 1
lichen vor Ort ein gutes Händchen bei neu Fuß gefasst haben – wie sehr liegt uns
allen Entscheidungen. Ich glaube aller- „unsere“ Kirche noch am Herzen? Eine
dings: Unsere konkrete Mithilfe und un- Gewissens- und eine Herzensfrage, die
ser Mitdenken sind – jenseits aller guten wir nicht leichtfertig abtun sollten. Wie
Initiativen vor Ort und mancher wohlge- gesagt: Pfingsten lässt erkennen, was vor-
meinter Ratschläge – auch gefragt. Das zu dergründig wichtig und unaufschiebbar
behaupten, ist natürlich immer ein biss- ist. Und es stellt uns die Frage nach dem
chen verwegen und auch suspekt. („Die Zusammenhalt der „Familie“.
hätten in ihrer Heimat bleiben sollen, statt Lassen Sie sich bewegen zu Pfingsten
nun große Sprüche zu klopfen.“) Aber – mit guten Gedanken, mit einem weiten
es gibt uns die Möglichkeit, uns selbst Herzen; und mit Entscheidungen, die Sie
fragen zu lassen: Nachdem wir unsere weiterbringen.
Abbrucherfahrungen überstanden und Pfarrer Helmut Kramer
Künstler von europäischem Rang
Reinhardt Schuster stellt in Andernach und Dinkelsbühl aus
Reinhardt Schuster, der aus Brenndorf In den Zeichnungen entsteht alles aus
bei Kronstadt stammende Maler und der flächenbezogenen Linie und deren
Grafiker, präsentiert seine Arbeiten im vielfältigen Möglichkeiten. „In meinen
Mai dieses Jahres gleich in zwei Ausstel- Bildern ist nichts beliebig und das setzt
lungen. Im Rahmen des „Kultursommers voraus, dass der Zufall in der Kunst nicht
Rheinland-Pfalz“ in Andernach sind sei- Methode sein kann“, erklärte der Künst-
ne Werke vom 4. bis 24. Mai in der Villa ler seine Arbeit. Das Bild auf der Rück-
Herfeldt, Koblenzer Straße 12, zu sehen. seite dieser Zeitschrift, „11. September
Die Vernissage findet am 4. Mai um 18.00 2001“ ist keine Illustration des tragischen
Uhr statt. Während des Heimattages der Ereignisses, sondern Schuster versteht
Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl es als „ein Mahnbild“, das uns an die
werden Schusters Bilder am 26. und 27. Ungeheuerlichkeit der Tat erinnert und
Mai im Kunstgewölbe der Spitalanlage, zugleich auffordert, sie auch immer wie-
Dr.-Martin-Luther-Straße 6, gezeigt. Die der aufs Neue zu verdammen.
zweitägige Ausstellung mit dem Namen Vordergründig ließe sich in Schusters
„Wandlungen“ wird am Samstag, dem Kunst nicht bestimmen, ob er von einer
26. Mai, 10.30 Uhr, eröffnet. formalen oder inhaltlichen Überlegung
In den Bildern und Zeichnungen Rein- ausgegangen ist, stellt der Kunstkritiker
hardt Schusters offenbart sich der Wille, und Publizist Franz Heinz fest, der auch
seiner Kunst eine eigene Grundlage zu die Ausstellung in Dinkelsbühl eröffnen
geben, indem er die urspezifischen Aus- wird. Das eine überlappe das andere
drucksmittel der Malerei und Zeichnung nicht nur in der Bildgestaltung, sondern
nach neuen Möglichkeiten untersucht bereits in der Bildidee. Viele Bilder seien
und so zu einer eigenen Figuration ge- zwar gesellschaftlich engagiert – Schus-
langt. In der Malerei kommt ein System ter weicht der Realität nicht aus – den-
seriell-tonaler Farbanordnung auf der noch sei die kämpferische Kunst nicht
Fläche zur Anwendung, nicht als De- seine Sache. Die Denkrichtung gehe dabei
monstration einer Methode, sondern als von der konkreten Situation aus, vom
Mittel zu einem umfassenden Ausdruck. Erlebten und Erduldeten, vom Zeitgeist
2 Briefe aus Brenndorf 63/2007
und Ungeist der Zeit. In der Gestaltung
hingegen werde alles auf eine andere
Ebene gehoben, in einen anderen Hori-
zont verlagert. Schusters Kunst sei ehr-
lich, hatte der Kunstkritiker Günther Ott
schon 1993 festgestellt, denn der Künstler
„bildet die äußere Wirklichkeit ja nicht
ab, seine Kunst ist Wirklichkeit“.
Herausragende Entwicklung
Die Ausstellung Reinhardt Schusters,
die im Rahmen des Kultursommers
Rheinland-Pfalz 2007 in Andernach ge-
zeigt wird, hat eine lange Vorgeschichte.
1980 lernte Reinhardt Schuster in Bu-
karest den gebürtigen Andernacher Dr.
Christoph Jacobs, Mitarbeiter der deut-
schen Botschaft, zuständig für Kultur
und die deutsche Minderheit, kennen.
Dieser verfolgte Schusters künstlerisches Reinhardt Schuster bei der Ausstellungseröffnung am
Werk über die Jahre und stellte fest: „Es 13. Oktober 2005 in München. Foto: Petra Reiner
zählt für mich zum Originellsten und Ein-
drucksvollsten, das die bildende Kunst
in dem Europa zu bieten hat, das heute und in Rumänien ein konsequenter Weg-
auch Rumänien und damit Siebenbürgen bereiter der Moderne war.
einschließt.“ Im Rahmen des Kultursom- Von 1953 bis 1957 besuchte Schuster das
mers 2007 ergab sich nun die Möglich- Kunstlyzeum in Bukarest und studierte
keit „die innere Notwendigkeit mit der von 1958 bis 1964 Malerei an der dortigen
zufälligen Gelegenheit zu kombinieren, Kunstakademie „Nicolae Grigorescu“.
und Schusters Werke in meiner Heimat- Prägend für ihn war die Begegnung mit
stadt Andernach zu zeigen“, so Jacobs. der rumänischen und – den Zeitumstän-
Der Kultursommer ist der Beitrag des den entsprechend in begrenztem Maß –
Landes Rheinland-Pfalz zum Programm internationalen Moderne. Vor allem von
der Kulturhauptstädte 2007 Luxemburg seinen Farben geht eine raumfüllende
und der benachbarten Großregion sowie Klangwirkung aus. Für Beliebigkeit ist
Hermannstadt. Im Rahmen des 16. Kul- kein Platz, alles geschieht bewusst und
tursommers vom 1. Mai bis 3. Oktober durchdacht. Die Bilder entstehen nicht
werden etwa 220 Projekte präsentiert. im Schnellverfahren, auch wenn sie aus
wenigen einfachen Bildelementen zusam-
Wurzeln in Brenndorf mengesetzt sind.
Reinhardt Schuster wurde am 1. Sep- 1983 siedelte Schuster nach Deutsch-
tember 1936 in Brenndorf geboren. Ers- land aus und lebt heute in Düsseldorf und
ten Kunstunterricht erhielt er schon 1952, Bonn. Von 1985 bis 2004 war er Dozent für
während der Schulzeit, bei Hans Mat- Malerei am Düsseldorfer Lernort Studio,
tis-Teutsch, der Franz Marc sowie den zurzeit betreut er die Artothek des Ger-
avantgardistischen Künstlergruppen hart-Hauptmann-Hauses in Düsseldorf.
„Der Sturm“ und „A bis Z“ nahe stand Sorana Scholtes
Briefe aus Brenndorf 63/2007 3
Gedanken zu Reinhardt Schusters Malkunst
Ich glaube, richtig erkannt zu haben, seiner Bilder nicht nur steigert, sondern
dass Reinhardt Schusters Bilder niemals geradezu potenziert.
die Umsetzung einer beliebigen, gegen- Zum Teil könnte man die Schaffung
standslosen Phantasie in ein Farb-Form- einiger seiner Kunstwerke als Objekti-
Gebilde sind, sondern das Produkt eines vierung von subjektiven Gegebenheiten,
verinnerlichten Eindrucks – sei er aus der veranlasst durch die jeweilige Inspiration
Natur, aus dem sozialpolitischen Gesche- und zusätzlich filtriert durch das kritische
hen oder anderen Begebenheiten –, der Auge des Meisters, ansehen.
ihn zur Bildidee inspirierte. Reinhardt Schuster versteht es vortreff-
Die Umsetzung der zu vermittelnden lich durch seine Malweise, über Farb-Ton-
Idee geschieht bei ihm durchs Kreieren Felder, die er auf der Leinwand formt
zweier Ebenen mittels einer klugen Farb- und klug kombinierend in gegenseitige
Ton-Kombination: einerseits schafft er Relation setzt, um im Betrachter unter-
eine reale und andererseits eine abstrak- schiedliche Gefühle und Gedanken zu
te, also begriffliche „Mitteilungsebene“. wecken, die einen zwangsläufig zur Me-
Diese Darstellungsweise verleiht den ditation über das von ihm thematisier-
Bildern eine doppelschichtige „Valenz“, te Sujet des jeweiligen Bildes anregen,
die in der Regel eine metapherhafte Be- um somit letztlich zu der vom Meister
deutung in sich birgt. Sie ist durchaus beabsichtigten – zumeist belehrenden –
eine Eigenheit von Schusters Kunst der Schlussfolgerung zu gelangen.
Bildgestaltung, die die Ausdruckskraft Edgar Bauer-Kloos
Einzelausstellungen (Auswahl)
Reinhardt Schuster 1995 Düsseldorf, HWL Galerie und
1971 Bukarest, Galerie Simeza Edition
1974 Bukarest, Galerie Eforie 1996 Düsseldorf, Stiftung Gerhart-
1978 Düsseldorf, Galerie Bismarckstraße Hauptmann-Haus
(HDO) 1996 Bukarest, Art-Expo-Galerie des
1979 Berlin, Deutschlandhaus Kulturministeriums
1981 Bukarest, Galerie Orizont 1996 Temeswar, Kunstmuseum
1981 Rom, Accademia di Romania 1997 Hermannstadt, Brukenthal-
1981 London, Margaret-Fisher-Gallery Museum
1983 Echternach, Luxemburg (Festival 1997 Kronstadt, Kunstmuseum
International d’ Echternach) 1999 Berlin (WASt) „homo bellicosus“
1985 Frankfurt/Main, Galerie Raphael 2001 Düsseldorf, Stiftung Gerhart-
1987 Düsseldorf, Haus des Deutschen Hauptmann-Haus
Ostens 2005 München, Haus des Deutschen
1987 Mettmann, Stadthalle Ostens
1990 Esslingen, Galerie der Künstlergilde 2006 Düsseldorf, Stiftung Gerhart-
1992 Berlin, Galerie Phantom Hauptmann-Haus Retrospektive
1993 Düsseldorf, Kunstzimmer 2007 Andernach, Villa Herfeldt
Toni Mörger 2007 Dinkelsbühl, Kunstgewölbe der
1993 Tokio, Gallery Jine Spitalanlage
4 Briefe aus Brenndorf 63/2007
Architekt Fabini erstellt Gutachten
Experte berät uns bei Kirchenrenovierung in Brenndorf
Auf Ansuchen der „Dorfgemeinschaft von Kirchensaal und Chor eingezogen
der Brenndörfer“ (HOG Brenndorf) hat werden.“ Der Deckenputz in Saal und
Architekt Dr. Hermann Fabini am 11. Chor sei zu erneuern. Angesichts der
Januar 2007 die Kirche in Brenndorf be- Spannweite der Deckenkonstruktion
sichtigt. Bauschäden stellte er unter an- müsse auch weiterhin mit Rissbildung im
derem beim Anschluss der Kirche an den Verputz der Decke gerechnet werden. Die
Glockenturm fest, wo ersichtlich ist, dass Risse im Bereich des Kanzelaufgangs und
beide Gebäudeteile verschieden gearbei- an andern Wänden von Kirche und Chor
tet haben. „Besonders das Südwesteck sollten mit einem dünnen Trasszement-
der Kirche weist Bauschäden auf, die im Mörtel ausgespritzt und mit Kalkmörtel
Bereich vom Gesimse auf unterschied- verputzt werden. „Die Risse zwischen
liche Setzungen und auf Erdbebenschä- Kirche und Turm, wie sie im Traufenbe-
den zurückzuführen sind“, schreibt der reich auf der Südwestseite der Kirche zu
Hermannstädter Architekt in einem Mitte sehen sind, sind so zu behandeln, dass
Februar 2007 erstellten Gutachten. „Die eine Dehnungsfuge entsteht, die verhin-
meisten Rundbögen über den Fenstern dert, dass während eines Erdbebens die
weisen vertikale Risse auf, die auch dar- beiden Gebäudeteile aufeinanderstoßen.“
auf hinweisen, dass das massive Mauer- Kirche und Chor seien außen und innen
werk während Erschütterungen durch mit Grubenkalk mit Kaseinzusatz als Bin-
Erdbeben nachgegeben hat. Ein horizon- demittel zu streichen. Im Glockenturm,
taler Riss unter der unteren Fensterreihe der nach dem Erdbeben vom 4. März 1977
hat seinen Ursprung wahrscheinlich in mit Zuganker versehen wurde, seien die
der Massivität des Mauerwerks, er ist bei relativ kleinen Risse lediglich auszusprit-
seitlichen Erdbebenstößen entstanden. Im zen und zu verputzen.
Kirchenraum sind außer den Rissen, die Fabini vertritt die Ansicht, „dass durch
größtenteils auch außen zu sehen sind, diese Maßnahmen, besonders durch die
also durch die Mauerdicke durchgehen, gewissenhaft durchgeführte Ableitung
Bauschäden im Bereich der Decke, der des Wassers von Dach über Mauerwerk
Gesimse und des Mauerverputzes festzu- und Kirchhof bis außerhalb des Ensemb-
stellen.“ Zudem hat Fabini das statische les, die Voraussetzungen für einen guten
Projekt für die Konsolidierung der Kirche Erhalt des Baudenkmals entscheidend
in Brenndorf, das Ing. Szabó Gavril im steigern werden.“
Juli 2005 aufgrund eines technischen Gut- Als nächste Schritte empfiehlt Fabini
achtens der Firma ANAROM SRL erstellt die Überarbeitung des Projektes durch
hat, analysiert. die Architektin Maniţiu und den Inge-
Als Maßnahmenkatalog für Bauarbei- nieur Szabó unter Berücksichtigung der
ten in den nächsten zwei Jahren schlägt Vorschläge aus dem Gutachten und eine
Dr. Fabini die Kontrolle der Wasserab- erneute Vorlage bei den zuständigen
leitung von Kirche und Kirchhof, darun- Behörden: Kommission für Denkmal-
ter die Einrichtung von Dachrinnen und pflege und Kreisrat, zwecks Erlangung
Abfallrohren, vor. „Um die Risse in den der Baugenehmigung. Dazu kann Fabini
Fensterbögen auszuschalten, sollte ein als Experte des Ministeriums für Kultur
äußerer Betongurt unter dem Gesimse und Kulte mit einem Gutachten beitra-
Briefe aus Brenndorf 63/2007 5
gen. Erst danach kann eine Baufirma ge- ven Eingriffe in die Bausubstanz, so dass
funden werden. Als Bauleiter bietet sich Gottesdienste in Brenndorf abgehalten
beispielsweise Ing. E. Häusler (Kronstadt) werden können und das Gebäude für die
an, der im Auftrag der Siebenbürgisch- nächsten 40 bis 60 Jahre gesichert sei.
Sächsischen Stiftung auch in Tartlau und Der Hermannstädter Architekt, der zu
Honigberg tätig ist. Pfingsten 2007 mit dem Siebenbürgisch-
Angesichts der begrenzten finanziellen Sächsischen Kulturpreis in Dinkelsbühl
Mittel und der „mittleren Bedeutung“ ausgezeichnet wird, hat zugesagt, uns
der evangelischen Kirche in Brenndorf bei den nächsten Maßnahmen zwecks
befürwortet Dr. Fabini eine Renovierung Kirchenrenovierung behilflich sein.
mit einfacheren Mitteln, keine zu massi- Siegbert Bruss
„Zukunft gestalten – Werte erhalten“
Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung fördert die Renovierung
der evangelischen Kirche in Brenndorf
„Die Siebenbürger Sachsen haben durch dortigen Leuten eine Bleibeperspektive
ihren besonderen, eigenwilligen Charakter im zu eröffnen. Die wirtschaftliche Stabilität
Laufe der Jahrhunderte Bauten und eine Form stärkt zugleich die Demokratie im Lan-
des Zusammenlebens entwickelt, die einzigar- de, so die Überzeugung des siebenbür-
tig und erhaltenswert sind.“ Hans-Christan gischen Unternehmers. Seit 1996 ist er
Habermann, Vorsitzender des Stiftungsrates Vorsitzender des Stiftungsrates der Sie-
der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung, ist benbürgisch-Sächsischen Stiftung.
von dem außergewöhnlichen Charakter der Die Stiftung wurde am 31. August 1979
Landschaft und der sächsischen Geschichte in München vom international sehr er-
Siebenbürgens überzeugt. Davon will er so- folgreichen Kaufmann Ernst Habermann
viel wie möglich bewahren, ebenso unseren (geboren 1903 in Hermannstadt, gestor-
Menschen und Institutionen helfen, damit ben 1987 in Comano) mit einem Kapital
Leben und Wirken entsprechend unserer Tra- von 500 000 DM gegründet. Hauptziele
dition weiterbestehen. In diesem Sinne hat der sind die Förderung der kulturellen und
Stiftungsrat der Siebenbürgisch-Sächsischen sozialen Belange der Siebenbürger Sach-
Stiftung in einer Sitzung am 27. September sen. Zum Aufgabenbereich der Stiftung
2006 in Wien beschlossen, die Kirchenreno- gehören Studienbeihilfen in Deutschland,
vierung in Brenndorf mit einem Betrag von die Herausgabe von Heimatbüchern, die
voraussichtlich 40 000 Euro zu fördern. Die Verleihung des Ernst-Habermann-Preises
Stiftung und deren Stiftungsratsvorsitzender alle zwei Jahre, die Förderung von Mu-
werden im Folgenden kurz vorgestellt. sikveranstaltungen wie dem Carl-Filtsch-
Hans-Christian Habermann wurde Festival in Hermannstadt und anderen
1938 in Bukarest als Sohn des Unterneh- Sonderprojekten.
mers und Stiftungsgründers Ernst Haber- Einen besonderen Schwerpunkt setzt
mann geboren. Nach dem Studium des die Stiftung seit 1992 auf die Sicherung
Brauereiwesens in Weihnstephan stieg er der Kirchenburgen in Siebenbürgen so-
in die Firma seines Vaters ein. Seit 1990 wie die Rettung und Erhaltung von his-
ist Habermann auch als Investor stark in torischem Kulturgut in Siebenbürgen.
Rumänien engagiert und will dort unter An gut 70 Kirchenburgen wurden Not-
anderem Arbeitsplätze schaffen, um den maßnahmen durchgeführt, viele davon
6 Briefe aus Brenndorf 63/2007
de eine weitere Stiftung zum Erhalt des
Kulturerbes der Siebenbürger Sachsen,
die „Christian-Habermann-Stiftung“, ein
Pendant der Siebenbürgisch-Sächsischen
Stiftung mit Sitz in Bukarest gegründet.
Neuerdings arbeitet die Siebenbür-
gisch-Sächsische Stiftung projektbezogen
mit dem renommierten World Monu-
ments Fund (WMF) zusammen. Diese ge-
meinnützige internationale Organisation
mit Hauptsitz in New York widmet sich
weltweit der Erhaltung von Denkmälern
und historischen Stätten. Durch die Zu-
sammenarbeit mit dieser Organisation
wird auch der Stellenwert Siebenbürgens
in der Welt steigen, meint Habermann.
Er rechnet damit, dass 2007 und 2008
Dipl.-Ing. Hans-Christian Habermann bei der 25-jäh- mehrere Kirchenburgen komplett saniert
rigen Jubiläumsfeier der Siebenbürgisch-Sächsischen werden können. Der World Monuments
Stiftung in Nürnberg, 2004. Foto: Petra Reiner Fund und die Siebenbürgisch-Sächsische
Stiftung werden sich dabei die Restaurie-
weisen schwere Schäden auf. Die Sieben- rungskosten teilen.
bürgisch-Sächsische Stiftung hat Paten- Viele Projekte wurden auch mit der
schaften über die Kirchenburgen Tartlau Landmannschaft der Siebenbürger Sach-
(1992) und Honigberg (1998) übernom- sen durchgeführt. So wurde das 25-jährige
men und beide Wehrkirchen aufwändig Bestehen der Siebenbürgisch-Sächsischen
restauriert. Zurzeit wird die Kirchenburg Stiftung im Rahmen der Kulturtage im
Birthälm komplett restauriert. In Kürze September 2004 in Nürnberg gefeiert.
sollen auch die Restaurierungsarbeiten an Kürzlich hat die Stiftung ein sächsi-
der Kirchenburg Reußmarkt beginnen. sches Bauernhaus in Keisd gekauft, um
„Wir streben eine gute Zusammenar- es im Dorfmuseum „Dimitrie Gusti“ in
beit mit allen Gleichgesinnten an“, betont Bukarest aufzustellen. Das Projekt wur-
Dipl.-Ing. Hans-Christian Habermann. de zusammen mit dem Vorsitzenden des
Es gehe darum, dass sich alle Beteiligten Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates,
vernünftig einsetzen. Vor allem wird die Dr. Christoph Machat, ausgedacht und
Evangelische Kirche A. B. in Rumänien un- mit dem rumänischen Kulturministerium
terstützt, der in der Praxis die Bewahrung ausgearbeitet.
der sächsischen Kulturschätze Siebenbür- „Unser Ziel ist es, so viele Kirchenbur-
gens obliegt. Die Deutsche Gesellschaft gen wie möglich zu restaurieren und zu
für technische Zusammenarbeit (GTZ) erhalten“, erklärt Hans-Christian Ha-
will sich als Nächste in die Notsicherung bermann. „Es gibt in Siebenbürgen noch
von Kirchenburgen einschalten. sehr viel zu tun. Deshalb bitten wir alle
Eine gute Grundlage für die Zusam- Siebenbürger Sachsen und deren Freunde
menarbeit mit den rumänischen Behör- um Mitarbeit. Liebe Leser, helfen auch
den bildet ein Abkommen, das die Stif- Sie, unsere Kirchenburgen, unsere Städte,
tung 1997 mit dem Kulturministerium unser Erbe zu erhalten!“
Rumäniens abgeschlossen hat. 2003 wur- Siegbert Bruss
Briefe aus Brenndorf 63/2007 7
Jung und Alt sind uns gleichermaßen wichtig!
„Dorfgemeinschaft der Brenndörfer” spricht mit ihren
Initiativen alle Generationen an
Der Vorstand der „Dorfgemeinschaft der Renovierung zu fördern, hat der Vor-
Brenndörfer“ tagte am 10. März 2007 in stand der „Dorfgemeinschaft der Brenn-
München. Auf der Tagesordnung standen dörfer“ den bekannten Hermannstädter
folgende Themen: Bilanz des Nachbarschafts- Architekten Dr. Hermann Fabini dafür
tages in Brackenheim vom 23.-24. September gewonnen, ein Kurzgutachten über die
2006, die Renovierung der evangelischen Kir- weitere Vorgehensweise zu erarbeiten.
che und des Pfarrhauses in Brenndorf, eine Das Gutachten wurde bereits Ende Feb-
Initiative, um die junge Generation an unsere ruar 2007 erstellt. Die Vorstandsmitglie-
siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft nä- der sprachen sich dafür aus, Architekt
her zu bringen, sowie die Suche nach Brenn- Hermann Fabini zu bitten, seine Vorschlä-
dörfern, die ihre Erinnerungen an unseren ge aus dem Gutachten umzusetzen bzw.
Heimatort in schriftlicher Form oder anhand bei der Umsetzung behilflich zu sein. So
von Videoaufnahmen an die nächste Genera- sollen die Bebauungsunterlagen neu ver-
tion weitergeben. fasst, die erforderlichen Genehmigungen
eingeholt und eine Baufirma beauftragt
Das Resümee zum Nachbarschaftstag werden. Der Vorstand will sich – in enger
2006 fiel in vielerlei Hinsicht positiv aus, Absprache mit dem Kronstädter Kirchen-
angefangen von dem Gottesdienst über bezirk, der die Renovierung initiiert hat,
das gesellige Beisammensein und Blaska- und der Siebenbürgisch-Sächsischen Stif-
pelle bis hin zur Musikband, die bis zur tung – weiterhin aktiv in die anstehenden
Sperrstunde viele Brenndörfer begeister- Bauarbeiten einbringen.
te. Positiv ist auch, dass sich die neuen Allen Brenndörfern und deren Freunde,
Vorstandsmitglieder aktiv in die Organi- die sich durch Spenden und moralischen
sation des zehnten Nachbarschaftstages Beistand für die Renovierung unserer
einbringen wollen, der im Herbst 2009 Heimatkirche einsetzen, danken wir aufs
wieder in Brackenheim stattfinden wird. Herzlichste.
So machte man sich jetzt schon Gedanken Bei der Renovierung des evangelischen
über die Bewirtung, die Kinderbetreuung Pfarrhauses in Brenndorf macht Manfred
oder die Ausstellungen, die Uta Martini Copony sehr gute Fortschritte, wofür ihm
zeigen wird. Sie ist zuständig für das Fo- an dieser Stelle unser aller herzlichster
toarchiv und sucht eine(n) Nachfolger/in Dank gilt. Wie er schriftlich berichtete,
für ihr Amt, das sie 2009 niederlegen will. wurden die Arbeiten an der Sommerkü-
Ihre Erfahrungen mit Ausstellungen, die che schon im letzten Jahr abgeschlossen.
immer eine große und nennenswerte Re- Die Weihnachtsfeier wurde im Aufent-
sonanz gefunden haben, möchte Uta Mar- haltsraum, der von einem schönen Guss-
tini ebenso weitergeben wie den wert- ofen und mit traditionellen Motiven an
vollen Fundus an Bildern aus Brenndorf den Möbeln geschmückt ist, gefeiert. Im
und mit Brenndörfern. Aufenthaltsraum können auf Anfrage bei
Bei der Renovierung der Kirche kom- Manfred Copony weitere Feiern veran-
men wir in kleinen, aber sicheren Schrit- staltet werden. Die Baugenehmigungen
ten voran. Nachdem die Siebenbürgisch- der Behörden für die vier geplanten Gäs-
Sächsischen Stiftung zugesagt hat, die tezimmer stehen noch aus. Erst danach
8 Briefe aus Brenndorf 63/2007
können die Arbeiten fortgesetzt werden. mit den Protokollen von 1915-1924, so
Manfred Copony setzt sich auch dafür dass zu Pfingsten 2007 ein umfangreicher
ein, dass die im letzten Jahr etwas ver- Doppelband V-VI wieder auf CD-ROM
nachlässigte Friedhofspflege wieder auf herausgegeben wird.
Vordermann kommt. Die neue Satzung der „Dorfgemein-
Mit Blick auf die Weihnachtsbesche- schaft der Brenndörfer“ (HOG Brenn-
rung 2007 wollen wir Vorschläge seitens dorf) konnte – dank Unterstützung durch
der evangelischen Kirchengemeinde den Juristen Rolf-Dieter Happe – von der
Brenndorf einholen. Damit versuchen Mitgliederversammlung beim Nachbar-
wir die Hilfe nach Brenndorf stärker an schaftstag 2006 in Brackenheim beschlos-
den Wünschen unserer dort lebenden sen werden. Sie definiert die Ziele und
Landsleute zu orientieren. Aufgaben der Dorfgemeinschaft ebenso
Norbert Thiess und Gert Mechel be- wie die Zahl der Vorstandsmitglieder
richteten über die gute Stimmung beim und deren dreijährige Amtszeit. Unsere
Skitreffen in Bad Goisern und beim Fa- Heimatortsgemeinschaft ist zurzeit ein
schingsball in Neuhaus. Das gewohnte nicht rechtsfähiger Verein. Die Vor- und
Fischertreffen fällt im Sommer 2007 aus. Nachteile eines eingetragen Verein sollen
Für 2008 sind erneut ein Skitreffen und in einer späteren Vorstandssitzung erör-
ein Faschingsball geplant. Des Weiteren tert werden.
beabsichtigt der Vorstand, die jüngere Trefflokal der Brenndörfer beim
Generation durch eine kostenlose Mit- Pfingsttreffen in Dinkelsbühl ist wieder
gliedschaft in der Siebenbürgisch-Sächsi- die Gaststätte „Zum Braunen Hirsch“ in
schen Jugend in Deutschland stärker an der Turmgasse 3. Der Heimattag steht
unsere Gemeinschaft heranzuführen. Die dieses Jahr unter dem Motto „Wir in Eu-
von Siegbert Bruss angeregte Jugendin- ropa“ und wird von der Landesgruppe
itiative wird auf den Seiten 10-12 dieses Nordrhein-Westfalen der siebenbürgi-
Heimatbriefes vorgestellt. schen Landsmannschaft ausgerichtet.
Die Vorstandsmitglieder berieten über Im Mai 1957, also vor genau 50 Jahren,
die zukünftigen Themen der „Briefe hat das Land Nordrhein-Westfalen die
aus Brenndorf“ und den Internetauftritt Patenschaft über die Landsmannschaft
[Link]. der Siebenbürger Sachsen übernommen.
Hugo Thiess berichtete über die Fort- Ein besonderes Ereignis für uns Brenn-
schritte bei der Familien- und Wappen- dörfer ist die Ausstellung, die der Maler
forschung. Ziel ist es, in einigen Jahren und Graphiker Reinhardt Schuster aus
ein Ortsfamilienbuch von Brenndorf zu Bonn/Düsseldorf am 26. und 27. Mai in
erstellen. Dinkelsbühl zeigen wird.
Die Vorstandsmitglieder würdigten die Schließlich will der Vorstand möglichst
herausragende Arbeit, die der Ehrenvor- viele Brenndörfer animieren, ihre Erinne-
sitzende Otto Gliebe leistet. Wegen ei- rungen schriftlich festzuhalten oder sich
ner kurzfristigen Erkrankung konnte er für Videoaufnahmen zur Verfügung zu
an der Sitzung in München leider nicht stellen. Zudem werden Freiwillige ge-
teilnehmen, inzwischen ist er wieder ge- sucht, die ein Videogerät (Digicam) be-
sund. Otto Gliebe hat den fünften Band sitzen und bereit sind, Gespräche mit
der Presbyterialprotokolle der evange- Zeitzeugen auf Video (oder Audio) auf-
lischen Kirchengemeinde Brenndorf zuzeichnen. Der Aufbau eines eigenen
(1907-1914) bereits Ende letzten Jahres Archivs mit schriftlichen Erinnerungen
fertig gestellt. Darauf folgt nun Band VI und Videofilmen ist eine schwere und
Briefe aus Brenndorf 63/2007 9
langwierige Aufgabe, die der Vorstand hat der Vorstand der „Dorfgemeinschaft
in Angriff nehmen will. Professionelle der Brenndörfer“ auch eine Brenndörfe-
Vorarbeit auf dem Gebiet der Zeitzeu- rin als Zeitzeugin vorgeschlagen.
gen-Videos hat der aus Schäßburg stam- An der Sitzung in München beteiligten
mende Filmemacher Günter Czernetzky sich der Vorsitzende Siegbert Bruss, Kas-
geleistet. Zurzeit arbeitet er an dem Do- senwart Edmund Seimen, Schriftführerin
kumentarfilm „Wir wollen bleiben, was Heide Stamm-Kaul, die Verantwortliche
wir sind“, der die zum Teil dramatische für das Fotoarchiv, Uta Martini, der Fa-
Aussiedlungsgeschichte der Siebenbür- milienforscher Hugo Thiess sowie die
ger Sachsen und deren Neuansiedlung Jugendreferenten Norbert Thiess und
nach 1945 in Deutschland, Österreich und Gert Mechel.
Übersee aufzeigen wird. Für diesen Film Heide Kaul-Stamm
Zwei Angebote für junge Brenndörfer
Kostenloses Schnupperjahr für Jugendliche bis zu 27 Jahren
Rundbrief (Newsletter) wird gestartet
Seit dem 1. Januar 2006 fördert die „Dorf- für die „Dorfgemeinschaft der Brenndör-
gemeinschaft der Brenndörfer“ die Jugend- fer“.
arbeit mit einem jährlichen Betrag von 500 Die Mitgliedschaft in der SJD ist bis
Euro. Die Jugendreferenten Norbert Thiess zum 14. Lebensjahr für alle kostenlos.
und Gert Mechel haben in der Vorstandssit- Deshalb rufen wir alle unsere jüngsten
zung am 10. März in München aufgezeigt, Mitglieder auf, diese Chance wahrzu-
dass diese Förderung sinnvoll ist. Darüber nehmen!
hinaus schaffen wir zwei neue Förderinstru- Beitrittsformulare können bei Norbert
mente, um unsere jungen Leute stärker an Tiess und Gert Mechel angefordert oder
die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft im Internet heruntergeladen werden:
heranzuführen. [Link]
[Link].
Allen Jugendlichen der HOG Brenn- Prozedere: Das neue SJD-Mitglied füllt
dorf zwischen 14 und 27 Jahren schen- das Beitrittsformular (samt Einzugser-
ken wir eine einjährige Mitgliedschaft in mächtigung) selbst aus und sendet es an
der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in
in Deutschland (SJD), einschließlich mit Deutschland, Karlstraße 100, 80335 Mün-
Bezug der Siebenbürgischen Zeitung. Die chen. Die HOG erstattet ihm den Betrag
Kosten für die Mitgliedschaft, das sind für das erste Jahr. Danach muss das junge
25 Euro für Jugendliche in Ausbildung Mitglied den Jahresbeitrag selbst entrich-
bzw. 40 Euro für Berufstätige, werden von ten oder von den Eltern bezahlen lassen
der „Dorfgemeinschaft der Brenndör- oder die Mitgliedschaft spätestens vier
fer“ übernommen. In dem kostenlosen Wochen zum Jahresende kündigen.
Schnupperjahr lernen die Jugendlichen Durch ein zweites Instrument soll die
aus Brenndorf ihre Herkunft, Geschichte, Teilnahme junger Brenndörfer an SJD-
Heimat und gleichaltrige Siebenbürger Freizeiten, Seminaren, Skitreffen usw. ge-
Sachsen näher kennen. Das ist sicherlich fördert werden. Jeder Teilnehmer hat be-
ein Gewinn nicht nur für die jungen Leute kanntlich einen Eigenanteil an SJD-Veran-
selbst und ihre Familien, sondern auch staltungen zu tragen. Dieser Anteil wird
10 Briefe aus Brenndorf 63/2007
von der HOG Brenndorf bezahlt. Jedem se mitzuteilen. Schreibt uns an folgende
jungen Brenndörfer steht eine Förderung Anschrift: jugend@[Link]. Wir
dieser Art frei. Gefördert wird jeder Ju- nehmen euch in unseren Verteiler der
gendliche bis zum 27. Lebensjahr, der an Brenndörfer Jugend auf und informieren
einer SJD-Veranstaltung teilnimmt. euch in einem E-Mail-Rundbrief (News-
Um schneller und besser miteinander letter) regelmäßig über Veranstaltungen
kommunizieren zu können, bitten wir für Jugendliche und über Neuigkeiten
alle Jugendlichen und Junggebliebenen aus Brenndorf.
aus Brenndorf, uns ihre E-Mail-Adres- Norbert Thiess und Gert Mechel
Die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend
in Deutschland
Bundesjugendleiter Rainer Lehni stellt die Organisation vor
Die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend zeiten angeboten. Für neue Vorschläge ist
in Deutschland (SJD) ist die Jugendor- die Bundesjugendleitung offen.
ganisation der Landsmannschaft der Die SJD gliedert sich, ähnlich wie die
Siebenbürger Sachsen in Deutschland Landsmannschaft, auf Bundesebene so-
e.V. Gegründet wurde die SJD beim Ver- wie in Landes- und Kreisgruppen. Die
bandstag der Landsmannschaft im April Bundesjugendleitung, die alle drei Jahre
1986. Im Oktober 2006 feierte die SJD ihr beim Jungsachsentag gewählt wird, or-
20-jähriges Jubiläum. ganisiert die Veranstaltungen auf Bun-
Hauptaufgabe der SJD ist der Erhalt desebene. Die beiden wichtigsten Ver-
und die Pflege siebenbürgisch-sächsi- anstaltungen sind die Mitgestaltung des
scher Gemeinschaft und Tradition. Hier- Heimattages der Siebenbürger Sachsen
zu gehören gleichermaßen Brauchtum in Dinkelsbühl sowie der Volkstanzwett-
wie Landeskunde. Den größten und be- bewerb. Bei dem zu Pfingsten stattfin-
liebtesten Bereich bildet der Volkstanz. den Heimattag ist die Jugend nun schon
Daher werden regelmäßig Volkstanzse- seit bald drei Jahrzehnten aktiv in den
minare angeboten. Weitere Angebote in Programmablauf eingebunden. Zum Or-
diesem Bereich sind Seminare zu anderen ganisationsbereich der SJD gehören u.a.
Brauchtumselementen und Seminare, die die Volkstanzveranstaltungen, Sporttur-
sich mit der Geschichte der Siebenbürger niere (Fußball, Volleyball), Aufstellung
Sachsen und Siebenbürgens befassen. des Trachtenzuges und des Fackelzuges,
Sehr groß geschrieben wird in der SJD Organisation des Jugendzeltplatzes und
der Gemeinschaftsgedanke. Nur eine le- die Verleihung des Siebenbürgisch-
bendige siebenbürgisch-sächsische Ge- Sächsischen Jugendpreises. Der Volks-
meinschaft ist in Deutschland lebens- und tanzwettbewerb der SJD findet jeweils
überlebensfähig. Deshalb widmet sich die Ende Oktober statt und vereinigt die jun-
SJD der gemeinsamen Freizeitgestaltung. gen Tänzerinnen und Tänzer um die beste
So werden regelmäßig Tanzveranstaltun- siebenbürgisch-sächsische Tanzgruppe
gen, Tanzseminare zu verschiedenen Stil- zu küren. Dieser Wettbewerb erfreut sich
richtungen (Country, Irish Dancing, Salsa einer großen Beliebtheit und fand 2006
etc), Skitreffen, Zelt- und Hüttenwochen- zum fünfzehnten Mal statt.
enden, Kanutouren, Sportveranstaltun- Landesgruppen der SJD gibt es zurzeit
gen, Kletterwochenenden oder Segelfrei- in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen,
Briefe aus Brenndorf 63/2007 11
Nordrhein-Westfalen und Rheinland- Beitrag von mindestens 15 Euro als För-
Pfalz/Saarland. Die Landesjugendleitun- dermitglied der SJD weiterhin unterstüt-
gen koordinieren die Arbeit auf Landes- zen.
ebene und sind das Bindeglied zwischen SJD-Mitglieder erhalten persönliche
der Bundesebene und der Kreisebene. Die Einladungen zu den geplanten Veran-
Basis bilden auf Kreisebene die Jugend- staltungen, Preisermäßigungen bei den
und Tanzgruppen, derer es aktuell rund Teilnehmerbeiträgen, einen Mitgliedsaus-
60 in Deutschland gibt und die rund 1000 weis mit Lichtbild sowie als Verbands-
Personen umfassen. Die Jugend- und zeitung die „Siebenbürgische Zeitung“.
Tanzgruppen leisten wertvolle Arbeit an Weitere Informationen zur SJD findet
der Basis, über die junge Siebenbürger man im Internet unter
Sachsen in diese Gemeinschaft eingebun- [Link]/sjd
den werden. und per E-Mail unter der Adresse
Ein Verein oder eine Gemeinschaft ist sjd@[Link].
aber nur stark, wenn man sich hierzu „Siebenbürgisch-sächsische Jugend-
bekennt. Daher sind die eingetragenen arbeit erfordert Hinwendung zur Ge-
Vereinsmitglieder für einen Fortbestand meinschaft, Einsatzfreudigkeit und
eines Vereines die überlebensnotwendige Leistungsbereitschaft, einen kühlen
Basis. Durch die Mitgliedschaft in der SJD Kopf und sicher ein warmes Herz.“ Die-
sollen junge Leute von ihrer Geburt bis 27 ser Aussage des Ehrenvorsitzenden der
Jahren erreicht und damit neue Mitglieder Landsmannschaft, Dr. Wolfgang Bonfert,
gewonnen werden. SJD-Mitglieder sind kann man sich nur anschließen und der
laut Jugendordnung gleichzeitig ordent- Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen
liche Mitglieder der Landsmannschaft. in Deutschland eine aktive und erfolgrei-
Bei Überschreiten der Altersgrenze von che Zukunft wünschen, zu der wir alle
27 Jahren, werden diese zu „normalen“ beitragen können.
Mitgliedern der Landsmannschaft. Wer Rainer Lehni, Bundesjugendleiter
älter ist, kann die Jugendarbeit mit einem der SJD (ehemals Zeiden)
Termine 2007/2008 für die Jugend
25.-28. Mai 2007: Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl. Die Jugend
gestaltet zahlreiche Programmpunkte mit und feiert abends im Festzelt auf dem
„Schießwasen“.
16.-17. Juni: Latino-Fox-Seminar der SJD Baden-Württemberg in Creglingen
20. Oktober 2007: Siebenbürgisch-Sächsischer Volkstanzwettbewerb in Geretsried
mit Herbstball der SJD.
21. Oktober 2007: Jungsachsentag der SJD in Geretsried
23.-25. November 2007: Herbstseminar (geplantes Thema: Urzeln)
1.-2. Dezember 2007: Tanzseminar und Landesjugendtag der SJD Nordrhein-
Westfalen
Im Winter 2007/2008 wird das sechste Skitreffen der SJD stattfinden.
Am 5. oder 12. April 2008 findet das fünfte Burzenländer Jugendtreffen mit Fuß-
ballturnier in Möglingen bei Stuttgart statt.
Im Sommer 2008 ist eine Segelfreizeit auf dem Ijsselmeer in Holland und ein
Schießsportseminar geplant.
12 Briefe aus Brenndorf 63/2007
Faschingsfeier in Neuhaus
Am 10. Februar 2007 war es soweit. Das Nach kurzem Anstoßen mit Bier und
Faschingstreffen der Brenndörfer Jugend- Schnaps zum Einstimmen ging das Tan-
und Junggebliebenen fand wieder in Neu- zen und Feiern richtig los. So tanzten wir
haus bei Crailsheim statt. Am Nachmittag und unterhielten uns über alte und neue
trafen nach und nach 33 Teilnehmer im Zeiten und machten viele Fotos. Nach
Gasthof Neuhaus ein, die gemeinsam mit einer Pause, um mal durchzuschnaufen
viel Spaß den Saal schmückten. Gleichzei- und neue Kräfte beim Abendessen zu
tig brachte unser DJ Benno Wagner – nach sammeln, ging die Party weiter und DJ
leichten Startschwierigkeiten – die Mu- Benno heizte uns mit tollen Rhythmen
sikanlage in den richtigen Klang. Dann richtig ein. Da er dann wegfahren muss-
waren mal alle kurz verschwunden, um te, um seine Tochter ins Bett zu bringen,
sich zu verkleiden, es ging ja schließlich übergab er mir den Posten als DJ und zu-
um ein Freigetränk. sammen mit Hugo und Wolfram sorgten
Als dann die Bedienung mit der ersten wir für den richtigen Sound.
Ladung Bier kam, war sie wohl von dem Zu später Stunde begaben wir uns in
schön geschmückten Saal so überrascht, unsere Zimmer und trafen bereits um 8.30
dass sie dabei die Hälfte verschüttete. Da- Uhr wieder zum Frühstück ein. Noch et-
nach hat aber alles super geklappt, und was müde ließen wir den schönen Abend
die Preise sind auch dieses Jahr günstig noch einmal Revue passieren und sahen
geblieben. uns gemeinsam die Schnappschüsse an,
Gute Stimmung herrschte bei der Brenndörfer Faschingsfeier, die schon zum zweiten Mal im Gasthaus „Neuhaus“
bei Crailsheim stattfand.
Briefe aus Brenndorf 63/2007 13
die wir während der stimmungsvollen zu nehmen. Wir taten das und verspra-
Faschingsfeier gemacht hatten. chen, nächstes Jahr mindestens wieder so
Dann wurde es Zeit, den Saal abzu- zahlreich Fasching zu feiern.
schmücken und voneinander Abschied Horst Hergetz
Skitreffen der Brenndörfer Jugend
Freitag, den 5. Januar 2007 Kuchen verwöhnt und das Feiern geht
Deutschland: um diese Jahreszeit gibt zu späterer Stunde weiter, als unsere ge-
es normalerweise zumindest vage Anzei- samte Gruppe zu einem 40. Geburtstag
chen von Winter mit dezenten, wenn auch eines anderen Gastes in der Jugendher-
geringen Schneemengen am Wegesrand. berge eingeladen wird.
In diesem Jahr ist jedoch weit und breit
keine Spur davon zu sehen. Österreich: Samstag, den 6. Januar 2007
die Wetterprognosen hierfür sind auch Die Entscheidung hinsichtlich des Ski-
nicht viel besser. Nichtsdestotrotz ma- gebietes fällt heute nach langem Hin und
chen sich die Teilnehmer des diesjährigen Her und in Anbetracht des leichten Re-
Brenndörfer Skitreffens frohen Mutes auf gens für Obertauern. Obwohl das Gebiet
den Weg in das österreichische Salzkam- 80 km von Bad Goisern entfernt liegt, ist
mergut. aufgrund seiner Höhe von 1 740 m bis
Die Anreise erfolgt auf eigene Faust. 2 526 m Schnee garantiert. Im Skigebiet
Zehn der 14 Teilnehmer treffen bereits am angekommen ist jegliche Skepsis verflo-
Vormittag in Bad Goisern ein und testen gen. Alle sind von den einwandfreien
schon mal die Gegebenheiten der Piste Wetter- und Pistenbedingungen begeis-
in der näheren Umgebung, eine Nach- tert, und wir fühlen uns für die längere
züglergruppe von vier Personen trifft am Anfahrt belohnt.
frühen Nachmittag ein. Am Abend trifft man sich – wie am
Das Bild bei der Ankunft: statt eines Vorabend – in einem benachbarten Gast-
schneebedeckten Parkplatzes und riesen- hof zu einem leckeren Abendessen und
großen Eiszapfen an der bereits aus vor- sitzen anschließend traditionsgemäß im
gehenden Berichten bekannten „Mörtel- Aufenthaltsraum der Herberge gemütlich
mühle“ steigen wir aus den Autos direkt beisammen.
in meterlange Pfützen. Hmm! Zweifelnde
Gesichtsausdrücke, aber „die Hoffnung Sonntag, den 7. Januar 2007
stirbt zuletzt“. Die Wetteraussichten haben sich im
Für uns Nachzügler lohnt sich das Ski- Vergleich zum Vortag verschlechtert. Ei-
fahren an diesem Tag nicht mehr, also nige Teilnehmer wollen ihr Glück zwar
warten wir gespannt in unserer Jugend- noch versuchen, aber andere zieht es doch
herberge, die immer noch von der aus Sie- langsam wieder nach Hause zurück.
benbürgen stammenden Hanna gepach- Auch wenn das Wetter nicht so optimal
tet wird, auf die Rückkehr der Skifahrer. war, hat es der Stimmung keinen Abbruch
Das Fazit ist recht unentschieden. Das getan. Es war insgesamt wieder ein ge-
Skifahren war zwar möglich, der Schnee lungenes Treffen, für dessen Organisation
jedoch recht sulzig. wir an dieser Stelle Norbert Thiess und
Anlässlich des Geburtstags unseres Gert Mechel herzlich danken. Nächstes
jüngsten Skifahrers Julian Konnerth wer- Jahr kommen wir gerne wieder!
den wir am frühen Abend mit Kaffee und Bettina Zibracky
14 Briefe aus Brenndorf 63/2007
Nachrichten aus Brenndorf
Renovierung des Pfarrhauses gung des Bauplanes zügig vonstatten
Die Arbeiten an der Sommerküche des gehen können.
Pfarrhauses wurden schon im letzten Jahr Die Weihnachtsfeier 2006 fand zum
abgeschlossen. Außenputz und Maler- ersten Mal im Aufenthaltsraum der Som-
arbeiten werden erst dann in Angriff merküche statt. Es gab Kaffee, Kuchen,
genommen, wenn die anderen Arbeiten Salziges und jede Menge Getränke. Die
am Haus beendet sein werden. Im Backo- Anwesenden sangen gemeinsam mehrere
fen wird inzwischen fleißig Baumstriezel Weihnachtslieder, zudem erklang Weih-
gebacken. Die „Kunst“ des Baumstriezel- nachtsmusik aus der Stereoanlage. Der
backens, in die mich die Frauen aus dem Vizebürgermeister war auch dabei. Zum
Erholungsheim in Wolkendorf eingeführt Schluss wurden die von der „Dorfge-
haben, konnte ich schon zweimal aus- meinschaft der Brenndörfer“ gestifteten
probieren: an meinem Geburtstag und Päckchen verteilt, die wieder Manfred
einmal bin ich einer Bestellung von 20 Copony für die Mitglieder der Kirchen-
Stück nachgekommen. gemeinde Brenndorf zusammengestellt
Die Genehmigungen für den Bauplan hatte.
(der vier Gästezimmer) stehen noch aus. Im Aufenthaltsraum, in dem sich ein
Sieben Behörden müssen ihr Amen dazu schöner Gussofen befindet und die Möbel
geben, bevor die Arbeiten beginnen kön- mit traditionellen Motiven geschmückt
nen. Die Zimmer habe ich schon geleert sind, können auf Anfrage kleinere Feiern
und bereite sie zum Verputzen vor. So (bis zu 25 Personen) veranstaltet werden.
treffe ich kleine Vorbereitungen, damit Interessenten mögen sich bei Manfred
die Hauptarbeiten nach der Genehmi- Copony melden.
Die Weihnachtsfeier fand 2006 erstmals im Aufenthaltsraum der Sommerküche im Pfarrhaus statt.
Briefe aus Brenndorf 63/2007 15
Eigentumsrückgabe verzögert Tagesordnung. Eine offizielle Einrichtung
Die politische Gemeinde Brenndorf (nicht das jeweilige Bürgermeisteramt)
zeigt Interesse an der Schule, die Eigen- kümmert sich um die Bäume. Pfarrer
tum der Evangelischen Kirchengemeinde Peter Klein hatte versucht, die Linden
war und durch die Kommunisten ent- aus dem Ortskern in Petersberg zu ret-
eignet wurde. Den Anträgen der evan- ten. Trotzdem wurden die Äste an allen
gelischen Kirchengemeinde Brenndorf abgesägt. In Brenndorf wurden Mitte Fe-
auf Eigentumsrückgabe haben die rumä- bruar 2007 zwei Pappeln auf dem Schul-
nischen Behörden noch in keiner Wei- hof gefällt. Die Maßnahme war insofern
se stattgegeben. Es wurden noch keine gerechtfertigt, als die Bäume alt waren
Immobilien zurückgegeben. Der Peters- und angesichts der starken Stürme eine
berger Pfarrer Peter Klein, der auch für Gefahr für die Schulkinder darstellten.
Brenndorf zuständig ist, bemüht sich um An der Linde, die mitten im Schulhof
eine einvernehmliche Lösung zwecks steht, wurden die Äste abgesägt.
Rückgabe der Schule und anderer Im-
mobilien. Auch Ackerland (Wiese) müss- Gottesdienste und Friedhof
te der evangelischen Kirchengemeinde Einen so einen milden Winter habe
Brenndorf erstattet werden. ich in Brenndorf noch nie erlebt. Anfang
März sah man schon, wie Tulpen und
Fasching in Petersberg Narzissen sprießen, von Schneeglöckchen
Der Gemeindesaal in Petersberg erwies ganz zu schweigen.
sich am Sonntag, dem 18. Februar 2007, Gottesdienste finden in Brenndorf an
fast zu klein, für den Ansturm beim zwei- jedem letzten Sonntag im Monat statt.
ten Burzenländer Fasching. Mehr als 200 Nach dem Gottesdienst am Ostermontag
Personen, die meisten maskiert, waren saßen wir wieder ein bisschen bei Kaffee
aus Petersberg, Zeiden, Heldsdorf und und Kuchen im Pfarrhaus in Brenndorf
Kronstadt dabei. Aus Brenndorf betei- beisammen.
ligten sich Kuratorin Rosi Rusu, Manfred Am Friedhof arbeiten wir schon fleißig.
Copony und Familie Ernst Schuster. Emi- Es wird immer schwerer, die Abfälle los-
lia Schuster junior war mit ihren drei Kin- zuwerden, da man sie nicht mehr überall
dern und ihrem Mann anwesend. Unter lagern darf. Deshalb wäre die Anschaf-
den Klängen der Petersberger Blasmusik fung eines Häckslers sehr sinnvoll, um die
marschierten die Maskierten in den Saal. Äste und Zweige auf nützliche Weise zu
Emilia war gemeinsam mit den Chormit- entsorgen. Ein Komposthaufen wäre auch
gliedern der drei Gemeinden und Pfarrer nicht schlecht. Allerdings ist die Menta-
Dr. Peter Klein als Pioniergruppe mas- lität der Leute hierzulande noch nicht so
kiert, die den ersten Platz absahnte. Alle fortschrittlich, man ist noch nicht auf die
Kinder erhielten einen Preis. Neben dem Trennung der Abfälle eingestellt.
bunten Faschingstreiben wurden auch Auch am alten Friedhof und rund um
Chorgesang und Volkstänze geboten. die Kirche werden wir die Sträucher
Es traten auf: der Jugend-Bachchor aus entfernen. Nach Renovierungsarbeiten
Kronstadt sowie der Kirchenchor und die im Rathaus liegt nun wieder ein Haufen
Volkstanzgruppe aus Zeiden. Schutt am Kirchhof. Das Bürgermeister-
Dass Bäume gefällt oder Äste von al- amt tut sich wieder mal schwer, ihn zu
ten Linden abgesägt werden, ist nun fast entfernen.
in jeder Burzenländer Gemeinde auf der Manfred Copony
16 Briefe aus Brenndorf 63/2007
Brenndörfer Treffen 2007 in Garching
Zu einem Regionaltreffen laden Laura Kontonummer 90189176
und Hans Darabas alle Brenndörfer in Kreissparkasse München/Starnberg
Bayern, Österreich, aber auch in allen an- Bankleitzahl 702 501 50.
deren Regionen für Samstag, den 13. Ok- Übernachtungen können direkt beim
tober 2007, ab 14.00 Uhr, in die Gaststätte „Neuwirt“ gebucht werden unter Tele-
„Zum Neuwirt“, Münchner Straße 10, in fon: (089) 3 29 12 58, Fax: (089) 3 26 18 75.
85748 Garching bei München ein. Essen E-Mail: Gasthof-Neuwirt@[Link].
und Getränke, Kuchen und Kaffee kön- Wegweiser – NEU – für alle Nicht-
nen im Lokal bestellt werden. Für Musik Autofahrer: Die U-Bahn U 6, Richtung
zum Tanz und zur Unterhaltung sorgt Forschungsgelände TUM, fährt jetzt bis
unsere Brenndörfer Blaskapelle. Garching. Die Haltestelle befindet sich in
Wir hoffen auf ein zahlreiches Erschei- Garching am Maibaum oder am Spring-
nen und bitten um schriftliche oder telefo- brunnen, direkt vor dem „Neuwirt“.
nische Anmeldung bis zum 15. Septem- Für Autofahrer: Garching liegt an der
ber 2007 bei Laura und Hans Darabas, Bundesstraße B 11, die parallel zur Au-
Römerhofweg 51 b, 85748 Garching, Te- tobahn A 9 München-Nürnberg verläuft
lefon: (089) 3 26 19 36, privat abends, oder (Ausfahrt „Garching Süd“ oder „Gar-
Telefon: (0 89) 2 8 91 23 80, bis 16.30 Uhr, ching Nord“). Kostenlose Parkplätze fin-
E-Mail: ldarabas@[Link]. Bitte über- det man vor dem Bürgerplatz Garching
weisen Sie den Beitrag von 5 Euro/Er- und der Post. Die Tiefgarage am Bürger-
wachsene, 3 Euro/Jugendliche auf folgen- platz ist hingegen gebührenpflichtig.
des Konto: Hans Darabas Laura und Hans Darabas
Eine Heimatstube richtet zurzeit Manfred Copony im Pfarrhaus in Brenndorf ein. Er bittet um Mithilfe, um das
siebenbürgisch-sächsische Leben in Brenndorf möglichst umfassend zu dokumentieren.
Briefe aus Brenndorf 63/2007 17
Das Burzenland baut Führungsposition aus
Heimatortsgemeinschaften wählten neuen Vorstand der
HOG-Regionalgruppe
Die HOG-Regionalgruppe Burzenland hat den politischen Vertretern der Gemein-
durch einen Führungswechsel gute Voraus- den bzw. des Kreises Kronstadt aufzu-
setzungen geschaffen, um die Position des bauen.
Burzenlandes unter den anderen siebenbür- Karl-Heinz Brenndörfer, geboren 1944
gisch-sächsischen Heimatortsgemeinschaften in Heldsdorf, ist als Meister für Rege-
auszubauen. An der 24. Arbeitstagung lungstechnik im Kraftwerksbau im Groß-
vom 20. bis 22. April 2007 in Neuhaus bei raum Stuttgart tätig. Ehrenamtlich ist er
Crailsheim beteiligten sich 38 Nachbarväter seit 1992 als Vorsitzender der Heimatge-
und Ortsvertreter von 15 der insgesamt 16 meinschaft Heldsdorf und als Heraus-
Burzenländer Heimatortsgemeinschaften. geber der Zeitschrift „Wir Heldsdörfer“
Regionalgruppenleiter Volkmar Kraus sowie seit November 2005 als stellver-
stellte sich nach zwölfjähriger Amtszeit tretender Vorsitzender des Verbandes
nicht mehr zur Wahl. Er selbst habe sich der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimat-
als „Sprecher“ unterschiedlicher Initiati- ortsgemeinschaften e. V. engagiert. Auf-
ven gesehen, die von den HOG-Vertretern grund intensiver Forschungen hat er
eingebracht wurden, erklärte Kraus in eine Kurzchronik über Heldsdorf, eine
seinem Tätigkeitsbericht. Höhepunkte Dokumentation über den bewaffneten
der letzten Jahre waren die Mitgestaltung antikommunistischen Widerstand in Ru-
der Heimattage 1998 und 2003 (gemein- mänien und erst kürzlich ein Buch über
sam mit dem HOG-Verband) in Dinkels- Kriminalfälle im Burzenland verfasst.
bühl, das Mitwirken im HOG-Verband, Udo Buhn, geboren 1950 in Zeiden, war
der 2005 eine neue Vereinsstruktur und seit 1983 Beisitzer der Zeidner Nachbar-
Satzung verabschiedete, und die Burzen- schaft, rückte dann zum Stellvertretenden
land-Reise im letzten Jahr. Kraus habe Nachbarvater auf und ist seit 2003 Nach-
das Burzenland nach „vorne gebracht“, barvater. Beruflich ist er als Gruppenlei-
stellten mehrere HOG-Vorsitzende aner- ter der Zeichnerei/Unterlagenerstellung
kennend fest. sowie des Qualitätswesens in einem
Neuer Regionalgruppenleiter ist Karl- mittelständigen Betrieb in Geretsried
Heinz Brenndörfer, Vorsitzender der tätig. Kassenwartin der Regionalgruppe
Heimatgemeinschaft Heldsdorf, sein Burzenland ist seit 1998 Krimhild Bon-
Stellvertreter Udo Buhn (Zeiden). Rose fert, geborene Teutsch, geboren 1949 in
Chrestels (Neustadt) wurde als Schrift- Schirkanyen. Bis zu ihrer Aussiedlung
führerin und Krimhild Bonfert (Schirka- war sie Lehrerin in Heltau. In Deutsch-
nyen) als Kassenwartin wieder gewählt. land wirkt sie als kaufmännische An-
Rechnungsprüfer sind Anton Madlo (Ho- gestellte und seit 1986 ehrenamtlich als
nigberg) und Harald Zegly (Nußbach), Vorsitzende der HOG Schirkanyen. Ro-
Ersatzrechnungsprüfer ist Klaus Balthes semarie Chrestels ist seit 1999 als Schrift-
(Rosenau). Die Vorstandsmitglieder ver- führerin für die sehr gute Qualität der
fügen über eine langjährige HOG-Erfah- Protokollhefte der Burzenländer Regio-
rung und wollen die erreichte Position nalgruppe zuständig.
des Burzenlandes weiter ausbauen. Es Aus den Berichten der Nachbarväter
wurde angeregt, einen Dialog auch zu und -mütter war zu entnehmen, dass
18 Briefe aus Brenndorf 63/2007
die Heimatortsgemeinschaften nach Erfreulich ist, dass nach dreijähriger
wie vor ein reges Kultur- und Vereins- Pause am 5. oder 12. April 2008 ein
leben in Deutschland entfalten, Treffen Burzenländer Jugendtreffen mit Fußball-
organisieren, Heimatblätter herausge- turnier, das fünfte dieser Art, wieder in
ben und ihre in Siebenbürgen lebenden Möglingen bei Stuttgart stattfinden wird.
Landsleute nach Kräften unterstützen. Organisatorische Details werden die Ju-
Bei einer Reise in das Burzenland vom gendvertreter im Herbst 2007 besprechen.
5.-14. Mai 2006 führten die Ortsvertreter Seine Erfahrung bei der Organisation von
aus Deutschland einen offenen Gedan- Großveranstaltungen wird Rainer Lehni,
kenaustausch mit den Vertretern der Kir- Bundesjugendleiter der Siebenbürgisch-
chengemeinden und der Kirchenführung Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD)
an der Spitze mit Bischof D. Dr. Christoph und stellvertretender Vorsitzender der
Klein und informierten sich vor Ort über HOG Zeiden, abermals einbringen.
die Lage im Burzenland. Die Reise kam Die meisten HOGs organisieren jähr-
auf Anregung von Altdechant Klaus Da- lich ein bis zwei Jugendtreffen.
niel zustande, der die Besucher bestens Der Burzenländer Kalender 2008 wird
betreute. typische Straßenzeilen aus den Gemein-
Die Heimatortsgemeinschaften versu- den und Städten des Burzenlandes the-
chen, die Nöte der in der Heimat leben- matisieren. Die Aquarelle werden von
den Sachsen zu begreifen und sich für sie Sylvia Buhn gemalt.
stark zu machen. So werden Kirchen und Die HOG-Regionalgruppe wird 2007/
andere Gemeinschaftsbauten renoviert, 2008 Gernot Nussbächers Aufsatzsamm-
dafür um Spenden unter den eigenen lung über Chroniken und Urkunden der
Mitgliedern und Sponsoren geworben, Burzenländer Gemeinden gemeinsam
Friedhöfe gepflegt sowie Weihnachts- mit dem Siebenbürgen-Institut in Gun-
pakete und andere Hilfen organisiert. delsheim herausgeben.
Auch Orgeln, Kirchenuhren und -glocken In der Runde in Neuhaus wurden drei
gehören zu den Aufgaben, denen sich neue Vorsitzende: Hermann Junesch
die HOGs fallweise annehmen. Michael (Tartlau), Helfried Götz (Neustadt) und
Brenndörfer (HOG Bartholomä) berich- Klaus Oyntzen (Weidenbach) herzlich
tete über einen Glockenschaden in Kron- begrüßt. In vielen Heimatortsgemein-
stadt-Bartholomä und regte ein Projekt schaften wurde in den letzten Jahren ein
an, um auch andere Kirchenglocken auf Generationswechsel vollzogen. Vor allem
Ermüdungsschäden zu untersuchen. die Mitte Vierziger übernehmen dabei
Einen Dokumentarfilm über die Burzen- zunehmend Verantwortung, obwohl sie
land-Reise 2006 wird der siebenbürgische auch durch Beruf und Familie stark bean-
Filmemacher Günter Czernetzky erstel- sprucht werden. Die erfolgreiche Tagung
len. Eine erste Fassung des Filmes will der verlief wieder in freundschaftlicher At-
Schäßburger bei der HOG-Versammlung mosphäre und ermöglichte einen guten
vom 19.-21. Oktober 2007 in Bad Kissin- Erfahrungsaustausch. „Amtssprache“ ist
gen präsentieren. Der 60 Minuten lange Sächsisch und die Diskussionsfreudigkeit
Film wird zum gegebenen Zeitpunkt zum der Burzenländer ungebrochen.
Subskriptionspreis ausgeschrieben. Die Brenndorf war in Neuhaus durch Otto
HOG-Regionalgruppe wird die letztjäh- Gliebe, Siegbert Bruss und Hugo Thiess
rige Delegationsreise zudem in einem vertreten. Die 25. Arbeitstagung ist für
ausführlichen Protokollheft und auf einer 18.-20. April 2008 geplant.
Foto-CD dokumentieren. Siegbert Bruss
Briefe aus Brenndorf 63/2007 19
Nachruf auf Hans Hermannstädter
Geschätzter Schulrat und Landeskirchenkurator
in der Großgemeinde Brenndorf, wo er
bald auch die Funktion des Schulrektors
innehatte. In diese Zeit fällt auch seine
Eheschließung. Seine in Brenndorf ge-
gründete Familie war sein Leben lang
„Heimat und Kraftquell“ für seine außer-
gewöhnliche Lebensleistung. Eine Zeit
lang wirkte er auch in seiner Heimatge-
meinde Neustadt als Lehrer, aber seine
außergewöhnliche Leistung erbrachte er
später in führenden Positionen.
Das Schulamt des Kreises Kronstadt
(anschließend „Rayon Zeiden“) fand in
ihm den richtigen, beruflich fähigen und
einsatzbereiten Mann für die Neu- und
Umorganisierung des deutschen Schul-
betriebs in den Burzenländer, Repser und
Fogarascher Gemeinden, und das in den
schwierigen Nachkriegsjahren.
Gelegentlich der neuen administrativ-
territorialen Aufteilung des Landes (1958/
59) wurde der Rayon Zeiden aufgelöst,
Am 30. Dezember letzten Jahres starb in und für Hans Hermannstädter folgte
Augsburg Hans Hermannstädter, ein Lehrer ein neuer, wichtiger Lebensabschnitt. Er
und Erzieher aus Leidenschaft, der geschätzte wurde als Lektor zum Interregionalen
Schulrat und Landeskirchenkurator der Evan- Fortbildungsinstitut für die Lehrer der
gelischen Kirche A.B. Siebenbürgen. Regionen Kronstadt, Hermannstadt und
1918 im burzenländischen Neustadt Neumarkt (IPCD, später IIPCD) berufen.
geboren, setzte er die Tradition seiner Nach der Verrentung in diesem Institut
Familie fort, die schon seit Generationen folgte er dem Ruf unserer Kirche und
Lehrer hervorgebracht hatte, indem er das erfüllte seine letzte große Aufgabe als
Evangelische Landeskirchliche Lehrer- Landeskirchenkurator der Evangelischen
seminar in Hermannstadt besuchte und Kirche A.B. mit Sitz in Hermannstadt mit
sich dem Lehrerberuf widmete. In die- Hingabe.
ser Fach- und Gesinnungsanstalt wurden Als er 1952 nach Kriegsteilnahme und
dem angehenden Lehrer – so der verstor- Deportation die verantwortungsvolle
bene Sachsenbischof Albert Klein – „jene und schwierige Aufgabe des Schulrates
Maßstäbe christlicher Lebensführung und übernahm, wurde er besonders für un-
beruflicher Pflichterfüllung eingepflanzt, sere jungen deutschen Lehrer zum väter-
die auf den Dienst am Menschen und der lichen, erfahrenen Berater, dem es stets
Gemeinschaft ausgerichtet waren“. um die berufliche Weiterbildung ging.
Seine berufliche Laufbahn begann Er war bemüht, in unseren Schulen neue
Hans Hermannstädter als junger Lehrer Klassenzüge aufzubauen und operativ,
20 Briefe aus Brenndorf 63/2007
ohne lang dauernde Formalitäten jun- aus seiner Selbsteinschätzung in einem
ge Lehrer einzustellen. Diesen konnte er Gebet an seinen Herrgott wahr, das er in
ein achahmenswertes Beispiel sein. Seine den letzten Lebensjahren aufgeschrieben
Haltung vermittelte Nähe und Interesse hat: „Du hast mir Pflichten auferlegt, die
am Menschen; mit Humor und Gelas- Bessere als ich hätten auf sich nehmen
senheit bewältigte er auch schwierigste sollen, und hast mich reichlich erfahren
Situationen. Und diese seine Lebensfüh- lassen, wie arm an Frucht oft mensch-
rung vermittelte auch seinen Lehrern Le- liches Arbeiten sein kann und wie be-
bensmut und eine positive, kämpferische scheiden der Ertrag eines ganzen Lebens.
Lebenshaltung. Und dennoch danke ich Dir dafür, dass
Trotz aller sozial-politischen Widrig- durch alle Wandlungen und Umbrüche
keiten und Hindernisse hat er sich weder der Zeit hindurch mein Leben einen gera-
von den hehren Zielen eines aufrechten den Gang hat gehen dürfen. Erkenntnisse
Schulmannes abbringen, noch von Ver- und Urteile haben sich gewandelt, aber
suchungen verbiegen lassen. Auf diese die Linie des Lebens ist dieselbe geblie-
Weise gestaltete sich sein Leben beispiel- ben von der Jugend bis ins Alter.“
haft in der Pflichterfüllung im „Dienst am Wir wollen sein Andenken in Ehren
Menschen und an der Gemeinschaft“. bewahren.
Tief beeindruckt nehmen wir die Worte Johann Unberath
Band VI der Presbyterialprotokolle
Kurz vor Ostern hat Otto Gliebe den rund seiner vielseitigen Talente wurde er von
400 Seiten umfassenden Band VI der „Pres- seiner Kirchengemeinde sehr verehrt.
byterialprotokolle der evangelischen Kirchen- – Der Einfall Rumäniens in Siebenbür-
gemeinde Brenndorf“ (1915 – 1924) fertig gen, die Flucht der Siebenbürger Sach-
gestellt, der zusammen mit Band V (1907- sen, die Plünderungen der leer stehenden
1914) noch vor Pfingsten auf einer CD-ROM Häuser durch rumänische Soldaten und
erscheinen wird. Die CD kann sowohl über die einheimischen Rumänen. Es wurden
die „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ als viel Hausrat, Pferde, Vieh, Schweine,
auch über den Arbeitskreis für Siebenbür- Getreide, Holz usw. geraubt. Der festge-
gische Landeskunde bestellt werden. stellte Schaden betrug über 2,7 Millionen
Das Leben in der Kirchengemeinde ungarische Kronen.
Brenndorf wurde in diesen Jahren von – Die Abgabe der Kirchenglocken zu
folgenden Ereignissen und Personen ge- Kriegszwecken. Brenndorf musste die
prägt: drei großen Glocken vom Kirchturm,
– Das frühzeitige Ableben von Pfarrer mit einem Gesamtgewicht von 991 Kilo-
Michael Semp, der nach kaum dreijäh- gramm, abgeben.
riger Tätigkeit, vom 26. November 1912 – Umbau der „alten Schule“ neben
bis 8. Januar 1916, nach kurzer schwerer dem Pfarrhaus in eine Lehrerwohnung.
Krankheit in Brenndorf verstarb. Sie wurde erstmals von Prediger-Lehrer
– Pfarrer Johann Lienert, aus Draas Georg Schobel bezogen und heißt seither
kommend, wurde am 7. März 1916 als der Predigerhof.
neuer Pfarrer nach Brenndorf gewählt. – Die neue Staatsform (Siebenbürgen
Dank seines sozialen, kreativen und kul- gehört nunmehr zu Rumänien) wird all-
turellen Wirkens in der Gemeinde und mählich in den Schulbetrieb eingeführt,
Briefe aus Brenndorf 63/2007 21
mit ihr auch der Unterricht in rumä- – 4. Lehrer Johann Schmidt wird als
nischer Sprache. neuer Rektor gewählt.
– Die ungarischen Kronen werden – Michael Fleps (Langenthal) wird 4.
durch die rumänische Währung, den Lehrer an der Volksschule in Brenndorf.
Leu, ersetzt und im Verhältnis 1 zu 1 – Lehrer Johann Zakel darf aus diszipli-
verrechnet. narischen Gründen (wiederholte Wirts-
– Bodenreform (den Kirchen-, Pfarrer-, hausgeschichten), laut Verfügung des
Prediger- und Lehrergrund betreffend). Bezirkskonsistoriums, nicht mehr an der
– Anschaffung der neuen Kirchenglo- Volksschule in Brenndorf unterrichten.
cken aus Apolda/Thüringen und deren – Pfarrer von Brenndorf ist nach wie
Übernahme durch Pfarrer Lienert. vor Johann Lienert, Kurator ist weiterhin
– Eine Gedenktafel für die gefallenen Georg Rhein, Richter (Bürgermeister) von
Helden des 1. Weltkrieges wird errichtet. Brenndorf ist Samuel Dworschak und
– Rektor Michael Graef geht nach 40- Schriftführer des Presbyteriums Lehrer
jähriger Tätigkeit in den wohlverdienten Albert Stamm.
Ruhestand. Otto F. Gliebe
22 Briefe aus Brenndorf 63/2007
Erna Magyari: „Unser Land ist im Aufbruch”
Rumänien ist neues Mitglied der Europäischen Union
Rumänien ist seit dem 1. Januar 2007 EU-Neuling Rumänien widmen sich viele
Mitglied der Europäischen Union. Durch Publikationen. So zitieren die Salzburger
dieses Ereignis von historischer Tragwei- Nachrichten vom 30. Dezember 2006 die
te rücken auch die Siebenbürger Sachsen Brenndörferin Erna Magyari.
näher. Rumänien, Deutschland und Ös- Erna Magyari beschreibt Rumänien im
terreich, wo viele unserer Landsleute in Vergleich zu Österreich: „Es ist wie das
geographischer Zerstreuung leben, gehö- Leben bei uns vor 40 Jahren. So ist es dort
ren nunmehr zu einem wirtschaftlichen, jetzt noch – weil nichts gemacht wurde.“
politischen und rechtlichen Raum. Dem Zwei bis drei Mal pro Jahr fährt sie nach
26 Briefe aus Brenndorf 63/2007
Siebenbürgen hinunter, um „in kleinem, meine Heimat in Siebenbürgen habe ich
privatem Rahmen zu helfen“. Die Salz- aber auch viel übrig.’“
burger Nachrichten berichten weiter: Ergänzend zum Bericht der Salzburger
„Nach Salzburg kam Erna Magyari Nachrichten sei darauf hingewiesen, dass
gemeinsam mit ihrem Mann und den Erna Magyari, geborene Tontsch, aus der
beiden damals noch kleinen Kindern Mühlgasse, Nr. 112, stammt, in Brenndorf
im Jahr 1965. Geboren wurde sie 1931 in die Volksschule besuchte und zunächst in
Brenndorf in der Nähe von Kronstadt. der Landswirtschaft arbeitete. Später ging
Kommt man auf Siebenbürgen zu spre- sie nach Buşteni, heiratete 1953 Ludwig
chen, schwärmt die 75-Jährige von der Magyari und bekam zwei Kinder. 1965
Landschaft, den Schlössern und typisch kamen sie nach Salzburg, wo ihr Vater
sächsischen Kirchenburgen in der Region nach seiner Heimkehr aus der Deporta-
am westlichen Karpartenbogen. Sie sieht tion lebte und wo sich auch ihre Mutter
Rumänien als ‚Land im Aufbruch’. Auch und ihre beiden Brüder Anfang der sech-
wenn sie um die materiellen Ängste der ziger Jahre, im Rahmen der Familienzu-
vielen Kleinbauern weiß: Dass es keine sammenführung, angesiedelt hatten.
Arbeitsplätze gebe, sei das schlimmste Mit Brenndorf fühlt sich Erna Magya-
Problem. Auch die Pensionen seien sehr ri eng verbunden. Unterstützt von ihrer
niedrig, ‚bei Preisen fast wie bei uns’. Mutter und der ganzen Familie, hat sie
Sich selbst bezeichnet Erna Magyari als drei Trachtenpuppen angefertigt, die auch
‚ein bisschen gespalten’: ‚Ich bin mit Leib bei verschiedenen Treffen unserer „Dorf-
und Seele Österreicherin geworden – für gemeinschaft“ ausgestellt wurden.
Der Pfefferminzanbau im Burzenland
Öldestillerie in Brenndorf war eine der größten in Europa
Der Übergang von der extensiven Be- land ab 1889, dem Gründungsjahr der
wirtschaftung des Bodens nach dem ver- Brenndorfer Zuckerfabrik, durch den
alteten System der Dreifelderwirtschaft Anbau der Zuckerrübe. Zunächst auf
zu einer intensiven, neuzeitlichen Land- kleineren Flächen angebaut, wuchs die
wirtschaft, vollzog sich im Burzenland am Anbaufläche bedingt durch die guten Er-
Ende des 19. Jahrhunderts. Der jahrhun- träge zusehends und so begannen sich
dertealte Flur- und Fruchtzwang hatte die die dem Fortschritt aufgeschlossenen
Entwicklung dieses Wirtschaftszweiges Burzenländer Bauern neben den altherge-
lange gehemmt und das Anwachsen der brachten Kulturen auch mit dem Anbau
Erträge je Flächeneinheit verhindert. Eine von neuen, schwierigen Kulturpflanzen
entscheidende Voraussetzung für die nach zu befreunden. Es bedurfte keiner be-
der Jahrhundertwende rasch einsetzende sonderen Mühe seitens der Kronstädter
Entwicklung der Landwirtschaft war die „Frankkaffeefabrik“, 1920 den Anbau
Zusammenlegung der verstreuten Feld- der Zichorie in Weidenbach in die Wege
stücke (Kommassation). Es begann die zu leiten und schon wenige Jahre spä-
Bebauung der Brache mit Futterpflanzen ter – 1924 – begann unter der Anleitung
und die Hackfrüchte gewannen, gegen- der Kronstädter „Chlorodontfabrik“ der
über den Getreidearten, immer mehr an Anbau der Pfefferminze im Burzenland.
Bedeutung. Die Dresdner „Leo-Werke“, die in der
Eingeleitet und bewirkt wurde der Auf- Kronstädter Chlorodontfabrik eine Toch-
schwung der Landwirtschaft im Burzen- terfabrik besaßen, entschlossen sich für
Briefe aus Brenndorf 63/2007 27
den Menthaanbau im Burzenland, weil linge für den Anbau wurden im Früh-
sie für die Herstellung der Chlorodont- jahr 1926 teils direkt aus England, teils
zahnpaste immer größere Mengen von aus Italien (Mailand) bezogen. In diesem
erstklassigem Pfefferminzöl benötigten Jahr wurden in Brenndorf mit dem neuen
und dieses oft nicht oder nur in ungenü- Pflanzenmaterial etwa 5 Hektar bebaut.
genden Mengen und in minderwertiger Die Pflanzen entwickelten sich gut und
Qualität auf dem Weltmarkt vorfanden. aus dem von dieser Fläche geernteten
Um Schwierigkeiten dieser Art zu ver- grünen Kraut konnten etwa 90 kg hoch-
meiden, beziehungsweise um die laufen- wertiges Pfefferminzöl gewonnen wer-
de Versorgung der Firma mit den not- den. Der fruchtbare, schwarze Schwemm-
wendigen Mengen an englischem Pfef- boden der Burzenebene erwies sich für
ferminzöl zu ermöglichen, beschlossen den Menthaanbau als sehr geeignet und
die „Leo-Werke“ den Pfefferminzanbau die klimatischen Bedingungen als ent-
im Burzenland. sprechend, obwohl die Burzenebene etwa
Die ersten Anbauversuche erfolgten 500 m ü. M. liegt und das Klima für diese
in Brenndorf im Jahre 1924 mit der Sonderkultur etwas rauh ist. Vor Jahren
Agnellischen Pfefferminze (Mentha wurden ja gerade bei Brenndorf, das ein
piperita var. agnelliana). Das Pflanzgut Kältepol Rumäniens ist, schon Tempera-
erhielten die Bauern durch die Leo-Werke turen von -38,5 ° Celsius (25. Januar 1942)
zugestellt. Schon 1925 schlossen sich die gemessen.
Bauern aus Weidenbach und Marienburg Anbauversuche mit der Englischen
dem Anbau dieser neuen Kulturpflanze Pfefferminze fanden 1926 in den Gemein-
an. Da aber die Englische Pfefferminze den Brenndorf, Marienburg, Heldsdorf,
(Mentha piperita var. officinalis f. rube- Weidenbach, Zeiden, Honigberg und
scens) in Bezug auf Aroma und Ertrag der Tartlau statt. Durch die guten Ergebnisse
versuchsweise angebauten Agnellischen angeeifert, begannen sich auch Bauern
Pfefferminze überlegen ist, wurde schon in Petersberg, Neustadt und Wolken-
1926 der Anbau auf die wertvollere Eng- dorf dem Pfefferminzanbau anzuschlie-
lische Pfefferminze umgestellt. Demnach ßen; dadurch wuchs die Anbaufläche im
wird das Jahr 1926, als die Inkulturnahme Burzenland von Jahr zu Jahr. Wie Anbau-
der Mitcham-Pfefferminze erfolgte, auch fläche, Hektarerträge und gewonnene
als Beginn des Pfefferminzanbaues im Ölmengen in den ersten Anbaujahren
Burzenland angeführt. Da hier der erste anstiegen, geht aus der unten stehenden
Anbau mit nachfolgender Ölgewinnung Tabelle hervor.
in ganz Rumänien stattfand, wird das Jahr Bis zum Jahre 1935 stieg die Anbau-
1926 als Gründungsjahr der ätherischen fläche in den Burzenländer Gemeinden
Ölindustrie Rumäniens betrachtet. auf etwa 300 Hektar an und es gab Bau-
Die echten Mitcham-Pfefferminzsetz- ern, die ihre Pfefferminzschläge bis auf
Jahr Anbaufläche Grünes Kraut Ätherisches Öl Gesamte Ölmenge
in ha in dzc*/ha in kg/ha in kg
1926 5 18 90
1927 53 94,3 19 1000
1928 192 114,1 24 4600
1929 238 123,4 30 7100
* 1 dzc (Doppelzentner) = 100 kg.
28 Briefe aus Brenndorf 63/2007
Die Pfefferminzfabrik am Ende der Mühlgasse in Brenndorf hat die Wirtschaft des Burzenlandes erheblich voran-
getrieben. Nach 1989 wurde sie privatisiert, und kurz danach hat die Öldestillerie ihren Betrieb eingestellt.
2,5 Hektar vergrößerten. Bei guter Be- zwischen 7 000-10 000 kg. 1925 betrug der
wirtschaftung wurden Hektarerträge bis Wert von einem Kilogramm Öl bei Aus-
zu 16 000 kg Grünmasse geerntet. fuhr etwa 26,4 Goldmark. Eingeführtes Öl
Die Ernte des Krautes beginnt, wenn war um etwa 10 Goldmark teurer.
10-15 Prozent der Blüten aufgeblüht sind. Während des Zweiten Weltkrieges ging
Zur Ölgewinnung aus dem geernteten der Pfefferminzanbau bedeutend zurück,
Kraut wurden am Brenndorfer Bahnhof bedingt durch die fehlenden Arbeitskräf-
(1926) mobile Destillationskessel aufge- te. Nach 1945 wurde dann zeitweilig wie-
stellt. Zwei Jahre später wurde zur Verar- der das Vorkriegsniveau erreicht (z. B.
beitung des Erntegutes eine modern aus- 1958/59), jedoch die Hektarerträge an
gestattete Destillieranlage mit zunächst grünem Kraut und Rohöl lagen meistens
vier Kesseln (Blasen) aufgebaut. unter den Erträgen, die vor der Bodenent-
Nach Vergrößerung der Anbaufläche eignung und späteren Kollektivierung
wurde die Arbeitskapazität der Destillier- erzielt wurden.
anlage auf acht Kessel vergrößert, so dass Eine mangelhafte Kulturrotation und
die Brenndorfer Öldestillation damals zu die Konzentration des Anbaus auf we-
den größten Anlagen dieser Art in Eur- nigen Großflächen, führten in erster Rei-
opa gehörte. Das ganze so gewonnene he zum Ertragsabfall. In Monokulturen
Pfefferminzöl wurde zur Rectifizierung wächst der Schädlings- und Krankheits-
nach Dresden verschickt. 1936 wurde in befall der Pflanzen rasch an und ver-
der Kronstädter Chlorodontfabrik eine mindert die Kraut- und Ölproduktion je
kleine Rectifizieranlage aufgestellt und Hektar bedeutend. Als eine gefährliche
damit die für den eigenen Gebrauch Krankheit der Pfefferminze erwies sich
notwendige Menge an rectifiziertem Öl auch im Burzenland der Pfefferminzrost.
hergestellt. Die Gesamtmenge an Pfeffer- Er verursacht das Vergilben und Abfal-
minzrohöl, die jährlich um die Mitte der len der Blätter und verringert dadurch
dreißiger Jahre erzeugt wurde, schwankte den Ölertrag je Hektar beträchtlich (50-
Briefe aus Brenndorf 63/2007 29
80 Prozent). Hohe Luftfeuchtigkeit und ner Erzeugnisse größere Ölmengen benö-
Wärme fördern die rasche Ausbreitung tigte und demnach am Pfefferminzanbau
der Krankheit. Ende der sechziger Jahre vital interessiert war. Fast das gesamte
verursachte eine Wurzelfäule den Aus- Pfefferminzkraut, das auf Burzenländer
fall vieler Pflanzen. Diese Pilzkrank- Feldern angebaut wurde, diente der Öl-
heit befällt beim Hacken verletzte oder gewinnung.
schwache Pflanzen und bringt sie zum Neu hinzu kam Ende der sechziger Jah-
Absterben. re der Anbau der Amerikanischen Krau-
Die mit Pfefferminze bestellte Fläche seminze (Spearmint). Das ätherische Öl
des Burzenlandes belief sich 1975 auf dieser Minzenart hat durch seinen hohen
etwa 250 Hektar und ihr Anbau fand Carvonanteil eine besonders aromatische
vorwiegend auf dem Hattert der Ge- Note, die uns aus einigen Zahnpasten
meinden Brenndorf und Marienburg oder Kaugummisorten bekannt ist. Zu-
statt. Ein bedeutender Teil dieser Fläche nächst im Versuchsanbau bei Brenndorf
wurde von einer Nebenwirtschaft des getestet und vermehrt, fand ihr Anbau
Kronstädter Kosmetikbetriebes „Nivea“ gleichfalls auf größeren Flächen statt.
unterhalten, der für die Herstellung sei- Dr. Heinz Heltmann
(Nachdruck aus: Siebenbürgisch-sächsischer Hauskalender. Jahrbuch 1976, S. 128-130)
Unsere Kinderspiele in der Neugasse (Teil 2)
Otto Gliebe erinnert an Mitte der vierziger Jahre in Brenndorf
Die Spiele, die Mitte der vierziger Jahre der Ball zu Boden fiel. Nun wurden die
in Brenndorf gespielt wurden, waren für Schritte bis zum Spielpunkt gezählt und
alle mitspielenden Kinder von hohem pä- mit der Anzahl der Berührungen multi-
dagogischen Wert. Im zweiten und letzten pliziert. Hierbei kamen oft große Zahlen
Teil seines Aufsatzes erinnert Otto Gliebe heraus, weil die meisten Spieler sehr gut
an weitere Spiele aus der Neugasse (der mit „Bretsch“ und Ball umgehen konn-
erste Teil erschien in Folge 62, Weihnach- ten. Einige Gegenspieler begleiteten den
ten 2006, Seite 28-30). Spieler und zählten mit. Dabei kam es
vor, dass wir den Spieler fast bis zum
„Pillabretsch“ Scheidebach (Schaipisch Floß) begleiten
Für dieses Spiel wurden ein Ball (Ten- mussten. Das Spiel verlor dadurch an
nisball oder aus alten Strümpfen selbst Spannung, und deshalb wurde es nur
gebastelter Ball) und eine „Bretsch“ (ei- dann gespielt, wenn die Straße zu mat-
nem Tischtennisschläger ähnliches, zu- schig für das „Zirkespiel“ war.
rechtgeschnittenes Brett) benötigt. Auf dem „Draisch“ (Grasfläche in der
Die Aufstellung der Mannschaften war Neugasse beim Tierarzt Dr. Schmidts)
genau wie beim „Zirkespiel“. Der Ball spielten wir auch „Brânza“. Hierfür be-
wurde vom ersten Spieler in Richtung nötige jeder Spieler einen etwa 1,5 m
der gegnerischen Mannschaft geschlagen. langen Stecken. In einem Kreis von etwa
Gelang es dieser, den Ball zu fangen, war acht Metern Durchmesser wurden in
der Spieler „petsch“. Wurde der Ball aber den Draisch etwa 10 cm große Löcher
nicht gefangen, so durfte der Spieler den gemacht, welche dann den ganzer Som-
Ball auf seiner „Bretsch“ hüpfen lassen mer bespielbar blieben. In der Mitte des
und sich gleichzeitig vom Spielpunkt Kreises befand sich ein etwas größeres
entfernen. Er durfte so weit laufen, bis Loch, in das jeder Mitspieler das Ende
30 Briefe aus Brenndorf 63/2007
seines Steckens hineintun musste. Das dass man mit den Zehenspitzen bis an
andere Ende wurde mit beiden Händen die Dachlatten kam.
angefasst und während alle hintereinan- Bei Regenwetter streunten wir auch
der im Kreis herum gingen, wurde das durch die meist leeren Ställe, um die Ha-
Lied: Brânza, brânza aint, brânza, brânza senzucht jedes Einzelnen zu besichtigen
zpoe, brânza, brânza ... drauj gesungen. bzw. Tauschgeschäfte zu machen oder
Das Wort „drauj“ wurde von allen Spie- zu „schachern“ (feilschen). Am schönsten
lern verzögert. Wenn es aber von einem aber war es in der „Katta“-Scheune. Die-
ausgesprochen wurde, versuchte jeder, se stand auf der Hofstelle zwischen dem
mit dem freien Ende seines Steckens eines Soos und dem Kloos und gehörte dem
der Löcher zu besetzen. Da jedoch im- ehrenwerten „Borjer“ Johann Mechel aus
mer ein Loch weniger als Mitspieler sein der Schulgasse und war meistens bis zur
musste, was durch Bedecken desselben ersten „Wäindred“ noch mit Stroh gefüllt.
mit einer Mütze geschah, so schied nach Um in die versperrte Scheune hineinzu-
jedem Spiel einer aus. Gewonnen hatte, kommen, hatten wir an der Seitenwand
wer als Letzter von zwei Spielern das Ein- einige Bretter gelöst und durch das Stroh
zige noch übrig gebliebene Loch besetz- „Gänge gegraben“, durch welche wir
ten konnte. Gewöhnlich waren es immer durch die ganze Scheune herumkriechen
ein und dieselben, denn das Spiel ging konnten.
nicht sehr fair zu und mehr als einmal Dass es bei diesen Spielen nicht im-
landete der Stecken zwischen den bar- mer ganz leise vor sich ging, ist selbstver-
füßigen Beinen der kleineren Mitspieler. ständlich, und mehr als einmal mussten
In diesen Sommermonaten, vor allem wir die Flucht ergreifen, um nicht ent-
wenn der Weg nicht trocken war, spielten deckt zu werden. In dem Stroh hatten wir
wir auch Bockspringen, „Bollenspron- uns auch verschiedene Mulden (Maldj)
jen“. Wie jedes Spiel in der Neugasse hat- mit geklauten Äpfeln angelegt, und öf-
te auch dieses seinen bestimmten Platz. ters kam es vor, dass diese schon verfault
Es wurde nur auf dem Bollen (Bank) beim waren, bevor wir sie wieder fanden. Das
Kloos im Winkel gespielt. Da auch bei Obstklauen aus fremden Gärten nannten
diesem Spiel alle Kinder verschiedenen wir Kinder „af de Kratz gaun“.
Alters mitmachen durften, war es nicht Eine Abwechslung in das alltägliche
immer ungefährlich, denn zuletzt spran- Spiel brachte das Stelzenlaufen, welches
gen immer die größten und schwersten sich vor allem bei den größeren Kindern
Brocken, so dass meistens der „Bock“ un- zu einem richtigen Sport entwickelte.
ter dieser schweren Last zusammenbrach. Zwar hatten wir nicht Stelzen zum An-
Dann durfte die Mannschaft nochmals schnallen, wie die Artisten, aber die aus
springen. Gott sei Dank ist nie etwas Dachlatten gefertigten Stelzen, an denen
Ernsthaftes passiert. die Standfläche bis zu 1,20 m hoch war
Leider war auch im Sommer nicht im- und deren Verlängerung bis unter die
mer schönes, warmes Wetter und dann Arme reichte, um leichter das Gleich-
wurde, sehr zum Verdruss der Eltern gewicht halten zu können, erlaubten es
bzw. Großeltern, in den um diese Jahres- uns, am Abend durch die oberen kleinen
zeit leer stehenden Scheunen gespielt. Fenster, die nicht verdunkelt waren, den
Aus den Bindeseilen oder aus Ketten Leuten in die Stube zu kucken und an
wurden in den „Vierteln“ lange Schau- die Fester zu klopfen. Dann mussten wir
keln gemacht und nicht selten kam es aber das Weite suchen, um nicht ein paar
vor, dass man so angeschubst wurde, hinter die Ohren zu bekommen.
Briefe aus Brenndorf 63/2007 31
Diese Spiele wurden bei regnerischem, noch, dass die Tage immer kürzer und
kühlem Wetter gespielt, und so gab es kälter wurden und jeder froh war, wenn
nie Langeweile in der Neugasse. An er am warmen Ofen sitzen durfte.
solchen Tagen spielten wir auch „Hau Einen abschließenden Höhepunkt ei-
mich“. Dabei musste einer der Spieler nes solchen „Spieljahres“, obwohl mit
die Handfläche der einen Hand unter Arbeit verbunden, war das „Kukurutz-
den Arm der anderen Hand tun und die schielen“, welches abwechselnd in der
freie Handfläche vor das Gesicht halten, Nachbarschaft vorgenommen wurde,
damit er nichts sehen kann. Nun wurde er wobei es immer fröhlich und heiter zu-
abwechselnd von den Mitspielern auf die ging, vor allem dann, wenn auch ältere
Handfläche geschlagen und musste nach Jugendliche dabei waren, denen auch ein
jedem Schlag erraten, wer der Schläger Schnaps eingeschenkt wurde. Dann wur-
war. Hierbei kam es auch oft zu unfairen den lustige Erlebnisse erzählt, manchmal
Schlägen, welchen den „Empfänger“ so- auch salonfähige Witze. Der Höhepunkt
gar aus dem Gleichgewicht brachten. des Abends wurde immer dann erreicht,
Wenn an den langen lauen Sommera- wenn eine junge Maid einen roten Mais-
benden die Nachbarn vor den Häusern kolben erwischte und von den Mitschä-
„am Gesproech saußen“, dann spielten lern ertappt wurde. Dann fielen die Jun-
wir Kinder das Versteck-Spiel „Uefge- gen über sie her und stopften ihr die ge-
passt“. Hierbei durften alle, vom kleins- schälten Maisblätter unter die Kleidung.
ten bis zum größten Kind mitmachen. Der Wehe der Maid, die für dieses Abenteuer
Sucher stand in dem gemauerten Türchen nicht gut „gerüstet“, also gut angezogen,
bei Martha Klees (231), zählte laut und zum Kukurutzschielen kam.
deutlich bis auf dreißig und fragte dann: Die langen Winterabende wurden meist
„Käin ech kun?“ Inzwischen hatten sich in der Familie mit verschiedenen Karten-
die Kinder hinter dem Haus von Hans spielen wie 66, Siwentschen, Kontschin,
Reiss oder hinter der damals noch vor- Ramschen, Lizitation usw. verbracht, wo-
handenen Maschinenscheune am Ende bei die Kleineren unter uns sehnsüchtig
der Neugasse oder im Soos-Garten neben auf die ersten wärmenden Sonnenstrah-
dem Pitz Hons (Johann Tontsch) versteckt len warteten um, beim „klenen Jekel af
und warteten auf den günstigsten Au- der Zell, an de Küch“ zu spielen.
genblick, um loszurennen und in dem 20 Jahre später
erwähnten Türchen mit der flachen Hand Meine Cousins, mit denen ich zusam-
dreimal an die Mauer zu schlagen und men in der Neugasse wohnte, waren etwa
dabei „aint, zpoe, drauj, uefgepasst“ zu 20 Jahre jünger als ich. Sie spielten aber
rufen. Hatte der Sucher einen Mitspieler ganz andere Spiele, als wir das zu unserer
entdeckt und erkannt, so lief er in das Zeit getan hatten. Woran lag das wohl? Ich
Türchen, sagte denselben Spruch und versuchte ihnen einige Spiele aus meiner
nannte den Namen des Entdeckten. Kindheit beizubringen, die ihnen auch
Im nächsten Spiel musste dann der er- sehr zusagten, aber sie spielten sie nicht
kannte Spieler suchen. mit Gleichaltrigen, sondern nur mit mir,
Wenn dann im Herbst die Schule wie- wenn ich einmal Zeit hatte für sie.
der anfing und die meisten, obwohl noch 35 Jahre später
viel zu jung, auf den Feldern bei der Kar- Aus der idyllischen Neugasse in Brenn-
toffelernte, beim Maisbrechen oder der dorf siedelten wir in die Ringstraße nach
Rübenernte mithelfen mussten, blieb uns Ansbach um. Unsere Kinder waren zehn
keine Zeit mehr zum Spielen. Hinzu kam Jahre alt, so wie ich es damals war. Bei
32 Briefe aus Brenndorf 63/2007
unseren sonntäglichen Spaziergängen fasziniert von dem Spiel, wie wir es zu
durch die nahe gelegenen Wälder um unserer Zeit waren, jedoch allein gespielt
Ansbach brachten Renate und ich ihnen haben sie es nie.
das Zirkespielen bei. Sie waren genau so Otto Gliebe
Leserbrief von Günter Wagner (Australien)
Lieber Herr Seimen! gut, ich korrespondiere regelmäßig mit
Es war eine große Überraschung für meinen vielen Brenndörfer Verwandten,
mich, den Burzenländer Heimatkalender die jetzt in Deutschland und auch Ös-
für 2007 sowie das Brenndörfer Adressen- terreich leben. An unseren Hobbys neh-
verzeichnis und die Zeitschrift „Briefe aus men wir regen Anteil. Ich male in Öl und
Brenndorf“ zu erhalten. Diese erreichten Wasserfarbe, meine Frau und ich arbeiten
mich kurz vor den Weihnachtsfeiertagen. auch mit Keramik und widmen uns der
Dafür herlichen Dank. Bitte um Adressen- Töpferei. Mit unseren Arbeiten nehmen
korrektur (siehe Seite 40 dieser Folge). wir an Kunst- und Hobby-Ausstellungen
Beiliegend eine Kurzbiographie, falls teil.
von Interesse: Ich bin der Sohn von Hans Günter Wagner
Wagner, Brenndorf (35), und seiner
Ehefrau Emmi aus Kronstadt, wo
ich auch aufgewachsen bin. Gebo-
ren in Berlin am 29. März 1925, be-
suchte ich die Volksschule und das
Honterus-Gymnasium in Krons-
tadt. Ferien und Festtage verbrach-
te ich fast immer in Brenndorf bei
den Großeltern und den vielen
Verwandten. Anfang 1941 zog ich,
noch als 16-Jähriger, zur Schiffs-
baulehre nach Hamburg, die ich
1944 beendete. Gleich danach und
bis 1948 war ich beim deutschen
Militär und nach Ende des Krieges
in Kriegsgefangenschaft, auch in
England und zuletzt in Schottland.
1950 habe ich dort ein schottisches
Mädchen geheiratet und weiter
studiert. Viele Jahre war ich beruf-
lich in Glasgow und Nordengland
tätig, bevor wir 1966 mit unseren
drei Kindern nach Perth in Austra-
lien auswanderten. Hier hatten wir
dann einen weiteren Zuwachs zur
Familie (insgesamt haben wir zwei
Mädel und zwei Jungs).
Jetzt bin ich 81 Jahre alt, gesund-
heitlich geht es der ganzen Familie Günter Wagner: Brenndorf, Aquarell, 2007, 21 x 29 cm.
Briefe aus Brenndorf 63/2007 33
Dorfschönheiten
Begebenheiten aus Onkel Jahns Zeiten
Es wird wohl zu allen Zeiten bei uns im Trotz vieler grauenvoller sozialen und
Dorf und auch allerorten Schönheiten gege- politischen Geschehnisse war Millys Her-
ben haben, aber eine, die ich aus in meiner anwachsen vom Kind zur Maid (heute
Kindheit kannte und bis heute gut in Erinne- würde man Teenager sagen) ein unbe-
rung behalten habe, war Tante Milly. schwerter Abschnitt ihres Lebens.
Eigentlich stammte sie aus unserer Nach Abschluss der Volksschule ließ
Nachbargemeinde Heldsdorf, von wo sie der Vater in das Kronstädter Mäd-
sie mit ihren Eltern nach Brenndorf ge- chengymnasium einschulen. Gleichzeitig
kommen war, da ihrem Vater von der besuchte sie einen Abendkurs, in dem
Kronstädter Kreisverwaltung die Stelle hauptsächlich den Schülerinnen die Da-
des Notars zugeteilt worden war, die er menschneiderei, aber auch Back- und
dann auch über viele Jahre bekleidete. Kochkünste vermittelt wurden. Bereits
Die kleine Milly soll, laut Erzählungen hier zeigte sich ihr außergewöhnliches
meiner Oma, ein sehr aufgewecktes und Talent im modeschöpferischen Bereich.
frohes Kind gewesen sein, das sich den- Milly beendete sowohl das Gymnasium
noch bis ins späte Kindesalter am Rock- als auch den Abendkurs mit vortreff-
zipfel ihrer Mutter am wohlsten fühlte. lichen Zensuren.
Die ersten Schuljahre absolvierte sie, Nach der theoretischen Abschluss-
nachdem sie in ihrem Geburtsort den prüfung wurde ein Exitus-Fest in der
Kindergarten besucht hatte, in der Brenn- Mädchenschule veranstaltet, wo den
dörfer Volksschule, wo zu jener Zeit nebst geladenen Gästen (das waren vor allem
deutsch auch ungarisch gelehrt wurde, Absolventen des Honterus-Gymnasiums)
denn Siebenbürgen war damals noch ein Torten, Kuchen und vor allem Puddings
Teil der Österreich-Ungarischen Monar- verschiedener Geschmacksrichtungen lie-
chie und stand unter deren k. u. k. Ober- bevoll serviert wurden. Es waren Köst-
herrschaft. lichkeiten, die die Absolventinnen für die
Als Notar war ihr Vater ein würdiger, praktische Prüfung gebacken hatten. In
wirkungsvoller und standhafter Reprä- einigen Räumlichkeiten stellten die Kurs-
sentant der Sachsen in einer äußerst teilnehmerinnen des Lehrganges Dame-
schwierigen, wechselhaften Zeit, wo noberbekleidung auch Mode-Kleidung
infolge des Ersten Weltkrieges die Vor- aus, die sie im Laufe des Schuljahres ge-
machtstellung der Ungarn in Siebenbür- fertigten hatten. Über die Arbeiten, die
gen ihr Ende fand und wir Siebenbürger unsere hübsche Milly-Tante damals prä-
Sachsen unter die Herrschaft Rumäniens sentierte, waren nicht nur die Juroren und
gelangten. Und weil sich „unsere Leute“ Lehrer, sondern auch der große Teil der
bei den Ämtern in der neuen Amtsspra- Absolventen voll des Lobes.
che kaum verständigen, geschweige denn Nach Abschluss ihrer Ausbildung kehr-
vertreten konnten, erwies sich Millys te die erwachsen gewordene und mit
Vater – Notarius A. Copony – unseren einem Gewerbeschein ausgestattete Jung-
Sachsen gegenüber als äußerst hilfsbereit, frau nach Brenndorf zurück und richtete
vor allem wenn es sich um Rechtswid- ein Schneideratelier für Damenoberbe-
rigkeiten handelte, die seitens der rumä- kleidung in der gemieteten Unteretage
nischen Behörden an unseren Vätern und im Haus meines Großvaters ein.
Großvätern verübt wurden. Es waren für sie die schönsten Jahre
34 Briefe aus Brenndorf 63/2007
ihrer Laufbahn bis zum Tode ihres Vaters, aufregbar war, hatten unsere Streiche
der ihr bedingungslos all ihre Wünsche nicht immer ein lustiges Ende, weil sie
und Ansprüche erfüllte. Er gab ihr das uns meistens bei unserem Vater verklag-
nötige Geld, das sie nicht nur für die te, der uns darauf, wenn er es für nötig
komplette Einrichtung ihres Ateliers, hielt, „eine“ gelöffelt oder den Hintern
sondern auch für teure Stoffe, die sie fürs versohlt hat, um die Zufriedenheit der
Schneidern selbst kreierter Modemodel- aufgebrachten Tante wieder herzustellen,
le brauchte. Es folgte eine schöpferische was ihm meistens auch gelang. Nach ge-
Phase, in der sie äußerst originelle Kreati- raumer Zeit wiederholten wir den Unsinn
onen entwarf und dann auch schneiderte. und fühlten uns dabei immer ein bisschen
Das Resultat ihrer Kreativität fand bei in der Rolle von Max und Moritz (aus
den Jugendlichen viel Gefallen, die mitt- Wilhelm Buschs Lausbubengeschichten).
lere Generation reagierte eher verhalten, Wenn der eine oder andere Streich zu
während der größte Teil der älteren Jahr- schlimmen Folgen führte, bekamen un-
gänge völlige Abneigung zeigte. sere Eltern richtig Krach, wonach sie sich
Sie trug ihre neuartige, selbst kreierte der Hoffnung hingaben, dass wir Ähn-
Kleidung immer zuerst selbst, indem liches nicht mehr tun werden.
sie einen Bummel – meist in der Abend- Eines Tages fand ich in unserem Garten
dämmerung – durch die Flaniermeile eine kräftige Radnetzspinne. Das brachte
des Dorfes machte, um zu testen, wie die mich auf den Gedanken, das Krabbeltier
Leute darauf reagieren. Ging sie jedoch der Schneiderin durch das spaltenweit
einkaufen oder zum Arzt, zog sie – so wie geöffnete Küchenfenster zukommen zu
es sich seit jeher gehörte – einen ordent- lassen: in den Kelch einer blühenden
lichen, zumeist schwarzen Zweiteiler an, Amaryllis-Blume. Kurz danach stürz-
damit sie den guten Ruf ihres geliebten te die hübsche Mamsell, verzweifelt
Vaters nicht schädigte. In ihrem Inneren um Hilfe rufend, zur Hintertür ihres
schlummerte das Bestreben, die Leute an Schlafzimmers heraus, erblickte mich
ihre Mode zu gewöhnen, und das ver- im Hinterhof und rief mir zu, dass sich
anlasste sie, sich zunehmend auch bei eine todbringende Giftspinne in ihr Bett
Tageslicht in ihrer „abgefahrenen Klei- verirrt habe. Hilfsbereit, wie ich schon
dung“ den Dörflern zu zeigen. immer war, kam ich eilenden Schrittes
Onkel Jahn erinnerte sich, dass sie da- bis zur Tür und ließ mir von der zittrig
mals, trotz ihrer gewöhnungsbedürftigen, gewordenen Schneiderin erklären, wo
manchmal an Karneval erinnernden Klei- genau sich das „Objekt des Schreckens“
dung, in der sie sich in der Öffentlichkeit befinden könnte, denn in ihrem Bett-
zeigte, ein reizendes Pflänzchen gewesen zeug war es nicht mehr zu entdecken.
sei, welches sich wie von einem fernen Ich fand das eher ängstliche wirkende
Planeten auf die Erde verirrt habe. Insekt schließlich in ihrem Schlafkittel,
Irgendwie hat es uns Kinder, als wir der auf der Bettlehne hing, und entließ
noch junge rotzige Racker waren, immer es im Garten wieder in die Freiheit. Weil
wieder gereizt, dieser wundersamen Tan- die mittlerweile ruhig gewordene Tante
te, die nicht nur durch ihre eigenartige mich nun als ihren Retter ansah, schenkte
Kleidung, sondern auch durch ihr etwas sie mir eine Tüte voll mit selbst gebacke-
sonderbares Wesen auf sich aufmerksam nen Vanille-Kipferln und Keksen – nicht
machte, manch einen lustigen Schaber- wissend, dass ich der Verursacher dieses
nack zu spielen. Schabernacks gewesen war.
Nun, da die hübsche Demoisselle sehr Eine geraume Zeit später fiel uns eine
Briefe aus Brenndorf 63/2007 35
andere Narretei ein. Mein Bruder und seres Nussbaums ein Sonnenbad nahm
ich brachten an einem etwa fünfzehn oder sich in dessen Schatten zurückzog.
Meter langen, erdgrauen Faden einen Onkel Jahn hatte ihr dafür einen zusam-
Geldschein an und legten ihn vor unser menklappbaren Liegestuhl angefertigt.
Gassentor. Mit dem anderen Ende des Fa- Als sie eines Tages wieder in der Sonne
dens in der Hand begab sich mein Bruder saß und für einen Augenblick ihren Platz
auf die andere Straßenseite, wohin auch verließ, um sich ein Buch zu holen, hoben
ich ihm folgte. Wir hofften, dass bald ein wir Schlingel den hinteren Stützbügel aus
Passant nach dem verlockenden Zehner der Halterung. Als sie zurückkehrte, ver-
greifen würde. schwanden wir schnell hinter den Sträu-
Nach nicht allzu langem Warten nä- chern am Gartenzaun. Da wir beim lau-
herte sich Tante Milly mit einer großen, ten Knall und schmerzhaften Aufschrei
schwer beladenen Tasche. Als sie im Be- zu laut kicherten, entlarvte sie uns als
griff war, sich nach dem vor ihren Füßen Missetäter. Opa hörte ihr bis zum letzten
liegenden Geldschein zu bücken, zog Klagewort zu und wurde dermaßen wü-
mein Bruder das Wertpapier mit dem un- tend, dass er – ohne viel Federlesens zu
sichtbaren Faden außer ihrer Reichweite. machen – sich den Schusterreimen griff
In der Meinung, ein Windstoß habe den und uns Bösewichten damit tüchtig den
Zehner fortbewegt, setzte sie ihm heftig Hintern versohlte. Danach herrschte über
nach und landete, wegen ihrer beträcht- längere Zeit Ruhe im „Karton“.
lichen Schwungmasse, bäuchlings auf Tante Milly hat in der Zeit, als ihr Vater
dem Boden. Weil wir so nette und hilfs- noch lebte und sie vor allem finanziell un-
bereite Buben waren, kamen wir sofort terstützte, große schöpferische Arbeit im
an den Ort des Geschehens, halfen der Bereich der Damenmode geleistet, indem
lieben Tante auf die Beine und sammelten sie einen äußerst interessanten Modestil
die verstreuten Esswaren wieder in die zustande brachte, der den in den Nach-
Tasche ein. Nicht ahnend, dass wir die kriegsjahren im Westen aufkommenden
Verursacher dieses Missgeschicks waren, Trend in gewissem Maße vorwegnahm.
bedankte sie sich für unseren fürsorg- Als wir einstigen Bartstoppelbubbys er-
lichen Beistand. wachsen und reifer wurden, fingen wir
Auch einen anderen Schabernack, den erst an zu begreifen, welch eine talentierte
wir der hübschen Schneiderin mal ge- Frau wir eigentlich in unserer schönen
spielt haben, habe ich bis heute noch in Schneiderin hatten und welch wunder-
lebhafter Erinnerung: Es war im äußerst bare, neuartige Sachen sie im Bereich der
heißen Sommer des Jahres 1947. Den Haute Couture tatsächlich geschaffen hat-
ganzen Sommer war kein Regentropfen te. In ernsthaften Gesprächen erfuhren
vom Himmel gefallen. Durch die sen- wir auch, dass sie sich stets für das Alt-
gende Hitze hatten sowohl die Felder als bewährte ebenso eingesetzt hat wie für
auch die Wiesen eine gelbbraune Farbe das Neue!
angenommen. Nur die Bäume, die eine Mit dieser Einstellung hat sie ihr Hand-
tiefe Wurzel hatten, trugen noch grüne werk, sowohl in ihrer kreativen Periode
Blätter und warfen einen kühlen, ange- (also vor dem Verlust ihres Vaters) als
nehmen Schatten, so auch der Nussbaum auch nachher, als sie nach den Wünschen
in unserem Garten. und Vorstellungen ihrer jeweiligen Kun-
Tante Milly war eine für die damalige den schneiderte, vortrefflich und vollends
Zeit sehr moderne und naturverbundene gemeistert.
Frau, die oft und gerne in der Nähe un- Edgar Bauer-Kloos
36 Briefe aus Brenndorf 63/2007
Heimatglocken erklingen für unsere Toten
Für alle Brenndörfer und deren Fami- für unsere Toten ist kostenlos. Die an-
lienangehörigen können während ihres fallenden Kosten werden am Jahresende
Begräbnisses, egal in welchem Land der durch eine Pauschalzahlung der „Dorf-
Erde es stattfindet, die Kirchenglocken in gemeinschaft der Brenndörfer“ an die
Brenndorf geläutet werden. Bitte recht- Kirchengemeinde beglichen. Bitte be-
zeitig bei Kuratorin Rosi Rusu, Telefon: nachrichtigt in Trauerfällen auch unsere
(0040) 268-28 30 79, oder bei Familie Ernst „Dorfgemeinschaft“, namentlich Hugo
und Emilia Schuster, Telefon: (0040) 268- Thiess oder Otto Gliebe, siehe Anschriften
28 31 72, anrufen. Dieser letzte Dienst auf der vorletzten Seite dieses Heftes.
ISSN für „Briefe aus Brenndorf”
Auf Antrag der „Dorfgemeinschaft der Verlag, Erscheinungsland u. a. – der kur-
Brenndörfer“ hat das Nationale ISSN- zen unverwechselbaren Identifikation von
Zentrum für Deutschland den „Briefen fortlaufend erscheinenden Publikationen.
aus Brenndorf“ eine ISSN zugeteilt. Die Die Nummer ist vor allem beim Zitieren
ISSN 1864-7111 wird in jedem Heft auf von Titeln durch Wissenschaftler, For-
der Titelseite, im Inhaltsverzeichnis auf scher, Informationswissenschaftler und
Seite 2 und im Impressum angegeben. Bibliothekare sehr hilfreich. Sie wird in
Die ISSN (International Standard Serial Bibliotheken zur Identifizierung, Bestel-
Number) ist eine international verbindli- lung und Eingangsbearbeitung von Titeln
che Standardnummer und dient – unab- verwendet, zum Mahnen, für Fernleihe
hängig von Sprache, Erscheinungsweise, und für Meldungen an Gesamtkataloge.
40 Briefe aus Brenndorf 63/2007
Nützliche Daten und Adressen
Unsere Bankverbindung lautet: Familiennachrichten
Dorfgemeinschaft der Brenndörfer Eheschließungen, Geburten, Konfirmatio-
Kontonummer 6 9 7 9 8 5 2 nen, Goldene Hochzeiten, Todesfälle usw.
Postbank Nürnberg bitte rechtzeitig an Hugo Thiess, Tannen-
Bankleitzahl 760 100 85 straße 1, 86567 Tandern, Tel.: (0 82 50) 14 15,
Auskünfte dazu beim Kassenwart Ed- E-Mail: [Link]@[Link], mitteilen.
mund Seimen, Höchstädter Weg 10, 80997
Anschrift des Ehrenvorsitzenden
München, Telefon: (0 89) 1 68 97 37, E-Mail:
Unser Ehrenvorsitzender Otto Gliebe ist
seimen@[Link]. Bitte bei Überweisungen
nach wie vor ein kompetenter Ansprech-
den Namen des Spenders und den Verwen-
partner für Familiennachrichten und viele
dungszweck angeben, z. B. „Spende“ (das
andere Fragen. Seine Anschrift: Ringstraße
heißt für die Dorfgemeinschaft), „Friedhofs-
49, 91522 Ansbach, Telefon: (09 81) 33 94,
pflege“ oder „Kirchenreparatur“.
E-Mail: otto@[Link]
Adressenänderungen bitten wir immer
rechtzeitig Edmund Seimen mitzuteilen. Überweisungen in der EU
Wir empfehlen unseren Mitgliedern in
Erinnerungen auf Video aufzeichnen Österreich, Frankreich usw., von der eige-
Die Dorfgemeinschaft will ältere Brenn- nen Bank einen Zahlschein für Auslands-
dörfer befragen und ihre Erinnerungen auf überweisung anzufordern sowie mit der
Videofilm aufzeichnen. Wer sich als Zeitzeu- IBAN und BIC-Nummer unseres Kontos
ge oder Videofilmer zur Verfügung stellen auszufüllen. Hier die nötigen Daten:
will, melde sich bei Volker Kreisel, Land- Dorfgemeinschaft der Brenndörfer
hausstraße 36/1, 73773 Aichwald, Telefon: IBAN DE29 7601 0085 0006 9798 52
(07 11) 3 10 84 10, E-Mail: kv044869@gmx. BIC PBNKDEFF
de. Wenn diese Daten eingetragen werden,
[Link] sind Überweisungen innerhalb der Euro-
Unter dieser Adresse ist Brenndorf seit päischen Union gebührenfrei oder werden
sechs Jahren im Internet erreichbar. Aktuelle höchstens wie eine Überweisung auf eine
Infos über unseren Heimatort auch unter Bank im Inland bewertet. Dieser Standard
[Link]/ortschaften/ des Bankverkehrs wurde in Rumänien noch
brenndorf nicht eingeführt.
Impressum
Die Briefe aus Brenndorf, ISSN 1864-7111, werden im Auftrag der „Dorfgemeinschaft
der Brenndörfer“ (Heimatortsgemeinschaft Brenndorf) herausgegeben und erscheinen
zweimal im Jahr. Mit Namen oder Signum gekennzeichnete Beiträge stellen Meinungen
des Verfassers und nicht des Herausgebers dar. Erscheinungsort: Markt Schwaben.
Verantwortlich für den Inhalt:
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Herstellung: Druckerei Josef Jägerhuber GmbH, Wittelsbacherstraße 3, 82319 Starnberg
am See, Fax: (0 81 51) 23 61.
Reinhardt Schuster: 11. September 2001, Öl auf Leinwand, 120 x 90 cm, 2001.