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BAB62

Die 62. Folge der 'Briefe aus Brenndorf' aus Weihnachten 2006 berichtet über das 30-jährige Jubiläum der Dorfgemeinschaft der Brenndörfer und Fortschritte bei der Kirchenrenovierung. Es enthält persönliche Erinnerungen, Berichte über lokale Ereignisse und Einladungen zu zukünftigen Treffen. Zudem wird eine Predigt von Pfarrer Helmut Kramer thematisiert, die die Suche nach Lebenssinn und die Bedeutung von Gemeinschaft behandelt.

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Die 62. Folge der 'Briefe aus Brenndorf' aus Weihnachten 2006 berichtet über das 30-jährige Jubiläum der Dorfgemeinschaft der Brenndörfer und Fortschritte bei der Kirchenrenovierung. Es enthält persönliche Erinnerungen, Berichte über lokale Ereignisse und Einladungen zu zukünftigen Treffen. Zudem wird eine Predigt von Pfarrer Helmut Kramer thematisiert, die die Suche nach Lebenssinn und die Bedeutung von Gemeinschaft behandelt.

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31. Jahrgang . 62. Folge .

Weihnachten 2006

BRIEFE AUS
BRENNDORF
Herausgegeben von der Dorfgemeinschaft der Brenndörfer

Nachbarschaftstag in Brackenheim:
„Dorfgemeinschaft der Brenndörfer” feierte 30-jähriges Jubiläum

Fortschritte bei der Kirchenrenovierung in Brenndorf

Reinhardt Schuster: Erinnerungen an Brenndorf

Otto Gliebe: Unsere Kinderspiele in der Neugasse Mitte der vierziger Jahre

[Link]
Dorfgemeinschaft der Brenndörfer
Briefe aus Brenndorf
31. Jahrgang – 62. Folge – Weihnachten 2006

Inhaltsverzeichnis: Seite
1. Begegnungen mit der Zeit
Pfr. Helmut Kramer Predigt beim Nachbarschaftstag in Brackenheim . .. .. 1
2. Brenndörfer Zeitgeschehen
Siegbert Bruss Im Dienste unserer Mitglieder (Ansprache) . .. .. .. .. .. 4
Brenndörfer feierten 30-jähriges Jubiläum .. .. .. .. .. .. 8
Heide Stamm-Kaul Fortschritte bei Kirchenrenovierung in Brenndorf .. .. 10
Karin Darabas Unsere Kinder in Brackenheim . .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 12
Rosi Rusu Brief an alle Brenndörfer .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 12
Stellvertretende Bürgermeisterin war beeindruckt . .. 13
Heide Stamm-Kaul Neue Schriftführerin stellt sich vor . .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 13
Gert Mechel Neuer Jugendreferent stellt sich vor .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 14
Klaus Teutsch Brenndörfer Angler in Norwegen .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 15
Norbert Thiess Einladung zum vierten Skitreffen .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 16
N. Thiess / G. Mechel Einladung zum Jugend- und Faschingstreffen .. .. .. .. 17
Otto Gliebe Fünfter Band der Presbyterialprotokolle .. .. .. .. .. .. .. 17
Reinhardt Schuster Kanadische Henne – Erinnerungen an Brenndorf .. .. 18
Daniel Zacharias Reise nach Brenndorf nach 22 Jahren .. .. .. .. .. .. .. .. .. 20
O. Gliebe / H. Thiess Aus dem Leben der Gemeinschaft .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 22
Wir gratulieren zum Geburtstag .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 24
Edgar Bauer-Kloos Lied eines Siebenbürgers .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 25
Siegbert Bruss Rosa Tontsch-Foof wurde 100 Jahre alt .. .. .. .. .. .. .. .. 27
3. Siebenbürgische Kultur und Geschichte
Otto Gliebe Unsere Spiele in der Neugasse .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 28
Reinhardt Garth In Brenndorf stationiert .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 30
4. Beiträge und Spenden an die Dorfgemeinschaft
eingegangen von April bis November 2006 . .. .. .. .. .. 33
Mitteilungen des Vorstandes .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 35
Fotonachweis: Das Titelbild zeigt die Kinder beim Brenndörfer Treffen in Bra-
ckenheim mit ihrer Betreuerin Karin Darabas. Foto: Petra Reiner.
Layout des Umschlags: KrausPrePrint, Landsberg am Lech
Layout und Gestaltung der restlichen Seiten: Siegbert Bruss
Liebe und Lebenserfüllung im Hier und Jetzt
Predigt von Pfarrer Helmut Kramer am 23. September 2006
in der Jakobus-Stadtkirche zu Brackenheim
„Lobe den Herrn, meine Seele, und Warum diese Geschichte? Weil
vergiss nicht, was er dir Gutes getan sie sehr eindeutig und eindrücklich be-
hat“. (Psalm 103,2) legt, wie nahe aneinander Lebenserwar-
„Alle eure Sorge werft auf ihn, denn tung und Lebenserfüllung liegen kön-
er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7) nen. Die Grundbotschaft dieser Legende
ist wohl die Einsicht, dass Gott seinen
Eine alte Legende erzählt von zwei Menschenkindern Liebe und Lebenser-
Mönchen, die in einem alten Buch die füllung nicht erst grundsätzlich in jensei-
Verheißung fanden: Am Ziel der tausend tiger Ferne verheißen und versprochen
Straßen dieser Welt sei ein Ort, wo Him- hat, sondern im gelebten Leben, im Hier
mel und Erde einander berührten. Dort und Jetzt. Da sind sie regelrecht hinein-
sei eine Tür, und wer mit reinen Händen gelegt – nicht als abstrakte und unfass-
anklopfe, dem werde sie aufgetan, und bare Größen, sondern durchaus als ganz
er werde über die Schwelle hineingehen reale Gegenwart. Und es ist mit in des
in den nahen Glanz Gottes. Menschen Hände hineingelegt, was er
Die beiden Mönche wurden von einer daraus macht. Und gerade darum ist das
großen Unruhe und Sehnsucht ergriffen, Fazit an den Schnittpunkten des Lebens
jene Tür zu suchen und zu finden. Sie immer ein Ausblick, der viel Weite offen
erbaten sich Urlaub und verließen ihr lässt und doch sehr konkret bleibt:
Kloster. Sie wanderten über die tausend Der Himmel ist gar nicht so weit weg,
Straßen dieser Welt. Sie schritten durch wie wir mitunter meinen; sondern er ist
die tausend Versuchungen des Lebens. da, wo ich lebe; der nahe Glanz Gottes
Sie trugen die tausend Leiden des Un- verwirklicht sich in meinem Alltag – in
terwegsseins. Sie wurden alt und müde der Art und Weise, wie ich in den Ge-
bei ihrer Wanderung. Aber die Sehnsucht sichtern der anderen Gottes Angesicht
nach dem nahen Glanz Gottes blieb jung suche und finde; wie ich merke: der an-
in ihren Herzen. Und eines Tages waren dere ist ein Menschenkind wie ich – Gott
sie am Ziel. Da war die Tür. Da war die selbst begegnet mir in ihm; in meiner
Schwelle. Da war der Weg in den nahen Schwester und meinem Bruder – Got-
Glanz Gottes. Zaghaft, wie Kinder vor tes Liebe in Reinkultur. Ich glaube aber,
der Weihnachtstür, klopften sie an. Wie dass diese Legende für uns alle auch
Kinder schlossen sie die Augen, als die insgesamt eine weitere Botschaft bereit-
Tür sich auftat. Wie Kinder fassten sie hält: für die einen die Frage, die sie sich
sich an der Hand und überschritten die mitunter ganz ehrlich stellen müssen –
Schwelle, geschlossenen Auges. vielleicht tut diese Ehrlichkeit an einem
Dann blickten sie auf, erwartend den gewissen Punkt auch weh: „Was sind
nahen Glanz Gottes. Und siehe, sie fan- wir ausgezogen, zu suchen? Was haben
den sich wieder in der Zelle ihres Klos- wir gefunden? Haben wir den Mut eine
ters, aus der sie aufgebrochen waren vor Zwischenbilanz zu ziehen? Hat sie vor
langer Zeit. Auf dem Tisch lag die Bibel uns selbst und vor Gott Bestand?“ Und
aufgeschlagen. Und die Glocke rief zum für die anderen – und ich denke da auch
Morgengebet. an die Gäste aus der Heimat – für die

Briefe aus Brenndorf 62/2006 1


anderen mag es ein Stück Ermutigung in mancher Hinsicht lastenfrei sein. Es tut
sein: das, was wir tun und was unser gut zu wissen, dass wir das dürfen.
Auftrag ist, steht immer noch unter dem Wie das gemeint ist, will folgende
Segen Gottes. Solange es diesen Standort Geschichte von Marianne Schmidt ver-
hat, wird es Zukunft haben, wie immer deutlichen: „Es begab sich zu einer Zeit,
diese auch aussehen mag – denn Got- dass ein Mensch mit einem Karren durchs
tes Glanz scheint durch in dem, was wir Land zog. Er zog von Dorf zu Dorf und
tun. von Stadt zu Stadt. Er ließ den Karren
Zu einer anderen Geschichte möchte kaum für ein paar Minuten stehen, war
ich mit den beiden Wochensprüchen eine besorgt, dass er nicht verloren ginge, und
Brücke schlagen: „Lobe den Herrn, meine hütete ihn so wie ein Kind. Es war ein
Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes einfacher Karren. Er hatte zwei Räder
getan hat.“ Es stimmt: die Wohltaten in und eine mittelgroße Ladefläche und
unserem Leben vergessen wir allzu leicht. eine Deichsel, daran ein lederner Gürtel
Es stünde uns insgesamt nicht schlecht befestigt war, den der Mensch sich um die
an, uns mitunter daran erinnern zu las- Schultern legen konnte, um den Karren
sen. Wer aber den Psalm weiterliest, zu ziehen.“
merkt: „Hier geht es um mehr. Hier lobt Der Gürtel hatte Spuren auf der Schul-
einer Gott mit folgenden Worten: Lobe ter hinterlassen, denn der Karren war
den Herrn, meine Seele, vergiss nicht, schwer. Er war mit allerlei verwunder-
was er dir Gutes getan hat; der dir alle lichen Dingen beladen, die auf den ers-
deine Sünde vergibt und heilet alle dei- ten Blick als nutzloser Ballast erschienen,
ne Gebrechen; der dein Leben vom Ver- ungeordnetes, unbrauchbares Zeug. Für
derben erlöst; der dich krönt mit Gnade den Menschen schienen diese Dinge eine
und Barmherzigkeit.“ Welche Abgründe wichtige Bedeutung zu haben. Kaum je
menschlicher Existenz und welche Di- trennte er sich von dem einen oder ande-
mensionen der Rettung und Bewahrung ren verbrauchten Stück.
tun sich da auf? Sind wir in der Lage das Aber er war nicht der einzige Mensch
nachzuvollziehen? Sind wir in der Lage, dieser Art. Auf seinen Wegen begegneten
Menschen, die von Schicksalsschlägen ihm viele andere Menschen, die ebensol-
oder Misserfolgen im Leben gezeich- che Karren mit sich zogen und sich, wenn
net sind, mit zu begleiten? Als wollte sie die Hand zum kurzen Gruße hoben,
es beschwichtigen, klingt auf diesem müde, aber unendlich verständnisvoll in
Hintergrund jenes andere Wort aus dem die Augen sahen. Nie fragte einer den an-
Petrusbrief: Alle eure Sorge werfet auf deren, was er geladen habe, nie wunderte
ihn, (Gott) denn er sorgt für euch. Aber sich einer über des anderen Last. Es war,
Beschwichtigung ist das nicht. Es ist die als wäre für jeden nur der eigene Karren
Einladung, all das abzugeben, was unsere von Bedeutung.
Kräfte übersteigt. Einmal begegnete dem Menschen auf
Fakt ist, dass wir Lasten, die drücken, seinen Wegen ein anderer, der hatte offen-
leichter machen können, indem wir mit- sichtlich viel weniger auf seinem Karren
tragen helfen. Genau das meint der Pre- geladen. Die Neugierde trieb ihn, nun
digttext für morgen, der das Wort des doch anzuhalten und zu fragen. Denn es
Paulus aufgreift: „Tragt einander und machte ihn misstrauisch und neidisch, zu
wechselseitig die Lasten, so werdet ihr sehen, dass da einer auf gleichen Wegen
das Gesetz Christi erfüllen.“ (Gal. 6.2) mit so viel weniger Lasten beladen war.
Damit wir das können, sollten wir selbst Und er fragte: „Wie kommt es, Reisender,

2 Briefe aus Brenndorf 62/2006


dass du auf deinem hölzernen Karren so Ein anderes Mal begegnete der Mensch
wenig geladen hast? Kann es nicht sein, auf seinen Wegen einem anderen. Der
dass du unterwegs wichtige Dinge ver- zog einen leeren Karren hinter sich her.
loren hast?“ Die Neugierde trieb den Menschen wie-
Der Reisende überlegte eine Weile und der anzuhalten. Und er fragte: „Warum,
sagte lächelnd: „Es ist nicht zu wenig Reisender, hast du nichts geladen auf
darauf. Du musst einfach ein paar alte deinem Karren? Hast du denn all dein
unbrauchbare Stücke herunterwerfen. Hab und Gut verloren?“ Der Reisende
Lass sie liegen; dreh dich nicht um und sagte mit freundlichem Lachen: „Was
trauere ihnen nicht nach. Du wirst sehen, soll ich Ballast auf meinem Karren hin-
du brauchst sie eigentlich gar nicht. Und ter mir herziehen? Ich brauche ihn nicht.
es läuft sich viel leichter dann.“ Du musst einfach alles herunterwerfen
Der Mensch blickte den anderen un- von deinem Karren. Du wirst sehen, dass
gläubig an. Er nahm seinen Gürtel wieder du nichts vermisst. Und es geht sich viel
auf und zog wortlos weiter mit seinem leichter so.“
schweren Karren. Aber die Worte ver- Wortlos und noch misstrauischer setzte
klangen nicht ungehört. Ob er wollte der Mensch seinen Weg fort. Aber die
oder nicht, manchmal erschien ihm die Worte klangen ihm im Ohr. Eines Tages,
Idee verlockend, die schwere Last hinten nahm er sich vor und setzte diesen Tag in
etwas zu erleichtern. Eines Tages, nahm unbestimmte Ferne, werde auch ich alles
er sich vor und setzte diesen Tag in unbe- von meinem Karren werfen.
stimmte Ferne, werde auch ich ein paar Ein weiteres Mal begegnete der Mensch
Stücke am Wegesrand lassen. einem anderen, der lief ohne Karren

Gottesdienst in der St. Jakobuskirche in Brackenheim, v.l.n.r: Pfarrer Helmt Kramer, Pfarrer Dr. Peter Klein, Pfarrer
i.R. Helmut von Hochmeister sen., Helmut von Hochmeister und Kuratorin Rosi Rusu. Foto: Petra Reiner

Briefe aus Brenndorf 62/2006 3


seines Weges. Die Neugierde trieb den hen lassen. Aber da merkte er, dass ihm
Menschen nun so stark, dass er schon der Gürtel schon zu lange um die Schul-
von weitem rief: „He, Reisender, wo hast tern lag und der Karren schon zu schwer
du deinen Karren gelassen? Hast du ihn nach hinten zog. Er spürte, wie verwach-
verloren?“ sen er mit dem Gürtel war und dass er
Der Reisende drehte sich einmal um den Karren niemals mehr zurücklassen
sich selbst, warf die Arme hoch und konnte. Und er konnte nicht verhindern,
sprang in die Luft. Als er sich von seinem dass ihm noch manches nutzlose Stück
Lachen beruhigt hatte, rief er: „Wozu soll- aufgeladen wurde.
te ich einen Karren brauchen? Du musst Soweit die Geschichte von Marianne
ihn einfach stehen lassen. Du wirst sehn, Schmidt. Das ist das volle Kontrastpro-
es läuft sich viel besser ohne ihn.“ gramm, liebe Gemeinde, zu der ersten
Schweigend und mutlos setzte der Geschichte. Wo stehen wir? Wo stehe ich?
Mensch seinen Weg fort. Er merkte, Lassen wir uns das noch einmal sagen:
wie sein Karren immer schwerer und der Himmel ist gar nicht so weit weg.
schwerer wurde und wie ihm der Neid Es liegt mit an uns, wie wir ihm und
Kräfte raubte. Eines Tages, nahm er sich Gottes Liebe Raum geben oder ob wir
vor und setzte diesen Tag in unbestimmte es vorziehen ihn zur Hölle verkommen
Ferne, werde auch ich meinen Karren ste- zu lassen.

Im Dienste unserer Mitglieder


Vorsitzender Siegbert Bruss berichtete in Brackenheim über
das Wirken des Vorstandes für die Brenndörfer
Liebe Brenndörfer Landsleute und liebe 2003-2006 haben wir zu Pfingsten 2006
Freunde der Brenndörfer! in den „Briefen aus Brenndorf“ veröf-
Vor drei Jahren ist hier in Brackenheim fentlicht. Deshalb werden wir hier, in der
eine Ära zu Ende gegangen. Otto Gliebe gebotenen Kürze, nur einige der wichtigs-
hat den Vorsitz der „Dorfgemeinschaft ten Punkte hervorheben:
der Brenndörfer“ nach 27 Jahren erfolg- – Der neue Vorstand hat die bewährte
reichen Wirkens abgegeben. Wir alle stan- Arbeit des alten Vorstandes fortgesetzt.
den vor schweren Fragen und Zweifeln: Wir konnten auf die bisherigen Erfah-
Wie wird es weiter gehen? Wird das über rungen aufbauen und mussten „das Rad
Jahrzehnte mühsam Aufgebaute viel- nicht neu erfinden“.
leicht zusammenbrechen? Was geschieht – Wir haben versucht, den Zusammen-
mit der Dorfgemeinschaft, wenn sie über halt der Brenndörfer zu festigen, den Kon-
Jahre ohne Führung dasteht? takt zu unseren Mitgliedern zu pflegen.
Ein jüngeres Team hat sich der Her- Und da waren alle Mitglieder des Vor-
ausforderung gestellt. Die Mitgliederver- standes gefordert, denn die meisten sind
sammlung vor drei Jahren hat dem neuen berufstätig und die Aufgaben mussten
Vorstand das Vertrauen ausgesprochen. auf mehrere Schultern verteilt werden.
Heute stehen wir da, um Rechenschaft Unser Ehrenvorsitzender Otto Gliebe, der
über das Geleistete abzulegen. Was hat weiterhin im Vorstand mithilft, schreibt
der Vorstand in den letzten drei Jahren den Altersjubilaren zum Geburtstag und
für unsere Gemeinschaft getan? Den voll- schreibt auch den Hinterbliebenen, wenn
ständigen Tätigkeitsbericht für die Jahre jemand in der Familie gestorben ist. Hugo

4 Briefe aus Brenndorf 62/2006


Thiess sammelt die Familiennachrichten che in Brenndorf. Unsere Kirche wurde
für die „Briefe aus Brenndorf“. Edmund beim Erdbeben im Mai 1990 beschädigt
Seimen verwaltet die Adressen und die und muss dringend renoviert werden. Der
Finanzen. Kronstädter Kirchenbezirk hat die „Dorf-
– Das sind wichtige Aktivitäten, denn gemeinschaft der Brenndörfer“ vor zwei
es interessiert uns alle, wenn jemand ge- Jahren gebeten, die Reparatur zu unter-
heiratet hat oder wenn sich Nachwuchs stützen. Diesem Hilferuf sind wir nachge-
einstellt. Die „Briefe aus Brenndorf“ sind kommen und sammeln seit Weihnachten
ein wichtiges Bindeglied für unsere ver- 2004 Spenden unter den Mitgliedern der
streut lebende Gemeinschaft. Besonders „Dorfgemeinschaft“. Wir danken allen,
erfreulich fand ich das Foto von Caro- die diesem Aufruf nachgekommen sind,
lin Schuster im Weihnachtsheft 2005. Sie denn sie haben gezeigt, dass ihnen das
hat in siebenbürgisch-sächsischer Tracht Schicksal der evangelischen Kirche und
konfirmiert. Wir ermuntern auch andere unseres Kulturerbes nicht gleichgültig
Brenndörfer, diesem Beispiel zu folgen geworden ist. Wir wissen, dass die der-
und möglichst viel von unseren Werten, zeitigen Mittel (unsere Mitglieder haben
Traditionen, Erinnerungen und von un- 9 200 Euro gespendet) für die anstehenden
serer Mundart an die junge Generation Arbeiten (schätzungsweise 50 000 Euro)
weiterzugeben. nicht ausreichen. Deshalb haben wir ei-
– Der Heimatbrief erscheint seit Pfings- nen Förderantrag an die Siebenbürgisch-
ten 2005 mit farbigem Umschlag und Sächsische Stiftung in München gestellt.
kommt bei unseren Lesern sehr gut an. An dieser Stelle darf ich eine sehr erfreu-
– Eine besonders schwere Aufgabe ist liche Entwicklung verkünden. Die Stif-
die Renovierung der evangelischen Kir- tung wird in einigen Tagen eine Sitzung

Der Kirchenchor unter der Leitung von Detlef Copony gestaltete den Gottesdienst in der St. Jakobuskirche musi-
kalisch mit, an der Orgel spielte Hans-Günther Mörk. Foto: Petra Reiner

Briefe aus Brenndorf 62/2006 5


in Wien halten und unserem Antrag mit wir es zu einem guten Ende geführt ha-
großer Wahrscheinlichkeit zustimmen. ben. Wir danken Manfred Copony für
Wir wissen noch nicht, wie hoch die För- seinen außerordentlichen Einsatz. Er be-
derung ausfallen wird. Aber für uns und treut nicht nur die Renovierung, sondern
vor allem für die Sachsen in Brenndorf ist er steht unserer Kuratorin Rosi Rusu bei,
es ein großes Zeichen der Hoffnung. Die hat Einblick in ihre Arbeit und kann alle
Kirche in Brenndorf hinterlässt bei den Hilfsmaßnahmen, die wir der Kirchen-
Besuchern einen schlechten Eindruck, gemeinde zukommen lassen, vor Ort
wie mir viele Burzenländer Freunde er- entscheiden bzw. koordinieren.
zählen. Nun bestehen gute Aussichten, – Ein Höhepunkt unseres Kulturlebens
dass unser Gotteshaus in den nächsten in der letzten Amtszeit war das 50-jährige
Jahren renoviert wird. Unsere Spenden Jubiläum der „Jungen Blaskapelle Brenn-
haben sich gelohnt, denn unser Interesse, dorf“, das am 8. Oktober 2005 in Dra-
unsere Vorleistung waren ganz wichtige benderhöhe stattfand. Den Musikanten
Argumente, um die Siebenbürgisch-Säch- dankte unser Ehrenvorsitzender Otto
sische Stiftung von der Notwendigkeit Gliebe seitens der „Dorfgemeinschaft der
einer Finanzförderung zu überzeugen. Brenndörfer“ mit Urkunden und kleinen
Wir rufen alle Landsleute dazu auf, dieses Geschenken. Die Blasmusik pflegt unsere
Vorhaben weiterhin zu unterstützen, bis Traditionen aus Brenndorf und wird von

Danksagung
an Elfriede Tontsch

Elfriede Tontsch (Salzburg)


schied nach 23-jähriger Tätig-
keit aus dem Vorstand aus.
Das Amt hatte sie nach dem
Tode ihres Mannes, Reinhardt
Tontsch, 1983 übernommen.
Sie hat die Brenndörfer in Ös-
terreich gewissenhaft betreut,
Spenden gesammelt sowie die
Heimatbriefe und Burzenlän-
der Kalender innerhalb von
Österreich verteilt bzw. ver-
sandt. Den Versand der Hei-
matbriefe wird sie auch künf-
tig betreuen. In Brackenheim
bedankten wir uns für ihren
langjährigen ehrenamtlichen
Einsatz mit einem Blumen-
strauß und dem Bildband
Burzenland von Martin Rill
Friedchen Tontsch hat die Brenndörfer in Österreich 23 Jahre lang und Martin Eichler. Wir wün-
bestens betreut, auf dem Bild mit Otto Gliebe (rechts) und Siegbert schen Friedchen noch viele ge-
Bruss. Foto: Petra Reiner sunde und glückliche Jahre.

6 Briefe aus Brenndorf 62/2006


uns moralisch und finanziell unterstützt. von unseren Nachbarschaftstagen und
Die „Grundsätze der Zusammenarbeit Regionaltreffen, der Blaskapelle und dem
zwischen der ‚Dorfgemeinschaft der Kirchenchor, von Vorstandssitzungen,
Brenndörfer‘ und der Blaskapelle Brenn- von der Ortschronik von Rudi That,
dorf“ wurden bei der Vorstandssitzung aber auch von anderen Burzenländer Ge-
2004 in Tandern beschlossen. meinden. Wir laden euch alle ein, diese
– Das Ehepaar Rainer und Monika Ausstellung anzuschauen, Freunde und
Schuster hat das erwähnte Treffen in Dra- Bekannte auf den Fotos zu erkennen und
benderhöhe gemeinsam mit ihrem Helfer- einzutauchen in unsere Geschichte der
team bestens organisiert. Wir hoffen, dass letzten drei Jahrzehnte.
beide auch künftige Treffen veranstalten, – Viele Aktivitäten hat Jugendreferent
denn auch in Nordrhein-Westfalen und in Norbert Thiess in den letzten Jahren
den benachbarten Bundesländern wollen für die jüngeren Leute organisiert: Ski-
sich die Brenndörfer gerne treffen und und Anglertreffen, einen Faschingsball
gemeinsam feiern. Hans und Laura Dar- in diesem Jahr. Brenndorf wurde 2005
abas werden 2007 ein Regionaltreffen in Sieger des Burzenländer Fußballturniers.
Garching veranstalten, in Baden-Würt- Wir gratulieren unseren Sportlern! Gert
temberg sind wir noch auf der Suche nach Mechel wird Norbert Thiess künftig als
freiwilligen Organisatoren. Jugendreferent unterstützen. Wir wün-
– Die Familienforschung und Doku- schen beiden viel Erfolg bei der Jugendar-
mentation der Ortsgeschichte von Brenn- beit.
dorf werden von Hugo Thiess und Otto – Unser Videoprojekt könnte eine Brü-
Gliebe betreut. Beide haben im vorigen cke schlagen zwischen Jung und Alt. Die
Jahr Band III der Presbyterialprotokolle ältere Generation kommt in die Jahre. Wir
der evangelischen Gemeinde von Brenn- wollen verhindern, dass wertvolle Erin-
dorf von 1886-1895 bearbeitet und auf nerungen an Brenndorf verloren gehen.
CD-ROM herausgegeben. Otto Gliebe hat Deshalb beabsichtigen wir, Zeitzeugen zu
vor kurzem Band IV mit den Protokollen befragen und auf Videofilm aufzuzeich-
von 1895-1907 bearbeitet. Die brandneue nen. Der rasante Forschritt der Technik
CD kostet 6 Euro und kann hier in Bra- ermöglicht inzwischen gute private Vide-
ckenheim bei Otto Gliebe erworben wer- oaufzeichnungen. Wir rufen unsere Mit-
den. Noch in diesem Jahr wird er auch glieder auf, sich an diesem Vorhaben zu
Band V bis zum Jahr 1914 abschließen. beteiligen und Verbindung aufzunehmen
Damit wird ein wichtiges Kapitel Brenn- mit unserem stellvertretenden Vorsitzen-
dörfer Ortsgeschichte für die Forschung den Volker Kreisel, der auch dieses Tref-
und breite Öffentlichkeit zugänglich ge- fen gemeinsam mit seinem Helferteam
macht. Es ist eine außerordentlich müh- organisiert hat.
same Arbeit, die Otto Gliebe leistet. Dafür Abschließend danke ich allen Vor-
sei ihm herzlich gedankt. standsmitgliedern sowie Pfarrer Dr. Peter
– Wochenlange Arbeit hat auch Uta Klein und Kuratorin Rosi Rusu für die
Martini in die sehr gut strukturierte Aus- gute und harmonische Zusammenarbeit.
stellung „30 Jahre Dorfgemeinschaft der Ein besonderer Dank gilt allen unseren
Brenndörfer“ investiert. Gezeigt werden Mitgliedern und Freunden, die durch
Fotos von den Anfängen der Brenndörfer Spenden, Anregungen und Zuspruch hel-
Treffen im Jahr 1947, von der Geburts- fen, dass die „Dorfgemeinschaft“ ihren
stunde der „Dorfgemeinschaft der Brenn- Aufgaben nachkommen kann.
dörfer“ zu Pfingsten 1976 in Dinkelsbühl, Siegbert Bruss

Briefe aus Brenndorf 62/2006 7


Brenndörfer feierten 30-jähriges Jubiläum
Neunter Nachbarschaftstag fand am 23.-24. September 2006
in Brackenheim statt
Die „Dorfgemeinschaft der Brenndör- in jenseitiger Ferne verheißen und ver-
fer“ (HOG Brenndorf) hat ihr 30-jähriges sprochen hat, sondern im gelebten Leben,
Bestehen beim neunten Nachbarschafts- im Hier und Jetzt“. Unser Tun stehe, auch
tag am 23.-24. September 2006 in Bra- für jene, die ausgezogen seien aus Sie-
ckenheim gefeiert. Rund 420 Landsleute, benbürgen, „immer noch unter dem Se-
darunter viele Familien mit Kindern, gen Gottes“. Der ehemalige Kirchenchor
ließen in intensiven Gesprächen die Ge- Brenndorf unter der Leitung von Detlef
meinschaft für einige Stunden wieder Copony gestaltete den Gottesdienst mit.
aufleben, so wie sie uns aus Brenndorf An der Orgel spielte Hans-Günther Mörk
vertraut ist. von der Jakobus-Stadtkirche.
Als Vertreter der Kirchengemeinde
In einer bewegenden Predigt am Sams- Brenndorf konnten Pfarrer Dr. Peter
tagvormittag in der evangelischen Jako- Klein, Seelsorger in Petersberg, Brenn-
bus-Stadtkirche zu Brackenheim legte dorf und Honigberg, Manfred Copony,
Pfarrer Helmut Kramer den Gottesdienst- Bezirksanwalt des Kronstädter Kirchen-
besuchern die Erkenntnis nahe, „dass bezirks, Kuratorin Rosi Rusu und Kir-
Gott seinen Menschenkindern Liebe und chenratsmitglied Emilia Schuster jun.
Lebenserfüllung nicht erst grundsätzlich begrüßt werden. Mit ihnen wurde ein

Die Blaskapelle Brenndorf unter der Leitung von Walter Dieners sorgte mit vertrauten Klängen für heimatliche
Stimmung. Foto: Petra Reiner

8 Briefe aus Brenndorf 62/2006


gewinnbringender Dialog geführt, um referent). Neu hinzu kamen zwei junge
die Kirchengemeinde Brenndorf auch Mitstreiter: Heide Stamm-Kaul als Schrift-
künftig gezielt zu unterstützen. führerin und Gert Mechel als Jugendre-
Durch die Anwesenheit der Gäste aus ferent. Kassenprüferinnen sind weiterhin
der Heimat und die vielen Begegnungen Edda Rhein und Herta Seimen-Sperlich.
und Gespräche bekomme der Nachbar- Zudem wurde eine neue Satzung der
schaftstag erst seinen tiefen Sinn, hatte „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“
Pfarrer Kramer zur Begrüßung im Got- (HOG Brenndorf) verabschiedet. Die
tesdienst gesagt. „Denn letztendlich geht alte Fassung war bald drei Jahrzehnte
es nicht um Erinnerung an längst verflos- alt, so dass eine Anpassung an die ge-
sene Zeiten, sondern um tatkräftige Hilfe genwärtigen und künftigen Ziele unserer
und Unterstützung der Heimatgemeinde. Gemeinschaft notwendig geworden war.
Die Heimatortsgemeinschaft der Brenn- Die Satzung ist unter [Link].
dörfer hat sich von Anfang an in die Pla- de einzusehen oder kann beim Vorstand
nung und Koordinierung der Hilfen für angefordert werden. Die HOG Brenndorf
Siebenbürgen und besonders für Brenn- ist ein nichtrechtsfähiger Verein. Ob wir
dorf aktiv eingebracht und dafür gebührt uns zu einem späteren Zeitpunkt als ein-
allen, die verantwortlich zeichneten und getragener Verein konstituieren, wird der
zeichnen, unser herzlicher Dank.“ Vorstand in einer Sitzung erörtern.
Die Brenndörfer fanden sich anschlie- Uta Martini bot in einer sehr gut struk-
ßend zu einem gemütlichen Beisam- turierten Ausstellung Einblick in das se-
mensein im Bürgerzentrum ein. Nach gensreiche Wirken der „Dorfgemeinschaft
Grußworten von Pfarrer Peter Klein und der Brenndörfer“ seit ihrer Gründung zu
Kuratorin Rosi Rusu legte Siegbert Bruss Pfingsten 1976 in Dinkelsbühl. Zu sehen
Rechenschaft ab über die Tätigkeiten der waren Fotos und Dokumente angefangen
„Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“. vom ersten Brenndörfer Treffen im Jahr
Der Vorstand stehe im Dienste der Ge- 1947 in Dinkelsbühl bis hin zu den heu-
meinschaft, die es zu festigen gilt (siehe tigen Aktivitäten.
Ansprache auf Seite 4-6 dieses Heimat- Karin Darabas sorgte bereits zum drit-
briefes). Des Weiteren wurden die Eck- ten Mal für die Kinderbetreuung, die von
daten des Kassenberichtes von Edmund den Jüngsten dankbar angenommen wur-
Seimen vorgelesen. Demnach ist die de (siehe Titelbild dieser Ausgabe).
finanzielle Lage unseres Vereins ausge- Die Blaskapelle Brenndorf unter der
wogen. Nachdem die Kassenprüferinnen Leitung von Walter Dieners trug wesent-
Edda Rhein und Herta Seimen-Sperlich lich zur heimatlichen Atmosphäre im
schon vor dem Treffen eine ordentliche hellen, geräumigen Theodor-Heuss-Saal
Finanzgebarung festgestellt hatten, wur- des Bürgerzentrums bei. Die Musikanten
de der Vorstand entlastet. erfreuen die Herzen der Brenndörfer stets
Unter der Wahlleitung von Jürgen aufs Neue. Auch vor 30 Jahren war das
Mooser wurden die bisherigen Vor- nicht anders. 1976 hatte ein Kamerateam
standsmitglieder wieder gewählt: Sieg- der „Sendung in deutscher Sprache“ des
bert Bruss (Vorsitzender), Volker Kreisel Rumänischen Fernsehens einen Film
(stellvertretender Vorsitzender), Edmund über die Blaskapelle Brenndorf gedreht.
Seimen (Kassenwart), Hugo Thiess (Fa- Dieser Film wurde nun in Brackenheim
milienforschung), Uta Martini (Fotoar- gezeigt. In einem passenden Kommentar
chiv), Manfred Copony (Beziehungen zu erinnerte Horst Hergetz an das Wirken
Brenndorf) und Norbert Thiess (Jugend- dieser wichtigen Kulturformation.

Briefe aus Brenndorf 62/2006 9


Grüße seitens der Stadt Brackenheim tagen. Schade, dass die Band Ende dieses
überbrachte abends die stellvertretende Jahres aufgelöst wird.
Bürgermeisterin Jutta Layher, die begeis- Organisator Volker Kreisel sowie seinen
tert war von der intensiven Gemeinschaft Helferinnen und Helfern sei für dieses
der Brenndörfer. Unter den Gästen konn- erfolgreiche Treffen gedankt, darunter
ten auch Vertreter befreundeter Burzen- Benno Wagner und Sibylle Dworschak
länder HOGs begrüßt werden: Anton (Kasse). Wiltrud und Jürgen Mooser ha-
und Anneliese Madlo (Honigberg) sowie ben uns bei der Bestellung des Saales und
Karl-Heinz Brenndörfer und Heide-Rose des Party-Services geholfen. In Bracken-
Tittes (Heldsdorf). heim fühlen sich die Brenndörfer wohl
Die „Vocalis“-Band spielte bis spät in und viele wünschen sich, dass auch der
die Nacht hinein zum Tanz auf und be- zehnte Nachbarschaftstag im Jahr 2009
geisterte Jung und Alt wie noch keine an- hier abgehalten wird.
dere Band bei früheren Nachbarschafts- Siegbert Bruss

Fortschritte bei der Kirchenrenovierung


Vorstand führte Dialog mit den Gästen aus Brenndorf
Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung fördert Bauvorhaben
Während des Brenndörfer Treffens am zu fördern. Einen Förderantrag an die
23. September 2006 im Bürgerzentrum Stiftung hatte Siegbert Bruss seitens der
Brackenheim fand die Vorstandssitzung Dorfgemeinschaft gestellt.
der „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ Da der Vorstand der „Dorfgemeinschaft
statt. Vorsitzender Siegbert Bruss be- der Brenndörfer“ diesen Beschluss noch
grüßte die Anwesenden und bekundete nicht kannte, aber erhofft hatte, stellte er
seine Freude, dass die Gäste aus Brenn- sich darauf ein, die Kirchenrenovierung in
dorf (Pfarrer Dr. Peter Klein, Rosi Rusu, enger Zusammenarbeit und in Absprache
Manfred Copony und Emilia Schuster) mit der Siebenbürgisch-Sächsischen Stif-
angereist waren und somit einen direkten tung durchzuführen. Die Siebenbürgisch-
Dialog zwischen Kirchengemeinde und Sächsische Stiftung hat in den neunziger
der HOG Brenndorf ermöglichten. Bera- Jahren die Patenschaft über die Kirchen-
ten wurde über die Kirchenrenovierung, burgen in Tartlau (die zum UNESCO-
die Modernisierung des Pfarrhauses, die Weltkulturerbe gehört) und Honigberg
Friedhofspflege und sonstige Anliegen der übernommen und in beiden Burzenlän-
Kirchengemeinde Brenndorf. der Gemeinden umfangreiche Renovie-
rungsarbeiten durchgeführt. Deshalb ist
Fortschritte wurden bei der Kirchen- es nahe liegend, die bewährten Fachleute
renovierung in Brenndorf erzielt: Beim und Arbeiter der Siebenbürgisch-Säch-
Treffen in Brackenheim war es noch nicht sischen Stiftung, wenn möglich, auch in
sicher, aber wenige Tage später, stand das Bauvorhaben in Brenndorf einzube-
es fest: Die Siebenbürgisch-Sächsische ziehen. Die Siebenbürgisch-Sächsische
Stiftung hat unter ihrem Vorsitzenden Stiftung wird im Pfingstheft 2007 der
Hans-Christian Habermann am 27. Sep- „Briefe aus Brenndorf“ vorgestellt.
tember 2006 in Wien beschlossen, die Kir- Die Kirchenrenovierung in Brenndorf
chenrenovierung in Brenndorf mit einem wird mehrere Jahre in Anspruch neh-
Betrag von voraussichtlich 40 000 Euro men. Da die endgültigen Kosten noch

10 Briefe aus Brenndorf 62/2006


nicht feststehen, ruft der Vorstand der Brenndorf vorerst mit einem Betrag von
„Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ alle 2 000 Euro zu fördern.
Landsleute dazu auf, dieses Vorhaben Wie die Vertreter der Kirchengemeinde
weiterhin mit Spenden zu unterstützen, berichteten, wird der Friedhof in Brenn-
bis wir es – gemeinsam mit der Stiftung – dorf zurzeit nicht mehr in bewährter Art
zu einem guten Ende geführt haben. und Weise gepflegt. Deshalb wurde ge-
Einige schadhaften Stellen auf dem meinsam vereinbart, den Vertrag mit dem
Kirchdach wurden von Manfred Copo- Friedhofspfleger auf eine neue Grundlage
ny behoben. zu stellen. Die Bezahlung soll künftig pro-
Manfred Copony erläuterte sein Vorha- jektbezogen, nach der geleisteten Arbeit,
ben, das Pfarrhaus in Brenndorf zu mo- und nicht mehr aufgrund eines festen
dernisieren, ein Gästehaus einzurichten Monatslohnes erfolgen. Es ist noch offen,
und einen Bauernhof aufzubauen. Vier ob der jetzige Pfleger Hans Zacharias dem
Zimmer sollen jeweils mit eigenem Bad neuen Vertrag zustimmen wird oder ob
und getrenntem Zugang für Gäste ein- neue Mitarbeiter gesucht werden müssen.
gerichtet werden. Auch die Veranda des Zur Arbeitserleichterung der Friedhofs-
Pfarrhauses müsse komplett renoviert pflege soll eine benzinbetriebene Hecken-
werden. Das Pfarrhaus in Brenndorf soll schere angeschafft werden.
vom Evangelischen Kirchenbezirk Kron- Die Weihnachtsbescherung der evange-
stadt an Manfred Copony vermietet bzw. lischen Kirchenmitglieder in Brenndorf
verpachtet werden. Die vertraglichen Be- wird Manfred Copony auch in diesem
dingungen müssen noch geregelt werden. Jahr besorgen. Dafür sei ihm auch von
Den Großteil der Arbeiten führt Manfred dieser Stelle herzlich gedankt.
Copony in eigener Regie aus. Laut Stel- Des Weiteren sprach Kuratorin Rosi
lungnahme des Vorsitzenden Siegbert Rusu die Schwierigkeiten bei der Rück-
Bruss ist das Vorhaben aus mehreren gabe des kirchlichen Eigentums an. Die
Gründen zu begrüßen: Das Pfarrhaus, ein politische Gemeinde sei auch in dieser
historischer Gemeinschaftsbau der Sie- Hinsicht nicht entgegenkommend und
benbürger Sachsen in Brenndorf, der re- vermiete die Immobilien weiter, statt sie
novierungsbedürftig sei, werde dadurch an den rechtmäßigen Besitzer, die evan-
instandgesetzt und modernisiert. Zudem gelische Kirchengemeinde, zu erstatten.
werden die neu verfügbaren Gästezim- Pfarrer Dr. Peter Klein regte daher an,
mer mit großer Wahrscheinlichkeit aus- fachlichen Rat von einem geeigneten
gewanderte Sachsen dazu veranlassen, Rechtsanwalt einzuholen.
Brenndorf zu besuchen. Damit werden In der Beratung, die zugleich konsti-
die Verbindungen zur alten Heimat wie- tuierende Sitzung des neuen Vorstandes
der aufgefrischt, und es kommt wieder war, wurden die künftigen Aufgaben
mehr Leben nach Brenndorf. Vor allem im Rahmen des Vorstandes festgelegt:
der geplante Bauernhof und die Heimat- Die wieder gewählten Vorstandsmitglie-
stube könnten ein Stück siebenbürgisch- dern werden ihre bisherigen Bereiche
sächsischer Kultur vermitteln und die fortführen. Als Schriftführerin kommt
junge Generation anziehen. Heide Stamm-Kaul neu hinzu und als
Mit Blick auf die notwendige Reno- Jugendreferent Gert Mechel (zusammen
vierung des Pfarrhauses beschloss der mit Norbert Thiess). Die Gäste bedankten
Vorstand der „Dorfgemeinschaft der sich für die Einladung und den herzlichen
Brenndörfer“ einstimmig, die Moderni- Empfang in Brackenheim.
sierung des evangelischen Pfarrhauses in Heide Stamm-Kaul

Briefe aus Brenndorf 62/2006 11


Einfach spitze:
Unsere Kinder in Brackenheim!
Eine Gruppe von ca. 17 Kindern fand Jesus zieht in Jerusalem ein; Die Pyramide
sich am Samstagnachmittag zur Kin- zu Vater, Sohn, Heiliger Geist u.a.
derbetreuung in Brackenheim ein. Die Die Kinder konnten auch frei malen. Je-
Kleinsten waren zwei Jahre alt, die äl- des Kind bekam auf sein gestaltetes oder
testen zwischen zehn und elf Jahren. Im bemaltes Blatt einen kleinen Aufkleber
schönen Raum bei der Garderobe hießen mit dem Zuspruch: „Manchmal brauchst
Ursula Franz, geborene Dworschak (4), du einen Engel, der dich schützt und dich
und Karin Darabas (269/36) die Kinder führt.“ Zum Schluss gab es noch das
herzlich willkommen. spannende Fischblasspiel auf dem Tisch.
Wir saßen im Stuhlkreis, in der Mitte Manchmal wurden die leichten Fische
stand eine Kerze und daneben der gute über das Ziel hinaus gepustet und fielen
Hirte, der sein gefundenes Schäfchen vor auf den Boden. Dann aber landeten im-
Freude hoch über seinem Kopf hält. Die mer mehr Fische im Zielfeld. Die Fische
Kinder erkannten die biblische Geschich- sollten uns daran erinnern, dass sie ein
te: Gott ist zu uns wie ein guter Hirte und Geheimzeichen der ersten Christen wa-
ER sucht uns, wenn wir verloren gehen. ren und die Buchstaben im griechischen
Ja, es ging an diesem spannenden Nach- Urtext ein starkes Glaubensbekenntnis
mittag um Gott und Jesus. Wir sangen formulierten: ICHTHYS (Fisch): I = Jesus;
Lieder, die Kinder beteten mit der bren- CH = Christus, TH = Theou = Gottes; Y =
nenden Kerze vor ihren Füßen, es gab Yios = Sohn; S = Soter = Retter.
Ratekärtchen zum Leben Jesu. Für uns Leiterinnen war es ein toller
Nach der Stuhlkreisrunde strömten Nachmittag. Wir hoffen, dass es auch
die Kinder zu den vier Tischgruppen euch, liebe Kinder, gefallen hat. Und
mit verschiedenen biblischen Bastel- und wenn ihr von Jesus begeistert seid und ihr
Malangeboten: Die Heilung des blinden von ihm mehr wissen wollt, geht daheim
Bartimäus durch Jesus; Der gute Hirte mit zum Kindergottesdienst. Wir wünschen
seinem Schäfchen; Die Heilung des Ge- euch viel Spaß dabei!
lähmten mit Kreuzworträtsel; Das Puzzle: Karin Darabas

Echo auf das Treffen in Brackenheim


Kuratorin Rosi Rusu schreibt an alle Brenndörfer
Lieber Siegbert, gekommen waren. Der Gottesdienst war
ich möchte dir und allen Brenndörfern auch sehr schön. Otto Gliebe sind wir
in Deutschland und Österreich ein paar dankbar für die vielen Jahre, in denen er
Zeilen senden. Das Treffen in Bracken- sich für die Brenndörfer eingesetzt hat
heim war beeindruckend. Sehr positiv und noch einsetzt.
überrascht war ich von der Ausstellung Auch euch, dem ganzem Team, wün-
von Uta Martini. Es freut mich, dass Ihr schen wir viel Erfolg und macht weiter so.
die Alten nicht vergesst. Brenndorf war Ihr seid alle unter unseren Händen groß
eine Gemeinde von gutem Ruf und Gast- geworden. Dir, lieber Siegbert, wünsche
freundlichkeit. Ich war sehr überrascht, ich viel Glück im Amt. Liebe Grüße auch
dass so viele Leute nach Brackenheim an deine Freundin. Rosi Rusu

12 Briefe aus Brenndorf 62/2006


Stellvertretende Bürgermeisterin war beeindruckt
Jutta Layher, Stellvertreterin des Bür-
fehlenden Grußworte zum Veranstal-
germeisters der Stadt Brackenheim, hat tungsbeginn am 23. September 2006 zum
die für 15 Uhr geplante Begrüßungsrede Ausdruck bringen.
beim Brenndörfer Treffen nicht gehalten. Ich habe selten solch ein Gemeinschafts-
Wegen einer fehlerhaften Terminplanung gefühl in unserem Bürgerzentrum, in un-
kam Frau Layher erst am Samstagabend serer Halle für Alle, empfunden. Auch
in das Bürgerzentrum und erlebte einigeIhr Verständnis für die Situation ist nicht
intensive Stunden der Gemeinschaft mit selbstverständlich. Danke für die „Verge-
den Brenndörfern. Am darauffolgenden bung“. Die Gespräche mit den Verant-
Sonntag überreichte sie uns eine Spen- wortlichen und Ihrem Ehrengast, Pfarrer
de in Höhe von 100 Euro und folgendes Dr. Peter Klein, waren sehr intensiv. Ich
Schreiben: freue mich auf ein Wiedersehen in 2009.
Anbei eine kleine Spende für die „Dorf-
Sehr geehrter Herr Bruss, gemeinschaft der Brenndörfer“. Ihre Or-
mit diesem Schreiben möchte ich noch- ganisation hat mich beeindruckt.
mals mein tiefes Bedauern über meine Jutta Layher

Neue Schriftführerin stellt sich vor


Liebe Brenn- freunden aus den Nachbargemeinden von
dörfer, als die Kronstadt, zu denen ich größtenteils auch
von Ihnen ge- hier nach meiner Auswanderung im De-
wählte Schrift- zember 1990 wieder den Kontakt gesucht
führerin der und gefunden habe und sie deshalb zu
„Dorfgemein- meinen langjährigen Freunden zähle.
schaft der Hermann Hesse sagte einst: „Wo be-
Brenndörfer“ freundete Wege zusammenlaufen, da
möchte ich sieht die ganze Welt für Stunden wie
mich Ihnen Heimat aus.“
vorstellen und Seit Mai 2004 teile ich viele erfüllende,
bedanke mich harmonische und glückliche Stunden mit
an dieser Stelle meinem Ehemann Christian Kaul, die ich
Heide Stamm-Kaul herzlichst für als unsagbare Bereicherung und unabding-
das entgegengebrachte Vertrauen. baren Ausgleich meines Lebens betrachte.
Mein Name ist Heide Stamm-Kaul, In meinem bisherigen Berufsleben habe
geboren 1975 in Kronstadt und aufge- ich als ausgebildete Bürokauffrau und
wachsen in Brenndorf, Kirchengasse 25, Wirtschaftsassistentin einige interessante
als drittes Kind von vier Geschwistern Institutionen und Unternehmen kennen
(Hans-Jürgen, Gudrun und Elke) von Ro- gelernt, die unter anderem auch die Er-
salinde (geb. Tontsch) und Hans Stamm. fahrung der Protokollführung mit sich
Mein neues Zuhause habe ich in Böblin- brachten. Deshalb bin ich der Meinung,
gen gefunden. den Vorstand der „Dorfgemeinschaft
Meine schönsten Kindheits- und Ju- der Brenndörfer“ in meiner Funktion als
genderlebnisse teilte ich mit meinen Ge- Schriftführerin unterstützen zu können.
schwistern, meinen Cousins und Schul- Dieser Herausforderung möchte ich mich

Briefe aus Brenndorf 62/2006 13


mit Herz, Kompetenz und Engagement was du aus dem Leben herausholst,
stellen. Die Arbeit der Dorfgemeinschaft sondern was du hineinsteckst.“ Dieses
zur Erhaltung vieler Traditionen verdient Motto ist eines meiner täglichen Wegbe-
meines Erachtens tiefsten Respekt, be- gleiter und immer wieder eine Orientie-
sonderen DANK, aber auch tatkräftige rungshilfe in unserem meist von groß-
Unterstützung. Der Erfolg macht jedes em Zeitmangel bestimmten Alltag, der
Mal aufs Neue die Überzeugung fürs die Rückbesinnung auf unverzichtbare
Ehrenamt, die ich gerne teile, spürbar. Werte wie beispielsweise Nächstenliebe,
Auch mein ehrenamtliches Engagement Zusammenleben und Erfahrungswerte
in den Kindergärten der Stadt Böblin- erfordert. Meine Besinnung auf diese
gen tue ich aus Überzeugung, was mir Werte hat mir am 23. September 2006
nicht nur viel Freude bereitet, sondern in Brackenheim meine spontane Ent-
zugleich auch eine unsagbare Erfüllung scheidung, die vakante Funktion des
schenkt. Schriftführers zu übernehmen, leicht ge-
Martin Luther King sagte seiner Zeit: macht.
„Das Leben ist ein Talent: Es zählt nicht, Heide Stamm-Kaul

Jugendreferent Gert Mechel stellt sich vor


Mein Name ist Gert Mechel, gebo- Seit Juni
ren am 4. Juni 1973 in Kronstadt. Bis zu 2005 teile ich
meinem fünfzehnten Lebensjahr habe viele glückli-
ich in Brenndorf (Kirchengasse 267) mit che Stunden
meinen Eltern Erika und Heinz Mechel mit meiner
und mit meiner jüngeren Schwester Do- Frau Christa
rothea gewohnt. An diese schönen, unbe- Mechel aus
schwerten Jahre in Brenndorf erinnere ich Birthälm.
mich oft und gerne zurück. In den letz-
Der Neuanfang in Deutschland nach ten Jahren
meiner Ausreise 1988 fiel mir sehr schwer, konnte ich
da ich meine ganzen Freunde zurücklas- Norbert Thiess
sen musste und das Heimweh fast uner- bei der Orga-
träglich war. Die Freundschaften blieben nisation von Gert Mechel
jedoch erhalten, und zwei Jahre später einigen sehr gelungenen Jugend- und
konnte ich fast alle meine alten Freunde Anglertreffen unterstützen. Diese Tref-
hier in Deutschland besuchen. fen wollen wir in Zukunft weiterführen,
Nach der Berufsausbildung zum Elek- um die Gemeinschaft zu erhalten und
tromechaniker habe ich zwölf Jahre auch die jungen Brenndörfer dafür zu
als Flugzeugelektroniker bei der Bun- begeistern.
deswehr gearbeitet. Am Ende meiner Ich bedanke mich herzlichst für Ihr
Dienstzeit machte ich eine zweijährige entgegengebrachtes Vertrauen und hof-
Ausbildung zum Luftfahrzeugtechniker fe, dass ich die Jugendarbeit zusammen
in Mönchengladbach. Nach dieser Aus- mit dem bisherigen Jugendreferenten
bildung habe ich meine jetzige Arbeits- Norbert Thiess fortführen und die Arbeit
stelle als Avionikprüfer bei einem großen der „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“
deutsch-französischen Hubschrauberher- unterstützen kann.
steller angetreten. Gert Mechel

14 Briefe aus Brenndorf 62/2006


Brenndörfer Angler in Norwegen
In Royksund, dem „Mekka” für Anglerfans
In diesem Jahr war es für die Brenn- gefleckter Lippfisch, Leng, Scholle, Ma-
dörfer Angler besonders schwer, einen krelen, Knurrhahn. Sogar Taschenkrebse
gemeinsamen Termin zu finden. Am 4. waren vor uns Brenndörfern nicht sicher.
August war es dann soweit: Ab nach Nach dem Angeln nahmen wir ein
Royksund, nach Norwegen, ein „Mekka“ erfrischendes Bad in unserem kleinen
für Anglerfans. Freies Angeln, gesicherte Swimmingpool. Fast täglich verzehrten
Fänge – also wurden die Angeln „scharf“ wir natürlich frischen, gegrillten Fisch.
gemacht. Für den Nachtisch sorgten Nils und
In den letzten Jahren gab es immer eine David, die jede Menge Beeren aus den
gemeinsame Anreise in einem Kleinbus. umliegenden Wäldern sammelten. Die
Dieses Mal erfolgte dies in zwei Gruppen. Stimmung und das Miteinander in der
Norbert Thiess, Christa und Gert Me- Gruppe waren einfach super. Entspre-
chel starteten von Meitingen mit dem ei- chend viel Gaudi gab es auch.
genen PKW am 4. August. Auf der Au- So hatte Christine eines Abends eini-
tobahn A7 ging es bis Flensburg, dann ge Krebse am Ufer entdeckt, die sich die
durch Dänemark über Alborg nach Hirts- Fischreste vom Tagesfang teilten. Ausge-
hals. Ab hier mit der Fähre nach Lan- rüstet mit besonders kreativen Ködern
gesund in Norwegen. Danach über die (Bierdosen, Vorfach mit Fischresten am
Telemark nach Haugesund, Royksund. Hacken), ging die Mannschaft um Mit-
Die Fahrt hatte es in sich: Von Meitingen ternacht auf Krebsfang.
bis Hirtshals waren es 1 200 Kilometer (13
Stunden Fahrt) und von Langesund nach
Royksund waren es 400 Kilometer (acht
Stunden Fahrt).
Klingt lang, aber die Fahrt begeisterte
die Gruppe. Das wunderschöne Gebirge
überraschte mit Gletschern, Gletscher-
seen und kilometerlangen Tunnels.
Schneller ging es bei der zweiten Grup-
pe. Bettina und Luis Gross, Detlef Jekel,
Klaus Teutsch, Christine, Nils, David und
Ralf Drechsler flogen am 5. August vom
Stuttgarter Flughafen über Amsterdam
nach Stavanger. Von dort ging es mit dem
Bus nach Haugesund. Für das letzte Stück
bis Royksund musste das „Haustaxi“
(Gert) herhalten.
Mit frisch gegrillten Makrelen, Wein,
Bier und Schnaps wurde das gemeinsame
Wiedersehen gebührend gefeiert.
Und dann ging es erst richtig los, keine
Fischart wurde verschont: Dorsch, Pollack,
Seelachs (Köhler), Kuckuckslippfisch, Luis und der Leng.

Briefe aus Brenndorf 62/2006 15


Der Fang war unglaublich reichlich und gefeiert, die als Neuling innerhalb von
die Vorspeise am Tag danach entspre- wenigen Stunden den größten Leng ge-
chend lecker. Ein Problem gab es mit der fangen hatte. Davon war auch Luis, unser
Katze der Vermieterin, die miauend mit Jüngster, sehr angetan (siehe Foto.)
dem Vorfach mit Fischresten im Mund Mit vollen Kühlboxen und aufgetank-
und den leeren Bierdosen hinterherzie- ten Energiespeichern ging es es wieder
hend durch die Gegend streifte. auf die Heimreise.
Als Anglerchampion wurde Bettina Klaus Teutsch

Einladung zum 4. Brenndörfer Skitreffen


Da die Schneelage im Januar am si- nachtung im Mehrbettzimmer inklusive
chersten ist, haben wir uns entschlossen, Frühstück 21,50 Euro; Bettwäsche ist mit-
das nächste Skitreffen vom 5. bis 7. Januar zubringen, kann aber auch gegen eine
2007 durchzuführen. Die Skisause findet geringe Gebühr ausgeliehen werden.
wieder in Bad Goisern (Oberösterreich) Bitte schnellstmögliche Anmeldung an:
statt. Die Unterkunft ist die Jugend- Norbert Thiess, Telefon: (01 71) 2 05 31 73,
herberge „Mörtelmühle“, die von der E-Mail: [Link]@[Link], oder Gert
gastfreundlichen Siebenbürger Sächsin Mechel, Telefon: (0 82 71) 80 24 76; E-Mail:
Hanna Hienz bewirtschaftet wird. Bitte gertmechel@[Link]. Informationen über
Folgendes beachten: selbstständige An- die Jugendherberge unter [Link]-
reise am 5. Januar 2007; Preis pro Über- [Link]/moertelmuehle.

Blick in die Ausstellung, die Uta Martini anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der „Dorfgemeinschaft der Brenn-
dörfer“ in Brackenheim zeigte. Foto: Petra Reiner

16 Briefe aus Brenndorf 62/2006


Brenndörfer Jugend- und Faschingstreffen
Die etwas geringe Beteiligung am letzt- „Neuhaus“, direkt an der Straße gelegen.
jährigen Faschingstreffen tat der guten Anmeldung bis zum 20. Januar 2007 bei
vorherrschenden Stimmung keinen Ab- Norbert Thiess, Telefon: (01 71) 2 05 31 73,
bruch. Deshalb rufen wir von dieser Stelle E-Mail: [Link]@[Link], oder Gert
alle jungen und junggebliebenen Brenn- Mechel, Telefon: (0 82 71) 80 24 76; E-Mail:
dörfer auf, nächstes Jahr zahlreicher zu gertmechel@[Link].
erscheinen. Das Faschingstreffen findet Für die ersten 22 Anmeldungen ist
am 10. Februar 2007, wie letztes Jahr, in eine Unterkunft vorhanden. Übernach-
Neuhaus bei Crailsheim statt. Die Veran- tung und Frühstück kosten 21 Euro pro
staltung beginnt um 17.00 Uhr. Alle mas- Person. Bettwäsche ist vorhanden. Allen
kierten Besucher erhalten ein Freigetränk weiteren Teilnehmern kann eine Unter-
ihrer Wahl. kunft in Gasthäusern im nahe gelegenen
Wegbeschreibung: Autobahn A7, Aus- Crailsheim vermittelt werden. Wir hoffen
fahrt Dinkelsbühl/Fichtenau, in Richtung auf eine zahlreiche Teilnahme und ein
Crailsheim abbiegen. Nach ca. sieben gelungenes Beisammensein.
Kilometern erreicht man den Gasthof Norbert Thiess; Gert Mechel

Band V der Presbyterialprotokolle


Im September 2006 hat Otto Gliebe - Pfarrer Michael Semp erkrankt, erholt
Band IV der „Presbyterialprotokolle der sich in Schäßburg und kehrt nach mo-
evangelischen Kirchengemeinde Brenn- natelanger Abwesenheit nach Brenndorf
dorf“ 1895-1907 fertig gestellt, vor we- zurück.
nigen Tagen hat er nun auch Band V mit – Ableben des verdienstvollen Predi-
den Protokollen von 1907-1914 bearbeitet. gers Andreas Stamm am 13. April 1912.
Der neue Band wird in Kürze ebenfalls – Einführung der elektrischen Beleuch-
auf CD-ROM herausgegeben, die sowohl tung in den kirchlichen und schulischen
über die „Dorfgemeinschaft der Brenn- Gebäuden – 1913.
dörfer“ als auch über den Arbeitskreis für – Eigentümer der Brenndörfer Kaser-
Siebenbürgische Landeskunde vertrieben ne wird die politische Gemeinde durch
wird. Tausch derselben mit der evangelischen
Das Leben der evangelischen Kirchen- Kirchengemeinde gegen 70 Joch Gemein-
gemeinde Brenndorf wird in diesen Jah- degrund – 1913.
ren von folgenden Ereignissen geprägt: – Grundrenovierung des Pfarrhauses –
– Das Wirken des Pfarrers Konrad 1913/1914.
Haltrich vom 28. November 1895 bis zu – Ermordung seiner k.u.k. Hoheit, des
seiner Wahl als Pfarrer von Petersberg, Erzherzogs und Thronfolgers Franz Fer-
im Herbst 1912. dinand – 1914.
– 10. Juli 1909 – Prediger Andreas – Die meisten Männer aus Brenndorf
Stamm, 50 Jahre im Dienste der Gemeinde. werden zum Kriegsdienst eingezogen.
– Große Kirchenvisitation durch Bischof – Kurator und Richter (Bürgermeister)
Dr. Friedrich Teutsch im Mai 1910. ist Georg Rhein.
– Als Nachfolger von Pfarrer Haltrich – Schriftführer des Presbyteriums, Leh-
wird Michael Semp, Pfarrer in Rothbach, rer Johann Zakel.
1912 nach Brenndorf gewählt. Otto F. Gliebe

Briefe aus Brenndorf 62/2006 17


Die kanadische Henne
Reinhardt Schuster: Erinnerungen an Brenndorf
Für die „Briefe aus Brenndorf“ baten Taufpate Georg Teutsch damals noch
wir den 70-jährigen Künstler, einige Er- gelegentlich als Metzger tätig war und
innerungen an seine früheren Jahre nie- gerne Innereien und andere Leckerbissen
derzuschreiben – und deren gibt es viele. für seinen großen Appetit spendierte.
Reinhardt Schuster hat seine Zeichnungen Also gut versorgt, wuchs Hobby – so
und Bilder aus jener Zeit hervorgeholt, um hatten wir unseren Findling getauft, ohne
das Erzählte durch diese zu „illustrieren“, damals die Bedeutung des Wortes Hob-
soweit er diese Arbeiten noch hat. by zu kennen, zusehends, und bald ka-
men die ersten Federn zum Vorschein. In
Eines Tages brachten Kinder einen aus diesem Stadium seiner Entwicklung sah
dem Nest gefallenen Vogel, noch nackt, Hobby alles andere als schön aus, und
aber schon mit etwa einem Meter Flügel- wenn er aus dem Schuppen kam, den wir
spannweite zu meinem Bruder Fritz, der ihm als Unterkunft zugeteilt hatten, flüch-
damals in Kronstadt arbeitete. Was nun? teten die Hühner mit großem Geschrei in
Es blieb ihm nichts anderes übrig, als ihn ihren Stall. Der Hahn, der sie eigentlich
mit nach Hause zu bringen. Und weil ich beschützen sollte, wagte es auch nicht,
gerade die Sommerferien in Brenndorf sich mit Hobby anzulegen. Zuletzt kam
verbrachte, konnte ich mich um ihn küm- er ungeniert bis in die Küche.
mern. Des Vogels Glück war, dass mein Als nun eines Tages eine Nachbarin
in unseren Hof trat, stand sie plötzlich
Hobby gegenüber und bekam einen sicht-
lichen Schreck. „Was habt ihr da für ein
scheußliches Vieh?“, fragte sie entgeistert.
Wir empfanden das als eine große Belei-
digung unseres Zöglings, der mir mittler-
weile oft und geduldig Modell stand.
„Das ist eine kanadische Henne“,
sagten wir spontan, ohne uns zu fragen,
warum wir Hobby als kanadische und
nicht etwa indische Henne ausgaben; „die
legt dreimal täglich große Eier“, fügten
wir noch hinzu. „Wirklich?“, staunte die
Nachbarin nicht wenig, und nach kurzer
Überlegung ökonomischer Natur fragte
sie, ob wir ihr nicht auch ein paar Eier
geben könnten. In Gedanken sah sie wohl
ihren Hof voller kanadischer Hühner, de-
ren fantastische Eierproduktion bald den
Bedarf des ganzen Burzenlandes decken
würde. Wir konnten das Lachen nicht
mehr unterdrücken und spätestens dann
merkte sie, dass wir sie auf den Arm ge-
Reinhardt Schuster: „Hobby“, Zeichnung 1959, Rohr- nommen hatten. Ihr seid … ihr seid ja …,
feder und Tusche. was sie uns nannte, habe ich vergessen.

18 Briefe aus Brenndorf 62/2006


Im Herbst musste ich zurück in die
Schule. Ein Jäger aus Hidvég, einem un-
garischen Dorf in Waldnähe, übernahm
Hobby und zog ihn weiter groß, bis er
fliegen lernte. Seine anfänglich kurzen
Ausflüge in den Wald wurden immer
länger, bis er irgendwann nicht mehr
zurückkehrte. Hobby hatte sich selbst
ausgewildert.

Verpetzt
Es war in den Sommerferien 1956, also
vor 50 Jahren, als unsere Nachbarinnen,
Mutter und Großmutter von Kurt Klein,
damals einfach Kurti, diesen tagsüber in
unserer Obhut ließen, weil sie arbeiten
gehen mussten.
Nun stand im Garten der nächsten
Nachbarin ein großer Nussbaum. Die
Nüsse waren ja im Sommer bekannt- Reinhardt Schuster: „Hobby“, Kreidezeichnung 1959.
lich noch nicht reif, uns schmeckten sie
trotzdem. Es machte uns auch nichts aus, Schalen immer verräterische olivgrüne
dass wir nach dem Beseitigen der grünen Finger hatten.
Eines Tages krochen wir, mein Bruder
Günther und ich, geduckt wieder in Rich-
tung Nussbaum. Kurti sollte aufpassen
und uns warnen, falls jemand kommt.
Beweglich, wie ein Kind nun mal ist, blieb
er nicht auf seinem Platze stehen und
plötzlich stand auch die Nussbaumnach-
barin neben ihm. Wissend, dass Kurti bei
uns sein sollte, fragte sie ihn: „Wo sind
denn die beiden?“ Kurti, ehrlich, wie nun
Kinder ebenfalls sind, zeigte mit ausge-
strecktem Arm und Finger in Richtung
Nussbaum und sagte: „Nussni holen.“

Reinhardt Schuster wurde am 1. Sep-


tember 1936 in Brenndorf geboren, be-
suchte ein musisches Gymnasium in
Bukarest und studierte ab 1958 an der
dortigen Kunstakademie. Seit 1983 lebt
er in Deutschland. Zu Pfingsten 2007
Reinhardt Schuster: „Kurti“ (Kurt Klein), Kohlezeich- wird er beim Heimattag in Dinkelsbühl
nung 1956. ausstellen.

Briefe aus Brenndorf 62/2006 19


Für die Kinder ein kleines Abenteuer
Die Brüder Zacharias besuchten Brenndorf nach 22 Jahren
Die Brüder Horst und Daniel Zacha- benbürgenfahrt zu organisieren. Meine
rias aus der Schulgasse (189) haben im Frau Sibylle hätte es bevorzugt, erst 2007
August 2006 gemeinsam mit ihren Fami- nach Rumänien zu fahren, da ihre Hei-
lien die Plätze aufgesucht, die ihre Ju- matstadt im kommenden Jahr zusammen
gend in Brenndorf geprägt haben. Daniel mit Luxemburg Europas Kulturhaupt-
Zacharias schildert im Folgenden seine stadt sein wird. Ich konnte sie jedoch dazu
Reiseeindrücke, die teils begeisternd, teils bewegen, samt unseren beiden Kindern
enttäuschend waren. Für die Kinder war schon in diesem Sommer mitzufahren.
die Reise ein kleines Abenteuer. Kurzerhand begeisterten sich auch mein
Bruder Horst mit seiner Frau Adelheit
Bei verschiedenen familiären Anlässen (ebenfalls einer Hermannstädterin) und
wird gerne über die alte Heimat, alte Be- zwei Töchtern sowie meine Tante, Rein-
kannte und Freunde gesprochen. Mit je- hold Brenndörfers Frau, die Reise mit
der neuen Ausgabe der „Briefe aus Brenn- anzutreten. In einem Telefonat mit Sieg-
dorf“ entflammen die Erinnerungen im- bert erkundigte sich mein Bruder über
mer wieder aufs Neue. Der Wunsch mei- Übernachtungsmöglichkeiten im Raum
ner Eltern, vor allem meines Vater, noch Brenndorf. Siegbert empfahl uns, Kontakt
einmal Brenndorf zu besuchen (sie sind mit Manfred aufzunehmen, der uns die
ja auch nicht mehr die Jüngsten), bewog Unterkunft im evangelischen Pfarrhaus
mich, die Initiative zu ergreifen, 22 Jahre in Neustadt sicherte. Wie es so im Leben
nach unserer Ausreise eine familiäre Sie- ist, erkrankte meine Mutter kurz vor Rei-

Reinhardt Schuster: „Brennende Scheune in der Mühlgasse“, Tuschezeichnung 1959.

20 Briefe aus Brenndorf 62/2006


Blick auf die heutige Schulgasse, links der Saal. Abends finden die Kühe den Weg nach Hause.

seantritt. Solidarisch blieben auch mein einbezogen. Wir stiegen im Urlaub einige
Vater und meine Tante daheim in Lahr. Kirchtürme hinauf: in Tartlau, Neustadt,
Die Reiseeindrücke von Brenndorf wa- Wurmloch, Hermannstadt, aber keiner
ren nach 22 Jahren zum Teil ganz aufre- der Türme war so mit Taubenkot verun-
gend und zum anderen Teil enttäuschend, reinigt wie der in Brenndorf. Das Innere
die Begeisterung überwog allerdings. Wir der Kirche ließ auch zu wünschen übrig.
konnten unseren Familien die Orte zei- Bis auf das hohe Gras und die wild
gen, wo wir unsere Jugend in Brenndorf gewachsenen Sträucher ist der Friedhof
verbracht haben. Das Elternhaus, die gut gepflegt. Vielleicht wird die Situati-
Häuser unserer Großeltern, die Schule, on besser, wenn Manfred das Pfarrhaus
die Kirche, den Friedhof, den Rodelberg bewohnt und von den noch in Brenn-
(Mariasch) auch die Badestelle am Alt dorf lebenden Sachsen kräftig unterstützt
haben wir wieder gefunden. Unser On- wird.
kel Erich Zacharias und Frau Sofia, die Für unsere Kinder war die Reise ein
gleichzeitig Kronstadt und Brenndorf be- kleines Abenteuer. Sie staunten über das
suchten, begleiteten uns in Brenndorf. „einfache“ Leben am Dorfe. Hier kräht der
Im Kreise der Familie Ernst Schuster lästige Hahn schon ganz früh morgens,
in der Honigberger Straße 276 haben wir die Kühe finden abends den Weg nach
uns auch sehr wohl gefühlt. Wir hatten Hause, fast auf jedem Hof sind Hund und
uns einiges zu erzählen, drehten die Zeit Katze zu Hause, Schweine schmatzen so
gedanklich zurück, schauten alte Bilder richtig beim Fressen, stellen sich sogar
an und saßen am reich gedecktem Tisch ins Fressen hinein und zum Schluss leckt
bis in die Dunkelheit zusammen. der Hund dann den Eimer mit den Resten
Enttäuschend war die marode bauliche des Schweinefutters aus. Da gab es viel
Substanz vieler Häuser, der Kirche mit zu sehen, und die Kinder konnten viel

Briefe aus Brenndorf 62/2006 21


draußen spielen. Gameboy und Fernse- Kindheit hier, bei ihrer Oma, verbrachte
hen wurden überhaupt nicht vermisst. hatte.
Nach fünftägigem Aufenthalt im Es war sehr schön für uns, diese Reise-
Burzenland setzten wir unsere Reise für eindrücke von Brenndorf und Hermann-
weitere fünf Tage nach Hermannstadt stadt mit dem Treffen in Brackenheim
fort. Der Aufenthalt in der Stadt am Zi- abzuschließen, alte Klassenkameraden/
bin und im Umland hat uns auch sehr innen, meine Lehrerin der ersten und
gut gefallen. Unsere Ehefrauen zeigten zweiten Klasse Rosi Teutsch, Nachbarn,
uns begeistert ihre alte Heimat. Eine be- ehemalige Freunde und Bekannte zu
sondere Führung durch Wurmloch bot treffen.
uns Horsts Ehefrau, die einige Jahre ihrer Daniel Zacharias

22 Briefe aus Brenndorf 62/2006


0

Beliebte Lehrerin des Burzenlandes


Die Brenndörferin Rosa Tontsch-Foof wurde 100 Jahre alt
Die ehemalige Lehrerin Rosa Tontsch- vorübergehend ihre Stelle als Lehrerin,
Foof, geborene Tontsch, feierte am 13. da damals die Meinung vorherrschte,
Juni ihren 100. Geburtstag bei geistiger Lehrerinnen sollten sich um die Schüler
Frische in Zeiden. Sie hat segensreich in kümmern und nicht um ihre Familie. 1948
und außerhalb der Schule gewirkt und untersagten ihr die kommunistischen
mehrere Generationen von Schülern bes- Behörden, Orgel in den Gottesdiensten
tens für ihr späteres Leben vorbereitet. zu spielen. 1952 wurde sie öffentlich als
Geboren wurde sie 1906 in einer Bau- „Parteifeind und Ausbeuter“ gebrand-
ernfamilie in Brenndorf. Wegen des markt, da ihr Ehemann in der deutschen
Krieges musste sie sechs Jahre lang die Wehrmacht gewesen war. Haus und Hof
Grundschule im Heimatort besuchen. mussten die Foofs für die Kollektivwirt-
1918 kam sie in die Mädchen-Bürger- schaft räumen, Rosa Tontsch-Foof wurde
schule nach Kronstadt, von 1921 bis 1925 aus dem Lehramt entlassen.
besuchte sie das Lehrerinnenseminar in Nach der Klarstellung ihrer Situation
Schäßburg. Sie unterrichtete zunächst in wurde sie zwar in den Schuldienst über-
der Volksschule in Brenndorf, bevor sie nommen, musste aber – da ihre Stelle
1926 in Nußbach als Lehrerin angestellt in Nußbach inzwischen besetzt worden
wurde. Zusätzlich versah sie von 1930 war – in die deutsche Schule nach Zei-
bis 1948 den Organistendienst in dieser den wechseln. Auch hier entfaltete sie
Burzenländer Gemeinde. Als sie 1936 den von September 1952 bis Juni 1963 eine
Nußbacher Peter Foof heiratete, verlor sie segensreiche Tätigkeit.

Briefe aus Brenndorf 62/2006 2 7


Als Rentnerin durfte Rosa Tontsch-Foof
wieder Orgel spielen und vertrat oft die
Organisten in Zeiden, Rosenau, Brenn-
dorf, Heldsdorf, Nußbach oder Foga-
rasch. So hat sie gerne bis ins hohe Alter,
bis zu ihrem 91. Lebensjahr, für unsere
sächsische Gemeinschaft gewirkt.
Als Gratulant zu ihrem 100. Geburts-
tag, kam unter anderen Thomas Ger-
lach, Generalkonsul der Bundesrepublik
Deutschland in Hermannstadt, der ein
Glückwunschschreiben des deutschen
Bundespräsidenten Horst Köhler nebst
einem Korb voll Süßigkeiten überreichte.
Die „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“
gratuliert der Hundertjährigen von dieser
Stelle aus und wünscht ihr Gesundheit
und viel Glück inmitten ihrer Familie.
Siegbert Bruss Rosa Tontsch-Foof

Unsere Kinderspiele in der Neugasse


Otto Gliebe erinnert an Mitte der vierziger Jahre in Brenndorf
Die Spiele, die Mitte der vierziger Jah- seiner Mitspieler zu treffen, „zu hatzen“.
re in Brenndorf gespielt wurden, waren Gelang ihm das, musste der „Gehatzte“
für alle mitspielenden Kinder von hohem ihm eine seiner bunten Lehmkugeln ab-
pädagogischen Wert. Denn sie lernten treten. Der Spieler durfte nun versuchen,
nicht nur spielerisch und unbewusst rech- eine andere Kugel zu „hatzen“. Verfehlte
nen, sondern auch die Konzentration und er die Kugel, war der nächste Spieler an
Motorik der Bewegungen wurden ohne der Reihe. Auf diese Weise wechselten die
Zwang sehr gefördert. bunten Lehmkugeln immer wieder ihre
Besitzer. Eine Schande war es, wenn einer
Kaum, dass die ersten Sonnenstrahlen der Spieler keine Lehmkugel mehr besaß,
den nahenden Frühling ankündigten und denn dann musste er seine Glas- oder Me-
die „Zeile“ beim „klenen Jekel“ (225) oder tallkugel „verpfänden“ und durfte nicht
beim Schuster (226) trocken war, spielten mehr mitspielen, bis er seine Spielkugel
wir Jungen in der Neugasse das Kugel- wieder ausgelöst hatte.
spiel „an de Küch“. Dabei steckten die Schien die Sonne ein wenig wärmer,
Hände die meiste Zeit in den Hosenta- kamen auch die Mädchen „auf die Gasse“
schen, weil die Luft noch recht rauh, oft und spielten mit einem selbst gefertigten
sogar frostig war. Ball „Praifung“ (Prüfung). Dieser Ball
Jeder der Jungen hatte ein Säckchen, in war aus alten Strümpfen fest zusammen-
welchem er die vielfarbigen, gebrannten gewickelt und mit einem starken Garn
Lehmkugeln sowie einige, bis zu einem mit netzförmigen Stichen, zusammen-
Zoll großen Metall- oder aus buntem Glas genäht.
gefertigte Kugeln aufbewahrte. Jeder ein- Dieses Ballspiel wurde an einer Haus-
zelne Spieler versuchte, die Kugel eines wand gespielt und bestand aus 10 ver-

28 Briefe aus Brenndorf 62/2006


schiedenen Übungen. Die erste Übung, beide Beine auf den Boden zu stehen ka-
folglich auch die Leichteste, musste ein- men. Hier wurde mit einem Drehsprung
mal ausgeführt werden, die zweite Übung gewendet und wieder zurück gehüpft.
zweimal usw. bis zur zehnten Übung, wel- Nun mußte man in der gleichen Weise
che zehn Mal ausgeführt werden musste. wieder alle Kästchen mit einem Dach-
Wurde dabei ein Fehler gemacht, so dass ziegelstückchen, das mit der Schuhspitze
der Ball die Erde berührte oder die Übung angeschubst wurde, bespielen und dabei
nicht richtig ausgeführt wurde, war man achten, daß das Ziegelstück nicht auf ei-
„petsch“. Nun war die zweite Spielerin an ner Trennlinie liegenblieb oder aber ins
der Reihe ihre Künste zu zeigen. Gewon- übernächste Feld rutschte, sonst war man
nen hatte, wer zuerst alle zehn Übungen „petsch“.
fehlerlos bestanden hatte. Nachdem auch die Straße trocken war,
Folgende Übungen mussten fehlerfrei gerieten diese Spiele in Vergessenheit und
bestanden werden: das Hauptspiel für die Jungen wurde nun
Ball an die Wand werfen und auffan- der „Zirke“. Dazu brauchte man einen ca.
gen, 70 cm langen Besenstiel, den „Zirkebotz“,
Ball unter dem erhobenen Fuß an die der an einem Ende keilförmig abgeflacht
Wand werfen und auffangen, wurde, und den eigentlichen „Zirke“.
Ball hinter dem Rücken an die Wand Dieser war etwa 20 cm lang, aus dem-
werfen und auffangen, selben Besenstiel gefertigt und an beiden
Ball an die Wand werfen, in die Hände Enden kegelförmig zugespitzt. Das Spiel
klatschen und auffangen, wurde von zwei Mannschaften gespielt
Ball an die Wand werfen und vorn und und verlief wie folgt:
hinten in die Hände klatschen, Von der spielführenden Mannschaft
Ball mit dem Knie an die Wand spielen durfte der erste Spieler den „Zirke schap-
und auffangen, pen“. Der Zirke wurde über ein in die
Ball mit gefalteten Händen an die Wand Straße gemachtes Loch gelegt, um mit
spielen und auffangen, dem „Zirkebotz“, dessen abgeflachtes
Ball mit dem Kopf an die Wand spielen Ende unter den Zirke kam, diesen so
und noch einige andere Übungen. weit wie möglich, über die gegnerische
Trafen sich zwei Kinder aus den Nach- Mannschaft zu schip-
barschaft hörte man den Schlachtruf: pen. Diese stand hinter-
„Kist tea Praifung? Oischt!“ Kommst einander in einer Reihe 9 10
Du Prüfung (spielen)? Erste! und versuchte nun den
8
Das Spiel war auch bei uns Jungen be- „Zirke“ mit den Händen
liebt und oft spielten wir gemeinsam mit zu fangen oder mit den 7
den Mädchen. Füßen zu stoppen. Wur- 5 6
In diese Zeit fiel auch das „Hops- de der Zirke in der Luft 4
Spiel“. Als Vorlage zeichneten die Kinder gefangen, war der Spie- 3
ein Männchen auf die Zeile (siehe Skiz- ler „petsch“. Lag aber der
ze) und teilten dieses in zehn Kästchen, „Zirke“ auf dem Boden, 2
wobei die Beine mit 1-2-3, der Torso, mit legte der „Schapper“ 1
zwei Diagonalen gekreuzt, mit 4-5-6-7, den „Zirkebotz“ quer
der Hals mit 8 und der Kopf mit 9 und über das Loch und einer Beim Hops-Spiel
werden die Felder
10 beziffert wurden. Diese wurden zu- der gegnerischen Spie- in der Reihenfolge
nächst einmal auf einem Bein durchge- ler versuchte nun, den der Nummerierung
hüpft, wobei in den Feldern 5-6 bzw. 9-10 „Botz“ mit dem „Zirke“ angesprungen.

Briefe aus Brenndorf 62/2006 29


zu treffen (hatzen). War dieses geschehen, mit den meisten Punkten. Das Spiel war
war der Spieler auch „petsch“ und der nicht ungefährlich, aber sehr lehrreich,
2. Spieler durfte „schappen“. Wurde der denn auf diese Weise lernten wir Kinder
„Zirke“ gefangen und auch der „Zirke- spielerisch rechnen.
botz“ gehatzt, fiel der Spieler auch für Genau wie Zirke wurde auch Ziffer-
das nächste Spiel aus. Geschah aber kei- zirke gespielt mit dem Unterschied, daß
nes von beiden so konnte das eigentliche der Zifferzirke aus einem vierkantigen
Spiel beginnen. Der Spieler versuchte nun Holz angefertig war, auf dessen vier Flä-
den liegenden „Zirke“ mit dem „Zirke- chen die römischen Zahlen I, III, V und
botz“ auf eines der angespitzen Enden X aufgemalt oder eingeschnitzt waren.
zu schlagen, damit dieser in die Höhe Nachdem der Spieler nicht gehatzt wurde,
springt und versuchte dann, den hoch- schlug er zunächst einmal auf eine Spitze
gesprungenen Zirke so oft wie möglich des ruhenden „Zirkes“. Dieser sprang in
in der Luft zu berühren und nicht hinun- die Luft, fiel wieder runter, und die Zahl,
terfallen zu lassen. Gleichzeitig versucht die nach oben zu liegen kam, war der
er auch, den „Zirke“ soweit wie mög- erste Multiplikator. Mit diesem wurde
lich vom Loch, welches der Mittelpunkt dann das Ergebnis der Berührungen mit
des Spieles war, wegzuschlagen. Diese den Schritten nochmals multipliziert. Da
Übungen durfte er dreimal machen. Da- dieses Spiel rechnerisch zu anstrengend
nach wurde die Anzahl der Berührungen war, wurde es nur ungern gespielt.
mit der Anzahl der Schritte, vom liegen- Das Zirkespiel wurde bis lang in den
den Zirke bis zum Loch multipliziert Sommer hinein gespielt und manches
und das ergab gewöhnlich eine stattliche Fenster bzw. schmerzhafte Berührung,
Zahl von Punkten. Nun durfte der Spie- fiel diesem Spiel zum Opfer. Zwischen-
ler wieder „schappen“ und spielen bis durch wurden auch andere Spiele gespie-
er gefangen oder gehatzt wurde. Konnte lt, wie z.B. „Pillabretsch“ (Ballbrett).
der Spieler den Zirke in der Luft nicht Otto Gliebe
berühren, war er auch „petsch“. Das ging
so weiter bis beide Mannschaften gespielt (Fortsetzung in Folge 63)
hatten. Gewonnen hatte die Mannschaft

Im Krieg in Brenndorf stationiert


Brief an Mitzi und Fritz Galter: In Siebenbürgen Freunde gefunden
Meine innigen Wünsche für einen geseg- Menschenmenge noch einsamer vor als
neten Advent gehen auch an Euch, liebe in deinem leer gewordenen Haus. Also
Mitzi und lieber Fritz, im fernen Amerika. meide ich den Rummel und mache es
Der nebelverhangene, triste November mir in meinem Heim gemütlich. Nach
mit seinen traurigen Gedenktagen ist mit Beginn der Dämmerung brennen auch
klirrender Kälte zu Ende gegangen. Nun bei mir Kerzen und es duftet auch schon
aber haben sich bei stillem Winterwetter nach Lebkuchen beim Nachmittagskaf-
die Straßen und Geschäfte mit Tannen- fee. Dabei wandern die Gedanken in die
grün und bunten Lichtern geschmückt. Vergangenheit, träumen von Kinder-
Musik dröhnt und der Weihnachtsmarkt und Jugendzeit, denken an Wehrdienst,
lässt die Kassen klingeln. Mich lockt das Heirat, Krieg und die bittere Not danach
nicht mehr. Allein kommst du dir in der bis hin in die heutigen Tage. Da kom-

30 Briefe aus Brenndorf 62/2006


men gute und schlechte Erinnerungen es Ende September 1940 per Eisenbahn-
auf, doch auch viele erfreuliche, auch an verladung nach Rumänien. Wer von uns
Menschen. Und wo von kann ein alter kannte damals schon dieses Land und
Landser denn schon träumen? Aus sei- was sollten wir eigentlich da? „Ab in die
ner langen Lebensspanne ist der Dienst Walachei“, war bei uns schon früher ein
am Vaterland doch nicht wegzudenken. abwertendes Wort und wo war in Rumä-
Meine Generation mußte, ob sie wollte nien der Landstrich Siebenbürgen und
oder nicht, fast zehn Jahre den Waffen- wer waren dort die Sachsen? Na, wir
rock tragen. Eine lausige Zeit, ganz be- sollten sie noch kennen lernen und wie
sonders an der kämpfenden Front. Aber wir das taten.
seien wir ehrlich, das Leben ist immer Es war eine lange Bahnfahrt durch
lebensgefährlich. Erinnern wir uns lieber Österreich, Ungarn und Rumänien bis
der Zeiten, wo wir flott gelebt und geliebt hin nach Kronstadt. Unter der Tarnbe-
haben. Man war jung und in schmucker zeichnung „Lehr- und Infanterieregiment
Uniform mit allem Drum und Dran, ge- 93“ wurden Regimentsstab und dessen
noß man damals schon ein Ansehen. Wir Einheiten im Bereich Kronstadt unter-
ahnten damals ja noch nicht: gebracht. Mein Quartier bekam ich bei
„Wer nach Sternen griff euch in Brenndorf, einem typisch ländlich
im Lichterglanz, geprägten Ort mit gepflegtem Äußerem.
kehrte heim in Fetzen Was war das dort ein Empfang. Das ganze
ohne Licht und Glanz.“ (F. G. Wolff ) Dorf war auf den Beinen. Junge und alte
Ja, gestern noch auf stolzen Rossen ... Menschen hießen uns herzlich willkom-
Davor gab es erst einmal unvergessliche men, nahmen uns mit offenen Armen auf,
Erlebnisse. uns Reichsdeutsche. Es war wie ein lang
Da war der blumenreiche Einzug ins erwartetes Wiedersehen mit den Nach-
Sudetenland, die siegreichen Feldzüge kommen ihrer ausgewanderten Vorfah-
gegen Polen und Frankreich, in denen ren. So fiel auch die Bewirtung aus. Wem
aber schon so manch guter Kamerad sein das Herz voll ist, dem läuft der Mund
Leben lassen mußte. über und so nahmen an dem Tag die Be-
Spätestens ab da machte man sich schon grüßungsgespräche kein Ende. Es gab
Gedanken über die Notwendigkeit die- ja auch keine Verständigungsschwierig-
ser kriegerischen Auseinandersetzungen keiten, denn die Siebenbürger hatten ihre
und seinen Folgen für Feind und Freund. Muttersprache in Wort und Schrift über
Rückschauend kommt man da schon zu Jahrhunderte beibehalten und gepflegt,
einer anderen Meinung. Kriege machen so auch das Brauchtum. Wir waren uns
ehrlos, wehrlos, brotlos und gottlos. Das deshalb überhaupt nicht fremd, fühlten
zeigt sich gerade wieder einmal auf dem uns da bald wie zu Hause.
Balkan und an vielen andren Brandher- Doch hatte sich inzwischen das Leben
den in der Welt. in entscheidenden Punkten verändert.
Und dieses Mal ohne unser Zutun! Wer Verdunkelung, Lebensmittelkarten, Be-
hat denn nun Schuld? zugsscheine für Haushaltswaren usw.
Nach den genannten Ereignissen setzte bestimmten in Deutschland den Alltag.
man unsere 13. Panzerdivision zur Auffri- Viele Eheleute verkehrten nur noch per
schung und Erholung nach dem angegli- Feldpostbrief. Davon war in Rumänien
ederten Österreich in Marsch. Da hätten noch nichts zu spüren. Bei Euch ging
wir es eigentlich noch lange ausgehalten, die Bevölkerung noch täglich ohne Flie-
doch wurde nichts daraus. Vielmehr ging geralarm der gewohnten Beschäftigung

Briefe aus Brenndorf 62/2006 31


nach, konnte ohne Einschränkungen al- und die Bewohner verließen fluchtartig
les kaufen und sich nach getaner Arbeit ihre Häuser. Nur „Stubben Schulze“, ein
bei guter Kost und frischem Trunk des Uffz. vom Nachrichtenzug blieb seelenru-
Lebens freuen. Beim Achter Wirt (Fritz hig in seinem Bett. Auf die flehentlichen
Klein Nr. 8) ist auch von uns „Germanen“ Rufe seiner Quartiersleute, doch heraus-
so manches Glas, auch über den Durst zukommen, anwortete er vom Bett aus
hinaus geleert worden. Im Gasthaus war weinselig: „Ein Deutscher fürchtet Gott
unser Stabsmusikmeister Bismarck ein und sonst nichts auf der Welt.“
gern gesehener Gast, der sich neben dem Zum Weihnachtsfest 1940 bekam ich
köstlichen Wein auch Gänsebraten, Deb- Heimaturlaub. Schwer bepackt mit nahr-
recziner und anderes vom Herd in reich- haften und anderen Dingen, die zu Hause
lichem Maß schmecken ließ. Denken wir nicht mehr ohne Marken zu kaufen waren
auch an die Hausschlachtungen ringsum und von Euch, mit einem ganzen Spanfer-
und was da an schweinernem, gewürzt kel und sonstigem Geschlachtetem aus-
mit Zement (Pfeffer und Salz), verti1gt gestattet, machte ich mich auf die Reise.
wurde. Nicht nur deshalb ging an unserer Dazu konnte noch am Grenzübergang
Feldküche das Feuer aus. Denn dass der Arad für fünf Mark eine Gans gekauft
Soldat in seinem Quartier mit am Tisch werden. Daheim war man darüber außer
essen konnte, war Ehrensache. Zudem sich vor Freude.
konnten wir uns bei dem verhältnismä- Nach meiner Rückkehr wurde das
ßig hohen Sold, in dem für uns fremden Regiment im Februar 1941 nach Focșani
Land, noch so manches leisten, was im verlegt. Wir mussten also das uns lieb-
Reich nicht mehr zu haben war. Dass es gewordene, gastliche Brenndorf und ich
im Burzenland auch schöne begehrens- Euch verlassen. Der Abschied fiel uns
werte Mädchen und Frauen gab, zeigte allen schwer. In Focșani mit seiner rein
sich besonders beim Kirchgang. Da stol- rumänischen Bevölkerung gab es keine
zierten sie im kostbaren Sonntagsstaat, Privatquartiere mit voller Kost, sondern
herrlich und prächtig anzuschauen, so nur Kasernenunterkunft mit ihren be-
dass unseren „Eroberern“ das Herz im kannten Hässlichkeiten. Aus war es mit
Leibe lachte und manche das Heimatli- den gemütlichen Familienabenden in
che vergessen ließ. Bei solcher Staffage Brenndorf. Wie schade!
konnte natürlich die Liebe nicht zu kurz Am 21. Mai 1941 endete unsere Ver-
kommen. In Kronstadt, das in greifbarer wendung als Lehrtruppe bei den Rumä-
Nähe von Brenndorf lag, sind mir die nen. Die Eisenbahn transportierte uns
Schwarze Kirche, die beliebte und belebte nach Oberschlesien und von da ging es
Purzengasse mit ihren noch voll ausge- Mitte Juni in das Abenteuer Russland,
statteten Geschäften, die „Krone“ und die was mir schwere Verwundungen und
hochgelegene Schulerau in guter Erinne- Gefangenschaft, uns allen aber auch den
rung geblieben. Überall in Siebenbürgen Untergang des Dritten Reiches mit Flucht,
war Betriebsamkeit, Fleiß, Handel und Vertreibung und den bis heute noch an-
Wandel sichtbar. Unvergessen auch der haltenden Besatzungsfolgen ect. brachte.
Aufstand der „Eisernen Garde“ gegen die Vieles von dem Gesagten liegt nun schon
Militärregierung Antonescus. Schließlich weit zurück, ist vergangen, doch geblie-
auch das starke Erdbeben, bei dem in Bu- ben ist seit über 50 Jahren, unsere damals
karest das Carlton-Hotel einstürzte und geschlossene Freundschaft, die auch nach
einen Teil der Gäste unter sich begrub. Da Euerer Auswanderung nicht nachgelas-
wackelten auch in Brenndorf die Wände sen hat und sich in hunderten von Post-

32 Briefe aus Brenndorf 62/2006


sendungen und Telefonaten bekundete. Schon jetzt wünsche ich Euch beiden
Ich bin froh und dankbar, dass ich Sie- frohe Festtage und ein gutes gesundes
benbürgen mit Land und Leute kennen neues Jahr,
lernen durfte. Euer Deutschsein dort hat Herzlich grüßt Euch
mich tief beeindruckt und glauben las-
sen, dass man dort besser, unverfälschter Reinhardt Garth
deutsch geblieben war. Davon geben auch
Eure Treffen ein eindrucksvolles Beispiel. Bad Marienberg, im Advent 1993

Briefe aus Brenndorf 62/2006 33


Mitteilungen des Vorstandes
Heimatglocken in Brenndorf Brenndörfer Treffen 2007
erklingen für unsere Toten in Garching
Jeder Todesfall hinterlässt eine Lücke in Zu einem Regionaltreffen laden Laura
unserer Gemeinschaft und in der jewei- und Hans Darabas alle Brenndörfer in
ligen Familie. Viele Brenndörfer werden Bayern, Österreich, aber auch in allen an-
in der Fremde, weit von ihrem Geburtsort deren Regionen für Samstag, den 13. Ok-
begraben. Für alle können während ih- tober 2007, ab 14.00 Uhr, in die Gaststätte
res Begräbnisses, egal in welchem Land „Zum Neuwirt“, Münchner Straße 10, in
der Erde es stattfindet, die Glocken der 85748 Garching bei München ein. Essen
evangelischen Kirche in Brenndorf geläu- und Getränke, Kuchen und Kaffee kön-
tet werden. Voraussetzung ist, dass die nen im Lokal bestellt werden. Für Musik
evangelische Kirchengemeinde rechtzei- zum Tanz und zur Unterhaltung sorgt
tig über den Todesfall und den Zeitpunkt unsere Brenndörfer Blaskapelle.
der Beerdigung informiert wird. Bitte bei Wir hoffen auf ein zahlreiches Erschei-
Kuratorin Rosi Rusu, Telefon (0040) 268- nen und bitten um schriftliche oder te-
28 30 79, oder bei Familie Ernst und Emi- lefonische Anmeldung (bis 15. Septem-
lia Schuster, Telefon (0040) 268-28 31 72, ber 2007) bei Laura und Hans Darabas,
anrufen. Dieser letzte Dienst für unsere Römerhofweg 51 b, 85748 Garching, Tel.
Toten ist kostenlos für alle Brenndörfer. privat abends (089) 3 26 19 36, oder Tel.
Die anfallenden Kosten werden am Jah- (0 89) 2 8 91 23 80 bis 16.30 Uhr, E-Mail:
resende durch eine Pauschalzahlung der ldarabas@[Link].
„Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ an Bitte überweisen Sie Ihren Beitrag von
die Kirchengemeinde beglichen. Bitte be- 5 Euro/Erwachsene, 3 Euro/Jugendli-
nachrichtigt deshalb auch unsere „Dorf- che an Hans Darabas, Kontonummer
gemeinschaft“, namentlich Hugo Thiess 90189176, Kreissparkasse München/
oder Otto Gliebe (Anschriften auf der Starnberg, Bankleitzahl 702 501 50.
vorletzten Seite dieses Heimatbriefes). Wegweiser – NEU – für alle Nicht-
Autofahrer: Die U-Bahn U 6, Richtung
Burzenländer Kalender 2007 Forschungsgelände TUM, fährt jetzt bis
In einer Auflage von rund 7 500 Exemp- Garching. Die Haltestelle befindet sich in
laren ist der neue Heimatkalender „Kir- Garching am Maibaum oder am Spring-
chen- und Glockentürme im Burzenland“ brunnen, direkt vor dem „Neuwirt“.
herausgekommen. Als Vorlage für die Übernachtungen können direkt beim
Aquarelle, die die junge Künstlerin Sylvia „Neuwirt“ gebucht werden: Tel. (089)
Buhn für den beliebten Kalender gemalt 329 12 58, Fax (089) 326 18 75. E-Mail:
hat, dienten Fotos, die vorwiegend wäh- Gasthof-Neuwirt@[Link]
rend der Delegationsreise der Vertreter Für Autofahrer: Garching liegt an der
der Burzenländer HOGs im Mai dieses B 11 Landshut-München, ist aber auch
Jahres im Burzenland entstanden sind. über die A 9 München-Nürnberg, Aus-
Unseren Mitgliedern, die ihren Pflichten fahrt „Garching Süd“ oder „Garching
gegenüber der „Dorfgemeinschaft der Nord“, gut erreichbar. Kostenlose Park-
Brenndörfer“ regelmäßig nachkommen, plätze findet man vor dem Bürgerplatz
wird der Kalender zusammen mit diesem Garching und vor der Post. Die Tiefgarage
Heimatblatt zugesandt. am Bürgerplatz ist gebührenpflichtig.

Briefe aus Brenndorf 62/2006 35


Neues Adressenverzeichnis erworbene Entgeltpunkte bei einem Ren-
tenbeginn nach dem 30. September 1996
Ebenfalls mit diesem Weihnachtsheft
um 40 Prozent zu mindern sind, mit dem
versenden wir die achte Auflage des
Grundgesetz vereinbar ist. Das Bundes-
Adressenheftes. Neu sind die Anschriften
arbeitsministerium hat einen Referenten-
der inzwischen volljährig (über 18 Jahre)
entwurf erarbeitet, der am 29. November
gewordenen Jugendlichen. Das Heft soll
2006 im Bundeskabinett beraten und in
uns helfen, die „Dorfgemeinschaft der
den Bundestag eingebracht werden soll.
Brenndörfer“ zu festigen. Es ist das Er-
Der Entwurf des so genannten „Gesetzes
gebnis der ständigen Kontaktpflege zu
zur Anpassung der Regelaltersgrenze an
unseren Mitgliedern, ohne Anspruch auf
die demografische Entwicklung und zur
Vollständigkeit. Möge es dazu beitragen,
Stärkung der Finanzierungsgrundlagen
dass die Brenndörfer einander möglichst
der gesetzlichen Rentenversicherung
oft anrufen, schreiben oder besuchen!
(RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz)“
sieht unter anderem vor, dass Rentner,
Bundesverfassungsgericht hat
die in der Zeit vom 1. Oktober 1996 bis
über Fremdrenten entschieden
zum 30. Juni 2000 in Rente gegangen sind,
Das Bundesverfassungsgericht in Karls- eine stufenweise Absenkung von 100 auf
ruhe hat mit Beschluss vom 13. Juni 2006 60 Prozent des FRG-Anteils hinnehmen
beanstandet, dass es unserem Grundge- müssen.
setz widerspricht, wenn der deutsche Ge- Die „Interessengemeinschaft gegen
setzgeber im Juli 1996 für alle Rentner Fremdrentenkürzungen“ wird sich da-
ab Oktober 1996 eine vierzigprozentige für einsetzen, dass die Übergangsfristen
Kürzung der nach dem Fremdrentenge- verlängert und mehr Betroffene in den
setz zurückgelegten Zeiten beschließt. Genuss von Nachzahlungen kommen.
Das Gericht hat das Fehlen einer Über-
Deutsch-Rumänisches
gangsregelung für rentennahe Jahrgänge
Sozialversicherungsabkommen
beanstandet und den Gesetzgeber aufge-
fordert, bis zum 31. Dezember 2007 eine Am 1. Juni 2006 ist das „Abkommen
verfassungskonforme Übergangsrege- zwischen der Bundesrepublik Deutsch-
lung zu schaffen. Das bedeutet, dass für land und Rumänien über Soziale Sicher-
die Rentner, deren Rente 1996 oder einige heit“ in Kraft getreten. Neben einigen
Jahre später („rentennahe Jahrgänge“) Verbesserungen bringt es auch neue
begonnen hat, die 40%-Kürzung nicht Verfahrensweisen mit sich, die viele
angewendet werden darf. Betroffene verunsichern. So versenden
Einem Artikel der Siebenbürgischen Rententräger in letzter Zeit Fragebögen
Zeitung zufolge ist es ein Erfolg der von in deutscher und rumänischer Sprache
der siebenbürgischen Landsmannschaft an fast alle Betroffenen. Da es mühselig
initiierten „Interessengemeinschaft ge- ist, die vielen neuen Fragebögen aus-
gen Fremdrentenkürzungen“, dass auf zufüllen, wurde in der Siebenbürgischen
einem langen Weg bis zum Bundesverfas- Zeitung vom 31. Juli 2006 auf einige Fäl-
sungsgericht die schlimmsten Ungerech- le hingewiesen, in denen die Formulare
tigkeiten und Benachteiligungen für viele nicht ausgefüllt werden müssen.
Betroffene abgewendet werden konnten. Weil das Rentenrecht immer kompli-
Anderseits hat das Bundesverfassungsge- zierter wird, sollte Hilfe bei Rechtsan-
richt entschieden, dass die Regelung, wo- wälten mit besonderer Erfahrung im
nach nach dem Fremdrentengesetz (FRG) Fremdrentenrecht eingeholt werden.

36 Briefe aus Brenndorf 62/2006


Nützliche Daten und Adressen
Unsere Bankverbindung lautet: Familiennachrichten
Dorfgemeinschaft der Brenndörfer Eheschließungen, Geburten, Konfirmatio-
Kontonummer 6 9 7 9 8 5 2 nen, Goldene Hochzeiten, Todesfälle usw.
Postbank Nürnberg bitte rechtzeitig an Hugo Thiess, Tannen-
Bankleitzahl 760 100 85 straße 1, 86567 Tandern, Tel.: (0 82 50) 14 15,
Auskünfte dazu beim Kassenwart Ed- E-Mail: [Link]@[Link], mitteilen.
mund Seimen, Höchstädter Weg 10, 80997
München, Telefon: (0 89) 1 68 97 37, E-Mail: Anschrift des Ehrenvorsitzenden
seimen@[Link]. Bitte bei Überweisungen Unser Ehrenvorsitzender Otto Gliebe ist
den Namen des Spenders und den Verwen- nach wie vor ein kompetenter Ansprech-
dungszweck angeben, z.B. „Spende“ (das partner für Familiennachrichten und viele
heißt für die Dorfgemeinschaft), „Friedhofs- andere Fragen. Seine Anschrift: Ringstraße
pflege“ oder „Kirchenreparatur“. 49, 91522 Ansbach, Telefon: (09 81) 33 94,
Adressenänderungen bitten wir immer E-Mail: otto@[Link]
rechtzeitig Edmund Seimen mitzuteilen.
Spendenbescheinigung
Erinnerungen auf Video aufzeichnen Wer für die Kirchenrenovierung spen-
Die Dorfgemeinschaft will ältere Brenn- den will und eine Spendenbescheinigung
dörfer befragen und ihre Erinnerungen auf (z.B. für die Einkommensteuererklärung)
Videofilm aufzeichnen. Wer sich als Zeit- benötigt, kann den gewünschten Betrag
zeuge oder Videofilmer zur Verfügung stel- auf folgendes Konto überweisen: Verband
len will, melde sich beim Stellvertretenden der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimat-
Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft, Volker ortsgemeinschaften e.V., Kontonummer:
Kreisel, Landhausstraße 36/1, 73773 Aich- 295522003, Volksbank Heilbronn e.G.,
wald, Telefon: (07 11) 3 10 84 10, E-Mail: Bankleitzahl 620 901 00. Unter Verwen-
kv044869@[Link]. dungszweck bitte „Kirchenrenovierung
[Link] Brenndorf“ angeben. Bitte zusätzlich Ed-
Unter dieser Adresse ist Brenndorf seit mund Seimen über den Vorgang informie-
fünf Jahren im Internet erreichbar. Aktuelle ren, damit die Spendenbescheinigung er-
Infos über unseren Heimatort auch unter stellt werden kann. Die Spende wird dem
[Link]/ortschaften/ gewünschten Zweck zugeführt und in un-
brenndorf serem Heimatbrief aufgelistet.

Impressum
Die Briefe aus Brenndorf werden im Auftrag der „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“
(Heimatortsgemeinschaft Brenndorf) herausgegeben und erscheinen zweimal im Jahr.
Mit Namen oder Signum gekennzeichnete Beiträge stellen Meinungen des Verfassers
und nicht des Herausgebers dar. Erscheinungsort: Markt Schwaben.
Verantwortlich für den Inhalt:
Siegbert Bruss (Herausgeber und verantwortlicher Redakteur)
Von-Kobell-Straße 4, 85570 Markt Schwaben, Telefon: (0 81 21) 22 77 33
Fax: (0 12 12) 5 11 54 13 25, E-Mail: SiegbertBruss@[Link]
Herstellung: Druckerei Josef Jägerhuber GmbH, Wittelsbacherstraße 3, 82319 Starnberg
am See, Fax: (0 81 51) 23 61.
Der neue Vorstand der „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer” mit den Ehrengästen (von links nach rechts): Sieg-
bert Bruss, Hugo Thiess, Volker Kreisel, Uta Martini, Otto Gliebe, Rosi Rusu, Norbert Thiess, Heide Stamm-Kaul,
Herta Seimen-Sperlich, Pfarrer Dr. Peter Klein, Gert Mechel, Anton Madlo (HOG Honigberg). Nicht auf dem Bild:
Edmund Seimen und Manfred Copony. Foto: Petra Reiner.

Reinhardt Schuster: Häuser in der Schulgasse, Ecke Friedhofsgasse. Öl auf Pappe (1958?).

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