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Cap 711

Die karolingische Literatur begann unter Karl dem Großen, der das erste deutsche Reich gründete und die lateinische Sprache zur offiziellen Sprache machte. Wichtige Werke dieser Zeit sind das 'Hildebrandslied', das die tragische Konfrontation zwischen Vater und Sohn thematisiert, sowie die 'Merseburger Zaubersprüche', die germanisch-heidnische Religiosität widerspiegeln. Alcuin, ein bedeutender Gelehrter, spielte eine zentrale Rolle in der Bildung und Verbreitung der karolingischen Minuskel, was zur Karolingischen Renaissance führte.

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Cap 711

Die karolingische Literatur begann unter Karl dem Großen, der das erste deutsche Reich gründete und die lateinische Sprache zur offiziellen Sprache machte. Wichtige Werke dieser Zeit sind das 'Hildebrandslied', das die tragische Konfrontation zwischen Vater und Sohn thematisiert, sowie die 'Merseburger Zaubersprüche', die germanisch-heidnische Religiosität widerspiegeln. Alcuin, ein bedeutender Gelehrter, spielte eine zentrale Rolle in der Bildung und Verbreitung der karolingischen Minuskel, was zur Karolingischen Renaissance führte.

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1.

Karolingische Literatur

Die meisten Forscher sind darüber einig, dass die Anfänge der deutschen Literatur in der
Regierungszeit Karls des Großen (768-814) festzustellen sind. Karl war der Sohn von Pippin
dem Jungen, der König der Franken war. Einhard, Karls Biograf, behauptet in Vita Karoli
Magni, dass über Kindheit und Jugend des Kaisers schriftlich nichts überliefert wurde, so dass er
darüber nichts erfahren konnte, denn er schrieb die Biographie Karls des Großen 15 Jahre nach
seinem Tod. 768, als sein Vater starb, war Karl höchstens 26 Jahre alt und musste zuerst die
Herrschaft mit seinem Bruder Karlmann teilen. 771 starb auch Karlmann, so dass Karl
Alleinherrscher wurde. Die Lage des Landes war sehr problematisch: die Franken, die
christianisiert waren, begannen wieder, sich den alten „heidnischen“ Bräuchen zu widmen, so
dass sie die mit Mühe erworbene Bildung vernachlässigten. Die Sachsen, die im Norden des
Landes lebten, waren immer noch „Heiden“, während im Süden die römisch-katholische Kirche
mit den Langobarden zu kämpfen hatte. Auf der iberischen Halbinsel wurden die Sarazenen
immer stärker und drängten nach Norden und im Osten waren die Awaren eine nicht zu
unterschätzende Gefahr. Karl begann die Kriege und so unterwarf er Aquitanien, die Lombardei,
Bayern, Benevento und die Sachsen (nach schweren Kämpfen).
795 wurde Leon III. zum Papst gewählt und entschied sich, von Karl unterstützt zu
werden. So wurde Karl patricius romanorum, er bekam vom Papst den Schlüssel zum Grab
Petri. Leon III war in Konflikt mit dem römischen Adel geraten und 799 wurde er gezwungen,
nach Padeborn zu fliehen. 800 zog Karl in Rom und Leon III wurde wieder zum Papst gewählt.
Als Belohnung für seine Hilfe, wurde Karl am 25. Dezember 800 vom Papst zum Kaiser gekrönt.
Sein voller Titel lautete: Karolus serenissimus Augustus a Deo coronatus magnus pacificus
imperator Romanum gubernans imperium, qui et per misericordiam dei rex Francorum atque
Langobardorum („Karl, durchlauchter Augustus, von Gott gekrönter, großer Frieden stiftender
Kaiser, das römische Reich regierend, von Gottes Gnaden auch König der Franken und
Langobarden“). Auch der Patriarch von Jerusalem stellte sich unter Schutz des neuen Kaisers
und schickte Karls des Großen die Schlüssel des Heiligen Grabes. Das war die symbolische
Anerkennung Karls als Beschützer der gesamten Christenheit. So entstand das erste deutsche
Reich und Karl verstand sich als Augustus Imperator Renovati Imperii Romani (Kaiser des
erneuerten Römischen Reiches). Dadurch wurde Karl zum Nachfolger des römischen Kaisers.
Sein Reich war Nachfolger des römischen Reichs und somit sanctus (heilig). Die neue offizielle
staatliche Doktrin war die Einheit von Kirche und Reich und Karl war sehr streng gegen alle, die
der neuen Religion nicht folgten. Jeder Einwohner musste Pater noster auswendig kennen.
Diejenigen, die das Christentum, seine Symbole oder die Priester verleumdeten, standen unter
Todesstrafe. Die Regierung Karls des Großen war eine Zeit der Zentralisierung. In diesem
Rahmen wurde die lateinische Sprache zur offiziellen Sprache des Reichs, die Sprache der
Verwaltung und der Kirche. Jetzt entstand aber ein anderes Problem: es fehlte an Leute, die der
lateinischen Sprache mächtig waren. Karl war stets darum bemüht, Unterrichtsstätte
einzurichten. Die Klöster bekamen den Auftrag, Schulen zu unterhalten. Am Hof des Kaisers
kamen berühmte Gelehrte aus ganz Europa.
Weil das Geistesleben so rege wurde, ist die Herrschaftszeit Karls des Großen und die
Jahrzehnte danach als Karolingische Renaissance bekannt. Der Kaiser hatte ein
Bildungsprogramm, wie man heute sagen würde. Der Leiter dieses Programms war Alcuin (735-
804), der der wichtigste Berater des Kaisers war. Alcuin spielte eine sehrt wichtige Rolle für die
Verbreitung der karolingischen Minuskel1. Die theologische Tätigkeit dieses Gelehrten ist sehr
wichtig, denn er hat das Messbuch bearbeitet. Die größte Wirkung für seine Zeitgenossen hatte
die Überarbeitung der Vulgata2. Alcuin verfasste drei Bücher über die Trinität (De fide sanctae et
individuae Trinitatis). Von ihm sind 311 Briefe, Predigten, aber auch Abhandlungen über
Astronomie, Dialektik3 und Rhetorik4 erhalten. Alcuin schrieb auch eine ars grammatica. Von
großer Bedeutung ist die Tatsache, dass Alcuin viele Lehrer ausbildete, die seine Tätigkeit
fortsetzten.
Das älteste Schriftstück, das erhalten ist, wird Abrogans genannt. Es ist ein
altlateinisches Wörterbuch, das alphabetisch geordnet ist. Es ist eigentlich ein Synonymlexikon
und wurde als Hilfsmittel für die späte römische Poesie und Rhetorik verfasst. Die ersten Wörter
des Lexikons sind die lateinischen Wörter abrogans, humilis und deswegen hat auch diese
Schrift den Namen Abrogans bekommen. Dieses Wöterbuch wurde auf Latein geschrieben und
dann ins Deutsche übersetzt. Die Übersetzung fand unter der Anregung des Bischofs Arbeo in
der Domschule von Freising statt (764-769). 790 wurde der Abrogans wieder bearbeitet. Die
ursprüngliche Übersetzung war eine bayrische, die aber verlorengegangen ist. Überliefert sind
hingegen drei alemannische Bearbeitungen: die Pariser Glossen (die nur bis zum Buchstaben J
erhalten sind), das St. Galler Glossar (das Keronische Glossar5) und das Reichenauer Glossar.
Reichenau wird nicht nur das Zentrum der Abrogans-Bearbeitungen, sondern auch ein
bedeutendes Zentrum der Glossenarbeit. Abrogans besteht aus etwa 3670 Wörtern und ist eine
wichtige Quelle für die Kenntnis der althochdeutschen Sprache.
Die Merseburger Zaubersprüche stammen aus dem 8. Jh. (ungefähr 750 [Link].) und
wurden erst im 10. Jh. schriftlich fixiert. Die Tatsache, dass sie erst im 10. Jh. schriftlich fixiert
wurden ist darauf zurückzuführen, dass Karl der Große angeordnet hatte, die alten Schriften und
das alte Wissen zu versammeln, so dass die Gelehrten auch nach seinem Tod mit dieser Arbeit
weitergemacht hatten. Die beiden Zaubersprüche wurden im Kloster Fulda geschrieben (dafür
wurden die karolingischen Minuskel verwendet) Die zwei Zaubersprüche sind die einzigen
erhaltenen Zeugen germanisch-heidnischer Religiosität. Sie sind in althochdeutscher Sprache
verfasst. Die Sprüche haben zwei Teile: historiale und incantatio. Historiale schildert ein
früheres Ereignis, das in illo tempore (wie Eliade sagen würde) stattgefunden hat. Incantatio ist
die eigentliche magische Beschwörung und verwendet die Form der Analogie (so wie es einmal
früher war, so soll es auch heute geschehen). Der erste Merseburger Zauberspruch ist ein so
genannter Lösespruch, der die Befreiung der Kriegsgefangenen von bestimmten weiblichen
Gottheiten darstellt. Der zweite Zauberspruch ist ein Heilungsspruch: es geht um die Heilung des
Pferdes Baldurs vom Obergott Odhin (Wodan).

Der erste Merseburger Zauberspruch:

Einst saßen Frauen,


setzten sich hierher [und] dorthin.
Einige banden Fesseln,
1
Eine Schriftart, die zwischen dem 9. und dem 12 Jh. im Gebrauch war. Diese Schriftart ist Vorbild für die
Kleinschreibung, die heute verwendet wird.
2
Vulgata= der lateinische Bibeltext, der seit der Spätantike verwendet wurde.
3
Der Ausdruck Dialektik tritt zum ersten Mal bei Platon auf. Dialektik ist die Kunst der Unterredung.
4
Rhetorik ist die Kunst der Beredsamkeit
5
Der Name des Glossars kommt vom Mönch Kero (Gero), vom dem man lange Zeit fälschlich geglaubt hat, dass
er der Verfasser war
einige hielten das Heer auf,
einige lösten ringsumher
die (Todes)Fesseln:
Entspringe [dem] Fesselband,
entflieh den Feinden.

Der zweite Merseburger Zauberspruch:

Phol und Wodan


ritten ins Holz.
Da wurde dem Fohlen Balders
der Fuß verrenkt.
Da besprach ihn Sinthgunt
der Sunna, ihre Schwester (oder: Sunnas Schwester);
da besprach ihn Frija,
der Volla, ihre Schwester (oder: Vollas Schwester);
da besprach ihn Wodan,
wie nur er es verstand:
Sei es Knochenverrenkung,
sei es Blutverrenkung,
sei es Gliedverrenkung:
Knochen zu Knochen,
Blut zu Blut,
Glied zu Gliedern,
so seien sie fest gefügt.

Das Hildebrandslied stammt aus der mündlichen Dichtung und wurde um das Jahr 800
von zwei Mönchen6 aufgeschrieben. Bis heute bleibt das Hildebrandslied ein Rätsel. Das Lied ist
bruchstückhaft überliefert (das Ende fehlt) und hat 68 Langverse. Hier fehlt der Endreim, der
durch den Stabreim oder Alliteration ersetzt wird. Die Sprache des Hildebrandslieds ist eine
Mischung von oberdeutschen und niederdeutschen Elementen. Für diese Mischung bietet Helmut
de Boor zwei mögliche Erklärungen: „hochdeutsches Original und niederdeutscher Abschreiber
oder umgekehrt: niederdeutsches Original und hochdeutscher Abschreiber.“ 7 Das
Hildebrandslied ist ein Beispiel der Dichtung der oberen Gesellschaftsschichten und spiegelt die
heroischen Kriegsabenteuer wider. Das Hildebrandslied ist das einzige in einem deutschen Idiom
überlieferte Heldenlied. Das Heldenlied stellt eine Episode aus des Sagen um Dietrich von
Bern8 .
Hildebrand verlässt seine Familie (Frau und Kind), um mit Dietrich in den Krieg zu
ziehen. Nach 30 Jahren, die voll Abenteuern waren und nach vielen Kämpfen und Heldentaten
kehren Dietrich und Hildebrand zusammen mit einem Heer, um sein inzwischen erobertes Land
6
Im Kloster Fulda
7
de Boor, S.62
8
Dietrich war der Sohn des Königs von Bern. Sein Waffenmeister war Hildebrand. Dietrich sammelt um ihn
tapfere Kampfgenossen, mit denen er große Heldentaten vollbringt. Seine Figur erscheint in vielen deutschen
Sagen und Liedern (z.B. Hildebrandslied, Nibelungenlied. Er tötet auch eine Drachen und so zählt er zu den
wenigen germanischen Sagenfiguren, die den Kampf gegen einen Drachen gewinnen (neben Beowulf, Sigmund,
Siegfried)
zurück zu gewinnen. An der Grenze erscheint ein junger Kämpfer mit seinen Leuten, die
entschieden sind, die Fremden zu besiegen. Hildebrand erkennt in dem jungen Mann seinen
Sohn Hadubrand, dem er erklärt, dass er sein Vater sei. Hadubrand glaubt ihm nicht, denn er
meint, dass die Seefahrer ihm berichtet haben, dass sein Vater Hildebrand tot sei. Der Junge wirft
dem Alten Listigkeit und Feigheit vor, da er der Meinung ist, dass Hildebrand keinen Mut zum
Kämpfen hat und deswegen lügt er. Es geht jetzt um die Ehre des alten Kriegers, der sich dazu
gezwungen sieht, mit dem eigenen Sohn zu kämpfen. Das erhaltene Lied endet mit dieser
Zweikampfsituation: Hildebrand und Hadubrand zwischen den beiden Heeren. „Das Lied besteht
aus einem Gespräch zwischen Vater und Sohn vor den beiden Heeren und einem verzweifelten
Monolog des Vaters unmittelbar vor dem Zweikampf, dessen tragischer Ausgang nicht
bezweifelt werden kann. Tapferkeit und Ehre, die der Sohn an seinem tot geglaubten Vater
rühmt, zwingen Hildebrand, diese Tugenden selbst dem Sohn gegenüber zu bewähren. Das Lied
verherrlicht die Gefolgschaftstreue: sie steht über der Liebe des Vaters zu seinem Sohn.“ 9. In der
Edda10 finden wir Hildebrands Sterbelied, aus dem wir erfahren, dass Hildebrand seinen Sohn im
Kampf getötet hat. Eine spätere Variante des Hildebrandslieds (15.-17. Jh.) bietet die Variante
der Versöhnung an: der Sohn erkennt den Vater.

1. Ich hörte das sagen,


2. dass sich Herausforderer einzeln abmühten:
3. Hildebrand und Hadubrand zwischen zwei Heeren.
4. Sohn und Vater bereiteten ihre Rüstung,
5. richteten ihre Kampfgewänder, gürteten sich ihre Schwerter um,
6. die Helden, über die Rüstung, als sie zu dem Kampf ritten.
7. Hildebrand sagte, Heribrands Sohn, er war der ältere Mann,
8. des Lebens erfahrener, er begann zu fragen,
9. mit wenigen Worten, wer sein Vater gewesen sei
10. unter den Menschen im Volke...
11. "...oder aus welchem Volke du bist
12. wenn Du mir einen nennst, kenne ich die anderen
13. Menschen im Reich, bekannt ist mir die ganze Menschheit".
14. Hadubrand sagte, Hildebrands Sohn:
15. "Das sagten mir unsere Leute,
16. alte und weise, die früher schon da lebten,
17. dass Hildebrand mein Vater heiße, ich heiße Hadubrand.
18. Vormals ist er nach Osten geritten, er floh den Zorn Odoakers,
19. dorthin mit Dietrich und vielen seiner Kämpfer.
20. Er ließ im Lande arm zurück
21. die Frau in der Hütte und den unerwachsenen Sohn
22. erblos: Er ritt nach Osten hin.
23. Deswegen erlitt seither Dietrich die Abwesenheit
24. meines Vaters: Der war ein so freundloser Mann.
25. Er zürnte Odoaker unmäßig,
26. der liebste der Kämpfer Dietrichs.
27. Er war immer an der Spitze des Heeres, ihm war immer der Kampf zu lieb,

9
Žmegač / Škreb / Sekulić, S.20-21
10
Altisländisches Werk, das um 1220 von Snorri Sturluson verfasst wurde.
28. Bekannt war er...den Tapfersten.
29. Ich glaube nicht, daß er noch lebt..."
30. "Weißt Du Gott", sprach Hildebrand, "oben vom Himmel,
31. daß du niemals solchermaßen verwandte Männer
32. in eine Angelegenheit hast geraten lassen!"
33. Er wand sich dann von den Armen gewundene Ringe ab,
34. aus kaiserlichem Gold gemacht, wie sie ihm der König gab,
35. der Herrscher der Hunnen. "Das gebe ich dir nun aus Freundschaft!"
36. Hadubrant, Hildebrands Sohn, sagte:
37. "Mit dem Speer soll man Geschenke annehmen,
38. Spitze gegen Spitze!
39. Du dünkst dich, alter Hunne, unmäßig schlau.
40. Verlockst mich mit deinen Worten, willst deinen Speer nach mir werfen.
41. Du bist ein so alter Mann, wie du ewig Betrug im Sinn hast.
42. Das sagten mir Seeleute,
43. westlich über dem Ozean, dass ihn ein Kampf hinnahm:
44. Tot ist Hildebrand, Heribrands Sohn!"
45. Hildebrand, Heribrands Sohn, sagte:
46. "Wohl sehe ich an deiner Rüstung,
47. daß du daheim einen guten Herrn hast,
48. daß du in diesem Reich noch nie vertrieben wurdest.
49. Wohlan, nun walte Gott, sagte Hildebrand, Unheil geschieht:
50. Ich wanderte 60 Sommer und Winter außer Landes;
51. wo man mich immer in das Heer der Kämpfer einordnete.
52. Wenn man mir an jedweder Burg den Tod nicht beibringen konnte:
53. Nun soll mich das eigene Kind mit dem Schwerte schlagen,
54. niederschmettern mit der Klinge, oder aber ich werde ihm zum Töter.
55. Du kannst wohl leicht -wenn deine Kraft (dir) ausreicht-
56. von einem so alten Mann eine Rüstung gewinnen,
57. Beute rauben, wenn Du da irgendein Recht hast.
58. Der sei doch nun der feigste, sagte Hildebrand, von den Ostleuten,
59. der dir nun den Kampf verweigerte, wo es dich doch so sehr gelüstet,
60. nach gemeinsamem Kampf; (nun) versuche wer mag,
61. wer von beiden heute das Gewand lassen muß
62. und dieser Brünnen beider walten (wird)."
63. Dann ließen sie zuerst die Eschenlanzen bersten
64. in scharfem Kampf, daß sie in den Schilden steckten.
65. Da ritten sie gegeneinander, spalteten farbige Schilde,
66. schlugen gefährlich auf weiße Schilde,
67. bis ihnen ihre Lindenschilde zu Bruch gingen,
68. zerstört von den Waffen... 11

2. Literatur in der Zeit der Ottonen und der Salier

11
[Link]
Die Herrschaft der Ottonen wird im Allgemeinen als einen Neubeginn für das
ostfränkische Reich bezeichnet, das ein deutsches Reich wurde (regnum theutonicorum). Die
Karolinger konnten ihre Dynastie nicht mehr durchsetzen und so wurde 919 Heinrich I. zum
König gekrönt (er war der erste Vertreter der ottonischen Dynastie). Die Ottonen waren darum
bemüht, die Herrschaft wieder zu zentralisieren, die während der spätkarolingischen Periode
zersplittert war. Die Ottonen strebten eine renovatio imperii (Wiederherstellung der römisch-
kaiserlichen Weltmacht) an und das kann man bemerken in der folgenden Absicht: die
Hauptstütze der Monarchie war die Kirche. Während der ottonischen Dynastie dehnte sich das
Reich nach Osten aus und für die Festigung des neuen Besitzes war die Kirche eine
unentbehrliche Hilfe. Die Lokalpolitik der Karolinger wurde während der ottonischen Herrschaft
durch eine Zentralverwaltung ersetzt. Otto I. (nach seinem Namen wird auch die Dynastie
genant12) regierte zwischen 936 und 973. Ab 936 war er König des Ostfrankenreiches und ab 962
Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. 955 besiegte Otto I. die Ungarn und konnte so ihre
Invasionen stoppen. Durch diesen Sieg erlangte er einen großen Ruhm, stärkte seine innere
Macht und wurde in Europa als einen wahren Retter der Christenheit betrachtet. Im selben Jahr
ist es ihm gelungen, auch die Slawen zu besiegen. 961 eroberte er das Königreich Italien. Sein
Reich gelangte jetzt bis in Süditalien, was ein Konflikt mit Byzanz zur Folge hatte. 962 wurde er
vom Papst Johannes XII. zum römischen Kaiser gekrönt. Otto I. bekam den Beinamen „den
Großen“. Beginnend mit der Regierungszeit Ottos I. kann man von einer Blütezeit der Kultur
reden, die auch ottonische Renaissance genannt wird. Diese Renaissance war eine Mischung von
Spätantike und byzantinischer Kultur (10.-11. Jh.). Die Antike wurde wiederaufgelebt und der
Begriff „ottonische Renaissance“ spiegelt sich besonders in der Architektur wider.
Heinrich II. war der letzte Vertreter der ottonischen Dynastie. Nach seinem Tod wird
Konrad II. (1024-1039) zum König gekrönt. Die Dynastie der Salier herrschte bis im 12. Jh. Der
letzte König aus dieser Dynastie war Heinrich V., der bis 1125 regierte. Heinrich IV. wollte die
Macht des deutschen Königtums verstärken, aber das ist ihm nicht gelungen. Im Gegenteil: er
musste auf das Recht verzichten, die Bischöfe zu ernennen. Die Macht der großen Vasallen war
gewachsen. Die letzten 50 Jahre der Herrschaft der Salier wurde vom Bürgerkrieg erschüttert.
Der niedere Adel wuchs, während die Volkswirtschaft sich stark entwickelte. Ebenfalls zur Zeit
der Salier fand der erste Kreuzzug (1096-1099) statt. Nach dieser Dynastie regierten die Staufer.
Die Literatur in der ottonisch-salischen Periode wird am Anfang auf Latein geschrieben,
denn in dieser Zeit versuchte man eine Wiederbelebung der Antike. Latein blieb weiter
Bildungssprache. Bemerkenswert ist es, dass in dieser Zeit neben Mönche auch Nonnen und
adlige Frauen Literatur schreiben. Es geht um erste Versuche, die Frauen mit den Männern
gleichzusetzen.
Hroswitha von Gandersheim (935-973) war die erste deutsche Dichterin. Sie ist auch
die erste Frau, die nach der Antike Dramen schrieb. Ihr Leben ist wenig bekannt, aber man
vermutet, dass sie einer adligen Familie angehörte. Schon jung trat sie ins Stift Gandersheim, wo
sie ihre Werke zwischen 950 und 970 schrieb. Hroswitha teilte sein Werk in drei Teilen ein (oder
in drei Büchern). Hroswitha verfügte über eine beachtliche Bildung, stand in Kontakt mit
berühmten Gelehrten ihrer Zeit und hatte eine enge Verbindung mit dem ottonischen
Königshaus. Ihre Werke sind auf Latein geschrieben. Ihr erstes Buch heißt das Legendenbuch, ist
in leonischen Hexameter13 geschrieben und besteht aus acht Heiligenlegenden. Die acht

12
Die Ottonen heißen auch Liudolfinger
13
Eine Versform, die nach dem Dichter Leoninus ([Link].) benannt wurde. Diese Versform hat 6 Hebungen
(Hexamter) und Zäsurreim. Diese Versform wird häufig in der mittelalterlichen Dichtung verwendet.
Heiligenfiguren, die zu Hauptpersonen in ihren Legenden werden, sind: Maria, Ascensio,
Gongolf, Pelagius, Theophilus, Basilius, Dionysius, Agnes. Das Legendenbuch entstand in den
50er 60er Jahre des 10. Jhs. Das Dramenbuch enthält Dramen, die in Prosa geschrieben sind und
als Gegenstücke zu Terenzs14 Komödien gedacht waren. Anstelle der Liebesgeschichten Terenzs
erscheinen bei Hroswitha Lobpreise der Keuschheit und der Jungfrauen, die christlich erzogen
sind. Die sechs Stücke sind: Gallicanus, Dulcitius, Calimachus, Abraham, Pafnutius, Sapientia.
Das Thema dieser Stücke ist die Entscheidung des Menschen zwischen Heil und Verdammnis.
Das dritte Buch enthält zwei historische Gedichte, die in Hexameter verfasst sind: Gesta Ottonis
und Primordia coenobii Gandeshemensis. Die beiden Gedichte sind nicht vollständig überliefert.
Das 20. Jh. sah in Hroswitha die erste emanzipierte Frau, die eine Rolle in einer „Männerwelt“
gespielt hat.
Ruodlieb entstand Mitte des 11. Jhs. (etwa um 1050) und ist ein Versepos, das Lateinisch
geschrieben wurde. Es besteht aus 2300 Versen und ist bruchstückhaft überliefert (in 18
Fragmenten). Das Epos wurde in Leoninischen Hexametern verfasst und wird heute als ein
Vorläufer des höfischen Romans betrachtet. Bemerkbar in diesem Werk sind der weltliche
Charakter und der realistische Blick des Autors, der das Epos von den anderen theologischen
Schriften der Zeit unterscheidet. Deswegen hat Ruodlieb einen besonderen Platz in seiner
Epoche und bleibt für manche Forscher ein Rätsel. Man vermutet, dass der Autor ein Mönch aus
dem Kloster Tegernsee15 war. Der Ritter Ruodlieb ist ein junger Ritter, der in die Welt zieht, da
er nach einer langen und treuen Dienstzeit bei seinem Herrn von diesem keine Hilfe im Kampf
gegen die kleinen Fürsten bekommt. Ruodlieb hatte sich diese Fürsten zu Feinden gemacht, weil
er seine Pflicht sehr ergeben getan hatte. Er verlässt seine Mutter, die verwittert war und seinen
Herrn und flieht ins Ausland, um dort in Sicherheit leben zu können. Im Ausland kommt er zum
Hof des Königs, wo er alle durch seine Weisheit und Tapferkeit beeindruckt. In kurzer Zeit wird
er zu einem unentbehrlichen Mann für den König. Er beweist auch seine Kunst als Friedenstifter:
in einem Krieg, wo er sehr brav kämpft, gelingt es ihm, die zwei verfeindeten Könige zu
versöhnen. Das ist natürlich ein klares Beispiel der christlichen Versöhnung und der Harmonie.
Danach bekommt Ruodlieb einen Brief, in dem ihm mitgeteilt wird, dass seine Feinde
verschwunden sind. Er will heimkehren und bittet seinen König darum, ihn aus dem Dienst zu
entlassen. Der König schenkt ihm einige Ratschläge (zwölf eigentlich), die die damalige
Mentalität der Ritter und ihre Weltanschauung widerspiegeln.
Auf dem Heimweg trifft der Ritter auf den als negative Person gedachten „Rotkopf“. Sein
Verhalten ist das Gegenteil der königlichen Ratschläge. In einer Nacht tötet der Rotkopf sogar
den Ehemann der jungen Gastgeberin, bei der sie übernachteten und verführt das Mädchen. In
seiner alten Heimat verbringt er eine schöne Zeit, heiratet eine junge Frau und wird vom dortigen
Herrn mit Ehre behandelt. Ruodlieb verkörpert die christlichen Tugenden: er hat Mitleid mit den
armen Leuten, ist immer hilfsbereit und vernünftig. Auch wenn er liebt, bleibt er im Rahmen des
christlichen Lebens: die geliebte Frau wird geheiratet, nicht verführt. Ruodliebs Lebensregeln
beruhen auf Solidarität mit den Mitmenschen, denen man keinen Schaden verursachen darf. In
Ruodlieb trifft man auf eine Mischung von verschiedenen Themen und Motiven aus Märchen
und Sagen. Der Autor verzichtet fast völlig auf die konkrete lokale und politische Bestimmung,
denn sein Vorhaben ist, der Handlung eine allgemeingültige Bedeutung zu verleihen. Man kann
Ruodlieb auch als einen Bildungsroman avant la lettre bezeichnen.

14
Publius Terentius Afer (2. Jh. v. Chr.)- einer der bedeutendsten Komödienautoren der römischen Antike.
15
vielleicht Froumund von Tegernsee
3. Literatur in der staufischen Periode (das Hohe Mittelalter)

Die Staufer

Die adlige Familie der Staufer stammte aus Schwaben. Der Name kommt vom
Stammburg Hohenstaufen. Nach dem Aussterben der Dynastie der Salier kam es zu harten
Kämpfe für die Krone. 1138 wurde Konrad III. zum deutschen Kaiser gewählt und er ist der erste
Vertreter der Staufer. Nachdem Konrand 1152 gestorben war, wurde Friedrich I. (auch
Barbarossa genannt) zum König gewählt. Barbarossa begann eine Restaurationspolitik in Italien
(durch seinen ersten Zug von 1154/1155). Das führte zu einem Konflikt zwischen dem Papst und
dem König. Nach Kämpfen um die Auswahl des neuen Papstes ist es Friedrich nicht gelungen,
dass seine Kandidaten gewählt wurden. Deswegen war er dazu gezwungen, den neuen Papst
(Alexander III.) anzuerkennen. Er schloss auch Frieden mit den Städten aus Norditalien. In
seinem Land ist ihm aber gelungen, neue Gegenden unter seine Herrschaft zu bringen. Friedrich
Barbarossa starb 1190 während des dritten Kreuzzugs in Kleinasien. Heinrich VI. war der Sohn
und Nachfolger Friedrichs. Er war bestrebt, sein Reich mit dem der Normanen in Süditalien zu
vereinigen. Das geschah 1194 und so erstreckte das staufische Reich von der Nord- und Ostsee
bis nach Sizilien. Er nahm auch den berühmten König Richrad Löwenherz gefangen und machte
England von ihm abhängig. Von dieser Dynastie sehr bekannt wurde Friedrich II., von
Zeitgenossen auch stupor mundi genannt. Friederich II. war ein hochgebildeter Mann,
beherrschte mehrere Sprachen, zeigte immer Interesse für Wissenschaft. 1220 wurde er zum
Kaiser ernannt. Er besiegte die Sarazenen in Sizilien und obwohl er ein Beschützer des
Christentums war, geriet er in Konflikt mit dem Papst. Er wollte nicht am Kreuzzug teilnehmen
und deshalb wurde er vom Papst Gregor IX. aus Sizilien gebannt. Jedoch fuhr er ins Heilige
Land (1228) und es ist ihm die wunderbare Leistung gelungen, ohne Kampf, sondern nur durch
Verhandlungen einen Waffenstillstand zu erreichen. Und das war nicht alles: er wurde sogar zum
König der Stadt Jerusalem ernannt. Nach dem Kreuzzug kämpfte er lange Jahre mit den
päpstlichen Heeren. Friedrich besiegte sie mehrmals, schloss Frieden mit dem Papst und starb
überraschend am 13. Dezember 1250. Nach seinem Tode verlor diese Dynastie allmählich die
Macht (zuerst in Italien, dann in Deutschland).
Von der Mitte des 11. Jhs. bis Mitte des 13. Jhs. stieg die Zahl der Einwohner in den
deutschen Gebieten von etwa 5 Millionen auf etwa 12 Millionen an. Obwohl die Grundlage der
Produktion vorwiegend agrar war, nahm auch die Rolle der Mehrproduktion zu. Ende des 12.
Jhs. vollzog sich auch die Trennung der hohen Adligen von den mittleren und kleinen Adligen.
Während des 12. Jhs. begannen die Kämpfe gegen die Araber. Der Kontakt mit dem islamischen
Geistesleben war aber auch sehr fruchtbar, da die islamische Kultur die europäische beeinflusst
hat (es geht hauptsächlich um Mathematik, Astronomie, Übersetzungen usw.)

Orendel ist voll von Wundern und Abenteuern. Orendel (entstanden Ende des 12. Jhs.)
ist noch schlechter überliefert, nämlich in einer süddeutscher Fassung. Zwei Handlungen werden
bemerkbar: die Brautwerbung und die Legende des grauen Rocks Christi. Am Anfang wird die
Legende dieses Rocks erzählt, vom Beginn bis zur Zeit, wenn er von Orendel gefunden wird.
Orendel fährt nach Jerusalem, um um die Königin Bride zu werben. Die Schiffe scheitern, nur
Orendel gelingt es, sich zu retten. Er wird in einer Fischerhütte untergebracht und bei einem
Fischfang findet er den grauen Rock im Bauch eines Walfischs. Er nimmt diesen Rock, zieht
zum heiligen Graben, wo er mit Heiden und Riesen schwere Kämpfe hat. Orendel ist demütig,
aber nach diesen Kämpfen muss er zugeben, dass er der Sohn des Königs ist und wird Brides
Gemahl. Auch Bride ist eine Kämpferin: sie kämpft neben Orendel, schlägt viele Feinde tot,
erlebt gefährliche Abenteuer. Nach der Hochzeit kehrt sie mit Orendel nach Deutschland zurück.
Der König Rother ist in verschiedenen Handschriften erhalten: eine aus dem späten 12.
Jh. und einige aus dem 13. und 14. Jh. „Wegen seines Stoffes, der Vielfalt der aufbauenden
Elementen und wegen des Mischcharakters der Sprache ist das Gedicht besonders vielen
Versuchen einer Aufgliederung nach Schichten oder Ausscheidung von Einschüben ausgesetzt
gewesen.“16 Die Forscher sind darüber einig, dass das Gedicht ein Original ist, weil die
volkssprachlichen Elemente fehlen. Der König Rother wird durch eine Mischung von
hochdeutschen und niederdeutschen Elementen gekennzeichnet. Es handelt sich wieder um eine
Brautwerbung nach dem Schema: Entführung der Braut – Rückentführung – Wiedergewinnung.
Es ist die Geschichte des weströmischen Herrschers Rother, der die Tochter des oströmischen
Herrschers Konstantin heiraten will. Der Vater der Braut ist am Anfang feindlich gesinnt, aber
nach Abenteuern und Kämpfen gelingt es dem König Rother, die Prinzessin zu heiraten. Man
vermutet, dass das Vorbild dieser Geschichte der normannische König Roger II. (1098-1154)
und seine Werbung um die Tochter des byzantinischen Kaisers gewesen sein. Rother zieht mit
seiner Braut nach Süditalien, wo sie einen Sohn gebärt und dieser sollte Pippin, der Vater Karls
des Großen gewesen sein.
Um 1200 entstand die Satire Heinrichs des Glîchezaere Fuchs Reinhart, nach dem
Vorbild des französischen Roman de Renard. Es ist ein Tierepos, das der vorhöfischen Literatur
zuzuordnen sei: obwohl formal die Abenteuer und die Liebe die Schlüsselbegriffe sind, huldigt
der Dichter keineswegs die Ideale seiner Zeit. Die tierischen Protagonisten werden von Heinrich
benutzt, um die ritterliche Gesellschaft seiner Zeit zu parodieren und zu kritisieren. Die
Geschichten der Streitereien zwischen dem grausamen Wolf und dem listigen Fuchs gab es seit
langem in Europa und mit Ausnahme der antiken Fabeln wurden sie erst im 12. Jh. schriftlich
verfasst. 300 Jahre später wurde das Motiv, das auch bei Heinrich dem Glîchezaere auftaucht,
von Goethe wieder aufgenommen (in Reineke Fuchs). Man kann das Werk in drei Hauptstücke
einteilen: der Fuchs und die kleinen Tiere, der Fuchs und der Wolf und Verfahren gegen den
Fuchs.

4. Der Minnesang

Minne bedeutete auf Mittelhochdeutsch „Liebe“ und beschreibt das Verhältnis von Mann
und Frau. Dieses Verhältnis wurde vom Feudalismus stark geprägt, denn der Mann wurde als
Vasall seiner Frau („frouwe“), seiner Herrin betrachtet. Minne ist ein spezieller Begriff, weil er
die Beziehungen der Menschen zu Gott und die Beziehungen der Menschen untereinander
bezeichnete. Minne gekennzeichnete soziale, karitative, erotische und sexuelle Verhältnisse. Das
Verhältnis der Minne kann nur aufgrund der reinen Einwilligung und der Zuneigung der
Personen entstehen. Der Minnebegriff enthält auch den Wunsch nach körperlicher Vereinigung,
die aber immer abgesagt wird und so gewinnt die Minne die Bedeutung der platonischen Liebe.
So bekam Minne auch eine philosophische Bedeutung neben der sozialen: man behauptete, dass
16
de Boor, S.238
die Minne nur den hohen Gesellschaftsschichten eigen sei und das im Gegensatz zu den niederen
Schichten, deren Liebe grob und triebhaft war.
Der Minnesang entwickelte sich seit der 2. Hälfte des 12. Jhs. Man unterscheidet
verschiedene Phasen: der „donauländische Minnesang“ (1150-1170); die zweite Phase entstand
im Rheinland unter westlichem Einfluss (es wird auch die Zeit der hohen Minne genannt) (1170-
1190). In der dritten Phase wird die Frau unerreichbar für den Mann, sie ist mehr ein Ideal
(1190-1210). Innerhalb des Minnesangs kann man viele Gattungen unterscheiden (Frauenlied,
Dialoglied, Tagelied, Pastourelle, Kreuzlied, Naturlied usw.). Musik und Text sind im
Minnesang nicht voneinander zu trennen.
Der von Kürenberg (der Ritter von Kürenberg) stammte wahrscheinlich aus der Gegend
um Linz. Seine Lieder sind die ältesten uns bekannten Minnelieder. Die Gedichte des von
Kürenbergs entstanden zwischen 1150-1180. Das Falkenlied besteht aus 2 Strophen und die
Metaphorik des Falken hat eine erotische Spannung, denn es besteht ein Doppelverhältnis
zwischen Freiheit und Zucht. Der Falke ist das Symbol der Geliebten und man bemerkt, dass das
Gedicht aus der Frauenperspektive geschrieben ist, was für jene Zeiten üblich war. Die erste
Strophe stellt allgemeingültige Bemerkungen dar (Frauen und Jagdfalken werden leicht zahm).
Die zweite Strophe enthält die Wende ins Individuelle, denn ein Ritter wirbt um eine Frouwe.
„Immer noch bleibt das Erlebnis in die Objektivität des epischen Berichtes, des „er“ und „sie“
gekleidet, und erst die Schlusszeile lässt das redende Ich hervortreten.“ 17 15 Strophen des von
Kürenbergs sind überliefert und sie sind in Codex Manesse18 enthalten.

Dietmar von Aist (um 1140-1171) war ein Zeitgenosse des von Kürenbergs. Auch er
stammte aus Oberösterreich und war ein Vertreter der frühen Phase des Minnesangs. In Codex
Manesse wird Dietmar von Aist mit 16 Liedern (insgesamt 42 Strophen) vertreten. Es ist schwer
zu bestimmen, ob alle Lieder die unter seinem Namen erscheinen auch von ihm geschrieben
worden sind, denn sie sind stilistisch sehr verschieden. Im Vergleich mit dem von Kürenberg
sind die Gedichte Dietmars musikalischer und weicher. Thema seiner Gedichte ist die Liebe
zwischen Mann und Frau, sie sind manchmal aus der Männer- manchmal aus der
Frauenperspektive geschrieben. Die Natur spielt eine größere Rolle bei Dietmar. Die Natur
befindet sich in dialektischem Prozess mit der Erinnerung, mit ihrer Gestaltung. Für Dietmar
bedeutet die Natur eine Ausdrucksmöglichkeit der Gefühle. Die Natur kann auch Spiegelung der
Gefühle sein: die Sommerfülle ist im Einklang mit der erfüllten Liebe. Wenn die Liebenden
unglücklich sind, dann wird auch die Fülle der Natur negiert. Es entsteht kein kompliziertes
Naturbild: im Gegenteil: mit wenigen „Pinselstrichen“ wird eine milde, liebliche Natur
entworfen, die stilisiert ist. Die Minneauffassung Dietmars ist der des von Kürenbergs gleich,
aber, wie im Fall der Natur, ist etwas weicher. Die Frau kennt auch die Leiden der Sehnsucht,
während der Mann höfischer als bei dem von Kürenberg wirkt.
Auch Dietmar pflegt das Rollenspiel (eine Frauen- und eine Männerstrophe). Bei ihm
erscheint zum ersten Mal das Tagelied, das sich aus einer epischen Situation entwickelt: nach
einer Liebesnacht müssen die Liebenden Abschied nehmen. Er wechselt das Minnelied, indem
er eine dritte Strophe hinzufügt (er verstößt damit gegen die damalige Kunstform, aber so erhält

17
de Boor / Henning / Newald, S.230
18
die umfangreichste und bedeutendste deutsche Liederhandschrift des Mittelalters. Heute befindet sie in
Heidelberg, in der Universitätsbibliothek
sein Gedicht eine beachtliche Dynamik). Dietmar experimentiert gerne, seine Lyrik ist reich an
Formen.

Heinrich von Veldeke (1140/1150-um 1190) wird von zwei Literaturen als den ersten
bedeutenden Dichter betrachtet: von der niederländischen und von der deutschsprachigen.
Geboren wurde er in der Nähe von Maastricht und wahrscheinlich hatte eine geistliche Bildung.
Vor 1170 begann er seine erste epische Arbeit, die Servatius-Legende. Servatius war der heilige
Patron seiner Heimatstadt Maastricht und er hat dieses Werk noch in seinem Heimatland
geschrieben. Nach 1170 begann er an den Eneas-Roman zu arbeiten. Heinrich war schon in
Rheinland; als er zwei Drittel des Romans niedergeschrieben hatte, wurde ihm das Werk
gestohlen und er konnte es erst nach 9 Jahren in Thüringen ausfindig machen. Der Eneas-Roman
(Eneit) war das Werk, das Heinrich von Veldeke berühmt machte. Das Thema ist das der Aeneis
von Vergil, aber Gehalt und Funktion werden von der mittelalterlichen Gesellschaft beeinflusst.
Nicht nur Aeneis war sein Vorbild, sondern auch der französische Roman d`Eneas, der vor
kurzem erschienen war. Der Roman erzählt die Flucht aus Troja, den Aufenthalt bei Dido, der
ein tragisches Ende haben wird, die Hadesfahrt, die Kämpfe um den von Göttern verheißenen
Boden, die Ansiedlung und die Ehe mit Lavinia. Aber bei Veldeke haben wir einen anderen
Schwerpunkt: ihn interessieren nicht unbedingt die Gründung Roms. Der antike Stoff wird
Vorbild für ein ritterliches Verhaltensmuster und für die Macht, die von der Minne ausgeübt
wird. Die Pole des Gedichts sind die zwei Minne-Geschichten mit Dido und Lavinia. Während
bei Vergil Lavinia eine Nebenrolle hatte, bekommt sie bei Veldeke eine Hauptrolle. Der
Schriftsteller ist objektiv: obwohl er eine geistliche Bildung hatte, stellt er die antiken Götter
ohne Zorn oder Spott dar. Bemerkenswert ist, dass Veldeke die antiken Götter nicht zum
Inbegriff des Teufels macht, wie es in der Zeitliteratur üblich war. De Boor behauptet, dass diese
Götter „blaß und ohne Profil“ bleiben 19, aber das kann nicht unbedingt Folge seiner
Unwissenheit oder einer bestimmten christlichen Absicht, sondern viel mehr ging es ihm um die
Verwandlung des antiken Stoffes in einen tatsächlichen Musterkatalog der mittelalterlichen
Bräuche und Sitten. Im Eneas-Roman gehen die Menschen zugrunde wegen ihrer eigenen
unmâze (Schuld) und diese Schuld kann verschiedene Formen haben.
In seiner Lyrik werden Sprache, Reim und Vers erneuert. Nach dem Vorbild der
französischen Literatursprache wird auch die von Veldeke benutzte Sprache raffiniert. Mit seiner
Sprachkunst ist es ihm gelungen, die Regionalismen zu vermeiden, sowohl die aus der Gegend
um Maastricht, als auch die aus dem Rheinland. Hauptthema seiner Lyrik ist die Minne, die als
ein Zentrum des Lebens betrachtet wird.

Reinmar der Alte (von Hagenau) ist urkundlich nirgendwo bezeugt. Sein Name
erscheint in verschiedenen Liederhandschriften und er ist zu vermuten, dass er eine hohe
Popularität genossen hat. Reinmar war einer der bedeutendsten Minnesänger, der die
Dichtungskunst zu einer Blüte führte. Unter seinem Namen erschienen 88 Lieder, in
verschiedenen Liedersammlungen. Reinmar von Hagenau ist ein Vertreter des so genannten
hohen Minnesangs. Hagenau war in Wien aktiv (gegen Ende des 12. Jhs. bis ins erste Jahrzehnt
des 13. Jhs.) Seine Zeitgenossen haben ihn „Nachtigall“ oder „Dichter der ungestillten
Sehnsucht“ genannt. Die Phase des Minnesangs, in der auch Reinmar schreibt, wird durch
19
de Boor / Henning / Newald, S.42
mehrstrophige Lieder gekennzeichnet, die verschiedene Rhythmen haben. Die meisten seiner
Gedichte sind Minnelieder. Das übliche Schema, das von ihm verwendet wird ist folgendes: ein
Mann, der seiner Geliebten (seiner Herrin) treu und ergeben ist, und dem die Frau nicht einmal
ein Lächeln gönnt. Bei Reinmar ist die Frau der Inbegriff der Reinheit. Der Ritter wünscht sich
eine Erfüllung der Liebe, aber das würde bedeuten, dass die Geliebte ihre Reinheit verloren
würde. Das ist die Hohe Minne, die von Reinmar vollendet wird. Die Minne befindet sich bei
ihm in einem Spannungsfeld. Reinmar von Hagenau besingt die edlen Damen mit einer bis
damals noch nicht erreichten Kunstfertigkeit.

Hartmann von Aue (um 1170- um 1215) war ein Ritter aus Schwaben, der einer
Ministerialenfamilie entstammte. Man vermutet, dass er am dritten Kreuzzug (1189-1192) oder
sogar am vierten (1197) teilgenommen hatte. Von ihm sind 18 Lieder mit insgesamt 60 Strophen
erhalten. Die Lieder haben einen starken subjektiven Zug und behandeln erotische,
gesellschaftliche und ethische Aspekte. Er hat auch drei Kreuzlieder geschrieben. Lange Zeit
wurden seine Minnelieder nicht so positiv von den Forschern beurteilt. Sie haben auch keinen
großen Erfolg unter den Zeitgenossen. Nur die Kreuzlieder waren sehr beliebt, aber wir müssen
auch an die konkreten geschichtlichen Bedingungen denken. Die Literaturkritiker haben in seiner
Lyrik eine Absage an die irdische Minne angedeutet und eine Annäherung an die göttliche.

Walther von der Vogelweide (um 1170 – um 1230) war schon im Mittelalter der
bedeutendste deutsche Minnesänger. Er stammte aus einer kleinadligen Familie aus Österreich.
Walther war ein landloser Ministerial, der am Wienerhof die Kunst des Minnesangs von Reinmar
dem Alten (von Hagenau) gelernt hat. Danach war er jahrelang wandernder Ritter, der an
verschiedenen Höfen verweilte. Aus Urkunden erfährt man nichts über sein Leben, trotzdem
weiß man viel darüber, nämlich aus seinen Liedern, die viele biographische Informationen
beinhalten. Alle waren und sind darüber einig, dass Walthers Lyrik ein Höhepunkt des
Minnesangs ist. Er hat diese Gattung vollendet, stilisiert und vergeistigt. Walther hat der
höfischen Lyrik neue ästhetische Wege geöffnet. Er hat das Gegenkonzept der niederen Minne
entwickelt. Diese bedeutet die erfüllbare gegenseitige Minne. Die niedere Minne in seiner Lyrik
bringt zugleich Gefühlswärme und Erlebniskraft. Sein Blick richtet sich auch auf nichtadlige
Frauen, deren Schönheit und Anziehungskraft besungen wird. Seine Lieder behandeln nicht nur
Ethik und Lehre, sondern hier findet man auch eine Erweiterung, denn er schreibt auch über
Religion und Politik. Seine politischen Gedichte sind polemisch-satirisch.
In der Minnelyrik hat Walther von der Vogelweide die sozialen Schränke aufgehoben,
indem er auch die Frau und nicht die Herrin besang. Er hat die Konventionen in der Dichtung
ausgelöst. In seiner Lyrik findet man auch einen Wandel der Pole: bei ihm ist der Mann der
Erwartende, während bei anderen Minnesängern der Mann der sich bewegende Punkt, der
Unruhige ist. Die Natur ist nicht nur Schauplatz, sondern sie nimmt an der Handlung teil.
Die politische Dichtung Walthers ist die Ebene, wo die außerpoetische Realität in die
Lyrik eindringt. Ihn interessieren die Reichsprobleme, die Reichspolitik; er fragt sich immer, wie
das Reich am besten zu regieren wäre. Auf alle politischen Streiten seiner Zeit nimmt er Bezug
und es gefällt ihm, fast immer in der entgegengesetzten Partei zu sein. Sehr oft kommt folgendes
Thema zum Ausdruck: der Klerus besitzt keine Vorrechte und keine anderen Schichten sind ihm
untergeordnet. Da Walther ein Reisender war, verweilte er in verschiedenen Orten. Wo er mit
dem Lohn der Herren unzufrieden war, begann er über sie Lieder zu schreiben, wo er alle ihren
Untugenden hervorhob.
Heinrich von Morungen (um 1150-um 1220) war ein bedeutender Minnesänger und der
letzte, für den Daktylen und Reimdurchflechtungen wesentliche Formelemente waren. Sein
Leben ist nur wenig bekannt, eigentlich aus seinen Liedern. Er gehörte dem niederen Rittertum
an und stammte vermutlich aus Thüringen. Bei Heinrich trifft man auf eine Episierung der Form,
während seine Minneauffassung eine Rückkehr zur frühhöfischen Dichtung bedeutet. Für ihn hat
Minne eine magische Kraft, die manchmal auch tödlich sein kann. Die Minne kann einem die
Sprache berauben, ihn stumm machen, Minne kann einen verrückt machen, sogar physisch
krank. Zurück zur Episierung kommend, kann man sagen, dass seine Gedichte als Dialoge
zwischen Mann und Frau aufgebaut sind.
Heinrich von Morungen ist auch ein Dichter, der auf die Antike zurückgreift. Ein
wichtiges Thema seiner Lyrik ist die Dämonie der Minne, die zugleich Leid und Freude
bedeutet. Das wichtigste poetische Organ ist das Auge, die Erlebnisse sind vorwiegend vom
Sehen bestimmt. Beeindruckt wird sein Auge besonders vom Licht und Glanz. In diesem
Zusammenhang erscheinen die Bilder der Sonne, Sterne, des Mondes, des Tagesanbruchs, des
Abendscheins als Symbol der weiblichen Schönheit. Diese Lichtsymbolik wird im
Zusammenhang mit der gotischer Lichtsymbolik erwähnt, das im Unterschied zur romanischen
das Licht nicht als Kontrast zwischen Licht und Dunkel auffasst. Die gotische Lichtsymbolik
betrachtet das Licht als Determinante der Schönheit.20
Das Bild der Geliebten bei Morungen bleibt weiter konventionell, aber wird detailreich
dargestellt, während die Lichtflut dem Bilde nicht schadet, es nicht verschwimmt, sondern es viel
klarer heraushebt. Von Morungen sind 35 Lieder überliefert (115 Strophen).

Ulrich von Liechtenstein (um 1200-1275) stammte aus einer adligen Familie aus der
Steiermark. Er hat wichtige politische Ämter bekleidet, wurde einmal sogar Marschall. Von ihm
sind 58 Lieder überliefert, die er selbst in den so genannten Frauendienst, eine poetische
biografische Lebensbeschreibung gesammelt hat. In Ich-Form erzählt er sein Leben; das lyrische
Ich wird auf der Minnesuche dargestellt. Ulrich steht wurde von Walther von der Vogelweide
beeinflusst. Er hat eine nicht zu leugnende poetische Begabung, kann leicht und rasch dichten,
aber seinen Liedern fehlen Tiefe und Originalität.

Oswald von Wolkenstein (1377-1445) ist eine einzigartige Erscheinung. Obwohl zu


seinen Lebzeiten die Epoche des Minnesangs schon lange beendet war, ist er der letzte Vertreter
dieser Dichtung. Er war nicht nut Lyriker, sondern auch Musiker, Komponist und Politiker von
großer Bedeutung. Die Thematik seiner Lieder ist sehr breit, denn er hat Trinklieder, Tanzlieder,
Reiselieder, Liebeslieder, politische und religiöse Lieder verfasst. Charakteristisch für seine
Lieder ist der starke Subjektivismus, denn er berichtet nur über Erlebtes (Reisen, Frauen, Wein
usw.) Von ihm sind etwa 130 Lieder, darunter 34 mehrstimmig (das war eine Neuigkeit für jene
Zeit) überliefert. Oswald hat viel gereist und gehörte dem Drachenorden (ordo draconis oder
societas draconia), zu dem nur bestimmte große Persönlichkeiten gehörten, wie z.B. Vlad II.
Dracul.21

5. Die Epik der Stauferzeit. Der höfische Roman

20
Bahr (Hrsg), S.130
21
sein Sohn, Vlad III., bekam den Beinamen Draculea, d.h. der Sohn von Dracul
Neben Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg, war Hartmann von Aue
(um 1160 – um 1215) der wichtigste Epiker der mittelhochdeutschen Klassik. Zusammen mit
Heinrich von Veldeke bildet er den Anfang des höfischen Romans. Der höfische Roman ist die
epische Form der höfischen Dichtung und verwendet alte keltische, antike und orientalische
Sagen. Im Zentrum dieser Geschichten stehen meistens die Ritter, während das höfische Leben
idealisiert wird. Der Inhalt ist voll von Abenteuern (âventiure). Diese âventiure hat in diesen
Romanen den lateinischen Sinn von „Zufall“, denn die Abenteuer, die die Helden erleben, als
unwillkürliche Bewährungsproben zu verstehen sind. Diese Proben tragen zur Vollendung, zur
Entwicklung der Helden bei. Im Nibelungenlied erscheint âventiure als Teil der Erzählung. In
diesen âventiuren tauchen Drachen, Helden, Zwerge, Hexen usw. auf. Aber diese âventiuren und
die Tafelrunde des Königs sind nur Vorwände für die Darstellung der damaligen Gesellschaft.
„Der Konflikt des Helden ist so allermeist ein Konflikt mit der Gesellschaft.“ 22 Triebkraft der
âventiure ist die Ehre, die immer wieder bestätigt und bewahrt werden muss. Es ist eine
Lebensform, die nur einem Ritter begrifflich sein kann. Zentralpunkt dieser Roman ist neben
âventiure die Minne. Die Frau kann den Ritter erhöhen und ihm Kraft geben.
In Deutschland entstand der höfische Roman im Hochmittelalter nach französischen
Vorlagen. Die wichtigsten Erzählstoffe, die als Vorlagen galten, waren die Artussage und die
Gralssage. Der König Artus war der Held der keltisch-britannischen Sagen und Märchen. Artus
wurde zur literarischen Figur, als er von Britannien nach Frankreich gelangte. „Artus ist ein
Symbol, und um dieses sein zu können, muss er überhöht werden. Er ist nicht Held von
Ereignissen, sondern Mittelpunkt einer Welt. Er selber wird nicht tatenlos dargestellt, aber doch
als ein ruhender Pol, um den Tat gedeiht. Alle Tat aber wird von seinem Wesen bestimmt.“ 23
Über das Leben Hartmann ist nichts aus Urkunden bekannt, sondern aus den Prologen
seiner Werke. Im Prolog des Armen Heinrich kann man lesen:

Ein Ritter der die Kunst besaß,


Daß er in den Büchern las
Was er darin geschrieben fand;
Hartmann von Aue war er genannt24

Erec (um 1185) ist der erste deutsche Artusroman, eigentlich eine Umdichtung von
französischem Erec (um 1170). Die Handlung ist zweiteilig und benutzt die einfache
Kettentechnik der vorhöfischen Werbungsromane. Die Handlung beginnt am Hof des Königs
Artus, wo der junge Ritter Erec um die Hand der schönen Enite wirbt. Vor der Königin wird er
vom Ritter Ider gekränkt. Ider ist ein wandernder Ritter und Erec zieht fort, um sich zu rächen. In
einem Turnier gelingt es ihm, Ider zu besiegen. Er kehrt mit Enite zum Hof des Königs zurück,
wo eine feierliche Hochzeit gefeiert wird. Damit endet der erste Teil der Handlung. Dieses
Schema wäre genug gewesen, denn es ist hat die „klassische“ Reihenfolge: Ausritt-Gewinnung
der Geliebten-Rückkehr voller Ehre. Der Hin-und Rückweg sind voll von Abenteuern, aber es
scheint, dass Hartmann mehr Spannung will. Dann fahren die beiden zum Hof von Erecs Vater,
wo der Junge seine Pflicht als Herr vernachlässigt, da er sich den ganzen Tag der Minne seiner
Frau widmet. So wird die Minne gefährlich und deswegen wird Erec wieder gekränkt, als er
seine junge Frau klagen hört, dass sein tatenloses Leben eine Schande für die Hofleute war. Um
22
Wapnewski, S.50
23
de Boor / Henning / Newald, S.61
24
[Link]
seine Ehre wiederherzustellen, waffnet er sich und zieht fort. Enite reitet mit ihm. Die beiden
erleben eine Reihe von Abenteuern Diese Abenteuer haben eine ausbildende Funktion, und Enite
beendet früher als Erec ihre Erprobung. In Erec geht es um das Problem der diesseitigen
Vollendung des Menschen. Bemerkenswert ist, dass bei Hartmann dieses Problem ein ethisches
und kein religiöses ist.
Iwein ist ein anderer Artusroman, der um 1202 entstand. Als Vorlage diente Yvain ou Le
Chevalier au lion von Chrétien de Troyes. Schon zur Entstehungszeit galt Iwein als das
Meisterwerk Hartmanns. Aus formal-ästhetischen Gründen ist der Roman wirklich meisterhaft.
Hier spürt man auch die unpersönliche Kühle des Klassischen und kein Werk Hartmanns ist mit
so viel Unbeteiligtheit geschrieben.
Der Roman beginnt mit einer Rahmenerzählung: am Hof des Königs Artus erfährt Iwein
die Geschichte des Ritters Kalogrenant, der über seine Abenteuer berichtet. Iwein erhält
Kenntnis von einem magischen Brunnen, dessen Geheimnis von Kalogrenant nicht enthüllt
werden konnte. Iwein zieht fort, um dieses Rätsel zu lösen. Er kommt in eine feindliche Burg,
wo er mit Hilfe von Lunete (das war die Vertraute der Burgherrin) vor den wütenden Rittern
flieht. Von Lunete bekommt er einen magischen Ring, die die Fähigkeit hatte, ihn unsichtbar zu
machen. So gelingt es ihm, die Burgherrin Laudine zu sehen, deren Ehemann er in einem
Zweikampf vor kurzem getötet hatte. Er verliebt sich in sie und wieder hilft ihm Lunete, zur
Burgherrin zu kommen. Er heiratet sie, aber danach hat er wieder Abenteuerlust und zieht auf
Turnier. Seine Frau gewährt ihm eine Frist, in der er zurückkommen kann. Iwein überschreitet
diese Frist und wird vor König Artus als Verräter angeklagt. Ihm wird seinen Ring
weggenommen und seine Ehre ist total geschädigt. Iwein wird wahnsinnig, reißt die Kleider vom
Leib weg und zieht in den Wald. Eine Fee hilft ihm, indem sie ihm eine Wundersalbe gibt, die
ihn von seinem Wahnsinn heilt. Iwein erlebt allerlei Abenteuer, tötet Drachen, rettet Länder,
wünscht sich nicht, Landsherr zu werden, lehnt verschiedene Ehen ab. Es gelingt ihm wieder,
Laudine zurück zu gewinnen.
In Iwein trifft man auf ein umgekehrtes Problem als in Erec, wo die Minne die Abenteuer
gefährdete. Hier wird die Minne durch die Abenteuerlust in Gefahr gebracht. Wie In Erec gibt es
auch hier das Doppelschema: Iwein gewinnt dank seiner Tugenden Ehre, Herrschaft und die
Hand einer schönen Frau, verliert aber alles wegen seiner Schuld, und muss erneuert darum
kämpfen, sie zurück zu gewinnen.

Wolfram von Eschenbach (um 1170–um 1220) war der berühmteste deutsche Epiker
des Mittelalters. Er war auch Minnesänger und verfasste lyrische Lieder. Sein bekanntestes Werk
ist Parzival, das vermutlich nach dem Perceval von Chrétien de Troyes nachgedichtet wurde. Es
ist das erste deutsche Buch, das als Hauptmotiv den heiligen Gral hat. Es ist ein Motiv aus den
Artusromanen. Wolframs Werk ist keine bloße Übersetzung des Originals, sondern man kann
behaupten, dass Parzival einen höheren literarischen Wert als Perceval hat. Parzival ist eines der
meist gelesenen Werke der Weltliteratur. Parzival umfasst 25 000 Verse, die in 16 Büchern
gegliedert sind. Wolfram von Eschenbach hat mit seinem 'Parzival' einen der bedeutendsten
Erzähltexte des europäischen Mittelalters geschaffen. Der zwischen 1200 und 1210 entstandene
Versroman verbindet den keltischen Artusstoff mit religiöser Gralsthematik. Als zentral
erscheint dabei die Frage, wie eine von Widersprüchen und Gegensätzen zerrissene Welt wieder
heil wird.
Parzival ist ein einfacher Mann, der während der Handlung zum Ritter wird. Er
unternimmt eine Irrfahrt durch die Welt, denn er sucht den heiligen Gral. Er macht immer Fehler,
ist am Anfang unwissend, aber diese Fahrt ist für ihn die wahre Bildung. Die Abenteuer
ermöglichen ihm eine Selbsterkenntnis, denn er muss die Folge seiner Fehler tragen. Erst
nachdem er bewusst geworden ist, wie und was er falsch gemacht hat, ist es ihm möglich, die
Gralherrschaft zu erlangen. Parallel wird auch die Fahrt des Ritters Gawan erzählt, der als ein
vollkommener Ritter dargestellt wird.
Die ersten zwei Bücher erzählen die Geschichte von Parzivals Eltern. Sein Vater,
Gahmuret, wird in Orient durch seine Waffentaten berühmt. Aber er wird in einem Kampf
getötet, so dass er die Geburt seines Sohnes nicht mehr erlebt. Die Bücher III und IV beschreiben
die Erziehung Parzivals. Seine Mutter beschließt, ihn weit weg von der Welt zu bringen, denn
nur so konnte sie ihn vor der ritterlichen Welt bewahren. Parzival wächst in Unschuld und
Unwissenheit auf. Er weiß nicht einmal seinen Namen und seine Abstammung, die er erst später
erfährt. Aus dem Roman erfährt man, dass der Junge besonders schön war, aber keine der
ritterlichen Tugenden beherrschte. Die Absicht seiner Mutter, ihn von der ritterlichen Welt
fernzuhalten, misslingt, wenn der Junge einem Ritter begegnet. Er will unbedingt Ritter werden,
und deswegen will er zum Hof des Königs Artus ziehen. Seine Mutter hofft, dass die schlechten
Erfahrungen, die er machen wird, ihn dazu überzeugen werden, heimzukehren. Deshalb kleidet
sie Parzival wie einen Narren. Parzival weist Erziehungsmängel auf und darum hat er nur
Unglücke, die durch seine Fehler bewirkt werden, denen aber er nicht bewusst wird. Zum
Beispiel trifft er auf Jeschute, die Ehefrau des Herzogs Orilus. Er missversteht die Ratschläge
seiner Mutter, die die Minne betreffen. Sie hat Parzival gesagt, dass er nach dem Ring schöner
Frauen streben muss. Parzival überfällt Jeschute und beraubt ihren Ring. Der Ehemann glaubt ihr
nicht, dass sie unschuldig ist, wirft ihr Ehebruch vor und verstößt sie.
Am Artushof kämpft er zum ersten Mal und tötet den Ritter Ither, der auch „der rote
Ritter genannt wird“. Aber der Kampf wurde unritterlich geführt, die Rüstung des Feindes
wurde von Parzival beraubt. Er zieht die Rüstung Ithers an, aber darunter hat er noch die
Narrenkleidung. Er fühlt sich als Ritter und will in die Welt ziehen, um den Gral zu suchen und
zu finden. Er gelangt zur Burg des Herrn Gurnemanz, wo er in die ritterlichen Sitten eingeweiht
ist. Er lernt das höfische Benehmen und die korrekte ritterliche Waffenübung. Er wird von
Gurnemanz in die Kunst der Minne eingeführt und so ist Parzival nach 14 Tagen ein perfekter
Ritter. Gurnemanz, der Parzival mit seiner Tochter heiraten will (aber Parzival lehnt höflich
dieses Angebot ab), gibt ihm den Rat, dass es verboten ist, unnötige Fragen zu stellen. Der Junge
gewinnt die Hand und das Herz der Königin Condwiramur, die er heiratet. Er wird zum Herrn
der Burg, aber bevor seine Frau gebärt, verlässt er die Stadt, um nach Hause zu fahren, denn er
wollte seine Mutter sehen. Die war inzwischen gestorben, aber er wusste nichts davon.
Die Bücher V und VI berichten über Parzivals neue Abenteuer. Der Ritter kommt zur
Gralsburg, die nur die Berufenen finden konnten. Hier erlebt er mysteriöse und mystische
Abenteuer. In Gralsburg wird er feierlich empfangen und hier wird ihm die wundersame
Erscheinung des Grals zuteil. Er erlebt aber auch eine mysteriöse Mischung aus Glanz und
Trauer, da Amfortas, der Burgherr, krank zu sein scheint. Parzival fragt ihn nicht, woran er
leidet, denn er wusste jetzt, dass er die Fragen vermeiden muss. Am nächsten Tag findet er die
Burg leer. Von einer alten Frau erfährt er, dass er der mächtigste Herr sein konnte, wenn er nach
dem Leiden des Burgherren gefragt hätte. Auf dem Weg trifft er wieder auf Jeschute: jetzt
versteht er, welchen Fehler er begangen hatte, geht zu ihrem Ehemann und erklärt ihm, dass er
keine Liebesaffäre mit der Frau hatte. So konnte Jeschute seinen Platz in der Gesellschaft wieder
gewinnen. Parzival gelangt wieder zum Artushof, wo er in die Tafelrunde aufgenommen wird.
An der Tafelrunde erscheint auch Gawan, Artus´ Neffe, der über seine Abenteuer berichtet. Bei
diesem Fest erscheint die Gralsbotin Cundrie, die Parzival verflucht, da er in Gralsburg versagt
hat. Pazival fühlt sich entehrt und scheidet sich selbst aus dem Artuskreise aus. Parzival glaubt,
dass sein Versagen in Gralsburg eine Folge der mangelhaften Fürsorge Gottes war, aber das zeigt
seine oberflächliche Gottesvorstellung. Er beginnt, Gott zu hassen.
In den Büchern VII und VIII werden Gawans Abenteuer dargestellt. Die Aventiure und
der Frauendienst sind Zentralpunkte dieser Bücher. Das IX. Buch schildert die Versöhnung
Parzivals mit Gott und die Enthüllung des Gralgeheimnisses. Die Bücher X-XIII beschreiben
wieder die Abenteuer Gawans, die alle Schwierigkeiten besteht und als vollkommener Ritter
dargestellt wird. Die Bücher XV-XVI stellen Parzival als Gralskönig dar. Er reitet wieder zu
Amfortas, stellt die erlösende Frage.

Gottfried von Straßburg (2. Hälfte des 12 Jhs.– um 1215) bildet zusammen mit
Wolfram den Höhepunkt der staufischen Dichtung. Mit Gottfried begegnen wir einem neuen
sozialen Typus, nämlich dem gebildeten Stadtbürger. Er war mit der deutschen und
französischen höfischen Dichtung vertraut und außerdem auch mit der lateinischen. Sein
bedeutendstes Werk ist Tristan (entstanden um 1210). Von diesem Text ist nur ein Fragment
(etwa 20 000 Verse) überliefert, während der ganze Roman ungefähr 30 000 Verse gehabt haben
sollte. Als Vorlage für seinen Roman nennt Gottfried das Werk von Thomas von Britanje.
Tristan ist der Sohn von Riwalon, dem König von Lohnois, der in einem Krieg gestorben
ist. Kurz danach ist auch seine Mutter gestorben. Der Marschall seines Vaters, Rual, erzieht das
Kind, das mit sieben Jahren ins Ausland geschickt wird, um Fremdsprachen zu lernen. Er reist
nach Irland, wo er Morold im Zweikampf tötet. Der vergiftete Schwert Morolds verwundet ihn,
und so gerät er in die Lebensgefahr. Nur Isolde, die Königin von Irland, die Schwester Morolds,
kann ihn heilen. Sie bietet ihm seine Hilfe an, nur wenn er mit dem bezaubernden Harfenspiel
ihre Tochter, die ebenfalls Isolde heißt, beglücken kann. Der König zwingt ihn zur Heirat mit
Isolde und Tristan sagt zu, aber er nimmt an, dass das Mädchen mit der Heirat nicht
einverstanden sein wird. Der König von Irland will Isolde heiraten und beauftragt einem Diener,
einen Liebestrank zu mischen, der aber irrtümlicherweise von Tristan und Isolde getrunken wird
und die beiden verlieben sich ineinander. Der König ist aber entschieden, Isolde zu heiraten und
wenn sie weggenommen wird, kann nur Tristan sie zurückholen. Die Liebesgeschichte der
beiden geht weiter, sie können alle Fallen und Gefahren umgehen. Der König erfährt, dass die
zwei eine Liebesaffäre haben und erwischt sie eines Nachts im Bett. Um dem Tod zu entgehen,
muss Tristan England verlassen und nach Deutschland fliehen, wo er eine andere Isolde kennen
lernt (Isolde aux mains blanches25), mit der er eine Beziehung beginnt. Er fühlt sich aber nicht
befriedigt und denkt immer an die andere gleichnamige Frau.
Tristan ist der künstlerisch avanciertest deutsche Roman der Zeit um 1200. Darin werden
Einflüsse sowohl der zeitgenössischen und älteren volkssprachigen Literatur (Hartmann von
Aue, Minnesang) als auch der antiken lateinischen Autoren (Ovid) und geistlicher Literatur
(Hoheslied) verarbeitet. Der Autor ist auch an der Figurenpsychologie interessiert. Gottfried hat
nicht nur eine einfache Übersetzung des Originals gemacht, sondern es ist ihm gelungen, das
Werk mit anderen Deutungen und Ideen zu bereichen. Tristan ist „die höchste Meisterschaft der
Sprache, den Gipfel des Wohllauts, den mittelhochdeutsche Stil-und Sprachkunst erreicht hat.“ 26

25
Isolde Weißhand
26
de Boor / Henning / Newald, S.123
Der Roman ist voll von Ironie, sogar was die innere Struktur betrifft. „Die Funktion der Ironie
wird unterstützt durch einen zur Persona gestalteten Erzähler.“27
Aufgrund der deutschen Ritterdichtung des Mittelalters, des epischen Heldenliedes,
entstand eine neue literarische Gattung, das Heldenepos. Das Nibelungenlied28 wurde vermutlich
im ersten Jahrzehnt des 13. Jhs. verfasst und wird heute als das Nationalepos der Deutschen
betrachtet. Der Verfasser ist unbekannt, obwohl im Laufe der Zeit verschiedene Schriftsteller als
hypothetische Autoren in Frage gekommen sind. 29 „Wie andere Heldenepen des Mittelalters ist
auch das Nibelungenlied aus Sagen und daran anschließenden Heldenliedern aus der Zeit der
germanischen Völkerwanderung (2.-6. Jh. n. Chr.) hervorgegangen. Am Beispiel des Untergangs
der Burgunder im zweiten Teil kann man gut verdeutlichen, wie einzelne historische Ereignisse
zur Ausformung solcher Heldensagen, Heldenlieder und Heldenepen beigetragen haben.“30
Siegfried tötet den Drachen und badet in seinem Blut, das ihn unbesiegbar und
unverwundbar machen soll. Während er darin badet, klebt ihm ein Lindenblatt zwischen den
Schultern (das wird die Stelle sein, wo er verletzt werden kann). Er nimmt auch den Schatz der
Nibelungen mit, der mit einem Fluch behaftet war. In Worms bittet er die schöne Kriemhild um
ihre Hand. Kriemhild war die Schwester des Burgundenkönigs Gunther, der Siegfried seine
Schwester verspricht, wenn der Held ihm dabei hilft, die isländische Königin Brunhild zu
erobern. Brunhild hat eine außergewöhnliche Kraft und will nur jenen Mann heiraten, der sie in
Kampf besiegen kann. Siegfried setzt die Tarnkappe auf und so gelingt es ihm, Brunhild zu
überlisten. In Worms findet eine Doppelhochzeit statt, aber Brunhild will nicht mit Gunther
schlafen, und so wird Siegfried ins Zimmer der Königin geschickt. Er benutzt wieder die
Tarnkappe und nach der Liebesnacht raubt er ihr den Ring und den Gürtel. Nach neun Jahren
gerieten die zwei Frauen in einen Streit (wer von den beiden der Vortritt in die Kirche hat).
Brunhild beschimpft Kriemhilds Ehemann und behauptet, dass er nur ein Vasall Gunthers sei.
Kriemhild erklärt ihr, dass sie nicht von Gunther, sondern von Siegfried in Kampf besiegt
worden ist, und dass ebenfalls Siegfried sie entjungfert hat. Als Beweis zeigt sie Brunhild den
Ring und den Gürtel. Hagen, der treue Gefolgsmann Brunhilds, beschließt, die Ehre seiner
Königin zu rächen und auch der König Gunther ist damit einverstanden. Hagen tötet Siegfried,
nachdem er das Geheimnis seiner Verwundbarkeit erfahren hat. Brunhild nimmt sich das Leben,
während Hagen den Nibelungenschatz in den Rhein versenkt, um Kriemhild von der
Rachemöglichkeit fern zu halten. Der Hunnenkönig Etzel hört von der schönen Witwe und wirbt
um sie, Kriemhild wird die Gemahlin Etzels und zieht nach Etzelburg. Sechs Jahre danach
täuscht Kriemhild Heimweh vor und überredet Etzel, Gunther nach Etzelburg einzuladen. Dort
werden die Burgunder von den Hunnen überfallen. Jetzt erscheint auch Dietrich von Bern, der
die Burgunder vor der Absicht Kriemhilds gewarnt hat. Am Ende überleben Hagen, Gunther und
Dietrich. Kriemhild will erfahren, wo der Nibelungenschatz ist, aber der listige Hagen sagt, dass
sie das erfahren kann, nur wenn Gunther tot ist. Gunther wird umgebracht, aber Hagen will das
Versteck nicht preisgeben. Die wütende Frau tötet Hagen mit Siegfrieds Schwert und wird am
Ende von Dietrichs Waffenmeister Hildebrand getötet.
Im Nibelungenlied trifft man nicht mehr auf die âventiure eines außergewöhnlichen
Helden, sondern auf Kampf der Geschlechter und Sippen. Das Nibelungenlied ist aus zwei
ursprünglich selbstständigen Liedern zusammengesetzt. Das erste berichtete von Siegfried und
27
Bahr (Hrsg.), S.163
28
Das Werk hieß ursprünglich der nibelunge nôt
29
z.B. Der von Kürenberg, Walther von der Vogelweide, Bligger von Steinach, Konrad von Fußesbrunnen, die
Niedernburger Nonne usw.
30
Sowinski, S.96
seinen Tod, das zweite hatte im Zentrum den Untergang der Burgunder am Hofe des
Hunnenkönigs als Opfer einer Rachetat. Auch als Stil unterscheiden sich die zwei Teile: im
ersten ist die Atmosphäre ritterlich-höfisch (die Werbungsfahrt, den Frauenstreit, die
Ermordung), während im zweiten die heroischen Elemente überwiegen.
Das Epos ist in sangbaren vierzeiligen Strophen gedichtet, deren Melodie jedoch nicht
sicher rekonstruiert werden kann. Diese Versform unterscheidet das Nibelungenlied von allen
anderen Formen der epischen höfischen Literatur, die in Reimpaarversen aufgebaut waren. Man
kann behaupten, dass das Nibelungenlied ein höfischer Roman ist, denn hier erscheinen höfisch-
ritterliches Verhalten, Zucht und Maße, adlige Schönheit und Pracht. Im Vergleich zu den
Artusromanen, ist dieses Epos viel lebens-und wirklichkeitsnah. Die Ereignisse in den
Artusromanen bewegen sich in einem Nirgendslande, das der Phantasie freien Weg lässt. Die
Handlung des Nibelungenliedes spielt sich im Rheinland und in der Donaulandschaft ab. Im
Epos wechselt die Handlung von Lust zu Leid, das Thema könnte folgendes sein: alle
Erfahrungen, die von Menschen auf der Erde gemacht werden. Für den Autor (die Autoren) des
Nibelungenliedes bedeutet das Leben Lust und Leid zu erfahren und noch mehr, dass jede Lust in
Leid endet.
Während die Artusromane voll von Abenteuern waren, kennt sie das Epos so gut wie
nicht, weil genau da, wo sich die Aventiure entfalten könnte, sie sofort abbricht. Einen
bedeutenden Platz im Epos haben die Feste, die als Teil der ritterlichen Welt verstanden werden,
aber hier trifft man nicht auf die Freude der Artusromane: nicht einmal bei den Festen kann die
Freude vollkommen sein: die Tränen Brunhilds bei der Hochzeit, die betrügerische
Hochzeitsnacht von Gunther, der von Siegfried „vertreten“ wurde, der Streit der beiden
Königinnen, die die Ermordung Siegfrieds zur Folge hat.
Wichtig ist das Werk auch für eine differenzierte Menschengestaltung, die eigentlich die
ersten Ansätze der Psychologisierung waren. Siegfried wird als Königssohn dargestellt, der eine
vornehme Erziehung hat. Er ist nicht nur tapfer, sondern auch ehrlich, denn er hilft Gunther und
kann auch das Geheimnis hüten. Die spektakulärste Wandlung erlebt Kriemhild, die von Braut
und danach Gattin zur unerbittlichen Rächerin Siegfrieds wird. Sie kann Pläne schmieden,
benutzt Etzel und seine Macht, nur um den Tod Siegfrieds zu rächen und den Nibelungenschatz
zu bekommen. Ihr Inneres wird von der äußeren Wirklichkeit geprägt. Am Anfang ist sie eine
bevormundete Frau, sie hat fast keinen Willen, ihre Brüder entscheiden über ihr Schicksal.
Ebenfalls am Anfang ist Kriemhild der Frauen der frühen Minnelyrik sehr ähnlich: sie liebt einen
Mann, aber sagt nichts darüber, wünscht sich frei wie einen Falken zu sein. Gegen Ende des
Epos erscheint sie als eine selbständige Frau, die nicht nur ihr Leben, sonder auch das der
anderen bestimmen kann. Sie ist eine starke Frau, der nichts im Weg stehen kann. Sie ist sogar
stärker als Brunhild, die nur durch seine Körperkraft „stark“ bezeichnet werden kann. Sie ist
imstande, heimlich zu lieben, sie ist auch weich und zeigt sich dabei als Frau. Ihr Typ ist sehr gut
aufgebaut, psychologisch motiviert, ist menschlich, denn sie verkörpert alle Lebensdimensionen.
„Sie ist die Frau, die frei entscheidet.“31 Brunnhild ist dem Frauentypus der Artusromane viel
näher. Sie ist aus den Figuren der vorhöfischen Märchen entnommen. Gunther ist ein Mann, der
voll großer Illusionen, aber auch sehr beeinflussbar ist. Hagen ist eine alte germanische
Heldenfigur, die auch in anderen Werken erscheint. Er ist Berater, Minister, Heerführer der
Burgunderkönige. Er ist der Typ des Hofmannes, der die politischen Ziele auch mit verbotenen
Mitteln durchsetzen kann.

31
de Boor / Henning / Newald, S.154
Das Nibelungenlied besteht aus 39 Einheiten (Aventiuren), die in zwei Teile gegliedert
werden können: die Aventiuren 1-19 (Kriemhild und Siegfried) und die Aventiuren 20-39
(Kriemhilds Rache). Das Nibelungenlied unterscheidet sich von der traditionellen Form der
Ritterepik darin, dass es in vierzeiligen Strophen verfasst ist.32

6. Humanismus, Renaissance, Reformation ( 1400 / 1500-1600)

Renaissance, Humanismus ist eine moderne Bezeichnung für eine geistige Strömung, die
am Anfang in Italien von Petrarca angeregt wurde. Florenz wurde zum Zentrum der Renaissance.
Die Renaissance ist eine europäische Bewegung, die die Wiederbelebung der antiken Kunst und
Gedanken anstrebte. Die Renaissance kennzeichnet die Wende vom Mittelalter zur Neuzeit. Die
Zeitgenossen benutzten nicht den Begriff „Renaissance“, der erst im 19. Jh. in die französische
Kunstgeschichte eingeführt wurde, sondern den Begriff „reformatio“. Der Begriff
„Humanismus“ wurde 1808 vom Philosophen Friedrich Immanuel Niethammer benutzt. Damit
wollte er die pädagogische Grundhaltung der sprachlichen und literarischen Bildung bezeichnen.
Der Name geht auf Cicero und auf sein Konzept der „Humanität“ zurück. Unter „Reformation“
versteht man die Erneuerung der katholischen Kirche durch Martin Luther. Renaissance,
Humanismus und Reformation sind aus dem Streben der Menschen nach geistiger und religiöser
Erneuerung hervorgegangen. Die antiken Quellen waren dazu geeignet, für diese Erneuerung
einen Grund anzubieten. Die Renaissance orientiert sich an der römischen Kunst, der
Humanismus an antiken Philosophen und Dichtern, während die Reformation durch die
Bibelübersetzung den Urtext für alle Leute zugänglich macht. Sehr wichtig für die Humanisten
war die Ästhetik, denn sie waren der Meinung, dass das Schöne in direkter Verbindung mit dem
Wahren, dem moralisch Richtigen und mit dem Wertvollen steht. 1453 wurde Konstatinopel von
den Türken erobert und viele Einwohner sind besonders nach Italien geflohen. 1455 erfand
Johannes Gutenberg die erste Buchdruckmaschine mit beweglichen Lettern, die erhebliche
Kostenersparnisse und eine viel höhere Verbreitung der Bücher bedeutete. 1492 wurde Amerika
entdeckt, während Kopernikus das heliozentrische Weltbild durchsetzte. Johannes Kepler hat die
Planetenbewegung entdeckt.
In den Städten entsteht ein selbstbewusstes Bürgertum, das einen großen wirtschaftlichen
Aufschwung erfuhr. Das Bürgertum wird immer wichtiger und wird immer interessierter an
Bildung. In dieser Zeit entstehen neue Wissenschaften (Medizin, Physik, Chemie, Technik,
Astronomie usw.). Die geographischen Entdeckungen führen zu einer neuen Einschätzung von
Raum und Zeit und zur Entschlüsselung vieler Phänomene, die bis damals als „Geheimnisse“ der
Natur betrachtet wurden. Durch die Erfindung des Schießpulvers verlieren die Ritter immer mehr
an Bedeutung, während der Adel an wirtschaftliche und politische Macht verliert. Durch die
Erfindung des Buchdrucks wird eine weite Verbreitung der Kultur möglich. Durch den Einfluss
der Reformation beginnt die Religion eine individuelle Angelegenheit zu sein, was ein Lösen der
Menschen aus ihren Gruppen zur Folge hatte. Die alte dogmatische Autorität wird in Frage
gestellt, und der Mensch beginnt die Bibel für sich selbst zu deuten. Auch die Glaubenseinheit
zerbricht unter den Schlägen der Reformation, der religiösen Bewegungen, der Bauernkriege und
unter der Korruption der Kirche, die als Zentralmacht schwer erschüttert wurde. Auch der Kaiser
als Zentralmacht verliert seinen Einfluss im Kampf gegen die Fürsten. Die neuen Staaten, die
sich bilden, werden von Bürgern verwaltet, die sich auf Söldner stützen, die von Steuern bezahlt
werden. Das Bürgertum weist immer konkretere Ansätze für die Machtübernahme auf. Die neue
32
heute werden diese Strophen als Nibelungenstrophen bezeichnet
Macht setzt andere Maßstäbe für die Menschen: die Selbstkontrolle wird statt der Gebote und
Verbote propagiert; der Platz des Einzelnen in der Gesellschaft sollte nicht mehr durch die
Geburt, sondern von der Leistung bestimmt; die Familie wird zur Produktionsgemeinschaft und
Erziehungsinstitution, deren Verantwortung steigert; der Einzelne wird in zwei geteilt: Seele und
Körper, der durch den Verstand kontrolliert werden muss. Als Gegenbewegungen in dieser Zeit
sind zu erwähnen: die Gegenreformation (die Gründung des Jesuitenordens –1534 –
Religionskriege), die Inquisition, Judenverfolgung, Internierung von Randgruppen
(Wahnsinnige, Leprakranke).

7. Die Reformation. Martin Luther

Die protestantische Reformation war eine Erneuerungsbewegung, die die Kirche und die
Weltordnung gründlich verändert hat. Das Papsttum und die Kirche wurden schon vor dem 16.
Jh. kritisiert33. Es gab viele Voraussetzungen für die Bewegung der Reformation. Durch den
Humanismus angeregt, widmeten sich die Autoren dem Studium antiker Schriften und daraus
entwickelten sie eine kritische Haltung der Gegenwart gegenüber. Besonders die Universitäten
wurden dadurch beeinflusst, und das Ergebnis erkennt man an die vielen Reformatoren, die an
diesen Universitäten tätig waren. Der Buchdruck war ein sehr wichtiges Mittel der Verbreitung
der Reformation, die so auch zu allen Sozialschichten drängen konnte. Die Bedeutung der
Schriftlichkeit nimmt in der Praxis von Verwaltung und Handel zu, während in den Städten die
Schreib-und Lesefähigkeit der Laien wächst und das führte zu einem gesteigerten
Selbstbewusstsein dem Klerus gegenüber, der im Mittelalter das Bildungsmonopol besessen hat.
Das ganze 16 Jh. wurde von tiefen Umwandlungen geprägt, weil die Bedeutung der Städte
immer stärker zunahm. Während die Bevölkerung wuchs, sank ihre Kaufkraft dramatisch.
Luthers Bedeutung gilt nicht nur im religiösen Bereich, sondern auch im kulturellen.
Luthers Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Sprache muss hervorgehoben werden. Nicht
nur der sprachliche Einfluss ist wichtig für die Literatur, sondern auch der des protestantischen
Selbstverständnisses. „Der Kerngedanke von Luthers Lehre ist der unbedingte Vorrang der
gläubigen Hingabe an Gottes Willen vor allen so genannten frommen Werken und sonstigen
äußeren Dokumentationen des Glaubens. Die Seele ist unmittelbar zu Gott. Das ist mystisches
Erbe. Luthers Verhältnis zur Mystik ist so widersprüchlich, wie das Paradoxe Kern aller Mystik
ist. Um seinen Glauben ausdrücken, nutzt Luther mystische Vorstellungen, vor allem die vom
unbegreiflichen, verborgenen Gott, der als erfahrbare Gegenwart im Menschen wirkt. Zugleich
wird daraus die mystischen Verhalten entgegengesetzte Konsequenz gezogen. Statt mönchischer
Verkapselung vor der Welt, statt Rückzug in das Selbst, um dort mit Gott eins zu werden, fordert
Luther das bekennende Hervortreten, das gepredigte Wort, denn nur im Wort ist ihm Gott
gegenwärtig.“34 Luther war Professor an der Universität Wittenberg, wo er über die Bibelbücher
vortrug. Luther kritisierte die Ablässe35, und deswegen verfasste er die 95 Thesen, die an die
Kirchentür in Wittenberg gehängt wurden (1517). Am Anfang hatte Luther keine Absicht, die
Beziehungen zu Rom abzubrechen. 1520 verfasste Luther die drei so genannten
Reformatorischen Hauptschriften, wo er sein theologisches Programm entwickelte. 1521 wurde
Luther vom Papst Ketzer genannt und aus der Kirche gebannt. Luthers Schriften, die auf
Deutsch verfasst waren, fanden einen beachtlichen Widerhall in allen Schichten der

33
z.B. von Jan Hus und John Wiclif, deren Denken auch die Ideen Luthers beeinflusst haben
34
Bahr (Hrsg.), S.284
35
Zur Erhöhung ihrer Einkünfte ließ die Kirche die Sünden verkaufen.
Bevölkerung. Sein theologisches Programm sah ein staatliches Bildungswesen, Fürsorge für die
Armen, die Abschaffung von Zölibat und Kirchenstaat vor. Die Fiskalisierung der Kirche wurde
heftig angegriffen, was Luther im niederen Adel beliebt machte. Die Grundlagen der
Reformation findet man in Luthers Hauptthesen: sola gratia (nur durch die Gnade Gottes wird
der Mensch errettet, nicht durch seine Werke; sola fide (nur durch seinen Glauben wird der
Mensch gerechtfertigt, nicht durch seine Werke); sola scriptura (die Grundlage des christlichen
Glaubens ist die Schrift, nicht die kirchliche Tradition); solus Christus (nur Jesu Christus kann
Grundlage für den Glauben und die Errettung des Menschen sein). Ebenfalls 1521 begann die
Reform radikale Züge zu haben: Ulrich Zwingli und Johannes Calvin lehnten alle Traditionen ab,
die nicht in der Bibel begründet waren. Im Frühjahr 1521 heiratete der erste Priester und viele
Mönche traten aus ihren Orden aus. Die Bilder wurden in der Kirche verboten. Zu Weihnachten
1521 wurde der erste evangelische Gottesdienst gefeiert. Die Messe wurde auf Deutsch gehalten.
Die Reformation hatte eine ungeheuere Bedeutung nicht nur für die Geschichte der Kirche,
sondern auch für die Weltgeschichte. Die christliche Religion wurde nicht in Frage gestellt,
sondern ihre Glaubensgrundsätze.
Die Bibelübersetzung von Luther hat eine unbestrittene Bedeutung für die Entwicklung
der deutschen Sprache. „Ähnlich wie die Mystik Meister Eckharts verhalf auch die Bibel Luthers
dem deutschen Gläubigen zu Selbstständigkeit und Mündigkeit. Außerdem strebte Luther
bewusst nach einem natürlichen und möglichst ungezwungenen Sprachausdruck. Nach seiner
Überzeugung sollte Literatursprache die Sprache des einfachen, von fremden Einflüssen
unverdorbenen Volkes sein.“36 1522 war die erste Auflage des Neuen Testamentes fertig, 1534
die vollständige Bibel, die aus der althebräischen, der aramäischen und der altgriechische
Sprache übersetzt wurde. Es ist nicht die erste Übersetzung der Bibel ins Deutsche, aber das
Werk Luthers unterscheidet sich erheblich von denen seiner Vorgänger. Als Übersetzer ist es
ihm gelungen, eine Sprache zu schaffen, die der gesprochenen Sprache nahe, aber gleichzeitig
sehr elegant ist.
In dieser Zeit wächst auffällig die Dramenproduktion, denn die Theaterstücke waren für
die Lutheraner dazu geeignet, die Gegenpartei anzugreifen. Das Reformationsdrama benutzte
die Allegorie, um die Konfessionspolemik zu verdeutlichen. Die Dramen, die in der Zeit der
Reformation entstehen, lassen sich in drei Kategorien einteilen: 1. die Moralität und das
allegorische Spiel; 2. das Bibeldrama (das am häufigsten vertretene Drama); 3. historische
Theaterstücke. Das Drama der Reformation ist keine neue Theaterart, sondern eine Mischung
von verschiedenen früheren und zeitgenössischen Strukturen und Merkmalen des Schauspiels.
Sehr wichtig für diese Theaterstücke war die lehrhafte Absicht und die Polemik, deswegen waren
Ästhetik und Form zweitrangig. Die Schauspiele wurden zwar als „Tragödien“ oder „Komödien“
bezeichnet, aber diese Begriffe waren ziemlich willkürlich verwendet, eigentlich nach dem guten
oder traurigen Ausgang der Handlung.

36
Žmegač / Škreb / Sekulić, S.57

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