Prof. Dr.
Axel Hutter
Lehrstuhl für Theoretische Philosophie
Theoretische Philosophie:
Sprachphilosophie und
Metaphysik
Vorlesung
Mi, 12-14 Uhr
Hutter:
Sprachphilosophie und Metaphysik
Prof. Dr. Axel Hutter #2
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Sprachphilosophie und Metaphysik
3. Vorlesung
Sprache und Welt
Prof. Dr. Axel Hutter #3
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Sprachphilosophie und Metaphysik
Wittgensteins „Tractatus“
(Logisch-philosophische Abhandlung, 1921
Tractatus logico-philosophicus, 1922)
Prof. Dr. Axel Hutter #4
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Sprachphilosophie und Metaphysik
Aus dem Vorwort
Nur das will ich erwähnen, dass ich den
großartigen Werken Freges und den Arbeiten
meines Freundes Herrn Bertrand Russell
einen großen Teil der Anregung zu meinen
Gedanken schulde.
Prof. Dr. Axel Hutter #5
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Sprachphilosophie und Metaphysik
1. Sinn und Bedeutung im „Tractatus“
Prof. Dr. Axel Hutter #6
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Sprachphilosophie und Metaphysik
4.026 Die Bedeutungen der einfachen Zeichen
(der Wörter) müssen uns erklärt werden, daß
wir sie verstehen.
Mit den Sätzen aber verständigen wir uns.
4.027 Es liegt im Wesen des Satzes, daß er
uns einen neuen Sinn mitteilen kann.
4.03 Ein Satz muß mit alten Ausdrücken einen
neuen Sinn mitteilen.
Prof. Dr. Axel Hutter #7
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Sprachphilosophie und Metaphysik
Name: Bedeutung = Gegenstand
3.202 Die im Satze angewandten einfachen
Zeichen heißen Namen.
3.203 Der Name bedeutet den Gegenstand.
Der Gegenstand ist seine Bedeutung.
3.22 Der Name vertritt im Satz den
Gegenstand.
Prof. Dr. Axel Hutter #8
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Sprachphilosophie und Metaphysik
Satz: Sinn = Zusammenhang
3.3 Nur der Satz hat Sinn; nur im
Zusammenhang des Satzes hat ein Name
Bedeutung.
Prof. Dr. Axel Hutter #9
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Sprachphilosophie und Metaphysik
Sinn des Satzes:
Zusammenhang = Sachlage / Sachverhalt
4.031 Im Satz wird gleichsam eine Sachlage
probeweise zusammengestellt.
Man kann geradezu sagen – statt: dieser Satz
hat diesen und diesen Sinn –: Dieser Satz
stellt diese und diese Sachlage dar.
Prof. Dr. Axel Hutter # 10
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Sprachphilosophie und Metaphysik
4.0311 Ein Name steht für ein Ding, ein
anderer für ein anderes Ding und
untereinander sind sie verbunden, so stellt
das Ganze - wie ein lebendes Bild - den
Sachverhalt vor.
Prof. Dr. Axel Hutter # 11
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Sprachphilosophie und Metaphysik
4.05 Die Wirklichkeit wird mit dem Satz
verglichen.
4.06 Nur dadurch kann der Satz wahr oder
falsch sein, indem er ein Bild der Wirklichkeit
ist.
Prof. Dr. Axel Hutter # 12
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Sprachphilosophie und Metaphysik
2. Welt und Sprache
Prof. Dr. Axel Hutter # 13
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Sprachphilosophie und Metaphysik
Sprache ⇔ Welt
Struktur des Satzes (Bild)
⇔
Struktur des Sachverhalts (Abgebildetes)
Prof. Dr. Axel Hutter # 14
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Sprachphilosophie und Metaphysik
1 Die Welt ist alles, was der Fall ist.
1.1 Die Welt ist die Gesamtheit der
Tatsachen, nicht der Dinge.
2 Was der Fall ist, die Tatsache, ist das
Bestehen von Sachverhalten.
2.01 Der Sachverhalt ist eine Verbindung
von Gegenständen (Sachen, Dingen).
Prof. Dr. Axel Hutter # 15
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Sprachphilosophie und Metaphysik
2.013 Jedes Ding ist, gleichsam, in einem
Raume möglicher Sachverhalte. Diesen Raum
kann ich mir leer denken, nicht aber das Ding
ohne den Raum.
Prof. Dr. Axel Hutter # 16
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Sprachphilosophie und Metaphysik
3 Das logische Bild der Tatsachen ist der
Gedanke.
3.001 »Ein Sachverhalt ist denkbar«, heißt:
Wir können uns ein Bild von ihm machen.
3.01 Die Gesamtheit der wahren Gedanken
sind ein Bild der Welt.
Prof. Dr. Axel Hutter # 17
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Sprachphilosophie und Metaphysik
4 Der Gedanke ist der sinnvolle Satz.
4.001 Die Gesamtheit der Sätze ist die
Sprache.
Prof. Dr. Axel Hutter # 18
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3. Sagen und Zeigen
Prof. Dr. Axel Hutter # 19
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Sprachphilosophie und Metaphysik
4.12 Der Satz kann die gesamte Wirklichkeit
darstellen, aber er kann nicht das darstellen,
was er mit der Wirklichkeit gemein haben
muß, um sie darstellen zu können – die
logische Form.
Um die logische Form darstellen zu können,
müßten wir uns mit dem Satze außerhalb der
Logik aufstellen können, das heißt außerhalb
der Welt.
Prof. Dr. Axel Hutter # 20
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Sprachphilosophie und Metaphysik
4.121 Der Satz kann die logische Form nicht
darstellen, sie spiegelt sich in ihm.
Was sich in der Sprache spiegelt, kann sie
nicht darstellen. Was sich in der Sprache
ausdrückt, können wir nicht durch sie
ausdrücken.
Der Satz zeigt die logische Form der
Wirklichkeit.
Prof. Dr. Axel Hutter # 21
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Sprachphilosophie und Metaphysik
Der zentrale Gedanke
Die Abbildbarkeit eines Sachverhalts, die den
Sinn eines Satzes (als Bild des Sachverhalts)
ermöglicht, läßt sich nicht abbilden, d.h. in
keinem Satz sagen.
Die Abbildbarkeit, die sich nicht abbilden
(sagen) läßt, zeigt sich aber in jedem
abbildenden, d.h. sinnvollen Satz.
Prof. Dr. Axel Hutter # 22
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Behauptung / Beweis
Der Beweis unterscheidet sich von der
Behauptung dadurch, daß er nicht nur sagt,
etwas verhalte sich so und so, sondern daß er
zeigt, es verhalte sich so, wenn er sagt, es
verhalte sich so.
Prof. Dr. Axel Hutter # 23
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Behauptung / Beweis
Einen Beweis einzusehen, bedeutet daher, zu
sehen, was er zeigt, nicht bloß zur Kenntnis
zu nehmen, was er sagt. Wer nicht sieht, was
ein Beweis zeigt, wird ihn als bloße
Behauptung abtun.
Prof. Dr. Axel Hutter # 24
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4. Bestreitbares und Unbestreitbares
Prof. Dr. Axel Hutter # 25
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4.111 Die Philosophie ist keine der
Naturwissenschaften.
(Das Wort »Philosophie« muß etwas bedeuten,
was über oder unter, aber nicht neben den
Naturwissenschaften steht.)
Prof. Dr. Axel Hutter # 26
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4.11 Die Gesamtheit der wahren Sätze ist die
gesamte Naturwissenschaft (oder die
Gesamtheit der Naturwissenschaften).
Prof. Dr. Axel Hutter # 27
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Sprachphilosophie und Metaphysik
4.003 Die meisten Sätze und Fragen, welche
über philosophische Dinge geschrieben
worden sind, sind nicht falsch, sondern
unsinnig. Wir können daher Fragen dieser Art
überhaupt nicht beantworten, sondern nur
ihre Unsinnigkeit feststellen. Die meisten
Fragen und Sätze der Philosophen beruhen
darauf, daß wir unsere Sprachlogik nicht
verstehen.
Prof. Dr. Axel Hutter # 28
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Sprachphilosophie und Metaphysik
(Sie sind von der Art der Frage, ob das Gute
mehr oder weniger identisch sei als das
Schöne.)
Und es ist nicht verwunderlich, daß die
tiefsten Probleme eigentlich keine Probleme
sind.
Prof. Dr. Axel Hutter # 29
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4.113 Die Philosophie begrenzt das
bestreitbare Gebiet der Naturwissenschaft.
Prof. Dr. Axel Hutter # 30
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Sprachphilosophie und Metaphysik
4.114 Sie soll das Denkbare abgrenzen und
damit das Undenkbare. Sie soll das
Undenkbare von innen durch das Denkbare
begrenzen.
4.115 Sie wird das Unsagbare bedeuten,
indem sie das Sagbare klar darstellt.
Prof. Dr. Axel Hutter # 31
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Sprachphilosophie und Metaphysik
Bezug zum zentralen Gedanken
vom Sagen und Zeigen
Die Abbildbarkeit, die sich nicht abbilden
(sagen) läßt, zeigt sich in jedem abbildenden,
d.h. sinnvollen Satz.
Die Abbildbarkeit ist das Unbestreitbare in
jedem abbildenden Bild, das ansonsten
strittig, d.h. richtig oder falsch sein kann.
Prof. Dr. Axel Hutter # 32
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5. Die Gleichgültigkeit der Tatsachen
Prof. Dr. Axel Hutter # 33
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6.4 Alle Sätze sind gleichwertig.
Prof. Dr. Axel Hutter # 34
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6.4 Alle Sätze sind gleichwertig.
6.41 Der Sinn der Welt muß außerhalb ihrer
liegen. In der Welt ist alles, wie es ist, und
geschieht alles, wie es geschieht; es gibt in ihr
keinen Wert - und wenn es ihn gäbe, so hätte
er keinen Wert.
Prof. Dr. Axel Hutter # 35
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6.41 Wenn es einen Wert gibt, der Wert hat,
so muß er außerhalb alles Geschehens und
So-Seins liegen. Denn alles Geschehen und
So-Sein ist zufällig.
Was es nichtzufällig macht, kann nicht in der
Welt liegen, denn sonst wäre dies wieder
zufällig.
Es muß außerhalb der Welt liegen.
Prof. Dr. Axel Hutter # 36
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6.42 Darum kann es auch keine Sätze der
Ethik geben.
Sätze können nichts Höheres ausdrücken.
Prof. Dr. Axel Hutter # 37
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5. Wovon man nicht sprechen kann …
Prof. Dr. Axel Hutter # 38
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6.52 Wir fühlen, daß, selbst wenn alle
möglichen wissenschaftlichen Fragen
beantwortet sind, unsere Lebensprobleme
noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt
dann eben keine Frage mehr; und eben dies
ist die Antwort.
Prof. Dr. Axel Hutter # 39
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6.421 Es ist klar, daß sich die Ethik nicht
aussprechen lässt.
Prof. Dr. Axel Hutter # 40
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6.521 Die Lösung des Problems des Lebens
merkt man am Verschwinden dieses
Problems.
(Ist nicht dies der Grund, warum Menschen,
denen der Sinn des Lebens nach langen
Zweifeln klar wurde, warum diese dann nicht
sagen konnten, worin dieser Sinn bestand?)
Prof. Dr. Axel Hutter # 41
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Sprachphilosophie und Metaphysik
7 Wovon man nicht sprechen kann, darüber
muß man schweigen.
Prof. Dr. Axel Hutter # 42