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J.I.

Henke
-Lehrbeauftragte-

Recht
Vorlesungsgliederung und Arbeitsblatt zur
Klausurvorbereitung

Teil 2 - Schuldrecht

1. Einordnung:
Im AT wurde das Zustandekommen von Verträgen behandelt. Nun werden die Ver-
träge herausgenommen, die ein Schuldverhältnis begründen, d.h. Rechte und
Pflichten zwischen zwei und mehr Personen.
Diese bezeichnen wir als Schuldverträge => Schuldrecht.
Ein Schuldverhältnis ist definiert, als das Recht einer Person von einer anderen
eine Leistung zu verlangen, § 241 I BGB. Die an einem Schuldverhältnis beteilig-
ten Personen nennen wir Schuldner und Gläubiger.
Abzugrenzen sind Schuldverhältnisse von reinen Gefälligkeitsverhältnissen - hier
kein Rechtsbindungswillen.

2. Arten von Schuldverhältnissen


Holschuld: (§ 269 I) der Schuldner muß an seinem eigenen Wohn- oder Ge-
schäftssitz seine Leistungshandlung vornehmen. Hier wird das Schuldverhältnis
auch erfüllt.
Bringschuld: der Schuldner muß die Leistungshandlung beim Gläubiger vorneh-
men - hier tritt Erfüllung ein.
Schickschuld: der Ort, an dem der Schuldner seine Leistungshandlung vorneh-
men muß ist sein Wohnsitz. Hier muß er die Ware an den Gläubiger absenden.
Wichtigster Fall: Geldschuld - hier trägt der Schuldner ausnahmsweise das Risiko
des Transports!
-2 -

Man unterscheidet Schuldverhältnisse außerdem nach Stück- oder Gattungs-


schulden.
Stückschuld: ein bestimmter Gegenstand ist geschuldet
Gattungsschuld ( § 243); der Gegenstand ist nur der Gattung nach bestimmt und
muß nur den vorgegebenen Kriterien entsprechen.
Durch die Konkretisierung kann man die Gattungsschuld in eine Stückschuld ver-
wandeln, indem man einen Gegenstand aus der Gattung aussondert und anbietet.
Danach ist nicht mehr ein beliebiger Teil der Gattung geschuldet, sondern nur
noch dieser zur Stückschuld konkretisierte Teil. Vorteil: bei Untergang => Unmög-
lichkeit im Gegensatz zu nochmaligem Leisten eines anderen Gattungsteils.

3. Pflichten aus Schuldverhältnissen:


Es gibt aus einem Schuldverhältnis einseitige und gegenseitige Verpflichtungen,
abhängig davon, ob nur eine Seite zur Leistung verpflichtet ist (z.B.. bei Scha-
densersatzforderungen wegen unerlaubter Handlung) oder ob die eine Seite ihre
Leistung gerade deshalb schuldet, damit sie die Leistung der anderen Seite for-
dern kann ( Kauf..)

4. Inhalt von Schuldverhältnissen


Aus einem Schuldverhältnis ergibt sich zunächst eine sog. Hauptpflicht - die ge-
schuldete Leistung zu erbringen. Die Hauptpflicht gibt dem Schuldverhältnis sein
typisches Gepräge - Gebrauchsüberlassung z.B. bei Miete, Übergabe und Eigen-
tumsverschaffung z.B. beim Kauf.
Daneben gibt es Nebenpflichten in Form von z.B. Schutz-, Mitwirkungs, und Auf-
klärungspflichten.
Der Ort der Leistungserbringung hängt davon ab, ob es eine Schick-, Hol- oder
Bringschuld ist.
Leistungszeit (§ 271) idR sofort - d.h., ab Fälligkeit darf der Gläubiger die Leistung
verlangen.

5. Beendigung von Schuldverhältnissen


Durch:
- Erfüllung ( § 362)
- Erfüllungssurrogate (z.B. § 364, 378, 372 ff)
- Aufrechnung (§ 387 ff)
- Erlass (§ 397)
- Umwandlung eines Schuldverhältnisses in ein anderes
- Rücktritt ( § 364)
- Kündigung ( vor allem Dauerschuldverhältnisse)
-3 -
6. Leistungsstörungen
Wir unterscheiden 4 Arten von Leistungsstörungen:
- Verzug
- Unmöglichkeit
- Störung der Geschäftsgrundlage
- Positive Vertragsverletzung (PVV)

Grundtatbestand für Leistungsstörungsansprüche ist § 280! => der Gläubiger kann


grundsätzlich Schadensersatz verlangen, wenn der Schuldner eine Pflicht aus
dem Schuldverhältnis verletzt. Daneben braucht man weitere spezielle
Anspruchsgrundlagen für die einzelnen Leistungsstörungsansprüche.

Im einzelnen:
7. Schuldnerverzug
§§ 281, 286 ff - schuldhafte Verzögerung der Leistung durch den Schuldner

Voraussetzungen:
a) Verpflichtung zur Leistung
b) Nichterfüllung
c) Möglichkeit der Leistung (sonst Unmöglichkeit)
d) Fälligkeit
e) Mahnung oder Entbehrlichkeit der Mahnung (beachte hier § 286 III für Geld und
die anderen Absätze
f) Verschulden (§ 286 IV). Hat der Schuldner den Verzug nicht zu vertreten, haftet
er nicht. Aber: Geld hat man zu haben - hier kommt es nicht darauf an, ob ihn
im Einzelfall ein Verschulden trifft.
Rechtsfolgen:
Schuldner bleibt zur Leistung verpflichtet.
Gläubiger kann entweder neben der Leistung oder statt der Leistung andere Rech-
te geltend machen:
1. § 280 I, III, 281 - Schadensersatz statt der Leistung
2. § 284: Ersatz vergeblicher Aufwendungen
3. beim gegenseitigen Vertrag außerdem § 323 => Rücktritt (beachte beim Fixge-
schäft den § 323 II Nr.2). Obendrein kann er beim Rücktritt wegen § 325 noch
Schadensersatz verlangen.
4. Immer Ersatz des Verzögerungsschadens nach § 280 I, II, unabhängig, ob er
seine Rechte aus §§ 280, 281, 323 geltend macht. Unterfall des Verzöge-
rungsschadens sind die Verzugszinsen ( § 288 I S.1)
Merke: Abgrenzungskriterium zur Unmöglichkeit ist die Nachholbarkeit der Leis-
tung!
-4 -

8. Gläubigerverzug, §§ 293 ff
Voraussetzungen:
- Leistungspflicht des Schuldners
- Berechtigung des Schuldners, die Leistung zu erbringen
- Möglichkeit der Leistung
- Leistungsangebot
- Nichtannahme der Leistung durch den Gläubiger
Rechtsfolgen:
Haftungsverschärfung, Wegfall der Verzinsung etc. nach Maßgabe der §§ 300ff,
326 II.

9. Unmöglichkeit
Unterscheide zwischen anfänglicher und nachträglicher Unmöglichkeit, anhängig
davon, zu welchem Zeitpunkt die Unmöglichkeit eintritt, vor oder nach Entstehung
der Leistungspflicht.
a) Nachträgliche Unmöglichkeit
§§ 275, 283-285, beim gegenseitigen Vertrag außerdem § 326
Ist die Leistung unmöglich, braucht der Schuldner nicht mehr zu leisten. Für die
Frage, ob er dennoch Schadensersatz leisten muß, kommt es darauf an, ob er die
Unmöglichkeit zu vertreten hat.
Hat er sie nicht zu vertreten (d.h. Verschulden) => kein Schadensersatz, höchs-
tens § 285 I, Herausgabe des stellvertetenden Commodums. Beim
gegenseitigen Vertrag kommt es zusätzlich für die Frage der Gegenleistungs-
pflicht noch darauf an, ob vielleicht der Gläubiger die Unmöglichkeit zu vertreten
hat, dann muß er die Gegenleistung noch erbringen ( § 326 II). Ansonsten werden
beide von ihren Verpflichtungen frei (bei § 285 I muß der Gläubiger selbstver-
ständlich gegen die Ersatzleistung seine Gegenleistung erbringen).
Hat der Schuldner die Unmöglichkeit zu vertreten, kann der Gläubiger wählen:
Entweder Schadensersatz statt der Leistung nach §§ 280 I, 283 oder § 284 (Er-
satz der vergeblichen Aufwendungen). Beim gegenseitigen Vertrag gilt außer-
dem § 326 V => gleiche Rechte für den Gläubiger wie beim Schuldnerverzug, d.h.
Rücktritt und Schadensersatz oder § 285 gegen seine Gegenleistung.
b) Anfängliche Unmöglichkeit
§§ 275, 311 a
Der Schuldner ist zur Leistung nicht verpflichtet.
Der Gläubiger hat die Wahl zwischen Schadensersatz statt der Leistung und Er-
satz vergeblicher Aufwendungen, § 311 a II. Verschulden des Schuldners braucht
hier nicht vorzuliegen - die Ersatzpflicht entfällt nur ausnahmsweise, wenn der
Schuldner die Unmöglichkeit weder kannte noch kennen mußte. Beim gegenseiti-
gen Vertrag hat der Gläubiger das Rücktrittsrecht nach § 326 V.
-5 -
9. Fixgeschäft, § 323 II Nr.2
Hier steht und fällt das Geschäft mit der Pünktlichkeit der Leistung, d.h., der Fort-
bestand der Vertrages wird von der Leistungszeit abhängig gemacht (erkennt man
an den Klauseln "fix", "genau"). Erfolgt die Leistung nun nicht rechtzeitig ist, kann
der Gläubiger ohne Fristsetzung vom Vertrag zurücktreten.
Beim absoluten Fixgeschäft gehört die Leistungszeit zum notwendigen Leistungs-
inhalt (Nikoläuse für eine Feier am [Link]). Hier führt Nichteinhaltung zur
Unmöglichkeit

10. Störung der Geschäftsgrundlage


Umstände, von deren Vorliegen beide Parteien bei Vertragsschluß ausgehen,
werden Geschäftsgrundlage, wenn bei deren Veränderung zumindest für eine Par-
tei der Vertrag seinen Sinn verlieren würde.
Die Störung hat zur Folge, daß gem. § 313 I das Geschäft den veränderten Um-
ständen angepaßt wird. Nur falls dies nicht möglich ist, darf die benachteiligte Par-
tei vom Vertrag zurücktreten.
Voraussetzungen:
a) bestimmte Umstände sind Geschäftsgrundlage
b) wesentliche Änderungen der Umstände
c) nur eine Partei das Risiko tragen zu lassen, wäre unbillig
d) die Änderung war unvorhersehbar

[Link] Vertragsverletzung
Entweder Verletzung von einer Nebenpflicht aus dem Schuldverhältnis oder
Schlechterfüllung einer Hauptpflicht. Bei der PVV kommt es auf das Verschulden
an.
Rechtsfolge ist, daß der Gläubiger weiterhin die Leistung verlangen kann, dane-
ben aber einen Anspruch auf Schadensersatz hat, § 280 I. Nach § 280 III kann er
Schadensersatz statt der Leistung verlangen, wenn die Pflichtverletzung wesent-
lich war und die Leistung an den Gläubiger nunmehr unzumutbar ist. Auch hier
kann der Gläubiger nach § 284 vergebliche Aufwendungen ersetzt bekommen,
außerdem beim gegenseitigen Vertrag nach § 324 (bei Nebenpflichtverletzung)
bzw. § 323 (bei Schlechtleistung) zurücktreten.

12. Besonderheiten der Kaufvertrages


Das Gewährleistungsrecht ist in §§ 437 ff geregelt und geht im Falle eines Man-
gels an der Kaufsache dem Anfechtungsrecht vor (Spezialität). Im Falle der man-
gelhaft übergebenen Kaufsache kann der Käufer nach § 437 Nacherfüllung oder
Minderung verlangen oder vom Kaufvertrag zurücktreten.
-6 -
Voraussetzungen:
a) Mangel der Kaufsache zum Zeitpunkt des Gefahrübergangs. Beachte auch die
IKEA-Klausel, § § 434 II
b) Unkenntnis der Käufers
c) Verschulden des Verkäufers ist nicht erforderlich
An gegebene Garantien ist der Verkäufer gebunden, daneben verbleiben dem
Käufer gleichzeitig die o.g. Gewährleistungsrechte (§§ 443, 477)
Die Verjährungsfrist für Gewährleistungsansprüche ist in § 438 geregelt.
Ein vertraglicher Ausschluß der Gewährleistungsrechte ist dem Verbraucher ge-
genüber nur eingeschränkt zulässig, § 475. Beachte auch AGBs!

13. Unerlaubte Handlungen


Schadensersatz kann nach dem Gesetz auch derjenige verlangen, der Opfer einer
unerlaubten Handlung geworden ist. Wir befinden uns hier im sog. Deliktsrecht.
Die Haftung für ein solches Verhalten entsteht per Gesetz, d.h., sie ist unabhängig
von einer vertraglichen Beziehung zwischen den Parteien. In den §§ 823 ff BGB
finden wir die gesetzlichen Haftungstatbestände, wonach man für Personenschä-
den und/oder Sachschäden Schadensersatz verlangen kann. Weitere Haftungs-
tatbestände finden sich außerhalb des BGB in Sondergesetzen: § 7 StVG, §
25 AtomG,....
Grundsätzlich haftet man im deutschen Recht nur für rechtswidriges und schuld-
haftes Verhalten, wobei Rechtswidrigkeit bedeutet, daß dem Schädiger keine
Rechtfertigungsgründe (Notwehr, Einwilligung des Opfers..) zur Seite stehen.
Schuldhaft beinhaltet, daß die Handlung entweder vorsätzlich, zumindest aber
fahrlässig geschehen ist.

§ 823 I
schützt bestimmte enumerierte Rechtsgüter (Leben, Gesundheit, Eigentum..). Da-
neben sollen "sonstige Rechte" geschützt sein. Solche können aber nur absolute
Rechte (die gegen jeden gelten) sein, d.h. alle dinglichen Rechte, Immaterialgüter-
rechte und auch der berechtigte unmittelbare Besitz.
Weitere Rechtsgüter sind durch Rechtsfortbildung in den Schutzbereich des
§ 823 I aufgenommen worden, so das Recht am eingerichteten und ausgeübten
Gewerbebetrieb, das allgemeine Persönlichkeitsrecht und bestimmte Familien-
rechte.
Die Tatbestandsmäßigkeit einer Handlung nach § 823 I setzt voraus, daß es durch
die Handlung (die auch in einem Unterlassen bestehen kann) zu einer Rechts-
gutsverletzung an einem der aufgezählten Rechtsgüter beim Opfer gekommen ist.
Dadurch muß dem Opfer ein Vermögensschaden entstanden sein, der dann durch
den Schadensersatz zu beheben ist. Wichtig ist hier, daß sowohl Handlung, als
auch Rechtsgutsverletzung und Schaden kausal miteinander verknüpft sein müs-
sen (Äquivalenztheorie).
-7 -
Daraus ergibt sich, daß die Handlung ursächlich für die Rechtsgutsverletzung sein
muß (haftungsbegründende Kausalität), und
die Rechtsgutsverletzung ursächlich für den entstandenen Schaden sein muß
(haftungsausfüllende Kausalität).
Zusätzlich ist sowohl im Rahmen der haftungsbegründenden als auch der haf-
tungsausfüllenden Kausalität zu prüfen, ob die Folge nicht außerhalb jeder Wahr-
scheinlichkeit lag und ob eine solche Folge auch vom Schutzzweck der Norm er-
faßt ist. (Adäquanztheorie, Schutzzweck der Norm).
Daneben muß die Rechtswidrigkeit gegeben sein (= Fehlen von Rechtfertigungs-
gründen) und der Schädiger muß schuldhaft gehandelt haben.
Im Bereich des Schadensersatzes gilt das Prinzip der Naturalrestitution - es soll
der Zustand wiederhergestellt werden, der ohne das schädigende Ereignis beste-
hen würde. Heute idR Schadensersatz in Geld nach §§ 249 - 255.

§ 823 II
wird ein Schutzgesetz verletzt, kann dem Einzelnen auch aus § 823 II Schadens-
ersatz zustehen. Schutzgesetze sind alle Gesetze, die zumindest auch die einzel-
ne Person und nicht nur die Allgemeinheit schützen sollen: große Teile des Straf-
rechts, Gebote und Verbote der StVO...Keine Schutzgesetze sind zum Beispiel die
Vorschriften über Hochverrat, Steuerhinterziehung..(hier wird die Allgemeinheit
geschützt, aber nicht der Einzelne)

§ 826
die vorsätzliche sittenwidrige Schädigung heißt, daß der Schädiger bezüglich der
Schädigung des Opfers vorsätzlich handelte.

§ 831
Haftung des Geschäftsherren für seinen Verrichtungsgehilfen, wenn dieser in Aus-
übung seiner Verrichtung einem anderen einen Schaden zufügt. Grundsätzlich tritt
der Geschäftsherr dann haftungsrechtlich an die Stelle des Verrichtungsgehilfen.
Er hat jedoch die Möglichkeit, sich zu exculpieren. Wenn er hinsichtlich Auswahl
und Überwachung des Verrichtungsgehilfen sorgfältig war, so muß er nicht haften.

14. Gefährdungshaftung
Für das oben Gesagte gilt das Verschuldensprinzip, d.h., keine Haftung ohne Ver-
schulden. Bei der Gefährdungshaftung nun haftet der Schädiger unabhängig vom
Verschulden allein aufgrund der Rechtsgutsverletzung. Der Grund dafür liegt in
der besonderen Gefährlichkeit der jeweiligen Handlung oder des zu beherrschen-
den Gegenstandes. Weil man also etwas besonders Gefährliches tut oder hat soll
man haften, unabhängig davon, ob im konkreten Fall tatsächlich ein Verschulden
vorliegt oder nicht.
-8 -
Zur Gefährdungshaftung gehören
a) Tierhalterhaftung nach § 833
b) Haftung für Wildschäden nach BjagdG
c) Haftung für die Gefahren durch Technik (Eisenbahn nach § 1 HaftPflG, KfZ
nach § 7 StVG, Flugzeug nach §§ 44, 45 LuftVG, Umwelthaftung nach AtomG..)
d) Haftung des Herstellers für seine Produkte nach ProduktHaftG

15. Gebrauchsüberlassungsverträge
Hierzu gehören die Miete, die Leihe, die Pacht und das Darlehen. Sie sind auf die
Gebrauchsüberlassung einer Sache gerichtet. Einzelne Besonderheiten:
⇨ die Miete bezieht sich nur auf Sachen, die Pacht aber auf Gegenstände, d.h.,
Sachen und Rechte
⇨ die Miete beinhaltet nur die Gebrauchsüberlassung, die Pacht auch die Frucht-
ziehung
⇨ die Leihe ist unentgeltlich, Miete und Pacht sind entgeltlich
⇨ das Darlehen ist ein besonderer Fall der Gebrauchsüberlassung, da hier die
Sachen zum Verbrauch überlassen werden
⇨ Miete, Pacht, Leihe und Darlehen sind oft Dauerschuldverhältnisse
⇨ Ein Sonderfall der Pacht ist das Franchise-System
⇨ Das Darlehen hat im Wirtschaftsleben große Bedeutung. Heute steht das Geld-
darlehen im Vordergrund. Man bekommt eine vertretbare Sache mit der Ver-
pflichtung, das Empfangene in Sachen gleicher Art und Güte zurückzuerstat-
ten.
⇨ Das unentgeltliche Darlehen ist praktisch bedeutungslos geworden. Heute sind
folgende Darlehensarten häufig: Baudarlehen, Brauerreidarlehen, Arbeitgeber-
darlehen, Personalkredit, Bodenkredit, Lombardkredit, Avalkredit.

- 16. weitere schuldrechtliche Vertragstypen


- Tausch (§ 480) - gegenseitiger entgeltlicher Vertrag. Pflichten: Übergabe und
Eigentumsverschaffung.
- Schenkung (§§ 516 ff) - einseitig verpflichtender Vertrag. Pflichten: Übergabe
und Eigentumsverschaffung
- Auftrag (§ 662) - unvollkommen zweiseitig verpflichtender Vertrag, der eine
Geschäftsbersorgung zum Gegenstand hat. Nur unentgeltlich!
- Geschäftsführung ohne Auftrag (§ 677). Beachte hier § 683.
- Verwahrung (§ 688) - einseitig verpflichtender Vertrag. Geht nur bei bewegli-
chen Sachen. Sondergesetze: Handelsrecht, §§ 416-424 Lagergeschäft, De-
potgesetz (wenn Banken Wertpapiere verwahren)
- Mäklervertrag (§ 652) - Vermittlung von Verträge jeglicher Art. Lohnanspruch
entsteht, wenn der Vertrag aufgrund Tätigwerden des Maklers zustandege-
kommen ist.
-9 -
- Bürgschaft (§§ 765 ff) - der Bürge verpflichtet sich gegenüber dem Gläubiger
eines Dritten für dessen Verbindlichkeiten einzustehen - 3 Personen Verhältnis.
Einseitig verpflichtendes Schuldverhältnis. Bürgschaftserklärung bedarf der
Schriftform (§ 766). Bürgschaft ist akzessorisch, d.h., in Umfang, Bestand und
Entstehung abhängig von der Hauptforderung.

17. Dienstvertrag, Werkvertrag, Arbeitsvertrag


Dienstvertrag (§§ 611 ff). Die BGB-Regelung erfaßt noch die freien Dienstverhält-
nisse, die gelegentlichen Dienstverhältnisse und die Dienstverhältnisse der sog.
Leitenden. Die übrigen fallen in den Bereich des Arbeitsrechts und das BGB findet
nur noch ergänzend Anwendung nach den arbeitsrechtlichen Spezialvorschriften.
Typisch für den Dienstvertrag ist in Abgrenzung zum Werkvertrag, daß hier nur die
Vornahme eines Dienstes, nicht aber ein konkreter Erfolg geschuldet wird. In ei-
nem Dienst- oder auch Arbeitsverhältnis entstehen neben den Primärpflichten
auch einige Sekundärpflichten, insbesondere Treuepflichten und besondere Sorg-
faltspflichten. In Abgrenzung zum Arbeitsvertrag kommt es für den Dienstvertrag
nicht auf eine Weisungsgebundenheit an, es handelt sich also hier um wirtschaftli-
che und soziale Selbständigkeit (z.B. Arzt im Verhältnis zum Patienten: Dienstver-
trag - aber: im Verhältnis zum Krankenhaus: Arbeitsvertrag)
Beim Werkvertrag (§§ 631 ff) können die verschiedensten Erfolge geschuldet sein:
Sachwerke oder Tätigkeitswerke, geistige oder körperliche Werke...
Der Werkunternehmer ist zur Herstellung des Werkes verpflichtet, muß diese aber
(im Gegensatz zum Dienstvertrag) nicht unbedingt persönlich vornehmen. Nur die
mangelfreie Herstellung ist geschuldet. Ihr gegenüber steht die Vergütungspflicht,
die, wenn die Herstellung nach den Umständen nur gegen Vergütung zu erwarten
war, als stillschweigend vereinbart gilt. Eine weitere Hauptpflicht ist die Pflicht des
Bestellers zur Abnahme des Werkes, d.h., zur körperlichen Entgegennahme.

18. §§ 812 ff
Im allgemeinen Teil wurde bereits das Abstraktionsprinzip behandelt. Hieraus kann
sich ergeben, dass jemand etwas ohne Rechtsgrund erlangt hat und nun zur Her-
ausgabe verpflichtet ist (sachenrechtliches Erfüllungsgeschäft ist unabhängig vom
schuldrechtlichen Verpflichtungsgeschäft wirksam – s. Skript zum AT).
Nach §§ 812 ff kann derjenige, der durch eine solche Verfügung entreichert wurde,
Wiederherstellung des ursprünglichen Rechtszustandes verlangen. Ist die Wie-
derherstellung nicht möglich, so sieht § 818 II Wertersatz vor – solange die Berei-
cherung noch gegeben ist.
§ 812 I Satz 1, [Link]. regelt den Hauptfall der Leistungskondiktion. Hieraus kann
sich der stützen, der eine Leistung erbracht hat, ohne dass ein wirksamer Vertrag
zugrundegelegen hätte.
§ 812 I Satz 1, 2. Alt. Betrifft im Wesentlichen die Eingriffskondiktion – also Fälle,
in denen der Bereicherte selbst oder ein Dritter für die Bereicherung gesorgt hat
(es liegt hier keine Leistung vor).
-10-
Nach § 816 trifft ein Nichtberechtigter eine Verfügung, die dem Berechtigten ge-
genüber wirksam ist (er verliert z.B. sein Eigentum durch den gutgläubigen Erwerb
vom einem Nichtberechtigten).

19. Geschäftsführung ohne Auftrag


Der Auftrag ist nach § 662 ein Vertrag, durch den sich der Beauftragte verpflichtet,
ein Geschäft für einen anderen unentgeltlich zu besorgen. Nach § 670 erhält er
aber Aufwendungsersatz (lesen).
Die GoA nach §§ 677-687 ist ein gesetzliches Schuldverhältnis – es entstehen
Pflichten, ohne dass ein Vertrag vorläge. Das ist der Fall, wenn jemand ein frem-
des Geschäft besorgt, ohne beauftragt zu sein. Ist das Geschäft im Interesse des
Geschäftherrn, gibt es auch hier Aufwendungsersatz (Nachbar ruft den Klempner
bei Wasserrohrbruch). Hier erstreckt sich der Anspruch auch auf die übliche Ver-
gütung (anders als beim unentgeltlichen Auftrag, wo es nur Ersatz der Aufwen-
dungen gibt, die über die eigene Arbeit hinausgehen).

[Link]
Trotz der Privatautonomie gibt es im BGB die Bertebung, den Verbaucher gegen
die Unternehmer zu schützen und insoweit die Vertragsfreiheit einzuschränken,
als es hierfür erforderlich ist. Diese Tendent hat die Schuldrechtsreform com
1.1.2002 aufgegriffen und einige Verbraucherschutzvorschriften in das BGB hin-
eingenommen (s. §§ 305 ff – Skript AT).
Dazu gehören Vorschriften über Verträge, die im Wege der Fernkommunikation
abgeschlossen werden (§§ 312 b bis f) oder an der Haustür (§§ 312 ff), da die Art
und Weise ihres Zustandekommens dazu geeignet ist, den Verbraucher zu über-
vorteilen. IdR erhält der Verbraucher aufgrund solcher Vorschriften ein Widerrufs-
recht, um sich von dem geschlossenen Vertrag zu lösen.

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