Das Internet
2 Schon zu Beginn der 70er Jahre gewannen vernetzte Computer in wissenschaftlichen Instituten
und Forschungseinrichtungen zunehmend an Bedeutung. Die Vernetzung bot die Möglichkeit,
4 schnell und unkompliziert Daten miteinander auszutauschen, zu vergleichen und zu verknüpfen.
Bis zum eigentlichen, globalen Durchbruch des Internets sollten jedoch noch gut 20 Jahre
6 vergehen.
Im Zeichen des Sputnik-Schocks
8
Mitte der 50er Jahre war die Welt in zwei gewaltige Einflusssphären geteilt, in den US-
10 amerikanischen und in den sowjetischen Machtbereich. Der Kalte Krieg bestimmte das Denken
der Politiker und Militärstrategen, auch Wissenschaft und Forschung spielten zunehmend im
12 Wettstreit der konkurrierenden Ideologien eine tragende Rolle. Als es der UdSSR im Oktober
1957 gelang, den weltweit ersten Satelliten, den legendären "Sputnik", erfolgreich in eine
14 Weltumlaufbahn zu befördern, wurde der Technologievorsprung der Sowjets vor der ganzen
Welt offensichtlich. Das löste in den USA den sogenannten Sputnik-Schock aus. Fieberhaft
16 begann Amerika unter Präsident Dwight D. Eisenhower mit einer militärisch-wissenschaftlichen
"Gegenoffensive". Die ARPA (Advanced Research Projects Agency) wurde gegründet, eine in
18 das Verteidigungsministerium integrierte Forschungsbehörde. Ziel der ARPA war es,
wissenschaftliche Projekte und Technologien zu fördern, um entsprechende Ergebnisse eines
20 Tages militärisch nutzbar machen zu können.
22 Von der ARPA zum ARPANET
24 Kontinuierlich nahm nun die Zusammenarbeit von Instituten und
Universitäten in den Vereinigten Staaten zu. Immer mehr
26 Forschungseinrichtungen drängten auf Zugang zu den begehrten
Computerressourcen. Doch verfügbare Großrechner waren damals selten
28 und kostspielig, längst nicht jede Forschungseinrichtung konnte es sich
leisten, auf die gefragte Rechenkapazität zurückgreifen. Computer
30 wurden immer mehr zu Schaltstellen der wissenschaftlichen
Kommunikation, gleichzeitig stieg das Bedürfnis nach einem effizienten
32 und schnellen Datenaustausch, der gemeinsame Forschungsvorhaben ARPANET - das erste
erleichtern sollte. Netzwerk der Welt
34
Wenn sich also Computerkapazität nicht einfach ausbauen und vermehren ließ, mussten
36 Verfügbarkeit und Nutzung vorhandener Computerressourcen optimiert werden. Ein neuartiger
Computerverbund sollte geschaffen, Universitäten und Institute miteinander vernetzt werden.
38 Eine weitere Herausforderung bestand darin, die in ihrer Architektur sehr unterschiedlich
Tamara Fos – DaF – [Link]
aufgebauten Großrechner mit ihren spezifischen, mit anderen Systemen meist unvereinbaren
40 Sprachen aufeinander auszurichten. Neue Kommunikationstechniken und eine neue Technik der
Datenübertragung wurden erarbeitet. Ende der 60er Jahre entstand das ARPANET, ein
42 neuartiges Computernetzwerk, das allerdings nur der Legende nach im Falle eines drohenden
Atomkrieges störungsfreie Kommunikation ermöglichen sollte.
44
Geburtsstunde des Netzwerks
46
Das ARPANET wurde schließlich im Jahr 1969 realisiert. Den Anfang des vernetzten
48 Rechnerverbunds machten die Computer der vier Forschungseinrichtungen University of
California in Los Angeles, Stanford Research Institute, University of Utah und die University of
50 California in Santa Barbara. Am 29. Oktober 1969 verbanden Wissenschaftler zwei Computer in
Los Angeles und Stanford (Santa Clara) mit Hilfe einer Telefonleitung: Es war die
52 Geburtsstunde des ersten Computernetzwerkes der Welt. Es galt mit Kühlschrank-großen
Computern die Buchstaben LOG (Login) von Bildschirm zu Bildschirm zu übermitteln. Parallel
54 zu dieser fernelektronischen Datenübertragung verständigten sich die Computertechniker am
Telefon. "Hast du das L?" - "Ich habs!" - "Siehst du das O?" - "Ja, ist da!" - "Das G?" Doch da
56 waren die Hochleistungsrechner überlastet und stürzten ab.
58 Dezentrale Vernetzung
60 Die Architektur des neuartigen und sich bald immer weiter
verzweigenden ARPANETs beruhte auf den bahnbrechenden Arbeiten
62 von Paul Baran und Donald Watts Davies. Eine maschendrahtartige
Netzstruktur wurde geschaffen, eine dezentrale Kommunikationsstruktur,
64 die technische Grundlage für den Austausch von Datenpaketen. Damit ist
gemeint, dass in einem Gewebe von Computern, die durch
66 Telefonleitungen miteinander verbunden sind, keine Computerzentrale,
kein Steuerungsrechner existieren sollte. Vielmehr sollte jeder
68 teilnehmende Rechner in der Lage sein, über sogenannte Knotenpunkte Paul Baran – Wegbe-
reiter des ARPANETS
oder Knotenrechner mit jedem anderen Rechner über ein immer dichter
70 werdendes Datennetz zu kommunizieren. Selbst wenn der eine oder andere Knotenrechner
einmal ausfallen sollte, so würde die Datenweiterleitung nicht unterbrochen werden, sondern
72 einfach über einen anderen, alternativen Knotenrechner abgewickelt.
74 Von vornherein wurde also ausgeschlossen, dass ein einzelnes Land, ein Staat, eine Institution
oder eine Person die Hoheit über das gesamte Informationsnetzwerk gewinnt. Dieses
76 revolutionäre, demokratische Netzwerkkonzept beinhaltete schon damals die zentralen Aspekte
des heutigen Internets. Das Internet ist nichts anderes als die gigantische, weltweite Vernetzung
78 von bestehenden Netzwerken. Ruft heute ein Netzteilnehmer in Berlin etwa eine E-Mail ab, die
in Paris losgeschickt wurde, so wurden die Datenpäckchen möglicherweise über den Umweg
80 New York weitergeleitet.
82 Weltweite Vernetzung
84 1982 wurde das in den 60er Jahren entwickelte ARPANET auf TCP/IP-Standard (Transmission
Control Protocol/Internet Protocol) umgestellt. Dieser sperrige Name bezeichnet eine Software,
86 die bereits 1974 entwickelt worden war und die den Austausch von Daten und Datenpaketen
zwischen verschiedenen Netzwerken reguliert. TCP/IP liegt die Idee zugrunde, dass jeder
88 einzelne Rechner im Prinzip mit jedem anderen Rechner über ein Datennetz kommunizieren
kann. Das Standardprotokoll TCP/IP sorgt für die Verbindung der Netzwerke untereinander, es
90 ist der Klebstoff, der viele lokale Netze zu einem großen zusammenhängenden Netz, dem
Internet, verbindet.
92
Tamara Fos – DaF – [Link]
Anfang der 90er Jahre entwickelte der britische Informatiker Tim
94 Berners-Lee am europäischen Kernforschungslabor CERN das World
Wide Web, (kurz WWW), eine als Hypertext aufgebaute Vernetzung von
96 Daten und Inhalten, die über einen Browser sichtbar gemacht werden
konnten. Hypertext bedeutet, dass auf unzähligen Computern gespeicherte
98 Daten durch logische Verknüpfung mittels sogenannter Links abgerufen
werden können. Als 1993 der erste grafikfähige Webbrowser mit dem
100 Namen Mosaic veröffentlicht und zum kostenlosen Download angeboten
wurde, war der Siegeszug des Internets nicht mehr aufzuhalten. Von nun Tim Berners-Lee –
102 an konnten auch Laien auf das Netz zugreifen, was zu einer stetig Vater des
wachsenden Zahl von Nutzern, aber auch von kommerziellen Angeboten World Wide Web
104 im Netz führte. Waren Internet und E-Mail Anfang und Mitte der 90er Jahre eher Exoten und
Computerkennern vorbehalten, die sich auf diese neuartige Technik verstanden, ist heute der
106 Datenaustausch über den Computer längst ein Massenphänomen. Einer ARD-Studie aus dem
Jahr 2008 zufolge sind heute bereits gut 66 Prozent der Deutschen im Alter über 14 Jahren im
108 Netz - Tendenz steigend. Beruflich und privat ist die E-Mail, der elektronische Brief, neben dem
Telefon zum beliebtesten Kommunikationsinstrument geworden. Der vernetzte Computer
110 entwickelt sich zum wichtigsten, universalen Werkzeug des 21. Jahrhunderts. Wenngleich sich
das reale Leben nicht auf virtueller Ebene abspielt - der an das Internet angeschlossene
112 Computer ist längst wie der Kugelschreiber, das Auto oder das Telefon ein Instrument, das wir
beruflich, geschäftlich und privat nutzen, das eine wichtige Stütze im Alltag darstellt.
Gregor Delvaux de Fenffe, 17.6.2010
[Link]
€ Finden Sie Synonyme für die folgenden Wendungen:
Zeilen 2-3 etw. gewinnt zunehmend an Bedeutung
Zeilen 11-12 eine tragende Rolle spielen
Zeile 26 auf Zugang zu etw. drängen
Zeilen 28-29 sich etw. leisten können
Zeile 36 etw. optimieren
Zeilen 52-53 es gilt zu …
Zeile 72 etw. über etw. abwickeln
Zeile 75 die Hoheit über etw. gewinnen
Zeile 87 etw. liegt die Idee zugrunde
Zeile 102 auf etw. zugreifen
Zeilen 104-105 etw. ist jemandem vorbehalten
Zeilen 106-107 etw. zufolge
€ Fragen zum Text
1. Welches Ereignis sorgte Mitte der 50er Jahre dafür, dass die USA begannen, ihre
wissenschaftlichen Projekte und Technologien stärker zu fördern?
2. Wie wurden Computer immer mehr zu Schaltstellen der wissenschaftlichen Kommunikation?
3. Was sind die APRA und das ARPANET?
Tamara Fos – DaF – [Link]
4. Worin besteht das revolutionäre und demokratische Konzept der Computervernetzung?
5. Was ist das WWW?
6. Welche Bedeutung hat heutzutage der vernetzte Computer für dessen Nutzer?