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Skript 95 Bis 102

Das Dokument behandelt die Konvergenz von Zahlenfolgen und zeigt, wie man bestimmt, ob eine Folge gegen Null konvergiert. Es werden verschiedene Beispiele und Theoreme präsentiert, die die Eigenschaften von Nullfolgen und deren Vergleich mit anderen Folgen erläutern. Zudem wird die Definition von konvergenten Folgen und deren Grenzwerten vorgestellt.

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Skript 95 Bis 102

Das Dokument behandelt die Konvergenz von Zahlenfolgen und zeigt, wie man bestimmt, ob eine Folge gegen Null konvergiert. Es werden verschiedene Beispiele und Theoreme präsentiert, die die Eigenschaften von Nullfolgen und deren Vergleich mit anderen Folgen erläutern. Zudem wird die Definition von konvergenten Folgen und deren Grenzwerten vorgestellt.

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Analysis 1 WS 2025-26 Seite 95

Beispiel 3.2.11. Bestimmen Sie, ob die folgenden Folgen gegen Null konvergieren oder nicht:

Oa =
1 n
1

O b = b + (−1) b +
n

2 n
n 1
n, b∈R

O c = √n + 1 − √n
3 n .

O ε>0
Lösung. Zu 1 : Sei (beliebig klein) gegeben. Wir denieren

 
1
N := ,
ε

wobei für x ∈ R ⌈x⌉ die kleinste ganze Zahl gröÿer gleich x bezeichnet. Da ε > 0, ist N ∈ N.
Auÿerdem gilt

1
n≥ für alle n ∈ N mit n ≥ N,
ε
so dass

1
≤ε für alle n ∈ N mit n ≥ N,
n

O O
wie gewünscht.
Zu 2 : Für b = 0 haben wir schon in 1 gezeigt, dass {bn } eine Nullfolge ist. Wir zeigen
jetzt für b ̸= 0, dass {bn } keine Nullfolge ist. Für n gerade ist

1
bn = 2b + .
n
Wenn b > 0, dann setzen wir ε := 2b. Dann ist

1
|bn | = bn = 2b + >ε für alle gerade n ∈ N.
n
Wenn b < 0, dann setzen wir ε := |b| Für n ≥ 1/|b| und gerade gilt dann

1
|bn | = 2|b| − ≥ |b| ≥ ε.
n
Zu O
3 : Oben haben wir mit Julia darauf hingewiesen, dass cn eine Nullfolge sein könnte.
Aber warum? Die Idee ist, dass

√ √
n+1≈ n für n groÿ,

√ √
so dass n+1− n klein ist (für n groÿ). Diese Idee müssen wir irgendwie präzise machen.
Der Trick, der hier nützlich ist, ist das Erweitern mit Eins:

√ √
√ √ n+1+ n
0 ≤ cn = ( n + 1 − n) · √ √
n+1+ n
1 1
=√ √ <√ . (3.2.2)
n+1+ n n
Analysis 1 WS 2025-26 Seite 96

1
Sei ε>0 gegeben. Wir wählen N= ε2
. Dann ist

(3.2.2) 1 1
cn ≤ √ ≤ √ ≤ε for all n ≥ N.
n N
Also ist {cn }∞
n=1 eine Nullfolge.

Übung 3.2.12
Entscheiden Sie, ob eine Nullfolge gegeben ist, wenn die Folgenglieder sind:

O1 √1
n

O2 √ 1 √
n+1− n

O −
3 √1
n
√1
n+1

O4
sin(n)
n

O (−1) (1 −
5 n 1
n ).

Wie wir schon gesehen haben, hilft es oft, mit einer einfacheren Folge zu vergleichen.

Theorem 3.2.13: Vergleichskriterium für Nullfolgen


Seien {an }∞ ∞
n=1 , {bn }n=1 Zahlenfolgen mit

|bn | ≤ |an | (3.2.3)

n ∈ N, die gröÿer
für alle als eine feste Zahl N0 sind. Wenn an → 0 für n → ∞, dann gilt auch
bn → 0 für n → ∞.

Beweis. Leichte Übung.

Denition 3.2.14
Wenn (3.2.3) gilt, dann nennen wir {an }∞
n=1 eine Majorante von {bn }∞
n=1 . Man sagt, dass
{an }∞
n=1 die Folge {bn }∞
n=1 majorisiert.

Beispiel 3.2.15. Zeigen Sie, dass {αn }∞


n=1 für 0 < |α| < 1 eine Nullfolge ist.

Lösung. Wir wenden die Bernoullische Ungleichung an. Da |α| ∈ (0, 1), ist

1
=1+h
|α|

für ein geeignetes h > 0. Es folgt

1 1 1
|α|n = n
≤ ≤ .
(1 + h) 1 + nh nh
Analysis 1 WS 2025-26 Seite 97

1 ∞
{|α|n }∞ {αn }∞

Da
nh n=1 eine Nullfolge ist, ist auch n=1 eine Nullfolge und somit auch n=1 .

Nullfolgen besitzen folgende Eigenschaften:

Theorem 3.2.16: Eigenschaften von Nullfolgen


Seien {an }∞ ∞
n=1 , {bn }n=1 Nullfolgen und {cn }∞
n=1 eine beschränkte Folge. Dann gilt

(i) {an }∞
n=1 ist beschränkt,

(ii) {αan + βbn }∞


n=1 , α, β ∈ R ist eine Nullfolge,
np o∞
(iii) |an | ist eine Nullfolge,
n=1

(iv) {an · cn }∞
n=1 ist eine Nullfolge.

Beweis. Zu (i) : Da {an }∞


n=1 eine Nullfolge ist, existiert N ∈ N, so dass

|an | ≤ 1 for all n ≥ N.

Wir setzen

C := max {|an |}∞


n=1 = max {|a1 |, |a2 |, ..., |aN |}
1≤n≤N

und denieren

C̃ := max {C, 1} .

Dann ist |an | ≤ C̃ for all n ∈ N.


Zu (ii) : Nach der Dreiecksungleichung und der Homogenität des Absolutbetrags gilt

|αan + βbn | ≤ |α||an | + |β||bn | für alle n ∈ N. (3.2.4)

Sei ε > 0 gegeben. Ohne Beschränkung der Allgemeinheit können wir annehmen, dass α ̸= 0
und β ̸= 0. (Warum?) Da {an }∞ ∞
n=1 , {bn }n=1 Nullfolgen sind, existieren N1 , N2 ∈ N, so dass

ε ε
|an | < für alle n ≥ N1 , |bn | < für alle n ≥ N2 . (3.2.5)
2|α| 2|β|

Aus (3.2.4) und (3.2.5) folgt

ε ε
|αan + βbn | ≤ + =ε für alle n ≥ max {N1 , N2 } .
2 2
Zu (iii) : Zu ε>0 wählen wir N ∈ N, so dass

|an | < ε2 für alle n ≥ N.


Analysis 1 WS 2025-26 Seite 98

Zu (iv) : Nach Annahme existiert M ∈ R, so dass

|cn | ≤ M für alle n ∈ N.

Nach (ii) ist {M |an |}∞


n=1 eine Nullfolge. Da |an ·cn | ≤ M |an |, schlieÿen wir mit Theorem 3.2.13,
dass {an · cn }∞
n=1 eine Nullfolge ist.

Fall (iv) oben ist der einfache Fall. Sehr oft werden wir Folgenglieder der Form

an · cn
betrachten, wobei {an }∞
n=1 eine Nullfolge ist und {cn }∞
n=1 eine unbeschränkte Folge ist. Die Frage
ist die Rate: verschwindet an schneller oder wächst cn schneller? Als Beispiel betrachten wir die
Folge mit Folgengliedern

nαn , |α| < 1.


Die intuitive Antwort ist, dass diese Folge gegen Null konvergiert, weil exponentielles Abfallen
lineares Wachsen schlägt. Jetzt begründen wir diese Behauptung. Die Idee ist folgende: Als wir
oben gezeigt haben, dass {an }∞
n=1 gegen 0 konvergiert, haben wir die Abschätzung

1
|α|n ≤ für ein h>0
hn
angewendet. Hier reicht diese Abschätzung nicht aus, weil wir daraus nur

1
|nαn | ≤
h
erhalten. Wegen √1 >1 können wir h̃ durch
|α|

1
p = 1 + h̃
|α|
denieren und erhalten somit eine bessere Rate, wie wir jetzt zeigen.

Beweis. Sei h̃ durch

1
p = 1 + h̃
|α|

deniert. Dann ist h̃ > 0 und es gilt

1 1
|nαn | = n|α|n = n · ·
(1 + h̃) (1 + h̃)n
n

1 1
≤n· · (Bernoullische Ungleichung)
1 + nh̃ 1 + nh̃
1 1
≤n· = ,
(nh̃)2 n(h̃)2

also ist {nαn }∞


n=1 eine Nullfolge.

Frage: Können Sie eine noch bessere Rate des Abfallens von {αn } erhalten? Inwiefern?

xn
Beispiel 3.2.17. Sei x ∈ R. Ist die Folge mit an = n! eine Nullfolge?
Analysis 1 WS 2025-26 Seite 99

Lösung. Ja, Abfallen durch Fakultät schlägt exponentielles Wachstum. Dies machen wir präzise
wie folgt: Wir schreiben

xn x x x x x
= · · ... · · · ... · , (3.2.6)
n! |1 2 {z m} |m + 1{z n
}
=:Cm n−m Terme

wobei Cm < ∞ für m groÿ aber fest (endlich) gilt. Wir wählen m∈N groÿ genug, so dass

x 1
< . (3.2.7)
m 2
Dann ist

xn (3.2.6) x n−m (3.2.7)


1 n−m

≤ Cm · ≤ Cm 2
n! m
1 n
= Cm 2 m

2 .
1 ∞  xn ∞
Cm · 2m

Für m fest ist eine feste Zahl. Da
2n n=1
eine Nullfolge ist, ist auch
n! n=1
eine
Nullfolge. (Nach Theorem 3.2.16 (ii) und Theorem 3.2.13.)

Bemerkung. Die Formulierung  m groÿ aber fest bedeutet, dass wir zwar je nach x m sehr groÿ
wählen müssen  aber dieses so gewählte m muss nicht mehr im Laufe des Beweises geändert werden
und kann somit im Folgendem auch als etwas Festes, Gegebenes betrachtet werden. Daher ist oft die
Reihenfolge in Beweisen wichtig. In diesem ist x gegeben und dann wählen wir unser m. Danach ist
es nicht mehr möglich x zu ändern, der Beweis müsste dann wieder von vorne betrachtet werden.

Übung 3.2.18
Untersuchen Sie, ob eine Nullfolge gegeben ist:

Oa1 n =
n3
n!
, Oa
2 n =
xn
n2
für x ∈ [−1, 1], Oa3 n =
xn
n2
für x > 1.

3.3 Allgemeine Konvergenz und Divergenz

Jetzt verallgemeinern wir von Nullfolgen auf allgemeine, konvergente Folgen.

Denition 3.3.1
Die Folge {an }∞
n=1 heiÿt konvergent mit Grenzwert a, oder an konvergiert gegen a, wenn es ein
a∈R gibt mit der Eigenschaft, dass die Folge {an − a}∞
n=1 eine Nullfolge ist. Das heiÿt, zu
jedem ε>0 gibt es ein N ∈ N, so dass

|an − a| < ε für alle n ≥ N.

Dann heiÿt a der Grenzwert der Folge und wir schreiben

lim an = a oder an → a für n → ∞.


n→∞
Analysis 1 WS 2025-26 Seite 100

Notation 3.3.2
Analog zur Notation für Nullfolgen schreibt man

an ↑ a oder an ↗ a bzw. an ↓ a oder an ↘ a,

wenn {an }∞
n=1 für n→∞ monoton wachsend bzw. monoton fallend gegen a konvergiert.

Denition 3.3.3
Die Folge {an }∞
n=1 heiÿt konvergent, wenn es eine Zahl a ∈ R gibt, so dass limn→∞ an = a.
Ansonsten heiÿt die Folge {an }∞
n=1 divergent.

Übung 3.3.4
Untersuchen Sie die folgenden Folgen {an }n∈N auf Konvergenz und bestimmen Sie gegebenen-
falls ihre Grenzwerte:

2n2 − 3n n2
(a) an = , (b) an = (−1)n
n2 + 1 2n2 + 5

Übung 3.3.5
Zeigen Sie, dass 0, 9 = 1.

Wie kann eine Folge nicht konvergieren ? Man betrachte

an = n, bn = (−1)n · n, cn = (−1)n .
Alle drei bilden divergente Folgen, aber das Verhalten ist sehr verschieden. Mit Julia plotten wir:

Abbildung 3.2: Die ersten 20 Folgenglieder von an , bn und cn

Um über den Unterschied reden zu können, führen wir folgende Denition ein:
Analysis 1 WS 2025-26 Seite 101

Denition 3.3.6
Wir sagen, dass {an }∞
n=1 gegen Unendlich divergiert, wenn es für jedes M ∈R ein N = N (M )
gibt mit der Eigenschaft, dass

an ≥ M für alle n ≥ N.

In diesem Fall schreiben wir

an → ∞ oder lim an = ∞.
n→∞

Analog für an → −∞. an → ∞ oder an → −∞, dann sagen wir, dass die Folge {an }∞
Wenn n=1

bestimmt divergent ist. Wenn {an }n=1 divergent, aber nicht bestimmt divergent ist, dann sagen
wir, dass die Folge unbestimmt divergent ist.

Die Folge an von oben ist eine bestimmt divergente Folge, die gegen Unendlich divergiert. Au-
ÿerdem ist an nach unten beschränkt und nach oben unbeschränkt. Die Folge bn von oben ist
unbestimmt divergent und sowohl nach oben als auch nach unten unbeschränkt. Die Folge cn ist
unbestimmt divergent und beschränkt. Ein weiteres Beispiel ist:

{dn }n∈N := {(1 + (−1)n )n}∞


n=1 .

Diese Folge ist unbestimmt divergent, nach unten beschränkt und nach oben unbeschränkt.

Bemerkung. Achtung! Bemerken Sie, dass

lim an = ∞
n→∞

nicht impliziert, dass {an }n∈N konvergent ist (weil Unendlich keine reelle Zahl ist; sehen Sie
Denition 3.3.3).

Übung 3.3.7
Konvergieren die angegebenen Folgen? Begründen Sie ihre Antwort und bestimmen Sie gegebe-
nenfalls den Grenzwert. Falls die Folge divergiert, entscheiden Sie, ob sie bestimmt divergiert.

Oa
1 n := (−1)n + 1
n

Ob
2 n := (−1)n

n

Oc
3 n := n2 +3n+1
4n2 +(−1)n

Od
4 n := n2 +3n+1
4(−1)n n2 +1

Oe
5 n := n7
2n .

Im Fall von Konvergenz, hat man angenehme Eigenschaften, wie Eindeutigkeit in Theorem 3.3.8
oder die weiteren Eigenschaften aus Theorem 3.3.12 unten.
Analysis 1 WS 2025-26 Seite 102

Theorem 3.3.8
Der Grenzwert einer konvergenten Folge ist eindeutig bestimmt.

a ã

Beweis. Wir nehmen an, dass {an }∞


n=1 konvergent ist mit den Grenzwerten a und ã, wobei
a ̸= ã gilt. Wir denieren

1
ε := |a − ã|.
2
Da an → a konvergiert, existiert ein N ∈ N, so dass

|an − a| ≤ ε für alle n ≥ N.

Aus der Dreiecksungleichung erhält man

|an − ã| ≥ |a − ã| − |an − a|


≥ 2ε − ε = ε für alle n ≥ N,

was widerspricht, dass an → ã für n → ∞.

Übung 3.3.9
Schreiben Sie einen direkten Beweis von Theorem 3.3.8.

Man erhält die folgenden Verallgemeinerungen der Sätze 3.2.13 und 3.2.16.

Theorem 3.3.10: Vergleichskriterium


Es seien {an }∞ ∞
n=1 , {bn }n=1 und {cn }∞
n=1 Zahlenfolgen mit

an ≤ bn ≤ cn für alle n ≥ N,

für ein N ∈ N. Dann gilt

(i) Wenn an → a, bn → b, cn → c für n → ∞, dann ist

a ≤ b ≤ c.

(ii) (Sandwichkriterium oder Squeeze Theorem) Wenn an → a und cn → a für n → ∞


(gleiche Grenzwerte für an und cn ), dann ist die

Folge {bn }n=1 konvergent und

bn → a für n → ∞.

Bemerkung. Theorem 3.3.10 (ii) wird das Sandwich-Kriterium genannt, weil bn zwischen zwei
Folgen eingeschlossen ist, wie der Käse zwischen zwei Brotscheiben.

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