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Märchen

Das Dokument behandelt die Bedeutung von Märchen in der kulturellen Bildung und deren Rolle in der literarischen Erziehung von Kindern. Es wird erläutert, wie Märchen als Teil unserer Kultur fungieren, Grausamkeiten im Märchen verarbeitet werden und Märchen als Ratgeber und Erzieher wirken. Zudem werden didaktische Überlegungen für den Unterricht, insbesondere zur Integration von Märchen in den Lehrplan, sowie die Merkmale und Strukturen von Märchen thematisiert.

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Das Dokument behandelt die Bedeutung von Märchen in der kulturellen Bildung und deren Rolle in der literarischen Erziehung von Kindern. Es wird erläutert, wie Märchen als Teil unserer Kultur fungieren, Grausamkeiten im Märchen verarbeitet werden und Märchen als Ratgeber und Erzieher wirken. Zudem werden didaktische Überlegungen für den Unterricht, insbesondere zur Integration von Märchen in den Lehrplan, sowie die Merkmale und Strukturen von Märchen thematisiert.

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Märchen

„Das Märchen ist dem Kindesalter der Menschheit


vergleichbar, in ihm sind alle Wunder möglich, es
zieht Mond und Stern vom Himmel und versetzt
Berge.
Für das Märchen gibt es keine Nähe und keine
Ferne, keine Jahreszahl und kein Datum, nur
allenfalls Namen, und dann entweder sehr
gewöhnliche, oder sehr sonderbare, wie sie Kinder
erfinden.“
(Bechstein 1997, S. 10)
Sofort erkannt?!

 Im Wald wohnte 1 Hexe.


 Klopf, klopf
 Wer da?
 2 Kinder!
 Sie öffnete die Tür.
 Buh!, brüllte das Kind.
 Die Hexe sprang
 vor Schreck in
 den Ofen + starb
Märchen als Teil unserer Kultur

 „Märchenhafte Preise“, „das ist ja wie verhext“,


„Märchenhochzeit“…unser Alltag und unsere Sprache
sind voller Anspielungen auf Märchen.
 Den meisten Menschen sind Märchen(figuren)
urvertraut.
 Daher funktionieren auch Märchenadaptionen und
Parodien so gut.
 Märchen gehören zu unserem Kulturgut.
 Um aktiv am kulturellen und literarischen Leben
teilhaben zu können, sollten Kinder Märchen als Teil
ihrer literarischen Bildung kennenlernen.
Unterschiedliche Lernausgangslage

 Manche SuS kommen bereits im Kleinkindalter


damit in Berührung, andere kennen
Märchen(motive) aus Bilderbüchern, Filmen und
Serien.
 Anderen Kindern sind sie aber auch völlig fremd.
 Wichtig: Kindern im Unterricht Zeit
geben, Märchen zu erleben!
➢ methodische Vielfalt, verschiedene
Sinne ansprechen
Grausamkeiten im Märchen

Können die Grausamkeiten im Märchen Kinder ängstigen?


Warum wollen viele Kinder Märchen trotzdem wieder und wieder
hören?

 Erklärung Bruno Bettelheims:


„ Eine Hexe, die aus den Angstphantasien geboren ist, wird es verfolgen,
aber eine Hexe, die man in ihren eigenen Ofen stoßen und verbrennen
kann, ist eine Hexe, von der das Kind sich befreit glauben
darf.“(Bettelheim 1980)
 Der Gewinn der Grausamkeit liegt darin, dass das Kind im Märchen einen
Ausweg findet.
 Das ursprüngliche Missvergnügen/Angstgefühl (welches mit Erfolg
gemeistert wird) verwandelt sich in große Freude. (vgl. Bettelheim 1980)
 Außerdem hilft das Märchen Kindern mit seiner sehr einfachen Moral,
„ihren eigenen moralischen Standpunkt zu formulieren und nach und
nach weitergehende Maßstäbe zu entwickeln und argumentativ zu
vertreten.“ (Becker 2009)
Märchen als Ratgeber und heimliche Erzieher

„Märchenmoral
Das Märchen ist ein Welterklärer und Mutmacher.
Es glaubt an die Kraft der Schwachen, aber es verlangt,
dass man sich anstrengt und Aufgaben löst.
Das Märchen schickt seine Helden hinaus in die weite
Welt, damit sie klüger werden und Erfahrungen sammeln.
Das Märchen hält Wünsche für erfüllbar.
Es freut sich über eine gelungene List.
Es verspricht ein gutes Ende.
Märchen sind Wunsch- und Glücksdichtungen.“
(Kohl 2014, S. 54).
Zur Sache

 Volksmärchen der Gebrüder Grimm am bekanntesten in


unserem Kulturraum, aber nicht die ältesten.
 Märchen reichen weiter als alle anderen literarischen
Formen in die Menschheitsgeschichte zurück (älteste
Form sind die Zaubermärchen).
 Viele europäische Märchen sind von der orientalischen
Märchensammlung „1001 Nacht“ geprägt.
 Kinder verschiedener können Herkunftsländer daher
Gemeinsamkeiten zwischen ihren landestypischen
Märchen entdecken (interkulturelle Bildung).
Was ist ein Märchen?

Ein Märchen ist „eine mit dichterischer Phantasie


entworfene Erzählung besonders aus der Zauberwelt,
eine nicht an Bedingungen des wirklichen Lebens
geknüpfte wunderbare Geschichte, die in einer
phantastischen Welt spielt, in welcher der gewohnte
Kausal- und Naturzusammenhang aufgehoben ist“
(Röhrich 1964).

Märchen sind keinesfalls beliebig. Sie folgen einer


bestimmten Form.
Die Superstruktur von Märchen

 Im Gegensatz zu anderen Gattungen sehr leicht erkennbare


Merkmale
 Jungen Lesern gelingt das Erkennen der typischen Elemente
fast automatisch
→ typische Anfangs- und Schlussformel
→ wundersame Erlebnisse werden erzählt, schwierige Aufgaben
stehen an (Drachentötung, Rätsellösen, Verwandlungen)
→ besondere Helden (Prinzen, Zwerge, sprechende Tiere)
→ magische Gegenstände
→ magische Zahlen
→ märchenhafte Orte
→ bestimmte Moralvorstellungen
→ sie polarisieren zwischen Gut und Böse (keine Grautöne)
Märchenmerkmale der Volksmärchen in der
Schule

 Anfangs- und Schlussformel


 „Es war einmal…“, „Und wenn sie nicht gestorben sind…“
 magische Zahlen (3,7,12)
 eine schier unlösbare Aufgabe
 Präteritum
 allwissender Erzähler
 Gegensätze: alt –jung, schön – hässlich
 das Gute wird belohnt, das Böse bestraft
 Reime und Zaubersprüche
 Ort und Zeit der Handlung bleiben ungenau:
vor langer Zeit
 es passieren wundersame Dinge
 typische Figuren: Könige, Prinzessinnen,
(böse Stiefmutter)
 (magische Gegenstände,
Zauberei, Verwandlungen,
sprechende Tiere) [Link]
Literarisches Lernen

Es geht nicht nur darum,


 bestimmte Märchen zu kennen, sondern darum Stoffe,
Motive, Figuren zu kennen und in anderen Erzählungen
wiederzufinden.
Die SuS sollen
 einzelne Märchen als Repräsentant ihrer Gattung
wahrnehmen
 Fähigkeit erlangen, zwischen Fiktion und Realität zu
unterscheiden „Wurden die Geißlein wirklich gefressen?“
 Imagination/ Vorstellungsbildung beim Hören und Lesen
entwickeln
 über das Erkennen der Oberflächenstruktur (Figuren,
Handlungen, Orte etc.) zur Deutung der Tiefenstruktur
vordringen (über Beweggründe, Wünsche, Bedürfnisse,
Ängste der Figuren nachdenken)
Partnerarbeit

 Markieren Sie in Ihrem KC alle für das Thema


„Märchen“ relevanten Kompetenzen.
 Notieren Sie stichwortartig den Aufbau einer
möglichen kompetenzübergreifenden und
integrativen UE zum Thema Märchen.
Aufbau der UE „Märchen“

 Aufbau einer integrativen UE:


- Märchen hören
- Märchen erzählen
- Märchenmerkmale kennenlernen
- Präteritum wiederholen
- Wörtliche Rede
- Ein Märchen weiterschreiben
Beispiel: „Der Hase und der Igel“
Märchen der Gebrüder Grimm

 Ursprünglich aus dem Plattdeutschen!


 → Swinegel → Schweine-Igel

 → Lehnen Sie sich entspannt zurück und lauschen


Sie dem Märchen!
Gruppenarbeit
Unterrichtsentwurf „Der Hase und der Igel“

 Lesen Sie den vorliegenden Kurzentwurf.


 Erarbeiten Sie arbeitsteilig folgende Aspekte eines
Langentwurfes:
 → übergreifende Kompetenzformulierung
 → Sachanalyse
 → Didaktische Analyse
 Hilfe:
 Leitfaden des Seminars
 (Baum für die Unterrichtsplanung)
Weiterschreiben des Grimmschen Märchens
„Der Hase und der Igel“

Aufbau einer integrativen UE:


- Märchen hören
- Märchen erzählen
- Märchenmerkmale kennenlernen
- Präteritum wiederholen
- Wörtliche Rede
- Ein Märchen weiterschreiben

Übergeordnete Kompetenz:

Ziel der Unterrichtsstunde:


Die SuS kennen die inhaltlichen und formalen Kriterien von Märchen und
gestalten im Kontext eines produktionsorientierten Schreibens das Märchen
„Der Hase und der Igel“ ab dem inhaltlichen Geschehen des Wettlaufbeginns
nach diesen Kriterien weiter.
Weiterschreiben des Grimmschen Märchens „Der
Hase und der Igel“

Sachanalyse:
Stundenbezug mit Fokus auf den Lerngegenstand (nicht auf die Unterrichtseinheit):
Sinnvolles Ende des Märchens erfinden unter Berücksichtigung aller bekannten Merkmale
Fachsprache, z. B. korrekte Definitionen, Bezugnahme zu ausgewählter
fachwissenschaftlicher Literatur muss deutlich werden (sinnvoller punktueller Einsatz bei
Zitatverwendung)
- Das Märchen ist eigentlich ein Schwank und steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
an Stelle 187. Es war ursprünglich auf Plattdeutsch verfasst: „Dat Wettlopen twischen den Hasen un den
Swinegel up de lütje Heide bi Buxtehude“.
-Knappe Inhaltangabe des Märchens bis zu dem Punkt, an dem das neue Ende verfasst werden soll.
-Fokussierung auf die zu entwickelnde Fortsetzung → Was muss berücksichtigt werden, wenn SuS ein
Ende verfassen? (Bei der Erledigung der Aufgaben handelt es sich um das Ausdenken einer Aufgabe, für
die der Swinegel seine Frau mitgebracht hat.)
>In den entwickelten Szenen sollten typisch märchenhafte Dinge passieren (z.B. eine unerfüllbare
Aufgabe erledigen können)
Aber: Originalmärchen weist hier untypisches Merkmal für ein Märchen auf: List (evtl. auch Zahl 73).
Das ist aber für das Weiterschreiben des Märchens zunächst nicht relevant. (siehe Did. Überlegungen.)
Schwierigkeitsanalyse (zu erwartende Probleme/Fehler):
SuS müssen darauf hingewiesen werden, dass der Swinegel gegen einen Hasen eigentlich keine Chance
hat. Wozu möchte er wohl seine Frau dabei haben?
Didaktische Überlegungen
Hauptanliegen/Stundenziel:
Die SuS schreiben das Märchen in der Handlungslogik weiter. (Die
Handlungslogik des Märchens muss verstanden werden → siehe literarisches
Lernen, Spinner)
Verweis auf KC und SAP zwingend nötig
Zugänglichkeit (ggf. mögliche Schwierigkeiten):
 Erfinden einer Lösung für eine unlösbare Aufgabe motiviert
 Kreativität wird gefördert
 Es wird an kindlicher Erfahrungswelt angeknüpft, in welcher Kinder im Spiel
vor allem Tieren zuschreiben magisch oder schlau zu sein oder gar sprechen zu
können.
 Das vorliegende Märchen hat auch märchenuntypische Aspekte (List, Zahl 73
→ 7 und 3 → siehe SA), allerdings sind diese nur im Urspungsmärchen
vorhanden und führt deshalb für die SuS nicht zu Schwierigkeiten.
 Verweis auf Fabel: Dieses Märchen ist (später) sehr gut mit der gleichnamigen
Fabel zu kontrastieren und zeigt, wie der gleiche Inhalt zu unterschiedlichen
Textsorten führt, wenn man bestimmte Merkmale beim Schreiben oder
Erzählen berücksichtigt. (→ SuS lernen das Spiel mit der Sprache)
 Vorher überlegen: Wie gehe ich mit dem sehr alten Rollenbild von Mann und
Frau um, das in diesem Märchen so überdeutlich wird? (Der Frau des
Swinegels bleibt nicht anderes übrig als sich ihm zu fügen).
 Es sollte ein Märchen sein, dass SuS noch nicht kennen, sonst besteht die
Gefahr einer reinen Nacherzählung.
Wo wird der Lerngruppe der Zugang zu den Inhalten gelingen, wo schwierig
werden?
Vielleicht ist nicht sofort klar, wer das Rennen logischerweise gewinnen müsste. Warum hat
der Swinegel seine Frau mitgebracht?
Relevanz für die SuS - Alltagsbezug/Lebensweltbezug - Bedeutsamkeit
Schüler der 5./6. Klassen spielen gern Rollenspiele, erzählen Geschichten (weiter), spielen
Geschichten mit Spielfiguren nach, verändern einzelne Teile einer Geschichte, dichten
Lieder/ Verse um.
Warum sollen den SuS gerade diese Inhalte in dieser Stunde vermittelt
werden? (in Abgrenzung zu den Stunden unmittelbar davor und danach)
Kennen Märchen und ihre gattungsspezifischen Merkmale, sind mit vielen Märchen
vertraut, werden nun selbst tätig, wenden ihr Wissen an.
Gegenwartsbezug - Zukunftsbezug - Relevanz für den langfristigen schulischen
Lernprozess
Schreiben nach Vorgaben, Beitrag zur literarischen Bildung,
Exemplarität (Kann das Gelernte auch auf andere Inhalte übertragen werden?)
Gattungsspezifische Wissen, andere Textarten wie Fabeln um- oder weiterschreiben,
insbesondere dieses Märchen kann später gut mit der gleichnamigen Fabel vergleichen
werden
Literatur

 Abraham, Ulf/ Knopf, Julia (Hrsg.)(2014): Deutsch. Didaktik für die Grundschule.
2. Auflage. Berlin.
 Becker, Susanne Helene (2014): Märchenwelten erleben und verstehen. In:
Grundschule Deutsch. Märchen begegnen. Nr. 42.
 Geister, Antje (2014): Als das Wünschen noch geholfen hat…Von der zeitlosen
Macht der Märchen. Grundschule Deutsch. Märchen begegnen. Nr. 42.
 Kohl, Eva Maria (2014): Kinder & Märchen. Was Erwachsene wissen sollten. Seelze-
Velber.
 Kohl, Eva Maria/Ritter, Michael (2010): Schreibszenarien. Wege zum kreativen
Schreiben in der Grundschule. Seelze-Velber.
 Niemann, Heide (2014): Märchenstunde. Von unvergesslichen Momenten.
Grundschule Deutsch. Märchen begegnen. Nr. 42.
 Reiske, Jennifer (2014): Jungenmärchen- Mädchenmärchen. Was bei der Auswahl
zu beachten ist. In: Grundschule Deutsch. Märchen begegnen. Nr. 42.
 Steiner, Anne (2014): Szenisches Interpretieren. In: Abraham, Ulf/ Knopf, Julia
(Hrsg).Deutsch. Didaktik für die Grundschule. 2. Auflage. Berlin.
Weiterführende Literatur für die Sek I

 Freund, Winfried (2003): Das Märchen. Kurz und


bündig, Verlag C. Bange.
 [Link]: Märchen – Themenpaket Deutsch
in der Sek I, Downloadmaterial.
 Schwake, Timotheus (2019): Einfach Deutsch.
Unterrichtsmodelle Märchen: Klassen 5-7,
Westermann.

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