Drama
1. Begriff und Bedeutung des Dramas
1.1 Herkunft und Grundbedeutung
Der Begriff „Drama“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Handlung“. Damit ist gemeint, dass
ein Drama ein literarischer Text ist, der in Form von dargestellten Handlungen auf einer Bühne
umgesetzt wird, statt erzählt zu werden.
1.2 Drama als literarische Gattung
Das Drama bildet neben der Epik und der Lyrik die dritte Grundform der Literatur. Ein Autor, der
Dramen schreibt, wird Dramatiker genannt, und seine Kunst nennt man Dramatik.
2. Formen des Dramas
2.1 Hauptformen
Zur Dramatik gehören klassische Formen wie Tragödie, Komödie, Tragikomödie und Schauspiel. Die
Tragödie zeigt einen scheiternden Helden, die Komödie arbeitet menschliche Schwächen humorvoll
auf, und die Tragikomödie verbindet tragische mit komischen Elementen.
2.2 Unterformen
Daneben existieren weitere Varianten wie Posse, Farce, Lustspiel oder Volksstück, die bestimmte
komische, volkstümliche oder übersteigerte Darstellungsformen besitzen.
3. Aufbau und Struktur des klassischen Dramas
3.1 Einteilung in Akte und Szenen
Früher wurde das Drama streng in Akte und Szenen unterteilt. Besonders in der Antike waren fünf
Akte vorgeschrieben, damit die Handlung geordnet und übersichtlich vermittelt werden konnte.
3.2 Monolog und Dialog
Der Monolog dient dazu, die inneren Gedanken einer Figur offen darzustellen, während der Dialog
Konflikte, Gegensätze und Entwicklungen zwischen Figuren sichtbar macht. Beide Formen treiben die
Handlung voran.
4. Veränderungen im modernen Theater
4.1 Auflösung klassischer Normen
Im modernen Drama gelten traditionelle Regeln nicht mehr zwingend. Handlung, Aufbau,
Dialogstruktur und Szenenfolge können frei gestaltet werden. Moderne Stücke brechen oft bewusst
mit linearer Ordnung oder festen Akten.
4.2 Neue Darstellungsweisen
Dadurch entstehen flexible Formen, in denen nicht mehr der Dialog allein die Handlung bestimmt,
sondern vielfältige theatrale Mittel eingesetzt werden können, um Konflikte oder Stimmungen zu
zeigen.
5. Dramatisierung
5.1 Definition
Eine Dramatisierung bedeutet, dass ein ursprünglich erzählender Stoff (z. B. ein Roman) so
überarbeitet wird, dass daraus ein Bühnenstück entstehen kann.
5.2 Anforderungen der Dramatisierung
Dabei müssen die Handlung klar reduziert, Dialoge sinnvoll gestaltet und Figuren deutlich
herausgearbeitet werden, um auf der Bühne gut zu funktionieren.
5.3 Abgrenzung zur Bühnenbearbeitung
Die Dramatisierung ist nicht identisch mit der Bühnenbearbeitung, da letztere lediglich ein bereits
bestehendes Drama verändert oder neu interpretiert.
6. Der Dramaturg
6.1 Herkunft und ursprüngliche Bedeutung
Der Begriff „Dramaturg“ bedeutete in der Antike jemanden, der ein Drama verfasst und zur
Aufführung brachte.
6.2 Der moderne Dramaturg
Heute ist der Dramaturg ein künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter am Theater. Er wählt Stücke
aus, erstellt den Spielplan, arbeitet mit Autoren und Regie zusammen, berät Bühnen- und Kostümbild
und übernimmt Teile der Öffentlichkeitsarbeit.
7. Schwierigkeiten der Drama-Definition
7.1 Vielfalt der Formen
Begriffe wie Sozialdrama, Menschenheitsdrama oder politisches Drama zeigen, dass das Drama viele
Unterkategorien besitzt und darum schwer eindeutig zu definieren ist.
7.2 Aristotelische Grundidee
Aristoteles betont, dass im Drama nicht die Menschen selbst, sondern ihre Handlungen im
Mittelpunkt stehen. Glück und Unglück entstehen durch das Handeln der Figuren, nicht durch ihre
bloße Existenz.
8. Der tragische Held bei Aristoteles
8.1 Charakter des Helden
Der tragische Held ist ein edler Mensch mit bestimmten Fehlern, die zu seiner Schuld und letztlich zu
seinem Untergang führen.
8.2 Wirkung auf das Publikum
Der Zuschauer empfindet Mitleid und erkennt im Helden eine Figur, deren Schicksal auch ihn selbst
treffen könnte. Dadurch entsteht die emotionale Wirkung der Tragödie.
9. Äußere Form des Dramas
9.1 Geschlossene Form
Die geschlossene Form entspricht dem klassischen Drama und zeichnet sich durch die Einheit von
Zeit, Ort und Handlung aus. Die Handlung verläuft ohne Zeitsprünge und bleibt auf einen
Hauptkonflikt konzentriert.
9.2 Offene Form
Die offene Form des modernen Dramas löst diese Einheiten auf und zeigt mehrere Orte, Zeitebenen
und Handlungsstränge. Die Szenen können fragmentarisch sein und die Welt selbst wird manchmal
als Gegenspieler des Helden dargestellt.
10. Innere Form des Dramas
10.1 Handlungsstruktur
Zur inneren Form gehören der Aufbau der Handlung (linear oder analytisch) und die Art, wie
Informationen enthüllt werden.
10.2 Figuren
Figuren werden entweder direkt (durch Beschreibungen) oder indirekt (durch Sprache, Handlungen
und Beziehungen) charakterisiert.
10.3 Redeweise
Die Figuren sprechen in Monologen, Dialogen oder gebundener bzw. ungebundener Rede, was
jeweils bestimmte dramaturgische Effekte erzeugt.