Strafe
Definitionen
Die Strafe ist eine Sanktion gegenüber einem bestimmten Verhalten, das in der Regel als Unrecht
qualifiziert wird. Die Strafe ist ein aggressiver Akt gegenüber dem zu Strafenden, der als Folge
eines normenverletzenden Verhaltens durch den zu strafenden vollzogen wird und deshalb im
Gegensatz zu anderen Formen von Aggression als legitim angesehen wird.
„Wikipedia“.
Der Brockhaus definiert Strafe als..
ein Übel, das jemand einem anderen mit Absicht zufügt, weil dieser eine missbilligte Handlung
begangen hat. Das Ziel der Strafe ist, die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der missbilligten
Handlung herabzusetzen und das Verhalten eines Menschen zu verändern; auch Vergeltung
(Rache, ausgleichende Gerechtigkeit) kann Motiv einer Strafe sein.
Warum strafen Menschen, Institutionen und Gesellschaften?
Geißler kommt in seinem Werk "Erziehungsmittel" im Kapitel Die Strafe zu folgenden Motiven und
Gründen (Straf-Funktionen):
Die Funktionen bei Geißler lassen sich in die zwei Hauptfunktionen, Rechts- und Erziehungsfunktion,
zusammenfassen. Der Vollständigkeit halber müssen aber auch die pathologischen Funktionen erfasst
werden, dies führt zu folgenden Hauptmotivationsklassen:
1. Rechtsfunktion: Vergeltung, Rache, Recht, "Gerechtigkeit" walten lassen: "wie du mir, so
ich dir"
2. Erziehungsfunktion: Erziehung zu Tun und Lassen (Verhaltenskontrolle, Abschreckung)
3. Machtfunktion: Lust am Machtgefühl; Lust am Leid machen können (pathologische
Funktionslust)
4. Sadismusfunktion: Befriedigung und Lust am Leiden anderer.
5. Masochismusfunktion: Lust und Befriedigung am eigenen Leiden (Schmerz)
Die Grundgedanken des Strafrechts
I. Garantiefunktion des Strafrechts
Nach Art. 103 II GG- gleichlautend § 1 StGB- kann „eine Tat nur bestraft werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich
bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde". Diese verfassungsrechtliche Aussage über die Garantiefunktion
des Strafgesetzes (Gesetzlichkeitsprinzip)- keine Strafe ohne Gesetz (nulla poena sine lege) - verlangt nach
einem Strafgesetz (Strafnorm).
Aus der in Art. 103 II GG verfassungsmäßig abgesicherten Garantiefunktion des Strafgesetzes ergeben sich das
Bestimmtheitsgebot
Rückwirkungsverbot
Analogieverbot
und das Verbot der gewohnheitsrechtlichen Strafbegründung und -verschärfung
1. Bestimmtheitsgebot
Art. 103 II GG enthält zunächst einmal, um die Freiheit des Bürgers vor willkürlicher Bestrafung zu schützen, die
Verpflichtung des Gesetzgebers, die Voraussetzungen der Strafbarkeit so konkret zu umschreiben, dass Tragweite
und Anwendungsbereich der Norm zu erkennen sind (nullum crimen sine lege certa). Die Strafgesetze müssen
daher, sowohl hinsichtlich des Tatbestands wie auch der Rechtsfolge, ein Mindestmass an Bestimmtheit
aufweisen. Ein unbestimmtes, nicht hinreichend konkretes Strafgesetz verstößt also gegen Art. 103 II GG.
2. Rückwirkungsverbot
Aus Art. 103 II GG und § 1 StGB folgt weiterhin das dem Vertrauensschutz Rechnung tragende
Rückwirkungsverbot: Strafgesetzen darf sowohl hinsichtlich des Tatbestandes als auch der Rechtsfolge, siehe § 2 I
StGB, keine rückwirkende Kraft beigelegt werden (nullum crimen sine lege preaevia).
3. Analogieverbot
Das Analogieverbot steht der Anwendung eines Strafgesetzes auf einen von ihm nicht erfassten, aber ähnlichen
Sachverhalt zu Lasten des Beschuldigten entgegen (nullum crimen sine lege stricta). Ergibt sich bei der
Auslegung eine „Strafbarkeitslücke", so ist wegen des Analogieverbots nicht der Strafjurist, sondern nur der
Gesetzgeber zur Lückenschließung legitimiert.
[Link] gewohnheitsrechtlicher Strafbegründung und schärfung
Durch Gewohnheitsrecht dürfen weder neue Strafgesetze geschaffen noch vorhandene zuungunsten des Täters
verschärft oder erweitert werden.
Die Bindung des Strafrichters und des Staatsanwalts an Recht und Gesetz bedeutet:
Vorhersagbarkeit des Entscheidungsergebnisses
Klarheit und Durchsichtigkeit der Entscheidungsgründe
Möglichkeiten von Kontrolle und Rekurs
Unterwerfung des Justizsystems unter die Herrschaft des demokratisch gewählten und kontrollierten
Gesetzgebers
Sowie vor allem Schutz des Betroffenen vor ungebundenem (und entsprechend unkontrollierten) Eingriff in
seine Rechte