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blauen Augen an, holdseliger Spizbube - - Allerliebst - - Mein Zukermännchen - - Kan deine Mutter -
- ist's möglich - - Imagination! Du bohrest deinen Dolch bis in den Mittelpunkt des Herzens - - Du
machst die blosse Möglichkeit wirklich, Träume zu Wahrheiten, Nichts zu etwas. Wie leicht muß es dir
dann seyn, aus etwas mehr zu machen als es ist - - Ich erfahr' es nur zu wol, was du kanst; sowol,
daß mir der Kopf davon schwindelt und die Stirne jukt - -
Polixenes (zu Hermione.)
Was fehlt dem Könige?
Hermione.
Er sieht aus, als ob ihm was im Kopf herum gehe.
Polixenes (zu Leontes.)
Wie steht's, mein Herr?
Leontes (der sich schnell recolligiert.)
Wie ists? was macht ihr Gutes, mein liebster Bruder?
Hermione.
Ihr seht aus, als ob ihr eure Gedanken ganz anderswo habet! Fehlt euch was, mein lieber
Gemahl?
Leontes.
Nein, in vollem Ernst. Auf was für läppische Einfälle die väterliche Zärtlichkeit manchmal bringen kan!
Wie gern die Natur sich selbst hintergeht! Ich betrachtete die Gesichts-Züge meines Jungen hier,
und da däuchte mir, ich sehe mich selbst um drey und zwanzig Jahre jünger, ohne Hosen, in
meinem grünen Sammet-Kittelchen; mit einem kleinen Hirschfänger an der Seite, der nicht aus der
Scheide gieng, damit er seinen Herrn nicht beisse, und so, wie Zierrathen öfters thun, gefährlich
werde - - Wie gleich, däuchte mich, war ich damals dieser kleinen Krabbe hier! - - Guter Freund,
sag mir einmal, wolltest du dir Eyer-Schaalen für Münze geben lassen?
Maximillius.
Nein, Papa, ich wollte mich schon wehren.
Leontes.
Wolltest du? - - ein braver Junge! - - Mein Bruder seyd ihr auch so verliebt in euern jungen
Prinzen, wie wir in den unsrigen zu seyn scheinen?
Polixenes.
Wenn ich zu Hause bin, mein Herr, so macht er alle meine Beschäftigung und meinen Zeitvertreib
aus; ist izt mein geschworner Freund, dann wieder mein Feind; mein Hofschranze, mein Soldat,
mein Minister, alles; er macht mir einen Sommertag so kurz als den kürzesten December, und
vertreibt mir durch seine kindische Lebhaftigkeit Gedanken, welche mein Blut verdikern würden.
Leontes.
Dieser kleine Junker hat das nemliche Amt bey mir: Wir beyde wollen einen Spaziergang mit
einander machen, und euch, mein Herr, euerm ernsthaftem Zeitvertreib überlassen. Hermione, du
kanst uns deine Liebe nicht besser als durch Freundschaft für unsern Bruder beweisen: Laß was in
Sicilien das kostbarste ist, zu seiner Bewirthung verschwendet werden; nach dir und meinem
kleinen Schwärmer hier, ist niemand meinem Herzen näher.
Hermione.
Wenn ihr uns suchen wolltet, so werdet ihr uns im Garten antreffen; Sollen wir euch dort
erwarten?
Leontes.
Disponiert über euch nach euerm eignen Belieben - - (vor sich.) Wir wollen euch schon finden, ihr
werdet doch immer unter dem Himmel bleiben müssen: Ich angle izt, wenn ihr's schon nicht merket -
- Geht nur, geht nur - - Wie sie den Schnabel gegen ihn hinstrekt! - - (Polixenes, Hermione und
Gefolge gehen ab; Leontes, Mamillius und Camillo bleiben.) Wie hurtig sie davongehen - - Zolldik,
Knie-tief - - über Kopf und Ohren gehörnt - - Geh spiele, Junge, spiele - - Deine Mutter spielt, und ich
auch; aber eine so unglükliche Rolle, daß ihre Entwiklung mich ins Grab zischen wird - - Spott und
Hohngelächter wird mein Todten-Geläut seyn. Geh, spiele, Junge, spiele - - Es hat doch von jeher,
oder ich müßte mich sehr irren, immer Hahnreyen gegeben; und wie mancher Mann hält, in diesem
Augenblik da ich diß rede, sein Weib im Arm, der wenig daran denkt, von wem sie in seiner
Abwesenheit - - daß sein nächster Nachbar in seinem Teich gefischt hat, Sir Lächler, sein Nachbar - -
Nun, es ist eine Art von Trost darinn, daß andre Männer auch Thüren haben, und daß diese Thüren, wie
die meinige, wider ihren Willen, aufgehen. Wenn alle verzweifeln wollten, denen ihre Weiber
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ungetreu sind, so müßte sich der zehnte Theil des männlichen Geschlechts aufhängen. Das ist ein
Uebel, wofür kein Mittel in der Natur ist - - Es ist ein gewisser kupplerischer Planet, dessen Wirkung
nicht zu vermeiden ist, wo er einmal die Oberhand hat - - Viele tausende sind mit diesem Uebel
behaftet, und fühlen's nicht - - He, wie geht's, Junge?
Maximillius.
Ich sehe euch so gleich, sagen sie - -
Leontes.
Nun, das ist einiger Trost - - Wie? Ist Camillo hier?
Camillo.
Ja, Gnädigster Herr.
Leontes.
Geh, Mamillius, mach' dich lustig - - Du bist ein ehrlicher Kerl. (Mamillius geht ab.)
Dritte Scene.
Leontes.
Camillo, dieser grosse Matador will noch länger bey uns bleiben.
Camillo.
Ihr hattet viel zu thun, seinen Anker halten zu machen; er hatte immer eine Ausrede - -
Leontes.
Merktest du das?
Camillo.
Er wollte sich durch euer Bitten nicht bewegen lassen zu bleiben; seine Geschäfte schlugen
immer vor.
Leontes.
Hast du das beobachtet - - (vor sich.) Es war ein Gelispel und Gemurmel um mich herum, wie
sie noch hier waren; ich weiß nun was ich bin - - es ist weit gekommen, wenn ich der lezte bin der
es merkt - - Wie kam es denn, Camillo, daß er blieb?
Camillo.
Auf das Anhalten der guten Königin.
Leontes.
Der Königin, das mag seyn - - gut, ist eine andre Frage - - Gut sollte immer so seyn - - Aber sind
noch mehr Leute als du, die das gemerkt haben? Dein Verstand ist von einer feinern Composition
als gewöhnliche Köpfe - - du und einer oder zween, welche weiter sehen als andre, können es
ausfündig gemacht haben - - Die übrigen werden doch vielleicht nichts von der Sache gewahr
worden seyn? Sprich.
Camillo.
Von der Sache, Gnädiger Herr? Ich denke, das kan jedermann gewahr werden, daß der König von
Böhmen länger hier bleibt.
Leontes.
Ha?
Camillo.
Länger hier bleibt.
Leontes.
Ja, aber warum?
Camillo.
Um Euer Majestät, und unsrer gnädigsten Königin zu willen zu seyn.
Leontes.
Um der Königin zu willen zu seyn - - zu willen? Mehr brauch ich nicht - - Höre Camillo; ich habe dir
immer das Innerste meines Herzens anvertraut - - Du bist immer in meinen besondern
Angelegenheiten wie in meinen öffentlichen, mein Beichtiger gewesen; ich habe dich für einen
rechtschaffnen Mann gehalten: Aber nun seh ich, daß ich mich betrogen habe, daß mich der Schein
betrogen hat.
Camillo.
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Das verhüte der Himmel, Gnädiger Herr - -
Leontes.
Nein, du bist kein ehrlicher Mann, oder wenn du ja ehrlich bist, so bist du eine furchtsam
Memme, und das hindert die Ehrlichkeit immer, daß sie den Weg nicht geht den sie gehen sollte:
Du bist also entweder ein Verräther, der sich durch sträfliche Nachlässigkeit meines Vertrauens
unwürdig gemacht hat; oder ein Thor, welcher ruhig zusieht, wie ich betrogen werde, und alles für
blossen Spaß hält.
Camillo.
Mein Gnädigster Oberherr, ich kan nachlässig, thöricht und furchtsam gewesen seyn; das sind
Gebrechen, von deren jedem kein Mensch in der Welt zu allen Zeiten frey bleibt - - Ich bitte Eu.
Majestät deutlicher mit mir zu reden, und mich meinem Verbrechen ins Gesicht sehen zu lassen;
wenn ich es verläugne, so ist es nicht mein.
Leontes.
Hast du nicht gesehen, Camillo, (aber das braucht nur nicht gefragt zu werden, du must es
gesehen haben oder dein Augapfel ist diker als ein Hahnrey's-Horn) oder gehört, (denn bey einer
Sache, die so offenbar in die Augen fällt, kan das Gerücht nicht stumm seyn) oder gedacht, (denn
wer bey solchen Umständen nichts dächte, müßte gar nichts denken können) daß meine Gemahlin mir
ungetreu sey - - Gesteh es wenn du willst - - oder sey unverschämt genug mir abzuläugnen, daß du
Augen, Ohren oder Gedanken habest - - Gesteh es, und sage also, mein Weib sey ein Steken-
Pferd, verdiene einen garstigern Namen, als irgend ein Flachs-Mensch, die sich beschlaffen läßt, eh
sie zu Kirchen und Strassen gegangen ist - - Sag es, und rechtfertige dich.
Camillo.
Wenn ein andrer meine Königliche Gebieterin so lästerte, so würde ich nicht so da stehen, und
zuhören, ohne ihn auf der Stelle zur Rechenschaft zu ziehen - - Gütiger Himmel! was für Reden! Sie
zu wiederholen wäre eine grössere Sünde als was ihr argwohnet, wenn es sich auch so befände.
Leontes.
Ist Flüstern nichts? Ist die Baken an einander anlehnen, ist Nasen-zusammensteken - - mitten im
Lachen mit einem Seufzer innhalten - - ist Fuß auf Fuß sezen - - in Winkel zusammenkriechen - -
wünschen, daß die Gloke schneller, daß Stunden Minuten - - daß der Mittag, Mitternacht, und alle
Augen, ausser den ihrigen, stokblind wären - - ist das nichts? Nun, wenn das nichts ist, so ist die
ganze Welt und alles was drinn ist nichts; so ist dieser umwölbende Himmel nichts; der Böhme
nichts; mein Weib nichts; so ist kein Unterscheid zwischen nichts und etwas, wenn das nichts ist.
Camillo.
Mein Gnädiger Herr, laßt euch in Zeiten von dieser kranken Einbildung heilen; denn sie ist sehr
gefährlich.
Leontes.
Sag, es sey so, denn es ist so.
Camillo.
Nein, nein, Gnädigster Herr.
Leontes.
Du lügst, es ist so; du lügst; ich sage du lügst, Camillo, und ich hasse dich; gesteh, daß du ein
plumper Tölpel, ein gedankenloser Sclave, oder ein wankender Temporisierer bist, der nach Zeit
und Umständen, die nemliche Sache für gut und böse ansehen kan. Wäre meines Weibs Leber so
angestekt, wie ihre Sitten, sie hätte keine Stunde mehr zu leben.
Camillo.
Wer ist dann ihr Verführer?
Leontes.
Kanst du fragen? Wer anders als der, der sie wie eine Medaille um seinen Hals hangen hat - -
der Böhme, der wenn ich Diener hätte, die mir getreu wären, und eben so wohl auf ihren eigenen
Vortheil als auf meine Ehre sähen - - Sie würden sich nicht lange mahnen lassen das zu thun, was
mich allein gegen das was er thut, sicherstellen kan - - Du, sein Mund-Schenke, (du den ich aus
dem niedrigen Stande hervorgezogen, und zu Würde und Ansehen erhoben habe; du, der so gewiß
als der Himmel die Erde und die Erde den Himmel sieht, sehen mußt, wie ich beleidiget werde) du
könntest meinem Feind einen Becher zubereiten, der ihn auf ewig einschläfern und für mich eine
Herzstärkung seyn würde.
Camillo.
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Mein Gnädigster Herr, es ist gewiß, daß ich das könnte, und mit einer Art von langsam-würkendem
Gift, welches zu keinem Argwohn Anlaß geben würde - - Aber ich kan nicht, nein, ich kan nicht
glauben, daß die Königin zu einer so niederträchtigen Verrätherey herabgesunken seyn könne.
Leontes.
Ich liebte dich - - Denke der Sache nach - - Meynst du, daß ich fähig sey aus blosser Laune und
leerem Argwohn mir selbst einen so garstigen Handel zuzuziehen? Die Reinigkeit meines
Ehebettes zu besudeln - - Die Ehre des Prinzen meines Sohnes, zweifelhaft zu machen, den ich für
mein halte, und als mein liebe - - Denkst du daß ich das thun würde, wenn ich nicht die wichtigsten
Gründe vor mir hätte? Welcher Mann könnte sich so weit vergehen?
Camillo.
Ich muß mich überwunden geben, mein Königlicher Herr; ich will es thun - - ich will den König von
Böhmen aus dem Wege schaffen; aber mit dieser Bedingung, daß wenn er fort ist, ihr eure Gemahlin
wieder in eure Liebe aufnehmen, und wenn es auch nur aus Liebe zu euerm Sohne wäre, eben so
halten sollet wie vorher, damit alle Zungen versiegelt, und keine nachtheilige Gerüchte in auswärtige
und befreundete Höfe ausgestreut werden mögen.
Leontes.
Du rathest mir das nemliche, was ich selbst schon bey mir festgesezt hatte; ihre Ehre soll keinen
Fleken bekommen.
Camillo.
So lasset nun mich für alles sorgen, Gnädigster Herr; und nehmet indessen gegen den König und
eure Gemahlin ein so offnes Betragen an, wie die Freundschaft bey einem vertraulichen Gastmahl
zeigt: Ich bin sein Mund-Schenke; wenn ihm der Trank, den ich ihm mischen will, wohl bekommt,
so haltet mich nicht mehr für euern Diener.
Leontes.
Das ist alles was ich will; thu es, so hast du die Hälfte meines Herzens; thu es nicht, so
zersplitterst du dein eignes.
Camillo.
Ich will es thun, Gnädiger Herr.
Leontes.
Und ich mich freundlich stellen, wie du mir gerathen hast. (Er geht ab.)
Camillo (allein.)
Unglükliche Dame! Aber in was für einem Falle befind' ich mich selbst? Ich soll der Vergifter des
rechtschaffnen Polixenes seyn, und was mich dazu bewegen soll, ist der Gehorsam gegen meinen
Herrn; der in der Wuth seiner Leidenschaft haben will, daß alle die ihm angehören, von ihr erfüllt seyn
sollen. Thu ich's, so folgt Beförderung. Aber wenn ich tausend Exempel von solchen, die ihre Hand
an gesalbete Könige gelegt hätten, und glüklich dadurch worden wären, finden könnte, so wollt' ich's
nicht thun - - Nun aber, da weder Erzt, noch Stein, noch Pergament nur eines aufweisen kan, muß
die Ruchlosigkeit selbst eine solche That verschwören! Ich muß nur dem Hof gute Nacht sagen - -
Gehorsam und Ungehorsam würde mir beydes den Hals brechen - - O, was für ein glüklicher Stern
regiert! Hier kommt Polixenes - -
Vierte Scene.
Polixenes bezeugt dem Camillo seine Befremdung über die Veränderung die er an dem König von
Sicilien wahrnehme; er sieht nicht anders aus, (spricht er) als ob er eine Provinz verlohren hätte,
und eine Provinz, die er wie sich selbst geliebt hätte - - Das trokne, verdrießliche und durch einen
sichtbaren Zwang nur wenig bedekte Betragen seines Freundes beunruhigt ihn desto mehr, da er
gewahr worden, daß es ihn angehe, ohne daß er begreiffen kan, warum. Camillo läßt sich eine Weile
bitten, bis er auf des Polixenes dringendes Anhalten, ihm den erhaltnen Auftrag und die Eifersucht
des Königs ohne Umschweiffe entdekt. Der bestürzte Polixenes schwört eine ganze Reihe poetischer
Eidsformeln herab, daß er unschuldig sey: Aber Camillo versichert ihn, daß er mit so vielen Schwüren
als Sterne am Himmel seyen, die einmal gefaßte Meynung aus dem Gehirn des rasenden Leontes
nicht wegschwören könnte. Er schlägt ihm also zu ihrer beyder Rettung vor, daß sie sich, ohne
Abschied zu nehmen, in der nemlichen Nacht heimlich davon machen wollten. Polixenes läßt es sich
gefallen - - ich habe, (sagt er zu Camillo) die Bestätigung dessen was du mir entdekt hast, in seinen
Augen gesehen - - Seine Eifersucht hat eine höchst liebenswürdige Creatur zum Gegenstand; so
vortreflich diese ist, so groß muß jene seyn; da er Macht hat, so ist natürlich, daß er auf Rache bedacht
ist; und da er sich gerade vor dem Mann, der sich jederzeit für seinen besten Freund ausgegeben
hat, beleidigt hält, so muß dieser Umstand seine Rache um so viel bittrer machen - - Polixenes
macht aus diesen Prämissen den Schluß, daß er alle Ursache habe, sich in der äussersten Gefahr zu
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glauben. Er verspricht dem Camillo, daß er ihn als einen Vater ehren wolle, wenn er ihn lebendig
von Palermo wegbringen werde. Zu gutem Glüke liegen die Schiffe des Königs zur Abreise bereit,
und Camillo hat, seines Hof-Amts wegen, über alle Schlüssel zu disponieren. Weil sie nun keine Zeit
zu verliehren haben, so gehen sie ab.