Dieser Filtervorgang verleiht dem Bier die klare Farbe.
In cellulose Schichten werden trübende Partikel aufgefangen.
Technische Hilfsstoffe wie das Mineral Kieselgur oder der Kunststoff PVPP perfektionieren den Vorgang.
Das Ergebnis ist die goldklare Farbe, die sich auch nach monatelanger Lagerung nicht verändert.
Im alten Reinheitsgebot von 1516 ist von so ausgefeilter Technik natürlich noch nicht die Rede.
Allerdings sind im fertigen Bier dann weder Kieselgur noch PVPP enthalten.
Die kleinen Helfer werden nach ihrem Einsatz herausgefiltert.
Modernes Bier ist ein Hightech-Produkt, das dank der Ergänzungen des alten Reinheitsgebots viel länger
haltbar ist als vor 500 Jahren und deshalb auch rund um den Globus verkauft werden kann.
Für Werbezwecke eignet sich die Tradition von 1516 noch immer prima.
Aber für gewinnorientierte Großunternehmen ist mehr Romantik als Realität.
Tatsächlich kann mit unserem Bier, ob einheimisch oder importiert, noch viel mehr geschehen sein als
nur die raffinierte Filterung.
Gesetzlich ist das alles legal.
Mit dem Reinheitsgebot von 1516 aber hat das nichts mehr zu tun.
Zuckerkulör z.B.
Das ist ein Stoff, der ist bei mir in der Küche verpönt.
Um Geschmacks-, Geruchs- und Farbverbesserungen vorzunehmen.
Algenmehl, das ist schon verwunderlich.
Hat ein bisschen Anschein, als ob wir da bedruckt werden sollen.
Das Reinheitsgebot ist für die deutsche Bierindustrie trotz allem nützlich, nämlich als Abwehrargument
gegen den Import vermeintlichen Chemiebiers aus dem Ausland.
Dabei kommen auch im Inland allerlei Helfer zum Einsatz.
Sebastian Lege zeigt uns, was längst Alltag ist.
Unser deutsches Bier nach deutschem Reinheitsgebot mit Hopfen, Hefe, Malz und Wasser und vieler
kleiner Helferlein.
Einer unserer kleinen Helferlein ist Freund Zucker.
Zucker nimmt man nicht nur zum Süßen, sondern auch zum Färben.
Kennt jeder aus der berühmten schwarzen Limonade.
Aber auch viele andere Lebensmittel werden eingefärbt.
Und das meistens mit Zuckerkulör.
Und den werden wir jetzt herstellen.
Für Zuckerkulör braucht man nur handelsüblichen Zucker und das Natron als Bräunungsbeschleuniger.
Dazu kommt noch Essig.
Essig reguliert die Süße und hebt die Farbe.
Nach wenigen Minuten entsteht ein dunkles Konzentrat.
Ein paar Tropfen reichen, um einen ganzen Liter Bier zu färben.
Es riecht nach Essig.
Aber unsere Farbe ist schon dunkel.