Block B
Block B
Lê Xuân Giao
Block B: Satzglieder
Ziel: - Ein Satz ist mehr als eine Aneinandereihung von Wörtern. Die einzelnen Wörter des Satzes
beziehen sich unterschiedlich eng aufeinander – teils sehr direkt, teils nur indirekt oder gar
nicht. Vor allem bei engerem Bezug bilden sie oft Gruppen, wobei kleinere Gruppen in
größeren enthalten sein können.
→ Ziel der Satzgliedlehre ist es, die wichtigsten Beziehungen im Satz und die damit
zusammenhängende Bildung von Wortgruppen zu erfassen.
Ein Satz ist eine Einheit, die aus einem finiten Verb und allen vom Verb verlangten
Satzgliedern besteht.
-Beispiel:
(1) Finites Verb: fragte
Dieses Verb verlangt drei Satzglieder (= drei Ergänzungen, siehe dazu B 3.1):
(2) Satzglied 1: eine handelnde Person, welche die Handlung des Fragens durchführte,
z.B. [Anna]
Satzglied 2: eine Person, welche die Frage entgegennimmt,
z.B. [den Verkäufer]
Satzglied 3: einen betroffenen Sachverhalt, wonach gefragt wurde,
z.B. [nach schnelleren Geräten]
Das ergibt folgenden Satz:
(3) Satz: [Anna] fragte [den Verkäufer] [nach schnelleren Geräten].
Darüber hinaus kann der Satz zusätzliche Satzglieder (= Angaben, siehe dazu B 3.1) enthalten:
(4) Zusätzliches Satzglied: Temporaladverbiale (siehe dazu B 3.3),
z.B. [vorher]
Nun entsteht ein größerer Satz:
(5) Satz: [Anna] fragte [den Verkäufer] [vorher] [nach schnelleren Geräten].
-Das wichtigste Bestandteil eines Satzes ist das Prädikat. Die übrigen Bestandteile, die der Satz
neben dem Prädikat noch enthält, lassen sich nach unterschiedlichen Gesichtspunkten näher
betrachten, siehe Duden-Grammatik (2005: § 1168):
Perspektive Bestandteile
Valenz Ergänzung, Angabe
Verschiebbarkeit Satzglied, Gliedteil
Funktion (Semantik) Aktant (Subjekt, Objekt), Adverbiale, Prädikativ
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Dieses Material ist in Anlehnung an dem von Prof. Dr. Peter Gallmann erstellt.
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B 2 Prädikat
Duden-Grammatik (2005: §§ 1309–1312)
(i) Der Begriff Prädikat stammt aus dem lateinischen Verb praedicare:
(6) - prae = vor praedicare = etw. bekannt machen, schon vorher
- dicare = sagen etw. über etw. sagen
Prädikat bezeichnet in der Grammatik das Satzglied, welches das Subjekt bekannt macht (=
welches eine Aussage übers Subjekt macht).
Das Teil in einem Satz, welches das Subjekt bekannt macht (- welches Aussage übers
Nur wenn man die Bedeutung des Verbs kennt, kann man
Was ist nun dieses Satzglied?
(ii) Wie oben schon deutlich geworden ist, wird die Gesamtbedeutung und der innere Bau (= die
innere Grundstruktur) des Satzes weitgehend vom Verb bestimmt. Ein weiteres Beispiel:
(7) [Anna] öffnete [vorsichtig] [die Tür].
Wer die Bedeutung des Verbs öffnen kennt, weiß auch, dass die damit bezeichnete Tätigkeit eine
handelnde Person und eine betroffene Sache mit einschließt:
(8) öffnen
→ handelnde Person
→ betroffene Sache
Tatsächlich enthält der Satz zwei passende Ergänzungen, nämlich die Nominalphrasen [Anna] und
[die Tür]. Das dritte Satzglied, [vorsichtig], ist eine Angabe, die die Bedeutung des Verbs
modifiziert. An diesem Beispiel sollte deutlich geworden sein: Nur wenn man die Bedeutung des
Verbs kennt, kann man die übrigen Bestandteile des Satzes richtig interpretieren. Das Verb bildet so
inhaltlich den Kern des Satzes – es erfüllt die Funktion des Prädikats.
Aus (i) und (ii) kann man Folgendes herausschließen:
Das Prädikat eines Satzes besteht nämlich mindestens aus dem finiten Verb, welches die
Grundstruktur dieses Satzes sowohl syntaktisch als auch semantisch voranlegt.
(iii) Im oben diskutierten Beispielsatz besteht das Prädikat aus einer einzigen Verbform. Man spricht
in solchen Fällen auch von einem einfachen Prädikat. Es gibt aber auch mehrteilige Prädikate:
– Ein Prädikat kann aus mehreren Verben bestehen:
(9) a. Anna hat vorsichtig die Tür geöffnet.
b. Die Diebe scheinen vom Nachtwächter überrascht worden zu sein.
– Außerdem können Bestandteile, die anderen Wortarten angehören, unterschiedlich eng
ins Prädikat integriert werden:
(10) a. Anna schließt die Tür auf.
b. Wir tragen Ihren Bedenken Rechnung.
Frage:
-Warum ist das Prädikat im Beispiel (9) a. nicht „hat“ oder „geöffnet“ allein, sondern
„hat ... geöffnet“?
-Warum ist das Prädikat im Beispiel (10) b. nicht „tragen“ allein, sondern „tragen ...
Rechnung“?
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B 3 Die übrigen Bestandteile des Satzes aus der Perspektive der ...
B 3.1 ... Valenz: Ergänzungen vs. Angaben
Duden-Grammatik (2005: §§ 1179–1182)
B 3.1.1 Valenz
(i) Wie schon oben angesprochen, bestimmt das Verb (bzw. das Prädikat) den Satz syntaktisch und
semantisch. Ein weiteres Beispiel:
(11) [Anna] stellte [rasch] [eine Kerze] [auf den Tisch].
Dieser Satz enthält vier Satzglieder; alle beziehen sich auf das Verb. Mann sagt dann, dass sie von
diesem Verb abhängig sind.
• Bei dreien der Satzglieder, d.h. bei [Anna], [eine Kerze] und [auf den Tisch], ist das
besonders offensichtlich: Sie sind in der Bedeutung des Verbs schon vorangelegt. Das heißt,
die Semantik von stellte schließt ein, dass eine handelnde Person, eine betroffene Sache und
ein räumlisches Ziel existieren. Es handelt sich um Ergänzungen.
• Hingegen ist [rasch] keine im Verb vorangelegte Ergänzung, sondern eine Angabe; [rasch]
modifiziert die von stellte ausgedrückte Handlung.
stellte
Weitere Beispiele:
(12) [Frau Weber] kennt [als Verkäuferin] [verständlicherweise] [viele Leute].
→ Ergänzungen: [Frau Weber], [viele Leute]
Angaben: [als Verkäuferin], [verständlicherweise]
(13) [Glücklicherweise] konnte [die Zeugin] [den Vorfall] [genau] beobachten.
→ Ergänzungen: [die Zeugin], [den Vorfall]
Angaben: [Glücklicherweise], [genau]
(ii) Wenn ein Wort die Eigenschaft hat, Ergänzungen zu verlangen, spricht man auch von seiner
Valenz. „Valenz“ bedeutet „Wertigkeit“; entsprechend bezeichnet man Wörter, die eine, zwei oder
drei Ergänzungen verlangen, als ein-, zwei- bzw. dreiwertig:
(14) Das Verb stellte im Beispiel (11) ist dreiwertig.
Das Verb kennt im Beispiel (12) ist zweiwertig.
Das Verb beobachten im Beispiel (13) ist zweiwertig.
Aufgabe: Wie viele Ergänzungen verlangen folgende Verben:
wohnen:
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geben:
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(iii) Wenn ein Wort Valenz hat, bestimmt es nicht nur die Anzahl der von ihm verlangten
Ergängzungen, sondern weist diesen auch weitere Eigenschaften zu:
-Auf der semantischen Ebene vergibt es seinen Ergänzungen semantische Rollen (siehe dazu
B 3.3.1):
handelnde Person betroffene Sache
Aufgabe: Suchen Sie andere Verben, die auch eine fakultative Ergänzung verlangen wie
„büglen“, und geben Sie dafür Beispiele.
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Ein Satzglied ist eine Einheit des Satzes, die allein die Position vor dem finiten Verb besetzen
kann.
Bei den Satzgliedern, die ins Vorfeld gestellt werden können, handelt es sich typischerweise um die
Ergänzungen und Angaben des Verbs bzw. des Prädikats. Die Verschiebeprobe zeigt, dass es sich
bei den drei Phrasen, die im folgenden Beispielsatz mit eckigen Klammern markiert sind, tatsächlich
um Satzglieder handelt:
(24) [Die Polizei] hat [der Zeitung] [die Beschreibung des Täters] zugeschickt.
(iii) Kein Satzglied ist die Phrase [des Täters] – sie kann nicht allein umgestellt werden, sondern nur
als Bestandteil des Satzglieds [die Beschreibung des Täters]:
(25) *[Des Täters] hat die Polizei der Zeitung die Beschreibung zugeschickt.
Phrasen wie [des Täters] bezeichnet man als Gliedteile:
Ein Gliedteil ist eine Phrase, die in ein Satzglied eingebettet ist.
Gliedteile können nur zusammen mit ihrem Satzglied verschoben werden. Man kann die Einbettung
des Gliedteils grafisch sichtbar machen, wenn man sowohl das Satzglied als auch das Gliedteil mit
eckigen Klammern einschließt:
26) [Die Beschreibung [des Täters] ] hat [die Polizei] [der Zeitung] zugeschickt.
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Beschreibung Beispiele
+ Aktant [Der Sturm] beunruhigte den Kapitän.
+ Nominalphrase [Der Pfeifton] störte mich.
+ Nominativ
= Subjekt (Subjektsnominativ)
+ Aktant Der Sturm beunruhigte [den Kapitän].
+ Nominalphrase Ich bemerkte [seine grimmige Miene].
+ Akkusativ Anna war [den starken Straßenlärm] noch nicht gewohnt.
= Akkusativobjekt
+ Aktant Der Polizist konnte [dem Touristen] den Weg zeigen.
+ Nominalphrase Die aufziehenden Wolken gefielen [dem Kapitän] gar nicht.
+ Dativ Der Akazienweg war [dem Taxifahrer] nicht bekannt.
= Dativobjekt [Dem Bergsteiger] wurde schwindlig.
+ Aktant Otto bediente sich [eines Tricks].
+ Nominalphrase Die Anwohner waren [des Straßenlärms] überdrüssig.
+ Genitiv
= Genitivobjekt
+ Aktant Der Kapitän rechnete [mit einem starken Sturm].
+ Präpositionalphrase Susanne erinnerte mich [an den Termin].
= Präpositionalobjekt Das Medikament verhalf ihr [zu einem schmerzfreien Leben]
Beschreibung Beispiele
+Adverbiale Die Katze schlief [den ganzen Nachmittag].
+ Nominalphrase Anna rannte [vier Kilometer].
+ Akkusativ Das Buch kostet [zehn Euro].
= adverbialer Akkusativ Es war [dreißig Grad] warm.
+Adverbiale Sie betrat [eiligen Schrittes] den Raum.
+ Nominalphrase [Eines Tages] wissen wir es genauer.
+ Genitiv Das stimmt [unseres Erachtens] nicht.
= adverbialer Genitiv Manuela war [guter Laune].
+ Adverbiale Das Pferd sprang [schräg] über das Hindernis.
+ Adjektivphrase Das Pferd wieherte [laut].
= adverbiale Adjektivphrase Der Agent verhielt sich [unauffällig].
+ Adverbiale Anna schwimmt [sehr gern] [draußen].
+ Adverbphrase Wir werden uns [vielleicht] [morgen] sehen.
= adverbiale Adverbphrase Anja konnte [krankheitshalber] [nicht] kommen.
+ Adverbiale Das Buch lag [auf dem Tisch].
+ Präpositionalphrase Ich schrieb [mit dem Bleistift].
= adverbiale Präpositionalphrase Die kalte Luft kam [von oben].
+ Adverbiale Uta verhielt sich [wie eine Dompteuse].
+ Konjunktionalphrase Mark rannte schneller [als Felix].
= adverbiale Konjunktionalphrase
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Beschreibung Beispiele
+ Prädikativ Otto ist [ein bekannter Schauspieler].
+ Nominalphrase Katja will [Gymnasiallehrerin] werden.
+ Nominativ Thailand wurde früher [Siam] genannt.
= prädikativer Nominativ
+ Prädikativ Der Torwart schimpfte den Schiedsrichter [einen Trottel].
+ Nominalphrase Die Eltern tauften ihre Tochter [Xenia Xandra].
+ Akkusativ
= prädikativer Akkusativ
+ Prädikativ Der Ball ist [rund].
+ Adjektivphrase Der Torwart ist [verletzt].
= prädikative Adjektivphrase Otto findet das Theaterstück [provozierend].
+ Prädikativ Alle unsere Mühen waren [umsonst].
+ Adverbphrase Die Kinder sind [barfuß].
= prädikative Adverbphrase
+ Prädikativ Das Flüsschen wurde [zu einem reißenden Strom].
+ Präpositionalphrase Das Hündchen verwandelte sich [in einen bissigen Wolf].
= prädikative Präpositionalphrase Der Psychiater hält den Patienten [für völlig normal].
+ Prädikativ Dieser Zettel dient mir [als Buchzeichen].
+ Konjunktionalphrase Ich verwende diesen Zettel [als Buchzeichen].
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= prädikative Konjunktionalphrase Der Aufstieg auf den Mount Dooden gilt [als schwierig].
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