Rymdkapsel ist ein minimalistisches Echtzeitstrategiespiel des schwedischen Indie-
Entwicklers Grapefrukt, das 2013 veröffentlicht wurde. In dem Computerspiel baut
und verwaltet der Spieler eine Raumstation aus Tetromino-Steinen. Die Besatzung der
Station muss Angriffe abwehren und die Basis in Richtung von vier Monolithen an den
Spielfeldrändern ausweiten, um diese vier Gesteinsblöcke zu erforschen.
Die Entwicklung von Rymdkapsel dauerte anderthalb Jahre und wurde von den
Aufbauaspekten der Reihe Command & Conquer inspiriert. Als erstes selbst
veröffentlichtes Computerspiel von Martin Jonasson erschien der Titel am 7. Mai
2013 für PlayStation Mobile und wurde später auf iOS, Android, Windows, Mac OS und
Linux portiert. Das Spiel erhielt im Allgemeinen positive Kritiken, die das
einfache Spielprinzip und die Herausforderung lobten. Gleichzeitig wurden die kurze
Spieldauer und der träge Spielstart kritisiert.
Spielprinzip
Screenshots von Rymdkapsel
Der Spieler setzt einfarbige, tetrominoförmige Böden, die Räume darstellen, auf
einer flachen Ebene zu einer Raumstation zusammen. Als kleine, weiße Rechtecke
dargestellte Arbeiter transportieren Materialien zum Bau zusätzlicher Räume und
Nahrung zur Ausbildung neuer Arbeiter. Zwischendurch müssen die Arbeiter die Basis
gegen Angreifer verteidigen, die in Wellen mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad und
immer kürzeren Abständen am Spielfeldrand auftauchen. Die Verteidigung wird
gegenüber dem Aufbau der Basis im Spielverlauf immer wichtiger.
Der Spieler kann seine Arbeiter vier Monolithen an den Spielfeldrändern erforschen
lassen, um zusätzliche Schilde, Geschwindigkeits- und Generator-Verbesserungen zu
erhalten. Jeder der durch braune Korridore verbundenen Räume erfüllt einen Zweck:
Er baut Mineralien ab (rosa), baut Nahrung an (grün), bereitet diese zu (gelb),
beherbergt Arbeiter (orange), erzeugt Energie (türkis) oder dient der Abwehr
(blau). Das Ziel des Spiels besteht darin, alle vier Monolithen innerhalb von 45
Minuten zu untersuchen und 28 Gegnerwellen zu überleben. Eine Erzählung über das
Spielgeschehen hinaus gibt es nicht.[1][2] Ein nachträglich ergänzter „Plus“-Modus
bietet eine zusätzliche Herausforderung aus mehr und stärkeren Gegnern sowie
anderen Boni für das Erforschen der Monolithen. Im „Zen“-Modus bleiben Angriffe
aus.[3]
Entwicklung
Entwickler Martin Jonasson
Martin Jonasson startete die Entwicklung von Rymdkapsel im Jahr 2012. Über
anderthalb Jahre, in denen er Funktionen überarbeitete und wieder entfernte, nahm
das Spiel Gestalt an. Rymdkapsel wurde in Haxe geschrieben, einer ActionScript 3
ähnlichen Programmiersprache, die es Jonasson ermöglichte, dieselbe Codebasis für
iOS-, Android- und PC-Versionen zu verwenden. Er verwendete die Sprache bereits
seit mehreren Jahren und entwickelte seit 20 Jahren Spiele, hauptsächlich mit Adobe
Flash. Im Jahr 2010 gab Jonasson seine Anstellung als Webentwickler auf, um
unabhängig zu werden, Rymdkapsel war sein „erstes Vollzeitspiel“.[4] Der Name des
Spiels ist das schwedische Wort für Raumkapsel, den Jonasson wegen seiner
Einzigartigkeit und der fremdländischen Anklänge wählte, auch wenn der Name in
anderen Sprachen schwierig und das Spiel im App Store dadurch schlechter auffindbar
sein könnte.[1][4]
Jonasson begann mit der Produktion nach der Game Developers Conference 2012 als
einwöchige Ablenkung von einem anderen Projekt. Das Spiel rund um eine Raumstation
sollte widerspiegeln, was ihm an Echtzeitstrategiespielen am meisten Freude
bereitet. Seine erste Idee drehte sich um eine Raumstation mit einem Riss in der
Hülle, durch den die Insassen der Station ins Weltall gelangen. Nachdem er einen
Tag lang mit dem Ausprobieren der Funktion verbracht hatte, die Station aus
Tetromino-Steinen aufzubauen, verwarf er das Szenario einer beschädigten Hülle am
Ende der Prototyping-Phase. Er ergänzte drei verschiedene Ressourcen für den Bau
von Räumen und als letztes Element das der Verteidigung der Station. Die Arbeiter
behielten ihr ursprüngliches Design kleiner, weißer Rechtecke. Der minimalistische
Stil zieht sich durch das ganze Werk. Auch die künstliche Intelligenz sei
„absichtlich ein bisschen dumm“ gehalten, weil Jonasson ihr Verhalten als
liebenswert empfand. Alle Funktionen, die Jonasson als unwesentlich erachtete,
entfernte er wieder.[1][4]
Während des Entwicklungsprozesses diente der Film 2001: Odyssee im Weltraum als
Inspiration, dem auch das Design der Monolithen entlehnt ist. Jonasson schaltete
den Film immer dann ein, wenn er bei der Gestaltung des Spiels steckenblieb.
Inspirationsquelle für die Spielmechaniken war der Echtzeitstrategie-Klassiker
Command & Conquer, in dem Jonasson zwar gerne seine Basis verwaltet, sich jedoch
weniger gern den militärischen Aspekten widmet. Rymdkapsel wurde als Spiel mit
ansteigendem Schwierigkeitsgrad konzipiert, das etwa 45 Minuten dauert. Das
Erreichen aller vier Monolithen an den Spielfeldrändern in dieser Zeit zwingt den
Spieler, seine Basis nach außen hin auszudehnen, anstatt sie klein zu halten,
wodurch sie einfacher zu verteidigen wäre. Die zwei Spielkarten wurden von Hand
erstellt und auf den gewollten Schwierigkeitsgrad abgestimmt, weshalb Jonasson dem
Wunsch von Spielern, sie bei jedem Spieldurchlauf zu randomisieren, nicht nachkam.
Niklas Ström hat den Soundtrack komponiert.[5]
Das Spiel wurde am 7. Mai 2013 für PlayStation Vita und PlayStation Mobile
veröffentlicht.[6] Es kann über die PlayStation-Mobile-App auf Android gespielt
werden. Die Veröffentlichung der iOS- und Android-Versionen erfolgte am 25. Juli
2013, während die Windows-, Mac-OS- und Linux-Versionen am 30. Januar 2014
erschienen. Im Rahmen einer Werbeaktion von Sony während der E3 2013 war das Spiel
als Preis für das Abschließen bestimmter Aufgaben in PlayStation Home erhältlich.
[7]
Rezeption
Metawertungen
Datenbank Wertung
Metacritic iOS: 86/100[8]
PC: 77/100[8]
Vita: 75/100[8]
Wertungsspiegel
Publikation Wertung
4Players 71 %[9]
Eurogamer 8/10[10]
Game Informer 6,75/10[11]
IGN 7,5/10[12]
TouchArcade SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol[13]
Laut Metacritic erhielt das Spiel „allgemein positive“ Bewertungen.[8] Kritiker
verglichen das Gameplay von Rymdkapsel mit Tetris[1][5] und SimCity.[14] Kotaku und
The New York Times lobten den einfachen visuellen Stil, der zeige, „wie wenig wir
eigentlich sehen müssen, um ein Spiel zu spielen“. Die simplen Formen und Symbole
rücken das Gameplay in den Vordergrund und ließen andere Echtzeit-Strategiespiele
wie StarCraft oder Company of Heroes „unnötig ausgeschmückt“ erscheinen.[15][5]
„Aus den farbigen Flächen entstehen in meinem Kopf lebendigere Welten, als
detaillierte Grafik sie jemals schaffen könnte“, schrieb Der Spiegel.[2] Bis zum 2.
Dezember 2013 wurde das Spiel 200.000 Mal verkauft, was größtenteils auf die
Aufnahme in ein Humble Bundle zurückzuführen ist.[16]
Laut IGN geht das Spiel trotz seines „wunderschönen“ Stils zu viele Kompromisse
zugunsten des Minimalismus ein. Der Spieler habe das Gefühl, nie die volle
Kontrolle über seine Basis zu haben.[12] Laut Eurogamer ist Rymdkapsel nicht nur in
der Aufmachung minimalistisch, sondern gleichzeitig ein Spiel über Minimalismus mit
dem eigentlichen Ziel, durch die richtige Kombination der Elemente „das Spiel immer
weniger zu spielen“.[10] TouchArcade beschrieb Balance und Tempo des Spiels als
perfekt und vergab die volle Punktzahl. Rymdkapsel sei wie gemacht für iOS.[13]
Game Informer kritisierte die reduzierten Funktionen des Spiels, die es zu einer
„kreativen“ Idee machten, die aber wegen fehlenden „Feinschliffs“ wenig
Aufmerksamkeit errege.[11] The Verge lobte den Soundtrack als „minimalistische
Leistung“.[1] Wired hob die sowohl für ein Mobile Game als auch ein
Echtzeitstrategiespiel ungewöhnlich kurze Spieldauer hervor. Das Spiel sei nach
rund drei Stunden durchgespielt und biete auch durch eine zähe Anfangsphase[17]
wenig Wiederspielwert. Rymdkapsel sei in dieser Hinsicht jedoch eine angenehme
Abwechslung und kein „Wegwerfspiel“, sondern vielmehr eine unterhaltsame Lektion im
effizienten Umgang mit Ressourcen, einschließlich der Zeit des Spielers.[18]
Im Rahmen des Independent Games Festival wurde Rymdkapsel 2013 bei der
Preisverleihung als „Ehrende Erwähnung“ in der Kategorie „Hervorragendes Design“
aufgeführt.[19] Bei der von Rock Paper Shotgun ausgetragenen Veranstaltung Rezzed
wurde Rymdkapsel 2013 in die kuratierte „Leftfield Collection“ aufgenommen.[20]
Rymdkapsel war zudem für die Auszeichnung „Nordic Indie Sensation Award 2013“ bei
der Entwickler-Konferenz Nordic Game 2013 nominiert.[21]
Die Rezeption seines ersten Titels ließ Martin Jonasson im Januar 2016 mit twofold
inc. ein Puzzle-Spiel ähnlichen Grafikstils für Android und iOS veröffentlichen.
[22]