Barock (1600–1720):
Historischer Hintergrund:
Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) prägt den Barock stark. Er begann als religiöser
Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten, entwickelte sich zu einem Machtkampf in
Europa und führte zu Zerstörung und sozialem Verfall im Deutschen Reich. Landesherren
nutzen die Nachkriegszeit, um ihre Macht auszubauen und absolutistisch zu regieren, wie
Ludwig XIV. in Frankreich. Prunkvolle Bauten und ein luxuriöser Lebensstil symbolisieren
Macht – auch die katholische Kirche zeigt sich mit prunkvollen Kirchen. Im Süden (heutiges
Österreich) kommen die Menschen zusätzlich unter die Folgen der Türkenkriege.
Weltbild und Lebensgefühl:
Das Barockleben ist geprägt von Gegensätzen: Krieg und Tod stehen neben Prunk und
Genuss. Die Menschen erleben eine Zerrissenheit zwischen Lebensfreude und der
Vergänglichkeit des Irdischen, zwischen Glauben und Lebenslust. Rationalismus und
Naturwissenschaften gewinnen an Bedeutung, stehen aber nicht im Gegensatz zum
christlichen Weltbild, das die gesellschaftliche Ordnung und Fürstenherrschaft als göttlich
legitimiert sieht. Diese Harmonie spiegelt sich auch in der Literatur wider.
Sprachgesellschaften:
Im Barock entstehen Sprachgesellschaften, die die deutsche Sprache pflegen und von fremden
Einflüssen befreien wollen. Sie schaffen neue Begriffe (z.B. „Tagesleuchte“ für Fenster) und
fördern Einheit in Grammatik und Rechtschreibung (z.B. Großschreibung von Nomen). Ziel
ist es, ein deutsches Nationalbewusstsein zu stärken. Die wichtigste dieser Gesellschaften ist
die „Fruchtbringende Gesellschaft“, in der viele Barockdichter Mitglied sind.
Dichtung als Lehr- und Lernkunst:
Dichtung wird als regelgebunden verstanden. Martin Opitz verfasst mit dem „Buch von der
Deutschen Poeterey“ die bedeutendste Poetikkunst des Barock. Er führt metrische Regeln ein,
bevorzugt das alternierende Versmaß (Hebung und Senkung) und schlägt den Alexandriner
als Hauptversform vor. Originalität steht nicht im Vordergrund, sondern die Beherrschung
vorgegebener Motive und Formen.