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Small Talk

Small Talk ist eine Form der Kommunikation, die oft als oberflächlich und banal angesehen wird, jedoch eine wichtige soziale Funktion erfüllt, indem sie Beziehungen aufbaut und das Gespräch strukturiert. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Small Talk das Verständnis der Persönlichkeit des Gesprächspartners verbessert und in verschiedenen Kontexten, wie am Arbeitsplatz oder in der Medizin, eine entscheidende Rolle spielt. Die Fähigkeit, Small Talk zu führen, variiert kulturell und kann trainiert werden, um die Kommunikation zu verbessern und soziale Bindungen zu stärken.

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Small Talk

Small Talk ist eine Form der Kommunikation, die oft als oberflächlich und banal angesehen wird, jedoch eine wichtige soziale Funktion erfüllt, indem sie Beziehungen aufbaut und das Gespräch strukturiert. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Small Talk das Verständnis der Persönlichkeit des Gesprächspartners verbessert und in verschiedenen Kontexten, wie am Arbeitsplatz oder in der Medizin, eine entscheidende Rolle spielt. Die Fähigkeit, Small Talk zu führen, variiert kulturell und kann trainiert werden, um die Kommunikation zu verbessern und soziale Bindungen zu stärken.

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Small Talk nervt – wenn er schlecht geführt wird

und weil er schwer zu meistern ist. Dabei vermag er mit wenig Inhalt viel zu bewirken. Ein
Aufstieg in die Höhen der scheinbaren Belanglosigkeit.

Von Eliana Berger


Aus ZEIT Wissen Nr. 04/202510. Juli 2025, 16:35 Uhr

Im Fahrstuhl – guter Small Talk ist gar nicht so einfach zu meistern.


© noa-mar/plainpicture

Manches Wissen wächst in verdammt hohen Gebieten. Trotzdem sollte man sich hin und
wieder dorthin aufmachen, auch wenn es richtig anstrengend wird. Willkommen auf dem
Pfad der kleinen Gespräche.

Basislager

Gehen Sie erst los, wenn Sie die folgenden Grundlagen in Ihren Rucksack gepackt haben
Ein Reisebüro in der walisischen Hauptstadt Cardiff. Eine Kundin tritt ein. Das Wetter ist
furchtbar. "Oh je, oh je, was für ein Tag!" Angestellte: "Schrecklich, nicht wahr!" Kundin: "So
ist es. Mein Name ist Veronica Taylor, und ich möchte meine Tickets abholen." Angestellte:
"Alles klar, dann schauen wir mal. Freuen Sie sich auf die Reise?" Kundin: "Oh Gott, ja, ich
überlege, was ich einpacken soll. Wenn man so ein Wetter hat, schreckt das einen ab." (sie
lacht) Angestellte: "Es ist schrecklich, nicht wahr? Ich denke, man braucht einen Koffer für
die Sommersachen und einen für die Wintersachen." Kundin: "Oh je." Angestellte: "Das wäre
wahrscheinlich das Beste. Sie müssten hier unten einmal unterschreiben."
Dieser Dialog fand Eingang in die Forschungsliteratur. Eine walisische Sprachlinguistin hat ihn
in den Neunzigerjahren aufgezeichnet und analysiert. Nicht weil sein Inhalt so faszinierend
wäre. Ganz im Gegenteil: weil er so unbedeutend ist.
Small Talk ist wohl die einzige Form des Gesprächs, bei der wir mit Absicht über Belangloses
sprechen. Er ist per definitionem oberflächlich und unverfänglich, wohlwollend und
konfrontationsarm. Oft führen wir ihn mit Menschen, die wir kaum kennen und auch nicht
besser kennenlernen werden: beim Friseur und an der Supermarktkasse, auf
Firmenveranstaltungen und Partys. Er ist nicht dazu gedacht, Abende zu füllen, sondern
Pausen. Ein britischer Sozialpsychologe umriss seine Funktion einst als "reden, um andere
Probleme zu vermeiden".

Linguisten bezeichneten Small Talk lange Zeit als langweilig, banal und leer. Erst in den
2000er-Jahren näherte sich ihm die Wissenschaft aus einem neuen Blickwinkel. Denn mit
Small Talk ist es wie mit einem kristallklaren Bergsee: Wer im Tal über ihn spricht, kann seine
Faszination nicht greifen. Man muss erst zu ihm hinaufwandern, damit sich sein eigentlicher
Reiz offenbart.

Heute weiß die Wissenschaft: Nach nur vier Minuten Small Talk können wir die
Persönlichkeit unseres Gegenübers besser einschätzen und sind eher bereit, miteinander zu
kooperieren. Wir nutzen Small Talk, um subtil Macht auszuüben und Gespräche zu
strukturieren. Er kann den Behandlungserfolg beim Arzt beeinflussen. Und selbst Gespräche
über das Wetter erfüllen unterschiedliche Funktionen, wie der Dialog im walisischen
Reisebüro zeigt: Sie können Nähe herstellen oder Geschäftsinteressen dienen. Nur eins sei
der Small Talk fast nie: unbedeutend.

Auf dieser Expedition begleiten uns Soziologen und Linguistinnen, Friedensverhandler,


Geschäftsleute. Wir werden sie brauchen. Denn guter Small Talk ist gar nicht so einfach zu
meistern.

Erster Anstieg
Los geht’s! Auf leichten Anhöhen begegnen Sie Erkenntnissen, die Sie ins Schwitzen bringen
können.
Ein Handelsunternehmen in Neuseeland. Am Ende eines Meetings geht die Chefin auf ihre
schwangere Mitarbeiterin zu: "Wie geht es dem Baby?" Mitarbeiterin: "Gut, aber: Es ist
immer noch nur ein Baby." Chefin: "Richtig, noch kein Junge oder Mädchen ..."
Mitarbeiterin: "Nein, kann man noch nicht sagen. Seine Beine sind überkreuzt." Sie plaudern
weiter. Dann sagt die Chefin: "Hey, du hoffst, dass du noch arbeiten wirst bis ..."
Mitarbeiterin: "Mein Plan ist es, bis Ende Mai Vollzeit zu arbeiten." Chefin: "Verstehe."
Die offensichtliche Funktion von Small Talk ist die eines sozialen Klebstoffs. Am Arbeitsplatz
stärkt Small Talk den Zusammenhalt von Kolleginnen und Kollegen, prägt das Arbeitsklima.
"Doch wir nutzen ihn zum Beispiel auch, um kniffelige Fragen und Wünsche zu verpacken",
sagt die Linguistin Meredith Marra, die den Baby-Dialog in einer Forschungsarbeit analysiert
hat. Marra leitet das Projekt Language in the Workplace an der Victoria University of
Wellington in Neuseeland. "Die Elternzeit war das Thema, auf das die Chefin hinauswollte",
sagt sie. "Aber hätte sie gleich zu Beginn des Gesprächs danach gefragt, hätte das übergriffig
gewirkt – als wolle sie ihre Mitarbeiterin loswerden." Stattdessen habe die Chefin durch den
Small Talk zunächst Respekt und Wertschätzung ausdrücken wollen. "Ich sage den Leuten
immer: Nehmt euch vor Small Talk in Acht. Es könnte eine schwierige Frage auf euch
zukommen."
Am Arbeitsplatz ist Small Talk der kleine Bruder des Business-Talk. Er findet traditionell im
Grenzbereich von Kommunikation statt: markiert Beginn und Ende von Arbeitstagen und
Besprechungen; überbrückt Wartezeiten und Kaffeepausen. Üblicherweise sind es die
Vorgesetzten, die mit einem Wechsel zwischen Small Talk und Business-Talk die
Kommunikation steuern und strukturieren.
Ganz anders funktioniert Small Talk im Gespräch zwischen medizinischem Personal sowie
Patientinnen und Patienten. Eine Studie in einem amerikanischen Brustkrebszentrum hat
gezeigt, dass beide Seiten bei unangenehmen Untersuchungen häufig auf Small Talk und
Humor zurückgreifen. "Ich habe '67 mit Brustimplantaten angefangen. Die ersten waren
schön, aber nicht so schön wie die von '72", sagt da zum Beispiel eine Patientin. "Sie wollten
das neuste Modell, hm?", antwortet die Behandlerin. Beide lachen. Gerade in einem
Brustkrebszentrum müssen sich die Patientinnen oft entkleiden. Der Small Talk dient der
Ablenkung und hilft, die Situation aufzulockern.

Lange Zeit wurde die Bedeutung von guter Kommunikation in der Medizin unterschätzt.
Mittlerweile gehört sie fest zur Ausbildung dazu – allerdings geht es dabei vor allem um
sensible Kommunikation, also um das Überbringen schlechter Nachrichten. Small Talk als
soziales Schmiermittel spielt keine Rolle. Dabei zeigen Studien, dass der Behandlungserfolg
steigt, wenn Patientinnen und Patienten die Kommunikation als angenehm empfinden. Sie
sind dann eher bereit, ärztliche Anweisungen zu befolgen, ihre psychische Gesundheit
verbessert sich. Außerdem verklagen sie ihre Ärzte seltener wegen Kunstfehlern.
Die Soziologen Doug Maynard und Pamela Hudak beobachteten bei Small Talk im
Behandlungszimmer noch ein weiteres Phänomen. Sie zitieren ein Gespräch, in dem der Arzt
ein Medikament empfiehlt, das nicht von der Krankenkasse bezahlt wird. Der Patient
scherzt, man müsse deshalb Druck auf einen lokalen Politiker ausüben. Dann erzählt er von
der Tante des Politikers, die er kennt. "Wir haben herausgefunden, dass sowohl Ärzte als
auch Patienten Small Talk nutzen, um von unliebsamen Themen abzulenken", sagt Doug
Maynard. Ärzte leiten beispielsweise häufig zu Small Talk über, wenn sie eine medizinische
Frage nicht beantworten können oder wollen. Patientinnen und Patienten tun dasselbe,
wenn ihnen die Empfehlungen ihres Arztes nicht passen.
Das sei nicht unbedingt eine bewusste Strategie, sagt Maynard. Small Talk sei einfach eine
Ressource, ein Teil unseres kommunikativen Repertoires, auf das wir in solchen Momenten
zurückgreifen. "Wenn wir in eine unangenehme Situation geraten, nutzen wir Small Talk, um
die Situation etwas angenehmer zu gestalten." Aber Achtung! An dieser Stelle wird unser
Pfad steil und steinig. Denn wer smalltalkt, begibt sich immer auch auf eine Gratwanderung.
Am Steilhang

Atmen Sie tief durch: Es ist alles ganz anders, als Sie dachten – aber
Sie schaffen das.
Saßen Sie schon mal mit englischen Muttersprachlern am Essenstisch und haben verzweifelt
nach einer Redewendung gesucht, um den anderen "Guten Appetit" zu wünschen? Polinnen
und Polen würden an dieser Stelle "Smacznego" sagen, gefolgt von "dziękuję" – danke. Im
Griechischen heißt es "Kali orexi". Und auf Englisch? Es gibt Behelfsformen wie "Enjoy" –
aber besonders verbreitet ist diese Sprachformel nicht.
Der polnische Soziolinguist Adam Jaworski erinnert sich an Situationen, in denen polnische
Muttersprachler ihren englischsprachigen Gegenübern "Good appetite" wünschten.
Vielleicht wussten sie nicht, dass es diese Formulierung im Englischen nicht gibt. Vielleicht
wollten sie aber auch bewusst eine als unangenehm empfundene Pause im Tischgespräch
füllen.
Es gibt beim Small Talk keine Einheitsgrößen, keine sprachliche Ausrüstung oder Anleitung,
die uns allen in jeder Situation passt. Je nach Kultur funktioniert Small Talk grundlegend
unterschiedlich.
Das ergibt Sinn, schließlich unterscheidet sich auch das Kommunikationsverhalten in
verschiedenen Gesellschaften stark voneinander. So kennen Anthropologen zum Beispiel
Low-Context-Kulturen, in denen möglichst alle relevanten Informationen explizit
ausgesprochen werden. In High-Context-Kulturen dagegen müssen sich die Zuhörenden viele
Informationen aus dem Kontext erschließen und Anspielungen entsprechend interpretieren.
Deutschland ist eine Low-Context-Kultur. Die Deutschen sind bekannt für ihre Direktheit und
gelten im internationalen Vergleich zugleich als wenig geübte Small Talker. Eine Umfrage der
Sprachwissenschaftlerin Katja Kessel ergab, dass sie sich im Vergleich zu Amerikanern mit
Small Talk weniger wohlfühlen und ihn eher für eine Fähigkeit halten, die man nicht
trainieren kann.

Nun aber daraus zu schließen, dass Low-Context-Kulturen den Small Talk grundsätzlich
ablehnen und High-Context-Kulturen ihn pflegen, wäre auch nicht richtig. Das zeigt der
Vergleich zwischen Neuseeland (Low Context) und Japan (High Context).
Während neuseeländische Meetings mit Small Talk beginnen, herrscht in japanischen
Meetings zu Beginn häufig Stille. Eine Linguistik-Studentin von Meredith Marra spielte
Menschen aus Neuseeland Aufnahmen eines japanischen Meetings vor und umgekehrt. "Die
Neuseeländer sagten, sie hätten noch nie so etwas Unangenehmes mitangesehen –
Menschen, die 45, 50 Sekunden lang nicht miteinander reden", sagt Marra. "Die Japaner
dagegen sagten: Das ist so dumm, was tun sie? Wieso verschwenden sie ihre Zeit?"
Der niederländische Ingenieur Hans Stam lebte sieben Jahre in China und arbeitet heute für
ein schwedisches Unternehmen, das regelmäßig Verträge mit chinesischen Lieferanten
aushandelt. "Nach Besprechungen mit unserem schwedischen Team rufen mich meine
chinesischen Kollegen manchmal an und fragen: Was genau sollen wir jetzt eigentlich
machen?"

Deutschland ist eine Low-Context-Kultur: Um das Gesagte zu


verstehen, ist wenig Kontext erforderlich.
Die Kommunikation beider Seiten funktioniere sehr unterschiedlich, sagt Stam. Während die
chinesische Seite gerne sofort verbindliche Vereinbarungen treffe, ziehe es die schwedische
Seite vor, zunächst Optionen aufzuzeigen, ohne sich festzulegen. Auch was angemessener
Small Talk sei, werde unterschiedlich bewertet. In China mache man einander im
Arbeitskontext viele Komplimente, es sei üblich, das Äußere zu kommentieren. "Sie haben
mir oft gesagt, dass ich gut aussehe", sagt Stam. "Und dass ich eine große Stirn habe. Das soll
in diesem Kontext bedeuten, dass ich klug bin." China ist eine High-Context-Kultur – für
westliche Kulturen (traditionell Low Context) kann das Gesagte schwer zu entschlüsseln sein.
Stam fungiert oft als Vermittler zwischen den Welten. In seinem WeChat-Profil nennt er sich
"Tech Diplomat".

Meredith Marra und ihre Kollegen bieten mittlerweile Schulungen für ausländische
Arbeitskräfte an, die neuseeländische Small-Talk-Gepflogenheiten verstehen wollen.
Gleichzeitig sensibilisieren sie Arbeitgeber für kulturelle Unterschiede. Denn in vielen
asiatischen Ländern ist Small Talk am Arbeitsplatz unüblich. "Viele fürchten sogar, dass sie
Ärger bekommen könnten, wenn sie von beruflichen Themen abweichen", sagt Marra.
Neuseeland dagegen hat eine besonders ausgeprägte Small-Talk-Kultur. Wer nicht
smalltalkt, gilt als unhöflich.
Das wird Ihnen jetzt nicht mehr passieren. Diese Gratwanderung haben Sie geschafft. Sind
Sie bereit für die letzten, harten Meter? Das Wetter ist doch ganz gut heute. Nicht zu warm,
nicht zu kalt.

Auf zum Gipfel


Jetzt wird es zugig: Diese Theorie müssen Sie meistern, um auf der
Höhe der Zeit anzukommen.

Im Oktober 2005 reiste die designierte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Afrika. Ein
Staatsoberhaupt nahm sie am Flughafen in Empfang. Die Süddeutsche Zeitung zitiert ihr
Gespräch wie folgt: "Und Sie sind also die neue Bundeskanzlerin?", fragt der Präsident.
Merkel: "Ja." Präsident: "Das ist doch schön." Merkel: "Ja." Präsident: "Das war sicher nicht
leicht." Merkel: "Nein." Präsident: "Da müssen Sie jetzt aber glücklich sein." Merkel: "Mir
geht es gut." Präsident: "Sie tun sich eher schwer mit Small Talk, oder?" Merkel: "Ja."
Wenn der Small Talk selbst zum Thema des Small Talks wird, läuft er nicht gut. Dabei kann er
gerade in der Politik über Krieg und Frieden entscheiden. Der Friedensverhandler Padraig
O’Malley bringt seit 50 Jahren verfeindete Konfliktparteien an den Verhandlungstisch: in
Nordirland, Südafrika, dem Irak. 1997 initiierte er einen Gipfel in Kapstadt zum Nordirland-
Konflikt. "Das hat sehr viel Small Talk erfordert", sagt O’Malley. Über Jahre hatte er sich ein
Netzwerk aufgebaut, Kontakte zu Beteiligten aller Lager geknüpft, Beziehungen gepflegt. Am
Ende kam sogar Nelson Mandela zur Konferenz.
Beziehungen aufzubauen – auch zwischen den Konfliktparteien –, sei immer der Schlüssel
zum Erfolg. "Man muss miteinander reden." Beim Nordirland-Gipfel geschah das zum
Beispiel abends an der Bar. Nicht einmal zwei Monate später verkündete die IRA eine
Waffenruhe. Ein Jahr später folgte das Karfreitagsabkommen, das die Gewalt beendete.
Worüber aber smalltalken, wenn es doch am Ende um Gewalt geht, die Nationen
auseinanderreißt? "Man fängt nicht mit dem Wetter an, sondern mit der Familie", sagt
O’Malley. "Die Familie ist ein gemeinsamer Nenner. Jeder hat Familie. Und wenn man erst
den Ton des Treffens verstanden hat, kann man es einfach seinen Lauf nehmen lassen."
Nicht jeder hat ein natürliches Gespür für Small Talk, und die meisten von uns werden nie
ein Friedensabkommen verhandeln. Doch die Kunst des kleinen Gesprächs lässt sich
trainieren. Deshalb packen wir jetzt die Steigeisen aus.
Die Wissenschaft kennt viele Modelle für gelungene Kommunikation. In ihrer
Dissertation leitet die Sprachwissenschaftlerin Katja Kessel aus ihnen Maximen für
gelungenen Small Talk ab. Über allem steht dabei das sogenannte Harmonieprinzip: Small
Talk soll Beziehungen aufbauen und pflegen, Konfrontation ist immer unerwünscht.
Auch Stille und endlose Monologe sind tabu. Das Gesprächsthema soll Interesse auslösen; ob
es inhaltlich substanziell ist, spielt keine Rolle. Wer smalltalkt, drückt sich am besten knapp
und präzise aus und zeigt Interesse am Gegenüber, ohne allzu neugierig zu wirken. Und: Im
Gespräch sollten die Gesprächspartner grundsätzlich nach Gemeinsamkeiten suchen.
Die Psychologin Lioba Werth empfiehlt in ihrem Ratgeber Erfolgsfaktor Socializing, auf
geteilte Erfahrungen zu setzen, um Anknüpfungspunkte zu finden. Während einer
Veranstaltung wären das zum Beispiel der Gastgeber, die Musik, das Essen. Bei einer
Wanderung hoch oben in den Bergen könnten es die Route, die Herberge oder das Wetter
sein.
Denn die Gesprächsthemen kommen aus dem Alltag. Sie können sich auf aktuelle Ereignisse
beziehen ("das Gewitter gestern!"), aber auch auf Hobbys, Kunst und Kultur. Vielleicht weiß
man, wo die Gesprächspartnerin studiert hat und dass es gemeinsame Bekannte gibt. Wer
sich auf sicherem Terrain fühlt, kann über Geschmack, Sehnsüchte und kleine Peinlichkeiten
sprechen.
Tabu sind beim Small Talk politische Überzeugungen, Krankheiten oder Besitz. Lioba Werth
rät, sich mit Wertungen zurückzuhalten und immer so konkret wie möglich zu sprechen.
"Wie war Ihre Wanderung bisher?" ist demnach eine schlechte, weil sehr vage Frage.
Aussichtsreicher wäre: "Wie haben Sie diese furchtbar rutschige Stelle am Steilhang
überwunden?" Und wer weiß, vielleicht erwächst dem Small Talk dann noch etwas anderes.
Jetzt entdecken

Denn das ist vielleicht das Wichtigste: Small Talk soll andere Arten des Gesprächs nicht
verdrängen. Er konkurriert nicht mit Gesprächen über Krieg und Frieden oder mit Deep Talk,
der aus Bekanntschaften Freundschaften machen kann. Small Talk ist kein Ziel. Er ist immer
eine Brücke.
Deshalb gehört zu seiner Kunst auch, den richtigen Moment zu finden, ihn zu beenden.
Dabei darf man ruhig auch hart, aber herzlich vorgehen.
Es war nett, Sie kennenzulernen, aber ich möchte Sie nicht länger aufhalten. Ich muss mich
noch ins Gipfelbuch eintragen!
Unsere Bergführer
Meredith Marra ist Linguistikprofessorin und Expertin für Kommunikation am Arbeitsplatz.
Douglas Maynard ist emeritierter Professor für Soziologie. Er untersuchte Small Talk in
Arztpraxen.
Die Linguistin Katja Kessel hat über Small Talk ihre Promotion geschrieben und Maximen für
guten Small Talk aufgestellt.

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