Wie wirkt sich langfristiger Schlafmangel auf die Gesundheit aus?
Schlaf ist kein Luxus, sondern eine absolute Notwendigkeit. Der Körper braucht ihn als
Ruhepause. Im Schlaf läuft der Körper auf Sparflamme, Herzschlag und Blutdruck sinken
beispielsweise. Parallel werden Stoffwechselprozesse wie unser Zucker- und Fettstoffwechsel
optimiert, in den Zellen laufen Reparaturprozesse ab und das Immunsystem wird gestärkt.
Schlaf ist also besonders wichtig für die Regeneration.
Der Mensch braucht Schlaf, um gesund zu bleiben. Wie wichtig Schlaf ist, zeigt sich oft erst,
wenn er fehlt: Anhaltender Schlafmangel beeinträchtigt neuronale Prozesse und begünstigt
viele Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Depressionen und erhöht die
Infektanfälligkeit. Gleichzeitig steigt das Risiko für Übergewicht und einen gestörten
Zuckerstoffwechsel (Diabetes mellitus). Sogar die Sterblichkeit kann durch Schlafmangel erhöht
werden.
Schlaflose Nächte
Was passiert nach einer Nacht ohne Schlaf?
Wer schon einmal eine Nacht durchgemacht hat, hat am eigenen Leib erfahren, dass man am
nächsten Tag körperlich und geistig weniger fit ist. Zwar treten die meisten gesundheitlichen
Konsequenzen erst bei chronischem Schlafmangel ein, doch wirkt sich auch eine einzelne
durchwachte Nacht auf viele Prozesse im Körper aus. So reicht bereits ein Schlafentzug von
drei Stunden aus, um etwa die Funktion wichtiger Immunzellen herabzusetzen. Auch das
Gedächtnis arbeitet bei akutem Schlafmangel schlechter und die Konzentrationsfähigkeit ist
herabgesetzt.
Was passiert im Gehirn, wenn wir schlafen?
Mehrere Strukturen im Gehirn sind am Schlaf beteiligt – und sorgen dafür, dass er eingeleitet
wird. Schlaffördernde Zellen im Stammhirn und die wichtige Koordinationszentrale
Hypothalamus produzieren Botenstoffe, die die Aktivität der Erregungszentren drosseln. Das
Gehirn sendet Signale an die Muskeln, sodass sie sich entspannen. Die Zirbeldrüse im Gehirn
schüttet den Botenstoff Melatonin aus. Dieser Botenstoff informiert den Körper unter anderem
bei Dunkelheit darüber, dass es Zeit ist zu ruhen und den Energieverbrauch zu drosseln. Das
klappt normalerweise deswegen gut, weil sich im Inneren des Hypothalamus eine Ansammlung
von Zellen befindet, die von den Augen Informationen über das Licht beziehungsweise die
Helligkeit weitergeleitet bekommen. Schäden in dieser Zellansammlung führen dazu, dass
Menschen unregelmäßig schlafen.
Der Thalamus, der im Wachzustand Informationen aus den Sinnesorganen empfängt und
weiterleitet, ist in den meisten Schlafphasen ruhig, sodass der Schlaf nicht so leicht durch
Äußeres gestört wird. Das ändert sich in der Phase des sogenannten REM-Schlafs (rapid eye
movement), in der sich die Träume intensivieren. Dann nimmt der Thalamus Reize wie Töne
auf, die unter Umständen in die Träume eingebaut werden.
Warum ist Schlaf wichtig? Die Gründe im Detail
Forscher haben bereits gut untersucht, wie genau Körper und Psyche vom Schlaf abhängen
und welche Auswirkungen es hat, wenn Ruhezeiten nicht so genau genommen werden. Hier
sind die zehn wichtigsten Gründe, um auf ausreichend Schlaf zu achten:
1. Schlaf stärkt das Herz
Andauernder Schlafmangel stößt Entzündungsprozesse im Körper an. Das begünstigt eine
Verkalkung der Blutgefäße (Arteriosklerose), die als Hauptursache für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall gilt. So wie Schlafmangel das Herz schädigt,
schützt ausreichend Schlaf es: Schlaf hält den Blutdruck langfristig konstant, was die
Gesundheit der Blutgefäße und des Herzens positiv beeinflusst.
2. Schlaf hält das Immunsystem fit
Die körpereigene Infektabwehr, das Immunsystem, braucht Schlaf, um optimal zu funktionieren.
Genauer genommen wird Schlaf benötigt, damit die Immunzellen in der Lage sind,
Krankheitserreger zu bekämpfen. Kurzfristiger Schlafmangel beeinträchtigt beispielsweise die
Funktion der sogenannten T-Zellen, die infizierte Körperzellen beseitigen und auf diese Weise
verhindern, dass sich etwa ein Virus zu stark im Körper ausbreitet.
3. Schlaf fördert den Muskelaufbau
Schlaf und Sport gehören zusammen: Schlaf spielt eine wichtige Rolle für den Muskelaufbau.
Studien deuten darauf hin, dass die Muskelmasse stärker bei Menschen abnimmt, die maximal
fünfeinhalb Stunden pro Nacht schlummern, als bei denjenigen, die sich mehr als acht Stunden
Schlaf gönnen. Forschende vermuten, dass bei ausreichend Schlaf Wachstumshormone
ausgeschüttet werden und die Bildung von Eiweißen beeinflusst wird, die für den Muskelaufbau
wichtig sind.
4. Schlaf kann die Leistungsfähigkeit steigern
Schlaflose Nächte beeinträchtigen die Konzentration und Denkleistung erheblich. Wie gut
jemand schläft, beeinflusst die Leistungsfähigkeit des Gehirns, denn: Im Schlaf formt und
konsolidiert sich das Gedächtnis. Erinnerungen verfestigen sich, überflüssige Informationen
werden „aussortiert“.
5. Schlaf senkt das Unfallrisiko
Den Schlaf zu vernachlässigen, ist in manchen Fällen lebensgefährlich – insbesondere im
Straßenverkehr. Wer ständig übermüdet ist, hat eine erhöhte Unfallgefahr, denn schläfrig Auto
zu fahren kann zum sogenannten Sekundenschlaf führen, einer lebensgefährlichen
Einschlafattacke. In den USA passieren rund 62 Prozent aller Verkehrsunfälle aufgrund von
Schläfrigkeit. Die Hälfte aller schläfrigkeitsbedingten Unfälle wird dabei von jungen Autofahrern,
die 25 Jahre oder jünger sind, verursacht. Besonders gefährdet sind Schichtarbeiter auf dem
Nachhauseweg: Ihr Unfallrisiko ist bis zu achtfach erhöht.
6. Ausreichend Schlaf schützt vor Übergewicht
Begünstigt zu wenig Schlaf die Gewichtszunahme? Mit dieser Frage beschäftigen sich
Forschende bereits seit einiger Zeit. Eine Studie aus Großbritannien deutet darauf hin, dass
Erwachsene, die kurz schlafen, ein höheres Risiko für Fettleibigkeit haben. Umgekehrt haben
Menschen, die mehr schlafen, tendenziell einen niedrigeren Body-Mass-Index (BMI). Diese
negative Beziehung zwischen Schlafdauer und BMI lässt sich auf verschiedene
pathophysiologische Ursachen zurückführen. Das sind krankheitsbedingte Veränderungen der
Körperfunktionen. Dazu gehören zum Beispiel negative Auswirkungen von Schlafmangel auf
den Stoffwechsel. Darüber hinaus weisen Menschen, die wenig schlafen tendenziell höhere
Konzentrationen von Ghrelin, einem Hormon, das das Hunger- und Sättigungsgefühl reguliert,
auf.
7. Schlaf verringert das Diabetes-Risiko
Schlaf spielt eine wichtige Rolle für viele Stoffwechselprozesse im Köper – auch für den
Zuckerstoffwechsel. Menschen, die weniger als viereinhalb Stunden ungestört schlafen, haben
ein höheres Diabetes-Risiko. Grund dafür ist, dass der Schlafmangel die Körperzellen weniger
empfindlich für den Botenstoff Insulin macht, der den Blutzucker senkt. Um dies zu vermeiden,
ist es nicht nur wichtig, ausreichend viel, sondern auch ohne Unterbrechungen, bei denen der
Körper vollständig aufwacht, zu schlafen.
8. Schlaf schützt die Psyche
Wer schlecht schläft, riskiert, an psychischen Störungen zu erkranken oder bestehende zu
verstärken. Häufige Unterbrechungen des Schlafs, wie sie zum Beispiel beim Schlafapnoe-
Syndrom auftreten, führen zu Konzentrations- und Antriebsschwäche sowie Veränderungen der
Stimmungen vergleichbar mit denen einer Depression. Die Psyche braucht den Schlaf daher
ebenso wie der Körper.
9. Emotionen verarbeiten
Jeder Mensch verbringt etwa 20 Prozent jeder Nacht damit zu träumen, selbst wenn sich die
Träumenden am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern. Die lebhaftesten Träume finden
in der REM-Schlafphase statt. Welche Aufgaben der Traumschlaf genau erfüllt, ist bisher nicht
abschließend geklärt. Forschende gehen jedoch davon aus, dass Träume dem Gehirn dabei
helfen, Emotionen zu verarbeiten, besonders solche aus dem Bereich der sogenannten
„Tagesreste“, also emotionale Erinnerungen an die Ereignisse des Vortags. Ein guter Grund,
um häufiger früh ins Bett zu gehen.
10. Hilft schlafen gegen Kopfschmerzen?
Es gibt einen Zusammenhang zwischen Schlaf und Kopfschmerzen: Drei von vier Menschen
mit Kopfschmerzen leiden gleichzeitig auch unter Schlafstörungen. Dabei wird nicht nur der
Schlaf durch das Hämmern und Pochen im Kopf gestört, sondern auch umgekehrt: Wer nicht
ausreichend oder schlecht schläft, riskiert, mit einem dicken Schädel aufzuwachen. Um diesen
Kopfschmerzen vorzubeugen, ist gesunder Schlaf wichtig.