Freunde unter der
Maske
„Brrrr, brrrr“, mein Handy vibrierte. Ich wollte den Anruf
nicht annehmen, aber es würde alles nur noch schlimmer
machen. Ich blickte auf meine Hände und versuchte, meine
Gedanken zu ordnen. Wird er mir jemals verzeihen können?
Langsam stand ich von meinem Platz am Boden hinter
dem Sofa auf und schaute mich in meiner Wohnung um, als
erwartete ich, dass die Schatten, die die Esstischlampe
warf, lebendig wurden oder dass die Monster unter dem
Bett, an die ich früher immer geglaubt hatte, ihre Krallen
nach mir ausstreckten und mich in die ewige Dunkelheit
zerrten.
Schliesslich griff ich nach dem Handy und liess all die
Kindheitserinnerungen von Albträumen aus meinem Kopf
verschwinden. Ich hatte genug, worum ich mir Sorgen
machen sollte.
Auf dem Bildschirm blickten mir zwei Freunde, einst ohne
Geheimnisse, entgegen. Seit dem Kindergarten
unzertrennlich. Mit zitternden Händen drückte ich auf den
grünen Knopf. „Jennifer?“, hörte ich Mikes raue Stimme
sagen. Jetzt wünschte ich mir doch lieber, dass eins der
Monster mich packte, trotzdem nahm ich all meinen Mut
zusammen und antwortete: „Ja?“, obwohl es nur ein paar
Sekunden waren, fühlte es sich wie Stunden an, bis Mike
schliesslich erwiderte: „Treffen, 21 Uhr, Baumhaus.“ dann
legte er auf.
Meine Knie zitterten nun so fest, dass ich mich setzen
musste. In dem Baumhaus hatten wir früher immer
gespielt, doch würde der heutige Abend einer meiner
besten Kindheitserrinerungen zerstören?
Da ich seine Emotionen nicht aus seiner Stimme
herauslesen konnte, machte ich mich auf alles gefasst, ich
wusste, was ich getan hatte, doch ich konnte auf keinen Fall
riskieren, dass ich ins Gefängnis musste.