Analysis 4
Analysis 4
Julian Valentin
Dieser Vorlesungsmitschrieb entstand als Hörer in der Vorlesung Analysis 4, gelesen von
Prof. TeknD Timo Weidl an der Universität Stuttgart im Sommersemester 2011. Sie dienten
hauptsächlich als Lernhilfe für mich; aus Zeitgründen fehlen viele Skizzen und mathematische
Beweise. Studentische Mitschriebe sind keine offiziellen Skripte; weder die Universität Stutt-
gart noch ihre Mitarbeiter sind für sie verantwortlich. Fehler können auf GitHub gemeldet
werden. Der Mitschrieb steht unter der CC-BY-SA-4.0-Lizenz.
Inhaltsverzeichnis
1 Funktionen in einer komplexen Variablen 3
1.1 Die Topologie der erw. kompl. Zahlenebene und die Möbius-Transf. . . . . . . 3
1.2 Mehrwertige Abbildungen und Riemannsche Flächen . . . . . . . . . . . . . . . 5
1.3 Differenzierbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1.4 Gebiete . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
1.5 Kurvenintegrale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
1.6 Der Integralsatz von Cauchy . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
1.7 Die Integralformel von Cauchy . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
1.8 Nullstellen analytischer Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
1.9 Das Maximumsprinzip . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
1.10 Singularitäten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.11 Residuensatz und Residuenkalkül . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
1.12 Das Zählen von Pol- und Nullstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
1.13 Harmonische Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
3 Distributionen 29
3.1 Der Raum der Testfunktionen D . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
3.2 Distributionen über D . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.3 Reguläre und singuläre Distributionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
3.4 Koordinatentransformation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.5 Differentiation von Distributionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
3.6 Stammfunktion einer Distribution . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
3.7 Wichtige Beispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
3.8 Tensorprodukt von Distributionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
3.9 Faltung von Distributionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Analysis 4
Inhaltsverzeichnis –2–
Analysis 4
1.1 Die Topologie der erw. kompl. Zahlenebene und die M ÖBIUS-Transf.
Komplexe Zahlen lassen sich mittels z = (x, y) = x + i y ∈ C, x, y ∈ R als Element der kom-
plexen Zahlenebene schreiben. Dabei ist i = (0, 1) mit i2 = −1 p = (−1, 0). Die
p zu z komplex
konjugierte Zahl ist z = x − i y und der Betrag von z ist |z| = x + y = zz ≥ 0. Dieser
2 2
definiert die Abstandsfunktion d(z1 , z2 ) = |z1 − z2 |. Damit ist Konvergenz in C definiert, da die
Abstandsfunktion " -Umgebungen definiert durch U" (z) = {w ∈ C | |w − z| < "}.
Riemannsche Zahlenkugel: Auf die komplexe Zahlenebene wird eine Kugel mit Radius 12
gelegt, die die Ebene in (0, 0) berührt. Mithilfe der stereographischen Projektion entspricht
jeder Punkt z = (x, y) der komplexen Zahlenebene ein Punkt (ξ, η, ζ) der Kugel S2 (man
verbinde den Nordpol ∞ := (0, 0, 1) mit (x, y) und (ξ, η, ζ) ist dann der Schnittpunkt der
Verbindungsgeraden mit der Kugel). Umgebungen auf der Kugel werden (umgekehrt) auf
Umgebungen auf der Ebene abgebildet. Man schreibt für eine Folge zn ∈ C, dass zn → ∞, falls
|zn | > R für alle n ≥ NR und jedes beliebige R > 0, d. h. zn ∈ UR (∞) := {z ∈ C | |z| > R}. Das
Bild von UR (∞) ist wieder eine Umgebung von ∞ (nur ohne ∞).
S2 \ {(0, 0, 1)} und C lassen sich stetig und bijektiv durch die stereographische Projektion
aufeinander abbilden, wenn man nun kanonischerweise wie eben (0, 0, 1) mit ∞ identifiziert,
erhält man eine stetige Bijektion zwischen S2 und C∗ := C ∪ {∞}.
Insbesondere gilt zn → ∞ genau dann, wenn 1
zn → 0, sowie ξ2 + η2 + (ζ − 12 )2 = 1
4
ξ−0 η−0 ζ−1
⇐⇒ ξ2 + η2 = ζ(1 − ζ). Aus der Geradengleichung x−0 = y−0 = 0−1 für (0, 0, 1), (ξ, η, ζ) und
ξ η ξ2 +η2 ξ
(x, y, 0) folgt, dass x = 1−ζ und y = 1−ζ . Umgekehrt gilt x +2
y 2 = (1−ζ)2 = 1−ζ , daraus folgt
x 2+ y2 y
dann ζ = 1+x 2 + y 2 , ξ= 1+x 2 + y 2 und η = 1+x 2 + y 2 .
x
Kreis in C∗ : Ein Kreis in C∗ ist definiert als ein Kreis in C oder eine Gerade in C, die zusätzlich
∞ enthält.
Eigenschaft: Die stereographische Projektion erhält Kreise und Winkel.
Es gibt keine 1:1-Beziehung zwischen den MTs w = az+bcz+d und den komplexen Matrizen c d ,
a b
denn eine MT wird schon durch drei komplexe Parameter bestimmt, d. h. drei Gleichungen
sind notwendig. Genauer: Seien z j , w j ∈ C für j = 1, 2, 3 gegeben, dabei seien z j 6= zk und
w j 6= w k für j 6= k. Dann gibt es genau eine Möbius-Transformation MT, sodass w j = MT(z j )
für j = 1, 2, 3.
Dies beweist man, indem man z1 , z2 , z3 durch den eindeutig bestimmten Kreis verbindet, analog
w1 , w2 , w3 . Für einen beliebigen Punkt z , für den MT(z) bestimmt werden soll, lässt man den
eindeutig bestimmten Kreis durch z, z1 , z2 mittels MT abbilden. Da die MT kreistreu ist, wird
der Kreis auf einen Kreis abgebildet, der durch w1 und w2 geht. Aufgrund der Winkeltreue
bleibt der Schnittwinkel der beiden Kreise bei z1 und z2 erhalten, d. h. der Kreis durch w1 und
w2 kann eindeutig bestimmt werden. In der gleichen Weise verfährt man mit z, z1 , z3 . Auf dem
Schnittpunkt der beiden Kreise liegt das gesuchte Bild w = MT(z).
az j +b
w kann auch rechnerisch bestimmt werden: Ist w = az+b
cz+d und w j = cz j +d , so gilt
(ad−bc)(zk −z j )
wk − w j = (czk +d)(cz j +d) für k, j = 1, 2, 3.
(w−w )/(w−w ) (z−z1 )/(z−z2 )
Daraus folgt, dass (w1 , w2 , w, w3 ) := (w3 −w11 )/(w3 −w2 2 ) = (z3 −z1 )/(z3 −z2 ) =: (z1 , z2 , z, z3 ) eine Invariante
ist, aus der w berechnet werden kann.
Eine Möbius-Transformation bildet im nicht-entarteten Fall entweder das Innere eines Kreises
auf das Innere oder auf das Äußere des Bilds ab. Würde die Transformation einen Teil auf
das Innere und einen Teil auf das Äußere abbilden, so könnte man (MT stetig) einen Pfad
definieren, der vollständig im Inneren des Urbilds liegt, dessen Bild aber Endpunkte besitzt,
von denen einer im Inneren und einer im Äußeren liegt. Dann würde das Bildes des Pfads
aber den Bild-Kreis schneiden, was aufgrund der Bijektivität und der Kreistreue nicht möglich
ist. Im entarteten Fall können Kreisinnere auf Halbebenen und Halbebenen auf Inneres bzw.
Äußeres von Kreisen abgebildet werden.
statt vier, da sich die anderen beiden wegkürzen (wählt man z. B. bei beiden Wurzeln k = 1,
so ist die Summe der resultierenden Phasensprünge in den Argumenten 2π). „Erlaubte“ Wege
in der komplexen Ebene sind die Wege, die entweder keinen oder beide der Punkte 0 und 1
umlaufen. „Nicht erlaubt“ ist ein Umlaufen nur von 0 oder 1, da so wieder ein Sprung auftritt
(wie oben).
Eine mögliche Lösung besteht darin, zwischen 0 und 1 einen Schnitt zu machen und die beiden
Riemann-Blätter an gegenüberliegenden Seiten zu verkleben.
Für w = Ln(z) gilt e w = z , d. h. mit z = r eiϕ ist w = u + iv (u, v ∈ R) mit u = ln(r) und
v = arg(z) = ϕ+2kπ, k ∈ Z. Es gibt also abzählbar unendlich viele Lösungen. Dementsprechend
gibt es auch unendlich viele Riemann-Blätter, die analog wie bei der Wurzelfunktion verklebt
werden müssen.
1.3 Differenzierbarkeit
Ist U ⊂ C offen, z0 ∈ U und f : U → C, so ist die komplexe Ableitung von f in z0 definiert als
f (z +h)− f (z )
f 0 (z0 ) := limh→0, h∈C 0 h 0 . f kann als Funktion f (z) = (u(x, y), v(x, y))
= u(x, y) + iv(x, y) aufgefasst werden, wobei u, v : R2 → R reelle Funktionen sind.
Also gilt: Falls f in z0 komplex differenzierbar ist, so sind u und v partiell differenzierbar und
es gilt ∂∂ ux = ∂∂ vy sowie ∂∂ xv = − ∂∂ uy (Cauchy-Riemann-Gleichungen).
df
In diesem Falle gilt dz = u0x + ivx0 = v 0y − iu0y = u0x − iu0y = v 0y + ivx0 , d. h. f kann differenziert
z=z0
werden, ohne den Real- oder Imaginärteil zu kennen.
u u w0,r −w0,i h x
und w0,i := Im(w0 ), also = 0 + + o(khk).
v v0 w0,i w0,r hy
Wegen den CR-Gleichungen gilt w0,r = u0x = v 0y und w0,i = −u0y = vx0 , d. h.
0
u x u0y
u u0 hx
. Somit ist Frechet-differenzierbar.
= + 0 + o(khk) u
v v0 vx v 0y hy v
cos θ − sin θ
q
w0,r −w0,i w 2 w 2
Es gilt D(x,
D(u,v)
= = w 2
+ w 2
0,i sin θ , da 0,r
+ |w|0,i = 1. Also ist
y) w0,i w0,r 0,r cos θ |w|
die Jacobi-Matrix eine Drehung mit anschließender Streckung. Man nennt Transformationen,
deren Jacobi-Matrix gleich einer Rotationsmatrix multipliziert mit einem Skalar ist, konform.
Es gilt also: Eine Funktion f : C → C ist in z0 ∈ Ckomplex differenzierbar genau dann, wenn die
Cauchy-Riemann-Gleichungen erfüllt sind und uv Frechet-differenzierbar ist (die Umkehrung
Angenommen, es existieren alle partiellen Ableitungen zweiter Ordnung und diese sind stetig.
∂ ∂u ∂ ∂v ∂ ∂v ∂ 2v
Dann folgt aus den CR-Gleichungen ∂ x ∂ x = ∂ x ∂ y = ∂ y ∂ x = ∂ x∂ y und analog
2 2
∂ ∂u ∂ ∂v ∂ 2v ∂ ∂2 ∂ ∂2
∂ y ∂ y = − ∂ y ∂ x = − ∂ x∂ y , d. h. ∆u = ∂ x 2 + ∂ y 2 u = 0 und ∆v = ∂ x 2 + ∂ y 2 v = 0.
∂ ∂
„partielle Ableitungen“ ∂z und ∂z:
D(x, y) t ∂ /∂ x
∂ /∂ z ∂ ∂ ∂ ∂ ∂ ∂
. Damit gilt 1
und 1
∂ y , d. h. zum Beispiel
= ∂z := 2 ∂x − i ∂y ∂z := + i
∂ /∂ z D(z,z)
∂ /∂ y 2 ∂x
∂ e ∂ ∂ ∂ e ∂ ∂
∂ z f (z, z) := 2 ∂ x − i ∂ y f (x, y) und ∂ z f (z, z) := 2 ∂ x + i ∂ y f (x, y).
1 1
∂ ∂
Im Beispiel f (z) = z gilt ∂z f = 12 + 12 = 1 und ∂z f = 12 − 12 = 0.
Existieren die part. Ableitungen, dann gilt ∂∂z (u(x, y) + iv(x, y)) = 12 ∂∂ ux − ∂∂ vy + 2i ∂∂ uy + ∂∂ xv .
Die beiden Ausdrücke in den Klammern sind 0 genau dann, wenn die CR-Gl. erfüllt sind.
∂
Damit gilt: u + iv erfüllt die Cauchy-Riemann-Gleichungen genau dann, wenn ∂z f = 0.
∂ ∂
Man schreibt auch kurz ∂ = ∂z und ∂ = ∂z. ∂ heißt Cauchy-Riemann-Operator.
Beispiele: f (z) = z n ist komplexP∞ diffb., dagegen ist f (z) = |z|2 = zz nicht komplex diffb.
Die Potenzreihe f (z) = k=0 ak z k konvergiert für |z| < R und divergiert für |z| > R, wobei
R = lim sup 1 p k
|ak |
. Für |z| < R konvergiert die Reihe absolut, ist |z| ≤ R0 < R, so konvergiert die
k→∞
Reihe sogar gleichmäßig. Die Reihe ist in jedem Kreis |z| ≤ R0 < R gliedweise komplex diffb.,
∞
d. h. sie ist für |z| < R komplex diffb. und f 0 (z) = k=1 kak z k−1 .
P
1.4 Gebiete
1.5 Kurvenintegrale
Jordan-Kurve: Sei γ: [0, T ] → C stetig und injektiv (bis auf ggf. γ(0) = γ(T )).
Für γ ∈ C 1 und γ̇(t) 6= 0 für alle t ∈ [0, T ] heißt Γγ := {z = γ(t) | t ∈ [0, T ]} Jordan-Kurve.
Zerlegung und Stützstellen: δ = {t k }nk=0 heißt Zerlegung von [0, T ], falls
0 = t 0 < t 1 < · · · < t n = T . ξ = {τk }n−1
k=0
heißt Satz von Stützstellen, falls τk ∈ [t k , t k+1 ] für
k = 0, . . . , n − 1. Man definiert zk := γ(t k ) für k = 0, . . . , n und w j = γ(τ j ) für j = 0, . . . , n − 1.
Riemann-Summe: Sei f : Γγ ⊂ C → C stetig. Dann gilt für die Riemann-Summe
Pn−1 Pn−1 t k+1 −t k Pn−1 γ(t )−γ(t k )
k=0
f (w k )(z k+1 − z k ) = k=0
f (γ(τ k ))(γ(t k+1 ) − γ(t ))
k t k+1 −t k = k=0
fe(τk ) tk+1
k+1 −t k
∆t k
mit fe := f ◦ γ und ∆t k := t k+1 − t k . Lässt man den Rang der Zerlegung λ(δ) gegen 0 laufen,
so sieht man, dass folgende Definition Sinn ergibt.
Kurvenintegral: Für eine Jordan-Kurve Γγ und eine stetige Funktion f : Γγ ⊂ C → C ist das
T
Kurvenintegral definiert als Γγ f (z) dz := 0 ( f ◦ γ)(t)γ̇(t) dt .
Diese Definition ist unabhängig von der konkreten Parametrisierung γ
(bei Erhalt der Richtung).
Eigenschaften:
(1) Γa b f (z) dz = − Γ ba f (z) dz
(2) Γa b (α f (z) + β g(z)) dz = α Γab f (z) dz + β Γab g(z) dz
−
→ −→
(3) Man kann Jordan-Kurven Γ1 , . . . , Γn aneinanderhängen. Es ergibt sich ein sog. gerichteter
−
→ −
→ − → −
→
Pfad Γ , der jedoch nur rein symbolisch als „ Γ = Γ1 ∪ · · · ∪ Γn “ geschrieben werden kann,
da dieser sich
z. B. selbst überschneiden
Pn darf (in verschiedenen Jordan-Kurven).
Es sei dann −→Γ
f (z) dz := k=1 −→ Γ
f (z) dz .
k
Beispiele: Für f (z) ≡ 1 gilt Γab f (z) dz = b − a ∈ C.
Für f (z) = z n , n ∈ Z und Γ = {z ∈ C | |z| = 1} mit einfach mathematisch positivem Umlauf
(gegen den Uhrzeigersinn) kann man Γ durch γ: [0, 2π] → C, γ(t) = eit parametrisieren. Das
entstehende Integral bezeichnet man auch als Ringintegral und man schreibt dafür, dass
über einen geschlossenen
2π it n it
Pfad mit einfach mathematisch
2π it(n+1) 2π
positivem Umlauf integriert wird.
Es gilt Γ z dz = 0 e ie dt = i· 0 e
n
dt = i· 0 (cos((n+1)t)+i sin((n+1)t)) dt . Daraus
n = −1
ergibt sich die wichtige Formel Γ z dz =
n 2πi
0 n 6= −1
.
Anmerkung zur Abschätzung von Kurvenintegralen: Im Allgemeinen gilt die Formel
| Γa b f (z) dz| ≤ supz∈Γab | f (z)| · |b − a| nicht (ein Gegenbeispiel ist das Beispiel mit z n von eben).
Pn−1 Pn−1
Dies liegt daran, dass sich in | k=0 f (w k )(zk+1 − zk )| ≤ k=0 | f (w k )||zk+1 − zk |
Pn−1
≤ supz∈Γa b | f (z)| · k=0 |zk+1 − zk | die letzte Summe aufgrund der Beträge keine Teleskopsumme
ist (im Gegensatz dazu, wie es im Reellen der Fall wäre). Jedoch erhält man im Grenzübergang
λ(δ) → 0 die richtige Formel | Γ f (z) dz| ≤ supz∈Γ | f (z)| · `(Γ ) mit `(Γ ) der Länge von Γ .
P∞
Beispiel:PFür die Potenzreihe p(z) = c0 + k=1 ck z k mit Konvergenzradius R > 0 und
∞ c
q(z) = k=1 k−1 k z gilt p(z) = q (z) (dabei hat q(z) den gleichen Konvergenzradius).
k 0
Insbesondere gelten also für Γab , Γ ⊂ UR (0) = {z ∈ C | |z| < R} obige Formeln.
sternförmiges Gebiet: Ein Gebiet G ⊂ C heißt sternförmig, falls es ein a ∈ G gibt, sodass
∀z∈G az ⊂ G . a heißt in diesem Fall zentraler Punkt.
Satz (Integralsatz von Cauchy für sternförmige Gebiete):
Seien G ⊂ C ein sternförmiges Gebiet
und f ∈ A (G).
Dann gilt F ∈ A (G) mit F (z) := az f (w) dw und F 0 (z) = F (z).
Holomorphe Funktionen auf sternförmigen Gebieten haben also Stammfunktionen.
Zusammenfassung:
(1) Seien G ⊂ C, f ∈ A (G) und ∃ F ∈A (G) F 0 = f . Dann gilt Γab f (z) dz = eΓab f (z) dz (∗).
Für Γ ⊂ G geschlossen gilt außerdem Γ f (z) dz = 0 (∗∗).
Die Formeln (∗) und (∗∗) sind äquivalent, d. h. (∗) gilt für alle Pfade Γab , e Γab ⊂ G genau
dann, wenn (∗∗) für alle geschlossenen Pfade Γ ⊂ G gilt.
(2) Seien G ⊂ C sternförmig und f ∈ A (G). Dann gilt ∃ F ∈A (G) F 0 = f . Also gelten (∗), (∗∗).
Ist G ⊂ C nicht sternförmig,
1 so muss f i. A. keine Stammfunktion besitzen.
Ein Gegenbeispiel ist Γ z dz = 2πi (hier fehlt die 0 in dem Gebiet).
Ist das Gebiet G nicht sternförmig, aber der geschlossene Pfad Γ zusammenziehbar (z. B. wenn
das Gebiet keine „Löcher“ hat – weiter unten wird dies genauer erklärt), so kann man folgen-
dermaßen vorgehen: Wähle ein sternförmiges Gebiet G 0 ⊂ G , das einen Teil vom Pfad enthält.
Trenne nun einen Teil des Pfades ab (dabei beachte man die Umlaufrichtung), wobei man den
Schnitt als γ bezeichnet. Dann ist Γ = Γ + −→ γ + ←
γ− = Γ0 + Γ 00 , wobei Γ 0
, Γ 00
die zwei geschlos-
senen Teilpfade sein sollen (Γ ⊂ G soll der Teil sein, der ganz in G liegt). Es gilt Γ 00 = 0,
00 0 0
da G 0 sternförmig ist. Also ist Γ = Γ 0 , man hat also den Pfad „verkleinert“. In Gebieten ohne
Löcher kann man dies iterativ durchführen, so dass schließlich der Pfad vollständig in einem
sternförmigen Gebiet liegt und das Integral somit 0 ist.
weitere Modifikationen:
In einem Gebiet, das ein „Loch“ hat, kann man einen Pfad homotop zum Nullpfad so elementar
deformieren, dass er sehr nahe an den Rand des Gebiets kommt. Vom äußeren Rand zum Loch
läuft dabei der Pfad einmal hin und einmal wieder zurück (auf derselben Linie). Weil die
Umlaufrichtungen auf dieser Linie gegenläufig sind, heben sich die Integrale auf und man
erhält Γ+ f (z) dz + Γ− f (z) dz = 0, falls Γ+ bzw. Γ− den Pfad um den äußeren bzw. inneren Rand
bezeichnet. (Beachte: Γ− wird im mathematisch negativem Sinne umlaufen!)
Pk
Allgemeiner gilt für ein Gebiet G mit k „Löchern“ Γ+ f (z) dz + j=1 Γ−, j f (z) dz = 0
für alle f ∈ A (G). Dabei bezeichnet Γ+ den Pfad um den äußeren Rand (positiv umlaufen)
und Γ−, j den Pfad um das j -te Loch (negativ umlaufen).
Windungszahl: Für w ∈ C und einen geschlossenen Pfad Γ ⊂ C, der w nicht enthält, bezeichnet
man n(Γ , w) := 2πi
1 1
· Γ z−w dz als die Windungszahl von Γ um w.
Parametrisiert man einen nicht-geschlossenen Pfad Γ T durch γ: [0, T ] → C, so gilt
Γ T z−w dz) = 2π Im( Γ T z−w dz) = 2π (arg(γ(T ) − w) − arg(γ(0) − w)).
1 1 1 1 1
Re( 2πi
Satz (äquivalente Beschreibungen): Sei G ⊂ C ein Gebiet. Dann sind äquivalent:
(1) G ist einfach zusammenhängend.
/ n(Γ , w) = 0
(2) ∀Γ ⊂G geschlossen ∀w∈G
(3) ∀Γ ⊂G geschlossen ∀ f ∈A (G) Γ f (z) dz = 0
(4) ∀ f ∈A (G) ∃ F ∈A (G) F 0 = f
(5) ∀ f ∈A (G), ∀z∈G f (z)6=0 ∃ g∈A (G) e g = f
Satz (Integralformel von Cauchy): Seien G ⊂ C ein Gebiet, a ∈ G und " > 0 mit U" (a) ⊂ G .
Sei außerdem f ∈ A (G) und Γ homotop in G \ {a} zum einfachen, mathematisch positiven
Umlauf von ∂ U" (a).
f (z)
Dann gilt 2πi
1
Γ z−a dz = f (a).
Beispiel: Γ cosz z dz = 2πi für jeden geschlossenen Pfad Γ ∈ C \ {0}, der homotop zum einfachen,
math. positiven Umlauf des Einheitskreises ist.
Spezialfall (Mittelwertsatz):
2π
Seien G ⊂ C ein Gebiet und f ∈ A (G).
Dann gilt 2π 0 f (a + Re )dθ = f (a).
1 iθ
Satz von Morera: Seien G ⊂ C ein Gebiet und f : G → C stetig. ∆ bezeichne ein Dreieck (mit
Rand und Innerem). Für alle ∆ ⊂ G gelte ∂ ∆ f (z) dz = 0.
Dann ist f ∈ A (G).
komplexe Halbebenen: C+ := {z ∈ C | Im z > 0}, C− := {z ∈ C | Im z < 0},
C+ := {z ∈ C | Im z ≥ 0}, C− := {z ∈ C | Im z ≤ 0}
Teilraumtopologie: G ⊂ C+ heißt offen in der induzierten Topologie, falls
∃G⊂C offen G = C+ ∩ G .
e e
1.10 Singularitäten
In z konvergiert somit der Nebenteil für |z − a| < R und der Hauptteil für |z − a| > r . Im Falle
r < R bildet sich somit ein Kreisring K rR (a) := {z ∈ C | r < |z − a| < R}, in dem die Laurent-
Reihe konvergiert (außerhalb divergiert sie, unbestimmtes Verhalten auf dem Rand). Für r > R
divergiert die Laurent-Reihe überall.
Zusätzlich gilt f ∈ A (K rR ) (da Haupt- und Nebenteil
P+∞ dort holomorph sind) und die Laurent-
Reihe ist gliedweise differenzierbar mit f (z) = k=−∞, k6=0 kck (z − a) .
0 k−1
P+∞
Stammfunktion von Laurent-Reihen: Eine Laurent-Reihe f (z) = k=−∞ ck (z − a)k besitzt
eine Stammfunktion F (z) in K rR genau
P+∞ dann, wenn c−1 = 0 ist. Durch gliedweises Aufleiten
ck
erhält man für diesen Fall F (z) = k=−∞, k6=−1 k+1 (z − a)k+1 .
homotop zum einfachen, mathematisch positiven Umlauf von 0 in K rR (0) ist, so gilt aufgrund
der gleichmäßigen
P−2 Konvergenz der PLaurent-Reihe
+∞ c
f (z) dz = Γ ( k=−∞ ck z ) dz + Γ ( k=0 ck z k ) dz + Γ −1
ΓP
k
z dz
+∞ c−1
= k=−∞, k6=−1 ck Γ z dz + Γ z dz = c−1 · 2πi, da Γ z dz = 0 für k 6= −1 und Γ 1z dz = 2πi.
k k
Zusammenfassung:
P∞
• Potenzreihen: Es ist f ∈ A (UR (a)) genau dann, wenn f (z) = k=0 ck (z − a)k als Potenz-
reihe darstellbar ist. Diese konvergiert mindestens in U r (a) und ist gliedweise differen-
zierbar. Es existiert immer eine Stammfunktion (durch gliedweises Aufleiten).
P∞
• Laurent-Reihen: Es ist f ∈ A (K rR (a)) genau dann, wenn f (z) = k=−∞ ck (z − a)k als
Laurent-Reihe darstellbar ist. Diese konvergiert mindestens in K rR (a) und ist gliedweise
differenzierbar. Es existiert eine Stammfunktion genau dann, wenn c−1 = 0.
Spezialfall r = 0: In P
diesem Fall ist K0R = UR (a) \ {a} und für f ∈ A (UR (a) \ {a}) ist f als
+∞
Laurent-Reihe f (z) = k=−∞ ck (z − a)k für z 6= a darstellbar.
• hebbare Singularität in a: Falls die Singularität von f in a hebbar ist, gilt fe ∈ A (UR (a))
mit fe(z) = f (z) für z 6= a und fe(a) = B . fe ist eine analytische
P∞ Fortsetzung von f , daher
stimmen die Potenzreihen überein, also f (z) = fe(z) = k=0 ck (z − a)k .
Daher hat f eine hebbare Singularität in a genau dann, wenn der Hauptteil verschwindet.
• Polstelle der Ordnung mP in a: In diesem Fall hat (z − a)m f (z) eine hebbare Singularität in
∞
a, d. h. (z − a)m f (z) = k=0 eck (z − a)k ist als Potenzreihe darstellbar. Daher gilt f (z) =
P∞
k=−m k
c (z − a)k mit ck = e
ck+m .
Daher hat f eine Polstelle der Ordnung m in a genau dann, wenn der Hauptteil nur
endlich viele Summanden besitzt und der Term bei (z − a)−m nicht verschwindet. Für
z → a geht | f (z)| → ∞ (und zwar wie (z − a)−m ).
• wesentliche Singularität in a: Dieser Fall tritt ein genau dann, wenn die anderen beiden
Fälle nicht gelten, d. h. genau dann, wenn der Hauptteil unendlich viele Summanden
besitzt.
Man kann zeigen: Besitzt f in a eine wesentliche Singularität, dann liegt das Bild
f (U" (a) \ {a}) jeder beliebig kleinen " -Umgebung um a dicht in der komplexen Ebene C.
Residuum: Man bezeichnet c−1 =: Resa ( f ) als das Residuum von f im Punkt a.
Man kann die Integralformel auch umkehren und bei bekanntem Residuum das Integral be-
rechnen durch Γ f (z) dt = 2πi · Resa ( f ).
Falls Γ mehrere isolierte Singularitäten umläuft, kann man den Pfad aufteilen und die entste-
henden Integrale summieren. Falls Singularitäten mehrfach umlaufen werden, müssen diese
natürlich auch entsprechend der Windungszahl (Umlaufrichtung beachten!) gezählt werden.
Somit gelangt man zum folgenden Satz.
Residuensatz: Seien G ⊂ C ein Gebiet, J = {a1 , . . . , aN } ⊂ G , f ∈ A (G \ J) und
Γ ⊂ G \ J in G homotopPzum Nullpfad.
N
Dann gilt Γ f (z) dz = k=1 (2πi) · n(Γ , ak ) · Resak ( f ).
Beispiel: Seien p(z) und q(z) Polynome mit deg q(z) ≥ deg p(z) + 2. J seien die Nullstellen
von q, wobei J ∩ R = ; gelten soll, d. h. keine Nullstelle
+∞ p(x) ist reell. Man betrachtet nun die
p(z)
Funktion f (z) = q(z) und möchte das Integral I = −∞ q(x) dx berechnen. Das uneigentliche
Integral existiert, da f auf stetig ist (J ∩ R = ;) und | f (z)| = O (|x|−2 ) für |x| → ∞. Dabei ist
+RRp(x)
I = limR→+∞ IR mit IR = −R q(x) dx .
Man definiert nun ΓR(1) als die Kurve in C von −R bis +R und ΓR(2) als den Halbkreis mit Mittel-
punkt 0 und Radius R von +R bis −R. Dann ist ΓR = ΓR(1) ∪ ΓR(2) ein geschlossener Pfad. Man stellt
nun drei Beobachtungen an:
• Für alle R > R1 mit R1 groß genug gilt J ∩ ΓR(2) = ;, da J endlich ist.
• Es gilt Γ (1) f (z) dz + Γ (2) f (z) dz = ΓR f (z) dz = 2πi · Im ak >0 Resak ( f ) für R > R1 .
P
R R
• Für alle R = |z| > R2 mit R2 groß genug gilt | f (z)| ≤ C|z|n−m , denn
c z n +···+c z+c c 1+O (1/z)
f (z) = ecnm z m +···ec11z+ec00 = ecmn z n−m · 1+O (1/z) für |z| → ∞. Daraus folgt mit n − m ≤ −2, dass
ΓR
f (z) dz ≤ πR · CR−2 → 0 für R → ∞.
(2)
Damit gilt für IR + Γ (2) f (z) dz = 2πi · Im ak >0 Resak ( f ) im Grenzwertübergang für R → ∞, dass
P
+∞ p(x) R
p(z) p(ak )
Hinweis: Ist ak NS von q mit Ordnung 1, so gilt Resak ( f ) = limz→ak (z − ak ) q(z)−q(ak ) = q0 (ak ) .
+∞
Beispiel: Mit eben Gesagtem gilt 1
−∞ 1+x 2
dx = 2πi · 2i1 = π.
„Verschiebt“ man eine reelle Funktion ein wenig, dann ändert sich die Zahl der Nullstellen
meistens nicht (wenn sie nicht mehrfach sind). Das Beispiel z 2 + c zeigt allerdings, dass bei
größeren Störungen die Zahl der reellen Nullstellen zwischen 2, 1 und 0 variieren kann. Nicht
so in der komplexen Ebene: Hier gibt es immer zwei Nullstellen, die sich zunächst auf der
reellen Achse befinden, zum Ursprung wandern, sich dort vereinigen und dann wieder auf der
imaginären Achse trennen.
Residuen der logarithmischen Ableitung: Für " > 0 betrachtet man f ∈ A (U" (a)), wobei a
eine Nullstelle von f der Ordnung m sein soll. Man will nun die sog. logarithmische Ablei-
f 0 (z)
tung f (z) betrachten (der Name kommt daher, weil dies die Ableitung von ln( f (z)) ist). Die
Potenzreihe von f hat die Form f (z) = cm (z − a)m + cm+1 (z − a)m+1 + · · · , die von f 0 ist dann
f 0 (z) = mcm (z − a)m−1 + (m + 1)cm+1 (z − a)m + · · · . Daraus folgt
cm+1
f 0 (z) mcm (z−a)m−1 +(m+1)cm+1 (z−a)m +··· mcm (z−a)m−1 1+ m+1 cm (z−a)+···
f (z) = cm (z−a)m +cm+1 (z−a)m+1 +··· = cm (z−a)m · m
cm+1
1+ c (z−a)+···
= z−a (1 + r(z))
m
mit r ∈ A (U" (a)),
m
r(a) = 0 und " klein genug.
f0
Daher ist Resa ( f ) = m die Ordnung der Nullstelle von f .
f0
Ist a dagegen eine Polstelle von f der Ordnung n, so erhält man analog Resa ( f ) = −n.
Satz von Rouché: Sei G ⊂ C ein einfach zusammenhängendes Gebiet und Ω ⊂ G ebenfalls
ein einfach zusammenhängendes Gebiet mit C 1 -Rand Γ = ∂ Ω.
Seien außerdem P mit ∀z∈Γ |g(z)| < | f (z)|.
f , g ∈ A (G)
Dann gilt b` ( f )∈Ω m` ( f ) = b` ( f +g)∈Ω m` ( f + g), wenn b` (h) die Nullstellen einer Funktion h
P
2.1 Motivation
Sei E ein euklidischer oder hermitescher Vektorraum der Dimension dim E = n, d. h. ein R- oder
C-Vektorraum, auf dem ein Skalarprodukt 〈·, ·〉 gegeben ist (hier linear im ersten Argument).
In diesem Fall existiert eine Orthonormalbasis (ONB) {e1 , . . . , en }, d. h. eine Basis, sodass
e j , ek = δ jk für j, k = 1, . . . , n ist. Ist x ∈ E ein Vektor, so kann man x eindeutig als Linearkom-
bination der Basis darstellen, also x = ξ1 e1 + · · · + ξn en mit Skalaren ξk .
Es gilt ξk = 〈x, ek 〉 für k = 1, . . . , n. Die 〈x, ek 〉 heißen Fourierkoeffizienten von x .
Dies gilt ohne Weiteres jedoch nicht mehr für unendlich-dimensionale Vektorräume E , z. B. ist
auf E = C ([a, b], C) die Norm k f kC = max x∈[a,b] | f (x)| definiert, jedoch gibt es kein Skalarpro-
dukt, das diese Norm induziert.
Im Folgenden wird das Skalarprodukt 〈 f , g〉 L 2 = [a,b] f (t)g(t) dt und die davon induzierte
Norm k f k2L 2 = [a,b] | f (t)|2 dt verwendet.
Der Einfachheit halber beschränkt man sich auf [a, b] = [−π, π].
Betrachtet man die Funktionen 1, sin x, cos x, sin(2x), cos(2x), . . . , so stellt man fest:
π π
• −π 1 sin(nx) dx = −π 1 cos(mx)
π dx = 0 für n, m ∈ N und
π
−π
cos(nx) cos(mx) dx = −π sin(nx) sin(mx) dx = 0 für n, m ∈ N, n 6= m
π
• −π
sin(nx) cos(mx) dx = 0 für n, m ∈ N
π π π 2
• −π
sin 2
(nx) dx = −π
cos2
(mx) dx = π für n, m ∈ N und −π
1 dx = 2π
Daher bildet p12π , p1π sin x, p1π cos x, p1π sin(2x), p1π cos(2x), . . . ein Orthonormalsystem.
Insbesondere ist dieses System linear unabhängig (d. h. jede endliche Linearkombination der
0 mit Vektoren aus diesem System ist trivial).
Für eine
¬ gegebene Funktion f ∈ C ([−π, π], C) kann man nun die Fourierkoeffizienten
¶ π
αn := f , pπ sin(nx) 2 = pπ −π f (x) sin(nx) dx ,
1 1
¬ ¶L π
βm := f , p1π cos(mx) 2 = p1π −π f (x) cos(mx) dx und
¬ ¶ Lπ
γ := f , p12π 2 = p12π −π f (x) dx für n, m ∈ N berechnen.
L
Man kann f diese Fourierkoeffizienten ({αn }n∈N , {βm }m∈N, γ) zuweisen und sich fragen, was f
γ P∞ αn βn
mit der zunächst formalen Fourier-Reihe p2π + n=1 pπ sin(nx) + pπ cos(nx) zu tun hat.
Konvergiert diese Reihe (in welchem Sinn)? Was hat der Wert der Reihe mit f zu tun? Welche
Eigenschaften von f korrespondieren in welcher Art mit welchen Eigenschaften von {αn }, {βm }
und γ?
alternative Schreibweise: Man kann auch die „unschönen“ Wurzeln vollständig in die Koef-
fizienten
ziehen. Dafür schreibt man lateinische Buchstaben, d. h. f 7→ ({an }n∈N , {bm }m∈N , c),
1 π
an := π −π f (x) sin(nx) dx ,
π
bm := π1 −π f (x) cos(mx) dx und
π
1
c := 2π −π
f (x) dx für n, m ∈ N.
P∞
Die Fourier-Reihe vereinfacht sich dann zu c + n=1 (an sin(nx) + bn cos(nx)).
Was passiert, wenn f in t 0 einen Sprung besitzt? In diesem Fall kann f als Summe einer
stetigen Funktion und einer charakteristischen Funktion dargestellt werden. Falls die Fourier-
Reihe der stetigen Funktion konvergiert, reicht es, die Konvergenz der Fourier-Reihe für die
charakteristische Funktion zu prüfen. Es zeigt sich, dass dabei Konvergenz gilt. Der Grenzwert
befindet sich genau in der „Mitte“ des Sprungs.
modifiziertes Kriterium von Dini für Sprungstellen:
Seien f ∈ L 1 ([−π, π], d x) und t 0 ∈ [−π, π]. Es existieren f (t 0 − 0), f (t 0 + 0) und
f (t 0 +τ)− f (t 0 −0)
f (t 0 +τ)− f (t 0 +0)
ein δ = δ(t 0 ) > 0 mit [−δ,0] τ dτ < ∞ und [0,δ] τ dτ < ∞.
f (t 0 −0)+ f (t 0 +0)
Dann gilt limN →∞ SN (t 0 ) = 2 .
Bemerkung: Die Bedingung f ∈ L 1 ([−π, π], d x) ist so zu verstehen, dass ein Repräsentant
aus der Äquivalenzklasse von f gewählt wird, der diese Bedingung erfüllt. Die Existenz des
Sprunges und seine Höhe ist dann invariant für alle äquivalenten Funktionen.
Satz: Sei f : R → C auf [−π, π] `-fach differenzierbar mit f ( j) (−π) = f ( j) (π) für j = 0, . . . , `−1.
Außerdem sei f (`) Riemann-integrierbar auf [−π, π].
Dann gilt an = o(n−` ), bn = o(n−` ) und cn = o(n−` ) für n → ∞.
Bemerkung: Für solche Funktionen fallen die Fourierkoeffizienten also schnell ab. Dies ist
wichtig, damit z. B. ein Tiefpass (Weglassen der hohen Frequenzen) bei periodischen Signalen
keine allzu großen Störungen mit sich bringt.
Unter welchen
Umständen existiert die inverse Fouriertransformierte, d. h. wann ist
f (t) = 2π F [ f ](λ)e dλ?
p
1 iλt
Beispiel: Ein Beispiel für einen Hilbertraum ist `2 (N) (oder auch `2 (Z)). Es gilt
`2 (N) = {{an }n∈N | n∈N |an |2 < ∞}, das Skalarprodukt ist 〈{an }, {bn }〉`2 (N) = n∈N an bn .
P P
`2 (N) und `2 (Z) sind separabel, d. h. es gibt eine abzählbare dichte Teilmenge.
Beispiel: Die Verallgemeinerung
ist L 2 (X , µ) = { f : X → C | k f k2L 2 = X | f |2 dµ < ∞} mit dem
Skalarprodukt 〈 f , g〉 L 2 = X f g dµ. Falls (X , µ) ein separabler Maßraum ist, so ist auch L 2 (X , µ)
separabel (z. B. Lebesgue-Maß).
Orthogonalität: Sei (H, 〈·, ·〉) ein Hilbertraum. Man definiert eine Relation ⊥ auf H mit f ⊥ g ,
falls 〈 f , g〉 = 0 ( f und g sind zueinander orthogonal).
Für f ⊥ g gilt der Satz des Pythagoras, d. h. k f + gk2 = 〈 f + g, f + g〉 = k f k2 + kgk2 .
k·k k·k
Für f n −→ f und g n −→ g gilt 〈 f n , g n 〉 → 〈 f , g〉, da | 〈 f n , g n 〉 − 〈 f , g〉 |
= | 〈 f n , g n − g〉 + 〈 f n − f , g〉 | ≤ k f n k · kg n − gk + k f n − f k · kgk ≤ C · kg n − gk + k f n − f k · C → 0.
Beispiel: Für H = `2 (N) ist {ϕk }k∈N mit ϕk = (0, . . . , 0, 1, 0, . . . ) eine Basis (sogar eine ONB).
Beispiel: Für H = L 2 ([−π, π], d x) ist {ϕk }k∈Z mit ϕk (x) = 1
p e ikx
2π
ein ONS.
Frage: Ist dies auch eine Basis?
(4) kxk2 = kPL xk2 + khk2 ≥ kPL xk2 (da PL x ∈ L und h ⊥ L ), d. h. PL ist beschränkt
(5) kPL xk = kxk ⇐⇒ khk = 0 ⇐⇒ PL x = x ⇐⇒ x ∈ L
(für khk = 0 gilt h = x − PL x = 0, also x = PL x ∈ L ,
für x ∈ L ist h ∈ L , da PL x in L , aus h ⊥ L folgt h ⊥ h, also khk2 = 0)
(6) PL (PL x) = PL x (da PL x ∈ L und PL y = y für y = PL x ∈ L )
P∞ PN k·k
Satz: Es gilt k=1 |ck |2 = kxk2 genau dann, wenn k=1 ck ϕk −→ x .
abgeschlossen: Seien (H, 〈·, ·〉) ein Hilbertraum. Ein ONS
P∞ {ϕk }2 k∈N heißt abgeschlossen, falls für
alle x ∈ H die Gleichung von Parseval gilt, d. h. ∀ x∈H P |c | = kxk
k=1 k
2
∞
(das ist nach dem vorherigen Satz äquivalent zu ∀ x∈H k=1 ck ϕk = x ).
Die Gleichung von Parseval ist eine unendliche Verallgemeinerung des Satzes des Pythagoras.
total: Seien (H, 〈·, ·〉) ein Hilbertraum. Ein ONS {ϕk }k∈N heißt total, falls
∀ x∈H (∀k∈N ck = 〈x, ϕk 〉 = 0) ⇒ (x = 0).
Satz: Seien (H, 〈·, ·〉) ein Hilbertraum und {ϕk }k∈N ein ONS.
Dann ist das ONS abgeschlossen ⇐⇒ vollständig ⇐⇒ total.
2.5 Delta-Folgen
Pn−1 2
sin(nx/2) sin(nx/2)
Begründung für φn (x) = 1n k=0 Dk (x): φn (x) = 2πn 1
= 2πn sin2 (x/2) Im(einx/2 )
inx sin(x/2) Pn−1
sin(nx/2)
1
= 2πn sin(x/2) 1
Im sin(x/2) einx/2 = 2πn sin(x/2) Im eix/2e −e−1
−ix/2
1
= 2πn sin(x/2) Im(eix/2 · k=0 eikx )
Pn−1 Pn−1 1 sin((k+1/2)x) 1 Pn−1
1
= 2πn sin(x/2) Im( k=0 ei(k+1/2)x ) = 1n k=0 2π sin(x/2) = n k=0 Dk (x).
Im Folgenden bezeichnet C p ([−π, π], C) := { f ∈ C ([−π, π], C) | f (−π) = f (π)} den Raum der
stetigen Funktionen auf [−π, π], die 2π-periodisch sind.
Satz von Fejer: Sei f ∈ C p ([−π, π], C).
N →∞ PN −1
Dann gilt σN (x) −−−→ f (x) gleichmäßig, wobei σP N (x) := 1
N S (x) das arithmetische
n=0 n
n π
Mittel der ersten N Fourier-Partialsummen Sn (x) = k=−n ck e , ck = 2π
ikx 1
−π
f (x)e−ikx dx ist.
Folgerung:
(1) f ∈ C p ([−π, π], C) ist durch die Fourierkoeffizienten eindeutig bestimmt, denn falls
f , fe ∈ C p ([−π, π], C) die gleichen Fourierkoeffizienten {ck }k∈Z besitzen, konvergiert je-
weils σN (x) bzw. σ e N (x) gegen f (x) bzw. g(x). Aufgrund der gleichen Fourierkoeffizien-
ten gilt jedoch σN (x) = σ e N (x) für alle N ∈ N, aus der Eindeutigkeit des Grenzwerts folgt
dann f (x) ≡ g(x) für x ∈ [−π, π].
(2) {einx }n∈Z ist ein vollständiges System in L 2 ([−π, π], d x). Dies lässt sich aus der Dichtheit
von C p ([−π, π], C) in L 2 ([−π, π], d x) folgern (Funktionalanalysis): Für eine gegebene
Funktion f ∈ L 2 ([−π, π], d x) gibt es eine Funktion f" ∈ C p ([−π, π], C) mit k f − f" k L 2 < " .
Nach dem Satz von Fejer gibt es ein N (") mit | f" (t) − σN (") (t)| < " für alle t ∈ [−π, π].
2 π
Daraus folgt f" − σN (") L 2 = −π | f" (t) − σN (") (t)|2 dt ≤ " 2 · 2π bzw.
p
f − σN (") L 2 ≤ k f − f" k L 2 + f" − σN (") L 2 ≤ " + " 2π < "e.
PN (")−1 P`
Dabei ist σN (") (t) = N 1(") `=0 c
k=−` k "
( f )e ikt
eine Linearkombination von
{eikt | k = −(N − 1), . . . , (N − 1)}, d. h. {einx }n∈Z ist vollständig.
Gibbs-Effekt: Dieser tritt bei der punktweisen Approximation eines Signals mit Sprungstellen
durch die Fouriersumme SN (t) auf. Auch wenn N groß gewählt wird, verbleibt immer ein
Überschwinger von ca. 9 % der Sprunghöhe vor und nach dem Sprung. Dieser Effekt heißt
Gibbs-Effekt und kann durch die Approximation durch die Mittelwerte σN (t) vermieden werden.
Diese ist zwar schlechter in der L 2 -Norm, aber dafür konvergiert sie gleichmäßig,
PN d. h. solche
Überschwinger können nicht auftreten. Dies liegt daran, dass in σN (t) = k=−N αk (N )eikt die
Gewichte αk (N ) für jedes N unterschiedlich sind.
(·)
konvergiert SN (t) −
→ f (t) punktweise Lebesgue-fast-überall (Satz von Carleson).
(2) Für f ∈ C p ([−π, π], C) lassen sich wegen C p ⊂ L 2 die gleichen Schlussfolgerungen ziehen.
Im Allgemeinen weiß man zwar nicht, wo die Lebesgue-Nullmenge liegt, auf der die
Fourier-Reihe nicht konvergiert. Allerdings lässt sich hier der Satz von Fejer anwenden,
k·kC p
der eine gleichmäßige Konvergenz von σN gibt (d. h. σN −−→ f ). Wichtig ist, dass für
den Satz gebraucht wurde, dass φn eine Delta-Folge ist – mit Dk geht das nicht (6≥ 0).
Konvergenz von SN (t) lässt sich somit nur über die Dini-Bedingung mit zusätzlichen
Voraussetzungen beweisen (Stetigkeit reicht nicht aus).
(3) Für f ∈ L 1 ([−π, π], d x) existieren zwar die Fourier-Koeff. ck = 2π
1
[−π,π] f (t)e
−ikt
dt ,
aber wegen L 6⊂ L lässt sich die L -Theorie nicht verallgemeinern.
1 2 2
k·k L 1
Es gibt aber einen L 1 -Satz von Fejer (für f ∈ L 1 ([−π, π], d x) gilt σN −−→ f ).
Für zwei Funktionen f , g ∈ L 2 (R, d x) lässt sich der Satz von Plancherel verallgemeinern: Ist
L2 L2
f n , g n ∈ S (R) mit f n −
→ f und g n − → g , so gilt einerseits 〈F [ f n ], F [g n ]〉 L 2 = 〈 f n , g n 〉 L 2 → 〈 f , g〉 L 2
aufgrund des Satzes von Plancherel für S (R) und der Stetigkeit des Skalarprodukts, anderer-
seits gilt aber 〈F [ f n ], F [g n ]〉 L 2 → 〈F [ f ], F [g]〉 L 2 aufgrund der Stetigkeit des Skalarprodukts
und der Defintion von F [ f ] bzw. F [g]. Also gilt 〈F [ f ], F [g]〉 L 2 = 〈 f , g〉 L 2 .
Satz von Plancherel für L 2 (R, d x): Für f , g ∈ L 2 (R, d x) gilt 〈F [ f ], F [g]〉 L 2 = 〈 f , g〉 L 2 ,
d. h. F : L 2 (R, d x) → L 2 (R, d x) ist ein unitärer Operator. Insbesondere gilt kF [ f ]k L 2 = k f k L 2 .
Fourier-Transformation im Rd : Sei d ∈ N.
Multiindex: Man bezeichnet Elemente α = (α1 , . . . , αd ) ∈ N0d als Multiindex.
Pd
|α| := j=1 α j heißt die Ordnung von α.
α α
Für einen Vektor ξ = (ξ1 , . . . , ξd ) und einen Multiindex α schreibt man ξα := ξ1 1 · · · ξd d .
mehrfache partielle Ableitungen:
∂ |α| ∂ |α|
Falls die Ableitungen vertauscht werden können, schreibt man ∂ xα = ∂ α := α α
∂ x 1 1 ···∂ x d d
.
Fourier-Transformation im Rd :
Für f ∈ S (Rd ) sei F [ f ](ξ) := (2π)1 d/2 Rd f (x)e−i〈x,ξ〉 dx für ξ ∈ Rd .
Wegen 〈x, ξ〉Rd = x 1 ξ1 + · · · + xd ξd gilt e−i〈x,ξ〉 = e−ix 1 ξ1 · · · e−i x d ξd . Nach dem Satz von Fubini gilt
daher F [ f ](ξ) = p12π R e−ix d ξd p12π R e−ix d−1 ξd−1 · · ·
−ix ξ
d−1 dx d , d. h.
1 1 1 f (x , . . . , x ) dx
p
2π R
e 1 d 1 · · · dx
F x→ξ [ f ] = F x d →ξd [F x d−1 →ξd−1 [· · · [F x 1 →ξ1 [ f ]] · · · ]] gilt für f ∈ L 1 (Rd , d x).
Satz: Für f ∈ S (Rd ) ist F [ f ] ∈ S (Rd ).
∂ |α|
wichtige Formeln: Für f ∈ S (Rd ) gilt ∂ ξα F [ f ](ξ) = (−i)|α| F [x α f (x)](ξ) sowie
|β|
F [ ∂∂ x β f (x)](ξ) = i|β| ξβ F [ f ](ξ). Außerdem gilt kF [ f ]kC ≤ 1
(2π)d/2
k f k L 1 , also F : L 1 (Rd , d x) →
C.
Satz: F : S (Rd ) → S (Rd ) ist eine Bijektion.
Satz: Für f , g ∈ S (Rd ) gilt 〈F [ f ], F [g]〉 L 2 (Rd ,d x) = 〈 f , g〉 L 2 (Rd ,d x) .
Man kann analog wie eben F zu F : L 2 (Rd , d x) → L 2 (Rd , d x) erweitern. Die Formel von
Plancherel gilt dann für alle f , g ∈ L 2 (Rd , d x).
Satz: F : L 2 (Rd , d x) → L 2 (Rd , d x) ist eine Bijektion.
3 Distributionen
Im Folgenden wird die Menge C0∞ (Rd , C) aller glatten Funktionen mit kompaktem Träger
betrachtet. Eine Funktion ϕ : Rd → C ist in C0∞ (Rd , C) genau dann, wenn sie beliebig oft
(stetig) partiell differenzierbar ist und es ein R = R(ϕ) < ∞ gibt mit ϕ(x) ≡ 0 für alle |x| ≥ R.
Konvergenz auf D : Für eine Folge von Funktionen {ϕn }n∈N und ϕ in C0∞ (Rd , C) konvergiert
D Rd
→ ϕ ), falls ∃R<∞ ∀n∈N ∀|x|≥R ϕn (x) ≡ 0 und ∀α∈N0d ∂ α ϕn −−→ ∂ α ϕ .
ϕn auf D gegen ϕ (ϕn −
glm.
Raum der Testfunktionen D = D(Rd ): Der Raum der Testfunktionen D = D(Rd ) ist der topo-
logische Vektorraum gebildet durch die Menge C0∞ (Rd , C) und obiger Konvergenz.
Der Raum ist nicht metrisierbar, d. h. es gibt keine Metrik, die obigen Konvergenzbegriff indu-
ziert.
3 Distributionen – 29 –
Analysis 4
Distributionen über D :
Eine Distribution f über D ist ein lineares stetiges Funktional f : D → C.
Man schreibt ϕ 7→ f [ϕ] = ( f , ϕ) für ϕ ∈ D .
Es müssen also zwei Bedingungen erfüllt werden: Zum einen muss für ϕ, ψ ∈ D und λ, µ ∈ C
D
gelten, dass f [λϕ + µψ] = λ f [ϕ] + µ f [ψ], und es muss aus ϕn − → ϕ stets f [ϕn ] → f [ϕ]
folgen.
Ist Linearität gezeigt, genügt es, die Stetigkeit für ϕ ≡ 0 zu überprüfen.
Zwei Distributionen sind gleich, falls sie auf allen Testfunktionen angewendet gleich sind, d. h.
∀ϕ∈D ( f , ϕ) = (g, ϕ).
Konvergenz auf D 0 : Für eine Folge von Distributionen { f n }n∈N und eine Distribution f konver-
D0
giert f n auf D 0 gegen f ( f n −
→ f ), falls ∀ϕ∈D ( f n , ϕ) → ( f , ϕ).
Raum der Distributionen D 0 : Der Raum der Distributionen D 0 ist der topologische Vektorraum
gebildet durch die Menge der Distributionen über D und obiger Konvergenz.
Da D 0 ein Vektorraum ist, gilt (α f + β g)[ϕ] := α f [ϕ] + β g[ϕ] für f , g ∈ D 0 , α, β ∈ C und
ϕ∈D
(stetig, da f , g stetig sind).
D0 D0 D0
Für f n −
→ f , gn −
→ g und α, β ∈ C gilt α f n + β g n −
→ α f + β g.
3 Distributionen – 30 –
Analysis 4
3 Distributionen – 31 –
Analysis 4
3.4 Koordinatentransformation
3 Distributionen – 32 –
Analysis 4
Motivation: Für f ∈ C 1 (Rd , C) gilt f x0 j ∈ C (Rd , C) für j = 1, . . . , d . Betrachtet man die erzeugte
reguläre Distribution, so ergibt sich (da ϕ kompakt getragen ist)
+∞
+∞
( f x j , ϕ) = Rd f x j (x)ϕ(x) dx = Rd−1 f (x)ϕ(x)| x j =−∞ − −∞ f (x)ϕ 0x j (x) dx j dx 0 = −( f , ϕ 0x j ),
0 0
wobei bei x 0 die j -te Komponente x j fehlt. Allgemeiner ist (∂ α f , ϕ) = (−1)|α| ( f , ∂ α ϕ).
Ableitung einer Distribution: Seien f ∈ D 0 und α ∈ N0d .
Dann ist die Distribution ∂ α f definiert durch (∂ α f , ϕ) := (−1)|α| ( f , ∂ α ϕ) für alle ϕ ∈ D .
Korrektheit: Für ϕ ∈ D ist ∂ α ϕ ∈ D , d. h. ( f , ∂ α ϕ) ist wohldefiniert.
D D
∂ α f ist linear (klar). Für ϕn −
→ 0 gilt ∂ α ϕ −
→ 0, also ( f , ∂ α ϕn ) → 0, da ∂ α : D → D stetig ist.
Beispiel: Die Ableitung der Delta-Distribution δ ∈ D für d = 1 ist
(δ0 , ϕ) = (−1) · (δ, ϕ 0 ) = −ϕ 0 (0). Man kann sich eine analoge Formel für ∂ α δ überlegen. Dabei
gilt, dass supp ∂ α δ = {0}. In der Tat ist jede Distribution mit nur einem Punkt als Träger eine
Linearkombination von der Delta-Distribution und ihren Ableitungen.
3 Distributionen – 33 –
Analysis 4
3 Distributionen – 34 –
Analysis 4
2π R 2
2π R
Also ist 0 " ln r · 1r ∂∂r r ∂∂r ϕ + r12 ∂∂θ 2 ϕ · r dr dθ = 0 " ln r · ∂∂r r ∂∂r ϕ dr dθ
2π R R 2π R ∂
= 0 ln r · r ∂∂r ϕ " − " 1r · r ∂∂r ϕ dθ dr = o(") − 0 " ∂r
ϕ dr dθ
2π
= o(")− 0 (ϕ(R, θ ) − ϕ(", θ )) dθ . Dabei verschwindet ϕ(R, θ ) (kompakter Träger) und ϕ(", θ )
2π
geht für " → 0 gleichmäßig gegen ϕ(0). Somit gilt lim"→0 (∆χ" (x) ln |x|, ϕ) = 0 + 0 ϕ(0)dθ
= 2πϕ(0) = (2πδ, ϕ), d. h. ∆ ln |x| = 2πδ für d = 2 und ∆"2 = δ.
3 Distributionen – 35 –
Analysis 4
Dann
ist ( f ∗g, ϕ) = Rn ( f ∗ g)(x)ϕ(x) dx = Rn Rn f (τ)g(x − τ)ϕ(x) dτ dx
= Rn g( y) · Rn f (τ)ϕ( y + τ) dτ d y = (g( y), ( f (τ), ϕ( y + τ))).
Man würde nun gern schreiben, dass dies gleich (g( y) f (τ), ϕ( y + τ)) ist, allerdings ist
ψ( y, τ) = ϕ( y + τ) ∈ / D(R2n( y,τ)
), da ψ i. A. nicht kompakt getragen ist
(sei z. B. ϕ(0) 6= 0, dann ist ψ( y, − y) = ϕ(0) 6= 0 für alle y ∈ Rn ).
Man muss daher vorher ein geeignetes Abschneiden durchführen, um eine Definition der
Faltung für Distributionen zu ermöglichen.
ηk → 1: Seien ηk ∈ D(R2n ) für k ∈ N.
Man schreibt ηk → 1, falls ∀K⊂R2n kpkt. ∃N (K)∈N ∀n≥N (K) ∀(x, y)∈K ηn (x, y) = 1 und
∀α∈N2n
0
∃Cα <∞ ∀k∈N |∂ α ηk (x, y)| ≤ Cα .
Mit dieser Definition ist nun ( f ∗ g, ϕ) = Rn g( y) · Rn f (τ)ϕ( y + τ) dτ d y
= limk→∞ g( y), Rn f (τ)ϕ( y + τ)ηk ( y, τ) dτ = limk→∞ (g( y) f (τ), ϕ( y + τ)ηk ( y, τ)).
3 Distributionen – 36 –
Analysis 4
Eigenschaften:
(1) Stetigkeit gilt nicht: τ f : T ⊂ D 0 (Rn ) → D 0 (Rn ), g 7→ f ∗ g ist linear, aber i. A. nicht stetig
( T sei die Teilmenge von D 0 (Rn ), sodass f ∗ g für g ∈ T definiert ist).
Ein Gegenbeispiel ist für d = 1 die Distributionenfolge g k = δ(x − k) für k ∈ N. Es gilt
D0
(g k , ϕ) = ϕ(k) → 0 für k → 0, da ϕ kompakt getragen ist. Somit ist g k = δ(x − k) − → 0.
Für f ≡ 1 gilt allerdings f ∗ g k = f ∗ δ(x − k) = f = 1 6→ 0, d. h. die Abbildung τ f ist nicht
stetig. Analog argumentiert man für τ g : f 7→ f ∗ g .
(2) Kommutativität: Für f , g ∈ D 0 (Rn ) mit ∃ f ∗ g ∈ D 0 (Rn ) gibt es auch g ∗ f ∈ D 0 (Rn ) und es
gilt g ∗ f = f ∗ g , denn ( f ∗ g, ϕ) = limk→∞ ( f (x)g( y), ηk (x, y)ϕ(x + y))
= limk→∞ (g( y) f (x), ηk (x, y)ϕ(x + y)) = limk→∞ (g(x) f ( y), ηk ( y, x)ϕ(x + y)) = (g∗ f , ϕ),
da ηk ( y, x) → 1 wie ηk (x, y).
(3) Differenzierbarkeit: Für f , g ∈ D 0 (Rn ) mit ∃ f ∗ g ∈ D 0 (Rn ) und α ∈ N0n gibt es auch
(∂ α f ) ∗ g, f ∗ (∂ α g) ∈ D 0 (Rn ) und es gilt (∂ α f ) ∗ g = f ∗ (∂ α g) = ∂ α ( f ∗ g).
Die Umkehrung gilt nicht: Aus der Existenz von θ 0 ∗ 1 und θ ∗ 10 kann man nicht folgern,
dass θ ∗ 1 existiert (sonst gäbe es θ 0 ∗ 1 = δ ∗ 1 = 1 und θ ∗ 10 = θ ∗ 0 = 0 und die beiden
Ausdrücke wären gleich).
(4) Assoziativität gilt nicht: Sonst wäre (θ ∗ δ0 ) ∗ 1 = θ ∗ (δ0 ∗ 1), allerdings ist die linke Seite
(θ ∗ δ0 ) ∗ 1 = (θ ∗ δ)0 ∗ 1 = (θ )0 ∗ 1 = δ ∗ 1 = 1 und die rechte Seite
θ ∗ (δ0 ∗ 1) = θ ∗ (δ ∗ 1)0 = θ ∗ (1)0 = θ ∗ 0 = 0.
(5) Translation: Existiert f ∗ g , so existiert auch f (x + h) ∗ g = ( f ∗ g)(x + h).
(6) Existenzkriterium bei kompaktem Träger: Seien f , g ∈ D 0 (Rn ) mit supp g = K kompakt.
Dann existiert die Faltung f ∗ g .
D 0 (Rn )
(7) Stetigkeit bei kompaktem Träger: Seien f k , f , g ∈ D 0 (Rn ) mit f k −−−→ f und supp g = K
D 0 (Rn ) D 0 (Rn )
kompakt. Dann gilt f k ∗ g −−−→ f ∗ g . Umgekehrt seien g k , f , g ∈ D 0 (Rn ) mit g k −−−→ g
D 0 (Rn )
und ∃R<∞ ∀k∈N supp g k ⊂ UR (0). Dann gilt f ∗ g k −−−→ f ∗ g .
(8) Faltung mit Testfunktion: Sei ψ ∈ D(Rn ). Dann ist ( f ∗ψ)( y) = ( f (x), ψ( y−x)) ∈ C ∞ (Rn ).
Als Beispiel betrachtet man eine Delta-Folge ψk ∈ D . Dann gilt f k = f ∗ ψk ∈ C ∞ und
D0
→ f ∗ δ = f aufgrund der Stetigkeit. Damit ist D dicht in D 0 .
fk −
P Seien m
Differentialausdruck: ∈ N und aα ∈ C konstant für alle α ∈ N0d mit |α| ≤ m.
Dann heißt L(∂ ) = |α|≤m aα ∂ α Differentialausdruck.
Fundamentallösung: " ∈ D 0 (Rd ) heißt Fundamentallösung von L(∂ ), falls L(∂ )" = δ.
∂2 2
Beispiel: Sei L(∂ ) = ∆ = ∂ x 12
+ · · · + ∂∂x 2 der Laplace-Operator.
d
−|x|2−d
Dann ist "2 = 1
2π ln |x| eine Fundamentallösung für d = 2 und "d = (d−2)σd eine Fundamental-
2πd/2
lösung für d ≥ 2 mit σd = Γ (d/2) der Oberfläche der d -dimensionalen Einheitskugel.
Anmerkung: Die Fundamentallösung ist i. A. nicht eindeutig, denn für u0 ∈ D 0 mit L(∂ )u0 = 0
gilt L(∂ )(" + u0 ) = L(δ)" + L(∂ )u0 = L(δ)" = δ.
Satz: Seien " eine Fundamentallösung von L(∂ ) und f ∈ D 0 , sodass u = " ∗ f ∈ D 0 existiert.
Dann gilt L(∂ )u = f und jede Lösung u von L(∂ )u = f ist eindeutig in der Klasse der u, für
welche u ∗ " existiert.
3 Distributionen – 37 –
Analysis 4
Für Anwendungen wie die Fourier-Transformation sieht man, dass die bisher betrachtete Räu-
me D und D 0 von Testfunktionen und Distributionen zu weit gefasst sind. Daher werden nun
andere Räume S und S 0 von Testfunktionen und Distributionen eingeführt, um die Fourier-
Transformationen auf S 0 zu verallgemeinern.
Raum der Testfunktionen S = S (Rd ): Als Raum der Testfunktionen betrachtet man nun
S = S (Rd ) := {ϕ ∈ C ∞ (Rd ) | ∀α,β∈N0d ∃C(α,β)<∞ |(1 + x α )∂ β ϕ| ≤ C(α, β)}.
Konvergenz auf S : Für eine Folge von Testfunktionen {ϕk }k∈N und ϕ in S schreibt man
S
→ ϕ , falls ∀α,β∈N0d sup x∈Rd |(1 + x α )∂ β (ϕk − ϕ)| → 0.
ϕk −
D S
Bemerkung: Es gilt D ⊂ S dicht und aus ϕk −
→ ϕ folgt ϕk −
→ ϕ.
Eigenschaften:
(1) ∂ α : S → S ist linear und stetig.
(2) πA,b : S → S ist linear und stetig.
(3) Für α ∈ C ∞ und ϕ ∈ S gilt i. A. nicht α · ϕ ∈ S (wenn α schneller wächst wie ϕ abfällt).
Daher geht man über zu Θ M := {α ∈ C ∞ | ∀β∈N0d ∃C(β)<∞ |∂ β α(x)| ≤ C(β)(1 + |x|mβ )}.
In diesem Fall folgt aus α ∈ Θ M und ϕ ∈ S , dass α · ϕ ∈ S und die Abbildung ϕ 7→ α · ϕ
ist stetig in S .
Für f ∈ Lloc und f (x)(1 + |x|) dx < ∞ für ein geeignetes m ∈ N definiert
1 −m
Motivation:
( f , ϕ) = f (x)ϕ(x) dx ein lineares stetiges Funktional auf S .
Raum der temperierten Distributionen S 0 :
S 0 ist der Raum der linearen stetigen Funktionale auf S .
Konvergenz auf S 0 : Für eine Folge von Distributionen { f k }k∈N und f in S 0 schreibt man
S0
f k −→ f , falls ∀ϕ∈S ( f k , ϕ) → ( f , ϕ).
Es gilt D 0f ⊂ S 0 ⊂ D 0 , wobei D 0f der Raum der Distributionen aus D 0 mit kompaktem Träger ist.
Somit können alle Operationen (Ableitung, Tensorprodukt, Faltung usw.) für S 0 analog wie
für D 0 definiert werden, die Rechenregeln bleiben dabei dieselben.
3 Distributionen – 38 –
Analysis 4
Sei ϕ ∈ S (Rd ).
Dann ist die Fourier-Transformation definiert durch F [ϕ](ξ) = (2π)1 d/2 Rd e−i〈x,ξ〉 ϕ(x) dx .
Die Fourier-Transformation F : S → S ist wie schon gezeigt eine bijektive Abbildung.
Lemma: F : S → S ist eine stetige Bijektion.
S
→ 0 folgt ∂ξα (ξβ F [ϕn ]) → 0 gleichmäßig.
Aus ϕn −
Man nun den Begriff der Fourier-Transformation auf Distributionen erweitern.
Beispielsweise soll für die Delta-Distribution gelten, dass
F [δ(x − x 0 )](ξ) = (2π)1 d/2 Rd e−i〈x,ξ〉 δ(x − x 0 ) dx = (2π)1 d/2 e−i〈x 0 ,ξ〉 .
Motivation: Für f ∈ L 1 (Rd ) gilt nach Fubini (F [ f ], ϕ) = 1
ϕ(ξ) e−i〈x,ξ〉 f (x) dx dξ
(2π)d/2 Rd Rd
= (2π)1 d/2 Rd f (x) Rd e−i〈ξ,x〉 ϕ(ξ) dξ dx = ( f , F [ϕ]).
Eigenschaften
(1) FT und inverse FT sind invers zueinander: Sei f ∈ S 0 (Rd ).
Dann gilt F [F −1 [ f ]] = F −1 [F [ f ]] = f , denn
(F −1 [F [ f ]], ϕ) = (F [F [ f ] ◦ π], ϕ) = (F [ f ] ◦ π, F [ϕ]) = (F [ f ], F [ϕ] ◦ π)
= (F [ f ], F −1 [ϕ]) = ( f , F [F −1 [ϕ]]) = ( f , ϕ) aufgrund F [F −1 [ϕ]] = ϕ für ϕ ∈ S (Rd ).
(2) FT ist eine Bijektion: F : S 0 → S 0 ist eine Bijektion, denn sie ist
surjektiv (für g ∈ S 0 gilt F [ f ] = g mit f = F −1 [g] ∈ S ) und
injektiv (aus f ∈ S 0 mit F [ f ] = 0 folgt ∀ϕ∈S (F [ f ], ϕ) = ( f , F [ϕ]) = 0, also
∀ψ∈S ( f , ψ) = 0 und daher f = 0, indem man ϕ = F −1 (ψ) ∈ S setzt).
(3) Ableitung der FT: Für f ∈ S 0 (Rd ) und α ∈ N0d gilt ∂ξα F [ f ] = F [(−ix)α f ], denn
(∂ξα F [ f ](ξ), ϕ(ξ)) = (−1)|α| (F [ f ](ξ), ∂ξα ϕ(ξ)) = (−1)|α| ( f (x), F [∂ξα ϕ(ξ)](x))
= (−1)|α| ( f (x), (i x)α F [ϕ(ξ)](x)) = (−1)|α| ((i x)α f (x), F [ϕ(ξ)](x))
= ((−i x)α f (x), F [ϕ(ξ)](x)) = (F [(−i x)α f ](ξ), ϕ(ξ)).
(4) FT der Ableitung: Analog beweist man F [∂ xα f ] = (iξ)α F [ f ].
(5) FT einer skalierten Funktion: Sei c ∈ R mit c 6= 0. Dann ist F [ f (c x)](ξ) = |c|−d F [ f ]( ξc ).
3 Distributionen – 39 –
Analysis 4
(6) FT vom Tensorprodukt: Mit x, ξ ∈ Rn und y, η ∈ Rm gilt F(x, y)→(ξ,η) [ f (x) · g( y)](ξ, η)
= F x→ξ [ f ](ξ)·F y→η [g](η) = F y→η [F x→ξ [ f ](ξ)·g( y)](η) = F x→ξ [F y→η [g](η)· f (x)](ξ).
(7) FT bei kompaktem Träger: Für g ∈ D 0 (Rd ) mit supp g = K kompakt (d. h. insbesondere
e−i〈x, y〉
g ∈ S 0 (Rd )) gilt F [g] ∈ Θ M mit F [g] = (g(x), η(x) (2π) d/2 ).
Daher gilt für " ∈ S 0 (R2 ), dass ∆" = δ genau dann, wenn −(ξ21 + ξ22 )F ["] = 2π .
1
Aus der Gleichung L(iξ)F ["] = (2π)1 d/2 kann man " herleiten: Falls L(iξ)
1 1
∈ Lloc gilt, so ist F ["] =
1
(2π)d/2 L(iξ)
. Andernfalls führt man eine geeignete Regularisation durch (z. B. Annähern von 1x
durch P 1x oder x±i·0 1
). Der Satz von Hörmander besagt, dass obige Gleichung immer eine
distributionelle Lösung X besitzt. Dann kann man " = F −1 [X ] berechnen.
formation in Kugelkoordinaten (R, ϕ, θ ) durch, sodass x auf der z -Achse liegt. Mit r := |x| und
R := |ξ| ist dann 〈x, ξ〉 = rR cos θ mit θ dem Winkel zwischen x und ξ.
ei〈x,ξ〉
2π π R(ν) eirR cos θ 2
Damit ist dann F −1 [X ν ] = (2π)
1
3 R , |ξ|≤R(ν) |ξ| +ν
3 2 2 d 3
ξ = 1
(2π) 3 0 0 0 R2 +ν2 R dr sin θ dθ dϕ
1
π R(ν) eirR cos θ 2 1
1 R(ν) R2 irR y
= (2π)2 R dr sin θ dθ = 2e dR d y
0R(ν)0 R2 R +ν1 irR (2π)
R +ν R
2 2 2 −1 0 2
1 1 1 R(ν)
= (2π)2 R2 +ν2 · irR (e − e )dR = (2π)2 · 2 · r 0 R2 +ν2 · sin(rR)dR
−irR
0
R(ν) R(ν) R
= 1
(2π)2 · 1r −R(ν) R2 +ν
R 1
2 · sin(rR)dR = (2π)2 · 2ir
1
−R(ν) R2 +ν2
(eirR − e−irR )dR mit
y = cos θ .
Per Integration über einen Halbkreis in der oberen bzw. unteren Halbebene sieht man
R(ν) R ±irR
Iν± := −R(ν) R2 +ν2e dR = ±iπe−νr + o(1) für ν → 0 (mit dem Lemma von Riemann).
ν→0
Damit ist F −1 [X ν ] = 1
(2π)2
1
· 2ir · (Iν+ − Iν− ) = 1
(2π)2
1
· 2ir · (iπ − (−iπ))eνr + o(1) −−→ 4πr .
1
3 Distributionen – 40 –