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Ete Ws

Das Dokument behandelt die Grundlagen der Wechselstromtechnik, einschließlich der Einteilung von Signalen in nichtperiodische und periodische Größen sowie deren Kenngrößen wie Mittelwert, Gleichrichtwert und Effektivwert. Es wird die komplexe Rechnung eingeführt, um Spannungs- und Stromzeitverläufe zu vereinfachen, und es werden Rechenregeln für komplexe Zahlen erläutert. Zudem werden die Entstehung sinusförmiger Vorgänge und deren mathematische Darstellung behandelt.

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Das Dokument behandelt die Grundlagen der Wechselstromtechnik, einschließlich der Einteilung von Signalen in nichtperiodische und periodische Größen sowie deren Kenngrößen wie Mittelwert, Gleichrichtwert und Effektivwert. Es wird die komplexe Rechnung eingeführt, um Spannungs- und Stromzeitverläufe zu vereinfachen, und es werden Rechenregeln für komplexe Zahlen erläutert. Zudem werden die Entstehung sinusförmiger Vorgänge und deren mathematische Darstellung behandelt.

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1 / 26

5 Wechselstromtechnik

Inhalt
5.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
5.1.1 Einteilung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
5.1.2 Zeitverlauf und Kenngrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
5.1.3 Entstehung sinusförmiger Vorgänge . . . . . . . . . . . . . . . . 6
5.2 Komplexe Rechnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
5.2.1 Zahlenebene und Rechenregeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
5.2.2 Darstellung von Sinusgrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen . . . . . . . . . . . . . . 11
5.3.1 Kirchhoffsche Regeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
5.3.2 Ohmsche Widerstände R . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
5.3.3 Induktivität L . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
5.3.4 Kapazität C . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
5.3.5 Impedanz Z . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
5.3.6 Leistungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
5.3.7 Serienschaltung von R, L und C, Serienresonanz . . . . . . . . 21
5.3.8 Parallelschaltung von R, L und C, Parallelresonanz . . . . . . 24
5.3.9 Blindleistungskompensation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26

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5.1 Allgemeines 2 / 26

5.1 Allgemeines
5.1.1 Einteilung

Abbildung 1: Einteilung der Signale

Im Folgenden werden wir uns mit der Gruppe der deterministischen Signale beschäftigen.
Man unterscheidet:

• Nichtperiodische Größen: z. B. Stromverlauf beim Einschalten einer Induktivität an


Gleichspannung

• Periodische Größen: x(t + T ) = x(t), die kleinsmögliche Zeit T heißt Periodendauer

Periodische Größen teilt man ein in:

• Gleichgrößen, (Sonderfall)

• Mischgrößen

• Wechselgrößen

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5.1 Allgemeines 3 / 26

x(t) x(t)

t t
(a) (b)

Abbildung 2: Gleichgrößen

x(t) x(t)

t
(a) (b)

Abbildung 3: Mischgrößen

x(t) x(t)

t t

(a) (b)

Abbildung 4: Wechselgrößen: Bei Wechselgrößen ist der arithmetische Mittelwert (der


zeitlich lineare Mittelwert) =0, siehe Gleichung 5.1

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5.1 Allgemeines 4 / 26

5.1.2 Zeitverlauf und Kenngrößen

Für periodische Größen definiert man:

Definition 1 Mittelwert (der zeitlich lineare Mittelwert):


T
1ZT 1X
x̄ = x(t)dt ≃ x(t) · ∆t (5.1)
T 0 T 0

Definition 2 Gleichrichtwert:
T
¯ = 1 1X
Z T
|x| |x(t)|dt ≃ |x(t)| · ∆t (5.2)
T 0 T 0

Definition 3 Effektivwert (der zeitlich quadratische Mittelwert):


s v
u T
1ZT 2 u1 X
X= x (t)dt ≃ t x2 (t) · ∆t (5.3)
T 0 T 0

Definition 4 Physikalische Größen, deren Zeitabhängigkeit sich in der Form


x(t) = x̂ · cos(ωt + φx ) (5.4)
darstellen lassen, heißen Sinusgrößen.

Mit:
ω = 2πf (5.5)
1 2π
f= ⇒ ω= (5.6)
T T
φ = ωt + φx (5.7)

Wichtig: Durch die Verwendung von ω = 2π · f muss der Taschenrechner auf rad
gestellt werden!

Dabei heißt:

x(t) Zeitverlauf
x̂ Amplitude > 0
ω Kreisfrequenz, Winkelgeschwindigkeit, Einheit: s−1 , rad
s
f Frequenz
T Periodendauer
φ Phasenwinkel
φx Nullphasenwinkel

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5.1 Allgemeines 5 / 26

Übliche Schreibweisen

Kleinbuchstaben (z. B. u, i) werden für Augenblickswerte (Momentanwerte) ver-


wendet, wenn die Zeitabhängigkeit besonders hervorgehoben werden soll.
Großbuchstaben (z. B. U , I) werden für Effektivwerte verwendet.
Komplexe Größen werden durch Unterstriche gekennzeichnet.

Beispiel 1

geg: Strom:

I(t)
A

20

10
t
0 ms
10 20 30 40 50 60 70
−10

ges: Berechne den Mittelwert, Gleichrichtwert und Effektivwert

Beispiel 2
 
geg: Sinusförmige Spannung u(t) = 325 V cos 2π · 50 s−1 · t + π
6

ges: Berechne den Mittelwert und den Effektivwert

Wichtig: (Nur) Bei Sinusgrößen gilt:


X=√ (5.8)
2

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5.1 Allgemeines 6 / 26

5.1.3 Entstehung sinusförmiger Vorgänge

Abbildung 5: Sinusgrößen und Zeiger


Der Zeitverlauf z. B. von u(t) entsteht durch Projektion des mit 2 multiplizierten Zeigers
U auf die reelle Achse.

Addition von Sinusgrößen gleicher Frequenz

x1 (t) = a1 · cos(ωt + φ1 ) x2 (t) = a2 · cos(ωt + φ2 ) (5.9)


x(t) = x1 (t) + x2 (t) = a · cos(ωt + φ) (5.10)

mit q
a= a21 + a22 + 2a1 a2 cos(φ1 − φ2 ) (5.11)
und
a1 sin φ1 + a2 sin φ2
φ = arctan (5.12)
a1 cos φ1 + a2 cos φ2
Diese Art der Berechnung wirkt schon für nur 2 Größen sehr aufwendig. Deshalb
werden in der Wechselstromrechnung komplexe Größen verwendet und damit die
Berechnung wesentlich vereinfacht.

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5.2 Komplexe Rechnung 7 / 26

5.2 Komplexe Rechnung


Die komplexe Rechnung wird verwendet, um Spannungs- und Stromzeitverläufe einfacher
ermitteln zu können.

Problem in der einfache Lösung Lösung in der


komplexen Ebene komplexen Ebene

Rücktransformation
Transformation

Problem im Zeit- aufwändige Lösung Lösung im Zeit-


bereich bereich

Abbildung 6: Komplexe Rechnung

5.2.1 Zahlenebene und Rechenregeln

Reelle Zahlen siehe Mathematik

√ Im rechten Winkel zur reellen Achse wird eine zweite Achse mit der
Imaginäre Zahlen
Einheit j = −1 errichtet. Damit ergibt sich die komplexe Zahlenebene
Komplexe Zahlen Eine komplexe Zahl z = a + j b besteht aus einem reellen Teil (Kom-
ponente) a und einem imaginären Teil (Komponente) j b
Konjugiert komplexe Zahl Die zur komplexen Zahl z = a + j b konjugiert komplexe
Zahl ist
z∗ = a − j b (5.13)

Winkel
b
φ = arctan (5.14)
a
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5.2 Komplexe Rechnung 8 / 26

Betrag √
|z| = z = a2 + b 2 (5.15)
Komponenten
a = Re [z] = z cos φ b = Im [z] = z sin φ (5.16)

Damit erhält man:

z = a + j b = z cos φ + j z sin φ (5.17)


= z(cos φ + j sin φ) (5.18)

Euler’sche Beziehung:
e j φ = cos φ + j sin φ ⇒ (5.19)
z = a + j b = z e j φ = z∠φ (5.20)
e Euler’sche Zahl (e = 2.718281828459)
∠ bedeutet Winkel
e j φ = ∠φ heißt Winkelfaktor, φ wird gegen den Uhrzeigersinn positiv gezählt

j0
φ=0 e = cos(0) + j sin(0) =1
j π/2
φ = π/2 e = cos(π/2) + j sin(π/2) =j
±jπ
φ = ±π e = cos(±π) + j sin(±π) = −1
j 3π/2
φ = 3π/2 e = cos(3π/2) + j sin(3π/2) = −j
Addition
z 1 + z 2 = (a1 + j b1 ) + (a2 + j b2 ) = (a1 + a2 ) + j(b1 + b2 ) (5.21)
Subtraktion
z 1 − z 2 = (a1 + j b1 ) − (a2 + j b2 ) = (a1 − a2 ) + j(b1 − b2 ) (5.22)

Multiplikation
j φ1 j φ2 j(φ1 +φ2 )
z 1 z 2 = z1 e z2 e = z1 z2 e (5.23)
z 1 z 2 = (a1 + j b1 )(a2 + j b2 ) = (a1 a2 − b1 b2 ) + j(a1 b2 + b1 a2 ) (5.24)
Division
z1 z1 j(φ1 −φ2 )
= e (5.25)
z2 z2
z1 1 +j b1 ) (a2 −j b2 )
= aa12 +j b1
+j b2
= (a(a2 +j b2 ) (a2 −j b2 )
(5.26)
z2
= a1aa22+b+b1 b2
2 + j b1 aa22−a
+b2
1 b2
(5.27)
2 2 2 2

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5.2 Komplexe Rechnung 9 / 26

Potenzieren
z n = (z e jφ n
) = zn e j nφ
= z n ∠nφ (5.28)

Radizieren (Wurzel)

!
√ 1
jφ 1 1
j φ φ k · 2π
n
z = z n = (z e ) =z e
n n n = n z∠ + (5.29)
n n
mit k = 0 . . . n − 1. Für k = 0 erhält man den Hauptwert.
Differenzieren eines rotierenden Zeigers

j(ωt+φ) dz
z = ze ⇒ = j ωz (5.30)
dt
b + 90 ◦
Differenzieren: Multiplikation mit ω und Drehung des Zeigers um + π2 =
Integrieren eines rotierenden Zeigers
j(ωt+φ)
Z
1
z = ze ⇒ zdt = z (5.31)

b − 90 ◦
Integrieren: Division durch ω und Drehung des Zeigers um − π2 =

Beispiel 3
geg: U = 100 V + j 200 V
ges: Betrag-Winkel Darstellung

Beispiel 4
geg: U = 230 V∠20 ◦
ges: Real- und Imaginärteil

Beispiel 5
geg: U1 = 230 V∠20 ◦ , U2 = 100 V + j 200 V
U1
q
ges: U1 + U2 , U1 − U2 , U1 · U2 , U2
, U1 2 , U2

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5.2 Komplexe Rechnung 10 / 26

Beispiel 6
geg: Spule mit Φ = 1 mWb∠45 ◦ , N = 200
ges: U

Beispiel 7
geg: U = 230 V∠20 ◦ , I = 10 A + j 20 A
U
ges: Z = I

5.2.2 Darstellung von Sinusgrößen

Statt des Zeitverlaufes kann auch eine komplexe zeitabhängige Zahl betrachtet werden,
deren Projektion auf die reelle Achse (Realteil) dem ursprünglich gegebenen Zeitverlauf
entspricht. h i
u(t) = û cos(ωt + φu ) = Re û e j(ωt+φu ) (5.32)
Der Wahl der komplexen Größe ist dabei aber nicht eindeutig, denn es wären alle komple-
xen Zeitverläufe zulässig, deren Projektion auf die reelle Achse dem ursprünglich gegebe-
nen Zeitverlauf entspricht. Es wäre daher auch zulässig, einen konstanten Imaginärteil zu
wählen. Bei der Realteilbildung fiele dieser sowieso weg, aber die Rechnung mit dieser ge-
dachten komplexen Zahl wäre um nichts einfacher als die Rechnung mit der cos-Funktion.
Die obige Vorgehensweise (Wahl eines zweckmäßigen Imaginärteils) vereinfacht dagegen
die Berechnung wesentlich.
Diese Wahl einer komplexen zeitabhängigen Zahl für jede zeitabhängige Größe führt da-
zu, dass die physikalischen Zusammenhänge letztendlich direkt mit komplexen Größen
angeschrieben werden können.
h i
j(ωt+φu )
u(t) = û cos(ωt + φu ) = Re û e
h i
j ωt j φu
= Re û e e
h i
j ωt
= Re û e (5.33)

Mit Effektivwerten û = 2U :
√ h√
j(ωt+φu )
i
u(t) = 2U cos(ωt + φu ) = Re 2U e
h√ i
= Re 2U e j ωt e j φu
h√ i
= Re 2U e j ωt (5.34)

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 11 / 26

j φu
U =Ue heißt Effektivwertzeiger der Spannung U . z. B. Ohm´sches Gesetz:
u(t) = R · i(t) (5.35)
h√ i h√ i
Re 2U e j ωt = R · Re 2I e j ωt
(5.36)
√ √
2U e j ωt = R · 2I e j ωt (5.37)
U e j ωt = R · I e j ωt (5.38)
U = R·I (5.39)

⇒ Statt mit Sinusgrößen kann auch mit komplexen Effektivwertzeigern (z. B. U =


U e j φu ) gerechnet werden.

Wichtig: Sinusgrößen mit gleicher Frequenz haben auch gleiche Winkelgeschwindigkeit


ω. Ihre Zeiger (Spitzenwert- oder Effektivwertzeiger) rotieren daher mit der gleichen
Winkelgeschwindigkeit. Die Phasenwinkel der Zeiger zueinander sind nicht zeitab-
hängig. Der Zeitpunkt und damit die Winkellage des Gesamtbildes kann meist frei
gewählt werden.

5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen


5.3.1 Kirchhoffsche Regeln

Die Kirchhoffschen Gesetze (KH1: Knotenregel und KH2: Maschenregel) und die Regeln
für Richtungs-, Bezugs- und Umlaufsinne gelten auch für komplexe Zeiger!

KH1 (Knotenregel): X
I zu = 0(+ j 0) (5.40)
KH2 (Maschenregel): X
U i = 0(+ j 0) (5.41)

5.3.2 Ohmsche Widerstände R

R
A B
I

Abbildung 7: Übliche Wahl der Bezugssinne bei ohmschen Widerständen

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 12 / 26

Werden die Bezugssinne entsprechend Abb. 7 gewählt, so gilt:

5 p(t)

3
u(t), i(t), p(t)

−1
i(t)
−2
u(t)
−3

−4
0 1 2 3 4
ω t/π

Abbildung 8: Zeitverlauf: Widerstand

Bei ohmschen Widerständen sind Spannung und Strom proportional zueinander.

U =R·I (5.42)

Mit komplexen Zahlen geschrieben:

U U e j φu U j(φu −φi )
R= = = e (5.43)
I I e j φi I
Notwendige Bedingung: φu = φi .

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 13 / 26

Im

φI = φU
Re

Abbildung 9: Zeigerdiagramm bei ohmschen Widerständen

Bei ohmschen Widerständen (Wirkwiderstand, Resistanz) ist der Spannungszeiger mit


dem Stromzeiger in Phase.

5.3.3 Induktivität L

L
A B
I

Abbildung 10: Übliche Wahl der Bezugssinne bei Induktivitäten

Werden die Bezugssinne entsprechend Abb. 10 gewählt, so gilt:

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 14 / 26

4
p(t)
3 u(t)
i(t)
u(t), i(t), p(t)

−1

−2

−3

−4
0 1 2 3 4
ω t/π

Abbildung 11: Zeitverlauf: Induktivität

Induktionsgesetz
di
u(t) = L (5.44)
dt
mit komplexen Größen formuliert:
dI
U =L (5.45)
dt
mit
j ωt j φI
I =Ie e ⇒
dI j φI d (e j ωt ) j φI j ωt
dt
=Ie
dt
= I| e {z· e }jω = I · jω
I

Damit erhält man


U = j ωLI = I · j ωL = I · j XL (5.46)
mit
XL = ω · L (5.47)
Die Zahl j ist eine komplexe Zahl mit Betrag 1 und einem Winkel von 90 ◦ . Zur Berechnung
des Winkels der Spannung werden daher zum Winkel des Stromes diese 90 ◦ addiert.

Definition 5 XL heißt Blindwiderstand (Reaktanz) der Induktivität L oder induktiver


Blindwiderstand.

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 15 / 26

Einheit: 1 Ω

Im

φU
I

φI
Re

Abbildung 12: Zeigerdiagramm bei Induktivitäten

Bei Induktivitäten eilt der Stromzeiger dem Spannungszeiger um 90 ◦ nach.

5.3.4 Kapazität C

C
A B
I

Abbildung 13: Übliche Wahl der Bezugssinne bei Kapazitäten

Werden die Bezugssinne entsprechend Abb. 13 gewählt, so gilt:

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 16 / 26

4 p(t)
u(t)
3
u(t), i(t), p(t)

−1

−2
i(t)
−3

−4
0 1 2 3 4
ω t/π

Abbildung 14: Zeitverlauf: Kapazität

du
i=C (5.48)
dt
mit komplexen Größen formuliert:
dU
I=C (5.49)
dt
mit
j ωt j φU
U =Ue e ⇒
dU j φU d (e j ωt ) j φU j ωt
dt
=Ue
dt
=U
| e {z · e }jω = U · jω
U

Damit erhält man


dU
I=C = j ωCU (5.50)
dt
oder
1 1
U= I = −j I = I · (− j)XC (5.51)
j ωC ωC
mit
1
XC = (5.52)
ω·C
Die Zahl − j ist eine komplexe Zahl mit Betrag 1 und einem Winkel von −90 ◦ . Zur
Berechnung des Winkels der Spannung werden daher zum Winkel des Stromes diese −90 ◦
addiert.

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 17 / 26

Definition 6 XC heißt Blindwiderstand (Reaktanz) der Kapazität C oder kapazitiver


Blindwiderstand.

Einheit: 1 Ω

Im
I

φI
• Re

φU

Abbildung 15: Zeigerdiagramm bei Kapazitäten

Bei Kapazitäten eilt der Stromzeiger dem Spannungszeiger um 90 ◦ vor.

5.3.5 Impedanz Z

Definition 7 Die komplexe Größe


jφZ
Z = R + jX = Z e (5.53)

heißt Scheinwiderstand, Impedanz oder allgemeiner Wechselstromwiderstand.

Einheit: 1 Ω

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 18 / 26

Z
A B
I

Abbildung 16: Übliche Wahl der Bezugssinne bei Impedanzen

Werden die Bezugssinne entsprechend Abb. 16 gewählt, so erhält man in Wechselstrom-


kreisen ganz allgemein
U =Z ·I (5.54)
mit

Widerstand ZR = R + j 0

Induktivität ZL = 0 + j XL

Kapazität ZC = 0 − j XC

und
h i
j φZ
⇒ R = Re [Z] = Re Z e = Z cos(φZ ) (5.55)
h i
j φZ
⇒ X = Im [Z] = Im Z e = Z sin(φZ ) (5.56)

Beachte:
U U e j ωt e j φu U e j φu U j(φu −φI
Z= = j ωt j φ
= j φ
= e ) (5.57)
I Ie e I Ie I I
e j ωt kürzt sich weg. Die Impedanzzeiger sind daher ruhende (nicht rotie-
rende) Zeiger. Die Winkellage der Zeiger ist daher nicht frei wählbar.

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 19 / 26

Im

Z
X

φZ

Re
R

Abbildung 17: Zeigerdiagramm bei Impedanzen

5.3.6 Leistungen

Definition 8 Der zeitliche lineare Mittelwert der Momentanleistung heißt Wirkleistung


P und stellt die Transportrate elektrischer Energie dar.

Einheit: 1 W

Definition 9 Das Produkt der Effektivwerte von Strom und Spannung heißt Scheinleis-
tung S.

Einheit: 1 VA (= 1 W)

Definition 10 Das Verhältnis


P
λ= (5.58)
S
heißt Wirkfaktor, Leistungsfaktor oder bei rein sinusförmigen Vorgängen auch cos φ.

Definition 11 Der Ausdruck √


Q= S2 − P 2 (5.59)
heißt Blindleistung.

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 20 / 26

Einheit: 1 VA, veraltet: 1 VAr

Definition 12 Die Komplexe Scheinleistung S ist

S = U I∗ = P + j Q (5.60)

und gilt ganz allgemein in Wechselstromkreisen.

Einheit: 1 VA

mit

Widerstand SR = P + j 0

Induktivität SL = 0 + j QL

Kapazität SC = 0 − j QC

und
h i
j φS
⇒ P = Re [S] = Re S e = S cos(φS ) (5.61)
h i
j φS
⇒ Q = Im [S] = Im S e = S sin(φS ) (5.62)

Beachte:

S = U I∗ = U e j ωt
e j φu
·Ie − j ωt
e − j φI
=Ue j φu
·Ie − j φI
= UI e j(φu −φI )

e j ωt hebt sich mit e − j ωt auf (wird zu 1). Die Leistungszeiger sind daher,
wie die Impedanzzeiger, ruhende (nicht rotierende) Zeiger. Die Winkellage
der Zeiger ist daher nicht frei wählbar und es gilt φS = φZ (vergleiche mit
Gl. 5.57).

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 21 / 26

Im

S
Q

φS

Re
P

Abbildung 18: Zeigerdiagramm bei Leistungen

Beispiel 8

geg: U = 230 V∠30 ◦ , Widerstand mit P = 500 W

ges: I

Lösung:

S = P + j Q = P = U I∗ ⇒
 ∗
∗ P P
I = oder I =
U U
!∗
500 W
I= ◦
= (2.714 A∠ − 30 ◦ )∗ = 2.714 A∠30 ◦
230 V∠30

5.3.7 Serienschaltung von R, L und C, Serienresonanz

Definition 13 Resonanz liegt dann vor, wenn bei einer bestimmten Frequenz f0 (Reso-
nanzfrequenz) gilt:
XL = XC (5.63)

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 22 / 26

1
ω0 L = mit ω0 = 2πf0
ω0 C
1
ω02 =
LC
1
f0 = √ (5.64)
2π LC

Auswirkungen

• ACHTUNG: Die Spannung an den beiden Blindwiderständen kann extrem


hohe Werte annehmen (auch wesentlich höher als die speisende Spannung)
• Die Spannungen bei L und C heben sich in Summe auf
• Die Impedanz ist bei f0 minimal mit Z(f0 ) = R
U
• Der Strom hat bei f0 ein Maximum mit I(f0 ) = R

Beispiel 9

geg: Serienresonanz: U = 230 V∠0 ◦ , R = 200 Ω, L = 0.3 H, C = 2 µF

ges: f0 , |Z(f )|, |I(f )|

Lösung:
1 1
f0 = √ = f0 = √ = 205.17 Hz
2π LC 2π 0.3 H · 2 · 10−6 F
v
u !2
u 1
|Z(f )| = t 2
R + 2πf L −
2πf C
|U | |U |
|I(f )| = =r
|Z(f )| 
1
2
R2 + 2πf L − 2πf C

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 23 / 26

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 24 / 26

5.3.8 Parallelschaltung von R, L und C, Parallelresonanz

Definition 14 Resonanz liegt dann vor, wenn bei einer bestimmten Frequenz f0 (Reso-
nanzfrequenz) gilt:
XL = XC (5.65)

1
ω0 L = mit ω0 = 2πf0
ω0 C
1
ω02 =
LC
1
f0 = √ (5.66)
2π LC

Auswirkungen

• Induktiver und kapazitiver Blindstrom heben sich auf


• Der Gesamtstrom hat bei f0 ein Minimum mit Iges (f0 ) = IR
• Die Impedanz ist bei f0 maximal mit Z(f0 ) = R

Beispiel 10

geg: Parallelresonanz: U = 230 V∠0 ◦ , R = 200 Ω, L = 0.3 H, C = 2 µF

ges: f0 , |Z(f )|, |I(f )|

Lösung:
1 1
f0 = √ = f0 = √ = 205.17 Hz
2π LC 2π 0.3 H · 2 · 10−6 F
v
!2
u U 0 2
u
U0
|I(f )| = t
+ U0 2πf C − =
R 2πf L
v
u 2 !2
u 1 1
= U0 · t
+ 2πf C −
R 2πf L
U0 1
|Z(f )| = = r 
|I(f )| 1
2 
1
2
R
+ 2πf C − 2πf L

© Raschbacher ETE 3. Oktober 2025


5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 25 / 26

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5.3 Berechnung von Wechselstromkreisen 26 / 26

5.3.9 Blindleistungskompensation

Definition 15 Unter Kompensation verstehen wir hier: Reduktion der Blindleistung.

Es gibt 2 Arten:

• Serienkompensation: NT: die Spannung am zu kompensierenden Verbraucher ändert


sich, daher selten angewendet
• Parallelkompensation: häufig

Bei der folgenden Berechnung bezieht sich der Index v auf den Wert vor der Kompensation
und der Index n auf den Wert nach der durchgeführten Kompensation.
Sv = U I Pv = Sv cos φv ⇒
Pv
Sv =
cos φv
Pv
Qv = Sv sin φv = sin φv = Pv tan φv
cos φv
Durch Parallelschalten eines Kondensators ändert sich die Wirkleistung der Gesamt-
schaltung nicht, denn beim Kondensator ist φi − φu = 90 ◦ ⇒ cos φ = 0! Daher ist
Pv = P n = P .
Qv = P tan φv
P
Sn =
cos φn
P
Qn = Sn sin φn = sin φn
cos φn
Qn = P tan φn
Qv − Qn = P (tan φv − tan φn ) = QC
QC = U IC sin φC
Beim Kondensator ist
φC = 90 ◦ ⇒ sin φ = 1
U
QC = U IC mit IC = = U ωC ⇒
XC
QC = U 2 ωC ⇒
QC P (tan φv − tan φn )
C= 2 =
U ω U 2ω

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