0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
10 Ansichten84 Seiten

Mathe

Das Dokument behandelt grundlegende mathematische Begriffe und Definitionen, einschließlich der Definition neuer Begriffe durch Symbole und Rechenregeln. Es erklärt die verschiedenen Zahlenbereiche wie natürliche, ganze, rationale und reelle Zahlen sowie die grundlegenden Rechenoperationen Addition, Multiplikation, Subtraktion und Division. Zudem werden die Regeln für die Bruchrechnung und die Bedeutung von Variablen in mathematischen Ausdrücken erläutert.

Hochgeladen von

ahmad.marwi.12345
Copyright
© All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen
0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
10 Ansichten84 Seiten

Mathe

Das Dokument behandelt grundlegende mathematische Begriffe und Definitionen, einschließlich der Definition neuer Begriffe durch Symbole und Rechenregeln. Es erklärt die verschiedenen Zahlenbereiche wie natürliche, ganze, rationale und reelle Zahlen sowie die grundlegenden Rechenoperationen Addition, Multiplikation, Subtraktion und Division. Zudem werden die Regeln für die Bruchrechnung und die Bedeutung von Variablen in mathematischen Ausdrücken erläutert.

Hochgeladen von

ahmad.marwi.12345
Copyright
© All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen

2 Grundbegri↵e

2.1 Mathematische Definitionen


Die Mathematik ist durchgehend aufgebaut auf präzisen Begri↵en, die neu
oder mit Hilfe bekannter Begri↵e definiert werden. Dazu dient zum einen
eine sprachliche Beschreibung. Zum anderen werden neuen Begri↵en auch
neue Symbole als Bedeutungsträger zugewiesen. Diese Symbole müssen
deshalb klar als neu definiert zu erkennen sein. Dazu dient üblicherweise
ein Gleichheitszeichen mit einem Doppelpunkt.
Beispiel 2.1:
xn := x · x · . . . · x Potenz, siehe 4.1
| {z }
n Faktoren
n! := 1 · 2 · . . . · n Fakultät, siehe 6.1.

Das neue Symbol steht dabei stets auf der Seite des Doppelpunkts. Eine
solche Definition durch eine Gleichung stellt eine Rechenregel dar, so wie
jede andere allgemeingültige Gleichung auch.
Dieselbe Schreibweise tritt auf bei der Zuweisung eines Wertes oder einer
Formel zu einer Unbekannten. Beispiele:
Beispiel 2.2:
Wir wenden die Regel x · (y + z) = x · y + x · z an mit x := 1,
um (y + z) = y z zu schreiben.
Die allgemeine quadratische Gleichung ax2 + bx + c = 0 teilen
wir durch a 6= 0 und erhalten die sog. pq-Form x2 + px + q = 0,
indem wir allgemein setzen: p := b/a und q := c/a.

2.2 Zahlenbereiche und Variablen


In der Mathematik unterscheiden wir zwischen verschiedenen Zahlenberei-
chen, die jeweils einen eigenen Namen besitzen:

I natürliche Zahlen N.
Mit ihnen zählen wir Objekte ab: 1, 2, 3, 4 usw.. Auf diesen Zahlen sind
zunächst nur Addition und Multiplikation definiert, z.B. 3 + 4 = 7,
3 · 4 = 12. Deren Ergebnisse sind immer wieder natürliche Zahlen. Soll
die Null vorkommen dürfen, schreiben wir N0 .

2 Grundbegri↵e Seite 11
I ganze Zahlen Z.
Sie umfassen die natürlichen Zahlen und fügen ihnen ihre negativen
Entsprechungen und die Null hinzu: 0, 1, -1, 2, -2, 3, -3 usw.. Dadurch
sind auch die Ergebnisse von Subtraktionen ganzer Zahlen immer wie-
der ganze Zahlen.
I rationale Zahlen Q.
Sie umfassen die ganzen Zahlen und fügen ihnen die Brüche hinzu,
d.h. die Zahlenwerte aller Ausdrücke der Form p/q. Dabei sind p und
q 6= 0 beliebige ganze Zahlen. Die Ergebnisse beliebiger Anwendungen
der vier Grundrechenarten + · ÷ auf rationale Zahlen sind
immer wieder rationale Zahlen.
I reelle Zahlen R.
Sie umfassen alle rationalenpZahlen und dazu bekannte Zahlen wie
⇡ und Rechenausdrücke wie 2, für die es keine Brüche mit gleichem
Wert gibt. Diese Zahlen geben uns die größte Allgemeinheit beim prak-
tischen Rechnen. Eine reelle Zahl, die nicht rational ist, heißt irrational.

Wir können Zahlen mit unbekanntem Wert als Variablen schreiben. Da-
zu verwenden wir Buchstaben wie a, b, c, x, y, z als Platzhalter, mit denen
wir genauso rechnen können wie mit konkreten Zahlen. Wir können nur
die beteiligten Rechenoperationen nicht immer ausführen. Dies wird erst
möglich, sobald wir Zahlenwerte in Variablen einsetzen. Der rechnerische
Sinn von Variablen besteht darin, dass wir den Ablauf einer Berechnung
soweit wie möglich vorbereiten können. Das Einsetzen ist dann nur noch
der letzte Schritt zum Ergebnis.

2.3 Addition und Multiplikation

Addition und Multiplikation sind Rechenoperationen, d.h. festgelegte


Vorschriften, wie aus zwei Zahlen jeweils eine dritte entsteht.
Die Addition x + y kann geometrisch interpretiert werden als das Hin-
tereinanderlegen zweier paralleler Strecken mit den Längen x und y. Das
Ergebnis ist die Länge der aus diesen beiden Strecken gebildeten Gesamt-
strecke. Das Produkt x · y bedeutet den Flächeninhalt eines Rechtecks,
gebildet aus zwei zueinander rechtwinkligen Strecken der Längen x und y.
x y y

x x·y
x+y

Seite 12 Brückenkurs
Für diese beiden Operationen gilt die bekannte Auswertungsreihenfolge
Punkt vor Strich. Punkt bzw. Strich meinen hier die grafische Erschei-
nung der beiden Operatorzeichen. Diese Regel besagt im Einzelnen:

I Additionen haben untereinander keine vorbestimmte Reihenfolge. Der


Ausdruck 3 + 4 + 5 kann berechnet werden, indem wir eine beliebige
der beiden Additionen zuerst berechnen. Beispiel:
(3 + 4) + 5 = 7 + 5 = 12 oder
3 + (4 + 5) = 3 + 9 = 12 .

I Auch unter Multiplikationen gibt es keine feste Reihenfolge. Beispiel:

(3 · 4) · 5 = 12 · 5 = 60 oder
3 · (4 · 5) = 3 · 20 = 60 .

I Additionen und Multiplikationen haben untereinander per Konvention


eine zwingende Reihenfolge. Im Ausdruck 3+4·5 muss die Multiplika-
tion zuerst berechnet werden: 3+20 = 23. Die umgekehrte Reihenfolge
führt zu einem anderen, nicht gewollten Ergebnis: 7 · 5 = 35. Diese
Vorrangfolge können wir als Klammerung sichtbar machen. Beispiel:
3 + 4 · 5 = 3 + (4 · 5) .
Wollen wir diese Rangfolge verändern, müssen wir selbst explizite Klam-
mern schreiben:
(3 + 4) · 5 = 7 · 5 .

Diese Beobachtungen über die Ausführungsreihenfolge gelten für alle re-


ellen Zahlen, egal ob wir ihre Werte kennen oder nicht. Um immer flexi-
bel und korrekt rechnen zu können, helfen uns abstrakte Rechenregeln.
Mit ihrer Hilfe können wir bestimmte (Teil-)Ausdrücke ersetzen durch an-
dere, auch ohne sie auszurechnen. Die wichtigsten Grundregeln sind die
Kommutativ-, die Assoziativ- und die Distributivregel:

(K) x+y = y+x x·y = y·x


(A) (x + y) + z = x + (y + z) (x · y) · z = x · (y · z)
(D) (x + y) · z = x · z + y · z x · (y + z) = x · y + x · z

Die Assoziativregel bedeutet, dass die Reihenfolge der Berechnung ver-


tauscht werden kann. Im Grunde ist die Klammerung also egal. Diese Re-
gel wird daher oft gebraucht, um Klammern wegzunehmen oder passend
zu setzen.

2 Grundbegri↵e Seite 13
Diese Grundregeln verstehen sich allerdings nicht als Vorlage zur kreativen
Erzeugung analoger Regeln mit anderen Operationen, etwa x y = y x
etc. Es gelten genau diese sechs formulierten Regeln und keine anderen,
wie die Beobachtungen im nächsten Abschnitt zeigen. Wir können sie in
beliebiger Reihenfolge oder auch mehrfach anwenden. Entscheidend ist es
zu erkennen, welche Regel jeweils anwendbar ist. Die Assoziativregel gilt
nur bei zwei gleichen Operatoren, die Distributivregel dagegen nur bei zwei
verschiedenen. Beispiele:
(A) (K) (A)
1 + x + 2 = (1 + x) + 2 = (x + 1) + 2 = x + (1 + 2) = x + 3
(D)
(x + 1)(y + 1) = x (y + 1) + 1 (y + 1)
(D) (A)
= (xy + 1x) + (1y + 1 · 1) = xy + x + y + 1 .
Im unteren Beispiel ist ebenfalls zu sehen, dass in Verbindung mit Varia-
blen der Multiplikationspunkt als Symbol weggelassen werden kann. Per
Konvention wird für ein fehlendes Operatorzeichen dieser Punkt eingesetzt.

2.4 Subtraktion und Division


Die Subtraktion spielt gegenüber der Addition die Rolle einer Umkeh-
rung. Damit können wir Fragen des Typs a + x = b beantworten, wobei
a, b bekannte Werte sind und x gesucht. Die Lösung dieser Gleichung ist
x = b a.
Bei Subtraktionen ist die Klammerung nicht allgemein vertauschbar:
(8 2) 4 = 6 4 = 2 aber
8 (2 4) = 8 ( 2) = 10 .
Dies ist nur möglich, wenn wir sie umwandeln in Additionen mit negativen
Zahlen:
8 2 4 = 8 + ( 2) + ( 4) und damit
(8 + ( 2)) + ( 4) = 6 + ( 4) = 2
8 + (( 2) + ( 4)) = 8 + ( 6) = 2 .
Die Subtraktion gilt wie die Addition als eine Strichrechnung“, die ge-

genüber der Multiplikation nachrangig ausgeführt wird.
Für die Division gibt es drei Symbole:
x
x÷y x/y .
y
Im Rahmen dieses Hefts verwenden wir sie wie folgt:

Seite 14 Brückenkurs
I Die Schreibweise x÷y soll entweder die Division deutlich herausstellen
oder es bei langen Operanden ermöglichen, dass sie sich in normaler
Schriftgröße in die Zeile einfügen: (x2 y 2 ) ÷ (x y).
Sie betont außerdem, dass es sich bei der Division um eine Punktrech-

nung“ wie die Multiplikation handelt und Vorrang hat vor Addition
und Subtraktion.
I Die Schreibweise x/y steht überall dort, wo ein allein stehender Bruch
aus zwei kurzen Operanden gebildet wird, etwa 3/5 oder ⇡/2. Hier steht
nicht die Division selbst im Vordergrund, sondern der Wert des Bruchs.
I Die Schreibweise x
y wird verwendet, um einen kleinen Bruch als Teil
einer längeren Formel zu schreiben oder um die Operanden in normaler
Schriftgröße zweizeilig zu setzen:
1 x2 y2 x+y
2 (x + y)
(x y)2
=
x y
.

Die Division fungiert als Umkehrung der Multiplikation: Sie beantwortet


Fragen des Typs a · x = b durch den Ausdruck x = b ÷ a. Auch hier ist
die Klammerung nicht allgemein vertauschbar:
(8 ÷ 2) ÷ 4 = 4 ÷ 4 = 1 aber
8 ÷ (2 ÷ 4) = 8 ÷ 1/2 = 16 .
Dies ist nur möglich, wenn wir sie umwandeln in Multiplikationen mit ihren
Kehrwerten:
8 ÷ 2 ÷ 4 = 8 · 1/2 · 1/4 und damit
(8 · 1/2) · 1/4 = 4 · 1/4 = 1
8 · (1/2 · 1/4) = 8 · 1/8 = 1 .

2.5 Bruchrechnung
Die Arbeit mit Zahlenbrüchen fällt erfahrungsgemäß vielen mathematisch
Untrainierten schwer. Dabei ist sie der Schlüssel für den sicheren Umgang
mit Formeln im Allgemeinen und speziell mit Wurzelfunktionen. Bruch-
rechnung basiert auf einigen wenigen klaren Regeln, deren Anwendung man
nur zu üben braucht. Bitte nehmen Sie sich hierfür die nötige Zeit, sie zahlt
sich aus!
Brüche sind Zahlen, daher folgt ihre Umformung denselben drei Regeln
(K), (A), (D) (siehe 2.3). Zusätzlich verwenden wir zwei weitere einfache
Regeln:

2 Grundbegri↵e Seite 15
x 1
= x· für y 6= 0 Multiplikation mit Kehrwert
y y
x x·z
= für y, z 6= 0 Erweitern/Kürzen.
y y·z

Die Kehrwert-Regel besagt, dass eine Division als Multiplikation geschrie-


ben werden kann. So kommen danach Regeln für die Multiplikation zum
Zuge. Die Erweiterungs-Regel erlaubt uns, einen beliebigen Faktor z 6= 0
in Zähler und Nenner eines Bruches hineinzuschreiben bzw. herauszuteilen,
ohne den Bruchwert zu verändern. Daraus erhalten wir durch Kombination
die bekannten Regeln für Brüche:

w y w·y
· = für x, z 6= 0 Multiplikation
x z x·z
w y w·z
÷ = für x, y, z 6= 0 Division
x z x·y
w y w+y
+ = für x 6= 0 Addition (gleicher Nenner)
x x x
w y w·z+x·y
+ = für x, z 6= 0 Addition (versch. Nenner).
x z x·z

Die Regeln für die Subtraktion sind ganz analog zu denen der Addition:
auf beiden Seiten steht statt +.
Beispiel 2.3:
4 2 3 4 2·3 4 6 4 2
2 = · = = =
3 1 3 3 1·3 3 3 3
✓ ◆
1 1 1 1 1·4 1·3 1 1 1 · 12
÷ = ÷ = ÷ = = 6.
2 3 4 2 3·4 2 12 2·1
w y
Der Ausdruck ÷ ist ein Doppelbruch. Bestehen einzelne oder alle
x z
Variablen darin aus Teilformeln, so kann es zur Übersicht sinnvoll sein,
mehrere Bruchstriche untereinander zu schreiben. Beispiele:
x 1 x
x+1 x 1 x+1
1 x oder 1 .
x+1 + x 1 x+1

Um die letzte auszuführende Division hervorzuheben, sollte der zugehörige


Bruchstrich etwas breiter sein, siehe zweiten Doppelbruch. Das ist beson-

Seite 16 Brückenkurs
ders wichtig, wenn nur zwei Bruchstriche auftreten:
x
y x x x y x·z
= ÷z = y = x÷ = .
z y y·z z z y
In der Regel Addition (verschiedene Nenner) steckt die Idee, beide Brüche
mit dem Nenner des jeweils anderen zu erweitern:
w y w z y x w·z x·y w·z+x·y
+ = · + · = + = .
x z x z z x x·z x·z x·z
Es ist aber nicht immer notwendig, den Hauptnenner x · z zu bilden. Oft
ist dieser viel größer als nötig, was auf dem Papier vermeidbaren Rechen-
aufwand verursacht. Ein Beispiel:
2 1 2·6+9·1 12 + 9 21
+ = = = .
9 6 9·6 54 54
Der Ergebnisbruch ist noch ungekürzt, denn Zähler und Nenner enthalten
beide den kürzbaren Teiler 3. Wir können ihn deshalb einfacher schreiben
als 7/18. Das hätten wir in diesem Fall auch vorher wissen können, denn
beide Ausgangsnenner enthalten diesen gemeinsamen Teiler 3. Das Ziel
ist eigentlich nur, beide Brüche durch Erweitern auf denselben Nenner zu
bringen. Dabei kann diese 3 ignoriert werden, denn sie ist ja schon in beiden
enthalten. Im Beispiel reicht es, den ersten Bruch mit 6/3 = 2 zu erweitern
und den zweiten mit 9/3 = 3:
2 1 2 2 1 3 2·2 1·3 4 3 7
+ = · + · = + = + = .
9 6 9 2 6 3 9·2 6·3 18 18 18
Alternativ können wir vor der Addition den gemeinsamen Teiler ausklam-
mern und ihn anschließend wieder einmultiplizieren:
✓ ◆
2 1 1 2 1 1 7 7
+ = + = · = .
9 6 3 3 2 3 6 18
Da das für jeden gemeinsamen Teiler beider Nenner gilt, können wir den
besten Rechenvorteil gewinnen, wenn wir den größten gemeinsamen Teiler
finden. Das können wir für den schriftlichen Gebrauch durch Probieren er-
reichen. Taschenrechner, die eine explizite Bruchdarstellung unterstützen,
erledigen dies gleich mit.
Es sei angemerkt, dass man von einem sog. unechten Bruch spricht, wenn
der Betrag des Zählers größer ist als der des Nenners. In einem solchen
Fall ist es rechnerisch möglich, den ganzzahligen Anteil heraus zu kürzen,
sodass ein echter“ Bruch übrig bleibt. Beispiel:

8 6+2 6 2 2
= = + = 2+ .
3 3 3 3 3

2 Grundbegri↵e Seite 17
Manchmal wird dann etwas nachlässig 2 23 geschrieben. Diese Schreibweise
ist aber missverständlich, weil per Standard bei fehlendem Operatorzei-
chen der Multiplikationspunkt eingesetzt wird. Verzichten Sie auf diese
vermeintliche Bequemlichkeit!

Übungsaufgaben zur Bruchrechnung finden Sie ab Seite 72.

2.6 Rechnen mit Größen

Oft bedeuten Zahlen physikalische Größen mit genormten Einheiten. Diese


sollten wir zur Deutlichkeit mit notieren, denn auch sie unterliegen be-
stimmten Rechenregeln:

I Zwei Größen dürfen nur dann addiert, subtrahiert oder verglichen wer-
den, wenn sie genau dieselbe Einheit haben. Die Summe bzw. Di↵erenz
besitzt dann auch selbst diese Einheit.

I Zwei Größen dürfen immer multipliziert, dividiert oder potenziert wer-


den. Die Einheit des Ergebnisses ist dann das Produkt bzw. der Quo-
tient bzw. die Potenz der beteiligten Einheiten.

I Exponenten von Potenzen und Argumente von Winkelfunktionen müs-


sen einheitslos sein.

Eine Einheit kann elementar sein oder zusammengesetzt. In jedem Fall ist
sie spezifisch für eine physikalische Größe. So werden Streckenlängen an-
gegeben in der elementaren Einheit Meter (m) und Zeiten in der ebenfalls
elementaren Einheit Sekunde (s). Geschwindigkeiten haben die aus beiden
zusammengesetzte Einheit Meter pro Sekunde (m/s). An dieser Stelle kann
kein Exkurs in die Bezeichnungen der zahlreichen physikalischen Größen
gegeben werden.

Als Vorsatzzeichen kann eine Einheit eine Größenordnung enthalten. Die


folgenden Buchstaben werden den Einheitszeichen vorangestellt und stehen
jeweils für eine feste Zahlenkonstante, mit der die Einheit multipliziert
wird:

Seite 18 Brückenkurs
Abkürzung gesprochen Faktor Abkürzung gesprochen Faktor
a atto 10 18 E exa 1018
f femto 10 15 P peta 1015
p pico 10 12 T tera 1012
n nano 10 9 G giga 109
µ micro 10 6 M mega 106
m milli 10 3 k kilo 103
c centi 10 2 h hekto 102
d dezi 10 1 da deka 101
verkleinernd vergrößernd
vgl. [Link] für Maßeinheiten
Für Zeiten gelten dieselben verkleinernden Faktoren (z.B. ms, µs, ns etc.).
Aus historischen Gründen besitzen die größeren Einheiten hier jedoch ei-
gene Namen, die sowohl einen Faktor als auch die Basiseinheit Sekunde
beinhalten:
Abkürzung von lat. gesprochen Faktor
min minutus Minute 60 = 60 s
h hora Stunde 3.600 = 60 min
d dies Tag 86.400 = 24 h
a annus Jahr 31.580.928 = 365.25 d
Die Umrechnung einer Einheit in eine andere Größenordnung erfolgt durch
ihren Faktor, der in die Zahlenrechnung eingeht.
Beispiel 2.4: Wollen wir Geschwindigkeiten von km/h in m/s umrechnen,
so beträgt der resultierende Faktor
km 1000 m 1 m
= = .
h 3600 s 3.6 s
Die Umrechnung erfolgt durch direktes Einsetzen dieser Beziehung:
1 m
90 km/h = 90 · /s = 25 m/s.
3.6

Beispiel 2.5: Beim Verrechnen einer Größe müssen ihre Zusatzfaktoren


immer mit verrechnet werden. Eine Fläche von 1 m2 besitzt deshalb

1 m2 = (100 cm)2 = 1002 cm2 = 10000 cm2

und ein Volumen von 1 m3 enthält

1 m3 = (10 dm)3 = 103 dm3 = 1000 dm3 = 1000 ` (Liter).

2 Grundbegri↵e Seite 19
Formen wir eine Formel um, in der Größen stehen, so müssen die obigen
Regeln in jedem Zwischenschritt eingehalten werden. Dies können wir zu
einer Probe verwenden, ob die Umformung korrekt sein kann (nicht unbe-
dingt muss). Oder ob wir eine Formel evtl. falsch behalten haben.

Beispiel 2.6: Die Beschleunigung einer Bewegung wird mit dem Buch-
staben a (von engl. acceleration) bezeichnet und besitzt die Einheit m/s2 .
Ein Körper, der aus der Ruhe mit konstanter Beschleunigung bewegt
wird, legt in der Zeitspanne T den Weg s = 12 a T 2 zurück. Falls wir in
dieser (häufig gebrauchten) Formel versehentlich das Quadrat 2 verges-
sen sollten, können wir diesen Fehler durch einen schnellen Einheiten-
vergleich auf beiden Seiten entdecken: die Strecke links hat die Einheit
m, das falsche Produkt aT rechts aber m/s2 · s = m/s.

2.7 Reelle Funktionen

An dieser Stelle folgt nur eine knappe Einführung der wesentlichen allge-
meinen Begri↵e um reelle Funktionen. Sie werden in den einzelnen Kapiteln
im Zusammenhang mit den dortigen speziellen Funktionenfamilien wieder
aufgegri↵en.
Eine reelle Funktion f beschreibt eine bestimmte Zuordnung von einer
reellen Eingabezahl x zu jeweils einer reellen Ausgabezahl f (x). Die all-
gemeine Schreibweise f (x) kann aufgefasst werden als Platzhalter für eine
ganze Formel, z.B. f (x) = 2x 1. Für gegebenes x wird der Ausgabewert
durch Einsetzen und Ausrechnen bestimmt.
Damit die Funktion f immer ausgewertet werden kann, müssen wir stets
angeben, welche Zahlen x in sie eingesetzt werden dürfen. Alle diese Zahlen
zusammen bilden den maximalen Definitionsbereich
p von f . Z.B. enthält
der max. Definitionsbereich von f (x) = x alle Zahlen x 0 und der
von f (x) = 1/x alle x 6= 0. Ein einzelner fehlender Wert, wie hier, heißt
eine Definitionslücke.
Reelle Funktionen können als Graph gezeichnet werden. Er entsteht, in-
dem wir in einem x-y-Koordinatensystem alle zulässigen Werte für x durch-
laufen und die Punkte (x, f (x)) markieren. An Hand des Graphen wird
visuell deutlich, welches Verhalten die Funktion f besitzt. Alle y-Werte,
die durch Einsetzen von x-Werten auftreten können, bilden zusammen den
Bildbereich der p Funktion. Bei f (x) = x2 etwa sind das alle y 0.
2
(Mehr zu x und x im Abschnitt 4.2.)

Seite 20 Brückenkurs
p 1
f (x) = x f (x) = f (x) = x2
x

y 0 y 0

x 6= 0

x 0 y 6= 0 x aus ganz R

Davon ist zu unterscheiden der Wertebereich von f . Er gibt lediglich


grob an, welche Art von Zahlen als Ergebnis zu erwarten ist, etwa ganze,
rationale oder reelle. Er muss ggf. nicht unbedingt y-Werte nennen, die
nicht als Ergebnis herauskommen können.
Wenn der Graph von f die x-Achse schneidet, heißen die betre↵enden x-
Werte die Nullstellen von f . Nullstellen berechnen wir durch Auflösen
der Gleichung f (x0 ) = 0 nach x0 . Das erfordert je nachdem, wie uns die
Funktion f gegeben ist, verschiedene Techniken.

Nullstellen sind deshalb interessant, f


weil wir damit x-Werte für belie-
bige vorgegebene Funktionswerte y0
berechnen können. Da f (x0 ) = y0
gleichbedeutend ist mit f (x0 ) y0 = x0 x
0, ergibt sich das gesuchte x0 als Null-
stelle der neuen Funktion g(x) :=
f (x) y0 .

Wenn eine Funktion f jedes y im Wertebereich genau einmal annimmt, so


gibt es die Umkehrfunktion f 1 (lies: f invers“) zu ihr. Sie hebt die

Wirkung von f allgemein wieder auf, d.h. das Einsetzen des Funktionswerts
f (x) in f 1 liefert das ursprüngliche x zurück:
1
f ( f (x) ) = x .

Die Schreibweise f 1 mit dem hochgestellten 1 bedeutet keinen Exponen-


ten einer Potenz! In diesem Sinne sind auch die Beschriftungen des Ta-
schenrechners zu verstehen: sin 1 ist die (eingeschränkte) Umkehrfunktion
des Sinus etc. (Mehr zu Winkelfunktionen im Abschnitt 5.5.)
Umkehrfunktionen dienen dazu, Gleichungen des Typs f (x0 ) = y0 nicht
als einzelne Nullstellenprobleme behandeln zu müssen. Stattdessen können
wir sie allgemein lösen: x0 = f 1 (y0 ). Geometrisch entsteht der Funkti-

2 Grundbegri↵e Seite 21
onsgraph von f 1 durch Spiegelung des Graphen von f an der diagonalen
Geraden mit der einfachen Formel y = x (in den Bildern gestrichelt).

1
f f

y=x

Um die Umkehrfunktion von f — wenn sie existiert — rechnerisch zu erhal-


ten, müssen wir die Gleichung f (x) = y nach x auflösen. Die Schwierigkeit
dieser Aufgabe kann stark variieren. Für eine lineare Funktion etwa ist es
leicht:

f (x) = 2x 1 = y |+1
2x = y + 1 |÷2
1
x = 12 (y + 1) =: f (y) .

Obwohl f 1 existiert kann es aber auch unmöglich sein, eine Formel zu


finden. Dies ist z.B. der Fall für die Funktion f (x) = x + 1.6x 12 (Bild
oben links).
Wir wollen möglichst viele Funktionen umkehren können, deren Formeln
aus elementaren Funktionen (wie Potenzen, Exponentialfunktionen oder
Winkelfunktionen) zusammengesetzt sind. Dazu müssen wir die Umkehr-
funktionen dieser Baustein“-Funktionen kennen. In den Kapiteln werden

zu den dort behandelten Funktionen auch deren Umkehrungen betrachtet.
Weiterhin ist es auf einfache Weise möglich, Funktionsgraphen im Koor-
dinatensystem zu verschieben oder zu spiegeln. Solche Techniken ermögli-
chen es uns, gegebene Funktionen flexibel an evtl. Vorgaben anzupassen.
Gegeben sei jeweils die Vorschrift f (x).

An der x-Achse spiegeln: f (x)


an der y-Achse spiegeln: f ( x)
um u nach rechts verschieben: f (x u)
um v nach oben verschieben: f (x) + v

Seite 22 Brückenkurs
f (x) f ( x)

f (x) f (x u) + v
v
u

2 Grundbegri↵e Seite 23
3 Einfache Gleichungen und Gleichungssys-
teme

3.1 Auflösung bei Grundrechenarten


Oft ist eine Formel gegeben oder zu erschließen, in der eine unbekannte
Zahl x eingesetzt ein bekanntes Ergebnis liefert. Diese Bedingung hat die
Gestalt einer Gleichung des Typs

Formel(x) = Ergebnis.

Wir sollen daraus alle möglichen korrekten Werte für die Zahl x bestimmen.
Beispiel 3.1: Fernfahrer Manfred fährt auf der Autobahn mit konstan-
ter Geschwindigkeit von 80 km/h. Wie lange braucht er (ohne Pausen),
um einen 680 km entfernten Kunden zu beliefern?
Die Physik weiß, dass zwischen Geschwindigkeit v, Zeitdauer t und Stre-
cke s der Zusammenhang v · t = s gilt. Hier sind v = 80 km/h und
s = 680 km gegeben und t gesucht. Durch Einsetzen lautet die Gleichung
also:

80 km/h · t = 680 km.

Sie ist leicht zu lösen, indem wir beide Seiten durch 80 km/h teilen:

t = 680 km ÷ 80 km/h = 8.5 h.

Antwort: Manfred benötigt ohne Pausen 8.5 h.


Grundsätzlich können wir Gleichungen auflösen, indem wir auf beiden Sei-
ten dieselbe Operation anwenden1 . Welche Operation sinnvoll ist, entschei-
den wir dadurch, ob sie die Unbekannte besser zugänglich macht. Wir teilen
im obigen Beispiel deswegen durch 80 km/h, damit aus 80 km/h·t ein isoliertes
t wird. Entsprechende Entscheidungen brauchen wir, wenn die Unbekannte
auf beiden Seiten der Gleichung steht. Dann müssen wir versuchen, ein ein-
ziges Auftreten zu erreichen. Bei der Gleichung 3x = x + 3 subtrahieren
wir auf beiden Seiten x, um 2x = 3 zu erhalten.
Wir müssen aber aufpassen, dass wir nur zulässige Operationen anwenden!
Wir dürfen ohne jede Einschränkung denselben Wert addieren oder subtra-
hieren, auch wenn die Unbekannte darin vorkommt (siehe letztes Beispiel).
1
Das hat nichts mit den Rechenregeln (K) (A) (D) aus 2.3 zu tun. Diese gelten für
einzeln stehende Ausdrücke, nicht für Gleichungen.

Seite 24 Brückenkurs
Bei der Multiplikation und Division müssen wir den Wert Null vermeiden.
Die Multiplikation würde sonst die ganze Gleichung zu 0 = 0 machen,
woraus wir keine Unbekannte mehr bestimmen könnten.

Die Division durch Null ist gar nicht definiert. Denn wäre sie es, so müsste
gemäß der Regel x ÷ x = 1 gelten: 0 ÷ 0 = 1. Dies würde jedoch mit
anderen allgemeinen Rechenregeln zu einem unauflösbaren Konflikt führen:

0 2·0 0
2 = 2·1 = 2· = = = 1 Widerspruch!
0 0 0

Darauf müssen wir besonders achten, wenn wir durch einen variablen Aus-
druck teilen. Da er nicht Null werden darf, ergeben sich evtl. Einschränkun-
gen für die Variablen.

Beispiel 3.2: Bestimmen Sie alle Lösungen der Gleichung x2 x = 0.

x2 x = 0 |+x immer erlaubt


x2 = x |÷x Achtung: x 6= 0
x = 1.

Die Lösung x = 1 kommt korrekt heraus, aber x = 0 ist ebenfalls eine


Lösung. Sie wird bei der Division vom Lösungsweg ausgeschlossen. Wir
müssen sie deshalb durch Einsetzen extra prüfen: 02 0 = 0.
Um Flüchtigkeitsfehler wie diesen zu vermeiden, sollten wir die riskante
Division besser ersetzen durch sicheres“ Ausklammern:

(D)
x2 x = x (x 1) .

Die reelle Multiplikation hat die Eigenschaft, dass Null nur dann als
Ergebnis herauskommen kann, wenn mindestens ein Fakter gleich Null
ist. Damit können wir die Gleichung x2 x = 0 bequem zerlegen in
zwei einfachere Gleichungen:

x = 0 oder x 1 = 0.

Hieraus lesen wir die beiden Lösungen x = 0 bzw. x = 1 direkt ab.

Je nach der angewandten Umformungsoperation können auch weitergehen-


de Einschränkungen an ihre Zulässigkeit bestehen. In diesem Kapitel geht
es zunächst nur um die Grundrechenarten.

3 Einfache Gleichungen und Gleichungssysteme Seite 25


3.2 Prozentrechnung
Das bekannte Prozent-Zeichen % steht für den konstanten Faktor 1/100.
So bedeutet 3% von 250“ ausgeschrieben:

1
3· · 250 = 7.5 .
100
Die 250 heißt der Grundwert, die 3% der Prozentsatz und das Ergebnis
7.5 der Prozentwert.
Wenn sich als Grundwert ein Kapital k0 durch Verzinsung mit dem Prozent-
satz p% (hier auch Zinssatz genannt) vermehrt, so kommt der Prozentwert
von p · 1/100 · k0 hinzu:

1 ⇣ p ⌘
k 1 = k0 + p · · k0 = 1+ k0 .
100 100

Dies ist die bekannte Zinsformel. Die Indizes von k meinen die Anzahl
Verzinsungen: eine (1) bzw. keine (0).
Beispiel 3.3: Der sog. Bruttopreis wird berechnet, indem auf den Net-
topreis als Grundwert der Prozentsatz der Umsatzsteuer aufgeschlagen
wird. Wie hoch ist der Bruttopreis für einen Artikel, der im Einkauf
500 e netto kostet?
Der Steueraufschlag von 19% entspricht rechnerisch einer Verzinsung:
✓ ◆
Steuersatz
Bruttopreis = 1 + · Nettopreis
100
✓ ◆
19
= 1+ · 500 e = 1.19 · 500 e = 595 e.
100
Antwort: Der Artikel kostet brutto 595 e.

Beispiel 3.4: Ein Händler gibt im Schlussverkauf 20% Rabatt auf alle
seine Waren. Wieviel kostet jetzt eine Hose, die vorher 80 e gekostet
hat?
Der Rabatt von 20% entspricht rechnerisch einer Verzinsung mit nega-
tivem Zinssatz:
✓ ◆
Rabattsatz
Neupreis = 1 · Altpreis
100
✓ ◆
20
= 1 · 80 e = 64 e.
100

Seite 26 Brückenkurs
Antwort: Die Hose kostet jetzt nur noch 64 e.

Beispiel 3.5: Ist umgekehrt gefragt, etwa wie viel Prozent 10 von 250
10 p
beträgt, so ist damit die Gleichung = gemeint. Wir lösen sie
250 100
nach p auf und geben das Ergebnis mit dem Prozentzeichen an:
10
p = · 100 = 4% .
250

Übungsaufgaben zur Prozentrechnung finden Sie ab Seite 73.

3.3 Geraden und lineare Gleichungen

Der einfachste Typ reeller Funktionen heißt lineare Funktion. Ihr Graph
ist eine Gerade. Sie wird in einem x-y-Koordinatensystem beschrieben
durch die Gleichung

y = mx + n .

Dabei sind m und n beliebige konstante y


reelle Zahlen. Der maximale Definitions-
bereich ist ganz R. Setzen wir x = 0 ein, Achsenabschnitt
y
erhalten wir y = n als den Achsenab- •
schnitt der Geraden. D.h. der Schnitt- x
punkt ihres Graphen mit der y-Achse •
ist (0, n). x
Nullstelle

Der Wert m = y/ x gibt die Steigung der Geraden an. Das ist an-
schaulich die Steilheit des Graphen gegenüber der x-Achse. Die x-Achse
selbst ist die spezielle Gerade mit Steigung m = 0 und Achsenabschnitt
n = 0. Eine Gerade senkrecht zur x-Achse kommt allerdings nicht vor. Wir
können deshalb die y-Achse selbst nicht in Form dieser Gleichung angeben.

3 Einfache Gleichungen und Gleichungssysteme Seite 27


Beispiel 3.6: Im Bild sind 4 y
drei Geraden eingezeich-
net. Die Nullstellen und 3 • y = 2x + 3
die jeweiligen y-Achsenab-
2
schnitte wurden markiert.
Zum Beispiel ist x = 4 1 x
y= 2 2
die Nullstelle der Geraden
y = x2 2. Das skizzierte 0 • • • x
Dreieck liefert die bekannte y
Steigung -1
x
-2 •
y 0 ( 1) 1 y= x
m= = = .
x 4 2 2 -3
-3 -2 -1 0 1 2 3 4 5

Eine Gerade mit Steigung m 6= 0 schneidet die x-Achse in einer Null-


stelle. Wir finden sie, indem wir y = 0 einsetzen und nach x auflösen.

Beispiel 3.7: Wir berechnen die Nullstellen x0 von zwei der Geraden
im obigen Bild.
! 1 !
y = 2x0 + 3 = 0 | 3 y = 2 x0 2 = 0 |+2
2x0 = 3 | ÷ 2 1
2 x0 = 2 |·2
x0 = 3/2 x0 = 4 .

Finden Sie die allgemeine Formel, die die Nullstelle x0 der Geraden direkt
in m und n ausdrückt?

Zwei Geraden können entweder genau einen Schnittpunkt haben, parallel


sein oder identisch. Wir ersehen den jeweiligen Fall direkt aus den beiden
Gleichungen:

I Sind die beiden Steigungen verschieden, gibt es einen Schnittpunkt.

I Sind sie gleich, entscheiden die beiden Achsenabschnitte: Sind auch sie
gleich, sind die Geraden identisch, sonst parallel.

Es sei schon hier auf einen häufig anzutre↵enden Fehler hingewiesen: Die
wenigsten Funktionen f besitzen die Eigenschaft f (x + x0 ) = f (x) + f (x0 ).
Dies wird schon bei Geraden deutlich. Wenn diese Eigenschaft für eine
Gerade f (x) = mx + n gilt, so nur unter einer wichtigen Einschränkung,

Seite 28 Brückenkurs
die direkt daraus folgt:

f (x + x0 ) = f (x) + f (x0 ) einsetzen


m(x + x0 ) + n = (mx + n) + (mx0 + n) (D), (A)
mx + mx0 + n = mx + n + mx0 + n | mx mx0 n
0 = n.

Nur spezielle Geraden der Form y = mx mit Achsenabschnitt n = 0


besitzen diese Eigenschaft. Machen Sie sich das grafisch klar.

Übungsaufgaben zu Gleichungen mit einer Unbekannten finden Sie ab Sei-


te 74.

3.4 Rechnen mit Beträgen

Häufig spielt die absolute Größe einer Zahl eine Rolle, unabhängig von
ihrem Vorzeichen. Das Vorzeichen lässt sich ignorieren mit Hilfe der Be-
tragsfunktion:

|x|
(
x für x 0
| x | :=
x für x < 0 .

Beispiel 3.8: Der Abstand dist(x, y) zwischen zwei Zahlen x, y ist ein
Maß für ihre Entfernung voneinander auf der reellen Achse. Er soll die
folgenden Eigenschaften besitzen:

dist(x, y) = dist(y, x) 0 für alle x, y .

Wir erhalten diese, indem wir den Abstand definieren mit Hilfe der Be-
tragsfunktion: dist(x, y) := | x y | .
Entlang des Berliner Kurfürstendamms fahren mehrere Buslinien. Sie
halten (in etwa) bei den Hausnummern ni = 17, 26, 45, 62, 70, 90, 102,
114, 123, 130, 138, 152, 167, 181, 197, 217, 225.

3 Einfache Gleichungen und Gleichungssysteme Seite 29


c Berliner Verkehrsbetriebe
Wenn wir zum Haus mit der Nummer h gelangen wollen, fahren wir
mit einem Bus zu derjenigen Haltestelle i, deren Hausnummer ni am
nächsten zu h liegt. Rechnerisch bestimmen wir i so, dass der Abstand
dist(ni , h) = | ni h | minimal ist unter allen Möglichkeiten.

Die wichtigsten Eigenschaften des Betrags lauten für alle reellen x, y:

| x| = |x| ignoriert Vorzeichen


|x · y| = |x| · |y| vertauschbar mit Multiplikation
|x ÷ y| = |x| ÷ |y| vertauschbar mit Division.

Die dritte Regel entstammt aus der zweiten, da wir x÷y = x· 1/y schreiben
können. Mit der Addition ist der Betrag aber nicht vertauschbar, da zum
Beispiel gilt:

| 2 + ( 1) | = 1 6= 3 = | 2 | + | 1 | .

Anmerkung: Beträge werden auch zusammen mit der Addition gebraucht.


Dies führt in die Rechnung mit Ungleichungen, die nicht Gegenstand dieses
Heftes ist.

Das Auflösen einer Gleichung, in der ein Betrag vorkommt, führt im All-
gemeinen zu einer Fallunterscheidung.

Beispiel 3.9: In welchen Punkten schneiden sich die Graphen der Funk-
tionen f (x) = | x + 1 | und g(x) = 2x ?

Seite 30 Brückenkurs
Der Ansatz | x + 1 | = 2x ergibt y
zunächst eine Gleichung, in der wir f (x) = | x + 1 |
die Fallunterscheidung des Betrags
vornehmen müssen:
(
x + 1 = 2x für x + 1 0
(x + 1) = 2x für x + 1 < 0 . 1 x

Diese beiden Fälle können wir an- g(x) = 2x


schließend getrennt behandeln:

1. Fall: 2. Fall:
x + 1 = 2x | x x 1 = 2x |+x
1 = x 1 = 3x |÷3
1
3 = x .

Diese beiden x-Werte sind nur dann Lösungen der Ausgangsgleichung,


wenn sie die Bedingungen ihrer Fallunterscheidung erfüllen. Wir prüfen
dies nach:

1. Fall: x + 1 = 1 +1 = 2 0 ! OK
1 2
2. Fall: x + 1 = 6 0 ! falsch.
3 +1 = 3 <

In der Skizze oben ist zu sehen, dass dieses rechnerische Ergebnis stimmt.
Alternativ können wir eine Probe mit der Ausgangsgleichung machen:

1. Fall: 2. Fall:
| x + 1 | = 2x | x + 1 | = 2x
|1 + 1| = 2 · 1 | 13 + 1 | = 2 · ( 1
3)
2 2
2 = 2 3 = 3
OK falsch.

Die hier gezeigte formale Arbeitsweise eignet sich dazu, auch ohne An-
schauung zu einem korrekten Ergebnis zu kommen.

Eine Gleichung, in der ein Betrag vorkommt, kann unterschiedlich viele


Lösungen besitzen:

3 Einfache Gleichungen und Gleichungssysteme Seite 31


|x a|
b

a b a a+b
8
>
< keine Lösung für b < 0
|x a| = b wird zu: x=a für b = 0
>
:
x = a b oder x = a + b für b > 0 .
Null spielt beim Betrag also eine Sonderrolle: nur für den Wert b = 0 exis-
tiert eine eindeutige Auflösung.

Übungsaufgaben zum Rechnen mit Beträgen finden Sie ab Seite 76.

3.5 Lineare Gleichungssysteme


In vielen Anwendungen spielen mehrere Unbekannte eine Rolle. Diese sind
indirekt durch mehrere Gleichungen bestimmt, die gleichzeitig gelten. Be-
sonders einfach sind lineare Gleichungen, in denen jede Variable höch-
stens mit einem konstanten Faktor multipliziert wird. Die beteiligten Glei-
chungen bilden ein sog. lineares Gleichungssystem.
Beispiel 3.10: Im Jahr 2014 kostete die BahnCard25 einmalig 62 e und
reduzierte den regulären Fahrpreis auf drei Viertel. Im selben Jahr kos-
tete die BahnCard50 einmalig 255 e mit Reduktion auf die Hälfte. Ab
welcher Geldausgabe war die BahnCard50 preiswerter?
Der Graph der Kostenfunktion einer Karte ist eine Gerade. Die Jahres-
gebühr ist der Achsenabschnitt und der Reduktionsfaktor die Steigung.
Durch Aufstellen der beiden Funktionsgleichungen erhalten wir direkt
ein lineares Gleichungssystem:
(
y = 62 e + 34 x BahnCard25
y = 255 e + 12 x BahnCard50.

In diesen beiden Gleichungen bedeutet x den unreduzierten Preis und y


den mit der jeweiligen Karte reduzierten Preis.
Es gibt für die Auflösung auf Papier mehrere mögliche Wege. Die beiden
gebräuchlichsten sind folgende:

Seite 32 Brückenkurs
I Einsetzen. Wir setzen das y der ersten Gleichung für das y der zwei-
ten Gleichung ein. Dadurch wird y eliminiert und wir erhalten eine
Gleichung mit nur noch der anderen Variablen x:

62 e + 34 x = 255 e + 12 x | 12 x 62 e
1
4 x = 193 e |·4
x = 772 e.

Dieses x gibt zunächst den unreduzierten Preis an. Die tatsächliche


Geldausgabe im Schnittpunkt liefert uns das Einsetzen in eine der bei-
den Gleichungen:

y = 255 e + 12 · 772 e = 641 e.

Wir können durch Einsetzen in die andere Gleichung eine Probe ma-
chen:

y = 62 e + 34 · 772 e = 641 e.

I Elimination. Wir stellen (ggf. durch Multiplikation) in beiden Glei-


chungen dasselbe Vielfache derselben Variablen her. Dann subtrahieren
wir die Gleichungen voneinander und diese Variable verschwindet. Auf
diese Weise können wir im Beispiel das y direkt berechnen:

I y = 62 e + 34 x |·4
II y = 255 e + 12 x |·6
4I 4y = 248 e + 3 x
6 II 6y = 1530 e + 3 x 6 II 4 I
2y = 1282 e |÷2
y = 641 e.
Beide Verfahren brauchen etwas Übung. Zum Einsetzen muss eine Glei-
chung nach einer Variable aufgelöst werden. Zur Elimination braucht es
dasselbe Vielfache derselben Variablen.
Lineare Gleichungen mit zwei Variablen lassen sich im x-y-Koordinaten-
system als Geraden darstellen, siehe Beispiel 3.6. Ein Gleichungssystem
mit zwei Gleichungen fragt nach deren Schnittpunkt(en).

3 Einfache Gleichungen und Gleichungssysteme Seite 33


Treten drei Variablen auf in der Form ax+by+cz = d, so
stellen wir uns als ihre Bilder flache Ebenen in unserem
Erlebnisraum vor. Zwei Ebenen können einander nicht
in einem einzigen Punkt schneiden. Deshalb brauchen
wir immer mindestens drei solche Gleichungen, wenn wir
eine eindeutige Lösung haben wollen.
Recherisch können wir bei drei oder mehr linearen Glei-
chungen immer wieder zwei wie oben ineinander einset-
zen oder eine Variable eliminieren. Anmerkung: Es gibt ein systematisches
Verfahren dafür, das für den Brückenkurs noch zu fortgeschritten ist.

Übungsaufgaben zu linearen Gleichungssystemen finden Sie ab Seite 76.

Seite 34 Brückenkurs
4 Potenzen, Wurzeln, Exponentiale

4.1 Definition und Regeln der Potenzen

Die bekannte Schreibweise xn für Potenzen ist eine Abkürzung für die
fortgesetzte Multiplikation der reellen Zahl x mit sich selbst zu einem Pro-
dukt:

xn := x · x · . . . · x für natürliche Zahlen n.


| {z }
n Faktoren

Beispiel 4.1: 34 = 3 · 3 · 3 · 3 = 81.

x heißt die Basis der Potenz und n ihr Exponent. Aus dieser Definition
folgen die bekannten Potenzgesetze:

xm · xn = xm+n Produkt mit gleichen Basen


xn · y n = (xy)n Produkt mit gleichen Exponenten
xn ⇣ x ⌘n
= Quotient mit gleichen Exponenten, y 6= 0
yn y
(xm )n = xm·n Potenz der Potenz
0n = 0 für alle n 6= 0
1n = 1 für alle n .

Diese Rechenregeln sind leicht zu merken, wenn wir ihre Entstehung be-
trachten:

xm · xn = x · . . . · x · x · . . . · x = x · . . . · x = xm+n
| {z } | {z } | {z }
m Faktoren n Faktoren m+n Faktoren

xn · y n = x · . . . · x · y · . . . · y = (xy) · . . . · (xy) = (xy)n .


| {z } | {z } | {z }
n Faktoren n Faktoren n Produkte

Wie ergeben sich die Quotient- und die Potenz der Potenz -Regel?
Wir können allgemein mit ganzzahligen (also auch negativen) Exponen-
ten n rechnen, wenn wir drei weitere Regeln beachten:

4 Potenzen, Wurzeln, Exponentiale Seite 35


n 1
x = Vorzeichenwechsel im Exponenten, x 6= 0
xn
xm
n
= xm n
Quotient mit gleichen Basen, x 6= 0
x
x0 = 1 für alle x 6= 0 .

Der Ausdruck 00 stellt einen Konfliktfall dar zwischen den Regeln 0n = 0


und x0 = 1 und ist deshalb nicht ohne Weiteres definiert. Es muss immer
nach Kontext entschieden und angegeben werden, welche der beiden Regeln
gelten soll.
Beispiel 4.2:
I 23 · 25 = 23+5 = 28 I 23 · 53 = (2 · 5)3 = 103
23 1 23 ⇣ 2 ⌘3
I = 23 5
= 2 2
= I = = 0.43
2 5 22 3
⇣2⌘ 1
5 5
1 5 I (23 )5 = 23·5 = 215
I = 2 =
5 /5 2
2
Beispiel 4.3: Wir vereinfachen den Ausdruck (xy)3 ( xy )2 so weit wie
möglich:
✓ ◆2
x2 (x2 )2 3 3 x
4
3 4 y
3
(xy)3 = x3 y 3 2
= x y 2
= x x 2
= x7 y .
y y y y

Die bekannte Regel Punkt vor Strich (siehe 2.3) besitzt eine Erweiterung
für Potenzen:

Potenz vor Punkt vor Strich.

Beispiel 4.4: Achten Sie auf die Reihenfolge der Rechenoperationen,


die durch die Klammerung bestimmt wird:

5 + 8 · 32 = 5 + 8 · 9 = 5 + 72 = 77
(5 + 8 · 3)2 = (5 + 24)2 = 292 = 841
5 + (8 · 3)2 = 5 + 242 = 5 + 576 = 581
(5 + 8) · 32 = 13 · 9 = 117 .

Übungsaufgaben zu Definition und Regeln der Potenzen finden Sie ab Sei-


te 78.

Seite 36 Brückenkurs
4.2 Potenzen als Funktionen, Wurzeln
Auch die Potenzen f (x) = xn sind reelle Funktionen. Ihr maximaler
Definitionsbereich hängt von n ab, wie wir aus den Rechenregeln ersehen
können. Für n > 0 ist er ganz R, für n  0 müssen wir x 6= 0 beachten.

x19 x 19
x5 x 5
x3 x 3
1
x
1 x1 1
-1 -1

1 1
-1 -1

n > 0 ungerade n < 0 ungerade

x4 x20 x 20

6
x
x6
4
x
x2
1 1
2
x

n > 0 gerade n < 0 gerade


Bei Potenzfunktionen stellen sich mitunter Fragen des Typs xn = a, wobei
n, a bekannt sind und die Basis x gesucht, z.B. x2 = 1 oder x5 = 2. Hier
wollen wir den Exponenten optisch von der linken Seite entfernen, d.h.
rechnerisch soll er (wegen x = x1 ) zu 1 gemacht werden.
Diese Fragen werden beantwortet von der Umkehrfunktion (siehe 2.7)
zur jeweiligen Potenzfunktion f (x) = xn . Dazu müssen wir Brüche im
Exponenten zulassen. Denn dann sagt uns die Potenz der Potenz -Regel,
wie wir das erreichen können:
1 1
(xn ) n = xn· n = x1 .
1
1
Die Potenzfunktion f (x) = x n spielt also die Rolle der Umkehrfunktion

4 Potenzen, Wurzeln, Exponentiale Seite 37


zu f . Die Umkehrfunktionen zu Potenzfunktionen xn werden auch n-te
Wurzeln genannt und wie folgt geschrieben:

p
n
1
x := x n .

p
Der Graph von n x entsteht durch Spiegelung des Graphen von xn an der
Winkelhalbierenden (gestrichelt). Hier die Beispiele x2 und x3 :
3 3
2
x x3
2 2
p p
1 x 1 3
x
0 0
-1 -1
-2 -2
-3 -3
-3 -2 -1 0 1 2 3 -3 -2 -1 0 1 2 3
Potenzen mit geraden Exponenten n = 2, 4, 6, . . ..
Damit beim Spiegeln der quadratischen Parabel y = x2 (linkes Bild)
tatsächlich eine Funktion entsteht, muss es für jedes y genau ein x ge-
ben. Um das zu erreichen, schränken wir den Definitionsbereich ein auf
x 0 und den Wertebereich auf y 0. Dies entspricht dem 1. Quadran-
ten, also dem oberen rechten Viertel des Koordinatensystems.
p Die Umkehr-
funktion der Quadratfunktion heißt die Quadratwurzel x.
p
Analog gilt für alle geraden Wurzeln n x :

I sie können nur aus Zahlen x 0 gezogen werden


p
I sie liefern als Ergebnis immer Werte n x 0
p
I sie erfüllen die Gleichung n xn = | x |. (Zur Betragsfunktion siehe 3.4.)

Potenzen mit ungeraden Exponenten n = 1, 3, 5, . . ..


Diese Funktionen sind global umkehrbar (rechtes Bild), es ist keine Ein-
schränkung erforderlich. Für die abgebildete Funktion
p y = x3 ist z.B.
( 1)3 = 1, siehe grüne Kurve. Daher folgt: 3 1 = 1, siehe die rote
Kurve dazu. Der negative Wert 1 unter der Wurzel ist hier zulässig und
als Ergebnis korrekt.
p
Für alle ungeraden Wurzeln n x gilt:

Seite 38 Brückenkurs
I sie können aus allen reellen Zahlen x gezogen werden
I sie liefern als Ergebnis immer Werte mit demselben Vorzeichen wie x
p
I sie erfüllen die Gleichung n
xn = x.

Potenzen mit negativen ganzzahligen Exponenten.


Für solche Potenzen xn gilt dasselbe wie für positive Exponenten, nur dass
wir zusätzlich x 6= 0 beachten müssen.
Rechenregeln für Wurzeln. Wurzeln sind Potenzfunktionen wie alle an-
deren auch und gehorchen denselben Potenzregeln. Sie führen in der Rech-
nung lediglich oft zu Brüchen im Exponenten. Falls Sie sich damit noch
nicht sicher fühlen sollten, üben Sie sich zunächst mehr in Bruchrechnung.

Beispiel 4.5: Wie können wir den s folgenden Ausdruck soweit wie
p p x3
möglich vereinfachen? x · 3 y2 · 6 .
y
Wir schreiben die Wurzeln nach ihren Definitionen als Bruchpotenzen
um und wenden die Potenzregeln an:

1
⇣ x3 ⌘ 1 p
2 13 6 1 2 3 1 1 3 2 1 1
x (y )
2 = x2 y 3 x6 y 6 = x2+6 y 3 6 = x1 y 2 = x y .
y

Auflösen von Gleichungen mit Potenzen oder Wurzeln. Gleichun-


gen können wir umformen, indem wir auf beiden Seiten dieselben Ope-
rationen anwenden. Für ungerade n ist das Potenzieren mit n oder 1/n
ohne Einschränkung
p zulp
ässig: Die Gleichung a = b ist äquivalent zu
n n n n
a = b und zu a = b.

Beispiel 4.6: Wir wollen aus Draht die Kanten eines Würfels mit dem
Volumen von 0.5 m3 biegen. Welche Gesamtlänge an Draht wird dafür
benötigt?
Es bezeichne s die Kantenlänge des gesuchten Würfels. Er hat das Vo-
lumen s3 = 0.5 m3 . Daraus erhaltenp wir durch Anwendung der Um-
3
kehrfunktion dritte Wurzel : s = 0.5 m. Der Würfel besitzt 12 Kanten
dieser Länge s. Wir benötigen also
p3
12 s = 12 0.5 m ⇡ 9.53 m Draht.

Bitte setzen Sie den Taschenrechner erst im letzten Schritt ein.

Für gerade n wirken sich die genannten Einschränkungen an die Potenz-


und Wurzelfunktionen auf die zulässigen Umformungen aus:

4 Potenzen, Wurzeln, Exponentiale Seite 39


I Potenzieren mit n ist nur zulässig, wenn beide Seiten gleiches Vorzei-
chen besitzen. a = b und an = bn sind nur dann äquivalent, wenn
a · b 0 ist.
Wenn wir diese Vorzeichen nicht beide kennen, können wir trotzdem
potenzieren, erhalten aber evtl. mehr Lösungen als die Ausgangsglei-
chung besitzt. Wir müssen deshalb danach eine Probe machen, welche
der erhaltenen Lösungen die Ausgangsgleichung erfüllen (siehe Bei-
spiel 4.17).
I Potenzieren mit 1/n ist nur zulässig, wenn beide Seiten nichtnegativ
p p
n
n
sind. a = b und a= b sind nur dann äquivalent, wenn a 0 und
b 0 gilt.
Wenn wir diese Vorzeichen nicht beide kennen, können wir trotzdem
so potenzieren, müssen aber die beiden Vorzeicheneinschränkungen ak-
zeptieren. Falls a < 0 oder b < 0 vorkommen können, müssen wir
diese Fälle separat behandeln.

Beispiel 4.7: Eine Bank bietet uns eine zweijährige Anlage an mit 2%
Zins im ersten Jahr und 10% im zweiten Jahr. Sie verspricht uns dabei
einen Durchschnittszins von 6%. Was halten wir davon?
Wenn wir das Kapital k0 anlegen, können wir die Zinsformel (Ab-
schnitt 3.2) zweimal anwenden und haben nach dem Modell der Bank
nach zwei Jahren
✓ ◆✓ ◆
2% 10%
k2 = 1 + 1+ k0 = 1.02 · 1.10 k0 = 1.122 k0 .
100 100
Der Durchschnittszins p > 0 gilt in beiden Jahren gleich und muss
dasselbe Ergebnis erreichen:
⇣ p ⌘2
1+ k0 = 1.122 k0 | ÷ k0
100
⇣ p ⌘2 p
1+ = 1.122 | · , (beiden Seiten sind 0)
100
p p p
1+ = 1.122 | Betrag auflösen: 1 + 0
100 100
p p
1+ = 1.122 | 1, ·100
100 p
p = 100 ( 1.122 1)
⇡ 5.92 % .

Antwort: Diese Bank hält ihr Versprechen nicht ganz.

Seite 40 Brückenkurs
Anmerkung: die Wurzel aus dem Quadrat ist zunächst gleich dem Betrag.
Erst im nächsten Schritt spielt die Eigenschaft 1 + p/100 0 eine Rolle
und der Betrag wird nur in seinem ersten Fall benutzt: | x | = x für
x 0.

Beispiel 4.8: Für welche reellen Zahlenpaare a, b gilt a2 = b2 ?


Eine vorschnelle Antwort lautet: a = b. Aber auf den zweiten Blick
erfüllt auch das Paar a = b die Gleichung, da ( b)2 = b2 ist.
Der korrekte Umformungsschritt lautet: | a | = | b |. Die Beträge erhal-
ten die notwendigen Fallunterscheidungen, die wir dann explizit tre↵en
können:
( (
a für a 0 b für b 0
|a| = |b| =
a für a < 0 b für b < 0 .

Wenden wir diese an, ist die Gleichung | a | = | b | weiter äquivalent zu


8
>
> a = b für a 0 und b 0
>
>
< a = b für a < 0 und b 0
>
> a = b für a 0 und b < 0
>
>
: a = b für a < 0 und b < 0 .

Die äußeren beiden Fälle sind rechnerisch äquivalent durch einfache Mul-
tiplikation mit 1 und können zusammengefasst werden. Das ist ebenso
der Fall bei den inneren beiden Fällen. Als Lösungen bleiben wie erwartet
stehen: a = b (falls a · b 0) und a = b (falls a · b < 0).
In Beispiel 4.11 sehen wir eine zweite Möglichkeit, um diese beiden
Lösungen systematisch zu erhalten.
p p
Beispiel 4.9: Die Gleichung 2x + x + 1 = 0 besitzt o↵ensichtlich
keine Lösung, da zwei verschiedene nichtnegative Zahlen addiert niemals
Null ergeben können. Ein falsches Vorgehen zur Lösung könnte trotzdem
wie folgt aussehen — finden Sie den Fehler?
p p p
2x + x + 1 = 0 | x+1
p p
2x = x+1 | (. . .)2
2x = ( 1)2 (x + 1) = x + 1 | x
x = 1.

Übungsaufgaben zu Potenzen und Wurzeln finden Sie ab Seite 79.

4 Potenzen, Wurzeln, Exponentiale Seite 41


4.3 Binomische Formeln und Faktorisierung
Die bekannten drei binomischen Formeln ergeben sich direkt aus den
Rechenregeln für reelle Zahlen, vgl. 2.3:

(a + b)2 = a2 + 2ab + b2 1. bin. Formel


(a b)2 = a2 2ab + b2 2. bin. Formel
(a + b)(a b) = a2 b2 3. bin. Formel.

Beispiel 4.10: Konkrete Brüche werden per Konvention mit möglichst


einfachem Nenner dargestellt. In den meisten Fällen können wir dort eine
natürliche Zahl erreichen. Bei Wurzelausdrücken sagt uns maßgeblich die
3. bin. Formel, wie wir geschickt erweitern können:
p p
1 3+1 3+1 1 p
p = p p = = ( 3 + 1) .
3 1 ( 3 1)( 3 + 1) 3 1 2

Während wir kaum ein Gefühl für den Wert des linken Bruches haben,
können wir den rechten Bruch mit einfachem Nenner gut abschätzen:
1 p 1 1
( 3 + 1) ⇡ (1.73 + 1) = · 2.73 ⇡ 1.37 .
2 2 2
Ihre besondere Bedeutung erlangen die binomischen Formeln durch das
Lesen von rechts nach links, denn dabei wird aus einer Summe ein Produkt
geformt: die Summe wird faktorisiert. Das zu können ist nützlich bei
der Auflösung vieler Gleichungen, deren eine Seite Null ist, vgl. Beispiel
4.16 (S. 46). Eine andere Anwendung ist die Teilbarkeit eines ganzzahligen
Ausdrucks durch eine bestimmte ganze Zahl bzw. einer Formel durch eine
andere.
Beispiel 4.11: Für welche Zahlenpaare a, b gilt a2 = b2 ?
Wir formen die Bedingung a2 = b2 um zu a2 b2 = 0 und faktorisieren
sie mit der dritten binomischen Formel: (a + b)(a b) = 0. Jeder der
beiden Faktoren liefert eine neue Gleichung: a + b = 0 bzw. a b = 0.
Antwort: Die Gleichung wird erfüllt von den beiden Zahlenpaaren mit
a = b bzw. a = b.

Beispiel 4.12: Der bekannte Satz des Pythagoras (siehe auch 5.2)
interpretiert drei reelle Zahlen a, b, c mit der Eigenschaft a2 + b2 = c2
als Seitenlängen eines rechtwinkligen Dreiecks. Bereits in den natürli-
chen Zahlen gibt es unendlich viele Dreiergruppen, die diese Bedingung

Seite 42 Brückenkurs
erfüllen. Sie heißen nach dieser Eigenschaft pythagoräische Zahlentripel.
Sie entstehen auf folgende Weise. Wir wählen zwei beliebige natürliche
Zahlen m, n mit m > n aus und definieren

a := m2 n2 , b := 2mn , c := m2 + n2 .

Warum stimmt das immer? Wir prüfen die Pythagoras-Bedingung nach:

a2 + b 2 = (m2 n2 )2 + (2mn)2
= (m4 2m2 n2 + n4 ) + 4m2 n2
= m4 + 2m2 n2 + n4
= (m2 + n2 )2
= c2 .

Beispiel 4.13: Warum ist der Wert des Ausdrucks n3 n für jede
natürliche Zahl n durch 6 ohne Rest teilbar?
Wir faktorisieren diesen Ausdruck:

n3 n = n (n2 1) = n(n + 1)(n 1) .

Es werden also immer drei benachbarte Zahlen multipliziert. Von diesen


muss aber mindestens eine durch 2 teilbar sein und eine durch 3. Insge-
samt enthält das Produkt beide Teiler, das ergibt zusammen den Teiler
2 · 3 = 6.

Übungsaufgaben zu Binomischen Formeln und Faktorisierung finden Sie


ab Seite 80.

4.4 Parabeln und quadratische Gleichungen


Wir lassen in einer Geradengleichung y = b x + c jetzt zusätzlich einen
Term der Form ax2 zu, in dem a 6= 0 eine beliebige reelle Zahl ist. Die
resultierende quadratische Funktion

f (x) = a x2 + b x + c

hat als Graph eine Parabel. Diese besitzt als markante Eigenschaft einen
Extremwert, der als Scheitelpunkt zu erkennen ist, siehe Bild von x2 in
Abschnitt 4.1. Eine Parabel ist immer symmetrisch zur senkrechten Gera-
den durch diesen Scheitel. Hier einige typische“ Parabeln:

4 Potenzen, Wurzeln, Exponentiale Seite 43


Um die Koordinaten des Scheitelpunkts zu berechnen, fragen wir zunächst:
Wie verändert der lineare Summand bx in der Funktionsvorschrift f (x) =
x2 + bx + c (wo a = 1 ist) die optische Gestalt der zugehörigen Parabeln?
Wir sehen dies durch sog. quadratische Ergänzung. Es ist nämlich
möglich, die Summe x2 + bx + c als einen binomischen Ausdruck der
Form (x u)2 + v zu schreiben. Wie müssen wir u, v dafür wählen?
Ausmultipliziert erhalten wir zunächst
!
(x u)2 + v = x2 2u x + u2 + v = x2 + b x + c .
Die zweite Gleichung mit dem Ausrufezeichen soll erfüllt werden. Wir errei-
chen dies durch einen sog. Koeffizientenvergleich: Er setzt die Faktoren
beider Seiten bei denselben Potenzen separat gleich. Bei x2 stimmen die
Faktoren 1 bereits überein, es bleiben x und die Konstanten:
! !
2u = b | ÷ ( 2) u2 + v = c | u2
✓ ◆2
b 2 b
u = v = c u = c .
2 2
Antwort: Die Parabelform wird durch Addition des Summanden bx nicht
verändert. Die Kurve wird nur nach rechts verschoben um u und nach oben
um v (vgl. 2.7). Der Scheitelpunkt hat die Koordinaten (xS , yS ) = (u, v).
Wir haben hier die sog. Scheitelpunktform der Parabel entwickelt:
✓ ◆2 " ✓ ◆2 #
b b
x2 + bx + c = x + + c .
2 2

Abstrakt geschrieben erkennen wir die Koordinaten des Scheitelpunkts di-


rekt in der Formel:

Seite 44 Brückenkurs
y

y = x2

s
+y
y = (x xS ) 2 + yS .

xs ) 2
(x
y=
Im allgemeinen Fall a 6= 1 lauten
diese Koordinaten wie folgt:

ys
2
b b •
xS = , yS = c . xs x
2a 4a

Versuchen Sie, diese allgemeinen Formeln für xS , yS selbst herzuleiten (sie-


he Aufgabe 6.9 auf Seite 81).

Beispiel 4.14: Wir werfen


einen Stein aus der Höhe
von 15 m auf den Boden. Er
folge dabei der Wurfpara-
bel mit der Vorschrift 15 m
yS

f (t) = 5 t2 + 10 t + 15 .

Dabei bedeutet t die Zeit


0 tS
in s und f (t) die Höhe in m.
Wann erreicht der Stein auf seinem Flug welche maximale Höhe?
Aus der Vorschrift f (t) lesen wir ab: a = 5, b = 10, c = 15. Der
Scheitelpunkt liegt damit bei
b 10
tS = = = 1
2a 2 · ( 5)
b2 102
yS = c = 15 = 20 .
4a 4 · ( 5)
Antwort: Der Stein erreicht seine maximale Höhe von 20 m nach 1 s.

Um die Nullstellen einer quadratischen Funktion zu bestimmen, teilen wir


zunächst auf beiden Seiten der Gleichung ax2 + bx + c = 0 durch a und
erhalten x2 + px + q = 0, wobei wir p := b/a und q := c/a setzen. Für diese
Form der Gleichung gilt die bekannte pq-Formel:

s
p p2
x1,2 = ± q .
2 4

4 Potenzen, Wurzeln, Exponentiale Seite 45


Die beiden Indizes beziehen sich auf das ±-Zeichen in der Formel. x1 bzw.
x2 sollen diese beiden Ergebniswerte bezeichnen.
Da die Wurzel nur aus nichtnegativen Zahlen gezogen werden kann, ergeben
sich hier fallweise zwei, eine oder auch keine Lösung:
8
>
< >0 ! zwei Lösungen
p2
q =0 ! eine Lösung
4 >
:
<0 ! keine Lösung.

Der linke Ausdruck heißt deshalb die Diskriminante (lat. Unterscheiden-


de) der Gleichung. Wenn es eine oder zwei Lösungen gibt, können wir mit
Hilfe des Satzes von Viëta eine Probe machen, die schneller geht als
zweimal Einsetzen. Dieser Satz besagt, dass immer gilt:

x1 + x2 = p und x1 · x2 = q .

Beispiel 4.15: Martina ist 4 Jahre jünger als ihr Bruder Chris. Vor
einem Jahr war das Produkt ihrer beiden Alter gleich 117. Wie alt ist
Martina heute?
Sei x Martinas heutiges Alter. Die Bedingungen führen auf die Gleichung
(x 1)(x + 3) = 117, die wir umformen können zu x2 + 2x 120 = 0.
Wir lesen ab: p = 2 und q = 120. Dann berechnen wir zunächst die
Diskriminante:
p2 22
q = + 120 = 121 > 0 ,
4 4
d.h. es gibt zwei mögliche Lösungen. Diese sind
p p
x1 = 1 + 121 = 10 und x2 = 1 121 = 12 .

Dieser negative Wert ist für ein Alter o↵enbar unsinnig. Eine Probe mit
dem Satz von Viëta können wir trotzdem machen:

x1 + x2 = 10 12 = 2 = p
x1 · x2 = 10 · ( 12) = 120 = q .

Antwort: Martina ist 10 Jahre alt.

Beispiel 4.16: Welche reellen Zahlen x erfüllen die Gleichung x3 = 1 ?


Es gilt die folgende Beziehung:
x3 1 = (x 1)(x2 + x + 1) ! nachrechnen!

Seite 46 Brückenkurs
Für jede Zahl x mit x3 = 1 ist die linke Seite dieser Gleichung Null,
daher muss auch die rechte Seite gleich Null sein. Das ist sie entweder
für x = 1 (erster Klammerfaktor ist Null) oder wenn der zweite Faktor
Null ist. Wir lesen aus x2 + x + 1 = 0 die Werte p = q = 1 ab und
berechnen die Diskriminante:
p2 12 3
q = 1 = < 0.
4 4 4
Diese quadratische Gleichung besitzt also keine Nullstellen.
Antwort: Die einzige reelle Lösung der Gleichung x3 = 1 ist x = 1.

p
Beispiel 4.17: Welche Zahlen x erfüllen die Gleichung x + x = 2 ?
Um durch Quadrieren die Wurzel aufzuheben, subtrahieren wir das x
zunächst auf die rechte Seite:
p
x+ x = 2 | x
p
x = 2 x | (. . .)2
x = (2 x)2 = 4 4x + x2 | x
0 = x2 5x + 4 pq-Formel
r⇣ ⌘ r
5 5 2 5 25 16
x1,2 = ± 4 = ±
2 r 2 2 4 4
5 9 5 3 5±3
= ± = ± =
2 4 2 2 2
also x1 = 1 oder x2 = 4 .

Aber Achtung: Wir haben quadriert, ohne das Vorzeichen der rechten
Seite zu kennen! Wir müssen deshalb eine Probe machen und die beiden
Lösungen in die Ausgangsgleichung einsetzen:
p p
x1 + x1 = 1 + 1 = 1 + 1 = 2 ! OK
p p
x2 + x2 = 4 + 4 = 4 + 2 = 6 ! falsch.
p
Antwort: Die Gleichung x + x = 2 besitzt die einzige reelle Lösung
x = 1.

Übungsaufgaben zu Parabeln und quadratischen Gleichungen finden Sie


ab Seite 81.

4 Potenzen, Wurzeln, Exponentiale Seite 47


4.5 Exponentialfunktion und Logarithmus

Die Potenzfunktion xn hat einen nahen Verwandten: die Exponential-


funktion

f (x) = ax mit a > 0 .

Bei dieser ist die Basis a konstant und der Exponent x variabel. Auch hier
umfasst der max. Definitionsbereich ganz R. Die folgende Abbildung zeigt
die Graphen einiger Exponentialfunktionen:

15
( 1e )x 1 x
( 10 ) 10x ex

10

5
( 12 )x 2x

-3 -2 -1 1 2 3

Beispiel 4.18: Aus Abschnitt 3.2 kennen wir die Zinsformel. Wenn die
Zinsbeträge nach Erhalt angelegt bleiben, erhalten wir nach zweifacher
Verzinsung:
⇣ p ⌘ ⇣ p ⌘⇣ p ⌘ ⇣ p ⌘2
k2 = k1 1 + = k0 1 + 1+ = k0 1 + .
100 100 100 100

Eine variable Anzahl n von Verzinsungen mit gleichem Zinssatz wird im


Allgemeinen zum Exponenten. So erhalten wir die Zinseszinsformel. Sie
ist im Wesentlichen eine Exponentialfunktion mit der Basis a = 1 + p/100 :

⇣ p ⌘n
kn = k0 1+ .
100

Die Rechenregeln bleiben die bekannten Potenzgesetze:

Seite 48 Brückenkurs
ax · ay = ax+y Produkt mit gleichen Basen
ax
= ax y
Quotient mit gleichen Basen
ay
ax · bx = (ab)x Produkt mit gleichen Exponenten
ax ⇣ a ⌘x
= Quotient mit gleichen Exponenten
bx b
(ax )y = ax·y Potenz der Potenz
✓ ◆x
x 1 1
a = x = Vorzeichenwechsel im Exponenten
a a
a0 = 1 für alle a > 0
a1 = a für alle a > 0 .

Die Vorzeichenwechsel -Regel können wir im Bild der Exponentialfunktio-


nen erkennen: Alle Funktionenpaare der Form ax , (1/a)x liegen symmetrisch
zueinander zur y-Achse.
Bei den Potenzfunktionen (Abschnitt 4.2) sind die Umkehrfunktionen (sie-
he 2.7) stets selbst wieder Potenzfunktionen. Bei den Exponentialfunktio-
nen dagegen bilden die Umkehrfunktionen eine eigene Funktionenklasse:
die Logarithmen. Zur Frage ax = b heißt die Antwort

x = loga b

der Logarithmus von b zur Basis a. Logarithmen sind also gesuchte Expo-
nenten.
4 y 4 y
x
2
3 3
2 2
1 log2 x 1 ( 12 )x
0 0
x x
-1 -1 log 12 x

-2 -2
-2 -1 0 1 2 3 4 -2 -1 0 1 2 3 4
Dieser entscheidende Unterschied zwischen den Exponentialfunktionen ax
und den Potenzfunktionen xn wird an Hand der Funktionsgraphen deut-

4 Potenzen, Wurzeln, Exponentiale Seite 49


lich. Da beim Umkehren der Funktionsgraph an der Winkelhalbierenden
y = x gespiegelt wird, umfasst der maximale Definitionsbereich aller Lo-
garithmusfunktionen loga x nur die positiven reellen Zahlen, d.h. x > 0.

Außerdem müssen wir jetzt den einen Wert a = 1 ausnehmen, denn die
Funktion 1x = 1 ist konstant und kann nicht umgekehrt werden. Es gibt
deshalb keine Funktion log1 x.

Für Logarithmen gelten die folgenden Rechenregeln. Hinweis: Es ist immer


a > 0 und a 6= 1.

loga ax = x für alle x Umkehrung


aloga x = x für x > 0 Umkehrung
loga (x · y) = loga x + loga y Produkt wird Summe
x
loga = loga x loga y Quotient wird Di↵erenz
y
loga xb = b · loga x Exponential wird Produkt
loga x
logb x = Basistransformation
loga b
1
loga = loga x Kehrwert
x
loga a = 1 Identität
loga 1 = 0 Nullstelle.

Die beiden Umkehrungs-Regeln drücken aus, dass der Logarithmus loga x


die Umkehrfunktion der Exponentialfunktion ist. Beide heben sich gegen-
seitig auf, egal in welcher Reihenfolge.

Beispiel 4.19: Ein Stück Papier hat eine Dicke von 0.1 mm. Angenom-
men, wir haben ein sehr großes Blatt zur Hand, das wir immer wieder
in der Mitte umfalten wollen. Wie oft müssten wir es falten (wenn das
technisch ginge), sodass es so dick wird wie die ca. 7000 km lange Strecke
entlang der Erdoberfläche zwischen Berlin und New York?
Bei jedem Falten verdoppelt sich die Dicke des Blattes. Nach dem ersten
Mal hat es die Dicke 0.2 mm, nach dem zweiten Mal 0.4 mm usw. Nach
n-maligem Falten beträgt die Dicke 2n · 0.1 mm. Gesucht ist dasjenige n,

Seite 50 Brückenkurs
für das gilt:

2n · 0.1 mm = 7000 km | ÷ 0.1 mm


7000 km 7000 · 1000 m
2n = = | log2
0.1 mm 0.1 · 0.001 m
log2 2n = log2 [Link] Umkehrung
n ⇡ 36.03 .

Antwort: Wir müssten das Blatt ca. 36-mal falten (können).


Beispiel 4.20: Die Intensität I einer Schallwelle ist definiert als ein-
fallende Leistung pro Fläche. Die Hörschwelle I0 zu einer bestimm-
ten Schallfrequenz ist diejenige Intensität, die ein Ton dieser Frequenz
mindestens haben muss, damit ein Mensch ihn noch hören kann. Die
Lautstärke L dieses Tons gibt an, wie laut der Mensch ihn empfindet.
Sie ist definiert als
I
L := 10 · log10 .
I0
Wie können wir I berechnen, wenn L und I0 gegeben sind?
Wir lösen die obige Gleichung nach I auf:

L = 10 · log10 II0 | ÷ 10
L
10 = log10 II0 | 10(...) Umkehrung
L I
10 10 = 10log10 I0 = I
I0 | · I0
L
I0 · 10 10 = I.
Die drei wird“-Regeln sind der Grund für den durchschlagenden Erfolg,

den die Logarithmusfunktionen seit ihrer Entdeckung Anfang des 17. Jahr-
hunderts hatten. Sie besagen, dass wir eine (relativ aufwändige) Multipli-
kation oder Potenz ersetzen können durch eine (relativ leichte) Addition
bzw. Multiplikation. Dies gewinnen wir, indem wir statt mit den Zahlen
x, y mit ihren Logarithmen rechnen. Die Basis a ist dabei sogar egal.

c Jakob Scholbach
[Link] ! Rechenschieber

Über Jahrhunderte waren sog. Rechenschieber die Instrumente zur schnel-


len Berechnung von Multiplikationen und Divisionen. Sie bestehen aus zwei

4 Potenzen, Wurzeln, Exponentiale Seite 51


Linealen mit logarithmischen Skalen und funktionieren nach dem in Ab-
schnitt 2.3 vorgestellten Prinzip: Die Addition wird als Hintereinanderlegen
zweier Strecken realisiert. Das Bild illustriert die Berechnung 2 · 3 = 6.
Die Quotient-Regel zeigt, wie wir die Division analog ersetzen können:
durch eine Subtraktion, d.h. das Übereinanderlegen zweier Strecken. Das-
selbe Bild zeigt die Division 6 ÷ 3 = 2 — sehen Sie es?
Beispiel 4.21: Ist 2200 größer oder kleiner als 3100 ?
Wir brauchen diese riesigen Zahlen nicht auszurechnen, um sie zu verglei-
chen. Wir vergleichen stattdessen ihre Logarithmen, denn sie verhalten
sich zueinander genauso. Das funktioniert für jede Basis a > 1, nehmen
wir die geläufige Basis a = 10. Die Exponential-Regel liefert:

log10 2200 = 200 · log10 2 ⇡ 200 · 0.3010 ⇡ 60.2


log10 3100 = 100 · log10 3 ⇡ 100 · 0.4771 ⇡ 47.7 .

Antwort: Es ist 2200 > 3100 .


Anmerkung: Der abgerundete Wert des Terms 1+log10 x gibt die Anzahl
Dezimalzi↵ern von x an. Die Zahl 2200 besteht also ausgeschrieben aus
61 Dezimalstellen, 3100 aus 48 Stellen.
Die Kehrwert-Regel ist ein häufiger Spezialfall anderer Regeln. Wir erhal-
ten sie, indem wir in der Exponential -Regel b := 1 einsetzen oder in der
Quotient-Regel x := 1, y := x.
Die Basistransformations-Regel logb x = loga x ÷ loga b führt den logb x
auf den loga x zurück. Das ist nützlich, wenn wir logb eines Ausdrucks
berechnen wollen, aber nur einen anderen loga ausrechnen können. Denn
auf vielen Taschenrechnern gibt es nur zwei Logarithmusfunktionen:
log10 x und ln x .
Die zweite, ln x, hat als Basis a die Eulersche Zahl e ⇡ 2.7182818 . . .. Die-
se hat eine wichtige Bedeutung, die über den Brückenkurs hinaus geht. Die
Exponentialfunktion ex ist in der Abbildung auf S. 48 zu sehen. Brauchen
wir einen Logarithmus zu einer anderen Basis als 10 oder e, so berechnen
wir ihn mit der Basistransformations-Regel.
Beispiel 4.22: Eine Bakterienkultur vermehre sich gemäß der Funktion
f (x) = 1.2x . Dabei bedeutet x die Zeit in Stunden und f (x) die Anzahl
Bakterien. Nach welcher Zeit T hat sich diese Anzahl jeweils verdoppelt?
Diese Frage führt auf die Bedingung

f (x + T ) = 2 f (x) .

Seite 52 Brückenkurs
Wir setzen die konkrete Formel von f ein und lösen nach T auf:

1.2x+T = 2 · 1.2x | ÷ 1.2x


1.2x+T
= 2 Potenzgesetz
1.2x
1.2x · 1.2T
= 2 kürzen
1.2x
1.2T = 2 | log1.2
log1.2 1.2T = log1.2 2 .

Nach diesem Schritt kommt auf der linken Seite die erste Umkehrungs-
Regel zum Zuge, auf der rechten Seite die Basistransformations-Regel
mit a := 10:
log10 2 0.30103
T = ⇡ ⇡ 3.80 .
log10 1.2 0.07918

Antwort: Die Bakterienkultur verdoppelt alle 3.8 h ihre Anzahl. (Zumin-


dest für einige Tage, dann verlangsamt sich in der Praxis die Vermeh-
rung.)

Übungsaufgaben zu Exponentialfunktion und Logarithmus finden Sie ab


Seite 83.

4 Potenzen, Wurzeln, Exponentiale Seite 53


5 Ebene Geometrie und Winkelfunktionen

5.1 Winkel und Dreiecke


Ein Winkel ist das Verhältnis zwischen der r
Länge eines Kreisbogenabschnitts und dem `

Kreisradius:
r
`
↵ := .
r
Winkel werden konventionell mit kleinen griechischen Buchstaben bezeich-
net. In der Geometrie ist als Einheit das Gradmaß mit dem Zeichen
üblich. Eine volle Umdrehung entspricht dabei willkürlich 360 . Auf dem
Taschenrechner muss der Modus DEG eingestellt sein, um im Gradmaß zu
rechnen.
Wenn wir r = 1 annehmen, hat ein Winkel direkt den Wert der Bo-
genlänge. Dann wird er auch im Bogenmaß ohne eine Einheit angege-
ben. Diese Schreibweise wird am Einheitskreis vorausgesetzt, wo Winkel in
Funktionen eingesetzt werden (siehe 5.5). Eine volle Umdrehung um den
Kreismittelpunkt entspricht dann dem Kreisumfang von 2⇡. Der Taschen-
rechner muss dazu im Modus RAD stehen.
Aus dem Vergleich der beiden Vollumdrehungen folgt direkt eine Beziehung
zur gegenseitige Umrechnung:

Bogenmaß Gradmaß
= .
2⇡ 360

2⇡ ⇡
Beispiel 5.1: Der Winkel 45 entspricht im Bogenmaß · 45 = .
360 4
2⇡ 360 2⇡
Der Winkel entspricht im Gradmaß · = 120 .
3 2⇡ 3
In Dreiecken liegen alle Winkel zwischen 0 und 180 (Gradmaß) bzw.
zwischen 0 und ⇡ (Bogenmaß). Es lohnt sich, die folgenden speziellen Werte
zu kennen:

Gradmaß ↵ 0 30 45 60 90 120 180


⇡ ⇡ ⇡ ⇡ 2⇡
Bogenmaß x 0 ⇡
6 4 3 2 3

Seite 54 Brückenkurs
Wichtige Beziehungen von Winkeln sind:

I Winkelsumme im Dreieck: ↵ + + = 180


I Scheitelwinkel am Geradenschnittpunkt sind gleich
I Stufenwinkel an geschnittenen parallelen Geraden sind gleich.
↵ ↵



Winkelsumme Scheitelwinkel Stufenwinkel


Mit diesen Beziehungen können wir in einer geometrischen Skizze aus den
gegebenen Winkeln schnell weitere Winkel bestimmen.
Beispiel 5.2: Gegeben sei die folgende Skizze mit einem parallelen Ge-
radenpaar und zwei weiteren Geraden, die sich in einem gemeinsamen
Punkt tre↵en. Bekannt sind zunächst nur die beiden fett gedruckten
Winkel auf der unteren Parallelen. Alle anderen Winkel lassen sich dar-
aus der Reihe nach erschließen. Finden Sie eine mögliche Reihenfolge?
75
60 45
45 60
75
135 120
45 60
45 135 120 60

Stimmen zwei Dreiecke 4ABC und 4A0 B 0 C 0 überein in zwei ihrer Winkel,
heißen sie ähnlich. Dann stehen alle einander entsprechenden Seitenpaare
im selben Verhältnis zueinander.
Angenommen, zwei parallele Geraden schneiden
zwei nichtparallele. Dann stimmen die Dreiecke
4ABC und 4AB 0 C 0 überein im Winkel bei A C0
sowie in den beiden Stufenwinkeln bei B und B 0 . C
Durch die Ähnlichkeit gilt der bekannte Strah-
lensatz:
A
|AB| |AC| |BC|
B B0
= = .
|AB 0 | |AC 0 | |B 0 C 0 |

5 Ebene Geometrie und Winkelfunktionen Seite 55


Beispiel 5.3: Der Überlieferung nach hat der griechische Mathematiker
Thales um ca. 600 [Link]. die Höhe H der Cheops-Pyramide wie folgt
berechnet. Er maß Höhe h und Schattenlänge s eines Stabes sowie die
Schattenlänge S der Pyramide.

Cheops-
H Pyramide
h Stab
s S
Da die Sonne paralleles Licht auf die Erde wirft, stehen nach dem Strah-
lensatz bei allen beleuchteten Objekten Höhe und Schattenlänge im sel-
ben Verhältnis. Hier ein mögliches Zahlenbeispiel:
s = 2.00 m h = 1.63 m S = 180 m
h H h
aus dem Strahlensatz = wird: H = · S = 146.7 m.
s S s
Anmerkung: Die Strecke S muss, wie in der Skizze zu sehen, durch zwei
Teilstrecken bestimmt werden.

Übungsaufgaben zu Winkeln und Dreiecken finden Sie ab Seite 85.

5.2 Rechtwinklige Dreiecke

Ein Winkel der Größe 90 (bzw. ⇡/2 im Bogenmaß) wird als rechter Win-
kel bezeichnet und in Skizzen zusätzlich mit einem Punkt markiert.
Ein Dreieck, das einen rechten Innen- C
winkel enthält, wird als rechtwinkliges
Ka

Dreieck bezeichnet. Ein solches Dreieck e te


at h
the

hat eine eindeutige längste Seite, die dem K b a


te

rechten Winkel gegenüber liegt und Hy- c


potenuse genannt wird. Die kürzeren
A Hypotenuse B
beiden Seiten heißen die Katheten.

Seite 56 Brückenkurs
Die folgenden Sätze über rechtwinklige Dreiecke 4ABC mit Katheten a, b
und der Hypotenuse c sind sehr bekannt. h ist die Länge der Höhe von C
auf die Hypotenuse, die durch sie in die Abschnitte p und q geteilt wird.

Satz des Pythagoras: a2 + b 2 = c 2


Kathetensätze: a2 = p · c und b2 = q · c
Höhensatz des Euklid: h2 = p · q
Satz des Thales: C liegt auf dem Halbkreis über der
Strecke AB. Für jeden solchen Punkt C
ist 4ABC ein rechtwinkliges Dreieck.

Die Werte der Multiplikationen lassen sich wie in Abschnitt 2.3 interpre-
tieren als Flächen von Rechtecken. Das folgende Bild zeigt, wie:

Pythagoras
Kathetensätze
h h2
q
C
pq p
b2 b a
Höhensatz
q p a 2
A c B
C
C
c2 qc pc

A Thalessatz B

Beispiel 5.4: Der Satz des Pythagoras war


sicher schon vor seinem Namensträger be-
kannt. Aus dem alten ägyptischen Reich
(ca. 2700-2200 [Link].) wurden Ringseile mit
12 Knoten in gleichen Abständen gefunden.
Sie dienten unzweifelhaft dazu, von drei Leuten in den Abständen 3,4,5
Knoten gehalten zu werden. Wegen 32 +42 = 52 besitzt das entstehende
Dreieck einen rechten Winkel, der sich bautechnisch verwenden ließ.
Anmerkung. Diese Schlussfolgerung nutzt aus, dass der Satz des Py-

5 Ebene Geometrie und Winkelfunktionen Seite 57


thagoras auch umgekehrt gilt. Das bedeutet, aus der erfüllten Seiten-
gleichung folgt das Vorhandensein eines rechten Winkels gegenüber der
längsten Seite.

Die Gültigkeit dieses Satzes ergibt sich unmittelbar durch eine Flächenver-
legung, wie sie in der folgenden Skizze zu sehen ist.

Links sind zwei Quadrate mit den Seitenlängen b bzw. a zu sehen. Auf
ihrer gemeinsamen Basislinie wird von links her die Länge von a abgetragen
(Strecke ED). Der Punkt D wird dann sowohl mit A als auch mit B durch
eine gerade Strecke verbunden. Die beiden entstehenden grauen Dreiecke
sind rechtwinklig und kongruent. Sie werden um die Punkte A bzw. B um
90 gedreht und bilden dann mit der Restfläche das weiße Quadrat (Bild
rechts). Dessen Seitenlänge ist gleich der Länge der Dreieckshypotenuse c.
Es gibt viele weitere Beweise.

c [Link]

Beispiel 5.5: Wir können mit Hilfe des Satzes von Pythagoras die
Länge ` eines herabhängenden Seils bestimmen, ohne sie direkt zu mes-
sen (z.B. weil keine Leiter zur Hand ist). Dazu ziehen wir das untere
Seilende ein Stück weit zur Seite, halten es stramm und messen (evtl. zu
zweit) die Abweichung von seinem Ruhepunkt in x- und in y-Richtung.
Diese beiden Messungen könnten z.B. x = 72 cm und y = 8 cm lauten.

Seite 58 Brückenkurs
Das Seil wird dadurch mit seiner Länge ` zur
Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks mit
den Kathetenlängen ` 8 cm und 72 cm. Der
Satz des Pythagoras liefert uns die folgende
Gleichung, die wir weiter nach ` auflösen:
` `
(` 8 cm)2 + (72 cm)2 = `2
(`2 ` · 16 cm + 64 cm2 ) + 5184 cm2 = `2
5248 cm2 = ` · 16 cm
y
5248 cm2
` = = 328 cm . x
16 cm
In Abschnitt 5.4 sehen wir eine weitere Anwendung des pythagoräischen
Satzes. Die Kathetensätze können ebenfalls auf vielfache Weise bewiesen
werden. Hier sei ein Beweis vorgestellt, der sich gut als Übung im formalen
Rechnen eignet.
Das rechtwinklige Dreieck 4ABC C
wird durch seine Höhe h unterteilt in
zwei kleinere rechtwinklige Dreiecke. b a
Für sie gilt wieder der Satz des Py- h
thagoras: q p
A c B
a2 = p 2 + h 2 und b2 = q 2 + h2 .

Subtrahieren wir beide Gleichungen voneinander, erhalten wir mit Hilfe


der 3. binomischen Formel:

a2 b2 = (p2 + h2 ) (q 2 + h2 ) = p2 q 2 = (p + q)(p q) .

Da wieder nach Pythagoras auch a2 + b2 = c2 = (p + q)2 gilt, können wir


diese beiden Gleichungen addieren und erhalten:

(a2 b2 ) + (a2 + b2 ) = (p + q)(p q) + (p + q)2


= (p + q) · [ (p q) + (p + q) ]
2 a2 = c · 2p
a2 = p · c .

Der andere Kathetensatz b2 = q · c ist dazu analog. Den Höhensatz


h2 = p · q beweisen Sie in einer Aufgabe selbst.
Beispiel 5.6: Der bekannte arithmetische Mittelwert zweier Zah-
len x, y ist definiert als 12 (x + y). Es gibt neben ihm weitere Mittelwerte,

5 Ebene Geometrie und Winkelfunktionen Seite 59


p
darunter den geometrischen: xy.
Wir können ihr gegenseiti- D
E
ges Verhältnis veranschau-
lichen durch folgende Kon-
struktion. Wir tragen x =
|AB| und y = |BC| ne- p 1
xy 2 (x + y)
beneinander als waagerech-
te Strecken ab. Dann errich-
ten wir über der Gesamtstre- x = |AB| y = |BC|
cke AC die Mittelsenkrech-
te und schlagen um deren A B S C
Schnittpunkt S einen Halbkreis mit Durchmesser |AC|. Der Schnitt-
punkt der Mittelsenkrechte mit dem Halbkreis sei D. Als Letztes zeich-
nen wir eine weitere Senkrechte auf B, die den Halbkreis in E schneidet.
Dann gilt: |DS| = 12 (x + y). Der Abschnitt der Mittelsenkrechten zwi-
schen D und S hat genau die Länge eines Kreisradius, also des halben
Durchmessers. p
Weiter gilt: |BE| = xy. Das Dreieck 4ACE erfüllt den Satz des
Thales und ist deshalb in E rechtwinklig. Die Strecke |BE| ist die Höhe
dieses Dreiecks, für sie gilt nach dem Höhensatz: |BE|2 = x · y.
p
Ein Zahlenbeispiel: 12 (40 + 90) = 65, 40 · 90 = 60.

Übungsaufgaben zu rechtwinkligen Dreiecken finden Sie ab Seite 85.

5.3 Kreise

Ein Kreis K(M, r) besteht formal aus allen Punkten, die von dem fes-
ten Mittelpunkt M denselben Abstand r (Radius) haben. Ein Kreis kann
bestimmt werden durch

I Mittelpunkt M und Radius r

I Mittelpunkt M und ein Punkt P auf ihm. Dann ist r = |M P |

I zwei auf einem Durchmesser gegenüberliegende Punkte P, Q. Dann ist


M = 12 (P + Q) und r = 12 |P Q|
I drei beliebige Punkte, die nicht auf einer Geraden liegen. Der Kreis ist
dann der sog. Umkreis ihres Dreiecks.

Seite 60 Brückenkurs
P P
r

M M
Q

Im x-y-Koordinatensystem liegen auf dem Kreis K(M, r) mit Mittelpunkt


M (xM , yM ) alle die Punkte (x, y), die die folgende Gleichung erfüllen:

(x xM )2 + (y yM ) 2 = r 2 .

Diese Formel heißt die kartesische Standardform. Kommt Ihnen ihr


Aussehen bekannt vor? Interpretieren Sie die entsprechenden Teilterme als
Seitenlängen eines geeigneten rechtwinkligen Dreiecks!
Beispiel 5.7: Welchen Mittelpunkt und welchen Radius besitzt der
Kreis mit der kartesischen Formel x2 + y 2 + 2(x y) = 2 ?
Um diese beiden Größen zu berechnen, müssen wir die gegebene Glei-
chung in die kartesische Standardform überführen. Das bedeutet: Wir
bilden die beiden Binome (x xM )2 und (y yM )2 und lesen aus ihnen
die Koordinaten des Mittelpunkts ab. Auf der rechten Seite steht dann
der quadrierte Radius. Die Binome finden wir mit Hilfe der quadratischen
Ergänzung, siehe 4.4:

x2 + y 2 + 2(x y) = 2
(x2 + 2x) + (y 2 2y) = 2 quadr. Ergänzung
(x2 + 2x + ( 22 )2 ) + (y 2 2y + ( 22 )2 ) = 2 + ( 22 )2 + ( 22 )2
(x + 1)2 + (y 1)2 = 4 = 22 .

Hieraus lesen wir ab: M ( 1, 1) und r = 2.

Beispiel 5.8: Welche kartesische Standardform besitzt der Kreis, der


von den beiden Punkten P ( 10, 6) und Q(6, 6) als Durchmesser auf-
gespannt wird?
Wir berechnen die gesuchten Angaben direkt:
1 1
xM = 2 (xP + xQ ) = 2( 10 + 6) = 2
1 1
yM = 2 (yP + yQ ) = 2( 6 + 6) = 0
q
1
r = 2 (xP xQ )2 + (yP yQ ) 2
q
1
= 2 ( 10 6)2 + ( 6 6)2 = 10 .

5 Ebene Geometrie und Winkelfunktionen Seite 61


Diese Daten setzen wir ein in die kartesische Standardform:

(x + 2)2 + (y 0)2 = 102 .

Um die evtl. Schnittpunkte eines Kreises mit einer Geraden zu finden,


setzen wir die Geradenvorschrift y = mx + n für y in die Kreisvorschrift
ein. Wir erhalten eine quadratische Gleichung in x, die wir mit der Technik
aus 4.4 lösen können.

Beispiel 5.9: In welchen Punkten schneidet die Gerade y = x + 12


den Kreis aus Beispiel 5.8?
Wir setzen die rechte Seite der Geradenvorschrift für y in die Kreisformel
ein und lösen nach x auf:

(x + 2)2 + ( x + 12)2 = 102 bin. Formeln


(x2 + 4x + 4) + (x2 24x + 144) = 100 | 100
2x2 20x + 48 = 0 |÷2
x2 10x + 24 = 0 pq-Formel
p
x1,2 = 5 ± 52 24 = 5 ± 1 = 4/6.

Als Letztes berechnen wir aus den x-Werten die y-Werte der Schnitt-
punkte, indem wir sie in die Geradengleichung einsetzen

y1 = x1 + 12 = 4 + 12 = 8
y2 = x2 + 12 = 6 + 12 = 6 .

Antwort: Gerade und Kreis schneiden einander in den Punkten (4, 8) und
(6, 6). Vollziehen Sie diese Rechnung durch eine Skizze nach und machen
Sie eine Rechenprobe durch Einsetzen der Punkte in die Kreisgleichung!

Als geschlossene ebene Figur hat ein Kreis einen Umfang und einen Flächen-
inhalt. Diese hängen nur vom Radius r ab und der berühmten Konstanten
⇡ ⇡ 3.141592653 . . .:

Umfang = 2⇡ r Flächeninhalt = ⇡ r2 .

Ein Kreissektor hat einen entsprechenden An-


r
teil daran, abhängig vom Verhältnis des Mit- U
telpunktswinkels ↵ (im Bogenmaß) zum Kreis- F

umfang 2⇡:
r

Seite 62 Brückenkurs

Umfanganteil U = · 2⇡ r = ↵ r
2⇡
↵ ↵ 2
Flächenanteil F = · ⇡ r2 = r .
2⇡ 2

Beispiel 5.10: Welchen Anteil hat die Fläche eines Vier-


telkreises an dem ihn umfassenden Quadrat? `
Das Quadrat hat den Flächeninhalt von `2 , der Viertel-
kreis den von ↵2 `2 mit ↵ = ⇡/2. Wir erhalten als Verhält-
`
nis:

FK 2 · 12 `2 ⇡
= 2
= ⇡ 78.5% .
FQ ` 4

Übungsaufgaben zu Kreisen finden Sie ab Seite 87.

5.4 Winkelfunktionen am Dreieck


Wir betrachten ein beliebiges rechtwinkliges Dreieck. Die Winkelfunktio-
nen Sinus, Cosinus und Tangens rechnen das Zahlenverhältnis Kreis-
bogenlänge zu Radius um in andere Verhältnisse des Typs gerade Stre-
ckenlänge zu Radius. Diese Funktionen sind wie folgt definiert:

| Gegenkathete von | b
sin := = c
| Hypotenuse | c b
| Ankathete von | a •
cos := = a
| Hypotenuse | c
In den Formeln be-
| Gegenkathete von | b deuten die Betrags-
tan := = .
| Ankathete von | a striche Länge von“.

Ergänzen wir den Kreisbogen, so gilt bei dem abge-


bildeten Dreieck nach Definition = `/c, und so c `
b
` b •
sin = sin = . a
c c
Hier wird also tatsächlich ein gekrümmtes“ in ein gerades“ Strecken-
” ”
verhältnis umgerechnet.

5 Ebene Geometrie und Winkelfunktionen Seite 63


In Aufgabe 184 erstellen Sie selbst eine Tabelle mit den wichtigsten Werten
der drei Winkelfunktionen.
Beispiel 5.11: Wir können vom Südufer eines geraden Flusses aus seine
Breite berechnen. Dazu fixieren wir am Nordufer einen festen Punkt P .
Wir suchen den ihm genau gegenüber liegenden Punkt A und wählen
einen weiteren beliebigen Punkt B aus. Wir messen die Entfernung
AB = 300 m und den Winkel ↵ = ^ABP = 55 . Daraus erhalten
wir als Ansatz die Definitionsgleichung des Tangens:
P
|AP |
tan ↵ =
|AB|
|AP | = |AB| · tan ↵ ?
= 300 m · tan 55 ↵
⇡ 428 m . A B
Der Satz des Pythagoras (Abschnitt 5.2) lie-
fert einen interessanten Zusammenhang zwi- c
schen den Winkelfunktionen. Wegen c2 = b
a2 + b2 folgt •
a
1 = ( cb )2 + ( ac )2 2
= (sin ) + (cos ) 2
sin2 + cos2 = 1
= sin2 + cos2 .

Oft wird, wie hier, vereinfacht sin2 := (sin )2 und cos2 := (cos )2 ge-
schrieben. Außerdem ist

b sin
sin c b c b tan =
= a = · = = tan . cos
cos c c a a

Prüfen Sie diese beiden wichtigen Beziehungen in der obigen Tabelle nach!

Der sog. Sinussatz stellt alle Seitenlängen ins


Verhältnis zu ihren gegenüber liegenden Win-
keln: b a

a b c ↵
= = .
sin ↵ sin sin c

Beispiel 5.12: Es seien im Gelände zwei Punkte A, B bekannt und ihre


direkte Entfernung betrage |AB| = 86 m. Der Punkt P liege von beiden

Seite 64 Brückenkurs
durch einen Bach (hellblau) getrennt, sodass die direkten Entfernungen
|AP | und |BP | berechnet werden müssen. Dazu messen wir die beiden
Winkel ↵ = ^P AB = 46 und = ^ABP = 62 .
Wir berechnen zunächst den dritten Win- P
kel:

= ^BP A = 180 ↵ = 72 . ? ?
Nach dem Sinussatz wissen wir, dass gilt:

|BP | |AP | |AB|
= = . A B
sin ↵ sin sin
Der dritte Bruch ist vollständig bekannt und wir können nach den beiden
unbekannten Streckenlängen auflösen:

|AB| 86 m
|AP | = sin ⇡ · 0.8829 ⇡ 79.84 m
sin 0.9511
|AB| 86 m
|BP | = sin ↵ ⇡ · 0.7193 ⇡ 65.05 m .
sin 0.9511

Wenn von einem allgemeinen Dreieck die Rede ist, assoziieren wir damit
meist eines wie in den Skizzen oben: mit drei spitzen Winkeln. Es darf aber
nicht übersehen werden, dass auch stumpfe Winkel in der Geometrie eine
Rolle spielen.
In der Skizze rechts ist
zu erkennen, dass die bei- B
den Dreiecke 4ABC und
4AC 0 B dieselbe Seite c
und dieselbe Höhe hb be- hb c
sitzen. Demnach gilt: ↵ ↵0
hb C A C0
sin ↵ = = sin ↵0 .
c

Die beiden Winkel sind aber nicht gleich, sondern stehen im Verhältnis
↵ + ↵0 = 180 . Diese Zweideutigkeit muss bei Berechnungen stets bedacht
werden.

Beispiel 5.13: Das unten skizzierte Dreieck soll festgelegt werden durch
seine Grundseite c, den Winkel und die Länge der Seite b.

5 Ebene Geometrie und Winkelfunktionen Seite 65


Es ist zu erkennen, dass zwei mögliche Drei-
ecke mit diesen Eigenschaften existieren.
Der Sinussatz liefert zunächst b 1

b c
=
sin sin 2
sin c
sin = c· .
b
Um zu erhalten, müssen wir die Funktion arcsin verwenden, siehe 5.5.
Diese liefert immer höchstens einen rechten Winkel, also hier den klei-
neren 1 . Mit Hilfe der obigen Beobachtung wird das kleinere Dreieck
bestimmt durch 2 = 180 1.

Der sog. Cosinussatz verallgemeinert den Satz


des Pythagoras für nicht-rechtwinklige Dreiecke.
b a
So kann jede Seitenlänge durch die beiden ande-
ren Längen und ihren jeweiligen Zwischenwinkel ↵
berechnet werden. Hier ohne Beweis die Berech-
nung von a: c

a2 = b 2 + c 2 2 b c cos ↵ .

Natürlich können wir diese Formel auch nach ↵ auflösen. Dazu benötigen
wir die Funktion arccos, siehe 5.5.

Beispiel 5.14: Es seien im Gelände zwei Punkte A, B bekannt, die durch


einen Hügel (grün) getrennt sind.
Um ihre Luftlinienentfernung voneinander
P
zu berechnen, wählen wir einen willkürli-
chen Punkt P , von dem aus die Stre-
c Can Stock Photo

ckenlängen zu A, B messbar sind und be-


stimmen |AP | = 96 m bzw. |BP | = 82 m .
Weiter peilen wir A, B von P aus an und
messen den Winkel = 50 .
Der Cosinussatz liefert die gesuchte Entfer-
A ? B
nung:

Seite 66 Brückenkurs
|AB|2 =|AP |2 + |BP |2 2 |AP | |BP | cos
=(96 m)2 + (82 m)2 2 · 96 m · 82 m · cos 50
⇡ 9216 m2 + 6724 m2 15744 m2 · 0.6248
⇡ 5838 m2 .
p
Daraus erhalten wir |AB| ⇡ 5838 m2 ⇡ 76.4 m.

Mit Hilfe der Winkelfunktionen werden auch all-


gemeine, nicht-rechtwinklige Dreiecke in all ihren b a
Maßen berechenbar. Die Höhe hc auf der Grund- hc
seite c hat beispielsweise die Länge hc = b sin ↵. ↵
Der Flächeninhalt F des Dreiecks ist damit
c
1 1
F = 2 c hc = 2 c b sin ↵ .

Übungsaufgaben zu Winkelfunktionen am Dreieck finden Sie ab Seite 88.

5.5 Winkelfunktionen am Einheitskreis


Zur Erinnerung: im Kontext des Einheitskreises und der Winkelfunktio-
nen über R ist die Angabe von Winkeln im Bogenmaß üblich, siehe Ab-
schnitt 5.1.
Die Winkelfunktionen wurden am Dreieck
eingeführt, wo nur kleine Winkel 0  x  ⇡
auftreten. Die Winkelfunktionen können P1 (x1 , y1 )
1

aber auch für Winkel x < 0 oder x > ⇡ aus- c =
gewertet werden. Dabei hilft die Beobach- ↵ ·
tung, dass bei einem rechtwinkligen Dreieck ·
mit Hypotenuse c = 1 ein Eckpunkt P (x, y)
immer auf dem Einheitskreis liegt. Im Bild
1
c=

ist •
⇣x y ⌘ P2 (x2 , y2 )
1 1
P1 (x1 , y1 ) = , = (cos ↵, sin ↵) ,
c c
sodass (cos ↵, sin ↵) die Koordinaten von P1 sind. Der Winkel < 0
definiert den Punkt P2 auf dem Einheitskreis. Es wird festgelegt, dass auch

5 Ebene Geometrie und Winkelfunktionen Seite 67


jetzt

P2 (x2 , y2 ) = (cos , sin )

die Koordinaten von P2 sind.

Beispiel 5.15: Im Bild ist zu sehen, dass x2 = 1/2. Der Satz des
Pythagoras bringt
q q p
2 2
1 = x2 + y2 , also | y2 | = 2
1 x2 = 1 4 = 23 .
1

p p
Deshalb muss y2 = 3/2 sein. Wegen sin = | y2 | = 3/2 wird aus der
Bogenmaß-Tabelle (S. 54) = ⇡/3 (entspricht 60 ) abgelesen. Damit ist
= (⇡ ) = 2⇡/3 (entspricht 120 ). Konkret ist hier
⇣ p ⌘ ⇣ ⌘
1 3 2⇡ 2⇡
P2 (x2 , y2 ) = 2, 2 = cos 3 , sin 3 .

Vervollständigen Sie die folgende Tabelle für negative Winkel:


Gradmaß ↵ 0 30 45 60 90 120 180
⇡ ⇡ ⇡ ⇡ 2⇡
Bogenmaß x 0 ⇡
6 4 3 2 3
p
3
sin x 0 0
2
1
cos x 1 1
2
tan x 0 0

Wenn sehr viele Funktionswerte berechnet werden, dann können wir die
Graphen der Winkelfunktionen sin und cos auf ganz R skizzieren:
y y
2 2 cos x
1 • 1 •
sin x
0 • 0 •
x x
-1 • -1 •
-2 ⇡ ⇡ 3⇡
-2 ⇡ ⇡ 3⇡
⇡ 2 0 2 ⇡ 2 2⇡ ⇡ 2 0 2 ⇡ 2 2⇡

Ihre Werte liegen immer zwischen 1 und +1.

Seite 68 Brückenkurs
Da nach seinem Umfang von 2⇡ der Kreis einmal umrundet ist, wiederholen
sich alle Werte der Winkelfunktionen periodisch. Man sagt, sin und cos
schwingen um die x-Achse. Für alle ganzen Zahlen k gilt:

sin( ↵ + k · 2⇡ ) = sin ↵
cos( ↵ + k · 2⇡ ) = cos ↵
tan( ↵ + k · ⇡ ) = tan ↵ .

Warum hat tan ↵ die Periodendauer von nur ⇡?


Im Abschnitt 2.7 wurden 3⇡ y 3⇡ y
2 2
Umkehrfunktionen allge-
mein beschrieben. Wenn die arccos x
⇡ ⇡ •
Funktionsgraphen von sin
und cos, wie dort gesagt, an ⇡
• ⇡

2 2
der diagonalen Geraden mit
der Gleichung y = x ge- 0 • x 0 • x
spiegelt werden, schwingen
die Bilder um die y-Achse. ⇡ ⇡
2
• 2
Die Spiegelung ergibt also arcsin x
keine Funktion, denn jedem ⇡ ⇡
x-Wert muss genau ein y- -2 -1 0 1 2 -2 -1 0 1 2
Wert zugeordnet sein.
Das bedeutet, dass sin x und cos x nur in dem gezeigten grau markierten
Bereich umkehrbar sind.
Die Funktion tan x nimmt in der Nähe von ⇡/2 beliebig große und kleine
Werte an und ist in ⇡/2 selbst nicht definiert (warum?). Ihre Umkehrfunk-
tion kann deshalb für alle reellen Zahlen ausgewertet werden. Ihre Werte
liegen echt zwischen ⇡/2 und ⇡/2, d.h. diese Randwerte werden nie erreicht.
y 3⇡ y
4 2
3 tan x ⇡
2
⇡ arctan x
1 2
0 x 0 x
-1 ⇡
-2 2

-3 ⇡
⇡ ⇡
0 ⇡
⇡ 3⇡
2⇡ -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4
2 2 2

5 Ebene Geometrie und Winkelfunktionen Seite 69


Die Umkehrfunktionen der Winkelfunktionen heißen Arcusfunktionen.
Sie berechnen aus Streckenverhältnissen die zugehörigen Winkel:

1x1: ⇡/2  arcsin x  ⇡/2


1x1: 0  arccos x  ⇡
x beliebig: ⇡/2 < arctan x < ⇡/2 .

Beispiel 5.16: Betrachten wir nochmals Beispiel 5.13. Für die Sei-
tenlängen b = 100 m, c = 150 m und den Winkel = 35 berechnen
wir zunächst
sin sin 35
sin = c· = 150 m · ⇡ 0.8604 .
b 100 m
Daraus bekommen wir die beiden Lösungen

1 ⇡ arcsin 0.8604 ⇡ 59.4


2 ⇡ 180 59.4 ⇡ 120.6 .

Beispiel 5.17: Der große Zeiger einer Uhr ist anderthalb mal so lang
wie der kleine.
In welchem Winkel müssen beide Zeiger zu-

c [Link]
einander stehen, damit der Abstand ihrer
Enden so groß ist wie die Länge des kleinen ` `
Zeigers?
Wir nennen die Länge des kleinen Zeigers `, ↵
3
dann ist der große Zeiger 2 ` lang. Wenn der
Abstand der Zeigerenden ebenfalls genau ` 3
2`
beträgt, liefert der Cosinussatz (S. 66) fol-
genden Ansatz für den Winkel ↵:
`2 = `2 + ( 32 `)2 2 ` · 32 ` · cos ↵ | `2 + 3 `2 cos ↵
3 `2 cos ↵ = 94 `2 | ÷ 3 `2
cos ↵ = 34 | arccos
↵ = arccos 34 ⇡ 41.41 .

Beispiel 5.18: Die Steigung einer Strecke c im Straßenverkehr ist wie


folgt definiert:
senkrechte Höhendi↵erenz a über der Strecke
Steigung in % := 100· .
ebene Länge b der Strecke auf einer Karte

Seite 70 Brückenkurs
Auf der Autobahn haben bekann- c
te Stauzonen ca. 8% Steigung. Wel- ↵ a
chem Neigungswinkel ↵ entspricht
das? b

Diese Definition besagt: Steigung in % = 100 · tan ↵. Daraus folgt:


Steigung in % 8
↵ = arctan = arctan ⇡ 4.57 .
100 100
Antwort: 8% Steigung entsprechen einem Neigungswinkel von ca. 4.6 .

Anmerkung: 100% Steigung bedeuten also keine senkrechte Wand, sondern


entsprechen nur“ einer Neigung von 45 .

Übungsaufgaben zu Winkelfunktionen am Einheitskreis finden Sie ab Sei-
te 91.

5 Ebene Geometrie und Winkelfunktionen Seite 71


6 Aufgaben

6.1 Bruchrechnung
Mehr Informationen zur Bruchrechnung finden Sie im Abschnitt 2.5 ab
Seite 15.

Berechnen Sie die folgenden Ausdrücke ohne Benutzung des Taschenrech-


ners.
3 2 7 5 2· 10 5
1 . a) c) + 4. 11 4
2 3 12 16 15
18
4 1 3 4
b) d) 15
+ 5
15 6 5 15 5. 2 3
20 5
3 4
8 11 11
2 . a) 2 + c) 1
5 42 70 6 . a) 1 +
1
5 1 5 1+ 1
b) d) 1
1 + 1+1
14 6 1 3
1
b) 2 +
2 52 8 30 1
3 . a) · b) · 3+
25 6 45 24 4 + 13
Vereinfachen Sie folgende Ausdrücke so weit wie möglich.
b x y
1+ 9. +
a (z x)(x y) (x y)(y z)
7. a
1+ z
b +
(y z)(z x)
(x + 1)3 (x+5)(x 3)(x + 1) 2a 3b 5a + 2b 3a + 3b
8. 2 10 .
(x + 1) a b b a a b
Für natürliche Zahlen n (mit Null) wird die sog. Fakultät rekursiv (rück-
bezüglich) definiert:

0! := 1 , n! := n · (n 1)! .

So können die Funktionswerte schrittweise berechnet werden:

4! = 4 · 3! = 4 · 3 · 2! = 12 · 2 · 1! = 24 · 1 · 0! = 24 · 1 = 24 .

Berechnen Sie die folgenden Ausdrücke:

Seite 72 Brückenkurs
8! 9! n! (n + 1)!
11 . 2!, 6!, 7! 12 . 13 . 14 . 15 .
6! 7! (n 2)! (n 1)!
16 . Wie viele natürliche Zahlen gibt es, in denen alle 10 Dezimalzi↵ern
genau einmal so vorkommen, dass Null nicht die erste Zi↵er ist? (Hin-
weis: Die Anzahl verschiedener Reihenfolgen von n Objekten ist ge-
nau n!.) Wie viele Tage würde es dauern, diese Zahlen alle aufzu-
schreiben, wenn jede davon 5 Sekunden bräuchte?

Zu zwei natürlichen Zahlen n, k mit 0  k  n werden die sog. Binomi-


alkoeffizienten definiert:
!
n n!
:= lies: n über k“.
k k! · (n k)! ”

Die Binomialkoeffizienten werden u.a. zum systematischen Zählen verwen-


det. So gibt es beim Lotto 6 aus 49 genau
!
49 49! 49 · 48 · 47 · 46 · 45 · 44
= = = 13.983.816
6 6! · 43! 6·5·4·3·2·1
Möglichkeiten, 6 Zahlen aus 49 anzukreuzen. Berechnen Sie die folgenden
Binomialkoeffizienten:
! ! !
7 n n
17 . für k = 0, 1, . . . , 7 19 . , für n 1
k 1 n 1
! ! ! !
n n n n
18 . , 20 . , für n 2
0 n 2 n 2
Zeigen Sie formal die folgenden Beziehungen:
! ! ! ! !
n n n n n+1
21 . = für k  n 23 . + =
k n k k k+1 k+1
! ! für k < n
n n n 1
22 . = für k  n
k k k 1

6.2 Prozentrechnung
Mehr Informationen zur Prozentrechnung finden Sie im Abschnitt 3.2 ab
Seite 26.

6 Aufgaben Seite 73
24 . a) Wieviel ist 15% von 15? 25 . a) Wieviel % sind 55 von 250?
b) 32% von 420? b) 234 von 360?
c) 74% von 8650? c) 1225 von 900?
26 . Betrachten Sie nochmals die Beispiele 3.3, 3.4 und 3.5 (ab Seite 26).
Angenommen, der Händler gibt Ihnen bei einem Nettopreis von 500 e
einen Rabatt von 19%. Wie hoch ist dann der Bruttopreis?
27 . Ein Warenhaus verkauft im Rahmen einer Sonderaktion alle Waren
zum Nettopreis, d.h. ohne Aufschlag der Umsatzsteuer in Höhe von
19%. Wieviel Prozent Rabatt entspricht das für die Kunden, also
bezogen auf die Bruttopreise?
28 . Ein rechteckiges Grundstück besitzt die Maße 35 m·50 m. Bei der Ver-
messung wurde irrtümlich 36 m·49 m festgestellt. Um wieviel Prozent
der korrekten Fläche weicht die gemessene davon ab?
29 . In einer Produktion bestanden 5% aller neu hergestellten Computer
die Funktionsprüfung nicht. Die übrigen Geräte wurden verkauft, je-
doch kamen davon 8% nach Kundenreklamationen zurück. Wieviele
von 1000 neuen Computern blieben unbeanstandet?
30 . In einem Geschäft sind die Waren mit dem Brutto-Preis ausgepreist,
der 19% Umsatzsteuer enthält. Bei Abnahme von größeren Mengen
wird ein Mengenrabatt von 5% auf den Netto-Preis gewährt. Bei Bar-
zahlung erhält der Kunde zusätzlich auf den neuen Bruttopreis 2%
Skonto. Welcher Faktor muss im Taschenrechner der Verkäufer ge-
speichert werden, damit bei beiden Ermäßigungen gleichzeitig der
neue Endpreis mit einer einfachen Multiplikation angegeben werden
kann? Muss dieser Faktor geändert werden, falls sich der Umsatzsteu-
ersatz ändern sollte?
31 . 45% eines (fiktiven) Schulabgängerjahres haben das Abitur und 9%
das Fachabitur. Von diesen beiden Gruppen zusammen beginnt ein
Anteil von 55% ein Studium direkt nach der Schule und 15% ein oder
mehr Jahre später. Wieviel Prozent dieses gesamten Schulabgänger-
jahres nehmen insgesamt ein Studium auf?
32 . Essig enthält 5% Säure und Essigessenz 25% Säure. Wieviel Prozent
Säure enthält eine Mischung aus 400 ml Essig und 100 ml Essigessenz?

6.3 Gleichungen mit einer Unbekannten


Mehr Informationen zu Gleichungen mit einer Unbekannten finden Sie im
Abschnitt 3.3 ab Seite 27.

Seite 74 Brückenkurs
Es seien g1 (x) = 23 x + 4
3 und h1 (x) = 2x + 12 zwei Geraden.
33 . Bestimmen Sie deren Nullstel- b) Stellen Sie die Formel
len xg , xh sowie den gemeinsa- der Geraden h2 auf, die
men Schnittpunkt S1 . Zeichen durch xg verläuft und par-
Sie die Geraden zur Probe. allel ist zu h1 .
34 . a) Stellen Sie die Formel c) Welcher Punkt S2 ergänzt
der Geraden g2 auf, die die drei Punkte (xh , 0)
durch xh verläuft und par- S1 (xg , 0) zum Parallelo-
allel ist zu g1 . gramm?
Geben Sie den Gültigkeitsbereich der Gleichung an und lösen Sie sie dann
nach x auf
35x + 5 8x 2 3 1 1
35 . =8 37 . = 2 1
4 7 2 6 3 + x

20x + 2 6x 4 ax + 1 a+b
36 . 1= 38 . =
6x + 6 2x + 2 ax 1 a b
39 . Worin besteht jeweils der Unterschied zwischen den Gleichungen?
a) x 5 =2+x und x(x 5) = (2 + x)x
b) x + 4 = 10 x und (x 1)(x + 4) = (10 x)(x 1)
2x + 6 x
c) 2x + 6 = x und =
x+2 x+2
40 . Die Auflösung der nebenstehenden x+9 2x 30
3=
Gleichung enthält einen Fehler. Wo x 7 23 x
tritt er auf und worin besteht er? 2x + 30 2x 30
=
x 7 23 x
2x 30 2x 30
=
7 x 23 x
1 1
=
7 x 23 x
7 x = 23 x
7 = 23
Lösen Sie die folgenden Formeln jeweils nach den in ‘[. . . ]’ angegebenen
Variablen auf (ohne Gültigkeitsbetrachtungen).
1 1 1 ⇥ ⇤ nU ⇥ ⇤
41 . = + R, R1 42 . I = n, Ra
R R1 R2 n Ri + Ra

6 Aufgaben Seite 75
v1 (m1 m2 )+m2 v2 ⇥ ⇤ ⇥ ⇤
43 . u = m1 ,v2 44 . ax + by + cz = 0 x, y, z
m1 + m2
45 . Ein Onkel ist 40 Jahre alt, sein Ne↵e ist 15 Jahre alt. In wie vielen
Jahren ist der Onkel doppelt so alt wie der Ne↵e?
46 . Durch den letzten Regen wurde ein Keller mit Wasser überflutet.
Zum Leerpumpen werden gleichzeitig drei Pumpen eingesetzt. Wie
lange dauert das Leerpumpen, wenn die erste Pumpe dazu allein 6
Stunden, die zweite 4 Stunden und die dritte 2 Stunden brauchen
würde?
47 . Kleiner und großer Zeiger einer Analoguhr stehen um 12 Uhr exakt
übereinander. Zu welcher Zeit (auf Sekunden genau) ist das danach
wieder so?

6.4 Rechnen mit Beträgen


Mehr Informationen zum Rechnen mit Beträgen finden Sie im Abschnitt 3.4
ab Seite 29.

48 . Zeichnen Sie folgende Betragsfunktionen. Finden Sie rechnerisch alle


ihre Nullstellen:
a) | x + 1 | 5 b) | x + 1 | 5 c) | x 1 | 5 d) | x 1 |+5
49 . Stellen Sie eine Formel auf für die
rechts gezeigte verschobene Betrags-
funktion mit a = 1 und b = 5.
50 . Wie sieht diese Formel für allgemeine
Parameter a < b aus? a b

51 . Zeichnen Sie die Betragsfunktion f (x) = | x 1 |. Finden Sie alle


Schnittpunkte folgender Geraden mit f :
a) y = 12 (x + 3) b) y = 32 x 1 c) y = 12 x + 12 d) y = 14 x 1

6.5 Lineare Gleichungssysteme


Mehr Informationen zu linearen Gleichungssystemen finden Sie im Ab-
schnitt 3.5 ab Seite 32.

Seite 76 Brückenkurs
Lösen Sie die folgenden Gleichungsysteme und interpretieren Sie 52 und 53
auch graphisch.
⇢ ⇢
2x + y = 13 3x (3y + 1) = 2
52 . 54 .
3x 2y = 9 4(2x + 1) + 9(3y 1) = 108
8 ⇢
6 x 3y 2 5(x + y) = 3( x + y) 2
>
> 55 .
< = (x y) = 3(2x + y)
53 .
5 7
>
> 2x + y x + 2y x+y x+y
: = 56 . = = 1
5 7 x y x y
57 . Drei Arten von Gewichten werden mit ei-
ner Balkenwaage gegeneinander gewogen:
Kugeln, Würfel und Pyramiden. Wie viel
wiegen diese Körper jeweils in kg? Eine
Figur mit Beschriftung 1“ bedeutet ein

genormtes Gewicht von 1 kg. 1

1 1

58 . Auf einer Baustelle werden die Materialien Zement und Sand


benötigt. Zement wird in 50 kg-Säcken geliefert, Sand in 40 kg-Säcken.
Ein LKW mit 3,5 t Höchstladegewicht wird voll beladen, um die Bau-
stelle mit doppelt so vielen Säcken Zement wie Sand zu beliefern.
Wieviele kg Zement bzw. Sand sind das?
59 . Vor zwei Jahren war ein Vater dreimal so alt wie sein Sohn. In 15
Jahren wird er nur noch doppelt so alt sein. Wie alt sind zur Zeit
Vater und Sohn?
60 . Zwei Freunde wohnen 120 km voneinander entfernt. Sie vereinbaren
ein Tre↵en mit Fahrrädern. Der eine Freund fährt in A um 6.00 Uhr
los und scha↵t eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h. Der
andere Freund fährt in B um 6.30 Uhr los und erreicht mit leich-
tem Rückenwind eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 22 km/h.
Wann und in welcher Entfernung zu A bzw. B tre↵en sich die beiden
Freunde?
61 . Die Temperatur y in Grad Fahrenheit F kann als lineare Funktion
y = ax + b der Temperatur x in Grad Celsius C dargestellt werden.
Auf Meereshöhe gefriert Wasser bei 32 F und siedet bei 212 F.
a) Geben Sie y als Funktion von x an.

6 Aufgaben Seite 77
b) Welche Körpertemperatur in Grad Fahrenheit besitzt ein ge-
sunder Mensch (37 C)?
c) Bei welcher Temperatur haben beide Skalen denselben Wert?
62 . Zwei Brüder (A und B) fahren täglich von zu Hause mit dem Fahr-
rad zur Arbeit. A fährt mit 18 km/h und B mit 15 km/h. Sie erreichen
gleichzeitig dieselbe Arbeitsstelle. Wie viele Minuten braucht A für
die Fahrt, wenn B 10 Minuten früher losfährt? Wie weit ist die Ar-
beitsstelle entfernt?
63 . Der Reservekanister eines Motorboots soll an einer Tankstelle ohne
Mischsäule gefüllt werden. Der Tank fasst 13 l Treibsto↵, das Mi-
schungsverhältnis von Öl zu Benzin soll 1:25 betragen. Wieviel Liter
Öl und wieviel Liter Benzin sind zu tanken, wenn der Kanister voll
werden soll?
64 . Ein Übergewichtiger sitzt am Frühstückstisch. Seine sich selbst aufer-
legte Ei-Milch-Müsli“ Diät gestattet ihn maximal 2100 kJ pro Mahl-

zeit. Nachdem er sich bereits ein Ei (600 kJ) genehmigt hat, überlegt
er, wie sich die verbleibenden kJ auf Milch (150 kJ je 100 g) und Müsli
(1500 kJ je 100 g) verteilen lassen.
a) Was wird er als erlaubte Milch-Müsli-Relation“ bestimmen?

b) Mit wie viel Milch dürfen 50 g Müsli angesetzt werden?

6.6 Definition und Regeln der Potenzen


Mehr Informationen zu Definition und Regeln der Potenzen finden Sie im
Abschnitt 4.1 ab Seite 35.

Rechnen Sie die folgenden Ausdrücke möglichst einfach aus.


✓ ◆
34 · 25 23 15 2
65 . a) 3
b) · 2
c) 22 · 103 153
6 3 10
Vereinfachen Sie die folgenden Ausdrücke so weit wie möglich.
66 . (a b)3 (b a)2 a2 a a2 4
·
2 + 2a a2
x2n 1 70 .
a 1
2
67 . 2n+1 a + 2a + 1
x
a2 4a + 4
2 3 5
68 . ab2 c3 · a2 b3 c · a3 bc2
3 5 6
x2 y 2 x2 y 2 36x2 y 48xy 2 45x2 y + 60xy 2
69 . + 71 . +
(x y) · x (x + y) · x 4(x + y) 5(x + y)

Seite 78 Brückenkurs
✓ ◆2
1 x
72 . Setzen Sie x = in 2 ein.
y y
4
73 . a) Berechnen Sie analog zu Aufgabe 17 die Zahlen k für
k = 0, 1, . . . , 4.
b) Multiplizieren Sie das Polynom (x + 1)4 aus, sodass Sie eine
Summe von Vielfachen der Potenzen x4 , x3 , . . . , 1 erhalten.
c) Wie können Sie die Summendarstellung von (x + 1)7 schneller
erhalten als durch Ausmultiplizieren?

6.7 Potenzen als Funktionen, Wurzeln


Mehr Informationen zu Potenzen und Wurzeln finden Sie im Abschnitt 4.2
ab Seite 37.

Schreiben Sie folgende Ausdrücke in die Wurzelschreibweise um:


1 3 1 1
74 . a) a /2 c) a /4 e) a /2 + b /2
3 2/5 3
b) a /2 d) a f) (a + b) /5

Formen Sie in die Schreibweise mit rationalem Exponenten um:


p p
75 . a) a7 1 1 e) a + b2
c) p d) p 3
p3 a3 a p p5
b) a2 f) 5 a + b4

Vereinfachen Sie soweit wie möglich ohne einen Taschenrechner:


⇣ q ⌘2 p p p p
78 . 5 63 2
1
76 . 3 · 3 1
64 77 . 72 18 p175
+ 3 28
Betrachten Sie nochmals das Beispiel 4.12 (Seite 42) mit den pytha-
goräischen Zahlentripeln.
79 . Berechnen Sie alle Tripel a, b, c a) a = 24, b = 10, c = ?
für m, n mit 1  n < m  4.
b) a = 21, b = ?, c = 29
80 . Ergänzen Sie die folgenden
c) a = ?, b = 40, c = 41
Zahlenpaare durch die jeweils
dritte, sodass sie gemeinsam 81 . Berechnen Sie für dieselben
ein pythagoräisches Zahlentri- Fälle wie in 80 die jeweiligen
pel bilden: Zahlen m und n.

6 Aufgaben Seite 79
Vereinfachen Sie folgende Ausdrücke so weit wie möglich.
1
0s s 1s
2
1+x x +1 2 y4 x3 A x5
82 . p 88 . @ , x, y > 0
x + x2 + 1 x3 y2 y6
q q q
9 p p 3 p
83 .
4
a6 · a12 +
6
b10 ·
4 2
b, r r
1+y 1 y Für welche
für a, b 0
1 y 1 + y y-Werte ist
n+1 n 89 . r r
(ax + ay) ·b 1+y 1 y Ihre Rech-
84 . für a, b > 0 +
(abx + aby) n 1
1 y 1 + y nung gültig?
r q p p 1
85 . 2v 2 v 4v 2 (v 2)2 , v 0 90 . y + y 2 + 1 p
q p q p y + y2 + 1
86 . a a2 b2 · a+ a2 b2 p
3 n+3 p
3 n
r q 91 . x + 2x x
p p
n n+1
p
n
87 . a a a 92 . a b + abn+1 für a, b, n > 0
Geben Sie den Gültigkeitsbereich der Gleichung an. Danach lösen Sie sie
nach x auf.
p p
93 . 3 2x + 4 9 = 0 95 . 2x2 1+x=0
p
p 1+ x
96 . p =3
94 . 2x + 19 + 5 = 0 1 x

97 . Manche Banken gewähren am Ende von Sparverträgen zusätzlich


einen Bonus von 20% auf die eingezahlte Summe. Welchem Zinssatz
entspricht diese Zahlung, wenn die Laufzeit 6 Jahre beträgt?
98 . Vor langer Zeit konnte man Bundesschatzbriefe mit folgenden Kon-
ditionen kaufen: Die Zinsen werden erst am Ende der Laufzeit mit
Zinseszins ausgezahlt. Der Zinssatz änderte sich jedes Jahr wie folgt:
4.5 %, 6 %, 6.25 %, 6.5 %, 7 %, 8.5 %, 8.5 %. Mit welchem konstanten
Zinssatz wurde bei sonst gleichbleibenden Konditionen die gleiche
Rendite erzielt?

6.8 Binomische Formeln und Faktorisierung


Mehr Informationen zu Binomischen Formeln und Faktorisierung finden
Sie im Abschnitt 4.3 ab Seite 42.

Seite 80 Brückenkurs
Berechnen Sie folgende Ausdrücke ohne Taschenrechner.
Tipp: Alle Ergebnisse sind ganzzahlig.
p p
5 3 b = 241214578 · 241214581
99 . p p +p p
3 5 3+ 5 die Di↵erenz a b.
⇣p p p ⌘
p 2
100 . 2 3 2+ 3 Tipp: Schreiben Sie x für die
p p erste der vier Zahlen.
2 5 45 3
101 . p 103 . Berechnen Sie den folgenden
5+1 4
Ausdruck für n = 0, 1, 2, 3.
102 . Berechnen Sie für
p !n p !n !
a = 241214579 · 241214580 1 1+ 5 1 5
p
und 5 2 2
Machen Sie bei den folgenden Ausdrücken den Nenner ganzzahlig:
1 4 16
104 . a) p b) p 3
106 . p p
2 2 5 3
p p p
3 5+5 3 2+3 a
105 . p p 107 . p (a sei ganzzahlig)
5 3 3 5 3+2 a
Vereinfachen Sie folgende Ausdrücke so weit wie möglich.
1 1 a2 + 8 a + 1 a 1
108 . · 110 . 2 +
x2 (x + 1)2 a 4 a 2 a+2
1
(x + 1)2 1 (x+1) (x 1)
111 . s ✓ ◆2 ·
x 1 (x + 1)2
2 2 2 2
x y x y 1
109 . + x+1
(x y) · x (x + y) · x für x > 0

6.9 Parabeln und quadratische Gleichungen


Mehr Informationen zu Parabeln und quadratischen Gleichungen finden
Sie im Abschnitt 4.4 ab Seite 43.

112 . Welche Gleichung hat die quadratische Einheitsparabel f (x) = x2 ,


wenn ihr Scheitel in den Punkt (3, 2) verschoben wird?
113 . Die allgemeine quadratische Parabel hat die Form y = ax2 + bx + c.
b b2
Zeigen Sie, dass xS = und yS = c die Koordinaten des
2a 4a
Scheitelpunktes sind (vgl. Beispiel 4.14, Seite 45).

6 Aufgaben Seite 81
Bringen Sie die folgenden Parabelvorschriften auf Scheitelpunktform und
geben Sie die Scheitelpunkte an:
114 . x2 + 5x 117 . 3x2 18x
115 . x2 16x 118 . x2 + 10x 8
116 . x2 + 12x + 42 119 . 5x2 6x + 2
Lösen Sie die folgenden Gleichungen nach x auf und überprüfen Sie jeweils
Ihr Ergebnis mit Hilfe des Satzes von Viëta (siehe 4.4).
120 . 5x2 + 10x = 0 123 . x2 4x + 13 = 0
x 23
121 . x2 + 5x 14 = 0 124 . + =7
2 x

122 . 16x2 + 120x + 221 = 0 125 . a2 x2 = (a x)(b x)

Skizzieren Sie die angegebenen Funktionenpaare jeweils in einem gemeinsa-


men Koordinatensystem. Berechnen Sie die Schnittpunkte und überprüfen
Sie sie in der Skizze.
126 . f (x) = 12 x2 x 2 128 . f (x) = 2x2 + 8
g(x) = 2x + 2 g(x) = (x 2)2
127 . f (x) = x2 + 8x 8 129 . f (x) = x2 + 2x 2
2
g(x) = 2x + 1 g(x) = x 6x + 10

130 . Eine Strecke der Länge ` soll so in zwei Teile der Längen x bzw. ` x
geteilt werden, so dass sich die Länge der Gesamtstrecke zur Länge
des größeren Teils x genauso verhält, wie x zur Länge des kleineren
Teils ` x. Wie ist x zu wählen und welchen Wert hat dann das
Verhältnis `/x ?
131 . Ein Flugzeug fliegt von Leipzig nach Wien (s = 660 km) und kommt
dort t0 = 6 min früher an, da es Rückenwind von vR = 60 km/h hatte.
Wie groß ist die Eigengeschwindigkeit vF des Flugzeugs?
Tipp: Setzen Sie die unbekannte Reisezeit t aus der einen in die andere
Gleichung ein.
132 . Ein Gastwirt erwartet 40 Personen zu einem Menü zu je 30 e. Er wird
gefragt, ob er für jede zusätzliche Person einen Rabatt von 0.50 e
auf alle Personen geben würde. Bis zu maximal wie vielen Personen
stimmt der Wirt diesem Vorschlag (vermutlich) zu?
133 . Die Deutsche Bahn setzt für Gruppen ab 220 Personen einen Son-
derzug mit 330 Plätzen ein. Der Grundpreis von 8.70 e pro Person
reduziert sich um 2 Cent für jedes Gruppenmitglied, mit dem die

Seite 82 Brückenkurs
Minimalzahl von Fahrgästen überschritten wird. (So sind bei 222
Teilnehmern nur noch 8.66 e pro Person zu bezahlen.) Bestimmen
Sie die Anzahl von Fahrgästen pro Sonderzug, welche die höchsten
Einnahmen für die Bahn ergibt.
134 . So wie Geraden durch zwei Punkte bestimmt sind, können wir qua-
dratische Parabeln durch drei Punkte bestimmen (die nicht überein-
ander liegen). Berechnen Sie analog wie bei Geraden die Konstanten
a, b, c in der Parabel f (x) = ax2 + bx + c, die durch die Punkte
P ( 1, 0), Q(1, 2), R(2, 9) verläuft.

6.10 Exponentialfunktion und Logarithmus


Mehr Informationen zu Exponentialfunktion und Logarithmus finden Sie
im Abschnitt 4.5 ab Seite 48.

Schreiben Sie als Potenz mit Basis 10 und geben Sie x an:
135 . a) 10x = 100 1
d) 10x = 100 g) 10x = 1
100
b) 10x = 1000 e) 10x = p1 h) 10x = p
10
10
p
3
p
4
c) 10x = 10 f) 10x = 100 i) 10x = 1000 · 10

Schreiben Sie als Potenz mit Basis e und geben Sie x an:
1 e2 p
136 . a) ex = e2 c) ex = x
e) e = 3p f) ex
= e3
· e
e e 5
p
x x
b) e = e 5 d) e = 1 g) ex = e

137 . Bestimmen Sie x in der Glei- 139 . Betrachten Sie ein Seil, das
x+1 x 1
chung 2 ·5 = 40000. in den Punkten ( 1, 2.6) und
(1, 2.6) aufgehängt ist. Bestim-
138 . Bestimmen Sie x in Abhängig-
men Sie die Basis a der von
keit von a: 3 · loga (x + 1) = 1.
dem Seil gebildeten Hängekur-
Dann setzen Sie a = 1000 und
ve f (x) = 12 (ax +a x ). Wievie-
machen Sie die Probe mit dem
le verschiedene Funktionen f
berechneten x (Einsetzen in
gibt es?
Ausgangsgleichung).

140 . In einem Märchen erbittet ein einfacher Mann vom König eine (ver-
diente) Belohnung. Er soll auf das 1. Feld eines Schachbretts 1 Reis-
korn legen, auf das 2 Feld 2 Körner, auf das 3. Feld 4 Körner usw.,
immer das Doppelte.

6 Aufgaben Seite 83
a) Wieviele Körner liegen auf dem 64. Feld? Berechnen Sie die
Anzahl Dezimalstellen dieser Zahl.
b) Wie hoch wäre die Schicht Reis auf Berlin, wenn diese Menge
gleichmäßig darauf verteilt würde? Ein Reiskorn hat die Ab-
messungen 2 · 2.5 · 8 mm3 , Berlin hat eine Fläche von 892 km2 .
Nehmen Sie an, dass sich die Körner lückenlos aneinander legen
lassen.
Wandeln Sie die folgenden Ausdrücke mit Hilfe der Logarithmusregeln
um. Alle Variablen seien positiv. Geben Sie evtl. benötigte weitere Ein-
schränkungen der Variablen an.
p
141 . ln 12 ln 4 3 2
b
146 . loga
3x 3c
142 . ln e 2
147 . ln a + ln b ln(a + b)
p
143 . log10 10
148 . ln(a2 ab + b2 ) + ln(a + b)
b a 149 . ln a ln b + ln(ab) 2 ln(a b)
144 . ln ln
a b
150 . loga (x + 1) + loga (2x + 2)
2 3
145 . loga (5p q ) loga (x2 1)
Geben Sie jeweils den Gültigkeitsbereich für x in den folgenden Gleichun-
gen an. Dann lösen Sie sie nach x auf.
151 . 3 log10 x = log10 8
✓ ◆x+1 ✓ ◆3
3 2
156 . =
2 3
152 . 3 loga x = loga 8
✓ ◆x
1
153 . log10 x6 = log10 x3 + 6 157 . = 10000
4
p
3 p
154 . 4 + log10 x7 = log10 3 x 158 . log2 x + log2 (x + 1) = 1
p p 159 . p = 1 + 2 · 10 kx
155 . log2 ( x + 1) + log2 ( x 1)
r
2 log2 (x 1) 1 = 0 160 . q = b · 2 /x

161 . Betrachten Sie nochmals Beispiel 4.20 (Seite 51). Die Einheit der
Schallintensität I ist gemäß ihrer Definition W/m2 . Die Lautstärke
L ist physikalisch einheitslos, wird aber zur Kenntlichmachung in
phon angegeben. Welche Intensität hat ein Ton mit 40 phon bei einer
Hörschwelle von I0 = 10 10 W/m2 ?
162 . Eine Großmutter legt bei der Geburt ihres Enkels ein Sparbuch mit
dem jährlichen Zinssatz von 3% an und zahlt einmalig einen Betrag
ein. Wie alt wird der Enkel sein, wenn sich der Betrag verdoppelt
hat?

Seite 84 Brückenkurs
163 . Archäologen datieren gefundene Artefakte mit Hilfe des radioakti-
ven Zerfalls von Kohlensto↵. Die Methode besteht im Kern darin zu
berechnen, zu welchem Zeitpunkt t0 die folgende Formel denselben
Wert hat wie ein am Fund gemessener Konzentrationswert p · C0 . Die
Größe des Referenzwerts C0 spielt hier keine Rolle.

t Berechnen Sie das Alter eines


1 5730 Jahre Fundstücks, bei dem p = 1/10 ge-
f (t) = C0 · 2 .
messen wurde.

6.11 Winkel und Dreiecke


Mehr Informationen zu Winkeln und Dreiecken finden Sie im Abschnitt 5.1
ab Seite 54.

164 . Geben Sie die folgenden Winkel im Gradmaß bzw. im Bogenmaß an.

a) 225 b) 34 ⇡ c) 300 d) 0.02

165 . Wie groß sind die Winkel in den Skizzen? a



a a a
Ergänzen Sie auch die fehlenden Seiten- h
c
angaben c, h als Vielfache von a. a

166 . In der nebenstehenden Skizze wird


ein Parallelogramm von einer Gera-
den geschnitten. Bestimmen Sie alle
fehlenden Winkel. 60

70

6.12 Rechtwinklige Dreiecke

Mehr Informationen zu rechtwinkligen Dreiecken finden Sie im Ab-


schnitt 5.2 ab Seite 56.

6 Aufgaben Seite 85
167 . Der Satz des Thales hilft uns, A0 C B0
ein rechtwinkliges Dreieck zu kon-
struieren, von dem wir nur die
Längen |AB| der Hypotenuse h h
und der Höhe h darauf kennen.
Können Sie die Schritte der Kon-
struktion aus der nebenstehenden A M B
Skizze ersehen?

168 . Greifen Sie die Idee im Beweis des Kathetensatzes a2 = p c auf


und addieren Sie die beiden Gleichungen für a2 und b2 . Zusammen
mit dem Satz des Pythagoras im Dreieck 4ABC erhalten Sie einen
Beweis des Höhensatzes.
169 . Der Höhensatz zeigt einen Weg,
wie wir zeichnerisch eine Wur-
zel ziehen, also zu einem Recht-
h h2
eck ein flächengleiches Quadrat
finden können. Können Sie die q
Schritte der Konstruktion ange- pq p
ben? Tipp: Der Thalessatz spielt
auch mit.
170 . Der Satz des Pythagoras gilt auch für
andere Figuren als Quadrate. Wel-
chen Flächeninhalt hat ein Halbkreis
mit Durchmesser d? Verwenden Sie b a
Ihre Formel, um die nebenstehende c
Figur zu verstehen: Die Flächensum-
me der kleinen Halbkreise ist gleich
dem Flächeninhalt des großen Halb-
kreises.

171 . Wie können Sie für ein rechtwinkliges Dreieck ganz leicht aus den
Seitenlängen a, b, c die Länge der Höhe h berechnen?
Tipp: Das Dreieck hat einen Flächeninhalt.

172 . Zeigen Sie: Der Flächeninhalt der


Möndchen des Hippokrates ist
zusammen exakt so groß wie der
Flächeninhalt des rechtwinkligen
Dreiecks.

Seite 86 Brückenkurs
A

173 . Berechnen Sie die Längen der


a!2
beiden eingezeichneten Verbin- a!2
dungen zwischen A und B auf
der Oberfläche des Würfels mit
der Kantenlänge a. Welche ist
kürzer?
a
B

6.13 Kreise
Mehr Informationen zu Kreisen finden Sie im Abschnitt 5.3 ab Seite 60.

Wie lauten die Gleichungen von Kreisen mit den folgenden Eigenschaften?
Geben Sie diese in kartesischer Standardform an.
174 . Der Kreis enthält den Punkt P (1, 1) und hat als Mittelpunkt
M ( 2, 3).
175 . Der Kreis hat den Durchmesser P Q mit P ( 3, 3) und Q(1, 5).
176 . Der Kreis berührt die x-Achse im Punkt P (5, 0) und hat den Radius
r = 2.
Es sei gegeben der Kreis K mit der Gleichung x2 + y 2 2x 8y + 4 = 0.
177 . Bestimmen Sie Mittelpunkt M und Radius r von K.
178 . In welchen Punkten schneidet K die Gerade mit der Gleichung

a) y = x + 2 ? b) y = 5x 14 ? c) y = x 2?
179 . Gibt es einen Radius r0 > 0, für den sowohl Umfang als auch Fläche
eines Kreises K(M, r0 ) dieselbe Maßzahl besitzen?
180 . Ein Reifrock einer Prinzessin vergrößert ihren Hüftumfang um 1 m.
Wie weit steht der Reifrock von der Hüfte ab?
Ein ähnliches Problem: Um den Äquator der Erde (als Kreis ideali-
siert) wird ein Reifen gelegt, der 1 m zu lang ist. Wie hoch steht der
Reifen über der Erdoberfläche?
181 . 1 Seemeile (sm) ist definiert als die Länge eines Längenkreisabschnitts
auf der Erdoberfläche, der zum Winkel von 1 Bogenminute = 1/60
gehört. Der Erdradius hat die mittlere Länge von 6367 km. Wie lang
ist 1 sm in Kilometern?

6 Aufgaben Seite 87
182 . Welchen Anteil hat die Fläche eines
Kreissektors mit dem Mittelpunkts-
winkel ↵ = ⇡/3 an dem Viereck, das
die Radien mit den beiden Kreistan- ↵
genten einschließen?
183 . Zeigen Sie die folgenden Aussagen:

a) Haben ein Quadrat und ein Kreis denselben Umfang U , so ist


der Flächeninhalt des Kreises größer als der des Quadrats.
b) Das Quadrat hat unter allen Rechtecken eines vorgegebenen
Umfangs U den größten Flächeninhalt.
c) Der Flächeninhalt eines Kreises ist größer als der Flächeninhalt
jedes Rechteckes mit demselben Umfang.

6.14 Winkelfunktionen am Dreieck


Mehr Informationen zu Winkelfunktionen am Dreieck finden Sie im Ab-
schnitt 5.4 ab Seite 63.
184 . Füllen Sie die nebenstehende Ta-
belle aus. Betrachten Sie auch die
entarteten“ rechtwinkligen Drei- ↵ 0 30 45 60 90

ecke mit ↵ = 0 , ↵ = 90 (siehe
sin ↵
auch Aufgabe 165).
185 . In welcher Beziehung steht die
cos ↵
Gleichung sin2 ↵ + cos2 ↵ = 1 tan ↵
zum Satz des Pythagoras?
186 . Bestimmen Sie die Längen
a, b, c, d der unbekannten Sei- 1 1
ten. Wie geht diese Folge wei- 1
ter?
c b
187 . Finden Sie heraus, wieviele
d
Dreiecke diese Folge enthalten a
muss, damit der zentrale Ge- 1
samtwinkel im Punkt P mehr
als 180 beträgt. 45 1
P
188 . Ein Drachen wird an einer Schnur von 100 m Länge unter einem Win-
kel von 60 zur Horizontalen gehalten. Wie hoch steht der Drachen
über dem Erdboden?

Seite 88 Brückenkurs
189 . Ein Schi↵ befindet sich in Küstennähe. Der Navigator sieht mit sei-
nem Sextanten die Spitze eines Leuchtturms auf einer Steilküste unter
einem Winkel von 5 , nach dem Hafenhandbuch liegt die Spitze des
Turmes 350 m hoch. Wie weit ist das Schi↵ von der Küste entfernt?
Hinweis: Vernachlässigen Sie die Augenhöhe.

190 . Um das Fließen eines Gletschers nachzuweisen, werden zu beiden Sei-


ten des Gletschers im Fels zwei Marken A und B im Abstand von
157.5 m angebracht. Die Verbindungsstrecke der beiden Marken liegt
senkrecht zur Flussrichtung. Auf der Verbindungsgeraden von A und
B wird eine dritte Marke C im Abstand von 53.5 m zu A auf dem Eis
angebracht. Nach einiger Zeit beobachtet man, dass C vorgerückt ist,
und misst für den Winkel ^CAB den einen Wert 1 540 .
a) Um welche Strecke s ist C vorgerückt?
b) Für eine Kontrolle wird der Winkel = ^ABC gemessen. Wel-
chen Wert müsste man da erhalten?

191 . Ein Bild wiegt 0.5 kg. Um es an einem Nagel aufzuhängen, wird eine
Schnur an zwei Ösen im Rahmen befestigt. Welche Zugkräfte (in N)
herrschen in der 101 cm langen Schnur, wenn die Ösen einen Abstand
von 100 cm haben?

192 . Berechnen Sie die Steigung m einer g(x) = mx + n


Geraden g(x) = mx + n aus dem
Winkel ↵, den g mit der x-Achse in ↵
positiver x-Richtung einschließt. Be- x
gründen Sie Ihre Formel.

193 . Machen Sie sich klar, dass der Cosinussatz für ↵ = 90


tatsächlich
zum Satz des Pythagoras wird. Welches Aussehen nimmt in diesem
Fall der Sinussatz an?

194 . Geben Sie die Lage x des Kolbens


l
eines Kurbelgetriebes in Abhängig- r !
keit des Drehwinkels ', der Länge der x
Pleuelstange l und des Kurbelradius
r an.

6 Aufgaben Seite 89
195 . Ein Berggipfel G wird von Seitenansicht: G
zwei Standorten A und B aus
angepeilt, die in gerader Li-
h
nie mit ihm liegen. Die Win-

kel betragen ↵ = 35 , =
56 und die Standorte lie- A B F
gen |AB| = 3500 m ausein-
ander. Wie hoch ist der Gip- Vogelperspektive:
G
fel G? Leiten Sie die Formel-
beziehung erst allgemein her A B F
bevor Sie einsetzen.
196 . Berechnen Sie den Flächeninhalt der
angegebenen Figur, die aus drei über-
lappenden Kreissektoren mit Radi- r r
us r zusammengesetzt ist. Tipp: Auf- r
gabe 165.
197 . Geben Sie den Flächeninhalt des
schraffierten Kreissegments an für r
r = 10 und ' = ⇡/4. Leiten Sie die
Formelbeziehung erst allgemein her '
bevor Sie einsetzen. r

198 . Warum sind die beiden mit ↵ bezeich-


neten Winkel gleich? Geben Sie au- C

ßerdem die folgenden Werte als Sei-
tenlängenverhältnisse an: ↵

a) sin(↵ + ) e) cos ↵ (4BDC)



b) sin ↵ (4OED) f) cos(↵ + ) B •· •·
D
c) cos (4ODC) g) sin ↵ (4BDC)
↵ · ·
d) sin (4ODC) h) cos ↵ (4OED) O A E
199 . Leiten Sie mit den Bezie-
hungen aus Aufgabe 198 sin(↵ ± ) = sin ↵ cos ± cos ↵ sin
die Additionstheoreme so-
wohl für sin(↵ ± ) als cos(↵ ± ) = cos ↵ cos ⌥ sin ↵ sin
auch für cos(↵ ± ) her.

200 . Geben Sie die Beziehungen für sin(2↵), cos(2↵) und tan(2↵) an, die
sich aus den Additionstheoremen (siehe Aufgabe 6.14) ergeben.

Seite 90 Brückenkurs
6.15 Winkelfunktionen am Einheitskreis
Mehr Informationen zu Winkelfunktionen am Einheitskreis finden Sie im
Abschnitt 5.5 ab Seite 67.

Zeigen Sie, dass die folgenden Gleichungen immer korrekt sind.


1
201 . (cos x 1)(cos x+1)+sin2 x = 0 203 . tan2 x + 1 =
cos2 x
1 1
202 . sin2 x cos x + cos3 x = cos x 204 . 2 1=
sin x tan2 x
Vereinfachen Sie die folgenden Ausdrücke so weit wie möglich.
1 cos2 x
205 . sin x cos2 x sin x 207 .
sin x cos x
tan x cos x cos x
206 . 208 . +
1 + tan2 x 1 + sin x 1 sin x
209 . In einem Bergwerk gehen von einem Punkt A zwei gerade Stollen
aus zu den Punkten P bzw. Q. Dabei ist ^P AQ = 75 , |AP | =
325 m und |AQ| = 275 m. Es soll nun ein gerader Verbindungsstollen
P Q gegraben werden. Wie lang wird dieser Stollen sein und unter
welchen Winkeln muss er von P bzw. Q vorgetrieben werden?
210 . Was ergibt sich für dieselbe Situation mit den Daten ^P AQ =
60 , |AP | = 480 m, |AQ| = 180 m ?
211 . Führen Sie mit Hilfe der Beziehungen am Einheitskreis die Werte von
sin x und cos x für die Winkel zwischen ⇡/2 und 2⇡ auf die entspre-
chenden Werte für Winkel zwischen 0 und ⇡/2 zurück.
212 . Welche Seite des abgebildeten Drei-
ecks hat die Länge sin ↵ ? Welche die
Länge cos ↵ ? Finden Sie heraus, wo
Sie eine weitere Strecke mit der Länge 1
tan ↵ einzeichnen können.
Tipp: Die Beziehung tan ↵ = cos sin ↵ ↵

lässt sich interpretieren als Anwen-
1
dung des Strahlensatzes.

6 Aufgaben Seite 91
Index

Abstand, 29 Wurzel-, 38
Achsenabschnitt, 27
Arcusfunktionen, 70 ganze Zahlen, 12
Assoziativregel, 13 Gerade, 27
Geradensteigung, 27
Basis, 35 Gleichung, 24
Betragsfunktion, 29 Gradmaß, 54
Bildbereich, 20 Graph, 20
Binomialkoeffizienten, 73 Grundwert, 26
binomische Formeln, 42
Höhensatz des Euklid, 57
Bogenmaß, 54
kartesische Standardform, 61
Cosinussatz, 66
Kathetensätze, 57
Definitionsbereich, 20 Kehrwert, 15
Definitionslücke, 20 Klammerung, 13
Diskriminante, 46 Koeffizientenvergleich, 44
Distributivregel, 13 Kommutativregel, 13
Dreieck Kreis, 60
ähnliche, 55
lineare Gleichung, 32
rechtwinkliges, 56
lineares Gleichungssystem, 32
Eulersche Zahl, 52 Lösung, 5
Exponent, 35 Logarithmen, 49
Exponentialfunktion, 48
Mittelwert
Faktorisierung, 42 arithmetischer, 59
Fakultät, 72 geometrischer, 60
Funktion natürliche Zahlen, 11
Betrags-, 29 Nullstelle, 21, 28
Exponential-, 48
lineare, 27 Parabel, 43
Logarithmus-, 49 Scheitelpunktform, 44
Potenz-, 37 Potenzen, 35
quadratische, 43 Potenzgesetze, 35, 48
Umkehr-, 21, 37, 49, 69 pq-Formel, 45
Winkel-, 63, 67 Prozent, 26
Prozentsatz, 26
Prozentwert, 26
Punkt vor Strich, 13, 36
pythagoräische Zahlentripel, 43
quadratische Ergänzung, 44
Quadratwurzel, 38
rationale Zahlen, 12
Rechenoperationen, 12
Rechenregeln, 13
Rechenschieber, 51
rechter Winkel, 56
reelle Funktion, 20
reelle Zahlen, 12
Satz
Cosinus-, 66
des Pythagoras, 42, 57
des Thales, 57
Höhen-, 57
Sinus-, 64
Strahlen-, 55
von Viëta, 46
Scheitelpunkt, 43
Sinussatz, 64
Steigung einer Geraden, 27
Strahlensatz, 55
Umkehrfunktion, 21, 37, 49, 69
Umkehrung, 14
Variablen, 12
Vorsatzzeichen, 18
Wertebereich, 21
Winkel, 54
Winkelfunktionen, 63, 67
Periode, 69
Zinseszinsformel, 48
Zinsformel, 26

Seite 94 Brückenkurs

Das könnte Ihnen auch gefallen