Analysis II
Prof. D. Salamon FS 2015
MATH, PHYS, CHAB
Musterlösung Serie 3
1. Für eine dierenzierbare Abbildung f : Rn → Rm ist die Ableitung an der Stelle x ∈ Rn eine
lineare Abbildung df (x) : Rn → Rm . Bezüglich der kanonischen Basen von Rn und Rm ist die
Abbildungsmatrix von df (x) die Jacobi-Matrix, welche wir der Einfachheit wegen ebenfalls
mit df (x) ∈ Rm×n bezeichnen.
Zur Berechnung der Jacobimatrix verwenden wir die Formel [df (x)]i,j = ∂x ∂fi
j
. Des weiteren
haben wir in der Vorlesung gesehen, dass eine Funktion f stetig dierenzierbar ist, falls alle
ihre partiellen Ableitungen ∂x
∂fi
j
existieren und stetig sind. Insbesondere ist eine Funktion f
mit stetigen partiellen Ableitungen überall dierenzierbar.
(a) Für f (x, y) = (x2 − y 2 , 2xy) gilt
2x −2y
df (x, y) =
2y 2x
(b) Für f (x, y, z) = (sin(xyz), z 2 cos(xy 2 )) gilt
yz cos(xyz) xz cos(xyz) xy cos(xyz)
df (x, y, z) =
−y 2 z 2 sin(xy 2 ) −2xyz 2 sin(xy 2 ) 2z cos(xy 2 )
(c) Für f (x, y, z) = x2 + y 2 + z 2 − 2xyz gilt
df (x, y, z) = 2x − 2yz, 2y − 2xz, 2z − 2xy
(d) Für f (x, y) = (y − x2 )(y − 2x2 ) = y 2 − 3yx2 + 2x4 gilt
df (x, y) = 8x3 − 6xy, 2y − 3x2
(e) Für f (t) = (cos(t), sin(t), t) gilt
− sin(t)
df (t) = cos(t)
1
(f) Für f (x, y, z) = x y
1+z , 1+z gilt
!
1 −x
1+z 0 (1+z)2
df (x, y, z) = 1 −y
0 1+z (1+z)2
(g) Für f (x, y) = sin(x)ey + 3x3 y 5 gilt
df (x, y) = cos(x)ey + 9x2 y 5 , sin(x)ey + 15x3 y 4
(h) Für f (r, θ) = (r cos(θ), r sin(θ)) gilt
cos(θ) −r sin(θ)
df (r, θ) =
sin(θ) r cos(θ)
1
2. Für (x, y) 6= (0, 0) ist die Funktion f (x, y) = √ x2 2 klar dierenzierbar und die Jacobi-
3
x +y
Matrix ist gegeben durch
2x4 +3x2 y 2 −x3 y
df (x, y) = 3 , 3 .
(x2 +y 2 ) 2 (x2 +y 2 ) 2
Wir bestimmen zunächst einen Kandidaten für die Ableitung df (0, 0). Nach Dention ist
eine lineare Abbildung L : R2 → R, L(x, y) = ax + by , die Ableitung von f im Ursprung,
falls
|f (x, y) − L(x, y)|
lim =0
(x,y)→(0,0) ||(x, y)||2
gilt. Wenn wir y = 0 setzen und den Grenzwert für x → 0 betrachten folgt insbesondere
|f (x, 0) − L(x, 0)| ||x|x − ax|
0 = lim = lim
x→0 ||(x, 0)||2 x→0 |x|
und das kann nur für a = 0 gelten. Analog setzen wir x = 0 und betrachten den Grenzwert
für y → 0. Wir erhalten
|f (0, y) − L(0, y)| | − by|
0 = lim = lim
y→0 ||(0, y)||2 y→0 |y|
und dies kann nur für b = 0 gelten. Damit erhalten wir den Kandidaten df (0, 0) = L = 0.
Es ist leicht zu verizieren, dass die Ableitung von f im Ursprung durch L(x, y) = 0 gegeben
ist. Es gilt
|f (x, y) − L(x, y)| |x3 | |x|3
= 2 ≤ = |x| ≤ ||(x, y)||2 .
||(x, y)||2 x + y2 x2
Da die rechte Seite oenbar gegen 0 konvergiert für (x, y) → (0, 0) erhalten wir sofort
|f (x, y) − L(x, y)|
lim =0
(x,y)→(0,0) ||(x, y)||2
und das ist die Denition der Ableitung.
3. (a) Für y1 , ŷ1 ∈ Y1 und y2 , ŷ2 ∈ Y2 erhalten wir wir unter Ausnutzung der Bilinearität von
β
β(y1 + ŷ1 , y2 + yˆ2 ) = β(y1 , y2 ) + β(y1 , ŷ2 ) + β(ŷ1 , y2 ) + β(ŷ1 , ŷ2 ).
Wir interpretieren (y1 , y2 ) ∈ Y1 × Y2 als xen Punkt und (ŷ1 , ŷ2 ) als eine kleine Va-
riation. Die Ableitung dβ(y1 , y2 ) ist denitonsgemäss die beste lineare Approximation
von β um den Punkt (y1 , y2 ). Folglich muss sie mit dem linearen Anteil auf der rechten
Seite übereinstimmen und wir erhalten als Kandidaten
dβ(y1 , y2 ) : Y1 × Y2 → Z, (ŷ1 , ŷ2 ) 7→ β(y1 , ŷ2 ) + β(ŷ1 , y2 ).
Wir machen das obige Argument präzise und verizieren, dass die Ableitung tatsächlich
durch diesen Ausdruck gegeben ist. Es gilt
||β(y1 + ŷ1 , y2 + ŷ2 ) − β(y1 , y2 ) − β(y1 , ŷ2 ) − β(ŷ1 , y2 )||Z ||β(ŷ1 , ŷ2 )||Z
=
||(ŷ1 , ŷ2 )||Y1 ×Y2 ||ŷ1 ||Y1 + ||ŷ2 ||Y2
Wir müssen zeigen, dass dieser Ausdruck gegen 0 konvergiert, falls (ŷ1 , ŷ2 ) in Y1 × Y2
gegen (0, 0) strebt. Da ||ŷ1 ||Y1 ≤ ||(ŷ1 , ŷ2 )||Y1 ×Y2 und ||ŷ2 ||Y2 ≤ ||(ŷ1 , ŷ2 )||Y1 ×Y2 gilt und
β beschränkt ist, erhalten wir die Abschätzung
||β(ŷ1 , ŷ2 )||Z C||ŷ1 ||Y1 ||ŷ2 )||Y2 C||(ŷ1 , ŷ2 )||2Y1 ×Y2
≤ ≤ = C||(ŷ1 , ŷ2 )||Y1 ×Y2 .
||(ŷ1 , ŷ2 )||Y1 ×Y2 ||(ŷ1 , ŷ2 )||Y1 ×Y2 ||(ŷ1 , ŷ2 )||Y1 ×Y2
Dieser Ausdruck strebt gegen 0 für (ŷ1 , ŷ2 ) → (0, 0) und das zeigt die Behauptung.
2
(b) Wir zeigen zunächst, dass die Abbildung
f : X1 × X2 → Y1 × Y2 , f (x1 , x2 ) = (f1 (x1 ), f2 (x2 ))
dierenzierbar ist mit der Ableitung
df (x1 , x2 ) : X1 × X2 → Y1 × Y2 , (x̂1 , x̂2 ) 7→ (df1 (x1 )x̂1 , df2 (x2 )x̂2 ).
Dafür betrachten wir den Quotienten
||f (x1 + x̂1 , x2 + x̂2 ) − f (x1 , x2 ) − (df1 (x1 )x̂1 , df2 (x2 )x̂2 )||Y1 ×Y2
||(x̂1 , x̂2 )||X1 ×X2
||f1 (x1 + x̂1 ) − f1 (x1 ) − df1 (x1 )||X1 ||f2 (x2 + x̂2 ) − f2 (x2 ) − df2 (x2 )||X2
= +
||(x̂1 , x̂2 )||X1 ×X2 ||(x̂1 , x̂2 )||X1 ×X2
||f1 (x1 + x̂1 ) − f (x1 ) − df1 (x1 )||X1 ||f2 (x2 + x̂2 ) − f (x2 ) − df2 (x2 )||X2
≤ + .
||x̂1 ||X1 ||x̂2 ||X2
Wenn (x̂1 , x̂2 ) in X1 × X2 gegen 0 streben, gilt insbesondere x̂1 → 0 in X1 und x̂2 → 0
in X2 . Aus der Denition von df (x1 ) und df (x2 ) folgt, dass die rechte Seite dann gegen
0 strebt. Damit folgt die Behauptung.
Da g = β ◦ f gilt, folgt aus der Kettenregel, dass g dierenzierbar ist mit der Ableitung
dg(x1 , x2 ) = dβ(f (x1 ), f (x2 )) ◦ df (x1 , x2 ) : X1 × X2 → Z
(x̂1 , x̂2 ) 7→ β(f1 (x1 ), df2 (x2 )x̂2 ) + β(df1 (x1 )x̂1 , f2 (x2 )).
4. Wir zeigen, dass f (x, y) = g(x) für eine Funktion g gilt, falls für jedes x ∈ R die vertikalen
Schnitte
Ux := {y ∈ R | (x, y) ∈ U }
zusammenhängend sind. Das heisst Ux = (ax , bx ) ist für jedes x ein oenes Intervall. Wenn
wir mit I ⊂ R die Menge aller x ∈ R bezeichnen, für welche Ux 6= ∅ gilt, erhalten wir die
Zerlegung
{x} × Ux = {(x, y) ∈ R2 | x ∈ I, ax < y < bx }.
[
U=
x∈I
Wir müssen zeigen, dass für x ∈ I und y ∈ Ux der Funktionswert f (x, y) unabhängig von
der Wahl von y ist. Für y0 , y1 ∈ Ux betrachten wir die Kurve
γ : [0, 1] → R2 , γ(t) = (x, (1 − t)y0 + ty1 ).
Das Bild dieser Kurve ist in U enthalten, da Ux ein Intervall ist, und es gilt f (x, y0 ) = f ◦γ(0)
und f (x, y1 ) = f ◦ γ(1). Nach dem Hauptsatz der Dierentialrechnung und Integralrechnung
(für reelle Funktionen in einer Variablen) gilt somit
Z 1
f (x, y1 ) − f (x, y0 ) = f ◦ γ(1) − f ◦ γ(0) = (f ◦ γ)0 (t) dt. (1)
0
Mit der Kettenregel erhalten wir
0 ∂f ∂f 0
(f ◦ γ) (t) = d(f ◦ γ)(t) = df (γ(t)) ◦ dγ(t) = (γ(t)), (γ(t))
∂x ∂y −y0 + y1
∂f
= (x, (1 − t)y0 + ty1 )(y1 − y0 ) = 0.
∂y
Im letzten Schritt haben wir die Annahme ∂f ∂y (x, y) = 0 verwendet. Folglich verschwindet
der Integrand auf der rechten Seite in (1) und es folgt f (x, y1 ) = f (x, y0 ).
Wir geben abschliessend noch ein Gegenbeispiel an, in dem die Bedingung von oben verletzt
ist. Deniere U := (0, 2) × (0, 3)\[1, 2] × [1, 2] ⊂ R2 und betrachte die Funktion
falls (x, y) ∈ (0, 1] × (0, 3)
0
f : U → R, f (x, y) := 1 − x falls (x, y) ∈ [1, 2) × (2, 3)
2
x − 1 falls (x, y) ∈ [1, 2) × (0, 1)
2