Digital Audio Broadcasting
Digital Audio Broadcasting
Ausarbeitung für ein Seminar vom 19. bis 21. September 1995 in Meschede
Henrik Schulze
Universität-Gesamthochschule Paderborn
Abteilung Meschede
Inhalt
1 Einleitung
2 Der Mobilfunkkanal
2.1 Das physikalische Modell
2.3 Kohärenzlangen
4.3 Gleichwellennetze
-2-
1 Einleitung
Die Planung einer Rundfunkversorgung für DAB setzt die Kenntnis der Systemeigenschaften
voraus. Insbesondere muß man wissen, wie sich ein gegebener Mobilfunkkanal,
charakterisiert durch seine Echos (beschrieben durch die sog. Scattering Function) auf die
Bitfehler und damit auf die Qualität z.B. der Audioübertragung auswirkt.
DAB ist für den Mobilempfang konzipiert. Hier spielt immer Mehrwegenausbreitung eine
entscheidende Rolle. Das Systemverhalten wird daher bestimmt durch die statistischen
Parameter der zeitvarianten Funkkanals (die Scattering Function) und läßt sich nicht mehr
allein auf Pegel bzw. Störabstände zurückführen.
Die Qualität, d.h. die Brauchbarkeit der empfangenen Daten (in der Regel Audiodaten) ergibt
sich bei einem digitalen System aus der Häufigkeit (bzw. Seltenheit) der Bitfehler. Wenn man
etwas genauer sein will, muß man auch die Art der auftretenden Störungen untersuchen, z.B.
ob sie eher gebündelt oder gleichmäßig verteilt auftreten. Je nach Art der Quelldaten (Audio,
Video, Standbild, ASCII-Text,...) kann dies eine unterschiedliche Rolle spielen. Wenn man
von Bitfehlerraten spricht, muß man dabei erklären, über welches Zeitintervall dabei gemittelt
wurde. Z.B. kann die Mittelung über einen zu langen Zeitraum dazu führen, daß starke
Störungen durch augeprägt gebündelte Bitfehler in der Statistik "untergehen". Wie lang muß
ein Zeitintervall zur Ermittlung der relevanten Bitfehlerrate z.B. für Audiodaten sein?
Eine andere Frage ist, was man eigentlich mit einer 90% oder 99%- Ortswahrscheinlichkeit
bei der Versorgung meint. Das DAB-System profitiert von Zeitinterleaving. Wenn man z.B.
-3-
für ein stehendes Fahrzeug oder portablen Empfang ("DAB-Walkman") eine
Versorgungswahrscheinlichkeit von 90% garantieren kann, dürfte die für ein bewegtes
Fahrzeug signifikant höher liegen, da das Zeitinterleaving die durch Schwundeinbrüche
bedingten Störungen dann zeitlich so verteilt, daß der Decoder mehr Fehler korrigieren kann.
Eine zu hohe Geschwindigkeit kann dagegen durch die damit verbundenen schnellen
Phasenfluktuationen zu Systemdegradatioenen führen.
Die Länge der Echos (hierbei sind die "künstlichen" durch Gleichwellennetze mitzuzählen)
wiederum spielt für das Frequenzinterleaving eine entscheidende Rolle. Die Echos sollten
dafür nicht nicht zu kurz sein. Zu lange Echos dagegen, die die Dauer des Schutzintervalls
überschreiten, führen wieder zu erheblichen Systemdegradationen.
Ein bewährtes und gut verstandenes Modell für den Mobilfunkkanal auf kürzeren Zeitskalen
ist das (G)WSSUS-Modell ((Gaussian) Wide-Sense Stationary Uncorrelated Scattering). In
Kap. 2 wird dieses Modell diskutiert und eine Methode zur Kanalsimulation vorgetellt.
2 Der Mobilfunkkanal
-4-
fester Frequenz im VHF-Bereich für ein Fahrzug mittlerer Geschwindigkeit als Funktion der
Zeit. Bild 2.2 zeigt den Amplitudenverlauf als Funktion der Frequenz bei fester Zeit (festem
Ort) bei typischen Echolaufzeiten von einigen µs.
Fading: Zeitlicher Amplitudenverlauf
10
-5
-10
-15
-20
-25
-30
0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5
Zeit [s]
Bild 2.1
5
Empfangene Leistung [dB]
-5
-10
-15
-20
-25
0 2 4 6 8 10
Frequenz [Hz] x 10 5
Bild 2.2
Durch solche Interferenzmuster bewegt sich der Fahrzeug hindurch. Der Empfänger muß mit
Emfangssituationen fertig werden, die sich in Bruchteilen von Sekunden völlig verändern.
Der Übertragungskanal wird also durch
• Mehrwegeausbreitung
-5-
• Irregularität durch unbekannte Mikrostruktur der Umgebung
gekennzeichnet. Die Übertragungsfunktion des Kanals ist somit zeitvariant und (pseudo-)
zufällig. Man beschreibt sie daher am besten als einen stochastischen Prozeß.
Der Übertragungskanal im Mobilfunk ist wegen der Bewegung des Empfänges (und/oder des
Senders) als zeitlich veränderliches (zeitvariantes) lineares System zu beschreiben. Ein
zeitvariantes System läßt sich durch eine komplexe, zeitabhängige (zeitvariante)
Impulsantwort h(τ,t) charakterisieren. Sie beschreibt die Antwort des Kanals zur Zeit t auf
einen um τ verzögerten δ-Puls (der also zur Zeit t-τ gesendet wurde). Der Zusammenhang
zwischen dem komplexen1 Sendesignal s(t) und dem zugehörigen Empfangssignal r(t) (die
physikalischen Signale sind dann die Realteile von s(t) bzw. r(t)) ist dann gegeben durch
∞
r (t ) = ∫ h(τ , t ) s (t − τ )dτ
0
s(t) r(t)
H(f,t)
läßt sich auch durch die zeitvariante Übertragungsfunktion H(f;t) charakterisieren, die
gegeben ist durch
∞
H ( f , t ) = ∫ h(τ , t )e − j 2πfτ dτ
0
Es gilt dann
r (t ) = ∫ e j 2πfτ H ( f , t ) S ( f )df
Die genaue Berechnung von H(f,t) würde eine genaue Kenntnis der Mikrostruktur der für den
Mehrwegeempfang verantwortlichen Objekte erfordern (Radarquerschnitte, geometrische
Position etc.). Dies ist nur in nahezu trivialen Spezialfällen möglich.
1 Es wird hier immer in der komplexen Basisbanddarstellung gearbeitet. Zeitvariante Kanäle lassen sich rein reel
nicht vernünftig beschreiben.
-6-
man diese Größe als Musterfunktion eines stochastischen Prozesses (in zwei Variablen f und
t) interpretiert, dessen statistische Eigenschaften es zu untersuchen gilt. Diese
Vorgehensweise ist nur dann sinnvoll, wenn man den stochastischen Prozeß als ergodisch
ansehen kann, d.h. alle Zeitmittelwerte durch statistische Scharmittelwerte ersetzen darf. Die
praktisch interessanten Größen bei einem Übertragungssystem -insbesondere die mittlere
Bitfehlerrate - sind zeitliche Mittelwerte. Im mathematischen Modell berechnet man
statistische Scharmittelwerte und möchte damit die Zeitmittelwerte vorhersagen.
Die praktischen Grenzen dieser Ergodenhypothese liegen auf der Hand: Der wirkliche Kanal
ist instationär. Im Laufe der Fahrt ändert sich die Makrostruktur derUmgebung (man kommt
z.B. aus dem Wald heraus in freies Gelände) und damit auch die zeitliche Statistik der
Übertragungsfunktion. Zeitmittelwerte sind dann meist nur für endliche Zeitenintervalle
sinnvoll, die man nicht zu groß wählen darf. Die physikalische Annahme ist nun, daß
innerhalb solcher Zeitintervalle der Übertragungskanal in guter Näherung durch einen
stationären und ergodischen stochastischen Prozeß beschrieben werden kann. Dieses
"Kurzzeitfading" ist Gegenstand dieses Kapitels. Die Statistik des "Langzeit-Fadings", bei
dem das Kurzzeit-Fading herausgemittelt ist, wird in Kapitel 4 diskutiert.
In der klassischen Arbeit von Bello [1] wurden erstmals Übertragungskanäle beschrieben, die
als (schwach) stationäre 2 stochastische Prozesse in der Zeit charakterisiert werden können
und die eine entsprechende Eigenschaft in der Frequenzrichtung besitzen: Die WSSUS (wide-
sense stationary uncorrelated scattering) Prozesse. Wenn H(f,t) ein solcher Prozeß ist, hängt
die 2-dimensionale Autokorrelationsfunktion (AKF) nur von den Differenzvariablen ab, d.h.
{ } { }
E H ∗ ( f1 , t1 ) H ( f 2 , t 2 ) = E H ∗ (0,0) H ( f 2 − f1 , t 2 − t1 )
=: K ( f 2 − f1 , t 2 − t1 )
Die Eigenschaft, daß auch in der Frequenz nur Differenzvariablen auftauchen, wurde von
Bello Bello [1] als uncorrelated scattering postuliert3 . Die - in diesem Fall zweidimensionale
- Fouriertransformierte der AKF kann man als Leistungsdichtespektrum interpretieren. Es
wird das Doppler-Verzögerungs-Leistungsdichtespektrum (engl. einfach scattering function)
definiert durch
S DV (τ ,ν ) = ∫ dt ∫ df e − j 2πνt e j 2πfτ K ( f , t )
2Schwach stationäre stochastische Prozesse sind solche, bei denen Zeittranslationsinvarianz bis zum 2. Moment
erfüllt ist. Da wir aus physikalischen Gründen die viel stärkere Annahme der Ergodizität gemacht haben, ist
diese Abschwächung der Stationarität hier nicht von Bedeutung. Weiter unten werden ohnehin nur noch
Gaußsche Zufallsprozesse behandelt, für die schwache und starke Stationarität dasselbe sind.
3Man kann leicht zeigen, daß die Frequenztranslationsinvarianz dieser AKF äquivalent ist zu der Eigenschaft
{ }
E h (τ 1 , t1 )h(τ 2 , t 2 ) = const. ⋅ δ (τ 2 − τ 1 ) . D.h. Beiträge zu verschiedenen Laufzeiten sind unkorreliert..
*
-7-
Die Interpretation von τ und ν als Verzögerungszeit bzw. Dopplerfrequenz und auch der Sinn
der Vorzeichenkonvention wird unmittelbar klar, wenn man H(f;t) als zweidimensionales
Fourierintegral schreibt:
H ( f , t ) = ∫ dτ ∫ dν ⋅e j 2πνt e − j 2πfτ G (τ ,ν )
In dieser Darstellung ist H(f;t) eine Überlagerung von Verzögerungsgliedern exp(-j2πfτ) und
Frequenzverschiebungen exp(j2πνt) mit einem komplexen Gewichtsfaktor G(τ;ν), der die
Dämpfung des jeweiligen Ausbreitungsweges und die Trägerphase enthält.
Beispiel für eine Scattering Function
1
Leistungsdichte
0.5
0
2
2
0
0
Dopplerfrequenz -2 -2 Laufzeit
Die Sattering Fnction, wie schematisch in Bild 2.4 gezeigt, gibt also an, wieviel
Signalleistung mit welcher Verzögerung und welcher Dopplerverschiebung (bedingt durch
die Fahrzeugbewegung und die Richtung der einfallenden Welle) am Empfänger ankommt.
Interessiert man sich nur für eine der beiden Größen, kann man das
Dopplerleistungsdichtespektrum bzw. das Verzögerungsleistungsdichtespektrum
(Echogramm) betrachten. Diese Größen erhält man durch Ausintegration der jeweils anderen
Variablen:
S D (ν ) = ∫ S DV (τ ,ν )dτ ⋅
SV (τ ) = ∫ S DV (τ ,ν )dν ⋅
{ }
E G ∗ (τ 1 ,ν 1 )G (τ 2 ,ν 2 ) = δ (ν 1 − ν 2 )δ (τ 1 − τ 2 ) S DV (τ 1 ,ν 1 )
-8-
Die den stochastischen Prozeß charakterisierenden Spektren S DV ( τ, ν ), S D ( ν ) und SV ( τ ) sind
empirische Größen, die aus Messungen bestimmt werden müssen. Im Rahmen des DAB-
Projektes wurden solche Messungen von Bosch in Zusammenarbeit mit dem
Forschungsinstitut der Deutschen Bundespost durchgeführt [2]. Das
Verzögerungsleistungsdichtespektrum kann - abhängig von der Landschaft -sehr
unterschiedlich aussehen. Das Dopplerspektrum ist dagegen in vielen Fällen dem einer
idealen isotropen Verteilung der Einfallswinkel recht ähnlich, welches gegeben ist durch
1
: ν max
2
−ν 2 > 0
S D (ν ) = π ν max − ν
2 2
0 : sonst
ist die maximale bei der Fahrzeuggeschwindigkeit v und der Trägerfrequenz f0 auftretende
Dopplerverschiebung. Für die meisten terrestrischen Mobilfunkanwendungen empfiehlt es
sich, bei Systemuntersuchungen den Kanal mit isotropem Dopplerspektrum zu betrachten, da
dieses den worst case darstellt. Bild 2.5 zeigt den Verlauf des isotropen Dopplerspektrums,
wobei die maximale Dopplerfrequenz auf Eins normiert ist.
Isotropes Dopplerspektrum
2.5
2
Leistungsdichte (linear)
1.5
0.5
0
-2 -1 0 1 2
Normierte Dopplerfrequenz
Bild 2.5
In vielen Fällen kann H(f;t) als eine Überlagerung sehr vieler, statistisch unabhängiger
Ausbreitungspfade angesehen werden. Nach dem Zentralen Grenzwertsatz der Statistik ist
-9-
H(f;t) dann ein (komplexwertiger) Gaußscher Zufallsprozeß. Ein solcher Prozeß ist durch
seine AKF K(f,t) vollständig beschrieben 4.
wobei die Leistung auf Eins normiert ist. Bei Funkkanälen mit dieser Amplitudenstatistik
spricht man daher auch von Rayleigh-Kanälen bzw. Rayleigh-Fading.
Die durch den Kanal übertragene Leistung ist P=a2. Sie besitzt im Rayleigh-Kanal die
Wahrscheinlichkeitsdichte
p Rayleigh− Leistung ( P ) = e − P
Die Wahrscheinlichkeit, daß die Leistung einen Wert x unterschreitet, ist dann
x
Pr( P < x) = ∫ e − y dy = 1 − e − x ≈ x − x 2 / 2 + ...
0
Bild 2.6 stellt diese Größe doppelt logaritmisch dar (Rayleigh-Plot). Für kleine Pegel reicht
die niedrigste Ordnung der Reihe: Die Kurve nähert sich in der doppelt logaritmischen
Dartellung asymptotisch einer Geraden. Die Wahrscheinlichkeit, daß der aktuelle
Empfangspegel 20dB unter der mittleren Leistung liegt, ist also etwa 1%, die für
Schwundeinbrüche von 30 dB 0.1% usw. Indem man bei empirischen Messungen diese
Zahlen in die Grafik einträgt, kann man leicht prüfen, ob die Modellannahme "Rayleigh-
Fading" gerechtfertigt ist. Die Wahrscheinlichkeit tiefer Signaleinbrüche ist verhältnismäßig
hoch. Über den Abstand der Schwundeinbrüche in Zeit- und Frequenzrichtung kann allein
aufgrund der Rayleigh-Statistik noch keine Aussage gemacht werden. Hier gehen die
Kanalparameter des WSSUS Modelles (s.u.) entscheidend ein.
4Da H(f;t) komplex ist, muß genaugenommen auch E{H ( f 1 , t1 ) H ( f 2 , t 2 )} betrachtet werden. Man kann aber
zeigen, daß diese Größe wegen der Stationarität der Quadraturkomponenten von H(f;t) - die man
sinnvollerweise annehmen sollte - verschwindet..
- 10 -
0
Pegelunterschreitungswahrscheinlichkeit
10
-1
10
Pr(x<Abszisse)
-2
10
-3
10
-30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10
Relativer Pegel [dB]
Ist der Mittelwert des komplexen Gaußprozesses von Null verschieden, so ergibt sich für die
Wahrscheinlichkeitsdichte der Amplitude eine Riceverteilung
p Rice (a ) = 2a ⋅ (1 + K ) ⋅ e − ( K + a
2
(1+ K ))
( )
⋅ I 0 2a K (1 + K ) ,
wobei I0(x) die modifizierte Besselfunktion erster Art und nullter Ordnung ist. Die Größe K
ist das Leistungsverhältnis von Direktkomponente zu Streukomponente und wird als Rice-
Faktor bezeichnet. Der Spezialfall K=0 (reiner Streuempfang) führt auf den Rayleigh-Kanal,
der Spezialfall K→∞ (reiner Direktempfang) auf den Gaußkanal. Die mittlere Leistung ist
wieder auf Eins normiert. Bild 2.7 zeigt die Dichte der Rice-Verteilung für verschiedene
Werte von K.
- 11 -
Rice-Verteilungsdichte (Leistung=1)
3.5
K=32
2.5
Wahrscheinlichkeitsdichte
K=16
2
K=8
1.5
K=4
K=2
1
K=1
K=0 ___
>
0.5
0
0 0.5 1 1.5 2 2.5 3
Amplitude
0
Pegelunterschreitungswahrscheinlichkeit Rice
10
-1
10
Pr(x<Abszisse)
K=0
-2
10
K=2
K=1 K=4 K=8 K=16 K=32
-3
10
-30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10
Relativer Pegel [dB]
- 12 -
( )
p Rice − Leistung ( P) = (1 + K ) ⋅ e − ( K + P (1+ K )) ⋅ I 0 2 P ⋅ K (1 + K ) ,
Bei praktischen Feldmessungen spielt oft noch die sogenannte Nakagami-m-Verteilung eine
Rolle. Während Rayleigh- und Rice-Verteilung sich auf den Erwartungswert des Pegels zu
einer festen Zeit und Bandbreite beziehen, liefert die Nakagami-m-Verteilung ein Modell für
die Leistung, die innerhalb einer Bandbreite B übertragen wird. Die Verteilungsdichte bezieht
sich auf die zugehörige Amplitude des Breitbandsignals
∫ df H ( f , t )
2
a=
B
2 ⋅ mm ⋅ a 2m−1 − ma 2
pNakagami ( a; m) = ⋅e .
Γ ( m)
m ist ein Parameter. m=1 entspricht offenbar der Rayleigh-Verteilung. Bild 2.9 zeigt die
Verteilungsdichte für verschiedene Werte von m.
Nakagami-m-Verteilungsdichte (Leistung=1)
3
m=10
2.5
Wahrscheinlichkeitsdichte
2
m=5
1.5
m=3
m=2
1 m=1.5
m=1
0.5
0
0 0.5 1 1.5 2 2.5 3
Amplitude
- 13 -
Die Verteilungdichte der Leistung lautet:
mm ⋅ P m − mP
pNakagami− Leistung ( P; m) = ⋅e
Γ ( m)
Für ganzzahlige m kann man dies mit der χ2 -Verteilung vergleichen und interpretieren als
Summenleistung von m komlexen Gaußschen Zufallsvariablen. Die gleiche Formel taucht
auch bei Unterschreitungswahrscheinlichkeiten bei m -fach Diversity auf [12]. m läßt sich
daher als Diversity-Grad interpretieren. Je größer die Bandbreite ist im Vergleich zur
Kohärenzbandbreite, um so größer ist m. Der Diversity-Grad ist ein Maß dafür, wieviel
unabhängige Echos bei einer bestimmten Bandbreite aufgelöst werden können. Die
Verteilung läßt sich mit sinnvollen physikalischen Annahmen aus einem makroskopischen
Streumodell begründen. Die Pegelunterschreitungswahrscheinlichkeit läßt sich durch die
unvollständige Gamma-Funktion ausdrücken, die für ganzzahlige m auf eine geschlossene
Lösung (endliche Reihe) führt, und ansonsten tabelliert ist. In Bild 2.10 ist diese Größe für
verschiede m aufgetragen.
0
Pegelunterschreitungswahrscheinlichkeit Nakagami
10
-1
10
Pr(x<Abszisse)
m=1
-2
10
m=2
m=1.5 m=3 m=5 m=10
-3
10
-30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10
Relativer Pegel [dB]
Bei der statistischen Auswertung von Breitbandpegelmessungen ist es in der Praxis oft kaum
möglich, zwischen einer Rice- und einer Nakagami-m-Verteilung zu unterscheiden. Bild 2.11
zeigt die Unterschreitungswahrscheinlichkeiten für beide Verteilungen, erstere mit K=8 (=9
dB), letztere mit m=3.5. Das asymptotische Verhalten für sehr kleine Wahrscheinlichkeiten ist
zwar deutlich unterschiedlich, bei Messungen betrachtet man aber meist nur
Wahrscheinlichkeiten oberhalb 10-3 (darunter ist die Statistik auch meist nicht gut genug).
- 14 -
Hier liegen aber beide Kurven so eng beieinander, daß beide gleich gut an dieselben
Meßdaten anzupassen sind.
0
Pegelunterschreitungswahrscheinlichkeit
10
-1
10
Rayleigh
-2
10
Pr(x<Abszisse)
-3
10
-4
10
Nakagami m=3.5
Rice K=8
-5
10
-30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10
Relativer Pegel [dB]
Wichtig ist an dieser Stelle der Hinweis, daß man aus einer Pegelstatistik wie in Bild 2.11 bei
einem digitalen System keine vollständige Information über die Versorgung erhält. Es ist für
ein digitales System schon ein bedeutender Unterschied, ob eine starke direkte Komponente
bei geringer Frequenzselektivität vorliegt (z.B. Rice mit K=8) oder ob es sich um reinen
Streuempfang mit starker Frequenzselektivität handelt (z.B. Nakagami mit m=3.5). Beide
Fälle sind möglicherweise mit Pegelmessungen nicht unterscheidbar. Gleichwohl sind
Systeme denkbar, bei denen jeweils das eine deutlich besser ist als das andere. Den Diversity-
Effekt kann z.B. ein RAKE-Receiver durch konstruktive Überlagerung der Echos ausnutzen
[13], nicht aber das DAB-System, wo die Frequenzselektivität allenfalls zum Funktionieren
des Interleavings beiträgt. Bei DAB würde daher die Bitfehlerrate für den zweiten Fall nie
besser werden als im Rayleigh-Kanal mit idealem Interleaving, im ersten Fall könnte sie
deutlich besser sein.
2.3 Kohärenzlängen
Während im stationären Gaußkanal die Bitfehlerstatistik eines digitalen Übertragungssystems
allein durch das Signal/Rausch- Verhältnis charakterisiert ist, spielen in Mobilfunksystemen
die Parameter des physikalischen Mehrwegekanals eine entscheidende Rolle. Die zeitliche
Fluktuation (d.h. zeitliche Inkohärenz) des Übertragungskanales in Phase und Amplitude
können bei einem kohärenten Demodulator die Phasen- bzw. Amplitudenregelung zum
Zusammenbruch bringen oder z.B. bei einem differentiellen Verfahren durch schnelle
Änderungen von Amplitude oder Phase zwischen zwei Symbolen zu Fehlentscheidungen
führen. Die Zeitskala der Fluktuation ist von der Größenordnung der inversen maximalen
- 15 -
Dopplerfrequenz. Zeitliche Kohärenz eines digitalen Übertragungssystemes mit einer
Symboldauer Ts ist nur gegeben, wenn die Bedingung
v maxTS << 1
erfüllt ist. Anderenfalls spricht man von schnellem Schwund (fast fading). In solchen Fällen
nähert sich die Bitfehlerkurve im Grenzfall unendlicher Rauschabstände asymptotisch einer
konstanten, nicht vernachlässigbaren Restbitfehlerrate.
Ebenfalls eine solche asymptotische Restbitfehlerrate zeigt das System, wenn die typische
Echolaufzeitdifferenz, die z.B. durch die Varianz (∆τ)2 von Sv(τ) gegeben ist, in die
Größenordnung der Symboldauer kommt. Es treten Intersymbolinterferenzen auf. Innerhalb
der Bandbreite B≈1/Ts ändert sich der Kanal in Phase und Amplitude. Man spricht daher von
frequenzselektivem Schwund. Die Frequenzskala der Fluktuationen ist von der
Größenordnung 1/∆τ. Diese Größe wird oft als Kohärenzbandbreite bezeichnet. Kohärenz in
Frequenzrichtung ist gegeben, wenn
∆τ / TS << 1
erfüllt ist.
Der als mittelwertfrei angenommene stochastische Prozeß ist ein farbiges, komplexes
Gaußrauschen in zwei Dimensionen. Ein geeignetes Verfahren, farbiges Gaußrauschen zu
erzeugen, ist die Überlagerung sehr vieler Sinoide mit zufälligen, über den Einheitskreis
gleichverteilten Phasen und zufälligen Frequenzen, die gemäß dem zu generierenden
Rauschleistungsspektrum statistisch verteilt sind [6]. Das gleiche Prinzip läßt sich hier
anwenden, nur mit dem Unterschied, daß ein komplexwertiger Prozeß vorliegt. Der
Modellprozeß wird angesetzt als Überlagerung von N komplexen Schwingungen
N
H Modell ( f , t ) = lim
ρ
N →∞ N ∑
k =1
e jθ k e j 2πνk t e − j 2πfτ k
Hierbei sind θk, νk und τk Zufallsvariablen, die für verschiedene k statistisch unabhängig sind
und für jedes k identisch verteilt sind, und zwar θk gleichverteilt über den Einheitskreis und νk
und τk gemäß einer gemeinsamen Verteilung p(ν,τ). Nach dem Zentralen Grenzwertsatz der
Statistik ist HModell(f,t) ein Gaußprozeß. Der Faktor ρ ist ein Parameter, der die übertragene
Leistung charakterisiert.
Für eine fest vorgegebene (ausgewürfelte) Stichprobenmenge der Zufallsvariablen θk, νk, τk
ist mit HModell(f,t) eine Musterfunktion des ( Modell-) Übertragungskanals gegeben. Sie ist
offenbar eine Überlagerung von N (N →∞) Ausbreitungwegen mit verschiedenen
Dopplerfrequenzen, Verzögerungszeiten und Phasen. Hiermit werden nicht die einzelnen
- 16 -
physikalischen Ausbreitungswege modelliert, sondern die Summe modelliert den realen
stochastischen Prozeß, der seinerseits eine Überlagerung (d.h. Summe oder Integral) von
Ausbreitungswegen ist, die einzeln sicher nicht mit denen des Modellprozesses identisch sind.
Entscheidend ist, daß der Modellprozeß (also die Summe) die richtigen statistischen
Eigenschaften besitzt.
Ein gaußscher Zufallsprozeß mit Mittelwert Null ist allein durch die (hier zweidimensionale)
AKF vollständig beschrieben. Zwei derartige Prozesse, die dieselbe AKF besitzen, sind also
identisch.
Die AKF
{
K Modell ( f , t ) = E H Modell
*
}
( f1 , t1 ) H Modell ( f 1 + f , t1 + t )
des Modellprozesses berechnet sich unter Ausnutzung der statistischen Unabhängigkeit als
S DV (τ ,ν ) = ρ 2 p (τ ,ν )
erfüllt ist. Die (normierte) scattering function läst sich also auf natürliche Weise als
Wahrscheinlichkeitsverteilung der Dopplerfrequenzen und Verzögerungen interpretieren.
Für Simulationenszwecke ist es natürlich nicht möglich, unendlich viele Pfade zu überlagern.
Man muß N also endlich, aber sehr groß wählen. Die Größe von N bestimmt, wie gut die
Gaußverteilung approximiert wird, und zwar in den Bereichen großer Aussteuerung. Für die
Bitfehler sind natürlich vornehmlich die Bereiche geringer Aussteuerung verantwortlich 5. Für
Situationen, in denen die Bitfehlerwahrscheinlichkeit im wesenlichen durch die
Amplitudenverteilung des Kanals bestimmt ist (und weniger durch die Gestalt der scattering
function), reicht daher eine relativ geringe Zahl an Pfaden aus, etwa N=5,..,10. Die
Gaußverteilung ist für nicht zu große Amplituden damit schon hervorragend approximiert.
Wenn man Übertragungssysteme simuliert, deren Verhalten mehr oder weniger sensibel von
den Parametern der scattering function abhängt, müssen hinreichend viele Pfade simuliert
werden, um diese darstellen zu können. Für einige Modulationsverfahren ist bekannt, daß z.B.
die Bitfehlerwahrscheinlichkeit im wesentlichen von den Momenten bis zu zweiter Ordnung
der scattering function bestimmt wird. Es müssen dann natürlich hinreichend viele Pfade
simuliert werden, um diese Größen mit einigermaßen guter Genauigkeit zu reproduzieren.
Erfahrungen mit der Simulation des DAB-Systems haben gezeigt, daß etwa N=40 eine gute
Wahl ist. Die Simulation des Übertragungssystems erfolgt sinnvollerweise im Zeitbereich.
Das Empfangssignal im rauschfreien Fall ist gegeben durch
5Für die Simulation von additivem weißen Rauschen ist die Methode offenbar weniger geeignet, da es hier auf
die großen Rauschamplituden ankommt und daher N sehr groß gewählt werden muß
- 17 -
ρ N
r(t ) =
N
∑e
k =1
jθ k
e j 2πνk t s( t − τ k )
Hinzu kommt noch weißes Rauschen. Die Zufallsvariablen (θk , νk , τk) werden mit einem
Zufallsgenerator erzeugt, dessen Wahrscheinlichkeitsverteilung so gut wie möglich der
gemessenen Scattering Function entspricht. Idealisierungen hierbei sind natürlich zulässig
und sinnvoll. Eine zusätzliche Direkt-Komponente, die aus dem Rayleigh Fading ein Rice
Fading macht, läßt sich in diesem Modell leicht einbeziehen durch
ρ N
r ( t ) = 1 − ρ ⋅ s( t ) +
2
N
∑e
k =1
jθ k
e j 2πνk t s( t − τ k )
Hierbei wurde die Normierung so gewählt, daß der Kanal die Leistung nicht verändert. Der
Rice- Faktor ist gegeben durch (1-ρ2)/ρ2.
ak
⋅ e −(τ −τ k ) / τ mk ⋅ ε (τ − τ k )
τ mk
- 18 -
Tabelle 2.1: Echoprofile DAB
DAB HT1 DAB HT2
( a1 , a2 , a3 ) (0.33,0.5,0.17) (0.2,0.6,0.2)
( τ1 , τ 2 , τ3 ) (0µs,30µs,80µs) (0µs,20µs,40µs)
( τ m1 , τ m2 , τ m3 ) (0.33µs,2µs,1µs) (1µs,5µs,2µs)
-5 -5
relative Power [dB]
-15 -15
-20 -20
-25 -25
-30 -30
0 20 40 60 80 100 0 10 20 30 40 50
Delay [µs] Delay [µs]
-5 -5
relative Power [dB]
-10 -10
-15 -15
-20 -20
-25 -25
-30 -30
0 2 4 6 8 10 0 5 10 15 20
Delay [µs] Delay [µs]
In Bild 2.12 finden sich die DAB-Profile. Der Vollständigkeit halber sind in Bild 2.13 zwei
wichtige GSM-Profile wiedergegeben: TU (Typical Urban) besteht aus nur einer
Exponentialverteilung mit Zeitkonstante 1µs. HT (Hilly Terrain) enthält ein Echo bei 15µs
mit 10% der Leistung. Die Zeitkonstante des ersten Echoclusters ist 0.3 µs, die des zweiten
1µs.
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3 Das DAB-System im Mobilfunkkanal
Gruppe 2: Skalenfaktoren
Skalenfaktor CRC
Gruppe 4: PAD,
Bitnummer im Rahmen
Die Methode des Code Designs für DAB ist in [9] beschrieben, dort wird allerdings noch von
einer höheren Zahl an Sensitivitätsklassen ausgegangen. Die Vorgehensweise besteht im
wesentlichen darin, anhand der Bitfehlerkurven (s.u.) bei einem gegebenen C/N-Arbeitspunkt
für die einzelnen Sensitivitätsklassen soviel an Redundanz hinzuzufügen, daß die geforderte
- 20 -
höchste zulässige Bitfehlerrate der Klasse unterschritten wird. Als Randbedingung ist darauf
zu achten, daß die Anzahl der CUs im logischen Rahmen eine Zahl ergibt, die eine sinnvolle
Aufteilung des CIF auf mehrere Subchannnels erlaubt. Die mittlere Coderate Rav wird
wesentlich durch die Coderate R3 der größten Gruppe 3 bestimmt. Die genannte
Randbedingung führt i.a. dazu, daß noch Bits 'übrig' sind, d.h. daß die anderen Gruppen
besser geschützt sind als ursprünglich gefordert. In der Praxis bedeutet dies, daß
Beeinträchtigungen der Audioqualität immer zuerst durch Fehler in den Samples (Gruppe 3)
aufttreten.
Die Audio-Qualtität (und damit die Versorgung) wird also durch die Bitfehlerrate in Gruppe 3
bestimmt.
Fehler im Gruppe 2 treten erst auf, wenn die Qulität schon sehr schlecht ist. Daher ist der
Skalenfaktor-CRC als Versorgungskriterium ungeeignet. Der Unterschied zwischen beiden
Kriterien macht typischerweise etwa 2 dB aus, in kritischen Übertragungskanälen noch mehr.
Zwei typische Codierungsprofile sind in den Tabellen 3.1 und 3.2 dargestellt. Die Spalte T+P
steht für Tail- und Padding Bits. Die letzte Zeile in der Tabelle gibt jeweils die unterschrittene
Bitfehlerwahrscheinlichkeit im Rayleigh-Kanal von Bild 3.1 (s.u.) an.
Es sind bei DAB insgesamt 64 Codierungsprofile definiert worden: Für die vielen
verschiedenen Audiodatenraten und mit unterschiedlich starker Codierung. Man hat sie in 5
Klassen mit unterschiedlichen Protection Levels eingeteilt, von PL1 (sehr starker
Fehlerschutz) bis PL5 (sehr schwacher Fehlerschtz). Innerhalb eines Protection Levels ist der
Fehlerschutz ungefähr gleich stark.
- 21 -
Um bei den Codierungsprofilen den notwendigen Rauschabstand für eine akzeptable
Bitfehlerrate zu bestimmen, müssen die Bitfehlerkurven für alle verwendeten RCPC-Codes
bei allen relevanten Übertragungkanälen zur Verfügung stehen. Glücklicherweise muß nicht
alles simuliert werden, da für DQPSK (wie bei DAB zur Modulation der einzelnen Träger
verwendet) bei Rayleigh-Fading analytische Formeln für obere Schranken der Bitfehlerraten
bekannt sind, die für niedrige Bitfehlerraten (in der Praxis: unterhalb von ca. 10−2 )
asymptotisch eng sind. Für Faltungscodes gilt allgemein eine Abschätzung der Form ('Union
Bound')
∞
Pb ≤ ∑c
d = d free
d Pd , (3.1)
wobei d free die freie Distanz des Codes ist, die Zahlen cd nur vom Code abhängen (sog.
Fehlerkoeffizienten, Tabellen finden sich z.B. in [8]) und die sogenannten
Fehlerereigniswahrscheinlichkeiten Pd nur vom Modulationverfahren und dem Kanal. Für die
Fehlerereigniswahrscheinlichkeiten bei DQPSK im zeitselektivem Rayleigh-Kanal haben
Hagenauer et al. [8] folgende Formel hergeleitet:
2 d −1 d −1 e
1− ρ 2d − 1 1 + ρ
P =
d 2 ∑
e=0
e 1 − ρ
R1
ρ= (3.2)
2(1 + N 0 / E S ) 2 − R12
Hierbei ist TS die Symboldauer und f D die maximale Dopplerfrequenz. Für die
Autokorrelationsfunktion (AKF) wurde das Dopplerspektrum der isotropen Winkelverteilung
angenommen. Ideales Interleaving ist vorausgesetzt.
Die Bitfehlerkurven aus Gl. (3.1) für den Grenzfall verschwindender Dopplerfrequenz sind in
Bild 3.1 aufgetragen für die Coderaten 8/24, 8/22, 8/20, 8/18, 8/16, 8/15, 8/14, 8/13, 8/12,
8/11 und 8/10. Um deutlich zu machen, wie wichtig Codierung bei solchen Kanälen ist,
wurde die Kurve für uncodierte Übertragung mit eingezeichnet.
- 22 -
0
Bitfehlerraten für RCPC Codes und DQPSK im Rayleigh-Kanal
10
-1
10
uncodiert
-2
10
BER
8/10
-3
10
8/20
8/24 8/12
-4
10 8/14
8/16
-5
10
0 2 4 6 8 10 12 14 16
Es/No [dB]
In Bild 3.2 sind die entsprechenden Bitfehlerkurven für einen 'schnellen' Kanal mit ν
max TS =0.05 zu finden. Dies enspricht für TM I einer Dopplerfrequenz von 40 Hz, d.h. 192
km/h im TV-Kanal 12. Für 1.5 TM II enspricht dies 160 Hz Dopplerfrequenz, d.h. 115 km/h
bei 1.5 GHz.
Aus Bild 3.2 wird deutlich, wie sehr das System bei hohen Dopplerfrequenzen schlechter
wird: Bei den für die Bitgruppe 3 typischen Coderaten 8/14 bis 8/12 für Protection Level 3
und 4 betragen die Verluste 2-3 dB. Bemerkenswert ist, daß die
Geschwindigkeitsabhängigkeit bei stärkerer Codierung geringer ist. Bei R=8/21 (Protection
Level 1) beträgt der Verlust nur noch 1 dB.
- 23 -
0
Bitfehlerraten für RCPC Codes und DQPSK im Rayleigh-Kanal
10
8/10
-1
10
uncodiert
-2
10
8/12
BER
8/20
-3
8/24 8/14
10
8/16
-4
10
-5
10
0 2 4 6 8 10 12 14 16
Es/No [dB]
Bild 3.3 zeigt die "kritische Geschwindigkeit", bei der νmax TS =0.05 gilt, in Abhängigkeit
von der Trägerfrequenz für die 3 Transmission Modes. Bei Transmission Mode I und
Übertragung in Kanal 12 (225 MHz) liegt die kritische Geschwindigkeit bei 192 km/h, bei
Transmission Mode II und Übertragung im L-Band (1500 MHz) bei 115 km/h.
- 24 -
Auswirkungen des schnellen Fadings bei DAB
400
<- Transmission Mode III
350
300
Kritische Geschwindigkeit [km/h]
250
200
<- Transmission Mode I
150
50
0
0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 1800 2000
Trägerfrequenz [MHz]
Bild 3.3: Kritische Geschwindigkeit in Abhängigkeit der Trägerfrequenz für die drei
Transmission Modes
Die obigen analytischen Kurven gehen von einem isotropen Dopplerspektrum aus. Die
Bitfehlerkurven nach Gl. (3.1), (3.2) hängen von dem einzigen Parameter dieses (auf Energie
Eins normierten) Spektrums ab, der maximalen Dopplerfrequenz νmax. Diese Größe ist aus
Fahrzeuggeschwindigkeit und Trägerfrequenz bekannt. Was ändert sich, wenn zwar diese
Größe gegeben ist, man aber über die Form des Dopplerspektrums fast nichts weiß?
Anschaulich ist zu erwarten, daß man nicht viel falsch macht, wenn man einfach mit dem
isotropen Dopplerspektrum rechnet, da ein anderes - z.B. mit wenigen Streuern aus
bestimmten Richtungen - i.a. "weniger diffus" ist. Man kann aber sogar mathematisch zeigen:
- 25 -
Die analytischen Bitfehlerkurven in Gl. (3.1) hängen in guter Näherung nur vom 2.
Zentralmoment (1. Zentralmoment=0)
ν max
∆ν 2 = ∫v ⋅ S D (ν )dν
2
−ν max
des Dopplerspektrums ab, nicht aber von dessen genauer Gestalt. Es gilt nämlich für die
Autokorrelationsfunktion des Fadings
Hierbei ist ohne Einschränkung der Allgemeinheit angenommen, daß das erste
Zentralmoment Null ist (man kann immer die Mittenfrequenz so definieren). Für das isotrope
Dopplerspektrum gilt
( ∆ν )2 = ν2max / 2 ,
für die meisten anderen Dopplerspektren ist die Größe kleiner. Es gilt immer ( ∆ν )2 ≤ ν2max . Die
Gleichheit tritt ein im sehr ungewöhnlichen Fall eines Streuempfangs mit gleichen Anteilen
genau von vorne und genau von hinten. Insgesamt erscheint es vernünftig, mit dem isotropen
Dopplerspektrum zu rechnen.
ν max
∫e
j 2πνTS
R1 = S D (ν )dν
−ν max
ν max
= ∫ (1 + ( j 2πνT
−ν max
S )
) + ( j 2πνTS ) 2 / 2 + ... S D (ν )dν
ν
1 max
2 −ν∫max
= 1− (2πνTS ) 2 S D (ν )dν + ...
= 1 − 2(π ⋅ ∆ν ⋅ TS ) 2 + ...
Für alle praktisch relevanten Anwendungen ist diese Näherung 2. Ordnung ausreichend. Wenn
nämlich der Parameter νmaxTs der Reihenentwicklung nicht sehr klein ist, sind die Bitfehlerraten
außerhalb des akzeptablen Bereiches.
Der Vergleich der analytischen Kurven mit simulierten findet sich weiter unter. Nicht nur bei
großen, auch bei zu kleinen Dopplerfrequenzen, d.h. langsamen Fahrzeuggeschwindigkeiten
können erhebliche Systemdegradationen auftreten (die sich analytisch nur schwer beschreiben
lassen), besonders in Verbindung mit kurzen Echolaufzeiten im Rayleigh-Kanal, da dann das
Zeit- und das Frequenzinterleaving nicht hinreichend wirksam sind. Diese Effekte und die
Grenzen des Interleavings werden ebenfalls weiter unten diskutiert.
Durch Simulationen kann gezeigt werden, daß die analytischen Kurven für Einzelträger-
DQPSK eine sehr gute Beschreibung der Multiträger (OFDM) DQPSK liefern, sofern die
Voraussetzungen eines wirksamen Interleavings erfüllt sind und keine Echos auftreten, die
- 26 -
die Dauer des Schutzintervalles überschreiten. Dies ist deshalb nicht selbstverständlich, weil
durch die Zeitvarianz des Kanals die Orthogonalität gestört wird. Dieser Effekt ist aber gering
(eine Diskussion für die uncodierte Übertragung findet sich in [4]).
Anhand der entsprechenden Bitfehlerkurvenschar läßt sich für den jeweiligen Kanal und für
jedes Codierungsprofil der erforderliche Störabstand C/N ermitteln. Ausschlaggebend ist
jeweils die Coderate R3 der dritten Bitgruppe im Audiorahmen. Innerhalb eines Protection
Levels wird dafür nicht immer exakt dieselbe Coderate verwendet. Daher können die C/N-
Werte innerhalb eines Protection Levels geringfügig (bis ca. 1 dB) variieren. Tabelle 3.3
zeigt exemplarisch für die Audiodatenrate von 192 kbit/s die Coderaten, die belegte Kapazität
im CIF und den erforderlichen Störabstand.
Tabelle 3.3: Codierungsprofile bei DAB für 192 kbit/s Audio, Coderaten und nötiger
Rauschabstand
PL #CUs Rav R3 ES / N 0 (10−4 ) Eb / N 0 (10−4 )
[dB] [dB]
5 96 0.75 8/10 16.5 15.7
4 116 0.62 8/12 12.7 12.8
3 140 0.51 8/14 11.0 11.9
2 168 0.43 8/17 9.0 10.7
1 208 0.35 8/21 7.4 10.0
Je nach dem gewählten Protection Level sind also sehr unterschiedliche Arbeitspunkte (d.h.
erforderliche Rauschabstände) für das Übertragungsverfahren möglich. Der
Mindeststörabstand C/N läßt sich über einen Bereich von ca. 9 dB variieren. Die
Variationsbreite ist sogar noch weit größer (mehr as 15 dB), wenn man schwierige
Bedingungen wie in Bild 3.2 bertrachtet.
Der Preis für eine bessere Störsicherheit ist der erhöhte Bandbreitenbedarf pro Programm.
Dadurch lassen sich bei stärkerem Fehlerschutz weniger Programme im Multiplex
unterbringen.
Die Ergebnisse der Tabelle 3.3 sind in Bild 3.4 und Bild 3.5 graphisch dargestellt, einmal die
Zahl der Programme als Funktion von C/N (=Es/No) und einmal als Funktion von Eb/No.
Welche Größe für die Planung relevant ist und wie die Größen umgerechnet werden, soll der
nächste Abschnitt zeigen.
- 27 -
P rogram m zahlals Funktion von C /N
9,00
8,00
7,00
6,00
5,00
4,00
3,00
7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
E s/N o
Bild 3.4: Anzahl der möglichen Audio-Programme (192 kbit/s) als Funktion
des Rauschabstandes
Leistungseffizienz
9,00
8,00
7,00
6,00
5,00
4,00
3,00
7,00 8,00 9,00 10,00 11,00 12,00 13,00 14,00 15,00 16,00 17,00
E b/N o
- 28 -
Etwas schwieriger ist es, wenn in das 'Rauschen' Gleichkanal-Interferenzstörungen mit
einbezogen werden, die durch Übertragung mit demselben Verfahren entstehen und die man
näherungsweise durch weißes Gaußrauschen beschreibt. Wenn man beim Nutzsignal etwas
ändert, ändert sich auch das Störsignal. Typisch ist, daß es bei terrestrischen Anwendungen
meist nicht in erster Linie auf niedrige Sendeleistungen ankommt, sondern auf irgendeine
Form von 'effizienter Nutzung der Resourcen'. Letzteres kann von Fall zu Fall sehr
unterschiedliche Bedeutung haben.
Zur Bewertung der Leistungseffizienz eines Verfahrens ist Eb / N 0 die relevante Größe. Denn
hier ist die Energie pro Nutzbit Eb relevant, die bei vorgegebener Rauschleistungsdichte N 0
der Empfänger benötigt, um eine gewünschte Bitfehlerrate zu unterschreiten. N 0 ist die
(normalerweise: thermische) Rauschleistungsdichte (Rauschzahl des Empfängers
eingerechnet). Eb gibt die Energie pro Nutzbit und damit die Leistung pro Datenrate an (Joule
pro Bit=Watt pro bit/s). Der Bezug auf ein Nutzbit und damit auf die Datenrate ist wichtig,
denn wenn man zur Übertragung der doppelten Nutzdatenrate doppelt soviel Leistung
benötigt, muß die Leistungseffizienz dieselbe sein. In guten Lehrbüchern sind Bitfehlerkurven
normalerweise über Eb / N 0 aufgetragen.
Mißt man im Labor, bei welchen Rauschabstand ein Empfänger arbeitet, ist C/N (Carrier-to
Noise: Das Verhältnis von Signalleistung zu Rauschleistung innerhalb der
Empfangsbandbreite) die der Messung zugängliche Größe. Bei Übertragung mit Nyquist-
Pulsen ist die Rauschbandbreite gleich der Symbolrate, deshalb gilt dann
ES / TS
C/ N = = ES / N 0
N 0 ⋅ BNoise
ES = log 2 M ⋅ Rav ⋅ Eb
gilt, wobei M die Stufigkeit des Verfahrens und Rav die (mittlere) Coderate ist.
Merkregel:
• C/N ist der physikalische Störabstand und damit die direkt der Messung und der Planung
zugängliche Größe. Da die Nutzdatenrate nicht eingeht, ist C/N aber kein geeignetes
Kriterium zur Bewertung der Leistungseffizienz.
• Eb / N 0 ist die Größe zur Bewertung der Leistungseffizienz, d.h. der Energiekosten.
Leistung Watt
Eb = Energie pro Bit = . N 0 ist eine Konstante. Damit ist ein Eb / N 0 -
Nutzdatenrate Bit / s
Gewinn bei fester Nutzdatenrate genau die Einsparung an Sendeleistung.
Rechnenbeispiel:
Es soll eine M-PSK mit M=2 und M=4 Gaußkanal verglichen werden. Für eine geforderte
Bitfehlerrate von 10-5 ist bei uncodierter Übertragung ein Eb / N 0 von 9.6 dB erforderlich. Für die
Pulsform werden ideale si-Pulse angenommen, sodaß das Spektrum rechteckig ist. Es sollen 3
Mbit/s übertragen werden. Hierfür ist bei der 2-PSK eine Bandbreite von 3 MHz erforderlich, bei
4-PSK von 1.5 MHz. Das Thermische Rauschen bei 290° Kelvin beträgt 4⋅10-21 W/Hz. Bei einer
Empfängerrauschzahl von 6 dB ist die Rauschleistungsdichte dann
- 29 -
N0=1.6⋅10-20 W/Hz
Die für die geforderte Bitfehlerrate nötige Bitenergie liegt 9.6 dB höher und beträgt
Eb=1.46⋅10-19 J
Mit der Nutzbitrate kann man daraus die notwendige Empfangsleistung C berechnen. Sie beträgt
bei 3 Mbit/s für beide Verfahren
C=1.46⋅10-19 J⋅3 MHz=4.38⋅10-10 W= -93.6 dBm.
Die Rauschleistung N unterscheidet sich für die beiden Verfahren wegen der unterschiedlichen
Bandbreite. Man erhält
N=1.6⋅10-20 W/Hz⋅3 MHz =4.8⋅10-14 W=-103.2 dBm für 2-PSK
bzw.
N=1.6⋅10-20 W/Hz⋅1.5 MHz =2.4⋅10-14 W=-106.2 dBm für 4-PSK.
Der gemessene C/N-Arbeitspunkt für die geforderte Bitfehlerrate liegt also bei 4-PSK um 3 dB
höher als bei 2-PSK (nämlich bei 12.6 dB). Trotzdem benötigen beide dieselbe Leistung bei
gleicher Datenrate und sind daher gleich leistungseffizient. Die 3 dB Unterschied im C/N haben
Ihre Ursache im doppelt so großen Bandbreitenbedarf von 2-PSK und der damit verbundenen
doppelt so großen Rauschleistung innerhalb der Übertragungsbandbreite. Bild 3.6 veranschaulicht
diesen Sachverhalt.
4-PSK
Leistung=-93.6 dBm
2-PSK Rauschleistung=-106.2 dBm
Rauschleistung=-103.2 dBm
No
Frequenz
3 MHz 1.5 MHz
Bild 3.6: Vergleich der Leistungseffizienz und und des Störabstandes von 2-PSK und 4-PSK
Bei OFDM mit Schutzintervall muß berücksichtigt werden, daß etwa ein Fünftel der
Symbolenergie vom Schutzintervall benötigt wird, dieses aber bei der Detektion nicht
ausgewertet wird. Für die Energiebilanz ist das Schutzintervall also zusätzliche nutzlose
Energie. Bezeichnet man die Energie eines Modulationssymbols (immer für einen
Unterträger) inklusive Schutzintervall mit ES+ , die ohne mit ES , so ist erstere die wirklich
aufgebrachte Energie, letztere der nutzbare Anteil. Will man die Bitfehlerkurven z.B. für
DQPSK auf OFDM mit Schutzintervall übertragen, so muß man diese Größe verwenden,
während in Wirklichkeit die größere Energie
TS
ES+ = ES
T
aufgebracht wird, um diese Bitfehlerrate zu erreichen. Bei DAB macht der Unterschied etwa
5/4=1 dB aus, d.h. 20% der Gesamtleistung steckt im Schutzintervall!. Die Kurven sind also
- 30 -
um 1 dB nach rechts zu verschieben, will man die Bitfehlerraten als Funktion von ES+ / N 0
auftragen. Die Rauschbandbreite für einen Träger ist gleich dem Trägerabstand 1/T, die
zugehörige Rauschleitung ist
N = N0 / T
C = ES+ / TS = ES / T
Damit gilt
C / N = ( ES+ / TS ) / ( N 0 / T ) = ( ES+ / N 0 ) ⋅ (T / TS ) = ES / N 0
Die Bitfehlerkurven für DQPSK bleiben also richtig (ohne Verschiebung), wenn man die
Abszisse als C/N auffaßt. Bei der Umrechnung auf die Leistungeffizienz spielt das
Schutzintervall eine ähnliche Rolle wie die Coderate. Es ist Redundanz, die zunächst einmal
zusätzliche Leistung erfordert. Es gilt:
Alle Leistung, die für Schutzintervall aufgewendet wird, ist also ein echter Verlust in der
Leistungseffizienz. Dieser wird in Kauf genommen, um ein gegen Intersysmbolinterferenzen
robustes Systemverhalten zu erreichen.
Rechenbeispiel:
Wenn z.B. 12 Audioprogramme von je 192 kbit/s übertragen werden sollen, kann man entweder
dazu entweder 2 Frequenzblöcke je 1.5 MHz belegen und mit PL3 codieren (6x140 CUs je Block)
oder 3 Frequenzblöcke mit PL1 (4x208 CUs je Block). Man benötigt jetzt für jeden Block 3.6 dB
weniger physikalischen Rauschabstandes ES / N 0 . Da man jetzt aber 3 statt 2 Frequenzblöcke
ausstrahlt, ist der Gewinn in der Leistungseffizienz nur 3.6 dB - 10lg(3/2)=1.8 dB. Man benötigt
nur noch ca.. 66% an Sendeleistung pro Programm. In Bild 3.5 kann man ablesen, daß man für
einen Gewinn an Leistungseffizienz von 1.8 dB einen Verlust um den Faktor 2/3 an
Bandbreiteneffienz (Zahl der Programme im Multiplex) hinnehmen muß.
Wenn jetzt aber - anders als im obigen Beispiel - nur 4 Programme ausgesendet werden sollen
(z.B. weil es mehr nicht gibt), kann man mit PL3 gegenüber PL1 keine Bandbreite sparen.
Die Alternative heißt also: Die Kapazität von 2 Audioprogrammen in Dummy-Daten zu
stecken (wie es die Spezifikation vorsieht, wenn der Multiplex nicht voll wird), oder die
Kapazität für einen besseren Fehlerschutz zu verwenden. Hier kann man die 3.6 dB
Unterschied zwischen den Alternativen wirklich als realen Gewinn ansehen, da in der Praxis
bei dem breitbandigen DAB-Verfahren bei weniger Programmen eben keine Möglichkeit
besteht, die Bandbreite zu reduzieren.
- 31 -
Bisher wurde angenommen, daß die Störungen systemunabhängige Rauschstörungen sind und
es wurde nach der notwendigen Nutzleistung gefragt. Es geht andererseits bei terrestrischer
Versorgung mit DAB (im Gegensatz zur Satellitenübertragung) nicht in erster Linie darum,
Sendeleistung zu sparen, sondern darum, ein Netz so zu planen, daß trotz gegenseitiger
Störungen eine hohe Versorgungwahrscheinlichkeit erreicht wird. Mitunter wird die Leistung
aller Sender so angehoben, daß das thermische Rauschen vernachlässigbar wird. Die
gegenseitige Interferenz wird als weißes Gaußsches Rauschen angenommen (was besonders
bei ODFM plausibel ist). Wenn man diese Störung mit N 0 identifiziert, ist diese
Rauschleistungsdichte nicht mehr ein für allemal physikalisch vorgegeben, sondern hängt von
der Codierungsstategie der Störer ab. Dies ist besonders bei der Betrachtung der
Eigeninterferenzen eines Gleichwellennetzes zu berücksichtigen.
Bei dem obigen Beispiel mit 12 Audioprogrammen benötigt man zwei Frequenzblöcke bei
PL3 bzw. drei Blöcke mit PL1.
Wenn man dieselbe Leistung nun für drei statt für zwei Blöcke aufwendet, reduziert sich die
Energie pro Sendesymbol um den Faktor 2/3, aber auch die Leistungsdichte der Interferenz
(während die Leistungsdichte einer Rauschstörung konstant bliebe). Der Abzug von 1.8 dB
vom Codierungsgewinn im Rechenbeispiel entfällt hier also, der Gewinn beträgt wirklich 3.6
dB. Die Frage ist, wie sich dies auf die Planung des Gleichwellennetzes auswirkt. Erst dann
kann man entscheiden, ob es insgesamt besser ist, einen oder zwei Blöcke zu belegen. Die
Antwort kann möglicherweise von lokalen Gegebenheiten abhängen und unterschiedlich
ausfallen.
Wenn die Nettodatenrate gesenkt wird (z.B. von 192 auf 128 kbit/s), kann man dies statt zur
Erhöhung der Programmzahl auch zur Senkung der Sendeleistung (bei diesem Beispiel um ca.
3-4 dB) bzw. zur Erhöhung der Reichweite nutzen.
∆τ ⋅ B >> 1
erfüllt ist, wobei B die Übertragungsbandbreite und ∆τ der Delay Spread ist. Zur Bewertung
des DAB-Systems wurden neben den bekannten GSM-Echoprofilen 'Rural Area' (RA),
'Typical Urban' (TU), 'Bad Urban' (BU) und 'Hilly Terrain' (HT) weitere Profile
herangezogen, um den größeren Funkfeldlängen bei DAB Rechnung zu tragen (s.o.). Eines
der speziellen DAB-Profile, 'DAB Hilly Terrain 2' (HT2), ist für das DAB-System im
- 32 -
Transmission Mode II besonders günstig, da kein Echo länger ist als das Schutzintervall,
andererseits aber ∆τ =14µs verhältnismäßig groß ist. Die obige Bedingung ist damit recht gut
erfüllt. Dieses Profil soll daher im folgenden bei Simulationen als exemplarisches Beispiel für
gutes Frequenzinterleaving verwendet werden. Gegenübergestellt werden sollen Simulationen
mit dem GSM-Profil TU mit ∆τ =1µs, wo die Bedingung nicht gut erfüllt ist. Alle im
folgenden beschriebenen Simulationen beziehen sich auf den Rayleigh-Kanal, d.h. als
ungünstigster Fall wird reiner Streuempfang und die völliger Abwesenheit eines direkten
Ausbreitungsweges angenommen.
Das Zeitinterleaving bei DAB ist unabhängig vom Übertragungsmodus und erfolgt zwischen
der Kanalcodierung und dem Aufbau des CIF. Jeder logische Rahmen der kanalcodierten
Daten wird zunächst in Blöcke von 16 Bit unterteilt. In jedem dieser 16-Bit-Blöcke wird
zunächst eine Permutation der Bitindizes gemäß
(0,1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13,14,15) → (0,8.4,12,2,10,6,14,1,9,5,13,3,11,7,15) durchgeführt.
Anschließend wird jedes Bit entsprechend seinem neuem Index innerhalb des 16-Bit-Blockes
verzögert: Keine Verzögerung bei Bitindex 0, 1 log. Rahmen (24 ms) Verzögerung für
Bitindex 1, 2 log. Rahmen (48 ms) Verzögerung für Bitindex 2, ..., 15 log. Rahmen (360 ms)
Verzögerung für Bitindex 15. Auf diese Weise können Fehlerbündel von bis zu 24 ms
aufgebrochen werden. Der Zeitinterleaver ist also wirksam, wenn die Korrelationszeit des
Kanals 24 ms nicht überschreitet. Die Bedingung hierfür läßt sich formulieren als
νmax⋅24 ms > 1
bzw. (gerundet)
νmax>40 Hz
Da die Bedingung für das Zeitinterleaving unabhängig vom Übertragungsmodus ist, bei
Modus I aber eine Dopplerfrequenz von 40 Hz schon etwa die obere Grenze ist, die aufgrund
des schnellen Schwundes vom System verkraftet werden kann, ist bei Modus I das
Zeitinterleaving immer nur eingeschänkt wirksam, bei niedrigen Fahrzeuggeschwindigkeiten
sogar oft völlig unwirksam! Für diesen Modus ist daher die Wirksamkeit des
Frequenzinterleavings besonders wichtig. Da Situationen mit kurzen Echolaufzeiten durchaus
typisch sind, muß durch 'künstliche' lange Echos von entfernten Sendern im Gleichwellennetz
für ein wirksames Frequenzinterleaving gesorgt werden.
- 33 -
Simulierte Bitfehlerkurven für die Coderaten 8/24, 8/20, 8/16, 8/14, 8/12 und Transmission
Mode II des DAB-Systems im Vergleich mit den analytischen Kurven für eine Rayleigh-
Kanal mit νmax=40 Hz (ca. 30 km/h bei 1.5 GHz) und dem Echoprofil HT2 finden sich in
Bild 3.7. Die gute Übereinstimmung der simulierten mit den theoretischen Kurven zeigt, daß
0
Simulation COFDM/DQPSK
10
-1
Rc=0.6667
10
uncodiert
Rc=0.5714
-2 Rc=0.5
10
Rc=0.4
BER
-3
10
Rc=0.3333
-4
10
Bei dem Echoprofil TU ist das Frequenzinterleaving weitgehend unwirksam. Bei der
Dopplerfrequenz 40 Hz ist die Bedingung für wirksames Zeitinterleaving gerade noch erfüllt.
Bild 3.8 zeigt eine Simulation mit Coderate 8/16, 40 Hz Dopplerfrequenz und dem Profil TU
für Modus II. Gegenüber der theoretischen Kurve zeigen sich erste geringfügige Ver-
schlechterungen. Insgesamt kann man aber noch von wirksamem Interleaving sprechen, das
hier vor allem durch das Zeitinterleaving bewirkt wird.
- 34 -
Bei 10 Hz Dopplerfrequenz (48 km/h bei 225 MHz) ist das Zeitinterleaving allein nicht mehr
hinreichend wirksam. Die Auswirkungen des Frequenzinterleavings zeigt Bild 3.9 für die
0
Simulation COFDM/DQPSK
10
-1
10
uncodiert
-2
10
BER
-3
10
-5 Doppler/Hz=40
10
4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
Es/No [dB]
Bild 3.8: Simulierte Bitfehlerkurve (-*-) für das DAB-System Modus II für die
Coderate 8/16, Echoprofil TU und 40 Hz Dopplerfrequenz im Vergleich mit der
theoretischen Kurve aus Gl. (3.1)
Coderate 8/16 und Modus I bei den Profilen TU und HT2. Im Gegensatz zum Profil HT2 ist
für das Profil TU und die Dopplerfrequenzen 10 Hz (48 km/h bei TV-Kanal 12) offenbar das
Interleaving nicht mehr ausreichend. Es zeigen sich deutliche Verschlechterungen. Noch
auffälliger als der Verlust von 1-2 dB im Störabstand ist aber, daß sich trotz der großen
Anzahl simulierter Bits (wie in allen anderen Simulationen ca. 5 Millionen) keine 'glatten'
Kurven ergeben, also offenbar die Statistik nicht ausreicht. Anscheinend kann man auch in-
nerhalb des makroskopischen Zeitraums von ca. 20 Sekunden, den die Simulation wi-
derspiegelt, nicht von einem stationären Zustand sprechen.
- 35 -
0
Simulation COFDM/DQPSK
10
-1
10
uncodiert
-2
10
BER
-5 Doppler/Hz=10
10
4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
Es/No [dB]
Bild 3.9: Simulierte Bitfehlerkurve für das DAB-System TM I für die Coderate
8/16, Echoprofil TU bzw. HT2 und 10 Hz Dopplerfrequenz im Vergleich mit der
theoretischen Kurve aus Gl. (3.1)
Dies zeigt sich auch im zeitlichen Verlauf der Störungen. Am einfachsten läßt sich dieser
darstellen, indem man die Anzahl der Bitfehler im jeweiligen Rahmen über seiner Nummer
(und damit über der Zeit) aufträgt. Bild 3.10a zeigt für den Störabstand C/N=10 dB und den
Kanal HT2 bei 40 Hz Dopplerfrequenz die zeitliche Struktur der Fehlerbündel. Betrachtet
wurden die Fehler in der dritten Bitgruppe (Samples) des Audio-Codierungsprofils 45 (PL3,
192 kbit/s) aus Tabelle 3.2. Die Coderate ist 8/14. Durch die Viterbi-Decodierung treten
Fehler nicht gleichmäßig auf, sondern gebündelt. Es gibt völlig fehlerfreie Rahmen neben
solchen mit gleich mehreren Fehlern. Fehlerbündel, die auf die Viterbi-Decodierung
zurückzuführen sind, können sich jedoch nicht über die Rahmengrenzen hinweg erstrecken.
Dadurch erscheinen die gestörten Rahmen insgesamt gleichmäßig verteilt.
Im Unterschied dazu sind bei einer Simulation mit 10 Hz Dopplerfrequenz und Echoprofil TU
in Bild 3.10b deutliche Bündelungen der gestörten Rahmen zu sehen, und es treten erheblich
mehr Fehler in einem Rahmen auf, wenn dieser gestört ist. Zwischen den Bündeln gestörter
Rahmen gibt es gegenüber Bild 3.10a deutlich längere Abschnitte, die völlig fehlerfrei sind.
Das Interleaving ist hier nicht mehr stark genug, die Störungen des Kanals aufzubrechen, so
daß sie sich in der Fehlerstruktur nach der Decodierung widerspiegeln. Die unterschiedliche
Struktur der Fehlerbündel ist hier wichtiger als der Unterschied in der Gesamtzahl der Fehler
in den Samples (1685 bzw. 2356) in dem simulierten Zeitabschnitt von ca. 20 Sekunden. Die
Empfangssituation und der Höreindruck ist in beiden Fällen sehr unterschiedlich. Erwähnt
werden soll noch, daß bei den beiden obigen Simulationen in beiden Fällen kein Fehler in den
Sensitivitätsklassen 1 und 4 aufgetreten ist. In der Klasse 2 (Skalenfaktoren) sind im ersten
- 36 -
Fall 2 Fehler in Rahmen Nr. 341 und 3 im Rahmen Nr. 626 aufgetreten, im zweiten 4 Fehler
in Rahmen Nr. 435, 5 in Nr. 436 und 7 in Nr. 707. Dies führt zu keiner signifikanten
Beeinträchtigung der Qualität. Das stützt die Behauptung, daß die Qualität wesentlich durch
die 3. Klasse bestimmt wird.
Kanal A
Anzahl der Fehler in Rahmen
200
C/N=10 dB 1685 Fehler insgesamt
150
100
50
0
100 200 300 400 500 600 700
Rahmennummer
Kanal B
Anzahl der Fehler in Rahmen
200
C/N=10 dB 2356 Fehler insgesamt
150
100
50
0
100 200 300 400 500 600 700
Rahmennummer
Die unterschiedliche zeitliche Struktur der Bitfehler zeigt, daß Bitfehlerraten aus
Langzeitmittelungen mitunter nicht die vollständige Information über die Versorgung liefern
und dann die Feinstruktur in der Verteilung der Bitfehler genauer untersucht werden muß.
Der folgende Abschnitt soll Ansätze hierzu diskutieren
- 37 -
ausgegangen werden und die simulierte Bitfehlerrate stimmt sehr genau mit der theoretischen
überein. Bild 3.11b zeigt einen sehr langsamen Kanal mit 5 Hz Dopplerfrequenz und dem
frequenzflachen Echoprofil TU.
Kanal A
Anzahl der Fehler in Rahmen
100
80 C/N=11 dB
60
40
20
0
100 200 300 400 500 600 700
Rahmennummer
Kanal B
Anzahl der Fehler in Rahmen
100
80 C/N=11 dB
60
40
20
0
100 200 300 400 500 600 700
Rahmennummer
Bild 11a (Kanal A): Bündelfehlerstruktur bei dem Echoprofil HT2, 40 Hz Dopplerfrequenz,
TM II, R=8/14, Störabstand 11 dB
Die Bitfehlerrate ist jetzt dreimal so hoch wie im vorigen Fall, aber viel auffälliger ist wieder
die sehr inhomogene Verteilung der Bitfehler. Aus dem Bild wird auch deutlich, daß die
mittlere Bitfehlerrate sehr stark von dem Mittelungsintervall abhängen kann: Z.B. Sind die
Rahmen zwischen etwa Nummer 180 und 330 völlig fehlerfrei (Bitfehlerrrate=0), während
die ersten 150 Rahmen sehr stark Fehlerbehaftet sind. 150 Rahmen entsprechen 3.6 Sekunden
und etwa 500 000 übertragenen Nettobits in Gruppe 3, also normalerweise nicht zu wenig für
eine Bitfehlerstatistik. Man könnte also sagen, daß bestimmte Abschnitte von der Dauer
einiger Sekunden zu 100% versorgt sind, andere gar nicht.
Eine mögliche Methode, bei jeder Rahmennummer die Versorgung zu bejahen oder zu
veneinen, ist die Bildung eines gleitenden Mittels der Fehler im Rahmen. Überschreitet das
gleitende Mittel über 10 Rahmen die Bitfehlerrate 10-3 (entspricht 3.6 Fehler in Gr. 3 pro
Rahmen , gilt der Zeitpunkt zu dieser Rahmennummer als gestört. Es ist natürlich wichtig,
diese beiden Parameter richtig zu wählen. Erste Untersuchungen beim Westdeutschen
Rundfunk [15] deuten darauf hin daß die o.g. Zahlen geeignet sind. Ausführlichere
Untersuchungen mit subjektiven Tests wären sicher sehr hilfreich. Bild 3.12 zeigt für die
beiden betrachteten Kanäle die Fehler pro Rahmen im gleitenden Mittel über 10 Rahmen. Die
- 38 -
definierte Versorgungsgrenze von 3.6 Fehlern pro Rahmen ist als waagerechte Linie
eingetragen.
Mittlere Anzahl der Fehler in Rahmen Mittlere Anzahl der Fehler in Rahmen
Kanal A
10
C/N=11 dB
8
0
100 200 300 400 500 600 700
Rahmennummer
Kanal B
10
C/N=11 dB
8
0
100 200 300 400 500 600 700
Rahmennummer
Bei Kanal A liegt 100% Versorgung vor, in Übereinstimmung mit der Annahme weiter oben.
Bei Kanal B wird die Grenze in ca. 7% der Fälle überschritten, d.h. die Versorgung beträgt
nur ca. 93%. Im Hörtest sind in diesem Zeitabschnitt von ca. 20 Sekunden entsprechend an
einigen Stellen deutliche Störungen zu hören.
Die hier als Beispiel genannten Zahlen sollten mit Vorsicht interpretiert werden. Zum einen
hängen sie stark von den Parametern "Mittelungsdauer" und "geforderte Fehlerrate" ab, die
zunächst etwas willkürlich gewählt sind. Zum anderen wird aus Bild 3.12b deutlich, daß man
noch wesentlich mehr als 20 Sekunden Fahrt simulieren müßte, um eine gute Statistik
bezüglich des Versorgungsperzentils zu erreichen. Andererseits ist in der Praxis der mittlere
Rauschabstand nur für einige Sekunden näherungsweise konstant (Zeitskala des Kurzzeit-
Fadings), man müßte also das Langzeit-Fading hier mit einbeziehen.
Eine solche kombinierte Statistik ist sicher kompliziert und möglichst zu vermeiden.
Wünschenswert wäre es, wenn immer von gutem Interleaving ausgangen werden könnte, weil
dann ab einem bestimmten Rauschabstand die Versorgung gesichert ist. Dann wäre man in
der glücklichen Situation der
- 39 -
Bilderbuchplanung:
Die starke Bündelung der Fehler verschwindet bei größerer Dopplerfrequenz oder längeren
Echolaufzeiten. Die Frage ist, inwieweit man davon ausgehen kann.
Angemerkt werden soll noch, daß eine reine Statistik der Empfangspegel die genannte Effekte
nicht hinreichend wiedergibt. Effekte durch das Zeitinterleaving kommen darin nicht vor. Es
ist i.a. bei Breitbandpegelmessungen nicht erkennbar, ob eine geringe
Unterschreitungswahrscheinlichkeit auf Frequenzselektivität oder auf eine starke
Direktkomponente zurückzuführen ist. Letzteres läßt sich allerdings erkennen, wenn man
gleichzeitig Breitband- und Schmalbandmessungen durchführt. Die Pegelstatistik erlaubt
dann zwar immer noch keine direkten Rückschlüsse auf die Bitfehler (und damit die
Versorgung), wohl aber einen Anhaltpunkt, ob von wirksamem Frequenzinterleaving
ausgegangen werden kann.
- 40 -
0
Simulation COFDM/DQPSK
10
-1 Rc=0.6667
10
Rc=0.5714
-2
10
BER
-3
10
Rc=0.4706
Rc=0.381
-4
10
Bild 3.13: Simulationen für die Coderaten 8/21, 8/17, 8/14 und 8/12 des DAB-System für das
Echoprofil DAB HT1.
Es gibt eine einfache, pauschale Methode, die Interferenzen durch lange Echos zu
berücksichtigen. Man kann zeigen, daß bei einem Echo der Laufzeit τ der Anteil der
nutzbaren (kontruktiven) Leistung gegeben ist durch
1 : τ <∆
τ − ∆ 2
f (τ ) = 1 − : ∆ ≤τ <T +∆
T
0 : τ >T +∆
β (τ ) := 1 − f (τ ) = Interferenzanteil
- 41 -
Interferenzanteil bei Überschreitung des Guard Intervals Delta=T/4
1
0.9 Interferenz
0.8
0.7
Relative Leistung (linear)
0.6
0.5
0.4
0.3
0.2
0.1 Konstruktiv
0
-0.2 0 0.2 0.4 0.6 0.8 1
(tau-Delta)/T
Bild 3.14: Konstruktiver und Interferenzanteil eines Echos in Abhängigkeit von der Laufzeit
Betrachtet werden soll jetzt der Fall, daß ein Anteil α der gesamten Empfangsleistung C von
einem Echo der Laufzeit τ>∆ herrührt. Die Interferenzleistung dieses Echos ist dann
I=αβ(τ),
C-I=(1-αβ(τ))C
Wenn N die Rauschleistung ist, ist das Verhältnis γI von nutzbarer Leistung C-I zu der
gesamten Störleistung I+N gegeben durch
1 − α ⋅ β( τ )
γI = ⋅γ ,
1 + α ⋅ β( τ ) ⋅ γ
Unter der Annahme, daß man die Interferenzstörungen wie Gaußsches Rauschen behandeln
darf, ist γI der für den Demodulator relevante "Rauschabstand". Den Zusammenhang zu der
Bitfehlerrate kann man aus den theoretischen Kurven ablesen. Dieser "rechnerische
Rauschabstand" γI ist geringer als der physikalische γ. Dementsprechend erhöht sich der
notwendige Rauschabstand γ . Dieser Verlust ist in Bild 3.15 aufgetragen für das Profil DAB
HT1.
- 42 -
Umrechnung des Störabstands bei langen Echos
10
DAB Hilly Terrain I, TM II
9
8
Verluste durch lange Echos [dB]
0
0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20
C/N [dB] ideal (theoretische Kurven)
Bild 3.15
Man liest z.B. ab, daß bei C/N=11 dB, wie sie bei R=8/14 für die Bitfehlerrate 10-4 benötigt
werden, der Verlsut etwa 1.7 dB beträgt, man also bedingt durch die langen Echos C/N=12,7
dB benötigt wird. Ein Vergleich mit Bild 3.13 zeigt eine recht gute Übereinstimmung mit der
Simulation.
- 43 -
4 Langzeit-Fading, Versorgung und Sendernetze
Die Annahme eines stationären Kanals ist Voraussetzung zur Herleitung der theoretischen
Bitfehlerkurven. Auch Kanalsimulationen - sowohl in Software als auch in Echzeit-Hardware
- arbeiten meist mit stationären Kanälen (obwohl auch andere Optionen bestehen). Das
Systemverhalten läßt sich am besten unter kontrollierten, reproduzierbaren und stationären
Bedingungen beurteilen. Hieraus leitet man dann Folgerungen z.B. für die
Versorgungsplanung ab.
Wichtig ist die Zeitskala. Eine Simulation mit einem stationären Kanal über die Dauer von 5
Minuten gibt sicher kein Abbild der Realität wieder (das Auto ist längst in einer anderen
topographischen Umgebung), kann aber für bestimmte Fragestellungen eine sinnvolle
Messung sein. Simulationen von ein oder zwei Sekunden liefern mitunter bei langsamen
Kanalen keine vernünftige Statistik, d.h. die Annahme Zeitmittel=Erwartungwert kann dann
nicht gemacht werden. Man sollte die Frage nach der "richtigen" Simulationsdauer nicht
pauschal beantworten, sondern immer überlegen, was jeweils angemessen ist. In der Realität
sind näherungweise stationäre Kanäle - je nach Topograhie - auf Fahrstrecken zwischen 20
und 60 Metern zu erwarten, was einigen Sekunden Fahrzeit entspricht. Bei 200 MHz sind dies
nicht einmal 50 Wellenlängen, d.h die zeitlichen Mittelwerte über diese Strecke sind nicht
sehr gut, bei 1500 MHz sind es 100 bis 300 Wellenlängen, d.h. die Statistik ist deutlich
besser.
Die statistischen Schwankungen des über diese kurzen Strecken näherungsweise konstanten
Mittelwertes des Leistung werden als Langzeit-Fading7 bezeichnet. Das Modell für das
"kombinierte Fading" (den Gesamtprozeß) ist dann ein GWSSUS-Kanal für das Kurzzeit-
6Häufigwird dies in der Literatur Fast Fading genannt. Dieser Bergriff wird hier nicht verwendet, um
Verwechslungen mit Effekten durch schnelle Phasenfluktuationen zu vermeiden.
- 44 -
Fading mit zeitvarianter Übertragungsfunktion H(f;t), der multiplikativ überlagert wird mit
einem Prozeß L(t) für das Langzeit-Fading.
H Gesamt ( f ; t ) = L( t ) H ( f , t ) (4.1)
10
Empfangene Leistung [dB]
-10
-20
-30
-40
0 2 4 6 8 10 12 14
Zeit [s]
Genauso, wie sich für das Kurzzeit-Fading das GWSSUS-Modell als ein physikalisch gut
begründbares und mathematisch gut zu handhabendes Modell bewährt hat, hat sich für das
Langzeit-Fading die Annahme des Lognormal-Fadings bewährt. Dies bedeutet, daß man den
(über gewisse Zeiten näherungsweise konstanten) Pegel
Λ = 10 ⋅ lg L (4.2)
als normalverteilt annimmt. Dieses Modell hat nicht nur den Reiz der Einfachheit, es läßt sich
auch physikalisch aus dem Zentralen Grenzwertsatz begründen: Die Empfangsleistung ergibt
sich als eine multiplikative Überlagerung von vielen Dämpfungseffekten, die zu einer
additiven Überlagerung in den Pegeln führt. Für die Summe vieler solcher Beiträge kann man
dann eine Normalverteilung annehmen. Die Näherung mag grob sein, ist aber für eine
qualitative, pauschale Beschreibungweise das Beste, was man machen kann. Die Pegel sind
also normalverteilt mit der Dichte
- 45 -
1
e − (Λ − µ LN )
2 2
/ 2σ LN
p Λ (Λ) = (4.3)
2π ⋅ σ LN
mit Streuung σLN und Mittelwert µLN. Bei der Normalverteilung stimmen Median und
Mittelwert überein. Rechnet man vom Pegel Λ wieder auf die Leistung L um, so ergibt sich
die Verteilungsdichte
10 / ln 10
e −(10 lg L − µ LN )
2 2
/ 2σ LN
p L ( L) = , (4.4)
2π ⋅ L ⋅ σ LN
für die µLN ist dann der Medianwert ist, aber nicht mehr der Mittelwert. Die
Wahrscheinlichkeiten, daß ein Pegel von x dB unterschritten wird, berechnet sich bei der LN-
Verteilung zu
1 µ −x
Pr( L < x) = erfc LN . (4.5)
2 2 ⋅σ
LN
In Bild 4.2 ist diese Größe in Abhängigkeit vom x für 3 Werte für σLN relativ zum
Medianwert aufgetragen.
Rechenbeispiel
Bei DAB werden Audio-Progamme mit Protection Level 3 übertragen. Der notwendige
Rauschabstand im Raygleigh-Kanal mit als ideal anzunehmendem Interleaving C/N muß
mindestens 11 dB betragen, um Versorgung zu gewährleisten. Entlang einer Fahrstrecke wird das
Langzeit-Fading als Lognormal mit konstanten Werten für Varianz σLN und Mittelwert µLN. Für
das Empfängerrauschen innerhalb der Übertragungsbandbreite wird der Wert -106.2 dBm
angesetzt. Für σLN =3.5 dB bzw. 5.5 dB bzw. 8.5 dB sollen die notwendigen Werte für µLN
ermittelt werden, sodaß eine Versorgungswahrscheinlichkeit von 99 % (95%) für jeden (Zeit-)
Punkt erreicht wird.
Wegen des für die Versorgung notwendigen Mindestrauschabstandes von 11 dB muß der mittlere
Empfangspegel C= -95.2 dBm betragen, damit der Punkt versorgt ist. Aus Bild 4.2 kann man die
relativen Pegel ablesen, bei denen ein mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit dieser
unterschritten wird. Z.B. wird bei σLN =3.5 dB mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 % ein
relativer Pegel von -7.5 dB unterschritten, d.h. mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 % liegt der
Wert darüber. Bei einer notwendigen Leistung von -95.2 dBm muß der Medianwert 7.5 dB höher
liegen, also bei -87.7 dBm, um eine 99 %-ige Versorgungswahrscheinlichkeit zu gewährleisten.
Die anderen Werte sind in Tabelle 4.1 aufgelistet
Tabelle 4.1: Notwendige Werte für den Median Pegel bei LN-Fading für verschiedene
σLN und geforderte Versorgungungswahscehinlichkeiten 99% und 95 %
σLN = 3.5 dB 5.5 dB 8.5 dB
99 % Versorgung -87.7 dBm -82.6 dBm - 75.7 dBm
95 % Versorgung -89.7 dBm - 86.2 dBm - 81.2 dBm
- 46 -
0
Pegelunterschreitungswahrscheinlichkeiten Log-Normal
10
-1
10
W(x<Abzisse)
-3
10
-30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10
Pegel relativ zum Median [dB]
1
∫ H( f
2
L= 0 , t ) dt (4.6)
T T
Es handelt sich hier um das zeitliche Mittel einer Leistung, nicht um den Medianwert8.
Bei Breitbandmessungen sollte sich für jede Frequenz innerhalb der Bandbreite derselbe
Mittelwert ergeben, wenn T groß genug gewählt ist. Durch zusätzliche Mittelung über die
Bandbreite B kann die Statistik verbessert bzw. das Beobachtungsintervall T verkürzt werden.
8Bei Rayleigh-Fading kann man Median- und Mittelwert leicht umrechnen: Median=Mittelwert - 1.6 dB
- 47 -
1
∫ df ∫ dt ⋅ H ( f , t )
2
L= (4.7)
BT B T
Dies gilt um so mehr, je stärker der Kanal innerhalb der Bandbreite unterschiedlich ist, d.h. je
kleiner die Kohärenzbandbreite ist bzw. je länger die Echos sind.
Sind für eine Statistik hinreichend viele der auf diese Weise ermittelten Werte für den
zugehörigen Pegel Λ=10 lg L vorhanden, kann man hieran eine Normalverteilung anpassen
und so Varianz σLN und Mittelwert µLN ermitteln. Wichtig ist, das Intervall für die Mittelung
nicht zu klein zu wählen, weil sonst nicht das Langzeit-Fading, sondern ein kombiniertes
Fading ausgewertet wird. Auch an dieses läßt sich eine Normalverteilung hinreichend "schön"
anpassen, sodaß der Fehler nicht leicht auffällt. Der Wert für σLN ist dann zu groß. Die sehr
unterschiedlichen Werte für σLN , die man in der Literatur findet, sind so zu erklären und
auch die scheinbare Bandbreitenabhängigkeit von σLN , die in diesem Modell nicht
vorkommen darf9. Es ist in der Literatur die Rede von σLN zwischen 8 und 9 dB für
Schmalbandmessungen und 5-6 dB für Breitbandmessungen. Messungen, die das Kurzzeit-
Fading angemessen herausmitteln [14] , kommen dagegen nur auf Werte zwischen 3 und 4
dB. Diese Zahlen haben sehr großen Einfluß auf die Versorgungplanung.
9Es ist keine experimentelle Fragestellung, ob die Varianz bandbreitenabhängig ist, sondern eine Frage des
Modells. In diesem Modell der Trennung der beiden Fading-Mechanismen ist für eine Bandbreitenabhängigkeit
kein Platz. Neuere, genauere Messungen [14] zeigen auch, daß sich die beiden Mechnismen sehr gut trennen
lassen und bei geeigneter Mittelung keine Bandbreitenabhängigkeit mehr vorhanden ist.
- 48 -
'Künstliche Echos' von anderen Sendern
Bei Transmission Mode I des DAB-Systems sind bewußt andere Nachteile in Kauf
genommen worden (insbesondere Empfindlichkeit gegenüber Dopplereffekt), um durch eine
sehr lange Symboldauer und ein sehr langes Schutzintervall von ca. 250 µs (entspricht ca. 75
km Weglänge der Wellenaubreitung) den Betrieb von Gleichwellennetzen mit großen
Senderabständen zu ermöglichen. In der Bundesrepublik sind ca. 60 km typisch. Man kann
davon ausgehen, daß bei Transmission Mode I nur eine geringer Teil der Leistungsanteil
außerhalb des Schutzintervalls eintrifft.
Mit 4 Frequenzblöcken von ca. 1.5 MHz z.B. in einem Fernsehkanal von 7 MHz (s. Bild 4.4)
kann man theoretisch eine flächendeckende Versorgung mit unterschiedlichen
Programminhalten erreichen (s. Bild 4.5), wenn die Distanz, nach der dieselbe Frequenz
wiederverwendet wird, nicht zu klein ist.
A B C D
f
7 MHz
Der Block A könnte z.B. dem WDR zugeordnet sein, der Block B dem NDR, der Block C
dem HR usw. Das Beispiel in Bild 4.5 ist stark vereinfacht. In der Praxis sind oft noch
zusätzliche Fequenzblöcke nötig.
- 49 -
A C A C A C A C A C
B D B D B D B D B D
A C A C A C A C A C
B D B D B D B D B D
Gleichwellennetze sind noch aus einem weiteren Grund vorteilhaft für die Empfangsqualität:
Durch die Laufzeitunterschiede zwischen den Sendern ist in der Regel der Dealy Spread ∆τ
deutlich größer als bei konventionellen Netzwerken. Dies wirkt sich positiv auf das
Frequenzinterleaving aus, so daß die Hoffnung besteht, daß man bei einem Gleichwellennetz
fast immer von idealem Frequenzinterleaving ausgehen kann. Inwieweit dies richtig ist, sollte
mit Hilfe von Ausbreitungsmodellen genauer untersucht werden. Wenn z.B. mit einer
hinreichend hohen Sicherheit in den den Gebieten, wo die Empfangsleistung in einen
kritischen Bereich kommt, der Delay Spread groß genug ist für ideales Frequenz-Interleaving,
so ist man hier in der glücklichen Lage einer "Bilderbuchplanung". Man muß ferner dabei
berücksichtigen, daß das Langzeit-Fading nicht mehr Lognormal ist, sondern durch
Kombination mehrerer Beiträge zustande kommt die jeweils einzeln Lognormal verteilt sind.
Insgesamt kommt also ein größerer Delay Spread mit einer geringeren Varianz des Langzeit-
Fadings zusammen, sodaß wesentlich günstigere Bedingungen zu erwarten sind als bei einem
konventionellen Netzwerk.
- 50 -
Literatur
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Communications, COM-11, pp. 360-393, (1963)
2. J. Achilles, H. Bochmann, H. Schulze: Breitbandige Messung von Über\-tragungsverhältnissen im
Mobilen Funkkanal, Technischer Bericht des Forschungsinstituts für Kommunikationstechnik der Robert
Bosch GmbH, Hildesheim 1990
3. H. W. Schüßler, J. Thielecke, K. Preuss, W. Edler, M. Gerken: A Digital Frequency-Selective Fading
Simulator, Frequenz 43 (1989), S. 47-55
4. H. Schulze, Stochastische Methoden und digitale Simulation von Mobilfunkkanälen, Kleinheubacher
Berichte Bd. 32, S. 473-483, 1989
5. P. Höher: A Statistical Discrete-Time Model for the WSSUS Multipath Channel, IEEE Trans. on Veh.
Technology, VT-41 (4), pp. 461-468, 1992
6. S.O. Rice: Mathematical Analysis of Random Noise, Bell System Technical Journal, Vol. 23, 1944, pp.
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Radio broadcast systems; Digital Audio Broadcasting (DAB) to mobile, portable and fixed receivers,
ETS 300 401, Genf und Sophia Antipolis, Februar 1995
8. J. Hagenauer: Rate Compatible Punctured Convolutional Codes (RCPC Codes) and their Applications,
IEEE Transactions on Communications, COM-36, pp. 389-400, 1988
9. P. Höher, J. Hagenauer, E. Offer, Ch. Rapp, H. Schulze: Performance of an RCPC-Coded OFDM-based
Digital Audio Broadcasting (DAB) System, ITG Fachtagung Hörrundfunk 18.-20. Februar 1992 in
Mannheim, erschienen als ITG Fachbericht 118 "Hörrundfunk", S. 135-140, 1992
10. J. Hagenauer, N. Seshadri, C.-E. W. Sundberg: The Performance of Rate Compatible Punctured
Convolutional Codes for Mobile Radio, IEEE Transactions on Communications, COM-38, pp. 966-980
1990
11. Th. Wächter, Das Übertragungsverfahren des zukünftigen digitalen Hörrundfunks, Der
Fernmeldeingenieur, Doppelheft 11-12, 1992
12. J. Hagenauer: Fehlerkorrektur und Diversityverfahren bei Fading-Kanälen, AEÜ 36, S. 337-344, 1982
13. J.G. Proakis: Digital Communications, 2nd ed. McGraw-Hill 1989
14. R. Schramm, R. Großkopf: Der DAB-Funkkanal bei mobilem Empfang, Technischer Bericht des IRT Nr.
B 132/93 (1993)
15. G. Frieling: Bitfehlermessungen zur Beurteilung der DAB Rundfunkversorgung, Diplomarbeit, Meschede
1995
- 51 -
Anhang
λ2 E 2
PE = ,
4π η
wobei E der Effektivwert für die elektrische Feldstärke ist, λ die Wellenlänge und η=377 Ω
der Wellenwiderstand des Vakuums. Setzt man die Zahlen ein so ergibt sich
2 2
PE λ E
= 2.111 ⋅10 −12 ,
mW m mV/m
bzw.
- 52 -