Spern at
Spern at
Quantenmechanik
Diplomarbeit
vorgelegt von
Thomas Spernat
Universität Dortmund
Institut für Physik
März 2004
Wer über die Quantentheorie nicht entsetzt ist,
”
der hat sie nicht verstanden. “
(Niels Bohr)
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
I. Bosonische Deformationsquantisierung
1. Einführung in die Deformationsquantisierung 3
1.1. Klassische Mechanik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1.1.1. Bewegungsgleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1.1.2. Die Poisson-Klammer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
1.2. Quantenmechanik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1.2.1. Korrespondenzprinzip . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1.2.2. Erwartungswerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1.2.3. Zeitentwicklung und Heisenberg-Darstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1.2.4. Der Spezialfall eines zeitunabhängigen Hamilton-Operators . . . . . . . . . 7
1.2.5. Die Dichtematrix . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
1.3. Wigner-Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
1.3.1. Abbildungsvorschrift von Operatoren zu Funktionen auf dem Phasenraum . 8
1.3.2. Definition der Wigner-Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
1.3.3. Produkte von Funktionen auf dem Phasenraum und Erwartungswerte . . . 9
1.3.4. Eigenschaften der Wigner-Funktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
1.4. Das Moyal-Produkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
1.4.1. Definition des Moyal-Produkts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
1.4.2. Einige elementare Eigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
1.4.3. Integraldarstellung des Moyal-Produkts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
1.4.4. Assoziativität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
1.4.5. Spureigenschaft des Phasenraumintegrals . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.5. Sternprodukte und c-Äquivalenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.5.1. Definition des Sternprodukts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.5.2. Zwei Beispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
1.5.3. c-Äquivalenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
1.6. Bewegungsgleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
1.6.1. Die Zeitabhängigkeit der Wigner-Funktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
1.6.2. Eine Bewegungsgleichung für die Observablen . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
1.6.3. Die Sterneigenwertgleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
1.7. Das Sternexponential . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
1.7.1. Definition des Sternexponentials und Spektraltheorie . . . . . . . . . . . . . 17
1.7.2. Die Projektoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
1.7.3. Die Unschärferelation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
1.8. Interpretation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
i
Inhaltsverzeichnis
3. Landau-Niveaus 37
3.1. Klassische Betrachtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3.2. Quantenmechanische Betrachtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
3.2.1. Koordinatentransformation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
3.2.2. Erhaltungsgrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
3.2.3. Lösung der Sterneigenwertgleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
3.2.4. Der Drehimpuls als weitere Observable . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
3.2.5. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . 42
ii
Inhaltsverzeichnis
8. Dirac-Theorie 83
8.1. Bestimmung der Projektoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
8.1.1. Energieprojektoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
8.1.2. Spin-Projektoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
8.2. Nicht-relativistische Näherung der Dirac-Gleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
iii
Inhaltsverzeichnis
Fazit 93
Anhang
A. Anhang zur bosonischen Deformationsquantisierung 95
A.1. Ein Beispiel für den Weyl-Isomorphismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
A.2. Assoziativität des Moyal-Produkts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
A.3. Umformung eines Integrals . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
A.4. Die Unschärferelation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
A.5. Koordinatentransformation im Moyal-Produkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
Literaturverzeichnis 113
iv
Einleitung
Die Quantenmechanik ist seit ihrer Entdeckung Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ein etablier-
ter Teil der Physik geworden. Bis auf die Gravitation konnten alle fundamentalen physikalischen
Theorien erfolgreich quantisiert werden.
Die erste konsistente Behandlung der Quantenmechanik gelang im Operatorformalismus, der
auf Dirac [Dir1930] und von Neumann [vN1931] zurückgeht. Physikalische Zustände werden durch
Vektoren auf einem Hilbert-Raum repräsentiert und klassische Observablen entsprechen gemäß
dem Korrespondenzprinzip [Wey1927] linearen Operatoren, die auf die Zustände einwirken. Dieser
abrupte Wechsel von der klassischen zur quantisierten Theorie widerspricht allerdings der anschau-
lichen Vorstellung, daß sich die klassische Physik als Grenzfall der Quantenmechanik ergibt, wenn
das Plancksche Wirkungsquantum h = 2π~ gegen Null strebt.
In der klassischen Theorie sind alle Observablen Funktionen auf dem Phasenraum, der als sym-
plektische Mannigfaltigkeit aufgefaßt werden kann. Die Deformationsquantisierung erlaubt einen
stetigen Übergang zur Quantenmechanik, da sie auch die quantisierte Theorie auf dieser Mannig-
faltigkeit formuliert:
Groenewold [Gro1946] und Moyal [Moy1949] haben in den vierziger Jahren des letzten Jahrhun-
derts die ersten Ansätze zur Deformationsquantisierung geliefert. Im Jahr 1978 gelang es Bayen,
Flato, Frønsdal, Lichnerowicz und Sternheimer [BFF+ 1978a, BFF+ 1978b] diese Theorie zu einer
eigenständigen Formulierung der Quantenmechanik zu vervollständigen.
Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die von Bayen et. al. diskutierte Deformationsquantisierung
so zu erweitern, daß auch fermionische Freiheitsgrade beschrieben werden können. Dies wird er-
reicht, indem man das herkömmliche Sternprodukt, das aus der Deformation eines kommutativen
Produkts resultiert, auf Grassmann-Variablen erweitert. Während kommutative Variablen boso-
nischen Freiheitsgraden entsprechen, nehmen Grassmann-Variablen die Rolle der fermionischen
Freiheitsgrade ein.
Obwohl bereits in [BFF+ 1978b, siehe S. 123] die Möglichkeit zur Deformation einer Grassmann-
Algebra erwähnt wurde und es einige abstrakte Diskussion neueren Datums gibt (siehe [Bor1996,
DF1998, BHW2000]), wurde die systematische Ausarbeitung physikalischer Anwendungen ver-
nachlässigt. In der vorliegenden Arbeit werden einige der in [HH2002a] behandelten Systeme wie-
der aufgegriffen und weitergeführt. Darüber hinaus werden mögliche Darstellungen der Lorentz-
Gruppe in diesem Zusammenhang betrachtet, wobei die Ergebnisse verwendet werden, um die
Dirac-Theorie aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.
Es wird gezeigt, daß man die bosonische und die fermionische Quantenmechanik im Rahmen der
Deformationsquantisierung auf sehr ähnliche Weise formulieren kann. Beide Arten von Systemen
1
Inhaltsverzeichnis
kann man mit einer vereinheitlichten Theorie beschreiben, wobei auch ausführlich auf den Aspekt
der Supersymmetrie eingegangen wird. Als physikalisches Beispiel dient das System eines geladenen
Teilchens im homogenen Magnetfeld.
In Zusammenarbeit mit P. Henselder und PD Dr. A. C. Hirshfeld ist ein Artikel [HHS2004] in
Vorbereitung, in den einige Aspekte dieser Arbeit eingehen werden.
Zum Verständnis dieser Arbeit werden keine Vorkenntnisse in der Deformationsquantisierung
verlangt. Der Formalismus wird ausführlich hergeleitet und dessen Methoden an einigen Beispie-
len veranschaulicht, so daß diese Arbeit auch eine Einführung in dieses Thema bietet. Grund-
kenntnisse zum Hamilton- und Lagrange-Formalismus der klassischen Mechanik sowie der Hilbert-
Raumdarstellung der Quantenmechanik werden aber vorausgesetzt.
I. Bosonische Deformationsquantisierung
Der erste Teil dient zur Einführung in die Deformationsquantisierung, wobei die Definitionen
des Moyal-Produkts und der Wigner-Funktionen durch eine Diskussion der klassischen und der
Quantenmechanik motiviert werden. Es wird eine Bewegungsgleichung für die Wigner-Funktionen
hergeleitet, die eine autonome Formulierung der Quantenmechanik ermöglicht. Basierend auf dieser
Gleichung wird die Spektraltheorie entwickelt.
Als Anwendungsbeispiel dient der harmonische Oszillator, an dem die Methoden der Deformati-
onsquantisierung demonstriert werden. Die Ergebnisse für den harmonischen Oszillator lassen sich
auf das System eines geladenen Teilchens im homogenen Magnetfeld übertragen.
2
I. Bosonische Deformationsquantisierung
Kapitelverzeichnis
3. Landau-Niveaus 37
1. Einführung in die Deformationsquantisierung
In diesem Kapitel werden die Grundlagen der Deformationsquantisierung präsentiert, auf die der
Rest dieser Arbeit basiert. Dabei wird in groben Zügen der historischen Entwicklung gefolgt. Der
Aufbau dieses Kapitels wird im folgenden kurz zusammengefaßt.
Eine kurze Wiederholung der klassischen Mechanik und der herkömmlichen Formulierung der
Quantenmechanik in den ersten beiden Abschnitten dient als Motivation der Deformationsquanti-
sierung, die einen stetigen Übergang zwischen klassischer und quantenmechanischer Physik erlaubt.
Die im dritten Abschnitt definierte Wigner-Funktion entspricht in vieler Hinsicht der Dichtematrix
der Quantenmechanik.
Der vierte Abschnitt beantwortet die Frage, welches Produkt auf dem Phasenraum dem Opera-
torprodukt entspricht. Es handelt sich dabei um das Moyal-Produkt, daß in dem darauffolgenden
Abschnitt als ein Sternprodukt klassifiziert wird.
Mit Hilfe des Moyal-Produkts wird im sechsten Abschnitt eine Bewegungsgleichung für die
Wigner-Funktion hergeleitet, die als Ersatz für die Schrödinger-Gleichung dienen kann. Damit
ist der Grundstein einer autonomen Theorie gelegt, die keinen Bezug mehr auf den Operatorfor-
malismus der Quantenmechanik nimmt.
Im siebten Abschnitt wird das Sternexponential diskutiert, welches von Bayen et al. [BFF+ 1978b]
in den Mittelpunkt der Spektraltheorie gestellt wird. In diesem Zugang werden physikalische
Zustände durch sogenannte Projektoren beschrieben, die gerade den Wigner-Funktionen entspre-
chen.
Der letzte Abschnitt dient schließlich der Interpretation der hier eingeführten Formulierung
der Quantenmechanik. Es wird gezeigt, wie man im Grenzfall ~ → 0 die klassische Mechanik
zurückgewinnt, wodurch der stetige Übergang zwischen der klassischen und quantisierten Physik
verdeutlicht wird.
Die hier diskutierten Grundlagen kommen in Kapitel 2 erstmalig zur Anwendung. Anhand des
harmonischen Oszillators werden dort die verschiedenen Rechentechniken demonstriert, um dem
Leser einen Einstieg in diesen Formalismus zu bieten.
1.1.1. Bewegungsgleichungen
Im Lagrange-Formalismus bestimmt die Lagrange-Funktion L(q, q̇) die Bewegungsgleichungen für
das physikalische System mit der generalisierten Koordinaten q und der generalisierten Geschwin-
digkeit q̇. Aus dem Hamilton-Prinzip δS = 0 für die Wirkung
Zt2
S= L[q(t), q̇(t)] dt (1.1)
t1
d ∂L ∂L
ergibt sich die Euler-Lagrange-Gleichung dt ∂ q̇ − ∂q = 0. Im folgenden stellt q die gewöhnliche
Ortskoordinate eines flachen Raums dar.
3
1. Einführung in die Deformationsquantisierung
Da die Variationen δq und δp unabhängig voneinander sind, liest man die Hamilton-Gleichungen
∂H ∂H
q̇ = und ṗ = − (1.3)
∂p ∂q
ab. Für die Zeitableitung einer dynamischen Größen f (q, p; t) folgt daraus
µ ¶
df ∂f ∂f ∂f ∂f ∂H ∂f ∂H ∂f
= q̇ + ṗ + = + + , (1.4)
dt ∂q ∂p ∂t ∂q ∂p ∂p ∂q ∂t
{q, p} = 1. (1.7)
∂ ∂
Mit den Abkürzungen ∂q = ∂q und ∂p = ∂p kann man die Poisson-Klammer (1.5) auch als
~ ~
¡ ¢
{f, g} = (∂q f ) (∂p g) − (∂p f ) (∂q g) = f ∂ q ∂~p − ∂ p ∂~q g (1.8)
schreiben, wobei der Pfeil andeutet, in welche Richtung die Ableitung wirkt.
besitzt. Die erste Gleichung zeigt die Antisymmetrie der Poisson-Klammer auf, die zweite wird
Leibnitz-Regel genannt und bei der dritten Gleichung handelt es sich um die Jacobi-Identität.
Diese Gleichungen dienen auch zur allgemeinen Definition von Poisson-Mannigfaltigkeiten.
4
1.2. Quantenmechanik
Nun sei ein Phasenraum mit 2n Koordinaten betrachtet, wobei man die Koordinaten qi und pi
zu einem Vektor x = (q1 , . . . , qn , p1 , . . . , pn ) = (x1 , . . . , x2n ) zusammenfassen kann. In diesem Fall
läßt sich die Poisson-Klammer (1.8) auch zu
à n ~ ~ ! ~ µ ¶
X ¡ ¢ 0 −I
{f, g} = f ∂ qi ∂~pi − ∂ pi ∂~qi g = f ∂ i αij ∂~j g mit α= (1.10)
I 0
i=1
verallgemeinern, wobei ∂i für eine Ableitung nach xi steht und über doppelt vorkommende Indizes
summiert wird. Die Matrix α nennt man den Poisson-Tensor, in dem I eine n × n-Einheitsmatrix
repräsentiert.
Die Poisson-Klammer aus Gleichung (1.10) kann man auch in nicht-kanonischen Koordinaten
darstellen, wobei die Einträge des Poisson-Tensors α dann von x abhängen können. Ein Pha-
senraum mit gerader Dimension bildet zusammen mit einem invertierbaren Poisson-Tensor eine
symplektische Mannigfaltigkeit, die im allgemeinen auch gekrümmt sein kann. Für eine flache Man-
nigfaltigkeit besagt das Theorem von Darboux, daß es immer kanonische Koordinaten gibt, in denen
die αij konstant sind. Nur dieser Fall wird hier betrachtet.
Die vorangegangene Diskussion basiert zum Teil auf dem zweiten Kapitel von [HH2002b], wo
eine Einführung zur Rolle der Poisson-Mannigfaltigkeiten in der klassischen Mechanik gegeben
wird. Mehr zu diesem Thema kann in [MR1994] gefunden werden.
1.2. Quantenmechanik
In diesem Abschnitt werden einige wesentliche Elemente der Quantenmechanik angegeben, auf
die später zurückgegriffen wird. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Verhältnis zur klassischen
Mechanik, da dies auch ein wichtiger Aspekt der Deformationsquantisierung ist. Es wird gezeigt,
wie man die quantenmechanische Bewegungsgleichung formal mit Hilfe des Zeitentwicklungsope-
rators lösen kann. Außerdem wird die Rolle der Dichtematrix in der Quantenmechanik diskutiert,
um später die Analogie zu den Wigner-Funktionen herausstellen zu können, die in Abschnitt 1.3
eingeführt werden.
1.2.1. Korrespondenzprinzip
Im Operatorformalismus der Quantenmechanik entsprechen physikalische Größen Operatoren1 ,
die auf Zustandsvektoren |ψi eines Hilbert-Raums wirken. Die Zeitentwicklung der Zustände wird
durch die Schrödinger-Gleichung
d
i~
|ψi = Ĥ |ψi (1.11)
dt
beschrieben, wobei man den Hamilton-Operator Ĥ aus der Hamilton-Funktion H durch Ersetzen
der kanonische Variablen q und p mit den entsprechenden Operatoren p̂ bzw. q̂ erhält, die die
kanonischen Kommutatorrelationen
[q̂, p̂] = q̂ p̂ − p̂q̂ = i~ (1.12)
erfüllen. Dies nennt man das Korrespondenzprinzip.
Bei der Abbildung H 7→ Ĥ ist die Ordnung der Operatoren dadurch festgelegt, daß der Hamilton-
Operator hermitesch sein muß, denn nur dann ist der Erwartungswert hψ| Ĥ |ψi eine reelle Zahl.
Diese Bedingung wird erfüllt durch die Weyl-Ordnung der Operatoren [Wey1927], die einer totalen
Symmetrisierung wie in
1¡ 2 ¢ 1¡ 2 ¢
p2 q 7→ p̂ q̂ + p̂q̂ p̂ + q̂ p̂2 bzw. qp2 7→ q̂ p̂ + p̂2 q̂ (1.13)
3 2
1
Im folgenden werden Operatoren mit ˆ gekennzeichnet.
5
1. Einführung in die Deformationsquantisierung
entspricht. Bezeichnet man die Abbildung von Phasenraumfunktionen auf entsprechende Opera-
toren mit ̺, so muß daher die Gleichung
gelten, wobei f¯ die komplex konjugierte Größe zu f ist und [̺(f )]† der hermitesch adjungierte
Operator zu fˆ = ̺(f ). Basierend auf der Darstellung von f (q, p) als Fourier-Integral
Z
f (q, p) = dσ dτ f˜(σ, τ ) ei(σq+τ p)/~ (1.15)
definiert, indem man q und p in (1.15) durch die entsprechenden Operatoren ersetzt. Aus dieser
Definition folgt
m µ ¶ n µ ¶
n m 1 X m m−r n r 1 X n n−r m r
̺Weyl (q p ) = m p̂ q̂ p̂ = n q̂ p̂ q̂ , (1.17)
2 r 2 r
r=0 r=0
1.2.2. Erwartungswerte
Im Gegensatz zur klassischen Mechanik ist das Ergebnis der Messung in der Quantenmechanik nicht
mehr eindeutig bestimmt, sondern kann im gewissen Maß um den Erwartungswert hfˆi = hψ| fˆ |ψi
variieren, wobei dieser aber im Grenzfall ~ → 0 mit der klassischen Vorhersage übereinstimmen
muß.
Für die Zeitentwicklung des Erwartungswerts folgt aus der Schrödinger-Gleichung (1.11)
¿ ˆÀ
d ˆ® 1 £ ˆ ¤® ∂f
f = f, Ĥ + . (1.18)
dt i~ ∂t
Der Vergleich dieser Gleichung mit (1.6) zeigt, daß die Poisson-Klammer der klassischen Mecha-
nik in der Quantenmechanik der Kommutator-Klammer multipliziert mit 1/i~ entspricht. Die
Ähnlichkeit dieser beiden mathematischen Strukturen wird auch durch die Gegenüberstellung von
(1.7) mit (1.12) klar. Darüber hinaus gelten für den Kommutator analoge Regeln zu (1.9).
Im Grenzfall ~ → 0 muß die Zeitentwicklung für den Erwartungswert eines Operators (1.18) die
klassische Bewegungsgleichung für die entsprechende Phasenraumfunktion (1.6) liefern2 , so daß
ˆ ĝ]i/i~ im Grenzfall ~ → 0 in die Poisson-Klammer {f, g} übergehen muß.
h[f,
definiert ist, kann die Situation umgedreht werden. Gemäß der Schrödinger-Gleichung (1.11) muß
er Lösung der Gleichung
d
i~ Û (t) = Ĥ Û (t) (1.20)
dt
2
Dies ist auch als Ehrenfestsches Theorem bekannt.
6
1.2. Quantenmechanik
sein. Man definiert |ψiH = |ψ, 0i als Darstellung des zu |ψ, ti korrespondierenden Zustands im
Heisenberg-Bild. Gleichung (1.20) wird formal gelöst durch
µ Z ¶
i t ′
Û (t) = T̂ exp − dt Ĥ(t′ ) , (1.21)
~ 0
von der Zeit abhängen müssen, wie die Gleichung hψ, t| fˆ |ψ, ti = hψ|H fˆH |ψiH zeigt. Durch Ablei-
ten von (1.22) zeigt man, daß die Zeitabhängigkeit der Operatoren im Heisenberg-Bild auch durch
die Differentialgleichung
d ˆ 1 £ˆ ¤ ∂ fˆH
fH = fH , Ĥ + (1.23)
dt i~ ∂t
bestimmt wird. Man beachte die Ähnlichkeit dieser Gleichung zu (1.18).
Wenn man Quantenmechanik auf dem Phasenraum beschreiben will, stellt £ sich ¤nun die Frage,
ob man dort eine Klammer definieren kann, die direkt dem Kommutator fˆH , ĝH /i~ entspricht
und die im klassischen Grenzfall gerade in die Poisson-Klammer übergeht. Diese Frage wird in
Abschnitt 1.4 beantwortet werden.
erhält man
|ψ, ti = e−iEt/~ |ψ, 0i = e−iEt/~ |ψiH . (1.25)
Der Vergleich mit Gleichung (1.19) zeigt, daß man dann den Zeitentwicklungsoperator Û (t) durch
UE (t) = e−iEt/~ ersetzen kann.
Dieses Ergebnis kann auch auf anderem Wege bestimmt werden. Da H zeitunabhängig ist, kann
man das Integral in (1.21) ausführt, so daß der Zeitentwicklungsoperator die Form
annimmt. Läßt man diesen Operator gemäß Gleichung (1.24) auf |ψiH wirken, dann geht Û (t)
ebenfalls in die Funktion UE (t) = e−iEt/~ über.
gegeben ist und die Normierung tr ρ̂ = 1 lautet. Im folgenden werden nur reine Zustände betrachtet,
so daß die Dichtematrix in der Form ρ̂ = |ψi hψ| angegeben werden kann und tr ρ̂ = hψ|ψi = 1 der
üblichen Normierung der Zustände entspricht.
7
1. Einführung in die Deformationsquantisierung
Die Zeitabhängigkeit der Zustände wird durch Gleichung (1.11) festgelegt, so daß die Dichtema-
trix dementsprechend die Differentialgleichung
d £ ¤
i~ ρ̂(t) = Ĥ, ρ̂(t) (1.28)
dt
erfüllen muß, die Von-Neumann-Gleichung genannt wird.
Falls der Hamilton-Operator zeitunabhängig ist, gilt Gleichung (1.25). Für die Dichtematrix ρ̂
folgt daraus, daß auch die Schrödinger-Darstellung zeitunabhängig ist, so daß sie der Heisenberg-
Darstellung entspricht. Diese Tatsache läßt sich durch die Gleichung
ausdrücken.
Aus Gleichung (1.24) folgt dann
Ĥρ̂ = ρ̂Ĥ = Eρ̂, (1.30)
so daß (1.28) offensichtlich erfüllt ist. Falls Ĥ nicht von der Zeit abhängt, kann die Dichte-Matrix
ρ̂ daher als hermitesche Lösung der Gleichung Ĥρ̂ = Eρ̂ definiert werden. Aus der Hermitezität
von Ĥ folgt dann direkt, daß ρ̂ auch ρ̂Ĥ = Eρ̂ erfüllt.
1.3. Wigner-Funktionen
In diesem Abschnitt wird beschrieben, wie man mit einer bestimmten Art von Verteilungsfunktio-
nen im klassischen Phasenraum quantenmechanische Zustände charakterisieren kann. Diese Funk-
tionen sind nach E. P. Wigner benannt, der sie bereits 1932 in [Wig1932] definiert hat, wobei die
hier präsentierte Behandlung dieses Themas auf dem aktuelleren Artikel [HOSW1984] basiert. Die
für diesen Text wesentlichen Ergebnisse werden weitestgehend ohne Beweis angegeben.
8
1.3. Wigner-Funktionen
Die von Wigner in [Wig1932] eingeführte Verteilungsfunktion ist die nach (1.31) der Dichtematrix
ρ̂ entsprechende Wigner-Funktion
Z
π(q, p) = dy hq − y/2| ρ̂ |q + y/2i eipy/~. (1.32)
Da ρ̂ per Definition ein hermitescher Operator ist, muß π(q, p) eine reelle Funktion sein. Im Fall
von reinen Zuständen |ψi gilt ρ̂ = |ψi hψ|, so daß die Wigner-Funktion
Z
π(q, p) = dy ψ(q − y/2) ψ̄(q + y/2) eipy/~ (1.33)
lautet. Im Schrödinger-Bild hängt π(q, p) genau wie ψ(q) von der Zeit ab.
Wird Gleichung (1.32) über p integriert, so erhält man
Z
dp π(q, p) = 2π~ hq| ρ̂ |qi = 2π~|ψ(q)|2 (1.34)
als Normierungsbedingung3 .
gilt. Das Phasenraumintegral des punktweisen Produkts zweier Funktionen entspricht also der Spur
des Operatorprodukts der zugehörigen Operatoren.
Es stellt sich die Frage, ob es ein Produkt auf dem Phasenraum gibt, das direkt dem Opera-
torprodukt entspricht, ohne daß man das Integral bzw. die Spur bilden muß. Diese Frage wird in
Abschnitt 1.4 wieder aufgegriffen.
Entscheidend für eine quantenmechanische Theorie ist es, Erwartungswerte von Observablen
angeben zu können. Mit Gleichung (1.36) ist dies nun möglich, indem man g durch die Wigner-
Funktion π ersetzt: Z
dq dp f (q, p) π(q, p) = 2π~ tr(fˆρ̂) = 2π~hfˆi. (1.37)
Diese Gleichung wurde ursprünglich 1932 von Wigner [Wig1932] aufgestellt, konnte aber erst 1949
von Moyal [Moy1949] in ihrer vollen Allgemeinheit bewiesen werden.
3
R
Es ist zu beachten, daß in [HOSW1984] die Normierung dp dq π(q, p) = 1 benutzt wird. Daher tritt in (1.33) ein
anderer Vorfaktor als in Gleichung (2.2a) von [HOSW1984] auf.
9
1. Einführung in die Deformationsquantisierung
erhält.
SindRψ 1 (q) und ψ 2 (q) hingegen orthogonale Zustände, dann ergibt sich aus (1.38) die Glei-
chung dq dp π 1 (q, p) π 2 (q, p) = 0. Daher muß wenigstens eine der beiden Verteilungsfunktionen
an einigen Punkten des Phasenraums negativ sein, was eine direkte Interpretation als Wahrschein-
lichkeitsverteilungen verbietet.
Um mit den Wigner-Funktionen eine autonome Theorie der Quantenmechanik formulieren zu
können, benötigt man noch eine Bewegungsgleichung für diese Funktionen. Diese wird in Abschnitt
1.6 nachgeliefert.
10
1.4. Das Moyal-Produkt
wobei hier die Schreibweise der Poisson-Klammer aus Gleichung (1.8) auftritt.
Das Moyal-Produkt (1.41) kann auch auf einen 2n-dimensionalen Phasenraum erweitert werden:
à n ~ ~ !
i~ X ¡ ~ ¢
f ∗ g = f exp ∂ qi ∂pi − ∂ pi ∂~qi g. (1.45)
2
i=1
Obwohl in diesem Abschnitt nur das 2-dimensionale Moyal-Produkt behandelt wird, lassen sich
alle Regeln auch auf das Produkt (1.45) übertragen.
Bemerkung: Das Moyal-Produkt tritt implizit bereits in [vN1931] auf und wurde in [Gro1946]
wiederentdeckt. Der auf diesem Produkt basierende Kommutator (1.43) geht auf Moyal [Moy1949]
zurück. Für eine ausführlichere Übersicht der historischen Entwicklung sei auf den Anhang von
[Zac2002] verwiesen.
̺Weyl (f ∗ g) = ̺†Weyl (f ∗ g) = ̺†Weyl (g) ̺†Weyl (f ) = ̺Weyl (ḡ) ̺Weyl (f¯) = ̺Weyl (ḡ ∗ f¯), (1.46)
f ∗ g = ḡ ∗ f¯ (1.47)
erfüllt. Auf Grund dieser Eigenschaft nennt man das Moyal-Produkt hermitesch.
Da der Translationsoperator exp(y∂q ) angewendet auf f (q) eine Verschiebung des Funktionsar-
guments q → q + y bewirkt, ist es offensichtlich, daß man das Moyal-Produkt (1.41) auch in den
Formen
µ ¶ µ ¶ µ ¶ ~
i~ ~ i~ ~ i~ ~ i~
f (q, p) ∗ g(q, p) = f q + ∂p , p − ∂q g(q, p) = f q, p − ∂q g q, p + ∂ q (1.48)
2 2 2 2
~
angeben kann, wobei die Ableitungen ∂ und ∂~ nur auf f bzw. g wirken.
Auf Grund der Definition (1.43) ist die Moyal-Klammer offensichtlich antisymmetrisch:
ˆ ĝ ĥ] = ĝ[f,
Durch Anwendung der Weyl-Abbildung auf die bekannte Operatoridentität [f, ˆ ĥ]+[f,
ˆ ĝ]ĥ
folgt außerdem
[f, g ∗ h]∗ = g ∗ [f, h]∗ + [f, g]∗ ∗ h. (1.49b)
Genau wie das Operatorprodukt ist das Moyal-Produkt assoziativ, was in Unterabschnitt 1.4.4
explizit bewiesen wird. Zusammen mit der Antisymmetrie (1.49a) erhält man dann direkt die
Jacobi-Identität
[f, [g, h]∗ ]∗ + [g, [h, f ]∗ ]∗ + [h, [f, g]∗ ]∗ = 0 . (1.49c)
Die letzte drei Gleichungen zeigen, daß der Vektorraum der Funktionen auf dem Phasenraum mit
der Moyal-Klammer eine Lie-Algebra ist. Mit Hilfe von (1.44) kann man im Grenzfall ~ → 0 (bis
auf einige Faktoren) die Gleichungen (1.9) zurückgewinnen.
11
1. Einführung in die Deformationsquantisierung
die zuerst in [Bak1958] angegeben wurde, erweist sich in der Praxis oft als einfacher zu berechnen
als die Reihenentwicklung (1.41). Wie in [Zac2000a] gezeigt wurde, erlaubt die letzte Gleichung eine
geometrische Interpretation des Moyal-Produkts, auf die im folgenden auszugsweise eingegangen
wird.
Im R2 kann die orientierte Fläche eines Parallelogramms, das von x = (x1 , x2 )T und y = (y1 , y2 )T
aufgespannt wird, mit Hilfe des symplektischen Produkts
µ ¶ µ ¶ µ ¶
x1 y1 T 0 1
x∧y = ∧ = x1 y2 − x2 y1 = x Jy mit J= (1.51)
x2 y2 −1 0
bestimmt werden. Für die Fläche A(x, x′ , x′′ ) eines Dreiecks mit den Eckpunkten x = (q, p),
x′ = (q ′ , p′ ) und x′′ = (q ′′ , p′′ ) folgt daher
¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢
2A(x, x′ , x′′ ) = x′ − x ∧ x′′ − x = p q ′′ − q ′ + p′ q − q ′′ + p′′ q ′ − q , (1.52)
1.4.4. Assoziativität
Bildet man das Moyal-Produkt mit einer weiteren Funktion h, dann ergibt sich durch wiederholte
Anwendung von Gleichung (1.53)
Z µ ¶
1 ′′′ ′′′ ′′′ ′′′ 4i ′′′
[(f ∗ g) ∗ h] (q, p) = dq̃ dq dp̃ dp (f ∗ g)(q̃, p̃) h(q , p ) exp A(x, x̃, x )
~2 π 2 ~
Z
1
= dq ′ dq ′′ dq ′′′ dq̃ dp′ dp′′ dp′′′ dp̃ f (q ′ , p′ )g(q ′′ , p′′ )h(q ′′′ , p′′′ )
~4 π 4
µ ¶
4i £ ¤
× exp A(x̃, x′ , x′′ ) + A(x, x̃, x′′′ ) . (1.54)
~
Die Integration über q̃ und p̃ liefert zwei δ-Funktionen und man findet schließlich das Ergebnis
Z
1
[(f ∗ g) ∗ h] (q, p) = 2 2 dq ′ dq ′′ dq ′′′ dp′ dp′′ dp′′′ f (q ′ , p′ )g(q ′′ , p′′ )h(q ′′′ , p′′′ )
~ π
µ ¶
¡ ¢ ¡ ¢ 4i
×δ p − p′ + p′′ − p′′′ δ q − q ′ + q ′′ − q ′′′ exp A(x′ , x′′ , x′′′ ) , (1.55)
~
wobei die Details der Rechnung in Anhang A.2 zu finden sind. Die rechte Seite dieser Gleichung
nimmt keinen Bezug mehr auf die Klammerung der linken Seite, so daß damit die Assoziativität
des Moyal-Produkts
(f ∗ g) ∗ h = f ∗ (g ∗ h) = f ∗ g ∗ h (1.56)
explizit bewiesen wäre.
12
1.5. Sternprodukte und c-Äquivalenz
des Moyal-Produkts zeigen. Durch die Integration von Gleichung (1.53) über den gesamten Pha-
senraum gelangt man zu
Z Z µ ¶
′ ′′ ′ ′′ ′ ′ ′′ ′′ 2 ¡ ′ ′′ ′′ ′
¢
dq dp f ∗ g = dq dq dp dp f (q , p )g(q , p ) exp pq −p q
i~
Z µ ¶
1 2 ¡ ¡ ′′ ′
¢ ¡ ′ ′′
¢¢
× 2 2 dq dp exp q p −p +p q −q , (1.58)
~ π i~
wobei sich die zweite Zeile auf das Produkt der beiden δ-Funktionen δ(p′′ − p′ ) und δ(q ′ − q ′′ )
reduziert, so daß sofort das Ergebnis (1.57) folgt.
In (1.36) wurde bereits
Z
dq dp f g = 2π~ tr(fˆĝ) mit fˆ = ̺Weyl (f ) und ĝ = ̺Weyl (g) (1.59)
13
1. Einführung in die Deformationsquantisierung
verlangt.
Die erste Gleichung (1.63a) sorgt dafür, daß das Sternprodukt im Grenzfall ~ → 0 in die punkt-
weise Multiplikation
lim (f ∗ g) (x) = (f g) (x) = f (x) g(x) (1.64)
~→0
übergeht, wobei x wie in Unterabschnitt 1.1.2 für die Gesamtheit aller Phasenraumkoordinaten qi
und pi steht. Im Sinne von Gerstenhaber [Ger1964] kann man das Sternprodukt als eine Defor-
mation der punktweisen Multiplikation ansehen, wobei ~ der Deformationsparameter ist. Aus der
zweiten Gleichung (1.63b) folgt
1
lim [f, g]∗ = {f, g} (1.65)
~→0 i~
und die dritte Gleichung (1.63c) gewährleistet die Assoziativität des Sternprodukts:
(f ∗ g) ∗ h = f ∗ (g ∗ h) . (1.66)
Der Koeffizient C0 (f, g) ist durch Gleichung (1.63a) bereits eindeutig definiert.
führt. Um das Moyal-Produkt von anderen Sternprodukten unterscheiden zu können, wurde es mit
einem Index M versehen.
Wie in Unterabschnitt 1.4.1 gezeigt wurde, entspricht das Moyal-Produkt der Weyl-Ordnung
von Operatoren. Dieses Produkt zeichnet sich dadurch gegenüber anderen Sternprodukten aus,
daß es hermitesch (1.47) ist und die Spureigenschaft (1.57) besitzt.
Für den Phasenraum M = R2 lautet C1 in kanonischen Koordinaten
~ ~
1 ¡ ¢
C1 (f, g) = f ∂ q ∂~p − ∂ p ∂~q g (1.69)
2
und daher nimmt das Moyal-Produkt die in Gleichung (1.41) angegebene Form
¡ ~¢ ~
~ ~
f ∗M g = f ei~ ∂ q ∂p −∂ p ∂q /2 g (1.70)
an.
Die Definition des Sternprodukts durch die Gleichungen (1.62) und (1.63) ist nicht eindeutig.
Tatsächlich wird die Bedingung (1.63b) auch von
~
C1 (f, g) = f ∂ q ∂~p g (1.71)
14
1.6. Bewegungsgleichungen
gelangt.
Auch für das Standardprodukt gibt es ein kommutatives Diagramm (1.40), allerdings muß man
̺Weyl durch eine Abbildung ersetzen, die einer anderen Operatorordnung als der Weyl-Ordnung
(1.17) entspricht. Tatsächlich gilt
wobei die durch ̺St erzeugte Ordnung Standardordnung genannt wird. Darauf ist auch die Na-
mensgebung des Standardprodukts zurückzuführen.
1.5.3. c-Äquivalenz
Zwei Sternprodukte nennt man c-äquivalent, wenn es einen umkehrbaren Übersetzungsoperator T
gibt, so daß
T (f ∗′ g) = (T f ) ∗ (T g) (1.74)
gilt. Der Operator T muß von der Form
∞
X
T =1+ ~k Tk (1.75)
k=1
1.6. Bewegungsgleichungen
Es wurde bereits gezeigt, daß man mit Wigner-Funktionen Quantenzustände auf dem Phasenraum
beschreiben kann. Um sich aber von der Formulierung der Quantenmechanik auf dem Hilbert-Raum
vollständig lösen zu können, muß man noch eine Bewegungsgleichung für die Wigner-Funktionen
finden, die die Schrödinger-Gleichung (1.11) ersetzen kann. Es wird sich zeigen, daß dazu das
Moyal-Produkt bzw. die Moyal-Klammer ein nützliches Werkzeug ist.
umformen, wobei hier die Wigner-Funktion in der Form (1.33) auftritt. Da das Moyal-Produkt
hermitesch ist, folgt aus Gleichung (1.78) durch komplexe Konjugation direkt der zweiten Term
von (1.77): Z
dy hq − y/2| ρ̂(t)Ĥ(t) |q + y/2i eipy/~ = π(q, p; t) ∗ H(q, p; t). (1.79)
15
1. Einführung in die Deformationsquantisierung
Bemerkung: Gleichung (1.80) kann man mit der Definition des Moyal-Produkts (1.41) zu
~ ~
∂ 2 ~¡ ¢
π(q, p; t) = H(q, p; t) sin ∂ q ∂~p − ∂ p ∂~q π(q, p; t) (1.81)
∂t ~ 2
umformen. Mit dieser Gleichung konnte Moyal [Moy1949, Gl. (7.8)] bereits 1949 eine eigenständige
Quantentheorie auf Basis der Wigner-Funktionen formulieren.
16
1.7. Das Sternexponential
so daß aus (1.30) direkt die sogenannte Sterneigenwertgleichung (engl.: ∗-genvalue equation“)
”
H(q, p) ∗ π(q, p) = E π(q, p) (1.91)
Da beide Integrale reell sind, muß dies auch für E gelten. Auf Grund der Hermitezität des Moyal-
Produkts (1.47) erhält man mit der Gleichung (1.91)
H(q, p) ∗ π(q, p) = E π(q, p) = E π(q, p) = H(q, p) ∗ π(q, p) = π(q, p) ∗ H(q, p), (1.93)
17
1. Einführung in die Deformationsquantisierung
angegeben werden. In [BFF+ 1978b] wird die zentrale Rolle des Sternexponentials in der Spektral-
theorie betont. Es bestimmt durch die Fourier-Dirichlet-Entwicklung
X
Exp (Ht) = π E e−iEt/~ (1.95)
E
das Spektrum der Eigenwerte E zur Hamilton-Funktion H, wobei im Fall eines kontinuierlichen
Spektrums die Summe in (1.95) durch eine Integration zu ersetzen ist. Die Funktion π E wird
[BFF+ 1978b] von nun an Projektor zum Eigenwert E genannt.
Setzt man die Fourier-Dirichlet-Entwicklung (1.95) in (1.82) ein, so zeigt die Rechnung
d X !
X
i~ Exp (Ht) = Eπ E e−iEt/~ = H ∗ Exp (Ht) = H ∗ π E e−iEt/~ (1.96)
dt
E E
durch Vergleich der Koeffizienten der Entwicklung, daß die Projektoren die Sterneigenwertglei-
chung6
H ∗ πE = E πE (1.97)
erfüllen, die bereits in (1.91) aufgetreten ist. Da die beiden Faktoren des Produkts H ∗ Exp (Ht)
offensichtlich vertauschen, erhält man mit der Fourier-Dirichlet-Entwicklung (1.95) außerdem noch
H ∗ π E = π E ∗ H, (1.98)
so daß offensichtlich
π E ∗ π E ′ = δ E,E ′ π E (1.101)
gelten muß. Zusammen mit der Vollständigkeitsrelation
X
π E = 1, (1.102)
E
die man für t = 0 aus (1.95) erhält, zeigt dies die Projektoreigenschaft der π E und rechtfertigt
somit deren Bezeichnung.
Mit (1.98) folgt aus (1.97) durch komplexe Konjugation
H ∗ π̄ E = Ē π̄ E . (1.103)
Wenn π E Lösung der Gleichung (1.97) mit dem Eigenwert E ist, dann ist π̄ E = π Ē eine Lösung mit
Eigenwert Ē. In physikalisch sinnvollen Situationen ist E reell, so daß π E und π̄ E identisch sind.
Daraus folgt, daß π E eine reelle Funktion ist. Wie aber bereits in Unterabschnitt 1.6.3 festgestellt
6
Die Sterneigenwertgleichung tritt in [BFF+ 1978b] nicht auf.
18
1.7. Das Sternexponential
wurde, handelt es sind bei den reellen Lösungen der Sterneigenwertgleichung (1.97) bzw. (1.91)
gerade um die Wigner-Funktionen.
Integriert man die Gleichung π E ∗π E = π E unter Berücksichtigung von (1.57) über den gesamten
Phasenraum, dann erhält man (1.39) zurück. Da diese nicht-lineare Gleichung die Normierung der
Wigner-Funktionen impliziert, sind auch die hier definierten Projektoren gemäß
Z
1
Tr(π E ) = dq dp π E = 1, (1.104)
2π~
normiert, wobei hier die Definition der Phasenraumspur Tr(. . .) aus (1.61) Verwendung findet.
Damit ist die Zusammenfassung der Deformationsquantisierung weitgehend abgeschlossen. Zum
Vergleich mit dem Operatorformalismus werden in Tabelle 1.1 einige wesentliche Gleichungen ge-
genübergestellt.
Operatorformalismus Deformationsquantisierung
¡ ¢†
Adjungieren fˆĝ = ĝ † fˆ† f ∗ g = ḡ ∗ f¯
∂ £ ¤ ∂
Bewegungsgleichung i~ ρ̂(t) = Ĥ(t), ρ̂(t) i~ π(t) = [H(t), π(t)]∗
∂t ∂t
zeitunabhängige Ĥ ρ̂ = E ρ̂ H ∗π = Eπ
Bewegungsgleichung mit ρ̂† = ρ̂ mit π̄ = π
dfˆH 1 £ˆ ¤ ∂ fˆH df 1 ∂f
im Heisenbergbild = fH , Ĥ + = [f, H]∗ +
dt i~ ∂t dt i~ ∂t
Z
® ¡ ¢ dq dp
Erwartungswert fˆ = tr fˆρ̂ hf i = Tr(f π) = fπ
2π~
−iHt/~
Zeitentwicklung Û (t) = e−iĤt/~ U (t) = e∗ = Exp (Ht)
Tabelle 1.1.: Vergleich der Operatorformulierung der Quantenmechanik und der Deformations-
quantisieren. Bei fˆ = ̺Weyl (f ) und ĝ = ̺Weyl (g) handelt es sich um die zu f und
g korrespondierenden Operatoren.
Abhängig von der Wahl der Schrödinger- oder Heisenberg-Darstellung kann entweder π(q, p) oder
f (q, p) von der Zeit abhängen. Für die folgende Herleitung der Unschärferelation dient der Artikel
[Zac2002] als Grundlage.
Obwohl der Projektor π(q, p) negative Werte annehmen kann, gilt
®
f ∗ f¯ ≥ 0. (1.106)
19
1. Einführung in die Deformationsquantisierung
Hier wurden die Eigenschaften (1.47), (1.56) und (1.57) des Moyal-Produkts benutzt.
Im Anhang A.4 wird gezeigt, wie aus (1.106) die Heisenbergsche Unschärferelation
~ p p
∆q ∆p ≥ mit ∆q = h(q − hqi)2 i und ∆p = h(p − hpi)2 i (1.108)
2
folgt.
1.8. Interpretation
In diesem Abschnitt wird die Interpretation des zuvor diskutieren Formalismus klargestellt und
die Verbindung zur klassischen Mechanik verdeutlicht. Als Grundlage dazu dient Abschnitt 2 (b)
aus [BFF+ 1978b].
In der klassischen Mechanik übernehmen die Größen q und p eine Doppelrolle:
• Einerseits stellen sie Elemente einer Poisson-Algebra mit {q, p} = 1 dar und
Zustand: Ein physikalischer Zustand wird durch eine (zeitunabhängige) Wigner-Funktion π(q, p)
repräsentiert, die die Anfangsbedingungen angibt. Im Fall einer zeitunabhängigen Hamilton-
Funktion sind die Wigner-Funktionen Lösungen der Sterneigenwertgleichung (1.91)
Observable: Eine Observable f (q, p; t) ist eine glatte Funktion auf dem Phasenraum. Ihre Zeitab-
hängigkeit wird durch die Bewegungsgleichung (1.86)
d 1 ∂
f (q, p; t) = [f (q, p; t), H(q, p)]∗ + f (q, p; t) (1.110)
dt i~ ∂t
bestimmt. Man beachte dabei, daß es sich bei den Argumenten q und p um die Koordinaten
eines beliebigen Punktes auf dem Phasenraum handelt und nicht um Funktionen, die eine
Trajektorie beschreiben.
Meßwert: Befindet sich ein System in einem Zustand, der durch die Wigner-Funktion π(q, p)
beschrieben wird, dann liefert die Gleichung (1.105)
Z
1
hf it = Tr (f π) = dq dp f (q, p; t) π(q, p) (1.111)
2π~
den Erwartungswert für eine Messung der Observablen f zum Zeitpunkt t. Das tatsächliche
Meßergebnis unterliegt einer quantenmechanischen Unschärfe und kann daher vom Erwar-
tungswert abweichen.
Die Bewegungsgleichung (1.110) stellt eine Brücke zwischen der klassischen Mechanik und der
Formulierung der Quantenmechanik auf dem Hilbert-Raum dar, was in
20
1.8. Interpretation
verdeutlicht wird.
Im Grenzfall ~ → 0 gelangt man daher von (1.110) zur klassischen Bewegungsgleichung. Da aber
die Observable f aus der Deformationsquantisierung keine Vorhersage für den Meßwert erlaubt,
kann sie nicht direkt mit einer klassischen Größe verglichen werden. Es stellt sich daher die Frage,
auf welche Weise man im Grenzfall ~ → 0 die klassische Mechanik zurückerhält. Wie Gleichung
(1.111) zeigt, müssen die Wigner-Funktionen für den klassischen Grenzfall bestimmt werden, um
den Erwartungswert hf it angeben zu können.
Zunächst wird die Verteilungsfunktion
Z
π(q, p)
ρ(q, p) = mit dq dp ρ(q, p) = 1 (1.113)
2π~
definiert, wobei die letzte Gleichung aus (1.35) folgt. Für ~ = 0 erhält man dann aus (1.109)
wobei ′ ′
R q und p beliebige Zahlen sind7 . Bei δ(x) handelt es sich um die übliche Dirac-δ-Distribution
mit dx f (x) δ(x − x ) = f (x′ ), so daß die Normierungsbedingung (1.113) offensichtlich erfüllt ist.
′
Als Beispiel sei nun die Observable f = q für ein freies Teilchen mit H = p2 /2m betrachtet. Nach
Gleichung (1.87) besitzt f = q die gleiche Zeitentwicklung, die auch in der klassischen Mechanik
gültig ist, d. h.
p
q(t) = q + t. (1.116)
m
Im Spezialfall ~ = 0 wird das System durch die Verteilungsfunktion ρ aus Gleichung (1.115)
bestimmt, wobei q ′ und p′ vorgegebene reelle Zahlen sind. Als Erwartungswert für die Observable
q zum Zeitpunkt t erhält man daher gemäß (1.111)
Z Z ³ p ´ p′
hqit = dq dp q(t) ρ = dq dp q + t δ(q − q ′ ) δ(p − p′ ) = q ′ + t. (1.117)
m m
• Im klassischen Grenzfall kann man die Koordinaten des Phasenraums q, p mit den vorgege-
benen Zahlenwerten q ′ , p′ identifizieren, wie der Vergleich von (1.116) und (1.117) zeigt.
• Außerdem ist hqit eine klassische Trajektorie, da die Messung für ~ = 0 keiner Unschärfe
unterliegt (siehe Unterabschnitt 1.7.3).
Letzteres wird auch daran deutlich, daß ρ bis auf einen Punkt im Phasenraum Null ist. Die
Mittelung in (1.117) ist praktisch keine und entspricht nur einem Einsetzen der Anfangswerte q ′
und p′ .
Somit kann man schließlich feststellen, daß die Deformationsquantisierung im klassischen Grenz-
fall die übliche klassische Mechanik liefert.
7
Man beachte, daß H(q, p) eine Funktion auf dem Phasenraum ist, aber E = H(q ′ , p′ ) für vorgegebene Wert von
q ′ und p′ eine konstante Zahl.
21
2. Der harmonische Oszillator
Als erste Anwendung der Deformationsquantisierung soll der harmonische Oszillator dienen, der
durch die Hamilton-Funktion
p2 mω 2 2
H= + q (2.1)
2m 2
charakterisiert wird. Da es sich um ein eindimensionales System handelt, hat das Moyal-Produkt
die in (1.41) angegebene Form.
Dieses Kapitel besteht aus zwei Teilen. Im ersten Abschnitt werden die Wigner-Funktionen
bestimmt und im zweiten deren Projektoreigenschaften.
1. Zuerst werden die Wigner-Funktionen mit Hilfe von Gleichung (1.33) aus den bekannten
Eigenzuständen in der Ortsraumdarstellung berechnet,
2. dann werden sie als Lösungen einer Differentialgleichung bestimmt, die man aus der Sternei-
genwertgleichung (1.91) erhält,
4. und schließlich bestimmt man die Projektoren über die Fourier-Dirichlet-Entwicklung (1.95)
des Sternexponentials (1.94).
Anhand des harmonischen Oszillators soll die Äquivalenz dieser vier Lösungswege demonstriert
und die Methoden der Deformationsquantisierung an einem expliziten Beispiel illustriert werden.
Darüber hinaus wird im vierten Lösungsweg gezeigt, wie das umbrale Kalkül im Sternprodukt-
formalismus sinnvoll angewendet werden kann. Dies legt die Vermutung nahe, daß man dieses
Vorgehen auch für andere Problemstellungen bzw. andere Sternprodukte als das Moyal-Produkt
verallgemeinern kann. Obwohl die Verwendung des umbralen Kalküls im Kontext der Deformati-
onsquantisierung noch nicht diskutiert wurde, wird dieser Punkt nicht weiter vertieft, da dies zu
weit vom Thema abweichen und außerdem den Rahmen dieser Diplomarbeit sprengen würde.
bestimmt werden, wobei der Rechnung aus [HOSW1984, S. 143f.] gefolgt wird. Die bekannten
Eigenzustände des harmonischen Oszillators kann man mit Hilfe der Hermite-Polynome [Weia]
2 2
Hn (x) = (−1)n ex ∂xn e−x (2.3)
23
2. Der harmonische Oszillator
Im letzten Schritt wurde z = αy definiert und die Relation Hn (−x) = (−1)n Hn (x) benutzt.
Mit der Gleichung
Z
√ ¡ ¢
dz Hn (z − a) Hn (z + a) e−(z −2ibz ) = 2n πn!e−b Ln 2(a2 + b2 )
2 2
(2.6)
erhält. Die Graphen für den Grundzustand sowie für die ersten drei angeregten Zustände sind in
Abbildung 2.1 dargestellt.
schreiben. Mit
µ ¶2 µ ¶2
i~ ~2 i~ ~ ~2 2
p − ∂~q = p2 − ∂q2 − i~p∂q und q+ ∂p = q2 − ∂ + i~q∂p (2.10)
2 4 2 4 p
24
2.1. Bestimmung der Wigner-Funktionen
2 2
1 1
0 0
-1 -1
-2 -2
-4 -4 -4 -4
-2 -2 -2 -2
0 0 0 0
q 2 2 p q 2 2 p
4 4 4 4
2 2
1 1
0 0
-1 -1
-2 -2
-4 -4 -4 -4
-2 -2 -2 -2
0 0 0 0
q 2 2 p q 2 2 p
4 4 4 4
Abbildung 2.1.: Graphische Darstellungen der ersten vier Wigner-Funktionen des harmonischen
Oszillators. Dabei wurde formal ~ = 1, 2m = 1 und ω = 2 gewählt, so daß
H = p2 + q 2 gilt. Die Definition von π n ist z. B. in Gleichung (2.8) zu finden. Die
Wigner-Funktion des Grundzustands ist die einzige, die keine negativen Werte
annimmt.
Aus der letzten Gleichung folgt, daß π nur von H bzw. von der dimensionslosen Variablen
2H p2 mω 2
x= = + q (2.12)
~ω m~ω ~
abhängt. Daher kann man die erste Gleichung aus (2.11) mit
2p 2mωq ~ω
∂p π(x) = ∂x π(x) , ∂q π(x) = ∂x π(x) und E= ε (2.13)
m~ω ~ 2
als Differentialgleichung in x schreiben:
~ω ¡ ¢ ~ω
x − ∂x − x∂x2 π = εE ⇔ xπ ′′ + π ′ + (ε − x) π = 0, (2.14)
2 2
wobei π ′ und π ′′ für die erste bzw. zweite Ableitung nach x steht.
Wählt man den Ansatz π(x) = e−x ϕ(x), dann folgt aus
¡ ¢ ¡ ¢
π ′ = e−x ϕ′ − ϕ und π ′′ = e−x ϕ′′ − 2ϕ′ + ϕ ,
25
2. Der harmonische Oszillator
Gleichung (2.15) wird durch die Laguerre-Polynome Ln (2x) gelöst [Weib], wobei verlangt werden
muß, daß n = (ε − 1) /2 eine nicht-negative ganze Zahl ist. Die unnormierten Eigenfunktionen
µ ¶ µ ¶
−x 2H 4H
π n (x) ∝ e Ln (2x) ⇔ π n ∝ exp − Ln (2.16)
~ω ~ω
haben daher die Energieeigenwerte
µ ¶
1
En = ~ω n + . (2.17)
2
Die Normierung der Wigner-Funktionen wird im nächsten Unterabschnitt vorgenommen.
folgen2 .
Mit der Definition der Besetzungszahlfunktion
~
N = ā ∗ a = āa − (2.22)
2
gelangt man zur Hamilton-Funktion
µ ¶
~
H = ωāa = ω N + , (2.23)
2
so daß jede Lösung von
N ∗ π = ~nπ (2.24)
mit reellem n auch eine Lösung der Sterneigenwertgleichung (1.91) in der Form
H ∗ π n = En π n (2.25)
26
2.1. Bestimmung der Wigner-Funktionen
was zu zeigen war. Die Energiewerte En der Lösungen π n von (2.25) lauten daher
µ ¶
1
En = ~ω n + . (2.30)
2
Um die Analogie der holomorphen Variablen ā und a zu den Erzeugungs- bzw. Vernichtungs-
operatoren zu verdeutlichen, sei noch auf die Gültigkeit der beiden Gleichungen
hingewiesen. Die erste Gleichung folgt direkt aus (2.29), wenn man n durch n + 1 ersetzt. Die
zweite Gleichung ergibt sich, indem man (2.28) vom rechts mit ā multipliziert, wobei die zweite
Kommutatorregel aus (2.21) zu beachten ist.
Schließlich sind die Wigner-Funktionen noch entsprechend der Vorschrift aus Gleichung (1.35),
also Z
dq dp π n = 2π~, (2.32)
zu normieren, wobei in der letzten Gleichung die Integration über den gesamten Phasenraum zu
erfolgen hat. Als erster Schritt wird gezeigt, daß bei normiertem π 0 auch alle anderen Wigner-
Funktionen π n , die durch (2.27) definiert sind, der Gleichung (2.32) gehorchen.
Mit der Spureigenschaft (1.57) folgt aus Gleichung (2.29) für n ≥ 1 die Rekursionsformel
Z Z Z Z
N 1
dq dp π n = dq dp ∗ πn = dq dp a ∗ π n ∗ ā = dq dp π n−1 , (2.33)
~n ~n
aus der sich direkt die Behauptung ergibt. Es bleibt noch übrig, den Normierungsfaktor von π 0 ∝
e−2āa/~ = e−2H/~ω zu bestimmen. Der Rechnung
Z µZ ¶ µZ ¶ r
−2H/~ω −p2 /~ωm −mωq 2 /~
√ π~
dq dp e = dp e · dq e = π~ωm · = π~ (2.34)
mω
entnimmt man durch Vergleich mit (1.35), daß die normierte Wigner-Funktion des Grundzustands
lautet.
Zum Vergleich mit dem vorhergehenden Ergebnis (2.8) soll mit Hilfe von (2.35) und (2.27) eine
explizite Darstellung aller Lösungen gefunden werden. Mit der Darstellung des Moyal-Produkts
(2.19) nimmt die Wigner-Funktionen aus (2.27) die Gestalt
µ ¶ µ ¶n ~
2 ~ ~ n −2āa/~ ~
πn = n ā − ∂a e a − ∂ ā (2.36)
~ n! 2 2
27
2. Der harmonische Oszillator
an, wobei der Bopp-Shift“ (1.48) verwendet wurde und daher alle hier auftretenden Ableitungen
”
nur auf e−2āa/~ wirken. Auf Grund der Beziehung −(~/2)∂ā e−2āa/~ = a e−2āa/~ kann die rechte
Klammer durch 2a ersetzt werden, womit man nach der Variablensubstitution x = 2āa/~ = 2H/~ω
µ ¶n ³ ´
2 ~ 2 ¡ ¢
πn = n ā − ∂a (2a)n e−2āa/~ = (−1)n (∂x − 1)n xn e−x (2.37)
~ n! 2 n!
erhält. Die Rechnung
liefert eine Operatoridentität, mit dessen Hilfe man die Wigner-Funktionen aus (2.37) in der Form
x
µ ¶
n e n
¡ n −2x ¢ n −2H/~ω 4H
π n = 2 (−1) ∂ x e = 2 (−1) e Ln (2.39)
n! x ~ω
schreiben kann, wobei hier wiederum die Rodrigues-Formel Ln (x) = ex ∂xn (xn e−x ) /n! für die
Laguerre-Polynome verwendet wurde.
angegeben werden, wobei die Aufgabe darin besteht, die Folge der y k∗ zu bestimmen. Mit dem
Sternexponential in der Form (2.19) erhält man aus der Rechnung für l ≥ 1
µ ¶µ ¶µ ¶l µ ¶µ ¶l
l 2 ~ ~ 2 1 2 ~ 2
y∗y = ā − ∂a a + ∂ā āa = l+1 āa − a∂a + ā∂ā − ∂a ∂ā āa
i~ 2 2 i~ i ~ 2 ~
µ ¶l+1 µ ¶l µ ¶l+1 µ ¶l−1
2 1 ~ 2 2 2
= āa − l+1 ∂a ∂ā āa = i āa + l2 āa (2.41)
i~ i 2 ~ i~ i~
die Gleichung (
l
y l+1 + l2 y l−1 , für l ≥ 1
y∗y = . (2.42)
y , für l = 0
Die Anfangsbedingung für die Folge y k∗ lautet y 0∗ = 1, so daß auf Grund von (2.42) auch alle
weiteren Folgeglieder Polynome in y sind. Da der Grad von y k∗ gemäß (2.42) bei jedem Rekursi-
onsschritt y (k+1)∗ = y ∗ y k∗ genau k∗
Pk um einsl erhöht wird, ist y ein Polynom der Ordnung k und
k∗
kann daher in der Form y = l=0 Ak,l y angegeben werden.
Mit der Anfangsbedingung und der Vorschrift (2.42) ist jedes Folgeelement y k∗ eindeutig be-
stimmt, z.B. lauten die ersten sechs Glieder dieser Folge
y 0∗ = 1 , y 1∗ = y , y 2∗ = y 2 + 1, (2.43a)
¡ ¢
y 3∗ = y 3 + 4y + y = y 3 + 5y, (2.43b)
¡ ¢ ¡ ¢
y 4∗ = y 4 + 9y 2 + 5 y 2 + 1 = y 4 + 14y 2 + 5 (2.43c)
¡ ¢ ¡ ¢
und y 5∗ = y 5 + 16y 3 + 14 y 3 + 4y + y = y 5 + 30y 3 + 61y, (2.43d)
28
2.1. Bestimmung der Wigner-Funktionen
wobei die Terme in den KlammernP mit Hilfe der Gleichung (2.42) bestimmt wurden. Die Koeffizien-
ten Ak,l der Darstellung y k∗ = kl=0 Ak,l y l sind als Folge A060058 4 in der On-Line Encyclopedia
”
of Integer Sequences“ von N. J. A. Sloane bekannt.
Im folgenden wird mit Methoden des umbralen Kalküls [Rom1984] gezeigt, daß (2.40) die Rei-
henentwicklung der Funktion (cos T )−1 ey tan T ist. Dazu werden zuerst die dafür benötigten Defi-
nitionen und Sätze angegeben, die auch in [Weic] zu finden sind.
Gegeben sei ein Paar von analytischen Funktionen g(t) und f (t), deren Taylor-Entwicklung mit
einem Term proportional zu 1 bzw. t anfängt. Durch die Entwicklung [Rom1984, S. 18]
∞
1 yf −1 (t)
X tk
e = sk (y) (2.44)
g(f −1 (t)) k!
k=0
wird eine Folge von Polynomen sk (y) der Ordnung k definiert, die Sheffer-Polynome 5 zu (g(t), f (t))
genannt werden. Das einfachste Beispiel ist sk (y) = y k als Sheffer-Folge zu (1, t).
Die Sheffer-Polynome erfüllen die Rekursionsgleichung [Rom1984, S. 50]
µ ¶ ¯
g ′ (t) 1 ¯¯
sk+1 (y) = y − sk (y), (2.45)
g(t) f ′ (t) ¯t=∂y
wobei der Ausdruck, der von t abhängt, zuerst als Polynom zu schreiben ist und anschließend t
∂
durch ∂y = ∂y ersetzt werden muß. Unabhängig von g und f gilt s0 (y) = 1, was als Anfangsbe-
dingung für die Rekursion dient.
Da die Funktionen
1 1 ¡ ¢ 1 ¡ ¢
g(t) = √ = 1 − t2 + O t4 und f (t) = arctan t = t − t3 + O t5 (2.46)
1 + t2 2 3
die oben diskutierten Voraussetzungen erfüllen, ist die Funktion
∞
1 −1 (t) 1 1 y tan t X tk
eyf =√ ey tan t = e = sk (y) (2.47)
g(f −1 (t)) 1 + tan2 t cos t k!
k=0
gemäß (2.44) Erzeugende von Sheffer-Polynomen sk (y), die durch die Gleichung (2.45) bestimmt
werden können. Mit den Ableitungen
1¡ ¢− 3 −t 1
g ′ (t) = − 1 + t2 2 2t = g(t) und f ′ (t) = (2.48)
2 1 + t2 1 + t2
erhält man die Rekursionsgleichung
µ ¶ ¯
t ¡ ¢¯
2 ¯
sk+1 (y) = y+ 1+t ¯ sk (y)
1 + t2 t=∂y
¡ ¢¯
= y(1 + t2 ) + t ¯t=∂y sk (y)
¡ ¢
= y + (y∂y + 1) ∂y sk (y). (2.49)
29
2. Der harmonische Oszillator
die von derselben Form wie (2.42) ist. Da auch das erste Folgeglied für l = 0 übereinstimmt, sind
die beiden Folgen y k∗ und sk (y) identisch. Daher handelt es sich bei y k∗ um die Sheffer-Folge sk (y)
zu den beiden Funktionen g und f aus (2.46). Durch Vergleich der Gleichungen (2.40) und (2.47)
folgt dann die Behauptung
µ ¶
1 y tan T 1 2H ωt
Exp(Ht) = e = exp tan . (2.52)
cos T cos ωt
2
i~ω 2
Um aus dem Sternexponential Exp(Ht) die Wigner-Funktionen π n (ā, a) zu gewinnen, muß noch
eine Fourier-Dirichlet-Entwicklung gemäß (1.95) durchgeführt werden. Setzt man voraus, daß die
Energieniveaus En = ~ω (n + 1/2) aus Gleichung (2.30) bereits bekannt sind, dann ist die Fourier-
Dirichlet-Entwicklung von der Form
X ∞
X
Exp (Ht) = π n e−iEn t/~ = e−iωt/2 (−1)n π n (h(t))n mit h(t) = −e−iωt , (2.53)
n n=0
wobei sich das negative Vorzeichen von h(t) später als günstig erweisen wird. Die trigonometrischen
Funktionen in Gleichung (2.52) können in
ωt 1 ωt 1+h 2h
cos = eiωt/2 (1 − h) und i tan = =1+ (2.54)
2 2 2 1−h 1−h
umgeformt werden, so daß sich das Sternexponential durch
µ µ ¶¶ µ ¶
2e−iωt/2 2H 2h −iωt/2 −2H/~ω 1 4H h
Exp(Ht) = exp − 1+ =e 2e exp (2.55)
1−h ~ω 1−h 1−h ~ω h − 1
ausdrücken läßt.
Der Vergleich mit Gleichung (2.44) zeigt, daß (1 − h)−1 exp[zh/(h − 1)] die Erzeugende der
Sheffer-Polynome sn (z) zu µ ¶
1 h
(g, f ) = , (2.56)
1−h h−1
ist, wobei es sich laut [Rom1984] und [Weib]6 bei sn (z)/n! gerade um die Laguerre-Polynome Ln (z)
handelt. Daher ist die gesuchte Entwicklung
∞ µ ¶
X 4H
Exp(Ht) = e−iωt/2 2e−2H/~ω Ln (h(t))n (2.57)
~ω
n=0
und durch einen Vergleich mit (2.53) liest man ab, daß die Wigner-Funktionen π n gerade
µ ¶
n −2H/~ω 4H
π n = 2 (−1) e Ln (2.58)
~ω
lauten7 . Das Ergebnis ist also identisch mit der normierten Lösung der Sterneigenwertgleichung,
die bereits in Gleichung
P (2.8) bzw. (2.39) angegeben wurde. Nach Gleichung (1.102) gilt die Voll-
ständigkeitsrelation ∞n=0 π n = 1, was beweist, daß tatsächlich alle Wigner-Funktionen gefunden
wurden.
6
Hier wird von der Definition aus [Rom1984, S. 108ff.] abgewichen und wie in [Weib] die üblichere Normierung
Ln (0) = 1 verwendet.
7
Da man hier zwei verschiedene Sheffer-Entwicklungen der (im wesentlichen) gleichen Funktion macht, wäre es
interessant zu klären, ob man durch die Transfer-Formel (Roman, Seite 50ff., insb. Theorem 3.8.3) direkt von den
Sheffer-Polynomen y k∗ zu den Projektoren π n gelangen kann. Dieser Ansatz wird hier aber nicht weiter verfolgt.
30
2.2. Projektoreigenschaft der Wigner-Funktionen
unterschieden werden.
Wegen der aus den Gleichungen (2.24) und (2.26) bekannten Eigenschaften N ∗ π 0 = 0 bzw. a ∗
π 0 = π 0 ∗ ā = 0, ist daher π n ∗ π n′ nur dann von Null verschieden, wenn n′ = n gilt, so daß sich
Gleichung (2.59) auf
n
1 n Y 1
π n ∗ π n′ = δ n,n′ 2 ā ∗ π 0 ∗ j ∗ π 0 ∗ an = δ n,n′ ān ∗ π 0 ∗ π 0 ∗ an = δ n,n′ π n (2.65)
(n!) n! | {z }
j=1 π0
reduziert. Da der letzte Schritt nur unter der Annahme möglich war, daß Gleichung (2.26) zutrifft,
ist die Behauptung bewiesen.
In den folgenden drei Unterabschnitten wird die Projektoreigenschaft (2.61) jeweils mit verschie-
denen Methoden bestätigt:
1. Als erstes wird die Gleichung (2.61) über die Vernichtereigenschaft a ∗ π 0 = 0 bewiesen.
Dazu ist π 0 als Reihe in normalgeordneten Termen zu entwickeln, wobei hier wiederum das
umbrale Kalkül zum Einsatz kommt.
31
2. Der harmonische Oszillator
2. Dann wird die Projektoreigenschaft durch direkte Rechnung mit der Reihendarstellung des
Moyal-Produkts (2.19) gezeigt.
3. Abschließend soll gezeigt werden, wie man (2.61) durch die Integraldarstellung des Moyal-
Produkts (1.50) beweisen kann.
als Summe von normalgeordneten Termen proportional zu āk ∗ ak schreiben kann. In dem Produkt
2e−ξ2āa/~ ∗ π 0 muß man dann nur die Terme mit k = 0 berücksichtigen. Die übrigbleibende Reihe
über n sollte dann gemäß (2.61) für ξ → 1 gerade den skalaren Faktor 1 ergeben. Zuerst wird
hergeleitet, wie man āk ∗ ak als Polynom in āa schreiben kann, und anschließend wird daraus mit
Methoden des umbralen Kalküls die Reihenentwicklung von (āa)n in āk ∗ ak gefolgert.
Ähnlich wie in Gleichung (2.37) kann man die Umformungen
µ ¶k µ ¶ µ ¶
2 2 k ~
− āk ∗ ak = − ā − ∂a ak = (∂x − 1)k xk (2.67)
~ ~ 2
durchführen und anschließend die Operatoridentität (2.38) in der Form (∂x − 1)n = ex ∂xn e−x be-
nutzen, um schließlich
µ ¶
2 k k ³ ´
− ā ∗ ak = ex ∂xn xk e−x = k!Lk (x) (2.68)
~
zu erhalten, wobei die Rodrigues-Formel für die Laguerre-Polynome Ln (x) = ex ∂xn (xn e−x ) /n!
erneut verwendet wurde. Um aus Gleichung (2.68) eine Darstellung von x als Summe über āk ∗ ak
herleiten zu können, werden folgende Definitionen und Sätze zur Umbral-Theorie von den Seiten
41 und 44 aus [Rom1984] wiedergegeben.
Pn
Wenn pn (x) und qn (x) = k
k=0 qn,k x Folgen von Polynomen sind, dann wird die umbrale
Verkettung ( umbral composition“) von qn (x) und pn (x) als die Folge
”
n
X
qn (p(x)) = qn,k pk (x) (2.69)
k=0
32
2.2. Projektoreigenschaft der Wigner-Funktionen
¡ ¢
zu g(t) h(f (t)), l(f (t)) . Die Identität unter umbraler
¡ Verkettung ist¢ die Folge xn zu (1, t) und die
inverse Folge zu sn (x) ist die Sheffer-Folge zu [g(f (t))]−1 , f −1 (t) .
−1
Wie bereits
¡ in Gleichung
¢ ¡ (2.56) angegeben
¢ wurde, handelt es sich bei k!Lk (x) um die Sheffer-
Folge zu g(t), f (t) = (1 − t)−1 , t/(t − 1) , wobei bemerkenswerterweise
Durch Ersetzen von k!Lk (x) durch den Ausdruck aus Gleichung (2.68) erhält man
n µ ¶k
n
X 2
x = n! Ln,k − āk ∗ ak , (2.73)
~
k=0
was wiederum in (2.66) eingesetzen werden kann, so daß man schließlich die gesuchte Darstellung10
∞ n µ ¶k
X n
X 2
2e −ξ2āa/~
=2 (−ξ) Ln,k − āk ∗ ak (2.74)
~
n=0 k=0
gewinnt. Bildet man das Moyal-Produkt dieser Reihe mit π 0 , so muß man, wie bereits erwähnt, nur
den Term mit k = 0 berücksichtigen. Wegen der Normierung der Laguerre-Polynome Ln (0) = 1
gilt offensichtlich Ln,0 = 1 für alle n = 0, 1, 2, . . . und es ergibt sich
∞ ∞
X X 2
2e−ξ2āa/~ ∗ π 0 = 2 (−ξ)n Ln,0 π 0 = π 0 2 (−ξ)n = π0, (2.75)
1+ξ
n=0 n=0
die in [CUZ2001] auf andere Weise hergeleitet wurde (siehe Gleichung (34) und die dortige Litera-
turangabe).
9
In [Rom1984] werden die Polynome sk (x) = k!Lk (x) als Laguerre-Polynome bezeichnet.
10
Im Gegensatz zur Vorgehensweise aus [DV2002] erhält man auf diesem Weg eine neue Darstellung von π 0 , die
zusammen mit der Gleichung π n = ān ∗π 0 ∗an /(~n n!) P aus¡n(2.27)
¢ auch zu einer alternativen Definition der übrigen
Lösungen führt. Die Sheffer-Identität sn (x + y) = n k=0 k sk (x)sn−k (y) für sn (x) = n!Ln (x) [Rom1984, S. 110]
bietet einen Ansatz, um aus diesem ErgebnisPdie herkömmliche Darstellung der Lösungen aus (2.39) zu gewinnen.
n
11
In [Car2000] wird die Konvergenz der Reihe ∞ n=0 (−ξ) diskutiert. Euler hat bereits den Wert der Reihe 1 − 1 +
1 − 1 + . . . mit 1/2 angegeben.
33
2. Der harmonische Oszillator
so daß zuerst das Produkt (āa)r ∗ (āa)s zu bestimmen ist. Dazu wird das Moyal-Produkt aus
Gleichung (2.19) entwickelt, so daß man die Darstellung
¡ ~ ~ ¢ ∞ n
µ ¶n X µ ¶³ ´³ ´
~ ~ X 1 1 n
f ∗ g = f e~ ∂ a ∂ā −∂ ā ∂a /2 g = − (−1)l ∂al ∂ān−l f ∂āl ∂an−l g (2.79)
n! 2 l
n=0 l=0
erhält.
Mit den absteigenden Fakultäten (n)k = n!/(n − k)! erhält man als Zwischenschritt
(
(r)l ar−l (r)n−l ār−(n−l) , für n − r ≤ l ≤ r
∂al ∂ān−l (āa)r = (2.80)
0 , sonst
(
(s)l ās−l (s)n−l as−(n−l) , für n − s ≤ l ≤ s
und ∂āl ∂an−l (āa)s = (2.81)
0 , sonst,
so daß die Anzahl der Terme, die in Gleichung (2.79) in der Summe über l = 0, 1, . . . , n zu
berücksichtigen sind, eingeschränkt wird. Tatsächlich genügt es, nur über solche l zu summieren,
die die Bedingung
n − min(n, r, s) ≤ l ≤ min(n, r, s) (2.82)
erfüllen, wodurch es wiederum möglich ist, die Summe über n auf n = 0, 1, . . . , 2 min(r, s) zu
begrenzen, denn für andere n besitzt die Ungleichung (2.82) keine Lösung für l.
Mit diesen Zwischenüberlegungen folgt aus Gleichung (2.79) schließlich
2 min(r,s) µ ¶n µ ¶
X 1 1 X n
(āa)r ∗ (āa)s = (āa)r+s (−1)l (r)l (r)n−l (s)l (s)n−l . (2.83)
−2āa n! l
n=0 l
zusammenfassen, wobei in Cn (r, s) die Summe über l durch Gleichung (2.82) beschränkt ist.
Wird Cn (r, s) in der Form
X (−1)l r!r! s!s!
Cn (r, s) = (2.86)
(n − l)!l! (r − l)!(r − (n − l))! (s − l)!(s − (n − l))!
l
geschrieben, so ist offensichtlich, daß jeder Summand bei der Ersetzung von l durch n − l bis auf
einen zusätzlichen Faktor (−1)n in sich selbst übergeht. Man kann sich leicht davon überzeugen,
34
2.2. Projektoreigenschaft der Wigner-Funktionen
daß bei dieser Ersetzung für n − l die gleichen Grenzen12 gelten, wie nach Gleichung (2.82) für l.
Für ungerade n heben sich daher alle Terme in Cn (r, s) paarweise auf, so daß man in Gleichung
(2.84) nur über gerade n summieren muß.
Mit einer Fallunterscheidung für die drei Fälle min(2n, r, s) = 2n, r, s kann man mit Hilfe von
Maple µ ¶
r+s−n
C2n = (−1)n (r)n (s)n (2.87)
n
bestimmen, so daß man schließlich mit Gleichung (2.84) das Ergebnis
min(r,s) µ ¶
X r+s−n
(−2āa)r ∗ (−2āa)s = (−1)n (r)n (s)n (−2āa)r+s−2n (2.88)
n
n=0
wobei hier die Bedingung n ≤ min(r, s) bzw. n ≤ r ∧ n ≤ s von der Summe über n auf die
Summen über r und s übertragen wurde. P m
Nun ist es notwendig, daß obige Zwischenergebnis in die Form ∞ m=0 . . . (−2āa) zu überführen,
um die Koeffizienten dieser Reihe berechnen und somit das Ergebnis in geschlossener Form dar-
stellen zu können. Dazu werden die Indizes der Summation über r und s durch
m = r + s − 2n = (r − n) + (s − n) und t=r−n (2.90)
ersetzt. Da t = r − n ≥ 0 und s − n ≥ 0 gilt, ist m offensichtlich immer nicht-negativ. Genau wie
die Summe über s ist die Summation über m nicht nach oben beschränkt. Da auch r bis ∞ läuft,
kann auch t alle ganzzahligen Werte von 0 bis ∞ annehmen. Es ist aber zu beachten, daß nach
m = t + (s − m) immer m ≥ t gilt, was dadurch berücksichtigt werden kann, daß man die Summe
über t auf 0, 1, . . . , m einschränkt. Somit kann man Gleichung (2.89) in
∞ X∞ X m µ ¶
X m+n 1
2e−2āa ∗ 2e−2āa = 4 (−1)n (−2āa)m (2.91)
n t! (m − t)!
n=0 m=0 t=0
umformen.
Mit den Regeln13
m ∞ µ ¶
X 1 2m X n m+n 1
= und (−1) = 2−m (2.92)
t! (m − t)! m! n 2
t=0 n=0
kann man zwei Summen in (2.91) explizit ausführen, so daß sich schließlich
∞
Ã∞ µ ¶! ÃX m
!
n m+n 1
X X
2e−2āa
∗ 2e−2āa
=4 (−1) (−2āa)m = 2e−2āa (2.93)
n t! (m − t)!
m=0 n=0 t=0
13
Laut [Com1974, S. 37] gilt für x ∈ C im allgemeinen:
X tn X n! tn X tn X (n + k − 1)! tn
(1 + t)x = (x)n = und (1 − t)−x = hxin = ,
n! (n − k)! n! n! (n − 1)! n!
n≥0 n≥0 n≥0 n≥0
wobei sich die beiden Gleichungen (2.92) als Spezialfälle für t = 1, x = m bzw. t = −1, x = m + 1 ergeben.
35
2. Der harmonische Oszillator
schreiben, wobei die Integration über p′ und p′′ mit Hilfe des Residuensatzes14 durchgeführt werden
konnte.
Die verbleibenden zwei Integrationen verlaufen analog und daher folgt aus Gleichung (2.95)
4mω
π0 ∗ π0 =C(p, q) D(p, q) (2.96)
~π r
Z µ ¶
mω ¡ ¢2 mω ′2 2 π~ −iqp/~ −H/~ω
mit C(p, q) = dq ′ exp − q − q′ − q + pq ′ = e e
~ ~ i~ 2mω
Z µ ¶ r
′′ mω ¡ ′′ ¢2 mω ′′2 2 ′′ π~ +iqp/~ −H/~ω
und D(p, q) = dq exp − q −q − q − pq = e e .
~ ~ i~ 2mω
Die beiden komplexen Faktoren aus C und D heben sich in Gleichung (2.96) gerade gegenseitig
auf, so daß man das erwartete Ergebnis
π 0 ∗ π 0 = 2e−2H/~ω = π 0 (2.97)
erhält.
Auch wenn die Rechnung in diesem Unterabschnitt bewußt wenig ausführlich dargestellt wurde,
so kann man rückblickend auf die letzten beiden Unterabschnitte doch feststellen, daß sich die
Projektoreigenschaft π 0 ∗ π 0 = π 0 leichter mit der Integraldarstellung des Moyal-Produkts (1.50)
als durch die Reihenformel (1.41) beweisen läßt. Dies liegt aber nicht zuletzt daran, daß der Umgang
mit Integralen in der Regel vertrauter ist als die Handhabung von Reihen. Die Umbral-Theorie
könnte eine Mittel sein, um die Anwendung der Reihendarstellung zu vereinfachen. Ein möglicher
Ansatz dazu wurde in Unterabschnitt 2.2.1 geliefert.
14
Dazu muß man das Argument der Exponentialfunktion quadratisch ergänzen, was in der folgenden Rechnung
demonstriert wird:
Z µ ¶ Z µ ¶
2 1 ¡ ′ 2 p′2
A(q, q ′ , q ′′ ) = e−mω(q −q) /~ dp′ exp − = e−mω(q −q) /~ dp′ exp −
′′ ¡ ¢ ¢2 ′′
p + imω q ′′ − q .
~mω ~mω
36
3. Landau-Niveaus
Als weiteres Anwendungsbeispiel der Deformationsquantisierung wird in diesem Kapitel ein gela-
denes Teilchen in einem homogenen Magnetfeld betrachtet, wobei das hier geschilderte Vorgehen
in [HHS2004] aufgenommen wird.
wobei rω der konstante Betrag der Geschwindigkeit ist und ϕ0 der Winkel, den der Geschwindig-
keitsvektor mit der q2 -Achse zum Zeitpunkt t = 0 einschließt.
Durch eine weitere Integration erhält man die Gleichungen der Bewegungsbahn:
Das Teilchen bewegt sich in der q1 q2 -Ebene im Uhrzeigersinn auf einem Kreis, der durch den Radius
r und den Mittelpunkt (X1 , X2 ) definiert ist. Dabei ist die Winkelgeschwindigkeit ω konstant, so
daß p = mq̇ = −mω× (q − X) mit X3 = 0 gilt, was man auch direkt mit (3.2) und (3.3)
überprüfen kann. Mit dieser Gleichung kann man X1 und X2 in Abhängigkeit von den Koordinaten
und Impulskomponenten des Teilchens angeben und man erhält
p2 p1
X1 = q1 + und X 2 = q2 − . (3.5)
mω mω
1
Man beachte, daß hier Heaviside-Lorentz-Einheiten verwendet werden.
37
3. Landau-Niveaus
HL ∗ π n = En π n (3.7)
3.2.1. Koordinatentransformation
Bei geeigneter Wahl der Eichung lautet das Vektorpotential zum Magnetfeld B = B (0, 0, 1)T
1 B
A(q) = − q × B = (−q2 , q1 , 0)T , (3.9)
2 2
so daß wir durch Einsetzen in Gleichung (3.6) eine Hamilton-Funktion von der Form
1 ¡ 2 ¢
HL = P1 + P22 (3.10)
2m
erhalten. Hier sind
e mω e mω
P1 = p1 − A1 = p1 + q2 und P2 = p2 − A2 = p2 − q1 (3.11)
c 2 c 2
die beiden Komponenten des kinetischen Impulses, wobei es sich bei ω = eB/mc um die bereits
aus (3.1) bekannte Zyklotronfrequenz handelt.
Die Ableitungen ∂pi in dem Moyal-Produkt (3.8) sollen nun durch Ableitungen nach Pi ersetzt
werden, da diese gerade in der Hamilton-Funktion vorkommen. Wie in Anhang A.5 gezeigt wird,
lautet das transformierte Moyal-Produkt
µ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ¶
i~ ¡ ~ ~ ~ ~
¢ i~ ¡
~ ~
¢
f ∗ g = f exp ∂ q1 ∂P1 − ∂ P1 ∂q1 + ∂ q2 ∂P2 − ∂ P2 ∂q2 + mω ∂ P1 ∂P2 − ∂ P2 ∂P1 g. (3.12)
2 2
38
3.2. Quantenmechanische Betrachtung
3.2.2. Erhaltungsgrößen
Es ist bemerkenswert, daß HL aus (3.10) formal der Hamilton-Funktion eines freien Teilchens ent-
spricht und daß außerdem das transformierte Sternprodukt bis auf einen zusätzlichen Term im
Exponenten dem gewöhnlichen Moyal-Produkt aus (3.8) gleicht. Das Einfügen des Zusatzterms in
(3.12) korrespondiert offensichtlich zur minimalen Substitution in der Hamilton-Funktion. Neben
~ erscheint ω als ein weiterer Deformationsparameter im Sternprodukt, wobei ~ der Quantisie-
rungsparameter ist und ω ∝ eB die Stärke der Wechselwirkung festlegt.
Das Moyal-Produkt aus Gleichung (3.12) kann auch in der Form
µ ³ ~ ~ ~ ~ ¶
i~ ¡ ¢ ¡ ¢´
f ∗ g = f exp ~ ~ ~ ~ ~ ~
∂ q1 ∂P1 − ∂ P1 ∂q1 − mω ∂P2 + ∂ q2 ∂P2 − ∂ P2 ∂q2 + mω ∂P1 g (3.13)
2
geschrieben werden. Falls f nur von P1 und P2 abhängt, können wir mit dieser Schreibweise des
Sternprodukts leicht den Bopp-Shift
³ ¡ ¢ ¡ ¢´
f (P1 , P2 ) ∗ g = f − ∂~q1 − mω ∂~P2 , − ∂~q2 + mω ∂~P1 g (3.14)
angeben. Wir stellen fest, daß in dieser Gleichung die Ableitungen nur in den Kombinationen
auftreten, wobei für ω 6= 0 die Wirkung dieser Differentialoperatoren auf die Funktionen
µ ¶ µ ¶
1 1 1 1 1 1
X1 = q1 + P2 = q1 + p2 und X2 = q2 − P1 = q2 − p1 (3.16)
mω 2 mω mω 2 mω
Null ergibt. Wie der Vergleich mit den Gleichungen aus (3.5) zeigt, sind dies gerade die Koordinaten
des Punktes in der q1 q2 -Ebene, den das Teilchen in der klassischen Lösung umkreist. Dabei ist zu
beachten, daß die in (3.5) auftretenden Variablen pi die kinetischen Impulse sind, die hier den
Größen Pi entsprechen.
Mit (3.16) vereinfacht sich Gleichung (3.14) für g = g(X1 , X2 ) zu
Wir nehmen nun an, daß f und g reelle Funktionen sind. Da das Moyal-Produkt entsprechend der
Gleichung (1.47) hermitesch ist, geht die letzte Gleichung durch komplexe Konjugation über in
Aus den letzten beiden Gleichungen folgt, daß jede Funktion von Pi mit jeder Funktion von Xi
vertauscht. Somit gilt insbesondere
[HL , Xi ]∗ = 0, (3.19)
so daß es sich bei X1 und X2 um Erhaltungsgrößen handelt. Anschaulich bedeutet dies, daß sich
die Rotationsachse nicht ändert.
39
3. Landau-Niveaus
umgeformt werden kann. Da das Sternprodukt gemäß (1.56) assoziativ ist, kann man zuerst HL ∗
f (P1 , P2 ) berechnen, wobei dieses Produkt selbst auch nur von Pi abhängt. Daher können wir
Gleichung (3.17) erneut anwenden und die Sterneigenwertgleichung wird zu
¡ ¢ ¡ ¢
HL ∗ f (P1 , P2 ) g(X1 , X2 ) = En f (P1 , P2 ) g(X1 , X2 ). (3.21)
Offensichtlich ist in dem Produkt π n = f (P1 , P2 ) g(X1 , X2 ) nur der Faktor f (P1 , P2 ) maßgeblich
für die Bestimmung von En , so daß es vorerst ausreicht, π n als Funktion von Pi anzunehmen.
Für π n = π n (P1 , P2 ) reduziert sich die Sterneigenwertgleichung (3.7) mit dem Moyal-Produkt
(3.12) auf µ ~ ~ ¶
i~ ¡ ¢
HL ∗ π n = HL exp mω ∂ P1 ∂~P2 − ∂ P2 ∂~P1 π n . (3.22)
2
Mit den Definitionen P1 = mωq und P2 = p ist das Sternprodukt formal identisch mit dem
Moyal-Produkt (1.41) im zweidimensionalen Phasenraum
µ ~ ~ ¶
i~ ¡ ~ ¢
f ∗ g = f exp ∂ q ∂p − ∂ p ∂~q g (3.23)
2
p2 (mωq)2 p2 mω 2 2
HL = + = + q . (3.24)
2m 2m 2m 2
Dies entspricht gerade der Hamilton-Funktion des harmonischen Oszillators (2.1), so daß wir die
Lösungen direkt aus Gleichung (2.8) entnehmen können. Mit HL statt H lauten sie
µ ¶ µ ¶
n 2HL 4HL
π n (P1 , P2 ) = 2 (−1) exp − Ln mit n = 0, 1, 2, . . . , (3.25)
~ω ~ω
wobei diese Wigner-Funktionen Zustände zu den Energieniveaus
µ ¶
1
En = ~ω n + (3.26)
2
beschreiben. Diese Energiewerte werden Landau-Niveaus genannt.
Wie am Anfang dieses Unterabschnitts gezeigt wurde, bleibt die Wigner-Funktion π n (P1 , P2 )
weiterhin Lösung von (3.7), wenn sie mit einer beliebigen Funktion von Xi multipliziert wird.
Diese Funktion kann so gewählt werden, daß die Wigner-Funktion Eigenfunktion zu einer weiteren
Observablen wird. Erst dann sind alle Wigner-Funktionen durch ihre Eigenwerte – bis auf die
Normierung – eindeutig charakterisiert.
−2mωJ = (−mωq1 ) (2p2 ) + (mωq2 ) (2p1 ) = P22 − m2 ω 2 X12 + P12 − m2 ω 2 X22 , (3.28)
40
3.2. Quantenmechanische Betrachtung
so daß wir schließlich den Drehimpuls in den Koordinaten Pi und Xi angeben können:
1 ¡ 2 ¢ mω ¡ 2 ¢ HL mω ¡ 2 ¢
J =− P1 + P22 + X1 + X22 = − + X1 + X22 . (3.29)
2mω 2 ω 2
Dies ist die Summe zweier Erhaltungsgrößen, denn die Hamilton-Funktion HL ist per Definition
erhalten und jede Funktion von Xi ist eine Erhaltungsgröße, wie in Unterabschnitt 3.2.1 gezeigt
wurde.
Wir haben bereits festgestellt, daß neben der Funktion π n (P1 , P2 ) aus Gleichung (3.25) auch
π n (P1 , P2 ) ρ(X1 , X2 ) Lösung der Sterneigenwertgleichung (3.7) ist. Nehmen wir nun an, daß wir
eine Funktion ρ(X1 , X2 ) finden können, die die Gleichung
mω ¡ 2 ¢
X1 + X22 ∗ ρ(X1 , X2 ) = αρ(X1 , X2 ) (3.30)
2
vereinfacht. Da die hier auftretenden Ableitungen nur auf Funktionen von X1 und X2 wirken,
können die Ableitungen nach (3.16) in diesen Variablen ausgedrückt werden und man erhält
µ ~ ~ ¶
mω ¡ 2 ¢ mω ¡ 2 ¢ i~ ¡ ~ ~
¢
X1 + X22 ∗ ρ(X1 , X2 ) = X1 + X22 exp ∂ X1 ∂X2 − ∂ X2 ∂X1 ρ(X1 , X2 ). (3.33)
2 2 2mω
Nun definieren wir q = X1 , p = mωX2 und erhalten aus Gleichung (3.33) durch Multiplikation
mit ω
µ 2 ¶ µ ~ ¶~
mω 2 ¡ 2 ¢ p mω 2 2 i~ ¡ ~ ¢
X1 + X22 ∗ ρ(X1 , X2 ) = + q exp ∂ q ∂p − ∂ p ∂~q ρ(X1 , X2 ). (3.34)
2 2m 2 2
Dies entspricht formal wieder der Sterneigenwertgleichung des harmonischen Oszillators, so daß
die Eigenfunktionen
¡ ¢ direkt angegeben werden können, indem man HL in Gleichung (3.25) durch
mω 2 X12 + X22 /2 ersetzt:
³ mω ¡ µ ¶
¢´ 2mω ¡ 2 ¢
ρl (X1 , X2 ) = 2 (−1)l exp − X12 + X22 Ll X1 + X22 . (3.35)
~ ~
Da in Gleichung (3.34) gegenüber (3.30) ein zusätzlicher Faktor ω auftritt, lauten die Eigenwerte
aus Gleichung (3.30) αl = ~ (l + 1/2) mit l = 0, 1, 2, . . ., wie ein Vergleich mit (3.26) zeigt.
41
3. Landau-Niveaus
so daß Πnl auch Eigenfunktion des Drehimpulses ist. Zu jedem n gibt es unendlich viele l und
daher sind die Landau-Niveaus En unendlich oft entartet. Dies spiegelt die Tatsache wieder, daß
die Rotationsachse (X1 , X2 ) in der q1 q2 -Ebene beliebig gewählt werden kann, ohne die Energie zu
ändern.
Bemerkungen:
• Für die Herleitung der Landau-Niveaus (3.26) kann man tatsächlich auf die Festlegung der
Eichung verzichten. Die Komponenten des kinetischen Impulses P1 = p1 − eA1 /c und P2 =
p2 − eA2 /c liefern in jedem Fall die Moyal-Klammer
e¡ ¢ e
[P1 , P2 ]∗ = − [p1 , A2 ]∗ + [A1 , p2 ]∗ = i~ (∂q1 A2 − ∂p2 A1 ) = i~mω, (3.38)
c c
wobei das Sternprodukt in der ursprünglichen Form (3.8) verwendet wurde. Mit den be-
reits zuvor gewählten Definitionen q = P1 /mω und p = P2 erhält man daraus [q, p]∗ = i~,
was
¡ 2 formal ¢ der kanonischen Kommutatorrelation (1.12) entspricht. Außerdem gleicht HL =
2
P1 + P2 /2m mit diesen Definitionen wiederum der Hamilton-Funktion eines harmonischen
Oszillators wie in Gleichung (3.24), so daß man sofort En = ~ω (n + 1/2) folgern kann.
• Im Gegensatz dazu können wir die Wahl der Eichung in Unterabschnitt 3.2.4 nicht umgehen,
da nicht in jedem Fall J = q1 p2 − q2 p1 eine Erhaltungsgröße ist. Tatsächlich entspricht
J nur formal einem Drehimpuls, da q1 , q2 nicht die relativen Koordinaten in Bezug auf die
Drehachse sind und p1 , p2 nicht die kinetischen Impulse. Der physikalische Drehimpuls lautet
1 ¡ 2 ¢ 2
J = (q1 − X1 ) P2 − (q2 − X2 ) P1 = − P1 + P22 = − HL , (3.39)
mω ω
wovon man sich mit Hilfe von (3.16) leicht überzeugen kann. Er ist zwar erhalten, stellt aber
keine von HL unabhängige Observable dar.
• Die gleichen Ergebnisse können auch direkt mit holomorphen Koordinaten bestimmt werden,
was in [DV2002] getan wurde.
42
II. Fermionische Deformationsquantisierung
und Supersymmetrie
Kapitelverzeichnis
4.1. Grassmann-Algebra
4.1.1. Grundlagen
Wir betrachten die Grassmann-Algebra Grn , die durch die n Generatoren ϑ1 , ϑ2 , . . . , ϑn erzeugt
wird. Das Produkt dieser Algebra soll hier Grassmann-Produkt genannt werden und es ist durch
die elementare Relation
{ϑi , ϑj } = ϑi ϑj + ϑj ϑi = 0 (4.1)
definiert.
Ein Algebraelement der Form ϑi1 ϑi2 . . . ϑim wird homogen vom Grad m genannt. Jedes beliebige
Element f (ϑ) ∈ Grn läßt sich als endliche Summe solcher homogenen Monome fk (ϑ) darstellen:
n
X X
f (ϑ) = fk (ϑ) mit fk (ϑ) = fki1 i2 ...ik ϑi1 ϑi2 . . . ϑik , (4.2)
k=0 i1 ,i2 ,...ik
43
4. Deformationsquantisierung der Grassmann-Algebra
Indizes zu summieren ist. Da die Monome ϑi1 ϑi2 . . . ϑik total antisymmetrisch in den Indizes sind,
muß das gleiche auch für die komplexen Koeffizienten fki1 i2 ...ik aus (4.2) angenommen werden.
Mit einem Index an einer Funktion soll angedeutet werden, daß es sich um einen Term der
Entwicklung gemäß (4.2) handelt. Einige Gleichungen werden nur für diese homogenen Terme
angegeben, wobei sie sich – sofern sie linear in den Funktionen sind – für beliebige Funktionen aus
Grn durch eine Reihenentwicklung wie in (4.2) verallgemeinern lassen.
Elemente der Algebra, deren Entwicklung der Form (4.2) nur Terme mit (un)geraden k besitzt,
nennt man (un)gerade. Offensichtlich läßt sich die Grassmann-Algebra Grn als direkte Summe
(0) (1)
schreiben, wobei Grn nur gerade und Grn nur ungerade Element enthält. Eine Größe fl vom
(l mod 2)
Grad l ist daher Element aus Grn , wobei die Zahl 0 jeden Grad hat. Mit diesen Definitionen
ergibt sich
fl gm ∈ Grn(l+m mod 2) , (4.4)
wovon man sich leicht überzeugen kann. Eine Algebra mit dieser Eigenschaft nennt man Z2 -
(0)
graduiert. Aus der Gleichung (4.4) folgt, daß Grn eine Unteralgebra von Grn ist.
Betrachten wir nun zwei homogene Elemente fl und gm der Grassmann-Algebra. Da alle Gene-
ratoren entsprechend der Gleichung (4.1) antivertauschen, erhält man
fl gm = (−1)lm gm fl . (4.5)
(0)
Das Grassmann-Produkt für beliebige zwei Elemente aus der Unteralgebra Grn ist daher symme-
trisch.
gm = (−1)m(m−1)/2 gm (4.7)
1
⋆ (ϑi1 ϑi2 . . . ϑim ) = ǫi i ...i i i ...i ϑi ϑi . . . ϑin (4.8)
(n − m)! 1 2 m m+1 m+2 n m+1 m+2
festgelegt, wobei ǫi1 i2 ...in der total antisymmetrische Tensor ist und über doppelt vorkommende
Indizes summiert wird. Offensichtlich bildet das Hodge-Dual ein Monom vom Grad m in ein Monom
von Grad n − m ab. Die Erweiterung auf beliebige Elemente der Grassmann-Algebra erfolgt durch
Linearität.
44
4.1. Grassmann-Algebra
4.1.3. Differentiation
Analog zu ∂qi qj = δ ij lautet die elementare Ableitung für Funktionen auf der Grassmann-Algebra
∂ϑi ϑj = δ ij . Diese Definition läßt sich verallgemeinern, indem man die Leibnitz-Regel benutzt.
Betrachtet man z.B. die Ableitung eines Monoms vom Grad m, ∂ϑi (ϑj1 ϑj2 . . . ϑjm ), dann kann
man dies als Summe von m Termen schreiben, wobei im k-ten Term die Ableitung ∂ϑi auf den
Faktor ϑjk wirkt. Um nun die Regel für die elementare Ableitung anwenden zu können, muß man
ϑjk mit den ersten k − 1 Faktoren des Monoms vertauschen, so daß ϑjk direkt neben ∂ϑi steht.
Dieser Argumentation folgend erhalten wir
m
X
∂ϑi (ϑj1 ϑj2 . . . ϑjm ) = (−1)k−1 δ i,jk ϑj1 ϑj2 . . . ϑjk−1 ϑjk+1 . . . ϑjm . (4.9)
k=1
Wenn gm eine Funktion vom Grad m ist, dann hat ∂ϑi gm folglich den Grad m − 1.
Im Gegensatz zur Ableitung von Funktionen auf dem qp-Phasenraum muß man die Wirkung der
~
Ableitungen ∂~ϑi = ∂ϑi und ∂ ϑi auf eine Funktion unterscheiden. Für Monome vom Grad 1 liefern
~ ~
beide per Definition ϑj ∂ ϑi = δ ij = ∂~ϑi ϑj das gleiche Ergebnis. Da nun aber die Ableitung ∂ ϑi rechts
von dem Monom steht, muß man bei der Anwendung der Leibnitz-Regel die Faktoren des Monoms
nach rechts durchkommutieren, so daß sich ein anderes Vorzeichen ergibt. Der Zusammenhang
zwischen den beiden Ableitungen lautet
~
(ϑj1 ϑj2 . . . ϑjm ) ∂ ϑi = (−1)m−1 ∂~ϑi (ϑj1 ϑj2 . . . ϑjm ) , (4.10)
∂ϑ2 ∂ϑ1 (ϑ1 ϑ2 ) = ∂ϑ2 ϑ2 = 1 und ∂ϑ1 ∂ϑ2 (ϑ1 ϑ2 ) = −∂ϑ1 ∂ϑ2 (ϑ2 ϑ1 ) = −∂ϑ1 ϑ1 = −1 (4.11)
sehen kann.
Die Ableitung ∂ϑi gm einer Funktion gm vom Grad m hat den Grad m − 1, so daß aus den
Gleichungen (4.7) und (4.10)
~
¡ ¢
∂~ϑi gm = (−1)(m−1)(m−2)/2 ∂~ϑi gm = (−1)m−1 ∂~ϑi (−1)m(m−1)/2 gm = ḡm ∂ ϑi (4.12)
folgt. Durch Iteration ist diese Regel auch auf mehr als eine Ableitung erweiterbar, wie das Beispiel
~ ~ ~
¡ ¢
∂~ϑ1 ∂~ϑ2 g = ∂~ϑ2 g ∂ ϑ1 = ḡ ∂ ϑ2 ∂ ϑ1 (4.13)
für zwei Ableitungen zeigt. Durch den Vergleich mit f g = ḡ f¯ kann man ablesen, daß die Involution
der Ableitungen durch
~ ~ ~
∂~ϑ1 ∂~ϑ2 = ∂~ϑ2 ∂~ϑ1 = ∂ ϑ2 ∂ ϑ1 mit ∂~ϑi = ∂ ϑi (4.14)
definiert werden kann. Die Verallgemeinerung für mehr als zwei Faktoren ist offensichtlich.
4.1.4. Integration
Die Integration von Funktionen Rauf der Grassmann-Algebra wurde von Berezin [Ber1966] ent-
+∞
wickelt. Sie wird der Integration −∞ dx f (x) für Funktionen auf C nachempfunden, indem man
folgendes verlangt:
45
4. Deformationsquantisierung der Grassmann-Algebra
R
1. Das Integral dϑi ordnet einer Funktion auf Grn eine komplexe Zahl zu.
R ¡ ¢ R R
2. Die Integration ist linear, also dϑi f (ϑ) + g(ϑ) = dϑi f (ϑ) + dϑi g(ϑ).
R R
3. Sie ist invariant unter Translation, d.h. dϑi f (ϑi + ϑj ) = dϑi f (ϑi ) für i 6= j.
Um die letzte Bedingung zu verstehen, machen wir uns klar, daß auf Grund von (4.2) die allge-
meine Form der betrachteten Funktion f (ϑi ) = a + bϑi lautet. Wegen der geforderten Linearität
erhält man somit
Z Z Z Z
¡ ¢
dϑi f (ϑi + ϑj ) = dϑi a + b (ϑi + ϑj ) = (a + bϑj ) dϑi + b dϑi ϑi . (4.15a)
4.2. Grassmann-Mechanik
Ähnlich zu Abschnitt 1.1 wird hier eine Mechanik mit Hilfe der Grassmann-Algebra formuliert.
Dabei stellt sich heraus, daß man im Gegensatz zur konventionellen Mechanik in jedem Fall Zwangs-
bedingungen zu berücksichtigen hat, was die Bestimmung der Bewegungsgleichungen erschwert.
Die folgende Diskussion basiert auf Abschnitt 6.2 aus dem Buch [KS1997].
4.2.1. Hamilton-Formalismus
Den Lagrange-Formalismus kann man auf Funktionen von Grassmann-Variablen übertragen, wie
z.B. Berezin und Marinov in [BM1977] und Casalbuoni in [Cas1976] gezeigt haben. DazuRbetrachten
wir die Lagrange-Funktion L(ϑ, ϑ̇) und fordern, daß die Variation der Wirkung S = L(ϑ, ϑ̇) dt
verschwindet. Genau wie auf dem Phasenraum mit kommutierenden Variablen ergibt sich auf diese
d ∂L
Weise die Euler-Lagrange-Gleichung dt ∂ ϑ̇
− ∂L
∂ϑ = 0.
Mit dem kanonischen Impuls π = ∂ϑ̇ L erhalten wir durch eine Legendre-Transformation2 die
Hamilton-Funktion H(ϑ, π) = ϑ̇π − L(ϑ,Rπ). Die Bewegungsgleichungen folgen dann aus der Be-
dingung δS = 0, wobei die Wirkung S = L(ϑ, π) dt nun eine Funktion von ϑ und π ist. Partielle
Integration führt zu
Zt2 ³ ´ Zt2 ³
¡ ¢ ¡ ¢´
δS = δ ϑ̇ π + ϑ̇ δπ − δϑ ∂ϑ H − δπ ∂π H dt = − δϑ π̇ + ∂ϑ H + δπ ϑ̇ + ∂π H dt, (4.18)
t1 t1
2
Mit der Definition π = ∂ϑ̇ L folgt unabhängig von L direkt ∂ϑ̇ π = ∂ϑ̇ ∂ϑ̇ L = 0, so daß die Voraussetzung ∂ϑ̇ π 6= 0
für die Gültigkeit der Legendre-Transformation nicht erfüllt sein kann. In Unterabschnitt 4.2.2 werden wir auf
dieses Problem zurückkommen.
46
4.2. Grassmann-Mechanik
wobei die Vertauschung der Faktoren in dem Term ϑ̇ δπ ein negatives Vorzeichen liefert. Mit der
Bedingung δS = 0 liest man aus (4.18) schließlich folgende Hamilton-Gleichungen ab:
Bis auf die Struktur der Vorzeichen ähneln diese Gleichungen denen in (1.3). Da ϑ̇ und π̇ vom
Grad eins sind, muß H eine Funktion vom Grad zwei sein.
Die Hamilton-Gleichungen kann man benutzen, um die Poisson-Klammer der Grassmann-Me-
chanik zu bestimmen. Dazu leiten wir die Observable f (ϑ, π; t) nach der Zeit ab:
df ∂f ¡ ¢ ∂f
= ϑ̇ ∂ϑ f + π̇ ∂π f + = − (∂π H) (∂ϑ f ) + (∂ϑ H) (∂π fm ) + . (4.20)
dt ∂t ∂t
Diese Gleichung ist linear in f , so daß man sie für jeden Term fm der Entwicklung von f getrennt
betrachten kann. Da H vom Grad 1 ist und ∂ϑ fm vom Grad m − 1, folgt aus (4.5):
~
¡ ¢¡ ¢
(∂π H) (∂ϑ fm ) = (−1)m−1 (∂ϑ fm ) (∂π H) = fm ∂ ϑ ∂~π H , (4.21)
wobei im letzten Schritt (4.10) benutzt wurde. Die entsprechende Gleichung für (∂ϑ H) (∂π fm )
erhält man durch die Vertauschung von ϑ und π.
Die Bewegungsgleichung (4.20) kann daher in
~ ~
df ∂f ¡ ¢
= {f, H}P + mit {f, g}P = −f ∂ ϑ ∂~π + ∂ π ∂~ϑ g (4.22)
dt ∂t
umgeformt werden, wobei analog zur Bewegungsgleichung (1.6) die Poisson-Klammer {f, g}P ein-
geführt wurde.
47
4. Deformationsquantisierung der Grassmann-Algebra
Eine ausführlichere Herleitung von (4.26) ist in [HH2002a] zu finden. Die Definition der Dirac-
Klammer geht auf [Dir1966] zurück.
Mit der Dirac-Klammer (4.26) können wir schließlich die korrigierte Bewegungsgleichung
df ∂f
= {f, H}D + (4.27)
dt ∂t
angeben. ~
Nun soll noch die Symmetrie der Dirac-Klammer (4.26) bestimmt werden. Da fl ∂ ϑi vom Grad
l − 1 ist und ∂~ϑi gm vom Grad m − 1, folgt aus Gleichung (4.5)
n
X
~ n
X
~
¡ ¢¡ ¢ ¡ ¢¡ ¢
{fl , gm }D = −i fl ∂ ϑi ∂~ϑi gm = −i(−1)(l−1)(m−1) ∂~ϑi gm fl ∂ ϑi . (4.28)
i=1 i=1
Um dies wieder in der Form einer Dirac-Klammer schreiben zu können, wenden wir Gleichung
(4.10) an:
n
X
~ n
X
~
{fl , gm }D = −i(−1)(l−1)(m−1) (−1)m−1 (−1)l−1 gm ∂ ϑi ∂~ϑi fl = i(−1)lm gm ∂ ϑi ∂~ϑi fl (4.29)
i=1 i=1
4.3.1. Definition
In Abschnitt 1.4 haben wir das Moyal-Produkt als Deformation der punktweisen Multiplikation
von Funktionen auf dem qp-Phasenraum eingeführt. Dabei wurde verlangt, daß das 1/i~-fache der
Kommutatorklammer mit diesem Produkt im Grenzfall ~ → 0 in die Poisson-Klammer3 übergeht.
Dadurch ist das Moyal-Produkt aus Gleichung (1.41) eindeutig bestimmt.
3
Da dort keine Zwangsbedingungen vorliegen, ist die Poisson-Klammer identisch mit der Dirac-Klammer.
48
4.3. Das Grassmann-Moyal-Produkt
Auf ähnliche Weise wollen wir hier ein Sternprodukt für Funktionen auf Grn definieren. Da die-
ses Produkt eine Deformation des Grassmann-Produkts ist, soll es hier Grassmann-Moyal-Produkt
genannt werden. Eine auf diesem Produkt basierende Klammer, die mit der Dirac-Klammer ver-
gleichbar sein soll, muß notwendigerweise die gleiche Symmetrie aufweisen. Wir wählen daher
als Ansatz für die Grassmann-Moyal-Klammer. Auf Grund der Linearität in beiden Argumenten
fl und gm ist diese Klammer auf alle Elemente der Grassmann-Algebra anwendbar.
Mit der Definition der Grassmann-Moyal-Klammer aus (4.31) lassen sich die wesentlichen For-
derungen an das Grassmann-Moyal-Produkt in den beiden Gleichungen
à n !~
1 X
~
lim f ∗ g = f g und lim {f, g}∗ = {f, g}D = −if ∂ ϑi ∂ϑi g (4.32)
~→0 ~→0 i~
i=1
diese Voraussetzungen erfüllt. Man beachte, daß zur Reihenentwicklung des Grassmann-Moyal-
Produkts im Gegensatz zum Moyal-Produkt aus Abschnitt (1.4) immer nur endlich viele Terme
beitragen, wie an zwei Beispielen im Anhang B.1 demonstriert wird.
Bemerkungen:
• Genau wie in [HH2002a] basiert diese Herleitung des fermionischen Moyal-Produkts auf der
Dirac-Klammer. Man beachte aber, daß die Definition der Klammer {f, g}∗ von derjenigen
in [HH2002a] abweicht.
(f ∗ g) ∗ h = f ∗ (g ∗ h) . (4.34)
Für eine Algebra mit nur einem Generator wird die Assoziativität dieses Sternprodukts im Anhang
B.2 bewiesen.
49
4. Deformationsquantisierung der Grassmann-Algebra
Genau wie das Moyal-Produkt für Funktionen auf dem qp-Phasenraum ist auch das Grassmann-
Moyal-Produkt aus (4.33) hermitesch im Sinne von Gleichung (1.47). Unter Anwendung von Glei-
chung (4.12) erhalten wir z. B. für den Fall n = 1:
~ ~ ~
~¡ ¢¡ ¢ ~¡ ¢¡ ¢ ~¡ ¢¡ ¢
f ∗ g = f g + f ∂ ϑ ∂~ϑ g = ḡ f¯ + ∂~ϑ g f ∂ ϑ = ḡ f¯ + ḡ ∂ ϑ ∂~ϑ f¯ = ḡ ∗ f¯. (4.35)
2 2 2
Die Verallgemeinerung für beliebige Werte von n ist ebenfalls möglich.
Darüber hinaus kann man auch hier das Grassmann-Moyal-Produkt bei der Integration über
den gesamten Phasenraum durch das gewöhnliche Produkt der Grassmann-Algebra ersetzen:
Z Z
dϑ1 . . . dϑn f ∗ g = dϑ1 . . . dϑn f g. (4.36)
Im folgenden wird diese Gleichung für n = 1 bewiesen, wohingegen der allgemeine Beweis im
Anhang B.3 zu finden ist.
Wir betrachten die beiden Funktionen f und g auf einer Grassmann-Algebra mit nur einem
Erzeuger ϑ. Die allgemeine Form dieser beiden Funktionen lautet dann f = a + bϑ und g = c + dϑ,
wobei a, b, c und d beliebige komplexe Zahlen sind. Damit folgt~
f g = ac + (b + d) ϑ und f ∗ g = f g + (a + bϑ) ∂ ϑ ∂~ϑ (c + dϑ) = ac + (b + d) ϑ + bd. (4.37)
R
Der Gleichung (4.16) zufolge trägt bei der Integration
R dϑ dieser beiden
R Gleichungen nur der
Term proportional zu ϑ bei, so daß man sowohl für dϑ f g als auch für dϑ f ∗ g das Ergebnis
b + d erhält.
Wie bereits in Gleichung (4.3) angegeben wurde, kann man die Grassmann-Algebra Grn als
direkte Summe
Grn = Gr(0)
n ⊕ Grn
(1)
(4.38)
(l mod 2)
schreiben, wobei die Funktion fl vom Grad l ein Element aus Grn ist.
Aus der Definition des Grassmann-Moyal-Produkts (4.33) geht hervor, daß die Ableitungen dort
~
nur in der Form von Bidifferentialoperatoren ∂ ϑi ∂~ϑi auftreten. Da die Erzeuger in ϑi1 . . . ϑik ∗
ϑj1 . . . ϑjl somit immer paarweise wegfallen, bleibt die Z2 -Graduierung der Grassmann-Algebra
auch mit dem deformierten Produkt erhalten. Dies kommt in der Gleichung
fl ∗ gm ∈ Grn(l+m mod 2) (4.39)
zum Ausdruck, wobei der Grenzfall ~ → 0 wieder zu der Gleichung (4.4) führt.
50
4.4. Zeitentwicklung und Spektraltheorie
4.4.2. Spektraltheorie
Wie sich gezeigt hat, gleicht das Grassmann-Moyal-Produkt dem bosonischen Moyal-Produkt.
Außerdem ergibt sich in der fermionischen Deformationsquantisierung für die Observablen eine
Zeitentwicklung, die formal identisch mit derjenigen in der bosonischen Theorie ist. Daher nehmen
wir an, daß auch in der fermionischen Theorie die Projektoren und deren Energieniveaus wie in
Abschnitt 1.7 über das Sternexponential ermittelt werden können. Um die Argumentation aus der
bosonischen Deformationsquantisierung nicht wiederholen zu müssen, übernehmen wir die Ergeb-
nisse zur Spektraltheorie aus der bosonischen Theorie, ohne daß hier eine ausführliche Herleitung
präsentiert wird.
Für eine zeitunabhängige Hamilton-Funktion H ist das Sternexponential aus Gleichung (4.43)
gerade die Lösung der Differentialgleichung
d
i~ Exp (Ht) = H ∗ Exp (Ht) . (4.44)
dt
Über die Fourier-Dirichlet-Entwicklung
X
Exp (Ht) = π E e−iEt/~ (4.45)
E
legt das Sternexponential das Spektrum der Eigenwerte E zur Hamilton-Funktion H und die zu-
gehörigen Projektoren π E fest. Die auf diese Weise definierten Projektoren erfüllen die Gleichungen
X
H ∗ πE = E πE , π E ∗ π E ′ = δ E,E ′ π E und π E = 1, (4.46)
E
wobei die erste die Sterneigenwertgleichung ist und die letzten beiden Gleichungen die Projekto-
reigenschaft der Projektoren wiedergeben.
51
4. Deformationsquantisierung der Grassmann-Algebra
Die Bezeichnung als Spur ist unter anderem durch die Gültigkeit der Gleichung
gerechtfertigt, die in Anhang B.4 bewiesen wird. Das Hodge-Dual in der Definition (4.47) ist
notwendig, damit nur solche Terme von f zur Spur beitragen, die den Grad 0 haben.
Der Proportionalitätsfaktor in (4.47) ist so zu wählen, daß die Projektoren die Normierungsbe-
dingung
Tr(π E ) = 1, (4.49)
erfüllen. Wenn sich das betrachtete System in dem Zustand befindet, der durch den Projektor π E
beschrieben wird, dann kann der Erwartungswert der Observablen f durch
hf i = Tr(f ∗ π E ) (4.50)
bestimmt werden.
Implizit ist die Normierung der Projektoren bereits durch die Gleichung π E ∗π E = π E aus (4.46)
festgelegt. Im Abschnitt 1.7 wurde gezeigt, daß alle bosonischen Projektoren die gleiche Normierung
(1.104) besitzen. Daher wollen wir annehmen, daß auch hier die Spur von allen Projektoren das
gleiche Ergebnis liefert. Nur dann kann man die Normierungsbedingung (4.49) einfach durch die
Wahl des Proportionalitätsfaktors in (4.47) anpassen.
Wir nehmen also an, daß Z
dϑn dϑn−1 . . . dϑ1 ⋆ π E = C (4.51)
für alle Projektoren π E die gleiche Zahl C ergibt. Der Proportionalitätsfaktor der
R Spur (4.47) wird
dann durch die letzte Gleichung aus (4.46) festgelegt. Durch Anwendung von dϑn . . . dϑ1 ⋆ auf
beiden Seiten erhält man
Z
X ! ~n
C = #(E) C = dϑn dϑn−1 . . . dϑ1 ⋆ 1 = ~n ⇔ C= , (4.52)
#(E)
E
wobei #(E) die Anzahl der Energieniveaus im Spektrum angibt. Der Vergleich von (4.51) mit
(4.47) zeigt, daß der Proportionalitätsfaktor C −1 ist. Die Spur lautet daher
Z
#(E)
Tr(f ) = dϑn dϑn−1 . . . dϑ1 ⋆ f . (4.53)
~n
Falls die Energieniveaus entartet sind und man die Projektoren eines Niveaus mit weiteren Indizes
differenziert, dann ist #(E) durch die Anzahl der unterschiedenen Zustände zu ersetzen.
Bemerkung: In Kapitel 7 werden wir die Spur (4.47) in einem anderen Kontext verwenden. Dort
wird der Proportionalitätsfaktor so gewählt, das die Spur (4.47) über einen Isomorphismus einer
Matrixspur entspricht.
52
4.5. Vereinigung mit der bosonischen Theorie
nahe, wobei wir dieses Produkt Super-Moyal-Produkt nennen wollen. Ein ähnliches Produkt wird
auch in [Zac2000b] erwähnt.
Jede Funktion auf dem qpϑ-Phasenraum kann man wie in Gleichung (4.2) in der Form
nG
X X
g(q, p, ϑ) = gki1 i2 ...ik (q, p) ϑi1 ϑi2 . . . ϑik (4.55)
k=0 i1 ,i2 ,...in
angeben, wobei die Koeffizienten gki1 i2 ...ik (q, p) jetzt Funktionen auf dem qp-Phasenraum sind. In
der letzten Gleichung stehen q, p und ϑ als Abkürzung für alle Variablen qi , pi bzw. ϑj .
Wie die Gleichung (4.55) zeigt, kann jede Funktion als endliche Summe von Termen der Form
geschrieben werden, wobei fk (ϑ) eine Funktion vom Grad k ist. Der Funktion gk (q, p, ϑ) wollen
wir daher auch den Grad k zuordnen. Die Zerlegung der Grassmann-Algebra GrnG aus (4.38) kann
man direkt auf den qpϑ-Phasenraum übertragen:
(0) (1)
wobei SGrnM ,nG nur gerade und SGrnM ,nG nur ungerade Elemente enthält. Im folgenden betrachten
wir nur Funktionen von der in (4.56) angegebenen Art, wobei die Verallgemeinerung immer mittels
(4.55) möglich ist.
In dem Super-Moyal-Produkt aus Gleichung (4.54) treten keine Bidifferentialoperatoren auf, die
bosonische und fermionische Ableitungen gemeinsam enthalten. Daher kann man den bosonischen
und fermionischen Anteil eines Sternprodukts getrennt berechnen, was in der Gleichung
¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢¡ ¢
b(p, q) fl (ϑ) ∗S B(p, q) Fm (ϑ) = b(p, q) ∗M B(p, q) fl (ϑ) ∗G Fm (ϑ) (4.58)
zum Ausdruck gebracht wird. Diese Gleichung zeigt, daß sich ein Produkt der Form b(p, q) fl (ϑ)
ähnlich einem Tensorprodukt verhält. Daher kann man Regeln wie z.B.
1¡
[b(p, q) fl (ϑ), B(p, q) Fm (ϑ)]∗S = {b(p, q), B(p, q)}∗M [fl (ϑ), Fm (ϑ)]∗P
2 ¢
+ [b(p, q), B(p, q)]∗M {fl (ϑ), Fm (ϑ)}∗P (4.59)
53
4. Deformationsquantisierung der Grassmann-Algebra
Da die beiden Sternprodukte ∗M und ∗G hermitesch sind, folgt aus Gleichung (4.58), daß das
gleiche auch für das Super-Moyal-Produkt
g ∗S G = Ḡ ∗S ḡ (4.60)
gültig ist.
Die Gleichung (4.39) besagt, daß das Produkt fl (ϑ) ∗G Fm (ϑ) aus (4.58) ein Element aus
(l+m mod 2)
Grn ist. Mit den Definitionen
begegnet, wobei es sich hier um die Moyal-Klammer (1.43) und die Grassmann-Moyal-Klammer
(4.31) handelt. Mit Hilfe des Super-Moyal-Produkts kann man diese beiden Klammern zur Super-
Moyal-Klammer
{gl (q, p, ϑ), Gm (q, p, ϑ)}∗S = gl (q, p, ϑ) ∗S Gm (q, p, ϑ) − (−1)lm Gm (q, p, ϑ) ∗S gl (q, p, ϑ) (4.64)
vereinen. Für l = m = 0, also ohne ϑ-Abhängigkeit, erhält man einerseits die Moyal-Klammer
zurück. Falls die Funktionen gl und Gm nicht von q oder p abhängen, ergibt sich andererseits die
Grassmann-Moyal-Klammer.
Analog zur Argumentation aus Unterabschnitt 4.3.3 folgt aus den Gleichungen (4.62) und (4.64),
daß es sich bei dem Phasenraum SGrnM ,nG zusammen mit der Super-Moyal-Klammer um einen
graduierte Lie-Algebra handelt. Dies kommt in den folgenden drei Zeilen zum Ausdruck:
wobei in der letzten Gleichung auch hk von der Form ist, die in Gleichung (4.56) angegeben wurde.
54
4.5. Vereinigung mit der bosonischen Theorie
vereinen. Wenn man die Funktion g(q, p, ϑ; t) durch b(q, p; t) oder f (ϑ; t) ersetzt, erhält man mit
Hilfe von Gleichung (4.58) jeweils eine der beiden zuvor genannten Gleichungen zurück. Für eine
zeitunabhängige Hamilton-Funktion lautet die formale Lösung dieser Differentialgleichung wie im
bosonischen und fermionischen Fall
g(q, p, ϑ; t) = Exp∗S(Ht) ∗S g(q, p, ϑ; 0) ∗S Exp∗S(Ht) , (4.68)
wobei im Sternexponential diesmal das Super-Moyal-Produkt auftritt.
Das Sternexponential bildet wie in den Abschnitten 1.7 und 4.3 die Grundlage der Spektraltheo-
rie. Über seine Fourier-Dirichlet-Entwicklung bestimmt es das Spektrum des Energieniveaus ES
und die dazugehörigen Projektoren π SES :
∞ µ ¶k
¡ ¢ X 1 t X
Exp∗S HS (q, p, ϑ) t = HSk∗S = π SES(q, p, ϑ) e−iES t/~. (4.69)
k! i~
k=0 ES
Bemerkung: Die in (4.74) angegebene Form des Projektors stellt außerdem sicher, daß die Stern-
eigenwertgleichung erfüllt ist. Um dies zu zeigen, benutzen wir die Tatsache, daß die Projektoren
aus (4.72) die beiden Sterneigenwertgleichungen
HB (q, p) ∗M π B B
EB(q, p) = EB π EB(q, p) und HF (ϑ) ∗G π FEF (ϑ) = EF π FEF (ϑ) (4.75)
erfüllen. Dies führt mit Gleichung (4.58) zu
¡ ¢ F ¡ ¢
HS (q, p, ϑ) ∗S π SES(q, p, ϑ) = HB (q, p) ∗G π B B F
EB(q, p) π EF (ϑ) + π EB(q, p) HF (ϑ) ∗G π EF (ϑ)
= (EB + EF ) π B F
EB(q, p) π EF (ϑ)
= ES π SES(q, p, ϑ), (4.76)
so daß auch die Sterneigenwertgleichung des Gesamtsystems erfüllt ist.
55
4. Deformationsquantisierung der Grassmann-Algebra
π SES(q, p, ϑ) = π B F
EB(q, p) π EF (ϑ). (4.79)
Wenn wir annehmen, daß die Projektoren der beiden Teilsysteme gemäß den Gleichungen
¡ ¢ ¡ ¢
Trqp π B
EB(q, p) = 1 und TrG π FEF (ϑ) = 1 (4.80)
56
5. Der supersymmetrische Oszillator
Als erstes Anwendungsbeispiel der Algebra, die im vorhergehenden Kapitel eingeführt wurde, wird
im ersten Abschnitt dieses Kapitels der sogenannte fermionische Oszillator diskutiert. Auch wenn
dieses System zunächst ohne physikalische Motivation eingeführt wird, zeigen sich viele Parallelen
zum harmonischen Oszillator, den wir bereits aus Kapitel 2 kennen.
Im zweiten Abschnitt werden der harmonische und der fermionische Oszillator zu einem System
zusammengefaßt. Wir demonstrieren, daß es sich bei geeigneter Wahl der Parameter um ein su-
persymmetrisches System handelt. Diese Ergebnisse dienen als Grundlage, um im darauffolgenden
Kapitel das Landau-Problem eines Teilchens mit Spin zu behandeln.
57
5. Der supersymmetrische Oszillator
wobei die ersten zwei Gleichungen trivial sind. Alle weiteren y k∗ ergeben sich, indem wir sukzessiv
das Grassmann-Moyal-Produkt mit y bilden. Aus (5.5) liest man dabei ab, daß y k∗ nur eine Funk-
tion von y sein kann. Dies ähnelt der Situation beim bereits in 2.1.4 besprochenen bosonischen
Oszillator, wie der Vergleich mit (2.42) zeigt.
Auf Grund von y 2 = 0 besteht die Reihenentwicklung von y k∗ nur aus den zwei Termen
y k∗ = ck + dk y. (5.6)
Die Rekursionsformel für die Folge der Koeffizienten kann bestimmt werden, indem wir die Glei-
chungen 1 ∗ y = y und y ∗ y = 1 aus (5.5) betrachten. Man liest ck = dk−1 und dk = ck−1 ab, wobei
die Anfangsbedingungen c0 = 1 und d0 = 0 aus y 0∗ = 1 folgen. Diese Gleichungen lassen sich in
der Matrixform µ ¶ µ ¶µ ¶ µ ¶ µ ¶
ck 0 1 ck−1 k c0 k 1
= = σ̂ 1 = σ̂ 1 (5.7)
dk 1 0 dk−1 d0 0
zusammenfassen, wobei es sich bei σ̂ 1 um eine Pauli-Matrix handelt. Gleichung (5.6) läßt sich
ebenfalls in dieser Matrixschreibweise darstellen:
µ ¶ µ ¶
k∗ ck k 1
y = (1 , y) = (1 , y) σ̂ 1 . (5.8)
dk 0
Dieses Zwischenergebnis können wir wiederum in das Sternexponential aus Gleichung (5.2) ein-
setzen. Aus σ̂ 21 = I folgt e−iσ̂1 T = I cos T − iσ̂ 1 sin T , so daß wir mit der Rechnung
∞ µ ¶ µ ¶
X (−iT )k 1 1
Exp(HF t) = y k∗ = (1 , y) e−iσ̂1 T = (1 , y) (I cos T − iσ̂ 1 sin T ) (5.9)
k! 0 0
k=0
angeben können.
Um aus diesem Ergebnis durch den Vergleich mit (4.45) die Projektoren und die dazugehörigen
Energieniveaus bestimmen zu können, muß man die Fourier-Dirichlet-Entwicklung des Sternexpo-
nentials angeben:
1 ¡ iT ¢ y ¡ iT ¢ 1 1
Exp(HF t) = e + e−iT − e − e−iT = (1 + y) e−iT + (1 − y) eiT . (5.11)
2 2 2 2
Mit T = ωt/2 lesen wir daraus
1 1 i ~ω
πF
0 = (1 − y) = − ϑ1 ϑ2 mit E0F = − (5.12a)
2 2 ~ 2
1 1 i ~ω
und πF
1 = (1 + y) = + ϑ1 ϑ2 mit F
E1 = + (5.12b)
2 2 ~ 2
ab, wobei sich die Energieniveaus auch in der Form
µ ¶
1
EnFF = ~ω nF − (5.13)
2
zusammenfassen lassen.
58
5.1. Der fermionische Oszillator
Mit den Gleichungen aus (5.5) kann man leicht beweisen, daß die Projektoren aus (5.12) die
Sterneigenwertgleichung HF ∗ π F F
nF = EnF π nF mit HF = ~ωy/2 lösen und daß außerdem die Projek-
toreigenschaften aus (4.46) erfüllt sind. In der folgenden Rechnung zeigen wir, daß die Projektoren
aus den Gleichungen (5.12) die Normierungsbedingung (4.49) erfüllen:
Z µ ¶ Z
F 2 1 i 1
Tr(π 0 ) = 2 dϑ2 dϑ1 ⋆ − ϑ1 ϑ2 = 2 dϑ2 dϑ1 ⋆ 1 = 1, (5.14)
~ 2 ~ ~
wobei die Spur aus Gleichung (4.53) verwendet wurde. Die Rechnung für π F
1 liefert auf analoge
Weise Tr(π F
1 ) = 1.
Bemerkung: Der fermionische Oszillator ist typisch für ein System mit zwei Energieniveaus.
Wenn es zwei Lösungen π ± der Sterneigenwertgleichung (4.46) gibt, dann lassen sie sich immer
in derPForm π ± = (1 ± y) /2 mit y ∗ y = 1 schreiben. Analog zur Gleichung (1.99) gilt auch hier
H = E Eπ E , so daß wir dann die Hamilton-Funktion durch
1
H= (E+ + E− ) + (E+ − E− ) y (5.15)
2
darstellen können. Der konstante Term (E+ + E− ) /2 bewirkt nur eine Verschiebung der Energie-
niveaus. Tritt dieser Term nicht auf, dann gilt immer |E+ | = |E− | ≡ E und wir erhalten H = Ey,
was gerade der Definition aus Gleichung (5.3) entspricht.
59
5. Der supersymmetrische Oszillator
Um zeigen zu können, daß auch hier die holomorphen Variablen die Rolle der Erzeugungs- und
Vernichtungsoperatoren einnehmen, müssen wir die Projektoren aus (5.12) mit Hilfe dieser Größen
angeben.
Aus der Definition der holomorphen Koordinaten (5.16) folgt
1 i
λ̄λ = (ϑ1 − iϑ2 ) (ϑ1 + iϑ2 ) = (ϑ1 ϑ2 − ϑ2 ϑ1 ) = iϑ1 ϑ2 (5.22)
2 2
und daher läßt sich die Hamilton-Funktion des fermionischen Oszillators (5.1) auch in der Form
µ ¶
~
HF = ω λ̄λ = ω λ̄ ∗ λ − (5.23)
2
angeben.
In den Projektoren (5.12) taucht die Größe y = 2HF /~ω auf, die wir nun als y = 2λ̄λ/~ schreiben
können. Die Rechnungen
2 2 2 2
λ ∗ λ̄ = 1 − λ̄λ = 1 − y und λ̄ ∗ λ = 1 + λ̄λ = 1 + y (5.24)
~ ~ ~ ~
führen uns dann zu den Darstellungen
µ ¶ µ ¶
1 2 1 1 2 1
πF
0 = 1 − λ̄λ = λ ∗ λ̄ und πF
1 = 1 + λ̄λ = λ̄ ∗ λ, (5.25)
2 ~ ~ 2 ~ ~
mit denen man leicht die Erzeugungs- und Vernichtungseigenschaften der holomorphen Variablen
zeigen kann.
Mit Hilfe von λ2∗ = λ̄2∗ = 0 folgt aus den Gleichungen (5.25)
λ ∗ πF
0 ∗ λ̄ = 0 und λ̄ ∗ π F
1 ∗λ=0 (5.26a)
1 1 ¡ ¢
λ̄ ∗ π F
0 ∗λ = λ̄ ∗ λ ∗ λ̄ ∗ λ = λ̄ ∗ ~ − λ̄ ∗ λ ∗ λ = λ̄ ∗ λ = ~π F
1 (5.26b)
~ ~
1 1 ¡ ¢
und λ ∗ πF
1 ∗ λ̄ = λ ∗ λ̄ ∗ λ ∗ λ̄ = λ ∗ ~ − λ ∗ λ̄ ∗ λ̄ = λ ∗ λ̄ = ~π F
0. (5.26c)
~ ~
λ̄ ∗ π F F
nF ∗ λ = ~ (nF + 1) π nF +1 und λ ∗ πF F
nF ∗ λ̄ = ~nF π nF −1 (5.27)
zusammenfassen. Genau wie die Gleichungen (2.31) für den bosonischen Oszillator zeigt dieses
Ergebnis, daß die holomorphen Koordinaten den Erzeugungs- und Vernichtungsoperatoren der
herkömmlichen Darstellung der Quantenmechanik auf dem Hilbert-Raum entsprechen.
Um die Ähnlichkeit des fermionischen Oszillators mit dem bosonischen Oszillator zu verdeutli-
chen, werden wir die wesentlichen Gleichungen in Tabelle 5.1 gegenüberstellen.
Bemerkung: Man beachte, daß der Grundzustand aus (5.25) analog zu (2.35) auch in der Form
µ ¶
1 2 1 1
πF
0 = 1 − λ̄λ = e−2λ̄λ/~ = e−2HF /~ω (5.28)
2 ~ 2 2
60
5.2. Kombinierter bosonischer und fermionischer Oszillator
Tabelle 5.1.: Vergleich des bosonischen und fermionischen Oszillators. Zur deutlicheren Unterschei-
dung wurde bei einigen Größen für den bosonischen Oszillator der Index B“ ergänzt.
”
61
5. Der supersymmetrische Oszillator
Aus den Gleichungen (2.35) und (5.28) folgt, daß der Projektor des Grundzustands
Dies ist eine charakteristische Eigenschaft eines supersymmetrischen Systems. Dabei ist zu beach-
ten, daß man die letzte Gleichung nur dann erhält, wenn die Frequenz ω der beiden Oszillatoren
aus (5.29) identisch gewählt wird.
5.2.2. Supersymmetrie
In diesem Unterabschnitt werden wir auf die Supersymmetrie des zuvor diskutierten Systems
eingehen.
Wir definieren die dimensionslosen Größen
1 1
Q+ = aλ̄ und Q− = āλ = Q+ , (5.35)
~ ~
die eine Verbindung zwischen den bosonischen und fermionischen Anregungszuständen herstellen,
wie die beiden Rechnungen
1 ¡ ¢¡ ¢
Q+ ∗S π SnB ,0 ∗S Q− = a ∗M π B F S
nB ∗M ā λ̄ ∗G π 0 ∗G λ = nB π nB −1,1 (5.36a)
~2
1 ¡ ¢¡ ¢
und Q− ∗S π SnB −1,1 ∗S Q+ = 2 ā ∗M π B F S
nB −1 ∗M a λ ∗G π 1 ∗G λ̄ = nB π nB ,0 (5.36b)
~
für nB ≥ 1 zeigen. Hier wurden für die fermionischen Projektoren die Gleichungen (5.26b) und
(5.26c) benutzt und die entsprechenden Relationen für die bosonischen Projektoren können der
Tabelle 5.1 entnommen werden. Die Zerlegung in zwei Faktoren, die jeweils im mittleren Teil der
beiden Gleichungen (5.36) zu sehen ist, beruht auf (4.58).
Wie man an den Gleichungen (5.36) erkennen kann, erlauben die Größen Q± Transformationen
zwischen den beiden Projektoren π SnB ,0 und π SnB −1,1 mit nB ≥ 1. In Gleichung (5.34) wurde bereits
gezeigt, daß diese Projektoren Zustände mit gleicher Energie beschreiben, so daß Q± Generatoren
einer Symmetrietransformation sind. Da diese Transformationen Energie zwischen dem bosonischen
und fermionischen Teil des Systems umverteilen, handelt es sich um eine Supersymmetrie. Daher
werden die Größen Q± auch SUSY-Generatoren genannt.
Die SUSY-Generatoren sind nilpotent, wie man an
1 ¡ ¢
Q+ ∗S Q+ = 2
(a ∗M a) λ̄ ∗G λ̄ = 0 ⇒ Q− ∗S Q− = 0 (5.37a)
~
sehen kann, wobei die zweite Gleichung aus der Hermitezität des Super-Moyal-Produkts (4.60)
folgt. Es können noch zwei weitere Produkte aus den SUSY-Generatoren gebildet werden:
1 ¡ ¢ 1 1 ¡ ¢ 1
Q+ ∗S Q− = 2
(a ∗M ā) λ̄ ∗G λ = + 2 āaλ̄λ + āa + λ̄λ + (5.37b)
~ ~ 2~ 4
1 ¡ ¢ 1 1 ¡ ¢ 1
und Q− ∗S Q+ = 2 (ā ∗M a) λ ∗G λ̄ = − 2 āaλ̄λ + āa + λ̄λ − . (5.37c)
~ ~ 2~ 4
Die Summe dieser beiden Gleichungen ist proportional zur Hamilton-Funktion HS aus (5.29), so
daß wir schließlich ¡ ¢
HS = ω āa + λ̄λ = ~ω {Q+ , Q− }∗S (5.38)
62
5.2. Kombinierter bosonischer und fermionischer Oszillator
erhalten. Auf elementare Weise kann man mit dieser Darstellung der Hamilton-Funktion die Glei-
chung
[HS , Q± ]∗S = 0 (5.39)
beweisen. Es war zu erwarten, daß Q± mit HS vertauscht, da es sich bei Q± um Erzeuger einer
Symmetrietransformation handelt.
Wie man an den Gleichungen in (5.35) sehen kann, sind die SUSY-Generatoren nicht reell. Aus
ihnen können aber die reellen Linearkombinationen
gebildet werden. Mit den Gleichungen (5.37a) und (5.38) folgt dann direkt
Aus der ersten Gleichung geht hervor, daß Qi mit HS kommutiert. Daher handelt es sich bei Q1
und Q2 um reelle Erhaltungsgrößen, die auch als Superladungen bezeichnet werden.
2HS
{Qi , Qj }∗S = Qi ∗S Qj + Qj ∗S Qi = δ ij für i, j = 1, 2 (5.42a)
~ω
zusammenfassen. Es wurde bereits erwähnt, daß es sich bei den Superladungen um Erhaltungs-
größen handelt, d. h. es gilt
gültig.
Da die Superladungen Qi vom Grad 1 sind und HS vom Grad 2 ist, lassen sich alle drei zuletzt
genannten Gleichungen mit Hilfe der Super-Moyal-Klammer aus (4.64) ausdrücken:
2HS
{Qi , Qj }∗S = δ ij , {HS , Qi }∗S = 0 und {HS , HS }∗S = 0. (5.43)
~ω
Dies sind alle möglichen Super-Moyal-Klammern, die man mit den Elementen Q1 , Q2 und HS
bilden kann. Diese drei Größen stellen daher die Basis einer graduierten Lie-Algebra dar, die durch
die drei Gleichungen aus der (5.43) bereits vollständig charakterisiert ist. Wie man sieht, kann
man die Superladungen Qi auch als Generatoren dieser Algebra ansehen.
Eine graduierte Lie-Algebra von der Form (5.43) wird SUSY-Algebra genannt. Da diese Algebra
von zwei Generatoren erzeugt wird, spricht man von einer SUSY-Algebra mit N = 2.
63
6. Landau-Niveaus mit Spin
Hier werden wir uns wie in Kapitel 3 wieder einem Teilchen im homogenen Magnetfeld widmen,
wobei es zusätzlich zur Ladung nun auch noch einen Spin besitzt. Diese Diskussion findet sich zum
großen Teil auch in [HHS2004, Kap. 5] wieder.
Im ersten Abschnitt wird zunächst der Hamilton-Operator auf gewöhnliche Weise mit Hilfe
des Feynman-Tricks hergeleitet. Dieses Vorgehen kann im Sternproduktformalismus übernommen
werden, indem man die Pauli-Matrizen in der deformierten Grassmann-Algebra nachbildet. Das Er-
gebnis zeigt sofort die Supersymmetrie dieses Systems. Die Lösungen des Sterneigenwertproblems
ergeben sich durch den Vergleich mit dem SUSY-Oszillator, wie im zweiten Abschnitt gezeigt wird.
Im letzten Abschnitt diskutieren wir noch den Spin-Anteil dieses Systems.
65
6. Landau-Niveaus mit Spin
Diese Algebra, die im folgenden Cl∗2 genannt wird, ist uns bereits in Abschnitt 5.1 im Zusammen-
hang mit dem fermionischen Oszillator begegnet.
Als Basis der Algebra wählen wir die vier dimensionslosen und reellen Größen
r r
2 2 2 2
1, σ1 = ϑ1 , σ2 = ϑ2 und σ 3 = ϑ1 ϑ2 = ϑ1 ∗G ϑ2 . (6.8)
~ ~ i~ i~
σ i ∗G σ j = iǫijk σ k + δ ij , (6.9)
die formal mit der Produktregel (6.2) für die Pauli-Matrizen σ̂ i identisch ist. Daher können wir
mit Si = ~σ i /2 die Komponenten des Spins beschreiben.
Die Spur (4.47) für n = 2 lautet
Z
2
Tr(f ) = 2 dϑ2 dϑ1 ⋆ f , (6.10)
~
ergibt. Die beiden Algebren mit den Basen {1, σ i } und {I, σ̂ i } entsprechen sich daher sowohl in
der Produktregel als auch in Bezug auf die Spur.
66
6.1. Fermionisches Teilchen im Magnetfeld
Genau wie beim Super-Moyal-Produkt kann man auch hier den bosonischen und den fermionischen
Teil des Produkt getrennt berechnen, so daß analog zu (4.58) die Gleichung
¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢¡ ¢
b1 (q, P ) f1 (ϑ) ∗M G b2 (q, P ) f2 (ϑ) = b1 (q, P ) ∗M b2 (q, P ) f1 (ϑ) ∗G f2 (ϑ) (6.13)
gültig ist, wobei q, P für die Größen q1 , q2 , P1 , P2 und ϑ für ϑ1 , ϑ2 steht. Zur Unterscheidung wird
das bosonische Sternprodukt wieder mit ∗M und das fermionische mit ∗G bezeichnet.
Der Feynman-Trick für die Hamilton-Funktion aus (6.1) lautet nun
1 ¡ 2 ¢ 1
HL = P1 + P22 Ã HLF = (P1 σ 1 + P2 σ 2 )2∗S . (6.14)
2m 2m
Mit der Produktregel (6.9) läßt sich dies in einen bosonischen und einen fermionischen Term
aufspalten:
1 ¡ 2∗M ¢ 1 ¡ 2 ¢ ~ω
HLF = P1 + P22∗M + [P1 , P2 ]∗M iσ 3 = P1 + P22 − σ3. (6.15)
2m 2m 2
Im letzten Schritt wurde die Gleichung [P1 , P2 ]∗M = i~mω aus (3.38) verwendet.
Die Hamilton-Funktion HLF entspricht gerade dem Hamilton-Operator aus (6.6). Da der Spin-
Anteil der Hamilton-Funktion
~ω
HSpin = − σ 3 = −ωS3 (6.16)
2
der einzige Term von HLF mit fermionischen Erzeugern ist, handelt es sich bei der Spin-Kompo-
nente S3 = ~σ 3 /2 um eine Erhaltungsgröße.
6.1.4. Supersymmetrie
Die nun folgende Diskussion ist an Kapitel 7 von [HH2002a] angelehnt.
Die Hamilton-Funktion aus Gleichung (6.14) wurde durch den Feynman-Trick auf folgende Weise
faktorisiert:
1
HLF = ~ω Q1 ∗M G Q1 mit Q1 = √ (P1 σ 1 + P2 σ 2 ) , (6.17)
~ω2m
wobei der Faktor ~ω eingefügt wurde, um Q1 dimensionslos zu machen. Hier erkennt man sofort,
daß es sich bei der reellen Größe Q1 um eine Erhaltungsgröße handelt. Das gleiche haben wir
bereits für σ 3 festgestellt, so daß wir mit
i
Q2 = [σ 3 , Q1 ]∗G (6.18)
2
eine weitere reelle Erhaltungsgröße definieren können.
Aus der Produktregel (6.9) folgt
i −i
σ 3 ∗G Q1 = √ (P1 σ 2 − P2 σ 1 ) und Q1 ∗G σ 3 = √ (P1 σ 2 − P2 σ 1 ) , (6.19)
~ω2m ~ω2m
1
Q2 = iσ 3 ∗G Q1 = −iQ1 ∗G σ 3 = √ (P1 σ 2 − P2 σ 1 ) (6.20)
~ω2m
67
6. Landau-Niveaus mit Spin
ableiten, wobei diese Gleichung bestätigt, daß Q2 tatsächlich mit HLF kommutiert. Aus den Glei-
chungen in (6.20) folgt außerdem, daß Q1 und Q2 antikommutieren, wie die folgende Rechnung
zeigt:
iQ2 ∗M G Q1 = Q1 ∗M G σ 3 ∗M G Q1 = Q1 ∗M G (−iQ1 ). (6.22)
Zusammenfassend haben wir also
gezeigt, wobei es sich hier wiederum um eine SUSY-Algebra mit N = 2 handelt, der wir schon in
Unterabschnitt 5.2.3 begegnet sind. Das Landau-Problem mit Spin ist demzufolge supersymme-
trisch.
formal auf den harmonischen Oszillator zurückführen läßt. In diesem Abschnitt wird gezeigt, daß
ein ähnliches Vorgehen auch für den Spin-Anteil des Landau-Problems eines fermionischen Teil-
chens möglich ist.
Aus Unterabschnitt 6.1.3 wissen wir, daß die Berücksichtigung des Spins zu einem zusätzlichen
fermionischen Term in der Hamilton-Funktion führt. Dieser Spin-Anteil, der in Gleichung (6.16)
angegeben ist, kann mit Hilfe von (6.8) durch die Erzeuger der Algebra Cl∗2 ausgedrückt werden:
~ω
HSpin = − σ 3 = iωϑ1 ϑ2 . (6.25)
2
Dies ist gerade die Hamilton-Funktion des fermionischen Oszillators, dem wir bereits in Abschnitt
5.1 begegnet sind. Mit der Definition (6.24) entspricht daher (6.15) der Hamilton-Funktion des
SUSY-Oszillators, der im vorangegangenen Kapitel untersucht wurde.
68
6.3. Diskussion des Spin-Beitrags
69
6. Landau-Niveaus mit Spin
6.3.1. Erwartungswerte
Nun sollen die Erwartungswerte für die Komponenten des Spins Si = ~σ i /2 berechnet werden,
indem wir die Tatsache ausnutzen, daß die Größen σ i spurlos sind. Mit der Produktregel (6.9)
ergibt sich daher
~1 ¡ ¢ ~1 ¡ ¢ ~
hSi i = Tr σ i ∗ (1 ± σ 3 ) = ± Tr iǫi3k σ k + δ i3 = ± δ i3 . (6.34)
22 22 2
Die Ergebnisse hS1 i = hS2 i = 0 und hS3 i = ±~/2 können wir so interpretieren, daß die Hamilton-
Funktion aus Gleichung (6.25) ein Fermion beschreibt, dessen Spin orthogonal zur ϑ1 ϑ2 -Ebene
polarisiert ist. Da HSpin Teil der Hamilton-Funktion (6.5) ist, zeigt dies, daß diese Polarisation
durch ein homogenes Magnetfeld in q3 -Richtung hervorgerufen wird. Im Grundzustand mit dem
Projektor π nF =0 ist der Spin in Richtung des B-Feldes ausgerichtet.
Die drei Komponenten des Spins Si fassen wir zu dem Vektor S = ~σ/2 zusammen. Für das
Quadrat dieses Spin-Vektors S 2∗ erhält man
3 3 3
2∗
® X ® ~2 X 2∗ ® ~2 X 3~2
S = Si2∗ = σi = h1i = . (6.35)
4 4 4
i=1 i=1 i=1
Wir stellen fest, daß sich die gleichen Erwartungswerte ergeben, die auch die herkömmliche For-
mulierung der Quantenmechanik liefert.
6.3.2. Zeitentwicklung
Nun wird mit der ersten Gleichung aus (4.43) die Zeitentwicklung des Spins S bestimmt. Das
Sternexponential für die Hamilton-Funktion aus (6.25) wurde bereits in Gleichung (5.10) angegeben
und mit y = σ 3 und T = ωt/2 lautet es
ωt ωt
Exp(Ht) = cos − iσ 3 sin . (6.36)
2 2
Im Anhang C.4.4 wird gezeigt, daß sich mit diesem Sternexponential folgende Zeitabhängigkeit für
den Spin S = ~σ/2 ergibt:
cos ωt − sin ωt 0
S(t) = + sin ωt cos ωt 0 S(0). (6.37)
0 0 1
Der Spin S rotiert also mit der Zyklotronfrequenz ω = eB/mc um eine Achse senkrecht zur
ϑ1 ϑ2 -Ebene, wobei die Komponente S3 konstant bleibt.
Darüber hinaus wird im Anhang C.4.4 bewiesen, daß das Ergebnis (6.37) tatsächlich Lösung der
Differentialgleichung (4.42) ist, die man in diesem Fall in der Form
d e
S(t) = ω × S(t) = B × S(t) (6.38)
dt mc
schreiben kann.
Gleichung (6.38) entspricht der klassischen Bewegungsgleichung für die Larmor-Präzession ei-
nes geladenen Teilchens im homogenen Magnetfeld, wobei das gyromagnetische Verhältnis hier
e/mc ist. Das gleiche Resultat liefert die im Hilbert-Raum formulierte Quantenmechanik für den
Erwartungswert des Spins. Tatsächlich ist es typisch für die Deformationsquantisierung, daß die
Zeitabhängigkeit der Observablen der Vorhersage aus der klassischen Physik entspricht, wie wir
bereits in Gleichung (1.87) festgestellt haben.
70
III. Gruppen und ihre Anwendungen
Kapitelverzeichnis
7. Lorentz-Transformationen 71
8. Dirac-Theorie 83
7. Lorentz-Transformationen
Als weiteres Anwendungsbeispiel der Grassmann-Algebra mit Grassmann-Moyal-Produkt betrach-
ten wir zunächst den Fall mit n = 3 Generatoren. Wir werden zeigen, daß man mit dieser Algebra
eigentliche Lorentz-Transformationen darstellen kann. Wenn man auch die Parität mit einbeziehen
möchte, muß man einen vierten Erzeuger hinzunehmen. In beiden Fällen wird die Verbindung zur
herkömmlichen Matrixdarstellung der Algebra diskutiert. Eine Zusammenfassung dieses Themas
wird in [HHS2004] erscheinen.
so daß es sich hier um die Darstellung einer Clifford-Algebra handelt. Daher wollen wir die Algebra,
die von θ1 , θ2 und θ3 unter Bildung des Pauli-Produkts (7.1) erzeugt wird, mit Cl∗3 bezeichnen.
Als weitere Größe führen wir
1
Ω= ǫijk θi ∗ θj ∗ θk = θ1 ∗ θ2 ∗ θ3 = θ1 θ2 θ3 mit Ω ∗ Ω = −1 (7.5)
3!
ein. Man kann leicht zeigen, daß Ω mit allen Elementen dieser Algebra kommutiert.
Die acht Größen 1, θi , Σj und Ω bilden eine Basis der betrachteten Algebra. Im Anhang C.1
werden alle Produkte zwischen den Basiselementen θi , Σj und Ω bestimmt, wobei die Resultate in
der Multiplikationstabelle 7.1 zusammengefaßt sind.
1
Mit {f, g}∗ ist im folgenden immer der Antikommutator f ∗ g + g ∗ f gemeint.
71
7. Lorentz-Transformationen
∗ θj Σj Ω
θi ǫijk Σk + δ ij −ǫijk θk + δ ij Ω Σi
Σi −ǫijk θk + δ ij Ω −ǫijk Σk − δ ij θi
Ω Σj θj −1
Tabelle 7.1.: Dies ist die Multiplikationstabelle der Algebra Cl∗3 , wobei sich die Zeilenbeschriftung
auf den linken Faktor bezieht und die Spaltenbeschriftung auf den rechten.
Wir betrachten θi anstelle von ϑi als Erzeuger der Algebra, so daß das Hodge-Dual aus Gleichung
(4.8) folgende Relationen zwischen den Basiselementen liefert :
⋆1 = Ω , ⋆ θ i = Σi , ⋆ Σi = θ i und ⋆ Ω = 1. (7.6)
Wie man der Tabelle 7.1 entnehmen kann, ist die Bildung des Hodge-Duals identisch mit der
Multiplikation mit Ω.
1 1
σ i = Σi = ǫijk θj θk mit i = 1, 2, 3, (7.7)
i 2i
so daß sich die Multiplikationsregeln dieser Unteralgebra in der Form
schreiben lassen.
Für die 2 × 2-Einheitsmatrix I und die Pauli-Matrizen
µ ¶ µ ¶ µ ¶
1 0 1 2 0 −i 3 1 0
σ̂ = , σ̂ = und σ̂ = (7.9)
1 0 i 0 0 −1
72
7.1. Diskussion der Algebra mit drei Generatoren
Mit der Pauli-Abbildung kann man zeigen, daß diese Spur für f ∈ span(1, σ 1 , σ 2 , σ 3 ) gerade der
Matrix-Spur tr für ̺Pauli (f ) entspricht. Wegen der Linearität der Spur muß nur bewiesen werden,
daß
¡ ¢
Tr(f ) = tr ̺Pauli (f ) (7.14)
für die Basiselemente gültig ist. Durch eine triviale Rechnung erhält man
1 1 2 1 i
σ1 = θ1 , σ2 = θ2 und σ3 = θ θ = Σ. (7.16)
2i i
Für diese Größen benötigt man offensichtlich nur die zwei Generatoren θ1 und θ2 , wobei aber auch
der ungerade Anteil der Algebra mit einbezogen wird. Im folgenden werden ausschließlich die σ i
aus (7.7) verwendet.
Diese Gleichung ist konsistent mit der Annahme ̺Pauli (θi ) = σ̂ i . Aus der Gleichung Ω = θi ∗ Σi
folgt dann
̺Pauli (Ω) = ̺Pauli (θi ∗ Σi ) = ̺Pauli (θi ) ̺Pauli (Σi ) = σ̂ i iσ̂ i = iI, (7.18)
wobei nicht über den Index i summiert wird.
In der folgenden Übersicht werden die Pauli-Abbildungen aller Basiselemente von Cl∗3 zusammen-
gefaßt:
̺Pauli (1) = I , ̺Pauli (θi ) = σ̂ i , ̺Pauli (Σi ) = iσ̂ i und ̺Pauli (Ω) = iI, (7.19)
wobei der Index i die Werte 1, 2 und 3 annehmen kann. Damit handelt es sich bei der Pauli-
Abbildung um einen Isomorphismus von der Algebra Cl∗3 über R und zu der Matrixalgebra über
C, die von den Pauli-Matrizen σ i erzeugt wird. Genau wie in Gleichung (1.14) kann man aus (7.19)
die Regel
̺Pauli (f¯) = (̺Pauli (f ))† (7.20)
ablesen. Der Involution von f entspricht daher dem Adjungieren der zugehörigen Matrix.
Fordert man die Gültigkeit von (7.14) für alle f ∈ Cl∗3 , dann kann man die Definition der Spur
auf ganz Cl∗3 erweitern. Allerdings läßt sich die Spur im allgemeinen nicht mehr als das Integral
aus (7.13) darstellen, wie man an dem Gegenbeispiel Tr(Ω) = 0 6= tr(iI) = 2i sieht.
73
7. Lorentz-Transformationen
7.2. Rotationen
In diesem Abschnitt zeigen wir einen Zusammenhang zwischen der geraden Unteralgebra von Cl∗3
zur Gruppe SU (2) auf. Diese Erkenntnis kann man nutzen, um Drehungen in Cl∗3 zu beschreiben.
Schließlich gehen wir noch auf die Darstellung des Spins ein.
−iσ·δ/2 δ δ
e∗−iJ·δ = e∗ = cos − iσ · nδ sin . (7.22)
2 2
Mit δ i sind die reellen Gruppenparameter gemeint, die zu dem Vektoren δ zusammengefaßt werden.
Diesen Vektor kann man in δ = δnδ zerlegen, wobei δ der Betrag dieses Vektors ist und nδ der
dazugehörige Einheitsvektor. Man beachte, daß δ bei jeder Wahl von nδ 4π-periodisch ist.
Wie wir in Unterabschnitt 7.1.3 festgestellt haben, entspricht die Bildung der Involution dem
Adjungieren von Operatoren. Da alle Gruppenelemente e∗−iJ·δ die Gleichung
Die Lie-Gruppe mit den Elementen e∗−iJ·δ wollen wir daher mit SUG (2) bezeichnen.
Bemerkung: Eine kurze Diskussion der SU (2) findet sich in Anhang C.2.1.
Rδ : f 7→ e−iJ·δ
∗ ∗ f ∗ e−iJ·δ
∗ für f ∈ Cl∗3 . (7.25)
Wenn f reell ist, dann gilt das gleiche auch für das Bild von f unter dieser Abbildung. Die
4π-Periodizität der SU (2) reduziert sich in (7.25) auf 2π, da e∗−iJ·δ = +1 und −1 die gleiche
Transformation bewirken. Aus Gleichung (7.23) lesen wir ab, daß f = 1 invariant unter dieser
Transformation ist.
Für die Generatoren der Algebra Cl∗3 ergibt sich aus (7.25)
¡ ¢ ³ ¡ ¢´ ¡ ¢
Rδ (θ) = nδ nδ · θ + cos δ θ − nδ nδ · θ − sin δ nδ × θ , (7.26)
74
7.2. Rotationen
wie in Anhang C.4.2 gezeigt wird. Dies entspricht gerade einer Rotation von θ als Spaltenvektor,
wie man z. B. in Kapitel 1.3 von [SU1982] nachlesen kann.
Da Ω aus Gleichung (7.5) mit allen Elementen der Algebra vertauscht, verhält sich neben θ auch
Σ = Ω ∗ θ wie ein Vektor unter den Rotationen aus (7.25). Da außerdem die Elemente der Gruppe
SUG (2) gemäß (7.23) unitär sind, ist Ω eine invariante Größe.
Die Abbildungsvorschrift (7.26) kann man auch in der bekannten Matrixschreibweise
Rδ (θ) = R(δ) θ (7.27)
angeben, wobei R(δ) eine orthogonale 3 × 3-Matrix mit Determinante 1 ist. Mit anderen Worten:
R(δ) ist ein Element der SO(3).
Als Beispiel betrachten wir die Rotation um die q3 -Achse mit nδ = (0, 0, 1)T :
1 1
0 θ −θ2 cos δ sin δ 0 θ
Rδ (θ) = 0 + cos δ θ2 − sin δ θ1 = − sin δ cos δ 0 θ2 . (7.28)
3 3
θ 0 0 0 0 1 θ
Die hier auftretende Matrix stellt eine passive Rotation dar, womit eine Drehung der Koordina-
tenachsen im Bezug auf das physikalische System gemeint ist.
Betrachten wir das Produkt x · θ unter dieser Transformation:
¡ ¢T ¡ ¢
Rδ (x · θ) = xT R(δ) θ = RT (δ) x δ = R−1 (δ) x · δ. (7.29)
Im letzten Schritt wurde genutzt, daß R(δ) eine orthogonale Matrix ist. Wir stellen fest, daß die
passive Drehung von θ einer aktiven Drehung von x entspricht.
Bemerkung: Wir sind bereits in Abschnitt 6.1.2 einem Spin begegnet, dessen Darstellung sich
von (7.31) unterscheidet. Die hier eingeführte Definition des Spins als fermionischer Drehimpuls
scheint aber die natürlichere zu sein.
75
7. Lorentz-Transformationen
7.3. Lorentz-Boosts
Im folgenden wird bewiesen, daß die Algebra Cl∗3 eine Gruppe erzeugt, die isomorph zur SL(2, C)
ist. Mit Hilfe dieser Gruppe können wir Lorentz-Transformationen auf Cl∗3 darstellen.
θi Σi σi
Ki = und Ji = = , (7.35)
2i 2i 2
so daß die Gleichungen aus (7.34) auch in der Form
geschrieben werden können. Dies entspricht gerade den Kommutatoren derjenigen Lie-Algebra,
deren Elemente die eigentliche Lorentz-Transformation erzeugen. Wir haben bereits in Unterab-
schnitt 7.2.2 gezeigt, auf welche Weise Ji = σ i /2 mit den Rotationen im Zusammenhang steht.
Daher können wird Ki als die Erzeuger der Lorentz-Boosts identifizieren.
Aus der Multiplikationstabelle 7.1 liest man {θi , θj }∗ /2 = δ ij ab, so daß wir analog zu (7.22) die
Gleichung
−θ·ω/2 ω ω
e−iK·ω
∗ = e∗ = cosh − θ · nω sinh (7.37)
2 2
erhalten, wobei ω der Betrag des Vektors ω = ωnω ist. Offensichtlich gilt K̄i = −Ki und daher
ist e∗−iK·ω im Gegensatz zu e∗−iJ·δ nicht unitär. Zusammen erzeugen die Ji und Ki eine sechspara-
metrige Lie-Gruppe, deren Elemente die Form
−i(J·δ+K·ω) −(Σ·δ+θ·ω)/2 −Ω∗(θ·δ−Ω∗θ·ω)/2
e∗ = e∗ = e∗ (7.38)
haben. Für ω = 0 erhält man die Elemente der Gruppe SUG (2), so daß sie eine Untergruppe ist.
Betrachten wir nun das Bild von (7.38) unter der Pauli-Abbildung aus Gleichung (7.19). Mit
den elementaren Regeln ̺Pauli (Ω) = iI und ̺Pauli (θi ) = σ̂ i folgt sofort
³ ´ ³ ´ µ ¶
−i(J·δ+K·ω) −Ω∗(θ·δ−Ω∗θ·ω)/2 i
̺Pauli e∗ = ̺Pauli e∗ = exp − (σ̂ · δ − iσ̂ · ω) , (7.39)
2
so daß die durch Ji und Ki erzeugte Lie-Gruppe isomorph zur SL(2, C) ist. Dies motiviert die
Bezeichnung dieser Gruppe mit SLG (2, C).
Bemerkung: In Anhang C.2.2 gehen wir kurz auf die Gruppe SL(2, C) ein, die lokal isomorph
zur Lorentz-Gruppe2 L↑+ ist.
Bω : f 7→ e−iK·ω
∗ ∗ f ∗ e−iK·ω
∗ . (7.40)
2
Die eigentliche, orthochrone Lorentzgruppe L↑+ enthält weder die Raum- noch die Zeitspiegelung.
76
7.3. Lorentz-Boosts
Genau wie die Transformation in (7.25) ist das Bild eines reellen Elements aus Cl∗3 wiederum reell.
Üblicherweise werden die Lorentz-Boosts mit dem Parametervektor β beschrieben, der die Rela-
tivgeschwindigkeit der beiden betrachteten Bezugssysteme in Einheiten der Lichtgeschwindigkeit
c angibt. Aus physikalischen Betrachtungen kann man die Beziehungen
gewinnen, so daß wir β = βnβ als Funktion von ω ansehen können. Außerdem führen wir mit der
Definition γ = cosh ω einen weiteren Parameter ein3 .
Mit den neuen Parameter β und γ ergeben sich die Transformationen
¡ ¢
Bω (1) = γ 1 − β · θ (7.42a)
¡ ¢
und Bω (θ) = θ + (γ − 1) nβ nβ · θ − γβ, (7.42b)
wobei der Beweis hierzu in Anhang C.4.3 zu finden ist. Indem wir 1 und θ zu einem Vektor
mit vier Komponenten (1, θ) vereinen, können wir die Abbildungen aus (7.42) auf folgende Weise
zusammenfassen: µ ¶ µ ¶µ ¶
1 γ −γβ T 1
Bω : 7→ . (7.43)
θ −γβ 1 + (γ − 1) nβ nTβ θ
Dies ist gerade der passive Lorentz-Boost eines Vierervektors, wie man z. B. in Kapitel 6.1 von
[SU1982] sieht. Da sich (1, θ) somit wie ein Vierervektor unter Lorentz-Transformationen verhält,
werden wir die Komponenten dieses Vektors mit Θµ bezeichnen, wobei der Index µ die Werte 0,
1, 2 und 3 annehmen kann.
Die Größe Ω vertauscht mit allen Elementen der Algebra, so daß sich (Ω, Σ) = Ω ∗ (1, θ) unter
den Rotationen (7.25) und den Lorentz-Boosts (7.40) genau wie (1, θ) verhält. Aus diesem Grund
muß es sich auch bei Ω∗Θµ um einen Vierervektor handeln und somit sind alle 23 = 8 Basiselemente
der Algebra Teil eines Vierervektors.
Da (7.43) eine lineare Transformation ist, können die Lorentz-Boosts ebenfalls in der Matrix-
schreibweise
Bω (Θµ ) = Λµν (ω) Θν (7.44)
angeben werden, wobei über doppelt vorkommende Indizes summiert wird. Die 4×4-Matrix Λµν (ω)
stellt einen passiven Lorentz-Boost dar. Auf die gleiche Weise wie in Gleichung (7.29) zeigt man,
daß ein passiver Lorentz-Boost von Θµ pµ ≡ Θ · p gemäß (7.40) das gleiche Ergebnis liefert wie ein
aktiver Lorentz-Boost des Vierervektors pµ .
~ i ~ ~
Si = σ = Σi = Ω ∗ θ i (7.45)
2 2i 2i
77
7. Lorentz-Transformationen
Dabei wurde die Matrix R aus (7.27) auf triviale Weise zur 4 × 4-Matrix Rµν erweitert.
Führt man zuerst eine Rotation und anschließend einen Lorentz-Boost durch, dann ergibt sich
folgende Transformation:
−θ·ω/2 −Σ·δ/2 +Σ·δ/2 −θ·ω/2
Lδ,ω (Θµ ) = e∗ ∗ e∗ ∗ Θµ ∗ e∗ ∗ e∗ = Rµλ (δ) Λλν (ω) Θν ≡ Lµν (δ, ω) Θν . (7.48)
Die hier auftretende Matrix L(δ, ω) mit den Komponenten Lµν (δ, ω) Θµ können wir mit Hilfe von
(7.43) bestimmen:
µ ¶µ ¶ µ ¶
1 0 γ −γβ T γ −γβ¡T
L= = ¢ , (7.49)
0 R −γβ 1 + (γ − 1) nβ nTβ −γR β R + (γ − 1) R nβ nTβ
wobei hier die Argumente zur besseren Übersicht weggelassen wurden. Die in der letzten Gleichung
angegebene Matrix ist gerade eine Möglichkeit, ein Element aus L↑+ darzustellen.
Die in Gleichung (7.48) angegebene Lorentz-Transformation hat die Form
−θ·ω/2 −Σ·δ/2
Lδ,ω : f 7→ D ∗ f ∗ D̄ mit D = e∗ ∗ e∗ . (7.50)
Da Σi und θj für i 6= j nicht kommutieren, ist D im allgemeinen nicht identisch mit der in Gleichung
(7.38) zu sehenden Funktion. Dennoch kann man Lorentz-Transformation (7.50) auf die Form
(−θ·ω−Σ·δ)/2 (−θ·ω+Σ·δ)/2
Lδ,ω : f 7→ T̄ ∗ f ∗ T mit T = e∗ = e∗ , (7.51)
bringen, wobei aber die Parametervektoren δ und ω im allgemeinen von denen in Gleichung (7.50)
verschieden sind.
78
7.5. Hinzunahme der Raumspiegelung
Dieses Produkt werden wir ebenfalls Pauli-Produkt nennen, da es für f, g ∈ Cl∗3 die gleichen
Ergebnisse liefert wie das Pauli-Produkt aus Abschnitt 7.1. Die Algebra, die durch θ0 , θ1 , θ2 und
θ3 mit diesem Pauli-Produkt erzeugt wird, soll mit Cl∗4 bezeichnet werden.
Mit dem Pauli-Produkt ergibt sich der Antikommutator
© 0 iª
θ , θ ∗ = 0, (7.53)
so daß man die Parität in der Form
P(θi ) = θ0 ∗ θi ∗ θ0 = −θ0 ∗ θ0 ∗ θi = −θi (7.54)
j k 1 2 3
angeben kann. Für Σi ∝ θ ∗ θ und Ω = θ ∗ θ ∗ θ erhalten wir direkt folgende Gleichungen:
£ 0 i¤ © 0 ª
θ ,Σ ∗ = 0 ⇒ P(Σi ) = Σi und θ , Ω ∗ = 0 ⇒ P(Ω) = −Ω. (7.55)
Man beachte, daß Ω nun nicht mehr mit allen Elementen der Algebra kommutiert.
Bemerkungen:
• In Anhang C.3 wird eine alternative Darstellung dieser Algebra angegeben, die auf einer
Grassmann-Algebra mit sechs Generatoren beruht.
• Wenn man das Pauli-Produkt (7.52) durch Ableitungen nach γ µ ausdrückt, lautet es
~
¡ ¢
f ∗ g = f exp ∂ γ µ g µν ∂~γ ν g. (7.62)
79
7. Lorentz-Transformationen
erfüllt, wobei die Ähnlichkeit zur Definition der Spur für die gerade
© Unteralgebra von ªCl∗3 auffällt,
die in Gleichung (7.13) zu sehen ist. Als einziges Element aus 1, γ , σ , γ ∗ γ , γ 5 hat nur 1
µ µν µ 5
Bemerkungen:
• Mit der Dirac-Abbildung sind die in (7.65) definierten Matrizen β̂ und α̂i auf folgende Weise
Elementen aus Cl∗4 zuzuordnen:
̺Dirac (θ0 ) = β̂ und ̺Dirac (θi ) = α̂i . (7.70)
• Bei Funktionen, die sowohl von ϑ als auch von q und p abhängen, kann man die Dirac-
Abbildung auf einfache Weise mit der Weyl-Abbildung aus dem Abschnitt 1.2.1 kombinieren:
¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢
̺Weyl-Dirac b(p, q) f (θ) = ̺Weyl b(p, q) ̺Dirac f (θ) . (7.71)
Naheliegenderweise nennen wir ̺Weyl-Dirac die Weyl-Dirac-Abbildung.
80
7.5. Hinzunahme der Raumspiegelung
81
7. Lorentz-Transformationen
die Lorentz-Gruppe L↑+ erzeugen kann. Dies kommt auch in der bekannten Kommutatorrelation
[M µν , M ρσ ]∗ = −i (g µρ M νσ − g µσ M νρ − g νρ M µσ + g νσ M µρ ) (7.80)
zum Ausdrucken.
Wie wir in (7.59) sehen können, treten in σ µν nur Elemente der Algebra Cl∗3 auf, so daß man auch
die Lorentz-Transformation aus (7.50) mit Hilfe von M µν angeben kann. Durch die Hinzunahme
des Erzeugers θ0 = γ 0 wird die Anzahl der Algebraelemente verdoppelt. Daher stellt sich die
Fragen, ob die neu hinzugekommenen Größen auch zu physikalisch relevanten Transformationen
führen.
Dies ist tatsächlich der Fall, denn mit eine der beiden möglichen Definitionen
1¡ ¢
Pµ = 1 ± γ5 ∗ γµ (7.81)
2
erhält man neben (7.80) noch die Kommutatoren
[P µ , P ν ]∗ = 0 , [P µ , M ρσ ]∗ = i (g µρ P σ − g µσ P ρ ) . (7.82)
[P µ , P ′ν ]∗ = 2i (g µν D − M µν )
[P µ , D]∗ = +iP µ [P ′µ , D]∗ = −iP ′µ
[P µ , P ν ]∗ = 0 [P ′µ , P ′ν ]∗ = 0
[P µ , M ρσ ]∗ = i (g µρ P σ − g µσ P ρ ) [P ′µ , M ρσ ]∗ = i (g µρ P ′σ − g µσ P ′ρ )
[M µν , M ρσ ]∗ = −i (g µρ M νσ − g µσ M νρ − g νρ M µσ + g νσ M µρ )
[D, M µν ]∗ = 0
82
8. Dirac-Theorie
In diesem Kapitel gehen wir auf die Dirac-Theorie ein, wobei einige zuvor eingeführte Techniken
erstmalig zur Anwendung kommen. Die folgende Diskussion wird auch in den Artikel [HHS2004]
eingehen und kann dort in Kapitel 7 gefunden werden.
Im ersten Abschnitt betrachten wir die relativistische Beschreibung eines freien Teilchens, wobei
die Energie- und Spin-Projektoren dieses Systems bestimmt werden. Anschließend führen wir durch
minimale Substitution ein elektromagnetisches Feld ein. Um eine nicht-relativistische Näherung
durchzuführen, übersetzen wir die Foldy-Wouthuysen-Transformation [FW1950] in den Sternpro-
duktformalismus. Der dritte und letzte Teil dient der Bestimmung einer manifest kovarianten
Gleichung, die der Dirac-Gleichung entspricht. Außerdem werden die kovarianten Formen der Pro-
jektoren angegeben.
8.1.1. Energieprojektoren
Um dem Hamilton-Operator (8.1) eine Funktion im qpϑ-Phasenraum zuordnen zu können, benut-
zen wir die Dirac-Abbildung aus Unterabschnitt 7.5.3. Mit den Gleichungen
Imp
folgenden benutzen wir das Super-Moyal-Produkt aus Gleichung (4.54). Mit der Definition
θi = 2/~ϑi lautet es in diesem Kontext
à 3 ~ ~ 3 ~ !
i~ X ¡ ~ ¢ X
f ∗S g = f exp ∂ qi ∂pi − ∂ pi ∂~qi + ∂ θj ∂~θj g. (8.4)
2
i=1 j=0
Den fermionischen Teil dieses Produkts bezeichnen wir mit ∗P und den bosonischen mit ∗M , d.h.
es gilt
à 3 ~ ! à 3 ~ ~!
X i~ X ¡ ¢
f ∗P g = f exp ∂ θj ∂~θj g und f ∗M g = f exp ∂ qi ∂~pi − ∂ pi ∂~qi g. (8.5)
2
j=0 i=1
83
8. Dirac-Theorie
Die Projektoren dieses Systems können mit Hilfe des Sternexponentials (4.69)
∞ µ ¶k
X 1 t k∗S
X
−iE D t/~
Exp∗S (HD t) = HD = πD
ED e (8.6)
k! i~
k=0 D E
bestimmt werden. Hier ist nur der fermionische Teil des Sternprodukts relevant, da keine q-
k∗P
abhängigen Größen vorkommen. Für das Sternexponential aus (8.6) muß man offensichtlich HD
berechnen. Die Fälle k = 0 und 1 sind trivial und für k = 2 benutzen wir die Gleichungen
© 0 iª
θi ∗P θj = iεijk σ k + δ ij , θ ,θ ∗ = 0 und θ0 ∗P θ0 = 1. (8.7)
P
Die erste Gleichung kann man der Multiplikationstabelle 7.1 entnehmen und die übrigen beiden
folgen direkt aus der Definition des Pauli-Produkts ∗P . Mit Hilfe von (8.7) erhalten wir
¡ ¢
HD ∗S HD = θi ∗S θj pi pj c2 + θi θ0 + θ0 θi pi mc3 + θ0 ∗ θ0 m2 c4 = c2 p2 + m2 c4 . (8.8)
HD ∗ S π D D D D
±E (p) = E± π ±E (p) = ±E π ±E (p). (8.12)
8.1.2. Spin-Projektoren
Den Spin-Vierervektor haben wir bereits in Gleichung (7.78) als
~ 5
Sµ = γ ∗P γ µ (8.13)
2
definiert. Der räumliche Anteil dieses Vierervektors in Richtung des Einheitsvektors u liefert die
skalare Observable
~
Su = γ 5 ∗P (γ · u). (8.14)
2
Wir bestimmen nun den Kommutator mit der Hamilton-Funktion aus Gleichung (8.3). Die
beiden Rechnungen
zeigen, daß die Spin-Observable Su nur dann mit HD kommutiert, wenn der Einheitsvektor u
orthogonal zum Impulsvektor p ist. Wir nehmen also
p·u=0 (8.16)
84
8.2. Nicht-relativistische Näherung der Dirac-Gleichung
Mit y = 2Su/~ und 2/~ anstelle von E kann man daher direkt die Projektoren aus (8.11)
übernehmen: µ ¶
1 2 ~
π S± (u) = 1 ± Su mit Su ∗P π S± (u) = ± π S± (u). (8.18)
2 ~ 2
Das Produkt aus einem Energieprojektor π D S
±E (p) und einem Spin-Projektor π ± (u) ist gleichzeitig
Sterneigenfunktion von HD und Su, wobei die beiden Vorzeichen unabhängig voneinander gewählt
werden können. Bei vorgegebenen Vektoren p und u mit p · u = 0 werden mit den Projektoren
der Form π D S
±E (p) π ± (u) daher vier verschiedene Zustände unterschieden.
Ziel ist es, eine nicht-relativistische Näherung dieser Hamilton-Funktion herzuleiten. Durch An-
wendung der Weyl-Dirac-Abbildung aus Unterabschnitt 7.5.3 können wir das Ergebnis dann mit
dem Hamilton-Operator aus Gleichung (6.5) vergleichen.
HD
H = = θ0 + E + O (8.20)
mc2
eϕ cp − eA
mit E = und O = θ· (8.21)
mc2 mc2
um, wobei sich die beiden Terme E und O in ihrer Parität unterscheiden. Mit der Definition aus
(7.54) erhält man
Außer E hat auch θ0 eine positive Parität, während O eine negative Parität besitzt.
Die letzten beiden Gleichungen kann man auch in der Form
© 0 ª £ 0 ¤
θ ,O ∗ = 0 und θ ,E ∗ = 0 (8.23)
P P
angeben.
Wir wollen nun demonstrieren, wie ein Operator mit negativer Parität auf die Energieprojektoren
aus (8.11) wirkt, wobei wir uns ins Ruhesystem des Teilchens mit p = 0 begeben:
1¡ ¢
πD
±E = 1 ± θ0 mit E± = ±mc2 . (8.24)
2
85
8. Dirac-Theorie
besitzt. Die zweite Gleichung besagt, daß es sich hier um eine Größe mit negativer Parität handelt.
Wie die Gleichung
1¡ ¢ 1¡ ¢
C ∗S π D
±E ∗S C = C ∗P 1 ± θ 0 ∗P C = 1 ∓ θ 0 = π D
∓E (8.26)
2 2
zeigt, bewirkt die Größe C einen Übergang zwischen Zuständen mit negativer und positiver Energie.
In einer nicht-relativistischen Näherung dürfen solche Prozesse nicht stattfinden, so daß die
Hamilton-Funktion eine positive Parität haben muß. Ziel einer Transformation, die eine nicht-
relativistische Näherung ermöglicht, muß es also sein, den Anteil der Hamilton-Funktion mit ne-
gativer Parität vernachlässigbar klein zu machen.
Im folgenden betrachten wir den nicht-relativistischen Grenzfall, daß die Lichtgeschwindigkeit
c groß gegenüber allen anderen auftretenden Größen ist. Den größten Beitrag zur Funktion H
aus (8.20) liefert daher der Term θ0 , der dem Masseterm mc2 in der Hamilton-Funktion HD
entspricht. Die in (8.21) angegebenen Terme E und O sind von der Ordnung 2 bzw. 1 in dem
Entwicklungsparameter 1/c. Da O eine negative Parität besitzt, muß dieser Beitrag zu H minimiert
werden.
Bemerkung: In der Dirac-Darstellung als 4 × 4-Matrizen ist ein Operator mit positiver Parität
von der Form µ ¶
∗ 0
(8.27a)
0 ∗
und ein Operator mit negativer Parität hat die Gestallt
µ ¶
0 ∗
, (8.27b)
∗ 0
wobei ∗ hier jeweils für eine 2 × 2-Matrix mit beliebigen Einträgen steht. Eine Matrix wie in
(8.27a) nennt man auch gerade und eine Matrix mit der in (8.27b) angegebenen Form ungerade.
Offensichtlich läßt sich jede Matrix als Summe eines geraden und eines ungeraden Anteils schreiben.
Ungerade Operatoren bewirken Übergänge zwischen Spinoren mit positiver und negativer Energie,
so daß sie in einer nicht-relativistischen Näherung nicht auftreten dürfen.
π ′ = U ∗S π ∗S Ū mit U = eiR
∗S , (8.28)
wobei R eine reelle2 Funktion ist, die auch von der Zeit abhängen kann. Analog zu (1.80) lautet
die Bewegungsgleichung
∂π
i~ = [H, π]∗S = H ∗S π − π ∗S H. (8.29)
∂t
1
Hier wurde gegenüber [FW1950] ein anderer Entwicklungsparameter gewählt (vgl. Fußnote auf Seite 34 von
[FW1950]).
2
Es sei daran erinnert, daß der zur reellen Funktion R gehörende Operator ̺Dirac (R) hermitesch ist.
86
8.2. Nicht-relativistische Näherung der Dirac-Gleichung
Die hier für die Hamilton-Funktion angegebene Transformation ist auf die dimensionslose Größe
H aus (8.20) übertragbar, so daß wir schließlich
µ ¶
′ H′ +iR i~
H = = e∗S ∗S H − ∂t ∗S e−iR
∗S (8.33)
mc2 mc2
erhalten. Auch diese Größe läßt sich wie in (8.20) in zwei Teile mit verschiedener Parität zerlegen,
so daß man die Transformation auf analoge Weise wiederholen kann.
θ0
iR = ∗P O. (8.34)
2
Da O und θ0 reell sind und miteinander antikommutieren, ist R gemäß Gleichung (4.35) ebenfalls
reell. Daraus folgt, daß die Funktion U = eiR
∗S unitär ist.
Die Größe H′ aus (8.33) werden wir nun mit der Baker-Campbell-Hausdorff-Gleichung bestim-
men. Dabei betrachten wir nur die Entwicklung bis zur Ordnung (1/c)4 , so daß es uns genügt, die
Ordnung des Terms mit ungerader Parität auf wenigstens (1/c)5 zu steigern. Da iR genau wie O
aus (8.21) von der Ordnung 1/c ist, muß man in der Entwicklung von H′ in unsere Näherung nur
endlich viele Terme berücksichtigen. Wir erhalten daher
1 1
H′ = H + [iR, H]∗S + [iR, [iR, H]∗S ]∗S + [iR, [iR, [iR, H]∗S ]∗S ]∗S
2 3!
1 ~ 1 ~
+ [iR, [iR, [iR, [iR, H]∗S ]∗S ]∗S ]∗S − 2
Ṙ − [iR, Ṙ]∗S + . . . , (8.35)
4! mc 2 mc2
wobei sich die letzten beiden Terme aus der Rechnung
1 1
eiR −iR
∗S ∗S i∂t ∗S e∗S = i∂t 1 + [iR, i∂t ]∗R + [iR, [iR, i∂t ]∗S ]∗S + . . . = Ṙ + [iR, Ṙ]∗S + . . . (8.36)
2 2
ergeben.
In Anhang C.5 wird gezeigt, daß sich die Gleichung (8.35) zu
H′ = θ 0 + E ′ + O ′ (8.37a)
µ ¶ · µ ¶¸
1 2∗S 1 4∗S 1 i~
mit E ′ = E + θ0 ∗P O − O − O, [O, E]∗S + Ȯ (8.37b)
2 8 8 mc2 ∗S
1 1 i~
und O′ = θ0 ∗P [O, E]∗S − O3∗S + θ0 ∗P Ȯ (8.37c)
2 3 2mc2
87
8. Dirac-Theorie
vereinfachen läßt. Wie in (8.20) wurde H′ in einen Teil θ0 + E ′ mit positiver Parität und einen Teil
O′ mit negativer Parität aufgespaltet. Die reelle Funktion iR haben wir gerade so gewählt, daß
der Term O in der transformierten Funktion H′ nicht mehr erscheint. An die Stelle von O tritt
die Größe O′ , die von der Ordnung (1/c)3 ist und somit um zwei Ordnungen kleiner als O. Die
Funktion E ′ mit positiver Parität hat genau wie E die Ordnung (1/c)2 .
Da jetzt die gleiche Situation vorliegt wie mit H in (8.20), können wir die Transformation mit H′
wiederholen, um die Ordnung des Terms mit negativer Parität weiter zu erhöhen. Dazu müssen wir
lediglich E, O durch die entsprechenden gestrichenen Größen ersetzen. Anhand der Gleichungen
(8.37b) und (8.37c) kann man sich leicht davon überzeugen, daß nach einer zweiten Transformation
lediglich
H′′ = θ0 + E ′′ + O′′ mit E ′′ = E ′ und O′′ = 0 (8.38)
übrigbleibt, wenn man nur Terme bis zur Ordnung (1/c)4 behält. Mit E ′ aus Gleichung (8.37b)
erhalten wir daher das Ergebnis
µ ¶ · µ ¶¸
′′ H ′′ 0 1 2∗S 1 4∗S 1 i~
H = = θ ∗P 1 + O − O +E − O, [O, E]∗S + Ȯ , (8.39)
mc2 2 8 8 mc2 ∗S
wobei diese Größe ausschließlich aus Termen mit positiver Parität besteht.
Bemerkung: Man beachte, daß bisher nur die Ordnung und die Parität der Größen E und O
benutzt wurde. Da man jede Funktion in zwei Teile mit verschiedener Parität aufspalten kann, ist
das Verfahren tatsächlich auch auf andere Systeme anwendbar. Außerdem läßt es sich neben der
Parität auch für andere Abbildung benutzen, deren doppelte Anwendung der Identität entspricht.
[pi , f ]∗S = [pi , f ]∗M = −i~∂qi f und {pi , f }∗S = {pi , f }∗M = 2pi f (8.40)
benutzen, wobei man diese Gleichungen leicht mit Hilfe des Moyal-Produkts (8.5) beweisen kann.
Durch Anwendung der ersten Gleichung aus (8.40) folgt
µ ¶
i~ e e~ e~ 1 e~
[O, E] + Ȯ = 2 3 θ · [p, ϕ]∗S − i 2 4 θ · Ȧ = i 2 3 θ · −∇ϕ − Ȧ = i 2 3 θ · E. (8.41)
mc2 m c m c m c c m c
Mit diesem Ergebnis können wir den letzten Term aus (8.39) bestimmen, der proportional zu
· µ ¶¸
i~ ie~
O, [O, E]∗S + 2
Ȯ = [θ · p, θ · E]∗S
mc ∗S m3 c4
ie~ 1 ³£ i j ¤ © i j ª © i jª £ i j¤ ´
= θ , θ p , E + θ ,θ ∗ p ,E ∗
m3 c4 2 ∗P ∗M P M
ie~ ³ k i j ij j
´
= iǫijk σ 2p E − δ i~∂qi E
m3 c4
2e~ e~2
= σ · (E × p) + div E (8.42)
m3 c4 m3 c4
ist. Hier wurde neben (8.40) noch die Gleichung
θi ∗P θj = iǫijk σ k + δ ij (8.43)
88
8.2. Nicht-relativistische Näherung der Dirac-Gleichung
1 ¡ ¢
O2∗S = 2 2
(θ · P ) ∗S (θ · P )
m c
1 ³ ¡ i j
¢ i
¡ j k
¢´
= δ ij P ∗ M P + iǫijk σ P ∗ M P
m2 c2
1 ³ ie j
£ k
¤ ´
= P ∗M P − iǫijk σ p , A
m2 c2 c ∗M
1 ³ e ´2∗M e~
= p− A − 2 3 σ · B. (8.44)
m2 c2 c m c
Diese Gleichung benutzen wir als Grundlage zur Berechnung von O4∗S :
1 ³ e ´4∗M p4
O4∗S = 4 4
p − A = 4 4, (8.45)
m c c m c
wobei das Ergebnis nur bis zur Ordnung (1/c)4 angegeben wurde.
Die Zwischenergebnisse (8.42), (8.44) und (8.45) können in H′′ aus (8.39) eingesetzt werden,
wobei wir durch Multiplikation mit mc2 schließlich folgendende Hamilton-Funktion erhalten:
µ ¶
1 ³ e ´2∗M p4 e~ 0
H ′′ = θ0 mc2 + p− A − − θ ∗S σ · B + eϕ
2m c 8m3 c2 2mc
e~ e~2
− 2 2 σ · (E × p) − div E. (8.46)
4m c 8m2 c2
Vernachlässigt man Terme der Ordnung (1/c)2 , dann erhält man – bis auf den zusätzlichen Faktor
θ0 und den konstanten Term mc2 – das gleiche Resultat, das auch die minimale Substitution von
H = p2 /2m liefert (vgl. Unterabschnitt 6.1.3). Bei den Termen proportional zu (1/c)2 handelt es
sich daher um relativistische Korrekturen.
8.2.5. Operatordarstellung
Um Gleichung (8.46) mit den bekannten Ergebnissen im Operatorformalismus vergleichen zu
können, müssen wir die Weyl-Dirac-Abbildung darauf anwenden. Dazu wiederholen wir die Defi-
nition
¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢
̺Weyl-Dirac f (θ) b(p, q) = ̺Dirac f (θ) ̺Weyl b(p, q) (8.47)
aus Gleichung (7.71). Die wesentlichen Abbildungsvorschriften für ̺Dirac haben wir bereits in (7.70)
bzw. (8.2) angegeben. Da es sich bei ̺Dirac um eine Abbildung auf die 4 × 4-Matrizen handelt, wird
σ i nicht auf σ̂ i = ̺Pauli (σ i ) abgebildet, sondern es gilt
µ i ¶
i i σ̂ 0
̺Dirac (σ ) = Σ̂ = . (8.48)
0 σ̂ i
Die Wirkung der Weyl-Abbildung wird durch Gleichung (1.17) festgelegt, wobei wir in diesem
Kontext den Spezialfall
1
̺Weyl (f (q)p) = (f (q̂)p̂ + p̂f (q̂)) (8.49)
2
benötigen werden.
In der Berechnung von ̺Weyl-Dirac (H ′′ ) muß nur solchen Termen Beachtung geschenkt werden,
in denen gewöhnliche Produkte von Orts- und Impuls-Variablen gemeinsam auftreten. Dies ist
89
8. Dirac-Theorie
lediglich bei dem Term proportional zu σ · (E × p) der Fall, da E eine Funktion von q ist. Aus
den Gleichungen (8.47) und (8.49) folgt
¡ ¢ ¡ ¢
̺Weyl-Dirac (σ · (E(q) × p)) = ǫijk ̺Dirac σ i ̺Weyl E j (q) pk
1¡ ¢
= ǫijk Σ̂i E j (q̂) p̂k + p̂k E j (q̂)
2
1 ¡ ¢
= Σ̂ · E(q̂) × p̂ − p̂ × E(q̂) . (8.50)
2
Wir betrachten nun die Ortsraumdarstellung mit q̂ = q und p̂ = ~∇/i. Im letzten Term von (8.50)
wirkt der Operator p̂ sowohl auf E(q) als auch auf darauf folgende Funktionen. Daher erhalten
wir schließlich µ ¶
i~
̺Weyl-Dirac (σ · (E × p)) = Σ̂ · E × p̂ + rot E . (8.51)
2
Mit Hilfe von Gleichung (8.51) können wir nun die Hamilton-Funktion (8.46) in der Operator-
darstellung Ĥ ′′ = ̺Weyl-Dirac (H ′′ ) angeben:
µ ¶
′′ 2 1 ³ e ´2∗M p̂ 4 e~
Ĥ = β̂ mc + p̂ − A − − β̂ Σ̂ · B + eϕ
2m c 8m3 c2 2mc
e~ ie~2 e~2
− 2 2 Σ̂ · (E × p̂) − Σ̂ · rot E − div E, (8.52)
4m c 8m2 c2 8m2 c2
was mit dem bekannten Ergebnis aus [BD1964, Seite 62] übereinstimmt.
Durch den Vergleich mit der Hamilton-Funktion der Pauli-Theorie (6.5), die durch minimale
Substitution von Ĥ = p̂2 /2m gewonnen wurde, kann man die relativistischen Korrekturen iden-
tifizieren. Der Term der Ordnung p4 ist die relativistische Korrektur der kinetischen Energie und
der Term proportional zu div E ist als Darwin-Term bekannt. Die beiden verbleibenden Terme mit
E enthalten die Spin-Bahn-Energie. Nur zusammen ergeben sie einen hermiteschen Beitrag zum
Hamilton-Operator Ĥ ′′ .
8.3.1. Energieprojektoren
Zunächst schreiben wir die Gleichung (8.12) für den Fall p = 0 in der Form
(HD ∓ E) ∗S π D 0 D
±E (0) = (θ mc ∓ mc) ∗P π ±E (0) = 0, (8.53)
wobei die Definitionen (8.3) und (8.9) verwendet wurden. Die Lorentz-Transformationen für γ µ ist
in Gleichung (7.77) zu finden:
T (γ µ ) = T −1 ∗P γ µ ∗P T = Lµν γ ν . (8.54)
Diese Transformation können wir auf die Sterneigenwertgleichung (8.53) anwenden, so daß sich
T −1 ∗P (θ0 mc ∓ mc) ∗P π D
±E (0) ∗P T = (T
−1
∗P θ0 mc ∗P T ∓ mc) ∗P T −1 ∗P π D
±E (0) ∗P T = 0 (8.55)
90
8.3. Kovariante Projektoren
ergibt.
Es wird hier ein reiner Boost ohne Drehung betrachtet. Um T −1 ∗P θ0 mc ∗P T zu bestimmen,
rufen wir uns in Erinnerung, daß Gleichung (8.54) eine passive Transformation von γ µ darstellt.
Der Lorentz-Boost von p/ = pµ γ µ gemäß (8.54) entspricht daher einem aktiven Lorentz-Boost des
Vierervektors pµ . Da mcγ 0 gerade p/ für das Ruhesystem ist, folgt daraus
(p/ ∓ mc) ∗P π D
±m (p) = 0 mit πD
±m (p) = T
−1
∗P π D
±E (0) ∗P T . (8.57)
8.3.2. Spin-Projektoren
Um die Spin-Observable aus Gleichung (8.14) in eine kovariante Schreibweise zu bringen, nehmen
wir an, daß u der räumliche Teil eines Vierervektors uµ ist, dessen Komponente u0 im Ruhesystem
verschwindet. In diesem Fall erhält man im Ruhesystem
~ 5 ~
Su = γ ∗P (γ · u) = − γ 5 ∗P u/, (8.59)
2 2
wobei die rechte Seite die kovariante Verallgemeinerung der Spin-Observablen (8.14) ist. Durch
einen Lorentz-Boost wie in Gleichung (8.54) kann u0 nun auch von Null verschiedene Werte an-
nehmen.
Die kovariante Form der Bedingung u2 = 1 lautet
uµ uµ = −1. (8.60)
Mit Su aus (8.59) gehen die Spin-Projektoren (8.18) nun über zur kovarianten Darstellung
µ ¶
S 1 2 1¡ ¢
π ±s (u) = 1 ± Su = 1 ∓ γ 5 ∗P u/ . (8.62)
2 ~ 2
Dies entspricht ebenfalls dem bekannten Ergebnis aus der Dirac-Theorie. Um zu gewährleisten,
daß diese Projektoren mit den Energieprojektoren (8.58) kommutieren, ändern wir die Orthogo-
nalitätsbedingung u · p = 0 in
uµ pµ = 0 (8.63)
ab. Daraus folgt £ ¤
γ 5 ∗P u/, p/ ∗ = γ 5 ∗P {u/, p/}∗P = γ 5 uµ pµ = 0. (8.64)
P
91
8. Dirac-Theorie
Auf Grund von Gleichung (8.61) erfüllen die kovarianten Spin-Projektoren die Sterneigenwert-
gleichung
~
Su ∗P π S±s (u) = ± π S±s (u). (8.65)
2
Dieses Ergebnis mit der Observablen (8.59) und den Projektoren (8.62) ergibt sich auch direkt aus
(8.18), indem man die Lorentz-Transformation (8.54) anwendet.
Mit dem Energie- und dem Spin-Projektor kann man das Produkt
π DS D S
±m,±s (p, u) = π ±m (p) ∗P π ±s (u) (8.66)
bilden, wobei die beiden Vorzeichen in ±m und ±s unabhängig voneinander gewählt werden kön-
nen. Aus der Kommutatorrelation (8.64) können wir zwei Eigenschaften der Funktionen π DS ±m,±s
folgern: Einerseits besitzt diese Funktion genau wie ihre Faktoren Projektoreigenschaften und
andererseits erfüllen die vier Projektoren π DS
±m,±s sowohl die Sterneigenwertgleichung (8.57) als
auch (8.65). In diesem Sinne entsprechen sie den Viererspinoren u und v aus der Dirac-Theorie.
92
Fazit
Im ersten Teil dieser Arbeit sahen wir, daß die Wigner-Funktionen eine Formulierung der Quan-
tenmechanik auf dem Phasenraum ermöglichen, die stetig in die klassische Mechanik übergeht,
wenn ~ gegen Null strebt. Der harmonische Oszillator wurde betrachtet, um einige Methoden der
Deformationsquantisierung anhand eines expliziten Beispiels zu illustrieren. Bei der Rechnung hat
sich das umbrale Kalkül als nützlich erwiesen. Darauf basierend wurde bei der Diskussion des
Landau-Problems gezeigt, daß die minimale Substitution in der Hamilton-Funktion durch eine
Modifikation des Moyal-Produkts ersetzt werden kann.
Die Deformationsquantisierung konnte im zweiten Teil erfolgreich auf Grassmann-Variablen er-
weitert werden, was zu den Definitionen des Super-Moyal-Produkts und der Super-Moyal-Klammer
führte. Durch die Deformation der Grassmann-Algebra ergab sich eine Clifford-Algebra, so daß wir
diesen Übergang Cliffordisierung“ genannt haben. Die Cliffordisierung entspricht dem Wechsel von
”
der pseudoklassischen Mechanik zur fermionischen Quantenmechanik.
Mit dem Super-Moyal-Produkt ließ sich eine Bewegungsgleichung angeben, die die fermionischen
Freiheitsgrade beschreibt, wie am Beispiel des fermionischen Oszillators demonstriert werden konn-
te. Kombiniert mit den Ergebnissen zu den Landau-Niveaus waren wir in Lage, den Feynman-Trick
anzuwenden, um den Spin eines Teilchens im homogenen Magnetfeld im Rahmen der Pauli-Theorie
zu berücksichtigen.
Es wurde gezeigt, daß die Grassmann-Algebra mit der Super-Moyal-Klammer zu einer gradu-
ierten Lie-Algebra wird, die sich auf den bosonischen Phasenraum erweitern ließ. Damit war die
formale Grundlage geschaffen, um einige Aspekte der supersymmetrischen Quantenmechanik zu
diskutieren, wie wir am Beispiel des supersymmetrischen Oszillators gesehen haben. Mit diesen
Ergebnissen konnte schließlich die Supersymmetrie des Landau-Problems für ein Teilchen mit Spin
offenbart werden.
Mit Hilfe der deformierten Grassmann-Algebra ist es uns im dritten Teil dieser Arbeit gelungen,
Lorentz-Transformationen darzustellen. Dies wurde benutzt, um im letzten Kapitel eine manifest
kovariante Version der Dirac-Theorie herzuleiten, die zur üblichen Formulierung äquivalent ist. Im
Hamilton-Formalismus konnten wir außerdem die Foldy-Wouthuysen-Transformation anwenden,
um die niedrigsten relativistischen Korrekturen zur Pauli-Theorie zu bestimmen. Mit der zuvor
definierten Weyl-Dirac-Abbildung haben wir das bekannte Ergebnis des Operatorformalismus re-
produziert.
Im Kontrast zur kanonischen Quantisierung erlaubt die Deformationsquantisierung einen intui-
tiveren Zugang zur Quantenmechanik. In dieser Arbeit konnte das Anwendungsspektrum dieser
Quantisierungsmethode und der hier diskutierten fermionischen Erweiterung allerdings nur ange-
deutet werden. Die Behandlung der Quantenfeldtheorie in Rahmen der Deformationsquantisierung
ist ebenfalls möglich, wobei hier auf [HH2002c] verwiesen werden soll.
93
Anhang
Kapitelverzeichnis
mit Hilfe der Gleichung (1.12) in der Form p̂q̂ = q̂ p̂ − i~ überprüft werden.
Mit ½ ~ ~
¾
i~ ¡ ~ ~
¢ i~
qp ∗ p = qp 1 + ∂ q ∂p − ∂ p ∂q p = qp2 + p (A.2)
2 2
und (1.13) erhält man für die linke Seite
1¡ 2 ¢ i~ 1¡ 2 ¢ i~
̺Weyl (qp ∗ p) = q̂ p̂ + p̂2 q̂ + p̂ = q̂ p̂ + p̂q̂ p̂ − i~p̂ + p̂
2 2 2 2
1¡ 2 ¢ i~ 2 i~
= 2q̂ p̂ − 2i~p̂ + p̂ = q̂ p̂ − p̂, (A.3)
2 2 2
was identisch ist mit dem Ergebnis der Rechnung
1 1 i~
̺Weyl (qp) ̺Weyl (p) = (q̂ p̂ + p̂q̂) p̂ = (2q̂ p̂ − i~) p̂ = q̂ p̂2 − p̂ (A.4)
2 2 2
für die rechte Seite. Somit ist Gleichung (A.1) bewiesen.
95
A. Anhang zur bosonischen Deformationsquantisierung
aus (1.52) zu entnehmen ist. Mit Hilfe dieser Gleichungen soll nun das dreifache Moyal-Produkt
berechnet werden.
Durch wiederholte Anwendung von (A.5) findet man:
Z µ ¶
1 ′′′ ′′′ ′′′ ′′′ 4i ′′′
(f ∗ g) ∗ h = dq̃ dq dp̃ dp (f ∗ g)(q̃, p̃) h(q , p ) exp A(x, x̃, x )
~2 π 2 ~
Z
1
= dq ′ dq ′′ dq ′′′ dq̃ dp′ dp′′ dp′′′ dp̃ f (q ′ , p′ )g(q ′′ , p′′ )h(q ′′′ , p′′′ )
~4 π 4
µ ¶ µ ¶
4i 4i
× exp A(x̃, x′ , x′′ ) exp A(x, x̃, x′′′ )
~ ~
Z
1
= dq ′ dq ′′ dq ′′′ dp′ dp′′ dp′′′ f (q ′ , p′ )g(q ′′ , p′′ )h(q ′′′ , p′′′ )
~4 π 4
Z µ ¶
4i ¡ ¢
× dq̃ dp̃ exp A(x̃, x′ , x′′ ) + A(x, x̃, x′′′ ) . (A.7)
~
Um die Integration über q̃ und p̃ ausführen zu können, muß man das Argument der Exponential-
funktion mit Gleichung (A.6) explizit als
¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢
2 A(x̃, x′ , x′′ ) + A(x, x̃, x′′′ ) = p̃ q ′′ − q ′ + p′ q̃ − q ′′ + p′′ q ′ − q̃
¡ ¢ ¡ ¢
+p q ′′′ − q̃ + p̃ q − q ′′′ + p′′′ (q̃ − q)
¡ ¢ ¡ ¢
= q̃ −p + p′ − p′′ + p′′′ + p̃ q − q ′ + q ′′ − q ′′′
+p′ q ′′ + p′′ q ′ + pq ′′′ − p′′′ q (A.8)
R +∞
schreiben. Mit der bekannten Gleichung −∞ exp(ixt) dt = 2πδ(x) erhält man daher
Z µ ¶
4i ¡ ¢
dq̃ dp̃ exp A(x̃, x′ , x′′ ) + A(x, x̃, x′′′ )
~
µ ¶
2i ′ ′′
¡ ¢
= exp p q + p′′ q ′ + pq ′′′ − p′′′ q
~
Z µ ¶
2i ¡ ¡ ′ ′′ ′′′
¢ ¡ ′ ′′ ′′′
¢¢
× dq̃ dp̃ exp q̃ −p + p − p + p + p̃ q − q + q − q
~
µ ¶
2i ¡ ′ ′′ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢
= exp p q + p q + pq − p q π 2 ~2 δ p − p′ + p′′ − p′′′ δ q − q ′ + q ′′ − q ′′′ . (A.9)
′′ ′ ′′′ ′′′
~
Aus den Argumenten der δ-Funktionen ließt man die Bedingungen
p = p′ − p′′ + p′′′ und q = q ′ − q ′′ + q ′′′ (A.10)
ab, so daß sich
¡ ¢ ¡ ¢
p′ q ′′ + p′′ q ′ + pq ′′′ − p′′′ q = p′ q ′′ + p′′ q ′ + p′ − p′′ q ′′′ − p′′′ q ′ − q ′′
¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢
= p′ q ′′ − q ′′′ + p′′ q ′ − q ′′′ + p′′′ q ′′ − q ′
= 2A(x′ , x′′ , x′′′ ) (A.11)
ergibt. Die Gleichungen (A.11) und (A.9) können schließlich in (A.7) eingesetzt werden und man
erhält
Z
1
(f ∗ g) ∗ h = dq ′ dq ′′ dq ′′′ dp′ dp′′ dp′′′ f (q ′ , p′ )g(q ′′ , p′′ )h(q ′′′ , p′′′ )
~2 π 2
µ ¶
¡ ′ ′′ ′′′
¢ ¡ ′ ′′ ′′′
¢ 4i ′ ′′ ′′′
δ p − p + p − p δ q − q + q − q exp A(x , x , x ) . (A.12)
~
Da auf der rechten Seite kein Bezug mehr auf die Klammerung der linken Seite genommen wird,
folgt aus dieser Gleichung die Assoziativität des Moyal-Produkts.
96
A.3. Umformung eines Integrals
Man beachte, daß die Ableitung ∂q′ = 12 ∂q − ∂y nicht auf ψ̄(q + y/2, t) wirkt.
Es muß versucht werden, die Hamilton-Funktion H aus dem Integral zu entfernen. Durch wieder-
holte partielle Integration erhält man für eine Funktion g(y) mit limy→±∞ g(y) = 0 die Gleichung
Z Z
¡ ¢ ipy/~
dy f (i~∂y ) g(y) e = dy f (p) g(y) eipy/~. (A.15)
Da die Hamilton-Funktion ohne Beschränkung der Allgemeinheit die Form H = p2 /2m + V (q; t)
hat, kann man das Integral in Gleichung (A.14) in zwei Terme aufteilen. Da die y-Abhängigkeit
nur im Potentialterm auftritt, läßt sich Gleichung (A.15) dann auf den kinetischen Anteil der
Hamilton-Funktion anwenden, so daß man die Rechnung aus Gleichung (A.14) durch
Z
dy hq − y/2| Ĥ(t)ρ̂(t) |q + y/2i eipy/~
Z
= dy H(q − y/2, p − i~∂q /2; t) ψ(q − y/2, t) ψ̄(q + y/2, t) eipy/~ (A.16)
fortführen kann.
Da der Translationsoperators exp(y∂q ) angewendet auf f (q) eine Verschiebung des Funktionsar-
guments q → q + y bewirkt, kann man die letzte Gleichung in
Z
dy hq − y/2| Ĥ(t)ρ̂(t) |q + y/2i eipy/~
Z ~
97
A. Anhang zur bosonischen Deformationsquantisierung
zeigt, kann man die Wigner-Funktionen in der folgenden Variante als Moyal-Produkt schreiben:
µZ ¶
ipy/~
π(q, p; t) = dy ψ(q − y/2, t) e ∗ ψ̄ (q, t) . (A.21)
so daß man ψ̄ praktisch in der Rechnung nicht berücksichtigen muß. Dies korrespondiert zu der
Tatsache, daß die in (A.14) auftretende Ableitung ∂q′ = ∂q /2 − ∂y nicht auf ψ̄(q + y/2, t) wirkt.
Diese Gleichung ist für alle reellen Werte von y gültig, also insbesondere auch für y = −~/(2hp2 i):
µ ¶2
2® ~2 ~2 2® ~2 2® 2® ~
q − + = q − ≥0 ⇔ q p ≥ . (A.25)
2 hp2 i 4 hp2 i 4 hp2 i 2
Im letzten Schritt wurde die Ungleichung mit der positiven Zahl hp2∗ i = hp2 i multipliziert. Der
Fall hp2 i = 0 kann berücksichtigt werden, indem man die Rechnung mit q und p in vertauschten
Rollen wiederholt.
Das Ergebnis (A.25) bleibt unverändert gültig, wenn man q und p durch die Größen q ′ = q − hqi
bzw. p′ = p − hpi ersetzt, denn es gilt
′ ′ ® ′2 ® ′ ′ ® ′2 ® £ ′ ′¤ £ ¤
q ∗q = q ≥0 , p ∗p = p ≥0 und q , p ∗ = q, p ∗ = i~. (A.26)
98
A.5. Koordinatentransformation im Moyal-Produkt
mit den Koordinaten q1 , q2 , P1 und P2 dargestellt werden, die gemäß (3.10) folgendermaßen defi-
niert sind:
mω
P1 = p1 + λq2 und P2 = p2 − λq1 mit λ= . (A.30)
2
Die in Matrixform lautende Transformation
q1 0 0 1 0 p1
q2 0 1 0 0 q2
P1 = 1 +λ 0 0 q1 (A.31)
P2 0 0 −λ 1 p2
kann mit T
∂q1 1 0 0 0 ∂q1
∂q2 0 1 0 0 ∂q2
∂p1 = 0 +λ 1 (A.32)
0 ∂P1
∂p2 −λ 0 0 1 ∂P2
auf die entsprechenden Ableitungen übertragen werden. Damit kann schließlich der Exponent des
Moyal-Produkts (A.29) umgeschrieben werden, wie die Rechnung
~ ~ ~ ~
∂ q1 ∂~p1 − ∂ p1 ∂~q1 + ∂ q2 ∂~p2 − ∂ p2 ∂~q2
∂~q1
~ ~ ~ 0
~ 0 1 0
∂~q2
¢ 0
¡ 0 0 1
= ∂ q1 ∂ q2 ∂ p1 ∂ p2
∂~p1
−1 0
0 0
0 −1 ∂~p2
0 0
~
~ ~ ~ ~0 0 1 0 ∂q1
¢ 0 ~
¡ 0 0 1 ∂q2
= ∂ q1 ∂ q2 ∂ P1 ∂ P2
+2λ ∂~P1
−1 0
0
0 −1 −2λ 0 ∂~P2
~ ~ ~ ~ ~ µ ¶Ã~ !
¡ ¢ ¡ ¢ 0 1 ∂~P
= ∂ q1 ∂~P1 − ∂ P1 ∂~q1 + ∂ q2 ∂~P2 − ∂ P2 ∂~q2 + 2λ ∂ P1 ∂ P2 1
~ ~ ~ ~ ~ −1 0 ∂~P2 ~
¡ ¢ ¡ ¢
= ∂ q1 ∂~P1 − ∂ P1 ∂~q1 + ∂ q2 ∂~P2 − ∂ P ∂~q + 2λ ∂ P ∂~P − ∂ P ∂~P
2 2 1 2 2 1 (A.33)
99
B. Anhang zur fermionischen
Deformationsquantisierung
In diesem Anhang werden das Grassmann-Moyal-Produkt
à n ~ !
~X
f ∗ g = f exp ∂ ϑi ∂~ϑi g, (B.1)
2
i=1
das in Gleichung (4.33) definiert wurde, sowie die Spur (4.47) näher betrachtet.
Im ersten Abschnitt bestimmen wir die explizite Darstellung für n = 1 und 2 und der zweite Ab-
schnitt liefert den Beweis der Assoziativität für den Fall n = 1. Anschließend wird die Integralregel
(4.36) gezeigt. Der vierte Abschnitt dient zum Beweis der Spureigenschaft (4.48).
Im Fall n = 2 bricht die Entwicklung nach dem Term der Ordnung ~2 ab:
µ ~ ~ ¶
~¡ ~ ~
¢
f ∗g = f exp ∂ ϑ1 ∂ϑ1 + ∂ ϑ2 ∂ϑ2 g
2
~ ~ µ ¶ ~ ~
~ ¡ ~ ~
¢ 1 ~ 2 ¡ ¢2
= f g + f ∂ ϑ1 ∂ϑ1 + ∂ ϑ2 ∂ϑ2 g + f ∂ ϑ1 ∂~ϑ1 + ∂ ϑ2 ∂~ϑ2 g
2 2 2
~ ~ µ ¶2 ~ ~
~ ¡ ¢ ~
= f g + f ∂ ϑ1 ∂~ϑ1 + ∂ ϑ2 ∂~ϑ2 g + f ∂ ϑ1 ∂~ϑ1 ∂ ϑ2 ∂~ϑ2 g
2 2
~ ~ ~ ~
~ ¡ ¢ ~2
= f g + f ∂ ϑ1 ∂~ϑ1 + ∂ ϑ2 ∂~ϑ2 g − f ∂ ϑ2 ∂ ϑ1 ∂~ϑ2 ∂~ϑ1 g. (B.3)
2 4
In dieser Rechnung wurde mehrfach benutzt, daß die Ableitungen ∂ϑi untereinander antikommu-
tieren. Daraus folgt unter anderem (∂ϑi )2 = 0.
(f ∗ g) ∗ h = f ∗ (g ∗ h) (B.4)
101
B. Anhang zur fermionischen Deformationsquantisierung
Dazu nehmen wir zunächst an, daß g = gm eine Funktion vom homogenen Grad m ist. Für die
linke Seite von (B.4) ergibt sich dann
µ ~ ¶µ ~ ¶
~¡ ¢¡
~
¢ ~ ¡~ ¢
(f ∗ gm ) ∗ h = f gm + f ∂ ϑ ∂ϑ gm h + ∂ ϑ ∂ϑ h
2 ~ 2 ~
~ ¡ ¢¡ ¢ ~ ¡ ¢
= f gm h + f ∂ ϑ ∂~ϑ gm h + (f gm ) ∂ ϑ ∂~ϑ h
2 ~ 2 ~ ~
~ ³¡ ¢¡ ¢ ¡ ¢¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢´
= f gm h + f ∂ ϑ ∂~ϑ gm h + f gm ∂ ϑ ∂~ϑ h + (−1)m f ∂ ϑ gm ∂~ϑ h (B.5)
2
und die rechte Seite der Gleichung (B.4) lautet
µ ~ ¶µ ~ ¶
~¡ ¢
~ ~¡ ¢¡
~
¢
f ∗ (gm ∗ h) = f + f ∂ ϑ ∂ϑ gm h + gm ∂ ϑ ∂ϑ h
2 ~ 2 ~
~¡ ¢ ~ ¡ ¢¡ ¢
= f gm h + f ∂ ϑ ∂~ϑ (gm h) + f gm ∂ ϑ ∂~ϑ h
2 ~ 2 ~ ~
~ ³¡ ¢¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢¡ ¢´
= f gm h + f ∂ ϑ ∂ϑ gm h + (−1)m f ∂ ϑ gm ∂~ϑ h + f gm ∂ ϑ ∂~ϑ h , (B.6)
~
2 ~
¡ ¢2 ¡ ¢2
so daß tatsächlich beide Seiten gleich sind. Bei der Rechnung wurde wieder ∂ ϑ = ∂~ϑ = 0
ausgenutzt, so daß die Terme der Ordnung ~2 wegfallen.
Da die Gleichung (B.4) linear in g ist, folgt die Verallgemeinerung des Beweises für beliebige
Größen durch die Zerlegung in Monome, wie es in Gleichung (4.2) gezeigt wurde.
B.3. Integralregel
Hier soll bewiesen werden, daß man das Grassmann-Moyal-Produkt im Integral über die gesamte
Grassmann-Algebra durch das gewöhnliche Produkt der Grassmann-Algebra ersetzen kann. Dies
ist gerade die Aussage der Gleichung
Z Z
dϑ1 . . . dϑn f ∗ g = dϑ1 . . . dϑn f g, (B.7)
102
B.4. Die Spur
Mit dieser Definition gilt Tr(1) = 2, was gerade der gewöhnlichen Spur einer 2 × 2 Einheitsmatrix
entspricht.
Im folgenden soll die Spureigenschaft
103
C. Anhang zu Gruppen und deren Anwendungen
Dieser in fünf Abschnitte aufgeteilte Anhang dient zur Ergänzung der Kapitel 7 und 8.
Zunächst wird eine Multiplikationstabelle hergeleitet, auf die die Diskussion der Algebra Cl∗3
aufbaut. Im zweiten Abschnitt gehen wir auf die beiden Matrixgruppen SU (2) und SL(2, C) ein.
Der dritte Abschnitt dient der Beschreibung einer alternativen Darstellung der Größen γ µ , die
auf einer Grassmann-Algebra mit sechs Erzeugern basiert. Im Anschluß daran finden sich Neben-
rechnungen, in denen einige Transformationen explizit bestimmt werden. Im fünften Abschnitt
wird eine Gleichung vereinfacht, die bei der Behandlung der Foldy-Wouthuysen-Transformation in
Kapitel 8 auftritt.
wobei die in dieser Rechnung auftretenden Summen explizit kenntlich gemacht wurden. Multipli-
ziert man Gleichung (C.5) von links mit θi , dann ergibt sich mit Gleichung (C.2) die Regel
Σi = θi ∗ Ω. (C.6)
Durch Multiplikation mit Ω von rechts folgt daraus unter Verwendung der Gleichung (C.4) wie-
derum
θi = −Σi ∗ Ω. (C.7)
Betrachten wir nun das Produkt θi ∗ Ω = θi ∗ θ1 ∗ θ2 ∗ θ3 genauer. Da i entweder 1, 2 oder 3
sein muß, kommutiert θi mit einem der drei Faktoren θ1 , θ2 und θ3 in Ω, wohingegen θi mit den
anderen beiden antikommutiert. Daher erhält man θi ∗ Ω = (−1)2 θ1 ∗ θ2 ∗ θ3 ∗ θi = Ω ∗ θi , so daß Ω
105
C. Anhang zu Gruppen und deren Anwendungen
mit θi kommutiert. Da Σi zwei Faktoren θi enthält, kommutiert Ω auch mit Σi . Wir haben daher
die beiden Gleichungen £ i ¤ £ i ¤
θ ,Ω ∗ = 0 und Σ ,Ω ∗ = 0 (C.8)
gezeigt.
Mit diesem Resultat und der Gleichung Ω∗Ω = −1 kann man leicht die linke Seite von Gleichung
(C.2) in
θi ∗ θj = −Ω ∗ Ω ∗ θi ∗ θj = −Ω ∗ θi ∗ Ω ∗ θj = −Σi ∗ Σj (C.9)
umformen. Multipliziert man (C.2) mit Ω, dann ergibt sich für die linke Seite
Ω ∗ θ i ∗ θ j = Σi ∗ θ j = θ i ∗ Ω ∗ θ j = θ i ∗ Σj (C.10)
und die rechte Seite der Gleichung wird zu
¡ ¢
Ω ∗ ǫijk Σk + δ ij = −ǫijk θk + δ ij Ω. (C.11)
Damit haben wir
θi ∗ θj = −Σi ∗ Σj = ǫijk Σk + δ ij , (C.12)
i j i j k
und θ ∗Σ = Σ ∗θ = −ǫijk θ + δ ij Ω (C.13)
bewiesen.
Bis auf die triviale Multiplikation mit 1 wurden somit alle Pauli-Produkte zweier Basiselemente
bestimmt. Sie werden in der folgenden Multiplikationstabelle zusammengefaßt.
∗ θj Σj Ω
θi ǫijk Σk + δ ij −ǫijk θk + δ ij Ω Σi
Σi −ǫijk θk + δ ij Ω −ǫijk Σk − δ ij θi
Ω Σj θj −1
106
C.3. Eine zu Cl∗4 äquivalente Algebra
1
σi = ǫijk θj θk , σ i ∗ σ j = iǫijk σ k + δ ij und ̺Pauli (σ i ) = σ̂ i . (C.16)
2i
Die Darstellung der σ i greift nur auf die gerade Unteralgebra von Cl∗4 zurück. Diese Algebra wird
nun von drei auf sechs Generatoren θi mit i = 1, 2, . . . , 6 erweitert, wobei auch das Pauli-Produkt
dementsprechend durch das Sternprodukt
à 6 !~
X
f ∗ g = f exp ∂ i ∂~ i gθ θ (C.17)
i=1
ersetzt wird. Naheliegender Weise bezeichnen wir die hier diskutierte Algebra mit Cl∗6 , wobei im
folgenden tatsächlich nur der gerade Teil dieser Algebra zum Tragen kommt.
Um die Tensorstruktur der 4 × 4-Matrizen
aus Gleichung (7.65) nachzuahmen, führen wir eine Kopie der σ i ein. Dazu halten wir uns an
die Konvention, daß die Indizes a, b und c nur die Werte 4, 5, 6 annehmen können, wohingegen i,
j und k auf 1, 2, 3 beschränkt sind. Außerdem wird ein weiterer total antisymmetrischer Tensor
εabc = ǫa−3,b−3,c−3 definiert. Damit kann die Kopie der σ i auf folgende Weise angegeben werden:
1
σa = εabc θb θc . (C.19)
2i
Analog zu σ i erfüllen diese Größen die Gleichung
σ a ∗ σ b = iεabc σ c + δ ab , (C.20)
107
C. Anhang zu Gruppen und deren Anwendungen
Um Elemente aus Cl∗6 zu finden, die den Matrizen γ̂ 0 und γ̂ i entsprechen, gehen wir nach folgender
Konstruktion vor. Ein σ̂ i im ersten Faktor des Tensorprodukts wird durch σ i+3 ersetzt und ein σ̂ j
im zweiten Faktor durch σ j . Eine Einheitsmatrix I wird in beiden Faktoren durch eine 1 ersetzt.
Nach dieser Vorschrift entsprechen die Matrizen aus (C.18) den Größen
γ 0 = σ6 und γ i = σiσ5. (C.21)
Man kann sich leicht davon überzeugen, daß es sich bei der oben angegebenen Konstruktion um
einen Isomorphismus handelt.
Bemerkung: In Gleichung (7.16) haben wir die Größen σ i angegeben, die die gleichen Pro-
duktregeln erfüllen wie σ i = ǫijk θj θk /2i. Dementsprechend kann man in der oben beschriebenen
Konstruktion der γ µ anstelle von σ a aus (C.19) auch
1
σ4 = θ4 , σ5 = θ5 und σ 6 = θ4 θ5 (C.22)
2i
verwenden. Dies führt zu der Darstellung
1
γ 0 = θ4 θ5 und γ i = σi θ5 , (C.23)
2i
wobei hier nur die fünf Erzeuger benötigt werden.
108
C.4. Berechnung einiger Transformationen
−iσ·δ/2 δ δ
e−iS·δ
∗ = e∗ = cos − iσ · nδ sin (C.30)
2 2
aus (7.22) verwenden, wobei hier n anstelle des Einheitsvektors nδ geschrieben wird.
Für die Komponenten von θ ergibt sich gemäß (C.29) folgende Transformationsvorschrift:
µ ¶ µ ¶
j δ δ j δ δ
Rδ (θ ) = cos − iσ · n sin ∗ θ ∗ cos + iσ · n sin
2 2 2 2
δ δ δ δ£ ¤
= θj cos2 + sin2 ni nj σ i ∗ θj ∗ σ k − i sin cos σ · n, θj ∗
2 2 2 2
δ δ ³ ´ δ δ
= θj cos2 + sin2 ni nj δ ij θk − δ ik θj + δ kj θi − i sin cos 2iǫijk ni θk
2 2 2 2
2 δ 2 δ δ δ¡
j
¡ j
¢ ¢
= θ cos + sin 2nj (n · θ) − θ − i sin cos − 2i(n × θ)j
µ 2 2 ¶ 2 2
j 2 δ 2 δ 2 δ δ δ
= θ cos − sin + 2 sin nj (n · θ) − 2 sin cos (n × θ)j
2 2 2 2 2
= θj cos δ + (1 − cos δ) nj (n · θ) − sin δ(n × θ)j
¡ ¢ ¡ ¢ ¡ ¢
= nj n · θ + cos δ θj − nj (n · θ) − sin δ n × θ j . (C.31)
geschrieben werden.
Bω : θ 7→ e∗−iK·ω ∗ θ ∗ e−iK·ω
∗ (C.34)
bestimmt ist.
Die Berechnung dieser Transformation verläuft sehr ähnlich zur Rechnung aus (C.31), wobei wir
nω durch n ersetzen.
³ ω ω´ j ³ ω ω´
Bω (θ) = cosh − θ · n sinh ∗ θ ∗ cosh − θ · n sinh
2 2 2 2
2 ω j 2 ω ω ω©
i j k
ª
= cosh θ + sinh ni nj θ ∗ θ ∗ θ − sinh cosh θ · n, θj ∗
2 2 2 2
2 ω j 2 ω ω ω
¡ ¡ ¢ j
¢
= cosh θ + sinh ni nj 2nj n · θ − θ − sinh cosh 2nj
³ 2 2´ 2 2
2 ω 2 ω 2 ω ω ω
j
¡ ¢
= cosh − sinh θ + 2 sinh nj n · θ − 2 sinh cosh nj
2 2 ¡ ¢ 2 2 2
= θj + (cosh ω − 1) nj n · θ − sinh ω nj . (C.35)
109
C. Anhang zu Gruppen und deren Anwendungen
In diesem Fall ist das Transformationsverhalten für 1 im Gegensatz zur Rotation nicht trivial:
Mit den Definitionen cosh ω = γ und sinh ω = βγ können wir das Ergebnis in den Gleichungen
¡ ¢ ¡ ¢
Bω (1) = γ 1 − β · θ und Bω (θ) = θ + (γ − 1) nβ nβ · θ − γβ (C.37)
zusammenfassen.
Der Spin S rotiert also mit der Zyklotronfrequenz ω = eB/mc um eine Achse senkrecht zur
ϑ1 ϑ2 -Ebenen.
110
C.5. Kommutatoren von (un)geraden Operatoren
θ0
iR = ∗P O (C.50)
2
aus (8.34) erinnert. Für die folgenden Rechnungen benutzen wir die Vertauschungsrelationen
£ 0 ¤ £ ¤ © 0 ª © ª
θ , E ∗ = θ0 , E ∗ = 0 und θ , O ∗ = θ0 , O ∗ = 0 (C.51)
S P S P
aus (8.23), ohne die Größen O und E genauer zu kennen. Mit diesen Gleichungen und der elemen-
taren Regel
θ0 ∗S θ0 = θ0 ∗P θ0 = 1 (C.52)
kann man in jedem Term von H′ alle mehrfach vorkommenden Faktoren θ0 eleminieren.
Wir betrachten die Größen E, E ′ mit positiver Parität und O, O′ , O′′ mit negativer Parität. Aus
der Gleichung (C.51) kann man leicht folgende Relationen ableiten:
£ 0 ¤ £ ¤
θ ∗S O, E ′ ∗ = θ0 ∗S [O, E ′ ]∗S , (a) O, θ0 ∗S E ∗ = −θ0 ∗S {O, E}∗S , (b)
£ 0 ¤S © ªS
θ ∗S O, O′′ ∗ = θ0 ∗S {O, O′′ }∗S (c) und O, θ0 ∗S O′ ∗ = −θ0 ∗S [O, O′ ]∗S . (d)
S S
0
Wenn man E ′ = θ ∗S E in (a) einsetzt und darauf (b) anwendet, dann ergibt sich
£ 0 ¤
θ ∗S O, θ0 ∗S E ∗ = − {O, E}∗S , (e)
S
wobei wir Gleichung (C.52) benutzt haben. Auf analoge Weise folgt mit O′′ = θ0 ∗S O′ aus (c) und
(d) £ 0 ¤ £ ¤
θ ∗S O, θ0 ∗S O′ ∗ = − O, O′ ∗ . (f)
S S
111
C. Anhang zu Gruppen und deren Anwendungen
Aus den Gleichungen (a) bis (f) ergeben sich die folgenden Regeln:
£ 0 ¤
(a) für E′ = E ⇒ θ ∗S O, E ∗ = θ0 ∗S [O, E]∗S ,
£ ¤S
(c) für O′′ = O ⇒ θ0 ∗S O, O ∗ = θ0 ∗S O2∗S ,
£ 0 ¤S
für O′′ = O3∗S ⇒ θ ∗S O, O3∗S ∗ = θ0 ∗S O4∗S ,
£ 0 ¤S
(e) für E = 1 ⇒ θ ∗S O, θ0 ∗ = −2O,
£ 0 ¤S
für E = O2∗S ⇒ θ ∗S O, θ0 ∗S O2∗S ∗ = −2O3∗S ,
S
(f) für O′ = [O, E]∗S ⇒ [θ0 ∗S O, θ0 ∗S [O, E]∗S ]∗S = −[O, [O, E]∗S ]∗S ,
für O′ = Ȯ ⇒ [θ0 ∗S O, θ0 ∗S Ȯ]∗S = −[O, Ȯ]∗S .
Diese Gleichungen können wir auf (C.49) anwenden, wobei angenommen werden soll, daß O von
der Ordnung 1/c ist und E von der Ordnung 1/c2 . Berücksichtigt man nur Terme bis zur vierten
Ordnung in (1/c)4 , dann erhalten wir folgende Ergebnisse:
1
[iR, H]∗S = −O + θ0 ∗S [O, E]∗S + θ0 ∗S O2∗S , (C.53a)
2
1
[iR, [iR, H]∗S ]∗S = −θ ∗S O2∗S − [O, [O, E]∗S ]∗S − O3∗S ,
0
(C.53b)
4
[iR, [iR, [iR, H]∗S ]∗S ]∗S = O3∗S − θ0 ∗S O4∗S , (C.53c)
0 4∗S
[iR, [iR, [iR, [iR, H]∗S ]∗S ]∗S ]∗S = θ ∗S O , (C.53d)
0
~ i~ θ
2
Ṙ = − 2 ∗S Ȯ, (C.53e)
· mc ¸ mc 2
~ 1 i~
iR, Ṙ = [O, Ȯ]∗S , (C.53f)
mc2 ∗S 4 mc2
Die Größe iR wurde gerade so gewählt, daß in [iR, H]∗S ein Term −O vorkommt. Dadurch wird
bei dieser Transformation der Term O aus H kompensiert.
Durch Einsetzen in (C.49) ergibt sich
µ ¶ · µ ¶¸
′ 0 1 2∗S 1 4∗S 1 i~
H = θ ∗P 1 + O − O +E − O, [O, E]∗S + Ȯ
2 8 8 mc2 ∗S
1 0 1 3∗S i~ 0
+ θ ∗P [O, E]∗S − O + θ ∗P Ȯ + . . . . (C.54)
2 3 2mc2
In der ersten Zeile stehen nur Terme mit positiver Parität und die Terme der zweiten Zeile haben
negative Parität. Da E von der Ordnung 1/c2 ist und O von der Ordnung 1/c, haben alle Terme
mit negativer Parität wenigstens die Ordnung 1/c3 .
112
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5134 (2000).
115
Danksagung
Allen, die zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben, möchte ich an dieser Stelle meinen Dank
aussprechen:
Zuerst bedanke ich mich bei Herrn PD Dr. A. C. Hirshfeld für die Aufnahme in seine Arbeitsgrup-
pe und die Betreuung dieser Diplomarbeit. Er hat mir mit interessanten Ideen und in zahlreichen
Diskussionen immer weiterhelfen können.
Ganz herzlich möchte ich auch den Mitgliedern der Arbeitsgruppe danken. Die Zusammenarbeit
mit Peter Henselder und Beatrice Bucker war deutlich mehr als nur ein fachlicher Gewinn. Ohne
die Anregungen und Ratschläge von Peter wäre die Arbeit in dieser Form sicherlich nicht möglich
gewesen.
Bei allen anderen Mitarbeitern von T III und T IV bedanke ich mich für die freundschaftliche
Atmosphäre und dafür, daß sie auch einen Windows-Rechner in der vierten Etage toleriert haben.
Einen herzlichen Dank möchte ich auch an Herrn Pastor B. Süselbeck richten, der die Recht-
schreibung dieser Diplomarbeit korrigiert hat.
Ein ganz besonderer Dank geht an meine Freundin Alexandra Walicki, die mir während der
gesamten Zeit des Studiums zur Seite stand und mich in der Diplomarbeit moralisch unterstützt
hat. Sie konnte mit ihren Ratschlägen zur sprachlichen Formulierung einen wertvollen Beitrag
leisten.
Der größte Dank gebührt meinen Eltern Martina und Rolf Spernat, die mich immer mit allen
Mitteln unterstützt und mir somit das Studium ermöglicht haben.