scriptDiskMath Red D - 1 20
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3 Mengenlehre 17
3.1 Mengen und Elemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
3.2 Teilmengen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
3.3 Vereinigung, Durchschnitt und Komplement . . . . . . . . . . . . . . . . 19
3.4 Mengenalgebra, Dualität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
3.5 Mengensystem, Potenzmenge, Partition . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
3.6 Geordnete Paare, n-Tupel und Produktmengen . . . . . . . . . . . . . . 23
3.7 Endliche Mengen, Ein- und Ausschlussformel . . . . . . . . . . . . . . . 24
5 Mengenlehre (Fortsetzung) 37
5.1 Mächtigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
i
6.6.5 Das kleinste gemeinsame Vielfache (kgV) . . . . . . . . . . . . . 58
6.7 Die ganzen Zahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
6.7.1 Definition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
6.7.2 Die Kongruenzrelation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
6.8 Lineare diophantische Gleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
6.9 Der chinesische Restsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
7 Kryptologie 68
7.1 Der kleine Fermatsche Satz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
7.2 Eulersche Funktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
7.3 RSA-Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
7.4 Schnelles Potenzieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
7.5 Sicherheit des RSA-Verfahrens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
7.6 Erzeugung von Primzahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
7.7 Digitale Unterschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
7.8 Wahl des ö↵entlichen Schlüssels e . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
8 Relationen 80
8.1 Relationen auf einer Menge A . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
8.2 Eigenschaften von Relationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
8.3 Äquivalenzrelationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
8.4 Ordnungsrelationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
8.5 Topologisches Sortieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
8.6 Relationen von einer Menge A nach einer Menge B . . . . . . . . . . . . 89
Stichwortverzeichnis 91
ii
1 Aussagenlogik
1.1 Einführung
Unter einer Aussage verstehen wir in der Aussagenlogik ein sprachliches Gebilde, das
entweder wahr (richtig) oder falsch ist. Die Wahrheit oder die Falschheit einer Aussage
wird als ihr Wahrheitswert bezeichnet. Da es nur zwei Möglichkeiten gibt, nennt man
die Aussagenlogik zweiwertig.
Beispiel 1 Wir wollen untersuchen, welche der folgenden sprachlichen Gebilde Aus-
sagen (im mathematischen Sinne) sind; im Falle einer Aussage wollen wir ihren Wahr-
heitswert bestimmen.
Wir können Aussagen durch logische Operationen miteinander verknüpfen und erhalten
so zusammengesetzte Aussagen. Wie wir sehen werden, hängt der Wahrheitswert einer
zusammengesetzten Aussagen nur von den Wahrheitswerten der Teilaussagen und der
Art der Verknüpfung ab.
A B A^B
w w w
w f f
f w f
f f f
1
Christian von Goldbach (1690-1764): preussischer Jurist und Mathematiker
1
Aus dieser Tabelle entnehmen wir, dass die zusammengesetzte Aussage A ^ B genau
dann wahr ist, wenn die beiden Teilaussagen A und B beide wahr sind.
Beispiel 2 Bestimmen Sie die Wahrheitswerte der folgenden Aussagen:
(a) 3 > 2 ^ 1 > 3“
”
(b) 2 ist eine Primzahl und 3 ist ein Teiler von 29’751.“
”
Die Lösung wird im Unterricht erarbeitet. 3
2
1.5 Zusammengesetzte Aussagen
Mit Hilfe der Verknüpfungssymbole ^, _, ¬ können wir bereits sehr komplexe Aussagen
aufbauen. Wie wir bereits erwähnt haben, hängt der Wahrheitswert der zusammenge-
setzten Aussage nur von den Wahrheitswerten der Teilaussagen und der verwendeten
Verknüpfungen ab. Wir werden oft die Teilaussagen A, B, C, . . . als Variablen ansehen,
die die Werte w bzw. f annehmen. Der Wahrheitswert der zusammengesetzten Aussage
ist dann eine Funktion dieser Variablen, was wir durch die Notation P (A, B, C, . . .)
ausdrücken.
Beispiel 4 (a) Wie viele Zeilen besitzt die Wahrheitstabelle der zusammengesetzten
Aussage P (A1 , A2 , . . . , An ) ?
(b) Wie viele verschiedene Wahrheitstabellen sind möglich für n verschiedene Teil-
aussagen?
Die Lösung wird im Unterricht erarbeitet. 3
A ^ (B _ ¬C) .
3
müssen nicht alle Variablen Ai vorkommen. Es darf auch nur eine einzige Variable
oder ihre Negation vorkommen. Falls in jeder Teilaussage entweder jede Variable oder
ihre Negation genau einmal vorkommt spricht man von der kanonischen disjunkti-
ven Normalform.
Zu einer beliebigen Wahrheitstabelle, in der mindestens eine Zeile wahr ist, lässt
sich eine kanonische disjunktive Normalform finden. Dazu gehen wir wie folgt vor:
(1) Für jede Zeile der Wahrheitstabelle, die wahr ist, bilden wir die Konjunktion aller
Teilaussagen, deren Wahrheitswert in dieser Zeile wahr ist, und der Negationen
aller Teilaussagen, deren Wahrheitswert in dieser Zeile falsch ist.
(2) Die so erhaltenen Konjunktionen verbinden wir schliesslich durch Disjunktionen.
Beispiel 7 Konstruieren Sie mit der obigen Methode die kanonische disjunktive Nor-
malform, die zur folgenden Wahrheitstabelle gehört:
A B C P (A, B, C)
w w w f
w w f w
w f w w
w f f f
f w w w
f w f f
f f w f
f f f f
4
Für Wahrheitstabellen, die in allen Zeilen falsch sind, kann das obige Verfahren nicht
angewendet werden. Aber in diesem Fall ist es einfach eine zusammengesetzte Aussage
zu finden, deren Wahrheitswert stets f“ ist. Falls es beispielsweise 3 Teilaussagen A, B
”
und C gibt, so kann man die zusammengesetzte Aussage
Satz 1 Mit Hilfe der Junktoren ^, _ und ¬ lässt sich für jede Wahrheitstabelle eine
zusammengesetzte Aussage finden, die ihr entspricht.
Analog existieren zusammengesetzte Aussagen P (A, B, . . .), die in der letzten Kolonne
ihrer Wahrheitstabelle nur den Wert f besitzen, das heisst, sie sind falsch unabhängig
von den Wahrheitswerten ihrer Variablen. Solche Aussagen werden Kontradiktionen
genannt. Ein Beispiel einer Kontradiktion ist die Aussage A ^ ¬A, deren Wahrheitsta-
belle gegeben ist durch
A ¬A A ^ ¬A
w f f
f w f
P (A, B, . . .) ⌘ Q(A, B, . . .) .
Beispiel 10 Zeigen Sie, dass die beiden zusammengesetzten Aussagen ¬(A ^ B) und
¬A _ ¬B logisch äquivalent sind.
Die Lösung wird im Unterricht erarbeitet. 3
5
Eine logische Äquivalenz zwischen zwei Aussagen ist nichts anderes als ein logisches
Gesetz. Die nachfolgende Tabelle enthält die wichtigsten Gesetze der Aussagenlogik. In
dieser Tabelle steht T für eine Tautologie (ist immer true“) und F für eine Kontra-
”
diktion (ist immer false“).
”
Wir können diese Gesetze sehr einfach beweisen, indem wir zeigen, dass die Wahr-
heitstabellen der beiden Aussagen links und rechts vom ⌘ Zeichen identisch sind.
Beispiel 11 Beweisen Sie das Gesetz 4a) und das Gesetz 10b).
Die Lösung wird im Unterricht erarbeitet. 3
Beispiel 13 Wenden Sie die Gesetze von de Morgan an, um die folgenden Aussagen
zu vereinfachen:
(a) Es ist nicht wahr, dass seine Mutter eine Engländerin und sein Vater ein Franzose
”
ist.“
(b) Es ist nicht wahr, dass sie Maschinentechnik aber nicht Informatik studiert“
”
(c) Es ist nicht wahr, dass die Computer schneller werden und ihre Preise abneh-
”
men.“
6
(d) Es ist nicht wahr, dass es nicht kalt ist oder regnet.“
”
Die Lösung wird im Unterricht erarbeitet. 3
A ^ (A _ B) ⌘ A
A _ (A ^ B) ⌘ A
A ^ (¬A _ B) ⌘ A^B
A _ (¬A ^ B) ⌘ A_B
Die Gesetze der Aussagenlogik gestatten uns logische Ausdrücke umzuformen und ins-
besondere zu vereinfachen. Dazu ein Beispiel:
(a) (A ^ ¬B) _ (A ^ B)
(b) (A _ ¬B) ^ (¬A _ ¬B)
(c) (A ^ (¬(¬A _ B))) _ (A ^ B)
A)B
7
(c) Die Tatsache, dass es Nebel hat, impliziert, dass die Sicht schlecht ist.“
”
(d) Notwendig dafür, dass es Nebel hat, ist schlechte Sicht.“
”
(d) Hinreichend dafür, dass die Sicht schlecht ist, ist Nebel.“
”
Wir werden später noch Beispiele aus der Mathematik antre↵en.
Beachten Sie, dass die Implikation A ) B nur dann falsch ist, wenn der erste Teil
A wahr ist und der zweite Teil B falsch ist. Im Fall, wo A falsch ist, ist die Aussage
A ) B wahr, unabhängig vom Wahrheitswert von B. Die Aussagen
Falls das Quadrat ein Kreis ist, dann ist der Schnee rot“ (1)
”
und
Falls der Hund ein Huhn ist, dann ist der Schnee weiss“ (2)
”
sind folglich richtige Aussagen.
Um zu zeigen, dass die Aussage A ) B wahr ist, genügt es also zu zeigen, dass die
Wahrheit von A die Wahrheit von B nach sich zieht.
In der Umgangssprache verwendet man die beiden Implikationen (1) und (2) nicht,
denn es existiert überhaupt kein Zusammenhang zwischen der Hypothese und der
Schlussfolgerung. In der Logik ist der Begri↵ der Implikation viel weiter gefasst. Es
braucht insbesondere keinen kausalen Zusammenhang (Ursache und Wirkung) zwischen
der Hypothese und der Schlussfolgerung.
Betrachten wir die Implikation A ) B und die beiden andern Implikationen, die A
und B enthalten:
B ) A, ¬B ) ¬A
Diese beiden Aussagen heissen Umkehrung bzw. Kontraposition der Aussage A )
B. Die Wahrheitstabellen dieser 3 Aussagen lauten:
Implikation Umkehrung Kontraposition
A B A)B B)A ¬B ) ¬A
w w w w w
w f f w f
f w w f w
f f w w w
Beachten Sie, dass eine Implikation und ihre Umkehrung nicht logisch äquivalent sind.
Dies bedeutet, dass aus der Richtigkeit der Aussage A ) B im allgemeinen nicht
auf die Richtigkeit der Aussage B ) A geschlossen werden kann. Hingegen sind eine
Implikation und ihre Kontraposition logisch äquivalent.
8
Satz 3 Eine Implikation A ) B und ihre Kontraposition ¬B ) ¬A sind logisch
äquivalent.
Betrachten wir ein Beispiel: seien A und B die Aussagen Es regnet“ und Die
” ”
Strasse ist nass“. Wir haben die drei Aussagen
Die Implikation und ihre Kontraposition, die logisch äquivalent ist, sind wahr. Die
Umkehrung der Implikation hingegen kann falsch sein, da die Strasse auch nass sein
kann, wenn es nicht regnet (jemand könnte die Strasse abspritzen).
1.10 Äquivalenz
Falls A die Aussage B impliziert und B die Aussage A, so schreiben wir
A () B .
A () B ⌘ (A ) B) ^ (B ) A).
1.11 Anwendung
In diesem Abschnitt betrachten wir ein Beispiel aus der Medizin [11]:
9
(i) Wenn ein Patient an der Krankheit X leidet, aber nicht an Y , so muss bei ihm
das Syptom T auftreten.
(ii) Wenn bei einem Patienten mindestens eines der beiden Symptome auftritt, so
leidet er mindestens an einer der beiden Krankheiten.
(iii) Tritt das Symptom S nicht auf, so liegt die Krankheit Y nicht vor.
(iv) Wenn ein Patient an Y , aber nicht an X leidet, so tritt das Symptom T nicht
auf.
(a) Formalisieren Sie die Bedingungen (i) bis (iv) und stellen Sie eine vollständige
Wahrheitstabelle für die Konjunktion der Bedingungen (i)-(iv) auf.
(b) Führen Sie bei der Konjunktion der Bedingungen (i)-(iv) eine Termumformung
durch und überprüfen Sie damit das Ergebnis in (a).
WFF.
Wir lassen überflüssige Klammern weg, insbesondere die äusseren Klammern. Weiter
soll ¬ stärker binden als alle andern Junktoren und die Junktoren ^ und _ sollen stärker
binden als ) und () .
10
(a) A^
(b) A ^ ¬(A ) B)
(c) A ) B ^ ¬
(d) (A ) B) () ¬(A ) ¬B)
(e) A ) B¬A
(f) A ^ B () B _ C
(g) A ^ B _ C
Der korrekte Aufbau von Formeln ist der syntaktische Teil der Aussagenlogik.
Der semantische Teil der Aussagenlogik ist die Belegung der Aussagenvariablen mit
Wahrheitswerten. Wir sprechen von Realisationen. Diesen Aspekt haben wir bereits
ausführlich in den vorhergehenden Abschnitten behandelt.
11
2 Fortsetzung der Logik
2.1 Aussageformen
Definition 2 Wir bezeichnen mit einer Aussageform (prédicat en français) einen
Satz, welcher eine endliche Zahl von Variablen enthält, und der zu einer Aussage im
Sinne der Aussagenlogik wird, wenn wir für die Variablen Werte aus vorgebenen Mengen
(den Definitionsbereichen) einsetzen.
ist eine Aussageform mit der Variable x . Der Definitionsbereich ist R . Wenn wir
für x eine reelle Zahl einsetzen, erhalten wir eine falsche oder wahre Aussage.
(b) Sei n 2 N . Wir betrachten die Aussageform
Diese Aussageform wird zu einer wahren Aussage, wenn wir für n z.B. den Wert
9 einsetzen.
(c) Seien n, m 2 N . Wir betrachten die Aussageform
Diese Aussageform enthält zwei Variablen. Wir erhalten eine wahre Aussage, wenn
wir beispielsweise für n die Zahl 6 und für m die Zahl 12 einsetzen.
Eine Aussageform mit der Variablen x werden wir durch P (x) abkürzen. Wenn die
Aussageform die Variablen x, y und n enthält, dann schreiben wir P (x, y, n) .
Beispiel 19 (a) Sei P (x) die Aussageform x2 + 4x + 3 = 0 . Was sind die Wahrheits-
werte von P ( 3) sowie von P (0) ?
(b) Sei Q(x, y, z) die Aussageform x2 + y 2 = z 2 . Bestimmen Sie die Wahrheitswerte
von Q(5, 12, 13) sowie von Q(3, 5, 7) .
Die Lösung wird im Unterricht erarbeitet. 3
12
2.2 Quantoren
In den obigen Beispielen haben wir aus den Aussageformen eine Aussage erhalten,
indem wir für die Variablen Werte eingesetzt haben. Eine andere Möglichkeit, um zu
einer Aussage zu kommen, besteht darin Quantoren anzufügen. Das Symbol 8 steht
für für alle. Es handelt sich um ein auf den Kopf gestelltes A und soll an Allaussage
erinnern. Den Satz Alle Menschen sind sterblich schreibt man so:
8x 2 M : (x ist sterblich) .
Definition 3 Sei P (x) eine Aussageform mit dem Definitionsbereich D . Eine All-
aussage ist eine Aussage der Form
8x 2 D : P (x) . (3)
In Worten: Für alle x aus D gilt P (x) . Eine Allaussage ist wahr, genau dann, wenn
P (x) wahr ist für jedes x 2 D . Sie ist falsch, wenn es mindestens ein x 2 D gibt, wofür
P (x) falsch ist. Ein solches x ist ein Gegenbeispiel für die Allaussage.
8x 2 D : (x2 x) .
8x 2 R : (x2 > x) .
Das Symbol 9 steht für es existiert oder es gibt. Die Wendung es existiert wird
in der Mathematik stets im Sinne von es existiert mindestens ein verwendet. Es kann
sich also auch um 2 oder mehr Elemente handeln.
Die Aussage Es gibt eine gerade Primzahl würde man so schreiben:
9p 2 P : (p ist gerade) .
9x 2 D : P (x) .
In Worten: es gibt (mindestens) ein x aus D , so dass P (x) wahr ist oder es gibt
(mindestens) ein x aus D mit der Eigenschaft P (x).
Wir haben oben bereits festgehalten, dass die Aussage 9x 2 D : P (x) bedeutet, dass
es mindestens ein Element aus D mit der Eigenschaft P (x) gibt. Es kann also auch
mehrere oder sogar unendlich viele geben. Wenn man ausdrücken will, dass es genau
ein Element in D mit der Eigenschaft P (x) gibt, dann schreibt man nach 9 ein Aus-
rufungszeichen, also:
9! x 2 D : P (x)
13
Beispiel 21 Bestimmen Sie die Wahrheitswerte der folgenden Aussagen:
(a) 9m 2 Z : (m2 = m)
(b) 9n 2 N : (n2 + 2n 3 = 0)
Wir interessieren uns jetzt für die Verneinung von Existenz- und Allaussagen. Wir
interessieren uns für die Verneinung der Aussage Einige Fische können fliegen. Viele
Leute denken, dass die Verneinung dieser Aussage folgendermassen lautet: Einige Fische
können nicht fliegen. Das ist aber falsch; es ist ja nicht richtig, dass einige Fische fliegen
können. Das bedeutet also, dass alle Fische nicht fliegen können.
Die Aussage Einige Fische können fliegen ist eine Existenzaussage: Es gibt fliegende
Fische. Die Verneinung einer Existenzaussage ist eine Allaussage:
9x 2 D : P (x)
Wir betrachten jetzt die Allaussage Alle Primzahlen sind ungerade. Die Verneinung
dieser Aussage ist natürlich nicht Alle Primzahlen sind gerade. Wenn es nicht wahr ist,
dass alle Primzahlen ungerade sind, dann bedeutet dies, dass es mindestens eine gerade
Primzahl gibt. Die Verneinung ist also eine Existenzaussage:
8x 2 D : P (x)
(a) Für jedes rechtwinklige Dreieck mit den Katheten a und b und der Hypotenuse c
gilt:
a 2 + b2 = c 2
14
Die Quantoren 8 und 9 können natürlich auch mehrmals in einer Formel vorkommen.
Wir betrachten einige Beispiele:
(a) Wir betrachten die Aussage:
8x 2 R 9y 2 R : (x < y)
Für jedes x 2 R existiert ein y 2 R , wofür gilt x < y . Diese Aussage ist o↵en-
sichtlich wahr.
(b) Wir betrachten die Verneinung der vorhergehenden Aussage. Diese lautet: es gibt
ein x 2 R , so dass für alle y 2 R gilt x y . Geschrieben mit unseren Quantoren:
9x 2 R 8y 2 R : ¬(x < y)
bzw.
9x 2 R 8y 2 R : (x y) .
(c) Dieses Beispiel zeigt, dass die Reihenfolge der Quantifikatoren eine Rolle spielt.
Falls man im Beispiel (a) die beiden Quantifikatoren vertauscht, erhält man die
Aussage:
9x 2 R 8y 2 R : (x < y) .
Es gibt ein x 2 R , so dass für alle y 2 R gilt x < y . Diese Aussage o↵ensichtlich
falsch.
Die folgende Zusammenstellung fasst alle Möglichkeiten für zwei Quantoren zusam-
men (aus Platzgründen lassen wir die Definitionsbereiche weg):
Aussage Wann wahr? Wann falsch?
8x8y P (x, y) P (x, y) ist wahr für jedes x Es existiert ein x und ein y ,
8y8x P (x, y) und jedes y . wofür P (x, y) falsch ist.
8x9yP (x, y) Für jedes x existiert ein Ex existiert ein x , so dass
y , so dass P (x, y) wahr ist. P (x, y) falsch ist für jedes y .
9x8yP (x, y) Es existiert ein x , so dass Für jedes x existiert ein y ,
P (x, y) für alle y wahr ist. so dass P (x, y) falsch ist.
9x9yP (x, y) Es existiert ein x und ein y , so dass Für jedes x und für jedes y
9y9xP (x, y) P (x, y) wahr ist. ist P (x, y) falsch.
Natürlich können die Quantoren 8 und 9 mit den Junktoren der Aussagenlogik
kombiniert werden.
Betrachten wir einige weitere Beispiele aus der Mathematik:
(a) 9x 2 R : (x2 2x + 15 = 0 ^ x > 0)
(b) Wir bezeichnen mit P die Menge der Primzahlen:
8n 2 N : (n 2 P ) n ungerade _ n = 2)
15
Beispiel 24 Bestimmen Sie den Wahrheitswert der folgenden Aussagen.
2.3 Beweistechniken
Im Kapitel über die Aussagenlogik haben wir gesehen, dass die Implikation logisch
äquivalent zu ihrer Kontraposition ist:
A ) B ⌘ ¬B ) ¬A
Beim Beweis einer Aussage A ! B lohnt es sich manchmal zu überlegen, ob die Kon-
traposition nicht einfacher zu beweisen ist. Man spricht dann von einem indirekten
Beweis. Wir betrachten ein Beispiel:
Ein weiteres wichtiges Beweisprinzip ist der Beweis durch Widerspruch. Ange-
nommen wir möchten die Aussage A beweisen. Wir machen die Hypothese:
Hypothese: ¬A
Wir nehmen also die Negation von dem, das wir beweisen möchten, als richtig an.
Ausgehend von ¬A versuchen wir durch korrekte Schlussfolgerungen die Negation
einer wahren Aussage B abzuleiten. Wir haben dann einen Widerspruch erzeugt. Da
¬A ) ¬B
wahr ist (wir haben korrekte Schlussfolgerungen vorgenommen) und ¬B falsch ist, muss
¬A falsch sein. Damit haben wir A bewiesen. Wir betrachten zwei Beispiele:
Beispiel 26 Sei a eine rationale und b eine irrationale Zahl. Dann ist a + b irrational.
Die Lösung wird im Unterricht erarbeitet. 3
p
Beispiel 27 Beweisen Sie, dass 2 eine irrationale Zahl ist, das heisst, dass es keine
rationale Zahl r gibt mit r2 = 2 .
Die Lösung wird im Unterricht erarbeitet. 3
16