GD 64
GD 64
A. Kahl
A. Wilmes
Ch. Guhe
R. Packroff
G. Lotz
M. Tischer
EMKG-Leitfaden
Dortmund/Berlin/Dresden 2014
Diese Handlungshilfe wurde erstellt von der Projektgruppe „Einfaches Maßnahmen-
konzept Gefahrstoffe (EMKG)“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedi-
zin (BAuA). Stand: November 2014
Annette Wilmes
Dr. Christine Guhe
Dr. Rolf Packroff
Dr. Gabriele Lotz
Dr. Martin Tischer
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
Berlin:
Nöldnerstr. 40 – 42, 10317 Berlin
Telefon 030 51548-0
Fax 030 51548-4170
Dresden:
Fabricestr. 8, 01099 Dresden
Telefon 0351 5639-50
Fax 0351 5639-5210
[Link]/dok/3135242
ISBN 978-3-88261-035-2
Inhaltsverzeichnis
Seite
Verantwortlich für die Gefährdungsbeurteilung ist der Arbeitgeber, der mit der Erstel-
lung in der Regel Mitarbeiter oder Externe beauftragt. Hierbei ist zu beachten, dass
eine Gefährdungsbeurteilung nur von fachkundigen Personen durchgeführt
werden kann. Eine fachkundige Person ist mit den Tätigkeiten im Betrieb vertraut.
Aufgrund ihrer Erfahrung hat sie genügend Kenntnisse über Tätigkeiten mit Gefahr-
stoffen und verfügt über die notwendigen Kenntnisse im Gefahrstoffrecht. Durch spe-
zifische Fortbildungsmaßnahmen vertieft sie regelmäßig ihr Wissen. Fachkundige
Personen sind z. B. Betriebsärzte oder Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Im Idealfall
führen diese die Gefährdungsbeurteilung gemeinsam durch.
- die Einstufung,
- den Arbeitsplatzgrenzwert (gemäß TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“),
- das Freisetzungsverhalten des Gefahrstoffes (Siedepunkt/Dampfdruck bzw.
Staubungsverhalten),
- die verwendete Menge während der Tätigkeit und
- die Wirkfläche und Wirkdauer des Hautkontaktes.
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Ein Formblatt zur Dokumentation der EMKG-Schritte finden Sie im Anhang 1. Ne-
ben der Ableitung der Gefährdung sind nach GefStoffV Angaben zu den beteiligten
Personen, Substitution, Prüf- und Umsetzungsfristen sowie zur Wirksamkeit von
Schutzmaßnahmen zu dokumentieren. Eine umfangreiche Dokumentationshilfe der
EMKG-Schritte, die den Anforderungen der GefStoffV entspricht, finden Sie in der
Excel-Tabelle unter [Link]/emkg. Praxisbeispiele erleichtern Ihnen die prakti-
sche Anwendung.
Die Version 2.0 kommt der vielfach geäußerten Bitte aus der Praxis nach, das
EMKG auch für Gefahrstoffe anwendbar zu machen, für die in der TRGS 900 ein Ar-
beitsplatzgrenzwert (AGW) festgelegt ist.
Die Version 2.1 passt das EMKG an die aktuelle Fassung der TRGS 401 „Gefähr-
dungen durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen“ (Stand: Juni
2008) an. Hierdurch ergeben sich gegenüber der Vorversion geringfügige Änderun-
gen bei der Beurteilung der dermalen Gefährdung. Die wissenschaftlich-fachliche
Basis des EMKG wurde nicht verändert.
Die Version 2.2 ist eine Anpassung an die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) 2010.
Neu ist, dass der Einstieg in die Gefährdungsbeurteilung nicht mehr über die Kenn-
zeichnung erfolgt. Für das EMKG bedeutet das, dass die formale Zuordnung der
Schutzstufen über das Gefahrensymbol entfällt. Die Schritte 1-8 des EMKG ändern
sich nicht. Der Wegfall der Schutzstufen hat keine Auswirkungen auf die Maßnah-
menableitung. Der Begriff Schutzstufe wird im EMKG und in den Schutzleitfäden
durch den Begriff Maßnahmenstufe ersetzt.
Die GefStoffV 2010 nutzt die langen Übergangszeiten der CLP-Verordnung. Bis Juni
2015 kann die Gefährdungsbeurteilung mit der Einstufung und Kennzeichnung nach
der Stoffrichtlinie (67/548/EWG) bzw. Zubereitungsrichtlinie (1999/45/EWG) durchge-
führt werden. Die Einstufung und Kennzeichnung nach altem Recht stimmt nicht in
allen Fällen mit der neuen Einstufung nach CLP-Verordnung (EG/1272/2008) über-
ein. Ein Teil der gesundheitsschädlichen Gefahrstoffe können nach den neuen Krite-
rien als giftig, reizende Zubereitungen können als ätzend eingestuft werden. Das
würde im EMKG zu anderen Maßnahmen führen. Deshalb nutzt die EMKG Version
2.2 weiterhin die Einstufung und Kennzeichnung nach altem Recht. Die alte
und neue Einstufung von Stoffen und Zubereitungen finden Sie bis zum
1.6.2015 im Sicherheitsdatenblatt unter Abschnitt 2 „Mögliche Gefahren“.
[Link]/emkg
Zusatzmodul: Einfaches Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe und die neue CLP (GHS)-
Verordnung.
Die Zuordnung der H-Sätze zu den R-Sätzen erfolgt in diesem Modul auf Grundlage
der Umwandlungstabelle nach Anhang VII der CLP-Verordnung und führt bei einer
abweichenden Einstufung zu einer höheren Gefährlichkeitsgruppe und damit zu an-
deren Maßnahmen. In einem Projekt wird zurzeit geprüft, wann die Zuordnung zu
einer höheren Gefährlichkeitsgruppe sinnvoll ist.
7
5. stoffbedingte Umweltgefährdungen.
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Das EMKG in Kombination mit den Schutzleitfäden erfüllt die Qualitätskriterien für ein
standardisiertes Arbeitsverfahren nach TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung“. Stan-
dardisierte Arbeitsverfahren beschreiben die Gestaltung eines Arbeitsverfahrens für
eine Tätigkeit oder Branche. Liegt ein standardisiertes Arbeitsverfahren vor, so ist
dieses der schnellste Weg zur Gefährdungsbeurteilung. Wird ein standardisiertes
Arbeitsverfahren verwendet, müssen trotzdem aktuelle Sicherheitsdatenblätter vor-
gehalten, ein Gefahrstoffverzeichnis geführt, Betriebsanweisungen erstellt und die
Beschäftigten unterwiesen werden. Außerdem müssen Vorkehrungen für Unfälle,
Stör- und Notfälle ergriffen werden, die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen geprüft
und die Gefährdungsbeurteilung dokumentiert werden. Fordert die Verordnung zur
arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) Vorsorgeuntersuchungen, so müssen
diese angeboten oder veranlasst werden.
Das EMKG in Kombination mit den Schutzleitfäden ist eine tätigkeitsspezifische Hil-
festellung. Sind zusätzliche Schutzmaßnahmen der Maßnahmenstufe 2 oder 3 erfor-
derlich, aber nicht umsetzbar oder existiert kein Schutzleitfaden, können andere
branchenbezogene Gefahrstoff- oder Produktbewertungen eine qualifizierte Hilfestel-
lung bieten:
Das EMKG ist eine gute Ergänzung, wenn spezifische Hilfestellungen wie z. B. eine
TRGS, ein VSK oder eine branchenspezifische Hilfestellung nicht alle Tätigkeiten mit
Gefahrstoffen in einem Betrieb abdeckt. Durch die systematische Vorgehensweise
des EMKG können nicht erfasste Gefährdungen schnell beurteilt und einer Maßnah-
menstufe zugeordnet werden.
9
Verlässliche Informationen
Hinweis:
Der Lieferant eines Produktes liefert automatisch im Laufe eines Jahres nach der
letzten Lieferung ein aktualisiertes Sicherheitsdatenblatt, wenn gefährdungsrelevante
Änderungen vorhanden sind.
Für die Erfassung der notwendigen Daten und die Dokumentation der Ge-
fährdungsbeurteilung finden Sie im Anhang 1 ein Formblatt. Eine umfang-
reiche Dokumentationshilfe der EMKG-Schritte, die den Anforderungen
der GefStoffV entspricht, finden Sie in der Excel-Tabelle unter
[Link]/emkg. Praxisbeispiele erleichtern Ihnen die praktische An-
wendung.
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Das Sicherheitsdatenblatt ist dazu bestimmt, dem berufsmäßigen Verwender, die bei
Tätigkeiten mit Gefahrstoffen notwendigen Daten und Umgangsempfehlungen zu
vermitteln, um die für den Gesundheitsschutz, die Sicherheit am Arbeitsplatz und den
Schutz der Umwelt erforderlichen Maßnahmen treffen zu können.
Folgende Abschnitte im SDB sind für die Anwendung des EMKG von besonderer
Bedeutung:
Hier finden Sie die Einstufung und Kennzeichnung der Zubereitung bzw. des Stoffes
sowie weitere Gefahrenhinweise zu nicht einstufungsrelevanten Eigenschaften (z. B.
Staubigkeit, Staubexplosionsgefahr, Kreuzsensibilisierung, Erstickungsgefahr, Erfrie-
rungsgefahr, ausgeprägter Geruch oder Geschmack oder Wirkungen auf die Um-
welt).
Für Stoffe ist unter Abschnitt 2.1 „Einstufung des Stoffes oder Gemischs“ die Einstu-
fung nach altem und neuem Recht anzugeben. Für Zubereitungen besteht zur Um-
stellung auf das Einstufungs- und Kennzeichnungssystem nach CLP-Verordnung
eine Übergangsfrist bis Juni 2015. Wird vor Ablauf der Übergangsfrist umgestellt, ist
auch hier im Abschnitt 2.1 die Einstufung nach altem und neuem Recht anzugeben.
Ändert sich die Einstufung aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, so muss
sowohl die neue, als auch die alte Einstufung angepasst werden.
Hier finden Sie bei flüssigen Gefahrstoffen den für die Ermittlung der Freisetzungs-
gruppe erforderlichen Siedepunkt/-bereich bzw. den Dampfdruck, bei Feststoffen die
Angaben zur Verwendungsform (z. B. Pulver, Granulat, Pellets, Paste).
Hier finden Sie Informationen über die verschiedenen toxischen Wirkungen auf die
Gesundheit, die sich beim Kontakt mit dem Gefahrstoff ergeben können.
Die Kennzeichnung eines Stoffes bzw. einer Zubereitung ist nach der Änderung des
Anhangs II der REACH-VO unter dem Abschnitt 2 „Mögliche Gefahren“ zu finden.
Sollte in der Umstellungsphase noch das Sicherheitsdatenblatt in einem früheren
Format verwendet werden, kann die Kennzeichnung Bestandteil des Abschnitts 15
sein. Deshalb sollten Sie beide Abschnitte beachten.
Die Festlegung der Maßnahmen nach EMKG ist abhängig von der Qualität der Ein-
gangsparameter aus den Sicherheitsdatenblättern. Deshalb sollten Sie die Angaben
zur Toxikologie, zur Einstufung und Kennzeichnung sowie zum Arbeitsplatzgrenzwert
auf Plausibilität prüfen. Die folgenden Fragen (siehe Tab. 0.1) werden Ihnen diese
Aufgabe erleichtern.
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Abschnitt Prüfkriterium/Frage
2 Stimmen die Angaben zur Kennzeichnung im Abschnitt 2.2 mit dem Etikett
überein?
2 und 3 Ist die Einstufung im Sicherheitsdatenblatt plausibel gegenüber
- der Einstufung der Stoffe und der Komponenten der Zubereitung einer
geeigneten, ohne weiteres zugänglichen Quelle gemäß TRGS 400 wie z. B.:
der GESTIS-Stoffdatenbank
- oder gibt es dort keinen Eintrag für den Stoff oder die Zubereitung?
2 und 15 Wird in der TRGS 907 der Stoff oder einer der Komponenten der
Zubereitung als sensibilisierend angegeben?
Wird in der TRGS 905 der Stoff oder einer der Komponenten der
Zubereitung als krebserzeugend, erbgutverändernd oder
fortpflanzungsgefährdend angegeben?
Ist die Tätigkeit oder das Verfahren im Verzeichnis der TRGS 906 als
krebserzeugend aufgeführt?
3 und 8 Werden die nationalen Arbeitsplatzgrenzwerte (TRGS 900) der in
Abschnitt 3 genannten Komponenten angegeben?
Entsprechen die angegebenen Arbeitsplatzgrenzwerte der aktuellen
Fassung der TRGS 900?
8 und 10 Werden Arbeitsplatzgrenzwerte, die beachtet werden müssen, von
möglichen Zersetzungsprodukten genannt?
9 Liegen bei Flüssigkeiten Angaben zum Siedepunkt oder Dampfdruck vor?
Haben Sie diese Punkte im Sicherheitsdatenblatt geprüft und keine Mängel festge-
stellt, können Sie ins EMKG einsteigen.
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Vorsicht ist geboten, wenn Sie keine oder abweichende Informationen zu den zu prü-
fenden Stoffen und Inhaltsstoffen erhalten. In diesem Fall sollten Sie die in Abschnitt
11 eingegangenen toxikologischen Tests auf Vollständigkeit prüfen (siehe Tab. 0.2).
Abschnitt Prüfkriterium/Frage
11 Liegt eine Prüfung auf akute Toxizität, auf erbgutverändernde (mutagene)
Eigenschaften und eine Bewertung der Toxizität bei wiederholter Applikation
vor?
Das bedeutet, bei fehlender Prüfung oder Bewertung sind folgende R-Sätze
anzunehmen:
Bitte ergänzen Sie die abgeleiteten R-Sätze in der Einstufung und Kennzeichnung.
Enthält das Sicherheitsdatenblatt für eine Zubereitung unter Abschnitt 11 den Hin-
weis
„Das Produkt ist nicht kennzeichnungspflichtig aufgrund des Berechnungsverfahrens
der „Allgemeinen Einstufungsrichtlinie für Zubereitungen der EG“ in der letztgültigen
Fassung. Bei sachgemäßem Umgang und bestimmungsgemäßer Verwendung ver-
ursacht das Produkt nach unseren Erfahrungen und uns vorliegenden Informationen
keine gesundheitsschädlichen Wirkungen“,
können Sie ohne die genannte Zuordnung von R-Sätzen in das EMKG einsteigen.
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0.2 Substitutionsprüfung
Zur Prüfung der technischen Eignung von Ersatzlösungen können Produkt- oder
Brancheninformationen hilfreich sein. Die Technischen Regeln der 600er-Reihe be-
schreiben Ersatzmöglichkeiten nach dem Stand der Technik für verschiedene Tätig-
keiten mit Gefahrstoffen.
Darüber hinaus ist es aber nicht sinnvoll, Gefahrstoffe mit bekannten gefährlichen
Eigenschaften durch Produkte mit unbekannten Gefahren zu ersetzen. Daher sollten
Sie eine Plausibilitätsprüfung des Sicherheitsdatenblattes mit allen zur Auswahl ste-
henden Gefahrstoffen durchführen.
Die Suche einer Ersatzlösung ist bei der Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung
zu berücksichtigen. Werden zusätzliche Schutzmaßnahmen der Maßnahmenstufe 2
(emissionsmindernde, technische Maßnahmen), bzw. der Maßnahmenstufe 3 (ge-
schlossenes System) notwendig, oder werden CMR-Stoffe der Kategorie 1 oder 2
eingesetzt, ist in der Gefährdungsbeurteilung zu begründen, warum auf eine Ersatz-
stofflösung oder ein weniger gefährliches Verfahren verzichtet wird.
Das EMKG kann auch für die Suche nach einer Ersatzlösung eingesetzt werden. Es
ist aber zu beachten, dass das EMKG die stoffbedingten Brand- und Explosionsge-
fahren sowie den Umweltschutz nicht berücksichtigt.
1. der Arbeitsbedingungen,
2. einer nur geringen verwendeten Stoffmenge und
3. einer nach Höhe und Dauer niedrigen Exposition
„Tätigkeiten mit geringer Gefährdung“ beschränken sich in der Regel auf Gefahrstof-
fe, die für den privaten Endverbraucher im Einzelhandel in Selbstbedienung erhält-
lich sind („Haushaltsprodukte“) und die am Arbeitsplatz unter die für den Haushalt
üblichen Bedingungen gehandhabt werden. Die Festlegung, dass die Maßnahmen
für eine geringe Gefährdung ausreichend sind, ist nicht an die Einstufung gebunden.
Eine Einschränkung wird durch die TRGS 401 „Hautkontakt“ vorgegeben. Bei Tätig-
keiten mit ätzenden Gefahrstoffen (R34, R35) kann keine geringe Gefährdung vor-
liegen, wenn ein Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann.
Bitte notieren Sie unter Schritt1 die Nummern der R-Sätze (z. B. R20), die
Sie im Sicherheitsdatenblatt im Abschnitt 2 oder 15 finden.
Bei einer Zubereitung ist zu beachten, dass die R-Sätze aus der Einstufung oder
Kennzeichnung des Produktes und nicht der einzelnen Inhaltsstoffe zugrunde gelegt
werden.
Ordnen Sie mit Hilfe der Tabelle den R-Sätzen die zutreffende Gefährlichkeits-
gruppe zu. In vielen Fällen sind die R-Sätze als Kombinationen angegeben, die
aus Gründen der Übersichtlichkeit in der Tabelle nicht alle aufgeführt sind. Wählen
Sie hierbei die Gefährlichkeitsgruppen zu allen R-Sätzen in der Kombination einzeln,
z. B. bei R20/21/22 die Gefährlichkeitsgruppe „B“. Die R-Sätze 48/… und 39/… tre-
ten immer in Kombination mit anderen R-Sätzen auf und sind daher in der Tabelle
aufgeführt. Dies gilt auch für den R-Satz 68, der in der Kombination eine andere Be-
17
deutung hat als alleinstehend. Alle R-Sätze und Kombinationen, die zugehörigen
Texte und die zugehörigen Gefährlichkeitsgruppen finden Sie auch in der Aufstellung
im Anhang 3.
Bitte notieren Sie unter Schritt 1 für den Stoff oder die Zubereitung die
höchste aus den R-Sätzen resultierende Gefährlichkeitsgruppe
„Einatmen“.
Beurteilen Sie einen Stoff mit AGW, dann ist dieser die Eingangsgröße zur Ermitt-
lung der Gefährlichkeitsgruppe „Einatmen“ (A bis E). Der jeweilige Arbeitsplatz-
grenzwert eines Stoffes wird in den zutreffenden Luftkonzentrationsbereich1 für
Feststoffe (Stäube) oder Flüssigkeiten eingeordnet. Ein Luftkonzentrationsbereich
definiert jenen Bereich, der mindestens durch die Schutzmaßnahmen erreicht wer-
den muss.
Luftkonzentrationsbereiche
E c ≤ 0,001 c ≤ 0,05
1
Jeder Luftkonzentrationsbereich (Band über je eine Zehnerpotenz) entspricht einer Gefährlichkeitsgrup-
pe
18
Luftkonzentrationsbereiche
Acetaldehyd
A 1 < c ≤ 10 50 < c ≤ 500
AGW: 50 ppm
(flüssig)
Bsp. 2:
Triethylamin
C 0,01 < c ≤ 0,1 0,5 < c ≤ 5 AGW: 1 ppm
(flüssig)
Bis(tributylzinn)oxid
- C5 - C8 Aliphaten Gefährlichkeitsgruppe A
- C9 - C15 Aliphaten Gefährlichkeitsgruppe B
- C7 - C8 Aromaten Gefährlichkeitsgruppe B
- C9 - C15 Aromaten Gefährlichkeitsgruppe B
Besteht das Gemisch aus mehreren Fraktionen oder enthält das Gemisch Kompo-
nenten mit stoffspezifischen Arbeitsplatzgrenzwerten, ist dies nach Abschnitt 2.9 der
TRGS 900 zu berücksichtigen und ein neuer Grenzwert für das Kohlenwasserstoff-
gemisch zu berechnen. Der AGW für das Kohlenwasserstoffgemisch oder der Gehalt
der Fraktionen sollen im Sicherheitsdatenblatt angegeben werden.
Bitte notieren Sie unter Schritt 1 für den Stoff mit Arbeitsplatzgrenzwert die
Gefährlichkeitsgruppe „Einatmen“.
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Ermitteln Sie im Rahmen einer Betriebsbegehung die Größenordnung der bei der
Tätigkeit üblicherweise gehandhabten Menge des Gefahrstoffes und die Tätig-
keitsdauer. Ordnen Sie mit der nachfolgenden Tabelle die Mengengruppe zu.
Beachten Sie, dass nicht immer die gesamte vorhandene Menge der Zubereitung
oder des chemischen Stoffes am Arbeitsplatz über die Mengengruppe entscheidet.
So ist z. B. das Abfüllen von 30 l einer Flüssigkeit aus einem Tank der Mengengrup-
pe "mittel" zuzuordnen. Im Zweifelsfall sollten Sie jedoch die höhere Mengengruppe
verwenden.
Bei flüssigen Gefahrstoffen, die bei Raumtemperatur (20 °C) verwendet werden,
ergibt sich die Freisetzungsgruppe aus dem Siedepunkt (Sdp.) oder Dampfdruck des
Gefahrstoffes. Ist ein Bereich angegeben, so wählen Sie den niedrigsten Wert und
lesen Sie die entsprechende Freisetzungsgruppe in Tab. 3.1 ab.
Flüssigkeiten
Freisetzungs- Raum- beliebige Anwendungs- Dampfdruck
gruppe temperatur (RT) temperatur (kPa bei RT)
(T ~ 20 oC) AT (oC)
Wenn die Tätigkeit mit dem chemischen Stoff oder der Zubereitung bei einer ande-
ren Anwendungstemperatur erfolgt, wird die Freisetzungsgruppe mit Hilfe des Dia-
gramms (siehe Abb. 3.1) oder über die in der Tabelle (siehe Tab. 3.1) genannten Be-
ziehungen ermittelt.
Bei festen Gefahrstoffen (z. B. Pulver) können Sie das Staubungsverhalten mit
Hilfe der beispielhaften Informationen in der Tabelle (siehe Tab. 3.2) vergleichen2
und unmittelbar die Freisetzungsgruppe ablesen.
Freisetzungs-
Informationen zum Staubungsverhalten
gruppe
Liegt der Gefahrstoff als Pellet, Wachs oder Granulat vor oder
entsteht bei der Tätigkeit nur sehr wenig Staub, so ist das niedrig
Staubungsverhalten niedrig.
2
Bei einigen flüchtigen Feststoffen (z. B. Naphthalin) kann es – wie bei Flüssigkeiten – zu relevanten
Arbeitsplatzbelastungen durch Dämpfe kommen. In diesen Fällen sollte geprüft werden, ob der
Dampfdruck des Stoffes zu einer höheren Freisetzungsgruppe führt.
22
Hierzu benötigen Sie die von Ihnen erhobenen Angaben in Schritt 1-3.
Hier ist die konsequente Anwendung der Schutzleitfäden der Reihe 100 ausreichend.
Sie beschreiben die wesentlichen technischen, organisatorischen und persönlichen
Maßnahmen. Liegt ein fester Gefahrstoff der Freisetzungsgruppe „mittel“ oder „hoch“
vor, sollte auch der Schutzleitfaden 240 „Staubarbeitsplätze“ beachtet werden. Alle
weiteren Maßnahmen bauen auf dieser Maßnahmenstufe auf und sind zusätzlich
umzusetzen.
Diese Reihe beschreibt Maßnahmen, die die Freisetzung (Emission) von Gefahrstof-
fen an der Entstehungsstelle begrenzen. Die Schutzleitfäden 2xx beschreiben typi-
sche Arbeitsabläufe, wie z. B. wiegen, ab- und umfüllen, entleeren, mischen, be-
schichten sowie laminieren, und können wie eine Checkliste als Dokumentations-
hilfe bei der Umsetzung und Überprüfung der Maßnahmen genutzt werden. Die Vor-
schläge haben Modellcharakter und müssen sorgfältig an die Verhältnisse im Betrieb
angepasst werden, um eine ausreichende Wirksamkeit zu gewährleisten. Falls es
keinen Schutzleitfaden für die zu beurteilende Tätigkeit gibt oder die Anpassung im
Betrieb nicht unmittelbar möglich ist, sollten Sie eine qualifizierte Beratung in An-
spruch nehmen.
Diese Reihe enthält Vorschläge für die Gestaltung von Tätigkeiten als geschlossenes
System. Neben dem allgemeinen Leitfaden 300 „Geschlossenes System“ finden Sie
weitere spezielle Schutzleitfäden z. B. zum Entleeren und Befüllen von Fässern, IBC-
Containern sowie Umpumpen von Flüssigkeiten. Integrierte Absaugungen werden
nach TRGS 500 aufgrund ihrer hohen Wirksamkeit den geschlossenen Systemen
zugeordnet. Auch hier sollten Sie bei komplexen Rahmenbedingungen eine qualifi-
zierte Beratung in Anspruch nehmen. Existiert für diese Tätigkeit kein Schutzleitfaden
oder ist das geschlossene System nicht umsetzbar, kann ggf. eine branchenbezoge-
23
Beratung
Empfiehlt das EMKG bei einer sehr hohen Gefährdung eine Beratung, so kann in
vielen Fällen auf das technische Regelwerk oder andere Informationen der Unfall-
versicherungsträger und Länder zurückgegriffen werden.
Es gibt:
- für eine Reihe krebserzeugender Gefahrstoffe (z. B. Asbest, Dioxine, Holzstaub,
Keramikfasern, Pyrolyseprodukte, Dieselmotoremissionen) in den Technischen
Regeln stoff- und tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilungen und Schutz-
maßnahmen,
- branchen- oder tätigkeitsspezifische Hilfestellungen (z. B. Regeln und Informati-
onen der Unfallversicherungsträger),
- branchenbezogene Gefahrstoff- und Produktbewertungen der Unfallversiche-
rungsträger (z. B. GISBAU – Gefahrstoffinformationssystem der Berufsgenos-
senschaften der Bauwirtschaft, GisChem – Gefahrstoffinformationssystem der
Berufsgenossenschaften der chemischen Industrie),
- Stoffinformationen der Bundesländer und Unfallversicherungsträger (z. B. Ge-
fahrstoffdatenbank der Länder (GDL), BGIA-Stoffdatenbank (GESTIS), Informa-
tionssystem für gefährliche Stoffe (IGS) des Landes Nordrhein-Westfalen.
Für Gefahrstoffe, die mit den R-Sätzen R61, R45, R49 bzw. R60 gekennzeichnet
sind, gelten die Beschäftigungsbeschränkungen der Mutterschutzrichtlinienverord-
nung.
24
Reihe 200
(Feststoffe)
Reihe 300
(Feststoffe)
Reihe 200
(Flüssigkeiten)
Reihe 300
(Flüssigkeiten)
E Beratung
Bitte notieren Sie unter Schritt 4 die Maßnahmenstufe für den Gefahrstoff.
Bei einer Tätigkeitsdauer bis 15 min kann die erforderliche Maßnahmenstufe ggf.
geringer sein (siehe Abb. 4.1). Die Tätigkeitsdauer haben Sie bereits in Schritt 2:
Mengengruppe und Tätigkeitsdauer erhoben.
Ersetzen Sie den Gefahrstoff durch den gleichen Gefahrstoff mit einer niedrigeren
Freisetzungsgruppe (z. B. Granulat statt Pulver), erreichen Sie in der Regel eine
niedrigere Maßnahmenstufe. Diese Vorgehensweise ist häufig wirtschaftlicher als die
Einführung zusätzlicher technischer Maßnahmen.
Freisetzungsgruppe
Gefähr- Men-
Beispiel: lich- gen-
keits- grup-
Feststoff Gefährlichkeitsgruppe: „B“ gruppe pe niedrig mittel hoch
Weitere Informationen:
- Eine Zusammenstellung der Schutzleitfäden finden Sie im Anhang 4.
- Alle Schutzleitfäden im Volltext stehen Ihnen unter
[Link]/emkg als Download zur Verfügung.
- Spezielle Maßnahmenempfehlungen finden Sie bei den branchenbe-
zogenen Gefahrstoff- und Produktbewertungen der Unfallversiche-
rungsträger (z. B. GISBAU – Gefahrstoffinformationssystem der Be-
rufsgenossenschaften der Bauwirtschaft oder GisChem – Gefahrstoff-
informationssystem der Berufsgenossenschaft der chemischen Bau-
wirtschaft).
27
In Schritt 1 haben Sie die R-Sätze notiert. Diese sind die Ausgangsbasis zur
Bestimmung der Gefährlichkeitsgruppe Hautkontakt (HA – HE) in Tab. 5.1.
HA R66
HB R38
HE R24 und R34, R27, R35, R39/27, R45*, R46*, R60*, R61*
* Hinweis: Wenn Ihnen bekannt ist, dass Ihr Stoff NICHT hautresorptiv ist, kann die Zuordnung
zur Gefährlichkeitsgruppe entfallen. Bitte berücksichtigen Sie, dass andere Stoffe mit Carrier-Effekt
auch nicht hautresorptive Stoffe durch die Haut transportieren können. Beispiele hierfür sind Dime-
thylsulfoxid (DMSO), N,N-Dimethylformamid (DMF) und Glykolverbindungen.
Bitte notieren Sie unter Schritt 5 für den Gefahrstoff oder die Zubereitung
die höchste Gefährlichkeitsgruppe „Hautkontakt“ (HA – HE).
29
Bei der Wirkfläche wird zwischen klein- und großflächiger Benetzung der Haut un-
terschieden. Bei der Abschätzung der Wirkfläche ist sowohl die Aufnahme des Ge-
fahrstoffes durch direkten Hautkontakt, als auch durch eine Benetzung der Haut
über Gase, Dämpfe oder Aerosole – indirekter Hautkontakt – zu beachten. Eine
Benetzung der Haut über verschmutzte Arbeitskleidung und Arbeitsmittel ist eben-
falls zu berücksichtigen.
Tätigkeiten mit direktem Hautkontakt sind z. B. Verlege- und Klebearbeiten von Bo-
denbelägen. Hierbei können sowohl die Hände als auch die Knie belastet sein.
Die Wirkdauer des Hautkontaktes beginnt mit der Verunreinigung und endet erst mit
der wirksamen Beseitigung. Besteht ein wiederholter Hautkontakt, so sind die Zei-
ten des Hautkontaktes mit dem jeweiligen Gefahrstoff über den Tag zu addieren.
Die Wirkfläche und -dauer können Sie auf Basis einer Betriebsbegehung ermitteln.
Bereits verwendete Schutzhandschuhe oder andere persönliche Schutzausrüs-
tungen sind außer Acht zu lassen.
Hautkontakt Wirkfläche
kleinflächige Benetzung
klein
(Spritzer)
großflächige Benetzung
groß
(z. B. ganze Hand)
Hautkontakt Wirkdauer
Bitte notieren Sie unter Schritt 6 die beiden Parameter für Wirkfläche und
Wirkdauer.
.
30
Liegt ein geringer Maßnahmenbedarf vor, orientieren sich die zusätzlich zu ergrei-
fenden Maßnahmen an den Ausführungen der TRGS 401 „Gefährdung durch Haut-
kontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen“.
Überprüfen und dokumentieren können Sie die Umsetzung der zusätzlichen Maß-
nahmen mit Hilfe des Schutzleitfadens 120 – Organisations- und Hygienemaßnah-
men „Haut“.
Bei einem erweiterten Maßnahmenbedarf ist die Gefährdung durch technische Lö-
sungen, wie der Einsatz von geeigneten Werkzeugen, Instrumenten, Arbeitsvorrich-
tungen oder -techniken zu verhindern oder deutlich zu reduzieren.
In der Anlage 6 der TRGS 401 sind beispielhafte technische und organisatorische
Lösungen zur Verringerung bzw. Verhinderung von Hautkontakt angegeben, z. B.
bei
- Transport- und Lagerungstätigkeiten,
- Probenahme- und Reinigungstätigkeiten,
- Tätigkeiten im Baugewerbe, in der Metallverarbeitung,
- Maler- und Lackierertätigkeiten,
- Abfüll-, Umfüll- und Mischtätigkeiten.
Hierbei ist darauf zu achten, dass trotz der Verwendung von persönlicher Schutzaus-
rüstung ein Hautkontakt nicht vollständig ausgeschlossen werden kann. Ein Hautkon-
takt kann z. B. entstehen, wenn
- das Gesicht oder andere Körperteile, während des Tragens von kontaminierten
Schutzhandschuhen, unbeabsichtigt berührt oder abgewischt werden,
- kontaminierte Schutzhandschuhe vor dem Ausziehen nicht gereinigt werden.
Zur Auswahl und Handhabung von Schutzhandschuhen steht Ihnen der Schutzleitfa-
den 250 – „Erweiterter Maßnahmenbedarf Haut“ zur Verfügung.
Beim Ergebnis „hoher Maßnahmenbedarf“ ist die Substitution des Gefahrstoffes die
beste Lösung, besonders muss geprüft werden, ob der Hautkontakt durch ein ge-
schlossenes System vollständig ausgeschlossen werden kann. Ist dies der Fall, sind
keine weiteren Maßnahmen erforderlich.
Ist ein geschlossenes System technisch nicht möglich, so sollten in enger Zusam-
menarbeit mit dem Betriebsarzt Schutzmaßnahmen ausgewählt werden. Die Be-
schäftigten sollten mit Hilfe des Betriebsarztes in die Lage versetzt werden, Hautver-
änderungen wahrzunehmen und mögliche Symptome einer Hauterkrankung frühzei-
tig zu erkennen. Kann die Gefährdung durch den Gefahrstoff wegen bereits vorhan-
dener gesundheitlicher Beeinträchtigungen verstärkt werden, sollte darauf in einer
persönlichen Beratung durch den Betriebsarzt hingewiesen werden.
Gefährlich- Maßnahmen-
Wirkfläche Wirkdauer
keitsgruppe bedarf
* Wurde die Gefährlichkeitsgruppe HD durch die R-Sätze R62 „Kann möglicherweise die Fortpflan-
zungsfähigkeit beeinträchtigen“ oder R63 „Kann das Kind im Mutterleib möglicherweise schädigen“
zugeordnet, dann reicht nach TRGS 401 für eine große Wirkfläche und eine lange Wirkdauer ein
erweiterter Maßnahmenbedarf aus.
** Wurde die Gefährlichkeitsgruppe HE durch den R-Satz R35 „Verursacht schwere Verätzungen“
zugeordnet, dann reicht nach TRGS 401 für eine kleine Wirkfläche und eine kurze Wirkdauer ein
erweiterter Maßnahmenbedarf aus.
Die Überprüfung
- der Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes sowie
- der Wirksamkeit technischer Schutzmaßnahmen und -einrichtungen
ist zentrale Forderung der Gefahrstoffverordnung zur Qualitätssicherung der festge-
legten Schutzmaßnahmen.
Stoffe mit AGW Zubereitungen mit Stoffe ohne AGW Zubereitungen mit
Inhaltsstoffen Inhaltsstoffen
mit AGW ohne AGW
Ziel Ziel
Ermittlungs- Ermittlungs-
methode methode
► messtechnisch ► nichtmesstechnisch
z. B. EMKG (Kap. 8.3) +
► nichtmesstechnisch
Schutzleitfaden
z. B. EMKG (Kap. 8.2) +
Schutzleitfaden
Mengengruppe: mittel
A mittel Reihe 100 Reihe 100 Reihe 200
a) Arbeitsplatzmessung
hoch Reihe 100 Reihe 100 Reihe 200
(Flüssigkeiten)
Ermittlung der Gefähr-
lichkeitsgruppe: „A“ Reihe 200
(Feststoffe)
nach AGW-Stoffliste
(vgl. Anhang 4): gering Reihe 100 Reihe 100 Reihe 100
lichkeitsgruppe um eine
Reihe 300
Kategorie strenger: „B“ (Feststoffe)
Wenn in diesem Beispiel eine Entscheidung für Maßnahmen der Reihe 200 (techni-
sche Maßnahmen) getroffen wird, ist im Sinne der Gefahrstoffverordnung keine Ar-
beitsplatzmessung erforderlich. Die Umsetzung der gewählten technischen Schutz-
maßnahmen ist zu dokumentieren und regelmäßig auf ihre technische Wirksamkeit
zu prüfen. Technische und organisatorische Prüfvorgaben finden Sie in den Schutz-
leitfäden (siehe Anhang 4) oder anderen branchen- oder tätigkeitsspezifischen Hil-
festellungen.
Arbeitsplatzmessung
Weitere Informationen:
Empfohlene Analysenverfahren für Arbeitsplatzmessungen,
BAuA Fachbuchreihe (19., überarbeitete Auflage 2008)
Hinweis:
Bereits vorliegende Arbeitsplatzmessungen, Arbeitsplatzmessungen von vergleich-
baren Arbeitsplätzen sowie die Ermittlung der Exposition durch Berechnungsverfah-
ren können ebenfalls die Einhaltung des AGW nachweisen. Messergebnisse von
vergleichbaren Arbeitsplatzmessungen finden Sie häufig in tätigkeits- und branchen-
spezifisch Hilfestellungen der Unfallversicherungsträger, Länder und der BAuA.
Werden mit dem EMKG Maßnahmen für Tätigkeiten mit Zubereitungen abgeleitet, ist
auf die Liste der Inhaltsstoffe zu achten. Sind Stoffe mit Arbeitsplatzgrenzwert (AGW)
nach TRGS 900 enthalten, ist deren Einhaltung zu überprüfen. Je höher der Anteil
des Stoffes mit AGW in der Zubereitung ist, umso wichtiger ist eine Überprüfung. Die
Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte kann durch Arbeitsplatzmessungen bzw.
nichtmesstechnische Ermittlungsmethoden nachgewiesen werden.
Analog zum Vorgehen bei Stoffen mit AGW kann auch bei Zubereitungen das EMKG
als nichtmesstechnische Ermittlungsmethode angewendet werden, wenn die für
die Zubereitung aus der Einstufung ermittelte Gefährlichkeitsgruppe strenger ist als
alle Gefährlichkeitsgruppen, die sich aus den AGW der einzelnen Komponenten er-
geben (vgl. Bsp. in Abb. 8.3).
Xn Gesundheitsschädlich
Risiko-Sätze:
10 Entzündlich
20/21 Gesundheitsschädlich beim Einatmen und bei Berührungen mit der Haut
38 Reizt die Haut
Gefährlichkeitsgruppe „Einatmen“ B
2. Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW), aufgeführt in der TRGS 900
Sicherheitsdatenblatt, Kapitel 08: Begrenzung und Überwachung der Exposition
am Arbeitsplatz
3. Ergebnis:
Eine Arbeitsplatzmessung ist nicht zwingend erforderlich.
Die Gefährlichkeitsgruppe abgeleitet aus der Kennzeichnung der Zubereitung B
In allen übrigen Fällen ist das Vorgehen bei der Wirksamkeitsüberprüfung im Einzel-
fall festzulegen. Zur Entscheidung, ob Arbeitsplatzmessungen erforderlich sind, kön-
nen Berechnungsverfahren für Luftkonzentrationen von Gefahrstoffen hilfreich
sein.
Weitere Informationen:
Eickmann, U.: Berechnungsverfahren und Modellbildung in der
Arbeitsbereichsanalyse, BIA-Report 3-2001, Hrsg.: HVBG
Bei Stoffen und Zubereitungen ohne AGW kann die Wirksamkeit der Schutzmaß-
nahmen mit dem EMKG als nichtmesstechnische Ermittlungsmethode nachgewiesen
werden.
Als Arbeitgeber sind Sie verpflichtet, die Umsetzung der getroffenen Schutzmaß-
nahmen und die Nutzung von persönlicher Schutzausrüstung und Hautmitteln zu prü-
fen. Werden technische Schutzmaßnahmen angewendet, müssen diese regelmäßig
und bei Veränderung des Arbeitsverfahrens überprüft werden. Darüber hinaus ist auf
die unverzügliche Beseitigung von Verunreinigungen und Kontaminationen an
Arbeitsmitteln zu achten. Die verwendete persönliche Schutzausrüstung muss vor
Beginn der Arbeit auf Funktionsfähigkeit geprüft werden (z. B. auf schadhafte Stel-
len oder innenseitige Verschmutzungen von Schutzhandschuhen). Bei Hautmitteln
sollte regelmäßig geprüft werden, ob das Verfallsdatum überschritten ist.
R- AGW GG Art Mengen- Dauer fest/ Siede- Tempe- Frei- Einatmen GG Wirk- Wirk- Haut
Sätze Einatmen gruppe fl punkt ratur setzungs- Haut fläche dauer
gruppe
39
40
Temperatur Raumtemperatur
(Anwendungstemperatur während der zu beurteilenden Tätigkeitsdauer)
Freisetzungs- mittel
gruppe (ermittelte Gruppe gemäß Tab. 3.1)
Schutzmaß- Einatmen Reihe 100 = Maßnahmenstufe 1 = Schutzleitfäden 1xx
nahmen (Ergebnis gemäß Entscheidungstabelle, Tab. 4.1)
Hautkontakt GG (Haut) HC
Gefährlich- (ermittelte Gefährlichkeitsgruppe für die Hautgefährdung gemäß Tab. 5.1)
keitsgruppe Wirkfläche klein
(GG) (Wirkmenge gemäß Tab. 6.1)
Wirkdauer lang
(Wirkdauer gemäß Tab. 6.2)
Schutzmaß- Hautkontakt erweiterter Maßnahmenbedarf
nahmen (Ergebnis gemäß Entscheidungstabelle Tab. 7.1)
Wirksamkeitsüberprüfung Das EMKG ist eine nichtmesstechnische Ermittlungsmethode,
wenn anstatt der Gefährlichkeitsgruppe A, die Gefährlichkeitsgrup-
pe B gewählt wird. Der damit abgeleitete Maßnahmenbedarf ist:
Reihe 200 = Maßnahmenstufe 2 = Schutzleitfäden 2xx
Umsetzen und dokumentieren der Schutzmaßnahmen:
Schutzleitfäden der Reihe 100,
Schutzleitfaden 200: Örtliche Absaugung
Überprüfung lüftungstechnischer und technologischer Parameter
Überprüfung der Umsetzung der Hautschutzmaßnahmen
Werden nur die Maßnahmen der Schutzleitfäden der Reihe 100
umgesetzt, ist die Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes durch
eine andere Ermittlungsmethode nachzuweisen (z. B. Berech-
nungsverfahren, neue oder vorhandene Arbeitsplatzmessungen
sowie Arbeitsplatzmessungen an vergleichbaren Arbeitsplätzen).
(Ergebnis der Zuordnung auf Seite 34)
41
Physikalisch-chemische Gefährdungen
Gesundheitsgefährdungen
Umweltgefährdung
Umweltgefährlich
42
Einatmen Haut
R20/21 Gesundheitsschädlich beim Einatmen und bei Berührung mit der Haut B HC
R20/21/22 Gesundheitsschädlich beim Einatmen, Verschlucken und Berührung mit der Haut B HC
R21/22 Gesundheitsschädlich bei Berührung mit der Haut und beim Verschlucken B HC
R23/24 Giftig beim Einatmen und bei Berührung mit der Haut C HD
R23/24/25 Giftig beim Einatmen, Verschlucken und Berührung mit der Haut C HD
R24/25 Giftig bei Berührung mit der Haut und beim Verschlucken C HD
43
Einatmen Haut
R26/27 Sehr giftig beim Einatmen und bei Berührung mit der Haut D HE
R26/27/28 Sehr giftig beim Einatmen, Verschlucken und Berührung mit der Haut D HE
R27/28 Sehr giftig bei Berührung mit der Haut und beim Verschlucken D HE
R39/23/24 Giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens durch Einatmen und bei Berührung mit C HD
der Haut
R39/23/24/25 Giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens durch Einatmen, Berührung mit der C HD
Haut und durch Verschlucken
R39/23/25 Giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens durch Einatmen und durch Verschlu- C
cken
R39/24 Giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens bei Berührung mit der Haut HD
R39/24/25 Giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens bei Berührung mit der Haut und durch C HD
Verschlucken
R39/26/27 Sehr giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens durch Einatmen und bei Berührung D HE
mit der Haut
R39/26/27/28 Sehr giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens durch Einatmen, Berührung mit der D HE
Haut und durch Verschlucken
R39/26/28 Sehr giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens durch Einatmen und durch Ver- D
schlucken
R39/27 Sehr giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens bei Berührung mit der Haut HE
44
Einatmen Haut
R39/27/28 Sehr giftig: ernste Gefahr irreversiblen Schadens bei Berührung mit der Haut und D HE
durch Verschlucken
R48/23 Giftig: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Einatmen D
R48/23/24 Giftig: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Einatmen D HD
und durch Berührung mit der Haut
R48/23/24/25 Giftig: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Einatmen, D HD
Berührung mit der Haut und durch Verschlucken
R48/23/25 Giftig: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Einatmen D
und durch Verschlucken
R48/24 Giftig: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Berührung HD
mit der Haut
R48/24/25 Giftig: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Berührung D HD
mit der Haut und durch Verschlucken
R48/25 Giftig: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Verschlu- D
cken
R50/53 Sehr giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wir-
kungen haben
Einatmen Haut
haben
Grundsätze für die Verhütung von Gefährdungen, die immer anzuwenden sind
(Maßnahmen der Schutzstufe 1, 100er-Serie)
Nummer Bezeichnung
Nummer Bezeichnung
201 Abzugsschränke
203 Absaugschrank
222 Pulverbeschichtung
223 Laminieren
240 Staubarbeitsplätze
Nummer Bezeichnung
305 Fassbefüllung
306 Fassentleerung
Spezielle Schutzleitfäden
Nummer Bezeichnung
S 01 Augenoptiker neu