Textbuch - DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN
Textbuch - DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN
Vorspiel
(Tonband) Und nun, meine Damen und Herren, als Höhepunkt und Abschluss
unseres Programms: Zum letzten Mal im Orpheum!
Zum letzten Mal in Budapest! Zum letzten Mal in Europa, das nächste Mal
in New York! Sylva Varescu, mit ihrem „Siebenbürger Mädel“!
Nr 1 LIED
SYLVA (ohne
Chor, mit Boni
, Feri und den
Damen und
Herren des
Balletts
Sylva Nein, nein! Jetzt ist Schluss! Aber wenn ich wieder zurück bin, dann hoffe
ich, dass wir uns alle gleich am ersten Abend hier im Orpheum wieder
treffen. Bis dahin vielen Dank und auf Wiedersehen! – Viszontlatasro!
Alle Viszontlatasro!
Feri Bitte, kann man die Sylvi in aller Herrgottsfrüh allein auf den Bahnhof
gehen lassen?
Alle/Ballett Nein!
Alle/Ballett Ja!
Alle/Ballett Ja!
2
Alle/Ballett Ja!
Feri Richtig. Bringen wir sie morgen in der Früh gemeinsam zum Zug.
Alle/Ballett Ja!
Feri Bitte, das ist Demokratie, wie ich sie mir vorstelle!
Sylva Also, ihr seid’s unverbesserlich! Ihr lebt nicht nur im Varieté, ihr werdet
hier auch einmal sterben.
Boni Ja es gibt halt nichts Lieberes als die Mädis vom Chantant!
Feri Und was besonders lieb ist: Mit jedem neuen Programm gibt’s neue
Mädis.
Boni Und was uns noch lieber ist: Sie nehmen die Liebe nicht gar so tragisch.
Boni Richtig!
Abgangsmusik
Nr. 2 a LIED
EDWIN
(Reizende Frau
(aus
„Paganini“)
Sylva Herein!
Edwin Sylva!
Sylva Edwin!
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Auf Musik gesprochen
Edwin Sylva!
Sylva Wenige Stunden, wenige kurze Stunden noch, die möchte ich glücklich
sein.
Edwin Bleib! Ein Leben ohne Dich, das kann ich mir nicht mehr denken.
Sylva Sie werden eine andere finden! Sie werden sich wieder verlieben…. in
eine Schönere!
Gesangseinsatz
Feri Pardon! – Wisst ihr, bevor die Feier losgeht, wollen wir Abschied nehmen
in ganz kleinem Kreis. Damit niemand sieht, wie ich heul!
Alle Igen!
Feri Herein!
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Rohnsdorff Man hat mir im Palais Káncsiánu gesagt, dass du hier bist.
Kann ich dich einen Augenblick sprechen? –Allein.
Boni Joi, ich hab das Gefühl, der schmeißt uns raus.
Rohnsdorff Bitte!
Rohnsdorff Persönliche Meldung beim Stab! Der Alte erwartet dich morgen. Das
heißt also: heute, Punkt halb zwölf Uhr mittags.
Unten wartet mein Auto.
Edwin Ach so, ich verstehe: ein abgekartetes Spiel! Das hat Papa nur
durchgesetzt, um mich von hier wegzubringen.
Rohnsdorff Anastasia!
Rohnsdorff Ja!
Edwin Sie ist doch nicht meine Braut! Eine Jugendliebe! Und so was nimmt man
doch nicht ernst.
Rohnsdorff Die Stasi und deine Eltern haben es anscheinend ernst genommen. Sie
drängen auf baldigste offizielle Verlobung.
Edwin Rohnsdorff!
Rohnsdorff Pardon.
Sylva Wie?
Rohnsdorff Unaufschiebbar!
Sylva Ich verstehe. Dann können wir ja gleich doppelten Abschied feiern.
Sylva In ein paar Stunden sitze ich im Zug nach Genua, und von dort geht es
weiter nach Amerika.
Rohnsdorff Natürlich.
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Edwin Ja, ja, du hast ganz Recht. Es ist höchste Zeit.
Boni Sag, Eugen, bin ich dein Freund? Was hat der für Sorgen?
Boni Du meinst doch seine Cousine. Sie war einmal auf Besuch bei uns, vor
Jahren, mit dem Edwin, als ganz kleines Mädel. Gott, war die süß! – Und
jetzt heiratet sie.
Rohnsdorff Der alte Herr forciert natürlich jetzt die Geschichte wegen dieser Varescu.
Sogar die Verlobungsanzeigen hat er drucken lassen. – Bitte!
Rohnsdorff Du, ich möchte nicht, dass jemand etwas davon erfährt, solange Edwin
noch da ist. Ehrenwort?
Boni Die soll er sich behalten. Geld haben wir selbst genug. – Mehr als
Verstand, Gott sei Dank!
Boni Servus!
Feri (kommt) Boni, was ist? Bist traurig, dass die Sylva fortgeht, was? Bist auch
in sie verliebt? Schau: An Liebe ist noch keiner gestorben, sonst wär ich
längst ein lebender Leichnam.
Feri Bitte?
Feri Ja, in Operetten! Aber Spaß beiseite, Boni. Schau, ich bin von uns beiden
der Ältere und – ohne dir schmeicheln zu wollen – der G’scheitere. Du als
Ehemann! Und die Sylva ist doch kein Mädel, mit dem man spielt.
Boni Moment, das sag dem Edwin! Oder glaubst du, dass er sie heiratet?
Feri Keiner von euch wird sie heiraten. Die Sylva geht nach Amerika, und
wenn sie zurückkommt .. „so soft sich ändert das Programm, verändert
man sein Herz auch stramm und nimmt sich eine Neue…“
Boni Du, Feri, ich glaub, ich werd mich vom Nachtleben zurückziehen!
Boni Seit einiger Zeit merk ich, dass ich täglich älter werd …
Feri Wirklich?
Boni Ja … und das inkommodiert mich sehr. Wir sollten ein anderes Leben
anfangen.
Boni Arbeiten.
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Feri No! – Nein!
Feri Weiß was? Ich schick dir ein paar Mädel her. – Bei mir hilft das immer! (ab)
Boni Das hat jetzt bei mir überhaupt keinen Sinn! Mit der Liebe ist es aus, ein
für alle Mal!
Edwin Ruhe, Ruhe! Bitte, seid’s einen Moment ruhig! Ich habe euch eine
wichtige Mitteilung zu machen: Die Sylva geht nicht nach Amerika!
Edwin Natürlich ist das wahr! Ich verbiete dir die Reise.
Edwin Ich mache mit dir einen Vertrag, der sich für’s ganze Leben an mich
bindet. Herr von Kiss, schreiben Sie!
Nr. 6 FINALE 1
Feri Und jetzt den Hochzeitsmarsch! Den von Mendel und Sohn!
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(Text im Klavierauszug)
Rohnsdorff Verzeihung,wenn ich störe, Edwin,höchste Zeit, höchste Zeit, wir müssen
fort!
Boni (singt) „Die Mädis, die Mädis, die Mädis vom Chantant …“ So Kinder, los
geht’s! Auf zum Bahnhof!
Boni Und das hast du nicht verhindert? Da wären deine gescheiten Worte
besser angebracht gewesen als bei mir.
Boni Sylva, er darf sich nicht verloben! Er hat schon eine Braut.
Sylva Du lügst!
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Boni Sag: Bin ich dein Freund? – Der Rohnsdorff hat sie mir gegeben.
MUSIK /Melodram
weiter
Boni Ein Jux, eine Laune. Damit er zeigt, dass er durchsetzen kann, dass du
bleibst. – Sylva, nimm es nicht so tragisch. Bist ein gescheites Mädel! Ein
Mädi vom Chantant!
Feri Ich kann doch nicht schon um drei Uhr abends nach Hause gehen. –
Champagner! Und Musik! – aber pianissimo
PAUSE
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ZWEITER AKT
Nr. 6 ½ Entr‘act
Stasi So, mein Lieber, jetzt bleibst du einmal fünf Minuten bei mir.
Edwin Ja, Stasi. Bitte, sei nicht immer so streng mit mir.
Edwin Bitte?
Edwin Wen?
Stasi Bitte, bleib doch endlich sitzen! Schau, Edwin, aus uns beiden kann nichts
werden, so lange diese – Affäre – nicht zu Ende ist.
Edwin Stasi!
Edwin Anders.
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Stasi Umso besser. Dein Vater will nämlich heute noch unsere Verlobung
bekannt geben.
Edwin Ich kann mich nicht verloben. Ich darf nicht! Ich muss noch eine Nachricht
abwarten.
Fürst Ja!
Fürst Wen?
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Fürstin Er hat gesagt, er kann nicht heiraten, weil er noch eine Nachricht
abwarten muss.
Fürst Oh Gott, du meinst, er kriegt ein Kind? Einen Seitensprössling? Also, das
ist doch …
Fürstin Zu einer Amme? Das wär ja ein Vergnügen! Nein, beim Flascherl lass ich
es aufziehen.
Boni Bitte melden Sie uns seiner Durchlaucht! Graf Boni Káncsiánu und
Sylva Boni, bitte lass mich nur für heute Abend deine Frau sein.
Boni Warum?
Sylva Wenn Edwin eine Braut hat, so will ich einen Mann.
Sylva Boni, entweder du schwörst mir, dass ich für heute Abend deine Frau bin,
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oder ich mache einen Skandal, von dem ganz Wien spricht. Schwörst du?
Boni Nein!
Fürstin Ja, der Boni. Und eine Frau bringt er auch schon mit.
Herzlich willkommen, mein Lieber!
So ein Filou. Der heiratet, ohne uns etwas zu sagen. Das also ist die Frau
Gemahlin.
Sylva Durchlaucht.
Sylva Bonifazius!
Boni Nein, bitte nicht!! Ich meine, wenn er von selber kommt, dann kann man
nichts machen, aber wenn er nicht kommt, wär mir schon sehr viel
angenehmer…
Rohnsdorff Gräfin?
Rohnsdorff Donnerwetter! Gräfin! Mein lieber Boni, ich gratuliere dir sehr herzlich zu
dieser charmanten Frau!
Rohnsdorff Frau Gräfin müssen mich pardonieren, aber Sie haben eine Ähnlichkeit …
Boni Nein!
Rohnsdorff Genau!
Sylva Bedauerlicherweise werde ich sehr oft mit ihr verwechselt. Das kann sehr
unangenehm sein. Nicht wahr, Bonifazius?
Fürst Mein lieber Eugen, bitte lassen wir das! Kränken wir doch nicht unsere
liebe Gräfin.
Fürst Ich für meine Person würde den Unterschied sofort feststellen.
Sylva (Boni kichert.) Jetzt sind Sie enttäuscht. Diese Varescu muss wirklich eine
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Doppelgängerin von mir sein.
Stasi Es ist zwar nicht Damenwahl, aber da ich noch einen Tanz gut habe: Darf
ich bitten?
Edwin Du bleibst!
Fürst Stasi, mein Kind: Geh, lassen wir die beiden Freunde ein bisserl allein.
Komm. Opferst dich?
Stasi Aber gern, Onkel Durchlaucht. Ich weiß nicht, was die zwei haben.
(beide ab)
Edwin Ich unterschreibe ein Eheversprechen, und du fährst mit ihr nach
Amerika. Ich schreib, ich telegrafier – alles umsonst!
Edwin Du, lass deine blöden Witze. Dann kommt sie zurück und ist mit dir
verheiratet. Das ist ja zum Verrücktwerden!
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Boni Edwin, lass dich dabei nicht aufhalten. Ich komme später.
Edwin Warum?
Edwin Was?
Boni Ja, mit einer kleinen Einschränkung: Unsere Ehe ist nämlich noch rein.
Boni Ja, Edwin, das ist wahr! Lass mich aus. Du bist das reinste Beuteltier.
Sylva Bonifazius!
Boni Bitte!
Sylva Die Fürstin verlangt nach dir. – Du bist ja ganz derangiert! – Hat er was
gemerkt?
Sylva Boni hat mich schon immer geliebt. Und als sein Marschbefehl nach Wien
gekommen ist, hat er mich gebeten, seine Frau zu werden. Ich verdanke
alle meine Hochzeiten der Armee.
Edwin Sylva!
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Nr. 9 DUETT (Sylva, Edwin)
Sylva Freund. Haben Sie denn diese fidele Hochzeit ernst genommen, wo Sie
doch längst einer anderen versprochen waren?
Sylva Wenn ich schon nicht Fürstin werden konnte, wollte ich zumindest Gräfin
sein.
Sylva Glaubst du wirklich, ich heirate einen Mann, den ich nicht liebe?
Edwin Dann habe ich nichts mehr zu sagen. Gräfin, mich bitte zu
entschuldigen.(ab)
Boni Hat er was bemerkt? (Sie schüttelt den Kopf.) Gott sei Dank! Komm, wir
gehen.
Boni Aber warum? Du hast doch deine „Rache“ gehabt! Er ist eifersüchtig wie
ein Tiger!
Sylva Auf mich ist er eifersüchtig, aber heiraten tut er eine andere.
Boni Die Stasi und der Edwin machen sich doch nicht so viel auseinander. Die
Einzigen, die bei dieser Heirat glücklich sein werden, sind die Alten.
Boni Das ist so üblich in unseren … in diesen Kreisen. Sylva, bin ich dein
Freund? Dann gehen wir.
Boni Gut! Aber dann ist es aus zwischen uns. Für immer und ewig.
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Sylva Oh Gott, wer ist denn diesmal die Glückliche?
Sylva Da muss es dir doch nur Recht sein, wenn ich bleibe!
Sylva (bemerkt die Fürstin.) Die Durchlaucht! – Spiel den glücklichen Ehemann.
Sag mir etwas Liebes!
Sylva Irgendetwas!
Fürstin Wirklich ein schöner Anblick! Ich habe selten ein Paar gesehen, das so gut
zueinander passt. Darf ich trotzdem die Idylle stören? Ich würde gerne ein
paar Worte mit der Frau Gräfin wechseln…
Fürstin Bitte! Baron Rohnsdorff hat mir von ihrer exorbitanten Ähnlichkeit mit
einer Chansonette erzählt.
Sylva Es ist die, mit der Ihr Sohn diese peinliche Affäre gehabt hat.
Fürstin Natürlich. Der Boni, Aber bitte, jetzt kann ich den Edwin ja verstehen.
Fürstin Nun ja, wenn diese Dame Ihnen wirklich so ähnlich sieht, dann mußte er
sich ja in sie verlieben.
Fürstin Ich glaube, jetzt schon! Ich war mir nie ganz sicher, aber … vielen Dank,
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dass Sie gekommen sind.
Sylva Heute?
Fürstin Liebe und Ehe, das sind zwei ganz verschiedene Sachen. Die haben
meistens sehr wenig miteinander zu tun. Ich wünsch dem Edwin nur, dass
er mit der Stasi genauso glücklich wird, wie Sie es mit dem Boni sind.
Sylva Das wünsche ich ihm auch! (beide stehen auf, gehen.)
Fürstin (bleibt stehen.) Sie sind ein gescheites Mädel! Der Weg vom Orpheum ins
Fürstenpalais ist sehr lang und sehr beschwerlich.
Fürstin Ich weiß es, mein Kind, ich weiß es. (beide ab)
Boni Komtesse, ich muss Ihnen sagen: Sie haben mich be- und verzaubert!
Boni Dann müssen Sie zugeben: Wenn Sie einen so anschauen mit Ihren
himmelblauen Augen …
Stasi Grünen!
Boni Oh, mit Ihren himmlisch grünen Augen, dann muss sich einem da drinnen
alles herum drehen.
Stasi Mein Gott, wenn Ihre Frau Sie jetzt hören könnte!
Boni Welche Frau? – Ach so, meine Frau! Wissen Sie was: Das würde mich
überhaupt nicht genieren.
Boni Bitte, ja! Ich bin nämlich verliebt! Zum ersten Mal wirklich verliebt!
Boni Ach, immer meine Frau! Komtesse, ich muss Ihnen etwas sagen.
Stasi Ja?
Stasi Was ?
Boni Mehr kann ich Ihnen erst morgen sagen. Meine Zunge ist gebunden durch
Schwur.
Boni Aber, Komtesse, bitte setzen Sie sich, und seien Sie jetzt ganz aufrichtig.
Wenn ich frei wäre…
Boni … ganz frei. Könnten Sie mir dann ein bisschen gut sein?
Stasi Boni, Boni, Boni. Sie wissen, dass ich Ihnen darauf keine Antwort geben
darf.
Boni Immer wieder meine Frau! Meine Frau ist doch kein Hindernis. Meine Frau
kann ich jederzeit beseitigen.
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Stasi Das versteh ich einfach nicht! Eine so schöne Frau zu haben, so kurz
verheiratet zu sein und trotzdem nach anderen zu schauen: Das ist, das
ist …
Edwin Sylva, bitte glaub mir doch: Ich habe nie daran gedacht, die Stasi zu
heiraten.
Edwin Aber ich denk überhaupt nicht daran! – Sylva, ich will doch nur dich!
Edwin Sylva, ich weiß doch ganz genau: Du liebst mich auch … (Kuss)
Boni Ha! Was zu viel ist, ist zu viel! – Sylva, bitte lass uns allein.
Sylva Boni!
Boni Bist du meine Frau, oder bist du es nicht? – Und jetzt zu uns.
Boni Jetzt nimmt er mir nicht nur die Frau weg sondern auch die Sprichwörter.
Edwin Boni, wenn du willst, steh ich dir selbstverständlich zur Verfügung.
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Boni Ganz im Ernst.
Boni Frei?
Boni Aber für dich tu ich alles. – Nicht schütteln! Stell dich da hin und hör gut
zu. – Sylva, bitte: Unsere Ehe ist hiermit beendet.
Boni Verheiratet sein und nichts davon haben, das ist keine Ehe nach meinem
Geschmack. Und eine Frau zu haben, die mir noch nicht einmal treu war
und schon untreu ist, passt mir nicht. Passt mir nicht, passt mir nicht! Und
nach dem, was ich mit eigenen Augen gesehen habe, dreht sich einem
das Herz im Leibe herum. Wir sind geschieden von Tisch …
Boni … bitte, das andere war ja nicht! Leider! Edwin, nimm sie, du sie, dir sie.
Sylva, werde glücklich, wie ich es eigentlich verdient hätte. Oder, wie es
schon in der Bibel steht: „Liebet euch und vermehret euch stündlich!“
Edwin Sylva!
Sylva Edwin!
Nr.13 FINALE II
Melodram
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Sylva Mein Gott, was werden deine Eltern dazu sagen?
Edwin Wozu?
Edwin Aber das brauchen sie nicht zu erfahren. Für sie bleibst du einfach die
Gräfin Káncsiánu.
Sylva Aber wenn ich noch Sylva Varescu wäre, hättest du dann dein Wort
gehalten?
Sylva Deine Eltern hätten mich also nie akzeptiert, und du wärst ein Leben lang
unglücklich gewesen.
Edwin Sylva, bitte hör auf, darüber nachzudenken. Ich werde sofort mit Papa
reden.
Fürst Gräfin! Sie dürfen nicht gehen ! Wir haben doch noch eine Überraschung!
Meine Herrschaften, ich habe Ihnen ein freudiges Ereignis anzukündigen.
Fürst Ach so, nein, nein. So weit es natürlich noch nicht. Zwei Herzen, die sich
in Liebe gefunden …
Fürst Unser lieber Sohn Edwin und unsere bezaubernde Nichte Stasi …
Stasi Pardon, Onkel Durchlaucht. Ich glaub, wir lassen das lieber.
Stasi Das soll heißen, dass der Edwin eine andere gern hat.
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Fürst &
Fürstin Eine andere?
Edwin Stasi!
Edwin Sylva!
Text im Finale
Sylva Nein, ich bin nur Sylva Varescu. Aber die acht Wochen sind noch nicht
um, und wenn ich wollte…
Text im Finale
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DRITTER AKT
Nr.13 ½ Intermezzo
Boni Sag, Sylva, bin ich dein Freund? Noch schrecklicher! Wozu war der ganze
Skandal eigentlich notwendig? Mehr als dich heiraten wollen konnte er
wirklich nicht.
Sylva Aber seine Eltern hätten mich doch nie akzeptiert, und er wäre ein Leben
lang unglücklich gewesen. Begreifst du das nicht?
Boni Ach, und deswegen führst du dich auf wie eine Provinzduse?
Feri (singt) „Die Mädis, die Mädis, die Mädis vom Chantant!“
Boni Ich bin dienstlich hier; ab morgen. Reden wir nicht davon. Und du?
Feri Na ja, väterlich! Sie haben nämlich ein ganz neues Programm. (singt)
„Sooft sich ändert das Programm, verändert man sein Herz auch stramm
und nimmt sich, nimmt sich, nimmt sich eine Neue!“
Ich freu mich schon auf dein erstes Auftreten im Orpheum! Es sind zwar
nicht mehr alle da, die in Sie verliebt waren, aber das Haus wird trotzdem
brechen zusammen! Egeszegedre!
Feri Hast ihn noch immer gern, den Edwin? Schau, ich versteh dich sehr gut.
Ich hab das alles selber einmal mitgemacht. Aber deswegen darfst du
doch nicht deine ganze Zukunft wegschmeißen. Also: Auf Sylva Varescu!
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Feri Ich denk ja gar nicht dran! Boni! (schickt Boni weg.) Sylva, du passt ja gar
nicht zu dieser Familie. Du gehörst zur Kunst. Dir gehört die ganze Welt.
Dir müssen alle zu Füßen liegen; nicht nur einer. Sylvi, schau mir in die
Augen. – Sylva!
Hast du schon wirklich vergessen wie das ist, wenn du auf der Bühne
stehst und hinausschaust ins Haus? Alles wird auf einmal ganz still, alle
Augen sind auf dich gerichtet. Und alle Herzen fliegen dir zu; besonders
die männlichen!
Sylva Feri!
Feri Sylva, nur dann wirst du wirklich glücklich sein. Denn nur dann bist du,
was du immer warst: ein kleiner goldener Spatz; mit Glück im Schnabel
und Glück im Herzen. Nur dann bist du Sylva, unsere Sylva!
Feri Doch, du kannst! Du brauchst nur noch ein Ruckerl – ein allerletztes!
Boni Edwin?
Edwin Bitte?
Boni Sie hat mich für ihren Mann ausgegeben. Das ist ein großer Unterschied.
Edwin Wieso hab ich eigentlich Geduld mit deiner grenzenlosen Dummheit?
Boni Dummheit?
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Edwin Ja!
Boni Was heißt hier Dummheit? Erst versprichst du weiß Gott wem alles die
Ehe, verlobst dich nach allen Seiten und Richtungen, und dann machst du
mir Vorwürfe! Weißt du, was passiert ist? Sylva will mich heiraten!
Edwin Was?
Boni Wie komm ich dazu, eine Frau zu heiraten, die einen Mann hat, der eine
Braut hat, die ich zu meiner Frau machen will? Wie komm ich dazu, eine
Braut zu meiner Frau machen zu wollen, die einen Bräutigam hat, der
eine Frau hat, die mich zu ihrem Mann machen will? Wie komm ich dazu,
wie komm ich dazu, wie komm ich dazu?
Edwin Papa! Mit dem musst du sprechen! Weißt du, was nach deinem
glorreichen Abgang bei uns zu Haus’ noch alles los war?
Fürst Sag einmal, wie lange soll ich da draußen noch herumstehen?
Fürst Ich will nicht wissen, wo er nicht ist. Ich will wissen, wo er ist!
(schüttelt ihn.)
Fürst Ohne deine alberne Komödie hätte die Verlobung stattgefunden. Jetzt
sind wir blamiert, und die Stasi, dieses arme Kind, ist kompromittiert.
Boni Aber Onkel Durchlaucht, die Verlobung von Komtesse Stasi kann heute
noch stattfinden!
Fürst Wie?
Boni Onkel Durchlaucht, ich habe die große Ehre, um die Hand von Komtesse
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Stasi zu bitten.
Fürst Jetzt hab ich aber genug von deinen saudummen Scherzen! Außerdem ist
doch das Mädel in unseren Edwin verliebt.
Fürst Was?
Boni Hallo Fräulein, geben Sie mir bitte die Nummer 32 10! Nein, 32 – 10, ja 32
– 10 – wie komplettes Gebiss.
Hallo, hier Graf Kanscianu, bitte Komtesse Stasi zum Apparat! – Das muss
Gemeinschaftstelefon sein; ich höre so viele Stimmen. – Ja, Komtesse,
ich bin es. Bitte legen Sie nicht auf. Ich weiß, Sie sind sehr, sehr böse auf
mich. Aber, Komtesse, glauben Sie mir: Ich bin an dem Ganzen so
unschuldig wie das Amen im Gebet. Wirklich! – Ich bin da mit
Durchlaucht. – Nein, dem alten! – Komtesse, ich habe mir erlaubt, um die
Hand von Gnädigster anzuhalten. – Genau das Gleiche hat er auch
gesagt. – Sie hat mich gefragt, ob ich verrückt bin.
Boni Komtesse, bitten sagen Sie ja. Es hängt mein ganzes Lebensglück davon
ab. –
Ja! – Ja!
Feri Boni!
Boni Dafür muss ich Ihnen ein Busserl geben! – Onkel Schwiegerdurchlaucht:
Du kannst mir gratulieren. Sie hat ja gesagt! Onkel, Leopold, Maria, Poldi,
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Mizzi – Bussi!
Fürst Jetzt ist er total übergeschnappt! Pardon, mit wem habe ich die Ehre?
Fürst Wie?
Feri Pardon, aber Ihr Sohn ist ein lieber Freund von mir.
Feri Na ja, ich mein halt: Wenn ein Bub ein Mädel gern hat, sollte der Vater
nachgeben.
Fürst Bitte, vielleicht ist in Ihren Kreisen eine Ehe mit einer Chansonette
standesgemäß; in unseren jedenfalls nicht.
Feri Aber ich wäre der glücklichste Mensch gewesen, wenn ich damals die
Kupfer-Hilda hätte heiraten können.
Fürst Wen?
Fürst Miskolcz!
Feri Ich habe sie vergöttert. Aber meine Familie war auch standesbewusst.
Fürst Bravo!
Feri Na ja, da hat sie dann halt der Obergespann von Palony geheiratet.
Fürst Gratuliere.
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Feri Der schneidigste Reiter vom ganzen Banat.
Feri Trotzdem hat er sich kurz nach der Hochzeit den Hals gebrochen; bei der
Fuchsjagd.
Feri … und hat sie nach Wien entführt. Ich habe nie mehr was von ihr gehört.
Fürst Was sagen Sie? Die Witwe vom Zentler-Geza war beim Varieté?
Feri Kutjafajat!
Feri Pardon, hat ihren Männern anscheinend kein Glück gebracht, die Hilda.
Feri Wenn ich es sage. Ich trag noch immer ihr Bild bei mir.
Fürst Natürlich.
Fürst Sehr gut! Die Luft ist nur ein bisschen stickig da herinnen.
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Fürstin Ach, da bist du ja endlich! Ich habe mir schon solche Sorgen gemacht. –
Feri!
Feri Hilda!! –
Fürstin Joi!
Feri Frau Gemahlin? – Erlaube mich vorzustellen: Ferenc Ritter Kerekes von
Ferlsö-Mezötur und Ahlso-Kirishaza. Ich bin sehr glücklich, die
Bekanntschaft von Durchlaucht gemacht zu haben.
Fürst Es ist also wahr: Ich habe die Brettl-Diva von Miskolcz geheiratet.
Fürst Schweig! Jetzt kann ich den Buben erst verstehen. Der Arme konnte ja
gar nicht anders. Der ist ja erblich vorbelastet!
Fürst Ich gebe jeden Widerstand auf. Zwei Brettl-Diven in einer Familie! Mein
ganzer Stammbaum zerfällt in lauter Brettln!
Fürst Orpheum!
Fürstin Poldi!
Boni Kommen Sie, Komtesse. Jetzt trinken wir auf unsere Verlobung.
Stasi Liebe! Mein Gott, Liebe! – Ein Jahr Feuer und Flamme, dreißig Jahre
Asche! – Und, wenn ich Sie nun nicht so lieb haben könnt wie Sie mich?
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Boni Das macht nichts. Meine Liebe ist groß genug. Sie reicht für uns beide.
(Kuss)
Edwin Bitte, sag der Sylva, dass ich ihre Entscheidung akzeptiere.
Sylva Natürlich.
Boni Ja, bitte? – Ach, du bist’s! Der Edwin! Servus Edwin. Was sagst du? Du
kannst ohne Sylva nicht leben? – Edwin, was hast du? Warum zitterst du
so mit der Stimme? Edwin, du siehst ja ganz blass aus! Edwin, ich bitte
dich: Mach keine Dummheiten noch in so jungen Jahren! Bist ja noch
Knospe, kannst ja noch sprießen. – Nicht schießen! Edwin, gibt sofort den
Revolver weg!
Boni Lass mich! Ein Menschenleben steht auf dem Spiel! – Edwin, lebst du
noch? Was? Aber nicht mehr lange! Sag, Edwin, bin ich dein Freund?
Was? Aber nicht mehr lange!
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Boni Ja, Edwin. Sylva ist da. Sie lässt dir sagen …
Was lässt du ihm sagen?
Sylva Dass ich ihn liebe, dass ich nur seinetwegen gekommen bin, und dass ich
ohne ihn nicht leben kann!
Boni Schön!
Boni Ach so! Edwin: Sylva lässt dir sagen, dass ich dich liebe, dass sie
meinetwegen gekommen ist, und dass ich ohne mich nicht leben kann.
Was sagst du ihr? Was ist dein letztes Wort?
Edwin Dass ich sie liebe, dass ich nur ihretwegen gekommen bin, und dass ich
ohne sie nicht leben kann! – (Sylva gibt Boni eine Ohrfeige.) Sylva!
Sylva Edwin!
Stasi Boni!
Alle Hurra!
Nr.16 Schlussgesang
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