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Textbuch - DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN

Textbuch überarbeitet der berühmten Operette

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Michael Havlicek
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DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN

Operette in drei Akten


ERSTER AKT

Vorspiel

(Tonband) Und nun, meine Damen und Herren, als Höhepunkt und Abschluss
unseres Programms: Zum letzten Mal im Orpheum!
Zum letzten Mal in Budapest! Zum letzten Mal in Europa, das nächste Mal
in New York! Sylva Varescu, mit ihrem „Siebenbürger Mädel“!

Nr 1 LIED
SYLVA (ohne
Chor, mit Boni
, Feri und den
Damen und
Herren des
Balletts

Boni Sylva will eine Rede halten.

Sylva Nein, nein! Jetzt ist Schluss! Aber wenn ich wieder zurück bin, dann hoffe
ich, dass wir uns alle gleich am ersten Abend hier im Orpheum wieder
treffen. Bis dahin vielen Dank und auf Wiedersehen! – Viszontlatasro!

Alle Viszontlatasro!

Boni Silvikam, einen Augenblick.

Feri Bitte, kann man die Sylvi in aller Herrgottsfrüh allein auf den Bahnhof
gehen lassen?

Alle/Ballett Nein!

Feri Richtig. Bleiben wir da.

Alle/Ballett Ja!

Feri Richtig. Machen wir Mulatschak …

Alle/Ballett Ja!

Feri … mit Champagner und Musik.

2
Alle/Ballett Ja!

Feri Richtig. Bringen wir sie morgen in der Früh gemeinsam zum Zug.

Alle/Ballett Ja!

Feri Bitte, das ist Demokratie, wie ich sie mir vorstelle!

Sylva Also, ihr seid’s unverbesserlich! Ihr lebt nicht nur im Varieté, ihr werdet
hier auch einmal sterben.

Boni Ja es gibt halt nichts Lieberes als die Mädis vom Chantant!

Feri Und was besonders lieb ist: Mit jedem neuen Programm gibt’s neue
Mädis.

Boni Und was uns noch lieber ist: Sie nehmen die Liebe nicht gar so tragisch.

Sylva Und das ist euch Sündern das Allerliebste!

Boni Richtig!

Nr. 2 Marsch-Ensemble (Sylva, Boni, Feri, Ballett Damen und Herren)

Abgangsmusik

Nr. 2 a LIED
EDWIN
(Reizende Frau
(aus
„Paganini“)

Sylva Herein!

Edwin Sylva!

Sylva Edwin!

Nr. 3 DUETT (Sylva, Edwin) mit Melodram laut Klavierauszug

3
Auf Musik gesprochen

Sylva Edwin, es ist mein letzter Abend heute!

Edwin Sylva!

Sylva Wenige Stunden, wenige kurze Stunden noch, die möchte ich glücklich
sein.

Edwin Bleib! Ein Leben ohne Dich, das kann ich mir nicht mehr denken.

Sylva Sie werden eine andere finden! Sie werden sich wieder verlieben…. in
eine Schönere!

Gesangseinsatz

Feri Pardon! – Wisst ihr, bevor die Feier losgeht, wollen wir Abschied nehmen
in ganz kleinem Kreis. Damit niemand sieht, wie ich heul!

Sylva Feri bácsi!


Kinder, passt’s auf, ich hab eine große Bitte: Keiner darf mir von Abschied
reden. Wir wollen tanzen, wir wollen lustig sein. Und wenn es dann soweit
ist, dann ein … und Adieu! – Einverstanden?

Alle Igen!

Sylva Worauf trinken wir?

Feri Auf mich. Es lebe die Jugend!

Boni Es lebe die Freundschaft!

Sylva Es lebe die Liebe!

Edwin Es lebe das Glück!

Nr. 5 QUARTETT (Sylva, Edwin, Feri, Boni)

Feri Herein!

Rohnsdorff Ich störe doch hoffentlich nicht.

Boni & Edwin Schau, schau, der Eugen!

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Rohnsdorff Man hat mir im Palais Káncsiánu gesagt, dass du hier bist.
Kann ich dich einen Augenblick sprechen? –Allein.

Boni Joi, ich hab das Gefühl, der schmeißt uns raus.

Rohnsdorff Eine schöne Gesellschaft!

Edwin Also, bitte, mach’s kurz.

Rohnsdorff Kannst du haben: Du musst nach Wien!

Edwin Kommt nicht in Frage!

Rohnsdorff Bitte!

Edwin Eine Einberufung?

Rohnsdorff Persönliche Meldung beim Stab! Der Alte erwartet dich morgen. Das
heißt also: heute, Punkt halb zwölf Uhr mittags.
Unten wartet mein Auto.

Edwin Ach so, ich verstehe: ein abgekartetes Spiel! Das hat Papa nur
durchgesetzt, um mich von hier wegzubringen.

Rohnsdorff Edwin, du kompromittierst unsere ganze Familie.

Edwin Kompromittieren? Weil ich Sylva gern hab?

Rohnsdorff Du vergisst wohl, dass du eine Braut hast.

Edwin Eine Braut?

Rohnsdorff Anastasia!

Edwin Ah, du meinst die Stasi!

Rohnsdorff Ja!

Edwin Sie ist doch nicht meine Braut! Eine Jugendliebe! Und so was nimmt man
doch nicht ernst.

Rohnsdorff Die Stasi und deine Eltern haben es anscheinend ernst genommen. Sie
drängen auf baldigste offizielle Verlobung.

Edwin Das kommt nicht in Frage!


5
Rohnsdorff Wegen dieser Chansonette?
Dieser Tingeltangel-Dame?

Edwin Rohnsdorff!

Rohnsdorff Solche Weiber schau ich nicht einmal an!

Sylva Was ist denn hier los?

Rohnsdorff Pardon.

Edwin Baron Rohnsdorff – Fräulein Varescu. Er ist gekommen, um …

Rohnsdorff … Edwin zu entführen.

Sylva Wie?

Edwin Ich werde einberufen.

Rohnsdorff Unaufschiebbar!

Sylva Ich verstehe. Dann können wir ja gleich doppelten Abschied feiern.

Rohnsdorff Wie meinen Gnädigste das?

Sylva In ein paar Stunden sitze ich im Zug nach Genua, und von dort geht es
weiter nach Amerika.

Rohnsdorff Na, umso besser.

Edwin Wie bitte?

Sylva Er meint natürlich für die Amerikaner, nicht wahr?

Rohnsdorff Natürlich.

Sylva Herr Oberleutnant, es hat mich sehr gefreut.

Rohnsdorff Auf Wiedersehen!

Sylva Das glaube ich kaum.

Rohnsdorff Es ist allerhöchste Zeit.

6
Edwin Ja, ja, du hast ganz Recht. Es ist höchste Zeit.

Edwin Wir sehen uns in einer halben Stunde.

Rohnsdorff Dein Papa wird eine Riesenfreud haben.

Edwin Ihr alle werdet’s eine Riesenfreud haben.

Rohnsdorff Wie bitte?

Boni Sag, Edwin, bin ich dein Freund?

Edwin Du lass mich in Ruhe, ich hab jetzt andere Sorgen.

Boni Sag, Eugen, bin ich dein Freund? Was hat der für Sorgen?

Rohnsdorff Er muss sich von dieser Sylva trennen.

Boni Verstehe! – Er soll zurückfahren zu seinen Vorfahren.

Rohnsdorff Und das heute noch!

Boni Der arme Teufel.

Rohnsdorff Entschuldige: Er ist verlobt!

Boni Was? Mit wem?

Rohnsdorff Mit Komtesse Eggenberg.

Boni Mit der Stasi?

Rohnsdorff Du kennst sie?

Boni Du meinst doch seine Cousine. Sie war einmal auf Besuch bei uns, vor
Jahren, mit dem Edwin, als ganz kleines Mädel. Gott, war die süß! – Und
jetzt heiratet sie.

Rohnsdorff Der alte Herr forciert natürlich jetzt die Geschichte wegen dieser Varescu.
Sogar die Verlobungsanzeigen hat er drucken lassen. – Bitte!

Boni Joi, da werden alle Augen machen.

Rohnsdorff Du, ich möchte nicht, dass jemand etwas davon erfährt, solange Edwin
noch da ist. Ehrenwort?

Boni Arme Sylva.


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Rohnsdorff Arm? Na ja, so wie ich den alten Herrn kenn, zahlt er eine ganz schöne
Abfindungssumme.

Boni Die soll er sich behalten. Geld haben wir selbst genug. – Mehr als
Verstand, Gott sei Dank!

Rohnsdorff Ah ja? – Na dann: Servus!

Boni Servus!

Feri (kommt) Boni, was ist? Bist traurig, dass die Sylva fortgeht, was? Bist auch
in sie verliebt? Schau: An Liebe ist noch keiner gestorben, sonst wär ich
längst ein lebender Leichnam.

Boni Weißt, Feri, vielleicht sollt ich sie heiraten.

Feri Bitte?

Boni Entschuldige, es ist schon vorgekommen, dass Grafen haben geheiratet


Mädels vom Varieté.

Feri Ja, in Operetten! Aber Spaß beiseite, Boni. Schau, ich bin von uns beiden
der Ältere und – ohne dir schmeicheln zu wollen – der G’scheitere. Du als
Ehemann! Und die Sylva ist doch kein Mädel, mit dem man spielt.

Boni Moment, das sag dem Edwin! Oder glaubst du, dass er sie heiratet?

Feri Keiner von euch wird sie heiraten. Die Sylva geht nach Amerika, und
wenn sie zurückkommt .. „so soft sich ändert das Programm, verändert
man sein Herz auch stramm und nimmt sich eine Neue…“

Boni Du, Feri, ich glaub, ich werd mich vom Nachtleben zurückziehen!

Feri Bist du krank?

Boni Seit einiger Zeit merk ich, dass ich täglich älter werd …

Feri Wirklich?

Boni Ja … und das inkommodiert mich sehr. Wir sollten ein anderes Leben
anfangen.

Feri Gut. – Was für eines?

Boni Arbeiten.
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Feri No! – Nein!

Boni Oder so was Ähnliches.

Feri Weiß was? Ich schick dir ein paar Mädel her. – Bei mir hilft das immer! (ab)

Boni Das hat jetzt bei mir überhaupt keinen Sinn! Mit der Liebe ist es aus, ein
für alle Mal!

Nr. 4 LIED BONI, Ballett Damen

Edwin Ruhe, Ruhe! Bitte, seid’s einen Moment ruhig! Ich habe euch eine
wichtige Mitteilung zu machen: Die Sylva geht nicht nach Amerika!

Sylva Nein, nein! Das ist ja gar nicht wahr!

Edwin Natürlich ist das wahr! Ich verbiete dir die Reise.

Sylva Du verbietest sie mir? Mit welchem Recht?

Edwin Mit dem Recht des Gatten!

Sylva Aber ich habe doch einen Vertrag!

Edwin Ich mache mit dir einen Vertrag, der sich für’s ganze Leben an mich
bindet. Herr von Kiss, schreiben Sie!

Nr. 6 FINALE 1

Feri Und jetzt den Hochzeitsmarsch! Den von Mendel und Sohn!

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(Text im Klavierauszug)

Rohnsdorff Verzeihung,wenn ich störe, Edwin,höchste Zeit, höchste Zeit, wir müssen
fort!

Ich habe Dein Offizierswort

Ich erwarte dich unten!

Edwin Servus, Kinder!

Alle Servus, Edwin!

Boni (singt) „Die Mädis, die Mädis, die Mädis vom Chantant …“ So Kinder, los
geht’s! Auf zum Bahnhof!

Sylva Boni, du wirst mir böse sein…ich…ich..

Ballettdamen Sie bleibt bei uns!

Boni Wer bleibt? Was bleibt?

Feri Als Fürstin Weylersheim …

Boni Als was wer?

Feri … als Edwins Frau …lies !

Boni Und das hast du nicht verhindert? Da wären deine gescheiten Worte
besser angebracht gewesen als bei mir.

Sylva Boni, ich bin so glücklich!

Boni Sylva, er darf sich nicht verloben! Er hat schon eine Braut.

Sylva Du lügst!

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Boni Sag: Bin ich dein Freund? – Der Rohnsdorff hat sie mir gegeben.

MUSIK /Melodram
weiter

Sylva (liest) „Fürst und Fürstin Lippert-Weylersheim beehren sich, die


Verlobung ihres Sohnes Edwin mit Komtesse Anastasia Eggenberg
anzuzeigen!“

Boni Deswegen hat man ihn geholt.

Sylva Aber warum? Warum?

Boni Ein Jux, eine Laune. Damit er zeigt, dass er durchsetzen kann, dass du
bleibst. – Sylva, nimm es nicht so tragisch. Bist ein gescheites Mädel! Ein
Mädi vom Chantant!

Weiter Gesang „Hast recht, Boni, hast recht“

Feri Ich kann doch nicht schon um drei Uhr abends nach Hause gehen. –
Champagner! Und Musik! – aber pianissimo

(liest) „Fürst und Fürstin Lippert-Weylersheim beehren sich, die


Verlobung ihres Sohnes Edwin … anzuzeigen.“

Immer die alte Geschichte:

(singt) „Die Mädis, die Mädis …“

PAUSE

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ZWEITER AKT

Nr. 6 ½ Entr‘act

Stasi So, mein Lieber, jetzt bleibst du einmal fünf Minuten bei mir.

Edwin Ja, Stasi. Bitte, sei nicht immer so streng mit mir.

Stasi Setz dich. – Du bist ein ganz falscher Kerl.

Edwin Bitte?

Stasi Sitzen bleiben! – Du hast sie noch immer gern.

Edwin Wen?

Stasi Die Sylva.

Edwin Wer hat dir das erzählt?

Stasi Cousin Rohnsdorff.

Edwin Der Rohnsdorff! Das hätt ich mir denken können.

Stasi Bitte, bleib doch endlich sitzen! Schau, Edwin, aus uns beiden kann nichts
werden, so lange diese – Affäre – nicht zu Ende ist.

Edwin Aber sie ist zu Ende!

Stasi Du schaust immer so furchtbar ernst drein, wenn du lügst.

Edwin Stasi!

Stasi Sie muss sehr schön sein.

Edwin Stasi, bitte!

Stasi Schöner als ich?

Edwin Anders.

Stasi Ja, sag ich ja: schöner!

Edwin Stasi, es ist aus! Aus! Aus!

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Stasi Umso besser. Dein Vater will nämlich heute noch unsere Verlobung
bekannt geben.

Edwin Ich kann mich nicht verloben. Ich darf nicht! Ich muss noch eine Nachricht
abwarten.

Stasi Eine Nachricht?

Edwin Bitte, frag nicht.

Edwin Sag einmal, Stasi, hast du mich überhaupt gern?

Stasi Na ja, zum Heiraten wird’s reichen.

Nr. 8 SCHWALBENDUETT (Stasi, Edwin)

Fürstin Leopold Maria!

Fürst Ja!

Fürstin Ich fürchte, mit der Verlobung wird nichts.

Fürst Wie bitte? Was soll das heißen?

Fürstin Ich habe die beiden belauscht.

Fürst Wen?

Fürstin Na den Edwin und die Stasi.

Fürst Aber warum denn?

Fürstin Weil ich immer lausche!

Fürst Nein, ich mein: Warum wird nichts?

Fürstin Ich hab nicht alles hören können.

Fürst Was hast denn hören können?

Fürstin Der Edwin hat gesagt – er kann nicht.

Fürst Was? Aber ein echter Lippert-Weylersheim kann immer!

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Fürstin Er hat gesagt, er kann nicht heiraten, weil er noch eine Nachricht
abwarten muss.

Fürst Eine Nachricht?

Fürstin Eine Nachricht!!!

Fürst Oh Gott, du meinst, er kriegt ein Kind? Einen Seitensprössling? Also, das
ist doch …

Fürstin Bitte, reg dich nicht auf. Es wird niemand erfahren.

Fürstin Wir werden’s auf’s Land schicken.

Fürst Zu einer Amme, natürlich.

Fürstin Zu einer Amme? Das wär ja ein Vergnügen! Nein, beim Flascherl lass ich
es aufziehen.

Fürst Das Kind kann doch nichts dafür.

Fürstin Ah ja, da hast du auch wieder Recht.

Fürst Immerhin ist es ein Lippert-Weylersheim.


Aber die Verlobung findet trotzdem statt. Da gibt es kein Pardon!

Fürstin Zu Befehl, Opapa!

Fürst Bitte sehr, Omama! (ab)

Boni Bitte melden Sie uns seiner Durchlaucht! Graf Boni Káncsiánu und

Sylva … und Frau!

Boni Bist du wahnsinnig?

Sylva Boni, bitte lass mich nur für heute Abend deine Frau sein.

Boni Warum?

Sylva Wenn Edwin eine Braut hat, so will ich einen Mann.

Boni Sylva, das kommt nicht in Frage.

Sylva Boni, entweder du schwörst mir, dass ich für heute Abend deine Frau bin,
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oder ich mache einen Skandal, von dem ganz Wien spricht. Schwörst du?

Boni Nein!

Sylva Schwörst du?

Boni Nein! (Sylva will losschreien.) – Ich schwöre!

Fürst Was, der Boni ist da?

Fürstin Ja, der Boni. Und eine Frau bringt er auch schon mit.
Herzlich willkommen, mein Lieber!
So ein Filou. Der heiratet, ohne uns etwas zu sagen. Das also ist die Frau
Gemahlin.

Boni Muss tausend Mal um Verzeihung bitten, wie wir da so hereinplatzen. –


Tante Durchlaucht: meine Frau!

Sylva Durchlaucht.

Fürstin Ich freue mich sehr.

Boni Wir sind nämlich auf der Hochzeitsreise; sozusagen in den


Flittersekunden.

Fürst Das ist ja sehr rasch gegangen mit eurer Heirat.

Boni Ja, sehr! Ich hab es selber gar nicht bemerkt.

Sylva Bonifazius!

Boni Ja, der Bonifazius, der war auch dabei!

Fürstin Also: auf das junge Paar!

Boni Komtesse Stasi?

Stasi Graf Boni!

Boni Donnerwetter, Sie sind ja noch hübscher geworden!

Stasi Und Sie sind genau so charmant geblieben.

Fürstin Unsere Nichte Anastasia – Gräfin Káncsiánu.

Fürst Wo steckt denn der Edwin?


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Stasi Ich werde ihn gleich holen.

Boni Nein, bitte nicht!! Ich meine, wenn er von selber kommt, dann kann man
nichts machen, aber wenn er nicht kommt, wär mir schon sehr viel
angenehmer…

Rohnsdorff Pardon, Onkel Durchlaucht.

Boni Joi, der Eugen!

Fürst Was ist denn?

Rohnsdorff Nein, so was! Gnädigste, Sie hier?

Fürst Du kennst die Gräfin?

Rohnsdorff Gräfin?

Fürst Unser Neffe, Oberleutnant Rohnsdorff – Gräfin Kanscianu.

Rohnsdorff Donnerwetter! Gräfin! Mein lieber Boni, ich gratuliere dir sehr herzlich zu
dieser charmanten Frau!

Boni Danke, Putzikam!

Rohnsdorff Frau Gräfin müssen mich pardonieren, aber Sie haben eine Ähnlichkeit …

Fürst Mit wem denn?

Rohnsdorff Mit einer Künstlerin, die ich erst kürzlich sah.

Boni Nein!

Rohnsdorff Ja. Wie hieß sie nur?

Boni Na? Na?

Sylva Meinen Sie etwa Sylva Varescu?

Rohnsdorff Genau!

Sylva Bedauerlicherweise werde ich sehr oft mit ihr verwechselt. Das kann sehr
unangenehm sein. Nicht wahr, Bonifazius?

Boni Sehr unangenehm.


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Rohnsdorff Sie ist in Ungarn die Geliebte eines Adeligen gewesen, der ihr die Ehe
versprochen hat und sie dann sitzen ließ. Seither nennt man sie „Die
Csárdásfürstin“.

Sylva „Csárdásfürstin“! – Sehr originell!

Fürst Mein lieber Eugen, bitte lassen wir das! Kränken wir doch nicht unsere
liebe Gräfin.

Rohnsdorff Nichts lag mir ferner, Gräfin.

Fürst Eine Bretteldiva kann nie so aussehen wie eine Aristokratin.

Rohnsdorff Natürlich nicht!

Fürst Ich für meine Person würde den Unterschied sofort feststellen.

Sylva Durchlaucht sind eben Menschenkenner.

Fürst Sagt man.

Edwin (von draußen) Was? Der Boni ist da?

Rohnsdorff Ah, der Edwin!

Boni Servus, Edwin!

Edwin Wo ist sie?

Boni Gut schaust du aus!

Edwin Wo ist sie?

Boni Sehr gut schaust du aus!

Edwin Was hast du denn? Lass mich los! – Sylva!

Boni Jetzt schau ich gut aus!

Rohnsdorff Na bitte, der Edwin kennt auch unsere Csárdásfürstin.

Fürst Unser Sohn Edwin – Gräfin Káncsiánu!

Edwin Gräfin Káncsiánu?

Sylva (Boni kichert.) Jetzt sind Sie enttäuscht. Diese Varescu muss wirklich eine
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Doppelgängerin von mir sein.

Edwin Anscheinend, Gräfin! – Boni, ich gratuliere dir!

Boni Danke. – Au!

Stasi Es ist zwar nicht Damenwahl, aber da ich noch einen Tanz gut habe: Darf
ich bitten?

Boni Mit Wonne!

Edwin Du bleibst!

Stasi Aber Edwin!

Boni Er lasst mich nicht. Er hängt so an mir.

Rohnsdorff Darf ich um den nächsten Tanz bitten?

Sylva Herr Oberleutnant.

Fürst Stasi, mein Kind: Geh, lassen wir die beiden Freunde ein bisserl allein.
Komm. Opferst dich?

Stasi Aber gern, Onkel Durchlaucht. Ich weiß nicht, was die zwei haben.
(beide ab)

Edwin Und jetzt zu uns.

Boni Edwin, bitte, hör zu!

Edwin Setz dich!

Boni Sag, Edwin, bin ich dein Freund?

Edwin Was soll das heißen? Was soll das heißen?

Boni Wenn du mich so schüttelst, kann ich doch nicht reden.

Edwin Ich unterschreibe ein Eheversprechen, und du fährst mit ihr nach
Amerika. Ich schreib, ich telegrafier – alles umsonst!

Boni Umsonst? Komisch: Ich muss immer dafür bezahlen.

Edwin Du, lass deine blöden Witze. Dann kommt sie zurück und ist mit dir
verheiratet. Das ist ja zum Verrücktwerden!

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Boni Edwin, lass dich dabei nicht aufhalten. Ich komme später.

Edwin Du bleibst da. Entweder du erklärst mir jetzt alles, oder …

Boni Edwin, hör auf zu schütteln!


Also, bitte, wir haben geheiratet.

Edwin Warum?

Boni Aus Liebe!

Edwin Was?

Boni Nein, aus Vernunft!

Edwin Du bist also wirklich ihr Mann?

Boni Ja, mit einer kleinen Einschränkung: Unsere Ehe ist nämlich noch rein.

Edwin Was sagst du da? Boni, ist das wahr?

Boni Ja, Edwin, das ist wahr! Lass mich aus. Du bist das reinste Beuteltier.

Sylva Bonifazius!

Boni Bitte!

Sylva Die Fürstin verlangt nach dir. – Du bist ja ganz derangiert! – Hat er was
gemerkt?

Boni Nichts. Aber gib Acht: Er schüttelt fürchterlich.

Edwin Warum hast du Boni geheiratet?

Sylva Boni hat mich schon immer geliebt. Und als sein Marschbefehl nach Wien
gekommen ist, hat er mich gebeten, seine Frau zu werden. Ich verdanke
alle meine Hochzeiten der Armee.

Edwin Sylva!

Sylva Wenn auch die erste ein Jux war.

Edwin Ein Jux?

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Nr. 9 DUETT (Sylva, Edwin)

Sylva Freund. Haben Sie denn diese fidele Hochzeit ernst genommen, wo Sie
doch längst einer anderen versprochen waren?

Edwin Deshalb hat Boni sie geheiratet !

Sylva Wenn ich schon nicht Fürstin werden konnte, wollte ich zumindest Gräfin
sein.

Edwin Und du liebst ihn?

Sylva Glaubst du wirklich, ich heirate einen Mann, den ich nicht liebe?

Edwin Dann habe ich nichts mehr zu sagen. Gräfin, mich bitte zu
entschuldigen.(ab)

Boni (kommt) Sylva! Sylva!

Sylva Du sollst mich doch hier nicht so nennen!

Boni Hat er was bemerkt? (Sie schüttelt den Kopf.) Gott sei Dank! Komm, wir
gehen.

Sylva Ich bleibe.

Boni Aber warum? Du hast doch deine „Rache“ gehabt! Er ist eifersüchtig wie
ein Tiger!

Sylva Auf mich ist er eifersüchtig, aber heiraten tut er eine andere.

Boni Die Stasi und der Edwin machen sich doch nicht so viel auseinander. Die
Einzigen, die bei dieser Heirat glücklich sein werden, sind die Alten.

Sylva Du meinst, die beiden heiraten, ohne sich zu lieben?

Boni Das ist so üblich in unseren … in diesen Kreisen. Sylva, bin ich dein
Freund? Dann gehen wir.

Sylva Ich bleibe.

Boni Gut! Aber dann ist es aus zwischen uns. Für immer und ewig.

Sylva Boni, so schnell geht deine Liebe vorbei?

Boni Ja! Außerdem habe ich mich verliebt!

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Sylva Oh Gott, wer ist denn diesmal die Glückliche?

Boni Komtesse Stasi.

Sylva Da muss es dir doch nur Recht sein, wenn ich bleibe!

Boni Da könntest du ausnahmsweise Recht haben.

Sylva (bemerkt die Fürstin.) Die Durchlaucht! – Spiel den glücklichen Ehemann.
Sag mir etwas Liebes!

Boni Was denn?

Sylva Irgendetwas!

Boni Mir fällt nichts ein.

Sylva Oh, du Kamel!

Boni Oh, du Kamel! (umarmt sie.)

Fürstin Wirklich ein schöner Anblick! Ich habe selten ein Paar gesehen, das so gut
zueinander passt. Darf ich trotzdem die Idylle stören? Ich würde gerne ein
paar Worte mit der Frau Gräfin wechseln…

Boni Mit Wonne! Ich meine: selbstverständlich.

Fürstin Bitte! Baron Rohnsdorff hat mir von ihrer exorbitanten Ähnlichkeit mit
einer Chansonette erzählt.

Sylva Es ist die, mit der Ihr Sohn diese peinliche Affäre gehabt hat.

Fürstin Ach, das wissen Sie?

Sylva Der Boni hat mir davon erzählt.

Fürstin Natürlich. Der Boni, Aber bitte, jetzt kann ich den Edwin ja verstehen.

Sylva Wie meinen Durchlaucht das?

Fürstin Nun ja, wenn diese Dame Ihnen wirklich so ähnlich sieht, dann mußte er
sich ja in sie verlieben.

Sylva Danke. – Aber das ist doch jetzt vorüber?

Fürstin Ich glaube, jetzt schon! Ich war mir nie ganz sicher, aber … vielen Dank,
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dass Sie gekommen sind.

Sylva Wie darf ich das verstehen, Durchlaucht?

Fürstin Nun, der Edwin verlobt sich noch heute.

Sylva Heute?

Fürstin Mit der Stasi. Und das ist gut so.

Sylva Nun ja, wenn sich die beiden lieben …

Fürstin Liebe und Ehe, das sind zwei ganz verschiedene Sachen. Die haben
meistens sehr wenig miteinander zu tun. Ich wünsch dem Edwin nur, dass
er mit der Stasi genauso glücklich wird, wie Sie es mit dem Boni sind.

Sylva Das wünsche ich ihm auch! (beide stehen auf, gehen.)

Fürstin (bleibt stehen.) Sie sind ein gescheites Mädel! Der Weg vom Orpheum ins
Fürstenpalais ist sehr lang und sehr beschwerlich.

Sylva Glauben Sie?

Fürstin Ich weiß es, mein Kind, ich weiß es. (beide ab)

Boni Komtesse, ich muss Ihnen sagen: Sie haben mich be- und verzaubert!

Stasi Sagen Sie, sind alle verheirateten Männer so schlecht?

Boni Nein, nur ich!

Stasi Ja, dann!

Boni Dann müssen Sie zugeben: Wenn Sie einen so anschauen mit Ihren
himmelblauen Augen …

Stasi Grünen!

Boni Oh, mit Ihren himmlisch grünen Augen, dann muss sich einem da drinnen
alles herum drehen.

Stasi Mein Gott, wenn Ihre Frau Sie jetzt hören könnte!

Boni Welche Frau? – Ach so, meine Frau! Wissen Sie was: Das würde mich
überhaupt nicht genieren.

Stasi Sie sind ein unmöglicher Mensch!


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Boni Ich bin ein glücklicher Mensch! Ich bin der glücklichste Mensch der Welt!

Stasi Bitte, nein!

Boni Bitte, ja! Ich bin nämlich verliebt! Zum ersten Mal wirklich verliebt!

Stasi Graf, bitte denken Sie an Ihre Frau!

Boni Ach, immer meine Frau! Komtesse, ich muss Ihnen etwas sagen.

Stasi Ich höre.

Boni Komtesse, meine Frau …

Stasi Ja?

Boni Ja, meine Frau … ist keine Frau!

Stasi Was ?

Boni Mehr kann ich Ihnen erst morgen sagen. Meine Zunge ist gebunden durch
Schwur.

Stasi Welcher Schwur?

Boni Aber, Komtesse, bitte setzen Sie sich, und seien Sie jetzt ganz aufrichtig.
Wenn ich frei wäre…

Stasi Aber Sie sind …

Boni … ganz frei. Könnten Sie mir dann ein bisschen gut sein?

Stasi Boni, Boni, Boni. Sie wissen, dass ich Ihnen darauf keine Antwort geben
darf.

Boni Warum nicht?

Stasi Wegen Ihrer Frau!

Boni Immer wieder meine Frau! Meine Frau ist doch kein Hindernis. Meine Frau
kann ich jederzeit beseitigen.

Stasi (schreit auf.)

Boni Ganz schmerzlos natürlich. – Sie bleibt am Leben.

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Stasi Das versteh ich einfach nicht! Eine so schöne Frau zu haben, so kurz
verheiratet zu sein und trotzdem nach anderen zu schauen: Das ist, das
ist …

Boni Das ist die Liebe!

Nr. 11 DUETT (Stasi, Boni)

Stasi Die Liebe?

Edwin Sylva! Syvla!

Sylva Edwin, bitte, lass mich in Ruhe!

Edwin Sylva, bitte glaub mir doch: Ich habe nie daran gedacht, die Stasi zu
heiraten.

Sylva Ha! Und trotzdem verlobst du dich heute?

Edwin Aber ich denk überhaupt nicht daran! – Sylva, ich will doch nur dich!

Sylva Lass mich!

Edwin Sylva, ich weiß doch ganz genau: Du liebst mich auch … (Kuss)

Boni Ha! Was zu viel ist, ist zu viel! – Sylva, bitte lass uns allein.

Sylva Boni!

Boni Bist du meine Frau, oder bist du es nicht? – Und jetzt zu uns.

Edwin Sag, Boni, bin ich dein Freund?

Boni Jetzt nimmt er mir nicht nur die Frau weg sondern auch die Sprichwörter.

Edwin Boni, wenn du willst, steh ich dir selbstverständlich zur Verfügung.

Boni Das wird nicht nötig sein.

Edwin Boni, bist du wahnsinnig? Boni, ganz im Ernst …

24
Boni Ganz im Ernst.

Edwin … ich kann ohne Sylva nicht leben.

Boni Ich weiß!

Edwin Bitte, gib sie frei.

Boni Frei?

Edwin Lass dich scheiden!

Boni Ui! Scheiden? Das wird schwer sein.

Edwin Ich weiß.

Boni Aber für dich tu ich alles. – Nicht schütteln! Stell dich da hin und hör gut
zu. – Sylva, bitte: Unsere Ehe ist hiermit beendet.

Sylva Aber, Boni …

Boni Verheiratet sein und nichts davon haben, das ist keine Ehe nach meinem
Geschmack. Und eine Frau zu haben, die mir noch nicht einmal treu war
und schon untreu ist, passt mir nicht. Passt mir nicht, passt mir nicht! Und
nach dem, was ich mit eigenen Augen gesehen habe, dreht sich einem
das Herz im Leibe herum. Wir sind geschieden von Tisch …

Sylva & Edwin Boni!

Boni … bitte, das andere war ja nicht! Leider! Edwin, nimm sie, du sie, dir sie.
Sylva, werde glücklich, wie ich es eigentlich verdient hätte. Oder, wie es
schon in der Bibel steht: „Liebet euch und vermehret euch stündlich!“

Edwin Sylva!

Sylva Edwin!

Nr. 12 DUETT (Sylva, Edwin)

Nr.13 FINALE II

Melodram

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Sylva Mein Gott, was werden deine Eltern dazu sagen?

Edwin Wozu?

Sylva Dass ich Sylva Varescu bin.

Edwin Aber das brauchen sie nicht zu erfahren. Für sie bleibst du einfach die
Gräfin Káncsiánu.

Sylva Aber wenn ich noch Sylva Varescu wäre, hättest du dann dein Wort
gehalten?

Edwin Aber so ist es doch viel einfacher.

Sylva Deine Eltern hätten mich also nie akzeptiert, und du wärst ein Leben lang
unglücklich gewesen.

Edwin Sylva, bitte hör auf, darüber nachzudenken. Ich werde sofort mit Papa
reden.

Sylva Er schämt sich meiner! Meinen Mantel!


„Das Glück wohnt überall…“

Fürst Gräfin! Sie dürfen nicht gehen ! Wir haben doch noch eine Überraschung!
Meine Herrschaften, ich habe Ihnen ein freudiges Ereignis anzukündigen.

Fürstin Leopold Maria …

Fürst Ach so, nein, nein. So weit es natürlich noch nicht. Zwei Herzen, die sich
in Liebe gefunden …

Edwin Pardon, Papa.

Fürst Unterbrich mich doch jetzt nicht.

Edwin Verzeih, Papa, ich muss mit dir sprechen.

Fürst Unser lieber Sohn Edwin und unsere bezaubernde Nichte Stasi …

Stasi Pardon, Onkel Durchlaucht. Ich glaub, wir lassen das lieber.

Fürst Bitte? Was soll das heißen?

Stasi Das soll heißen, dass der Edwin eine andere gern hat.
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Fürst &
Fürstin Eine andere?

Edwin Stasi!

MUSIK weiter „Verzeih Papa, Stasi verzeih“

Stasi Edwin, ich geb dich frei.

Edwin Sylva!

Text im Finale

Fürst Sie sind also doch Sylva Varescu, die Csárdásfürstin!

Edwin Aber Boni, sie ist doch deine Frau!

Sylva Nein, ich bin nur Sylva Varescu. Aber die acht Wochen sind noch nicht
um, und wenn ich wollte…

Text im Finale

Edwin Sylva, bitte bleib!

Sylva Nein, so ist es doch viel einfacher.

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DRITTER AKT

Nr.13 ½ Intermezzo

Boni Bitte keine Musik jetzt!

Sylva So sag’s doch: Ich habe mich schrecklich benommen. Was?

Boni Sag, Sylva, bin ich dein Freund? Noch schrecklicher! Wozu war der ganze
Skandal eigentlich notwendig? Mehr als dich heiraten wollen konnte er
wirklich nicht.

Sylva Aber seine Eltern hätten mich doch nie akzeptiert, und er wäre ein Leben
lang unglücklich gewesen. Begreifst du das nicht?

Boni Ach, und deswegen führst du dich auf wie eine Provinzduse?

Sylva Boni, was fällt …

Feri (singt) „Die Mädis, die Mädis, die Mädis vom Chantant!“

Sylva & Boni Feri bácsi!

Feri Sylva! Sylva! Boni! Was macht ihr denn in Wien?

Boni Ich bin dienstlich hier; ab morgen. Reden wir nicht davon. Und du?

Feri Die Mädis vom Orpheum gastieren hier im Apollo.

Sylva Und da betreust du sie?

Feri Na ja, väterlich! Sie haben nämlich ein ganz neues Programm. (singt)
„Sooft sich ändert das Programm, verändert man sein Herz auch stramm
und nimmt sich, nimmt sich, nimmt sich eine Neue!“
Ich freu mich schon auf dein erstes Auftreten im Orpheum! Es sind zwar
nicht mehr alle da, die in Sie verliebt waren, aber das Haus wird trotzdem
brechen zusammen! Egeszegedre!

Boni Bitte, das sag ich auch. (leise) Der Edwin!

Feri Hast ihn noch immer gern, den Edwin? Schau, ich versteh dich sehr gut.
Ich hab das alles selber einmal mitgemacht. Aber deswegen darfst du
doch nicht deine ganze Zukunft wegschmeißen. Also: Auf Sylva Varescu!

Sylva Feri, bitte lass mich!

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Feri Ich denk ja gar nicht dran! Boni! (schickt Boni weg.) Sylva, du passt ja gar
nicht zu dieser Familie. Du gehörst zur Kunst. Dir gehört die ganze Welt.
Dir müssen alle zu Füßen liegen; nicht nur einer. Sylvi, schau mir in die
Augen. – Sylva!
Hast du schon wirklich vergessen wie das ist, wenn du auf der Bühne
stehst und hinausschaust ins Haus? Alles wird auf einmal ganz still, alle
Augen sind auf dich gerichtet. Und alle Herzen fliegen dir zu; besonders
die männlichen!

Sylva Feri!

Feri Sylva, nur dann wirst du wirklich glücklich sein. Denn nur dann bist du,
was du immer warst: ein kleiner goldener Spatz; mit Glück im Schnabel
und Glück im Herzen. Nur dann bist du Sylva, unsere Sylva!

Sylva Feri bácsi! Das kann ich nicht!

Feri Doch, du kannst! Du brauchst nur noch ein Ruckerl – ein allerletztes!

Nr. 14 TERZETT (Sylva, Feri, Boni)

Boni Edwin?

Edwin Wo ist sie?

Boni Sag Edwin, bin ich dein …

Edwin Wo ist sie?

Boni Weiß ich nicht, Edwin.

Edwin Ich kann warten.


Warum hast du Sylva für deine Frau ausgegeben?

Boni Hab ich ja gar nicht.

Edwin Bitte?

Boni Sie hat mich für ihren Mann ausgegeben. Das ist ein großer Unterschied.

Edwin Wieso hab ich eigentlich Geduld mit deiner grenzenlosen Dummheit?

Boni Dummheit?

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Edwin Ja!

Boni Was heißt hier Dummheit? Erst versprichst du weiß Gott wem alles die
Ehe, verlobst dich nach allen Seiten und Richtungen, und dann machst du
mir Vorwürfe! Weißt du, was passiert ist? Sylva will mich heiraten!

Edwin Was?

Boni Wie komm ich dazu, eine Frau zu heiraten, die einen Mann hat, der eine
Braut hat, die ich zu meiner Frau machen will? Wie komm ich dazu, eine
Braut zu meiner Frau machen zu wollen, die einen Bräutigam hat, der
eine Frau hat, die mich zu ihrem Mann machen will? Wie komm ich dazu,
wie komm ich dazu, wie komm ich dazu?

Edwin Bist du verrückt?

Boni Nein, aber ich wollt auch einmal schütteln!

Edwin Papa! Mit dem musst du sprechen! Weißt du, was nach deinem
glorreichen Abgang bei uns zu Haus’ noch alles los war?

Boni Aber Edwin, was soll ich ihm …

Edwin Tut mir leid!

Fürst Sag einmal, wie lange soll ich da draußen noch herumstehen?

Fürst Wo ist der Edwin?

Boni Er ist nicht da.

Fürst Ich will nicht wissen, wo er nicht ist. Ich will wissen, wo er ist!
(schüttelt ihn.)

Boni Das muss in der Familie liegen.

Fürst Ohne deine alberne Komödie hätte die Verlobung stattgefunden. Jetzt
sind wir blamiert, und die Stasi, dieses arme Kind, ist kompromittiert.

Boni Aber Onkel Durchlaucht, die Verlobung von Komtesse Stasi kann heute
noch stattfinden!

Fürst Wie?

Boni Onkel Durchlaucht, ich habe die große Ehre, um die Hand von Komtesse
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Stasi zu bitten.

Fürst Sag einmal: Bist du verrückt?

Boni Muss man das sein?

Fürst Jetzt hab ich aber genug von deinen saudummen Scherzen! Außerdem ist
doch das Mädel in unseren Edwin verliebt.

Boni Onkel Durchlaucht, das glaube ich nicht.

Fürst Was?

Boni Onkel Durchlaucht haben immer noch die gleiche Telefonnummer?

Fürst Selbstverständlich! 32 – 10.

Boni Danke! 32 – 10, 32 – 10 …

Fürst Sag einmal, was machst du denn jetzt wieder?

Boni Ich telefoniere.

Fürst Das seh ich!

Boni Hallo Fräulein, geben Sie mir bitte die Nummer 32 10! Nein, 32 – 10, ja 32
– 10 – wie komplettes Gebiss.
Hallo, hier Graf Kanscianu, bitte Komtesse Stasi zum Apparat! – Das muss
Gemeinschaftstelefon sein; ich höre so viele Stimmen. – Ja, Komtesse,
ich bin es. Bitte legen Sie nicht auf. Ich weiß, Sie sind sehr, sehr böse auf
mich. Aber, Komtesse, glauben Sie mir: Ich bin an dem Ganzen so
unschuldig wie das Amen im Gebet. Wirklich! – Ich bin da mit
Durchlaucht. – Nein, dem alten! – Komtesse, ich habe mir erlaubt, um die
Hand von Gnädigster anzuhalten. – Genau das Gleiche hat er auch
gesagt. – Sie hat mich gefragt, ob ich verrückt bin.

Fürst Dazu braucht man kein Prophet sein.

Boni Komtesse, bitten sagen Sie ja. Es hängt mein ganzes Lebensglück davon
ab. –
Ja! – Ja!

Feri Boni!

Boni Dafür muss ich Ihnen ein Busserl geben! – Onkel Schwiegerdurchlaucht:
Du kannst mir gratulieren. Sie hat ja gesagt! Onkel, Leopold, Maria, Poldi,
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Mizzi – Bussi!

Fürst Jetzt ist er total übergeschnappt! Pardon, mit wem habe ich die Ehre?

Feri Ferenc Ritter Kerekes von Ferslö-Mezötur und Ahlso-Kirishaza.

Fürst Wie?

Feri In Pescht (Budapest) besser bekannt als Feri bácsi.

Fürst Leopold Maria – Fürst Lippert-Weylersheim.

Feri Ah, der alte Edwin!

Fürst Wie bitte?

Feri Pardon, aber Ihr Sohn ist ein lieber Freund von mir.

Feri Na ja, ich mein halt: Wenn ein Bub ein Mädel gern hat, sollte der Vater
nachgeben.

Fürst Bitte, vielleicht ist in Ihren Kreisen eine Ehe mit einer Chansonette
standesgemäß; in unseren jedenfalls nicht.

Feri Pardon, auch ich bin ein Edelmann!

Fürst Umso besser!

Feri Aber ich wäre der glücklichste Mensch gewesen, wenn ich damals die
Kupfer-Hilda hätte heiraten können.

Fürst Wen?

Feri Die schönste Primadonna, die jemals im Orpheum in Miskolcz


aufgetreten ist.

Fürst Miskolcz!

Feri Ich habe sie vergöttert. Aber meine Familie war auch standesbewusst.

Fürst Bravo!

Feri Na ja, da hat sie dann halt der Obergespann von Palony geheiratet.

Fürst Gratuliere.

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Feri Der schneidigste Reiter vom ganzen Banat.

Fürst Tapfer, tapfer!

Feri Trotzdem hat er sich kurz nach der Hochzeit den Hals gebrochen; bei der
Fuchsjagd.

Fürst Das tut mir leid.

Feri Und dann ist mir der Zentler-Geza zuvor gekommen …

Fürst Mein Gott, der Zentler-Geza?

Feri … und hat sie nach Wien entführt. Ich habe nie mehr was von ihr gehört.

Fürst Was sagen Sie? Die Witwe vom Zentler-Geza war beim Varieté?

Feri Der Geza ist auch gestorben?

Fürst Ja, erschossen im Duell.

Feri Kutjafajat!

Fürst Wie bitte?

Feri Pardon, hat ihren Männern anscheinend kein Glück gebracht, die Hilda.

Fürst Anscheinend! – Und sie war wirklich beim Varieté?

Feri Wenn ich es sage. Ich trag noch immer ihr Bild bei mir.

Fürst Das auch noch!

Feri Mit allen Ehren natürlich.

Fürst Natürlich.

Feri Schön, nicht?

Fürst Sehr schön!

Feri Was ist denn? Ist Ihnen nicht gut?

Fürst Sehr gut! Die Luft ist nur ein bisschen stickig da herinnen.

Feri Ja, sehr stickig.

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Fürstin Ach, da bist du ja endlich! Ich habe mir schon solche Sorgen gemacht. –
Feri!

Feri Hilda!! –

Fürstin Joi!

Feri Frau Gemahlin? – Erlaube mich vorzustellen: Ferenc Ritter Kerekes von
Ferlsö-Mezötur und Ahlso-Kirishaza. Ich bin sehr glücklich, die
Bekanntschaft von Durchlaucht gemacht zu haben.

Fürstin Er hat es dir also erzählt.

Fürst Es ist also wahr: Ich habe die Brettl-Diva von Miskolcz geheiratet.

Fürstin Primadonna, bitte!

Fürst Schweig! Jetzt kann ich den Buben erst verstehen. Der Arme konnte ja
gar nicht anders. Der ist ja erblich vorbelastet!

Fürstin Aber Leopold Maria!

Fürst Ich gebe jeden Widerstand auf. Zwei Brettl-Diven in einer Familie! Mein
ganzer Stammbaum zerfällt in lauter Brettln!

Fürstin Aber Leopold Maria!

Fürst Orpheum!

Fürstin Poldi!

Fürst Miskolcz! (Fürstin stampft auf, will gehen.) – Anhilte! – Kupfer-Hilda!


(lachend ab)

Boni Kommen Sie, Komtesse. Jetzt trinken wir auf unsere Verlobung.

Stasi Aber ich hab nicht ja gesagt.

Boni Aber ich hab es ganz deutlich gehört.

Stasi Weil Sie es hören wollten.

Boni Komtesse, ich liebe Sie! – Stasi, ich liebe dich!

Stasi Liebe! Mein Gott, Liebe! – Ein Jahr Feuer und Flamme, dreißig Jahre
Asche! – Und, wenn ich Sie nun nicht so lieb haben könnt wie Sie mich?

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Boni Das macht nichts. Meine Liebe ist groß genug. Sie reicht für uns beide.
(Kuss)

Edwin Ich hoffe, ich störe nicht.

Stasi Edwin! Boni und ich werden heiraten.

Edwin Da gratulier ich dir.

Stasi Dank dir schön.

Edwin Bitte, sag der Sylva, dass ich ihre Entscheidung akzeptiere.

Stasi Aber Edwin: Sylva liebt dich doch.

Edwin Das hab ich auch einmal geglaubt.

Boni Edwin, im Vereinen von Liebenden bin ich ausgesprochener Fachmann.


Du versteck dich da hinten und hör gut zu. – Stasi, du wirst sehen: Noch
heute Nacht bringe ich die beiden unter eine [Link], geh raus und ruf
mich da an.

Sylva Na, was war?

Boni Servus Sylva! – Komisch, wer ruft mich da an?

Sylva Was weiß ich? – Heb ab!

Boni Soll ich?

Sylva Natürlich.

Boni Ja, bitte? – Ach, du bist’s! Der Edwin! Servus Edwin. Was sagst du? Du
kannst ohne Sylva nicht leben? – Edwin, was hast du? Warum zitterst du
so mit der Stimme? Edwin, du siehst ja ganz blass aus! Edwin, ich bitte
dich: Mach keine Dummheiten noch in so jungen Jahren! Bist ja noch
Knospe, kannst ja noch sprießen. – Nicht schießen! Edwin, gibt sofort den
Revolver weg!

Sylva Lass mich mit ihm sprechen.

Boni Lass mich! Ein Menschenleben steht auf dem Spiel! – Edwin, lebst du
noch? Was? Aber nicht mehr lange! Sag, Edwin, bin ich dein Freund?
Was? Aber nicht mehr lange!

Sylva Sag ihm, dass ich da bin.

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Boni Ja, Edwin. Sylva ist da. Sie lässt dir sagen …
Was lässt du ihm sagen?

Sylva Dass ich ihn liebe, dass ich nur seinetwegen gekommen bin, und dass ich
ohne ihn nicht leben kann!

Boni Schön!

Sylva Na, sag’s ihm!

Boni Ach so! Edwin: Sylva lässt dir sagen, dass ich dich liebe, dass sie
meinetwegen gekommen ist, und dass ich ohne mich nicht leben kann.
Was sagst du ihr? Was ist dein letztes Wort?

Sylva Aber, gib her!

Edwin Dass ich sie liebe, dass ich nur ihretwegen gekommen bin, und dass ich
ohne sie nicht leben kann! – (Sylva gibt Boni eine Ohrfeige.) Sylva!

Sylva Edwin!

Boni Bitte: mein Werk! – Stasi!

Stasi Boni!

Boni Champagner und Musik! Ab heute wird nur noch gelebt!

Alle Hurra!

Nr.16 Schlussgesang

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