0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
4 Ansichten10 Seiten

Moderne

Hochgeladen von

zakbo
Copyright
© All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen
0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
4 Ansichten10 Seiten

Moderne

Hochgeladen von

zakbo
Copyright
© All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen

Thematische Einheit N.

3-4
MODERNE

Studienziele:
Das Kapitel setzt sich Folgendes zum Ziel:
1. Das Geschichtsbild der Epoche vorzustellen.
2. Die bedeutendsten Schriftsteller und die Entstehung ihrer literarischen Werke im
zeitgeschichtlichen Kontext zu vermitteln.
3. Den der literarischen Epoche entsprechenden Text zu analysieren.

Schlüsselwörter:
Wiener Moderne, Psychoanalyse, das lyrische Ich, Symbol, Dinggedicht

Begleiter durch das Studium:


Liebe Studierende,
in diesem Kapitel werden einige literarische Texte vorgestellt, die sowohl die gesellschaftliche
Situation am Anfang des 20. Jahrhunderts als auch das kulturelle und literarische Leben der
Zeit reflektieren. Die Studieneinheit vermittelt einen Einblick in das literarische Schaffen der
Modernisten, geht auf die Bedeutung der wichtigsten Persönlichkeiten dieser Richtung ein und
deutet die Möglichkeiten der literarischen Analyse der Texte an, die der Epoche entsprechen.
Viel Spaß beim Studium!

Erforderliche Zeit fürs Selbststudium:


Für Bearbeitung dieses Kapitels werden Sie ca. 8 Stunden benötigen.

Moderne:
Am Ende des 20. Jahrhunderts (Fin de siecle) wurde Wien (Wiener Moderne) zur Metropole
der literarischen Moderne. Das Erleben der Welt durch Kunst wird den Dichtern zum
eigentlichen Gegenstand. In ihrer Lyrik kehren sie vom Bereich des Politischen zugunsten eines
Rückzuges auf subjektivistische und individualistische Positionen ab. Ins Zentrum der
Betrachtung rücken sie den subjektiven Eindruck, den flüchtigen Reiz, der von den Dingen
ausgeht. Stellenweise führt dies dazu, dass die auslösende Wirklichkeit völlig hinter die
Darstellung von Empfindungen zurücktritt. Unter dem Einfluss der französischen Literatur
nähert sich auch die deutsche Lyrik dem Prinzip des l’art pour l’art.
Zur Moderne gehören:
Impressionismus, Symbolismus, Ästhetizismus, Neuromantik, Jugendstil, Dekadenz, usw.
Wiener Cafés
Das literarische Café war Spiegelbild einer geistigen Haltung, die charakteristisch für Wien und
die Monarchie war (Café Griensteidl, Café Central).

Psychoanalyse
Sigmund Freud entdeckte die besondere Bedeutung, welche die Sexualität für unser
unbewusstes Seelenleben hat, zumal er ihren Begriff weit fasste und schon die lustbezogenen
Regungen des Kleinkindes in die Darstellung einbezog.

Impressionismus:
Der Begriff Impressionismus stammt aus der französischen Malerei. In einer Ausstellung in
Paris erregte das Bild ,,Impression: Aufgehende Sonne“ von Claude Monet die
Aufmerksamkeit der Kritiker. Es gab den Künstlern dieser Richtung den Namen ,,les
impressionistes“. Die Bezeichnung Impressionismus (Eindruckskunst) erweist sich als treffend,
weil die Künstler die Absicht hatten, das subjektiv Gesehene, die besondere Wirklichkeit des
Augenblicks möglichst genau wiederzugeben.
Die Sprache kann nicht im gleichen Maß wie die Farbe einen augenblicklichen Eindruck
vermitteln. Die Sprache ist vor allem dazu geeignet, Bedeutungen zu vermitteln. Sie kann keine
Wahrnehmungen auslösen, sondern nur Vorstellungen.
Das Bestreben, flüchtige Stimmungen und Augenblickserscheinungen festzuhalten, erklärt die
Vorliebe für kurze Formen, wie Gedichte, Skizzen oder Erzählungen. Der Impressionismus ist
nicht zu einer Literaturepoche im eigentlichen Sinn geworden, jedoch sind impressionistische
Züge in allen modernen Gegenbewegungen zum Naturalismus zu finden.

Claude Monet: Impression: Aufgehende Sonne


- Erläutern Sie, welche Empfindungen das Bild ,,Impression: Aufgehende Sonne“ bei
Ihnen auslöst. Beeinflussen die Farben und das Licht Ihren Gesamteindruck?
- Warum entspricht das Bild dem Anliegen der Impressionisten, die Atmosphäre des
Augenblicks im Bild zu bannen?

Symbolismus:
Symbole sind bildhafte Zeichen, die abstrakte Vorstellungen veranschaulichen. Etwas schwer
Sagbares durch ein Symbol auszudrücken, ist in vorliterarischer Zeit verbreiteter gewesen als
heute. Von den Sonnensymbolen in fast allen Kulturen über die Legionszeichen im römischen
Heer bis zum Kreuzzeichen des Christentums lassen sich unzählige Symbole nachweisen. Als
Wegbereiter der symbolischen Dichtung gelten die Franzosen Charles Baudelaire, Paul
Verlaine und Stéphane Mallarmé, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegen den
französischen Naturalismus auftraten und in ihren Gedichten nicht die reale Wirklichkeit der
verachteten bürgerlichen Welt widerspiegeln, sondern eine autonome Welt der Kunst schaffen
wollten, die durch symbolhafte Zeichen erahnbar wird. Die „poésie pure“ (absolute Dichtung)
dient keinem fremden Zweck, weder politischen noch sozialen Zielen, sie ist sich selbst genug.
In der deutschsprachigen Literatur nach der Jahrhundertwende zeigt sich die symbolische
Darstellungsweise besonders bei Hugo von Hofmannstahl, Stefan George und Rainer Maria
Rilke ausgeprägt.

Hugo von Hofmannsthal


(1874, Wien – 1929, Rodaun)
Eigene Notizen:
Hugo von Hofmannsthal - Die Beiden
Sie trug den Becher in der Hand
- Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand-, brada
So leicht und sicher war ihr Gang.
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.

So leicht und fest war seine Hand:


Er ritt auf einem jungen Pferde.
Und mit nachlässiger Gebärde gesto, okázalý pohyb
Erzwang er, dass es zitternd stand.

Jedoch, wenn er aus ihrer Hand


Den leichten Becher nehmen sollte.
So war es beiden allzu schwer:
Denn beide bebten sie so sehr. beben - chvět se
Dass keine Hand die andre fand
Und dunkler Wein am Boden rollte.

- Können wir das Gedicht dem Bereich der Liebeslyrik zuordnen? Begründen Sie Ihre
Meinung.
- Erklären sie die sprachlichen Bilder (Metapher) und ihren Symbolgehalt.
- Im Gedicht kommt das Wort „Hand“ mehrfach und vor allem in allen Strophen vor.
Stellen Sie fest, ob das Wort eine symbolische Bedeutung hat, und erläutern sie anhand
der ausgewählten Beispiele.
- Entspricht dem Motiv des Gedichtes auch die Strophenform?
- Fertigen Sie eine Skizze über die Strophen- und Reimfolge an. Man bezeichnet ein in
dieser Form gegliedertes Gedicht als Sonett.

Sonett:
Das Sonett (italienisch – sonare – klingen) zählt mit 14 Zeilen zu den strengsten Gedichtformen
und eignet sich vorzüglich zur Gedankenlyrik. Es besteht aus zwei vierzeiligen Quartetten und
zwei dreizeiligen Terzetten. Die Quartette reimen abba/abba. Die Terzette cdc/ddc. Die starke
Zäsur zwischen den Quartetten und den Terzetten ermöglicht verschiedene inhaltliche
Varianten: Satz und Gegensatz, Frage und Antwort, Problem und Lösung.
Stefan George
(1868, Büdesheim – 1933, Minusio bei Locarno)
Eigene Notizen:

Stephan George - Die Spange


Ich wollte sie aus kühlem eisen
Und wie ein glatter fester streif
Doch war im Schacht auf allen Gleisen důl, šachta
So kein metall zum gusse reif. dlévání (železa)

Nun aber soll sie auch sein:


Wie eine große fremde dolde květenství okolík
Geformt aus feuerrotem golde
Und reichem blitzendem gestein. hornina

- An wen sind die Äußerungen des lyrischen Ichs gerichtet?


Das lyrische Ich:
Das lyrische Ich ist – ähnlich wie der Ich-Erzähler im Erzähltext – ein Vermittler zwischen dem
Autor, dessen Botschaft und den Lesern. Viele Leser von Gedichten gehen davon aus, dass das
,,Ich‘‘, das im lyrischen Text spricht, mit der Autorin oder dem Autor identisch ist. Das kann
sein, es muss aber nicht sein. Das lyrische Ich kann vom Autor ganz bewusst als Rolle
konstruiert sein, die mit der Autorenidentität wenig oder gar nichts zu tun hat. Am deutlichsten
fällt uns das auf, wenn männliche Autoren ein Gedicht schreiben, in dem das lyrische Ich eine
Frau ist - oder umgekehrt.

- Auf welche Gegenstände beschränkt sich der Besitz des lyrischen Ichs?
- Was erscheint dem lyrischen Ich besonders wichtig und kostbar?
- In welcher Lebenslage könnte sich das lyrische Ich befinden?
- Erläutern Sie die Zweiteilung des Gedichts und zeigen Sie, wie beide Teile miteinander
verbunden sind.
- An welcher Stelle geht das Gedicht über die Darstellung der Spange hinaus und macht
sie zum Symbol einer Frau?
- Untersuchen sie im Gedicht das Bild der Frau. Wird sie eher als „femme fatale“, oder
als „femme fragile“ gesehen?

Rainer Maria Rilke


(1875, Prag – 1926, Sanatorium Valmont)
Eigene Notizen:
Rainer Maria Rilke - Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe kovové tyče


so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, vláčný, hebký


der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht. omráčený

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille zornice


sich lautlos auf-. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

- „Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe, und hinter tausend Stäben keine Welt.“ Dieser
Satz schreibt sehr treffend eines der Motive des Gedichts um. Dechiffrieren Sie das
Motiv und wählen Sie es als Thema für eine schriftliche Reflexion aus.
- Von welcher Erscheinung ist Rilke ausgegangen und welche Idee steht hinter seinem
Gedicht?
- Mit welchen Symbolen versucht Rilke seine Idee zu veranschaulichen?

Symbol:
Ein Symbol ist ein Zeichen, ein Sinnbild, das über sich selbst hinaus auf etwas Allgemeineres,
Umfassenderes, Höheres hinweist. Traditionelle Symbole sind das Kreuz als Zeichen für das
Leiden Jesu Christi, der Ring als Zeichen der Treue, die Taube als Sinnbild des Friedens, das
Wasser als Symbol des Lebens. Den Herbst als Symbol für Vergänglichkeit und Sterben zu
wählen, ist heute nicht mehr sonderlich originell. Es handelt sich um ein Bild, das – zumindest
in unserem Kulturkreis – geläufig ist. Ähnlich gut kommunizierbar sind gewisse Farbsymbole,
z. B. ,,schwarz“ für Trauer und Tod, ,,rot“ für Leidenschaft, Vitalität, aber auch Aggression.

Dinggedicht:
Von 1905 bis 1906 arbeitete Rainer Maria Rilke für acht Monate als Sekretär bei dem
französischen Bildhauer Auguste Rodin in Paris. Genauso wie Rodin an seinen Plastiken, so
arbeitete auch er sehr lange an seinen Entwürfen, bevor er die Endfassung niederschrieb. In
seinen Gedichten sollten die Dingen so ausdrückt werden, als sprächen sie über sich selbst. Sie
sollten das Innere und das Wesen des Gegenstandes ausdrücken. In den Dinggedichten ist für
Rilke das Dichten nicht ein Bereden von Empfindungen, sondern das Umsetzen von
Daseinsformen in Sprache. Er möchte Dinge und Erscheinungen aus der Zufälligkeit der
Wahrnehmung befreien und zu zeitloser Dauer gestalten. Dinge vergehen, aber das Kunst-Ding
hat nach Rilke Anspruch auf Ewigkeit.

Thomas Mann
(1875, Lübeck – 1955, Zürich)
Eigene Notizen:

Thomas Mann - Der Tod in Venedig


Später lag Tadzio, vom Bade ausruhend, im Sande, gehüllt in sein weißes Laken, das unter der
rechten Schulter durchgezogen war, den Kopf auf den bloßen Arm gebettet; und auch wenn
Aschenbach ihn nicht betrachtete, sondern einige Seiten in seinem Buche las, vergaß er fast
niemals, daß jener dort lag und daß es ihn nur eine leichte Wendung des Kopfes nach rechts
kostete, um das Bewunderungswürdige zu erblicken. Beinahe schien es ihm, als säße er hier,
um den Ruhenden zu behüten, - mit eigenen Angelegenheiten beschäftigt und dabei doch in
beständiger Wachsamkeit für das edle Menschenbild dort zur Rechten, nicht weit von ihm. Und
eine väterliche Huld, die gerührte Hinneigung dessen, der sich opfernd im Geiste das Schöne
zeugt, zu dem, der die Schönheit hat, erfüllte und bewegte sein Herz. ( )
Es war die vertraute Fahrt über die Lagune, an San Marco vorbei, den Großen Kanal hinauf.
Aschenbach saß auf der Rundbank am Buge, den Arm aufs Geländer gestützt, mit der Hand die
Augen beschattend. Die öffentlichen Gärten blieben zurück, die Piazzetta eröffnete sich noch
einmal in fürstlicher Anmut und ward verlassen, es kam die große Flucht der Paläste, und als
die Wasserstraße sich wendete, erschien des Rialto prächtig gespannter Marmorbogen. Der
Reisende schaute, und seine Brust war zerrissen. Die Atmosphäre der Stadt, diesen leis fauligen
Geruch von Meer und Sumpf, den zu fliehen es ihn so sehr gedrängt hatte, - er atmete ihn jetzt
in tiefen, zärtlich schmerzlichen Zügen. War es möglich, daß er nicht gewußt, nicht bedacht
hatte, wie sehr sein Herz an dem allen hing? Was heute morgen ein halbes Bedauern, ein leiser
Zweifel an der Richtigkeit seines Tuns gewesen war, das wurde jetzt zum Harm, zum
wirklichen Weh, zu einer Seelennot, so bitter, daß sie ihm mehrmals Tränen in die Augen trieb,
und von der er sich sagte, daß er sie unmöglich habe vorhersehen können. Was er als so schwer
erträglich, ja zuweilen als völlig unleidlich empfand, war offenbar der Gedanke, daß er Venedig
nie wiedersehen solle, daß dies ein Abschied für immer sei.

- Inwiefern unterscheidet sich der Text von anderen ihnen bekannten impressionistischen
Texten? Worin stimmt er mit diesen überein?
- Mit welchen sprachlichen Mitteln wird die Stimmung der Stadt im Text evoziert?
- Welche Aspekte der Dekadenz-Dichtung lassen sich im oben erwähnten Text erkennen?
- Der Text konstatiert einen bedingten Wandel in der Wirkung Venedigs auf Aschenbach.
Charakterisieren sie diesen näher und überlegen sie, womit die veränderte Wirkung
zusammenhängen konnte.
- Venedig zeigt zu Beginn ein Bild von Schönheit, dann Zerfall und Tod. Dies wird durch
das Wetter, die sargähnliche Gondel, usw. angedeutet. Wie tragen die einzelnen Motive
zur Stimmungsschilderung bei?

Motiv:
Die aus Texten erschließbaren Motive beruhen darauf, dass der Autor einen besonderen
Beweggrund (z. B. eine Erfahrung, ein Geschehen, ein Gefühl oder einen Gedankengang) hatte,
der ihn motivierte, den Text zu verfassen. Dieser Vorgang findet nun in der Sprache seinen
erkennbaren Ausdruck. Der Begriff ,,Motiv‘‘ geht auf das lateinische Verbum ,,movere“
(bewegen) zurück. Von den Motiven werden alle drei Gattungen, d.h. lyrische, epische und
dramatische Texte ganz entscheidend geprägt.
Leitmotiv:
Es ist ein besonders wichtiges Motiv, das innerhalb eines Werkes wiederholt auftritt. Es kann
das Erscheinen einer bestimmten Figur oder eines bestimmten Gegenstandes sein
(Dingsymbol), eine Melodie, ein Vers, aber auch die einprägsame, gleichförmig
wiederkehrende Aussage einer Person. Das Leitmotiv tritt an den entscheidenden Stellen auf.
Es gliedert den Text in Abschnitte und Sequenzen.
Lösung:
Ihre Analysen, Interpretationen und Aufgaben Lösungen werden im Unterricht bzw. in den
Tutorials besprochen.

Literatur:
RÖTZER, H. Gerd. Geschichte der deutschen Literatur: Epochen, Autoren, Werke. Bamberg,
2013.
MITTEBERG, Ekkehart. Zugänge zur Lyrik. Berlin, 1986.
KOCH, Hans-Albert. Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Darmstadt 1997.
[Link]
[Link]

Das könnte Ihnen auch gefallen