Handout – „Das Wesen des Menschen“
Goethe: Faust I – „Prolog im Himmel“
1. Kurze Inhaltsangabe
• Schauplatz: Himmel.
• Erzengel loben die Schöpfung.
• Mephisto verspottet den Menschen als schwach und triebgesteuert.
• Wette: Mephisto will Faust vom rechten Weg abbringen.
• Gott erlaubt die Prüfung, überzeugt, dass Faust durch sein Streben letztlich zum Guten gelangt.
2. Analyse der Positionen
Gott
• „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“ – Irrtum als Teil des Fortschritts.
• Sieht den Menschen als frei, lern- und entwicklungsfähig.
• Theologische Parallele zum Buch Hiob: Vertrauen in die Standhaftigkeit des Menschen.
Mephisto
• Hält den Menschen für schwach und genusssüchtig.
• „Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein, / nur tierischer als jedes Tier zu sein.“
• „Geist, der stets verneint“ – verkörpert Zweifel, Spott, Zerstörung, wirkt aber auch als Antrieb für
Entwicklung.
3. Deutung der Wette
Perspektive Bedeutung
Kampf zwischen Gut und Böse im Menschen; Faust als Prototyp des modernen,
Symbolisch
suchenden Menschen.
Wie im Buch Hiob: Gott lässt Versuchung zu, weil echte moralische Entscheidung nur in
Theologisch
Freiheit möglich ist.
Ausgangspunkt der Handlung: Die Wette schafft Spannung und macht Fausts Weg zur
Dramatisch
tragischen Entwicklungsgeschichte.
1
4. Fazit: Menschenbild & zentrale Fragen
• Goethes Menschenbild:
• Ambivalent: Mensch zwischen göttlichem Streben und irdischen Trieben.
• Freiheit & Irrtum als Motor der Erkenntnis.
• Würde liegt im unaufhörlichen Streben.
• Zentrale Fragen:
• Ist der Mensch von Natur aus gut oder böse?
• Braucht er Versuchung, um moralisch zu wachsen?
• Wo liegen die Grenzen menschlicher Erkenntnis?
• Führt Schuld und Leiden letztlich zu Läuterung?
Kernaussage:
Goethe entwirft ein optimistisches, aber realistisches Bild des Menschen: Fehlbar, doch
gerade durch Irrtum und Versuchung fähig, sich zum Guten zu entwickeln.
Video-Link zur Stunde
• Ausschnitt passend zum Prolog im Himmel: YouTube-Video
(Quelle: Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, „Prolog im Himmel“)