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70 JAHRGANG 192%

NUMMER 796
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ILLUSTRIERTER FILM-KURIER

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Ich hatte einst ein schönes Vaterland!


Manuskript: WILLY RATH nach einer Idee von GUSTAV ALTHOFF * Bauten: RINALDI
Photograph ie: THEODOR SPARKUHL * Militärischer Beirat: Major GR ÜNEWALD

Regie: MaxMack
Personen-Verzeichnis:
Kantinenwirt Bergmann, Feldwebel a. [Link] Peukert
Grete, seine [Link] Reinwald
Leutnant Bernhard v. [Link] Rlickert
Pollaczek, sein Bursche ..Alexander Granach
Unteroflizier [Link] Auen
Ein [Link] Tobien
Ein südamerikanischer Kaufmann .... Charles Willy Kayser
Seine [Link] v. Bolwary
Beider [Link]. Gert Briese
Eine [Link] Gier
[Link] Werckmeister
Besitzer eines [Link] Schwannecke
Sein [Link] Roberts
b Matrose Hein .Gustav Püttjer
Ein [Link] Strathmann

f GUSTAV ALTHOFF - FILM DER NORDISK


DEUTSCH - NORDISCHE
FILM-UNION G. M. B. H.
BERLIN SW 48, FRIEDRICHSTRASSE 15
HAMBURG MÜNCHEN DÜSSELDORF
LEIPZIG

«V
ILLUSTR1ERTKR FILM • KURIUR

'-o/’orkriegszeit. Am deutschen Rhein wuchsen blühende Reben, an der Saale


V hellem Strande sang man frohe Lieder, in Berlin, der schönsten Stadt des
Landes, in der Residenz Berlin sah man rauschende Hoffeste, Paraden und bunte
Uniformen. Auch Bernhard von Degow trug
den bunten Rock. Als junger Leutnant mit dern
Marschallstab im Tornister hätte er glücklich und
stolz sein können, wenn die Liebe nicht wär.
Des Kantinenwirt Bergmanns Töchterlein war es,
die er in sein Herz geschlossen hatte. Doch
Standesuntersehiede machten es unmöglich, daif
sie seine Frau wurde. Auch der Kantinenwirt
Bergmann, ein früherer Feldwebel,
hatte seinen Stolz. Als er eines
Tages seine Tochter Grete in Be¬
gleitung des Leutnants im Ballsaal
ertappte, stellte er das Mädchen zur
Rede und wies es kurzerhand aus
dem Hause. — Während der Leut¬
nant von Degow schweren Heriens
an seine Liebe dachte, ging
Grete durch die Straßen
Berlins ziel- und planlos.
Der Zufall gab ihr eine Zeitung in die Hand und als sie ein Insefat las,
in dem ein junges .Mädchen von einer argentinischen Familie gesucht
wurde, war ihr Entschluß gefaßt. Nach einigen Tagen bereits bestieg sie
das Schiff nach Südamerika.
lieber Deutschland brach der Krieg herein. Auch
Leutnant von Degow und der Feldwebel Bergmann mußten
dem Ruf des Vaterlandes folgen. Während die beiden an
der Front um Deutschlands Ehre kämpften, bestand Grete
im frömden Lande
schwere Prüfungen.
Mit ihrem Herzen und
ihren Gedanken in der
Heimat, wurde sie von
dem Sohne ihres Brot¬
herrn mit Liebesan-
trägen be¬
stürmt. So
es sie
nicht mehr
in dem Hause
des reichen
Argentiniers.
Sie zog
in einen klei¬
nen deut¬
schen Gast¬
hof, dessen
Inhaber Witwer und Vater eines kleinen Mädchens war. Das Kind gewann Grete
sehr bald lieb, und auch der Gastwirt freute sich, eine Stütze gefunden zu haben.
Doch das Glück sollte nur von kurzer Dauer sein. Bei einer Schlägerei in der
Gaststube wurde der Gastwirt schwer getroffen und starb bald darauf, Grete wurde
nun die Pflegerin seines Kindes und seine Nachfolgerin im Gast¬
haus. Doch die Sorge um die kämpfenden Brüder in Deutsch¬
land und die Ge¬
danken an De-
gow und den
Vater ließen ihr
keine Ruhe. —
Indessen hatte
ILLUSTRIERTER FILM-KURIER

Eichen Angriffs das Leben gerettet hatte. Und als es das Schicksal wollte,
daß Bergmann im Kampfe schwer verwundet wurde, war er es, der dem
Sterbenden Trost zusprach.
Der Krieg war aus. — Die neue
Staatsordnung brauchte keine Offiziere
mehr und auch von Degow war ge¬
zwungen, eine Stellung zu suchen, die
ihm einen Lebensunterhalt gewährte.
Doch nirgends wollte man ihn haben.
— Verzweifelt ging er eines Tages am
Hamburger Hafen voll schlimmer Ge¬
danken, als er von einem Matrosen an-
gesprochen wurde. Im Laufe des Ge-
r ^ sprächs schlug der Matrose dem ehe-
|\ maligen Leutnant vor, mit
ihm nach Argentinien zu
gehen. In der Hoffnung,

Grete Bergmann wiederzusehen und ein


neues Leben beginnen zu können, ging
Degow mit. Doch auch im fremden
Lande hatte Bernhard kein Glück.
Nirgends fand er die gewünschte

der Leutnant von


Degow mit dem
Feldwebel Berg¬
mann innigeFreund-
schaft geschlossen,
nachdem er ihm
während eines feind-
ILLUSTRIERTER FILM KURIER

Stellung, nirgends fand er Grete Bergmann, nach der er sich Tag und Nachf
sehnte. — Eines Abends kehrte er mit dem Matrosen in die kleine Gast¬
wirtschaft ein, die von Orete geführt wurde.
Doch er sah sie nicht. In Gedanken an frühere
herrliche Zeiten saß er in einer Ecke. Als sich
die Gaststube leerte und einige
deutsche Matrosen nur zurück¬
geblieben waren, die Grete inständig
baten, ihnen ein deutsches Lied zu
singen, trat sie ans Klavier. Plötz¬
lich drangen an Degows Ohr wie
aus weiter Perne vertraute Laute.
Es waren die
Strophen des alten
Liedes: .Ich hatte
einst ein schönes
Vaterland!“ Und
plötzlich wußte er's.

Diese Stimme war ihm wohlbekannt. Er trat


naher. Wie durch einen Schleier sah er seine
Grete und auch sie sah ihn. Sie sanken ein¬
ander in die Arme . . .
. . . Ein neues Leben kann beginnen . . .


b. H.), Berlin W 9, Köthencr Straße 37.
Herauagcber: „F i 1 m - K u r i e r“, 0. m. b. H„ Tageszeitung (Verlag Alfred Weiner, 0. m,
Fernsprecher: Nollendorl 4202 und 4203. Ltltzow 1541, 1342 und 1543.
Tiefdruck: Deutscher Schriftenvorlag, Berlin. Pllr den Inhalt verantwortlich: A. Rieh mann, Berlin,
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