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ILLUSTRIERTER I ILM-KURIER

KREUZZUG DES WEIBES Manuskript: DOSIO KOEFLER -- MARTIN BERGER

Regie: MARTIN BERGER


Photographie: WANGÖE WEITZENBERG Bildentwürfe: OSIO KOFFLER ROBERT DIETRICH
Bauten: ROBERT DIETRICH
Originalmusik: FRIEDRICH HOLE A EN DER

DARSTELLER
Der Staatsanwalt . Conrad Veidt
Die Lehrerin , . Maly Delschafi
Der moderne Mann Ernst Ho'mann
Die moderne Frau . . Andja Zimowa
Der Arbeiter . . . . Fritz Alberfi
Die Arbeiterfrau . Gertrud Arnold
Die Tochter . Simone Vau dry
Der Arzt . Harry Liedtke
Der Hausarzt . . Aribert Wäscher
Die Portierfrau Hedwig Wangel
Der Idiot Werner Krauss
Der Kriminalbeamte . . Philipp Manning
Die Zofe . . . . Iwa Wanja
Das Blumenmädchen Hilde Gerdl

V e r I e i h f ii r Deuts e h I u n d und W e I t v e r t r i e I):

ARTHUR ZIEHM
BERLIN SW 68, Markgrafenstraße 21 .
Filialen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt u. M., Hcimburg, Königsberg i. Pr., Leipzig. Mit neben
[Link] KILM-KUKIEK

mstrittcnstes Problem: Vermehrung der Nalion — gewollten Kindes verhindern. Der Staatsanwalt, dem
bringt Ernährungsschwierigkeiten, bringt wirtschaft¬ der Fall bekannt wird, kann nicht strafend eingreifen.
liche Not der niederen Schichten der Bevölkerung, da der Hausarzt den Eingriff mit angeblicher Lebens¬
zeugt den Konflikt, in dem das Gesetz dem tatsächlichen gefahr der Frau begründet.
Leben widersprechend gegeniibersteht. Ein Arbeiterehepaar, in beschränktesten Verhält¬
Diese Materie behandelt der Film. nissen, von Sorgen niedergedrückt, sucht einen Arzt
Ein junges Ehepaar, in guten Verhältnissen, kann auf in der Hoffnung, von neuem Familienzuwachs
durch die Hilfe des Hausarztes die Geburt des nicht¬ der neue, nicht mehr tragbare Sorgen bedeutet befreit
ILLUSTRIERTER FILM-KURIER

zu werden. Der Arzt verneint. fc£r kann nicht gegen das Gesetz
verstoßen. Die Verzweiflung aber bricht alle Schranken. Trotz
seiner Warnung nimmt die Arbeiterehefrau selbst den Eingriff
vor. Und stirbt. Verbrechen gegen das keimende Leben! Der
Staatsanwalt ist gezwungen, der Anzeige Folge zu leisten
und läßt den Mann Festnehmen; so stehen die Kinder hilf- und
schutzlos allein in der Welt.
Dies spielt sich in einem Hinterhause ab. Im
Vorderhause wohnt eine junge Lehrerin, Verlobte des
Staatsanwalts. Sie bemüht sich, den Arbeiter frei zu
bekommen. Vergeblich. Ihr Verlobter darf rein
menschlichen Empfindungen nicht nachgeben. Und
damit klingt der erste Mißton in ihr bisher har¬
monisches Verhältnis. Nur äußerlich ist der Staats¬
anwalt der gefühllose Beamte. Wohl versteht er das
Empfinden seiner Braut. Um sie zu versöhnen,
sendet er ihr eine Aufmerksamkeit in der Gestalt
[Link] HLM-KURIEK

eines DelikatelJkorbes. Die Lehrerin ist bei den ver¬


waisten Kindern, und so >»iht dei Bote den Korb in der
Portierwohnung ab Dort aber ist int Augenblick dei
Sohn der Portierfrau, ein Idiot, allein. Er nimmt eine
Flasche Sekt aus dem Korb und trinkt sie leer. Im
beginnenden Kausche sieht er die Lehrerin nach ihrer
Wohnung hinaufgehen. Er stierl ihr nach; dann torkelt
er hinauf. Sie stehen sieh gegenüber Die blendende
Hau! ihres Körpers, die ihm aus ihrem Negligfe entgegen¬
schimmert, übt eine faszinierende Wirkung auf ihn aus.
Sein animalischer Instinkt bricht los. Er stürzt aut
sie zu.
Aus ihrer Betäubung erwacht sie, am Boden
liegend. Langsam komm! ihr zur Erkenntnis, was
geschehen. Mit einem Entsetzensschrei stürzt
sie zum Fenster, will um Hilfe rufen. — Unten in J|
der Nacht schreitet in gemächlicher Würde ein

1 *T. j'S

SM 1 i!
ILLUSTRIERTER ULM-KURIER

Schutzmann aut und ab. Ein Beamter!


Und blitzschnell reift die Erkenntnis:
Der hilft nicht. Kann nicht helfen!
Sobald es die Behörde weiß, ist es um
ihren Ruf geschehen. Sie: Objekt ■.

einer „Sensation“, durch den Schmutz lh*


geschleift, erbärmlichster Neugier der
Oeffentlichkeil preisgegeben, ver¬
stoßen, verhöhntI Und das Schlimmste,
Unüberwindliche: den Mann, den sie S
liebt — ihn müßte sie verlieren! —
In ihrer Angst wendet sie sich an den
Arzt, der feststellt, daß die Vergewaltigung
nicht ohne Folgen geblieben sei. Da ihn
das Unglück des Mädchens tief bewegt, ver¬
stößt er bewußt gegen das Gesetz und stellt
sich dann dem Staatsanwalt. Bei dem frei¬
willigen Verhör, dem sich der Arzt unter¬
zieht erkennt der Staatsanwalt, im Innersten
getroffen, daß :s seine Braut ist, von der
der Arzt spricht. Er
MgBMggBBSm stürzt t < > rt. > iin
i

! SKlPä Unschuld, in i Ult aul ilu


: mß,W l'iel verletzt weist
II LUSTKIKK I tK FILM-KURIER

jagen die Phantasien seiner aulgepeitschten Nerven


an ihm vorüber. [Ersieht die Tausende der Frauen,
die Opfer des Gesetzes wurden. Dieses Gesetzes
das er vertritt, vertreten muß. Und
k liebernd sieht er sie, sie — die er hebt,
zu Grunde gehen, wie diese alle! —
Sein [Entschluß steht fest. Br entsagt dem
Amt, dessen Pflichten sich mit seinem
Gewissen nicht mehr decken.
Br kehrt zurück zu ihr. Zwei Men¬
schen stehen sich gegenüber, deren
fragende Blicke sich tastend suchen. An
den aus seinen Händen gleitenden Blüten
erkennt sie endlich, was ihn zu ihr
zurückführt. Zaghaft und schüchtern linden
sie sich, hinweg über trennende Welten
von Vorurteilen und veralteten Gesetzen.

sie ihm die Tür. Br geht. Draußen


lauert der Instinktmensch, der Idiot.
Gefahr witternd, stürzt er sich auf ihn.
Instinktiv fühlt der Staatsanwalt: Hier,
dieser Mensch, das ist der Täter. Br
: v.' ^
weiß nun, sie ist unschuldig. Aber
er findet nicht gleich den Weg
M } : V
zu ihr zurück. Innere Hem¬
mungen halten ihn.
In die starre Atmosphäre
seines Amtes zurückgekehrt.

Herausgeber. „Fit «.-K er .er , G. m. h. H. (Verlag Alfred Weiner, G m. b H.J, Berlin W 9. Kolhcncr Slratic 37
T L . t^rniprcchcr: Nollendort 4262 u. 4263. [Link] 1541. 1542 u. 1543.
leidruck: Dculichcr Schrilicnvcrlag. Berlin Für den Inhalt verantwortlich! A Richmann Berlin

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