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Mitteilungen

Mitteilungender
derGemeinsamen Kommission für für
die die
Erforschung
Band 10 der jüngeren
Gemeinsamen
Geschichte der
Kommission
deutsch-russischen
Erforschung
Beziehungen
der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen
Сообщения Совместной
Сообщения Совместнойкомиссии
комиссиипопоисследованию
изучению
новейшей истории германо-российских
новейшей истории российско-германскихотношений
отношений

Joachim Tauber und Alexander Tschubarjan (Hrsg.)


Александр Чубарьян и Йоахим Таубер (ред.)

Zeitenwende:
deutsche und russische
Erfahrungen 1917–1919
На рубеже эпох:
русский и немецкий
опыт 1917–1919 гг.
Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919
На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг.

Mitteilungen der Gemeinsamen Kommission
für die Erforschung der jüngeren Geschichte der
deutsch-russischen Beziehungen
Herausgegeben im Auftrag
der Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren
Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen von Joachim Tauber
und Alexander Tschubarjan

Band 10

Сообщения Совместной комиссии по


изучению новейшей истории российско-
германских отношений
Под редакцией
Александра Чубарьяна и Йоахима Таубера по поручению
Совместной комиссии по изучению новейшей истории
российско-германских отношений

Том 10
Joachim Tauber und Alexander Tschubarjan (Hrsg.)
Александр Чубарьян и Йоахим Таубер (ред.)

Zeitenwende:
deutsche und russische
Erfahrungen 1917–1919
На рубеже эпох:
русский и немецкий
опыт 1917–1919 гг.
Das Projekt wurde unterstützt durch die Проект был поддержан Совместной комиссией
Gemeinsame Kommission für die Erforschung по изучению новейшей истории российско-
der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen германских отношений и финансирован из
Beziehungen und gefördert aus Mitteln der средств Уполномоченного Федерального
Beauftragten der Bundesregierung für Kultur правительства Германии по делам культуры и
und Medien. средств массовой информации.
Эта книга является публикацией открытого
доступа.

Dieses Buch ist eine Open-Access-Publikation.

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Редакция: в России: Виктор Ищенко, Наталья
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Тимофеева
Redaktion in Deutschland: Verena Brunel, Galina Редакция в Германии: Верена Брунель, Галина
Veldanova Велданова
Redaktion in Russland: Viktor Ischtschenko, Макет и производство: Berliner Wissenschafts-
Natalia Timofeeva Verlag
Layout und Herstellung durch den Verlag Набор текста: die Setzerin | Эдна Вайс, Берлин
Satz: die Setzerin | Edna Weiß, Berlin Печать: docupoint Магдебург
Druck: docupoint, Magdeburg Напечатано на устойчивой к старению бумаге,
Gedruckt auf holzfreiem, chlor- und не содержащей хлора,
säurefreiem, alterungsbeständigem Papier. древесной массы и кислоты.
Printed in Germany. Отпечатано в Германии.
ISBN Print 978-3-8305-5160-7 ISBN Print 978-3-8305-5160-7
ISBN E-Book 978-3-8305-4382-4 ISBN E-Book 978-3-8305-4382-4
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Inhaltsverzeichnis

Joachim Tauber, Alexander Tschubarjan


Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

Kolloquium „Die Russische Revolution 1917“


Moskau, Juli 2017

Vladimir Buldakov
Die Revolution von 1917 in der neueren russischen Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

Helmut Altrichter
Die Russische Revolution in der deutschen Forschung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

Jörn Leonhard
Der Primat des Krieges? Deutschland und die Russische Revolution 1917/18 . . . . . . . . 41

Igor’ Narskij
Die russische Revolution und die Bevölkerungsbewegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51

Aleksandr Šubin
Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution . . . . . . . . . . . . . . . . 63

Vasilij Christoforov
Sicherheitsbedrohungen Russlands am Vorabend und während der Revolution von 1917 85

Vladislav Aksenov
Staatsmacht und Gesellschaft im Spiegel wechselseitiger Gerüchte:
Die informationspsychologische Krise als Faktor der Revolution von 1917 . . . . . . . . . . . 103

Karsten Brüggemann
Die Revolutionen von 1917 in den russischen Ostseeprovinzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119

Alexander Vatlin
Der Oktoberumsturz 1917 in Petrograd und seine Bewertung in Deutschland . . . . . . . . 131

Hans Woller
Toxische Fernwirkungen. Die Resonanz der Oktoberrevolution in Italien . . . . . . . . . . . . 143

Marie-Luise Recker
Großbritannien und das revolutionäre Russland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155

5
Inhaltsverzeichnis

Kolloquium „Die Novemberrevolution im deutsch-russischen Kontext“


München, Juli 2018

Steffen Arndt
Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918
im Spiegel der Archive in Gotha und Erfurt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163

Mark Jones
Scripting the Revolution: ‘Russian Conditions’ and the German
political imagination in 1918 and 1919 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185

Leontij Lannik
Die deutsche Armee an der Ostfront zwischen zwei Revolutionen,
November 1918 – Februar 1919. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205

Vasilij Černoperov
„… Wir glauben, glauben mit all unserem Wesen an Sie, unsere unvergesslichen Befreier“:
Vertreter Sowjetrusslands in Deutschland und die russischen Kriegsgefangenen 1918/19 . . 219

Tobias Hirschmüller
„Ketten fallen“? Die Auswirkungen der Transformationen von 1917/18 auf das
Russlandbild in der Presse des deutschen und österreichischen Judentums . . . . . . . . . . . 235

Reiner Tosstorff
Deutsch-russische Wahrnehmungen und Wechselbeziehungen: Robert Dißmann,
der Deutsche Metallarbeiterverband und die USPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257

Irina Kukuškina
Die Deutsche Revolution und die österreichische Sozialdemokratie . . . . . . . . . . . . . . . . . 271

Jürgen Zarusky
Karl Kautsky und die Revolutionen in Russland und Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277

Vadim Dam‘e
Anarchisten im „roten Bayern“: Erich Mühsam und Gustav Landauer 1918/19 . . . . . . . 285

Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 299

Kontakte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 301

6
Содержание

Йоахим Таубер, Александр Чубарьян


Предисловие . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 305

Коллоквиум «Российская революция 1917 года»


Москва, июль 2017 г.

Владимир Булдаков
Революция 1917 года в новейших российских исследованиях . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 309

Хельмут Альтрихтер
Русская революция в зеркале немецкой историографии . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 329

Йорн Леонхард
Примат войны? Германия и русская революция 1917–1918 гг . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 337

Игорь Нарский
Русская революция и движение населения . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 347

Александр Шубин
Социальное и национальное в Великой российской революции . . . . . . . . . . . . . . . . . . 357

Василий Христофоров
Угрозы безопасности России накануне и в период революции 1917 года . . . . . . . . . . 377

Владислав Аксенов
Власть и общество в отражении взаимных слухов:
информационно-психологический кризис как фактор революции 1917 г. . . . . . . . . . 393

Карстен Брюггеманн
Революционные события 1917 года в остзейских губерниях Российской империи . . 409

Александр Ватлин
Der Октябрьский переворот 1917 г. в Петрограде и его оценки в Германии . . . . . . . 423

Ханс Воллер
Токсичность на расстоянии. Резонанс Октябрьской революции в Италии. . . . . . . . . 433

Мари-Луизе Реккер
Великобритания и революционная Россия . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 447

7
Содержание

Коллоквиум «Ноябрьская революция в Германии в германо-российском контексте»


Мюнхен, июль 2018 г.

Штеффен Арндт
Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале
архивов Готы и Эрфурта. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 455

Марк Джонс
Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое политическое
мышление в 1918–1919 годах . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 479

Леонтий Ланник
Германская армия на Восточном фронте между двумя революциями,
ноябрь 1918 – февраль 1919 гг. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 501

Василий Черноперов
«… Мы верим, верим всем своим существом в Вас, наши незабвенные
освободители»: представители Советской России в Германии и
российские военнопленные, 1918–1919 гг.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 513

Тобиас Хиршмюллер
«И пали цепи?» Воздействие трансформаций 1917–1918 гг.
на образ России в еврейских газетах Германии и Австрии . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 529

Райнер Тоссторф
Взаимоотношения и взаимовосприятие Германии и России: Роберт Диссман,
профсоюз немецких металлистов и независимая социал-демократия. . . . . . . . . . . . . . 551

Ирина Кукушкина
Германская революция и австрийская социал-демократия . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 567

Юрген Царуски
Карл Каутский и революции в России и Германии . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 573

Вадим Дамье
Анархисты в «красной баварии»: Эрих Мюзам и Густав Ландауэр (1918–1919) . . 581

Авторы настощего тома . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 595

Контакты . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 597

8
Zeitenwende:
deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919
Vorwort

Zum zehnten Mal legt die Gemeinsame Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschich-
te der deutsch-russischen Beziehungen ihre „Mitteilungen“ vor, die dieses Mal den Revolutionen
von 1917 in Russland und 1918/19 in Deutschland gewidmet sind. Der Inhalt des Bandes basiert
auf den Kolloquien von 2017 und 2018, in deren Rahmen die Auswirkungen und transnationa-
len Wechselwirkungen der revolutionären Ereignisse in beiden Ländern interpretiert wurden.
Beleuchtet werden nicht nur die deutsch-russischen Beziehungen, sondern auch Perspektiven
auf „den anderen“ im Kontext von Krieg und politischen Umbrüchen.
Die Beiträge in diesem Band demonstrieren in vielfältiger Weise, wie eng die Verflechtungen zwi-
schen den revolutionären Ereignissen in Deutschland und Russland tatsächlich waren.
Erstmals wurde mit „Scripting the Revolution: ,Russian Conditions‘ and the German political
imagination in 1918 and 1919“ von Mark Jones ein englischsprachiger Beitrag in die „Mitteilun-
gen“ aufgenommen. Ein weiteres Novum ist das Erscheinen des Bandes im Open-Access-Format.
Damit möchte die Kommission den Zugang zu den einzelnen Beiträgen erleichtern und einen
weiteren Beitrag zum Austausch zwischen Forscherinnen und Forschern aus Deutschland und
Russland leisten.
Die Gemeinsame Kommission dankt beiden Regierungen, insbesondere den beteiligten Minis-
terien beider Staaten für die langjährige Unterstützung ihrer Arbeit. Ausdrücklicher Dank gilt
dem Außenministerium der Russischen Föderation sowie der Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien (BKM).
Die Redaktion des Bandes lag in den bewährten Händen von Verena Brunel, M. A., Dr. Viktor
Ischtschenko, Galina Veldanova und Dr. Natalia Timofeeva.

Prof. Dr. Joachim Tauber Prof. Dr. Alexander Tschubarjan


(Deutscher Co-Vorsitzender) (Russischer Co-Vorsitzender)

11
Kolloquium „Die Russische Revolution 1917“
Moskau, Juli 2017
Vladimir Buldakov

Die Revolution von 1917 in der neueren russischen Forschung

Zum Thema der Russischen Revolution erschien und erscheint im heutigen Russland eine große
Zahl unterschiedlichster Veröffentlichungen – von akademischen Arbeiten von Historikern bis
hin zu publizistischen Aufsätzen aller Art. Besonders aktiv wurden die Autoren verschiedenster
Richtungen im Zusammenhang mit der 100. Wiederkehr der Ereignisse von 1917 – es erschie-
nen große zusammenfassende Arbeiten.1 Im Rahmen dieses Aufsatzes ist es wohl kaum möglich,
sie alle zu erwähnen.2 Daher liegt das Hauptaugenmerk nicht so sehr auf einzelnen Publikationen
und Autoren, sondern auf der Gesamtentwicklung des historischen Denkens im 21. Jahrhundert.
In den letzten Jahren rief die Revolution nach wie vor zahllose leidenschaftliche Diskussionen
sowohl in der russischen Gesellschaft als auch in der Gemeinschaft der Historiker hervor. Zwei-
fellos wirkte sich implizit das Trauma des historischen Bewusstseins im Zusammenhang mit dem
„zweifachen“ Zerfall (1917 und 1991) eines „großen“ Imperiums aus.3 In diesem Kontext sind
auch „beschwichtigende“ Erklärungen zu sehen, dass die russische Geschichte besonders erfolg-
reich gewesen sei.4 Andererseits versuchten einige Autoren, ihren Pessimismus hinsichtlich eines
modernisierten Fortschritts Russlands auf neue Art zu begründen – mithilfe neomalthusiani-
scher Theorien.5
Gleichwohl zeigte sich innerhalb des historischen Faches deutlich das Streben nach einer mehr-
dimensionalen Analyse der Ereignisse der Revolutionsjahre.6 Heute erstreckt sich das Interesse
der Autoren von Wirtschaft und Finanzen bis zu Gerüchten und Vorurteilen, von der Geopolitik
bis hin zu Alltäglichem. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen nicht nur Versuche der Re-
volutionsführer, in die „Zukunft“ aufzubrechen, sondern auch das Streben der politisch nicht
gebildeten Massen, sich in die Vergangenheit zu „flüchten“. Überaus vielversprechend sind Ap-
pelle, die Revolution im Lichte der Theorie des dynamischen Chaos zu verstehen.7 Leider lehnen
die zeitgenössischen Autoren mehrheitlich die stochastische und synergetische Natur sozialer

1 Siehe Ju.A. Petrov (otv. red.): Rossijskaja revoljucija 1917 goda. Vlast’, obščestvo, kul’tura. V 2 t. Moskva 2017.
2 Zu einigen Rückblicken anlässlich des Jahrestages siehe B. I. Kolonickij: Jubilejnyj god i istoriki revoljucii. In:
Rossijskaja istorija 2018, Nr. 1, S. 181–187.
3 V. P. Buldakov: Revoljucija i istoričeskaja pamjat’: Rossijskie parametry kliotravmatizma. In: Rossija i sovremennyj
mir 2008, № 2, S. 5–27; I. V. Michajlov: Ot revoljucii k Graždanskoj vojne: trudnosti pereosmyslenija problemy v
sovremennych uslovijach. In: V. P. Zinov’ev (otv. red.): Russkaja revoljucija v kontekste istorii. Tomsk 2008, S. 82–88.
4 V. D. Solovej: Russkaja istorija. Novoe pročtenie. Moskva 2005, S. 7–9.
5 S. A. Nefedov: O pričinach Russkoj revoljucii. In: L. E. Grinin, A. V. Korotaev, [Link]. Malkov (otv. red.): O pričinach
Russkoj revoljucii. Moskva 2014, S. 25–60.
6 B. G. Mogil’nickij: Russkaja revoljucija v perspektive dolgogo vremeni: novye podchody k ee osmysleniju. In:
Zinov’ev (otv. red.), Russkaja revoljucija v kontekste istorii, S. 6–34; V. V. Cygankov: Krizisy rossijskogo obščestva.
Russkaja revoljucija s pozicij mirsistemnogo analiza. In: Ebd., S. 89–95; I. V. Lukojanov: Revoljucija 1917 goda:
čto ėto bylo? In: V. V. Kalašnikov (otv. red.): Fevral’skaja revoljucija 1917 goda: problemy istorii i istoriografii.
Sankt-Peterburg 2017, S. 274–283.
7 L. I. Borodkin: Russkaja revoljucija v svete teorii dinamičeskogo chaosa. In: Grinin, Korotaev, Malkov (otv. red.), O
pričinach russkoj revoljucii, S. 283 f.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 15–33


[Link] 15
Vladimir Buldakov

Erscheinungen ab und bevorzugen bei den Ereignissen von 1917 den etatistischen Ansatz – hier
wirkt sich das Erbe des Autoritarismus und der paternalistischen Mentalität aus.
Nach wie vor sind Arbeiten anzutreffen, die von politischer Voreingenommenheit gekennzeich-
net sind, was sie natürlich wissenschaftlicher Tiefe beraubt.8 Es gab eine Zeit, als die Geschichte
der Revolution durch die „Einparteiengeschichte“ der VKP(b) ersetzt wurde. Danach kam eine
Zeit der Vielparteiengeschichte.9 Einige Autoren, besonders sozialdemokratischer Ausrichtung,
bestehen nach wie vor auf der politischen Interpretation der Revolutionsereignisse.10 Gleich-
wohl schreiben Forscher immer häufiger von einer Verbindung der Russischen Revolution mit
der gesamteuropäischen Katastrophe – dem Ersten Weltkrieg.11 Aber am bemerkenswertesten
ist der sich abzeichnende Verzicht auf die Hervorhebung der besonderen Revolutionen des
Jahres 1917 – der Februar- und der Oktoberrevolution.12 Hierbei wird selbst in populärwissen-
schaftlichen Arbeiten darauf hingewiesen, dass „geschichtliche Risse, Brüche und Katastrophen
als wichtigste Besonderheiten der russischen Zivilisation zu betrachten sind“.13 Und in orthodox-
monarchischen Kreisen gilt die Revolution als gesetzmäßige Katastrophe, die mit einer äußerst
tiefen geistigen Krise einherging, in die Russland verfallen sei, wobei die Februar- und die Okto-
berrevolution als deren gesetzmäßig miteinander verbundene Stadien bezeichnet werden. 14
Insgesamt wächst das Verständnis, dass die Revolution ein langer Prozess war,15 dessen Ausgang
nicht so sehr durch Zukunftsambitionen und die Möglichkeiten zur Bildung einer Zivilgesell-
schaft bestimmt waren,16 sondern durch den bremsenden Einfluss kultureller Traditionen.17 Ent-
sprechend wird immer mehr auf die „filigrane Materie“ des revolutionären Alltags geachtet – vor
allem auf archaische Elemente des Massenbewusstseins.18 Bemerkenswerterweise sind die Philo-

8 In dieser Hinsicht sind einzelne lokale Forschungen besonders bemerkenswert. Siehe z. B. D. V. Sokolov: Tavrida,
obagrennaja krov ’ju. Bol’ševizacija Kryma i Černomorskogo flota v marte 1917 – mae 1918 g. Moskva 2013.
9 Siehe P. P. Marčenja, [Link]. Rasin (red.): Rossijskaja mnogopartijnost’ i političeskie krizisy XX–XXI vv. Mosk-
va 2016. Kritik solcher Vorstellungen siehe V. P. Buldakov: Rossijskaja mnogopartijnost’ v kontekste sistemnych
krizisov. In: Vestnik Tverskogo gosudarstvennogo universiteta. Istorija 2010, Nr. 12, Vyp. 2, S. 17–33.
10 B. Orlov: Vom Februar bis zum Oktober 2017. Besonderheiten des gesellschaftspolitischen Prozesses. In: Horst
Möller, Aleksandr Čubarjan (Hrsg.): Mitteilungen der Gemeinsame Kommission für die Erforschung der jüngeren
Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen. Bd. 7: Der Erste Weltkrieg. Deutschland und Russland im eu-
ropäischen Kontext. Berlin/Boston 2017, S. 118–126.
11 Siehe S. V. Tjutjukin: Rossija: ot Velikoj vojny – k Velikoj revoljucii. In: S. V. Listikov (otv. red.): Vojna i obščestvo
v XX veke. V 3 kn. Kn. 1. Moskva 2008, S. 120–160; Ju.A. Petrov (otv. red.): Rossija v gody Pervoj mirovoj vojny.
Ėkonomičeskoe položenie, social’nye processy, političeskij krizis. Moskva 2014; Pervaja mirovaja vojna i konec
Rossijskoj imperii. V 3 t. T. 3: R .Š. Ganelin u. a.: Fevral’skaja revoljucija. Sankt-Peterburg 2014.
12 V. P. Buldakov: Krasnaja smuta. Priroda i posledstvija revoljucionnogo nasilija. Moskva 1997, 2. erw. Aufl. 2010.
13 Das hinderte den Autor jedoch nicht, eine „orthodoxe“ Version der Ereignisse vorzustellen. Siehe F. Razumovs-
kij: 1917. Perevorot? Revoljucija? Smuta? Golgofa! Moskva 2017, S. 3.
14 A. N. Zakatov: Velikaja Russkaja Katastrofa. K 100-letiju Fevral’skoj revoljucii. Rjazan’ 2017, S. 3 f., 6.
15 V. P. Buldakov: Revoljucija kak problema rossijskoj istorii. In: Voprosy filosofii 2009, Nr. 1, S. 53–63.
16 Ė.I. Černjak: Graždanskaja aktivnost’ v Sibiri v 1917 g. In: Zinov’ev (otv. red.), Russkaja revoljucija v kontekste
istorii, S. 180–187.
17 Siehe Grinin, Korotaev, Malkov (otv. red.), O pričinach Russkoj revoljucii; M. Frame, B. Kolonitskii, S. G. Marks,
M. Stockdale (eds.): Russian Culture in War und Revolution. Book 1: Popular Culture, the Arts, and Institutions.
Bloomington 2014. In diesem Sammelband sind Arbeiten westlicher und russischer Autoren vertreten.
18 S. V. Leonov: „Razrucha v golovach“. K charakteristike rossijskogo massovogo soznanija v revoljucionnuju ėpochu
(1901–1917 gg.). In: A. A .Gorskij (otv. red.): Mental’nost’ v ėpochi potrjasenij i preobrazovanij. Moskva 2003,

16
Die Revolution von 1917 in der neueren russischen Forschung

logen spürbar aktiver geworden.19 Es werden Versuche unternommen, die besondere emotionale
Aura der revolutionären Alltäglichkeit zu zeigen.20 Es erscheinen Arbeiten, die den außenpoliti-
schen Aspekt der Entwicklung der Russischen Revolution thematisieren.21
Vor diesem Hintergrund fassen professionelle Forscher die Ereignisse von vor 100 Jahren im-
mer häufiger mit dem Begriff „Große Russische Revolution“ zusammen.22 Es ist schwer zu sagen,
inwiefern die Verwendung dieses Begriffs gerechtfertigt ist. Zweifellos war die Revolution von
1917 groß von ihren sozialen Erschütterungen her. Ungeheuren Einfluss übte sie auch auf den
Verlauf der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts aus. Allerdings rufen die Werte dieser Revoluti-
on – Hauptkennzeichen der geschichtlichen Größe – trotzdem ernsthafte Zweifel hervor.
Traditionsgemäß werden die Ereignisse des Jahres 1917 vorzugsweise mit politischen Institutio-
nen in Verbindung gebracht, wobei ihre Verhältnismäßigkeit angesichts eines sich vertiefenden
sozialen Chaos nicht immer berücksichtigt wird.23 Einige Autoren suchen weiterhin eine sozia-
listische Alternative zur bolschewistischen Machtergreifung,24 ohne in Betracht zu ziehen, dass

S. 95–172; V. B. Aksenov: Sluchi i strachi petrogradcev i moskvičej v 1917 g. In: K. M. Anderson, A. K. Sokolov (otv.
red.): Social’naja istorija. Ežegodnik. 2004. Moskva 2005, S. 163–200; V. B. Aksenov: Vojna i vlast’ v massovom
soznanii krest’jan v 1914–1917 gg.: archetipy, sluchi, interpretacii. In: Rossijskaja istorija 2012, Nr. 4, S. 137–145;
ders.: „Vragi Rossii“ v žurnal’noj karikature. In: Rossijskaja istorija 2016, Nr. 5, S. 216–222; ders.: Sluchi i mifolo-
gemy Rossijskoj revoljucii: klassifikacija, osobennosti funkcionirovanija, sjužety. In: B. I. Kolonickij, D. Orlovski
(otv. red.): Ėpocha vojn i revoljucij. 1914–1922. Sankt-Peterburg 2017, S. 337–350; B. I. Kolonickij: Sluchi ob im-
peratrice Aleksandre Fёderovne i massovaja kul’tura (1914–1917). In: G. M. Bongard-Levin (red.): Vestnik istorii,
literatury, iskusstva. Т. 3. Moskva 2006, S. 362–378.
19 Siehe V. V. Polonskij (otv. red.): Perelom 1917 goda: revoljucionnyj kontekst russkoj literatury. Issledovanija i ma-
terialy. Moskva 2017.
20 V. P. Buldakov: Rossija, 1914–1918 gg.: vojna, ėmocii, revoljucija. In: A. N. Artizov, A. K. Levykin, Ju.A. Petrov
(otv. red.): Rossija v gody Pervoj mirovoj vojny, 1914–1918. Moskva 2014, S. 11–21; ders.: 1917 god: strasti
revoljucii. In: I. I. Glebova (gl. red.): Trudy po rossievedeniju INION RAN. Vyp. 6. Moskva 2016, S. 277–319;
ders.: Revoljucija i ėmocii: к reinterpretacii političeskich sobytij 1914–1917 gg. In: Kolonickij, Orlovski (otv. red.),
Ėpocha vojn i revoljucij, S. 460–475; ders. Revoljucija, ėmocii, politiki: k pereosmysleniju sobytij 1914–1917 gg.
In: Političeskaja konceptologija 2017, Nr. 2, S. 147–180.
21 S. V. Listikov: SŠA i revoljucionnaja Rossija v 1917 godu. K voprosy ob al’ternativach amerikanskoj politiki ot Fe-
vralja k Oktjabrju. Moskva 2006; O. V. Budnickij: B. A. Bachmetev i „russkie den’gi“ v Amerike. In: E. I. Pivovar
(red.), V. I. Žuravleva (sost.): Rossijsko-amerikanskie otnošenija v prošlom i nastojaščem. Obrazy, mify, real’nost’.
Moskva 2007, S. 187–207; N. E. Bystrova: Rossija na „diplomatičeskom fronte“ posle Oktjabrja 1917 goda. In: Ju.A.
Petrov (otv. red.): Velikaja rossijskaja revoljucija 1917. Sto let izučenija. Moskva 2017, S. 568–575; [Link] Sergeev:
Fevral’ i Oktjabr’ 1917 goda v obščestvennom mnenii Zapada (na primere Velikobritanii). In: Ebd., S. 533–538.
22 A. V. Šubin: Velikaja rossijskaja revoljucija: ot Fevralja k Oktjabrju 1917 goda. Moskva 2014; V. P. Idzinskij:
Dvižuščie sily i suščnost’ Velikoj rossijskoj revoljucii. Moskva 2017.
23 A. B. Nikolaev: Gosudarstvennaja duma v Fevral’skoj revoljucii. Očerki istorii. Rjazan’ 2002; ders.: Revoljucija i
vlast’. IV Gosudarstvennaja duma 27 fevralja – 3 marta 1917 goda. Sankt-Peterburg 2005; S. V. Kulikov: Central’nyj
voenno-promyšlennyj komitet nakanune i v chode Fevral’skoj revoljucii 1917 g. In: Rossijskaja istorija 2012, Nr.
1, S. 69–90; A .V Šubin: Start Strany Sovetov. Oktjabr’ 1917 – mart 1918. Sankt-Peterburg 2017; V. A. Račkovskij:
Fevral’skaja revoljucija 1917 i obrazovanie Petrogradskogo Soveta rabočich deputatov. In: Kalašnikov (otv. red.),
Fevral’skaja revoljucija 1917 goda, S. 316–322; A. V. Mamaev: Transformacija gorodskogo samoupravlenija pri
Vremennom pravitel’stve (mart – oktjabr’ 1917 g.). In: Petrov (otv. red.), Velikaja revoljucija 1917, S. 155–160.
24 A. A. Smirnova: Ot koalicii k katastrofe. Petrogradskie socialisty v mae – nojabre 1917 goda. Sankt-Peter-
burg 2006; dies.: Socialisty v Petrogradskom Sovete rabočich i soldatskich deputatov v fevrale – marte 1917
goda. In: Kalašnikov (otv. red.), Fevral’skaja revoljucija 1917 goda, S. 323–332; A. V. Medvedev: Revoljucion-
noe oborončestvo 1917 goda. In: F. A. Seleznev (sost.): Pervaja mirovaja vojna. Vzgljad iz XXI veka. Rossija i

17
Vladimir Buldakov

sich im Herbst 1917 „der Korridor der Alternativen“ katastrophal eingeengt hatte. Daneben wird
immer mehr auf die Problematik der politischen Kultur Russlands25 und die psychologischen
Folgen der Revolution geachtet.26
Das Thema der Revolutionsmacht klingt in allen Arbeiten auf die eine oder andere Art an. Es
werden Versuche unternommen, das Wesen der damaligen Führer in einer sich verändernden
politischen Landschaft aufs Neue zu beleuchten.27 Gründlicher als in der Vergangenheit wird die
Beziehung der kreativen Eliten zur Revolution und zum Bolschewismus beleuchtet.28 Äußerst
interessant ist die Analyse der Sicht von Juristen unterschiedlichster politischer Ausrichtungen –
von V. I. Lenin und M. A. Rejsner bis zu P. N. Miljukov und P. I. Novgorodcev – auf die Ereignis-
se.29 Es war ein stärkeres Interesse am Zusammenspiel zwischen Massenpsychologie und charis-
matischem Führertum zu verzeichnen.30

Nižegorodskaja gubernija v 1914–1918 gg. Nižnij Novgorod 2014, S. 180–192; K. N. Morozov: Šansy, poten-
cial i pričiny neudači ėserovskoj demokratičeskoj al’ternativy v 1917 g. In: Petrov (otv. red.), Velikaja rossijskaja
revoljucija 1917, S. 238–243; A .V Šubin: Levaja mnogopartijnaja al’ternativa v 1917 g. In: Ebd., S. 243–249; ders.:
Osnovnye problemy i al’ternativy Rossijskoj revoljucii v 1917 g. In: Möller, Čubarjan (Hrsg.), Pervaja mirovaja
vojna, S. 132–140; A. A. Il’juchov: Sovetskaja koalicija. Nojabr’ 1917 – ijul’ 1918 gg. Moskva 2017.
25 B. I. Kolonickij: Simvoly vlasti i bor’ba za vlast’. K izučeniju političeskoj kul’tury rossijskoj revoljucii 1917
goda. Sankt-Peterburg 2001; ders.: Genealogija „voždja naroda“. Obrazy liderov i političeskij jazyk Rossijskoj
revoljucii 1917 g. In: Kolonickij, Orlovski (otv. red.), Ėpocha vojn i revoljucij, S. 446–459; A. A. Širinjanc: Vne
vlasti i naroda. Političeskaja kul’tura intelligencii Rossii XIX–XX veka. Moskva 2002; A .S Achiezer: Oktjabr’skij
perevorot v svete istoričeskogo opyta Rossii. In: Ju.M. Antonjan (red.): Oktrjabr’ 1917 goda: vzgljad iz XXI veka.
Moskva 2007, S. 13–23; D. V. Kolčinskij: Formy samovyrženija massovoj političeskoj kul’tury v 1917 g. (po ma-
terialam Tambovskoj gubernii). In: Vestnik Tambovskogo gosudarstvennogo universiteta. Gumanitarnye nauki
2015, Vyp. 3, S. 33–39; N. V. Michajlov: Jazyk revoljucii: „Rabočaja konstitucija“ ili rabočij kontrol’ v 1905 i 1917
gg. In: Kolonickij, Orlovski (otv. red.), Ėpocha vojn i revoljucij, S. 351–374; R .Ju. Kolikov: K voprosy o političeskoj
kul’ture srednich sloev naselenija goroda Petrograda v dni Fevral’skoj revoljucii 1917 goda. In: Kalašnikov (otv.
red.), Fevral’skaja revoljucija 1917 goda, S. 265–273.
26 Е.Е. Levkievskaja: Rebenok i revoljucija. Stanovlenie ličnosti v krizisnuju ėpochu. In: N. V. Michajlov, J. Chell’bek
(otv. red.): Čelovek i ličnost’ v istorii Rossii, konec XIX – XX vek. Sankt-Peterburg 2013, S. 149–161; O. N.
Naumov: Oktjabr’ 1917 goda i genealogičeskaja kul’tura russkogo dvorjanstva. In: Rossija XXI 5/2017, S. 72–97.
27 B. Kolonickij: „Revoljucionnye imena“. Russkaja antroponimika i političeskoe soznanie. In: B. D. Gal’perina, A. B.
Nikolaev (sost.): Političeskaja istorija Rossii XX veka. K 85-letiju professora Vitalija Ivanoviča Starceva. Sankt-
Peterburg 2011, S. 341–359; ders.: „Tovarišč Kerenskij“. Antimonarchičeskaja revoljučija i formirovanie kul’ta
„voždja naroda“ (mart – ijun’ 1917 goda). Moskva 2017; S. V. Tjutjukin: Aleksandr Kerenskij. Stranicy političeskoj
biografii (1905–1917 gg.). Moskva 2012; V. P. Buldakov: 1917 god: lica, liki, ličiny revoljuci. In.: Rossija i sovre-
mennyj mir 2017. Nr. 1, S. 6–20.
28 Siehe Ju.V. Aksjutin, N. E. Gerdt: Russkaja intelligencija i revoljucija 1917 goda: v chaose sobytij i v smjatenii čuvstv.
Moskva 2017; V. P. Buldakov, T. G. Leont’eva: 1917 god. Ėlity i tolpy: kul’turnye landšafty russkoj revoljucii. Mosk-
va 2017.
29 Siehe S. M. Šachraj, K. P. Krakovskij (avt.-sost.): Juristy i revoljucija. Pro et Contra. Moskva 2017.
30 Hiervon zeugt insbesondere die Neuauflage des Buches von P. Ryss, die mit einem äußerst scharfsinnigen Vor-
wort versehen wurde. Siehe V. V. Chasin, A. V. Lučnikov: Dialogi s Rossiej. Petr Ryss i ego russkaja revoljucija.
In: [Link]. Ryss: Russkij opyt. Istoriko-psichologičeskij očerk russkoj revoljucii. Moskva 2017, S. 5–12. Siehe auch
V. P. Buldakov: Russkaja revoljucija: utopija, pamjat’, nauka. In: Forum novejšej vostočnoevropejskoj istorii i
kul’tury 2017, Nr. 1, S. 61–76.

18
Die Revolution von 1917 in der neueren russischen Forschung

Erhalten bleibt ein nachhaltiges Interesse an den Aktivitäten der Kirche und der Geistlichkeit
im Jahre 1917.31 Hierbei werden auch nichtchristliche Konfessionen untersucht.32 Auch das In-
teresse an der Rolle des Kosakentums in der Revolution geht nicht zurück, wobei ihr Streben
nach Neutralität hervorgehoben wird.33 Überaus intensiv werden die Probleme der interethni-
schen Beziehungen untersucht.34 Allerdings scheint es, dass unter dem Einfluss der Ereignisse
der 1990er-Jahre hauptsächlich die Problematik des „russischen“ Zentrums und der „nichtrus-
sischen“ Peripherie die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich zog.35 Zudem ist eine Tendenz
zur Hervorhebung isolierter „nationaler“ Revolutionen aus dem gesamtrussischen Strom zu be-
merken.36 Hierbei wird dem Problem der interethnischer Beziehungen der Revolutionszeit (ho-

31 Siehe: S. L. Firsov: Russkaja Cerkov ’ nakanune peremen (konec 1890-ch – 1918 gg.). Moskva 2002; ders.: Cerkov ’
v Imperii. Očerki iz cerkovnoj istorii ėpochi Imperatora Nikolaja II. Sankt-Peterburg 2007, S. 196–209; P. G. Ro-
goznyj: Cerkovnaja revoljucija 1917 goda. Sankt-Peterburg 2008; ders.: Duchovenstvo protiv Cerkvi v 1917–1918
gg. („Cerkovnyj bol’ševizm“ i cerkovnye bol’ševiki). In: Kolonickij, Orlovski (otv. red.), Ėpocha vojn i revoljucij,
S. 375–390; T. G. Leont’eva: Pravoslavnoe duchovenstvo i russkaja revoljucija. In: [Link]. Urilov (red.): K istorii
russkich revoljucij. Sobytija. Mnenija. Ocenki. Pamjati I. I. Minca. Moskva 2007, S. 582–603; dies.: „Revoljuci-
onnaja cerkov ’“ ili „cerkovnaja revoljucija“? O nekotorych novejšich issledovanijach po istorii Russkoj Pravo-
slavnoj cerkvi v 1917 g. In: The Soviet and Post-Soviet Review 36/2009, Nr. 2, S. 182–195; dies.: Revoljucija.
Duchovenstvo. Prichod. In: Petrov (otv. red.), Velikaja rossijskaja revoljucija 1917, S. 420–426; M. V. Škarovskij:
Aleksandro-Nevskaja lavra v god revoljucionnych potrjasenij (1917–1918). In: Christianskoe čtenie 2010, Nr. 1,
S. 6–33; D. B. Pavlov: Otečestvennaja i zarubežnaja istorigrafija gosudarstvenno-cerkovnych otnošenij 1917–1922
gg. Moskva 2011; M. A. Babkin: Svjaščenstvo i carstvo. Rossija, načalo XX veka – 1918 god. Moskva 2011; A. V.
Sokolov: Razgrom pravoslavnych chramov v Petrograde vo vremja fevrall’skich sobytij 1917 g. In: Voprosy isto-
rii 2014, Nr. 8, S. 153–161; M. S. Kokarev: Reorganizacija blagočinničeskogo upravlenija Russkoj Cerkvi v 1917 g.
(na materialach Samarskoj eparchii). In: Ž.A. Ermakova, V. A. Labusov, D. A. Safonof (red.): Revoljucija 1917 goda
i Graždanskaja vojna kak opredeljajuščie faktory rossijskoj istorii XX veka. Orenburg 2017.
32 S. M. Ischakov: Rossijskie musul’mane i revoljucija (vesna 1917 g. – leto 1918 g.) Moskva 2003; ders: „My rabo-
taem ne tol’ko na blago vsego musul’manskogo mira, no i vsego čelovečestva“: musul’manskoe dviženie v Evra-
zii 1917 g. In: Rossija XXI 5/2017, S. 6–39.
33 V. P. Trut: Kazačestvo Rossii v period Oktjabr’skoj revoljucii 1917 goda i na načal’nom ėtape Graždanskoj vojny.
Rostov-na-Donu 2005; A. V. Venkov: Rol’ kazakov v Rossijskoj revoljucii 1917 goda: istoriografičeskij obzor. In:
Petrov (otv. red.), Velikaja rossijskaja revoljucija 1917, S. 524–530, hier S. 529.
34 Siehe V. P. Buldakov: Vremennoe pravitel’stvo i Central’naja rada: predely psichopolitičeskoj sovmestimosti
liderov. In: R. S. Ganelin (red.): „Ukrainskij vopros“ i revoljucionnye sobytija v Rossii 1917 goda. Sankt-Peterburg
2006, S. 13–32; ders.: Fenomen revoljucionnogo antisemitizma, 1917–1918 gg. In: Postigaja istoriju. Sb. nauč. st.
Penza 2006; I. Michutina: Ukrainskij Brestskij mir. Put’ vychoda Rossii iz Pervoj mirovoj vojny i anatomija konf-
likta meždu Sovnarkomom RSFSR i pravitel’stvom Ukrainskoj Central’noj Rady. Moskva 2007; N. I. Suchanova:
Utverždenie bol’ševizma na Severnom Kavkaze v gody revoljucii i Graždanskoj vojny. In: G. M. Ippolitov, O. A. Ta-
rabrina (sost., [Link].): Graždanskaja vojna v Rossii (1917–1922 gg.). Vzgljad skvoz’ desjatiletija. Samara 2009,
S. 393 f.; A. V. Šubin: Machno i ego vremja. O Velikoj revoljucii i Graždanskoj vojne 1917–1922 gg. v Rossii i
na Ukraine. Moskva 2013; [Link]. Krasovickaja: Ėtnokul’turnyj diskurs v revoljucionnom kontekste fevralja – ok-
tjabrja 1917 g. Strategii, struktury, personaži. Moskva 2015; A. Kuško: Vojna i revoljucija v Bessarabii: meždu
avtonomiej, federalizmom i nacionalizmom (1917–1918 gg.). In: Kolonickij, Orlovski (otv. red.), Ėpocha vojn i
revoljucij, S. 300–316.
35 Siehe S. M. Ischakov: Meždunarodnaja naučnaja konferencija „Nacional’nyj vopros v integracii i raspade SSSR“. In:
Otečestvennaja istorija 2005, Nr. 2, S. 211–216.
36 Siehe A. G. Balaev: Azerbajdžanskaja revoljucija 1917–1918 godov v sovremennoj istorigrafii. In: S. M. Ischakov
(sost.): Padenie imperii. Revoljucija i graždanskaja vojna v Rossii. Moskva 2010, S. 149–162; N. V. Usmanov: So-
bytija 1917 g. v Baškirii v trudach ee istorikov. In: Petrov ([Link].), Velikaja rossijskaja revoljucija 1917, S. 654–660.

19
Vladimir Buldakov

rizontalen Konflikten37) unzureichende Aufmerksamkeit gewidmet. Unterdessen ist dies nicht


nur ein Problem des russischen Imperiums – es geht hier zu einem wesentlichen Teil um die
Frage der Stabilität der interethnischen Beziehungen in der modernen Welt. Das traditionelle
Interesse an politischen Parteien hat sich spürbar von deren liberalem Zentrum zu den Rechten38
und Linken39, auch den extremen, verschoben.40 Festzustellen ist auch ein gewisses Interesse an
überparteilichen Blöcken.41 Gleichzeitig trifft die Herausstellung der Geschichte des Mehrpartei-
ensystems zeitweilig auch auf Kritik.42 Es gab die Feststellung, dass die „Revolution die Instabili-
tät und die Fragilität des russischen Mehrparteiensystems aufzeigte“. Hierbei hielten die konser-

37 V. P. Buldakov: Chaos i ėtnos. Ėtničeskie konflikty v Rossii, 1917–1918 gg. Uslovija vozniknovenija, chronika,
kommentarii, analiz. Moskva 2010.
38 Besonders wichtiges Material enthalten die Sammelbände „Revoljucija 1917 goda v Rossii. Novye podchody i
vzgljady“, die in Sankt Petersburg von A. B. Nikolaev herausgegeben werden (2009, 2010, 2012, 2013, 2014, 2015).
Siehe auch N. S. Sidorenko: Monarchičeskoe dviženie na Urale nakanune Fevral’skoj revoljucii 1917 goda. In: Uri-
lov (red.), K istorii russkich revoljucij, S. 526–541; D. V. Karpuchin: „Černaja sotnja“. Vechi osmyslenija v Rossii.
Moskva 2009; S. A. Stepanov: Černaja sotnja. Čto oni sdelali dlja veličija Rossii? Moskva 2013; A. V. Repnikov:
Konservativnye modeli rossijskoj gosudarstvennosti. Moskva 2014; ders.: „Rossiju podmenili …“ (Russkie mon-
archisty nakanune i posle krušenija samoderžavija). In: Petrov (otv. red.), Velikaja rossijskaja revoljucija 1917,
S. 788–796; A. A. Ivanov: „Černaja sotnja sginula v podpol’e“: russkie pravye i revoljucionery 1917 g. In: Rossi-
jskaja istorija 2017. Nr. 2, S. 42–59; D. I. Stogov: Problema otnošenija monarchistov k Fevral’skoj revoljucii v
sovremennoj istoriografii In: Kalašnikov (otv. red.), Fevral’skaja revoljucija 1917 goda, S. 333–344.
39 Siehe K. N. Morozov: Političeskoe rukovodstvo Partii socialistov-revoljucionerov v 1901–1921 godach. In: G. N.
Sevost’janov (red.): Političeskie partii v rossijskich revoljucijach v načale XX veka. Moskva 2005, S. 475–487; ders.:
Fenomen subkul’tury rossijskogo revoljucionera načala XX v. In: Michajlov, Chellbek (red.), Čelovek i ličnost’ v is-
torii Rossii, S. 134–148; A. A. Smirnova: Na ternistom puti k neželannoj vlasti. Petrogradskie socialisty v fevrale –
mae 1917 goda. Sankt-Peterburg 2005; O. V. Konovalova: V. M. Černov o putjach razvitija Rossii. Moskva 2009;
I. B. Belova: Socialisty v rossijskoj provincii v gody Pervoj mirovoj vojny (1914 – fevral’ 1917 g.). In: Pervaja mi-
rovaja vojna: vzgljad spustja stoletije. Mat. mežd. konf. Moskva 2011; A. V. Medvedev, A. A. Slepčenkova: Partija
socialistov-revoljucionerov v Nižegorodskom krae (1895–1923). Nižnij Novgorod 2012.
40 Siehe B. V. Levanov, L. G. Orčakova: Istorija moskovskogo anarchizma (1905 – fevral’ 1917 goda). Moskva 2004;
V. P. Sapon: Ternovyj venec svobody. Libertarizm v ideologii i revoljucionnoj praktike rossijskich levych radi-
kalov (1917–1918 gg.). Nižnij Novgorod 2008; ders.: Russkie anarchisty v 1917–1918 gg.: opyt učastija vo vlasti.
In: S. M. Ischakov (sost.), Padenie imperii, S. 112–133; V. P. Nenarokov: O nekotorych aspektach sovremenno-
go izučenija istoričeskogo opyta rossijskoj social-demokratii. In: Ebd., S. 91–111; V.V Kaniščev, L. G. Protasov:
Social’no-psichologičeskij portret provincial’nogo ėsera-boevika načala ХХ veka. In: Vestnik Tverskogo gosu-
darstvennogo universiteta. Istorija 2010, Nr. 2, S. 51; K. A. Tarasov: Bol’ševizm stichijnyj, škurnyj, idejnyj. Novyj
vzgljad na političeskuju samoidentifikaciju soldat Petrogradskogo garnizona v 1917 g. In: A. B. Nikolaev (sost.):
Revoljucija 1917 goda v Rossii. Novye podchody i vzgljady. Sankt-Peterburg 2014, S. 62–68; O. G. Nazarov:
Bol’ševiki nakanune i v dni Fevral’skoj revoljucii. In: Kalašnikov (otv. red.): Fevral’skaja revoljucija 1917 goda,
S. 294–304.
41 S. V. Choljaev: Političeskie partii Rossii v bor’be za vlast’ (1905–1922 gg.). Jaroslavl’ 2008; S. M. Ischakov: Političeskie
partii v rossijskich revoljucijach načala ХХ veka. Vserossijskaja naučnaja konferencija. In: Otečestvennaja isto-
rija 2004, Nr. 6, S. 199–203; A. A. Štyrbul: Levye sily v levyj blok v Sibiri (mart 1917 – maj 1918 g.). In: V. P.
Zinov’ev (otv. red.), Russkaja revoljucija v kontekste istorii, S. 151–161; V. A. Drobčenko: Mežpartijnye i social’no-
klassovye otnošenija v Tomskoj gubernii v marte 1917 – mae 1918 g. In: Ebd., S. 223 235; V. A. Savčenko: Ideja
anarchistskoj „tret’ej revoljucii“ i popytki ee realizacii v 1918–1921 gg. In: Ermakova, Labusov, Safonof (red.),
Revoljucija 1917 goda i Graždanskaja vojna kak opredeljajuščie faktory rossijskoj istorii ХХ veka, S. 242–245.
42 V. P. Buldakov: Rossijskaja mnogopartijnost’ v kontekste sistemnych krizisov. In: Vestnik Tverskogo gosudarstven-
nogo universiteta. Istorija 2010, Nr. 12, Vyp. 2, S. 17–33; ders.: Rossijskaja mnogopartijnost’: illjuzii prošlogo,
chimery sovremennosti. In: Polis 2016, Nr. 4, S. 100–114.

20
Die Revolution von 1917 in der neueren russischen Forschung

vativen und liberalen Parteien der Prüfung nicht stand,43 die Massen waren von allen gemäßigten
Parteien44 und den von ihnen geschaffenen Instituten enttäuscht,45 und der „bolschewistische
Umsturz zeigte die tieferliegenden Gründe der Schwäche des russischen Liberalismus auf “.46 Be-
merkenswerterweise verlor die Beziehung zu V. I. Lenin und sogar zu L. D. Trockij allmählich
ihre negative Konnotation.47 Es zeigten sich Versuche, die Tätigkeit Lenins aus imperialer und
geopolitischer Sicht positiv zu bewerten.48
Gleichwohl wurde die Frage, ob alle liberalen und sozialistischen Parteien Russlands weit von
der traditionellen politischen Kultur Russlands entfernt waren, in ihrem ganzen Umfang nicht
gestellt. Ihrerseits konnten die rechten Kräfte im Laufe des Bürgerkriegs nicht das wiederaufbau-
en, was im Februar 1917 im wahrsten Sinne zerbröckelt war.49 Generell erkennt die politische
Geschichte der Revolution immer mehr ihre kognitiven Grenzen.
Gleichwohl versuchen die Forscher, vermehrt einen interdisziplinären Ansatz auf die Revolu-
tion anzuwenden in dem Bestreben, sie als Teil des Verlaufs nicht nur der langen russischen
Geschichte, sondern auch der weltweiten Krisenentwicklung zu zeigen.50 Hierbei wächst die
Aufmerksamkeit für literarische und visuelle Darstellungen des vorrevolutionären und revoluti-
onären Alltags.51 Auffallend sind auch Versuche, die Systemkrise des Jahres 1917 mit derjenigen

43 V. P. Buldakov: Uchodjaščaja natura? Istoki i smysl russkogo liberalizma. In: V. V. Zuravlev (otv. red.): Istorik i ego
vremja. K 70-letiju professora V. V. Šelochaeva. Moskva 2011, S. 142–157; V. V. Šelochaev: Pereformatirovanie
partijnogo prostranstva v Rossii v 1917 g. (istoriografičeskie itogi i issledovatel’skie zadači). In: Rossijskaja isto-
rija 2017, Nr. 2, S. 32–41, hier S. 39.
44 А .В. Čertiščev: Političeskie partii Rossii i massovoe političeskoe soznanie dejstvujuščej russkoj armii v gody Pervoj
mirovoj vojny (ijul’ 1914 – mart 1918 gg.). Moskva 2006.
45 С.Е. Rudneva: Demokratičeskoe soveščanie (sentjabr’ 1917 g.). Istorija foruma. Moskva 2000; dies.: Predparla-
ment. Oktjabr’ 1917 goda. Opyt istoričeskoj rekonstrukcii. Moskva 2006.
46 Siehe V.V Šelochaev: Konstitucionno-demokratičeskaja partija v Rossii i ėmigracii. Moskva 2015.
47 Siehe V. T. Loginov: Vladimir Lenin. Vybor puti. Biografija. Moskva 2005; ders.: Neizvestnyj Lenin. Moskva 2010;
ders.: Vladimir Lenin. Na grani vozmožnogo. Moskva 2013; ders.: Lenin v 1917 godu. Na grani vozmožnogo.
Moskva 2016; L. A. Danilkin: Lenin. Pantokrator solnečnych pylinok. Moskva 2017; G. I. Černjavskij: Lev Trockij.
Moskva 2010.
48 Siehe Ja.A. Butakov: Brestskij mir. Lovuška Lenina dlja kajzerovskoj Germanii. Moskva 2012.
49 F. A. Seleznev: Putilov i vystuplenie generala Kornilova (aprel’ – avgust 1917 g.). In: Ischakov (sost.), Padenie
imperii, S. 69–90; A.A Ivanov: Konkurenty bol’ševikov sprava: Monarchičeskaja organizacija V. M. Puriškeviča
v 1917 g. In: Ju.A. Petrov, Velikaja rossijskaja revoljucija 1917, S. 213–219.
50 [Link]. Kagarlickij: Periferijnaja imperija. Cikly russkoj istorii. Moskva 2009; V.V Dam’e: Stal’noj vek. Social’naja
istorija sovetskogo obščestva. Moskva 2013; V. P. Buldakov: Mirovaja vojna, evropejskaja kul’tura, russkij bunt: k
pereosmysleniju sobytij 1917 g. In: Petrov (otv. red.), Velikaja rossijskaja revoljucija 1917, S. 21–31.
51 Siehe I. Archipov: Smech obrečennyjch. (Smechovaja kul’tura kak zerkalo korotkoj političeskoj žizni „Svobodnoj
Rossii“ 1917 goda). In: Zvezda 2003, Nr. 8, S. 161–176; V. N. Goldin: Poėzija graždanskoj vojny v periodičeskich
izdanijach Urala: 1917–1919 gody. V 2 kn. Ekaterinburg 2006; I. V. Narskij u. a. (red.): Oče-vidnaja istorija. Prob-
lemy vizual’noj istorii Rossii XX stoletija. Čeljabinsk 2008; V. P. Buldakov: Poėtičeskie zavichrenija „Krasnoj smu-
ty“, 1917–1920. In: Ju.A. Petrov (otv. red.): Istorik i Chudožnik. Moskva 2013, S. 367–393; T. A. Filippova: „Vrag
s Vostoka“. Obrazy i ritoriki vraždy v russkoj satiričeskoj žurnalistike načala XX veka. Moskva 2012; dies.: „… Dlja
,Velikoj Rossii, vsego-to ponadobilos’ četyre gvozdja …“: ženskie obrazy revoljucii 1917 goda v otečestvennoj
žurnal’noj satire. In: Rossija XXI 5/2017, S. 170–183; P.N Baratov, T.A Filippova: „Vragi Rossii“. Obrazy i ritoriki
vraždy v russkoj žurnal’noj satire ėpochi Pervoj mirovoj vojny. Moskva 2014; dies.: 1914–1918. Velikaja vojna
i Velikaja revoljucija v russkoj žurnal’noj satire. Moskva 2017; V.B Aksenov: Žurnal’naja karikatura kak zerkalo
obščestvennych nastroenij v 1917 godu. In: Vestnik Tverskogo gosudarstvennogo universiteta. Istorija 2017,

21
Vladimir Buldakov

am Ende des 20. Jahrhundert zu vergleichen.52 Insgesamt wird auf die eine oder andere Weise
ein Ausgangspunkt für die Reinterpretation der Revolution als zyklische Systemkrise geschaffen,
verschärft durch weltweite Ereignisse.
Natürlich gibt es auch Gegner dieser Forschungsrichtung. Es wirkt sich der Nachklang der frühe-
ren Denkweise aus, bei der in der Bewertung des revolutionären Prozesses die Logik der ständi-
gen Vorwärtsbewegung vorherrschte: von der „bürgerlich-demokratischen“ Revolution zur „so-
zialistischen“, sowie deren ideologische Perversionen, die mit der Theorie der Modernisierung
verbunden waren. Indessen ignorierte die Theorie der Modernisierung jedoch die Hauptelemen-
te der menschlichen Existenz – die Kultur, die Identität und die Erinnerung.53 Dadurch waren die
Forscher anstatt eines systemischen Ansatzes Gefangene einer wirtschaftlich-deterministischen
Herangehensweise an die Revolution.
Wie dem auch sei, in der Vergangenheit wie in der Gegenwart wird in der heutigen russischen
Geschichtsschreibung der Analyse der Voraussetzungen für die Revolution – allen voran den ob-
jektiven – große Aufmerksamkeit geschenkt. Leider gehen die Forscher an deren Untersuchung
häufig im Rahmen der herkömmlichen Ansätze heran.54 Hierin ist die Trennung der Forscher
in „Optimisten“ und „Pessimisten“ erkennbar.55 Die einen weisen nach, dass die objektiven Vo-
raussetzungen für die Revolution nicht vorgelegen hätten: die militärische Produktion sei an-
gestiegen, die materielle Lage der Bevölkerung erträglich und die Schwierigkeiten vorüberge-
hender Natur gewesen, mit einem Wort, Russland sei bereit zu einer erfolgreichen Fortsetzung
des Krieges gewesen.56 Die anderen wiederum verweisen darauf, dass die Systemkrise ihren Hö-
hepunkt erreicht habe: Das Transportsystem habe den kontinuierlichen Betrieb der Industrie
nicht sicherstellen können, die Nahrungsmittelversorgung der Städte sei bedroht gewesen, die
Demoraliserung im sozialen Milieu habe sich verstärkt.57 Darüber hinaus habe es sich gezeigt,

Nr. 1, S. 4–16; [Link]. Velikanova (otv. red.): Veter Semnadcatogo goda. Rossijskij političeskij plakat 1917 g. Mosk-
va 1917; V. Gusejnov (sost.), V. Buldakov (text): Bič 1917. Sobytija goda v satire sovremennikov. Moskva 2017.
52 V. P. Buldakov: Quo vadis? Krizisy v Rossii. Puti pereosmyslenija. Moskva 2007; R. G. Pichoja: Dve revoljucii: 1917
goda i 1991 goda. Obščee i osobennoe. In: Petrov (otv. red.), Velikaja rossijskaja revoljucija 1917, S. 50–58.
53 V. P. Buldakov: Modernizacija i Rossija. Meždu progressom i zastoem? In: Voprosy filosofii 2015, Nr. 12, S. 15–26,
hier S. 24–26.
54 G. V. Nabatov: K voprosy ob ob’ ’ektivnych i sub’ ’ektivnych faktorach revoljucii 1917 g. In: Revoljucii 1917 g. v
Rossii. Uroki istorii i politiki. Mat. mežd. konf. Nižnij Novgorod 2008. V. A. Mau: Mechanizmy, predposylki i
posledstvija radikal’nych obščestvennych transformacij. Moskva 2017; S. V. Leonov: Problema „ob’ ’ektivnych i
sub’ ’ektivnych“ predposylok Velikoj rossijskoj revoljucii: novyj vzgljad. In: Petrov (otv. red.), Velikaja rossijskaja
revoljucija 1917, S. 73–80.
55 S. V. Kulikov: Spor meždu „pessimistami“ i „optimistami“ prodolžaetsja … In: Peterburgskij istoričeskij
žurnal 2015, Nr. 1 (5), S. 259–277.
56 V. A. Nikonov: Krušenie Rossii. 1917. Moskva 2011.
57 A. A. Iskenderov: Zakat imperii. Moskva 2001; Ju.P. Bokarev: Ėkonomičeskie posledstvija raspada Rossijskoj im-
perii v rezul’tate Pervoj mirovoj vojny. Ekaterinburg/Moskva 2009; B. I. Kolonickij: „Tragičeskaja ėrotika“. Obrazy
imperatorskoj sem’i v gody Pervoj mirovoj vojny. Moskva 2010; S. A. Tolstoguzov: Finansovyj krizis i revoljucija v
Rossii: opyt sravnitel’nogo analiza. In: Ischakov (sost.), Padenie imperii, S. 38–52; S. A. Nefedov: Uroven’ potre-
blenija v Rossii načala XX veka i pričiny russkoj revoljucii. In: Obščestvennye nauki i sovremennost’ 2012, Nr. 3,
S. 96–107; V. P. Buldakov: Pir vo vremja čumy? Demoralizacija rossijskogo obščestva v predrevoljucionnuju
ėpochu: pričiny i sledstvija (1914–1916 gody). In: Vestnik Novosibirskogo gosudarstvennogo universiteta. Istori-
ja, filologija 2014, T. 13, Vyp. 8, S. 101–111; ders.: Mirovaja vojna i demoralizacija „Svjatoj Rusi“. 1914–1916 гг.

22
Die Revolution von 1917 in der neueren russischen Forschung

dass es praktisch niemanden mehr gegeben habe, der bereit gewesen sei, das Zarenregime mit
der Waffe in der Hand zu verteidigen58 – einige Autoren versichern, dass selbst Polizisten sich der
Revolution gegenüber verständnisvoll gezeigt hätten.59
Vor diesem widersprüchlichen Hintergrund in der Geschichtsschreibung der Revolution entste-
hen auch rückläufige Bewegungen. Am erkennbarsten wirkt sich das in der Neigung zur „kon-
spirologischen“ Thematik, zur Konzentration der Forschungsanstrengungen auf angebliche
Verschwörungen aus60 (inklusive deren Widerlegung61). Die Verschwörungstheorie wird einer-
seits von Autoren gestützt, die offenbar annehmen, dass jede Revolution gemäß den modernen
„Polittechnologien“62 unbedingt von irgendeinem Zentrum gelenkt werden müsse,63 andererseits
von Anhängern der Suche nach immer denselben scheinbar „objektiven“ Gründen für so manche
Erscheinung. Letztere neigen zu einer Art mentaler Panik: Wenn die für sie naheliegenden Be-
weismethoden der Unvermeidbarkeit der Revolution unzureichend sind, so beginnen sie unwei-
gerlich, auf alle möglichen „Bösewichte“, insbesondere die Intelligenz,64 zu verweisen. Indessen
schreiben andere Laienautoren, die Anspruch auf eine „systemintegrative“ Analyse der Gründe
für die Revolution erheben, gleichwohl von einer „internationalen Mafia“, die den Ersten Welt-
krieg provoziert habe, der wiederum die Revolution nach sich zog.65 Das Thema bleibt gefragt,
ungeachtet der ständigen Einwände professioneller Historiker.66

In: L. I. Galljamova ([Link].): Dal’nij Vostok Rossii i strany Vostočnoj Asii nakanune i v gody Pervoj mirovoj vojny.
Vladivostok 2016, S. 18–31.
58 A. A. Porošin: Padenie russkoj monarchii i general M. V. Alekseev. In: Ischakov (sost.), Padenie imperii, S. 53–
68; V. V. Polikarpov: 22–23 fevralja 1917 g. v Petrograde. In: Ebd., S. 6–37; V. L. Koževin: Rossijskoe oficerstvo i
Fevral’skij revoljucionnyj vzryv. Omsk 2011; K. A. Tarasov: Oficerskij korpus v period Fevral’skogo vosstanija v
Petrograde. In: Kalašnikov (otv. red.), Fevral’skaja revoljucija 1917 goda, S 353–362.
59 A .B Nikolaev: Nastroenija i političeskie vzgljady petrogradskijch policejskich nakanune Fevral’skoj revoljucii. In:
Journal of Modern Russian History and Historiography 2012, Nr. 5, S. 1–39.
60 Siehe P. V. Makarenko: Germanskij faktor v Oktjabr’skoj revoljucii 1917 g. In: Voprosy istorii 2008, Nr. 5, S. 30–
45; R. Gazenko, A. Martynov: Ideal’nyj štorm. Technologija razrušenija gosudarstva. Moskva 2016; V. I. Kozodoj:
Aleksandr Ivanovič Gučkov i Velikaja russkaja revoljucija. Novosibirsk 2015; M.V Os’kin: Glavnokomandujuščie
frontami i zagovor 1917 g. Moskva 2016.
61 Siehe G. L. Sobolev: Tajna „nemeckogo zolota“. Sankt-Peterburg 2002; ders.: Russkaja revoljucija i „nemeckoe zo-
loto“. Sankt-Peterburg 2002; V. I. Starcev: Nemeckie den’gi i russkaja revoljucija. Nenapisannyj roman Ferdinanda
Ossedovskogo. 3-e izd. Sankt-Peterburg 2006; A. I. Kolganov: Mif o „nemeckom zolote“. In: „Al’ternativy“ 2006,
Nr. 2; S. S. Popova: Meždu dvumja perevorotami. Dokumental’nye svidetel’stva o sobytijach 1917 g. v Petrograde.
Moskva 2010; V. V. Korneev, Ja.V. Kozlov: O finansovoj storone izdanija gazety „Pravda“ (mart – maj 1917 g.). In:
Rossija XXI 5/2017, S. 42–71.
62 B Kagarlickij: Navaždenie. Simptomy odnoj bolezni: konspirologija i polittechnologija. In: Russkaja žizn’ 2008,
Nr. 6 (23), S. 25 f.
63 F. A. Gajda: Liberal’naja oppozicija na putjach k vlasti (1914 – vesna 1917 g.). Moskva 2003; ders.: Vlast’
i obščestvennost’ v Rossii: dialog o puti političeskogo razvitija (1910–1917). Moskva 2016; ders.: Vlast’ i
obščestvennost’ v Rossii nakanune Fevralja 1917 g. In: Kalašnikov (otv. red.), Fevral’skaja revoljucija 1917 goda,
S. 198–207.
64 B. N. Mironov: Blagosostojanie naselenija i revoljucii v imperskoj Rossii. XVIII – načalo ХХ veka. Moskva 2012.
65 S. V. Vostrikov: Kak Rossijskaja imperija šla k 1917 godu (k 100-letiju Velikoj Russkoj Revoljucii). Smolensk 2017,
S. 39.
66 [Link]. Sergeev: Britanija i Fevral’skaja revoljucija 1917 goda v Rossii (po materialam britanskich archivov). In: No-
vaja i novejšaja istorija 2017, Nr. 4, S. 3–15.

23
Vladimir Buldakov

Natürlich ruft eine Situation, in der Forscher beginnen, die Revolution in den Kontext eines
willkürlich bewerteten Wohlstandsniveaus der Bevölkerung zu stellen, Verwunderung hervor.
Gleichwohl dreht sich die Polemik zu den Gründen der Revolution manchmal auf paradoxe Wei-
se eben um diesen materiellen Faktor.67 Und dann müssen lediglich noch die „Feinde“ gefunden
werden. Wenn aber in der Vergangenheit hauptsächlich die Freimaurer68 als größter „Feind Russ-
lands“ bezeichnet wurden, so ist jetzt das Interesse an ihnen gesunken. Einige Autoren verweisen
auf andere Schuldige wie Generäle, Liberale und Unternehmer.69 Indes kann der Zusammen-
bruch des autokratischen Imperiums mit weit größerem Recht mit der Unfähigkeit seines Ober-
haupts erklärt werden, „adäquat auf die Herausforderungen der Zeit zu reagieren und das Land
aus der Krise zu führen“.70 Natürlich rief diese Form der Herrschaft Unzufriedenheit hervor, die
sich jedoch nicht zu einer revolutionären Situation auswuchs. Die Vorstellung, dass gerade Li-
berale die Revolution vorbereitet hätten, ging von Regierungskreisen und rechten Kreisen aus,
die keine sachdienlichen Beziehungen mit der Gesellschaft, die in der Zeit des totalen Krieges so
notwendig gewesen wären, aufbauen wollten oder konnten.71
Obgleich insgesamt der Erforschung der Hauptströmungen der Revolutionsbewegung ein Auto-
matismus zugrunde liegt, lassen sich doch auch einige charakteristische Züge feststellen. So hat
sich die Zahl der Forschungsarbeiten zur Arbeiterbewegung spürbar verringert. Hierbei richten
die Forscher immer mehr die Aufmerksamkeit einerseits auf die spontanen Aktionen, anderer-
seits auf die pragmatische Bereitschaft, sich zur Erreichung ihrer Ziele an beliebige Instanzen zu
wenden.72 Gleichzeitig verschob sich das Interesse der Historiker hin zu Problemen des Arbeiter-
widerstands gegen die bolschewistische Revolution und die sowjetische und gewerkschaftliche
Bürokratie73 sowie die Anpassung an die neuen politischen Bedingungen.74 Bemerkenswerter-
weise gibt es im Kontext der Erforschung der „städtischen“ Revolution75 eine spürbar wachsen-
de Aufmerksamkeit für die soziokulturelle Geschichte und die Alltagsgeschichte, einschließlich
ihrer jeweiligen provinziellen Besonderheiten und Kollisionen.76 In einigen Fällen erfolgt dies

67 M. A. Davydov: Ob urovne potreblenija v Rossii v konce XIX – načale ХХ v. In: Grinin, Korotaev, Malkov (otv.
red.), O pričinach Russkoj revoljucii, S. 225–279.
68 Siehe V. S. Bračev, A. V. Šubin: Masony i Fevral’skaja revoljucija 1917 goda. Moskva 2007.
69 O. P. Ajrapetov: Generaly, liberaly i predprinimateli: rabota na front i revoljuciju (1907–1917). Moskva 2003.
70 V. V. Šelochaev: Osnovnoj faktor krušenija Rossijskoj i sovestskoj imperij. In: A. I. Utkin (red.): Tysjačeletnjaja
istorija Rossii. Problemy, protivorečija i perspektivy razvitija. Moskva 2004, S. 371–376, hier S. 374.
71 V. M. Ševyrin: Sotrudničestvo i bor’ba: vlast’ i obščestvennye organizacii v gody Pervoj mirovoj vojny. In: Rossija
i sovremennyj mir 2015, Nr. 1, S. 95–123, hier S. 114–118.
72 A. V. Gogolevskij: Revoljucija I psichologija. Političeskie nastroenija rabočich Petrograda v uslovijach bol’ševistskoj
monopolii na vlast’. 1918–1920. Sankt-Peterburg 2005; D. O. Čurakov: V bitvach za istorizm. Problemy izučenija
Velikoj russkoj revoljucii 1917 goda i postrevoljucionnogo režima. Moskva 2016, S 150–155, 158–164.
73 Gogolevskij, Revoljucija i psichologija; D. O. Čurakov: Buntujuščie proletarii. Rabočij protest v Sovetskoj Ros-
sii (1917–1930-e gg.). Moskva 2007; Ju.V. Aksjutin: Posleoktjabr’skoe pochmel’e gegemona. Rabočij klass i
političeskie partii Rossii v pervyj god Sovetskoj vlasti (nojabr’ 1917 – konec 1918 gg.) Moskva 2013.
74 S. V. Jarov: Konformizm v Sovetskoj Rossii: Petrograd 1917–1920-ch godov. Sankt-Peterburg 2006.
75 Siehe B. I. Kolonickij u. a. (red.): Kul’tury gorodov Rossijskoj imperii na rubeže XIX–ХХ vekov. Sankt-Peterburg 2009.
76 Siehe V. B. Aksenov: 1917 god i chudožestvennaja intelligencija: osobennosti vosprijatija. In: S. S. Sekirinskij (sost.,
red.): Istorija Rossii XIX–ХХ vekov. Novye istočniki ponimanija. Moskva 2001, S. 130–135; I. V. Narskij: Žizn’ v
katastrofe. Budni naselenija Urala v 1917–1922 gg. Moskva 2001; V. I. Bakulin: Drama v dvuch aktach. Vjatskaja
gubernija v 1917–1918 gg. Kirov 2008; Ju.V. Meščerjakov: Tambovskaja gubernija v načal’nyj period sovetskoj

24
Die Revolution von 1917 in der neueren russischen Forschung

in Form von Chroniken der revolutionären Ereignisse.77 Dies ermöglicht es, den Einfluss – den
unmittelbaren und den imaginären – des Proletariats auf das soziale Umfeld neu zu bewerten.
Darüber hinaus wird damit das Interesse an der Geschichte des revolutionären Alltags angeregt.78
Heute ist diese Thematik so sehr „in Mode“ gekommen, dass leider ganze Serien oberflächlicher
Alltagsbeschreibungen der regionalen Revolution aufkommen.79 Gleichwohl wird der „provin-
ziellen“ Revolution,80 besonders der Revolution „auf Kreisebene“ nur unzureichende Aufmerk-
samkeit gewidmet.81 Dabei ist ihr Erkenntnispotenzial durchaus hoch. Wie eine der jüngsten
Forschungsarbeiten zeigt, entwickelten sich die Ereignisse selbst in Gatčina, in der Nähe der re-
volutionären Hauptstadt, durchaus auf eigene Weise. Im Grunde war dies eine besondere Ebene
der Entwicklung der Revolution.82
Praktisch erstmals zeigte sich ein ungewöhnliches Interesse an „unfreiwilligen“ Migranten und
deren Rolle in den revolutionären Ereignissen. Hier treten nicht nur Soldaten und Matrosen83 in
den Vordergrund, sondern auch eine Vielzahl von Flüchtlingen, Kriegsgefangenen und Deser-
teuren.84 Es wird darauf verwiesen, dass sie das umstürzlerische Potenzial nicht nur der städti-

vlasti. Oktjabr’ 1917 – avgust 1918 g. Tambov 2012; K. I. Sokolov: Tverskaja byl’ revoljucii. Očerki revoljucionnoj
ėpochi v Tverskoj gubernii (1917–1922 gg.). Tver’ 2013; Vl.V. Kaniščev: Tylovye oficery 1917 g.: revoljucionery,
kontrrevoljucionery, obyvateli (po materialam tambovskogo garnizona). In: Vestnik Tverskogo gosudarstven-
nogo universiteta. Istorija 2017, Nr. 1, S. 63–79; A. V. Sipejkin: Vlast’ i obščestvo v Tverskoj gubernii v 1917 –
načale 1918 g. v dokumentach regional’nych archivov. In: Ebd., S. 80–95; R. N. Sulejmanova: Obščestvennye nas-
troenija v provincial’noj Rossii v uslovijach revoljucionnych sobytij 1917 goda: na primere ženskogo naselenija
Baškirii. In: Ermakova, Labusov, Safonof (red.), Revoljucija 1917 goda i Graždanskaja vojna kak opredeljajuščie
faktory rossijskoj istorii XX veka, S. 260–263.
77 A. A. Il’juchov: Revoljucija 1917 goda na Smolenščine. Chronika sobytij. Smolensk 2007; A. A. Paškov: Bor’ba za
vlast’ v Šadrinskom uezde Permskoj gubernii. 1917–1920 gg. Šadrinsk 2007; O. V. Efimov: Nižegorodskaja gu-
bernija v period dvuch revoljucij (1917–1920 gg.). Sbornik dokumentov s kommentarijami. Arzamas 2008; G. V.
Mordvincev: Vesna 1917 goda v Baškirii (chronika sobytij). Ufa 2010; I. A. Tropov: Revoljucija v provincii: Lužskij
uezd Petrogradskoj gubernii v 1917 g. In: Vestnik Leningradskogo gosudarstvennogo universiteta. Istorija 2010,
Nr. 2, S. 178–187; ders.: Regional’noe izmerenie revoljucii 1917 g.: nekotorye itogi razvitija otečestvennoj isto-
riografii. In: Ermakova, Labusov, Safonof (red.), Revoljucija 1917 goda i Graždanskaja vojna kak opredeljajuščie
faktory rossijskoj istorii ХХ veka; A. A. Dmitrienko: Gatčina. God 1917-j (glazami gorožan). Мoskva 1917; E. N.
Maslov: Petrograd, Moskva, Bogorodsk. Chronika sobytij. Černogolovka 2017.
78 E. B. Altabaeva: Smutnoe vremja. Sevastopol’ v 1917–1920 godach. Sevastopol’ 2004.
79 V. G. Kokoulin: Novonikolaevsk v gody revoljucii, graždanskoj vojny i „voennogo kommunizma“. Novosibirsk
2010; ders.: Tomsk v gody revoljucii i graždanskoj vojny (fevral’ 1917 – dekabr’ 1919 g.). Novosibirsk 2012; ders.:
Povsednevnaja žizn’ gorožan Sibiri v voenno-revoljucionnye gody (ijun’ 191 – mart 1921 g.) Novosibirsk 2013.
Eine kritische Analyse dieser Arbeiten siehe: V. V. Žuravlev, V. M. Rynkov, D. G. Simonov: Za predelami nauki: po
stranicam imitacionnoj istoriografii. In: Rossijskaja istorija 2016, Nr. 6, S. 206–211.
80 Il’juchov, Revoljucija 1917 goda na Smolenščine; I. B. Belova: Pervaja mirovaja vojna i rossijskaja provincija.
1914 – fevral’ 1917 g. Мoskva 2011; Meščerjakov, Tambovskaja gubernija v načal’nyj period sovetskoj vlasti; Soko-
lov, Tverskaja byl’ revoljucii.
81 Man kann nur einzelne Arbeiten nennen, die kaum Beachtung finden. Siehe Paškov, Bor’ba za vlast’ v Šadrinskom
uezde Permskoj gubernii; A. N. Ermolaev: Uezdnyj Mariinsk. 1856–1917. Kemerovo 2008.
82 Siehe Dmitrienko, Gatčina.
83 D. A. Bažanov: Baltijskij flot v dni Fevral’skoj revoljucii. In: Kalašnikov (otv. red.), Fevral’skaja revoljucija 1917
goda, S. 175–197; K .B Nazarenko: Matrosy russkogo flota i Fevral’skaja revoljucija. In: Ebd., S. 284–293.
84 M. V. Os’kin: Neizvestnye tragedii Pervoj mirovoj. Plennye. Dezertiry. Bežency. Moskva 2011; I. B. Belova:
Vynuždennye migranty: bežency i voennoplennye Pervoj mirovoj vojny v Rosssii. 1914–1925 gg. Moskva 2014.

25
Vladimir Buldakov

schen, sondern auch der ländlichen Bevölkerung um ein Vielfaches verstärkten.85 Aber insgesamt
befassen sich die Forscher lieber mit dem Begriff der Revolution als mit dem Phänomen eines
archaischen Aufrührertums.86
Leider erlebte die Erforschung der Bauernbewegung in Russland in jüngster Vergangenheit nicht
die besten Zeiten. Und trotzdem haben hier typische Neuerungen Fuß gefasst.87 Die Erforschung
des Verhaltens und der Psychologie des Bauerntums erfolgt im Kontext der so genannten Ge-
meinderevolution und im Rahmen eines institutionellen Ansatzes.88 Hierbei zieht die Forscher
der umstürzlerische Aspekt der Massenaufmärsche89 und des spontanen Widerstands gegen den
Bolschewismus in immer größerem Maße an.90 Man kann hoffen, dass sich die russische Bauern-

85 [Link]. Dubrovskaja: Russkij Gel’singfors vesnoj – letom 1917 goda (političeskaja topografija goroda). In: Kolonickij
u. a. (red.), Kul’tury gorodov Rossijskoj imperii na rubeže XIX–ХХ vekov, S 245–258; A. N. Kurcev: Voennye
bežency v gorodach Rossii (1914–1917 gg.). In: Ebd., S. 327.
86 V. P. Bouldakov: Révolution ou révolte ? Nouvelles perspectives cent ans plus tard. In: Vingtième Siècle. Revue
d’histoire 2017, Nr. 135, S. 159–174.
87 Siehe O. P. Vronskij: Gosudarstvennaja vlast’ Rossii i krest’janskaja obščina v gody „velikijch potrjasenij“ (1905–
1917). Tula 2000; O. A. Suchova: Psichologija „revoljucionnogo čina“: k voprosu o motivacii povedenija rossijsk-
ogo krestj’janstva v gody revoljucii i Graždanskoj vojny v Rossii (po materialam Srednego Povolž’ja). In: Ischakov
(sost.), Padenie imperii, S. 209–225; P. P. Marčenja, [Link]. Rasin (red.): Krest’janstvo i vlast’ v istorii Rossii XX veka.
Moskva 2011; dies.: Stalinizm i krest’janstvo. Sbornik naučnych statej i materialov „kruglych stolov“ i zasedanij
teoretičeskogo seminara „Krest’janskij vopros v otečestvennoj i mirovoj istorii“. Moskva 2014.
88 Siehe I. N. Fedotova: Krest’janskie ispolnitel’nye komitety severnoj časti Central’nogo rajona v 1917 godu. In:
S. N. Poltorak (red.): Istorija krest’janstva v Rossii. Sankt-Peterburg 2000; T. V. Osipova: Rossijskoe krest’janstvo
v revoljucii i graždanskoj vojne. Moskva 2001; A. B. Astašov: Russkij krest’janin na frontach Pervoj mirovoj vojny.
In: Otečestvennaja istorija 2003, Nr. 2, S. 72–86; Ju.Y. Kukuškin, N. S. Timofeev: Samoupravlenie krest’jan Rossii
(XIX – načalo XXI v.). Moskva 2004; D. I. Ljukšin: Vtoraja russkaja smuta. Krest’janskoe izmerenie. Moskva 2006;
O. A. Suchova: Desjat’ mifov krest’janskogo soznanija. Očerki istorii social’noj psichologii i mentaliteta russkogo
krest’janstva (konec XIX – načalo ХХ v.) po materialam Srednego Povolž’ja. Moskva 2008: M. V. Dorofeev: Prob-
lemy krest’janskogo zemlepol’zovanija v Zapadnoj Sibiri v 1917 g. In: Zinov’ev (otv. red.), Russkaja revoljucija i
kontekste istorii, S. 188–193; O. A. Gavrilova: Zemstvo i revoljucija. 1917 god v Petrogradskoj gubernii. Sankt-
Peterburg 2009; A. A. Kolupaev: Individual’noe krest’janskoe chozjajstvo Kurskoj gubernii v gody revoljucij
i Graždanskoj vojny (1917 – vesna 1921 g.). Kursk 2012; V. M. Rynkov, V. A. Il’inych: Desjatiletie potrjasenij:
sel’skoe chozjajstvo Sibiri v 1914–1924 gg. Novosibirsk 2013; M. M. Esikova: „Obščinnaja revoljucija“ v Tambovs-
koj gubernii v 1917–1918 gg. In: Ermakova, Labusov, Safonof (red.), Revoljucija 1917 goda i Graždanskaja vojna
kak opredeljajuščie faktory rossijskoj istorii ХХ veka, S. 71–73; E. F. Tomina: Zemstvo Orenburgskoj gubernii v
period sobytij 1917–1919 gg. In: Ebd., S. 269–274. I. B. Belova: „Narodnoe pravo“ v dejstvii: rossijskaja derevnja
v uslovijach revoljucionnych peremen 1917 g. (po materialam Kalužskoj i Orlovskoj gubernij) In: O. A. Suchova
(red.): 1917 god v rossijskoj provincii. Penza 2017, S. 12–18.
89 Siehe A. V. Egorov: Ufimskij tylovoj garnizon i massovye besporjadki (pogromnoe dviženie) v gorodach Ufimskoj
gubernii v 1917 g. In: G. N. Sevostjanov (otv, red.): Pravo, nasilie, kul’tura v Rossii. Regional’nyj aspekt (pervaja
četvert’ ХХ veka). Moskva/Ufa 2001, S. 122–137; V. P. Buldakov: Revoljucionnaja narkotizacija: parametry prob-
lem. In: A. A. Danilov (sost.): Istoričeskaja nauka i obrazovanie na rubeže vekov. Moskva 2004, S. 300–312; V. B.
Aksenov (red.): Veselie Rusi ХХ vek. Gradus novejšej rossijskoj istorii ot „p’janogo bjudžeta“ do „suchogo zakona“.
Moskva 2007; I. Narskij, Ju. Chmelevskaja: „Upoenie“ buntom v russkoj revoljucii (na primere razgroma vinnych
skladov v Rossii v 1917 godu). In: J. Plamper u. a. (red.): Rossijskaja imperija čuvstv: podchody k kul’turnoj istorii
ėmocij. Moskva 2010, S. 259–281; I. V. Volkova: Soldatskij bunt i Fevral’skaja revoljucija 1917 g. In: Gumanitarnye
naučnye issledovanija 2011, Nr. 1. URL:[Link]
90 S. I. Savel’ev: Opyt charakteristiki obščestvenno-političeskich nastroenij krest’janstva perioda Graždanskoj vojny
(na materialach Saratovskoj gubernii). In: Ischakov (sost.), Padenie imperii, S. 226–233; A. V. Kaljagin: „Trudno

26
Die Revolution von 1917 in der neueren russischen Forschung

forschung mit der Zeit intensiver zu entwickeln beginnt.91 Die Forscher sind sich einig, dass in
der Geschichte der russischen Revolution dem Bauerntum eine bedeutendere Rolle zukommt,
als man üblicherweise meinte, nicht so sehr aufgrund seiner zahlenmäßigen Überlegenheit, son-
dern wegen seiner gemeindlich-paternalistischen Tradition und Mentalität.92
Unter einem ähnlichen Blickwinkel erfolgt auch die Auseinandersetzung mit der Rolle der Sol-
datenmassen in der Revolution.93 Es wird festgestellt, dass der sogenannte Bauernsoldat, und das
war die Mehrheit, sich 1917 nicht nur nach dem Ende des Krieges sehnte, sondern auch nach ei-
ner „Belohnung“ in Form einer Lösung der Agrarfrage.94 Man kann ziemlich sicher sein, dass die
Bolschwiken in erster Linie von jenem Teil der Bevölkerung unterstützt wurden, der so dachte.
In eben diesem Umfeld verbarg sich ein starkes antidemokratisches Potenzial, das sich auf das
Endergebnis des Revolutionsprozesses auswirkte.
Nach den heute überwiegenden Vorstellungen entsprach die Russische Revolution nicht dem
Geist des europäischen „Fortschritts“. Man darf aber nicht vergessen, dass eben dieser zügello-
se „Fortschrittsglaube“ Europa in eine Katastrophe ohnegleichen führte. In diesem Sinne war
die Russische Revolution mit all ihren Schrecken eine natürliche „menschliche“ Reaktion auf
die noch nie dagewesene weltweite Krise. Es scheint, dass ihre Bedeutung für die russische Ge-
schichte und die Weltgeschichte unter diesem Blickwinkel zu bewerten ist.
Gleichwohl geht die Zahl der Autoren, die im positivistisch-progressivistischen Paradigma zu den-
ken gewohnt sind, nicht zurück. Wenn die Bruttokennwerte steigen, ist der Fortschritt offensicht-
lich.95 Besitzt man den unreflektierten Glauben an einen solchen „Fortschritt“, dann ist es leicht,
seine „Feinde“ zu finden, denn das ganze kognitive Potenzial des „Forschers“ wird auf die Bestäti-

rassčityvat’ na ėnergičnuju podderžku passivnogo krest’janstva …“ (Otvečali li celi i politika Komiteta členov
Učreditel’nogo sobranija v Samare interesam krest’janskich mass?). In: Ebd., S. 226–233.
91 Zu den Perspektiven der Forschungsarbeiten siehe Vorträge von V. Kondrašin auf den jüngsten Konferenzen: V. V.
Kondrašin: Krest’janstvo i revoljucija: istoriografičeskie zametki v svjazi so 100-letiem Velikoj rossijskoj revoljucii
In: Ermakova, Labusov, Safonof (red.), Revoljucija 1917 goda i Graždanskaja vojna kak opredeljajuščie faktory
rossijskoj istorii ХХ veka, S. 137–142; ders.: Krest’janstvo i revoljucija. In: Petrov (otv. red.), Velikaja rossijskaja
revoljucija 1917, S. 66–72.
92 Siehe V. V. Kondrasin, V. A. Jurcenkov (otv. red.): Krest’janstvo i kazačestvo Rossii v uslovijach revoljucii 1917 g. i
Graždanskoj vojny: nacional’no-regional’nyj aspekt. Moskva/Saransk 2017.
93 V. G. Sermjagin: Fevral’skaja revoljucija i mirovaja vojna v političeskoj žizni provincial’nogo garnizona. In: Mirovye
vojny i razvitie čelovečestva (k 90-letiju Pervoj mirovoj vojny). Mat. nauč.-prakt. konf. Ufa 2004 S. 51 f.; I. N.
Grebenkin: Voennyj faktor v razvitii revoljucionnogo processa 1917 goda. In: B. V. Anan’ič u. a. (red.): Rossija i
revoljucija 1917 goda. Opyt istorii i teorii. Sankt-Peterburg 2008, S. 128–132; K. B. Nazarenko: Flot, revoljuci-
ja i vlast’ v Rossii. 1917–1921. Moskva 2011; A. B. Astašov: Petrogradskij garnizon nakanune 1917 goda: ot
povsednevnosti prifrontovogo goroda k revoljucii. In: Vestnik Tverskogo gosudarstvennogo universiteta. Istorija
2017, Nr. 1, S. 17–38; E. P. Busyreva: Petropavlovskaja krepost’ v dni revoljucii 1917 goda. Sankt-Peterburg 1917;
K. A. Tarasov: Vybornaja vlast’ v Petrogradskom garnizone v 1917–1918 gg.: komitety, komandiry, komissary. In:
Kolonickij u. a. (otv. red.), Ėpocha vojn i revoljucij, S. 207–221; R. N. Rachimov: „Chozjaeva položenija“: Ufimskij
garnizon v sentjabre 1917 g. In: Ermakova, Labusov, Safonof (red.), Revoljucija 1917 goda i Graždanskaja vojna
kak opredeljajuščie faktory rossijskoj istorii ХХ veka, S. 225–231.
94 V. P. Buldakov: K voprosu o proischoždenii mifov o krest’janstve. In: Marčenja, Rasin (red.), Krest’janstvo i vlast’ v
istorii Rossii ХХ veka, S. 127–137.
95 M. A. Davydov: 20 let do velikoj vojny. Rossijskaja modernizacija Vitte-Stolypina. Sankt-Peterburg 2016.

27
Vladimir Buldakov

gung des für ihn einzig akzeptablen „optimistischen“ Schlusses ausgerichtet. Aber dies ist bereits
eine Frage der persönlichen Psychologie, die in diesem Fall das historische Bewusstsein lähmt.
So oder so spiegelt sich in der Geschichtsschreibung der Revolution das Phänomen der Entfrem-
dung von der eigenen Geschichte wider, das mit der Herrschaft der „marxistisch-leninistischen“
Theorie der gesellschaftlichen Entwicklung verbunden ist. Die Versuche, diese Entfremdung
durch eine „Vermenschlichung“ der Ereignisse der Vergangenheit zu überwinden, zeitigen bis-
lang nur begrenzte Ergebnisse.96
Vor diesem Hintergrund werden auch exotische Theorien des russischen revolutionären Geistes
vorgeschlagen. Früher verbanden Autoren diesen mit der permanenten „Spaltung“ Russlands,
die nicht so sehr mit der historischen Spaltung zusammenhing, als vielmehr mit der Unmöglich-
keit, eine „mittlere“ Kultur zu entwickeln und eine soziale „Mittelschicht“ zu schaffen, die alle
Stände und Zwischenschichten soziokulturell konsolidierte.97 In philosophischer Hinsicht fällt
es schwer, dem nicht zuzustimmen. Allerdings übertragen heute einige Autoren das Phänomen
der Spaltung in den politisch-pragmatischen Kontext. Man versucht zu beweisen, dass – da die
„Altgläubigkeit“ eine zutiefst volkstümliche Form des „Russentums“ ist – deren Verfolgung das
anschließende bolschewistische Unheil nach sich zog. Es wird auch von historischer „Rache“ des
Altgläubigentums an der Romanov-Monarchie geschrieben – aber das ist den üblichen „metahis-
torischen“ Phantasien zuzurechnen.98 Tatsächlich durchlebte das Altgläubigentum 1917 dieselbe
Evolution von links nach rechts wie die gesamte russische gebildete Gesellschaft.99
Insgesamt sind die heutigen Herangehensweisen an die Revolution nach wie vor widersprüch-
lich.100 Diese Situation ist für das Massenbewusstsein schmerzhaft. Worin liegt der Ausweg? Als
erste kümmerten sich darum nicht die Historiker,101 sondern die Machthaber.102
Im Dezember 2016 beschloss die russische Führung, das anstehende Gedenken im Zeichen der
Versöhnung der geistigen Erben der „Liberalen“ und der „Kommunisten“, der „Roten“ und der
„Weißen“ stattfinden zu lassen. Hierbei wurde erklärt, dass „die Staatsmacht heute nicht nur den
Historikern nicht vorschreibt, welche ,richtigen‘ politischen Akzente diesen oder jenen Ereig-
nissen unserer Geschichte zu verleihen sind, sondern sich im Gegenteil an die Spezialisten wen-

96 V. V. Žuravlev: Revoljucionnye ėpochi v kontekste ličnogo interesa. K stoletiju Velikoj rossijskoj revoljucii 1917
goda. In: Rossija XXI 3/2017, S. 126–145.
97 A. S. Achiezer: Specifika rossijskoj političeskoj kul’tury i predmeta politologii. Moskva 2002; A. Achiezer, I, Kljam-
kin, I. Jakovenko: Istorija Rossii: konec ili novoe načalo? Moskva 2005.
98 O. L. Šachnazarov: Staroobrjadčestvo i bol’ševizm. In: Voprosy istorii 2002, Nr. 4, S. 72–96; A. V. Pyžikov: Korni
stalinskogo bol’ševizma. Moskva 2015.
99 V. V. Kerov: Ot vyraženija „molitvennogo vostorga“ do osuždenija „gnusnogo zlodejstva“. Staroobrjadčestvo
v 1917 g. In: Petrov (otv. red.), Velikaja rossijskaja revoljucija 1917, S. 426–432.
100 Buldakov V. Scholary Passions around the Myth of „Great October“. In: M. David-Fox, P. Holquist, M. Poe (eds.):
After the Fall: Essays in Russian and Soviet Historiography. Bloomington 2004, S. 84–97.
101 Im Grunde erwarb in Russland nur eine einzige internationale Konferenz den Charakter einer „vorausschau-
enden“ Konferenz. Siehe Ėpocha vojn i revoljucij: 1914–1922: Materialy meždunarodnogo kollokviuma (Sankt-
Peterburg, 9–11 ijunja 2016 goda. Sankt-Peterburg 2017.
102 Dies wurde sogleich von westlichen Autoren festgestellt. Siehe die Einleitung der „Jubiläumsausgabe“ der
britischen Zeitschrift „Revolutionary Russia“: Matthew Rendle, Aaron B. Retish: Introduction. The “lessons”
of 1917. In: Revolutionary Russia 30/2017, Nr. 1, P. 1–5.

28
Die Revolution von 1917 in der neueren russischen Forschung

det, um professionelle Antworten auf komplizierte Fragen zu erhalten.“ Dieser Ansatz kann nur
begrüßt werden. Um aber zu einer wirklichen Versöhnung zu kommen, müsste man die tiefer-
liegenden Ausgangspunkte der Revolution finden und unzweifelhafte Ursachen suchen, die alle
zufriedenstellen. Ist dies möglich? Die Lage wird dadurch noch komplizierter, dass vor nicht allzu
langer Zeit im Zuge des bevorstehenden Gedenkens an den Ersten Weltkrieg von oben mehrfach
von „Verrat“ gesprochen wurde, durch den Russland auf die Verliererseite geraten sei.103 Und in
der zusammenfassenden kollektiven Monografie, die vom Institut für Russländische Geschichte
der Russischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben wurde, wurden die Ereignisse von
Februar/März 1917 als „Untergang eines riesigen kulturzivilisatorischen Systems“ bezeichnet.104
2017 änderte sich die Situation. „Man muss die Ereignisse in all ihren Schattierungen betrachten,
sich über den Kampf der beteiligten Parteien erheben, fair und unvoreingenommen der Sieger
und der Opfer gedenken, von denen jeder seine eigene Wahrheit hatte“, erklärte am 3. Juni 2017
auf der Jahresversammlung der Russländischen Historischen Gesellschaft deren Vorsitzender
S. E. Naryškin. Man muss anmerken, dass die staatsnahen Anhänger der Verschwörungstheorien
bald kleinlauter wurden,105 und sich auf den zahlreichen Konferenzen das Bild von der „Großen
Russischen Revolution“ durchsetzte. Allerdings wandten sich Autoren „sozialistischer Prägung“
scharf dagegen.106 Andererseits wurden Historiker aktiv, die weiterhin darauf beharrten, dass die
Revolution Russland „gerettet“ habe.107 Wie dem auch sei, in einigen populären Arbeiten steht
das neue Image der Revolution immer noch neben den alten politischen Klischees.108 Die Re-
volution wird als Katastrophe bezeichnet.109 Und einige Autoren malen einfach das Schreckge-
spenst einer Revolution an die Wand.110
Nach einigen Angaben fanden von Dezember 1916 bis Ende 1917 in Russland etwa 2.000 Ge-
denkveranstaltungen statt (Konferenzen, Lesungen, Ausstellungen und dgl.). Vorherrschend
waren natürlich rituelle und unterhaltsame Veranstaltungen bis hin zu Musik- und Bühnenauf-
führungen. Aber es gab auch inhaltsreiche Aktionen wie einen Zyklus öffentlicher Vorlesungen
renommierter Forscher.111

103 Siehe hierzu B. I. Kolonickij: Resursy kul’turnoj pamjati i politika pamjati o Pervoj mirovoj vojne v Rossii. In:
Cahiers du monde russe. 1917. Historiographie, dynamiques révolutionnaires et mémoires contestées 2017,
58/1–2, Janvier–juin, S. 179–181.
104 A. N. Sacharov (red.): Istorija Rossii s drevnejšich vremen do našich dnej. Moskva 2016, S. 1325.
105 Vgl. V.A. Nikonov: Krušenie Rossii. 1917. Moskva 2016; ders.: Oktjabr’ 1917. Kto byl ničem, tot stanet vsem.
Moskva 2017.
106 S. G. Kara-Murza: 1917. Dve revoljucii – dva proekta. Moskva 2017, S. 12 f.
107 R. R. Vachitov: Revoljucija, kotoraja spasla Rossiju. Moskva 2017. Etwas Ähnliches kommt in einem anderen Buch
zum Ausdruck, siehe P. P. Apryško u. a. (red.): Ot Velikogo Oktjabrja k sovetskomu socializmu. Vzgljad 100 let
spustja. Moskva 2017.
108 Siehe A. A. German: Russkie revoljucii i Graždanskaja vojna. Moskva 2017.
109 A. S. Smirnov: Katastrofa 1917 goda. Ot imperii k global’nomu kommunizmu. Moskva 2017.
110 A. D. Stepanov (sost.): Revoljucija v Rosiii: real’na li ugroza? 1917–2017. Moskva 2018.
111 So wurden in Sankt Petersburg von lokalen und Moskauer Forschern 12 aufeinanderfolgende Vorträge gehalten,
die den Ereignissen jedes Monats des Jahres 1917 gewidmet waren. Siehe Ju. Kantor (otv. red.): Petrograd 1917.
Istoričeskij kalendar’. Sankt-Peterburg 2018.

29
Vladimir Buldakov

Wie sah nun der inhaltsreiche Teil des „Jubiläums“ aus? Bezeichnend sind hier Veröffentlichungen
in der Zeitschrift „Rossijskaja istorija“. So wurde die Frühjahrsausgabe 2017 mit einem Artikel des
Direktors des Instituts für Russländische Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaf-
ten, Ju. A. Petrov, über die Darstellung Russlands in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung
am Vorabend der Revolution eröffnet. Es angemerkt, dass der 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs
einen enormen Stimulus für die Revolutionshistoriker dargestellt habe: Krieg und Revolution
würden endlich nicht mehr getrennt voneinander betrachtet.112 Aber hat allein der europäische
Krieg die Russische Revolution hervorgebracht? Die Antwort wurde so formuliert: „In Friedens-
zeiten war das Russische Reich trotz der Vielfältigkeit, Unvereinbarkeit und Ausmaße der es kenn-
zeichnenden sozialen Konflikte in der Lage, diese zu ‚verarbeiten‘. Unter den Extrembedingun-
gen des Krieges stellte sich dies jedoch als unmöglich heraus.“ Es wurde auch festgestellt, dass die
„praktisch ‚ewige‘ Frage des Verhältnisses zwischen den ‚spontanen‘ und ‚menschengemachten‘
Ereignissen des Februar 1917 eine besondere Aufmerksamkeit für die Probleme einer Massenbe-
wegung voraussetzt.“113 Indessen waren umfassende Darstellungen der Massenbewegungen unter
eben diesem „ewigen“ Gesichtspunkt kaum vorhanden. Und hier geht es nicht nur um die Anzahl
der Forschungsarbeiten. Der heutige Ansatz der „Spontaneität“ erfolgt vorwiegend unter dem
Blickwinkel des bis zur Epoche der Aufklärung zurückreichenden „Bewusstseins“.
Im Übrigen ist aus den darauffolgenden „Jubiläumsveröffentlichungen“ der Zeitschrift ersichtlich,
dass in der Aufarbeitung der Quellen und des Verlaufs der Revolution eine Verschiebung einge-
treten ist. Forscher, die der Sozialgeschichte fernzustehen scheinen, wiesen darauf hin, dass „es
unmöglich ist, die politische Geschichte der Revolutionszeit allein auf der Grundlage gesetzlicher
Bestimmungen zu erforschen – sie könnten sich gegenseitig ihres Sinnes berauben, da sie unter
Verhältnissen, in denen der normale Lauf der Dinge gestört war, und häufig von Personen erlas-
sen wurden, die durch Zufall an der Spitze von Behörden standen.“114 Andere Historiker hoben
hervor, dass die „Informationskrise am Vorabend der Revolution, die durch die enorme Rolle von
Gerüchten gekennzeichnet war, die gesellschaftlichen Stimmung radikalisierte und den geistigen
Boden für die Revolution bereitete“.115 Gleichzeitig sind Aussagen dahingehend anzutreffen, dass
die politische Geschichte der Russischen Revolution noch nicht geschrieben sei.116 Und das ange-
sichts dessen, dass man sich mit der politischen Geschichte der Revolution in Russland schon über
100 Jahre befasst, was allerdings nichts gebracht hat, außer einer emotionalen Wiederbelebung der
alten Debatten.117

112 Siehe Petrov (otv. red.), Rossija v gody Pervoj mirovoj vojny; V. P. Buldakov, T. G. Leont’eva: Vojna, porodivšaja
revoljuciju. Rossija, 1914–1917 gg. Moskva 2015.
113 Ju.A. Petrov: Rossija nakanune Velikoj revoljucii 1917 g.: sovremennye istoriografičeskie tendencii. In: Rossijskaja
istorija 2017, Nr. 2, S. 9–23, hier S. 16, 3, 8.
114 P. N. Gordeev: Komissariat Vremennogo pravitel’stva nad byvšim Ministerstvom Dvora. In: Ebd., S. 59–78, hier
S. 62.
115 V. B. Aksenov: Revoljucija i nasilie v voobraženii sovremennikov: sluchi i ėmocii „medovogo mesjaca“ 1917 g. In:
Ebd., S. 17–32, hier S. 32.
116 A. N. Meduševskij: Političeskaja istorija russkoj revoljucii: normy, instituty, formy social’noj mobilizacii v ХХ veke.
Moskva 2017, S. 18.
117 In diesem Zusammenhang enttäuschen Versuche, Traditionen der sowjetischen „etatistischen“ Geschichte der
Revolution wiederzubeleben. Siehe D. O. Čurakov: 1917 god. Russkaja gosudarstvennost’ v ėpochu smut, reform
i revoljucij. Moskva 2017.

30
Die Revolution von 1917 in der neueren russischen Forschung

Unter diesen Bedingungen wurden politische Parteien nach europäischem Muster bedeutungs-
los. Man erkannte, dass „weder der Konservatismus noch der Liberalismus (als Ideologie und
politische Praxis) auf dem russischen Boden ‚Fuß fassen‘ konnten“.118 Tatsächlich reflektierten
(oder antizipierten) die russischen Parteien in corpore den Zerfallsprozess des Imperiums und
nicht die Konsolidierung der gesellschaftlichen Kräfte und noch weniger eine im Entstehen be-
griffene Zivilgesellschaft. Der russische Parteienpluralismus erwies sich aufgrund seiner geneti-
schen abstrakt-doktrinären Defekte als Totgeburt.119 Dies erkannten nicht zufällig die damaligen
Rechten. Einer von ihnen merkte seinerzeit an: „Die Bolschewiki zu beschuldigen ist wie einen
Choleraerreger zu beschuldigen“, der nicht für das Geheimnis seiner Entstehung und Aktivierung
verantwortlich ist.120 Tatsächlich stellten die in der Vergangenheit mitgliederstärksten rechten
Parteien – gesamtrussische und regionale – die „Ruinen“ einer der vielen „Bastionen“ dar, die auf
dem Weg zur Revolution errichtet worden waren.121
Jedenfalls erfordert der Diskurs des „logos der Kultur gegen die Naturgewalt des ochlos“122 ein
spezielles kulturanthropologisches Rüstzeug. Bislang werden in dieser Richtung nur einzelne
Schritte unternommen.123 Formal scheinen in Russland dieselben politischen Institutionen wie
im Westen entstanden zu sein (und zu entstehen). Doch sie erwiesen sich in der Regel lediglich
als Instrumente nicht einer organischen, sondern einer pseudomorphen Entwicklung Russlands.124
Auf jeden Fall sollte man nicht Potemkinsche Dörfer mit den realen Subjekten der russischen
Geschichte verwechseln.
Eine andere „Jubiläumsausgabe“ der Zeitschrift zeigte sich ebenfalls arm an originellen Texten.
So wandte sich bei der Erörterung des Buches von V. P. Buldakov und T. G. Leont‘eva „Vojna,
porodivšaja revoljuciju“ die Mehrheit der Autoren gegen die politische „Exotisierung“ Russ-
lands.125 Selbst in Artikeln über die Frauenbewegung 1917 wurden dem Parteienfeminismus der
Vorzug gegeben; umstürzlerische Aufmärsche von Frauen, die eine hysterische Note in den Lauf
der Revolution hineintrugen, wurden nur beiläufig erwähnt. Wieder vergessen waren die Streiks

118 V. V. Šelochaev: Pereformatirovanie partijnogo prostranstva v Rossii v 1917 g. (istoriografičeskie itogi i


issledovatel’skie zadači). In: Rossijskaja istorija 2017, Nr. 2, S. 32–41, hier S. 39, 41.
119 Siehe V. P. Buldakov: Rossijskaja mnogopartijnost’: illjuzii prošlogo, chimery sovremennosti. In: Polis 2016, Nr. 4,
S. 100–114.
120 Ivanov A. A. „Černaja sotnja sginula v podpol’e“. Russkie pravye i revoljucija 1917 g. In: Rossijskaja istorija 2017,
Nr. 2, S. 42–59, hier S. 57.
121 I. V. Omel’jančuk: Provincial’naja kontrrevoljucija: Ivanovo-voznesenskaja samoderžavno-monarchičeskaja partija
v 1905–1917 gg. In: Ebd., S. 113–130, hier S. 130.
122 T. A. Filippova: Bratanie idei so štykom. Politiko-kul’turnye smysly Velikoj rossijskoj revoljucii. In: Ebd., S. 78–92,
hier S. 84–87.
123 S. A. Nikol’skij: Imperija i kul’tura. Filosofsko-literaturnye osmyslenie Oktjabrja. Moskva 2017.
124 Detailliert hierzu siehe S. A. Korolev: Psevdomorfoza kak tip razvitija: slučaj Rossii. In: Filosofija i kul’tura 2009,
Nr. 6, S. 72–85; ders.: Sekuljarizacija i desekuljarizacija v kontekste koncepcii psevdomorfnogo razvitija Rossii.
In: Filosofskaja mysl’ 2015, Nr. 4, S. 1–54; ders.: Metamorfozy vlasti. Opyty po mikroistorii. Filosofskie aspekty.
Moskva 2017, S. 13–41.
125 Siehe Dialog o knige. In: Rossijskaja istorija 2017, Nr. 5, S. 3–29, hier S. 9, 20, 23.

31
Vladimir Buldakov

der Wäscherinnen der Hauptstadt vom Frühjahr, die Spaltung der Frauenbewegung wurde mit
dem Parteienkampf verbunden und auf den Herbst 1917 verschoben.126
Andere Autoren schlugen folgende politische Interpretationen der Revolution vor: „Die Tragö-
die bestand darin, dass die Kriegssituation an sich, in deren Verlauf die Eliten des Russischen
Reiches ihre Ineffizienz demonstrierten … Funken des Aufstands im unruhigen Bewusstsein des
Volkes herausschlug“,127 das bolschewistische Finale sei dadurch bedingt, dass in Russland ein
„einheitliches Konzept für eine sozialistische Mehrparteienherrschaft“ gefehlt habe.128 Es erhebt
sich die Frage, woher die exotischen politischen Knospen inmitten der Archaik der Volkswirren
hätten kommen sollten? Nicht zufällig stellen einige zeitgenössische Autoren bei der Diskussion
über die Gründe der Revolution einen „Menschenleere“ (ein Fehlen echter Führungspersönlich-
keiten) bei den russischen politischen Eliten fest.129
Eine gewisse Vorstellung über das Verhältnis der Ansätze im Hinblick auf die Ereignisse von vor
100 Jahren geben die Materialien der internationalen wissenschaftlichen Konferenz „Die gro-
ße Russische Revolution 1917: Hundert Jahre Forschung“, die im Oktober 2017 im Institut für
Russländische Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften mit etwa 150 Forschern
stattfand. Dort wurden nacheinander die wirtschaftliche Lage Russlands, die politische Krise
und die Transformation der Machtstrukturen, die Parteien und gesellschaftlichen Organisatio-
nen, die nationalen Bewegungen, die Kultur und das geistige Leben, die menschliche Dimension
der Revolution und der außenpolitische Einfluss der Revolution erörtert.130 Insgesamt herrschte
der übliche etatistische Ansatz vor; die sozialen Bewegungen lösten sich in ihm gleichsam auf.
Natürlich waren viele Arbeiten des Jahres 2017 nicht tiefgehender Natur, wurden sie doch eilig
für das „Jubiläum“ geschrieben. Als wichtigstes Ergebnis der Gedenkveranstaltungen ist wohl
nicht so sehr das Aufkommen thematisch neuer Forschungsarbeiten über die Revolution zu se-
hen, als vielmehr die Veröffentlichung von Quellen, unter denen Dokumente in Privatbesitz die
Mehrheit bilden.
Und so scheint es, dass insgesamt die russischen Autoren nach wie vor der politischen Geschichte
zuneigen, die natürlich vom Zentrum aus gesteuert wird. Möglicherweise hängt dies überhaupt
nicht mit der Spezifik des wissenschaftlichen Interesses zusammen, sondern mit der Psycholo-
gie der Forscher, die sich stets vorsichtig gegenüber der Staatsgewalt verhielten. Die spekulative

126 I. V. Alferova: 1917 g. v Rossii: bol’ševizm i feminizm v uslovijach social’noj aktivnosti ženščin-rabotnic. In: Vest-
nik Tambovskogo universiteta. Gumanitarnye nauki 2009, Vyp. 11, S. 355–360; I. M. Puškareva, N. N. Puškareva:
Ženskoe dviženie v obščestvenno-političeskoj žizni Rossii 1914–1917 gg. (nekotorye itogi izučenija problemy v
obščestvennoj istoriografii). In: Rossijskaja istorija 2017, Nr. 5, S. 73–96, hier S. 93.
127 V. P. Sapon: Nižegorodskaja liberal’naja oppozicija nakanune Fevral’skoj revoljucii 1917 g. In: Ebd., S. 30–43, hier
S. 43.
128 V. M. Kružinov, Z. N. Sokova: Organy mnogopartijnoj socialističeskoj vlasti na Urale osen’ju 1917 g. In: Ebd.,
S. 62–72, hier S. 72.
129 Bei all seiner Voreingenommenheit ermöglicht es dieses Buch doch, die Quellen der Revolutionskrise in einem
neuen Licht zu betrachten. Siehe A. P. Borodin: Verchi vlasti i obščestva Rossijskoj imperii načala ХХ stoletija
glazami sovremennikov. Kirov 2018.
130 Petrov (otv. red.), Velikaja rossijskaja revoljucija 1917.

32
Die Revolution von 1917 in der neueren russischen Forschung

Suche nach demokratischen Alternativen zum Bolschewismus geht weiter. Allerdings wird die
etatistische Tradition der russischen Geschichtsschreibung allmählich aufgeweicht.
Durch die Russische Revolution wurde die gesamte historische Gemeinschaft in gewisser Weise
auf die Kreativität ihres Bewusstseins geprüft. Es geht um die Fähigkeit der Historiker, sich mit
gemeinsamen Anstrengungen von der Anzugskraft der von der Revolution geschaffenen Mythen
zu lösen.131 Heutzutage gelingt dies nur mit Mühe: Die Aufrufe, den Lauf der Revolution von
unten zu betrachten,132 treffen nur auf passive Zustimmung. Allerdings ist eine Tendenz der His-
toriker zum Dialog zu beobachten. In einigen Fällen kommen Autoren mit durchaus unterschied-
lichen Anschauungen und Ansätzen in einem gemeinsamen Band zusammen.133 Zweifellos hat
die Russische Revolution von 1917 nicht nur Züge der Revolutionen der Vergangenheit in sich
aufgenommen, sondern sich auch durch ihr umstürzlerisches Potenzial im Laufe der folgenden
Kataklismen des 20. Jahrhunderts in Erinnerung gebracht. Ihr 100. Jahrestag hat gezeigt, dass die
Historiker die Notwendigkeit einer äußerst tiefgehenden und intensiven Erforschung verspüren.

131 V. P. Buldakov: Istorik i mif. Perversii sovremennogo istoričeskogo voobraženija. In: Voprosy filosofii 2013, Nr. 8,
S. 54–65; V. V. Tichonov: Revoljucionnyj mif i politika pamjati v SSSR v ėpochu „ottepeli“. In: Petrov (otv. red.),
Velikaja rossijskaja revoljucija 1917, S. 673–678.
132 V. P. Buldakov: Revoljucija 1917 g.: k smene issledovatelskoj paradigmy. In: Ermakova, Labusov, Safonof (red.),
Revoljucija 1917 goda i Graždanskaja vojna kak opredeljajuščie faktory rossijskoj istorii ХХ veka.
133 Es werden Interviews mit S. Nefedov, K. Nazarenko, K. Tarasov, A. Pyžikov und I. Rat’kovskij genannt. Siehe E.
Jakovlev, D. Pučkov: Krasnyj štorm. Oktjabr’skaja revoljucija glazami rossijskich istorikov. Sankt-Peterburg 2018.

33
Helmut Altrichter

Die Russische Revolution in der deutschen Forschung

Was ein Reden über die Russische Revolution schwierig macht, ist deren Vielschichtigkeit und
Prozesshaftigkeit. Die Unterschiede zwischen Peripherie und Zentrum, von denen in anderen
Vorträgen noch die Rede sein wird, kommen hinzu. Selbst auf das Zentrum fokussiert gilt: Wirk-
lich einig schienen sich „die Revolutionäre“ Anfang des Jahres 1917 nur in der Gegnerschaft zur
Autokratie, und niemand bei Trost hätte zu diesem Zeitpunkt den Sieg der Bolschewiki voraus-
gesagt (einer kleinen radikalen Splitterpartei, deren Führung im Ausland oder in der Verbannung
saß, die mit dem Ausbruch der Revolution und dem Sturz des Zaren nichts zu tun hatte). So
unterschiedlich wie die Akteure, waren auch die Phasen, die die Revolution durchlief, und so
unterschiedlich wie die Bilder des Geschehens waren auch die Erinnerungskulturen, die darauf
aufbauten.1
Im Groben kann man fünf Aspekte unterscheiden: 1. die politische Revolution, in der im Früh-
jahr 1917 die zarische Autokratie und ihre Regierung gestürzt wurden. Eine Provisorische Re-
gierung, hinter der die Mehrheit der Duma, der Parlamentsabgeordneten stand, übernahm die
Führung der Staatsgeschäfte. Sie verkündete die bürgerlichen Grund- und Freiheitsrechte und
versprach die Einberufung einer Verfassungsgebenden Versammlung, auf der Grundlage freier,
gleicher und geheimer Wahlen. Doch die neue Regierung, obwohl mehrfach umgebildet, bekam
das Geschehen auf der Straße und draußen im Lande nicht in den Griff; mit der Ungeduld wuchs
das Chaos. Weil sie den Krieg fortsetzte, erbte die neue Regierung die Probleme ihrer Vorgänge-
rin. Die sich ausbreitende Anarchie machten sich im Herbst die Bolschewiki, die radikalen An-
hänger Lenins, zunutze. Sie stürzten in einem bewaffneten Aufstand die Provisorische Regierung
und riefen eine sozialistische Räterepublik aus.
So folgte 2. auf die politische die soziale Revolution, getragen von Massenbewegungen der Bauern,
Arbeiter, Soldaten, in Grenzen auch des Bürgertums. Nun wurden die Banken verstaatlicht, das
Land des Adels, der Kirche und der Krone nationalisiert, in den Fabriken und Betrieben eine
umfassende Arbeiterkontrolle eingeführt und sofort Frieden geschlossen werden. Alle Staatsge-
walt war auf die „Räte“ (die sovety, eingedeutscht Sowjets) zu übertragen, die sich basisdemokra-
tisch auf die Interessenvertretungen der Arbeiter und Soldaten stützten; dieser Rätestaat brauche
weder ein stehendes Heer noch ein Berufsbeamtentum, so hatte es Lenin in seinen Aprilthesen
verkündet; sie sollten zusammen mit dem alten Polizei- und Justizapparat abgeschafft werden. In
einer Flut von Dekreten versuchte die neue Führung dieses Sofortprogramm umzusetzen.
Die sozialistische Revolution verstärkte die nationale Sezession der nichtrussischen Randgebie-
te, also 3. die nationalen Revolutionen, in denen sich die nichtrussischen Randgebiete, in der Krise
des Gesamtstaates, vom Russischen Vielvölkerreich lossagten. Seit dem Frühjahr hatten sich in

1 Die Ausführungen geben wieder, was vom Autor bei der Moskauer Tagung vorgetragen wurde. Auch die lockere
Form der Rede wurde beibehalten. Die Fußnoten beschränken sich auf Belege.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 35–40


[Link] 35
Helmut Altrichter

den Randgebieten unter der Losung „Schluss mit der nationalen Unterdrückung“ Bewegungen
gebildet, die mit dem Anspruch auf „nationale Selbstbestimmung“ und geführt von „bürgerlich-
demokratischer Intelligenz“ eigene Institutionen ins Leben riefen und die Bildung „bürgerlicher
Nationalstaaten“ vorzubereiten begannen: in Finnland, Estland, Lettland und Litauen, in Geor-
gien, Armenien und Aserbaidschan, im Nordkaukasus, in Kirgisien und an der mittleren Wolga,
in der Ukraine und in Weißrussland, in Bessarabien, auf der Krim, in Baschkirien, in Turkestan
und sonst wo. Im Sommer 1918 herrschte an allen Fronten der offene Bürgerkrieg. Der Vielvöl-
kerstaat schien auseinanderzubrechen. Erst der Sieg der Roten Armee im Bürgerkrieg bereitete
auch den Unabhängigkeitsbestrebungen der Nationalitäten ein Ende. Die Bolschewiki ruhten
nicht, bis im Süden, Südosten und Osten die ehemaligen Grenzen, die Grenzen des Zarenrei-
ches, wieder erreicht waren. Neben Polen konnten nur Finnland und die baltischen Staaten ihre
Unabhängigkeit behaupten.
Ein Großteil der Bevölkerung erlebte diese Jahre noch einmal anders: Sie erlebte die Revolution
und den Bürgerkrieg vor allem als Orgie von Hunger, Tod und Gewalt. Das ist mein 4. Aspekt.
Folgt man einer Aufstellung, wie sie Mitte der 90er Jahre in einer russischen historischen Fach-
zeitschrift nachzulesen war, so verlor Sowjetrussland zwischen 1917 und 1922 etwa 13 Millio-
nen seiner Bevölkerung: 2,5 Millionen starben in den bewaffneten Verbänden, 2 Millionen an
Epidemien, 1 Million als Opfer von Terror und Banditismus, bis zu 300.000 in antijüdischen
Pogromen, 1,5 bis 2 Millionen emigrierten, die übrigen starben in der großen Hungersnot, die
dem Bürgerkrieg 1921/22 folgte.2 Die russischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs werden auf
1,6 bis 2 Millionen geschätzt. Wie schon im Dezember 1917 die Hauptstadt Petrograd in Hass
und Gewalt versank, hat der russische Schriftsteller Maxim Gorki eindringlich in seinen Artikeln
in der Tageszeitung „Nowaja schisn’“ geschildert. Ich zitiere einen winzigen Ausschnitt aus einem
seiner Zeitungsartikel Ende Dezember 1917:
Seit dem Ausbruch der Revolution hat es schon zehntausend Fälle von ‚Lynchjustiz’ gegeben. Die
Demokratie richtet ihre Sünder auf folgende Weise: In der Nähe des Alexandermarktes wurde ein
Dieb erwischt; die Menge verprügelte ihn sofort und stimmte darüber ab, wie man ihn hinrichten
solle, durch Ertränken oder Erschießen. Man entschied sich für das Ertränken und warf den Mann
in das eiskalte Wasser. Er schaffte es aber, wieder aufzutauchen und an das Ufer zu schwimmen.
Da ging einer aus der Menge hin und erschoss ihn […].
Soldaten führen einen halbtot geprügelten Dieb ab, um ihn in der Mojka zu ertränken. Er ist
blutüberströmt, sein Gesicht ist völlig zerschlagen, ein Auge ausgelaufen. Er wird von einem
Haufen Kinder begleitet. Danach kommen einige von ihnen von der Mojka zurück und schreien
fröhlich, auf einem Bein hüpfend: ‚Sie haben ihn ersäuft, sie haben ihn ersäuft‘.3
Die Russische Revolution war 5. auch eine „Kulturrevolution“, von der sich Intellektuelle eine
„neue Kunst“, eine „neue Gesellschaft“, einen „neuen Menschen“ versprachen. Schien nicht die

2 Jurij A. Poljakov: Vozdejstvie gosudarstva na demografičeskie processy v SSSR (1920–1930-e gody). In: Voprosy
istorii 1995, Nr. 3, S. 122–128, hier S. 123.
3 Novaja žizn’, Nr. 195 vom 7. (20.) Dezember 1917, hier nach: Maxim Gorkij: Unzeitgemäße Gedanken über Kul-
tur und Revolution. Geschrieben von Maxim Gorkij in Petrograd und veröffentlicht in der Tageszeitung „Novaja
žizn’“ von 1917 bis 1918. Frankfurt a. M. 1974, S. 107 f.

36
Die Russische Revolution in der deutschen Forschung

Revolution alles und jedes in Frage zu stellen? Den Staat, sein Verwaltungs- und Wirtschaftssys-
tem samt den überkommenen Hierarchien und Institutionen, beginnend mit der Ehe und Fa-
milie, der Kirche und ihren Einfluss auf die Schule, den Ständen und ihren Organisationen, die
Denkmal- und Erinnerungskultur? So wie sich die Bolschewiki über die Tradition einfach hin-
wegsetzten, sich vom Bestehenden den Blick auf die Zukunft nicht verstellen ließen, hätten die
Künstler selbst die Kunstszene revolutioniert, in den letzten zehn Jahren mit der Vergangenheit
gebrochen, die Orientierung an der Gegenständlichkeit hinter sich gelassen und einen kühnen
Schritt in die Zukunft gewagt. Sie – das waren die Bloks, Briks und Majakowskis, Larionows und
die Gontscharowas, Altmans, Malewitschs, Popowas und Punins, Jawlenskys, Chagalls und Kan-
dinskys, Tatlins, Gabos, Lissitzkis und Rodtschenkos, um nur einige zu nennen. Auch Puschkin
und Rastrelli seien, wie Majakowski in einem Gedicht in Bürgerkriegsrhetorik sagte, wie die wei-
ßen Generäle an die Wand zu stellen. Die genannten wären zu ergänzen durch weitere Vertreter
der schreibenden Kunst, der Stadtplaner und Architekten.4
Was ich Ihnen damit bereits skizziert habe, waren die großen Trends der Forschung über die
Revolution. Der westlichen Forschung und somit auch der westdeutschen. Bis weit in die 1960er
Jahre hinein waren die revolutionären Ereignisse in Russland vor allem Ereignisse einer politi-
schen Revolution. In ihrem Mittelpunkt standen Ereignisse wie der Sturz der Romanows, die
Aprilkrise, die Julitage, der Kornilowputsch, der Oktoberaufstand, die Wahl und die Auflösung
der Konstituante, Brest-Litowsk, die Gegenregierungen in Omsk und Samara, der Aufstand der
tschechoslowakischen Legion, die Intervention der ausländischen Mächte usw. usf. Die Großen
Akteure waren dabei Einzelpersönlichkeiten (Fürst Lvov, Miljukov, Kerensky, Lenin, Trotzki
usf.), Institutionen (die Duma, die Sowjets und Sowjetkongresse, die Armee, das Militärische
Revolutionskomitee, der Rat der Volkskommissare, die Tscheka, die Konstituante, das Direk-
torium usf.) sowie die Parteien mit ihren Programmen (Sozialrevolutionäre, Bolschewiki, Men-
schewiki, Kadetten). Ein markantes Beispiel dafür ist die Darstellung der Russischen Revolution
von Dietrich Geyer. Das Buch („Die Russische Revolution. Historische Probleme und Perspek-
tiven“) ging aus einer Vorlesung zum 50. Jahrestag der Russischen Revolution an der Universität
Tübingen hervor. Der Autor ( Jahrgang 1928) war zwei Jahre zuvor auf den dortigen Lehrstuhl
für Osteuropäischen Geschichte berufen worden und galt als einer der profiliertesten und ein-
flussreichsten Historiker zur russisch-sowjetischen Geschichte. Schon wenn Sie sich das Inhalts-
verzeichnis anschauen („Krieg und Revolution“, „Das Ende des Alten Reiches“, „Die Erosion der
Doppelherrschaft“, „Aufstand und Machtergreifung“), sehen Sie, dass die Darstellung die Ak-
zente so setzt, wie ich es oben für die „politische Geschichte“ beschrieben habe. Das Buch war
erfolgreich, wechselte den Verlag (von Kohlhammer zu Vandenhoeck) und erschien beim neuen
Verlag 1985 in 4. Auflage.5
Inzwischen hatte freilich ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Dessen Ergebnisse suchte Bernd
Bonwetsch ( Jahrgang 1940), in einem Band 1991 zusammenzufassen. Bonwetsch war ein frü-
herer Mitarbeiter Geyers und zu diesem Zeitpunkt bereits Professor für Osteuropäischen Ge-

4 Kurz zusammenfassend dazu: Helmut Altrichter: Politik und Kunst im revolutionären Russland. In: Evgenia Petro-
va, Klaus A. Schröder (Hrsg.): Chagall bis Malewitsch. Die russischen Avantgarden. München 2016, S. 25–39.
5 Dietrich Geyer: Die Russische Revolution. Historische Probleme und Perspektiven. Stuttgart 1968; 4. Aufl. Göt-
tingen 1985.

37
Helmut Altrichter

schichte an der Ruhruniversität Bochum; Sie kennen ihn vor allem aus seiner Nach-Bochumer
Zeit, als ersten Direktor des DHI Moskau. Obwohl das Buch, ganz ähnlich wie das von Geyer,
„Die Russische Revolution 1917“ hieß, ging es in der ersten Hälfte des Buches (auf 119 von 219
Seiten) gar nicht um das Jahr 1917; wie der Untertitel bereits sagte, wollte es „Eine Sozialge-
schichte von der Bauernbefreiung 1861 bis zum Oktoberumsturz“ sein. Es richtete den Blick
weniger auf politische Ereignisse, mehr auf gesellschaftliche Schichten und Strukturen, auf die
„Bauernschaft und die Agrarverhältnisse“ sowie die „Arbeiterschaft vor dem Ersten Weltkrieg“,
um diese Sichtweise bei der Beschreibung der Entwicklung zwischen Februar und Oktober wie-
der aufzunehmen; seine Darstellung versuchte, wie sie selbst sagte, die „Ereignisse von 1917 in
den größeren Zusammenhang des gesamtgesellschaftlichen Wandlungs- oder ‚Modernisierungs’-
Prozesses“ zu stellen, „an dessen Anfang die Krimkriegsniederlage Russlands und die ‚Revoluti-
on von oben’ unter Alexander II. gestanden hatten“. Anders ausgedrückt: Arbeiter, Bauern und
Soldaten nahmen nicht mehr die Rolle einer willenlosen, den Plänen und Handlungen der poli-
tischen Parteien ausgelieferten Menschenmasse ein“, sondern wurden als eigenständige Kraft im
Entwicklungsprozess wahrgenommen und dargestellt.6
Selbstverständlich war nie in Vergessenheit geraten, dass das Russische Reich (wie die Habsbur-
ger Monarchie und das Osmanische Reich) Vielvölkerreiche waren; Andreas Kappelers Habi-
litationsschrift von 1981 (Das Zarenreich und die Völker der Mittleren Wolga vom 16. bis zum
19. Jahrhundert, so ihr Untertitel) erinnerte daran.7 Sehr viel mehr Aufmerksamkeit in einer
breiteren Öffentlichkeit erzielte Kappelers zweites Buch zu diesem Thema; es erschien 1992 im
C. [Link]-Verlag und hieß „Russland als Vielvölkerreich. Entstehung, Geschichte, Zerfall“.8 Vor
allem der letzte Begriff wies darauf hin, was dem Buch zusätzliche Aktualität verlieh: die „Explo-
sion des Ethnischen“ in der Sowjetunion, mit der sich seit der zweiten Hälfte der 1980er Jahre,
so wissen wir aus dem Rückblick, ihr Zerfall 1991 anzubahnen begann (ohne ihn damit bereits
hinreichend zu erklären). Als ich selbst mein Buch zum 80. Jahrestag der Revolution (1997) vor-
legte („Russland 1917. Ein Land auf der Suche nach sich selbst“), war klar, dass es darin einen
dritten Teil (über die Sezession der Nationalitäten geben musste), zumal sich viele der nun selbst-
ständig geworden Republiken auf die Revolution und die damaligen Staatsgründungsversuche
bezogen.9
Revolution und Bürgerkrieg als schier beispiellose Gewalterfahrung: Es waren nicht nur Filme
wie der schon 1967 gedrehte, aber erst 1988 in der Sowjetunion, 1989 sogar im sowjetischen
Fernsehen gezeigte Streifen „Die Kommissarin“ von Alexander Askoldow, der – aufbauend auf
einer Erzählung von Wassili Grossman – die Geschichte einer Kommissarin der Roten Armee
schildert, die während des Bürgerkriegs schwanger, deshalb vom Dienst beurlaubt und bei einem
jüdischen Blechschmied eingemietet wird, wo sie ihr Kind zur Welt bringt und Revolution und

6 Bernd Bonwetsch: Die Russische Revolution 1917. Eine Sozialgeschichte von der Bauernbefreiung 1861 bis zum
Oktoberumsturz. Darmstadt 1991, S. 2.
7 Andreas Kappeler: Russlands erste Nationalitäten. Das Zarenreich und die Völker der Mittleren Wolga vom 16. bis
19. Jahrhundert [= Beiträge zur Geschichte Osteuropas, Bd. 14]. Köln/Wien 1982.
8 Andreas Kappeler: Russland als Vielvölkerreich. Entstehung, Geschichte, Zerfall. München 1992.
9 Helmut Altrichter: Rußland 1917. Ein Land auf der Suche nach sich selbst. Paderborn/München/Wien/
Zürich 1997; 2. Aufl. Paderborn 2017.

38
Die Russische Revolution in der deutschen Forschung

Bürgerkrieg zum ersten Mal nicht als heroischen Siegeszug, sondern aus der Sicht des leidenden
Volkes miterlebt, in einer Kleinstadt, die mittlerweile schon vierzehn mal den Besitzer gewechselt
hat.10 Es waren vor allem zahlreiche seit den Perestrojka-Jahren erschienene Quellenveröffentli-
chungen durch russischer Historiker, die die andere Seite, die die Dimensionen der Gewalt in Re-
volution und des Bürgerkriegs zu Tage förderten, ins Scheinwerferlicht rückten und zeigten, dass
sie nicht erst mit Stalin, sondern schon 1917, mit der Revolution und dem Bürgerkrieg begann.
Wenn Zahlen wie die oben zitierten (ich bezog mich dabei auf einen Aufsatz von Juri Poljakow
in den Voprosy istorii 1995) zeigten, dass die Verluste von Revolution und Bürgerkrieg die Zahl
der Gefallenen im Ersten Weltkrieg um ein Vielfaches überstiegen, oder wenn die Sowjetführung
beim Kampf ums Getreide gegen die Bauern schwere Artillerie und Giftgas einsetzte (ich beziehe
mich dabei auf die Forschungen von Wiktor Petrowitsch Danilow11), konnte dies bei der Darstel-
lung nicht länger „unberücksichtigt“ bleiben, selbst wenn dies in die gängigen Muster der Poli-
tik-, Sozial- und Nationalitätengeschichte nicht recht zu passen schien. Das gleiche Phänomen,
die Explosion von gesellschaftlicher Gewalt, beschrieb Gorki in seinen oben (in einem winzigen
Ausschnitt) zitierten Beobachtungen (aus der Zeitung „Nowaja schisn“). Die Orgie alltäglicher
Gewalt schilderte auch Isaak Babel in seinem (damals neu entdeckten, auch ins Deutsche über-
setzten) Tagebuch12, sie findet sich ebenso in zahlreichen Egodokumenten und Erinnerungen.
Das im Westen für Aufsehen sorgende, von Stéphane Courtois 1997 herausgegebene „Schwarz-
buch des Kommunismus. („Le livre noir du communisme. Crimes, terreur, répression“) baute
in seinem auf die Sowjetunion bezogenen, von Nicolas Werth geschriebenen Teil auf eben diese
neuen Quelleneditionen auf.13
Dass die Russische Revolution auch eine „Kulturrevolution“, auch die Suche nach einer „neuen
Kunst“, einer „neuen Lebensweise“, einem „neuen Wohnen“, einer „neuen Stadt“, einer „neuen
Geschlechterbeziehung“, kurz: einer „neuen Gesellschaft“ und einem „neuen Menschen“ war, ist
selbstverständlich keine neue Erkenntnis: Der aus Österreich-Ungarn stammende Erfolgsschrift-
steller René Fülöp-Miller (der eigentlich Philipp René Maria Müller hieß) hat unter dem Titel
„Geist und Gesicht des Bolschewismus“ über das kulturelle Leben in der Sowjetunion bereits
1926 ein dickes Buch geschrieben, das später auch unter dem Titel „Fantasie und Alltag in So-
wjetrussland. Ein Augenzeugenbericht“ neu herausgegeben wurde.14 Diesen Faden hat Richard
Stites mit seinem Buch „Revolutionary Dreams. Utopian Visions and Experimental Life in The
Russian Revolution“ Ende der 1980er Jahre wiederaufgenommen.15 Eine große Anzahl von Stu-

10 Dt. Neuausgabe der Erzählung Wassilij Grossman: Die Kommissarin. Erzählung. Kiel 1989; zum Film Helmut
Altrichter: Russland 1989. Der Untergang des sowjetischen Imperiums. München 2009, S. 298 ff.
11 Vgl. V.P. Danilov, T. Šanin (otv. red.): Krest’janskoe vosstanie v Tambovskoj gubernii v 1919–1921 gg.
(„Antonovščina“). Dokumenty i materialy. Tambov 1994.
12 Isaak Babel: Tagebuch 1920. Hrsg. von Peter Urban. Berlin 1990.
13 Nicolas Werth: Ein Staat gegen sein Volk. Gewalt, Unterdrückung und Terror in der Sowjetunion. In: Stéphane
Courtois, Nicolas Werth, Jean-Louis Panné u. a.: Das Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdrückung, Verbrechen
und Terror. München/Zürich 1998, S. 51–295 (Nachweis der genannten Quelleneditionen ebd).
14 René Fülöp-Miller: Geist und Gesicht des Bolschewismus. Darstellung und Kritik des kulturellen Lebens in
Sowjet-Rußland. Zürich/Leipzig/Wien 1926.
15 Richard Stites: Revolutionary Dreams. Utopian Vision and Experimental Life in the Russian Revolution. New
York/Oxford 1989.

39
Helmut Altrichter

dien ist dem (mit dem Cultural turn) auch in der deutschsprachigen Forschung gefolgt, ich kann
sie hier nicht im Einzelnen nennen. Auf den beiden genannten Büchern (von Fülöp-Miller und
Stites) aufbauend, hat Stefan Plaggenborg in seiner Freiburger Habilitationsschrift 1993 eine
neue Synthese versucht: „Revolutionskultur. Menschenbilder und kulturelle Praxis in Sowjet-
russland zwischen Oktoberrevolution und Stalinismus“ (als Buch erschienen drei Jahre später
1996). Ausgehend von den Versuchen zur „Reorganisationen des Menschen“ (wie er das nann-
te), seiner Einstellungen und seiner Körperlichkeit in einem ersten Teil, beschrieb er in einem
zweiten die Neuordnungsversuche seiner Wahrnehmung (des Lesens, des Hörens, des Sehens,
des Erfahrens, des Erinnerns und Erlebens), um abschließend (in einem dritten) über „Kulturelle
Antagonismen“ zu sprechen.16
Dass das Thema weiterhin nicht nur die Zunft beschäftigt, zeigten die Veranstaltungen, Vortrags-
reihen und Ausstellungen im Revolutionsjahr 2017. Selbst der Evangelische Kirchentag Ende
Mai in Berlin ließ sich davon inspirieren; er machte das Thema „(Alb-)Traum Neuer Mensch?
Der lange Schatten der Russischen Revolution“ zum Gegenstand einer Podiumsdiskussion. So
sehr man es als Historiker begrüßt, wenn Schlüsselereignisse Gegenstand gesellschaftlicher Dis-
kussionen und Eckpunkte kollektiver Erinnerung bleiben, so heftig sträubt man sich dagegen,
wenn die Russische Revolution zur kulturellen, kulturalistischen Suche nach dem „Neuen Men-
schen“ verkürzt wird. Eine Suche, die über 10 Millionen das Leben kostete und weitere schreck-
liche Folgen nach sich zog.

16 Stefan Plaggenborg: Revolutionskultur. Menschenbilder und kulturelle Praxis in Sowjetrussland zwischen Okto-
berrevolution und Stalinismus. Köln/Weimar/Wien 1996. So faszinierend sich das Konstrukt der „Revolution-
skultur“ auf dem Papier ausnimmt, so schwierig ist zu beantworten, was es erklärt. Es lässt sich weder als Pro-
gramm der Partei, noch als Leitbild ihrer Führungsriege verstehen; „die Revolutionäre“ oder „die Bolschewiki
und ihre Anhänger“ als deren Trägerschicht auszumachen (wie es hier geschieht), hieße, alles wieder zu verges-
sen, was die sozialgeschichtliche Forschung zusammengetragen hat: über den chaotischen Zustand der Partei
und die ganz unterschiedlichen Lebensbilder und Interessen jener gesellschaftlichen Gruppen, von Arbeitern,
Bauern, Soldaten und Intellektuellen, die sich von Lenin und der bolschewistischen Führung eine Erfüllung ihrer
Forderungen und Wünsche erhofften, sie deshalb unterstützten, zumindest tolerierten.

40
JÖRN LEONHARD

Der Primat des Krieges?


Deutschland und die Russische Revolution 1917/18

Einleitung: Globale Mobilisierungsphantasien


Von Anfang an war der Erste Weltkrieg mehr als eine Kaskade kontinentaleuropäischer Ereignis-
se und ein Nebeneinander von Fronten im Westen und Osten. Seine globale Dimension ergab
sich auch keinesfalls erst im Rückblick, sie war den Zeitgenossen sehr bewusst. Zunächst richtete
sich dieser Blick auf die Entwicklungen in den Kolonien, auf die Suche nach zusätzlichen Bun-
desgenossen und aus deutscher Sicht vor allem auf die Mobilisierung antikolonialer Kräfte gegen
das Britische Empire. So schrieb der Heidelberger Geschichtsprofessor Karl Hampe schon im
September 1914: „Interessante, aber noch ungewisse Nachrichten vom Aufstand in Indien und
Heranziehung der Japaner zur Bekämpfung unter schweren Bedingungen für England, die viel-
leicht den Untergang der englischen Herrschaft im fernen Osten in Zukunft bedingen können.
Auch Aegypten scheint zu wackeln.“ Hampes Hoffnungen auf eine umfassende und planmäßige
„Erhebung des Islam“ mündete schließlich in die Vision einer globalen Bewegung mit enormen
Potenzialen: „Es kann etwas Weltumgestaltendes werden. Immer zu!“1
Tatsächlich gab es in der Sektion Politik der Abteilung IIIb des Auswärtigen Amtes Überlegun-
gen für eine ganze Reihe von weltweiten Operationen zur Unterstützung nationaler und anti-
imperialistischer Bewegungen. Der Leiter der Abteilung, Rudolf Nadolny, vermerkte als Pläne
für 1914/15 „die Freiheitsbewegungen in Finnland, in Irland, in Georgien und in Marokko, die
Bewegungen der Senussi [in Libyen], die in Arabien und die Bedrohung Indiens.“ Auch der hoch-
symbolische und von Deutschland massiv geforderte „dschihad“, der Heilige Krieg aller islami-
schen Völker gegen Briten, Franzosen und Russen, den der Sultan-Kalif Mehmed V. am 14. No-
vember 1914 verkündete, stand in diesem Zusammenhang.2
Obwohl die meisten dieser Operationen zur Unterstützung antiimperialer Aufstände keine große
Wirkung erzielten, verstärkten sie die Vorstellung des Krieges als eines weltweiten Kampfes mit
allen Mitteln. Kolonien erschienen aus der Sicht deutscher, britischer oder französischer Politi-
ker und Militärs als verlängerte Kriegsräume der europäischen Gegner, auf die man glaubte, die
Logik des kontinentaleuropäischen Konflikts anwenden zu können. Die Praxis sollte aber bald
zeigen, wie sehr diese Vorstellung die Eigendynamik in den Kolonialgesellschaften unterschätzte.
Das galt auch für einen anderen Kriegsraum, auf den sich solche inneren Zersetzungshoffnungen
konzentrierten. Aus der Sicht der deutschen Kriegsplaner rückte spätestens mit den Frontdurch-
brüchen in Osteuropa im Sommer 1915 die Idee in den Vordergrund, die innere Erosion des
Zarenreichs zu beschleunigen.3

1 Karl Hampe: Kriegstagebuch 1914–1919. Hrsg. v. Folker Reichert, Eike Wolgast. München 2007, S. 124, 132.
2 Gerd Koenen: Der Rußland-Komplex. Die Deutschen und der Osten 1900–1945. München 2005, S. 76 f.
3 Jörn Leonhard: Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs. München 2014, S. 193–195.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 41–50


[Link] 41
Jörn Leonhard

Die Revolution als Mittel des deutschen Krieges im Osten Europas


Die von der deutschen Reichsregierung möglich gemachte Reise Lenins aus seinem Exil in Zürich
nach Petrograd im April 1917 war also kein Zufall. Aber zu dem von Stefan Zweig so genannten
„Projektil der Weltgeschichte“ wurde die Reise erst aus dem Wissen um die Konsequenzen, die
im April niemand voraussehen konnte.4 Die Zugfahrt entsprach der globalen Mobilisierung von
Zersetzungskräften in den Kriegsgesellschaften. Hatten die deutschen Beamten im Auswärtigen
Amt, im Kriegsministerium und der Obersten Heeresleitung zunächst auf antikoloniale Aufstän-
de innerhalb des britischen Empire und einen „dschihad“ der Muslime gesetzt, verschob sich das
Interesse ab 1915 auf Russland. Spätestens mit dem Ausgang der Brussilov-Offensive im Som-
mer 1916 und der Legitimationskrise des Zaren Ende des Jahres intensivierten sich die Bemü-
hungen, die Erosion des Zarenreichs von außen zu beschleunigen. Lenin traf die Nachricht von
der Februarrevolution in Zürich im Kern unvorbereitet. Im Blick auf die Verhältnisse in Russland
waren die Emigranten in Zürich auf Zeitungen angewiesen; für sie war das Ende der Zarenherr-
schaft nicht absehbar. Als er die Nachricht von der Abdankung des Zaren erhielt, begriff Lenin
sofort, welche Chance diese durch den Krieg hervorgerufene Krise bedeutete. Anders als 1905
wollte er diesmal keine Zeit verlieren und so schnell wie möglich nach Russland gelangen, um
dort persönlich vor Ort mitwirken zu können. Die Alliierten würden die Reise eines Bolsche-
wiken über Frankreich niemals zulassen, eine Reise über das Gebiet des Osmanischen Reiches
schien zu gefährlich, der Plan eines Fluges über die Fronten gar abenteuerlich. Die Alternative
bestand darin, über russische Sozialisten bei der deutschen Regierung zu sondieren, durch das
Reichsgebiet nach Skandinavien und von dort nach Petrograd reisen zu können.5
Diese Überlegungen kamen der deutschen Strategie entgegen, durch Förderung revolutionärer
Gruppen Russland von innen heraus zu schwächen und zu einem Separatfrieden zu zwingen. Be-
reits seit Ende 1914 hatten die deutschen Gesandten in den Hauptstädten der neutralen Länder,
der Schweiz, Dänemarks und Schwedens, über Mittelsmänner und Informanten die Namen von
russischen Revolutionären gesammelt. Der Name Lenins war bereits in einem Bericht des Berner
Gesandten Gisbert Freiherr von Romberg im März 1915 enthalten gewesen. Das wenig später an
die deutsche Regierung übermittelte Programm Lenins enthielt vor allem ein Friedensangebot
an die Mittelmächte ohne weitere Rücksicht auf die Alliierten und ließ die deutsche Seite auf-
horchen. Dennoch blieb Lenin zunächst nur einer unter vielen russischen Exilanten, die von der
deutschen Reichsregierung unterstützt wurden. So erhielt der Weißrusse Alexander Helphand,
genannt Parvus, ehemals selbst sozialistischer Theoretiker, vehementer Gegner des Zarenre-
gimes und Informant des deutschen Botschafters in Dänemark Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau,
im Frühjahr 1915 eine Million Reichsmark, um revolutionäre Umtriebe in Russland zu fördern.
Nach der Abdankung des Zaren im Frühjahr 1917 setzten sich Brockdorff-Rantzau und Parvus
für Lenin ein, weil sie glaubten, dass von ihm in Russland die größte Wirkung zu erwarten sei.
Über einen Schweizer Sozialisten wurden schließlich die Verhandlungen mit der deutschen Bot-

4 Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit. Vierzehn historische Miniaturen [= Gesammelte Werke in Einzel-
bänden]. Frankfurt a. M. 2004, S. 247; Catherine Merridale: Lenins Zug. Eine Reise in die Revolution. Frankfurt
a. M. 2017, S. 175–198; Stefan Plaggenborg: Der Revolutionär fuhr zweiter Klasse. In: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 5. Apr. 2017.
5 Robert Service: Lenin. Eine Biographie. München 2000, S. 337–339.

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Der Primat des Krieges? Deutschland und die Russische Revolution 1917/18

schaft in Bern aufgenommen. Die Berliner Reichsregierung stimmte einer Fahrt über Deutsch-
land zu, und die Oberste Heeresleitung bot sogar an, Lenin durch das Frontgebiet nach Russland
einzuschleusen, falls es bei der Einreise nach Schweden Probleme geben sollte.
Aus der deutschen Perspektive kam der Revolutionierung Russlands primär eine Funktion im
Krieg zu. Das änderte sich aber in dem Moment, in dem die Bolschewiki die Macht tatsächlich
übernahmen und sich allen überkommenen Ordnungskategorien von Krieg und Frieden ent-
zogen. Lenin hatte die Idee der totalen Mobilisierung ursprünglich aus der Französischen Re-
volution und der Kopplung von Krieg und Revolution nach 1792 übernommen. Was als Revo-
lution von unten geplant sein mochte, führte in der russischen Erschöpfungsgesellschaft bald
zum Kollaps aller inneren Organe und Institutionen des alten Staates. Mit dem Wegbrechen des
staatlichen Zentrums entstand ein Ordnungsvakuum, ein „failed state“ als postimperiale Zusam-
menbruchzone.6
In dieser Situation orientierte sich Lenin nicht an Reformvorstellungen, denen er bürgerliche
Ursprünge unterstellte, und wandte sich konsequent gegen alle Ideen, das multiethnische russ-
ländische Reich zu föderalisieren. Sein Konzept beruhte auf einer Analyse des Weltkrieges, den
er als Konflikt zwischen imperialistischen Mächten verstand. Indem man ihn in einen Bürger-
krieg verwandelte, würden sich alle Gedanken an eine politische Ordnungsidee oder Friedens-
politik erledigen. Was Lenin vorschwebte, war eine Kaskade von Revolutionen, die in einem
sozialrevolutionären Endkampf enden sollte. All das entzog sich den Kategorien eines Verstän-
digungsfriedens, der in den Augen der führenden Bolschewiki nur die eigentlich progressiven
Entwicklungen retardierte, den revolutionären Kampf eindämmte und das Bewusstsein für die
geschichtsbestimmenden sozial-ökonomischen Strukturen der Gesellschaften verdeckte. Aus
diesen Überlegungen leitete er die Aufgabe der Revolutionäre ab: Sie mussten die im vierten Jahr
des Krieges immer offener zu Tage tretenden Spannungen zwischen den imperialistischen Krieg-
sakteuren schüren und ausnutzen, um die absehbaren revolutionären Prozesse zu beschleunigen.
Deutschland spielte in diesem Konzept Lenins nicht zufällig eine besonders wichtige und positi-
ve Rolle. Nicht allein seine ungemein fortschrittliche, effiziente und straff organisierte Kriegswirt-
schaft sprach für einen ausgesprochenen Modernitätsvorsprung gegenüber allen Gesellschaften
der Entente, besonders auch Großbritannien. Auch die von deutschen Diplomaten, Beamten,
Politikern und Militärs entwickelten Konzepte, im Appell an Unabhängigkeitsbewegungen das
Britische Empire zu destabilisieren, erschienen Lenin wie eine besonders progressive, ja gerade-
zu weltrevolutionäre Dimension der deutschen Kriegführung. Hier zeigte sich eine Brücke zum
Konzept nationaler Selbstbestimmung deutlich vor den Vierzehn Punkten und den nachfolgen-
den Reden des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson.7
Aus dieser Perspektive war seine eigene Reise im Kurswagen von Zürich in Richtung Russland
im Frühjahr 1917, ermöglicht von einem komplizierten diplomatischen und militärischen deut-
schen Räderwerk, viel mehr als ein anekdotisches Nebengleis im Schatten des Großen Krieges.

6 Ebd., S. 340–347; Leonhard, Die Büchse der Pandora, S. 655.


7 Alexander Rabinowitch: The Bolsheviks in Power. The First Year of Soviet Rule in Petrograd. Bloomington 2007,
S. 181–209; Gerd Koenen: Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus. Bonn 2018, S. 777–
799; Leonhard, Die Büchse der Pandora, S. 817 f.

43
Jörn Leonhard

Aus ihm ergab sich aus deutscher Perspektive bereits ein Jahr später und nach dem Abschluss
des Friedensvertrags von Brest-Litowsk eine mehrfache Entwicklungsperspektive: eine Stabili-
sierung der Bolschewiki nach der Machteroberung vom Oktober 1917, ein Ende des Staaten-
krieges in Osteuropa und nach dem Ende der deutschen Zweifrontenproblematik eine deutsche
Chance auf einen Siegfrieden auch im Westen.8 Zugleich entwickelte sich ein Kampf um die
Deutungshoheit über einen progressiven Frieden nach dem Kriterium des Selbstbestimmungs-
rechts der Völker, in dem insbesondere die Gegensätze zwischen der Obersten Heeresleitung
und einem Teil der Reichstagsabgeordneten offen zu Tage traten. Schließlich erlaubte es der Re-
kurs auf das Selbstbestimmungsrecht durch die Bolschewiki wie die deutsche Diplomatie, die
britischen und französischen Kolonialregime unter Druck zu setzen und, so die Hoffnung, die
latenten Gegensätze zwischen der Entente und den Vereinigten Staaten nach deren Kriegseintritt
im Frühjahr 1917 zu verstärken.

Die ideologische Offensive der Bolschewiki als Herausforderung der


Kriegsakteure
Als die Bolschewiki im Oktober 1917 die Macht in Petrograd gewaltsam ergriffen, gingen sie da-
von aus, dass der Weltkrieg nicht nur die eigene Revolution hervorgebracht hatte, sondern auch
in anderen europäischen Gesellschaften revolutionäre Bewegungen des Proletariats provozieren
werde. Insofern war dem Blick der Bolschewiki auf den Krieg von Anfang an eine funktionale
Logik eigen. Und gleich der allererste außenpolitische Akt nach der Ablösung der Provisorischen
Regierung war wegweisend: Die auf dem Zweiten Allrussischen Rätekongress gebildete „Arbei-
ter- und Bauernregierung“ unter der Führung Lenins publizierte am 8. November 1917 das „De-
kret über den Frieden“. In ihm wandte sich die russische Regierung ausdrücklich an alle krieg-
führenden Völker und ihre politischen Führungen. Schon in dieser Formulierung der Adressaten
steckte etwas Neues, indem die Völker unmittelbar in die Suche nach einem Frieden einbezogen
wurden. Lenin war sich dessen bewusst, als er vor dem Sowjetkongress erläuterte, der Aufruf
müsse sich an Regierung und Völker wenden: „Wir können die Regierungen nicht ignorieren,
denn das würde die Möglichkeit des Friedensschlusses hinauszögern; das aber darf eine Volks-
regierung nicht zulassen. Wir haben jedoch nicht das geringste Recht, uns nicht zugleich an die
Völker zu wenden. Überall bestehen Gegensätze zwischen Regierungen und Völkern, und des-
halb müssen wir den Völkern helfen, in die Fragen des Krieges und des Friedens einzugreifen.“9
Das Dekret vom 8. November forderte, „sofort Verhandlungen über einen gerechten demokrati-
schen Frieden aufzunehmen“. Die Bolschewiki beriefen sich ausdrücklich auf die „überwältigen-
de Mehrheit der durch den Krieg erschöpften, gepeinigten und gemarterten Klassen der Arbeiter
und Werktätigen aller kriegführenden Länder“, die Erfahrungen der russischen Arbeiter und Bau-
ern sowie ihren Friedenswunsch nach dem Sturz des Zaren. Ein solcher Frieden könne, so das
Dekret, nur ein „sofortiger Frieden ohne Annexionen (d. h. ohne Aneignung fremder Territorien,
ohne gewaltsame Angliederung fremder Völkerschaften) und ohne Kontributionen“ sein. Das

8 Jörn Leonhard: Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918–1923. 2. Aufl. München 2019, S. 92–106.
9 Dekret Lenins über den Frieden, Auszug, 26.10./8.11. 1917. In: Horst Günther Linke (Hrsg.): Quellen zu den
deutsch-sowjetischen Beziehungen. Bd. 1: 1917–1945. Darmstadt 1998, S. 29.

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Der Primat des Krieges? Deutschland und die Russische Revolution 1917/18

Dekret bekannte sich zum Grundsatz der nationalen Selbstbestimmung, die sich für die Bolsche-
wiki ganz unterschiedlich äußern konnte: „Wenn irgendeine Nation mit Gewalt in den Grenzen
eines gegebenen Staates festgehalten wird, wenn dieser Nation entgegen ihrem zum Ausdruck
gebrachten Wunsch – gleichviel, ob dieser Wunsch in der Presse oder in Volksversammlungen,
in Beschlüssen der Parteien oder in Empörungen und Aufständen gegen die nationale Unter-
drückung geäußert wurde – das Recht vorenthalten wird […], in freier Abstimmung über die
Formen ihrer staatlichen Existenz ohne den mindesten Zwang selbst zu entscheiden, so ist eine
solche Angliederung eine Annexion, d. h. eine Eroberung und Vergewaltigung.“10
Von dieser Überlegung ausgehend lehnten die Bolschewiki es ab, einen Krieg fortzusetzen, der
Annexionszielen diente. Ein Krieg, in dem es darum gehe, dass „die starken und reichen Natio-
nen die von ihnen annektierten schwachen Völkerschaften unter sich aufteilen sollen“, sei „das
größte Verbrechen an der Menschheit“ und müsse beendet werden. Dabei bezogen die Bolsche-
wiki diese Forderung ausdrücklich nicht allein auf die Nationalitäten der kontinentaleuropäi-
schen Imperien, sondern auch auf Kolonialgesellschaften im Rahmen der maritimen Besitzun-
gen europäischer Mächte. Das Prinzip, dass eine Nation „ihr Einverständnis und ihren Wunsch
unmissverständlich, klar und freiwillig zum Ausdruck“ gebracht habe, gelte unabhängig davon,
„wie entwickelt oder rückständig eine solche mit Gewalt angegliederte und mit Gewalt innerhalb
der Grenzen eines gegebenen Staates festgehaltenen Nation“ sei und „ob diese Nation in Europa
oder in fernen, überseeischen Ländern“ lebe.11 Aus deutscher Perspektive musste die in diesen
Sätzen formulierte Kritik an der britischen und französischen Kolonialherrschaft in Asien und
Afrika besonders attraktiv klingen.
Noch in einer weiteren Hinsicht betraten die Bolschewiki in ihrer programmatischen Friedensin-
itiative Neuland. Denn sie brachen mit dem Prinzip von geheimen Friedensverhandlungen zwi-
schen Regierungen, das ein grundlegendes Kennzeichen aller neuzeitlichen Friedensschlüsse ge-
wesen war. Sie involvierten bewusst die Öffentlichkeit, an die sie appellierten, und sie kappten im
Bekenntnis zur Transparenz bewusst die Verbindung zu allen früheren Verträgen des Zarenreichs
und der Provisorischen Regierung: „Die Regierung schafft die Geheimdiplomatie ab, sie erklärt,
dass sie ihrerseits fest entschlossen ist, alle Verhandlungen völlig offen vor dem ganzen Volk zu
führen und wird unverzüglich darangehen, alle Geheimverträge zu veröffentlichen, die von der
Regierung der Gutsbesitzer und Kapitalisten in der Zeit vom Februar bis zum 25. Oktober 1917
bestätigt oder abgeschlossen wurden.“12 Und die Bolschewiki machten Ernst. Sie veröffentlich-
ten noch im November alle Geheimverträge der früheren russischen Regierungen.
In den großen europäischen Zeitungen konnten interessierte Leser Mitte Dezember 1917 die
Details geheimer Zusagen und Absprachen nachlesen, etwa welche Versprechen die Regierungen
in Paris und London 1915 dem Zarenreich oder Italien gemacht hatten. Das war ein ungeheuerli-

10 Ebd.
11 Ebd.; Manfred Hellmann (Hrsg.): Die Russische Revolution 1917. Von der Abdankung des Zaren bis zum
Staatsstreich der Bolschewiki. München 1964, S. 312–315; Peter Krüger: Neue Konzepte gesellschaftlicher und
internationaler Ordnung. In: Funkkolleg Jahrhundertwende. Die Entstehung der modernen Gesellschaf 1880–
1930. Studienbegleitbrief. Bd. 7. Weinheim/Basel 1989, S. 11–49, hier S. 29.
12 Dekret Lenins über den Frieden, Auszug, 26.10./8.11. 1917.

45
Jörn Leonhard

cher Vorgang: Er gab das Arkanum der Diplomatie einer transnationalen Öffentlichkeit preis. Die
Veröffentlichung setzte vor allem den amerikanischen Präsidenten Wilson und seine Regierung
unter Zugzwang, denn nun konnte jeder erkennen, wie groß die Widersprüche zwischen den
programmatisch vorgetragenen Grundsätzen des amerikanischen Präsidenten und den expan-
siven Kriegszielen Großbritanniens und Frankreichs waren. Zugleich zeichneten sich noch vor
dem ersten Anlauf zu einem Friedensvertrag innerhalb weniger Tage nach der Oktoberrevo-
lution neue Kriterien ab, an denen man die Glaubwürdigkeit eines künftigen Friedens messen
würde: der Verzicht auf Annexionen und Kontributionen, das Selbstbestimmungsrecht von
Völkern und vor allem das Gebot der Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. In Deutsch-
land entfalteten diese Ereignisse durchaus Wirkung, denn Mitglieder der kriegskritischen Unab-
hängigen Sozialdemokratie und Anhänger der im Sommer 1917 im Reichstag verabschiedeten
Friedensresolution setzten ihre Hoffnung nun auf einen solchen progressiven Friedensschluss.
Dennoch stand der Testfall aus: Was man konkret aus der Programmatik umsetzen konnte, wür-
de sich ab Anfang Dezember in den Friedensverhandlungen mit den Vertretern der Mittelmäch-
te in Brest-Litowsk zeigen.13

Brest-Litowsk und die Neukonzeption deutscher Globalherrschaft


Die Bedeutung des Friedensschlusses von Brest-Litowsk, der mit so vielen Erwartungen auf
beiden Seiten verknüpft war, kann in einem größeren Zusammenhang kaum hoch genug ein-
geschätzt werden. Auf der Seite der Entente und in den Vereinigten Staaten dominierte das Bild
eines ungleichen Friedens, bei dem die führenden Militärs, Politiker und Diplomaten Berlins an-
gesichts der Hierarchie von Siegern und Besiegten jede Glaubwürdigkeit als Vertreter moderner
Prinzipien eingebüßt hatten.
Für die deutsche Seite war der Frieden von Brest-Litowsk viel mehr als eine bloße Etappe im
Entscheidungsjahr 1918, als die er angesichts der Negativdynamik von Kriegsende, Waffenstill-
stand und Versailler Vertrag immer wieder erscheint. Der Friedensschluss als Ergebnis der Revo-
lutionen in Russland markierte einen Ermächtigungsmoment für neuartige Herrschaftskonzep-
te. Zudem wirkten die Ergebnisse dieses Friedens als entscheidender Impuls für ein imperiales
deutsches Raumdenken, das in der Fokussierung auf Eurasien weit über Ostmittel- und Osteu-
ropa hinausging und auch über den November 1918 hinauswirkte.14 So beflügelte Brest-Litowsk
nach 1918 ein Denken in den Kategorien verpasster Möglichkeiten. Der Historiker Ulrich Noack
argumentierte Ende der 1920er-Jahre, dass es die deutsche Führung im Winter 1916/17 in der
Hand gehabt hätte, die ganze osteuropäische Staatenwelt neu zu ordnen. Damals, so Noack, sei es
noch möglich gewesen, die russische Monarchie zu retten und einen Sonderfrieden zu schließen,
der die Revolution der Bolschewiki verhindert und gleichzeitig auch Persien und Afghanistan in
eine umfassende Föderation hätte integrieren können. So wären die britischen Truppen in Me-
sopotamien unter Druck geraten, so dass die Chancen für einen erfolgreichen Einsatz türkischer
Truppen gegen den Suezkanal gestiegen wären. Noack erkannte in den militärischen Erfolgen

13 Leonhard, Der überforderte Frieden, S. 74–79.


14 Jennifer L. Jenkins: Germany ’s Eurasian Strategy in 1918. In: Helmut Bley, Anorthe Kremers (Hrsg): The World Dur-
ing the First World War. Essen 2014, S. 291–302.

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Der Primat des Krieges? Deutschland und die Russische Revolution 1917/18

der deutschen Truppen in Osteuropa also eine Chance im Frühjahr 1917, die real erst im Früh-
jahr 1918 unter ganz anderen Bedingungen eintrat. Aber vor allem repräsentierte seine Interpre-
tation ein Denken in Möglichkeiten, das im Westen Europas undenkbar war.15
Solche Vorstellungen von deutscher Expansion und Raumkontrolle waren nach der Revolution,
dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk und den davon ausgehenden Konsequenzen, dem Staats-
zerfall und der Desintegration des multiethnischen imperialen Herrschaftsraums, nicht mehr auf
die überkommene Mitteleuropa-Konzeption beschränkt. Sie bezogen sich nicht mehr allein auf
Polen, Kurland oder Litauen, sondern umfassten den eurasischen Raum, ja sie ließen in Umrissen
eine eigene deutsche Mittelasien-Konzeption erkennen. Nach dem Zusammenbruch Russlands
konnte hier, so die verbreitete Vorstellung, eine von Deutschland dominierte Einflusszone entste-
hen, die es erlaubte, den imperialen Einfluss Großbritanniens in Asien einzudämmen. Dahinter
stand seit Ende 1917 zunächst die wirtschaftliche Logik eines von Rohstoffimporten abhängigen
Landes. Denn wichtige Rohstoffe wie Eisen und Mangan, auf die Deutschland zur Fortsetzung
des Krieges angewiesen war, konnten aus der Ukraine, Kuban und aus dem Kaukasus importiert
werden. Hinzu kamen Öl aus Baku, Getreide aus der Ukraine, Baumwolle aus Persien und von
jenseits des Kaspischen Meeres.
Damit eröffneten die Revolution und der Friedensschluss die realistische Perspektive, die alli-
ierte Blockade Deutschlands zu umgehen. Bereits 1915 hatte Walther Rathenau auf den „Ost-
raum“ und vor allem Russland als Rohstofflieferanten und Markt für Deutschland hingewiesen
und sich darin von traditionellen Mitteleuropa-Konzeptionen entfernt. Auch Karl Helfferich
hob die grundsätzliche Bedeutung hervor, die einem sicheren Zugriff auf die Rohstoffe Russ-
lands zukomme. Angesichts der Friedensbedingungen und der Situation der Bolschewiki schien
Deutschland auch freie Hand zu haben, denn von alliierten oder amerikanischen Akteuren sei
zunächst keine Einflussnahme in Russland zu erwarten. Das komme der deutschen Erschließung
des russischen Marktes entgegen.16
Im Reichswirtschaftsamt vertraten Staatssekretär Hans Karl von Stein und der ehemalige
Krupp-Manager Otto Wiedfeldt die Interessen der Schwerindustrie und forderten im Kontext
von Brest-Litowsk, anstatt auf militärische Annexionen zu setzen, neue Gebiete zu assoziieren
und sie dann wirtschaftlich zu kontrollieren. Die häufig übersehenen Anhänge der Friedens-
verträge mit Russland und der Ukraine enthielten zahlreiche Wirtschaftsklauseln. Diese Taktik
setzte sich auch in den Friedensverträgen von Bukarest und Poti im Mai 1918 mit der neuen
Republik Georgien fort, in denen man eine deutsche Kontrolle über Häfen und Eisenbahnen,
spezielle Konzessionen für den Zugriff auf Rohstoffe und Industriegüter und sogar Eingriffe in
den Geldkreislauf und die Anleihepolitik festschrieb. Dabei griff man auf deutscher Seite auf
das Modell der britischen Dominions zurück. Die neuen Staaten sollten den Status von Klien-
telgebieten, Protektoraten und ökonomisch abhängigen Randstaaten erhalten – Überlegungen,
die sich nicht nur auf Mitteleuropa, Belgien oder die Ukraine bezogen, sondern auch auf Mitte-

15 Fritz Theodor Epstein: Germany ’s Eastern Policy in the First World War. In: Ders.: Germany and the East. Selected
Essays. Hrsg. v. Robert F. Byrnes. Bloomington/London 1973, S. 151–168, hier S. 152; Jenkins, Germany ’s Eur-
asian Strategy in 1918, S. 291.
16 Ebd., S. 294 f.

47
Jörn Leonhard

lasien, auf Georgien, den Kaukasus und Persien. In all diesen Überlegungen blieb die koloniale
Praxis der Briten ein wichtiger Referenzpunkt.17
Zum Erbe des Epochenjahres 1917 gehörte die Karriere des Selbstbestimmungsrechts als pro-
gressive Idee – und zwar auf Seiten der Bolschewiki, bevor sie im Verlauf des Jahres 1918 dann
von Woodrow Wilson stärker akzentuiert wurde. Exemplarisch lässt sich am Beispiel des mit-
telasiatischen Raums der Zusammenhang zwischen Expansionsidee und instrumentalisiertem
Selbstbestimmungsrecht erkennen. Nach Brest-Litowsk konkurrierten in diesem Raum deutsche
Ansprüche und imperiale Logiken Großbritanniens. Während Lord Curzon sich intensiv dar-
um bemühte, eine Zone mit Pufferstaaten zwischen dem Kaukasus und Indien zu errichten, die
Großbritannien die Kontrolle über die strategisch wichtige Golfregion und die iranischen Ölfel-
der erlaubte, entwickelten Beamte des Auswärtigen Amtes um Rudolf Nadolny in Berlin die Idee,
eine Brücke von Staaten vom Kaukasus nach Persien zu errichten, die eng an das Deutsche Reich
angelehnt sein sollten. Der Friedensvertrag von Poti mit Georgien vom 28. Mai 1918 stand in
diesem Zusammenhang und sollte Deutschland Einflussmöglichkeiten bis nach Persien sichern.
Hartmut von Richthofen, früher Attaché im deutschen Konsulat in Teheran, erinnerte in der
Berliner Börsenzeitung im Juni 1918 daran, wie groß der Einfluss Deutschlands in Persien wäre
und dass damit das Schicksal des Kaukasus als Ganzes verknüpft sei.18
Das ließ auch die deutsche Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht in einem eigenen Licht
erscheinen. Als Außenstaatssekretär Kühlmann in seiner Rede im Reichstag am 1. Januar 1918
auf die nationale Selbstbestimmung zu sprechen kam, strebte er mit diesem Konzept einen Frie-
densschluss an, in dem ohne formale Annexionen in den zum ehemaligen Zarenreich gehören-
den Gebieten Deutschland alle Einflusszonen erhielt, um den Krieg erfolgreich fortzusetzen und
langfristig eine kontinentale Hegemonialposition zu errichten. Diese Berufung auf das Selbst-
bestimmungsrecht hatte als Antwort auf die Dekrete der Bolschewiki vom November 1917 also
eine taktische Funktion – nicht zuletzt setzte man mit der Berufung auf dieses Prinzip auch die
Ententemächte sowie die Vereinigten Staaten unter erheblichen Druck.19
Obwohl die eurasische Strategie durch das Kriegsende 1918 nicht umgesetzt wurde, wirkte sie auf
deutscher Seite weiter. Während Curzon im August 1919 eine Vereinbarung zwischen Großbri-
tannien und Persien erzwang, mit der die wirtschaftliche Kontrolle des Landes durch die Briten
festgeschrieben wurde, blieb das Netzwerk der deutschen Diplomaten, die von Osteuropa ausge-

17 Revaz Gachechiladze: Geopolitics and Foreign Powers in the Modern History of Georgia. Comparing 1918–21
and 1991–2010. In: Stephen F. Jones (Hrsg.): The Making of Modern Georgia, 1918–2012. The First Georgian
Republic and Its Successors. London 2014, S. 17–34; Gia Tarkhan-Mouravi: Georgia’s European Aspirations and
the Eastern Partnership. In: Ebd., S. 49–73; Mamuka Tsereteli: Georgia as a Geographical Pivot. Past, Present, and
Future. In: Ebd., S. 74–93; Wilhelm Litten: Persien. Von der „pénétration pacifique“ zum „Protektorat“. Urkunden
und Tatsachen zur Geschichte der europäischen „pénétration pacifique“ in Persien 1860–1919. Berlin 1920,
S. 351–366; Jenkins, Germany ’s Eurasian Strategy in 1918, S. 297.
18 Sean Kelly: How Far West?: Lord Curzon’s Transcaucasian (Mis)Adventure and the Defence of British India,
1918–1923. In: International History Review 35 (2013), S. 274–293; Berliner Börsenzeitung v. 29. Juni 1918. Zit.
nach: Yair P. Hirschfeld: Deutschland und Iran im Spielfeld der Mächte. Internationale Beziehungen unter Reza
Schah, 1921–1941. Düsseldorf 1980, S. 15; Jenkins, Germany ’s Eurasian Strategy in 1918, S. 297–298.
19 Richard v. Kühlmann: Erinnerungen. Heidelberg 1948, S. 523 f.; Jenkins, Germany ’s Eurasian Strategy in 1918,
S. 298.

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Der Primat des Krieges? Deutschland und die Russische Revolution 1917/18

hend auf eine eurasische Einflusszone setzten, auch nach 1919 einflussreich und unterstreicht von
daher eine Kontinuität zwischen 1917 und den frühen 1920er-Jahren. Nadolny hatte seit 1914/15
auf das Konzept einer globalen Zersetzung der multiethnischen Gesellschaften der Kriegsgegner
gesetzt, sei es gegenüber dem Zarenreich oder gegenüber den britischen und französischen Kolo-
nialgebieten. Später gehörte er nicht nur zur Delegation in Brest-Litowsk, sondern wirkte als au-
ßenpolitischer Berater von Reichspräident Ebert. In den 1920er-Jahren wurde er erster deutscher
Botschafter in der neuen Türkischen Republik. Auch andere Diplomaten und Politiker blieben
überzeugt davon, dass die eurasische Option großes Potenzial barg, so etwa Friedrich Werner Graf
von der Schulenburg, Botschafter in Teheran ab 1923 und deutscher Botschafter in Moskau nach
1934.20 In besonderer Weise galt das auch für den späteren Außenminister Brockdorff-Rantzau,
der als Leiter der deutschen Delegation in Versailles im Februar 1919 vor der Nationalversamm-
lung auf die Notwendigkeit hinwies, möglichst bald wieder diplomatische Beziehungen zu Russ-
land aufzubauen. Später sollte er zusammen mit Walther Rathenau und Ago von Maltzan einer der
Architekten der deutsch-sowjetischen Wiederannäherung bis zur Konferenz von Rapallo werden.
Auf der Ebene der militärischen Führung setzte sich Hans von Seeckt, von Dezember 1917 bis
zum Kriegsende einflussreicher Militärberater der osmanischen Armee unter Kriegsminister En-
ver Pascha, für eine enge militärische Kooperation mit Sowjetrussland ein.21

Zusammenfassung:
1917–1922 als deutsch-russische Verflechtungsgeschichte
Die Geschichte der Russischen Revolution war, erstens, Teil einer komplexen deutsch-russischen
Verflechtungsgeschichte. In ihr kamen zunächst zwei deutsche Kriegsperspektiven zum Tragen:
die Vorstellung einer von außen planbaren inneren Zersetzung multiethnischer Kolonialgesell-
schaften und die Vorstellung Osteuropas als eines zivilisatorisch unterentwickelten Raumes, der
aber genau dadurch ein Ermöglichungsraum für eigene Herrschaftsideen werden konnte.
Zweitens entsprach in dieser Perspektive die deutsche Hoffnung auf eine Revolution der Bol-
schewiki und ihre praktische Förderung zunächst den Erfordernissen eines deutschen Kriegspri-
mats. Doch unterschätzte diese Sicht die Eigendynamik des Jahres 1917, als sich die Bolschewiki
mit dem Friedensdekret, dem Bekenntnis zur nationalen Selbstbestimmung und zum Ende der
Geheimdiplomatie den gängigen Kategorien von Krieg und Frieden entzogen. Das setzte die eu-
ropäischen Alliierten wie die USA unter Druck, aber es eröffnete auf deutscher Seite im Frieden
von Brest-Litowsk auch noch einmal weitausgreifende Perspektiven, in denen an Stelle der alten
Mitteleuropa-Vorstellungen eine neue Mittelasien-Konzeption hervortrat.
Drittens blieb die mit Lenin 1917 und Brest-Litowsk 1918 fortgeführte deutsch-russische Ver-
bindung und Verflechtung im Kontext von Revolution, Friedensschluss und deutscher Siegeser-
wartung keine bloße Episode. Sie muss eingereiht werden in eine Geschichte ausgreifender
Raumvorstellungen deutscher Militärs im Blick auf den Krieg im Osten, in eine Geschichte der

20 Ebd., S. 301 f.
21 Herbert Helbig: Die Träger der Rapallo-Politik. Göttingen 1958, S. 11; Heinz Hürten: Seeckt, Hans Friedrich Leo-
pold von. In: Otto zu Stolberg-Wernigerode (Red.): Neue Deutsche Biographie. Bd. 24. Berlin 2010, S. 139 f.; Hans
Meier-Welcker: Seeckt. Frankfurt a. M. 1967, S. 325–355, 450–459.

49
Jörn Leonhard

Revolutionierungstaktiken des Auswärtigen Amtes sowie der Obersten Heeresleitung, der Frie-
densschlüsse im Frühjahr 1918 und der Zusatzverträge vom Sommer 1918 bis zur Annäherung
der durch die Pariser Verträge ausgeschlossenen Verlierer. Noch für die deutschen und sowjeti-
schen Diplomaten, die im Vertrag von Rapallo 1922 eine gemeinsame Grundlage schufen, mit
der sie die alliierte Konferenz von Genua gleichsam von der Peripherie her aufrollten, bot die
gemeinsame Geschichte der Jahre 1917 und 1918 jedenfalls sehr konkrete Anknüpfungspunkte.

50
Igor’ Narskij

Die russische Revolution und die Bevölkerungsbewegung

„Stoffe, Stoffe“, lauteten diese Hinweise, ‚am besten zugeschnittene Stücke, doch unterwegs wird
kontrolliert, und das ist gefährlich. Am besten Stücke, aus denen scheinbar schon Kleider zu-
geschnitten sind. Überhaupt Stoffe, Manufakturwaren, auch fertige Kleidung, vor allem Ober-
bekleidung, nicht zu sehr abgenutzt. Wenig Trödel, nichts Schweres. Man sollte alles selber
tragen können. Keine Körbe und Koffer. Weniges, hundertmal Überlegtes, zu Bündeln schnü-
ren, die eine Frau oder ein Kind tragen kann. Zweckmäßig sind Salz und Tabak, wie die Praxis
zeigt, allerdings bei großem Risiko. Geld in Kerenski-Rubeln. Am schwierigsten ist es mit den
Dokumenten.‘ “1
Die angeführte umfassende Auflistung von Gedanken, die durch die Erfahrungen der in ein No-
madenleben hineingezogenen Bevölkerung im revolutionären Russland diktiert und von Boris
Pasternak einer der Heldinnen des Romans „Doktor Shiwago“ in den Mund gelegt wurde, kann
als Einführung in die Problematik der Bevölkerungsbewegung während der russischen Revolu-
tion verwendet werden. Die Migration in den Jahren der Revolution war durch eine beispiello-
se Dynamik gekennzeichnet und hatte formativen Charakter für den Verlauf der revolutionären
Ereignisse und Prozesse. In diesem Zusammenhang erscheint die Untersuchung der Bevölke-
rungsbewegung in Russland in den Jahren der Revolution und des Bürgerkriegs 1917 bis 1921 als
einer der Schlüssel zum Verständnis des Verlaufs und des Ausgangs der Russischen Revolution.
Allerdings ist die Untersuchung der Demografie der Russischen Revolution aus verständlichen
Gründen mit schwer überwindbaren Hindernissen verbunden. Die Statistik der Bevölkerungs-
bewegung ist äußerst ungenau und unvollständig, fragmentarisch und unzuverlässig. Zu einzel-
nen Prozessen, beispielsweise zur natürlichen Bevölkerungsbewegung von 1917 bis 1921 fehlen
die Angaben fast völlig. Damit lassen sich auch die unvermeidlichen Diskrepanzen bei den Zah-
lenangaben erklären, über die die Historiker verfügen und mit denen sie operieren.2 Gleichzeitig
erlauben die quantitativen Daten über den Zustand des Landes und den Verlauf der verschie-
denen sozialen Prozesse, die von den Mitarbeitern der statistischen Dienste in Russland in den
Jahren der Revolution und des Bürgerkriegs erhoben und verarbeitet wurden, eine ungefähre
Vorstellung über die demografischen Aspekte der russischen Revolution.

1 B. L. Pasternak: Doktor Shiwago. Berlin 2003, S. 289.


2 Ausführlicher zu den Diskrepanzen bei der Bewertung der demografischen Verluste im revolutionären Russ-
land siehe E. M. Andreev, L. E. Darskij, T. L. Char’kova: Naselenie Sovetskogo Sojuza. 1922–1991. Moskva 1993;
Ju.A. Poljakov: Sovetskaja strana posle okončanija graždanskoj vojny. Territorija i naselenie. Moskva 1986; ders.:
Graždanskaja vojna: vzgljad skvoz’ gody. In: Ders., Ju.I. Igrickij (otv. red.): Graždanskaja vojna v Rossii: perekrestok
mnenij. Moskva 1994; A. I. Stepanov: Psichogenetičeskie i ėtnokul’turnye posledstvija massovogo terrora 1917–
1922 gg. In: P. V. Volobuev (otv. red.): Revoljucija i čelovek. Social’no-psichologičeskij aspekt. Moskva 1996; Ju.A.
Poljakov ([Link].): Naselenie Rossii v ХХ veke. Istoričeskie očerki. V 3 t. T. 1: 1900–1939. Moskva 2000. In der
wissenschaftlichen Literatur ist recht häufig auch die Verlustschätzung von 25–26 Mio. Menschen anzutreffen
(siehe z. B. Ričard Pajps: Rossija pri bol’ševikach. Moskva 1997, S. 602).

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 51–61


[Link] 51
Igor’ Narskij

Die Bevölkerung des Russischen Reiches belief sich am Vorabend des Ersten Weltkriegs auf etwa
166 Mio. Menschen und hätte nach Schätzungen von Fachleuten bei friedlicher Entwicklung An-
fang 1923 auf 207,5 Mio. Menschen ansteigen müssen. Unterdessen lebten auf dem Gebiet der
UdSSR 1923 nur 137,5 Mio. Einwohner. Ein Rückgang um 70 Mio. oder ein Drittel der erwarte-
ten Einwohnerzahl lässt sich nur als demografische Katastrophe bezeichnen. Nach dem Verlust
von 30–32 Mio. Einwohnern durch abgetrennte Gebiete, 2–3 Mio. durch massenhafte Emigrati-
on und 20–22,5 Mio. aufgrund indirekter demografischer Verluste verlor das Land von 1914 bis
1922 etwa 20 Mio. Menschen als Opfer eines direkten demografischen Rückgangs. Davon kamen
2 Mio. während des Weltkriegs um. Der überwiegende Teil der Verluste entfällt auf den Zeitraum
1917–1922. Nach einer Schätzung starben in dieser Zeit auf dem Gebiet der künftigen UdSSR
16–18 Mio. Menschen. Davon kamen 5–6 Mio. durch Hunger, etwa 3 Mio. durch Krankheiten
und 3 Mio. auf den Schlachtfeldern des Bürgerkriegs um; Opfer des „weißen“ Terrors wurden
200.000–250.000 Menschen, des „roten“ Terrors etwa 500.000.
Der beispiellose Bevölkerungsschwund im revolutionären Russland kann als Ausdruck und Fol-
ge der massenhaften Migration interpretiert werden. Den Faktoren, die sie begünstigten, den
Formen, in denen sie sich manifestierte und den Effekten, zu denen sie führte, ist die folgende
Darstellung gewidmet, der ein kurzer Ausflug in die Theorie vorangestellt wird.

„Fragen von Leben und Tod“ als Faktoren der Bevölkerungsbewegung


In den letzten Jahrzehnten war in den Sozial- und Geisteswissenschaften ein „räumlicher Um-
bruch“ zu beobachten, dessen Anhänger eine Grenze zwischen einem geografisch bestimmbaren
Gebiet und sozial konstruierbaren Raum zogen.3 Nach dieser neuen Interpretation ist der Raum
veränderlich und eine Frucht menschlicher Tätigkeit.4 Die menschliche Tätigkeit selbst wird im
Hinblick auf die Organisation des Raumes in den letzten Jahren als dessen wichtigste Kompo-
nente verstanden. So zählt der Ökonom Dieter Läpple vier Phänomene zu den Komponenten
des Raumes. Erstens ist dies das materielle Substrat, die durch menschliche Kräfte veränderte
Natur, die sozialen Objekte, materielle Artefakte und die Menschen selbst. Zweitens sind dies die
Machtbeziehungen, Regeln und Normen sowie Eigentumsformen, die die Raumordnung beein-
flussen. Drittens ist dies die menschliche Praxis zur Aneignung und Nutzung des Raumes. Und
schließlich viertens ist dies die symbolische Kodierung des Raumes, seine Repräsentation und
Wahrnehmung.5 Die Anwendung des sozialkonstruktivistischen Ansatzes in der historischen
Forschung erlaubt es, in der sozialen Organisation des Raumes nicht nur die Reflexion der poli-
tischen Realien und der konkret-historischen Pragmatik zu sehen, sondern auch die symbolische

3 Die russische Soziologie gehört im Bereich der Untersuchung des Raums zu den Nachzüglern. In einer theore-
tischen Arbeit, die speziell der Soziologie des Raumes gewidmet ist, kommt A. F. Filippov bezeichnenderweise zu
dem vorsichtigen Schluss, dass „eine solche Disziplin möglich ist“. Siehe A. F. Filippov: Sociologija prostranstva.
Sankt-Peterburg 2008, S. 359.
4 Einen kompakten Überblick über diesen Ansatz bietet Frithjof B. Schenk: Russlands Fahrt in die Moderne. Mobil-
ität und sozialer Raum im Eisenbahnzeitalter. Stuttgart 2014, S. 19–23. Für eine Bibliografie der soziologischen
Ansätze zur Untersuchung des Raumes, die den Grad der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem
Phänomen abbildet, siehe Filippov, Sociologija prostranstva, S. 267–283.
5 Siehe Dieter Läpple: Essay über den Raum. In: Hartmut Häußermann u. a. (Hrsg.): Stadt und Raum. Soziologische
Analysen. Pfaffenweiler 1991, S. 157–207.

52
Die russische Revolution und die Bevölkerungsbewegung

Füllung. Die räumliche Gestaltung des Lebens von Gesellschaften, auch deren demografische
Komponente als eine der Praktiken zur Transformation des Raumes,6 wird zu einer bedeutsamen
Verkörperung der kulturell-mentalen Prozesse, der Vorstellungen der historischen Akteure über
sich, über das kulturell Nahestehende und Fremde, über die Vergangenheit, die Gegenwart und
die Zukunft.
Unter den Faktoren, die die Bevölkerungsbewegung in der Russischen Revolution als Faktor der
Transformation des Raumes bestimmten, sind erstens diejenigen hervorzuheben, die mit der
Geburtenrate und (der natürlichen und gewaltsamen) Mortalität zusammenhängen, und zwei-
tens mit dem (erzwungenen) Ortswechsel innerhalb und außerhalb des Landes. Obgleich beide
Faktorengruppen eng miteinander verbunden sind, ist es sinnvoll, sie nachstehend getrennt zu
behandeln, um den Versuch zu unternehmen, den Platz der Migrationen in der demografischen
Bevölkerungsbewegung und ihre Rolle in der Russischen Revolution zu bestimmen.
Die mit der Revolution zusammenhängenden Bedingungen mit erhöhten Risiken und materi-
eller Not wirkten sich ungünstig auf das Verhältnis zwischen Geburtenrate und Sterberate im
ehemaligen Russischen Reich aus. Der Gesamtfaktor für die Geburtenrate in Russland sank 1920
auf 36,7 Geburten je 1.000 Personen, der Sterblichkeitskoeffizient stieg auf 45,2, wodurch der
natürliche Bevölkerungsrückgang 833.000 Personen betrug und damit den klassischen Fall einer
demografischen Katastrophe darstellte. 1921 wies das Gesamtwachstum trotz eines geringfügi-
gen Bevölkerungsanstiegs aufgrund der Migrationsverluste negative Werte auf. Erst 1923 war ein
deutlicher natürlicher Bevölkerungsanstieg von fast 2,5 Mio. Personen zu verzeichnen. Die Le-
benserwartung in Russland schwankte 1920 um die Marke von 20 Jahren (19,5 Jahre für Männer
und 21,5 Jahre für Frauen). In den Folgejahren begann die Lebenserwartung zu steigen und lag
1923 bei 33,6 Jahren (31,5 für Männer, 35,8 Jahre für Frauen). Eine so niedrige durchschnittliche
Lebenserwartung lässt sich nur durch eine katastrophal hohe Säuglingssterblichkeit erklären, die
1920–1923 von 251 auf 229 Todesfälle je 1.000 Säuglinge zurückging. Die Zahl der Kinder bis 5
Jahre sank von 1920 bis 1922 um mehr als 0,5 Mio., im Alter von 5–9 Jahren um fast 2 Mio. Einen
deutlichen Rückgang verzeichnete auch die Zahl der älteren Menschen über 65 Jahre.7
Die Hauptgründe für den katastrophalen physischen Bevölkerungsrückgang waren gewaltsame
Todesfälle infolge von Kampfhandlungen und Terror von 1917–1920 (bis zu 4 Mio. Menschen),
von Massenepidemien 1918–1922 (3 Mio. Menschen) und Hunger 1921/1922 (bis zu 6 Mio.
Menschen). In den Jahren 1917 bis 1922 starben in Russland aufgrund epidemischer Erkran-
kungen etwa genauso viele wie auf den Schlachtfeldern des Bürgerkriegs und eineinhalbmal so
viele wie im Ersten Weltkrieg. In einer Analyse der Kriegsfolgen kamen Experten für Ernährungs-
hygiene – und gleichzeitig Zeitzeugen – zu folgendem unerfreulichen Schluss: „Die kolossalen
Ausmaße der durch den Krieg verursachten Katastrophen für die Volksgesundheit und den Hy-
gienezustand des Landes können mit den heute vorhandenen Daten gar nicht vollständig erfasst
werden. Das wiedererstarkende Land wird mit der Beseitigung der schwerwiegenden Folgen der

6 Für eine Bibliografie über den gegenwärtigen Stand der Untersuchung von Migrationen siehe Pol Kollier [Paul
Collier]: Ischod. Kak migracija izmenjaet naš mir. Moskva 2016, S. 376–382.
7 Siehe Andreev et al., Naselenie Sovetskogo Sojuza, S. 11, 14, 121 f., 125; ebd., S. 81–143.

53
Igor’ Narskij

Katastrophe noch jahrzehntelang beschäftig sein.“8 Dieses Verdikt eines kompetenten Zeitgenos-
sen gilt umso mehr für die Zeit der Revolution und des Bürgerkriegs, des „Kriegskommunismus“
und des Beginns der Neuen Ökonomischen Politik (NĖP), die von Augenzeugen als natürliche
Fortsetzung und Folge des Ersten Weltkriegs betrachtet wurden: Die Epidemien während der
Revolutions- und Kriegskataklysmen wurden zu einer Katastrophe pandemischen Ausmaßes.
Die ungeahnten Dimensionen dieser komplexen sozialbiologischen Erscheinung des von der
Revolution ergriffenen Landes lassen sich durch die abrupte Verschlechterung der Lebensbedin-
gungen erklären, die die Barrieren für eine ununterbrochene Funktion der Übertragungsmecha-
nismen von Infektionskrankheiten beseitigten. Die Hauptwege für deren Ausbreitung – Wasser,
Lebensmittel und alltägliche Kontakte – waren offen für massenhafte Ausbrüche vieler Krank-
heiten. Die Epidemien waren die Konsequenz eines Gesamteffektes folgender Faktoren: der Zer-
störung der mangelhaften Wasserleitungs- und Kanalisationssysteme, der Verschlechterung der
bakteriologischen Wasserwerte; der archaischen und in den städtischen Zentren inakzeptablen
Hygienekultur der zur Migration gezwungenen, von Krieg und Hunger verfolgten unteren Bevöl-
kerungsschichten; der katastrophalen Verschlechterung der materiellen Lage, die ihren Ausdruck
in einer veränderten Ernährung und verminderten Vitaminaufnahme, einem ungünstigen emo-
tionalen Hintergrund und hohen Konzentration von Stresssituationen, in einer Brennstoffkrise
und im Zerfall des Wohnungsbestandes sowie einem Mangel an Kleidung und Schuhen fand
(was die Gefahr eines Wärmestaus oder einer Unterkühlung erhöhte).9
Der Hunger von 1921/1922 (in einigen Regionen von 1919–1923) verschärfte die negativen
Tendenzen in der Bevölkerungsbewegung im revolutionären Russland. Die Ärzte jener Zeit,
Zeugen eines täglichen Massensterbens, unterschieden klar zwischen dem Tod infolge von Hun-
ger (dazu gehörte der Tod wegen Typhus, Ruhr und Skorbut, die den vom Hunger geschwächten
Körper angriffen) und dem Hungertod, der nach einem langem Mangel an Nahrung eintrat, wo-
durch der Körper des Menschen zuerst anschwoll, danach austrocknete und sich in ein mit Haut
überzogenes Skelett verwandelte. Der erste sowjetische Massenhunger kann als einer der Fakto-
ren betrachtet werden, der dem breiten Widerstand der Landbewohner gegenüber dem neuen
Regime und damit gegenüber den revolutionären Ereignissen 1917–1921 ein Ende setzte.10

Migrationsströme und deren Folgen


Die zweite Schlüsselkomponente für die Bevölkerungsbewegung im revolutionären Russland
waren die Migrationsströme. Bis zu 35 Mio. Menschen verlor das ehemalige Russische Reich
durch Abtrennung von Gebieten und Flucht/Vertreibung der Bevölkerung aus dem Land. Die
Emigration besonders von Vertretern der privilegierten Schichten der vorrevolutionären Ge-
sellschaft führte zur Entstehung mehrerer Emigrationszentren in Europa und den USA (Berlin,
Prag, Paris, New York), die zu Zentren der „russischen Exilkultur“ wurden, die wiederum einen
wesentlichen Einfluss auf die „westliche“ Kultur und auch auf die wissenschaftlichen und künst-

8 V. I. Binštok, L. S. Kaminskij: Narodnoe pitanie i naprodnoe zdravie. Moskva/Leningrad 1929, S. 86.


9 Ausführlicher siehe N. D. Juščuk, Ju.V. Martynov: Ėpidemiologija. Moskva 1993, S. 9–14, 130, 135, 261.
10 Detailliert hierzu siehe I. V. Narskij: Žizn’ v katastrofe. Budni naselenija Urala v 1917–1922 gg. Moskva 2001,
S. 350–366, 497–505.

54
Die russische Revolution und die Bevölkerungsbewegung

lerischen Interpretationen der russischen Revolution ausübten.11 In diesem Zusammenhang


wurde die Geschichte des „Exodus“ von drei Millionen (ehemaliger) Untertanen der Romanov-
Dynastie aus Russland in den Jahren von 1914 bis1922 systematischer erforscht und ist deut-
lich besser bekannt als die inneren Migrationsströme im revolutionären Russland. Bei Letzteren
sind Folgende hervorzuheben: die Bewegungen der Armeen (einschließlich der Garnisonen im
Hinterland und Kriegsgefangenenkontingente) und die sie begleitende Fluchtbewegung sowie
die Bevölkerungsverschiebung zwischen der Stadt und dem Land, einschließlich des Tausch-
handels und der Flucht vom Land in die Stadt, um sich vor dem Hunger zu retten, sowie inter-
regionale Bewegungen der Städter und besonders der Bauern auf der Suche nach ertragreichem
„fettem Boden“.
Die russische Revolution war von den Kampfhandlungen des Bürgerkriegs von 1917 bis 1921
(einschließlich der Aufstandsbewegungen der russischen und nichtrussischen Bauern und Ko-
saken 1918–1921) begleitet. Der Bürgerkrieg unterschied sich vom Ersten Weltkrieg durch be-
weglich geführte Gefechte, Manövrierfähigkeit und einen nicht eindeutigen Frontverlauf, sowie
die größere Rolle der Kavallerie, des Kampfes Mann gegen Mann und der Erfahrung der persön-
lichen und unmittelbaren Tötung des Gegners.12
Die erhöhte Mobilität der Armeen verursachte zahlreiche lokale, regionale und quasi gesamtrus-
sische Angriffe der Gegner des bolschewistischen Regimes aus den Randgebieten des ehemali-
gen Imperiums und Gegenangriffe der Roten Armee mit unterschiedlichem Erfolg. Dies führ-
te zu einem wiederholten Machtwechsel in vielen, vorwiegend peripheren Landesteilen. Dem
Machtwechsel voraus ging der Einzug von Armeeverbänden der Sieger und der Abzug bewaffne-
ter Formationen der Besiegten, in deren Tross sich häufig Flüchtlinge befanden, die dem vorigen
Regime gegenüber loyal gewesen waren und daher Unannehmlichkeiten von der neuen Staatsge-
walt erwarteten. Der Machtwechsel war auch von Gefangennahme, Entzug der Bewegungsfrei-
heit oder im Gegenteil Zwangsumsiedlung einer beträchtlichen Anzahl von Personen begleitet,
die im Militär- oder Zivildienst des gestürzten Regimes gestanden hatten.
Demzufolge lassen sich im europäischen Teil Russlands mindestens drei Zonen feststellen, in
denen die Häufigkeit der Machtwechsel 1917–1920 grundsätzlich unterschiedlich war.13 In der
ersten Zone, die ungefähr die Hälfte der 46 Gouvernements umfasste, erlebte die Bevölkerung
nur zweimal einen Herrscherwechsel – im Frühjahr und Herbst 1917. Seltener fand ein drei-
maliger Wechsel der Macht statt, wenn deren Übergang zu den Bolschewiki ein relativ langes
Verweilen von Zwischenregimen am Ruder der Verwaltung voranging, die der gestürzten Provi-

11 Zu den demografischen Aspekten der Emigration aus Russland siehe Andreev et al., Naselenie Sovetskogo Sojuza,
S. 134–142.
12 Ausführlicher zur Spezifik der Kampfhandlungen während des Bürgerkriegs in Russland siehe Dietrich Beyrau:
Der Erste Weltkrieg als Bewährungsprobe. Bolschewistische Lernprozesse aus dem „imperialistischen“ Krieg. In:
Journal of Modern European History 1 (2003), S. 96–123; I. V. Narskij: Pervaja mirovaja i Graždanskaja voj-
ny kak učebnyj process. Voenizacija žiznennych mirov v provincial’noj Rossii (Ural v 1914–1921 godach). In:
Katja Bruiš, Nikolaus Katcer [Katja Bruisch, Nikolaus Katzer] (red.): Bol’šaja vojna v Rossii. Social’nyj porjadok,
publičnaja kommunikacija i nasilie na rubeže carskoj i sovetskoj ėpoch. Moskva 2014, S. 179–201.
13 Ausführlicher zur Aufteilung des europäischen Teils Russlands in Bezirke nach dem Merkmal der Häufigkeit der
Machtwechsel zur Zeit der Revolution und des Bürgerkriegs siehe Narskij, Žizn’ v katastrofe, S. 45 f., 574–576.

55
Igor’ Narskij

sorischen Regierung oder den Sowjets treu geblieben waren, die gegen die Alleinherrschaft der
Bolschewiki auftraten. Dieses Modell des Machtwechsels war für den zentralen und den nord-
westlichen Teil Russlands, Teile des Wolgagebiets und den Russischen Norden kennzeichnend.
In der zweiten Zone vollzogen sich Machtwechsel zwischen vier und sieben Mal. In diesen Ecken
der russischen Provinz durchlebte die Bevölkerung 1918/1919 einmal oder zweimal die Ankunft
der „Weißen“ und deren Vertreibung durch die „Roten“. Nach diesem Schema entwickelten sich
die Ereignisse in 15, ihrer Zusammensetzung nach vorwiegend russischen Gouvernements an
der Grenze zur Ukraine, in einem großen Teil Neurusslands sowie in einigen Gouvernements des
Wolgagebiets und des Ural. Die dritte Zone schließlich war durch die häufigsten Machtwechsel
gekennzeichnet. Er umfasste 9 Gouvernements: fast die ganze Ukraine und das westliche Stück
Neurusslands – eine Region, in der die Interessen der Sowjets, der deutschen Besatzungsbehör-
den, der ukrainischen Nationalisten sowie der freien Kosaken und Bauern kompliziert miteinan-
der verwoben waren. Die Folge dieser komplexen Kräfteverteilung waren einander abwechselnde
Wellen von „Befreiern“. Epizentrum der Katastrophe in der südwestlichen Peripherie des ehema-
ligen Russischen Reiches war Kiew. Dort gab es 1917 bis1920 die meisten Machtwechsel: Diese
erreichten Rekordzahlen – vierzehn Übergänge der Stadt von einer Hand in die andere in vier
Jahren. Der Machtwechsel in der alten, früher blühenden Stadt wurde für deren Bewohner Teil
ihres bitteren Alltags, in dem alles so sehr vermischt war, dass das Alltagsbewusstsein nicht in der
Lage war, die Reihenfolge der tragischen Ereignisse zu rekonstruieren.14
Ein wichtiges Migrationsphänomen der Russischen Revolution war die Verschiebung der Bevöl-
kerung aus den Städten auf das Land und umgekehrt. Zwischen 1917 und 1920 flohen aus den
Städten etwa 5 Mio. Menschen und retteten sich damit vor Hunger und Terror. Sie zählten vor
allem zu den 6 Mio. jungen Stadtbewohnern, die während des Ersten Weltkriegs vom Land in
die Stadt gezogen waren. Die Metropolen verloren zwischen einem Drittel und der Hälfte ihrer
Einwohner. In 24 von 77 Gouvernements, in denen am 28. August 1920 und am 15. März 1923
Volkszählungen durchgeführt wurden, sank die städtische Bevölkerung in dieser Zeit noch mehr.15
Ein noch größeres Ausmaß als die Flucht der Städter vor dem Hunger auf das Land nahm der
massenhafte Verkehr von Städtern und Landbewohnern zwischen den Städten und dem Land
an, der im revolutionären Russland als „Tauschhandel“ und „Spekulation“ bezeichnet wurde.16

14 Michail Bulgakov, der die Erschütterungen der Jahre 1917–1919 in Kiew erlebte, schrieb vier Jahre später: „Einst-
weilen lässt sich nur eines sagen: Nach Rechnung der Kiewer Einwohner erlebten sie achtzehn Umstürze. Einige
der vagabundierenden Memoirenschreiber zählten ihrer zwölf. Ich kann genau mitteilen, dass es vierzehn waren;
davon habe ich zehn persönlich miterlebt. […]
Hier sei nur erwähnt, daß die Deutschen, diese eisernen Deutschen mit den Schüsseln auf den Köpfen, die mit
dem Feldmarschall Eichhorn und mit prächtigen, wohlgeschirrten Troßfuhrwerken nach Kiew kamen. Die wü-
tenden Bauern hatten ihnen alles weggenommen.
Den Rekord schlug der berühmte Buchhalter und spätere Angestellte des Städtebundes Semjon Wassiljewitsch
Petljura. Viermal drang er in Kiew ein, und viermal wurde er wieder hinausgeworfen.“ In: M. A. Bulgakow: Kleine
Prosa. Bd 1. Berlin [Ost] 1983, S. 429.
15 Siehe Andreev et al., Naselenie Sovetskogo Sojuza, S. 10.
16 Zur Lebensmittelpolitik in den Jahren der Revolution und des Bürgerkriegs sowie zu den Reaktionen der Be-
völkerung darauf siehe S. A. Pavljučenkov: Voennyj kommunizm v Rossii. Vlast’ i massy. Moskva 1997; V. V. Ka-
banov: Krest’janskoe chozjajstvo v uslovijach voennogo kommunizma. Moskva 1998; A .Ju. Davydov: Mešočniki i
diktatura v Rossii. 1917–1921 gg. Sankt-Peterburg 2007.

56
Die russische Revolution und die Bevölkerungsbewegung

Die Revolution und der Bürgerkrieg waren eine Zeit fieberhafter Handelsaktivitäten der Bevöl-
kerung, die gezwungen war, die Eigenversorgung mit dem Notwendigsten selbst in die Hand
zu nehmen. Durch die Erodierung des Marktes für Lebensmittel und Massenbedarfsgüter, die
Geldentwertung, die Funktionsunfähigkeit der zentralen Verteilungssysteme und den Zerfall der
Autorität der Staatsmacht wandten sich alle Schichten der Bevölkerung dem Handel zu – Er-
wachsene und Kinder, die Intelligenz und einfache Einwohner, Soldaten und Arbeiter, Vertreter
der alten und der neuen Elite, Städter und Landbewohner. Begehrtester Kaufgegenstand waren
bäuerliche Nahrungsmittel, die die Stadtbewohner angesichts des wenig erfolgreichen Experi-
ments der Sowjetmacht zur Zentralisierung der Lebensmittelversorgung der Stadtbevölkerung
1918–1920 gezwungen waren, selbständig auf dem Land zu suchen und die Bauern – mit dem
Risiko für Eigentum und Leben – illegal in die Städte zu liefern.
Bis Herbst 1917 wurde die Entwicklung der „Spekulation“ noch durch die relative Sättigung
des Marktes und den freien Handel, die Kontrollaktivitäten der Einwohner und die moralische
Ablehnung dieser Erscheinung in breiten Bevölkerungsschichten gezügelt. Der Begriff „Speku-
lation“ wurde als Synonym für „Geschäftemacherei“ verwendet und hatte eine negative Konno-
tation. Die erste Welle des massenhaften Tauschhandels von Zentralrussland und dem Wolgage-
biet in den Ural und nach Westsibirien im Oktober/November 1917 lässt vermuten, dass es im
Bewusstsein der Bevölkerung Zentralrusslands in dieser Zeit zu einer ernsthaften Verschiebung
kam: Die „Spekulation“ hatte aufgehört, etwas Anstößiges oder Verwerfliches zu sein. Diese
Vermutung wird durch viele Aussagen von Zeitzeugen bestätigt, die bis dahin der massenhaften
Kommerzialisierung missbilligend gegenüberstanden. Wie einer von ihnen Ende 1917 mit Bit-
ternis feststellte, „erringt die Spekulation den größten, glänzendsten Sieg über den Verstand brei-
ter Bevölkerungsschichten. Die Spekulation wird von vielen, ich würde sagen, von den meisten
als legale Erscheinung betrachtet…“17
Mitte 1918 kaufte die Stadtbevölkerung im Bereich der bolschewistischen Herrschaft bei ille-
galen privaten Händlern zwischen 70 und 90 % der konsumierten Lebensmittel. Im Gegenzug
erklärte eine Verordnung des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees im Mai 1918 aufgrund
der die Lebensmittelpolitik der Behörden bedrohenden Verbreitung des Amateurhandels die
Tauschhändler und die Bauern, die ihnen Lebensmittel verkauften, zu Feinden des Volkes. Aller-
dings waren die regelmäßigen Verbote nicht nur der „roten“ sondern auch der „weißen“ Behör-
den nicht in der Lage, die kommerzielle Initiative des Volkes und die Form der Selbstorganisation
im Namen des Kampfes gegen den Hunger zu unterbinden. Die Ausmaße des Tauschhandels
überstiegen die Möglichkeiten der staatlichen Kontrolle deutlich. Die Inkonsequenz der sowjeti-
schen staatlichen Politik gegenüber den Tauschhändlern, die vielfache Differenz bei den Preisen,
insbesondere in den Grenzgebieten zwischen „roten“ und „weißen“ Gebieten, die Nachbarschaft
von Regionen mit freiem Handel und solchen mit festen, deutlich niedrigeren Preisen – all dies
verlieh dem Tauschhandel in den Jahren 1918 bis 1920 einen nachhaltigen Charakter. Herrsch-
te ursprünglich der professionelle und organisierte Tauschhandel vor – für bestimmte Gruppen
und auf Handelstätigkeit ausgerichtet, so wurde dieser 1920 von Einzelkonsumenten verdrängt,
die Nahrungsmittel für sich selbst suchten. Ihre Stärke lag nicht in der Organisiertheit, sondern

17 Narodovlastie. 1917. Nr. 17, S. 17.

57
Igor’ Narskij

in der unübersichtlichen und nicht kontrollierbaren Fülle. „Der Tauschhandel wurde zu einer der
größten und erfolgreichsten Migrationspraktiken der Bevölkerung im revolutionären Russland.“
Die Hungerkatastrophe des ersten Jahres der NĖP führte wiederum zu einem Anstieg der Migra-
tionswellen, die offenbar die Ausmaße der Bürgerkriegszeiten überstieg.18 Die Städte waren über-
füllt mit hungernden, schmutzigen, verlausten, kranken, obdachlosen und hilflosen Flüchtlingen,
deren größter Teil zum Tod auf der städtischen Straße verurteilt war. Die sanitären Zustände in
den Städten fielen auf ein beispiellos niedriges Niveau.19
Aus der Gedrängtheit der Einwohner, der hohen Konzentration der zugereisten Zivilbevölke-
rung und der Truppenkontingente folgte eine erhöhte Belastung für das städtische Leben, es er-
gab sich jedoch keinesfalls eine unausweichliche Verschlechterung der sanitären Zustände in den
Städten. Diese hing vor allem davon ab, wie sich das kulturelle Erscheinungsbild der zivilen und
militärischen Ergänzung der städtischen Einwohner gestaltete. Historiker und Soziologen ver-
wenden die Begriffe „Verbäuerlichung“, „Ruralisierung“ und „Archaisierung“ zur Beschreibung
der politischen und sozialen Transformationen der sowjetischen staatlichen Ordnung und der
Gesellschaftsstruktur in Sowjetrussland und in der UdSSR.20 Die massenhafte Aufwärtsmobili-
tät der dem bäuerlichen Milieu Entstammenden, der Aufstieg von Landbewohnern an die Spit-
zen der neuen Elite ist allerdings nicht nur vom sozialpolitischen, sondern auch vom kulturellen
Standpunkt aus betrachtungswürdig. Die Zerstörung der städtischen Gesundheits- und Hygie-
nestandards im revolutionären Russland darf durchaus als Verkörperung einer kulturellen „Ver-
bäuerlichung“ der russischen Stadt interpretiert werden. Der frühere Bauer, ob er nun in einen
Bauernmantel, Soldatenmantel, eine Unteroffiziersuniform, eine Arbeiterjacke, den Ledermantel
eines Tschekisten oder eines verantwortlichen sowjetischen Funktionärs gekleidet war, brachte
die Gepflogenheiten der ländlichen Lebensart, deren Hygienekultur auf unterstem Niveau lag, in
die Stadt. Die Bewohner russischer Dörfer scheuten nicht davor zurück, Wasser von zweifelhafter
Sauberkeit zu verwenden. Die Bauern tranken aus den Gewässern, in die auch das Vieh ging. Die
Ufer der Flüsse, Seen und Teiche verwandelten sich in Ablageorte von Müll und sogar von Kada-
vern der Nutztiere. Klosetts kannte man bis in die 1930er-Jahre noch nicht einmal in der relativ
prosperierenden und reinlichen Kosakenstaniza, in der man die natürlichen Bedürfnisse im Stall
verrichtete, den der fleißige Besitzer freilich täglich reinigte.21

18 Über den ersten Hunger in Sowjetrussland siehe Bertrand Patenaude: The Big Show in Bololand. The American
Relief Expedition to Soviet Russia in the Famine of 1921. Stanford 2002; [Link]. Chmelevskaja: Missija vypolnima?
Amerikanskaja filantropija protiv pervogo sovetskogo goloda (k 90-letiju načala dejatel’nosti Amerikanskoj ad-
ministracii pomošči na Urale, 1921–1923 gg.). In: Vestnik Permskogo gosuniversiteta. Istorija 2011. Nr. 3 (17),
S. 65–74; A .Ju. Fedotova, N. A. Fedorova: Pomošč’ golodajuščemu naseleniju TASSR sovetskimi i inostrannymi
organizacijami v 1921–1923 gg. Kazan’ 2013; N. V. Usmanov: Amerikanskaja administracija pomošči na Urale
(1921–1923 gg.). Ufa 2015.
19 Zum Hygienezustand der Städte in der Zeit der Revolution am Beispiel Urals siehe I. V. Narskij: Kanalizacija
chaosa i chaos v kanalizacii: sanitarno-gigieničeskoe sostojanie ural’skich gorodov v 1917–1923 gg. In: Ders., O.
Nikonova (red.): Čelovek i vojna. Vojna kak javlenie kul’tury. Moskva 2001, S. 238–265.
20 Siehe z. B. Мoshe Lewin: The making of the Soviet System. New York 1985; R. Pajps. Rossija pri starom režime. M.,
1993; A. G. Višnevskij: Serp i rubl’. Konservativnaja modernizacija v SSSR. Moskva 1998.
21 Der Verfasser dankt dem Čeljabinsker Ethnologen Andrej Rybalko, der unveröffentlichtes Feldmaterial zur Hygi-
enekultur in den Stanizen auf dem Gebiet des Orenburger Kosakenheeres zur Verfügung gestellt hat.

58
Die russische Revolution und die Bevölkerungsbewegung

Das Leben in der grauen Szenerie des „verbäuerlichten“ Alltags kennzeichnete war durch den Tri-
umph des gesichtslosen, „fahlen“ Menschen mit minimierten, genügsamen Bedürfnissen, Anfor-
derungen und Erwartungen. Die Propagandisten der Annäherung an das Volk und der „Simpli-
fizierung“ aus den Reihen der vorrevolutionären russischen Intelligenz wären zweifellos entsetzt
gewesen, hätten sie die Früchte der Umsetzung ihrer Aufrufe im frühen Sowjetrussland gesehen.
In einer Situation der revolutionären Katastrophe waren jene kulturellen Codes des ländlichen
Standes gefragt, der nur zwei Generationen zuvor im Zustand bürgerlicher Handlungsunfähig-
keit verharrt hatte – die Psychologie der fehlenden Gleichberechtigung, das erniedrigende Ver-
hältnis zur menschlichen Persönlichkeit und zum Leben an sich, die Bereitschaft, zu erniedrigen
und erniedrigt zu werden, Gewalt anzuwenden und diese demütig zu ertragen.
Den abrupten Zustrom ehemals ländlicher Bewohner, der nach der Befreiung der Bauern von
der Leibeigenschaft 1861 eingesetzt hatte und sich besonders während der Industrialisierung
des Russischen Reiches an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und in den Jahren des
Ersten Weltkriegs, der Revolution und des Bürgerkriegs verstärkt hatte, konnte die Stadt nicht
verkraften. Sie geriet in die Macht von Leuten, die, mit den Worten eines Klassikers, „…die ganz
Europa um 200 Jahre hinterherhinken und sich erst langsam daran gewöhnen, überhaupt eine
Hose zu tragen!“22
Die Flucht der Bauern vor dem Hunger 1921/1922 vom Land in die Stadt und in ertragrei-
chere Gegenden war von deutlich größeren Menschenverlusten begleitet als der Tauschhan-
del. Dieser verlief in Formen, die für nicht ertragreiche Jahre üblich waren und sich regelmäßig
im bäuerlichen Alltag wiederholten. Die Familienoberhäupter und die gesunden erwachsenen
männlichen Familienmitglieder verließen das Dorf auf der Suche nach zusätzlichen Verdienst-
möglichkeiten, Kinder und Alte zogen fort zum Betteln. Die traditionellen Richtungen der
„Hungermigration“ aus dem europäischen Teil Russlands waren der Osten und der Süden. Für
die Hütung des Hofes blieben nur die Frauen übrig. Die spontane Migration der Bauern zum
Überleben des Hungers nahm allerdings in den Jahren 1921/1922 beispiellose Ausmaße an.
Die Bauern machten sich in ganzen Dörfern auf den Weg und ließen ihre Häuser zurück oder
tauschten sie – wenn sie Glück hatten – gegen Lebensmittel ein. Über die Dörfer, von Amts-
bezirk zu Amtsbezirk, zogen manchmal Scharen von Bedürftigen von 30 bis 40 Personen, die
oft Hunderte von Werst zurücklegten, und bettelten um Brot. Die zum Betteln nicht fähigen
und daher zum Hungertod verurteilten Kleinkinder brachten die Bauern in staatliche Heime
mit der Bitte, sie zur Versorgung aufzunehmen. Da es aufgrund mangelnder Plätze meist nicht
gelang, die Kinder unterzubringen, war eine massenhafte Aussetzung von Kindern bei Heimen
und anderen staatlichen Einrichtungen zu beobachten. Welche unsichere Überlebensquelle die
bäuerliche Migration zur Rettung vor dem Hunger war, zeigen die bis zu 6 Mio. Hungertoten in
den Jahren 1921/1922.
Die Arten des Ortswechsels während der Revolution waren beträchtlichen Veränderungen un-
terworfen. Der Eisenbahn kam im ersten Jahr der Revolution durch ihre Ausbreitung von den
Metropolen in die Provinzen eine besondere Rolle zu. Nach Meinung des Zeitgenossen und
aktiven Teilnehmers an den revolutionären Ereignissen, Anton I. Denikin, waren der Ural und

22 M. A. Bulgakow: Das hündische Herz. Berlin 2013, S. 44.

59
Igor’ Narskij

Sibirien ein ungünstiger Boden für den Bolschewismus, der sich „… hauptsächlich vom Zent-
rum zur Peripherie auf mechanischem Wege ausbreitete, entlang der Hauptbahnlinien. Er wurde
vor allem durch eine Welle von Soldaten, zum Teil Kosaken, eingeschleppt, die von der Front
herüberschwappten…“23
Allerdings erschöpfte sich damit die Rolle des Eisenbahnnetzes nicht. Die Bahn, die im späten
Russischen Imperium zum wichtigsten Migrationskanal wurde, insbesondere der organisierten
bäuerlichen Migration24, bewahrte eine wichtige Bedeutung bei der Überwindung großer Ent-
fernungen, war jedoch einer ausgeprägten Archaisierung ausgesetzt. Die Zerstörung des Ver-
kehrsnetzes und des rollenden Materials während der Revolution, besonders in den Epizentren
des Bürgerkriegs, die Änderungen in der Organisation der Transporte (einschließlich der Ab-
schaffung der Klassen während des „Kriegskommunismus“), die „Demokratisierung“ der Fahr-
gastzusammensetzung – das Hauptkontingent stellten die „Tauschhändler“ – führten zu einem
katastrophalen Absinken der Eisenbahndienstleistungen. Anfang der 1920er-Jahre fuhren die
Menschen mit der Eisenbahn unter Bedingungen, die noch nicht einmal für den Viehtransport
geeignet gewesen wären: Passagierwaggons, die trotz der teuren Fahrkarten nur Güterwaggons
ohne Pritschen waren: Die Leute saßen oder lagen auf dem mit Spucke bedeckten Boden, durch-
gehende Fahrgäste stiegen über sie hinweg.
Bahnhöfe und Züge wurden zu Orten der größtmöglichen Konzentration von Kriminalität. Die
Zeitungen warnten während der Revolutionszeit die Leser immer wieder davor, sich ohne drin-
gende Notwendigkeit im Bereich von Bahnhöfen aufzuhalten. Es war symptomatisch, dass Bahn-
höfe und beheizte Waggons neben der Lebensmittelschlange, dem Museum und dem Subbotnik
zu wichtigen Punkten des Kommunikationsnetzes wurden, besonders in den Kampfgebieten des
Bürgerkriegs. Durch die Berührung mit den beweglichen und durchlässigen Frontlinien, die Auf-
lösung der Grenzen zwischen Front und Hinterland, die Eskalation des totalen Mangels an Le-
bensmitteln und Massenbedarfsgütern sowie den massenhaften Tauschhandel verwandelte sich
die Eisenbahn in eine „Zone der Legendenbildung“ (Mark Blok) und ein „Krisennetz“ (Tat’jana
B. Ščepanskaja).25
Gleichwohl aufs Neue gefragt waren in großem Maße vormoderne Arten der Fortbewegung: Ein-
zelpersonen und Gruppen zu Fuß, zu denen sich (meist ländliche) Bettler zusammenschlossen;
Übersiedlungen mit Pferdefuhrwerken ganzer (meist bäuerlicher) Familien, die ihre angestamm-
ten Plätze verlassen hatten und vor Krieg, Terror und Hunger flüchteten; Migrationen im Tross

23 A. I. Denikin: Očerki russkoj smuty. Moskva 1991, S. 155.


24 Ausführlicher siehe Schenk, Russlands Fahrt in die Moderne.
25 Ausführlicher zu den Gerüchten unter Extremsituationen siehe Marc Bloch: Rèflexions d’un historien sur les faus-
ses nouvelles de la guerre. In: Ders.: Mèlanges historiques. Bd. 1. Paris 1963, S. 41–57; T. B. Ščepanskaja: „Krizis-
naja set’“ (tradicii duchovnogo osvoenija prostranstva). In: T. A. Bernštam (red.-sost.): Russkij Sever. K probleme
lokal’nych grupp. Sankt-Peterburg 1995, S. 110–176; Stiven Smit: Nebesnye pis’ma i rasskazy o lese: „Sueverija“
protiv bol’ševizma. In: Antropologičeskij forum 2005. Nr. 3. S. 269–284, hier S. 284. Zu den Gerüchten in der
russischen Revolution am Beispiel des Ural siehe I. Narskij et al. (red.): Kak kommunist čerta rasstreljat’ cho-
tel: apokalipsičeskie sluchi na Urale v gody revoljucii i Graždanskoj vojny. In: Sluchi v Rossii XIX–ХХ vekov.
Neoficial’naja kommunikacija i „krutye povoroty“ rossijskoj istorii. Čeljabinsk 2011, S. 233–255.

60
Die russische Revolution und die Bevölkerungsbewegung

einer abziehenden Armee. Der massenhafte erzwungene Übergang zu einer (halb)nomadischen


Lebensweise war ohne Primitivierung der Fortbewegungsmittel unmöglich.
Damit waren die Migrationspraktiken ein wichtiger Bestandteil der Bevölkerungsbewegung in
der russischen Revolution, wobei sie eine ambivalente Rolle spielten. Der permanente massen-
hafte Ortswechsel von bewaffneten Einheiten sorgte für einen wiederholten Wechsel der politi-
schen Regime in einzelnen Regionen des ehemaligen Russischen Reiches und erzeugte ein poli-
tisches Chaos und einen Autoritätsverlust jeder Macht, was zu charakteristischen Merkmalen der
russischen Revolution wurde. Die massenhaften chaotischen Migrationsströme führten zu einer
Ansammlung unsteter Bevölkerungsgruppen in den städtischen Zentren, machten die hygieni-
sche und epidemische Lage in den Städten komplizierter und blockierten staatliche Experimente
im Bereich der Lebensmittelpolitik, des Handels und der Verteilung. Gleichzeitig waren die Mi-
grationspraktiken die zivilisierteste Art der Lösung der drängenden Probleme – der Versorgung
der Stadtbevölkerung mit Lebensmitteln vor dem Hintergrund der Auflösung des freien Marktes,
der Existenzerhaltung der Landbevölkerung unter den Bedingungen einer brutalen staatlichen
Requirierungspolitik und massenhaften Missernten. Diese Praktiken stützten sich in beträchtli-
chem Umfang auf die reichen früheren Erfahrungen breiter Bevölkerungsschichten und erlaub-
ten es ihnen damit, auch unter den außergewöhnlichen Bedingungen von Revolution und Bür-
gerkrieg im Rahmen der eigenen Kultur zu bleiben. Gleichzeitig zeugen die im revolutionären
Russland ausgebrochene demografische Katastrophe und der Anstieg des ins Abseits geratenen
Bevölkerungsanteils von dem begrenzten Erfolg der Migrationspraktiken der Bevölkerung in den
Jahren der russischen Revolution.

61
Aleksandr Šubin

Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution

Wenn wir die Gründe und den Verlauf der Revolution untersuchen, die im Russischen Reich 1917
begann, kommen wir neben den sozialen Faktoren unweigerlich auch zu den nationalen. In den
nationalen Geschichtsschreibungen werden diese Ereignisse häufig als selbständige Revolutio-
nen betrachtet, ein Phänomen nur der nationalen Geschichte („Ukrainische Revolution“, Unab-
hängigkeitskampf der Staaten des Baltikums und Transkaukasiens u. a.). Aber alle diese nationa-
len Strömungen sind gleichzeitig auch Teil eines größeren Komplexes – der Großen Russischen
Revolution von 1917–1922 (als „russisch“ wird diese Revolution nicht wegen der Zugehörigkeit
zur heutigen Russischen Föderation bezeichnet, sondern weil sie auf dem Gebiet des zerfallen-
den Russischen Reiches zum Ausbruch kam).

Längen- und Breitengrade der Geschichte


Das Verhältnis ethnisch-nationaler und sozialer Faktoren bei historischen Ereignissen ist ein
wichtiges wissenschaftliches Problem. Es steht im Zentrum der Diskussion zwischen Anhän-
gern des zivilisatorischen und des stadialen Ansatzes bei der Analyse historischer Prozesse. Dem
Wesen nach ist der Kampf zwischen Zivilisations- und Formationsansatz in deren reinsten For-
men der Kampf zwischen zwei Extremen. Die Ablehnung der stadialen Unterschiede ist genau-
so ein Extrem wie die Ablehnung der ethnokulturellen Besonderheiten. Indessen war schon in
der marxistischen Geschichtsschreibung das Problem des „Allgemeinen und des Besonderen“
formuliert,1 das die Möglichkeit gibt, „die goldene Mitte“ aufzuspüren: Alle Länder durchlaufen
ein und dieselben Stadien der Vorwärtsbewegung (des „Fortschritts“), aber jedes durchläuft sie
auf seinem eigenen Weg.2
Es wäre interessant, eine Typologie zu erstellen, die die stadialen und ethnozivilisatorschen
Merkmale in einem einheitlichen Koordinatensystem in Abhängigkeit von der Art zusammen-
fasst, wie das eine oder andere Entwicklungsstadium von verschiedenen Völkern durchlaufen
wird. Tatsächlich gehen sie durch ein und dieselben Stadien auf verschiedene Weise hindurch:
mit größeren oder kleineren Zerstörungen und Opfern, mit größerer oder geringerer Energie der
an den Ereignissen beteiligten sozialen Schichten. Für die einen Länder sind „konservative“ Ent-
wicklungsstadien günstiger, für die anderen sind Revolutionszeiten produktiver. Ein historisches
Ereignis befindet sich sozusagen am Schnittpunkt sozialstadialer „Breitengrade“ und ethnokultu-
reller „Längengrade“. Es steht zu vermuten, dass die nationale Kultur zu einer Art „Resonanz“ mit
denselben Perioden der gesellschaftlichen Entwicklung gehört, die in größtem Maße der sozial-
psychologischen Struktur des Volkes entsprechen.3

1 Siehe z. B. G. F. Kim (otv. red.): Obščee i osobennoe v istoričeskom razvitii stran Vostoka. Moskva 1966.
2 Siehe A. V. Šubin: Ritmy istorii. Moskva 1996.
3 Ebd.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 63–83


[Link] 63
Aleksandr Šubin

Möglicherweise kann diese Typologie entsprechend den objektiven Kriterien für die Reaktion
verschiedener Völker auf allgemeine stadiale Herausforderungen aufgebaut werden. Eine die-
ser Herausforderungen war die Große Russische Revolution und der Bürgerkrieg in den Jahren
1917–1922 und sogar die breitere Welle der Nachkriegsrevolutionen, in deren Strudel viele ver-
schiedene Völker hineingezogen wurden.
Hierbei darf der tiefgreifende Zusammenhang zwischen der sozialen Revolution und der Natio-
nenbildung (die zuweilen als nationale Aufgabe der Revolution bezeichnet wird) nicht vergessen
werden. Die moderne Nation ist das Produkt der industriellen Modernisierung mit dem Streben
nach Standardisierung, auch Standardisierung der Kultur, die die Nation als standardisierter so-
zialkultureller territorialer Komplex mit sich bringt. Der Modernisierungsprozess wird von sozi-
alen Revolutionen und anderen gleichartigen Erschütterungen begleitet. Die Revolution soll die
Systemhindernisse auf dem Weg zur Modernisierung überwinden. Die Nationenbildung erzeugt
ein gewisses sprachliches und sozialkulturelles Umfeld, die kulturellen Standards der Moderni-
sierung. Diese Wechselbeziehung bringt das Dilemma des „Sozial-Nationalen“ in den meisten
Revolutionen hervor, die sich im Stadium des Übergangs von der traditionellen Gesellschaft zur
industriellen Gesellschaft vollziehen.
Die Revolution als „Rammbock“ der industriellen Modernisierung,4 eröffnet neue Möglichkei-
ten für die Nationenbildung, die eine der Erscheinungen der industriellen Standardisierung im
Bereich der Kultur ist und mit einer abrupten Verschärfung ethnischer Konflikte einhergeht. Na-
tionale Bewegungen und sozialpolitische Kräfte, die in den revolutionären Umsturz hineingezo-
gen wurden, waren bestrebt, einander zu nutzen, die sozialen Aufgaben lagen in den politischen
Programmen neben den nationalen. Aber auf unterschiedlichem ethnosozialem Boden gingen
nationale und soziale Losungen auf unterschiedliche Weise auf, einmal einander anziehend und
konsolidierend, dann wieder einander ablehnend und die Massen spaltend.
Die soziale Explosion des Jahres 1917, die vom Zentrum des Reiches ausging, „überdeckte“ mit
ihrer Welle verschiedenste Sozien – vom ethnisch in seinem territorialen Kern konsolidierten
Finnland bis zur ethnischen Gemengelage des Kaukasus, von den (für ihre Zeit) mittelmäßig
entwickelten agroindustriellen europäischen Territorien des Russischen Reiches bis Mittelasi-
en, dessen Modernisierungsniveau dem in Westeuropa des 16.–18. Jahrhunderts entsprach. Die
Revolution brachte eine Vielzahl bemerkenswerter Führer nach vorne, die im Namen des Sozia-
lismus, des Kommunismus, der Klassen, der Demokratie und der Nation agierten. Aber all diese
Begriffe entstanden auf westeuropäischem Boden, der sich vom russischen Asien und selbst von
Russland sowohl ethnokulturell, durch den eigentlichen Wortsinn, als auch in stadialer Hinsicht
unterschied. Die Vielfalt der kulturellen Bedeutungen an sich steht einer Typologisierung entge-
gen, aber die sozialen Zustände richten sich auf dem Weg des „Fortschritts“ gleichartig aus, und
wir können im Prinzip verstehen, wie sehr Russland dem einen oder anderen Land des Westens
und die Länder des Transkaukasus wiederum Russland hinterherhinkten. Die Stadien der sozi-
alen Entwicklung sind in diesem Sinn der Schlüssel zur Lösung der schwierigeren Aufgabe der
Typologisierung nationaler Faktoren, die genau in kritischen Perioden wie 1917–1922 eng zu-

4 Ausführlicher zum Begriff „Revolution“ A. V. Šubin: Velikaja rossijskaja revoljucija: ot Fevralja k Oktjabrju 1917
goda. Moskva 2014, S. 6–12.

64
Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution

sammenwirkten, buchstäblich mit den sozialen Faktoren verschmolzen und zu deren Kehrseite
wurden. Die Terminologie der weltweiten Projekte wurde mit spezifischem lokalem Inhalt gefüllt
(in diesem Fall mittels Durchlauf durch die spezifische russische Retorte, die die „Muttermale“
des Russischen Reiches beibehielt). Das soziale Modell, das vom Epizentrum der gesamtrussi-
schen Revolution ausging, wirkte mit „anderen Epochen“ zusammen, in denen die jeweiligen
Völker Asiens immer noch lebten. Und all dies ereignete sich in einer Vielfalt widerstreitender
Kulturen. Ein Mensch, der in den Strudel der Revolution hineingezogen wurde, handelte an ei-
nem Schnittpunkt von Faktoren:
1. soziostrategischer – Revolutionsstrategien der Umwandlung des gesamten „Großruss-
land“ und durch dieses – der Welt.
2. geostrategischer – des Aufbaus eines zerfallenen territorialen Raumes mehrerer Reiche in
neuen territorialen Grenzen, die die Interessen der Soziostrategien und der entstehenden
Nationen gewährleisteten.
3. nationaler – die Ethnien in moderne Nationen mit bestimmten Grenzen und kulturellen
Standards umgestalteten, die es früher möglicherweise nicht gegeben hätte.
4. sozialer – der Struktur lokaler Sozien, die nach den europäischen Theorien bislang weder
zum Sozialismus noch zur Demokratie gereift waren aber durch ihre Führer den Versuch
unternahmen, bei sich das eine wie das andere aufzubauen.
Ein grundsätzlich wichtiger „Marker“ für verschiedene Reaktionen auf die Situation 1917–1922
ist das Verhältnis zwischen sozialen und nationalen Aufgaben in den Augen des aktiven, revoluti-
onierten Bevölkerungsteils. Gelang es den polnischen Führern zum Beispiel, die nationale Kon-
solidierung angesichts der von Osten und Westen eintreffenden Revolutionswelle zu erreichen,
so dominierten in Regionen, die vorwiegend von Russen bewohnt waren, soziale Projekte ganz
offensichtlich gegenüber nationalen, der Nationalismus der „Schwarzen Hundert“ war schon im
Februar 1917 demoralisiert, und die nationalen Parolen der weißen Bewegung trugen nicht zu
deren Erfolg bei.
Zwischen diesen Polen können wir eine interessante Palette von Reaktionen der Völker auf revo-
lutionäre Herausforderungen erkennen.

Die Provisorische Regierung und die ukrainische Synthese


Nach den Meldungen über den Fall der Autokratie entstanden in fast allen „nationalen Periphe-
riegebieten“ des Russischen Reiches drei politische Zentren: eine Vereinigung der Öffentlich-
keit, die loyal zur Provisorischen Regierung war, die Sowjets (der Arbeiter- und Soldaten- sowie
Bauerndeputierten), die die Regierung „mehr oder weniger“ unterstützten, und die nationalen
Vereinigungen, die für die nationale und territoriale Autonomie ihrer Regionen eintraten. Die
meisten von ihnen drangen nicht auf Unabhängigkeit und sahen die Zukunft Russlands in ei-
ner Föderation. So bildeten sich nationale Parteien, die das gesamtrussische politische Spektrum
widerspiegelten, aber mit nationaler Spezifik. In den nationalen Bewegungen vollzog sich eine

65
Aleksandr Šubin

Diskussion zwischen Anhängern der territorialen und der personenbezogenen Autonomie.5 Die
Anhänger der Kontrolle der Ethnie über das Territorium behielten die Oberhand, da dies der
Strategie der Nationenbildung entsprach.
Die stärksten nationalpolitischen Zentren waren die Central’naja Rada in der Ukraine, der Arme-
nische Nationalrat und das finnische Parlament. Mit Ausnahme des letzteren wurden diese Orga-
ne nicht gewählt, sondern setzten sich aus nationalen Parteien zusammen (diese Praxis kam auch
in anderen nationalen Regionen zur Anwendung, zum Beispiel beim Sfatul Țării in Bessarabien).
Starke nationale Parteien agierten auch in Aserbaidschan und Georgien, aber die georgischen
Sozialdemokraten, die in diesem Land bis zum Herbst 1917 dominiert hatten, waren aktiv in
gesamtrussische Angelegenheiten einbezogen.
Das Schicksal der nationalen Bewegungen hing von ihrer Fähigkeit ab, eigene bewaffnete Ein-
heiten aufzubauen. Hier erzielten die Ukraine, Armenien, Georgien und Finnland die größten
Erfolge (die Turkvölker blieben zurück, da im Russischen Reich die Mehrheit ihrer Bevölkerung
nicht in der Armee diente).
Besonders wichtig für das Schicksal der Revolution war die Situation in der Ukraine – sowohl an-
gesichts der Lage an der Front als auch wegen des Einsatzes der Führer der nationalen Bewegung,
die das Territorium der Ukraine und den Grad ihrer Autonomie so breit wie möglich definieren
wollten. Am 7. März wurde die ukrainische Central’naja Rada als Organ der ukrainischen natio-
nalen Parteien und Bewegungen ins Leben gerufen.
Vom 5. bis zum 8. Mai 1917 fand der I. Allukrainische Armeekongress statt, auf dem 700 Dele-
gierte bis zu 900.000 Soldaten und Offiziere vertraten. Der Kongress trat für die Bildung ukra-
inisierter Einheiten und eine nationale und territoriale Autonomie ein, das von ihm gewählte
Ukrainische Militärgeneralkomitee gehörte der Central’naja Rada an und gewährleistete deren
Verbindung mit den Truppen. Aus den im Hinterland befindlichen ukrainischen Soldaten und
danach aus den Ukrainern an der Front wurden ukrainisierte Einheiten gebildet. Allerdings muss
betont werden, dass die überwiegende Mehrheit der Soldaten, die auf dem Kongress vertreten
waren, später die Central’naja Rada nicht verteidigte.
Die Central’naja Rada geriet mit der Provisorischen Regierung in einen Konflikt, der am 2. Juli
mit einem Kompromiss endete. Kerenskij schlug den Führern der Central’naja Rada vor, die Pro-
visorische Regierung zu unterstützen. Hierbei wandte sich Kerenskij nicht gegen eine Autono-
mie der Ukraine. Er hielt es jedoch für grundsätzlich wichtig, jegliche wesentlichen Entscheidun-
gen durch die Konstituierende Versammlung durchzusetzen. Die Führer der Central’naja Rada
bestanden darauf, dass die Provisorische Regierung die Autonomie sofort anerkenne, danach
könne dann die Konstituierende Versammlung diese Realität bestätigen.
Da sie keine Einigung mit der Provisorischen Regierung erzielen konnte, verstärkte die ukraini-
sche nationale Bewegung den Druck auf die zentrale Staatsgewalt mit der Planung des II. Alluk-
rainischen Armeekongresses. Dieser Kongress wurde vom Kriegsminister A. Kerenskij verboten,

5 Siehe z. B. [Link]. Krasovickaja: Ėtnokul’turnyj diskurs v revoljucionnom kontekste fevralja – oktjabrja 1917 g.
Strategii, struktury, personaži. Moskva 2015.

66
Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution

kam aber trotzdem zusammen und verkündete am 10. Juni das am selben Tag vom Komitee der
Central’naja Rada verabschiedete Universal. In diesem Dokument, das die Bezeichnung Erster
Universal der Central’naja Rada erhielt, hieß es: „Ohne sich von Russland abzutrennen, ohne aus
dem Verband des russischen Staates auszuscheiden, soll das ukrainische Volk in seinem Land das
Recht haben, selbst über sein Leben zu bestimmen. Die Ordnung und der Aufbau in der Ukrai-
ne soll durch eine in einer allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Abstimmung gewählte
Gesamtukrainische Versammlung (Sejm) bestimmt werden.“ Das Universal verlangte von jedem
Organ der lokalen Staatsgewalt, das „für die Interessen des ukrainischen Volkes steht“, organisa-
torische Beziehungen mit der Central’naja Rada einzurichten. Vor allem wandte sich das Univer-
sal an die „Mitglieder unserer Nation“, brachte aber auch die Hoffnung zum Ausdruck, dass „die
nichtukrainischen Völker, die auf unserem Boden leben“, sich an der Schaffung der ukrainischen
Autonomie beteiligen würden. Ein wichtiger Schritt war die Entscheidung, eine Steuer zuguns-
ten der Ukraine einzuführen.6 Das Universal wurde im Beisein der Armeedelegierten auf dem
Sophienplatz in Kiew feierlich verkündet. Vom 15. bis zum 27. Juni wurde das Exekutivorgan der
Rada – das Generalsekretariat – mit V. Vinničenko an der Spitze geschaffen.
Die Provisorische Regierung hatte keine Möglichkeit, die „Eigenmächtigkeit“ der Central’naja
Rada zu unterbinden und war gezwungen, zu einer Einigung zu kommen. Am 28. Juni reisten
vier russische Minister – A. Kerenskij, M. Nekrasov, I. Cereteli und M. Tereščenko – zu Verhand-
lungen nach Kiew. Nun waren sie schon bereit, der Ukraine die Autonomie zu gewähren und
dies anschließend von der Konstituierenden Versammlung bestätigen zu lassen. Hierfür war die
Unterzeichnung einer Vereinbarung geplant, wobei die Parteien anschließend die Einheit ihrer
Handlungen öffentlich erklären würden. In die Central’naja Rada sollten auch Vertreter der nich-
tukrainischen Bevölkerung aufgenommen werden, damit sie alle Bürger der Ukraine vertreten
könne. Damit hatte die Autonomie im Zuge der Verhandlungen einen territorialen, aber nicht
nationalterritorialen Charakter, wenn auch mit einer proportionalen nationalen Vertretung (die
Verhältnisse wurden auf dem Verhandlungswege zwischen den Führern der Central’naja Rada
und den Vertretern der „Minderheiten“ festgelegt – die Rada wurde durch 202 ordentliche Mit-
glieder und 51 Kandidaten ergänzt). Die Staatsgewalt in der Ukraine ging auf das Exekutivorgan
der Central’naja Rada – das Generalsekretariat – über. Bei der Provisorischen Regierung sollte
das Amt eines Kommissars für ukrainische Angelegenheiten eingeführt werden. Die Provisori-
sche Regierung versprach, ohne ihre gesetzgeberische Gewalt aufzugeben, die Gesetzgebung zur
Ukraine mit der Rada abzustimmen. Mit Kerenskij einigte man sich über die Ergänzung der uk-
rainischen Einheiten durch Ukrainer.
Als die nach Petrograd zurückgekehrten Minister am 2. Juli über die Verhandlungsergebnisse
mit der Rada berichteten, verließen die empörten Kadetten die Regierung, was die politische
Juli-Krise in Petrograd auslöste. Die verbliebenen Minister erkannten ein Generalsekretariat als
höchstes Verwaltungsorgan für regionale Angelegenheiten an, das von der Provisorischen Regie-
rung in Abstimmung mit der Central’naja Rada zu ernennen sei. Letzterer wurde vorgeschlagen,
einen Entwurf für die nationalterritoriale Autonomie zur Bestätigung durch die Regierung zu

6 V. F. Verstjuk (uporjad.): Ukraïns’ka Central’na Rada. Dokumenty i materialy. U dvoch tomach. Kyïv 1996,
S. 101–105.

67
Aleksandr Šubin

erstellen. Daraufhin verabschiedete die Central’naja Rada am 3. (16.) Juli ihr zweites Universal,
in dem sie bestätigte, das „sie sich immer dafür eingesetzt hat, die Ukraine nicht von Russland ab-
zutrennen“, und brachte der Provisorischen Regierung Konzessionen zur Kenntnis – hinsichtlich
der Bestätigung der Zusammensetzung des Generalsekretariats in Petrograd sowie hinsichtlich
der Vorbereitung der Gesetzgebung über die nationalterritoriale Autonomie zur Verabschiedung
durch die Allrussische Konstituierende Versammlung.7 Ein Drittel der Abgeordneten der Rada
sprach sich gegen diese Zugeständnisse aus. Nach der Ergänzung der Rada mit Vertretern der
nationalen Minderheiten (etwa ein Drittel ihrer Zusammensetzung, 18 Mitglieder der Malaja
Rada) wurde das Generalsekretariat ebenfalls auf multiethnischer Grundlage umgestaltet, wenn
auch die Ukrainer die führenden Positionen beibehielten. Am 9. August waren vorübergehend
sogar die Bolschewiki in die Central’naja Rada eingetreten.
Die Führer der Central’naja Rada bereiteten einen Entwurf für die Satzung des Generalsekreta-
riats vor, die dessen Befugnisse regelte, und damit den Bereich der ukrainischen Autonomie. In
der Satzung ging es auch um die Central’naja Rada als Organ der revolutionären Demokratie aller
Völker der Ukraine, das der Verabschiedung der Autonomie der Ukraine diene und die Konsti-
tuierenden Versammlungen Russlands und der Ukraine vorbereite. Damit versuchten die Führer
der Central’naja Rada, nicht nur das Generalsekretariat, sondern auch die Rechte der Rada sowie
die Idee der Ukrainischen Konstituierenden Versammlung zu legitimieren. Am 15. Juli begab
sich V. Vinničenko in Begleitung der Minister Ch. Baranovskij und M. Rafes nach Petrograd, um
die Zusammensetzung des Generalsekretariats und dessen Satzung bestätigen zu lassen. Dort
erwartete die Ukrainer ein kühler Empfang.
Nach seinem Sieg über die Gegner von links stand A. Kerenskij an der Spitze der Regierung und
war bestrebt, die Koalition mit den Kadetten zu erneuern. Jetzt kamen Konzessionen an die uk-
rainischen „Separatisten“ zur Unzeit. Da der Entwurf der Satzung für das Generalsekretariat über
den Rahmen der Kiewer Vereinbarungen hinausging, wurde er von der Kommission der Provi-
sorischen Regierung abgelehnt. Stattdessen erließ die Regierung am 4. August eine Anweisung
an das Generalsekretariat, die dieses Organ verwaltungsmäßig der gesamtrussischen Regierung
unterstellte, keine Machtbefugnisse für die Central’naja Rada anerkannte und das dem General-
sekretariat unterstellte Territorium auf die Gouvernements Kiew, Volyn’, Podol’sk, Poltava und
teilweise Černigov begrenzte. Die Provisorische Regierung untersagte dem Generalsekretariat,
Sekretariate für Militär-, Gerichts- und Lebensmittelfragen, Eisenbahnwesen, Post und Telegrafie
zu schaffen. Im Übrigen hatte noch kurz zuvor M. Gruševskij selbst die Mehrzahl dieser Bereiche
zum Zuständigkeitsbereich des russischen Zentrums gezählt.
Die Entscheidung der Provisorischen Regierung empörte die Abgeordneten der Malaja Rada.
Vinničenko erinnerte sich später: „Die Anweisung war nichts anderes als eine zynische, scham-
lose und provokative Verletzung der Vereinbarung vom 16. Juli und der offene Wunsch, dem
Ukrainertum alle revolutionären Errungenschaften aus den Händen zu reißen.“8 Indessen war
Vinničenko gerade im August 1917 noch deutlich ruhiger gestimmt: „Die Anweisung ist bereits
die Anerkennung des Autonomieprinzips, das wir anfangs erreichen wollten. Jetzt aber haben

7 Ebd., S. 163–165.
8 V. Vynnyčenko: Vidrodžennja naciï. Kyïv 1920. Č. 1, S. 319.

68
Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution

wir mehr erreicht, als wir vor zwei Monaten wollten. Die Anerkennung der eigentlichen Idee der
Autonomie und nicht nur einer „Gebietsselbstverwaltung“ ist viel wichtiger… Wenn wir auf das
tatsächliche Kräfteverhältnis blicken, so können wir sagen, dass die Anweisung für uns ein wei-
tes Feld sowohl der moralischen, als auch der öffentlich-rechtlichen Arbeit eröffnet. Und mich
verwundern einige Genossen, die so pessimistisch auf dieses Dokument schauen.“9 Tatsächlich
festigte die Anweisung die Autonomie der Ukraine und setzte ihr jene klaren Grenzen, in die
Territorien mit einer offensichtlichen ukrainischsprachigen Mehrheitsbevölkerung eingeschlos-
sen waren. In der Anweisung wurde sogar die Central’naja Rada erwähnt, auch wenn ihr keine
Rechte zugestanden wurden (was naheliegend ist, denn Gegenstand der Regulierung war ja das
Generalsekretariat). Der gemäßigte Optimismus Vinničenkos war also durchaus gerechtfertigt.
Später, als die Provisorische Regierung zum „Sündenbock“ für das Elend des Jahres 1917 wurde,
schloss sich Vinničenko in seinen Memoiren dem Empörungschor zur Ukrainepolitik der „Pro-
visorischen“ an.
Der Verweis Vinničenkos auf das reale Kräfteverhältnis im August 1917 war nicht zufällig – nach
dem Sieg im Juli war die Stellung Kerenskijs und weiter rechtsstehender Kräfte gefestigt, und in
dieser Lage konnte die Central’naja Rada ihre Positionen ganz verlieren. In der russischsprachi-
gen Presse entfaltete sich eine Hetzkampagne gegen die ukrainischen Führer wegen „Verbindun-
gen mit den Deutschen“ (dies war Teil der gesamten Juli/August-Kampagne gegen linke Kräf-
te mit stereotypen Vorwürfen). Unter diesen Verhältnissen war die Rada gezwungen, sich der
Anweisung zu unterwerfen, ohne sie offiziell anzuerkennen und ohne auf ihren Kampf für den
Ausbau der Autonomie, auch der territorialen, zu verzichten. Nach langen Gesprächen bildete
Vinničenko am 21. August ein neues Generalsekretariat im Einklang mit der Anweisung, das am
1. September von der Provisorischen Regierung gebilligt wurde.
Allerdings änderte sich die Situation wieder, die Kornilov-Aktion störte die Machtbalance. Die
Stellung der „Partei der Ordnung“ wurde stark geschwächt.
Die Central’naja Rada bereitete offen Wahlen zur Ukrainischen Konstituierenden Versammlung
vor. Dies rief Wut und Drohungen seitens Kerenskijs hervor, der Vinničenko nach Petrograd
einbestellte. Der Leiter des Generalsekretariats traf in der Hauptstadt genau zu dem Zeitpunkt
ein, als die Oktoberrevolution begann. Die Führer der Central’naja Rada erwiesen sich als gut
vorbereitet auf die abrupte Änderung der Lage, sie errangen im November 1917 die Kontrolle
über Kiew und riefen am 7. November 1917 die Ukrainische Volksrepublik (UNR) im Verband
Russlands aus, die die Territorien von 9 Gouvernements umfassten.
Dieser Überblick über die Geschichte der Nationalbewegung in der Ukraine 1917 zeigt uns das
Modell einer äußerst effektiven Festlegung ihrer Dominanz in einer legalen territorialen Autono-
mie. Andere nationale Bewegungen mit Ausnahme Finnlands konnten nicht dieselben Ergebnis-
se erzielen, was für das von den Führern der Central’naja Rada gefundene Zusammenspiel der
sozialpolitischen und ethno-nationalen Faktoren der gesellschaftlichen Mobilisierung spricht.
Sie waren Sozialisten, was ihnen die Unterstützung der Bauernschaft und der städtischen Unter-
schichten sicherte. Sie fanden Argumente, die eine ausreichende Zahl von Soldaten auf ihre Seite

9 Verstjuk (uporjad.), Ukraïns’ka Central’na Rada, S. 220, 547.

69
Aleksandr Šubin

zogen. Und schließlich legten sie eine optimale politische Flexibilität an den Tag, die es ihnen
ermöglichte, eine Vereinbarung mit der Provisorischen Regierung zu erreichen – im Unterschied
zu Finnland, dessen Sejm im Juli 1917 gewaltsam aufgelöst wurde und das sogar von Truppen
besetzt war (indessen erholte sich der Sejm von dem Schlag und nahm seine Arbeit wieder auf).
Damit können wir die Ukraine zwischen den Polen des sozialen Radikalismus und der nationalen
Konsolidierung verorten.

Der Oktoberumsturz, die ukrainische „Schaukel“ und


der außenpolitische Faktor
Der „Triumphzug“ der Sowjetmacht fiel auf verschiedenartigen ethnopolitischen Boden. In ei-
nigen Regionen wie der Ukraine und im Transkaukasus konnten sich einflussreiche nationale
Bewegungen bilden, die sich mit ausreichend bewaffneten Kräften zu versorgen vermochten, um
den ersten Ansturm des Bolschewismus zurückzuschlagen. In anderen Fällen wie in Belorussland
und Moldawien fügten die Bolschewiken den „bürgerlichen“ Autonomieanhängern eine Nieder-
lage zu, übernahmen die Aufrufe zur Autonomie und nutzten die Dominanz der sozialen und po-
litischen Motivationen gegenüber den nationalen. Im Kampf mit dem robusteren Nationalismus
war der Sowjetstaat sogar bereit, der Gewährung der Unabhängigkeit zuzustimmen – mit an-
schließender Unterstützung der linkssozialistischen Kräfte, die die neuen unabhängigen Staaten
zu einem Teil der künftigen Familie der sozialistischen Republiken machen sollten. In der Lage
des Jahres 1918 stellte das soziale Projekt des Bolschewismus, ergänzt durch die Versprechungen
des Rechts der Nationen auf Selbstbestimmung, eine respektable Konkurrenz im Kampf um die
Sympathien der Massen dar, selbst für die starken nationalen Projekte Finnlands, der Ukraine
und der Völker des Transkaukasus.10
Die ursprünglich einflussreichen nationalen Bewegungen traten für eine territoriale Autonomie
innerhalb des erneuerten föderativen Russischen Staates ein. Aber ihnen gefiel die sowjetische
Föderation nicht, in der eine drohende bolschewistische Herrschaft gesehen wurde. Die Spren-
gung der Konstituierenden Versammlung beraubte die nationalen Projekte der Hoffnung auf
eine legitime Verteidigung ihrer Rechte gegen das linksradikale russische Zentrum. Natürliches
Ergebnis war das Bestreben der nationalen Führer, sich von dem in Russland aufkommenden
sozialen Sturm durch die Erklärung der Unabhängigkeit abzugrenzen. Und die Unabhängigkeit
unter den Bedingungen des Ersten Weltkriegs konnte man nur dann verteidigen, wenn man sich
auf eine mächtige äußere Kraft stützte. Eine Unabhängigkeitserklärung von Russland bedeutete
die Umwandlung in ein deutsches oder türkisches Protektorat.
Ein Teil der nationalen Politiker beschritt den Weg der Unterstützung des sowjetischen Projekts,
in dem sie eine Form der Umsetzung des nationalen Gedankens sahen. Der Nationalkommunis-
mus wurde zum wichtigen Faktor der sowjetischen Geschichte über ihre gesamte Dauer hinweg.
Das sowjetische Modell der Verbindung sozialer und nationaler Projekte erwies sich als attraktiv
für die antiimperialistischen und antikolonialen Bewegungen in der Welt, was für den globalen
Kampf der russischen Kommunisten wichtig war.

10 A. V. Šubin: Start Strany Sovetov. Revoljucija. Oktjabr’ 1917 – mart 1918. Moskva 2017, S. 284–354.

70
Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution

Die Erfolge der nationalen Bewegungen wurden auch durch die Befürwortung der Idee des
Selbstbestimmungsrechts der Nationen durch die Bolschewiki begünstigt, was ihre Aktionen
gegen die Central’naja Rada und andere Zentren des „bürgerlichen“ (also nicht-sowjetischen)
Nationalismus lähmte. Nach Schwankungen und Versuchen, die Meinungsunterschiede mit po-
litischen Mitteln zu beseitigen, begannen die Anhänger der Sowjetmacht jedoch am 25. Dezem-
ber 1917 einen Angriff auf Kiew. Sie agierten im Namen der sowjetischen Ukrainischen Arbeiter-
und Bauernrepublik.
Heutzutage bezeichnet man den Krieg der ukrainischen Nationalisten mit den Roten im Jah-
re 1918 bisweilen als „Aggression Russlands“. Aber in den Kolonnen der Roten marschierten
eben auch Einwohner der Ukraine. Und sie erhoben sich gegen die Macht der Sowjets. Der Krieg
in der Ukraine war ein Bürgerkrieg, auch wenn die Intervention Sowjetrusslands eine gewisse
Rolle spielte. Aber wir wollen nicht vergessen, dass die Ukraine im Dezember 1917 ein Teil Russ-
lands war, und der Bürgerkrieg in der Ukraine war ein Teil des Bürgerkriegs in Russland. Die uk-
rainische Balance zwischen dem nationalem und dem sozialen Faktor sollte für die Bolschewiki
eine „harte Nuss“ werden, aber die sozialen Umgestaltungen in der UNR hatten praktisch noch
nicht begonnen.
Das Ansehen der Rada ging rasant zurück. Am 18. (31.) Januar verabschiedete sie das ukraini-
sche Gesetz über die Sozialisierung von Grund und Boden, das privaten Grundbesitz beseitigte
und den Boden den Bauern übergab. Dieses Gesetz basierte auf derselben Idee der Sozialisierung
von Grund und Boden wie auch das sowjetische Gesetz, das einige Tage später verabschiedet
wurde. Aber die Bauernschaft war schon über die Institutionen der Rada verärgert, da die Bo-
denkomitees nach ihren Anweisungen das Vermögen der Landgüter inventarisierten, wogegen
die Bauern dieses einfach unter sich aufteilen wollten. Zur Abwendung einer Zerschlagung der
Landgüter riefen die Kreisbodenämter Truppen herbei.
Im Vergleich zur anschließenden Gesetzgebung des Hetmans war das Agrargesetz der Rada
mehr im Sinne der Bauern, was den Anhängern der UNR auch massenhafte Unterstützung gleich
nach dem Abzug der Deutschen im November/Dezember 1918 verschaffte. Aber bislang war
die Central’naja Rada zu gemäßigt, als dass die Bauern bereit gewesen wären, für sie gegen die
Bolschewiki zu kämpfen, die ebenfalls eine radikale Agrarreform mit sich brachten. Die Arbeiter
aber bevorzugten deutlich die Bolschewiki, was zu einem wichtigen Faktor des Kampfes in den
Städten wurde.
Die Verzögerung bei den Reformen bestimmte den Rückgang des Einflusses der Rada – der so-
ziale Faktor war in der Revolution wichtiger als der nationale. Angesichts der Opposition gegen
den radikaleren Bolschewismus versuchten die ukrainischen Sozialisten jedoch, sich vor diesem
mit dem nationalen Schild zu schützen. Die Führer der Central’naja Rada waren Nationalisten
und Sozialisten, was den Hauptwiderspruch ihrer Politik bestimmte. Sie mussten zwischen den
Zielen der nationalen Konsolidierung und den sozialen Umgestaltungen, die die Konsolidierung
unweigerlich störten, wählen.
In Kiew wurde eine Ukrainisierung begonnen, die insbesondere durch die Einführung einer
Staatssprache im amtlichen Dokumentenverkehr zum Ausdruck kam. Wie sich A. Gol’denvejzer,

71
Aleksandr Šubin

Radamitglied einer der „Minderheiten“, erinnerte, „führte die bevorstehende Ukrainisierung zu


einer Empörung aller Nichtukrainer in den Bereichen der Schule, Wissenschaft und Anwalt-
schaft. Die ukrainische Sprache, an die man sich in der Folgezeit etwas gewöhnte, rief affektierte
Spöttereien hervor; niemand hatte die Absicht, diese Sprache zu lernen.“11
Erfreute sich diese Politik in den Städten keiner großen Beliebtheit, so unterstützte das Land in
den Wahlen zur Konstituierenden Versammlung gerade die ukrainischen sozialistischen Parteien.
Laut L. G. Protasov, der über die Konstituierende Versammlung forscht „sprechen die Zahlen für
sich: Für die Ukraine insgesamt entfielen auf ukrainische nationale Listen – Parteilisten und par-
teilose Listen – etwa 60 % der Stimmen, darunter im Gouvernement Kiew 76,9 %, in Wolhynien
70 %, in Podolien 77,6 %, wobei der Anteil in der Linksufrigen Ukraine spürbar abnahm.“12 Durch
diese Abstimmungen kann nachvollzogen werden, wie markant dieser Rückgang war, und zwar
nicht nur in der Linksufrigen Ukraine, sondern auch in der Rechtsufrigen. Im Bezirk Wolhynien
erhielten die nationalen Listen fast 114.000 Stimmen bei 27.500 für die Sozialrevolutionäre und
36.600 für die Bolschewiki; im Bezirk Kiew waren es 133.800 bei 19.200 bzw. 60.700, im Bezirk
Podolien 113.600 bei 11.000 bzw. 32.900. Aber östlich und südlich dieser zentralen Gouverne-
ments der Ukraine war das Verhältnis der Volkssympathien ein anderes. Im Bezirk Poltava 33.300
bei 198.400 bzw. 64.500; im Bezirk Ekaterinoslav 72.600 bei 231.700 für die Sozialrevolutionäre
bzw. 213.200 für die Bolschewiki, im Bezirk Taurien (allerdings unter Berücksichtigung der spe-
zifischen Situation auf der Krim, wo die Krimtatarenbewegung mit dem Kurultai an der Spitze
einflussreich war) 105.600 bei 300.100 bzw. 31.200, im Bezirk Char’kov 11.600 bei 838.900 bzw.
114.700, im Bezirk Cherson 117.800 bei 368.000 bzw. 108.000; im Bezirk Černigov 28.300 bei
105.600 bzw. 271.200.13 Nach Einschätzung der Wählerstimmung hatten die ukrainischen Sozial-
revolutionäre im Bezirk Char’kov auf die Erstellung einer eigenen Liste verzichtet und kandidier-
ten auf der Liste der Sozialrevolutionäre, wo ihre Vertreter nur den 4. oder 5. Platz einnahmen.14
Die geografische Spaltung der Ukraine wirkte sich auch unmittelbar auf die Politik aus. Aber im
ethnischen Kern der Ukrainer waren die Stimmungen wechselhaft und schwankten zwischen na-
tionalen und sozialen Prioritäten.
Die Central’naja Rada beanspruchte weite Gebiete bis hin zum Donbass, wo man ihre Macht nie
anerkannte. Mit dem Anspruch auf die östlichen Territorien „erhielt“ die Central’naja Rada auch
die Bevölkerung der Linksufrigen Ukraine, die der nationalen Idee gegenüber noch viel gleich-
gültiger war als die Bewohner der Rechtsufrigen Ukraine.
1917/Anfang 1918 stand der nationale Faktor erfolgreich mit dem sozialen im Wettbewerb, aber
nur, wenn die nationale Bewegung selbst zur Autonomie tendierte und die Bevölkerung nicht
durch eine ungewisse Perspektive der Unabhängigkeit abschreckte. Allerdings veranlasste die
Logik der Selbsterhaltung im Kampf mit dem Bolschewismus die Ukrainische Volksrepublik zur

11 S. A. Alekseev (sost.): Revoljucija na Ukraine po memuaram belych. Moskva/Leningrad 1930, S. 18.


12 L. G. Protasov: Ljudi Učreditel’nogo sobranija. Portret v inter’ere ėpochi. Moskva 2008, S. 139.
13 Ders.: Vserossijskoe Učreditel’noe sobranie. Istorija roždenija i gibeli. Moskva 1997, S. 363–366. Die Daten zu den
Bezirken Podolien und Cherson sind unvollständig.
14 V. V. Šelochaev (otv. red.): Partija socialistov-revoljucionerov. Dokumenty i materialy. T. 3. Č. 2: Oktjabr’ 1917 g. –
1925 g. Moskva 2000, S. 259.

72
Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution

Erklärung der formalen Unabhängigkeit, die unter diesen Verhältnissen einen Wechsel unter das
Protektorat Deutschlands bedeutete.
Als die Central’naja Rada mit der Ausweitung des sowjetischen Einflussbereichs in der Ukraine
konfrontiert wurde, erklärte sie in ihrem IV. Universal vom 9. (22.) Januar 1918 trotzdem die Un-
abhängigkeit der Ukrainischen Volksrepublik. Aber die nationale Idee erwies sich angesichts der
verschärften sozialen Probleme und des sich entwickelnden Kampf der sozialistischen Projekte
als schwacher Mobilisierungsfaktor.
Für den Großteil der Bewohner der Ostukraine, ja selbst von Kiew oder Odessa, in denen die
meisten Einwohner Russisch sprachen, war der ukrainische Staat nicht ihr eigener. Für sie war
der Krieg gegen die ukrainischen Nationalisten ein Krieg gegen den Versuch, lebendes Gewebe
von Völkern abzutrennen und gegen die Verzögerungen bei den sozialen Umgestaltungen. Die
späteren ukrainischen Atamane gingen mit Leichtigkeit von den gelb-blauen Bannern zu den
roten und umgekehrt über. Die bewaffneten Ukrainer waren nicht an der Nationalstaatlichkeit,
sondern an deren sozialem Inhalt interessiert.
1918 entwickelten sich die nationalen Bewegungen nicht nur vor dem Hintergrund der Re-
volution, sondern auch der wichtigen weltweiten Verschiebungen durch das Ende des Ersten
Weltkriegs. Die nationalen Führer bestanden auf ihrem Recht, an der Festlegung der Friedens-
bedingungen mitzuwirken. Weder die Central’naja Rada, noch das Transkaukasische Sekretariat
erkannten das Recht des Rates der Volkskommissare (Koalition der Bolschewiki und der Sozial-
revolutionäre) an, alleine einen Frieden im Namen ganz Russlands zu schließen. Dies schuf für
die österreichisch-deutsche und die türkische Diplomatie hervorragende Handlungsspielräume,
die erfolgreich in Brest und im Kaukasus genutzt wurden. Die ukrainischen Vertreter waren be-
reit, sich mit den Deutschen zu Lasten Russlands zu einigen. Die georgischen und armenischen
Führer waren der Meinung, sie könnten bessere Konditionen im Kaukasus erzielen, und die tür-
kischen Führer hegten Sympathien für das Osmanische Reich.
Unter diesen Verhältnissen führte die Unfähigkeit der Bolschewiki, sich mit der nationalen Op-
position zu einigen, zu katastrophalen außenpolitischen Folgen. Der Versuch, diese Frage mit
Gewalt zu lösen, stieß auf ein unüberwindliches Hindernis – die Staaten des Vierbundes. Am 8.
Februar nahmen sowjetische Truppen (in denen auch Ukrainer kämpften) Kiew ein, aber schon
am 9. Februar schlossen die Vertreter der UNR einen Frieden mit Deutschland und seinen Ver-
bündeten und luden deren Truppen in die Ukraine ein. Dies bestimmte die Katastrophe von
Brest für die russische Außenpolitik vorher.
Angesichts des sowjetischen Angriffs setzten die Führer der Central’naja Rada, die in ihrem Land
die Unterstützung verloren hatten, auf äußere Kräfte und luden die deutschen und österreichisch-
ungarischen „Verbündeten“ ein, die die Central’naja Rada gewaltsam auflösten und das autoritäre
Regime des Hetman P. Skoropadskij installierten. Solange allerdings Deutschland und seine Ver-
bündeten in Osteuropa dominierten, behielt die Ukraine (wie auch Polen, Litauen und Finn-
land) seine formale Unabhängigkeit innerhalb des deutschen Hegemoniesystems bei.
Damit brachte die direkte Kollision zwischen den Anhängern der Unabhängigkeit und denjeni-
gen des radikalen sozialen Projekts in der Ukraine Letzteren Vorteile – die Mobilisierungsbasis

73
Aleksandr Šubin

der Unabhängigkeitsanhänger erwies sich als schwach. Im Kaukasus war die nationale Mobilisie-
rung viel stärker, wurde aber durch zwischennationale Konflikte ausgeglichen, in denen Russland
seine Rolle als Schiedsrichter beibehalten konnte. Beim Erfolg der Anhänger der Sowjetmacht in
der Ukraine spielte auch die Einmischung Sowjetrusslands ihre Rolle, die allerdings schnell von
der deutschen Einmischung besiegt wurde.
Die Geschichte der UNR war damit aber noch nicht zu Ende. Durch den Zusammenbruch der
Pax Germana nach der Niederlage im Weltkrieg verloren die prodeutschen Regime ihre Stütze.
Die Anhänger der UNR erhoben sich gegen Skoropadskij und zogen am 14. Dezember 1918 in
Kiew ein. Das Direktorium der UNR war bei den Bauern beliebt. Aber wie schon Anfang 1918
konnte die UNR auch Anfang 1919 dem sowjetischen Druck nicht standhalten. Die revolutio-
nären Massen, die ohnehin in ihrer Mehrheit nicht zum Nationalismus neigten, wandten sich
schnell gegen das Direktorium. Die Geschichte wiederholte sich, wurde aber durch die deutsche
Invasion nicht unterbrochen, sondern erneut fortgesetzt. Die Aufständischen, die sich gegen die
deutsche Besatzung und Skoropadskij erhoben hatten und teilweise das Direktorium unterstütz-
ten, traten jetzt gegen dieses auf. Die Beliebtheit der Idee der Sowjetmacht und der damit ver-
bundenen radikalen sozialen Umgestaltungen sorgte für einen schnellen Vormarsch der Roten
in der Ukraine.
Die Politik des Kriegskommunismus rief jedoch Enttäuschung bei der Bauernschaft hervor, und
die Verwendung des Russischen durch die von Norden vorrückenden Kommunisten führte zu
Unzufriedenheit selbst unter prosowjetischen ukrainophilen Funktionären. Die Versprechen der
Bolschewiki wurden von der Praxis der Kommunisten abgelöst (die Bauern hatten noch nicht
einmal verstanden, dass dies eine Partei war). Die Antwort war eine Welle von Aufständen im
Jahre 1919, die das rote Hinterland in Desorganisation versetzte und den Vormarsch der Weißen
in die Ukraine begünstigte.15 Deren Neigung zum russischen Nationalismus begünstigte wieder-
um den Anstieg von Aufständen nun gegen die weiße Bewegung, was einer der Gründe für deren
schnelle Niederlage war.
Damit erwies sich die Ukraine als eine Art „Schaukel“, wobei einmal nationale und dann wie-
der soziale Faktoren bei der Mobilisierung der Massen dominierten. 1917 herrschten nationa-
le Faktoren vor, Anfang 1918 soziale. 1919 dominierten einmal nationale, dann wieder soziale
Faktoren, Letztere aber gewannen doch die Oberhand mit Unterstützung Sowjetrusslands, das
mit dem Osten der Ukraine wirtschaftlich wie kulturell eng verbunden war. Die Kommunisten
zogen jedoch ihre Lehren aus diesen Erfahrungen und begannen eine Politik der Verwurzelung
der Sowjetmacht (in der Ukraine – „Ukrainisierung“) zu betreiben, die ihnen die Unterstützung
eines Teils der ukrainophilen Intelligenz und der national orientierten Bauernschaft sicherte. Die
ukrainische „Schaukel“ war aber nicht nur der geografischen „Spaltung“ des Landes geschuldet –
denn sie zeigte sich auch in den zentralen Teilen der Ukraine am rechten Dnjeprufer. Somit kann
diese Besonderheit der Wiederbelebung der Ukraine im Hinblick auf die Herausforderungen der
Revolution mit ihren sozialen und kulturellen Besonderheiten zusammenhängen.

15 Ausführlicher siehe A. V. Šubin: Machno i ego vremja. Moskva 2013, S. 145–172.

74
Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution

Zwischen Deutschland und Russland


In dem Raum zwischen Lettland und der Ukraine standen die polnischen, litauischen und beolo-
russischen nationalen Projekte miteinander in Wettbewerb. Die beiden Ersteren hatten aufgrund
der religiösen und sprachlichen Opposition gegen die russische orthodoxe Kultur von Anfang an
einige Vorteile. Die Belorussen waren in Bezug auf beide Parameter in einem „Zwischenzustand“,
was ihre eigene Identität schwächte.
In dem unter der Kontrolle Russlands verbliebenen Territorium konnte die belorussische na-
tionale Bewegung nicht dieselben Erfolge erzielen wie zum Beispiel die ukrainische. So lösten
sowjetische Behörden bereits am 18. Dezember 1917 mühelos den Allbelorussischen Kongress
auf. Allerdings führten die von ihm geschaffenen Organe – der Sowjet und das Exekutivkomi-
tee – ihre Tätigkeit weiter und versuchten, in Belorussland dieselbe Stellung einzunehmen wie
die Central’naja Rada in der Ukraine. Im Weiteren führten jedoch die Versuche, eine nichtsowje-
tische Belorussische Volksrepublik zu gründen, letztendlich nicht zur Gründung eines faktischen
Staates.
Die deutschen Besatzungsbehörden ignorierten die Ansprüche des Exekutivkomitees (danach
Volkssekretariat) und der Rada auf die Rolle von Staatsorganen. Da half auch nicht die „Loslö-
sung“ von Russland nach der Verkündung der „unabhängigen“ Belorussischen Volksrepublik am
25. März 1918. Gleichzeitig verließen die Vertreter der Zemstvos, die die Zukunft des Landes mit
Russland verbanden (was unter anderem die Finanzierung der Rada in Schwierigkeiten brachte,
die faktisch kein staatliches, sondern ein gesellschaftliches Organ blieb). Nach dem in unterwür-
figem Ton gehaltenen Telegramm der Rada an Kaiser Wilhelm vom 25. April verließ der linke
Teil das Volkssekretariat. Aber der Kaiser ließ sich trotzdem nicht dazu herab, den „weißrussi-
schen Staat“ wahrzunehmen.16 Die Mitglieder der Rada arbeiteten mit den Besatzungsbehörden
als örtliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens für kulturelle Fragen und Fragen der wirt-
schaftlichen Entwicklung zusammen, wurden aber nicht als bevollmächtigte Vertreter der örtli-
chen Bevölkerung anerkannt.
Das Trugbild des ersten Versuchs der Gründung eines belorussischen Staates kann mit verschie-
denen Ursachen erklärt werden – stadialen und makropolitischen. Die makropolitischen Gründe
bestehen vor allem darin, dass der zentrale Teil Belorusslands 1917 bis 1918 von starken Kräften
der russischen und der deutschen Armee besetzt war, was das Kräfteverhältnis stärker verschob,
als dies in Kiew der Fall war. Hätte es aber eine reale Bewegung für die nationale Wiedergeburt
auf unterer Ebene wenigstens in der ukrainischen Größenordnung gegeben, so wäre es schwieri-
ger gewesen, diese zu ignorieren, wie dies sowjetische und deutsche Behörden 1918 taten.
Die stadiale Korrektur des Prozesses der Nationenbildung in Belorussland kann dessen Schwä-
che durch ein gewisses Zurückbleiben des Modernisierungsprozesses erklären. In Litauen je-
doch, wo die Modernisierung nicht mit größeren Erfolgen glänzen konnte als in Belorussland,
war die nationale Konsolidierung spürbar höher. Die relative Schwäche des politischen Natio-

16 Siehe V. G. Mazec: Geopolitičeskie aspekty stanovlenija belorusskoj gosudarstvennosti v konce 1917–1918 gg. In:
Istoričeskoe prostranstvo. Problemy istorii stran SNG 2009, Nr. 1, С. 69–83.

75
Aleksandr Šubin

nalismus in Belorussland kann unter anderem auch mit der Sozialpsychologie der Belorussen
und der Litauer erklärt werden. Von gewisser Bedeutung war auch der Faktor der Konfession. In
Litauen konsolidierte er das nationale Projekt, während er es in Belorussland zersetzte. Natürlich
spielte auch die ethnokulturelle und teilweise konfessionelle Nähe von Belorussen und Russen
eine wichtige Rolle.
In Deutschland wurden verschiedene Entwürfe der territorialen Gliederung erarbeitet, in denen
es keinen Platz für einen belorussischen Staat gab. Man setzte auf die Führer der polnischen und
litauischen nationalen Bewegung sowie auf örtliche Deutsche. Das, was in der lettischen Ge-
schichtsschreibung die Bezeichnung „sündhafte Allianz“ erhielt, betrifft auch die Umstände der
Wiedergeburt des Polnischen und Litauischen Staates.
Unter der deutschen Besatzung wurde am 5. November 1916 das Königreich Polen gegründet,
an dessen Spitze ein Regentschaftsrat stand. Dass Deutschland auf die Polen setzte, war eine
schlechte Nachricht für das litauische und belorussische Projekt. Allerdings handelte es sich um
ein demonstratives Marionettengebilde – der deutsche Generalgouverneur behielt die gesamte
reale Macht in seinen Händen. Größere Erfolge erzielte die Polnische Militärorganisation unter
der Führung von J. Piłsudski. Aber die polnische Nationalbewegung konnte sich mit der Mari-
onettenrolle ihres Staates nicht zufrieden geben, was den Konflikt Piłsudskis mit den österrei-
chisch-deutschen Behörden heraufbeschwor.17 Zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs des Deut-
schen Reiches sorgte dies für eine Rehabilitierung der „sündhaften Allianz“.
Die Lietuvos Taryba, die ebenfalls mit Unterstützung der deutschen Besatzungsverwaltung ge-
gründet wurde,18 proklamierte am 11. Dezember 1917 und am 16. Februar 1918 die Unabhän-
gigkeit des mit Deutschland verbündeten Litauischen Staates, der im Juli zum Königreich erklärt
wurde. Die Taryba wurde zum Litauischen Nationalrat, der einen deutschen Prinzen auf den
litauischen Thron einlud.
Aufgrund des Zusammenbruchs des Deutschen Reiches im November 1918 begann ein schnel-
ler Aufbau der Strukturen der bereits tatsächlich unabhängigen und republikanischen Staaten
Polen und Litauen. Deutschland sorgte für eine Inkubationszeit für die Unabhängigkeit dieser
Staaten und trat rechtzeitig von der Bühne ab, was günstige Voraussetzungen für die Entwicklung
der polnischen und litauischen nationalen Projekte schuf. Allerdings waren die Beziehungen zwi-
schen ihnen durch zwei Probleme belastet: den territorialen Streit und das Föderationsprojekt
der polnischen politischen Eliten, die auf eine Übernahme des Litauischen Staates durch eine
Föderation mit dem Zentrum in Warschau abzielten. D. Masjulis und D. Staljunas schreiben dazu
Folgendes: „Im Zuge der wachsenden Bedrohung durch die bolschewistische Invasion schlug
Warschau im Dezember 1918 der litauischen Regierung vor, Vilnius gemeinsam gegen die Bol-
schewiki zu verteidigen. Litauen erklärte sich einverstanden, die Hilfe anzunehmen, sofern Polen
die Unabhängigkeit Litauens mit Vilnius als Hauptstadt akzeptiere. Polen beabsichtigte nicht,
einen unabhängigen litauischen Staat anzuerkennen, und statt einer Antwort erhielt die litaui-

17 Ausführlicher siehe G. F. Matveev: Velikaja vojna i sud’by pol’skogo voprosa. In: Ders. (sost.): Nezabytoe sraženie
1914 goda. Lodz’ – prifrontovoj gorod. Moskva 2014, S. 124–147.
18 Siehe D. Macčiulis, D. Staliuūnas: Lithuanian Nationalism and the Vilnius Question, 1883–1940. Marburg 2015,
S 53.

76
Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution

sche Regierung die Nachricht, dass Warschau Verwaltungen für die ehemaligen Gouvernements
Kaunas, Suvalki und Vilnius bilde.“19 Am 4. Januar 1919 zogen die Roten in Vilnius ein. Für den
polnischen und den litauischen Staat waren sie Feinde und die aktiven sowjetisch-litauischen
Kampfhandlungen setzten sich bis Juni 1920 fort. Aber – wie man sieht – spaltete der nationale
Faktor die antibolschewistische Front und schuf ein Dreieck, in dem verschiedene Allianzen hät-
ten entstehen können. Die Bolschewiki schätzten die Kraft der litauischen nationalen Idee, die
dem großpolnischen Projekt entgegenstand und übergaben Vilnius dem sowjetischen Litauen.

Vom „Puffer“ zur Nationalstaatlichkeit


Allerdings lagen zwischen Litauen, Polen und der RSFSR belorussische Gebiete mit unklaren
Grenzen und einer schwachen Nationalbewegung. Unter sonst gleichen Bedingungen hatte das
belorussische Projekt keine Chance auf Erfolg und das Territorium Belorusslands hätte einfach
geteilt werden können. Nach dem Abzug der deutschen Truppen hatte die „Belorussische Volks-
republik“ keine Möglichkeit, dem Vorrücken der Roten Armee und des polnischen Heeres Wi-
derstand entgegenzusetzen. Versuche, eine Staatlichkeit „gegen Russland“ aufzubauen, erwiesen
sich in Belorussland als erfolglos. Dafür begann bald der Aufbau der belorussischen Staatlichkeit
zusammen mit Russland. Der Anstoß dazu waren die Bedürfnisse des kommunistischen Projekts.
Das zu Kämpfen an mehreren Fronten gezwungene Sowjetrussland versuchte, die Konfrontation
mit Polen hinauszuziehen. Ausgehend von diplomatischen Erwägungen sah es so aus, also ob ein
„Puffer“ dabei hilfreich sein könne – das Fehlen einer gemeinsamen Grenze zwischen Russland
und Polen. Dies sollte auch helfen, der kommunistischen Expansion das großmachtchauvinisti-
sche und imperiale Image zu nehmen.
Am 1. Januar 1919 wurde als „Puffer“ zwischen Sowjetrussland und Polen die Sozialistische So-
wjetrepublik Belarus (SSRB) gegründet (diese Bezeichnung wurde erst am 4. Februar bestätigt).
Ihr Entwurf wurde am 24./25. Dezember auf der Sitzung des ZK der RKP(b) unter Mitwirkung
der Strukturen des Volkskommissariats für Nationalitätenfragen NKN (vor allem des Belorussi-
schen Kommissariats beim NKN) abgestimmt. Die Entscheidung, Belorussland zur unabhän-
gigen Sozialistischen Sowjetrepublik zu erklären, fiel „wegen der gegenwärtigen internationalen
Beziehungen und zur Festigung und zum Ausbau der Errungenschaften der sozialistischen Re-
volution im Weltmaßstab.“20 Nach der allgemeinen Entscheidung zur Errichtung des „Puffers“
Belorussland stieß das Zentrum einen Prozess an, der seine administrative Logik hatte – Grund-
lage des neuen Staates sollte die Westoblast werden, die größer war als der ethnische Kern der
Belorussen. Die am 30. Dezember in Smolensk (nicht in Minsk) zusammengekommene Nord-
West-Konferenz der RKP(b) wurde zum I. Kongress der KP Belorusslands erklärt und hörte ei-
nen Vortrag von A. Mjasnikov, in dem über die Gründung des neuen Staates berichtet wurde. Es
wurde beschlossen, die Territorien der Gouvernements Vitebsk, Mogilev, Minsk, Grodno und
zum Teil Smolensk, Vilna und Kovno in den Staat Belorussland aufzunehmen. Somit schlossen
sich in dem neuen Staat sowohl die russischsprachigen Regionen der Westoblast als auch die ihm

19 Ebd., S. 66.
20 Zit. nach: V. K. Koršuk u. a.: Gosudarstvennost’ Belarusi. Problemy formirovanija v programmach političeskich
partij. Minsk 1999, S. 61.

77
Aleksandr Šubin

benachbarten Territorien zusammen, die vorwiegend von Belorussen bewohnt waren. Es schien,
als ob dies ermöglichen werde, auch die frühere territorialökonomische Struktur der Westoblast
zu erhalten (was für die früheren sowjetischen Behörden des Westoblast wichtig war) und einen
territorialen Kern zur Entwicklung einer belorussischen Kultur zu bilden, eine Priorität für die
belorussischen Nationalkommunisten unter der Führung des ersten Premierministers der SSRB
D. Žilunovič.
Sie standen dem „Pufferprojekt“ durchaus ernsthaft gegenüber und hofften auf den Aufbau ei-
nes realen Sowjetstaates mit einer spezifischen belorussischen Kulturpolitik, die die Bürger (ein-
schließlich der Städter und der Führungskader) weißrussischsprachig machen sollte. Aber den
Kommunisten der Gouvernements Smolensk, Mogilev und Vitebsk war diese Idee fremd. Auch
da sprang der Mechanismus der sowjetischen Demokratie an, der während des Bürgerkrieges die
Stimmung der sowjetischen Funktionäre noch nach oben transportieren konnte – Anfang Janu-
ar wandten sich die sowjetischen Organe und Sowjetkongresse der Gouvernements Smolensk,
Mogilev und Vitebsk gegen ihre Übergabe an den neuen Staat. Am 16. Januar gab das ZK der
RKP(b) dieser Bitte statt und beließ die drei Gouvernements in der RSFSR unter dem Vorwand,
sie grenzten nicht an Polen und seien daher nicht Teil des „Puffers“. Diese Teilung rief jedoch
Unzufriedenheit nicht nur bei den Nationalkommunisten, sondern auch bei den „Oblastniki“
hervor – den örtlichen Führungspersönlichkeiten, die bestrebt waren, eine recht große territori-
ale Einheit, ähnlich der Westoblast, zu erhalten. Das verkleinerte Belorussland erwies sich als so
klein, dass es wirtschaftlich nicht lebensfähig war: „Entweder eine Republik, wie sie ist, oder eine
Oblast, wie sie war.“21
Diese Lösung wurde unerwartet gefunden, sie hatte jedoch historische Beispiele (wenn man an
das Großfürstentum Litauen denkt). Am 30. Januar wurde Žilunovič von Sverdlov der bevorste-
hende Zusammenschluss des „verkleinerten“ Weißrussland mit der sowjetischen Hälfte von Li-
tauen (mit dem Zentrum in Vilnius) verkündet. Mit dieser Entscheidung wurden gleich mehrere
„Fliegen“ mit einer Klappe „geschlagen“. Die neue Republik erhielt ein stattlicheres Territorium
als ihre beiden Bestandteile. Territoriale Streitigkeiten im Bereich gemischter Besiedlung wurden
beseitigt. Das belorussische und das litauische Volk stellten sich gleichermaßen der polnischen
Expansion entgegen, was hier zur Unterstützung der Roten Armee seitens der örtlichen Bevöl-
kerung aus gemeinsamen nationalen Gründen führte. Darüber hinaus vertrat der Emissär des
ZK der RKP(b), A. Ioffe folgende Meinung: „Wenn es gelingt, eine Union aufzubauen, so wer-
den die belorussischen und litauischen Nationalismen einander weitgehend neutralisieren…“22
Diese Lösung wurde im Februar 1919 umgesetzt – genau am Vorabend des Angriffs des polni-
schen Heeres, der all diese „Pufferkombinationen“ zunichtemachte. Am 19. April nahmen die
Polen Vilnius ein, am 8. August Minsk. Während des polnisch-sowjetischen Krieges wurde im
Laufe des sowjetischen Angriffs die Belorussische Sozialistische Sowjetrepublik am 31. Juli 1920
erneut ausgerufen, diesmal ohne Bündnis mit Litauen – die militärpolitische Situation in der
Region hatte sich verändert. Und diese Entscheidung, die zu diesem Zeitpunkt durch politische

21 D. Korotkova: „Iz vsej ėtoj pantomimy ničego putnogo ne polučitsja …“ Litbel i ego okrestnosti. In: Rodina 2012,
Nr. 3, S. 101 f.
22 Ebd., S. 103.

78
Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution

Motive diktiert war, setzte einen Prozess in Gang, der zur Bildung einer realen Staatlichkeit in-
nerhalb der UdSSR führte, die sich 1991 als unabhängiger Staat „Republik Belarus“ abspaltete.
Die Gründung der Litauisch-Belorussischen Sozialistischen Sowjetrepublik (Litbel) wurde auch
mit der Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes mit der litauischen und der polnischen Kon-
terrevolution begründet. Der offizielle sowjetische Standpunkt zu dieser Frage war extrem ein-
fach: Die Bourgeoisie und die Gutsbesitzer spielten einfach die nationale Karte zum Schutze ih-
rer Eigentumsinteressen aus. Das Regime in Kaunas war ein Herd der Konterrevolution, ein mit
der Nationalflagge bedecktes Reservat für die Bourgeoisie und die Gutsbesitzer. Die Einseitigkeit
dieser Sichtweise wurde schnell durch die Geschichte bestätigt – Sowjetrussland begann, Kaunas
in seinem Kampf gegen die polnische Besetzung von Vilnius 1920 zu unterstützen. Die nationa-
len Gegensätze zwischen Litauen und Polen spalteten in dieser Region die „bürgerliche“ Front.
Nach Abschluss des sowjetisch-litauischen Friedensvertrages am 12. Juli 1920 wurde Litauen zu
dem der UdSSR gegenüber am freundlichsten gesinnten Staat der Region. Dieser Umstand ergab
sich sowohl durch das Fehlen einer gemeinsamen Grenze (was Litauen in der Folge nicht vor der
Annexion durch die UdSSR bewahrte) als auch durch die Unterstützung des Anspruchs Litauens
auf Vilius seitens der UdSSR, die sich am Vorabend dieser Annexion in der Praxis zeigte.

Mögliche Varianten
Der Frieden von Brest-Litovsk erleichterte den Zerfall des Russischen Staates. Finnland, Est-
land, Lettland (wie früher Litauen und der russische Teil Polens) gerieten unter die Kontrolle
Deutschlands. Die Ukraine und ein Teil Belorusslands sowie einige südliche Regionen Russlands
waren besetzt. Das Osmanische Reich überschritt aufgrund des Versuchs transkaukasischer Poli-
tiker, eine eigenständige Außenpolitik zu betreiben, die in Brest vereinbarten Grenzen und mar-
schierte im Kaukasus ein, worunter am stärksten die Armenier litten.
Sobald aber der Block der Mittelmächte den Krieg verloren hatte, kehrte das sowjetische Projekt
fast auf das gesamte Territorium zurück, das in Brest verloren gegangen war. Und schon 1918 bis
1921 mussten die Völker zwischen den Nationalkommunisten und antisowjetischen nationalen
Projekten wählen. Der Bolschewismus zog allmählich die Lehren aus dem nationalen Widerstand
und war bereit zu umfassenden Zugeständnissen an die nationale Eigenständigkeit und Kultur
unter einer sehr wichtigen Bedingung – die Staatsmacht in den nationalen Regionen musste nach
sowjetischem Vorbild aufgebaut und der örtlichen kommunistischen Partei vorbehalten sein, die
Moskau und der Gesamtstrategie der sozialen Umgestaltungen unterstellt war. Dieses Modell be-
hielt die Oberhand auf dem gesamten Territorium des ehemaligen Russischen Reiches mit Aus-
nahme des westlichen Teils, für dessen Wiedergewinnung die militärischen Kräfte 1919 bis 1921
nicht ausreichten. Ihre Rolle spielten bei diesem Ausgang sowohl rein militärische Umstände als
auch das Mobilisierungspotenzial der nationalen Idee in Polen und in den baltischen Ländern.
Nicht jedoch in der Ukraine und im Kaukasus.
Lenin sorgte sich um die Möglichkeiten der globalen Ausweitung des kommunistischen Systems,
er war zu Konzessionen an nationale Gruppierungen der Nomenklatura bereit. Dies verstärkte
die „Koppelung“ des Regimes mit der ethnokulturellen und lokalen sozialwirtschaftlichen Basis,
untergrub aber langfristig die Integrität des kommunistischen Systems.

79
Aleksandr Šubin

In den Ländern des Baltikums war die Ausgangsposition für die Nationenbildung stark, und der
Kampf drehte sich um den sozialen Aufbau der künftigen Nationalstaaten. Die Bildung der un-
abhängigen Staaten des Baltikums zeigt den offensichtlichen Vorrang der nationalen Aufgaben,
aber die Projekte Sowjetlitauen, Litauisch-Belorussische Sozialistische Sowjetrepublik (Litbel)
und Sowjetlettland sahen eine Lösung der nationalen Aufgaben im Rahmen des sozialen Projekts
(dritte Variante) vor: Kampf um Vilnius, gegen die polnische und deutsche „Vorherrschaft“, die
einen sozialen Hintergrund hatte.
Im Übrigen hatte auch der Kampf für die nationale Unabhängigkeit einen sozialen Hintergrund.
A. Smetona, K. Ul’manis und K. Pjats kämpften dafür, in unabhängigen Staaten zu leben. Aber sie
mussten einsehen, dass diese Staaten aufgrund ihrer relativen Schwäche nicht vollständig unab-
hängig sein konnten, dass sie sich auf die Hilfe stärkerer Mächte stützen mussten (zunächst war
von Deutschland die Rede, dann von der Entente) und sich in wirtschaftlicher Abhängigkeit von
verschiedenen hochentwickelten kapitalistischen Staaten befinden würden. Sie stritten dafür,
dass die Länder des Baltikums im westlichen System der politischen und sozialwirtschaftlichen
Beziehungen blieben. Sie kämpften nicht für eine beliebige Staatlichkeit, sondern nur für eine
Staatlichkeit, die das Privateigentum schützte. In dieser Hinsicht war ihr Streben nach Entwick-
lung einer nationalen Kultur ganz oder fast ganz den sozialen Aufgaben zuzuordnen, ebenso wie
ähnliche Bestrebungen von V. Mickjavičjus-Kapsuskas, P. Stučki und Ja. Anvel’t. Die Revoluti-
onäre, die in den sowjetischen „Tochterrepubliken“ agierten, die entweder wegen des „Puffers“
oder wegen der Expansion des kommunistischen Projekts auf das nationale Territorium etabliert
worden waren, konnten aufrichtig die Schaffung eines vollwertigen nationalen Teils der sowjeti-
schen Föderation anstreben, die soziale wie auch nationalkulturelle Aufgaben lösen würde.
In Lettland fiel das soziale Projekt der Bolschewiki auf den fruchtbaren Boden der lettisch-deut-
schen Widersprüche, die in einem beträchtlichen Maße auch einen sozialen Charakter aufwiesen.
Angesichts der „sündhaften Allianz“ verschaffte dies den roten Letten einen Vorteil im Kampf
mit den weißen. Aber dank eben dieser „sündhaften Allianz“ fiel das militärische Kräfteverhält-
nis nicht zugunsten Sowjetlettlands aus, und das Modell des Kriegskommunismus enttäuschte.
Die Führer der Lettischen Republik wechselten rechtzeitig die Front und gaben die „sündhafte
Allianz“ auf. Dadurch entstanden die Voraussetzungen zur Konsolidierung der Letten auf gleich-
zeitig antideutscher und antisowjetischer Grundlage, was zum Erfolg der Lettischen Republik
in der zweiten Jahreshälfte 1919 führte. War Anfang 1919 der Verlauf des Kampfes um Lettland
noch durch die Kollision der sozialen Projekte bestimmt, so wurde die Bedeutung dieses Faktors
in der zweiten Jahreshälfte schwächer, und die nationale Konsolidierung erlangte die Oberhand.
Die baltischen und transkaukasischen Themen scheinen uns zu dem folgenden Schluss zu füh-
ren: Selbst die radikalsozialen Projekte der Jahre 1917 bis 1922 haben als „Basis“ ein nationales
Fundament, die Lösung der nationalen Aufgaben. Allerdings zeigen schon diese Beispiele, dass
die sozialen Prozesse sich als viel stärker erweisen können als die nationale Agenda, und die nati-
onalen Formen zum Vorantreiben des sozialen Projekts genutzt werden können.
Möglich sind verschiedene Varianten des Verhältnisses zwischen nationalen und sozialen Faktoren:

80
Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution

1. die offene Dominanz der nationalen Aufgaben, deren Lösung auch die Erhaltung der
Positionen der Vermögenseliten gewährleistete (in größerem Maße kennzeichnet dies
die Situation in Polen, sie ist aber auch charakteristisch für die „weißen“ baltischen
Republiken);
2. die offene Dominanz der sozialen Aufgaben (russischer Bolschewismus, der zu Konzes-
sionen an den nationalen Aufbau bereit war, aus Gleichgültigkeit dem gegenüber, wie die
nationale Aufteilung des in sozialer Hinsicht einheitlichen Organismus der „Kommune“
erfolgen wird);
3. die Nutzung des sozialen Projekts zur Lösung der nationalen Aufgaben (Baku 1918; So-
wjetlettland und Sowjetlitauen sowie zum Beispiel Ungarn 1919), was die Instabilität des
kommunistischen Regimes, das enthusiastisch mit der Durchführung sozialer Umgestal-
tungen begonnen hatte, vorherbestimmte;
4. die Nutzung des nationalen Projekts zur Lösung internationaler, revolutionärer „klassen-
bezogener“ Aufgaben („Pufferrepubliken“), was unter günstigen Bedingungen zu einer
Beschleunigung der Nationenbildung im Rahmen des sowjetischen Raumes (Beloruss-
land) führen konnte).
In diesem Koordinatensystem erwies sich die Ukraine als ein Land, in dem der nationale und der
soziale Faktor eine gleich wichtige Rolle spielten, wobei einmal der eine und dann wieder der an-
dere in den Vordergrund trat. Dies ist auch für Finnland 1917 bis 1918 kennzeichnend. Georgien
und Armenien tendierten zur ersten Variante, wobei sie ein Element der dritten nutzten.
Turkestan lag im „Modernisierungsrennen“ im Rückstand und erlebte die Schaffung der Turke-
stanischen Autonomie mit Zentrum in Kokand, die von sowjetischen Einheiten liquidiert wurde,
sowie den Bürgerkrieg der europäischen Bevölkerung, die Missachtung der Meinung der „ein-
heimischen Bevölkerung“, die in einen bewaffneten Widerstand gegen das sowjetische Projekt
der Basmatschen – der Traditionalisten und Pantürken – umschlug. Die Projekte zur Nationen-
bildung waren gerade erst auf dem ethnosozialen Boden Turkestans gereift, und die im Kampf
um die Städte militärisch siegreichen Bolschewiki zogen es vor, den Prozess anzuführen und dem
Osten ein Beispiel für die Lösung der nationalkolonialen Frage zu geben. Die nationalterritoriale
Abgrenzung in den Jahren 1924/1925 schuf bei all ihrer Künstlichkeit die Grenzen der moder-
nen Nationalstaaten Mittelasiens (diese Ereignisse tendieren eher zur vierten der angeführten
Varianten).
Das Verhältnis zwischen deterministischem Faktor und deterministischer Form in jedem Einzel-
fall hängt ebenfalls von drei Hauptfaktoren ab:
1. die eigentlichen ethnokulturellen Besonderheiten;
2. das Entwicklungsstadium, in dem sich das Volk 1917 befand;
3. makropolitische Faktoren – der Einfluss anderer, stärkerer Staaten. In der Situation der
Jahre 1917 bis 1920 verwandelten sich die nationalen „Randgebiete“ Petrograds in die
Peripherie gleich dreier Zentren – von Moskau, Berlin und Paris (wo sich die Führer der

81
Aleksandr Šubin

Weltkriegssieger versammelt hatten). Diese Interferenz der Peripherien schuf zusätzliche


Spielräume für die nationalen Führer.
Indes konnten die äußeren Formen und die „Unterfütterung“ – wie auch in den übrigen Fällen –
eine eigenständige Trägheit aufweisen. So konnten zum Beispiel die Revolutionäre, die in den
sowjetischen „Tochterrepubliken“ agierten, die entweder des „Puffers“ oder der Festigung des
kommunistischen Projekts auf dem nationalen Territorium wegen geschaffen wurden, aufrich-
tig die Schaffung eines vollwertigen nationalen Teils der sowjetischen Föderation anstreben, die
nationalkulturelle Aufgaben nicht schlechter als soziale lösen würde. Wenn für Lenin das Nati-
onale sekundär war und er nicht gegen die Entwicklung einer nationalen Kultur war, da dies der
Umsetzung des sozialen Projekts nicht hinderlich war, so waren für die „Nationalkommunisten“
die Aufgaben zur Entwicklung der nationalen Kultur vorrangig. Selbst jene, bei denen das bol-
schewistische Projekt zunächst Zweifel hervorgerufen hatte, gingen den Weg der sowjetischen
Nationenbildung (dies betraf beispielsweise die ukrainischen Sozialrevolutionäre und die Men-
schewiki, die sich im Laufe des Bürgerkriegs der Partei der Bolschewiki angeschlossen hatten und
zu aktiven Begleitern der Politik der Ukrainisierung wurden).
Der Versuch einer Art Trennung der Tätigkeits- und Interessenbereiche zwischen den Bolschewi-
ki des Zentrums und den Nationalkommunisten mündete in die Praxis der „Verwurzelung“, die
von ihnen aber auf unterschiedliche Art verstanden wurde – entweder als Mittel zur Beschwich-
tigung der Bauernschaft und der Intelligenz in den nationalen Regionen oder als reale Forcierung
des Aufbaus einer modernen Nation im Rahmen der sowjetischen Föderation. Es schien, als ob
die Schwierigkeiten bei der Lenkung zum Beispiel der ukrainischen Bauernschaft durch die rus-
sischsprachigen Kader, die sich so tragisch im Frühjahr 1919 zeigten, beseitigt werden könnten,
wenn man den Kader Ukrainisch beibrachte. Aber mit Beginn des ersten Fünfjahresplans stellte
sich heraus, dass die Verwurzelung offensichtlich die industrielle Modernisierung und die Frei-
zügigkeit der Arbeitskräfte im gesamten Staatsgebiet behinderte. Die Einheitsfabrik UdSSR hätte
nicht effektiv agieren können, wenn sie aus „nationalen Werkhallen“ bestanden hätte, deren Mit-
arbeiter in verschiedenen Sprachen redeten und einander nur schlecht verstehen würden. Die
Dominanz des Russischen in der Produktion wurde zur Grundlage des sowjetischen „Schmelz-
tiegels“, der der „Verwurzelung“ ein Ende setzte und die soziale Agenda zum Sieg über die nati-
onale führte.
Wenn wir jedoch einen Blick nach vorne werfen, so sehen wir, dass nach dem Epochenwechsel,
als die Aufgaben des industriellen Übergangs bewältigt waren und in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts die Fragen der Lebensqualität und des Bedürfnisses nach kultureller Vielfalt auf
der Tagesordnung standen, die nationale Problematik immer aktueller wurde. Dies stellte die
Weichen für die Schwächung des Gemeinschaftsgefühls des „sowjetischen Volkes“ und für eine
nationale Erneuerung, die die immer gleiche „Matrix“ der Reaktionseigenschaften von Völkern
auf historische Herausforderungen regenerierte. Für die einen war die nationale Erneuerung
ein Anlass, aus dem sowjetischen Raum in den westeuropäischen, der mit einer anderen politi-
schen Kultur und wirtschaftlicher Prosperität lockte, überzuwechseln. Heute sehen wir, dass die
Abhängigkeit der baltischen Staaten, Ungarns und Polens von den europäischen Institutionen
überaus hoch ist und die notwendige Teilung der Souveränität zu einem Problem des National-

82
Das Soziale und das Nationale in der Großen Russischen Revolution

bewusstseins wird. Für andere Länder war der Zerfall des sowjetischen Raums der Beginn einer
Rückkehr zur nicht überwundenen Vergangenheit der ethnischen Nachbarschaftskonflikte.
Was auch immer über das Streben nach dem Aufbau westlicher Institutionen im Transkaukasus
gesagt wurde, diese Frage wird für die Bevölkerung dieser Länder noch lange sekundär bleiben,
verglichen mit dem akuten interethnischen Kampf um Territorien.
Nicht verschwunden ist der Dualismus in der politischen Kultur der Ukraine, der in vielerlei
Hinsicht aus der Zeit stammt, als der Osten und Süden Teil der Sowjetukraine wurde, um ein
eigenes sicheres Territorium im Kampf mit der nichtsowjetischen Ukraine zu haben. Der Westen
und der Osten der Ukraine setzten ihren Sprachenstreit fort, ihren Streit über kulturelle Werte
und den industriellen Fortschritt sowie über die Verbindung zum Westen und zu Russland. Der
Nationalismus dient nach wie vor als Mittel zur Eindämmung sozialer Veränderungen – bis hin
zur Auswechslung der sozialen Revolution durch eine nationale „revolutionäre“ Entourage.
Wir sehen auch die Neigung von Belarus zur Einheit mit Russland, die sowohl jene Schwan-
kungen, die die Schaffung des „Pufferstaates“ Belorussland 1919 begleiteten, als auch die Be-
sonnenheit des Weges der BSSR zur Unabhängigkeit 1991 in das Gedächtnis zurückruft. Dabei
beabsichtigt die belarussische Führung jedoch nicht, auf den erworbenen Status zu verzichten.
Die sozialen Projekte sind heute zu schwach und zu fern von den sozialen Bedürfnissen der Men-
schen, um die nationale „Basis“ zu dominieren. Es könnte jedoch sein, dass dies nicht immer so
bleibt.

83
Vasilij Christoforov

Sicherheitsbedrohungen Russlands am Vorabend und während der


Revolution von 1917

Die Untersuchung von Sicherheitsproblemen in verschiedenen historischen Zeiträumen erlangt


eine besondere Aktualität unter den heutigen Verhältnissen, in denen die Zahl der äußeren und
inneren Bedrohungen wächst, ein Anstieg der Protestbewegung, eine weitere Spaltung der Bevöl-
kerung sowie Aktivitäten internationaler terroristischer Organisationen zu beobachten sind. Von
der Fähigkeit des russischen Staatsapparats und der Sicherheitskräfte, äußere und innere Bedro-
hungen aufzudecken und zu neutralisieren, die Stimmungen der Bevölkerung zu erfassen, ihnen
Rechnung zu tragen und auf sie zu reagieren – auch in einer politischen, sozialen und wirtschaft-
lichen Krise – hängt die Sicherheit des Einzelnen, der Gesellschaft und des Staates selbst ab.
Im Laufe des Jahres 1917 gab es in Russland drei verschiedene Staatssysteme und politische Re-
gime (eine Autokratie, eine bürgerlich-demokratische Republik und eine Sowjetrepublik). Es
traten grundlegende Veränderungen im Verwaltungsapparat und in der Rechtsprechung ein. Es
kam zu einem Wechsel der politischen Eliten und der Verwaltungskader (staatlichen Angestell-
ten). Es änderte sich die staatliche Ideologie und das Sicherheitssystem des Staates, neue Systeme
wurden geschaffen oder die früheren Strukturen modernisiert.
In der sowjetischen Geschichtsschreibung hat sich die Meinung etabliert, dass unter der Auto-
kratie in Russland ein mächtiger bürokratischer Apparat mit Gendarmerie, Polizei und Armee
entstanden sei und in der Verwaltung des Staates die Amtsräume über eine allumfassende Macht
verfügten.1 Hierbei wurde die Tätigkeit der Sicherheitsbehörden des russischen Staates unter der
Autokratie und in der bürgerlich-demokratischen Republik in einem negativen Licht betrachtet.
Die Situation änderte sich in den 1990er-Jahren, als die Archive geöffnet wurden. Es ergab sich
die Möglichkeit, objektiv die Tätigkeit der Strukturen zu erforschen, die die Sicherheit des Staa-
tes gewährleisteten. In der inländischen Geschichtsschreibung erschienen Arbeiten, die den Pro-
blemen der Staatssicherheit des Russischen Reiches während des Ersten Weltkrieges 1914–1918
sowie der Aufdeckung und Lokalisierung äußerer Bedrohungen gewidmet waren, die von den
Geheimdiensten ausländischer Staaten ausgingen.2

1 N. P. Eroškin: Rossijskoe samoderžavie. Moskva 2006, S. 325.


2 N. S. Batjušin: Tajnaja voennaja razvedka i bor’ba s nej. Moskva 2002; A. G. Egizarov: Organizacionno-pravovye
osnovy dejatel’nosti organov voennoj kontrrazvedki Rossijskoj imperii i ee osobennosti na Kubani [dis. kand.
jur. nauk]. Krasnodar 2010; A. A. Zdanovič: Otečestvennaja kontrrazvedka (1914–1920). Organizacionnoe
stroitel’stvo. Moskva 2004; N. S. Kirmel’: Organizacija russkoj kontrrazvedki i ee bor’ba s japonskim i germanskim
špionažem v Sibiri (1906–1917 gg.) [dis. kand. ist. nauk]. Irkutsk 2000; D. V. Maksimov: Stanovlenie i razvitie
organov kontrrazvedki v rossijskoj provincii: načalo XX v. – 1941 g. (na primere Kurskogo regiona) [dis. kand.
ist. nauk]. Kursk 2006; Z. I. Peregudova: Političeskij sysk Rossii. 1880–1917 gg. Moskva 2000; T. V. Ismagilov i dr.
(sost.): Ufimskoe gubernskoe žandarmskoe upravlenie 1873–1917 gg. Dokumenty i materialy. Ufa 2012; V. G.
Šamaev: Na straže gosudarstvennoj bezopasnosti. Iz istorii Voronežskogo gubernskogo žandarmskogo upravleni-
ja. Voronež 2005, u. a.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 85–101


[Link] 85
Vasilij Christoforov

Ein umfassender, ausgewogener und kritischer Ansatz zur Bewertung der Handlungen der
Staatsgewalt im Hinblick auf die Eindämmung von Sicherheitsbedrohungen für Russland wäh-
rend der Krisensituation erlaubt es, Lehren zu ziehen und die Erfahrungen aus der Tätigkeit des
Staatsapparats – auch die negativen – zu nutzen. Durch die Einführung von Archivdokumenten
des Polizeidepartements des Innenministeriums, der Petrograder Sicherheitsabteilung und des
Justizministeriums in den wissenschaftlichen Verkehr kann die Effizienz der Behördenaktivitä-
ten bewertet werden, auch der Sicherheitskräfte des russischen Staates während der Russischen
Revolution 1917.3
Unter der Autokratie befassten sich mit der staatlichen Sicherheit (dem Schutz vor äußeren und
inneren Bedrohungen) im Rahmen ihrer Kompetenzen die Russische Armee4 und die Flotte,
das Polizeidepartement, das Sonderkorps der Gendarmen, die Gouvernement-Gendarmenver-
waltungen, die Gendarmen- und Polizeiverwaltung der Eisenbahnen, die Sicherheitsabteilungen
und die Spionageabwehrabteilungen.5
Die Sicherheit ist vor allem ein Komplex politischer, wirtschaftlicher, sozialer, militärischer und
rechtlicher Maßnahmen, die auf eine normale Daseinsvorsorge des Staates und die Beseitigung
möglicher Bedrohungen ausgerichtet sind. Die Sicherheit beinhaltet den Schutz des staatlichen
und gesellschaftlichen Aufbaus, der territorialen Integrität und Souveränität, den Schutz der öf-
fentlichen Ordnung und die Bekämpfung der Kriminalität.
Anfang 1917 hing die äußere Bedrohung der Sicherheit Russlands, die von dem Block der Mit-
telmächte mit Deutschland an der Spitze ausging, mit dem eventuellen Verlust der nationalen
Souveränität und der territorialen Integrität zusammen. Zu den inneren Bedrohungen gehörten
die politische, soziale und wirtschaftliche Krise, eine aktivere Tätigkeit oppositioneller Kräfte, die
wachsenden negativen Stimmungen in der Gesellschaft und das Aufkommen von Separatismus
in den russischen Regionen.
Die Sicherheit Russlands hing von der Fähigkeit der Russischen Armee ab, ausländischen Ar-
meen (Deutschland, Österreich-Ungarn, Türkei) zu widerstehen, die territoriale Integrität, die
nationale Unabhängigkeit und die Souveränität des Staates zu gewährleisten, militärische Ga-
rantien für die Stabilität der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung zu geben, den zivilen
Frieden im Lande zu wahren und rechtswidrige Handlungen extremistischer Organisationen zu
unterbinden.
Im Laufe des Ersten Weltkriegs vermochte es Deutschland, im eigenen Interesse die inneren Be-
drohungen des russischen Staates auszunutzen, und betrieb eine „Politik der Revolutionierung“:
Es unterstützte russische radikale und separatistische Bewegungen. Im Zuge der „Revolutionie-
rungspolitik“ suchte Deutschland die beiden wichtigsten Aufgaben lösen: die deutschen Trup-

3 Gosudarstvennyj archiv Rossijskoj Federacii (künftig: GA RF), f. 102, op. 316, 1916; op. 213 f., 1917; op. 316, 1917.
4 Die Russische Armee – das Heer des Russischen Reiches, das von seiner Gründung bis zum Frühjahr 1918 be-
stand.
5 Mehr zur Struktur und den Tätigkeitsschwerpunkten des Polizeidepartements, der Gendarmenverwaltungen und
der Sicherheitsabteilungen siehe Peregudova, Političeskij sysk Rossii.

86
Sicherheitsbedrohungen Russlands am Vorabend und während der Revolution von 1917

pen im Osten freizusetzen und Russland so weit wie möglich von den eigenen Grenzen zurück-
zudrängen.6
Nach Meinung deutscher Experten musste man die inneren Bedrohungen Russlands ausnut-
zen – „Polen, Finnen, Ukrainer und Muslime sowie die russischen revolutionären Kreise“, im
Großfürstentum Finnland und im Königreich Polen Unruhen und Aufstände organisieren, die
Revolutionäre in Russland unterstützen, die „nur auf den Augenblick warteten, einen Aufstand
anzuzetteln, der Russland von innen zerstört“. Deutschland war bestrebt, Polen wiederherzustel-
len sowie die nordwestlichen Provinzen (Baltikum und Finnland) und die Ukraine von Russland
abzuspalten.
Wie die folgenden Ereignisse zeigten, förderten eben diese Bedrohungen den Zerfall des Rus-
sischen Reiches (Polen, Finnland und die baltischen Provinzen traten aus dem russischen
Staat aus).
Der Aufstand in Turkestan 19167 zeigte, dass in dicht besiedelten Regionen sowohl die Türkei
als auch Deutschland Anstrengungen zur Destabilisierung unternahmen. Davon zeugten auch die
unermüdlichen, gegen die Regierung gerichteten Aktivitäten der national-religiösen Eliten 1917.8
In Aufrufen, die in den russischen Regionen mit dichter muslimischer Besiedelung verbreitet
wurden (Turkestan, Nordkaukasus, Krim, Wolga-Uralregion), wurde der deutsche Kaiser direkt
als „Beschützer des Islam“ bezeichnet, der sich den „Feinden des Islam“ – den Ländern der En-
tente – entgegenstelle.9
Die russischen Oppositionskräfte, die die verschiedensten Gesellschaftsschichten repräsentier-
ten (Bürgertum, liberale Öffentlichkeit, „Progressiver Block“ in der Staatsduma), dachten Anfang
1917 nicht an Revolution, sondern wollten lediglich eine Ablöse der ungeliebten Regierung. Der
im Namen des „Progressiven Blocks“ auftretende S. I. Šidlovskij erklärte, dass die Regierung in
dieser Zusammensetzung nicht in der Lage sei, mit der Revolution fertig zu werden, sie müsse
den Platz freimachen für Personen, die bereit seien, sich auf die Mehrheit der Staatsduma zu stüt-
zen und deren Programm umzusetzen. Am 1. November 1916 waren bei der Sitzung der Staats-
duma in der Rede eines der Führer des „Progressiven Blocks“, des Kadetten P. N. Miljukov, in
vorsichtiger Form Bemerkungen über Verrat am Zarenhof zu hören. Miljukov spielte auf die Za-
rin und ihr Umfeld an und sprach von einer ungeschickten und korrupten Politik der Regierung.
Später erklärte Miljukov, dass der 1. November 1916 der „Anfang der Russischen Revolution“
gewesen sei.

6 I. N. Novikova: „Finskaja karta“ v nemeckom pas’janse. Germanija i problemy nezavisimosti Finljandii v gody Per-
voj mirovoj vojny. Sankt-Peterburg 2002, S. 55 f.
7 Siehe Ju.A. Petrov (otv. red.): Turkestanskoe vosstanie 1916 g. Fakty i interpretacii. Mat. mežd. nauč. konf. Moskva
2016.
8 Mehr dazu siehe O. N. Senjutkina: Tjurkizm kak istoričeskoe javlenie (na materialach istorii Rossijskoj imperii
1905–1916 g.). Nižnij Novgorod 2007.
9 Die Methoden und Formen der deutschen und türkischen Agitation und Propaganda gegenüber den russischen
Muslimen am Vorabend der Revolution sind in den folgenden Arbeiten eingehend dargestellt: I. A. Giljazov, L. R.
Gataullina: Rossijskie soldaty-musul’mane v germanskom plenu v gody Pervoj mirovoj vojny. Kazan’ 2014; Ju.N.
Guseva: Rossijskij musul’manin v XX veke. Samara 2013, S. 195–210.

87
Vasilij Christoforov

Anzeichen eines wachsenden sozialen Konflikts waren für die Petrograder Sicherheitsabteilung
schon im Dezember 1916 spürbar, als sich die Zahl der Streiks deutlich erhöhte. Belief sich im
November die Arbeitsverweigerung wegen Teilnahme an Streiks auf über 25.000 Arbeitstage, so
waren es im Dezember etwa 230.000. Am 9. Januar 1917 fand unter der Führung der Bolschewiki
eine Demonstration anlässlich des Jahrestages des Blutsonntags (9. Januar 1905) statt, an der
über 130.000 Menschen teilnahmen.
Im Januar 1917 warnten der Premierminister N. D. Golicyn, der Außenminister N. N. Pokrovskij,
der Generalgouverneur von Irkutsk A. I. Pil’c, der Bruder des Zaren Michail Aleksandrovič und
der Vorsitzende der Staatsduma M. V. Rodzjanko Nikolaj II. vor einer allgemeinen Alarmstim-
mung in der Gesellschaft und sprachen von der Notwendigkeit, den Bürgern entgegenzukom-
men und den unbeliebten Innenminister A. D. Protopopov abzulösen.
Gleichzeitig informierte Protopopov Nikolaj II., dass in Petrograd alles in Ordnung und ruhig sei.
Der Zar vertraute dem Innenminister und hoffte auf den Erfolg der Offensive im Frühjahr 1917
an der Front und darauf, dass die Öffentlichkeit sich beruhigen werde.
Im Januar/Anfang Februar 1917 informierte der Leiter der Petrograder Sicherheitsabteilung,
General K. I. Globačev, Protopopov und den Palastkommandanten V. N. Voejkov über die
Alarmstimmung der Hauptstadtbevölkerung und die Erwartung von außergewöhnlichen Er-
eignissen, angefangen von Revolutionsausbrüchen bis hin zu einem „Palastumsturz“. Globačev
berichtete regelmäßig über die Streiks, die in den Petrograder Betrieben stattfanden, über die
Stimmungen in der Bevölkerung der Hauptstadt, über erwartete revolutionäre Kundgebungen
und darüber, dass die Lage Anfang 1917 an die Situation erinnere, die der Revolution von 1905
vorausgegangen sei.
Nach Angaben der Sicherheitsabteilung hielten die liberalen Parteien Konzessionen seitens der
Regierungsmacht aufgrund der revolutionären Ereignisse sowie die Übergabe der Macht in die
Hände des Progressiven Blocks für möglich, woraufhin „sich in Russland schon alles fügen wer-
de“. Die linken Parteien waren der Meinung, dass sich die Staatsmacht nicht auf Konzessionen
einlassen werde und es daher zu einer spontanen Revolution käme, was die Voraussetzungen für
die „Umgestaltung Russlands in einen vom Zarismus freien Staat, einen Staat, der auf sozialen
Grundlagen aufgebaut ist“, schaffe. Globačev bemerkte dazu, dass die Bevölkerung unzufrieden
mit dem Preisanstieg für Lebensmittel und Bedarfsgüter sei. Er berichtete über Aktivitäten linker
Zeitungen und Zeitschriften, den Anstieg der Sympathie der breiten Massen für die Staatsduma
und Gespräche über eine bestehende Offiziersorganisation, die beschlossen habe, eine Reihe von
Personen umzubringen, die einer Erneuerung des Landes im Wege stünden. Globačev erzählte,
dass die Bevölkerung auf den Straßen, in den Straßenbahnen, Theatern und Läden Ton alle Re-
gierungsmaßnahmen, aber auch die Tätigkeit des Zaren unzulässig scharf kritisiere. Er verwies
auf die gegen die Regierung gerichteten Aktivitäten der Führer der Oppositionsbewegung V. M.
Puriškevič, A. I. Gučkov, A. I. Konovalov und des Fürsten G. E. L’vov und schrieb, dass die politi-
sche Lage in der Gesellschaft mit jedem Tag angespannter werde. Die liberale Opposition suchte
Unterstützung bei den Arbeitern, unter denen die Arbeitergruppe im Kriegsindustriekomitee be-
sonders aktiv war. Gučkov, der eine breite Arbeiterbewegung um die Staatsduma gebildet hatte,
hoffte auf den Palastumsturz.

88
Sicherheitsbedrohungen Russlands am Vorabend und während der Revolution von 1917

Allerdings schenkten weder der Zar noch die Regierung der wachsenden Protestbewegung Be-
achtung. Die Polizei jagte die Demonstrationen auseinander, den Forderungen der Arbeiter wur-
de nicht Rechnung getragen und keine Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage
der Bevölkerung ergriffen.
Am 14. Februar, dem Tag der Eröffnung der Sitzungsperiode der Staatsduma, streikten in Pe-
trograd etwa 90.000 Menschen in 58 Betrieben. Zum Taurischen Palais, in dem die Sitzungen
stattfanden, kamen nur einige Hundert Arbeiter, was als Rückgang der Proteststimmung aufge-
fasst wurde.
Am 20./21. Februar empfing Nikolaj II. Golizyn, Pokrovskij, den Kriegsminister M. A. Bel-
jaev und den Vorsitzenden des Staatsrates, I. G. Ščeglovitov, und gab ihnen seine Abreise
bekannt. Empfangen wurde auch Protopopov, der dem Zaren versicherte, in der Hauptstadt
sei alles vollkommen ruhig. Am 22. Februar um 14 Uhr reiste der Zar nach Mogilev ab, in das
Hauptquartier des Kommandos des Obersten Befehlshabers der Russischen Armee.
Am 23. Februar kam es in Petrograd zu Kundgebungen von Arbeiterinnen anlässlich des In-
ternationalen Frauentags. Die Protestierenden hielten Losungen in der Hand wie: „Nieder mit
dem Krieg“ und „Gebt Brot“. Am Streik und an den Protesten nahmen etwa 87.000 Menschen
teil. Im Innenministerium war man der Meinung, dass der Grund für die Demonstrationen der
Brotmangel war. Auf die Antikriegslosungen „Nieder mit dem Krieg“ achtete niemand. Am 24.
Februar beteiligten sich schon etwa 170.000 Arbeiter an dem Streik, die Bolschewiki erklärten
ihn zum politischen Streik, sie wurden auch von den Menschewiki und den Sozialrevolutionä-
ren unterstützt. Es tauchten Losungen auf wie: „Nieder mit der Zarenregierung“ und „Nieder
mit dem Krieg“.
Die Regierung hatte keinerlei Informationen zu den Ausmaßen der Unruhen, Protopopov und
der Kommandeur des Petrograder Militärbezirks, General S. S. Chabalov, waren der Meinung,
dass die Demonstrationen durch den Brotmangel in der Hauptstadt hervorgerufen worden seien
und keinerlei Aufmerksamkeit bedürften, da in der Hauptstadt genügend Mehl vorhanden sei.
Am 25. Februar beteiligten sich etwa 240.000 Menschen am Streik, es tauchten Flugblätter mit
dem Aufruf zum Generalstreik auf, zum Kampf gegen die Monarchie unter den roten Bannern
der Revolution, zur Einführung des achtstündigen Arbeitstages, zur Verteilung des Bodens an das
Volk und zur Beendigung des Krieges.
Nikolaj II., der sich am 23. und 24. Februar im Hauptquartier in Mogilev aufhielt, verfügte über
keine zuverlässigen Informationen über die Ereignisse in Petrograd und hatte keine Vorstellung
von den Ausmaßen der Demonstrationen und ihrer politischen Ausrichtung. Erst am 25. Februar
begannen der Zar und das Hauptquartier nach dem Erhalt von Telegrammen der Generäle Bel-
jaev und Chabalov zu begreifen, dass die Lage in Petrograd sich kritisch entwickelte. Nikolaj II.
wies General Chabalov am 26. Februar an, für Ordnung in der Hauptstadt zu sorgen.
Die Zweckmäßigkeit und die Ausmaße der Anwendung militärischer Gewalt gegen die Demons-
tranten riefen immer schärfere Diskussionen in der Gesellschaft hervor. Die Operationen zur
Herstellung der Ordnung konnten nicht nach einem gängigen Schema erfolgen und sollten Fach-

89
Vasilij Christoforov

leuten übertragen werden, die Übung in der Krisenbewältigung hatten und mit Massenpsycho-
logie vertraut waren.
Der Einsatz von Waffen gegen friedliche Bürger in Petrograd rief einen Anstieg der Protestbe-
wegung hervor. Am 27. und 28. Februar liefen Truppeneinheiten und -teile auf die Seite der
Demonstranten über: zunächst das Ausbildungskommando des Ersatzbataillons des Volynsker
Regiments, danach die Soldaten des Preobražensker Regiments und anderer Teile der Petrogra-
der Garnison.
Der Staatsapparat erwies sich in der Krisensituation als unfähig, Maßnahmen zur Wiederher-
stellung der Ordnung zu ergreifen. Die Regierung und das Innenministerium waren praktisch
untätig, und hofften lediglich auf den Einsatz der Truppen. Golicyn bat Nikolaj II., das Kom-
mando über die Truppen einem populären General zu übertragen und teilte mit, dass der Mi-
nisterrat nicht mit den Unruhen fertig werden könne. Er ersuchte, eine Persönlichkeit als Premi-
erminister zu berufen, die Vertrauen in der Gesellschaft genieße und diese zu beauftragen, eine
neue Regierung zu bilden.
Das Hauptquartier des Kommandos des Obersten Befehlshabers, das im Februar 1917 über
Kräfte der Russischen Armee von etwa 10 Mio. Personen (14 Armeen, vereinigt in 5 Fronten)
verfügte, war mehrere Tage praktisch untätig. Maßnahmen wurden erst am Abend des 27. Fe-
bruar ergriffen, als von Chabalov, Beljaev und M. V. Rodzjanko Telegramme über riesige Unru-
hen und eine kritische Lage in Petrograd, über Aufstände in den Ersatzbataillonen und darüber
eingingen, dass es nicht möglich sei, den Militäraufstand niederzuschlagen.
Zur Wiederherstellung der Ordnung wurde als Kommandeur des Petrograder Militärbezirks
der General N. I. Ivanov10 berufen, der am 28. Februar mit dem Georgij-Bataillon nach Carskoe
Selo abmarschiert war. Ihm sollten eine konsolidierte Einheit, bestehend aus zwei Infanterieb-
rigaden, zwei Kavalleriebrigaden und zwei Maschinengewehrkommandos der Nord- und West-
front zur Seite gestellt werden. Allerdings wurden die stümperhaft organisierten Aktivitäten des
Generals Ivanov bald aufgehoben.
Trotz der Empfehlungen des Generals Alekseev, das Hauptquartier nicht zu verlassen, beschloss
Nikolaj II., nach Carskoe Selo abzureisen. Nach Meinung Alekseevs sollte eine konsolidierte
Einheit mit großer Mannschaftsstärke gebildet werden, um auf das aufständische Petrograd
vorzurücken. Allerdings war Nikolaj II. in Sorge um das Schicksal seiner Familie und fuhr am
Morgen des 28. Februar nach Carskoe Selo ab.
So beging der Kaiser innerhalb einer Woche zwei tragische Fehler. Erstens fuhr er am 22. Febru-
ar von Petrograd in das Hauptquartier und ließ die Hauptstadt in dieser schwierigen Zeit ohne
maßgebenden Führer zurück, der die Lage objektiv hätte einschätzen und eine Entscheidung in
einer kritischen Situation treffen können. Zweitens fuhr der Kaiser am 28. Februar von Mogilev
nach Carskoe Selo, als es für ihn sinnvoller gewesen wäre, im Hauptquartier zu bleiben.

10 Nikolaj Iudovič Ivanov (1851–1919), russischer Militär, General der Artillerie (seit 13. Apr. 1908), abkommand-
iert in das Hauptquartier des Kommandos des Obersten Befehlshabers (17. März 1916 – 28. Feb. 1917), Trup-
penbefehlshaber des Petrograder Militärbezirks (28. Feb. – 2. März 1917).

90
Sicherheitsbedrohungen Russlands am Vorabend und während der Revolution von 1917

Am 26. Februar begann Rodzjanko, die Generäle der Russischen Armee in den politischen
Kampf hineinzuziehen, nachdem er ein Telegramm an das Hauptquartier und an die Oberkom-
mandierenden der Fronten geschickt hatte, in dem er den bedrohlichen Charakter der Unruhen
und die Notwendigkeit zur Bildung eines verantwortlichen Ministeriums hervorhob11. Am 28.
Februar informierte Rodzjanko in einem Telegramm General Alekseev und die Oberkomman-
dierenden der Fronten über die Bildung eines Provisorischen Komitees der Staatsduma und
den Übergang der gesamten Staatsgewalt auf dieses. Er rief Armee und Flotte zur Ruhe auf und
versicherte, dass der Kampf gegen den äußeren Feind fortgeführt werde.
Ungefähr zu selben Zeit wurde der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten gebildet. Das
Exekutivkomitee des Sowjets berief Kommissare in alle Stadtbezirke und ordnete die Bildung
einer Roten Garde und eines Verteidigungsstabs des Taurischen Palais an.
Der Zug des Zaren, der nach Carskoe Selo unterwegs war, war gezwungen nach Pskov zurück-
zukehren, da die Eisenbahngeleise und Bahnhöfe von aufständischen Truppen besetzt waren.
Am Abend des 1. März kam der Zar in Pskov an, wo sich der Stab der Nordfront befand. Der
Oberbefehlshaber der Nordfront, General N. V. Ruzskij, informierte Nikolaj II. über die Lage in
der Hauptstadt und bestand taktvoll auf dem Erfordernis, eine der Staatsduma rechenschafts-
pflichtige Regierung zu bilden. Nikolaj II. unterzeichnete ein Manifest über die Errichtung eines
verantwortlichen Ministeriums. Allerdings kam diese Entscheidung des Zaren zu spät.
In der Nacht zum 2. März versuchte Rodzjanko General Ruzskij über eine Direktleitung zu
überzeugen, Nikolaj II. zum Thronverzicht zu bewegen. Nachdem General Alekseev eine ent-
sprechende Information von Ruzskij erhalten hatte, schickte er Telegramme an die Oberbe-
fehlshaber der Fronten und bat sie um ihre Meinung zum Thronverzicht des Zaren. Die Ober-
befehlshaber der Fronten sowie der Großfürst Nikolaj Nikolaevič empfahlen Nikolaj II., auf den
Thron zu verzichten.
Am Abend des 2. März kamen A. I. Gučkov und V. V. Šul‘gin in Pskov an, die den Zaren über
die Lage in Petrograd informierten und ihm den Thronverzicht empfahlen. Nikolaj II. antwor-
tete, dass er bereits beschlossen habe, für sich und seinen Sohn auf den Thron zugunsten seines
Bruders, des Großfürsten Michail Aleksandrovič, zu verzichten, der am 3. März ebenfalls dem
Thron entsagte.
Am 2. März bildeten das Provisorische Komitee der Staatsduma und das Exekutivkomitee des
Petrograder Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten die Provisorische Regierung mit
G. E. L’vov an der Spitze.
Der Zusammenbruch der jahrhundertealten monarchischen Ordnung rief in der Armee, die in
deren Traditionen erzogen worden war, nicht nur keinen Kampf, sondern noch nicht einmal
einzelne Ausbrüche hervor. Die Unterstützung des Zaren durch die Armee wurde durch zwei
Umstände gebremst: erstens durch die scheinbare Legalität beider Akte des Thronverzichts,
wobei der Großfürst Michail Aleksandrovič dazu aufrief, sich der Provisorischen Regierung

11 Verantwortliches Ministerium ist ein Begriff, der im russischen politischen Leben 1916–1917 verwendet wurde
und eine Rechenschaftspflicht der Regierung gegenüber der Staatsduma vorsah.

91
Vasilij Christoforov

unterzuordnen; zweitens durch die Furcht vor der Eröffnung einer Front durch einen Krieg im
Inneren. Die Armee gehorchte im Februar 1917 ihren Führern, und diese – General Alekseev
und alle Oberbefehlshaber der Fronten – erkannten die neue Staatsgewalt an.12
1917 wurde die bürgerlich-demokratische Republik (2. März – 25. Oktober 1917), die einzelne
Bestandteile des Staatsapparats der Autokratie bis zur Oktoberrevolution beibehielt,13 zur zwei-
ten Form des staatlichen Aufbaus in Russland.
Im März 1917 fand ein Ereignis statt, das den gesamten Verlauf der nationalen Geschichte grund-
legend veränderte und die soziale, wirtschaftliche und politische Ordnung der Dinge im Lande
aus den Angeln hob. Der Zusammenbruch der Monarchie war in jeder Hinsicht eine Zäsur im
Schicksal des Landes und des Volkes. Nach Meinung einiger Historiker ereignete sich nicht nur
ein Machtwechsel, sondern der Untergang eines bedeutenden Kultur- und Zivilisationssystems.14
Der Provisorischen Regierung war es nicht gelungen, die äußeren Sicherheitsbedrohungen Russ-
lands einzudämmen, im Gegenteil, die inneren Probleme verschärften sich (Zersetzung der staat-
lichen Verwaltung, Streben einiger russischer Regionen nach nationaler Autonomie, Kampf der
Sowjets um Einfluss und Macht; Niedergang der Kampfkraft der Armee; Versuche zur Instal-
lierung einer Militärdiktatur, katastrophale Verschlechterung der materiellen Lage der Bevölke-
rung, Lebensmittelmangel, Verzehnfachung der Preise, Anstieg der Kriminalität in den Städten).
Die revolutionären Stimmungen, die in die Armeeteile und -verbände eingedrungen war, sowie
der Erlass des Befehls Nr. 1 für die Petrograder Garnison über die Demokratisierung in der Ar-
mee durch den Petrograder Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten hatten einen verderb-
lichen Einfluss auf die Kampfkraft der Armee. Der Befehl führte praktisch zum Übergang der
Macht auf die wählbaren Soldatenkomitees, zur Wählbarkeit und zum Austausch der Vorgesetz-
ten durch die Soldaten. Es begann eine Selbstjustiz gegen Offiziere, die Zahl der Deserteure stieg
und die Disziplin sank. Die Armee war demoralisiert, hatte ihre Kampfkraft eingebüßt und stand
am Rande des Zerfalls. Der Befehl Nr. 1 gab den ersten und wichtigsten Anstoß für den Zusam-
menbruch der Armee.15
Die Provisorische Regierung hatte das Polizeidepartement, das Sonderkorps der Gendarmen,
die Gendarmenverwaltungen und die Sicherheitsabteilungen praktisch zerschlagen und die Spi-
onageabwehrabteilungen geschwächt. Eine Außerordentliche Untersuchungskommission nahm
die Verfolgung gesetzwidriger Handlungen ehemaliger Minister und Mitarbeiter der Sicherheits-
organe auf.
Beim Justizministerium wurde eine Sonderkommission ins Leben gerufen, die sich mit der Er-
stellung genauer Listen von Personen, die Ende Februar/Anfang März verhaftet worden waren
und mit der Klärung des Anlasses und der Gründe für ihre Verhaftung befasste. Darüber hin-
aus wurde eine Kommission zur Lösung der Frage des Orts und der Art der Aufbewahrung der
Unterlagen und Dokumente der Sicherheitsabteilungen geschaffen. Für die Auswertung der

12 A. I. Denikin: Put’ russkogo oficera. Moskva 2002, S. 143 f.


13 T. P. Koržichina: Sovetskoe gosudarstvo i ego učreždenija. Nojabr’ 1917 g. – dekabr’ 1991 g. Moskva 1994, S. 3.
14 A. N. Sacharov (red.): Istorija Rossii. V 2 t. T. 2: S načala XIX veka do načala XXI veka. Moskva 2006, S. 438.
15 A. I. Denikin: Očerki russkoj smuty. V 3 t. T. 1: Krušenie vlasti i armii. Fevral’ – sentjabr’ 1917 g. Moskva 2003.

92
Sicherheitsbedrohungen Russlands am Vorabend und während der Revolution von 1917

Archive und Unterlagen des Schriftverkehrs des aufgelösten Sonderkorps der Gendarmen so-
wie der Gendarmerieverwaltungen, Sicherheitsabteilungen und Fahndungsstellen in den russi-
schen Gouvernements wurden Sonderkommissionen gebildet, die sich aus dem Vorsitzenden
des Kreisgerichts, einem oder zwei Mitgliedern des Gerichts und einem Staatsanwalt (Genosse
Staatsanwalt) zusammensetzten. Hierbei war vorgeschrieben, alle Unterlagen politischer oder
strafrechtlicher Natur an die Staatsanwälte der Kreisgerichte und „feindliche Spionage“ betref-
fende Unterlagen an die Stäbe der Militärbezirke zu übergeben.16
Ab März 1917 begannen die Provisorische Verwaltung für Angelegenheiten der öffentlichen
Polizei und die Gewährleistung der Personen- und Vermögenssicherheit der Bürger (später
Hauptverwaltung für Milizangelegenheiten und Gewährleistung der Personen- und Vermögens-
sicherheit der Bürger), das Justizministerium und die Volksmiliz sich mit der Gewährleistung der
öffentlichen Sicherheit und dem Schutz der Rechtsordnung zu befassen.
Beim Justizministerium wurde eine Außerordentliche Untersuchungskommission zur Verfol-
gung gesetzwidriger Handlungen ehemaliger Minister, Verwaltungsleiter und anderer hochge-
stellter Amtspersonen ins Leben gerufen.
A. F. Kerenskij, der die Position des Justizministers bekleidete, übermittelte eine Anweisung an
die Staatsanwälte der Gerichtskammern und der Kreisgerichte mit der Forderung, unverzüglich
alle wegen politischer und religiöser Vergehen Verurteilte freizulassen, sowie eine Verfügung
über die unverzügliche und vollständige Freilassung der Staatsduma-Abgeordneten der sozialde-
mokratischen Fraktion und erwarb sich damit Beliebtheit in der Öffentlichkeit. Laut Verfügung
des Justizministers vom 3. März 1917 wurde eine Reform der Friedensgerichtsbarkeit in Angriff
genommen: Einzelfriedensrichter wurden durch provisorische Gerichte ersetzt, bestehend aus
einem Friedensrichter, einem Vertreter der Armee und einem Arbeitervertreter (ein Richter und
zwei Beisitzer).
Die Staatsgewalt im Lande befand sich im Krisenzustand, es kam zu ständigen Wechseln in der
Zusammensetzung der Regierung, einschließlich der Innenminister. Die Schaffung neuer Orga-
ne der Rechtsordnung kam ins Stocken. Die Milizverwaltung wurde dezentralisiert und an die
örtlichen Sowjets übergeben. Die Rechtsschutzfunktion wurde von bewaffneten Abteilungen
bei den örtlichen Sowjets wahrgenommen, die auch als Miliz bezeichnet wurden. Allerdings be-
grenzte sich ihre Tätigkeit nur auf den Schutz der Sowjets selbst. Der Kampf gegen die Krimina-
lität wurde auf ein Minimum reduziert.
Der Fall der russischen Monarchie führte zu einer Ausweitung der Befugnisse der ländlichen und
städtischen Selbstverwaltung, zur nationalen Selbstbestimmung und Ausrufung der Autonomie
in der Ukraine, zur Schaffung der Central‘naja Rada als unabhängigem Organ der Staatsgewalt
der Republik, das die Bewegung des ukrainischen Volkes zur Erreichung der Selbstbestimmung
in Form einer Autonomie mit der Perspektive der Gründung eines eigenständigen Staates an-
führte. Im Juli 1917 wurde die Belorusskaja Rada gegründet, die die Gewährung der Autonomie
für Belorussland im Rahmen einer bürgerlichen Republik Russland zu erreichen suchte.

16 GA RF, f. 124, op. 83, d. 284 f.

93
Vasilij Christoforov

Die gesellschaftspolitischen Organisationen, die die einheimische muslimische Bevölkerung in


Mittelasien, Baschkirien, auf der Krim und im Nordkaukasus vertraten, kämpften vehement für
die Schaffung nationaler Autonomien.
Sein Recht auf eine autonome Verwaltung erklärte auch das Kosakentum aller Truppen: das
Don-Kosakenheer, das Kuban-Kosakenheer, das Orenburger Kosakenheer, das Sibirische Kosa-
kenheer und das Terek-Kosakenheer.
Polen und Finnland verlangten ihre vollständige Unabhängigkeit, was neue Bedrohungen für die
Sicherheit Russlands bedeutete. Polen war zu diesem Zeitpunkt von Deutschland besetzt, und
die Provisorische Regierung erkannte das Recht auf die staatliche Abtrennung Polens an. Auf
dem Höhepunkt der Julikrise 1917 erklärte der finnische Sejm die Unabhängigkeit Finnlands
von Russland in inneren Angelegenheiten und beschränkte die Kompetenzen der Provisorischen
Regierung auf Fragen der Militär- und Außenpolitik. Am 12. (25.) Juli sandte der Sejm die For-
derung an die Provisorische Regierung, „die unveräußerlichen Rechte Finnlands anzuerkennen“.
Die Provisorische Regierung verweigerte Finnland die Selbstbestimmung (bis zur Entscheidung
der Konstituierenden Versammlung) und löste den Sejm auf. Russland brauchte Finnland als
Aufmarschgebiet und Stützpunkt der russischen Flotte. Die Sicherheitsbedrohungen Russlands
erhöhten sich bei einer Abtrennung Finnlands, da die Grenze des kriegführenden Staates 30
Werst von der Hauptstadt entfernt verlief.
Die Partei der Bolschewiki – RSDRP(b) – hatte im Februar 1917 bei ihrem Auftauchen aus dem
Untergrund 24.000 Mitglieder in ihren Reihen. Anfang April kehrte auch V. I. Lenin aus der Emi-
gration nach Petersburg zurück. Die auf die Erwartungen der Volksmassen ausgerichteten Pro-
gramme der Bolschewiki erwiesen sich als attraktiv. Die Bolschewiki erhielten die Unterstützung
der Massen und legten rasant an politischem Gewicht zu, im Juni 1917 gehörten der Partei schon
240.000 Mitglieder an.
Die Haltung der Provisorischen Regierung, den Krieg bis zum siegreichen Ende weiterzuführen,
führte zur politischen Aprilkrise und zu weiteren Schwierigkeiten in den Beziehungen zwischen
der Provisorischen Regierung und dem Petrograder Sowjet der Arbeiter- und Soldatendepu-
tierten. Am 18. April 1917 sandte die Provisorische Regierung eine Note über die Kriegsziele
an die verbündeten Mächte (England und Frankreich), unterzeichnet vom Außenminister P. N.
Miljukov, in der Gerüchte dementiert wurden, Russland beabsichtige den Abschluss eines Se-
paratfriedens. Die Note versicherte die Bündnispartner, dass Russland bestrebt sei, den Krieg
bis zum entscheidenden Sieg fortzusetzen. Die Miljukov-Note kam für den Petrosowjet und die
sozialistischen Parteien völlig unerwartet. Nach Meinung der Mitglieder des Exekutivkomitees
des Petrosowjets hätte sich die Provisorische Regierung öffentlich von den imperialistischen Plä-
nen zur Kriegsführung distanzieren und Miljukov abberufen müssen. Die Spaltung zwischen der
Regierungspolitik und den Stimmungen der Petrograder Massen, die nach einer Beendigung des
Krieges strebten, zeigte sich erstmals am 20. und 21. April 1917, als Tausende von Arbeitern, Sol-
daten und Matrosen mit Fahnen und Transparenten Massendemonstrationen gegen die Regie-
rung veranstalteten. Die Demonstranten trugen Losungen wie: „Nieder mit Miljukov!“, „Nieder
mit der Annexionspolitik!“ und „Nieder mit der Provisorischen Regierung!“

94
Sicherheitsbedrohungen Russlands am Vorabend und während der Revolution von 1917

Auf dem Höhepunkt der politischen Krise traten zwei Minister zurück, die sich aufs Engste mit
der unpopulären Außen- und Kriegspolitik der Provisorischen Regierung verbunden hatten:
Miljukov und Gučkov. Die politische Krise fand im Mai 1917 mit der Gründung einer Koali-
tionsregierung unter Beteiligung der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki ihr Ende. A. F.
Kerenskij bekleidete das Amt des Kriegs- und Marineministers.
Die neue Koalitionsregierung versuchte, den Zusammenbruch der Russischen Armee durch
Maßnahmen zur Stärkung der Militärdisziplin und Erhöhung des Strafmaßes für die Umgehung
der Wehrpflicht zu verhindern.17 Allerdings war sie noch weniger fähig, die Lösung der nationa-
len Probleme in Angriff zu nehmen als ihre Vorgängerin. Das Scheitern der Offensive der Russi-
schen Armee im Juni 1917 war einer der Hauptgründe für die akute politische Krise in Russland.
Im Juni 1917 änderten sich das Verhältnis der politischen Kräfte und das Gesamtbild des revo-
lutionären Russland auf abrupte Weise. Vom 3. bis zum 5. Juli unternahmen die Bolschewiki in
Petrograd ihren ersten ernsthaften Versuch, der Macht der Koalitionsregierung ein Ende zu set-
zen und die Macht an die Sowjets zu übergeben, indem sie Massenaufmärsche von bewaffneten
Arbeitern, Soldaten und Kronstadter Matrosen organisierten. 18
Die Provisorische Regierung erklärte die Juli-Ereignisse zum Ergebnis „einer Verschwörung der
Bolschewiki zur bewaffneten Machtergreifung“, verlegte Truppen von der Front nach Petrograd,
entwaffnete die Arbeiter und Soldaten der Petrograder Garnison, löste die Einheiten auf, die sich
an der Demonstration beteiligt hatten, nahm die Initiatoren der Arbeiter- und Soldatenaufmär-
sche in Haft, begann, die Bolschewiki zu verfolgen und brachte die Version in Umlauf, Lenin sei
an Spionage zugunsten Deutschlands beteiligt gewesen. Ein Beweis für die Spionagetätigkeit Le-
nins wurde nicht vorgelegt, trotzdem erging am 7. Juli ein Haftbefehl gegen ihn. Lenin versteckte
sich in Finnland.19
Am 9. Juli erklärten das Allrussische Zentrale Exekutivkomitees (VCIK) der Sowjets der Arbei-
ter- und Soldatendeputierten und das Zentrale Exekutivkomitee (CIK) der Bauerndeputierten
die Anerkennung der uneingeschränkten Befugnisse der Provisorischen Regierung. Die Sowjets
verloren zeitweilig ihre Bedeutung. Der Provisorischen Regierung war es gelungen, der Doppel-
herrschaft ein Ende zu setzen.
Am 24. Juli 1917 wurde die zweite Koalitionsregierung mit Kerenskij an der Spitze gebildet. Po-
litisches Credo der Regierung blieb der Zentrismus mit der Losung des Kampfes an „zwei Fron-
ten“: gegen die Rechten und gegen die Linken, trotzdem schlug das Kräfteverhältnis zugunsten
der Rechten um.
Die Russische Armee, die die Sicherheit Russlands gewährleisten sollte, wandelte sich im Som-
mer 1917 selbst zu einem Ausgangspunkt für innere Bedrohungen. Die Soldaten wollten auf einer
Welle der Demokratisierung der Armee und der Kriegsmüdigkeit nicht kämpfen. Die russischen
Generäle waren der Meinung, dass die Provisorische Regierung nicht in der Lage sei, die Aufga-

17 Vestnik Vremennogo pravitel’stva vom 6. Mai 1917.


18 A. Rabinovič: Bol’ševiki prichodjat k vlasti. Revoljucija 1917 goda v Petrograde. Moskva 1989, S. 29 f.
19 A. N. Sacharov (red.): Istorija čelovečestva. V 8 t. T. 8: Rossija. Moskva 2003, S. 566.

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Vasilij Christoforov

ben der Staatsverwaltung zu bewältigen und die innere wirtschaftliche und politische Stabilität
zu gewährleisten. Sie trugen sich mit dem Gedanken an eine „starke Macht“ und unternahmen
den erfolglosen Versuch, eine Militärdiktatur einzurichten.
Am 19. Juli 1917 wurde der unter den Offizieren beliebte General L. G. Kornilov zum Obersten
Befehlshaber der Russischen Armee berufen. Am 3. August erstellten Kornilov und der Leiter
des Stabes des Obersten Befehlshabers, General A. S. Lukomskij, einen schriftlichen Bericht, in
dem eine Konsolidierung der Armee gefordert wurde: Einführung von militärischen Revoluti-
onsgerichten auf dem gesamten Gebiet Russlands mit Anwendung der Todesstrafe, vor allem um
Ordnung in den Ersatzbataillonen zu schaffen, Wiederherstellung der Disziplinarmacht der Mi-
litärkommandeure, Beschränkung des Tätigkeitskreises der Truppenkomitees und -kommissare
und Festlegung ihrer Verantwortung, Untersagung von Kundgebungen, gegen den Staat gerichte-
ter Propaganda und Reisen von jeglichen Delegationen und Agitatoren an den Kriegsschauplatz.
Die Kornilov ‘schen Reformen wurden vom geschäftsführenden Kriegsminister B. W. Savinkov
unterstützt und auf der Staatskonferenz in Moskau vom 12. bis zum 15. August 1917 gebilligt.
Grassierende Informationen, dass Ende August in Petrograd ein Aufmarsch der Bolschewiki
stattfinden sollte, führten dazu, dass die Provisorische Regierung der Durchführung der vom
Hauptquartier des Kommandos des Obersten Befehlshabers verlangten Reformen zustimmte.
Überzeugt davon, dass seine Handlungen von Kerenskij unterstützt würden und entsprechend
den Vorabvereinbarungen mit Savinkov, erteilte Kornilov am 25. August 1917 dem 3. Reiter-
corps unter Führung von General A. M. Krymov den Befehl, Petrograd von belorussischem Ge-
biet aus anzugreifen. Er beabsichtigte, die „starke Macht“ in Russland wiederherzustellen, mit
militärischer Gewalt die Machtergreifung der Bolschewiki abzuwenden und gleichzeitig den So-
wjets ein Ende zu setzen.20
Kornilov wurden von den Generälen Lukomskij, W. N. Klembovskij (Kommandeur der Nord-
front) und A. I. Denikin (Kommandeur der Südwestfront) sowie Savinkov unterstützt, der sich
am 24. und 25. August im Hauptquartier in Mogilev befand.
Kerenskij lehnte die Vorvereinbarungen jedoch ab, nannte die militärische Aktion auf einer
Dringlichkeitssitzung der Provisorischen Regierung in der Nacht auf den 27. August einen „Auf-
stand“ und erklärte, Kornilov strebe danach, „eine staatliche Ordnung aufzubauen, die den Er-
rungenschaften der Revolution widerspricht“. Kerenskij verlangte, ihm für den Kampf mit der
Konterrevolution die gesamte Staatsgewalt zu übergeben, setzte Kornilov als Obersten Befehls-
haber ab und wandte sich an die Führung des Zentralen Exekutivkomitees der Sowjets und das
Exekutivkomitee des Allrussischen Sowjets der Bauerndeputierten um Hilfe.
Am 28. August erklärte Kornilov, er übernehme die gesamte Staatsgewalt, und versprach, „das
Große Russland zu retten“ und „das Volk auf dem Weg des Sieges zur Einberufung der Konstitu-
ierenden Versammlung zu führen“. Am 29. August verbreitete Kornilov einen Appell, in dem er
eine Verschwörung der Regierung, der Bolschewiki und Deutschlands erklärte und dazu aufrief,
sich den Anweisungen der Regierung nicht unterzuordnen.

20 Denikin, Put’ russkogo oficera, S. 214.

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Sicherheitsbedrohungen Russlands am Vorabend und während der Revolution von 1917

Die Lage war kritisch. Die Anführer der Kadettenpartei bestanden auf einer Vereinbarung mit
Kornilov, die Botschafter der verbündeten Mächte pochten auf Verhandlungen mit Kornilov. Die
Generäle lehnten einer nach dem anderen die Berufung auf die Position des Obersten Befehlsha-
bers der Russischen Armee ab.
Ende August/Anfang September wurden einige Generäle und Anführer des Aufstands, unter
ihnen auch General Kornilov, verhaftet und in das Bychov-Gefängnis unweit von Mogilev einge-
liefert. Am 29. August wurde durch eine Verordnung der Provisorischen Regierung die Außer-
ordentliche Kommission zur Untersuchung des Falls des ehemaligen Obersten Befehlshabers,
General L. G. Kornilov, geschaffen. 21
Die revolutionären Massen spielten beim Scheitern der Aktion von Kornilov eine entscheiden-
de Rolle, allerdings hatte dies auch für die Provisorische Regierung verhängnisvolle Folgen. Die
Kornilov-Ereignisse veränderten die Situation im Land vollkommen. Die Rechten konnten nach
ihrer Niederlage keinen Druck mehr auf die Regierung ausüben. In der politischen Arena blieben
nur die linken Kräfte zurück, die Rolle der Sowjets weitete sich aus, der Prozess der Bolschewi-
sierung verstärkte sich und die bewaffneten Arbeiterorganisationen – die Rote Garde und die
Arbeitermiliz – festigten ihre Position.
Am 1. September wurde mit einer Verordnung der Provisorischen Regierung ein provisorisches
außerordentliches Organ der obersten Staatsmacht in Russland – das Direktorium – geschaffen,
ein Kollegium aus 5 Ministern der Provisorischen Regierung, das bis zum 25. September be-
stand – dem Tag der Bildung der dritten Koalition der Provisorischen Regierung.
Zu der Zeit, als die Bildung der Einheiten der Roten Garde und die Festigung der Arbeitermilizen
erfolgte, setzte sich der Niedergang der Disziplin und der Kampfkraft der Russischen Armee wei-
ter fort. Im September 1917 gab es in 104 Städten Russlands Einheiten der Roten Garde, allein in
Petrograd gehörten ihr etwa 20.000 bewaffnete Arbeiter an.
Die Soldatenkomitees an der Front und im Hinterland riefen dazu auf, die Befehle des Obersten
Befehlshabers nicht auszuführen. Kriegsminister A. I. Verchovskij stellte im Oktober 1917 fest,
dass „das Volk nicht versteht, wofür es kämpft, weshalb es zu Hunger, Verzicht und Tod gezwun-
gen wird. In Petrograd selbst erhebt sich keine einzige Hand zur Verteidigung der Provisorischen
Regierung, und die von der Front abgezogenen Staffeln werden zu den Bolschewiki überlaufen.“22
Angesichts des verstärkten Kampfes zwischen den rechten und den linken Kräften führte die
Fortsetzung der Ausgleichspolitik Kerenskijs zu einer Veränderung der sozialen Basis für seine
Unterstützung. Am 20. Oktober 1917 gab Kriegsminister Verchovskij in einer Rede auf einer
Sitzung der Kommissionen des Vorparlaments für Verteidigung und Auswärtiges hinter ver-
schlossenen Türen mit „offenen und erschöpfenden Angaben über den Zustand der Armee“ die
sensationelle Erklärung ab, dass es für die Russische Armee unmöglich sei, den Krieg weiterzu-
führen. Er schlug einen Friedensschluss vor, um der Anarchie und dem Bolschewismus ein Ende

21 Siehe G. N. Sevost’janov (red.): Delo generala L. G. Kornilova. Avgust 1917 – ijun’ 1918. Dokumenty. V 2 t. Mosk-
va 2003.
22 A. I. Verchovskij: Rossija na golgofe. Iz pochodnogo dnevnika 1914–1918 gg. Petrograd 1917, S. 138.

97
Vasilij Christoforov

zu setzen und eine Alleindiktatur einzurichten. In der Nacht zum 21. Oktober 1917 sprach sich
auf einer Sitzung der Provisorischen Regierung die Mehrheit ihrer Mitglieder gegen den Vor-
schlag Verchovskijs aus, unverzüglich die Bündnispartner anzusprechen und zur Aufnahme von
Friedensverhandlungen aufzurufen. Der Kriegsminister musste zurücktreten.
Bis zum 21. Oktober befanden sich praktisch alle Truppen der Petrograder Garnison unter der
Kontrolle des Militärischen Revolutionskomitees (VRK), das die Vorbereitung des bewaffneten
Oktoberaufstands koordinierte.
Gegen Morgen des 25. Oktober war die Hauptstadt in den Händen der Aufständischen. In der
Nacht auf den 26. Oktober wurde der Winterpalast eingenommen und die Minister der Provi-
sorischen Regierung festgenommen. Kerenskij war am Vorabend an die Front gefahren, wo er
erfolglos versucht hatte, den Widerstand gegen den Umsturz zu organisieren. Mit Ausnahme
von P. N. Krasnov wurde er von den Generälen nicht unterstützt. Allerdings erlitten die Truppen
Krasnovs am 1. November eine Niederlage bei Petrograd, und der neue Oberste Befehlshaber,
General N. N. Duchonin, erklärte seine Neutralität. Wie auch während der Februarrevolution er-
hob sich auch im Oktober 1917 die Russische Armee nicht zum Schutz des früheren politischen
Regimes.
Der Provisorischen Regierung war es nicht gelungen, die inneren Bedrohungen, die Zersetzung
der staatlichen Verwaltung, das Streben einiger russischer Regionen nach nationaler Autonomie,
den Kampf der Sowjets um Einfluss und Macht, den Niedergang der Disziplin und Kampfkraft
der Armee; die Versuche zur Installierung einer Militärdiktatur, die katastrophale Verschlech-
terung der materiellen Lage der Bevölkerung, den Lebensmittelmangel sowie den Anstieg der
Kriminalität in den Städten einzudämmen. All dies führte letztendlich auch zu ihrem Sturz.
Die dritte Regierungsform in Russland 1917 war eine Sowjetrepublik (25. Oktober 1917 bis 30.
Dezember 1922). Der II. Allrussische Sowjetkongress, dessen absolute Mehrheit der Delegierten
aus den Bolschewiki und deren Verbündeten, den linken Sozialrevolutionären, bestand, wählte
das oberste Organ der Sowjetmacht – das Allrussische Zentrale Exekutivkomitee (VCIK) – und
bildete die Regierung – den Rat der Volkskommissare (SNK) mit Lenin an der Spitze. Es begann
der Aufbau der obersten Organe der sowjetrussischen Staatsgewalt. Innerhalb des SNK wurden
Strukturen aufgebaut, die die Aufgaben zur Gewährleistung der Staatssicherheit erfüllten: das
Volkskommissariat für Justiz (NKJu) – Organisation und Tätigkeit des Gerichtswesens, Aufbau
eines neuen Rechtssystems und einer neuen Justiz; das Volkskommissariat für Inneres (NKVD)–
Sicherung des Prozesses des Sowjetaufbaus (Schaffung der Sowjetstrukturen vor Ort, Kontrolle
ihrer Entstehung und Tätigkeit), Schutz der revolutionären Ordnung.
Die Sowjetregierung dementierte eine Geheimdiplomatie Russlands und der imperialistischen
Mächte und begann im November 1917 mit der Veröffentlichung von Vereinbarungen bezüglich
der Einflussbereiche und Pläne zur Neuaufteilung der Welt, die von Russland mit den anderen
Ländern der Entente geschlossen worden waren. Die Leiter der Militärmissionen der verbünde-
ten Länder beim Hauptquartier des Kommandos des Obersten Befehlshabers N. N. Duchonin
erklärten ihren scharfen Protest gegen eine mögliche Aussetzung der Kampfhandlungen und

98
Sicherheitsbedrohungen Russlands am Vorabend und während der Revolution von 1917

drohten andernfalls mit politischen, wirtschaftlichen und militärischen Sanktionen gegen Sow-
jetrussland. Allerdings konnte Duchonin die Situation keineswegs beeinflussen.
Die Bolschewiki führten seit den ersten Tagen ihrer Machtübernahme einen Kampf um den Ein-
fluss in der Russischen Armee und der Flotte. Zur Steuerung der Demokratisierung und Demo-
bilisierung der Russischen Armee und zum Aufbau der Streitkräfte der Sowjetrepublik wurde
am 26. Oktober das Komitee für Militär- und Marineangelegenheiten gegründet. Am 27. Okto-
ber wurde das Komitee zum Rat der Volkskommissare für Militär- und Marineangelegenheiten
umgewandelt, das folgende Hauptaufgaben hatte: die Inbesitznahme der Verwaltungsapparate
des Kriegs- und Marineministeriums und des Hauptquartiers des Kommandos des Obersten
Befehlshabers der Russischen Armee; deren Umgestaltung auf revolutionärer Basis; die Demo-
kratisierung und Demobilisierung der Russischen Armee; der Aufbau der neuen sowjetischen
Streitkräfte; die Leitung der aktiven Armee und die vollständige Niederschlagung der konterre-
volutionären Aufstände. Am 9. November wurde General N. N. Duchonin von der Position des
Obersten Befehlshabers entbunden und der Fähnrich N. V. Krylenko auf diesen Posten berufen.
Am 14. November wurde zur Demokratisierung und Demobilisierung der Kriegsflotte, zur
Durchführung von Säuberungen von konterrevolutionären Elementen und zur Umstrukturie-
rung des Verwaltungsapparats des Marineministeriums das Oberste Marinekollegium gebildet.
Am 19. November wurde im Hauptquartier ein Militärisches Revolutionskomitee geschaffen.
Am 20. November kam Krylenko im Hauptquartier in Mogilev an, am selben Tag ermordeten
Soldaten General Duchonin. Am 23. November wurde beim Militärischen Revolutionskomitee
des Hauptquartiers ein Revolutionärer Feldstab zur Bekämpfung der Konterrevolution ins Le-
ben gerufen. Am 16. Dezember wurde das Dekret des Rates der Volkskommissare über die Wähl-
barkeit und die Organisation der Macht in der Armee verabschiedet. Vom 15. Dezember 1917 bis
zum 3. (16.) Januar 1918 fand ein Allarmee-Kongress zur Frage der Demobilisierung der Armee
statt, bei dem ein Beschluss über das Erfordernis des Aufbaus einer neuen Armee auf freiwilliger
Basis und nach den Empfehlungen der Sowjetorganisationen gefasst wurde.
Die große Masse der Soldaten der Russischen Armee lief unter dem Einfluss der bolschewisti-
schen Propaganda zu den Bolschewiki über. Ein beträchtlicher Teil der Offiziere akzeptierte die
neue Staatsgewalt nicht, am 2. November begann General M. V. Alekseev eine Freiwilligenarmee
am Don aufzubauen, zu deren Oberkommandierendem am 7. Januar 1918 General Kornilov er-
nannt wurde.
Die Zerstörung des russischen Staates, die nach der Februarrevolution begonnen hatte, setzte
sich nach der Oktoberrevolution fort. Auf den Trümmern des Imperiums entstanden nationale
Staatengebilde. Am 7. November 1917 erklärte die Central’naja Rada die Autonomie der Ukra-
inischen Volksrepublik und am 24. Januar 1918 deren Unabhängigkeit. Am 15. November 1917
wurde in Tiflis das Transkaukasische Kommissariat gegründet (die Transkaukasische Regie-
rung – von Aserbaidschan, Armenien und Georgien), das die Sowjetmacht nicht anerkannte und
eine Politik der Abtrennung des Transkaukasus von Russland betrieb. Am 27. Oktober rief die
Belorusskaja Rada zum Sturz der Sowjetmacht auf.

99
Vasilij Christoforov

Die Entstehung neuer nationaler Staatengebilde wurde teils durch Dokumente begünstigt, die
von der sowjetischen Regierung verabschiedet worden waren. So wurde am 2. November 1917
die „Deklaration der Rechte der Völker Russlands“ unterzeichnet, in der die Gleichheit und Sou-
veränität der Völker des Landes und ihr Recht auf freie Selbstbestimmung bis hin zur Loslösung
und der Bildung eines selbständigen Staates verkündet wurde. Am 20. November wurde der Auf-
ruf der sowjetischen Regierung „An alle werktätigen Muslime Russlands und des Orients“ ver-
abschiedet, in dem die Vernichtung der gegen die Interessen der Völker des Orients gerichteten
Geheimverträge sowie der Verträge über die Aufteilung Persiens und der Türkei erklärt wurde.
Der Aufruf wandte sich an die Völker des Orients – Perser und Türken, Araber und Inder – zum
Kampf gegen Unterdrückung und zur Unterstützung der proletarischen Revolution.23
Ende 1917 wurden einige nicht anerkannte Staaten auf dem Gebiet des heutigen Usbekistan,
Kasachstan und Kirgisistan, des Urals, der Wolgaregion, der Krim und des Nordkaukasus ge-
gründet: die Kokander und Alascher Autonomien, Baschkurdistan; die Volksrepublik Krim und
die Bergrepublik.
Am 24. November 1917 erklärte Finnland seine Unabhängigkeit, und am 18. Dezember erkann-
ten das Allrussische Zentrale Exekutivkomitee und der Rat der Volkskommissare ihre staatliche
Unabhängigkeit an.
Die Oktoberrevolution führte dazu, dass die externen Bedrohungen für den Staat spürbar anstie-
gen. Die türkischen Truppen nutzten die Tatsache, dass sich die kaukasische Front vollständig
aufgelöst hatte und besetzten die Territorien von Georgien, Dagestan und Aserbaidschan.
Am 2. Dezember 1917 begannen in Brest-Litovsk die Verhandlungen über einen Waffenstillstand
zwischen Russland einerseits und dem Vierbund (Deutschland, Österreich-Ungarn, Türkei und
Bulgarien) andererseits als deren Ergebnis ein Waffenstillstand für 28 Tage geschlossen wurde
(bis zum 14. Januar 1918). Am 6. Dezember begannen ebendort Friedensverhandlungen. Nach
der Unterzeichnung des Friedensvertrages am 3. März 1918 (Frieden von Brest-Litovsk) und
dem Austritt Russlands aus dem Ersten Weltkrieg wurde die Russische Armee im März/April
1918 aufgelöst. Allerdings verstieß Deutschland bald gegen die Bestimmungen des Friedensver-
trages, besetzte fast die ganze Ukraine und marschierte auf der Krim ein.
Die Erwartungen der Bolschewiki, dass nun ein Prozess der „weltweiten proletarischen Revolu-
tion“, eine Ausbreitung der Revolution auf andere Länder, vor allem auf Deutschland und Öster-
reich-Ungarn einsetzen würde und es gelingen werde, der Russischen Revolution einen Schwung
zu verleihen, der die besten Bedingungen für die Aussicht auf die Weltrevolution und die Ver-
hinderung der Ausbreitung der externen Sicherheitsbedrohungen für Sowjetrussland schaffen
würde, erfüllten sich nicht.
Als utopisch erwiesen sich auch die mit der Eindämmung der inneren Sicherheitsbedrohungen
des Staates verbundenen Erwartungen der Bolschewiki. Nachdem sie die Macht in ihre Hände
genommen hatten, meinten die Bolschewiki, der Schutz der revolutionären Errungenschaften

23 N. I. Lebedev (red.): Za mir, bezopasnost’ i razoruženie narodov. Letopis’ vnešnej politiki SSSR. Moskva 1984,
S. 43.

100
Sicherheitsbedrohungen Russlands am Vorabend und während der Revolution von 1917

und die Gewährleistung der Sicherheit würden unmittelbar von den Volksmassen verwirklicht.
Die Funktionen der Gewährleistung der inneren Sicherheit übten nach der Oktoberrevolution
1917 die Sowjets aus, die sich auf die Rotgardisten, Matrosen und Arbeiter stützten, sowie das
Petrograder Militärische Revolutionskomitee, das Volkskommissariat für Justiz, das Volkskom-
missariat für Inneres und die Miliz.
Im November/Anfang Dezember 1917 verschlechterte sich die soziale, politische und wirt-
schaftliche Lage in Petrograd deutlich. Es kam zu weiteren Massenausschreitungen in den
Weinlagern. Die Agitation und die Aufrufe zu revolutionärem Bewusstsein beeinflussten die an
den Ausschreitungen Beteiligten nicht. Zur Niederschlagung der Ausschreitungen schufen die
Bolschewiki bewaffnete mobile Einheiten, die im Fall von Widerstand Waffen einsetzten. Am
19. November gab das Militärische Revolutionskomitee einen Aufruf heraus, in dem die Alko-
holdiebe erstmals in der sowjetischen Geschichte als „Volksfeinde“ bezeichnet wurden. Am 4.
Dezember wurde ein außerordentliches Organ geschaffen – das Komitee zur Bekämpfung von
Ausschreitungen.
Anfang Dezember 1917 prüfte der Rat der Volkskommissare verschiedene Varianten zum Aufbau
eines speziellen Organs zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Hauptstadt, zur Bekämpfung
des Massenboykotts („Sabotage“) der Staatsbediensteten, der eine Lähmung des Staatsapparats
hervorrief, sowie zur Überwindung der Streikmöglichkeiten für die Angestellten in Regierungs-
einrichtungen in gesamtrussischem Maßstab und die Abwendung eines drohenden allgemeinen
Streiks im Transportbereich. Es kam zu realen Bedrohungen des Machtverlustes der RSDRP(b).
Zur Abwendung eines Streiks und dessen Unterdrückung beschlossen die Bolschewiki, eine Son-
derkommission zur Bekämpfung von Sabotage zu bilden. Am. 7. (20.) Dezember billigte der Rat
der Volkskommissare nach Erörterung der Frage der Bekämpfung der antisowjetischen Presse,
der Beseitigung von Sabotage, der Unterbindung von kriminellen Aktivitäten der Kadetten und
der rechten Sozialrevolutionäre die Bildung der Allrussischen Außerordentlichen Kommission
(VČK) beim Rat der Volkskommissare zur Bekämpfung von Konterrevolution und Sabotage.
Zum Vorsitzenden der VČK wurde F. Ė. Dzeržinskij berufen.
Damit waren bis Ende 1917 in Sowjetrussland die Strukturen geschaffen, die mit der Gewährleis-
tung der Staatssicherheit befasst waren: der Rat der Volkskommissare für Militär- und Marine-
angelegenheiten, die Volkskommissariate für Inneres und Justiz, der Revolutionäre Feldstab und
die Allrussische Außerordentliche Kommission.

101
Vladislav Aksenov

Staatsmacht und Gesellschaft im Spiegel wechselseitiger Gerüchte.


Die informationspsychologische Krise als Faktor der Revolution von 1917

In der Geschichtswissenschaft ist das Problem der Verbindung objektiver und subjektiver Faktoren
nach wie vor eines der aktuellsten. Besonders betrifft dies die Untersuchung von Ereignissen wie
Revolutionen, die zu einem Bruch der sozialen und politischen Verhältnisse führen. Je gewaltiger
die Veränderungen, umso wichtiger war es offenbar, die Existenz tiefgehender Gründe anzuneh-
men, die das Heranreifen globaler Umwälzungen vorherbestimmten. Gleichzeitig waren es oft ge-
nug zufällige, nicht vorhersagbare Faktoren aus dem Bereich der spontanen Erscheinungen, die den
Anstoß dazu gaben. In der Russischen Revolution von 1917 waren Gerüchte, die die Februarunru-
hen provozierten, dieser zufällige Faktor. Der spontane Charakter der Gerüchte spricht nicht gegen
den objektiven und gesetzmäßigen Charakter der Revolution: Ein Gerücht, das in einem stabilen
System in Umlauf kommt, kann dessen Grundlagen nicht erschüttern, wohingegen unter Krisenbe-
dingungen sowie bei Störungen der Stabilität und des Gleichgewichts in einem System die Bedeu-
tung zufälliger, spontaner Prozesse ansteigt.1 Die Jahre des Ersten Weltkriegs waren so eine Zeit der
Systemkrise, die sich auf der Ebene der Massenstimmung in einer zunehmenden Emotionalität und
sogar Neurotisierung der Gesellschaft äußerte.2
Leider findet man in der heutigen Geschichtsschreibung sowohl eine Bagatellisierung der Bedeu-
tung spontaner Prozesse durch einzelne Forscher als auch die Darstellung der verbreiteten Ge-
rüchte als Tatsachen durch unkritische Herangehensweise an die Quellen.3 Hierbei wird die Un-
tersuchung des Gerüchteraums am Vorabend der Revolution dadurch erschwert, dass sowohl die
Vorstellungen der Bürger von der Staatsmacht als auch die Staatsorgane selbst voll von Gerüchten
waren und sich bei der Ausarbeitung ihrer politischen Strategien nicht selten von Gerüchten leiten
ließ. Die Entstehung verzerrter wechselseitiger Vorstellungen verschlechterte den sozialpsycholo-
gischen Zustand der russischen Gesellschaft, verschärfte die feindselige Atmosphäre und stellte die
Weichen für die Verbreitung verschiedener Formen von Gewalt in den Februar- und Märztagen.

1 V.P. Buldakov: Rossija, 1914–1918 gg.: vojna, ėmocii, revoljucija. In: A.N. Artizov, A.K. Levykin, Ju.A. Petrov (otv.
red.): Rossija v gody Pervoj mirovoj vojny, 1914–1918. Moskva 2014, S. 11–21; ders.: Metanarrativy i mikro-
narrativy Russkoj revoljucii: k pereosmysleniju složivšichsja predstavlenij. In: Tamaš Kraus [Tamás Krausz] (gl.
red.): Stoletie russkoj revoljucii 1917 goda i ee značenie v mirovoj istorii i kul’ture. Budapešt 2018, S. 77–90; L.I.
Borodkin: Vyzovy nestabil’nosti: koncepcii sinergetiki v izučenii istoričeskogo razvitija Rossii. In: Ural’skij vestnik
2019, Nr. 2 (63), S. 127–136.
2 Siehe ausführlicher V.B. Aksenov: Sluchi, obrazy, ėmocii. Massovye nastroenija rossijan v gody vojny i revoljucii
(1914–1918). Moskva 2020.
3 So sind z. B. in der Serie von „Jubiläumsartikeln“ von S. A. Nefedov über die Revolution von 1917 in den
Zeitschriften „Novyj Mir“, „Ėkspert“ und anderen als „Fakten“ die seinerzeit umlaufenden Gerüchte angeführt,
dass die englische Botschaft für die russischen Liberalen Anleitungen erarbeitet habe, wie man eine Revolution
„macht“, dass einer der Gründe für den Mehlmangel in Petrograd darin liege, dass die Kutscher dieses an ihre
Pferde verfüttert hätten, dass in den Tagen des Februaraufstands Schutzleute an zwei Automobile gebunden und
in Teile zerrissen worden seien, dass von den Dächern von Häusern, Kirchen und Glockentürmen Schutzleute
Bewohner der Stadt mit Maschinengewehren beschossen hätten u. a.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 103–118


[Link] 103
Vladislav Aksenov

Die große Bedeutung von Gerüchten im politischen Leben Ende 1916/Anfang 1917 wurde so-
wohl von einfachen Bürgern als auch von Mitarbeitern der Polizei festgestellt. Aleksandr Vertins-
kij erinnerte sich an den letzten Winter 1916/1917: „Der Thron wackelte… Und es war keiner da,
der ihn stützte. Im Lande waren ungeheuerliche Gerüchte über die Machenschaften Rasputins,
über den Verrat von Generälen, die Führungspositionen besetzten, über den Tod unbewaffneter,
halbnackter Soldaten, über die Lieferung verdorbener Ware an die Armee, über die Bestechung
von Versorgungsoffizieren im Umlauf.“4
Bemerkenswerterweise wandelten sich Gerüchte von einer Art der Informationsübertragung zum
eigentlichen Gesprächsgegenstand, wodurch Gerüchte über Gerüchte entstanden. Dabei wurden
in den Städten Gerüchte erörtert, die auf dem Land verbreitet wurden und umgekehrt. Besonde-
re Bedeutung aber gewann der mündliche Informationsraum von Petrograd: „Es gibt zwei Arten
von Gesprächen in Moskau: über die Teuerung… und über die Petrograder Gerüchte“, teilte
ein Moskauer am 2. Februar 1917 mit.5 Die Aufmerksamkeit der Bürger war auf die Hauptstadt
und darauf konzentriert, was dort vorging, daher schienen alle Informationen, die aus Petrograd
kamen, wichtig. Das Gerücht verwandelte sich in ein selbständiges Phänomen der vorrevolu-
tionären Situation und breitete sich im Bewusstsein der Vertreter völlig unterschiedlicher Be-
völkerungsschichten aus – bei gebildeten und ungebildeten, zu politischen Kreisen gehörenden
und einfachen Bürgern. Der Abgeordnete der Staatsduma M. Voronkov schrieb am 30. Novem-
ber 1916 aus Petrograd nach Novočerkassk, dass selbst die Abgeordneten nicht wüssten, wem sie
hinsichtlich der Pläne der politischen Kombinationen und der Verfügungen anderer Fraktionen
glauben könnten: „Die Ungewissheit der politischen Lage zwingt uns, in Petrograd zu sitzen.
Man vermutet, dass alle Fraktionen ihren Mitgliedern verboten haben, nach Hause zu fahren. In
den letzten Tagen traten Gerüchte auf, dass ein Gemeinschaftskabinett gebildet werden könnte,
aber der Glaube daran nimmt immer mehr ab. Die Lage ist wirklich angespannt, oben zeichnen
sich gewisse Kombinationen ab, über die wirklichen Absichten ist aber nichts bekannt.“6
Die Petrograder Sicherheitsabteilung stellte ebenfalls fest, dass die Gerüchte eine nervöse Lage
erzeugten, die an den Vorabend von 1905 erinnere, schrieb der Leiter der Petrograder Sicher-
heitsabteilung, Generalmajor K. I. Globačev, am 5. Januar 1917 an den Kommandeur des Pet-
rograder Militärbezirks, Generalleutnant S. S. Chabalov. „Die Stimmung in der Hauptstadt ist
alarmierend. In der Gesellschaft kursieren die wildesten Gerüchte, und zwar sowohl über die
Absichten der Regierungsmacht (im Sinne der Ergreifung verschiedener reaktionärer Maßnah-
men), als auch über Absichten der dieser Macht feindlich gesinnten Bevölkerungsgruppen und
-schichten (im Sinne möglicher und wahrscheinlicher revolutionärer Vorhaben und Exzesse).
Alle erwarten irgendwelche außerordentlichen Ereignisse und Auftritte von der einen wie von
der anderen Seite… Die derzeitige politische Lage erinnert stark an die Situation der Ereignisse,
die den revolutionären Exzessen des Jahres 1905 vorausgingen.“7

4 A. Vertinskij: Dorogoj dlinnoju… Moskva 1990, S. 91.


5 Gosudarstvennyj archiv Rossijskoj Federacii (künftig: GA RF), f. 102, op. 265, d. 1071, l. 17.
6 Ebd., d. 1064, l. 1403.
7 GA RF, f. 111, op. 5, d. 669 a, l. 2.

104
Die informationspsychologische Krise als Faktor der Revolution von 1917

Die Veränderung der allgemeinen psychologischen Atmosphäre wurde in den Tagebüchern von
Zeitgenossen festgehalten, die zu Recht darauf verwiesen, dass es nicht wichtig sei, woher diese
Gerüchte stammten (in den Metropolen waren Gerüchte über die Existenz einer „Gerüchtefa-
brik“ im Umlauf, an der deutsche Spione beteiligt seien, die die Staatsgewalt diskreditierende
Falschmeldungen verbreiteten), sondern dass die Menschen sie trotz ihrer Absurdität glaubten.8
Die Gefahr bestand darin, dass ein Gerücht im Laufe der Zeit eine immer größere emotionale
Reaktion hervorrufen und zu einer treibenden Kraft würde.
Im Oktober 1916 gab das Polizeidepartement eine Bewertung des aktuellen Streiks ab und hob
den spontanen und emotionalen Charakter der Arbeiterbewegung hervor, der mit einer allgemei-
nen „Nervosität“ einher ging. „Die außergewöhnlich aufgewühlte Stimmung der Bevölkerung in
den Metropolen lässt für die Leiter der Sicherheitsabteilungen den Schluss zu, dass – wenn sich
die Umstände nicht ändern, die diese Nervosität hervorgerufen haben – sowohl in Petrograd
als auch in Moskau große Unruhen rein spontaner Art aufflammen können. Die nun in Peters-
burg stattfindenden Streiks rein spontanen Ursprungs bestätigen gewissermaßen die Richtigkeit
dieser Schlussfolgerungen.“9 Anfang 1917 ging man im Gouvernement Poltava davon aus, dass
die Gerüchte zum Anlass von Aktionen würden. „Das Bewusstsein, dass der Grund aller unserer
Wirren Verrat, und zwar Verrat von oben, ist, durchdrang alle Schichten der Bevölkerung. Man
spricht darüber an allen Ecken und Enden, und in der Zukunft muss man auch von Aktionen
ausgehen.“10 Die Gerüchte erzeugten eine emotionale Atmosphäre, die nach allgemeinen Beob-
achtungen durch äußerste Nervosität gekennzeichnet war.
Es lassen sich mehrere Gründe für die wachsende Rolle von Gerüchten im Informationsraum
feststellen. Die einen Gründe hingen mit falschen Entscheidungen der Behörden zusammen,
insbesondere der Verschärfung der Zensur, was die Bürger veranlasste, sich alternative Informa-
tionsquellen zu suchen, andere Gründe wiederum mit der Unfähigkeit der Behörden, die Bevöl-
kerung gebührend mit Waren des Grundbedarfs zu versorgen, was Gerede über die Böswilligkeit
einzelner Vertreter der Verwaltung provozierte, wieder andere Gründe hingen mit demografi-
schen Prozessen und dem Eindringen bäuerlicher Psychologie und Sprechkultur in die Städte
zusammen.
Zeitgenossen bemerkten, dass gerade die Gerüchte auf dem Lande am weitesten von der Realität
entfernt waren. War also am Vorabend der Revolution eines der aktuellsten Gerüchte um den
Krieg in Städten das Gerücht über Absichten „dunkler Kräfte“, einen Separatfrieden mit Deutsch-
land zu schließen, so sprach man auf dem Lande davon, dass „gekämpft wird, weil man die Bau-
ern wieder zu Leibeigenen machen will“.11 Bezeichnenderweise wiederholte sich dieses Gerücht
in Odessa im März 1917: Als die Bildung der Provisorischen Regierung bekannt wurde, kamen
die Bauern zu der Meinung, dass die erste Maßnahme der Revolutionsmacht die Wiederherstel-
lung der Leibeigenschaft sein würde.

8 A. V. Repnikov (sost.): Dnevnik L. A. Tichomirova. 1915–1917 gg. Moskva 2008, S. 96.


9 B. B. Grave (sost.): Buržuazija nakanune fevral’skoj revoljucii. Moskva/Leningrad 1927, S. 136.
10 GA RF, f. 102, op. 265, d. 1070, l. 48.
11 Ebd., d. 1064, l. 1461.

105
Vladislav Aksenov

Die Besonderheiten der Gerüchte in der Stadt und auf dem Land sind in der Interpretation ein
und derselben Themen aus dem Bereich des Spionagewahns zu beobachten. Beispielsweise wa-
ren gebildete städtische Schichten genauso wie ungebildete ländliche überzeugt davon, dass der
Misserfolg Russlands im Krieg sowie die Verschlechterung der Lebensmittelsituation durch den
Verrat der Zarin verursacht worden seien, die eine deutsche Spionin sei. Und während die Städter
dabei an Aleksandra Fedorovna, eine ethnische Deutsche, dachten, beschuldigten die Bauern
Marija Fedorovna, eine ethnische Dänin, derselben Verfehlungen. Manchmal bekam auch der
Zar etwas ab. So erklärte Nikolaj Bespalov, Bauer im Gouvernement Vladimir, im Mai 1915, dass
der Zar deutscher Herkunft sei, da „seine Mutter eine Cousine des Kaisers Wilhelm ist“.12 Die
mangelnde Sympathie der Bauern für die Zarenmutter lässt sich offenbar durch verschiedene
Faktoren erklären: Gerüchte über ihre Liebesbeziehungen mit P. A. Stolypin, der angeblich der
Grund dafür war, warum die Bauern kein Land erhielten, den Folklorediskurs, der der Witwe an-
tagonistische Aktivitäten zuschrieb, und die Tradition der obszönen Lexik, in der die Beleidigung
des Zaren „über die Linie der Mutter“ auf die Zarin übertragen wurde.13
Irrationale Gerüchte aus dem ländlichen Umfeld drangen in die Städte ein. Gebildete Städter,
die sie empört weitererzählten, wurden damit selbst zu unfreiwilligen Verbreitern und begannen
schließlich, die Gerüchte zu glauben. Im Juni 1915 führte L. A. Tichomirov in seinem Tagebuch
das vom Land gekommene Gerücht an, dass deutsche Spione alle Brunnen mit Arsen vergiften
und dazu auf Fahrrädern über die Dörfer fahren würden. Die Bauern jagten ihnen auf Pferden
hinterher, könnten aber die radelnden Spione nicht einholen.14 Trotz der Absurdität des Gerüchts
schwankt Tichomirov in seiner Einschätzung: „Was hier die Wahrheit ist, ich weiß ich nicht.“15
Gleichwohl verfügten die Hygieneärzte angesichts der Ausbreitung epidemischer Krankheiten,
vor allem Cholera, die Brunnen – als Hauptquellen für die Ausbreitung der Seuche – mit Ver-
schlägen zu versehen.16 1915 beließ man in der Umgebung von Riga aufgrund des Mangels an
Krankenbetten für die örtliche Bevölkerung Cholerapatienten in ihren Häusern, und das einzige
Mittel zur Vorbeugung gegen eine Ausbreitung der Cholera war der „Kampf mit den Brunnen“.
Die Bauern interpretierten diese Aktionen gemäß dem verbreiteten Spionagewahn, der an eine
Massenpsychose erinnerte.
Gleichzeitig hatten die gebildeten Schichten ihre eigenen, in Bezug auf ihre Absurdität mit den
bäuerlichen vergleichbaren Gerüchte, die auf „Verstand schafft Leiden“ zurückzuführen waren.
Von Amts wegen musste das Polizeidepartement auf einige davon reagieren. So war die Polizei
der Hauptstadt 1915/1916 damit beschäftigt, den Ingenieur Gerbert Pengu zu suchen, der nach
einer Reihe anonymer Anzeigen einen Apparat erfunden habe, „mit dem man auf große Entfer-
nungen durch Wände schauen kann… Mithilfe neuer Erfindungen kann man auf Entfernung

12 Rossijskij gosudarstvennyj istoričeskij archiv (künftig: RGIA), f. 1405, op. 521, d. 476, l. 119–119 ob.
13 Detaillierter zu den Folklorequellen von Gerüchten siehe V. B. Aksenov: The War and the Regime in Peasant Popu-
lar Consciousness, 1914–1917. Archetypes, Rumors, Interpretations. In: Russian Studies in History 56 (2017),
S. 126–140.
14 Repnikov (sost.), Dnevnik L. A. Tichomirova, S. 81, 84 f.
15 Ebd., S. 85.
16 F. Krauze: Pis’ma s Pervoj mirovoj (1914–1917). Sankt-Peterburg 2017, S. 206.

106
Die informationspsychologische Krise als Faktor der Revolution von 1917

hypnotisieren, Krankheiten verbreiten und jeden töten.“17 Später stellte sich heraus, dass der Ur-
heber und Verbreiter der Gerüchte über diesen geheimnisvollen Apparat der in Reval lebende,
psychisch kranke Kollegiensekretär im Ruhestand R. M. Sal‘man war. Es ist anzumerken, dass der
Erste Weltkrieg die Ausbreitung psychischer Krankheiten sowohl an der Front als auch im Hin-
terland begünstigte. In einigen Fällen ging der Spionagewahn in regelrechte psychische Störun-
gen über. Im privaten Briefwechsel und in Anzeigen bei der Sicherheitsabteilung beklagten sich
Bürger darüber, dass ihre Nachbarn Spione seien und geheime Zusammenkünfte und „nächtliche
Orgien, bei denen Deutsch gesprochen wird“ veranstalteten, und eine Bekannte von L. A. Ti-
chomirov ging mit einem Küchenmesser auf ihren Kater los, weil sie befand, er sei ein deutscher
Agent, der geschickt worden sei, sie zu töten.18
Unter den vielen absurden, in den Städten umlaufenden Gerüchten war auch zu hören, dass
sich im Winterpalast ein Telegraf/Telefon befinde, mit dem sich die Zarin (Aleksandra Fedo-
rovna in der Vorstellung der Städter und Marija Fedorovna in der Vorstellung der Bauern) direkt
mit Wilhelm II. in Verbindung setze. Nachdem er aus Berichten von Agenten und anonymen
Briefen diese Information erhalten hatte, ließ der Direktor des Polizeidepartements, V. A. Brun
de Saint-Hippolyte, im Mai 1915 eine Anfrage an den Leiter der Palastwache schicken, in der
er sich vorsichtig erkundigte, ob es im Winterpalast tatsächlich einen solchen Telegrafen gebe
(aus der Antwort geht hervor, dass früher eine Funktelegrafenstation in Betrieb gewesen war,
die aber schon fünf Jahre zuvor aufgelöst worden sei).19 Die Psychosen auf der Grundlage des
Spionagewahns gingen auf die Polizeibeamten über. Einige von ihnen verfielen in Verfolgungs-
wahn, kündigten, zogen in andere Städte, wobei die Paranoia allerdings nicht verschwand, und
begannen, Beschwerden an das Polizeidepartement über die Bespitzelung durch Spione und de-
ren Vorherrschaft zu richten.20 Die aufkommenden Verfolgungsmanien bei Amtspersonen zogen
die Aufmerksamkeit vieler Zeitgenossen auf sich: „Schade um den armen Kerl. Er ist ein sehr an-
ständiger, ehrlicher Mensch, und jetzt ist er übergeschnappt!“, schrieb ein Militärarzt über einen
ihm bekannten Ermittler, bei dem die idée fixe aufkam, man wolle ihn wegen Spionage hängen.21
Der Spionagewahn, einerseits ein naturgemäßer Wegbegleiter des Krieges und der von ihm er-
zeugten Ängste, wurde andererseits durch die Militärbehörden provoziert, die versuchten, Miss-
erfolge an der Front durch die Aktivitäten von Spionen und Verrätern zu erklären. Allerdings
blockierte die amtliche Propaganda, die an die Presse Informationen bestimmter Art durchließ,
Meldungen, die einen Schatten auf die Vertreter der Staatsmacht hätten werfen können. Zei-
tungen erschienen mit weißen Spalten, und die Bürger konnten nur raten, was denn genau dort
gedruckt gewesen sein konnte. „Weiße Stellen in Zeitungen sind übler als Proklamationen“, ga-
ben Zeitgenossen ihre Eindrücke wieder.22 Die Zensur heizte die Volksfantasie an, die immer
häufiger die oberste Staatsgewalt zu ihrem Objekt zu wählen begann. Wenn die eigene Fantasie

17 GA RF, f. 102 (DP-OO), op. 245 (1915), d. 33, t. 2, l. 65.


18 GA RF, f. 102, op. 265, d. 1006, l. 71; GA RF, f. 102, op. 245, d. 33, t 4, l. 13; Repnikov (sost.), Dnevnik L. A.
Tichomirova, S. 164.
19 GA RF, f. 102, op. 245, d. 33, t. 3, l. 300.
20 Ebd., l. 129–129 ob.
21 Krauze, Pis’ma s Pervoj mirovoj, S. 335.
22 GA RF, f. 102, op. 265, d. 1064, l. 1409.

107
Vladislav Aksenov

nicht mehr ausreichte, griff man zu alternativen Informationsquellen, also zu Gerüchten. Am 27.
Dezember 1916 schrieb ein Bürger aus Ekaterinoslav nach Moskau: „Wenn die Zeitungen die
Wahrheit berichten würden, d. h., wenn sie die Wahrheit wüssten, dann gäbe es vielleicht nicht so
eine Vielzahl an manchmal unglaublichsten Gerüchten aller Art.“23 Wenige Tage vor der Revoluti-
on schrieb I. N. Žukov, Geografielehrer einer Handelsschule aus Petrograd: „Das gesellschaftliche
Leben ist voller Gerüchte, Gerede und Zickzack. Da die Zensur der Presse ihre schwere Tatze
auferlegt hat, bleibt den Petrogradern nichts anderes übrig, als sich durch Gerüchte zu ernähren,
von denen neun Zehntel völlig unglaubhaft sind. Die Stimmung in der Gesellschaft ist nervös
und erinnert wirklich an den Vorabend des Jahres 1905.“24
Nach dem bekannten Moskauer Pogrom im Mai 1915 wurde der Presse verboten, über die Nah-
rungsmittelunruhen in Russland zu berichten und begann hingegen, Artikel und Meldungen
zu veröffentlichen, dass Deutschland vor einer Hungersnot stehe. Allerdings verbreiteten sich
Nachrichten über nahrungsmittelbedingte Unruhen im Wolgagebiet im Sommer/Herbst 1915
im ganzen Land und riefen eine Vielzahl von Gerüchten hervor, die mit erfundenen Details aus-
geschmückt wurden. Schließlich begann man sogar, Meldungen über die deutsche Wirtschafts-
krise auf Russland bezogen zu verstehen. In der Sicherheitsabteilung stellte man fest, dass die
Abweichungen der gedruckten amtlichen Meldungen von dem, was im Lande gesprochen wur-
de, die Stimmung der Bürger nur noch weiter gegen die Staatsmacht aufbrachte und zu einem
Reizfaktor wurde.
Eine strategisch falsche Position nahm die Staatsmacht gegenüber der Staatsduma ein. Verschie-
bungen von Sitzungen erzeugten Gerüchte über deren endgültige Auflösung, die Abgeordneten
selbst wurden mit einer revolutionären Aura versehen. Das Polizeidepartement teilte im Januar
1917 mit, dass die Verschiebung der Eröffnung der Sitzungsperiode die Lage in Petrograd aufheize
und zum Hauptthema von Gerüchten werde.25 Während der politischen Krise stand die Duma
unter erhöhter Aufmerksamkeit der Bürger, die Reden der Abgeordneten erschienen jedoch mit
Lücken oder wurden gleich gar nicht gedruckt. Und das, obwohl Kritik an der obersten Staatsgewalt
vom Rednerpult aus nicht geäußert wurde – dies war untersagt und wurde vom Vorsitzenden stets
unterbunden. Gleichwohl wurden nach der spektakulären Sitzung vom 1. November 1916, als die
Leser auf das Erscheinen der Abgeordnetenreden umsonst warteten, in den Städten gefälschte
Reden von P. N Miljukov, N. S. Čcheidze und anderen Abgeordneten verteilt, in denen sie angeb-
lich offen zur Revolution aufriefen und beleidigende Beschuldigungen an den Zaren und die Zarin
richteten. Das Interesse des Publikums an diesen Reden wird durch die Tatsache veranschaulicht,
dass eine der Varianten der gefälschten Rede Miljukovs 25 Rubel kostete (etwas weniger als der
durchschnittliche Monatslohn der Petrograder Arbeiter). Als jedoch die Staatsorgane ihren Feh-
ler erkannten und Ende des Monats die Reden der Abgeordneten veröffentlichten, waren viele
von denen, die die gefälschten Reden lesen hatten können, enttäuscht. Am 29. November notier-
te L. A. Tichomirov in seinem Tagebuch: „Heute wurde in „Russkoe slovo“ die Rede Miljukovs

23 Ebd., d. 1067, l. 1796.


24 Ebd., d. 1071, l. 49.
25 Grave (sost.), Buržuazija nakanune fevral’skoj revoljucii, S. 170.

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Die informationspsychologische Krise als Faktor der Revolution von 1917

abgedruckt… Bei aller Schärfe der Rede Miljukovs ist jedoch keine Stelle darin zu finden (sie ist
allerdings mit Auslassungen gedruckt), an der er die Zarin erwähnt – worüber alle schimpfen.“26
Hierbei glaubten viele Abgeordnete aufrichtig, dass sie mit ihren Handlungen und dem Aufruf
an die Regierung, sich auf eine Vereinbarung mit der Duma einzulassen, das Land vor der revo-
lutionären Anarchie retten würden. Auf der Gesamtkonferenz der Kadetten vom 22. bis zum 24.
Oktober 1916 sagte P. N. Miljukov: „Der moralische Kredit der Regierung ist gleich Null; im letz-
ten Augenblick wird sie sich, vom Schrecken erfasst, natürlich an uns klammern, und dann wird
es unsere Aufgabe sein, der Regierung nicht den Todesstoß zu versetzen, was bedeuten würde, die
Anarchie zu unterstützen, sondern ihr einen völlig neuen Inhalt zu geben, d. h., eine rechtsstaatli-
che Verfassungsordnung fest zu etablieren. Und deshalb ist im Kampf gegen die Regierung trotz
allem auch ein Gefühl für das Maß vonnöten.“27 Bei der Eröffnung der fünften Sitzungsperiode
der Duma am 1. November 1916 stellte sich Miljukov offenbar wirklich die Frage, ob der Unwille
des Machtapparats, der Duma entgegenzukommen, Dummheit oder Verrat war. Der Abgeord-
nete des Gouvernements Voronež, S. I. Šidlovskij, wies am 22. November 1916 darauf hin, dass
der allgemeine Glaube an „ungeheuerliche Gerüchte“ ein untrügliches Symptom einer politischen
Krise sei: „Ich werde Ihnen nicht jene ungeheuerlichen Gerüchte nennen und aufzählen, die sich
im ganzen Land verbreiten, ich werde Ihnen nicht die vielen einzelnen Episoden wiederholen,
die Ihnen hier von den Rednern gesagt wurden, aber ich finde, dass die bloße Möglichkeit des
Entstehens dieser Gerüchte und die bloße Möglichkeit, dass ihnen alle überall glauben, der beste
Beweis dafür ist, dass es kein Vertrauen in diese Regierung gibt.“28
Die Fehler der Zensurpolitik wurden in der Gendarmerieverwaltung des Gouvernements Petro-
grad zugegeben. Schon in einer Zusammenfassung für den Oktober 1916 hieß es, dass „ausnahms-
los alle eine gewissen Sicherheit bekunden, dass ,wir am Vorabend großer Ereignisse stehen‘,
verglichen mit denen ,1905 ein Kinderspiel war ‘, dass ,das System der Regierung, die Bürger in
Unwissenheit zu lassen, vollständig gescheitert ist: Der Bürger ist aufgewacht und schreit anstelle
des erwarteten ,Hurra‘ ,Hilfe‘ und dgl.‘“29 Hierbei ging der neue Direktor des Polizeidepartements,
A. T. Vasil‘ev, völlig zu Recht davon aus, dass – wenn auch die revolutionäre Bewegung über eine
schlechte Organisation verfügte und ihre Kräfte zersplittert waren – sich Unruhen doch spontan
entwickeln konnten, vor allem auch durch die in der Gesellschaft herrschende Nervosität.30
Gleichwohl hatte die Zensur nicht alles im Griff. Ende Januar 1917 beklagte sich die Petrograder
Sicherheitsabteilung über Zensoren, die „Schmähschriften“ von A. Amfiteatrov durchgehen lie-
ßen, insbesondere in der Zeitung „Reč“ vom 23. Januar 1917 habe die Erwähnung des Empfangs
bei A. D. Protopopov mit den Worten geendet, dass „während des Essens das Balalaika-Ensemble
der Gendarmendivision musizierte“.31 Am 22. Januar 1917 veröffentlichte A. Amfiteatrov in „Russ-
kaja volja“ einen Artikel, der mit den Worten begann: „‘Im Trabschritt‘ oder im Zockeltrab – es

26 Repnikov (sost.), Dnevnik L. A. Tichomirova, S. 311.


27 Grave (sost.), Buržuazija nakanune fevral’skoj revoljucii, S. 147.
28 Gosudarstvennaja duma. Stenografičeskie otčety. Četvertyj sozyv. Sessija pjataja. Petrograd 1917, Sp. 390.
29 Grave (sost.), Buržuazija nakanune fevral’skoj revoljucii, S. 129.
30 Ebd., S. 136–138.
31 Ebd., S. 168.

109
Vladislav Aksenov

gibt eine eisige, äußerst entschlossene Stimmung in der Gesellschaft… Und, oh, um sie, die gute,
in Bewegung zu versetzen oder aus dem Takt zu bringen, ist eine höllische Härte vonnöten, die
wohl kaum morgen vorherzusagen sein wird!..“32 Der Leiter des Post- und Telegrafenamts, V. A.
Kozlov erriet die Absicht des Schriftstellers, der folgende Nachricht als Akrostichon verschlüsselt
hatte: „Man kann über absolut nichts mehr schreiben. Die Vorzensur wütet ungeheuerlich. Die
Lage ist noch trauriger als vor dreißig Jahren. Mir hat man vor Kurzem einen Witz gestrichen, mit
dem ich meine Karriere als Feuilletonist begonnen habe. Selbst die Fabeln Krylovs besudelt man.
Wo soll das noch hinführen? Ich bitte um Verzeihung, liebe Leser, dass ich mit grauem Haup-
te auf ein solches Mittel der Kommunikation mit Ihnen zurückgreifen muss. Aber was soll man
machen? Der Häftling schreibt im Gefängnis, wo und womit er kann und kümmert sich nicht
um die Rechtschreibung. Protopopov hat unsere Presse an den Fußblock geschmiedet und einen
eifrigeren Lakaien hat die Reaktion noch nicht hervorgebracht. Es ist schrecklich, sich auch nur
vorzustellen, wohin er das Land führt. Seine Macht ist eine irrsinnige Provokation des revoluti-
onären Sturms.“33 Der Philologe L. V. Uspenskij, damals ein siebzehnjähriger Gymnasiast, dachte
daran zurück, in welche Begeisterung er verfiel, als er im Unterricht das Akrostichon Amfiteatrovs
gelöst hatte, und welche Erregung es unter seinen Klassenkameraden hervorrief.34 Die Vorzensur
ließ diese Veröffentlichung allerdings durchgehen. Indessen haben offenbar einige Zensoren bei
einzelnen Materialien die Augen bewusst zugedrückt: So veröffentlichte die offizielle „Letopis‘
vojny“ nach dem Mord an G. Rasputin ein Porträt von V. M. Puriškevič mit der Bildunterschrift
„Der Held“, und in der Zeitschrift „Stolica i usad’by“ erschien ein Foto des Jusupov-Palasts mit der
Bildunterschrift, dass darin ein sehr treffsicherer Schütze lebe. Trotzdem taten in der Mehrzahl der
Fälle die Zensoren ihre Arbeit: Zeitungen erschienen mit weißen Spalten, in Zeitschriftenillustra-
tionen erschienen schwarze Quadrate, die einen Teil der Abbildung verdeckten.
Vermutlich war der Mord an Rasputin am 17. Dezember 1916 eine gewisse psychologische
Grenze sowohl für die Staatsmacht als auch für die Gesellschaft und erzeugte eine Kette von
Gerüchten und Gerede, von Ängsten und Hoffnungen. Staatsmacht und Gesellschaft erwarteten
voneinander die nächsten Schritte. In einem Bericht der Sicherheitsabteilung über die Stimmung
in der Gesellschaft wurde auf die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs von „rotem und weißem
Terror“ hingewiesen: „Die Möglichkeit des ‚Wiederauftretens des roten Terrors als Antwort auf
den weißen‘ steht völlig außer Zweifel, umso mehr, als in der kämpfenden Truppe nach wieder-
holten und stärker werdenden Gerüchten der Terror weit verbreitet ist gegenüber unbeliebten
Vorgesetzten, sowohl Soldaten als auch Offizieren… Daher verdienen Gerüchte, dass nach dem
Mord an Rasputin – ‚dieser ersten Schwalbe des Terrors‘ – weitere ‚Aktionen‘ folgen werden, –
höchste Aufmerksamkeit.“35
1917 befanden sich die Sicherheitsabteilung und das Polizeidepartement ebenso wie die gesam-
te Gesellschaft unter der Gewalt von Gerüchten, die von Agenten weitergegeben wurden. Der

32 Russkaja volja vom 22. Jan. 1917. Anm. der Redaktion: Es handelte sich hier um „Akroprosa”, bei der nur die
Anfangsbuchstaben jedes einzelnen Wortes gelesen werden. Auflösung der gesamten Passage: „Es kann definitiv
über rein gar nichts geschrieben werden, die Vorzensur benimmt sich ungeheuerlich.”
33 RGIA, f. 1282, op. 1, d. 1165, l. 217.
34 Siehe L. Uspenskij: Zapiski starogo peterburžca. Leningrad 1970.
35 Grave (sost.), Buržuazija nakanune fevral’skoj revoljucii, S. 173.

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Die informationspsychologische Krise als Faktor der Revolution von 1917

Leiter der Petrograder Sicherheitsabteilung, Globačev, teilte Chabalov unter Verweis auf die Ge-
rüchte mit: „Es wird das Gerücht verbreitet, dass am Vorabend der vergangenen Weihnachts-
feiertage oder an deren Beginn angeblich irgendwelche konspirative Gespräche von Vertretern
des linken Flügels des Staatsrats und der Staatsduma stattfanden.“36 Angesichts des Anstiegs der
sozialen und politischen Spannungen suchte die Staatsmacht die Quelle für die Protestaktivitä-
ten und fand sie in der Staatsduma. Ihre Möglichkeiten, die politische Lage im Lande zu beein-
flussen, waren minimal, von sämtlichen Tagen des Ersten Weltkriegs entfielen auf Sitzungen der
Staatsduma weniger als 9 %. Gleichwohl sah die Gesellschaft gerade in der Duma die letzte Ret-
tung Russlands. In Zeitschriftenillustrationen wurde sie als Panzerwagen dargestellt, der durch
die feindlichen Positionen raste, und nach der Sitzung am 1. November 1916 verstärkte sich ihr
Ruf als Oppositionsorgan noch mehr. Daher richtete sich die Aufmerksamkeit der Sicherheits-
abteilung auf die Tätigkeit der Abgeordneten der Staatsduma. Gerüchte über geheime Bespre-
chungen der Abgeordneten zusammen mit Informationen über die Tätigkeit der Arbeitergruppe
des Zentralen Kriegsindustriekomitees nährten Vermutungen über deren enge Verbindungen.
Am Vorabend der Verhaftung der Arbeitergruppe am 26. Januar übermittelte Globačev eine von
Agenten erhaltene Information, dass die Arbeitergruppe des Zentralen Kriegsindustriekomitees
von Rodzjanko und Miljukov (sic!) geleitet werde, die mit Hilfe der Arbeitergruppe versuchten,
am 14. Februar, am Tag der Eröffnung der Duma, einen Marsch zum Taurischen Palais zu orga-
nisieren, bei dem das Volk von der Duma die Einsetzung einer Provisorischen Regierung oder
eine „Regierung der Rettung“ verlangen sollte.37 A. I. Gučkov als Anhänger eines „militärischen
Umsturzes“ erscheint in diesem Bericht als an den Aktionen der „Arbeitergruppe“ nicht beteiligt.
Auf Basis absurder Angaben über den Einfluss Miljukovs und Rodzjankos auf die Arbeitergruppe
wurde diese am 27. Januar verhaftet. Die Agenten der Sicherheitsabteilung teilten befriedigt mit,
dass die Verhaftung der Arbeitergruppe ein unerwarteter und erfolgreicher Schlag gegen die mili-
tante Öffentlichkeit sei. Zugleich wurde Gučkov selbst durch die Verhaftung der Arbeitergruppe
entmutigt, jedoch nicht, weil er auf sie irgendwelche revolutionären Hoffnungen gesetzt hätte,
sondern weil er sie für ein Mittel zur Abwendung eines spontanen Aufstands im Arbeitermilieu
hielt, der zur Anarchie führen konnte.38
Am 8. Februar fand unter dem Vorsitz des Petrograder Stadtkommandanten, Generalmajor A. P.
Balk, eine Besprechung zur Erarbeitung weiterer Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ord-
nung in der Hauptstadt vom 10. bis zum 14. Februar statt. Balk begründete die Notwendigkeit,
die Bewachung der Stadt zu verstärken, mit dem Verweis auf die „umlaufenden Gerüchte“.39 Da-
mit wurden im Januar/Februar 1917 Gerüchte zu einem wesentlichen Ansporn für die Aktivitä-
ten der Staatsmacht.
Bekanntlich fanden trotz der Verhaftung der Arbeitergruppe sowie der Agitation der Bolsche-
wiki gegen die Demonstrationen am 14. Februar in verschiedenen Teilen Petrograds Arbeiterver-
sammlungen statt, was im Zusammenhang mit zahllosen Gerüchten über bevorstehende Unruhen
von einer Überbewertung der Rolle der Arbeitergruppe durch die Agenten der Sicherheitsabtei-

36 GA RF, f. 111, op. 5, d. 669 a, l. 2.


37 Ebd., l. 12 f.
38 Ebd., l. 17–19.
39 GA RF, f. 111, op. 5, d. 669, l. 190.

111
Vladislav Aksenov

lung zeugt. Darüber hinaus erschwerte die Auflösung der Arbeitergruppe die weitere Beilegung
der Konflikte zwischen Arbeitern und Werksverwaltung, was sich indirekt auf der am 22. Februar
1917 erklärten Aussperrung im Putilov-Werk zeigte, als Folge derer 36.000 Arbeiter auf der Straße
standen. Wie aus einer Anfrage der Staatsduma vom 23. Februar hervorgeht, begann der Streik der
Arbeiter der Lafetten-Schmiedewerkstatt des Putilov-Werks unerwartet für die Hauptmasse der
Putilov-Arbeiter, wobei dem Streik das sich ausbreitende „Gerücht über eine mögliche Produk-
tionskürzung und eine teilweise Entlassung von Arbeitern wegen Mangels an Brenn- und Roh-
stoffen“ vorausging.40 Ein Gerücht über den Mangel an Brot in Petrograd brachte die arbeitenden
Frauen des Vyborg-Bezirks am 23. Februar auf die Straßen der Stadt. Aber Gerüchte veranlass-
ten nicht nur die Arbeiter zu Protesten, sie erzeugten auch ein verzerrtes Bild in der Vorstellung
der Hauptstadtpolizei und führten zu nicht weniger dramatischen Fehlern. Bezeichnenderweise
erwiesen sich die Geheimagenten der Sicherheitsabteilung als unfreiwillig als Verbreiter der Ge-
rüchte.
In der Sicherheitsabteilung gestand man die niedrige Qualität der Agentenmeldungen ein. In der
Regel wurde dies mit materiellen Schwierigkeiten in Verbindung gebracht, die die Agenten zwan-
gen, mehr Zeit für die Suche nach einem zusätzlichen Einkommen aufzuwenden. Der Leiter der
Außenbeobachtung der Petrograder Sicherheitsabteilung teilte am 18. Februar 1917 mit: „Die
fast täglich steigenden Preise nicht nur für Bedarfsgüter, sondern auch für Nahrungsmittel ha-
ben alle Polizeispitzel… in eine buchstäblich ausweglose Lage gebracht… Der immerwährende
Gedanke an die Beschaffung des täglichen Brotes für die Familie und der schlechte Gesundheits-
zustand untergraben beim Polizeispitzel die Fähigkeit zur produktiven Arbeit.“41 Die Mindest-
vergütung für einen Polizeispitzel in Petrograd belief sich im Februar 1917 auf 40 Rubel mo-
natlich, was etwas höher war als der Durchschnittslohn eines Arbeiters. Daher begannen einige
Agenten der Sicherheitsabteilung, sich den Forderungen der Arbeiter gegenüber verständnisvoll
zu verhalten. Allerdings gab es auch das Gegenteil: In dem Wunsch, eine höhere Vergütung zu
erhalten, blähten Polizeispitzel ihre Berichte mit sensationellen Meldungen auf, die gesellschaft-
liche Organisationen bloßstellten. Für nützliche Informationen erhielten Polizeispitzel einmalige
Geldvergütungen. So erhielten Informanten für Meldungen, die zweimal wöchentlich übermit-
telt wurden, mehrere Dutzend Rubel monatlich.42 Die wertvollsten Mitarbeiter erhielten bis zu
1.000 Rubel pro Monat, das war das Doppelte des Solds eines Generals. Manchmal erhielten sie
anstelle von Geld eine Naturalvergütung. Der Generalmajor des Spezialkorps der Gendarmen,
A. I. Spiridovič erinnerte sich, wie in Kiew ein Arbeiter und Bundmitglied für Gummigaloschen
all seine Kameraden verriet.43 Spiridovič wies auch darauf hin, dass es nur wenige prinzipienfeste
Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung gab, aber selbst diese bei ihrer Arbeit im Milieu der Revo-
lutionäre und beim Aufbau persönlicher Beziehungen mit diesen früher oder später eine Krise
durchlebten, in der der Wunsch aufkam, sich an der Sicherheitsabteilung für den eigenen Verrat
und Absturz zu rächen. Die schwächste Form der Rache war Desinformation. Alle genannten

40 Gosudarstvennaja duma, Sp. 1638–1661.


41 GA RF, f. 111, op. 5, d. 669 a, l. 235 ob.
42 A. I. Spiridovič: Zapiski žandarma. Char’kov 1928, S. 194.
43 Ebd., S. 195.

112
Die informationspsychologische Krise als Faktor der Revolution von 1917

Besonderheiten der Spitzelarbeit führten bei Behördenvertretern zu inadäquaten Vorstellungen


über die reale politische Situation in der Hauptstadt.
Indessen zeichneten sich die Vorstellungen der Bürger, die ebenfalls auf Gerüchten basierten,
nicht durch größere Glaubwürdigkeit aus. In der Gesellschaft gab es verbreitet Gespräche, dass
der Innenminister A. D. Protopopov Provokationen vorbereite und zu diesem Zweck auf Haus-
dächern, Glockentürmen und Feuertürmen Maschinengewehre aufstellen habe lassen. Aus den
Alltagsgerüchten der Städter stachen jene hervor, die den Mangel an Lebensmitteln, vor allem
Brot, erklärten. Als Gründe wurden Spekulation, Unfähigkeit der Behörden, die Lieferung von
Getreideprodukten zu organisieren, genannt, wodurch Mehl auf Bahnhöfen vor der Lieferung
verderbe. Man gab sogar den Kutschern die Schuld, die angeblich angesichts steigender Hafer-
preise Brot aufkauften und dieses an ihre Pferde verfüttern würden. Es gab jedoch auch beim
Lebensmittelthema Platz für die Politik: Schnell breitete sich das Gerücht aus, der Brotmangel sei
die von Protopopov ersonnene Provokation. Angeblich habe der Minister persönlich ein Brot-
verkaufsverbot an die Bevölkerung verfügt, um einen Hungeraufstand zu provozieren und ihn
danach grausam niederzuschlagen. Nach einer anderen Version habe der Innenminister unter-
sagt, Brot nach Petrograd zu liefern, um die Bevölkerung zum Abschluss eines Separatfriedens
zu überreden, in Annahme, dass ein sattes Volk sich nicht darauf einlassen würde.44 Später, als die
Revolution schon stattgefunden hatte, wurde in der städtischen Lachkultur – in Witzen und Kari-
katuren – immer wieder auf dieses Thema angespielt. Protopopov wurden die Worte zugeschrie-
ben, er habe durch seine Handlungen die Revolution bewusst beschleunigt. Es gab sogar scherz-
hafte Entwürfe für ein Denkmal für die führenden „Revolutionäre“ Rasputin und Protopopov.
In der Informationskrise und der emotionalen Anspannung trat das Gerücht häufig als Anreiz
für massenhafte Affekthandlungen zutage, die im Januar/Februar 1917 zur Norm wurden. So
erzeugte am 8. Januar, am Vorabend der erwarteten Unruhen zum Jahrestag des „Blutsonntags“,
eine Störung in einem Kraftwerk, die zum Stillstand der Straßenbahn führte, in Petrograd Ge-
rüchte, es habe ein Streik der Straßenbahnangestellten begonnen, der – wie erwartet wurde – sich
zu Massenunruhen auswachsen könne, weshalb auf der Spasskij-Straße eine Panik ausgebrochen
sei und das Volk Straßenbahnwaggons im Sturm genommen habe. Anfang Februar hätte eine um
Fleisch anstehende Schlange, als es kein Fleisch mehr gab, einen Mitarbeiter wegen des Gerüchts,
er habe einen Teil der Ware zum Weiterverkauf beiseitegelegt, fast zerrissen. Das Massaker konn-
te gerade noch von einem herbeigeeilten Stadtpolizisten verhindert werden.
Gerüchte gaben auch den Anstoß zum Beginn der Februarrevolution vom 23. Februar. Der In-
nenminister A. D. Protopopov, der an das Hauptquartier und dort an den Palastkommandan-
ten telegrafierte, konnte offenbar die wahren Gründe für die Ausfälle bei den Brotlieferungen
nennen: „Die plötzliche Ausbreitung von Gerüchten in Petrograd über angeblich bevorstehende
Beschränkungen der täglichen Ausgabe von Brot… riefen verstärkte Brotkäufe durch die Öf-
fentlichkeit hervor, offenbar als Vorräte, weshalb für Teile der Bevölkerung das Brot nicht mehr
reichte. Auf dieser Basis flammte am 23. Februar in der Hauptstadt ein Streik auf, der von Stra-
ßenunruhen begleitet wurde.“45 Die amtlichen Zeitungen versuchten, die Bürger zu beruhigen,

44 GA RF, f. 111, op. 5, d. 669, l. 25 ob.


45 GA RF, f. 1788, op. 1, d. 74, l. 29.

113
Vladislav Aksenov

aufgrund der Informationskrise wurde ihnen jedoch nicht geglaubt, im Gegenteil, die Meldungen
über in Petrograd vorhandene Mehlvorräte wurden als Beweis dafür betrachtet, dass es sie nicht
gebe. Die Soziologie kennt das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung, bei der falsche
Informationen, die von den Menschen als wahr empfunden werden, zu Handlungen führen, die
zur Verwirklichung eines falschen Gerüchts beitragen.46 Etwas Ähnliches geschah in Petrograd
im Februar 1917.
In den Februartagen sorgte das Gerücht über die „Protopopov-Maschinengewehre“ für eine
gereizte Atmosphäre. Es ist paradox, dass die Behörden und die rebellierenden Bürger, die an
den Maschinengewehrbeschuss von Dächern glaubten, sich diesen gegenseitig zuschrieben: Be-
schuldigten die Revolutionäre Protopopov, so warf der Leiter der Sicherheitsabteilung Globačev
im Gegenzug den Revolutionären den Maschinengewehrbeschuss von den Dächern vor.47 Aller-
dings blieb im Massenbewusstsein das Bild des verkleideten Stadtpolizisten haften, der mit einem
Maschinengewehr auf dem Dachboden sitzt. Im Februar durchsuchten die Bürger mit Schrecken
die Dächer und oberen Gebäudegeschosse und wer bewaffnet war, beschoss von Zeit zu Zeit
verdächtige Dächer. Infolge dieser „Wachsamkeit“ wurde ein Schornsteinfeger erschossen.48 Als
Maschinengewehrläufe erschienen dem auf der Straße befindlichen Volk in den Fenstern sicht-
bare Gardinen, die Enden von Fallrohren, die von den Dächern hervorstanden u. a. So versuch-
te die Menge zum Beispiel am 27. Februar das Mariinskij-Theater im Sturm zu nehmen, unter
dessen Dach sie klar hervorragende Maschinengewehrmündungen sah. Als jedoch die Vertreter
der kriegerisch gestimmten Öffentlichkeit in Begleitung des Schauspielers V. V. Kiselev und des
Regisseurs P. I. Mel’nikov das Theatergebäude durchschritten, überzeugten sie sich, dass die En-
den von Belüftungsrohren irrtümlich für Maschinengewehrläufe gehalten worden waren.49 Nach
Zeitungsmeldungen führten derartige revolutionäre Initiativen der wachsamen Öffentlichkeit
zur Verhaftung von etwa 4.000 Personen, weshalb das Justizministerium eine Sonderermittlungs-
kommission zur Prüfung der formalen Haftgründe ins Leben rufen musste.50 Allerdings konnten
unter diesen Personen natürlich keine echten, verkleideten Stadtpolizisten entdeckt werden, die
mit Maschinengewehren geschossen hatten.
Außer den Stadtpolizisten waren in die Gerüchte über die „Protopopov-Maschinengewehre“
auch Priester verstrickt. Z. Gippius und A. Benua notierten in ihren Tagebüchern, dass es angeb-
lich einen Maschinengewehrbeschuss vom Dach der Isaaks-Kathedrale und vom Glockenturm
der lutherischen St. Michail-Kirche gegeben habe.51 Freilich beschuldigte weder der Dichter
noch der Künstler die Geistlichkeit direkt. Allerdings ging das Gerede im Volk weiter als die Er-
zählungen der Vertreter der künstlerischen Intelligenz, und bald kam das Bild eines Priesters mit
Maschinengewehr auf. In der Aprilausgabe des „Novyj Satirikon“ erschien eine Karikatur, die

46 Robert K. Merton: Social Theory and Social Structure. New York 1968, S. 477.
47 K. I. Globačev: Pravda o russkoj revoljucii. Vospominanija byvšego načal’nika Petrogradskogo ochrannogo otdele-
nija. In: Voprosy istorii 2002. Nr. 9, S. 67.
48 N. E. Vrangel’: Vospominanija. Ot krepostnogo prava do bol’ševikov. Moskva 2003, S. 355.
49 V. F. Bezpalov: Teatry v dni revoljucii. 1917. Leningrad 1927, S. 23.
50 S. P. Mel’gunov: Martovskie dni 1917 goda. Pariž 1961, S. 313.
51 Z. N. Gippius: Sinjaja kniga. Peterburgskij dnevnik. 1914–1918. Belgrad 1929, S. 90; A. N. Benua: Moj dnevnik.
1916–1917–1918. Moskva 2003, S. 124.

114
Die informationspsychologische Krise als Faktor der Revolution von 1917

einen mit dem Maschinengewehr schießenden Popen mit einem Kreuz in der Hand darstellte.
Die Bildunterschrift lautete: „In den Tagen der Revolution standen viele Maschinengewehre auf
Glockentürmen, von denen das rebellierende Volk beschossen wurde.“52 Es fanden sich Zeugen,
die erzählten, dass die Maschinengewehre in Särgen in die Kirchen transportiert würden.53
Während des Februaraufstandes veranstalteten erregte Bürger eine regelrechte Jagd auf Polizis-
ten. Der Leiter der Petrograder Sicherheitsabteilung, K. I. Globačev, zeichnete ein in seinen Ein-
zelheiten schreckliches Bild vom Verhalten der Menge: „Stadtpolizisten, die sich in Kellern und
auf Dachböden versteckt hatten, wurden buchstäblich in Stücke gerissen: Einige wurden an den
Wänden gekreuzigt, andere in zwei Stücke gerissen, indem man sie an den Beinen an zwei Autos
band, wieder andere mit Säbeln zerhackt.“54 Während man den Leiter der Sicherheitsabteilung
der Hauptstadt noch eines extremen Subjektivismus gegenüber denjenigen verdächtigen kann,
die er von Amts wegen in der vorhergehenden Epoche verfolgen hatte müssen, so sollte man
den Erinnerungen des Barons N. E. Vrangel’, eines Großindustriellen, weniger Befangenheit un-
terstellen. Gleichwohl zeichnet er ein Bild, das dem Globačevs nahekommt: „Den verkleideten
Stadtpolizisten suchte man überall. Auf Straßen, in Parks, in Häusern, Scheunen, Kellern und
vor allem auf den Dachböden und auf Dächern… Im Hof unseres Hauses wohnte ein Revierauf-
seher; die Menge traf ihn nicht zu Hause an, nur seine Frau; sie brachten sie um, und außerdem
ihre zwei Kinder. Das kleinere, einen Säugling, durch einen Stiefeltritt auf den Kopf.“55 Bemer-
kenswert ist das erwähnte Bild der Tötung eines unschuldigen Kindes – ein verbreitetes propa-
gandistisches Klischee, das die Gefühle der wahrnehmenden Person anspricht und den Feind
dämonisiert. Während des Ersten Weltkriegs riefen Erzählungen über deutsche Gräueltaten in
der Vorstellung der Bevölkerung apokalyptische Bilder hervor, unter den Bauern breiteten sich
Gerüchte über die Geburt eines neuen König Herodes aus. In dieser Hinsicht hatten die Emotio-
nen des Februars in vielen Dingen ihren Ursprung in Gerüchten aus der Kriegszeit.
Insgesamt waren sich die Gerüchte der Staatsmacht und der Gesellschaft übereinander insofern
ähnlich, als ihnen Angst zugrunde lag. Gerüchte, die als Hauptfeind den Revieraufseher und den
Stadtpolizisten definierten, riefen Hass gegenüber den Vertretern der Staatsmacht hervor und
führten schließlich zu Aggressionen. Damit bildete der Gerüchteraum eine emotionale „Triade
der Feindschaft“ – Angst, Wut und Hass –, die den psychologischen Zustand der revolutionären
Gesellschaft bestimmte.
Die Schilderung der psychologischen Krise wäre unvollständig ohne Erwähnung des Problems
des Nerven- und Seelenzustands der Bürger. Am Vorabend der Revolution und während der Re-
volution wurden die Bürger nicht so sehr durch bewusste, klare Ziele und Aufgaben angetrieben,
sondern eher durch die bei den meisten aufgestauten negativen Emotionen. Die soziale Explosi-
on im Februar kann als eine Zeit der emotionalen, nervlich-seelischen Überspannung bezeichnet
werden, die bei den Petrogradern alsbald zu einem Ausbruch seelischer Erkrankungen führte.

52 Novyj Satirikon 1917, Nr. 14, S. 7.


53 A. G. Rumjancev: „Policejskie pulemety“ v Fevrale 1917 goda: mif ili real’nost’? In: A. B. Nikolaev (otv. red.):
Revoljucija 1917 goda v Rossii. Novye podchody i vzgljady. Sankt-Peterburg 2015, S. 49.
54 Globačev, Pravda o russkoj revoljucii, S. 68.
55 Vrangel’, Vospominanija, S. 355.

115
Vladislav Aksenov

Hierbei gab es genügend Opfer auf beiden Seiten – sowohl bei den verängstigten Dienern der
alten Ordnung wie auch bei den frischgebackenen Revolutionären: die einen blickten ängstlich
auf die Dächer, die anderen erzählten immer wieder absurde Gerüchte über die Zerstückelung
ihrer Dienstgenossen auf den Straßen der Stadt. Ein Kollege des Vorsitzenden der Petrograder
Psychiatergesellschaft, P. Ja. Rozenbach, führte den Begriff der „revolutionären Neurose“ ein und
beschrieb diese am Beispiel des Verhaltens eines ehemaligen Stadtpolizisten, der dem Verfol-
gungswahn anheimfiel. „Er rennt in Angst umher, hört, wie sich die Bediensteten verabreden, ihn
zu töten. Vor einem Arzt hat er Angst. Er erzählt seine Befürchtungen seiner Frau, die versucht,
ihn zu überzeugen, dass er nichts zu befürchten hat. Er beruhigt sich, aber schon die nächste Ge-
hörtäuschung bringt ihn wieder in den vorherigen Zustand.“56
Die emotionale Überspannung wirkte sich auch nach dem Sieg der Februarrevolution negativ auf
den seelischen Zustand der Revolutionäre aus. Es wirkte sich der Eustress aus – die überborden-
den positiven Emotionen belasteten das Nervensystem der Bürger extrem. Besonders trat dies
bei patriotischen Konzertversammlungen zu Tage, als das von den Rednern bis zur Ekstase ge-
triebene Publikum begann, in Ohnmacht zu fallen. Solche Bilder waren vor allem kennzeichnend
für die Auftritte von A. F. Kerenskij. Die Schülerin von K. S. Stanislavskij und Ehefrau von A. Ja.
Tairov, die Schauspielerin A. G. Koonen, erinnerte sich an eine der Versammlungen: „Die Rede
Kerenskijs und die Atmosphäre im Saal erzeugten den Eindruck einer Art hysterischer Theater-
vorstellung. Kerenskij erschien mir wie ein neurasthenischer Schauspieler (ein Rollenfach, das
noch nicht aus der Mode gekommen ist), der selbstvergessen die Rolle des Führers spielte, der
die Menge hinter sich versammelt. Die Damen fassten sich beim Zuhören an den Kopf, weinten,
rissen sich Ringe und Armbänder von den Händen und warfen sie auf die Bühne.“57 Hierbei gerie-
ten nicht nur exaltierte Damen in Ekstase, selbst Offiziere und Träger des Georgsordens fielen in
Ohnmacht. Bemerkenswerterweise versuchten Zeitgenossen, die die alarmierenden Symptome
der Massenpsychologie bemerkten, diese optimistisch zu betrachten und den jetzigen Eustress
dem Distress der Vergangenheit gegenüberzustellen: „Waren wir früher Zeugen einer zutiefst ne-
gativen, alle Bevölkerungsschichten erfassenden, chauvinistischen Massenpsychose…, so erle-
ben wir jetzt ebenfalls eine Massenpsychose, vielleicht ebenso kurzlebig, aber zutiefst erfreulich
in ihrer Ausrichtung und ihrem inneren Gehalt. Mit ihrer Hilfe können wir einen riesigen Schritt
nach vorn machen“, schrieb der junge Militärarzt F. O. Krauze am 3. April 1917.58 Die nervlichen
Erschütterungen, die die Bürger in den Februar- und Märztage durchlebten, riefen bei den einen
Neurosen und Psychosen hervor, bei anderen wiederum konnten sie als Schocktherapie zu Re-
mission führen. Letzteres geschah mit N. O. Losskij, der seit der ersten Russischen Revolution an
Panikattacken litt. Im März 1917 jedoch „heilten mich gewissermaßen der starke Eindruck durch
den Beginn dieser Revolution“, schrieb der Philosoph, „und das Gefühl des Schreckens vor ihr…
von meiner Psychoneurose“.59
Der nervlich-seelische Zustand der Bürger spiegelte sich auch in der Entwicklung der Einwei-
sungen von psychisch Kranken in die städtischen Kliniken von Petrograd wider. Die statistischen

56 Birževye Vedomosti. Več. vyp. vom 18. Mai 1917.


57 A. G. Koonen: Stranicy žizni. Moskva 1985, S. 233.
58 Krauze, Pis’ma s Pervoj mirovoj, S. 391.
59 N. O. Losskij: Vospominanija. Žizn’ i filosovskij put’. Minsk 2012, S. 118.

116
Die informationspsychologische Krise als Faktor der Revolution von 1917

Daten können als eine Art Lackmustest betrachtet werden: Natürlich wäre es eine zu große Ver-
einfachung, alle Revolutionäre – oder umgekehrt alle Anhänger der alten Ordnung – als „Geis-
tesgestörte“ zu bezeichnen, die Schwankungen in der Erkrankungsrate bei für psychische Krank-
heiten anfälligen Personen zeugt allerdings von einem gewissen psychologischen Klima in der
Gesellschaft, das ein objektives Merkmal der Epoche war.
Aus der Grafik ist der Anstieg der Einweisungen psychisch Kranker für denselben Zeitraum von
1914–1917 ersichtlich (Abb. 1). 1917 kam es nicht nur zu einem Gesamtanstieg der Erkran-
kungsrate, sondern es traten auch offensichtlich Spitzen auf, die für den vorhergehenden Zeit-
raum nicht charakteristisch waren und die mit den in theoretischen Arbeiten von Psychiatern
und in Briefnachlässen von Bürgern beschriebenen Zeitraum der emotional aufgeheizten Atmo-
sphäre zusammenfallen. Somit ist die Funktionsweise einiger absurder Gerüchte in der Gesell-
schaft unter Berücksichtigung dieser psychiatrischen Situation zu untersuchen. Wohl nicht zufäl-
lig drang das psychiatrische Thema selbst in den revolutionierten Gerüchteraum ein: Die Bürger
verdächtigten Aleksandra Fedorovna und Nikolaj II der Neurasthenie. Protopopov hielten sie für
verrückt, was M. V. Rodzjanko dem Zaren auch direkt sagte. Nach den Erinnerungen von Zeitge-
nossen zu urteilen, kamen die Gerüchte über eine geistige Verwirrung des Innenministers kurz
vor der Revolution der Wahrheit allerdings sehr nahe.

120

100

80

60 1914
1915
40 1916
1917
20

0
25. Juni
11. Juni
18. Juni
2. April
7. April
5. März

7. Mai
5. Februar

12. März
19. März
26. März

16. April

21. Mai
23. April
30. April

14. Mai

28. Mai
12. Februar
19. Februar
26. Februar

2. Juli
4. Juni

Abb. 1. Vergleichsgrafik der Aufnahme von psychisch Kranken in die städtischen Kliniken von Petro-
grad im Zeitraum Februar–Juni 1914–1917

Wie die folgende Geschichte zeigte, war die gegenseitige Massenvorstellung der Staatsmacht und
der Gesellschaft am Vorabend der Revolution in vielerlei Hinsicht falsch: M. V. Rodzjanko, P. N.
Miljukov und A. I. Gučkov bereiteten die Februarrevolution nicht vor, sondern legten in den Ta-
gen des Volksaufstands im Gegenteil Konfusion an den Tag, und auch A. D. Protopopov hatte
absichtlich keine Brotkrise provoziert und keine Maschinengewehre auf den Dächern postiert.

117
Vladislav Aksenov

Gleichwohl waren die Besonderheiten der psychologischen Atmosphäre so, dass selbst das absur-
deste Gerücht zu einem Aktionssignal für die einander bekämpfenden Parteien werden konnte.
Damit war informationspsychologische Krise des Vorabends der Revolution durch den wachsen-
den Einfluss mündlicher Informationen gekennzeichnet, die angesichts des Misstrauens gegen-
über den Regierungsmedien das offizielle Bild der Ereignisse verdrängten. Allerdings setzte die
Widersprüchlichkeit der Gerüchte, die es nicht erlaubte, ein ganzheitliches und realitätsnahes
Bild zu erzeugen, die Gesellschaft unter Stress und provozierte Nervosität unter den Bürgern,
was schließlich in Affekthandlungen seinen Ausdruck fand (hauptsächlich Ausschreitungen in
Lebensmittelläden, Versuche von Selbstjustiz). Gleichwohl war nicht nur die Gesellschaft, son-
dern auch die Staatsmacht eine Geisel dieser Situation: Die wirtschaftliche und politische Krise
senkte die Effizienz der Agenten der Sicherheitsabteilung, wodurch einige Maßnahmen der Po-
lizei und der Stadtverwaltung im Januar/Februar 1917 auf ungeprüften, durch Agenten erhalte-
nen Gerüchten basierten. Bei der Staatsmacht und in der Gesellschaft entwickelten sich verzerrte
Vorstellungen übereinander, beide Seiten neigten, ihre baldige Auflösung vorausahnend, dazu,
sich gegenseitigen Beschuldigungen hinzugeben. Die wachsende informatorische und emoti-
onale Bedeutung von Gerüchten in der Gesellschaft löste einen Mechanismus der selbsterfül-
lenden Prophezeiung aus, der sich nicht nur in den Brotunruhen vom Februar, sondern auch
auf politischer Ebene manifestierte: Die Behörden dämonisierten öffentliche Organisationen,
die revolutionärer Aktivitäten verdächtigt wurden, was zu Einschränkungen ihrer Rechte führte
und ihnen in den Augen der Bevölkerung einen heroischen Heiligenschein verlieh. Letztendlich
wurde die Staatsduma, die entgegen den Verdächtigungen der Polizei und der Sicherheitsabtei-
lung die Arbeiterkundgebungen vom 14. Februar nicht vorbereitet hatte, notgedrungen zu einem
Organisationszentrum der Revolution, als am 26. Februar Soldaten, Arbeiter und Studenten in
Scharen zum Taurischen Palais zu strömen begannen. Gerüchte determinierten die Formen der
revolutionären Gewalt, da sie ein Gefühl der Angst und dieses wiederum ein Gefühl des Hasses
erzeugten. Es entstand eine „Triade der Feindschaft“ – Angst, Wut und Hass –, die die psycholo-
gischen Besonderheiten dieser Zeit bestimmte und in den Tagen der Februar-Unruhen in einer
Reihe von Affekthandlungen der Menge und einem anschließenden Anstieg der seelischen Stö-
rungen der Petrograder zum Ausdruck kam.

118
Karsten Brüggemann

Die Revolutionen von 1917 in den russischen Ostseeprovinzen*

Einleitung
Die Nachricht von Streiks und Unruhen in der Hauptstadt des Russländischen Reiches
verbreitete sich Ende Februar 19171 rasch in den nahegelegenen, noch unbesetzten Tei-
len der russischen Ostseeprovinzen.2 Während das Gouvernement Estland und der Norden
und Osten des Gouvernements Livland bis zum deutschen Vormarsch ein Jahr später unter
Petrograder Herrschaft verblieben, war Kurland seit 1915 Teil von Ober Ost, der deutschen
Besatzungsadministration auf russischem Boden. Riga, die Hauptstadt Livlands, sowie die Inseln
Saaremaa (dt. Ösel) und Hiiumaa (dt. Dagö) wurden Ende August 1917 von den Deutschen
besetzt. Somit gilt das Hauptaugenmerk der folgenden Ausführungen den bis Anfang 1918 im
russischen Reichsbestand verbliebenen Gebieten, wobei ein Schwerpunkt auf dem estnischen
Siedlungsgebiet liegen wird, das neben dem eigentlichen Gouvernement Estland auch den
Norden Livlands umfasste – die Grenzen der drei Gouvernements folgten im Wesentlichen den
mittelalterlichen Verwaltungsbereichen der jeweiligen Ritterschaften, den noch zu Beginn des
20. Jahrhunderts für die Lokalverwaltung wesentlichen (deutschen) Adelskorporationen der
Ostseeprovinzen.
Es steht außer Frage, dass die revolutionären Entwicklungen in Petrograd auf die Ende Febru-
ar 1918 erfolgte Staatsgründung Estlands einen erheblichen Einfluss ausübten. Mit der Ausnah-
me der Inseln blieb das estnische Gebiet von direkten Kriegshandlungen bis dahin verschont.
Man kann, wie ich an anderer Stelle dargelegt habe,3 Estland durchaus als Kind der Februarre-
volution bezeichnen, da von ihr eine erhebliche Sogwirkung für die Esten ausging. Ein Beitrag,

* Die Anfertigung dieses Beitrages wurde unterstützt durch das Projekt der Estnischen Wissenschaftsagentur
IUT31–6.
1 Alle Zeitangaben erfolgen nach dem damals im Russländischen Reich gebräuchlichen Julianischen Kalender. In
Estland galt er bis Anfang Februar 1918, als die Deutschen einmarschierten.
2 Unter diesem Begriff sind die drei russischen Gouvernements Estland, Livland und Kurland zu verstehen, die
das Territorium der heutigen Staaten Estland und Lettland umfassten. Litauen, heute selbstverständlich Teil des
„Baltikums“, gehörte während des Ersten Weltkriegs, als dieser Regionsbegriff geprägt wurde, eher zum polnisch-
katholischen Bereich und hatte mit den deutsch geprägten, protestantischen Siedlungsgebieten der Esten und
Letten nichts zu tun. Karsten Brüggemann, Ralph Tuchtenhagen: Grundzüge. In: Dies., Anja Wilhelmi (Hrsg.): Das
Baltikum. Geschichte einer europäischen Region. Bd. 3: Die Staaten Estland, Lettland und Litauen. Stuttgart
2020, S. 11. Litauen und die deutsch besetzen Teile der Ostseeprovinzen werden in diesem knappen Überblick
nicht behandelt. Siehe ausführlich Karsten Brüggemann, Joachim Tauber: Die Phase der Staatsgründungen und der
Unabhängigkeitskriege. In: Ebd., S. 95–137.
3 Karsten Brüggemann: Learning from Estonia Means Learning to Be Victorious? Estonia between the Legacy of
the February Revolution and Nikolai Iudenich’s Northwestern Army. In: Alexander Marshall, John W. Steinberg,
Steven Sabol (Hrsg.): The Global Impacts of Russia’s Great War and Revolution. Book 1: The Arc of Revolu-
tion, 1917–24. Bloomington 2019, S. 99–129; K. Brjuggemann [Brüggemann]: Demokratičeskaja revoljucija v
Ėstljandskoj gubernii, 1917–1919 gg.: ot vseimperskogo ėntuziazma do nacional’noj nezavisimosti. In: Jurij A.
Petrov (otv. red.): Velikaja rossijskaja revoljucija, 1917. Sto let izučenija. Mat. Mežd. nauč. konf. Moskva 2017,

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 119–130


[Link] 119
Karsten Brüggemann

der sich in erster Linie auf das Jahr 1917 konzentriert, wird sich hinsichtlich der nördlichen der
russischen Ostseeprovinzen aber vor allem mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie sich der
Konflikt zwischen den beiden prägenden Ideologien dieser Zeit, Sozialismus und Nationalismus,
gestaltete. Zum Einstieg sei jedoch ein knapper Rückblick auf die Ausgangslage in der Region am
Vorabend der Revolutionen gestattet.

Die Ostseeprovinzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts


Die Gewaltexzesse während der Revolution von 1905/06, ausgelöst durch die nationalen und so-
zialen Gegensätze zwischen Letten und Esten auf der einen sowie deutschen Gutsbesitzern und
Pastoren auf der anderen Seite, hatten nur mit massivem Militäreinsatz niedergekämpft werden
können – nicht ohne Beteiligung deutschbaltischer Selbstschutzeinheiten.4 Die wenigen Jahre
bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs sahen eine überraschend kreative Phase, in der sich auf der
einen Seite die ethnischen Milieus weiter voneinander abgrenzten, aber auf der anderen Seite
gerade in den Provinzhauptstädten Riga und Tallinn (dt. Reval) pragmatische Kooperation über
ethnische Grenzen hinaus die Regel war.5 Tallinn, das seit den Stadtduma-Wahlen von Ende 1904
von einer estnisch-russischen Mehrheit regiert wurde, und Riga, das in deutschen Händen blieb,
waren als Provinzhauptstädte bestrebt, das Verhältnis zu St. Petersburg zu beruhigen. Als ver-
söhnliche Geste wurden 1910, aus Anlass des 200. Jahrestages der militärischen Eroberung der
zuvor schwedischen Ostseeprovinzen durch die Heere Peters des Großen, diesem im Zentrum
der beiden Städte Denkmale errichtet. Dass sich niemand dieser Geste verweigerte, darf nicht als
Schulterschluss der einander in herzlicher Abneigung verbundenen Milieus verstanden werden,
eher war es ein – aus durchaus unterschiedlichen Gründen – als notwendig erachtetes Symbol
der Zugehörigkeit zum Imperium. Als solches ist es im skeptischen Zentrum dann auch mehr-
heitlich zur Kenntnis genommen worden.6

S. 315–320; Karsten Brüggemann: Yearning for Social Change: The Russian Revolution in the Baltic Provinces. In:
Studies in Ethnicity and Nationalism 17 (2017), S. 358–368.
4 Ernst Benz: Die Revolution von 1905 in den Ostseeprovinzen Rußlands. Ursachen und Verlauf der lettischen
und estnischen Arbeiter- und Bauernbewegung im Rahmen der ersten russischen Revolution. Mainz 1990; Too-
mas Karjahärm: Gewalt in Estland im Jahr 1905. Ursachen und Erscheinungsformen. In: Karsten Brüggemann
(Hrsg.): Wandel und Anpassung in der Geschichte Estlands. 16.–20. Jahrhundert. Lüneburg 2014, S. 140–174 [=
Nordost-Archiv. Zeitschrift für Regionalgeschichte 22 (2013)]; Detlef Henning: Die baltischen Ostseeprovinzen
Russlands zwischen den Revolutionen (1905–1917). In: Karsten Brüggemann, Detlef Henning, Ralph Tuchtenha-
gen (Hrsg.): Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region. Bd. 2: Vom Beginn der Frühen Neuzeit bis zur
Gründung der modernen Staaten. Stuttgart 2021, S. 535–641.
5 Für Riga: Ulrike von Hirschhausen: Die Grenzen der Gemeinsamkeit. Deutsche, Letten, Russen und Juden in Riga
1860–1914. Göttingen 2006 [= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 172]; für Reval: Bradley D.
Woodworth: Civil Society and Nationality in the Multiethnic Russian Empire: Tallinn/Reval, 1860–1914 [PhD
diss.]. Bloomington 2003; Ders.: Administrative Reform and Social Policy in the Baltic Cities of the Russian
Empire: Riga and Reval, 1870–1914. In: Jahrbuch für europäische Verwaltungsgeschichte 16 (2004), S. 111–
150; Karsten Brjuggemann: Goroda imperskich i nacional’nych utopij: transnacional’nyj vzgljad na Rigu i Tallin,
1914–1924. In: A. Miller, D. Černyj (red.): Goroda imperii v gody Velikoj vojny i revoljucii. Sankt-Peterburg 2017,
S. 100–139.
6 Hirschhausen, Die Grenzen der Gemeinsamkeit, S. 328–340; Bradley D. Woodworth: An Ambigous Monument:
Peter the Great’s Return to Tallinn in 1910. In: Rut Bjuttner [Ruth Büttner], Vera Dubina, Michail Leonov (Hrsg.):

120
Die Revolutionen von 1917 in den russischen Ostseeprovinzen

Initiiert hatten diese Geste die Ritterschaften der beiden Gouvernements Estland und Livland.
Sie vor allem hatten im Zuge der Revolution von 1905/06 erfahren müssen, dass ihre regionale
Vormachtstellung nur durch die Bajonette des Zaren zu halten war. Während der Adel einer tra-
ditionellen ständischen Identifikation mit dem Land verhaftet blieb, spielten manche deutschen
Bürger die nationale Karte, doch verlief die Initiative, mit der Gründung von Deutschen Verei-
nen eine überständische Gemeinschaft zu konsolidieren, bald im Sande.7 Eine Anlehnung an das
Deutsche Reich war damit nur in kultureller Hinsicht verbunden, politisch blieb die Loyalität
zum Zaren schon aus pragmatischen Gründen dominierend – zumal für die örtlichen Kaufleute,
die von der Zugehörigkeit zum Imperium nur profitierten.8
Auch Esten und Letten war klar, dass eine Änderung der Machtverhältnisse einstweilen nur aus
St. Petersburg initiiert werden könnte. Die Einrichtung der Reichsduma in Folge der Revolution
war für sie von entscheidender Bedeutung: Erstmals wurden die Interessen der Gouvernements
in der Hauptstadt nicht mehr allein von den Ritterschaften vertreten. Persönliche Kontakte der
estnischen und lettischen Duma-Abgeordneten zu ihren russischen Kollegen waren im Früh-
jahr1917 von entscheidender Bedeutung für den Fortgang der Ereignisse. Zugleich darf nicht
vergessen werden, dass das Exil zahlreicher estnischer und lettischer Aktivisten des revolutio-
nären Jahres 1905 in Westeuropa persönliche Kontakte zu russischen Sozialdemokraten aller
Couleur vermittelte, die ebenfalls 1917 zum Tragen kamen. Hierin darf man die transnationale
Dimension des Revolutionsjahres für die Esten und Letten erkennen.
Zuvor aber brach der Krieg die lokalen Machtkonstellationen auf. Zwar dienten deutschbaltische
Offiziere ihrem Zaren weitgehend ohne Murren im Kampf gegen das deutsche Kaiserreich; in der
reichsweiten russischen Öffentlichkeit brach jedoch eine anti-deutsche Hysterie aus, die bis in
das Alltagsleben der Deutschen in den Ostseeprovinzen Folgen hatte – neben dem allgegenwär-
tigen Misstrauen gegenüber allem Deutschen war es vor allem das Verbot, die deutsche Sprache
öffentlich zu gebrauchen, das merklich in das herkömmliche Leben der Provinzen eingriff.9 Für
viele Esten und Letten wiederum war der Krieg gegen die Deutschen eine Art Stellvertreterkrieg
gegen die als Unterdrückung empfundene Vorherrschaft der baltischen Deutschen in den
Ostseeprovinzen. Im „Tallinna teataja“ (Tallinner Bote) wurde er sogar als „heiliger Krieg“ für
Freiheit und Autonomie bezeichnet.10 Es gehört zu den bemerkenswerten Trajektorien dieser
Jahre, dass Konstantin Päts (1874–1956), einer derjenigen, der 1905 aus Angst vor Verfolgung

Problemy nacional’noj identifikacii, kul’turnye i političeskie svjazi Rossii so stranami Baltijskogo regiona v XVIII–
XX vekach. Samara 2001, S. 205–219.
7 Jörg Hackmann: Nachholende Modernisierung. Das kurze Leben der Deutschen Vereine in den russländischen
Ostseeprovinzen (1905–1914). In: Ders. (Hrsg.): Vereinskultur und Zivilgesellschaft in Nordosteuropa. Regio-
nale Spezifik und europäische Zusammenhänge. Köln/Wien 2012, S. 387–418 [= Quellen und Studien zur bal-
tischen Geschichte, Bd. 20].
8 Karsten Brüggemann, Katja Wezel: Nationally Indifferent or Ardent Nationalists? On the Options for Being Ger-
man in Russia’s Baltic Provinces, 1905–17. In: Kritika. Explorations in Russian and Eurasian History 20 (2019),
S. 39–62.
9 Aadu Must: Von Privilegierten zu Geächteten. Die Repressalien gegenüber deutschbaltischen Honoratioren
während des Ersten Weltkrieges. Tartu 2014.
10 X [Konstantin Päts]: Sõda ja rahvaste lootused. In: Tallinna Teataja vom 22. Sept. 1914. (Für den Hinweis danke
ich Toomas Karjahärm, Tallinn. – K. B.)

121
Karsten Brüggemann

seine Heimat hatte verlassen müssen und 1918 erster Ministerpräsident Estlands wurde, im Sep-
tember 1914 diesen reichspatriotischen Artikel schrieb, getragen von der Hoffnung, dass ein sieg-
reiches Russland seinen kämpfenden Völkern weitgehende Autonomie gewähren würde.
Genau das war auch die Strategie der estnischen und lettischen Duma-Abgeordneten während
des Krieges. Ein im März 1916 gemeinsam mit einigen russischen Abgeordneten eingebrach-
tes Gesetzprojekt über die Einführung der zentralrussischen zemstvo-Systems, das die Lokalver-
waltung den Ritterschaften entrissen hätte, scheiterte jedoch nicht nur daran, dass an derartige
Reformen aufgrund der deutschen Besatzung Kurlands ohnehin nicht zu denken war.11 Die Re-
gierung hatte einfach kein Konzept dafür, wie diese Region näher an das Reich anzubinden war.
Außenminister Sergej D. Sazonov erklärte in seiner Stellungnahme zu dem Entwurf, es sei zwar
für die Sicherheit des Imperiums von erstrangiger Wichtigkeit, durch die Einführung der russi-
schen Lokalverwaltung die „russischen staatlichen Grundlagen“ (russkie gosudarstvennye načala)
in der strategisch wichtigen Region zu stärken. Dort jedoch die „kleinen Stammesgruppen“
(malen’kie plemennye gruppy) zu stärken, könne nicht im Interesse des Imperiums sein. Stein des
Anstoßes war vor allem, dass im Zuge der Reform die Gouvernementsgrenzen entlang der ethno-
grafischen Grenzen gezogen werden sollten – eine der wesentlichen Forderungen der estnischen
und lettischen Nationalbewegungen seit den 1880er-Jahren. Sazonov indes fürchtete, dass dies
die Einführung einer nationalen Selbstverwaltung bedeutet hätte. Er brachte das Dilemma für St.
Petersburg folgendermaßen auf den Punkt: „Die Erhaltung der früheren herrschenden Stellung
für die deutsche Bevölkerung der drei Gouvernements ist natürlich unzulässig; aber genauso un-
zulässig ist die Übergabe des Einflusses und der administrativen Macht [zemskaja vlast’] in die
Hände der Esten und Letten“.12 Aus dieser Sackgasse der imperialen Baltikum-Politik konnte sich
Petrograd erst nach dem Machtwechsel im Frühjahr 1917 befreien.

Die Ostseeprovinzen und der Regierungswechsel in Petrograd


Im dritten Kriegswinter war es wie im übrigen Reich vor allem die schlechte Versorgungslage,
welche die Bevölkerung Estlands beunruhigte. Erschwerend kam hinzu, dass zahlreiche Flücht-
linge aus Kurland und den litauischen Gebieten ebenfalls versorgt werden mussten. Zentral or-
ganisierte Wohltätigkeitsveranstaltungen für die Soldaten – ca. 100.000 Esten waren eingezogen
worden – gehörten auch für die deutsche Oberschicht zum Pflichtprogramm, wobei man es an
Loyalitätsbekundungen zum russischen Kaiser nicht fehlen ließ. In Tallinn und Tartu (dt. Dor-
pat), der alten Universitätsstadt, die zum Gouvernement Livland gehörte, stiegen Mieten und

11 Zakonproekt, vnesennyj v Gosudarstvennuju dumu. 24 marta 1916 g. In: Toomas Kar’jachjarm [Karjahärm]
(Hrsg.): Imperskaja politika Rossii v Pribaltike v načale XX veka. Sbornik dokumentov i materialov. Tartu 2000,
S. 357–374, hier S. 361; Toomas Karjahärm: Vene impeerium ja rahvuslus. Moderniseerimise strateegiad. Tal-
linn 2012, S. 239, 275; Natal’ja S. Andreeva: Pribaltijskie nemcy i rossijskaja pravitel’stvennaja politika v načale
XX veka. Sankt-Peterburg 2008, S. 255 f.; Karsten Brüggemann: Licht und Luft des Imperiums. Legitimations-
und Repräsentationsstrategien russischer Herrschaft in den Ostseeprovinzen im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Wiesbaden 2018, S. 266 f. [= Veröffentlichungen des Nordost-Instituts, Bd. 21].
12 Sazonovs Stellungnahme, 19. Mai 1916. In: Kar’jachjarm (Hrsg.), Imperskaja politika Rossii v Pribaltike v načale
XX veka, S. 392 f.; Valentin S. Djakin: Nacional’nyj vopros vo vnutrennej politike carizma (XIX – načalo XX vv.).
Sankt-Peterburg 1998, S. 330.

122
Die Revolutionen von 1917 in den russischen Ostseeprovinzen

Lebenshaltungskosten. Als Garnisonsstadt spürte Tallinn die Nöte der Front genauso wie die des
Hinterlandes.13
In dieser Situation verbreiteten sich Ende Februar 1917 über den Telegrafen die Nachrichten
von den Ereignissen in der Hauptstadt wie ein Lauffeuer. Am 1. März begann auch in Tallinn eine
Streikwelle, an der sich 18.000 Menschen beteiligten, der Generalstreik am nächsten Tag sah eine
Kundgebung, an der sich 30.000 Menschen beteiligten. Die Revolution hatte Tallinn erreicht:
Matrosen übernahmen das Kommando auf den Kriegsschiffen und Arbeiter stürmten das Ge-
fängnis im Festungsturm der „Dicken Margarethe“. Gouvernements- und Polizeiämter wurden
geplündert und ihre Akten verbrannt, während Arbeitermilizen versuchten, die Flammen unter
Kontrolle zu bringen. Es sei darauf hingewiesen, dass Tallinn in den Jahren vor 1914 zu einer
Marinefestung umgestaltet und die Schiffsbauindustrie erheblich ausgebaut worden war. Daher
verstärkten neben der Garnison auch Tausende Werftarbeiter aus Russland den lokalen Reso-
nanzboden der Petrograder Ereignisse.14
Der Sturz des Zaren wurde als Signal aufgefasst, alte Fesseln zu sprengen. Die Freiheit des Wortes
wurde buchstäblich realisiert. Die estnische Schriftstellerin Marta Sillaots erinnerte sich: „Diese
improvisierten Meetings, die es an jeder Straßenecke gab!… All die Dispute, die ständig organi-
siert wurden!… Die Russen mit ihrem Redevirus steckten die Esten an, die Redebeiträge hatten
kein Ende. Wenn […] ein Matrose und ein Soldat oder ein Soldat und ein estnischer Arbeiter
Meinungsverschiedenheiten hatten, dann stieg derjenige der Streitenden, der besser mit Worten
umgehen konnte, auf eine Treppenstufe, hob sich auf einen Laternenposten oder sprang auf ei-
nen Lastwagen – und schon war das Meeting im Gange, die Zuhörer sammelten sich in Trauben
um den Redner, man rief ‚richtig!‘ und ‚hurra!‘, manchmal auch ‚nieder damit!‘ und genoss die
‚Freiheit‘ bis zur Besinnungslosigkeit“.15
Am 26. März gingen auch die Esten in Petrograd auf die Straße, um ein autonomes Estland in
einem freien Russland zu fordern. An dieser Demonstration nahmen mehrere Zehntausend
Menschen teil, die – typisch für diese Tage – die russische Version der „Marseillaise“ sangen.16
Zum Höhepunkt der revolutionären Begeisterung in Tallinn wiederum geriet der Besuch von
Justizminister Aleksandr Kerenskij und der „Großmutter der russischen Revolution“, Ekaterina
Breško-Breškovskaja, am 9. April. Die Helden der Revolution waren zu diesem Zeitpunkt in Est-
land und Russland noch dieselben. Beim Empfang im noch kurz vor dem Krieg fertiggestellten
Theater „Estonia“ betonte der spätere estnische Ministerpräsident Otto Strandmann von der aus
den reichsweit organisierten Trudoviki hervorgegangenen Estnischen Arbeitspartei (und damit
Parteifreund Kerenskijs), dass Estland keinesfalls vorhabe, sich von Russland zu lösen. Als Ke-
renskij Strandmann die Hand drückte und „Es lebe das autonome Estland“ rief, sang das Publi-
kum bewegt die spätere Nationalhymne und das Orchester spielte zum feierlichen Abschluss die

13 Vgl. die Beiträge in Tõnu Tannberg (Hrsg.): Esimene maailmasõda ja Eesti. 2 Bde. Tartu 2014–2016 [= Eesti Aja-
looarhiivi toimetised, Bd. 22 (29), 24 (31)].
14 Toomas Karjahärm: Ida ja lääne vahel. Eesti-Vene suhted 1850–1917. Tallinn 1998, S. 187–192.
15 Marta Sillaots: Sealtpoolt künniseid. Tallinn 2009 (Original 1939), S. 118 f.
16 Seppo Zetterberg: Eesti ajalugu. Tallinn 2009, S. 378; zur Bedeutung der „Marseillaise“ in diesen Tagen Orlando Fi-
ges, Boris Kolonitskii: Interpreting the Russian Revolution. The Language and Symbols of 1917. New Haven 1999,
S. 30–70.

123
Karsten Brüggemann

„Marseillaise“.17 Im Frühjahr 1917, als die revolutionäre Begeisterung an die Ostsee schwappte,
ging es noch nicht um die Etablierung unabhängiger Staaten. Der politische Slogan dieser Wo-
chen der unerwarteten agitatorischen Freiheit lautete: Ein freies Estland (bzw. Lettland) in ei-
nem demokratischen Russland.18
Mit diesem Ziel im Hinterkopf antichambrierten estnische und lettische Duma-Abgeordnete in
Petrograd bei ihren nun die Regierung stellenden Parlamentskollegen. Erstaunlich rasch – und
als anti-deutsche Maßnahme mitten im Krieg durchaus nachvollziehbar – vollzog die Provisori-
sche Regierung den Loyalitätswechsel, zu dem die Zarenadministration noch nicht bereit gewe-
sen war: von den deutschen Ritterschaften als sozialer Basis des Ancien Régime zu den bürger-
lichen nationalen Politikern. Bereits vor dem am 30. März (12. April) erlassenen provisorischen
Autonomiestatut für Estland war mit dem Bürgermeister Tallinns Jaan Poska (1866–1920) am
6. März erstmals ein Este an die Verwaltungsspitze des Gouvernements gesetzt worden, womit
die Jahrhunderte währende Dominanz der deutschen Ritterschaften bzw. der russischen Statthal-
ter im Lande endete.19 Das Autonomiestatut sah vor, die Grenze zwischen den Gouvernements
Est- und Livland entlang der Siedlungsgrenze der Esten und Letten zu ziehen, wodurch im Falle
Estlands ein nationales Territorium geschaffen wurde, auf das sich dann die Unabhängigkeitser-
klärung vom 24. Februar 1918 berufen konnte. Während ein „Estland“ so gebildet wurde, war das
zukünftige „Lettland“ zum einen von den Deutschen besetzt (Kurland) und gehörte zum ande-
ren zum russischen Gouvernement Vitebsk (Lettgallen), weshalb im Frühjahr 1917 in Petrograd
darüber keine Entscheidung getroffen werden konnte.20
Das Autonomiegesetz schuf darüber hinaus ein gewähltes Provinzialparlament, den Maapäev
(russ. zemskij sovet). Es war nach allgemeinem, aber indirektem Wahlsystem über Wahlmänner
zu wählen. Zumindest aus institutioneller Sicht hatte somit die Februarrevolution in Estland ge-
siegt. Hier kam es zu einer stillen nationalen Revolution, indem die Macht der kleinen deutschen
Elite von Repräsentanten der demografischen Mehrheit übernommen wurde. Aber was war mit
der russischen Seite? Schon die Maifeiern am 18. April (1. Mai) zeigten, wie umstritten die re-
volutionären Symboliken waren, als zunächst russische Soldaten und Matrosen, aber später auch
estnische Bolschewiki estnische Nationalfahnen mit der Begründung niederrissen, dass nur rote
Flaggen erlaubt seien.21

17 Päälinna külalised Tallinnas. In: Postimees vom 10. Apr. 1917; Zetterberg, Eesti ajalugu, S. 380 f.
18 Olavi Arens: Riik, võim ja legitiimsus Eestis aastail 1917–1920. In: Acta Historica Tallinnensia 2007, Bd. 11,
S. 71–79, hier S. 73; Andrejs Plakans: A Concise History of the Baltic States. Cambridge 2011, S. 285–300. Siehe
auch David Feest: „Citizens, Come to the Rescue!“ Modes of Belonging and Participation in the Coverage of the
February Revolution by the Estonian Daily Paper „Postimees“. In: Franziska Schedewie, Dennis Dierks (Hrsg.):
Imagining the Future in Russia’s February Revolution. Instant Reactions in the Press Across the Empire. Leiden
2021 (im Druck).
19 Ioosep M. Saat (otv. red.): Velikaja Oktjabr’skaja socialističeskaja revoljucija v Ėstonii. Sbornik dokumentov i ma-
terialov. Tallinn 1958, S. 41 (Dok. 24).
20 Ebd., S. 102–104 (Dok. 94); ausführlich auch zu den internen Auseinandersetzungen unter den estnischen Poli-
tikern Ago Pajur: „Meie riigipoliitiliseks paleuseks on autonoomia“. 30. märtsi 1917. aasta määrus Eestimaa ajutise
valitsemiskorra kohta. In: Tannberg (Hrsg.), Esimene maailmasõda ja Eesti, Bd. I, S. 217–269.
21 Tallinna Teataja vom 20. Apr. 1917; Olavi Arens: Soviets in Estonia 1917/18. In: Andrew Ezergailis, Gert von Pi-
stohlkors (Hrsg.): Die baltischen Provinzen Rußlands zwischen den Revolutionen von 1905 und 1917. Köln/
Wien 1982, S. 295–314, hier S. 299.

124
Die Revolutionen von 1917 in den russischen Ostseeprovinzen

Wie in den russischen Zentren machte sich in der Folge in den unbesetzten Gebieten der Ost-
seeprovinzen eine politische Radikalisierung bemerkbar, die sich gut anhand der Wahlresultate
ablesen lässt. Auf estnischem Gebiet haben von 1917 bis zur Wahl zur Nationalversammlung im
Frühjahr 1919 linke Parteien konstant zwei Drittel bis zwei Viertel der Stimmen erhalten. Zwar
verweist die Forschung zum Jahr 1917 gerne auf das lettische Kuriosum, dass bei den Wahlen
zur russischen Verfassunggebenden Versammlung im November 1917 72 % der Wähler für die
lettischen Bolschewiki stimmten. Zu diesem Zeitpunkt war Riga jedoch schon deutsch besetzt,
weshalb die politischen Gruppierungen, mit Ausnahme der Sozialdemokraten dank ihrer auch
außerhalb der Metropole vorhandenen Netzwerke, schwach organisiert waren. Da es bei diesen
Wahlen in Nordlivland noch eine sozialdemokratische Einheitsliste gab, versammelte die bereits
bolschewistisch dominierte Partei die Stimmen aller mehr oder weniger revolutionär gesinnten
Wähler auf sich. In Estland gab es demgegenüber seit Mai 1917 eine nationale estnische sozialde-
mokratische Partei, hinzu kamen die Sozialrevolutionäre sowie die Estnische Arbeitspartei, die
ebenfalls bereits unabhängig von den russischen Mutterparteien operierten. Insgesamt erhielt
das linke Spektrum – bei einer Wahlbeteiligung von gerade einmal 56 % – auch in Estland im
November 1917 knapp70 % der Stimmen. Auf die Bolschewiki entfielen darunter knapp 40 %,
was ungefähr ihrem Anteil in Moskau und Petrograd entsprach.22
Diese Radikalisierung lässt sich auch an der Entwicklung der Sowjets ablesen. Wie in Petrograd
war es auch in Tallinn zu der Etablierung einer „Doppelherrschaft“ gekommen, die den Dissens
über die Frage der Zukunft des Landes bereits in sich trug. Den von der Provisorischen Regie-
rung geschaffenen Strukturen standen die sich nach hauptstädtischem Vorbild formierenden Ar-
beiter- und Soldatensowjets gegenüber. In ihnen hatten zunächst die Sozialrevolutionäre oder die
Menschewiki die Oberhand.23 Interessanterweise gehörten zu den mehr als 300 Abgeordneten
des Tallinner Sowjets Ende März neben Arbeitern, Soldaten und Matrosen zunächst auch Vertre-
ter der estnischen Vereine und der Tallinner Stadtverwaltung. Schon bald jedoch blieben sie aus
Protest gegen die Politik des Sowjets dessen Sitzungen fern.
Ungefähr 60 % der Deputierten in Tallinn waren Russen. Die faktische Macht des Sowjets lag
freilich vor allem darin, dass er starken Einfluss auf die Soldaten der Garnison und unter den
Fabrikarbeitern hatte. Aufgrund der ethnischen Zusammensetzung wurde er zunehmend in der
estnischen Presse dafür kritisiert, die höchste politische Autorität im Gouvernement für sich zu
beanspruchen, aber mehrheitlich aus russischen Soldaten zu bestehen, die nur temporär im Lan-
de stationiert waren. Olavi Arens zufolge wären die Sowjets in Estland fast vollkommen nicht-
estnische Institutionen gewesen, wenn die Bolschewiki nicht in den Sowjets mit einer „sizeable
group of Estonians (factory workers)“ vertreten gewesen wären.24 Sillaots weist in ihren Erinne-
rungen darauf hin, dass die russische Beamtenschaft trotz roter Bändchen auf der Brust schon
aufgrund ihrer traditionellen Verachtung gegenüber den Unterschichten von Anfang an gegen

22 Näher hierzu Brüggemann, Yearning for Social Change, S. 360 f.


23 Nur in der Industriestadt Narva war der Sowjet von Beginn an in der Hand der Bolschewiki. Arens, Soviets
in Estonia 1917/18, S. 297 f. Das Folgende nach Brüggemann, Learning from Estonia Means Learning to Be
Victorious?
24 Arens, Soviets in Estonia 1917/18, S. 301, Fn. 22; zur Kritik in der estnischen Presse: Tallinna Teataja vom
31. Mai 1917.

125
Karsten Brüggemann

den „feuerroten Sowjet“ gewesen sei. Allerdings hätte sie in der „estnischen Frage“ den Stand-
punkt des Sowjets geteilt: Keiner habe etwas vom „Recht der Esten“ hören wollen, ihre eigenen
Angelegenheiten selbst zu entscheiden.25
Die nationalpolitische Alternative zu den Sowjets, das von der Provisorischen Regierung gegrün-
dete oberste Selbstverwaltungsorgan Maapäev, konnte aufgrund eines sich über mehrere Monate
hinwegziehenden Wahlverfahrens erst Anfang Oktober erstmals vollständig zusammentreten. In
ihm gab es neben den bürgerlich-demokratischen Gruppierungen einen ungefähr gleich starken
sozialistischen Anteil: fünf Bolschewiki, acht Sozialrevolutionäre, neun Menschewiki und elf
Vertreter der Estnischen Arbeitspartei. Den größten Block stellte der Bauernbund mit dreizehn
Abgeordneten, während die Demokratische Partei sieben und die Radikaldemokraten vier Sitze
erhielten. Hinzu kamen noch drei parteilose Deputierte und je ein Vertreter der deutschen und
der schwedischen Minderheit.26 Die Existenz dieses Gremiums gilt als wesentliche Vorausset-
zung für die formale Umsetzung der Idee des Nationalstaats. Auch wenn nicht von der Hand zu
weisen ist, dass der Maapäev den Keim der späteren parlamentarischen Demokratie stellte, sei
doch darauf hingewiesen, dass seine Abgeordneten 1917 mehrheitlich an der von der Februar-
revolution beflügelten Vision des freien Estland in einem freien Russland blieben. Zwar gab es
damals schon Äußerungen namentlich von Jaan Tõnisson (1868–1941), in denen die Idee der
vollständigen Selbständigkeit als Ideal formuliert wurde, doch blieb man realistisch: Die Zweifel
an der Überlebensfähigkeit eines so kleinen Landes wie Estland waren groß.27
Nachdem die Deutschen jedoch in September 1917 Riga und kurz darauf die estnischen Inseln
besetzt hatten, zugleich der Petrograder Provisorischen Regierung immer mehr die Kontrolle
über das Reich entglitt und Estland von einer Welle von Streiks erfasst wurde, diskutierte auch
der Maapäev erstmals über eine Trennung von Russland. Eine einseitige Sezession war damit
jedoch nicht gemeint; man würde sich womöglich dem anschließen, wenn auch alle anderen Völ-
ker sich von Russland lossagten. Die Vorstellung der Eigenstaatlichkeit wurde so immer mehr
zu einer Art letzten Zuflucht, deren Risiken jedoch schwer abzuschätzen waren. Es war klar,
dass auf den Schutz irgendwelcher Nachbarmächte immer weniger zu hoffen war, sollte ein in
welcher Form auch immer autonomes Estland womöglich verteidigt werden müssen. Die bru-
tale deutsche Besatzung der estnischen Inseln, über die in der Presse berichtet wurde, dämpfte
die möglicherweise noch vorhandenen Hoffnungen, die Deutschen würden zumindest die
ökonomische Lage der Bevölkerung verbessern.28

25 Sillaots, Sealtpoolt künniseid, S. 118 f.


26 Toivo U. Raun: Estonia and the Estonians. Stanford 1991, S. 100; Karsten Brüggemann: Die Gründung der Repu-
blik Estland und das Ende des „Einen und Unteilbaren Russland“. Die Petrograder Front des Russischen Bürger-
kriegs 1918–1920. Wiesbaden 2002, S. 55–57 [= Forschungen zum Ostseeraum, Bd. 6].
27 Toomas Karjahärm, Tiit Rosenberg (Hrsg.): Eesti ajalugu V. Tartu 2010, S. 417 f.
28 Olavi Arens: The Estonian Question at Brest-Litovsk. In: Journal of Baltic Studies 25 (1994), Nr. 4, S. 305–330,
hier S. 309; allgemein Zetterberg, Eesti ajalugu, S. 382 f.

126
Die Revolutionen von 1917 in den russischen Ostseeprovinzen

Die Machtübernahme der Bolschewiki in Estland


Unter den geschilderten Bedingungen – Näherrücken der Front, Streiks, Versorgungsengpäs-
se – blieb es nicht aus, dass sich der Petrograder Trend der Bolschewisierung der Sowjets auch
in Estland abzeichnete. Zugleich kristallisierte sich eine bemerkenswerte Spaltung der sozialis-
tischen Gruppierungen im Gouvernement bezüglich der Zukunft des Landes heraus. Nicht nur
im Maapäev, sondern ganz allgemein sprach sich von manchen estnischen Sozialrevolutionären
und den estnischen Sozialdemokraten (Menschewiki) bis hin zum Bauernbund das gesamte po-
litische Spektrum jenseits der Bolschewiki für eine breite Autonomie im Rahmen einer demo-
kratischen russländischen Föderation aus. Denselben Standpunkt vertrat auch der 1. Estnische
Soldatenkongress im Juni 1917. Dabei galt den meisten die russländische Verfassunggebende
Versammlung, mithin das politische Ziel der Februarrevolution, als das entscheidende Organ,
welches über die Zukunft zu beschließen habe – einschließlich der Optionen für die nicht-russi-
schen Regionen.29
Einzig die Bolschewiki entzogen sich dieser Zielvorstellung der estnischen nationalen Revolu-
tion, indem sie rhetorisch versuchten, deren Ideen als klassengebunden im Interesse der estni-
schen Bourgeoisie darzustellen. Allein diese Argumentation legte bereits ein Zeugnis von der
Virulenz der nationalen Idee ab, selbst wenn die Partei das Thema ansonsten ostentativ igno-
rierte. Allerdings konnten die Bolschewiki ihre Popularität gerade auch unter estnischen Arbei-
tern steigern – die Sowjets, wie gesagt, bolschewisierten sich. Zugleich aber wurde das radikale
Potenzial der Soldaten wenigstens zum Teil durch den von der Provisorischen Regierung seit
dem Frühjahr 1917 unterstützten Aufbau nationaler Einheiten für die Parteien der nationalen
Demokratie absorbiert. Auch in diesen Einheiten gab es – meist jedoch aufgrund der verbreiteten
Friedenssehnsucht, nicht unbedingt wegen der revolutionären Rhetorik – zahlreiche Anhänger
der Bolschewiki.30
Im Lichte der genannten Diskrepanz innerhalb des sozialistischen Lagers hinsichtlich der Zu-
kunft des Landes – und natürlich auch des Reichs – lassen sich die bereits angeführten Ergeb-
nisse der Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung noch etwas genauer analysieren. Zwar
erhielten die revolutionären Parteien um die 70 %; doch entfielen über 50 % der Stimmen auf die
Estnische Arbeitspartei, die estnischen Sozialdemokraten, den Demokratischen Block sowie die
Radikaldemokraten, welche für eine weitgehende Autonomie innerhalb einer demokratischen
Föderation eintraten – und somit das weiterhin vorhandene Potenzial für die Ideen der Febru-
arrevolution verdeutlichten. Die Sozialrevolutionäre (knapp 6 %) und die mit Abstand stärkste
Partei – die Bolschewiki (knapp 40 %) – stellten demgegenüber die „internationalistische“ revo-

29 Mati Graf: Eesti rahvusriik. Ideed ja lahendused. Ärkamisajast Eesti Vabariigi sünnini. Tallinn 1993, S. 138–141;
nd [ Johan Juhtund]: Eesti sõjaväeliste kongress. In: Päevaleht vom 23. Juni 1917.
30 Ago Pajur: Die estnischen Militäreinheiten 1917–1918 In: Forschungen zur baltischen Geschichte 10 (2015),
S. 136–162, hier S. 152.

127
Karsten Brüggemann

lutionäre Aktion vor die nationale Autonomie,31 wobei die Sozialrevolutionäre bald darauf aus-
scherten und eine estnische autonome „Arbeitsrepublik“ propagierten.32
Bekanntlich hatten zum Zeitpunkt dieser Wahl die Bolschewiki die Macht in Petrograd bereits
übernommen. In deren Fahrwasser war dies auch den estnischen Bolschewiki in Tallinn gelun-
gen. Die heranrückende Front hatte die Rufe nach Frieden immer lauter werden lassen, wozu
auch Gerüchte beitrugen, die Fabriken würden bald ins Innere Russlands evakuiert werden;
zugleich dominierten die Bolschewiki den Tallinner Sowjet. Ein Militärrevolutionäres Komitee
nach Petrograder Vorbild wurde am 23. Oktober (5. November) gebildet, das nach und nach
die Kontrolle in der Stadt übernahm und am 27. Oktober (9. November) Poska entmachtete. Es
ist typisch für diese förmliche Machtübernahme, dass Poska darauf bestand, eine Art Protokoll
darüber anzufertigen, das im Namen des Militärrevolutionären Komitees von Viktor Kingissepp
(1888–1922) unterzeichnet wurde; hierdurch bestätigte der estnische Revolutionär, dass die
Übernahme Resultat eines Staatsstreichs sei.33
Die späte sowjet-estnische Geschichtswissenschaft bezeichnete die Oktoberrevolution in Estland
als „stille Revolution“.34 Tatsächlich wurde nicht einmal die Doppelherrschaft von den Bolsche-
wiki sogleich beendet, denn der Maapäev bleib noch einige Tage unangetastet. Kurz vor seiner
angekündigten Auflösung gelang es ihm, sich am 15. (28.) November zum Träger der höchsten
Autorität in Estland zu erklären (und damit Estland zumindest de facto von Russland zu trennen);
erst am 20. November (3. Dezember) übernahm Jaan Anvelt (1884–1937) als Vorsitzender des
Exekutivkomitees des Tallinner Sowjets schließlich auch die Geschäfte des Maapäev.35 Damit
standen sich zwei institutionalisierte, gewählte Machtorgane mit ihren Ansprüchen diametral ge-
genüber, auf die sich die konkurrierenden Staatsbildungsversuche der kommenden Jahre – die
Republik Estland und die Estnische Arbeiterkommune – berufen konnten. Wie auch im Rahmen
des implodierenden Imperiums insgesamt lag in Estland ein Bürgerkrieg in der Luft.
Die Zeit der „roten“ Herrschaft in Estland sollte nicht von Dauer sein, dafür sorgten schon die
deutschen Truppen im Februar 1918. In den dreieinhalb Monaten ihrer Herrschaft kamen die
Bolschewiki über kleinere Reformen nicht hinaus. Sie führten aber Estnisch als Amtssprache
(mit Ausnahme der Armee) ein und setzten die Arbeiterkontrolle in den Fabriken durch. Zu-
gleich trafen sie in vielen Behörden auf passiven Widerstand, gerade auch außerhalb der Zentren.
Die Demokratisierung der Lokalverwaltung und der revolutionäre Enthusiasmus vieler Aktivis-
ten, die im Laufe des Jahres in die Administration eintraten, trugen das Erbe der Februarrevoluti-

31 Oliver Radkey: Russia Goes to the Polls: The Election to the All-Russian Constituent Assembly, 1917. Ithaca
1990, S. 35 f.; Graf, Eesti rahvusriik, S. 179–182; Arens, Riik, võim ja legitiimsus Eestis aastail 1917–1920, S. 76.
32 Gustav Suits: Eesti Tööwabariik. Eesti Sotsialistide-Rewolutsionääride Partei märgukiri Eesti iseseiswuse küsi-
muses. Tallinn 1918.
33 Eduard Laaman: Jaan Poska. Eesti riigitegelase elukäik. Tartu 1935, S. 94.
34 Aigar Vahemetsa: Sügis 1917 Tallinnas. Tallinn 1987. Auf dem Umschlag stehen die Worte „Die stille Revolution
siegt“ (Vaikne revolutsioon võidab).
35 Die Entscheidungen des Maapäev in: Saat (Hrsg.), Velikaja Oktjabr’skaja socialističeskaja revoljucija v Ėstonii,
S. 299 (Dok. 300), S. 307 (Dok. 313); Olavi Arens, The Estonian Maapäev during 1917. In: V. Stanley Vardys,
Romuald J. Misiunas (Hrsg.): The Baltic States in Peace and War 1917–1945. University Park 1978, S. 19–30, hier
S. 31; ders., Soviets in Estonia 1917/18, S. 308 f.

128
Die Revolutionen von 1917 in den russischen Ostseeprovinzen

on in die Anfangsjahre der Republik auch über die Monate der bolschewistischen Herrschaft und
der deutschen Besatzung von Februar bis November 1918 hinweg.
Wie zuvor schon in den litauischen Gebieten und in Kurland seit 1915 reduzierte die deutsche
Besatzung den direkten Einfluss der Bolschewiki vor Ort und schnitt Estland von den Entwick-
lungen in Russland ab. Neben den russischen Beamten zog sich auch die Armee aus Estland und
dem Norden Lettlands zurück, Fabriken wurden evakuiert und somit zahlreiche Anhänger der
Partei aus der Region abgezogen. Die Machtbasis der Sowjets erodierte vollends, zumal sie wäh-
rend ihrer kurzen Herrschaftszeit die Zahl ihrer Gegner eher vergrößert hatten – nicht zuletzt mit
ihren Ideen einer kollektivierten Landwirtschaft, stellte doch seit der Befreiung aus der Leibei-
genschaft 1816/19 der eigene Hof das romantisierte Ideal der estnischen Bauern dar.36
Bei den Wahlen zur Estnischen Verfassunggebenden Versammlung am 21./22. Januar, die die
Bolschewiki im November noch selbst gefordert hatten, wurde rasch klar, dass sie die parteiintern
anvisierte 50 %-Marke deutlich verfehlen und sogar unter 40 % fallen würden. Die Arbeitspartei,
die im Dezember 1917 als erste Partei offiziell beschlossen hatte, den Kurs in Richtung Unabhän-
gigkeit einzuschlagen, hatte die Bolschewiki in einigen ländlichen Regionen überholt. Die Wah-
len wurden daher unter dem bequemen Vorwand eines angeblichen deutschen Störungsversuchs
abgebrochen. Wie in Petrograd die Russische Konstituante war diese politische Zielvorstellung
der Februarrevolution somit auch in Tallinn unter bolschewistischem Druck gescheitert.37

Der Weg zum Nationalstaat


Die Regionalisierung des innerimperialen Konflikts, die schon die Erklärung des Maapäev vom
15. November 1917 angedeutet hatte, wurde durch die deutsche Besatzung weiter verstetigt. Das
bereits im Januar vom Ältestenrat des Maapäev bevollmächtigte „Estländische Rettungskomi-
tee“ erklärte das Land am 24. Februar in dem kurzen Machtvakuum zwischen dem Abzug der
Bolschewiki und dem Einmarsch der Deutschen für unabhängig.38 Zwar erkannten die neuen
Machthaber diese Erklärung nicht an und unterbanden jegliche unabhängige estnische politische
Arbeit;39 zugleich erreichten estnische Diplomaten im Ausland jedoch, dass der Maapäev – frei-
lich vor allem aus kriegstaktischen Gründen – von Großbritannien (3.5.), Frankreich (13.5.),
Italien (29.5.) und den USA (28.9.) zumindest de facto als höchste regionale Autorität anerkannt
wurde.40 Auch wenn diese Anerkennungen den einschränkenden Hinweis auf die Beschlüsse ei-

36 Karjahärm, Rosenberg, Eesti ajalugu V, S. 420 f.; Karsten Brüggemann: National and Social Revolution in the Em-
pire’s West: Estonian Independence and the Russian Civil War, 1917–1920. In: Sarah Badcock, Liudmila Noviko-
va, Aaron B. Retish (Hrsg.): Russia’s Home Front in War and Revolution, 1914–22. Book 1: Russia’s Revolution in
Regional Perspective. Bloomington 2015, S. 143–174, hier S. 149 f.
37 Raun, Estonia and the Estonians, S. 104; Graf, Eesti rahvusriik, S. 216–219; Arens, The Estonian Question at
Brest-Litovsk, S. 317, 327 (Anm. 2).
38 Zetterberg, Eesti ajalugu, S. 385 f.; Ago Pajur: Die Geburt des estnischen Unabhängigkeitsmanifests 1918. In:
Forschungen zur baltischen Geschichte 1 (2006), S. 136–163.
39 Zugleich sah die deutsche Einmischung in den Finnischen Bürgerkrieg Anfang 1918 Kooperation statt Okkupa-
tion vor.
40 Die Erklärungen in Maanõukogu protokollid. 1917–1919: 1. koosolekust 1. juulil 1917 78. koosolekuni 6 veeb-
ruaril 1919. Tallinn 1935, S. 294–296. Dass sich die alliierte Russlandpolitik damit ein erhebliches Dilemma be-
scherte, da keine der diversen russischen Exekutiven vor einem Beschluss der zukünftigen Konstituante auf die

129
Karsten Brüggemann

ner zukünftigen Friedenskonferenz enthielten, war dank ihrer aus einer innerrussischen Angele-
genheit eine Frage der internationalen Politik geworden.
Als am 11. November 1918 die Estnische Provisorische Regierung noch vor Abzug der deut-
schen Truppen zu ihrer ersten Sitzung zusammenkam, konnte sie sich auf eine nicht von der
Hand zu weisende innere und äußere politische Legitimation berufen. In ihrem ersten Aufruf,
dem „Manifest an die Völker Estlands“ vom 11. November, wurde diese Kontinuität betont; die
Hauptaufgabe des Maapäev werde die Einberufung einer Konstituierenden Versammlung auf der
Grundlage „allgemeiner, gleicher, direkter, geheimer und proportionaler Wahlen“ sein.41 Damit
entsprach die Regierung zum einen den Erwartungen der Siegermächte. Zum anderen blieb sie
den politischen Zielen der Februarrevolution treu, beschränkte deren Umsetzung aber auf Est-
land.42
Mit den aus dem imperialen Kontext des Jahres 1917 bekannten Slogans „Land“ und „Frieden“
siegten die Sozialdemokraten bei den Wahlen zur Verfassunggebenden Nationalversammlung im
April 1919. Diese Versprechen wurden mit einer radikalen Agrarreform im Oktober 1919 und
nach Abschluss des Unabhängigkeitskrieges gegen deutsche Freiwilligenverbände und die Rote
Armee im Frieden von Tartu im Februar 1920 erfüllt. Damit hatte sich eine soziale Revolution im
nationalen Rahmen vollzogen, auf die das Land heute mit Stolz zurückblickt. Ihre Wurzeln in der
imperialen russischen Februarrevolution werden indes häufig übersehen.

Küstenprovinzen zu verzichten gedachte, sei hier nur kurz angemerkt. Mehr dazu in Brüggemann, Die Gründung
der Republik Estland und das Ende des „Einen und Unteilbaren Russland“.
41 Ebd., S. 109; Ago Pajur: Die Übernahme Estlands von der deutschen Besatzungsmacht im November 1918. In:
Forschungen zur baltischen Geschichte 15 (2020), S. 142–168.
42 Einen Einblick in die Konstituierung der estnischen Demokratie im Winter 1918/19 bietet Karsten Brüggemann:
Estlands Weg zum Staat in Revolution und Krieg: Die Einhegung der Gewalträume. In: Jan Kusber (Hrsg.): Wege
aus dem Krieg. Frieden und Friedensschlüsse in und zwischen den Staaten Nordosteuropas nach dem Ersten
Weltkrieg. Frankfurt 2021 (im Druck).

130
Alexander Vatlin

Der Oktoberumsturz 1917 in Petrograd und seine Bewertung


in Deutschland

Die Russische Revolution von 1917 konterkarierte den hergebrachten Lauf der Dinge und wurde
zum Vorboten einer neuen Epoche nicht nur in der nationalen, sondern auch in der europäischen
Geschichte. Allerdings stand sie in der ersten Zeit im Schatten des Ersten Weltkriegs. Ausländi-
sche Beobachter sahen in dem Zusammenbruch der Autokratie vor allem eine Folge der Nieder-
lagen an der Front, der Unfähigkeit der Zarenregierung, die Wirtschaft des Landes auf Kriegsbe-
trieb umzustellen und der Weigerung der russischen Gesellschaft, die Legitimität des morschen
Regimes anzuerkennen. „Das Große zeigt sich aus der Ferne“, schrieb einmal Sergej Esenin. Das
gesamte Ausmaß der politischen, geschweige denn der sozialen Veränderungen, die von der Re-
volution begonnen worden waren, konnten sich 1917 noch nicht einmal ihre Schöpfer vorstellen.
Sowohl die Verbündeten Russlands in der Entente als auch sein Hauptgegner – Deutschland,
stellten sich nach dem Februar 1917 vor allem die praktische Frage, ob das neue Russland aus
dem Weltkrieg austreten würde oder nicht. Darauf war auch ihre Russlandpolitik aufgebaut, die
sich im Großen und Ganzen auf eine operative Reaktion beschränkte, ohne eine eigene Strategie
zu entwerfen. Die Verbündeten versprachen eine Ausweitung der materiellen Hilfe und sandten
der Provisorischen Regierung Unterstützungstelegramme. Deutschland setzte auf den Rückhalt
der Gegner Russlands aus dem Lager der Linksradikalen und der nationalen Bewegungen. Aber
je unumkehrbarer der Revolutionsprozess in Russland wurde, desto weiter entfernte sich die
Analyse seiner tieferliegenden Gründe und langfristigen Perspektiven in den europäischen Län-
dern von der Dominanz militärischer Erwägungen.
Die Einsicht, dass es um sehr viel mehr ging als um den Austritt oder Nichtaustritt Russlands aus
dem Weltkrieg, stellte sich im Herbst 1917 ein. Der Zerfall der staatlichen Institutionen in Petro-
grad und vor Ort, die Fronde der nationalen Randgebiete des Russischen Reiches, der Rückgang
der Produktion und die spontane Demobilisierung der Armee, sowie schließlich die Lebensmit-
telkrise – all dies machte die Hoffnung westlicher Sozialisten und Liberaler zunichte, Russland
könne den Weg der europäischen demokratischen Entwicklung beschreiten. Ein erschütternder
„Moment der Wahrheit“ für die Zeitgenossen war die Machtergreifung durch die Partei der Bol-
schewiki. Die Provisorische Regierung Kerenskijs versah sie mit dem Etikett „deutsche Spione“,
was die ausländischen Reaktionen auf die Bildung der Regierung der Volkskommissare in Russ-
land polarisierte.
Diese Art der Polarisierung lässt sich deutlich am Beispiel Deutschlands verfolgen. Für dessen
herrschende Kreise war die neue Phase der Russischen Revolution damit verbunden, dass man
mit dem Abschluss eines Separatfriedens im Osten rechnete. Die bürgerlich-liberalen Parteien
und die gemäßigten Sozialisten fürchteten eine „Bolschewismus-Epidemie“, der weder die Schüt-
zengräben an der Front noch Staatsgrenzen Einhalt gebieten könnten. Ein beliebtes Bild des Neu-
en Russland im Milieu der schöpferischen Intelligenz war die „zweite große Völkerwanderung“,

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 131–141


[Link] 131
Alexander Vatlin

die diesmal die ganze Welt erfassen und nicht nur eine geografische, sondern auch eine soziale
sein werde. Schließlich erblickte eine kleine Gruppe deutscher Gesinnungsgenossen der Lenin-
partei das „Licht aus dem Osten“, das sich in nicht allzu ferner Zukunft auch auf das eigene Land
ausbreiten werde.
Es gibt eine umfangreiche wissenschaftliche Literatur zur Reaktion dieser oder jener Fraktion der
deutschen politischen Klasse auf den Sieg der Bolschewiki – von Regierungsvertreten und militä-
rischen Kreisen, Führern der parlamentarischen Parteien, aber auch von maßgeblichen Experten
und Journalisten.1 Dieses Thema ist auch in der aktuellen deutschen Geschichtsschreibung äu-
ßerst beliebt und liegt im Trend der „soziokulturellen Wende“, die ihr Hauptaugenmerk auf den
mentalen Subtext richtet, der der einen oder anderen politischen Entscheidung zugrunde liegt.
Die Frage, welche Rolle die Wahrnehmung der Russischen Revolution in Deutschland gespielt
hatte, war eines der Schlüsselthemen des „Historikerstreits“ in der Bundesrepublik Deutschland
1986.2 Während Ernst Nolte, der die Diskussion über die „Singularität“ der Naziverbrechen
angestoßen hatte, in der Reaktion des deutschen Bürgertums auf die Ereignisse in Russland die
„große Angst“ erblickte, die letztlich zur Herrschaft Hitlers führte,3 so vermeiden linke Historiker
eine Eindimensionalität und direkte Beschuldigung der Architekten der revolutionären Diktatur.
„Der Bolschewismus weckte sicherlich Furcht, aber ebenso eine spekulative Neugierde [in der
deutschen Gesellschaft, A. V.]. Was in Rußland passierte, sprengte ja alle hergebrachten Maßstä-
be. Und dem entsprach die Spannbreite der Interpretationen.“4
Ohne den Anspruch, das gesamte Spektrum dieser Interpretationen zu erfassen, versucht der
Autor in diesem Artikel, die allererste, unmittelbare Reaktion der deutschen Politiker auf den
Oktoberumsturz in Petrograd zu systematisieren – eine Reaktion, die sich in vielerlei Hinsicht
auf die Stereotype ihrer traditionellen Wahrnehmung Russlands und der Russen stützt. Um am
Schluss eine „Momentaufnahme“ zu erhalten, erscheint es sinnvoll, den Untersuchungszeitraum
auf die Unterzeichnung des Friedensvertrags von Brest-Litovsk zu begrenzen. Im Rahmen des
am 3. März 1918 geschlossenen Vertrags stellten beide Länder ihre diplomatischen Beziehungen
wieder her, wodurch der Informationsfluss über die Ereignisse in Sowjetrussland, der Berlin er-
reichte, um ein Vielfaches anstieg. Deutschland seinerseits wurde ab dem Frühjahr 1918 für die
Lenin-Regierung zum wichtigsten „Fenster nach Europa“, auch wenn dieses mit dem Filter der
Kriegszensur und der Polizeibespitzelung versehen war.
Während in den Ländern der Entente die Festigung der Macht der Bolschewiki in Petrograd kon-
spirologisch als Sieg prodeutscher Kräfte, die sich hinter dem Spruch „Frieden um jeden Preis“
versteckten, aufgenommen wurde, war die Reaktion in der deutschen Militärführung direkt ent-

1 Siehe Gerd Koenen: Blick nach Osten. Versuch einer Gesamt-Bibliographie der deutschsprachigen Literatur über
Russland und den Bolschewismus 1917–1924. In: Gerd Koenen, Lew Kopelew (Hrsg.): Deutschland und die Rus-
sische Revolution. 1917–1924. München 1998, S. 827 [= West-östliche Spiegelungen. Reihe A, Bd. 5]
2 Gerrit Dworok: „Historikerstreit“ und Nationswerdung. Ursprung und Deutung eines bundesrepublikanischen
Konflikts. Köln 2015.
3 Ernst Nolte: Der europäische Bürgerkrieg 1917–1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus. München 1987.
4 Lew Kopelew, Gerd Koenen: Verlorene Kriege, gewonnene Einsichten. Rückblick vom Ende eines Zeitalters. Ein
Gespräch. In: Dies. (Hrsg.), Deutschland und die Russische Revolution, S. 20.

132
Der Oktoberumsturz 1917 in Petrograd und seine Bewertung in Deutschland

gegengesetzt. Eine neue Welle spontaner Verbrüderungen an der Ostfront und der Vorschlag des
Rates der Volkskommissare, unverzüglich einen Waffenstillstand zu unterzeichnen und Friedens-
verhandlungen aufzunehmen, wurden als Anerkenntnis der eigenen Niederlage durch Russland
ausgelegt. In seinem Interview mit der Zeitung „Freie Presse“ vom 19. November 1917 erklärte
General Ludendorff, die Machtergreifung der Bolschewiki sei nicht bloß Zufall, sondern das ge-
setzmäßige Ergebnis unserer Politik der vorangegangenen Jahre. Der Historiker Juri Felschtinski
legt diesen Satz als Anspielung darauf aus, dass hinter dem bolschewistischen Umsturz die Zer-
setzungsarbeit und Finanzspritzen Deutschlands gestanden hätten.5
Der Traum der deutschen Expansionisten von einem „Europa der Mitte“ unter ihrer Kontrolle
und der Verwandlung des Nachbarn im Osten in einen stummen Vasallen schien sich zu erfül-
len. Einer der Führer der rechten Nationalliberalen Partei Deutschlands, Axel Ripke, erklärte am
7. Dezember 1917: „Die russische Demokratie kann nur dann ihre friedliche Tätigkeit aufneh-
men, wenn der deutsche Militarismus seine siegbringende Arbeit beendet hat.“6 Der Vertreter des
Außenministeriums im Hauptquartier der Obersten Heeresleitung teilte am 25. November mit,
dass nach Meinung der Militärführung „sich die Situation in einem für uns günstigen Sinne ent-
wickelt, die Hoffnungen auf einen Frieden um jeden Preis steigen […]. Die Zahl der Ersuchen
um einen Waffenstillstand erhöht sich […]. Lenin ist es gelungen, die Front unter seine Kontrol-
le zu bringen. Das Hauptquartier hält es für äußerst wünschenswert, der Lenin-Regierung Geld
zu senden.“7
Um bei den Lesern nicht einmal den Gedanken an eine mögliche Wiederholung der russischen
Ereignisse in Deutschland aufkommen zu lassen, machte sich die amtliche Presse des Landes
mit verdoppelter Energie daran, sich eines der wichtigsten Postulate der Kriegspropaganda der
vorangegangenen Jahre zunutze zu machen: Russland sei ein asiatisches Land, und jegliche Ver-
suche, es auf den Weg der europäischen Entwicklung zu bringen, seien zum Scheitern verurteilt.
Die Machtergreifung der Bolschewiki wurde nicht als Ausweitung der Revolution interpretiert,
sondern als ihr ruhmloser Abschluss, als Auflösung im „asiatischen Chaos“, aus dem es nur ei-
nen Ausweg gebe – eine „Zwangsverwaltung“, die in Wirklichkeit eine ausländische Besatzung
bedeutete.
Für das Massenbewusstsein der Deutschen, das sich in drei Kriegsjahren an die Vorstellung vom
wilden und unregierbaren Russland gewöhnt hatte und diese im Laufe von sechs Monaten der
Revolution mit Bildern revolutionärer Orgien und eines Staatszusammenbruchs komplettiert
hatte, war hier nichts Neues. Das Land löste sich von seinen historischen Wurzeln, es wurde von
Putschen und Umstürzen erschüttert, wankte einmal nach links, einmal nach rechts. Nicht zufäl-
lig zogen die Zeitungen Parallelen sowohl zur Pariser Kommune, als auch zu General Cavaignac
und zu Auguste Blanqui.

5 Ju. Fe’lštinskij (red.): Germanija i revoljucija v Rossii. 1915–1918. Sbornik dokumentov. Moskva 2013, S. 12.
6 Zit. nach: H. Bertsch, M. Weißbecker: Die bürgerlichen Parteien in Deutschland und die Große Sozialistische Ok-
toberrevolution. In: A. Anderle, Klaus Mammach u. a. (Hrsg.): Die Große Sozialistische Oktoberrevolution und
Deutschland. Bd. 1. Berlin (DDR) 1967, S. 216.
7 Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes (künftig: PA AA), R 10085.

133
Alexander Vatlin

Das, was bei der ersten Annäherung wie eine „weitere Umwälzung“ in einer Kette revolutionä-
rer Ereignisse ausgesehen hatte,8 wurde nach Ablauf der ersten Wochen als wesentlich schwer-
wiegender wahrgenommen. An die Macht in einem zerstörten Land kam eine Partei, die mit
härtesten Maßnahmen begann, die Willkür der revolutionären Volksmenge zu bekämpfen und
gleichzeitig die Versprechen ihrer Vorgänger zu erfüllen, die ruhmlos von der historischen Bühne
abgetreten waren. „Ein allgemeines Streben nach Frieden, sofort und um jeden Preis“ – das war
der stärkste Eindruck des französischen Offiziers Jacques Sadoul, der Anfang Oktober 1917 in
Petrograd eintraf. In seinem ersten Brief in die Heimat hob er hervor: Alle Russen wollen Frieden,
können ihn aber nicht organisieren.9 Buchstäblich zwei Wochen später hatte sich ein derartiger
Organisator gefunden. Die Bolschewiki festigten ihren Machtantritt mit dem berühmten „Dekret
über den Frieden“, wobei sie sich für den Austritt aus dem Krieg nach dem Prinzip „um jeden
Preis“ entschieden und die Hoffnungen der in Soldatenmäntel gehüllten sozialen Unterschich-
ten über jegliche geopolitischen Erwägungen und Bündnisvereinbarungen stellten. Das Dekret
wandte sich nicht nur an die Russen, sondern auch an die „an die klassenbewussten Arbeiter
der drei fortgeschrittensten Nationen der Menschheit und der größten am gegenwärtigen Kriege
beteiligten Staaten: Englands, Frankreichs und Deutschlands“.10 Sie sollten die Regierungen ihrer
Länder zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Für das deutsche Oberkommando
klangen diese Worte wie himmlisches Manna.
Mit ihrer Reaktion waren die deutschen Generäle nicht allein. Auch die Diplomaten betrachteten
den Oktoberumsturz als Ereignis, das zu einer Wende im Verlauf des Weltkriegs führen könne.
Der Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Schweden, Kurt Riezler, trug in sein Tagebuch am 14.
Januar 1918 ein: „Lenin ist in Russland tatsächlich zur Herrschaft gekommen – das ist ein weite-
res Wunder zu unserer Rettung.“11 In Berlin glaubte man im ersten Moment gar nicht an die Echt-
heit des Dekrets über den Frieden. Auf den Sitzungen im Außenministerium wurde die Frage
diskutiert, ob die Veröffentlichung nicht ein raffinierter Zug der englischen Propaganda sei, um
die „Regierung der Maximalisten“, wie sie die Bolschewiki nannten, in Misskredit zu bringen.12
Erst am 3. Dezember 1917, also fast einen Monat nach dem Umsturz in Petrograd, hielt Richard
Kühlmann, der Staatsekretär des Äußeren, Kaiser Wilhelm einen Vortrag darüber, welche Politik
gegenüber Sowjetrussland betrieben werden sollte. Die Ausgangsthese war eine Art Variation
über das Thema des „schwachen Gliedes“, nur im Unterschied zu Lenin ging es hier nicht um
die „Kette des Imperialismus“, sondern um die Entente.13 Die Bolschewiki seien zum Werkzeug
der Zerstörung der den Mittelmächten gegenüberstehenden Koalition geworden. Der Leiter der
diplomatischen Behörde stellte eine Übereinstimmung der Interessen mit den Gegnern von ges-
tern fest. Sie brauchten „zur Befestigung ihrer eigenen Stellung den Frieden; und auf der ande-

8 Vorwärts vom 11. Nov. 1917.


9 Ž. Sadul’ [ Jacques Sadoul]: Zapiski o bol’ševistskoj revoljucii (oktjabr’ 1917 – janvar’ 1919). Moskva 1990, S. 19.
10 Institut Marksizma-Leninizma pri CK KPSS (Hrsg.): Dekrety Sovetskoj vlasti. T. I. Moskva 1957, S. 15 f.
11 Kurt Riezler: Tagebücher, Aufsätze, Dokumente. Hrsg. von Karl D. Erdmann. Göttingen 2008, S. 454.
12 PA AA, R 10085.
13 „Als schwächstes Glied in der feindlichen Kette erschien der russische Ring; es galt daher, ihn allmählich zu lock-
ern und wenn möglich herauszulösen.“ Zit. nach: Gerd Koenen: Der Rußland-Komplex. Die Deutschen und der
Osten 1900–1945. München 2005, S. 130.

134
Der Oktoberumsturz 1917 in Petrograd und seine Bewertung in Deutschland

ren Seite haben wir alles Interesse daran, ihre vielleicht nur kurze Regierungszeit auszunutzen,
um zunächst zu einem Waffenstillstand, sodann wenn möglich auch zum Frieden zu gelangen.
Der Abschluss eines Separatfriedens würde die Verwirklichung des erstrebten Kriegszieles, den
Bruch Russlands mit seinen Verbündeten, bedeuten.“14 Vorauseilend kann gesagt werden, dass
diese Zielvorstellung von der deutschen Diplomatie bei den Verhandlungen in Brest vollständig
erreicht wurde.
Ab Anfang 1918 wurde die Fixierung der deutschen öffentlichen Meinung auf die Anbahnung
eines Friedensvertrags immer mehr durch das Interesse an den Grundzügen des neuen Regimes
ergänzt, das sich in Russland etabliert hatte. Die proletarische Diktatur mit ihren außerordent-
lichen Maßnahmen gegen die „Bonzen und Saboteure“, die Einführung der Arbeiterkontrolle,
also die Entfernung der Unternehmer von der Verwaltung des Eigentums, und schließlich die
Verstaatlichung der Banken (5. Dezember 1917) ließen keinerlei Zweifel: In Russland hatte eine
Sozialrevolution nach den Rezepten der in Deutschland geborenen marxistischen Ideologie be-
gonnen, das bedeutete, die Erklärung im Sinne der „asiatischen Unkultur“, des „Aufstands des
Sklavengeists“ und des anderweitigen Existenzialismus funktionierte nicht mehr.
Unter diesen Bedingungen erlangte die Bewertung der revolutionären Diktatur in Russland be-
sondere Bedeutung für die ideellen Mistreiter – die sozialistische Arbeiterbewegung Deutsch-
lands, die in der Zweiten Internationale als „vorbildlich“ galt. Ausgehend von pragmatischen
Überlegungen begrüßten die Sozialdemokraten in der ersten Zeit die Machtergreifung der Bol-
schewiki, denn sie versprach ein schnelles Ende des Krieges im Osten. Am 5. Dezember 1917
schrieb die Zeitung der SPD „Vorwärts“, dass die „maximalistische Regierung Ordnung im Lande
schafft“, die durch die politischen Stänkereien der vorhergegangenen Monate zerstört worden
sei, wobei sie dies im Interesse des russischen Proletariats tue. Ideologische Differenzen wurden
ausgeklammert, die Frage der Anwendbarkeit der russischen Erfahrungen auf Deutschland stell-
te sich nicht.15
Die linken Sozialisten untersuchten die Erfahrungen der Russischen Revolution und konzen-
trierten sich darauf, was sie in die Praxis des politischen Kampfes des Proletariats eingebracht
hatte, und dies vor allem anhand des Problems der Arbeiterräte. Ihr positiv-teilnahmsvolles Ver-
hältnis zur Sowjetmacht hielt nicht lange vor, Katalysator der kritischen Bewertung wurde die
Auflösung der Konstituierenden Versammlung in Petrograd durch die Bolschewiki. Karl Kautsky
und nach ihm auch andere Ideologen der USPD – einer Partei der „Unabhängigen“ – kam zu dem
Schluss, dass es in Russland nicht um die Diktatur des Proletariats als aufstrebende Klasse ging,
sondern um die ungeteilte Macht einer einzigen Partei, die in ihrer Politik die Praktiken und Me-
thoden der zaristischen Autokratie reproduziere. Ein anderer bekannter Theoretiker der USPD,
Rudolf Hilferding, nahm die Regierung der Arbeiter- und Bauernräte in Russland ernst und ver-
band das Entstehen dieser Regierungsform damit, dass die proletarische Bevölkerungsschicht
in diesem Land verschwindend gering war. Deutschland jedoch, mit seiner Sozialstruktur einer

14 Ebd.
15 Jürgen Zarusky: Vom Zarismus zum Bolschewismus. Die deutsche Sozialdemokratie und der „asiatische Despot-
ismus“. In: Koenen, Kopelew (Hrsg.), Deutschland und die Russische Revolution, S. 112

135
Alexander Vatlin

Industriegesellschaft, würde dem Kapitalismus mit Hilfe der bestehenden parlamentarischen


Machtorgane ein Ende setzen, meinte Hilferding.16
Die Führer der radikalen Sozialisten – der Spartakusbund, der den Bolschewiki ideologisch nahe
stand und daher in den Jahren des Ersten Weltkriegs mehr als andere Arbeiterorganisationen
polizeilichen Verfolgungen ausgesetzt war – sahen im Oktober-Umsturz die Entfaltung und Aus-
weitung der im Februar begonnenen Prozesse. Gleichzeitig versuchten Rosa Luxemburg (die
sich im Gefängnis befand) und ihre Mitstreiter, eine kritische Haltung zur Politik der Bolsche-
wiki herauszuarbeiten, deren Schlüsselelemente die Frage des Separatfriedens und des „roten
Terrors“ waren.17
Die im Januar 1918 erschienenen Flugblätter des Spartakusbunds hoben neben den sozialen Zie-
len der neuen Etappe der Revolution den kompromisslosen Pazifismus der Bolschewiki und ihre
Bereitschaft hervor, den Forderungen der werktätigen Massen entgegenzukommen. „[Die russi-
schen Proletarier] kämpfen jetzt […], auf das Bauerntum gestützt, um die Aufrechterhaltung und
Befestigung ihrer soeben erlangten Herrschaft im Staat. Das Ziel das sie dabei verfolgen, ist eine
doppeltes: Ein Ende mit dem Völkermord, ein Anfang mit der Verwirklichung des Sozialismus.“18
Nur grundlegende soziale Veränderungen, so Rosa Luxemburg und ihre Mitstreiter, könnten Ga-
rantien gegen Kriege sein, die Anfang des 20. Jahrhunderts zum Werkzeug der Zerstörung der
menschlichen Zivilisation geworden seien – von ihrem materiellen Fundament bis zum System
der moralischen Werte.
Der äußere Hauptfeind der russischen Proletarier war nach Meinung der „Spartakisten“ der
deutsche Imperialismus. Der Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen in Brest dürfe die deut-
schen Arbeiter nicht in die Irre führen – „Die Bestie ändert nie ihre Natur“. Anders als Lenin, dem
die Unvermeidlichkeit eines Separatfriedens bewusst war (auch wenn dieser in der ersten Zeit auf
scharfen Widerstand seiner engsten Mitstreiter stieß), traten die deutschen Linkssozialisten für
die Formel eines „allgemeinen Friedens“ ein und verstanden darunter den Sturz der Hohenzol-
lernmonarchie. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten die deutschen Arbeiter nach dem Vorbild der
Russischen Revolution Räte einrichten, die auch einen allgemeinen politischen Streik anführen
sollten. Sie standen vor der Alternative: „Entweder muss die Regierung untergehen, oder das
deutsche Volk ist unabwendbar dem Untergange geweiht! […] Nur die Volksrevolution und die
Volksrepublik in Deutschland würden imstande sein, den allgemeinen Frieden in kürzester Frist
herbeizuführen.“19
Auch wenn die Flugblätter des Spartakusbunds die meisten deutschen Arbeiter nicht erreichten,
die Nachrichten über die Russische Revolution weckten ihre soziale Aktivität, die ihren Aus-
druck in der Losung fand: „Machen wir es wie in Russland!“. Das „Büro für Sozialpolitik“ der
Regierung, das die Stimmungen im Arbeitermilieu verfolgte, teilte schon am 11. November 1917
mit: „Der Erfolg der Bolschewiki hat bei vielen deutschen Arbeitern die Frage geweckt: ist der

16 William Smaldone: Rudolf Hilferding. Tragödie eines deutschen Sozialdemokraten. Bonn 2000, S. 94.
17 Der Rußland-Komplex, S. 191
18 Ernst Meyer (Hrsg.): Spartakus im Kriege. Die illegalen Flugblätter des Spartakusbundes im Kriege. Berlin 1927,
S. 179.
19 Da zdravstvuet vseobščaja zabastovka! Na bor’bu! In: Ebd., S. 187.

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Der Oktoberumsturz 1917 in Petrograd und seine Bewertung in Deutschland

russische Weg nicht auch für uns richtiger als der der politischen und gewerkschaftlichen Klein-
arbeit ohne große Gesichtspunkte und ohne das greifbare Erlebnis unmittelbarer grundstürzen-
der Neugestaltung?“20 Den Übergang vom Wort zur Tat symbolisierten die Massenstreiks in
Berlin im Januar 1918, an denen sich bis zu einer halben Million Menschen beteiligte. Ohne
zuverlässige Informationen über den Verlauf der Revolution in Russland nahmen die Arbeiter sie
als Katalysator wahr, der erforderlich war, um sich von dem untertänigen Geist zu lösen, der den
Deutschen von ihrer historischen Tradition aufgezwungen wurde.
Die hungrigen Massen waren gegen Ende des Weltkriegs vom Virus der Gleichgültigkeit infi-
ziert, sie hatten ihren Glauben an den Sieg verloren, jammert in seinen Memoiren Feldmarschall
Hindenburg.21 Sein engster Mitstreiter, General Ludendorff, machte die Zivilbehörden dafür ver-
antwortlich, dass sie nicht mit eiserner Hand gegen die Arbeiteraufstände vorgegangen waren.
Er schrieb, dass 1917 Reichskanzler Bethmann Hollweg und der österreichische Außenminister
Graf Czernin „ganz unter dem Einfluss der russischen Revolution standen. Beide befürchteten
Gleiches für ihre Länder.“ 22 „Die Führer der Arbeiterbewegung und die Hauptorgane der sozi-
alistischen Presse, die später den Bolschewismus bekämpften, sahen in ihm noch immer keine
besondere Gefahr“,23 betonte Ludendorff in seinen Memoiren, „der „vergaß“, dass er selbst im
Frühjahr 1917 das Einverständnis zur Beförderung Lenins durch deutsches Territorium gegeben
hatte.
Äußerst unterschiedlich waren auch die Bewertungen der Losungen und Aktivitäten der
Bolschewiki, die auf das Herannahen der proletarischen Revolution gerichtet waren. Sowohl vor,
als auch nach dem Machtantritt erklärte Lenin, die Russische Revolution sei nicht so sehr eine
nationale, als vielmehr eine internationale Erscheinung. Sie solle den imperialistischen Krieg in
einen Bürgerkrieg verwandeln, d. h., in die entscheidende Konfrontation des europäischen Prole-
tariats mit der Bourgeoisie, die den sozialistischen Veränderungen den Weg auf der ganzen Welt
ebnen würde. Obgleich Russland sich an der Peripherie Europas befand und von den führenden
Ländern durch die Frontlinie getrennt war, fand diese Propaganda doch ein lebhaftes Echo bei
den werktätigen Massen. „Der Internationalismus war am Ende des Ersten Weltkriegs eines der
eingängigsten Ideologeme der Bolschewiki, das in der Lange war (wenn auch in einer stark ver-
einfachten Form), selbst Soldaten aus der ungebildeten Bauernschaft zu politisieren.“24
Das Versprechen der neuen Staatsgewalt Russlands, „einen Weltenbrand zu entfachen“, wurde
von der deutschen liberalen Presse und der Öffentlichkeit als direkte Bedrohung der Werte der
westlichen Zivilisation aufgefasst. Gleichzeitig mussten die Politiker und Publizisten anerken-
nen, dass die Lenin’sche Auslegung die marxistische Ideologie erneuerte und das passive Warten
auf die Umsetzung der ehernen Gesetze der Geschichte durch einen revolutionären Aktivismus
ersetzte. In ihren Äußerungen drangen sogar Anklänge des Neids gegenüber dem „uferlosen rus-

20 Günter Rosenfeld: Sowjetrussland und Deutschland 1917–1922. Berlin 1960, S. 9.


21 Gindenburg P. f. Iz moej žizni. Moskva 2013, S. 240 f.
22 Ljudendorf Ė. Moi vospominanija o vojne 1914–1918 gg. Moskva 2016, S. 391.
23 Ebd., S. 494.
24 Gleb Al’bert: „Mirovaja revoljucija – prelestnaja vešč’.“ Internacionalizm bol’ševistskich aktivistov pervych let sov-
etskoj vlasti. In: Bulletin des Deutschen Historischen Instituts Moskau 2012, Nr. 6, S. 23.

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Alexander Vatlin

sischen Idealismus“ durch, der um ein Vielfaches größer sei als unser „enges und kleines westeu-
ropäisches Leben“.25
Besondere Angst vor dem „Weltbolschewismus“ und dessen möglicher Ausbreitung nach
Deutschland hatte man im Berliner Auswärtigen Amt Anfang 1918 nicht. Die Diplomaten be-
trachteten die Ereignisse in Russland in der Tradition der Realpolitik als isolierte Erscheinung,
als ein Ergebnis des Zusammenbruchs der morschen Staatsmaschinerie und gleichzeitig als sinn-
entleerten Aufstand der russischen Seele, den es auszunutzen galt. Ganz anders als die militä-
rischen Kreise, die im Falle der Nichterfüllung der deutschen Ultimaten auf einer Wiederauf-
nahme der Kampfhandlungen bestanden, 26 traten die Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes für
den Aufbau von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit Sowjetrussland ein, um das Land in
den deutschen Einflussbereich zu ziehen. Diese Position der diplomatischen Behörde blieb mit
geringfügigen Veränderungen bis Ende 1918 erhalten. 27
Die Verhandlungen über den Abschluss eines Friedensvertrags ermöglichten es Vertretern der
deutschen Regierungskreise, die Lage in Russland mit eigenen Augen zu sehen. Zum Jahres-
wechsel 1917/1918 reiste eine Regierungsdelegation nach Petrograd zur Mitwirkung an einer
gemischten Kommission für Gefangenenaustausch und Wiederaufnahme des Post- und Eisen-
bahnverkehrs. Ihr Leiter, Graf Wilhelm Mirbach, bemerkte in seinen Berichten, dass sich nach
Meinung der in der russischen Hauptstadt verbliebenen Diplomaten neutraler Länder die Bol-
schewiki nicht lange an der Macht halten würden. Früher oder später „wird die Bevölkerung se-
hen, dass Trotzki und Lenin ihr kein Brot herbeizaubern, […] und hebt neue Führer auf den
Schild“. 28 Die Mitglieder der Delegation glaubten nicht, dass die Behörden Sowjetrusslands in
kürzester Zeit eine kampffähige Armee wiederaufbauen könnten. Bereits nach der Unterzeich-
nung des Friedens von Brest-Litovsk führten deutsche Offiziere in den vordersten Einheiten der
alten russischen Armee eine Massenumfrage durch, die zeigte, dass die überwiegende Mehrheit
der Soldaten die Front verlassen wollte. Von 18.847 Befragten wollten 87 % in ihre Dörfer zu-
rückkehren, 11,3 % in großen Städten bleiben und nur 1,7 % waren bereit, den Dienst in der Ar-
mee fortzusetzen.29
Allerdings war der katastrophale Zustand der Armee auch ohne soziologische Umfragen offen-
sichtlich. Die revolutionären Ultimaten der sowjetischen Delegation während der Verhandlun-
gen in Brest heizten die Gier des kaiserlichen Militärs nur an, das die Teilung des geopolitischen
„Niemandslands“ zwischen Weichsel und Wolga in Angriff genommen hatte. Die deutschen Mi-

25 Aus dem Vortrag des Literaten Arthur Luther „Die geistige und politische Vorstellungswelt der Bolschewiki“,
gehalten in Berlin im Juni 1918. Zit. nach: Koenen, Der Rußland-Komplex, S. 142.
26 Siehe Bericht des Mitglieds der Mirbach-Delegation Admiral Keyserlingk aus Petrograd vom 21. Jan. 1918 (РА
АА, R 10091). In dem Bericht gibt es Vermerke des Reichskanzlers Hertling, der den Satz unterstrich, dass Russ-
land zur Selbstherrschaft zurückgekehrt sei, Lenin und Trotzki „stemmen sich gegen die Mitwirkung einer viel
redenden Volksvertretung“.
27 Mehr siehe: Vatlin A .Ju. „Russkij otdel“ germanskogo MIDa na rubeže 1918–1919 gg. In: Istoričeskij žurnal:
naučnye issledovanija 2015, Nr. 3, S. 377–385.
28 Bericht des Grafen Mirbach vom 4. Jan. 1918 aus Petrograd. PA AA, R 10088.
29 Telegramm aus dem Hauptquartier der Obersten Heeresleitung an das Auswärtige Amt vom 12. März 1918. РА
АА, R 22314.

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Der Oktoberumsturz 1917 in Petrograd und seine Bewertung in Deutschland

litärs und Diplomaten behaupteten Anfang 1918 einhellig, man könne Russland als Subjekt des
Völkerrechts abschreiben. Die Versuche Trotzkis, seine Opponenten mit der Agitationslosung
„Weder Krieg noch Frieden“ zu überlisten, schlugen fehl. General Max Hoffmann, der die erste
Geige bei den Verhandlungen in Brest spielte, hatte Grund, über die „Diplomaten in Bastschu-
hen“ zu lästern, die aus Petrograd angereist waren. Die endgültige Variante des Friedens zwischen
Sowjetrussland und den Mittelmächten schrieb nach seiner Meinung die Tatsache fest, „daß die
russische Macht durch die Revolution und die Wirtschaft der Bolschewisten auf eine lange Reihe
von Jahren erledigt war“.30
Die russophilen Stimmungen des konservativen Teils der deutschen Elite, die insbesondere in
den „Betrachtungen eines Unpolitischen“ von Thomas Mann zum Ausdruck kommen,31 wur-
den durch einen weiteren Anfall von großdeutschem Chauvinismus neutralisiert. Das Duum-
virat Hindenburg-Ludendorff, das die gesamte Innenpolitik des Landes unter seine Kontrolle
gebracht hatte, war 1917 bei der Außenpolitik angekommen. Man kann der Meinung des deut-
schen Historikers Karl Dietrich Erdmann zustimmen, dass die harte Politik der Militärs in der
russischen Frage nicht nur der Wunsch bestimmte, der Entente zuvor zu kommen, sondern auch
„ein militanter Antibolschewismus, die Vorstellung, Deutschland gegen die revolutionäre Infizie-
rung abschirmen zu müssen“.32
Der Widerstand der zivilen Entscheidungsträger führte zu ihrem Rücktritt, wie dies im Früh-
jahr 1917 bei dem Staatssekretär für Auswärtiges Zimmermann und im Sommer desselben Jahres
mit Kanzler Bethmann Hollweg der Fall war. Nicht vergessen werden sollte auch der Einfluss,
den der Donner der leichten Siege im Osten auf realistisch gesinnte Politiker hatte. Der künftige
Außenminister der Weimarer Republik und in den Kriegsjahren Gesandter in Dänemark, Graf
Brockdorff-Rantzau, befürwortete im Sommer 1917 einen Kompromissfrieden mit Russland,
trat aber schon Anfang des Folgejahres für maximale Forderungen in Brest ein.33 Kurt Riezler, ei-
ner der führenden Experten für Russland im deutschen Auswärtigen Amt (im April 1918 wurde
er zum diplomatischen Dienst nach Moskau entsandt), sprach sich am Vorabend der Unterzeich-
nung des Friedensvertrags dafür aus, „Schritt für Schritt die für uns wichtigen Gebiete“ des ehe-
maligen Russischen Reiches „abzuringen“.34 Die deutsche Entscheidung über den Abbruch der
Friedensverhandlungen und einen neuen Vormarsch auf Petrograd wurde im Kronrat gefasst, der
am 13. Februar 1918 zusammenkam. Der Meinung des Staatssekretärs für Auswärtiges, Kühl-
mann, der darauf bestand, dass es nutzlos sei, die revolutionäre Denkungsweise mit militärischer
Gewalt zu bekämpfen, wurde keine Beachtung geschenkt.35

30 Max Hoffmann: Der Krieg der versäumten Gelegenheiten. München 1924, S. 223.
31 Siehe ausführlicher: Gerd Koenen: Betrachtungen eines Unpolitischen. Thomas Mann über Rußland und den
Bolschewismus. In: Koenen, Kopelew (Hrsg.), Deutschland und die Russische Revolution, S. 313–379.
32 Karl D. Erdmann: Kurt Riezler – ein politisches Profil. In: Riezler, Tagebücher, Aufsätze, Dokumente, S. 101 f.
33 Christiane Scheidemann: Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau (1869–1928). Eine politische Biographie. Frankfurt
a. M. 1998, S. 345.
34 Schreiben Riezlers an den deutschen Gesandten in Schweden, Bergen, vom 21. Febr. 1918. In: Riezler, Tage-
bücher, Aufsätze, Dokumente, S. 704 f.
35 Winfried Baumgart: Deutsche Ostpolitik 1918. Von Brest-Litowsk bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Wien/
München 1966, S. 64.

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Alexander Vatlin

Angesichts der skrupellosen Teilung der Kriegsbeute im Osten erhoben auch die größten Unter-
nehmer Deutschlands ihre Stimmen. In ihren Memoranden baten sie, nicht nur die zu erwarten-
den „Vorteile“ bei der Ausbeutung der Ressourcen der erworbenen Territorien zu berücksich-
tigen, sondern auch die Verluste der deutschen Investitionen durch die von den sowjetischen
Staatsorganen durchgeführte Nationalisierung. Laut den Einschätzungen der Kapitäne der Fi-
nanzbranche, die der deutschen Regierung am 27. Februar 1918 vorgelegt wurden, beliefen sich
diese Verluste auf 4 bis 5 Mrd. Mark.36
Die Unterzeichnung des Friedensvertrags von Brest-Litovsk zog nicht nur einen Schlussstrich
unter die Beteiligung Russlands am Ersten Weltkrieg, sondern ermöglichte es den Bolschewiki
darüber hinaus, die eigene Diktatur zu verschärfen. Die deutschen Beobachter, darunter auch
die nach Moskau gekommenen Journalisten und Diplomaten, hoben die Präsenz der „eisernen
Hand“ und die Unumkehrbarkeit der eingetretenen Veränderungen hervor. „In ihrer Verzweif-
lung sind die Bolschewisten zu allem bereit“, bemerkte Kurt Riezler in seinem Bericht vom 4.
Juni, wobei er der Sowjetmacht zum wiederholten Mal eine Lebensdauer von nur wenigen Wo-
chen einräumte.37
Während die herrschenden Kreise in Deutschland in der Frage des Schicksals der ersten russi-
schen Demokratie auf die richtige Antwort tippten und ihren destruktiven Charakter und ihre
kurze Lebensdauer hervorhoben, lagen sie in der Bewertung der Perspektiven der bolschewisti-
schen Diktatur absolut falsch. Indem sie anfangs von Tagen und Wochen und später von Mona-
ten sprachen, die Lenin sich an der Macht halten könne, schenkten sie der marxistischen Verpa-
ckung, in der die ersten Schritte der revolutionären Diktatur serviert wurden, zu viel Glauben.
Darüber, dass sich die „Utopisten an der Macht“ als durchtriebene Pragmatiker erwiesen und
der von ihnen eroberte Staat nicht im Begriff war, „abzusterben“, wobei er sich zunehmend der
Methoden des totalen Terrors bediente, begann man in Berlin erst im Sommer 1918 zu sprechen,
und auch hier nur die mutigsten Kommentatoren der deutschen Presse.38
Die neue geopolitische Realität, die in Mitteleuropa durch den „Raubfrieden“ entstanden war,
rief bei nüchtern denkenden deutschen Politikern Zweifel an der künftigen Stabilität der Region
hervor. Walther Rathenau gestand ein, dass die vier unabhängigen Staaten, die in den westlichen
Randgebieten des Russischen Reiches entstanden waren, den Deutschen kein ruhiges Leben er-
möglichen würden. „Welch harmloser Nachbar war dagegen das imperiale Rußland!“ schrieb der
künftige Außenminister der Weimarer Republik. 39 Nach Brest war nicht nur Russland Vasall des
deutschen Imperialismus (hierüber wurde in der sowjetischen Presse offen geschrieben), son-
dern auch Deutschland selbst war gezwungen, sein Schicksal mit den Bolschewiki zu verknüpfen,

36 Rosenfeld, Sowjetrussland und Deutschland 1917–1922, S. 89.


37 Die regelmäßigen Berichte der deutschen Botschaft in Moskau begannen am 28. April 1918, die Verfasser waren
Botschafter Mirbach und der erste Botschaftssekretär Kurt Riezler. РА АА, R 10111.
38 Siehe Reportagen des Korrespondenten der Zeitung „Frankfurter Zeitung“ in Moskau, Alfons Paquet im Buch
Koenen, Der Rußland-Komplex, S. 158 ff.
39 Schreiben Rathenaus an Major Wilhelm Steinböhmer vom 1. März 1918. In: Walther Rathenau: Politische Briefe.
Dresden 1929, S. 173.

140
Der Oktoberumsturz 1917 in Petrograd und seine Bewertung in Deutschland

denn die RKP(b) blieb nach einhelliger Meinung der Berliner Politiker die einzige Partei in Russ-
land, mit der sie weitere Verhandlungen führen konnten.40
Einer der Gründe für die Revolution, die in Berlin im November 1918 ausgebrochen war und
die Hohenzollernmonarchie gestürzt hatte, war nicht nur der verlorene Krieg, sondern auch der
Einfluss der Russischen Revolution, den im Laufe des Jahres die „Unteren“ und die „Oberen“
der deutschen Gesellschaft zu spüren bekamen. Sie setzte den unheilvollsten Attributen des „al-
ten Regimes“ ein Ende und bereitete den Boden für neue politische Institutionen. Die Berliner
Revolutionäre übernahmen eifrig die russischen Erfahrungen, nannten ihre Regierung „Rat der
Volksbeauftragten“ und errichteten im ganzen Lande Räte der Arbeiter- und Soldatendeputier-
ten. Aber dies war auch wieder nur so eine Verpackung, in der ein anderer, liberal-demokratischer
Inhalt enthalten war. Anders als in Russland, das nur ein halbes Jahr nach dem Sturz der zaris-
tischen Autokratie zu seinem „Sonderweg“ zurückgekehrt war, hielt die erste deutsche Demo-
kratie das Land ein ganzes Jahrzehnt lang davon ab, in einen weiteren „Sonderweg“ abzugleiten.

40 Am 26. März 1918 vom Führer der Deutschen Zentrumspartei und Reichstagsabgeordneten Matthias Erzberger
im Auswärtigen Amt übergebenes Memorandum. PA AA, R 2000.

141
Hans Woller

Toxische Fernwirkungen.
Die Resonanz der Oktoberrevolution in Italien

Dass Italien ein Pulverfass war, blieb keinem Beobachter verborgen. Seit die industrielle Revolu-
tion das Land in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ergriffen hatte, machten sich starke zen-
trifugale, auf innere Zersetzung gerichtete Kräfte bemerkbar: Der moderne, industriell geprägte
Norden entfernte sich immer weiter vom agrarisch-rückständigen Süden. Die Spannungen zwi-
schen den selbstbewussten Industriearbeitern und den Arbeitgebern verschärften sich ebenso
wie die Konflikte zwischen den Großagrariern und dem riesigen Heer der Kleinpächter und Ta-
gelöhner, die vielfach wie Sklaven behandelt wurden, aber ebenfalls langsam zum politischen Le-
ben erwachten. Hinzu kamen ideologische Verhärtungen in den verschiedenen Lagern. Bei den
Großagrariern und Industriebossen setzten sich die auf Konfrontation bedachten Kräfte durch,
die jeden Kompromiss in den Tarifverhandlungen und Streiks verteufelten. Nicht anders war es
bei den Organisationen der Arbeiterbewegung, in denen sich die radikalen Stimmen mehrten
und nicht mehr auf einen Nenner zu bringen waren. Namentlich die Anarchisten, die Syndikalis-
ten und die Maximalisten in der erstarkten sozialistischen Partei erlebten einen nie da gewesenen
Aufschwung. Sie und die sturen Vertreter des Status quo auf der Gegenseite gossen überall Öl in
das Feuer sozialer Brandherde – mit der Folge, dass sich die Spirale gewalttätiger Auseinander-
setzungen weiter beschleunigte. Italien stand vor 1914 mehrmals am Rande eines Bürgerkrieges.1
Im Ersten Weltkrieg beruhigte sich die Lage mitnichten. Im Gegenteil: In die sozialen und ideo-
logischen Kämpfe mischte sich nach 1914 der erbitterte Streit zwischen Kriegsbefürwortern und
Kriegsgegnern, der quer durch alle politischen Lager ging und die Gräben im Land weiter vertief-
te. Italien war reif – aber wofür?
Die Antwort auf diese Frage blieb lange in der Schwebe. Sie stellte sich 1917 mit neuer Dringlich-
keit, weil nun – mit den Revolutionen in Russland – eine Art Blaupause für die Richtung vorlag,
in die sich Italien entwickeln konnte. Wie ging man mit diesem Modell um? Was wusste man in
Italien überhaupt von den Ereignissen in Russland? Wie verhielt sich die sozialistische Partei,
die seit vielen Jahren im engen Austausch mit den russischen Sozialisten stand, als sie vom Sturz
des Zaren erfuhr? Wie reagierte die italienische Regierung auf die russische Revolution? Und:
Wie positionierte sich Mussolini, dessen Antibolschewismus sogar Hitler imponierte und die
ideologische Seelenverwandtschaft der beiden faschistischen Diktatoren begründet haben soll?2

1. Revolutionsnachrichten
Die Öffentlichkeit wusste von den Ereignissen in Russland nicht sehr viel und selten verlässliches.
Das lag zum einen an der italienischen Presse, die so gut wie keine eigenen Auslandskorrespon-

1 Siehe Hans Woller: Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert. München 2010, S. 17–93.
2 Siehe dazu allgemein Wolfgang Schieder: Adolf Hitler. Politischer Zauberlehrling Mussolinis. Berlin/Boston 2017.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 143–154


[Link] 143
Hans Woller

denten hatte und deshalb auf die Informationen der großen internationalen Nachrichtenagen-
turen angewiesen war. Reuters spielte dabei eine zentrale Rolle, ohne dass man allerdings sagen
könnte, sie habe in puncto Objektivität das Äußerste getan: Lenin war und blieb für Reuters eine
»zwielichtige Figur«, und die Bolschewiki erschienen in ihren Berichten als ein Haufen wilder
Abenteurer, der dem Untergang geweiht war.3 Dass man in Italien lange im Dunkeln tappte, hatte
zum anderen mit der strengen Zensur zu tun, die von der Regierung bereits beim Kriegseintritt
1915 verhängt worden war. Die italienische Bevölkerung durfte nichts erfahren, was die Stim-
mung trüben und die Spannungen in der vielfach gespaltenen Gesellschaft anheizen konnte.
Die Regierung, das Königshaus und das Militär befanden sich in einer komfortableren Nachrich-
tenlage. Sie hatten Zugang zur internationalen Presse, und sie erfuhren von den Botschaftern der
Verbündeten, welchen Kenntnisstand man in London und Paris hatte – theoretisch jedenfalls.
Die eigenen Quellen waren dagegen dünn. Rom unterhielt zwar eine Botschaft in Petrograd. Der
Botschafter erwies sich aber als Fehlbesetzung und wurde im Herbst 1917 abgelöst4 – mitten
in der heißen Phase der Revolution. Der neue Mann und sein Vorgänger, beides konservative
Grafen, standen den revolutionären Umwälzungen fassungslos gegenüber; die Ursachen blieben
ihnen ebenso verborgen wie die Motive der Radikalisierung, die von Monat zu Monat zuzuneh-
men schien. Entsprechend einseitig fielen ihre Berichte aus.
Hinzu kamen technische Probleme wie der Ausfall des Telefon- und Telegrafenverkehrs und
schließlich die Tatsache, dass die Botschaft evakuiert werden musste und so den Kontakt zu den
Entscheidungsträgern in Russland verlor.5 Im Grunde war deshalb auch der Regierung in Rom
nur folgendes bekannt: Der Zar war im Februar gestürzt worden. Die Provisorische Regierung
lag beim Parlament, das sich die Macht mit Arbeiter- und Soldatenräten teilte. Diese Doppel-
spitze stellte weitreichende Neuerungen wie eine Landreform in Aussicht und versicherte den
Alliierten, dass sie sich an ihre Bündnisverpflichtungen im Krieg gegen die Mittelmächte halten
werde. Was es mit Alexander Kerenski, seit Sommer 1917 der starke Mann in Russland, auf sich
hatte, was die Menschewiki und die Bolschewiki planten, wie das alte Establishment über die
neue Entwicklung dachte – auf solche Fragen gab es nur vage Antworten. Auch von Lenin und
seinem politischen Projekt wusste man nur, dass er aus dem Krieg ausscheiden und die Weltre-
volution entzünden wollte.6
1918/19 verbesserte sich die Nachrichtenlage vor allem deshalb, weil nun zahlreiche russische
Emigranten aller Couleur in den Westen kamen und ihre Wahrheiten mitbrachten. Der Fokus der

3 Martin Aust: Die russische Revolution. Vom Zarenreich zum Sowjetimperium. München 2017, S. 218 f.
4 Siehe Valentine Lomellini: La „grande paura“ rossa. L’Italia delle spie bolsceviche (1917–1922). Milano 2015,
S. 27–29; Giorgio Petracchi: L’intervento italiano in Russia (1917–1919). In: Storia contemporanea 1975, Nr. 3,
S. 520–522.
5 Der Botschafter zog sich anfangs nach Schweden zurück, nur eine kleine Militärmission verblieb in Petrograd.
Später musste die Botschaft noch mehrmals umziehen und verlor so völlig den Kontakt zu Rom und zur rus-
sischen Regierung; Botschafter Tomasi Della Torretta an Außenminister Sonnino, 16. März 1918. In: I docu-
menti diplomatici italiani (künftig: DDI). Quinta serie: 1914–1918. Roma 1954–1986, Bd. X, S. 348 f. Siehe
auch Botschafter Tomasi Della Torretta an Außenminister Sonnino, 6. Aug. 1918. In: DDI. Quinta serie, Bd. XI,
S. 277 f.; Botschafter Tomasi Della Torretta an Außenminister Sonnino, 11. Aug. 1918. In: Ebd., S. 301.
6 Siehe Dietrich Beyrau: Petrograd, 25. Oktober 1917. Die russische Revolution und der Aufstieg des Kommunis-
mus. München 2001.

144
Toxische Fernwirkungen

Berichterstattung blieb aber auf Petrograd und Moskau gerichtet, während über die Lage in den
Provinzen und über den Stand des Bürgerkriegs nur ganz allgemeine Informationen und viele
Gerüchte kursierten. Genaueres wusste man in Italien nicht.

2. Das gespaltene Echo der Sozialisten


Das galt auch für den Partito Socialista Italiano (PSI), die sozialistische Partei, die im Febru-
ar 1917 enthusiastisch auf die Meldungen aus Petrograd reagierte – enthusiastisch und geschlos-
sen, was es seit langem nicht mehr gegeben hatte. Die Partei war nämlich in allen wesentlichen
Fragen heillos zerstritten und fand auch jetzt nur deshalb eine gemeinsame Linie, weil die beiden
großen Flügel die Ereignisse in Russland so deuteten, wie es ihren politischen Bedürfnissen ent-
sprach: Die Reformer, sprich die meisten Abgeordneten, die Gewerkschaften und die Koopera-
tiven, begrüßten die Februarrevolution, die in ihren Augen eine demokratische Revolution und
damit, Marx folgend, eine historisch notwendige Etappe auf dem Weg zum Sozialismus war. Dass
die neue russische Regierung grundlegende gesellschaftliche Reformen verhieß und die Krieg-
sanstrengungen zu intensivieren versprach, fand ebenfalls ihren Beifall. Die neuen Männer in
Russland waren Brüder im Geiste und ebenso an einem militärischen Sieg der Alliierten interes-
siert wie sie, die Reformer in Italien, die sich seit der militärischen Katastrophe von Caporetto im
Oktober 1917 offen zum existenziell bedrohten Vaterland bekannten.7
Lenin hingegen war für die Reformer ein rotes Tuch. Sie missbilligten seinen Revolutionsfuror,
weil er angeblich den Lehren des Marxismus widersprach, und sie verurteilten seinen radikalen
Friedenskurs, der ihrer Meinung nach den Alliierten und insbesondere Italien schaden musste.
Zu groß schien die Angst, dass die deutschen oder österreichisch-ungarischen Divisionen, die
nach einem Friedensschluss im Osten frei würden, an der hart umkämpften Italienfront zum Ein-
satz kommen und dort die Lage entscheiden könnten.
Patriotische Empfindungen dieser Art waren den Maximalisten bzw. den Revolutionären in der
sozialistischen Partei völlig fremd. Sie hielten den Krieg für einen Krieg der Kapitalisten, in dem
nur das Volk blutete, und wollten sich nicht daran beteiligen – er ging sie nichts an. Die Februar-
revolution in Russland war in ihren Augen nur die erste Etappe einer Umwälzung, die unweiger-
lich und rasch zur Machtergreifung der Sozialisten und zum Frieden führen musste. Von Lenin
und den Bolschewiki hatten bis dahin nur die wenigsten etwas gehört, was ihrer Begeisterung al-
lerdings keinen Abbruch tat: »Wir kannten weder ihr Programm noch ihre Ideologie«, bekannte
einer später. »Wir standen rückhaltlos auf ihrer Seite, weil sie gegen die Fortsetzung des Krieges
waren und weil sie, was vielleicht noch mehr zählte, von allen Kriegstreibern, von der ganzen ita-
lienischen Bourgeoisie angegriffen und beleidigten wurden.«8 Lenin, kurz zuvor noch ein großes
Fragezeichen, war nun plötzlich – schon vor der Oktoberrevolution – die große Hoffnung der ita-
lienischen Maximalisten, die in ihm bald auch einen großen Erneuerer des Marxismus erblickten.
Lenin, so sah es etwa Antonio Gramsci, habe »die Lehren von Marx von jenen positivistischen

7 Siehe Giovanna Procacci: L’Italia nella Grande guerra. In: Giovanni Sabbatucci, Vittorio Vidotto (Hrsg.): Storia
d’Italia. Bd. 4: Guerre e fascismo 1914–1943. Roma/Bari 1998, S. 79 f.
8 Zit. nach Stefano Caretti: I socialisti e la grande guerra (1914–1918). In: Giovanni Sabbatucci (Hrsg.): Storia del
socialismo italiano. Bd. 3: Guerra e dopoguerra (1914–1926). Roma 1980, S. 80.

145
Hans Woller

und naturalistischen Verkrustungen befreit«, die zu dem Schluss zwangen, dass der »Lauf der
Geschichte in höchstem Maße von ökonomischen Faktoren« abhängig sei.9
»Fare come in Russia« – es so machen wie in Russland10 –, hieß ihr Motto, das namentlich
an der sozialistischen Basis begeisterte Zustimmung fand. Lenin galt dort als Kopf der Revo-
lution, als Friedensbringer und Schutzpatron aller Proletarier dieser Welt – und daran änderte
sich auch nach der militärischen Katastrophe der italienischen Streitkräfte bei Caporetto, der Ok-
toberrevolution und dem Separatfrieden der Russen mit den Mittelmächten im Frühjahr 1918
nichts. Erst als 1918/19 klar zu werden begann, was Bolschewismus in der Praxis hieß, nämlich
Hunger, Terror und Bürgerkrieg, wachten viele Maximalisten aus ihren Umsturzdelirien auf und
meldeten Zweifel an, ob Russland tatsächlich als Beispiel für Italien dienen konnte. Allerdings:
Diese Zweifel schlugen sich nur in endlosen Theoriedebatten nieder, die nicht einmal alle Schrift-
gelehrten der Partei decodieren konnten. In die große Öffentlichkeit drangen sie nicht. Die
Sozialisten gaben sich geschlossen und hielten sich an die Parteitagsbeschlüsse, die den Stempel
der dominierenden Maximalisten trugen.11 Die Revolutionspropaganda ging also ungebremst
weiter. Auch zahlreiche Genossen, die es längst besser wussten, ließen sich immer wieder zu
Hymnen auf Lenin, die Revolution und die Diktatur des Proletariats hinreißen, so dass sich die
Umsturzerwartung an der Basis weiter steigerte und die Lenin-Begeisterung fast messianische
Züge gewann.12
Warum? Warum waren gerade in Italien die Industrie- und Landarbeiter so empfänglich für die
Botschaften Lenins? In Italien herrschte schon seit 1900 ein latenter Bürgerkrieg, der sich häufig
in blutigen Zusammenstößen zwischen der Arbeiterschaft und den staatlichen Sicherheitskräften
entlud; selbst das Militär kam dabei regelmäßig zum Einsatz. Hunderte von Toten waren Jahr
für Jahr bei diesen Konflikten zu beklagen, die sich immer wieder um die gleichen Forderungen
drehten: Land für die Tagelöhner, Pächter und Kleinbauern, mehr Lohn und bessere soziale Ab-
sicherungen für die Industriearbeiter. Der Staat war für diese beiden gesellschaftlichen Gruppen
nichts anderes als ein Feind, der die Großindustriellen und die Großagrarier schützte und ihre
eigenen, nur allzu gerechten Forderungen mit brutaler Repression beantwortete. Der Krieg, die
dadurch verschärfte soziale Misere und das Signal aus Russland bestätigten diese tief verwurzel-
ten Perzeptionen ewiger Benachteiligung – das Volk, so die Devise der lautstärksten Sozialisten,
hatte im Krieg nichts zu gewinnen. Es war höchste Zeit, ihn zu beenden.
Lenins Forderungen oder das, was man dafür hielt, trafen den Nerv dieser breiten gesellschaft-
lichen Schichten, die seit 1919 ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen: Sie traten in den Streik
und besetzten die großen Fabriken Norditaliens, sie legten den Verkehr lahm, enteigneten zahlrei-
che Großgrundbesitzer und gingen dabei so brachial zu Werke, dass sogar vielen Sozialisten der
Atem stockte. Italien, so schien es vielen, stand 1919/20 am Vorabend einer blutigen Revolution.
Die sozialistische Partei profitierte von dieser Stimmung. Sie wurde in den Parlamentswahlen

9 Stefano Caretti: La rivoluzione russa e il socialismo italiano (1917–1921). Pisa 1974, S. 142.
10 Siehe dazu allgemein Giorgio Petracchi: Il mito della rivoluzione sovietica in Italia, 1917–1920. In: Storia contem-
poranea 1990, Nr. 6, S. 1107–1130.
11 Caretti, La rivoluzione russa e il socialismo italiano, S. 159.
12 Siehe ebd., S. 93, 63.

146
Toxische Fernwirkungen

1919 zur stärksten Partei und gewann bei den Kommunalwahlen vor allem in Norditalien satte
Mehrheiten. Sie fand aber nie eine Antwort auf die Frage, was sie mit ihrer Macht anfangen sollte.
Der parlamentarische Weg in die sozialistische Zukunft, wie ihn die Reformer skizzierten, verbot
sich wegen der revolutionären Stimmung im eigenen aufgewühlten Anhang. Der revolutionäre
Weg war nach der Beschlusslage eigentlich verbindlich. Die Maximalisten sprachen auch ständig
davon. Sie riefen sogar zu Solidaritätsstreiks für die russische Revolution auf und zögerten 1919
keine Sekunde, der Kommunistischen Internationale beizutreten, womit sie noch einmal bekräf-
tigten, dass ihnen die Ziele Lenins heilig waren.13
Den Worten der Umsturzpropheten folgten aber keine Taten; die Maximalisten konnten sich
nicht einmal auf ein Aktionsprogramm einigen und zerstritten sich am Ende doch noch über den
definitiven Beitritt zur Kommunistischen Internationale. Sie blieben Revolutionsträumer – mit
der fatalen Folge freilich, dass sie die Erwartungen der Basis ebenso anheizten wie die Vergel-
tungswut der Schichten, die sich von ihren radikalen Verheißungen bedroht fühlten. Nur eine
kleine Minderheit um Amedeo Bordiga, Antonio Gramsci und Palmiro Togliatti meinte es wirk-
lich ernst. Sie brach im Januar 1921 endgültig mit der Mutterpartei und rief die Kommunistische
Partei Italiens ins Leben.14

3. Die ambivalente Haltung der Regierung


Angesichts der Tatsache, dass es im eigenen Land eine revolutionäre Linke mit umsturz- und
gewaltbereitem Massenanhang gab, war die Reaktion der Regierung leicht vorhersehbar – könnte
man meinen. Doch so einfach war die Sache nicht: Die Regierung in Rom begrüßte die Febru-
arrevolution, aber nicht, weil ihr die neuen Freiheiten für das russische Volk viel bedeutet hät-
ten. Ihr ging es einzig und allein um die Intensivierung der Kriegsanstrengungen, die die neuen
Machthaber in Petrograd versprachen. An diesem Kriterium maß man in Rom auch die Regie-
rung Kerenski und schließlich die bolschewistische Regierung, die seit der Machtübernahme auf
einen raschen Friedensschluss zusteuerte und deshalb in Rom auf heftige Ablehnung stieß.15 Dass
Lenin und seine Genossen das Zarenreich nach bolschewistischen Vorstellungen umkrempelten
und dabei alles aus dem Weg räumten, was ihnen als störend erschien, und dass sie die Revoluti-
on in alle Welt tragen wollten, kümmerte in Rom zunächst nur wenige. Diese Aspekte traten erst
nach dem Ersten Weltkrieg in den Vordergrund – erst nach 1918 fürchtete man in Rom eine Art
Ansteckung, wobei aber nie klar zu erkennen war, wie tief diese Angst in den staatlichen Stellen
wirklich saß und in welchem Maße sie instrumentalisiert wurde, um die sozialistische Oppositi-
on und jede andere Form von Dissidenz zu unterdrücken.
Im Zeichen der Ambivalenz stand auch die Russlandpolitik der italienischen Regierung. 1917/18
lehnte sie Kontakte zur Regierung Lenin kategorisch ab; sie schickte sogar kleine militärische

13 Caretti, La rivoluzione russa e il socialismo italiano, S. 186, 191.


14 Siehe Helmut König: Lenin und der italienische Sozialismus 1915–1921. Ein Beitrag zur Gründungsgeschichte
der kommunistischen Internationale. Tübingen 1967.
15 Außenminister Sonnino an die Botschaften in London, Paris, Washington und Petrograd, 25. Dez. 1917. In: DDI.
Quinta serie, Bd. IX, S. 545.

147
Hans Woller

Kontingente nach Archangelsk, Murmansk und nach Sibirien,16 die dort an der Seite der Alliier-
ten nicht nur die bolschewistische Revolution eindämmen und die »Etablierung einer starken
deutschen Position«17 verhindern sollten; sie sollten auch Flagge zeigen und den Anspruch Itali-
ens auf eine Großmachtrolle unterstreichen.18 Rom wäre sogar bereit gewesen, eine wie auch im-
mer beschaffene russische Gegenregierung anzuerkennen, vorausgesetzt, dass sie gegen die Bol-
schewiki vorgegangen wäre.19 Selbst die Teilnahme an einer militärischen Intervention schloss
die italienische Regierung nicht aus.20 Der Botschafter drängte ständig in diese Richtung, er sah
in einer Militäraktion gegen die Bolschewiki eine »humanitäre Pflichtaufgabe«.21
1919/20 drehte der Wind. Die italienische Regierung korrigierte ihren Kurs und zwar ohne Rück-
sicht darauf, dass sich die bolschewistische Regierung zu konsolidieren begann und der innere
Terror in Russland auf einen ersten Höhepunkt zusteuerte. Den Ausschlag für diese Korrektur
gab die Enttäuschung über die Politik der alten Verbündeten, die Italiens territoriale Ansprüche
bei den Friedensverhandlungen zurückwiesen und Italien auch sonst keinen Raum für Expansi-
onen ließen. Rom musste also, wenn es nicht in das zweite oder dritte Glied zurücktreten wollte,
neue Allianzen suchen, wobei neben dem Deutschen Reich auch das bolschewistische Russland
ins Visier geriet. Italien zog deshalb das Truppenkontingent aus Russland zurück,22 Rom votierte
gegen westliche Einmischungen in die inneren Verhältnisse Russlands und brachte schon 1920
den Gedanken ins Spiel, den wirtschaftlichen Austausch wieder aufzunehmen – gleichsam als
Vorspiel zu einem Neustart der diplomatischen Beziehungen.23
So groß kann die Furcht vor einer Bolschewisierung Italiens also nicht gewesen sein. Die Minis-
terpräsidenten Francesco Saverio Nitti und Giovanni Giolitti kannten das Potential ihrer Sicher-
heitskräfte. Ihnen war auch nicht verborgen geblieben, dass weit mehr als die Hälfte der Bevölke-
rung bolschewistische Experimente fürchtete; da und dort bildeten sich im Zeichen der »grande
paura rossa« sogar erste Bürgerwehren, die in grimmiger Entschlossenheit nur einen Zweck ver-
folgten: den Linken mit Waffengewalt entgegenzutreten. Und Nitti und Giolitti wussten schließ-
lich genau, dass die sozialistische Partei tief gespalten und in ihrer großen Mehrheit letztlich nicht
bereit war, das Signal zum großen Sturm zu geben. Italien, so ihre gelassene Einsicht, war nicht
reif für eine sozialistische Revolution – es sah in manchen Gegenden nur so aus.

16 Siehe Petracchi, L’intervento italiano in Russia, S. 465–522; ders.: La Russia rivoluzionaria nella politica italiana.
Le relazioni italo-sovietiche 1917–25. Roma/Bari 1982, S. 85–97.
17 Dietmar Neutatz: Träume und Alpträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert. München 2013, S. 161.
18 Außenminister Sonnino an die Botschaften in London, Paris, Washington, an den Kriegsminister und an den
Generalstabschef des Heeres, 24. Juni 1918. In: DDI. Quinta serie, Bd. XI, S. 98.
19 Außenminister Sonnino an die Botschaften in Paris, London, Washington und Russland, 9. Nov. 1918. In: DDI.
Sesta serie: 1918–1922. Bd. I. Roma 1956, S. 41.
20 Botschafter Tomasi Della Torretta an Außenminister Sonnino, 14. Okt. 1918. In: DDI. Quinta serie, Bd. XI,
S. 508; Außenminister Sonnino an die Botschaften in London, Paris, Tokio, Washington, in Russland und an den
Generalstabschef des Heeres, 21. Okt. 1918. In: Ebd., S. 544 f.
21 Botschafter Tomasi Della Torretta an Außenminister Sonnino, 14. Okt. 1918; Botschafter Tomasi Della Torretta
an Außenminister Sonnino, 21. Juni 1918. In: DDI. Quinta serie, Bd. XI, S. 83.
22 Lomellini, La „grande paura“ rossa, S. 92.
23 Tommaso Detti: La Rivoluzione d’ottobre e l’Italia. In: Studi Storici 1974, Nr. 4, S. 881–893, hier S. 891.

148
Toxische Fernwirkungen

4. Mussolini und der »carnevale leninista«


Mussolini nahm die Nachricht vom Sturz des Zaren mit ebenso großer Begeisterung auf wie die
Meldung, dass Kerenski im Juli 1917 die Macht an sich gerissen hatte. Der neue Diktator habe
die »russische Revolution und das Russland der Revolution« gerettet.24 Die Bildung der ers-
ten provisorischen Regierung und deren autoritäre Umbildung durch Kerenski25 liefen auf eine
Intensivierung des Krieges und auf eine Bestätigung seiner These hinaus, der Krieg werde eine
soziale Revolution nach sich ziehen. »Die Revolution fürchtet den Krieg nicht, der Krieg rettet
die Revolution«, schrieb er im Juli 1917.26 So ähnlich hatte es Mussolini 1914/15 prophezeit,
und mit dieser Vorhersage hatte er für den Kriegseintritt Italiens gekämpft. Lenin und die Ok-
toberrevolution hingegen waren ihm ein Dorn im Auge. Die Revolution an sich störte ihn dabei
nicht. Er träumte 1917/18 ja selbst von großen Umwälzungen; dass diese das Werk einer revo-
lutionären Avantgarde sein und zahlreiche Opfer unter der führenden Schicht fordern würde,
hielt er für selbstverständlich. In puncto Radikalität und revolutionärer Umsturzambition stand
Mussolini Lenin nicht nach. Er hatte vor 1914 nicht umsonst dem revolutionären Flügel der
sozialistischen Partei angehört und wahre Hassfeldzüge gegen das bürgerlich-aristokratische
Establishment geführt.
Mussolini hätte das Zeug zum Leninisten gehabt, wenn der Nationalist, der Imperialist und der
Antisemit in ihm nicht in eine ganz andere Richtung gezogen hätten. Lenin wollte Frieden um
jeden Preis, um die Revolution zu retten. Bei Mussolini war es umgekehrt: Er wollte den Krieg,
um eine Revolution zu beginnen und um der Größe Italiens Willen, dessen Grenzen in seinen
Augen viel zu eng gezogen waren. Krieg, Revolution und imperiale Expansion gehörten in sei-
nem Zukunftsprojekt zusammen. Grundvoraussetzung für dieses Projekt war die Schaffung einer
schlagkräftigen Volksgemeinschaft, in der für fremde Elemente und sogenannte Volksfeinde kein
Platz war.27 Wer zu diesen Gruppen zählte, bestimmte Mussolini. Es würde zu weit führen, dieses
Projekt und dessen voraussichtliche Kollateralschäden in allen Einzelheiten darzustellen. Zwei
Opfergruppen sollen allerdings herausgegriffen werden, weil sie Mussolini besonders wichtig wa-
ren und weil sie in unmittelbarem Zusammenhang mit der Oktoberrevolution standen: die Juden
und die Sozialisten. Die Juden waren ihm schon lange unheimlich. Jetzt – 1918/19 – steigerte
sich diese Abneigung, weil er in ihnen die Drahtzieher des Bolschewismus und – noch schlim-
mer – des Defätismus in Russland sah. Nicht genug damit, dass er Lenin als deutschen Agenten
denunzierte,28 er betrachtete ihn auch als Juden und erfand sogar einen neuen Namen für ihn:
Ceorbaum bzw. Cederbaum.29 Fast die ganze Führung der kommunistischen Partei war laut Mus-

24 Benito Mussolini: Viva Kerensky! (Il popolo d’Italia vom 26. Juli 1917). In: Edoardo Susmel, Duilio Susmel (Hrsg.):
Opera Omnia di Benito Mussolini (künftig: OO). Bd. IX: Dalla crisi del ministero Boselli al Piave (18 giugno
1917 – 29 ottobre 1917). Firenze 1952, S. 77.
25 Siehe Orlando Figes: Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924.
München 2001, S. 465–481; Manfred Hildermeier: Geschichte der Sowjetunion 1917–1991. Entstehung und
Niedergang des ersten sozialistischen Staates. München 1998, S. 80–87, sowie die Neuauflage aus dem Jahr 2017.
26 Benito Mussolini: Bandiere rosse (5. Juli 1917). In: OO. Bd. IX, S. 27.
27 Siehe Hans Woller: Mussolini. Der erste Faschist. München 2016, S. 159–161.
28 Benito Mussolini: Da Stürmer a Lénine (25. Juli 1917). In: OO. Bd. IX, S. 74.
29 Ders.: Avanti, il mikado! (11. Nov. 1917). In: OO. Bd. X: Dal Piave al convegno di Roma (30 ottobre 1917 – 12
aprile 1918). Firenze 1952, S. 41.

149
Hans Woller

solini in jüdischer Hand, und zwar in Russland ebenso wie in Ungarn, wo 1919 der Kommunist
Bela Kun die Macht erobert und die Revolutionshoffnungen der europäischen Linken weiter
gestärkt hatte. Diese Juden in höchsten Führungspositionen wurden, so Mussolini, vom Finanz-
kapital in London und New York gesteuert, das ebenfalls von Juden beherrscht werde. Die Juden
rächten sich damit an der »arischen Rasse, die sie viele Jahrhunderte lang zur Zerstreuung [über
die ganze Welt] verdammt hat.[…] Die von den Juden dominierte und kontrollierte internatio-
nale Plutokratie hat ein überragendes Interesse daran, dass der Prozess der völligen Desintegra-
tion des Lebens in Russland auf den Höhepunkt getrieben wird. Ein gelähmtes, desorganisiertes
und dem Hunger ausgeliefertes Russland wird morgen das Feld sein, auf dem die Bourgeoisie
[…] wie die Made im Speck leben wird. Die Könige des Goldes meinen, dass der Bolschewismus
noch etwas fortdauern sollte, um den Boden für neue Aktivitäten des Kapitalismus noch besser
bereiten zu können.«30
Diese fast von der gesamten Mussolini-Forschung übersehene Analyse stammt vom 4. Juni 1919.31
Lenin und der Bolschewismus erscheinen darin als Werkzeuge des jüdischen Finanzkapitals, das
entschlossen sei, sich an der »arischen Rasse« zu rächen – sie erscheinen damit als tödliche Be-
drohung der westlichen Welt, die Mussolini allerdings eher auf die leichte Schulter nahm. Zu-
gleich figurierten sie in Mussolinis Analyse aber als Erfüllungsgehilfen des Bürgertums, das in
Russland nach dem vollbrachten Vernichtungswerk der Juden eine Art Schlaraffenland erwarte-
te, in dem der Kapitalismus weitere viel versprechende Betätigungsfelder finden würde.
Zwei Jahre später, 1921, hatte sich diese Prophezeiung erfüllt. Russland war in Mussolini Augen
»ein kapitalistischer Staat wie er im Buche stand«. Die kommunistische Regierung habe ihren
Namen nicht verdient. Sie sei in »Wahrheit nichts anderes als eine ›bürgerliche ‹ Regierung«,
die es zu bekämpfen galt.32
Wenn Mussolini über den Juden Lenin und die jüdischen Bolschewisten herfiel, wollte er aber
nicht nur die neue russische Regierung treffen. Vor allem ging es ihm darum, seine alten Genos-
sen zu attackieren, die ihn 1914 aus der sozialistischen Partei geworfen hatten. Die Geister hatten
sich damals am Kriegseintritt geschieden – der PSI war dagegen, Mussolini dafür gewesen. Seit-
dem denunzierte er die Sozialisten als Vaterlandsverräter, als »große Verbrecherbande« und als
»schreckliche Feinde«,33 die nach 1917/18 alles nur noch schlimmer machten, weil sie sich mit

30 Benito Mussolini: I complici (4. Juni 1919). In: OO. Bd. XIII: Dal discorso di Piazza San Sepolcro alla marcia di
Ronchi (24 marzo 1919 – 13 settembre 1919). Firenze 1954, S. 169 f.; siehe auch ders.: Apologia o condanna?
Il „Documento“ Sadoul (16. März 1919). In: OO. Bd. XII: Dagli armistizi al discorso di Piazza San Sepolcro
(13 novembre 1918 – 23 marzo 1919). Firenze 1953, S. 301. Im Oktober 1920 nahm er die Behauptung, der
Bolschewismus sei eine Schöpfung der Juden, ohne nähere Begründung wieder zurück. Siehe dazu ders.: Ebrei,
bolscevismo e sionismo italiano (19. Okt. 1920). In: OO. Bd. XV: Dal secondo congresso dei fasci al trattato di
Rapallo (26 maggio 1920 – 12 novembre 1920). Firenze 1954, S. 269.
31 Eine Ausnahme bildet Richard J. B. Bosworth: Mussolini. Un dittatore italiano. Mailand 2004, S. 153, der allerdings
die ideologische Bedeutung dieses Zitats nicht erkannte. Siehe auch Giorgio Petracchi: La Russia rivoluzionaria
nella politica italiana. Le relazioni italo-sovietiche 1917–25. Prefazione di Renzo De Felice. Roma/Bari 1982, der
ebenso wie der Autor des Vorworts, De Felice, die Bedeutung des Antibolschewismus für Mussolini relativiert.
32 Benito Mussolini: Italia e Russia (2. Nov. 1921). In: OO. Bd. XVII: Dal primo discorso alla camera alla conferenza
di Cannes (22 giugno 1921 – 13 gennaio 1922). Firenze 1955, S. 204 f.
33 Ders.: Ciò che abbiamo ottenuto (25. Dez. 1917). In: OO. Bd. X, S. 167.

150
Toxische Fernwirkungen

großer Mehrheit auf die Seite der Bolschewisten schlugen, die Russland aus dem Krieg führten
und damit der Sache Italiens schadeten. Oder anders formuliert: Die Sozialisten dienten den In-
teressen der Juden und besorgten das Geschäft einer ruchlosen internationalen Bourgeoisie, die
in Russland ungeahnte neue Expansions- und Gewinnchancen erwartete. Der Überlebenskampf
des Vaterlands und die vitalen Expansionsprojekte Italiens galten ihnen dagegen schändlicher-
weise so gut wie nichts.
Mussolini zog mit beispielloser Aggressivität und Häme über die Sozialisten her. Kein Wunder:
Sie störten nicht nur seine Vision einer zu imperialistischen Abenteuern aufgelegten Volksge-
meinschaft, sondern banden auch breite soziale Schichten, die er als Gefolgschaft für sich selbst
beanspruchte. Ebenso klar ist aber, dass er weder die Sozialisten noch eine Ansteckung der itali-
enischen Gesellschaft durch das Virus der russischen Revolution fürchtete. Italien sei genau so
wenig Russland wie Deutschland, wo der bolschewistische Funke auch nicht gezündet habe.34
Der »Bolschewismus ist ein russisches Phänomen […]. Es ist ihm nur gelungen, einen Teil
Russlands anzustecken. […] Nur eine Bevölkerung, die mongolisch und tartarisch geprägt ist,
kann ein Regime wie das von Lenin hinnehmen bzw. erdulden […]. In den westlichen Nationen,
die zur griechisch-römischen Zivilisation gehören und durch und durch individualistisch sind,
würde ein solches Regime keine vierundzwanzig Stunden überleben. Italien […] ist [von allen
Ländern] das vom Leninismus am wenigsten gefährdete.«35 Eher als Italien werde noch Großbri-
tannien bolschewistisch. Der Bolschewismus habe im Westen aber generell keine Chance, eine
Toxikose sei hier nicht möglich – predigte Mussolini immer wieder, wobei er zur Untermauerung
seiner Behauptung häufig auf rassistische Stereotype zurückgriff: Russland sei anders, asiatisch,36
tartarisch und mongolisch geprägt und deshalb eine leichte Beute Lenins gewesen.
Die italienischen Sozialisten bereiteten Mussolini deshalb keine größeren Sorgen. Sie hatten sich
in seinen Augen schon 1915 ins Abseits manövriert und dann weiter verrannt, als sie 1917 bedin-
gungslos auf die Bolschewiki setzten, ohne zu erkennen, dass Lenin der Totengräber Russlands
und des Sozialismus war. »Das Regime, das sich in Russland durchgesetzt hat – durch Verrat und
die Komplizenschaft der Deutschen –, ist kein sozialistisches Regime, es ist eine rote Autokratie,
die ihre Zaren, ihre Großfürsten, ihre Beamten, ihre Polizisten, ihre Galgen hat wie das Regime«
des gestürzten Zaren, hielt er den Sozialisten ein Jahr nach der Oktoberrevolution vor.37 Im Mai
1920 wurde Mussolini noch deutlicher: Die Herrschaft von Lenin »ist eine Tyrannei, bestiali-
scher, barbarischer, autokratischer, militaristischer als die Geschichte je eine gekannt hat«.38

34 Ders.: Liebknecht è stato fucilato (17. Jan. 1919). In: OO. Bd. XII, S. 152.
35 Ders.: Le manovre dei „boches“. Ancora un ricatto? (24. Nov.1918). In: OO. Bd. XII, S. 29. Siehe auch ders.: La
decisione (15. Apr. 1919). In: OO. Bd. XIII, S. 58.
36 Ders., Liebknecht è stato fucilato.
37 Ders.: Gli orrori del „Banditismo“ leninista denunciati da un socialista russo nella rivista di Filippo Turati
(6. Okt. 1918). In: OO. Bd. XI: Dal convegno di Roma agli armistizi (13 aprile 1918 – 12 novembre 1918).
Firenze 1953, S. 396.
38 Ders.: Il Paradiso del Pidocchio. Missioni e missionari (20. Mai 1920). In: OO. Bd. XIV: Dalla marcia di Ronchi al
secondo congresso dei fasci (14 settembre 1919 – 25 maggio 1920). Firenze 1954, S. 456.

151
Hans Woller

Der Anhang der Sozialisten mochte in manchen Städten zwar die Straßen und Plätze beherr-
schen und dort einen »carnevale leninista« aufführen,39 die Führung der Partei werde aber nie-
mals den Versuch machen, das Spiel in Ernst zu verwandeln. Dazu war sie zu zerstritten, zu feige
und letztlich in ihrer Mehrheit auch zu klug. »Hört doch auf, euch wie Löwen zu gebärden«,
schleuderte er den Sozialisten entgegen, »wenn ihr nichts als Hasenfüße seid, und hört auf, von
Barrikaden zu sprechen, wenn ihr nichts anderes könnt, als an die Urnen zu gehen«.40 Gefahr
drohte allenfalls dann, wenn sich die Dinge verselbstständigten, wenn – mit anderen Worten –
die umstürzlerischen Potenzen der revoltierenden Industriearbeiter und der aufbegehrenden
Landarbeiter zusammenflossen und die Schubkraft der Anarchisten verstärkten, die nach 1918
eine weitere Renaissance erlebten. Danach sah es aber nicht aus, und die sozialistische Partei
machte keine Anstalten, eine solche Großallianz zu schmieden. Mussolini höhnte deshalb nur:
»Impotenz: so lautet das Wort, das die Sozialisten […]definiert.«41 Er hielt sie für »vom Leben
und der Geschichte Ausgestoßene«,42 sie seien »dazu verdammt, […] zu knurren und zu bellen,
die Karawane aber zieht – wie es im alten Gleichnis heißt – weiter auf den großen Straßen, die
von fünf Jahren einer globalen Tragödie blutgetränkt sind und die – trotz der Hunde – ihr Ziel
erreicht«.43 Beißen würden die Sozialisten jedenfalls nicht. Denn: Die sozialistische Partei »ist
ein großes und fettes schwerfälliges Tier, mit dem der faschistische Leopard nach Belieben scher-
zen kann«.44
Das heißt aber nicht, dass Mussolini verborgen geblieben wäre, dass in Italien das »Gespenst
des Kommunismus«45 umging und viele Bürger nicht nur verunsicherte, sondern in Panik ver-
setzte. Ihm und seinen Faschisten spielten diese grassierenden Ängste in die Hände. Je größer
die gefühlte Gefahr, desto größer das Bedürfnis nach Abwehrkräften, die stark genug waren, sie
zu bannen. Die Faschisten taten deshalb alles, um die Ängste zu schüren, während sie sich zu-
gleich als diejenigen präsentierten, die als einzige in der Lage waren, den Sozialisten und An-
archisten die Stirn zu bieten. Die Regierung allein war dazu, so Mussolini, nicht fähig. Sie gab
der Linken zu viel Raum und machte ihr gegenüber zu viele Zugeständnisse – aus Furcht vor
einem Bürgerkrieg, den Mussolini und seine Gesinnungsgenossen nicht scheuten. Das Ergebnis
gab den Faschisten recht: Sie avancierten zu den Hoffnungsträgern erst der Großagrarier, dann
der Großindustriellen und schließlich zu Bündnispartnern der Regierung, obwohl sie nie einen
Zweifel daran ließen, dass sie ganz eigene Ziele verfolgten. »Unser Ausgangspunkt im Kampf
gegen den Bolschewismus ist nicht statisch-konservativ oder […] reaktionär«,46 wie der Aus-
gangspunkt der Regierung und der alten Führungsschichten. Mussolinis seltsame Polemik gegen
das Judentum, gegen die Bourgeoise und den Kapitalismus wies ebenfalls in diese Richtung. Für
die Regierung verhieß das wenig Gutes. Mussolini hatte nach dem Bruch mit den Sozialisten
seinen revolutionären Projekten mitnichten abgeschworen, sie richteten sich zunächst gegen die

39 Ders.: Dopo la catastrofe, la „svolta“ del „PUS“. Dalle barricate alle urne! (2. Aug. 1919). In: OO. Bd. XIII, S. 268.
40 Ders.: I volti e le maschere (3. März 1920). In: OO. Bd. XIV, S. 350.
41 Ders.: Ammissioni nemiche (20. Juni 1918): In: OO. Bd. XI, S. 136.
42 Ders.: L’ora presente (23. Juni 1918). In: Ebd., S. 145.
43 Ders.: Consensi (10. Sept. 1918). In: Ebd., S. 350.
44 Ders.: Un gesto di coraggio (19. Okt. 1920). In: OO. Bd. XV, S. 267.
45 Ders.: L’altro spettro (29. Nov. 1919). In: OO. Bd. XIV, S. 157.
46 Ders.: I fatti di mantova e la duplice viltà dei capi (8. Dez. 1919). In: Ebd., S. 187.

152
Toxische Fernwirkungen

Sozialisten, Anarchisten und Kommunisten, die als ›Anti-Italiener ‹ im Zusammenspiel mit der
Regierung ausgeschaltet wurden, dann aber in zunehmendem Maße gegen das bürgerliche Es-
tablishment selbst, das ihm so lange die Hand gereicht hatte. Die faschistische Revolution fraß
schließlich ihre Väter und Paten.

5. Zusammenfassung
– Die russische Revolution verstärkte die zentrifugalen Kräfte in der italienischen Gesell-
schaft. Sie wirkte wie ein Katalysator der Spaltung, die seit Jahrzehnten im Gang war.
Lenins Botschaft beschleunigte diesen Prozess und brachte ihn zur Reife: Sie befeuerte
die Revolutionshoffnungen der Sozialisten und rief zugleich die konservativen Führungs-
kräfte auf den Plan, die nicht daran dachten, das Feld kampflos zu räumen. Daher verwan-
delte sich der seit längerem herrschende ›kalte‹ Bürgerkrieg nach dem Ersten Weltkrieg
in einen ›heißen‹.
– Die russischen Revolutionen trugen entscheidend zur Spaltung der sozialistischen Partei
und damit zur Schwächung der demokratischen Potentiale Italiens bei. Seit Jahrzehnten
uneins hatten die konkurrierenden Flügel bis 1917 dennoch immer wieder einen gemein-
samen Kurs zu finden vermocht. Die Oktoberrevolution und der Entscheidungszwang,
unter den Lenin auch die italienischen Sozialisten setzte, zerstörten die Einheit der Partei,
die sich – von der Abspaltung arg zerzaust – fortan auch noch mit ihren feindlichen
Brüdern von der kommunistischen Partei auseinandersetzen musste – so als hätte sie in
der tödlichen Konfrontation mit den aufblühenden Faschisten nicht schon genug zu tun
gehabt.
– Die italienische Regierung schürte und instrumentalisierte die in konservativen Kreisen
grassierende »grande paura rossa«, die sie selbst nicht wirklich teilte. Auch sie zielte auf
eine Spaltung der sozialistischen Partei, wobei sie deren reformerischen Flügel an sich
binden und den revolutionären Flügel weiteren Repressalien aussetzen wollte. Dass sie
mit dieser Politik das Vertrauen ihres sich schutzlos fühlenden bürgerlichen Anhangs
verspielte und den Faschisten weiteren Auftrieb verschaffte, war ein Kollateralschaden,
den Mussolini gerne registrierte und für seine Zwecke ausbeutete.
– Mussolini war die Angst vor dem Bolschewismus völlig fremd. Eine von »Furcht und
Hass erfüllte Beziehung zum Kommunismus«, wie sie Ernst Nolte als „bewegende
Mitte von Hitlers Empfindungen und von Hitlers Ideologie“ konstatierte,47 gab es bei
ihm nicht, auch bei Hitler müsste sie erst noch bewiesen werden. Mussolini kannte die
italienischen Sozialisten aus eigener Erfahrung. Er hielt sie für revolutionäre Maulhelden
oder für viel zu klug und pragmatisch, als dass sie das mehr als zweifelhafte russische
Experiment in Italien wiederholen wollten. Auch er scheute sich aber nicht, die Bedro-
hungsgefühle in konservativen Kreisen anzuheizen. Er gewann damit neue Anhänger und
die partielle Akzeptanz der Regierung, die ihn in der Konfrontation mit den Sozialisten

47 Ernst Nolte: Der europäische Bürgerkrieg 1917–1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus. Frankfurt a. M./
Berlin 1987, S. 16.

153
Hans Woller

für ihre Zwecke einspannen wollte. Der daraus resultierende Herrschaftskompromiss, der
ihm 1922 zur Macht verhalf, wäre ohne die toxischen Fernwirkungen der Oktoberrevolu-
tion wohl kaum zustande gekommen.
– Der Antibolschewismus war weder für die Futuristen noch für die Nationalisten konsti-
tutiv. Antibolschewisten waren aber auch Mussolini und die frühen Faschisten nicht. Wie
hätte der „Duce“ sonst den Plan der Regierung, diplomatische Beziehungen mit Russland
aufzunehmen, unterstützen können? Und wie sonst hätte er den russischen Gesandten
in Italien schon im November 1922 ein weitreichendes Bündnis zwischen Moskau und
Rom in Aussicht stellen können?48 Nicht zum letzten Mal übrigens – weitere Avancen
folgten Mitte und Ende der 1920er Jahre.49 Gewiss, die Faschisten profilierten sich im
Abwehrkampf gegen den Bolschewismus und profitierten von dem Klima der Bedro-
hung, das die Sozialisten durch ihre am russischen Vorbild orientierte Revolutionspro-
paganda schufen. Eine echte Herausforderung sahen sie in ihren Gegnern aber nicht. Sie
hassten und bekämpften sie auch nicht primär deshalb, weil sie sich zu Lenin bekannten
und sich als Kommunisten bezeichneten, sondern weil sie auf die Frage »Krieg oder
Frieden?« die falsche Antwort gegeben hatten und sich deshalb als Vaterlandsverräter
disqualifiziert hatten. Die Faschisten fühlten sich diesen Defätisten überlegen und als
echte, im Krieg gestählte Revolutionäre, die ihre eigene Agenda hatten. Die Faschisten
gingen aufs Ganze, sie wollten ›neue Menschen‹ in ›neuen Gesellschaften‹ schaffen
und schließlich einen expansionsbereiten faschistischen Volksstaat bilden.50 Als Musso-
lini sich 1919 aufmachte, um seinen Staatstraum zu verwirklichen und Italien zu neuer
Größe zu verhelfen, waren seine Hauptfeinde das ›parasitäre Bürgertum‹, der ›gefräßige
Finanzkapitalismus‹ mit seinen Hochburgen in London, New York und Paris und das
internationale Judentum. Der Antibolschewismus spielte in den Gedanken des ersten
Faschisten nur eine untergeordnete Rolle. Anlass genug, den »genuine[n] Schrecken«51
über den Bolschewismus als Triebfeder der faschistischen Bewegungen nach 1918 neu zu
bewerten? Vieles spricht dafür, auch diese These Ernst Noltes noch eingehender auf den
Prüfstand zu stellen – und zu verwerfen.

48 Siehe Petracchi, La Russia rivoluzionaria nella politica italiana, S. 231.


49 Siehe das Vorwort von De Felice in: Petracchi, La Russia rivoluzionaria nella politica italiana, S. XIII. Der Anti-
bolschewismus avancierte erst in den 1930er-Jahren zu einem Faktor der italienischen Außenpolitik.
50 Siehe Emilio Gentile: Der „neue Mensch“ des Faschismus. Reflexionen über ein totalitäres Experiment. In: Thomas
Schlemmer, Hans Woller (Hrsg.): Der Faschismus in Europa. Wege der Forschung. München 2014, S. 89–106.
51 Siehe Nolte, Der europäische Bürgerkrieg 1917–1945, S. 547.

154
Marie-Luise Recker

Großbritannien und das revolutionäre Russland

In der Sicht von Ray Stannard Baker, dem amerikanischen Journalisten und Schriftsteller, der in
der Begleitung von Woodrow Wilson 1919/20 als Direktor des Pressebüros der amerikanischen
Delegation an der Pariser Friedenskonferenz teilnahm, war der Einfluss der russischen Frage
auf die dort Versammelten enorm: „Paris cannot be understood without Moscow. […] Russia
played a more vital part at Paris than Prussia. For the Prussian idea had been utterly defeated,
while the Russian idea was still rising in power.“1 Die Schaffung einer neuen Friedensordnung
in Europa und die Eindämmung des Bolschewismus waren somit eng miteinander verbun-
den. Diese Interpretation hat knapp fünfzig Jahre später Arno J. Mayer aufgegriffen und sie zur
Grundmelodie seiner Darstellung über die Verhandlungen der Siegermächte in Versailles und
den anderen Vororten der französischen Hauptstadt gemacht.2 Ja, wie er unterstreicht, hätten
sich mit Wilson und Lenin die Protagonisten zweier alternativer Ordnungskonzepte gegenüber-
gestanden3 mit dem Anspruch, ihrer Vision einer künftigen Weltordnung nach dem Ende des
Weltkrieges zum Durchbruch zu verhelfen.
Diese Interpretation unterschlägt ohne Zweifel die Bedeutung, die die deutsche Frage und die
Einhegung des (so perzipierten) deutschen Hegemoniestrebens für alle in der französischen
Hauptstadt Versammelten hatte, und ist zudem stark von der Blockkonfrontation des Kalten
Krieges geprägt. Dennoch trifft diese Sichtweise ein zentrales Anliegen der Friedensmacher,
nämlich den Kontinent nicht nur gegen ein Wiederaufflammen deutscher Großmachtambiti-
onen zu wappnen, sondern – ganz akut – ihn gegen die Ausbreitung der in Russland virulen-
ten revolutionären Bewegung zu immunisieren. Gerade in den besiegten Staaten schienen die
soziale Konfliktlage und die politische Unruhe so groß, dass die bolschewistische Idee hier auf
exzellente Vorbedingungen traf. Aber auch in den Siegerstaaten schufen Kriegsmüdigkeit und
der Druck auf soziale und politische Reformen ein günstiges Klima für revolutionäre Ausschrei-
tungen. Insofern war die russische Frage in der Tat auf der Pariser Friedenskonferenz immer
präsent.
Die Abwehr von Lenins Konzept einer künftigen internationalen Ordnung und die Eindäm-
mung der russischen Gefahr trieb auch die britische Regierung um. Hatte das Vereinigte Kö-
nigreich als Ankermacht einer „balance of power“ schon in der Vergangenheit das Ziel verfolgt,
in Europa wie auch global eine von Gleichgewicht, Kooperation und offenen Märkten geprägte
politische Ordnung zu schaffen, so wollte die britische Diplomatie auch nun in Paris alles daran
setzen, ein stabiles und ausgewogenes Nachkriegsregime zu schaffen. Dies aber hieß, die von

1 Ray St. Baker: Woodrow Wilson and World Settlement. Written from His Unpublished and Personal Material. 3
Bde. Bd. 2. Garden City, NY u. a. 1923, S. 64.
2 Vgl. Arno J. Mayer: Politics and Diplomacy of Peacemaking. Containment and Counterrevolution at Versailles
1918–1919. New York 1967.
3 Vgl. ders.: Wilson vs. Lenin. Political Origins of the New Diplomacy, 1917–1918. New Haven 1959.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 155–160


[Link] 155
Marie-Luise Recker

Moskau ausgehende Revolution zu ersticken. Der Premierminister, David Lloyd George, war
zudem höchst empfänglich für das von Wilson proklamierte Vorgehen, das von Moskau aus ge-
schürte revolutionäre Feuer durch maßvolle, aber wirksame soziale Reformen und „gemäßigte“
Friedensbedingungen für die ehemaligen Mittelmächte zu bekämpfen, musste jedoch mit Blick
auf seinen Koalitionspartner, die Konservativen, wie aus Rücksicht auf den französischen Ver-
bündeten immer wieder Abstriche an diesem Konzept machen. Deshalb war seine Linie nicht
so entschieden wie die des amerikanischen Präsidenten.
Ohnehin war die Frage nur schwer zu beantworten, auf welche Kräfte man stattdessen in Russ-
land würde setzen können und was nach einem Auslöschen des revolutionären Feuers an die
Stelle des bolschewistischen Regimes treten sollte. Die zaristische Herrschaft hatte man in Lon-
don eher skeptisch beurteilt, insbesondere nachdem die zaghaften Reformbemühungen nach
1905/06 wieder zurückgenommen worden waren und sich eine Rückkehr zu einem autokrati-
schen System abzeichnete. Die Träger der Februarrevolution kamen dem Wunschbild einer auf
politische und soziale Reformen ausgerichteten neuen politischen Ordnung zwar schon deut-
lich näher, doch war es höchst ungewiss, ob sich diese Kräfte – Kadetten, Sozialrevolutionäre,
Menschewiki – würden halten können. Vor allem aber setzte die britische Regierung darauf,
Russland im Krieg zu halten, ja, durch eine Offensive an der Ostfront die bedrohliche Lage der
eigenen Truppen im Westen zu entlasten. Deshalb bedrängte sie die Provisorische Regierung
mit Nachdruck, endlich die versprochene Militäraktion gegen die Mittelmächte zu beginnen.
Als diese Offensive kläglich scheiterte, war das Schicksal der Februar-Revolutionäre besiegelt.
Die Machtübernahme der Bolschewiki stellte die britische Russland-Politik4 vor ganz neue He-
rausforderungen. Mit ihrer Parole von Brot, Land und Frieden verabschiedeten sich Lenin und
Trotzki explizit von der bisherigen Linie der Kooperation mit den Alliierten. Der Waffenstill-
stands- und später der Friedensvertrag von Brest-Litowsk bedeuteten nicht nur das Ausscheiden
Russlands aus der Kriegskoalition, sondern auch eine Absage, ja, eine Distanzierung von den
in ihrem Schoße vereinbarten Kriegszielen, was die Verbündeten bewusst brüskierte. Die Ver-
öffentlichung aller Geheimverträge der früheren russischen Regierungen im November 1918
war in der Tat „ein ungeheuerlicher Vorgang. Er gab das Arkanum der Diplomatie einer trans-
nationalen Öffentlichkeit preis“5 und verstieß damit in voller Absicht gegen den international
anerkannten diplomatischen Komment. Vor allem aber wollte Lenin den Weltkrieg in einen
internationalen Bürgerkrieg verwandeln. Worauf er abzielte, war eine Abfolge von Revolutio-
nen, die schließlich in einen sozialrevolutionären Endkampf münden würden. Sie würden nicht
nur die politische und gesellschaftliche Ordnung in Europa völlig neu gestalten, sondern auch
in den anderen Kontinenten den globalen Befreiungskampf der indigenen Völker dort bringen.
Nicht mehr ein auf einem Friedenskongress verabredetes internationales Ordnungssystem wür-
de den Globus prägen, sondern eine von sozialrevolutionären Idealen getragene Weltordnung.
Für die Regierung in London war dies nicht nur eine außenpolitische Provokation, sondern
auch eine innenpolitische Herausforderung. Zwar standen die Labour Party wie auch die Ge-

4 Dies ist schon früh umfassend erforscht worden. Vgl. Richard H. Ullman: Anglo-Soviet Relations, 1917–1921. 3
Bde. Princeton 1961–1972.
5 Jörn Leonhard: Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918–1923. München 2018, S. 78.

156
Großbritannien und das revolutionäre Russland

werkschaftsbewegung nach wie vor zur Politik des Kriegskabinetts und waren ja auch personell
wie administrativ in sie eingebunden, doch drohte mit der wachsenden Kriegsmüdigkeit sowohl
auf den Schlachtfeldern als auch an der Heimatfront diese Unterstützung ins Wanken zu gera-
ten. Mit Streikwellen 1917/186 in den großen Zentren der Rüstungsindustrie, auf den Werften
an der Clyde, in Kohlebergwerken in Wales und Nordengland oder auch unter den Eisenbah-
nern brach sich sozialer Protest Bahn, der in den Augen der Regierung leicht vom bolschewisti-
schen Bazillus infiziert werden konnte. Auch vereinzelte Meutereien, bei denen die Soldaten ein
baldiges Ende des Krieges und die Entlassung aus der Armee forderten, sahen viele Beobachter
als Alarmzeichen für eine revolutionäre Stimmung dort an. Und nicht zuletzt signalisierte wach-
sende Unruhe in der Labour Party, gerade auf ihrem linken Flügel, dass auch das politische Sys-
tem im Vereinigten Königreich in Bewegung geriet. Wenn auch die politischen Dissoziations-
prozesse dort einschließlich des Aufkommens von linkssozialistischen und kommunistischen
Gruppierungen längst nicht so heftig verliefen wie in Frankreich, Italien oder Deutschland, so
ergriffen die von der russischen Novemberrevolution ausgehenden Erschütterungen doch auch
die britischen Inseln.
Die Antwort der Regierung auf diese Situation war die rasche Demobilisierung der Soldaten
und – charakteristischer noch – die Auflage eines groß angelegten Sozialprogramms. Es trug un-
übersehbar die Handschrift Lloyd Georges, der ja bereits als Schatzkanzler in der Vorkriegszeit
ein breit gefächertes Reformprogramm initiiert hatte. Auch seine Berufung zum Premierminis-
ter 1916 war nicht zuletzt von dem Ziel getragen gewesen, die Kriegsanstrengungen deutlich
zu intensivieren und den Soldaten auf den Schlachtfeldern wie den Rüstungsarbeitern an der
Heimatfront für ihren Dienst am Vaterland sozialpolitische Kompensationen zu versprechen.
„A land fit for heroes“ wollte man nach dem Krieg bauen,7 die vorgesehenen Maßnahmen
umfassten entsprechende Leistungen für Invaliden, Witwen und Waisen, ein umfangreiches
Wohnungsbauprogramm, die Ausweitung der Gesundheitsfürsorge, Verbesserungen im Bil-
dungswesen, die Senkung der Wochenarbeitszeit und den Fall aller Wahlrechtsbeschränkun-
gen. Wenn dieses Programm auch nicht ausschließlich oder in erster Linie als Antwort auf die
russische Revolution interpretiert werden kann, sondern seine Anfänge früher liegen, war die
von Moskau und Petrograd ausgehende Herausforderung doch ein wichtiges Argument, es ab-
zurunden und zu verabschieden.
Angesichts der wachsenden sozialen Spannungen in allen kriegführenden Staaten war die Ein-
dämmung, ja, die Vernichtung des russischen Bazillus das Gebot der Stunde. Keine Metapher
wurde in der Diskussion in Großbritannien über die russische Revolution so häufig benutzt
wie die von einem Buschfeuer, das über das untergegangene Zarenreich hinwegfege und nun
den ganzen Kontinent bedrohe. Ein Buschfeuer bricht ohne dezidierte Absicht aus, es vernich-
tet alles, was sich seinen Flammen in den Weg stellt, und es lässt sich nicht direkt bekämpfen,
sondern ist mächtiger als jeder Feuerwehrmann. Die einzige Möglichkeit, es zu besiegen, ist, an
seinen Rändern Schneisen zu schlagen, also Sicherheitszonen anzulegen, die es nicht übersprin-

6 Vgl. für Einzelheiten Mayer, Politics and Diplomacy of Peacemaking, S. 133 ff., 604 ff.
7 Vgl. hierzu Paul B. Johnson: Land Fit for Heroes. The Planning of British Reconstruction, 1916–1919. Chicago/
London 1968.

157
Marie-Luise Recker

gen kann, so dass es sich schließlich selbst verzehrt. Dieses Bild vom Buschfeuer kennzeichnete
in hohem Maße die Haltung Großbritannien gegenüber dem revolutionären Russland.
Dabei war aus Londoner Sicht schwer einzuschätzen, was in den Weiten Russlands geschah. Die
Nachrichten, die in den Westen gelangten, sprachen von endemischer Gewalt, von Bürgerkrieg,
Plünderungen, Hungersnöten, ja, dem Zusammenbruch jeder staatlichen und gesellschaftli-
chen Ordnung. „Roter“ und „weißer“ Terror lösten sich ab. Russland, so schrieb Lloyd George
in der Rückschau, sei ein Dschungel gewesen, in dem niemand erkennen konnte, was sich nur
wenige Meter von ihm entfernt zutrug.8 Da das Ausland im Sommer 1918 seine Diplomaten
aus Petrograd abgezogen hatte und in den nächsten Monaten auch die meisten ausländischen
Zeitungskorrespondenten abgereist waren, fehlte jeder Kontakt mit der Lage vor Ort. „Während
der Konferenz wussten die Friedensmacher über Russland ungefähr so viel wie über die abge-
wandte Seite des Mondes.“9
Eine breit angelegte Militäraktion mit dem Ziel, die Bolschewiki zu stürzen, zog die Regierung
in London nicht in Erwägung, auch wenn nicht nur Kriegsminister Churchill einen solchen
Kurs immer wieder forderte. Die Unterstützung der „weißen“ Truppen unter Admiral Koltschak
und General Denikin mochte als Beginn eines solchen Kurses gelten, doch blieb dieses Enga-
gement eher halbherzig. Auch die direkte Intervention britischer Verbände von Murmansk und
Archangelsk aus verlief stockend und blieb von der Sorge um Moral und Kampfgeist der Trup-
pen getragen. Erfolg versprechende Versuche, das bolschewistische Regime zu Fall zu bringen,
hätten einer anderen Größenordnung bedurft. Wenn, wie Lloyd George zutreffend diagnosti-
zierte, die Ursache für die Machtübernahme Lenins die gravierenden sozialen Missstände unter
dem zaristischen Regime sowie die überwältigende Kriegsmüdigkeit der russischen Truppen
wie der Zivilbevölkerung waren, so ließ sich beides nicht von außen her beseitigen. Deshalb
war nicht die Liquidierung, sondern die Eindämmung der Revolution, „containment“ und nicht
„counterrevolution“, das Ziel der britischen Regierung.
Dem diente die Unterstützung der Unabhängigkeitsbewegungen von Gebieten an den russi-
schen Grenzen vom Kaukasus über Georgien, Armenien, Aserbeidschan, der Ukraine bis hin
zur Tschechoslowakei, Polen, den baltischen Staaten und Finnland sowie die Arrondierung Ru-
mäniens und Bulgariens um territoriale Gebiete des ehemaligen Zarenreiches. Hiermit sollte
nicht nur die Parole vom Selbstbestimmungsrecht der Völker, sowohl von Lenin als auch von
Wilson als grundlegendes Prinzip einer neuen Weltordnung propagiert, in die Tat umgesetzt
und diese neuen Staaten für die westliche Sache gewonnen werden. Ein so verkleinertes, auf
seine Kerngebiete zurückgeworfenes Russland schien manchem Regierungsvertreter in Lon-
don auch unter machtpolitischen Gesichtspunkten eine vorteilhafte Option für die Zukunft des
Britischen Empire zu sein. Zudem legten die so aus der Landmasse des Zarenreiches heraustre-
tenden neuen Staaten die Sicherheitsschneise um den Kern des bolschewistischen Herrschafts-
gebiets, die der Eindämmung des revolutionären „Buschfeuers“ dienen sollte.

8 David Lloyd George: The Truth about the Peace Treaties. 2 Bde. Bd. 1. London 1938, S. 326 f.
9 Margaret MacMillan: Die Friedensmacher. Wie der Versailler Vertrag die Welt veränderte. Berlin 2015, S. 103.

158
Großbritannien und das revolutionäre Russland

Von besonderer Bedeutung für diese Containment-Strategie war der ostmitteleuropäische Staa-
tengürtel, da er zwischen dem Herd des revolutionären Feuers und den bedrohten west- und
mitteleuropäischen Staaten – Großbritannien, Frankreich, Italien, auch Deutschland – lag und
so der Eindämmung der von Russland ausgehenden Gefahr seine Stabilisierung voraussetzte.
Deshalb hat sich die britische Regierung der politischen und wirtschaftlichen Konsolidierung
dieser Staaten10 durchaus intensiv zugewandt. Hierbei genossen diejenigen politischen Kräf-
te den aktiven Beistand Londons, die für eine am westlichen Modell ausgerichtete politische
Kultur standen, also parteipolitisch etwa bei gemäßigten Sozialdemokraten und für Reformen
aufgeschlossenen Liberalen zu verorten waren. Angesichts der verheerenden Versorgungslage in
dieser Region und um den Aufbau stabiler politischer und wirtschaftlicher Strukturen dort zu
unterstützen, erwog die britische Regierung sogar, ein groß angelegtes Wiederaufbauprogramm
für diesen Staatengürtel auf die Beine zu stellen; die Analogie zum Marshall-Plan nach dem
Zweiten Weltkrieg ist hierbei mit Händen zu greifen. Allerdings fiel diese Initiative schon bald in
sich zusammen, als nämlich klar wurde, dass die USA sich hieran nicht beteiligen würden, und
zudem Großbritannien selbst von den ersten Anzeichen der weltwirtschaftlichen Depression
der frühen 1920er-Jahre erfasst wurde.
Die Bemühungen, an der westlichen Flanke Russlands einen Cordon sanitaire zur Eindämmung
des russischen Buschfeuers zu schaffen, erwiesen sich als fragil. Die neuen Staaten dort hatten
mit einer Fülle politischer, sozialer und wirtschaftlicher Probleme zu kämpfen, was ihrer ra-
schen Konsolidierung entgegenstand. Auch die Kooperation untereinander blieb prekär. In der
März/April-Krise des Jahres 1919 drohte dann dieser Damm zu brechen: Mit der Räterepublik
Béla Kuns in Ungarn war der erste Dominostein gefallen, angesichts wachsender sozialer Unru-
hen in Österreich und entsprechender Gerüchte über einen bevorstehenden bolschewistischen
Putsch schien der revolutionäre Funke auch auf die Donaurepublik überzuspringen, ja, mit der
Radikalisierung der revolutionären Bewegung in Deutschland im Frühjahr 1919 und der Aus-
rufung von Räterepubliken in München und Bremen schien selbst die soeben geschaffene parla-
mentarische Demokratie der Weimarer Republik in Gefahr. Zwar konnte diese Krise überwun-
den und die Regierung Béla Kuns in Budapest gestürzt werden, doch hatte sie die Anfälligkeit
der im Entstehen begriffenen Nachkriegsordnung für die von Moskau ausgehende Gefahr noch
einmal deutlich gemacht.
Die negative Sicht Londons auf die Ereignisse in Russland wurde durch diese Vorgänge noch
bestärkt. Wie Lloyd George Mitte April 1919 in einer Grundsatzrede im Unterhaus zur zu-
künftigen Friedensordnung bekräftigte, sei Russland wie ein Vulkan, von heftigen Eruptionen
erschüttert.11 Der Staat habe dort seine Ordnungsfunktion verloren, sei zerbrochen, im Bür-
gerkrieg versunken, die Macht liege auf der Straße. Der brutale Mord an der Zarenfamilie scho-
ckierte die westliche Öffentlichkeit. Mit der Propagierung der Weltrevolution sowie der Entsen-
dung von subversiven Agenten und der Anstachelung zu Klassenhass und Aufruhr habe es sich
jenseits der internationalen Ordnung gestellt. Es sei zu einem Paria unter den Mächten der Welt

10 Vgl. für Details Marie-Luise Recker: England und der Donauraum 1919–1929. Probleme einer europäischen
Nachkriegsordnung. Stuttgart 1976.
11 House of Commons, Parliamentary Debates, 5th series, vol. 114, cols. 2936–2956. Sitzung vom 16. Apr. 1919.
URL: [Link]

159
Marie-Luise Recker

geworden. Bis in die frühen 1920er-Jahre blieb das revolutionäre Russland ausgestoßen aus der
europäischen Staatenfamilie. Erst als die Phase der Revolution und des Bürgerkriegs in eine so-
wjetische Staatsbildung nach innen und nach außen überging, konnte die neue UdSSR langsam
wieder Kontakte zu den europäischen Mächten knüpfen. Großbritannien nahm unter der ersten
Labour-Regierung 1924 diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion auf, Frankreich folgte,
wenn auch widerstrebend, wenig später.

160
Kolloquium „Die Novemberrevolution
im deutsch-russischen Kontext“
München, Juli 2018
Steffen Arndt

Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918 im


Spiegel der Archive in Gotha und Erfurt

I. Der Erste Weltkrieg und die Heimatfront


Nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo
am 28. Juni 1914 kam es zu fieberhaften diplomatischen Verhandlungen zwischen den europäi-
schen Machtblöcken, die aber an der Kriegsbereitschaft auf allen Seiten scheiterten. Frankreich
strebte eine Revision der Niederlage von 1871 an. England sah seine Weltherrschaft durch die
deutsche Flottenrüstung bzw. die Wirtschaftsstärke des vereinigten Deutschen Reichs gefähr-
det. Russland konkurrierte mit Österreich-Ungarn um den Balkan. Deutschland als National-
staat und Großmacht wollte endlich seinen bislang versagten Platz an der Sonne erkämpfen und
gleichzeig die Einkreisung durch die Entente durchbrechen. So stellte Kaiser Wilhelm II. seinem
Bündnispartner in Wien einen Blankocheck aus, d. h. im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtun-
gen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns [zu] stehen. Diese Unterstüt-
zung ermöglichte das österreichische Ultimatum an Serbien, womit eine verhängnisvolle Kaska-
de ausgelöst wurde. So mobilisierten die europäischen Großmächte Anfang August ihre Armeen,
Deutschland konkret am 1. August 1914.
Da Deutschland einen Zweifrontenkrieg vermeiden musste, sah der Schlieffen-Plan zunächst eine
massive Zangenbewegung unter Umgehung der schwer befestigten französischen Ostgrenze vor,
um in einem kurzen Feldzug Frankreich zu besiegen. Danach sollten die Truppen rasch nach Os-
ten verlegt werden, um dort die Armeen des Zaren zu schlagen. Dieser Plan wurde schon in den
ersten Kriegsmonaten obsolet, denn die russische Mobilmachung erfolgte wesentlich schneller,
so dass Ostpreußen verloren ging. Der deutsche Generalstab musste erhebliche Truppenteile aus
dem Westen abziehen, was die Operationskraft gegen Frankreich schwächte. Hinzu kam, dass die
Verletzung der belgischen Neutralität den Kriegseintritt Großbritanniens nach sich zog.
Wenn auch die Operationsführung im Westen zunächst erfolgreich war, so kam doch die deut-
sche Offensive im September 1914 mit der Schlacht an der Marne endgültig zum Stehen und
verwandelte sich in einen quälenden Grabenkrieg. Da die Panzerwaffe für bewegliche Opera-
tionen erst zum Ende des Krieges zur Verfügung stand, war die Verteidigung erheblich im Vor-
teil, denn Grabenstellungen mit schweren Maschinengewehren waren fast unüberwindlich. So
entwickelte sich der erste Weltkrieg zu einem Vernichtungskrieg von ungeahnter Härte, in dem
17 Mio. Menschen ihr Leben verloren. Der einzelne Mensch war nur noch Kanonenfutter, denn
entscheidend wurde, welches Bündnis die gesamte Volkswirtschaft möglichst effizient auf eine
totale Kriegswirtschaft umstellen konnte. So bestimmte der Krieg schließlich alle Lebensberei-
che und bedeutete einen scharfen Einschnitt in die bisherige Friedensgesellschaft; schließlich lag
der letzte Krieg gegen Frankreich über 40 Jahre zurück.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 163–184


[Link] 163
Steffen Arndt

Mit Beginn des Krieges gelang es der deutschen Reichsleitung mit der Ausrufung eines Burg-
friedens, alle innenpolitischen Spannungen zu überdecken. Auch die Sozialdemokraten stimm-
ten dem Burgfrieden zu und bewilligten im Reichstag die durch die Reichsleitung beantragten
Kriegskredite. In den ersten Augusttagen erfasste die Bevölkerung eine regelrechte Kriegsbe-
geisterung, teils, weil ein kurzer Krieg erwartet wurde, teils, weil Ruhm und Ehre, der Tod für
das Vaterland, in der Militärgesellschaft des Deutschen Reichs als hohes Gut galten. Unzählige
patriotische Gedichte wurden publiziert und z. B. der deutschen Jungfrau ins Stammbuch ge-
schrieben. Das deutsche Kaiserpaar rief alle Deutschen, Mann oder Frau, zur Pflichterfüllung am
Vaterland auf.
Allerdings war das Deutsche Reich denkbar schlecht auf den langen Krieg vorbereitet. Es musste
bereits vor 1914 ein Drittel seiner Lebensmittel durch den Import decken. Vorräte waren nicht
angelegt worden, im Gegenteil, bis zum Sommer 1914 erfolgten sogar Roggen- und Weizenex-
porte. Die britische Seeblockade verhinderte nun auch den Import von Düngemitteln, so dass
sich die Ertragskraft der Böden verschlechterte. Der sofort fühlbare Mangel führte zu erhebli-
chen Preissteigerungen für Lebensmittel, bis die Reichsleitung im Oktober 1914 Höchstpreise
festsetzte. In der streng vertraulichen Begründung zur Bekanntmachung, betreffend die Höchst-
preise für Getreide und Kleie hieß es: Nimmt man an, daß die vorhandenen Vorräte durch Einfuhr
oder Ausfuhr keine Verminderung erfahren, […] so würden bis zur nächsten Ernte an Weizen 1,95
Millionen Tonnen und an Gerste 3,28 Millionen Tonnen fehlen. […] Bei dem erheblichen Fehlbetrag
an Weizen könnte der Weizenverbrauch der deutschen Bevölkerung uneingeschränkt nur für etwa 8
Monate aufrechterhalten werden.1
Im Juni 1915 wurden reichsweit Brotkarten eingeführt und letztlich die gesamte Getreidepro-
duktion staatlich beaufsichtigt. Die umfangreiche Bürokratie und das staatliche Preisdiktat
führten aber auf der Produzentenseite zu Widerstand, der sich in einem weiteren Produktions-
rückgang niederschlug. Außerdem entstand ein erheblicher Schwarzmarkt, der zwischen 30 %
bis 50 % aller verfügbaren Lebensmittel absorbierte. Da die staatlichen Rationen nur etwa 50 %
des täglichen Kalorienbedarfs deckten, hing die weitere Versorgung von den eigenen finanziel-
len Mitteln ab. Der Nahrungsmangel führte bereits Anfang 1915 zu zahlreichen Hinweisen zur
Ausnutzung einheimischer Ressourcen und Tipps für die Hausfrauenküche, so zur Pflege des
heimischen Obstgartens oder Hinweisen zur Vermeidung der Eiweißvergeudung in der Küche
mit entsprechenden Küchenverboten. In einem Flugblatt mit dem Titel „Krieg, Obst und Frau-
en” über die Herstellung von Früchtekonserven aus einheimischem Obst durch die Hausfrauen
heißt es: Man hat oft über die deutsche Frau mit dem Kochlöffel gespottet. Heute wird das Spottsymbol
Ernst. Auch mit dem Kochlöffel kann man nationale Schlachten schlagen, wenn es heißt, alles zu tun,
um unsere Volksernährung zu sichern, solange der Feind an unseren Grenzen steht.2 Selbst der Anbau
von Sonnenblumen und Mohn zur Verbesserung der Ölversorgung wurde mit farbigen Plakaten
propagiert (s. Abb. 1).
Aber alle staatlichen Maßnahmen, verbunden mit leidenschaftlichen Appellen an die deutschen
Landwirte und Landwirtsfrauen, konnten letztlich nur den zunehmenden Mangel verwalten.

1 Staatsarchiv Gotha (künftig: StAG), StMin. Gotha, Dep. II, Loc. 192, Nr. 5/1, Fol. 52.
2 Ebd., Nr. 17/2, Fol. 232.

164
Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918

Selbst die Gründung einer Reichskartoffelstelle im Oktober 1915 oder des Kriegsernährungs-
amts im Mai 1916, welches die gesamte Versorgung der Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln
sicherstellen sollte, blähten nur die Bürokratie auf. So kam es schon im Frühjahr 1916, z. B. in
Leipzig, zu ersten Lebensmittelunruhen in den Großstädten. Im Winter 1916/17 brach aufgrund
der schlechten Ernte die Versorgung mit Kartoffeln fast ganz zusammen, so dass die Bevölkerung
nur noch mit Steckrüben, ursprünglich wegen des eigentümlichen Geschmacks als Schweinefut-
ter verwendet, ernährt werden konnte. Der Reichsgesundheitsrat ging in seinen Beratungen vom
20. Dezember 1917 auf die bedenklichen Folgen dieser Ernährung ein: Nach allgemeinem Urteil
war die Kohlrübenperiode die schlimmste des vorigen Jahres, auf sie entfällt vor allem die Zunahme an
allen möglichen Erkrankungen. […] Abgelehnt wird allgemein das Brot mit Rübenzusatz, auch die
Rübe als Kartoffelzusatz und die Kohlrübenmarmelade. Das Rübenbrot sei schlecht und werde nur mit
Widerwillen genossen und erzeuge Durchfall.3 Insgesamt sank die Nahrungszufuhr pro Person und
Tag auf 1.000 Kalorien. Da der Normalbedarf bei etwa 2.600 Kalorien lag, kam es zu einer mas-
siven Unterernährung der Bevölkerung und daraufhin zu einem Anstieg der Kindersterblichkeit
und der Grippetoten. Der schon oben erwähnte Reichsgesundheitsrat stellte dazu fest: Alles in
allem wurde die ganze Nahrung der Bevölkerung […] durch den Ausfall aller tierischen Nahrungs-
mittel proletarisiert, einförmig, für manche nicht besser als die Gefängniskost vor 60 bis 70 Jahren.4 So
stellte dann auch Dr. Weber, Stadtmedizinalrat von Berlin – dessen Ausführungen auf alle großen
Industriestädte, auch auf z. B. Erfurt, übertragbar sind – in einer Sitzung des Beirats für Volkser-
nährung am 25. Januar 1918 zur Widerstandkraft der Menschen gegen Krankheiten bei Mange-
lernährung fest, dass die Sterblichkeit im Winter 1916/1917 im Vergleich zum Vorjahr bei der
Altersklasse über 60 um 81 % angestiegen war. Lagen die Sterbeziffern in Berlin vor dem Krieg
bei etwa 28.000 Menschen pro Jahr, so starben 1917 34.000 Einwohner.5 Letztlich forderte der
Hunger bis zum Kriegsende 800.000 Menschenleben. Im Vergleich dazu forderte der Luftkrieg
der Alliierten gegen deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg etwa 500.000 Opfer.
Das Unvermögen der Reichsleitung, die Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen, hatte
auch für Thüringen schwerwiegende Auswirkungen. So schrieb am 19. Oktober 1916 das Stell-
vertretende Generalkommando des XI. Armeekorps in Kassel, das auch die Exekutivgewalt über
Westthüringen ausübte, an das Staatsministerium zu Gotha: Die Versorgung der Industriearbeiter
mit Kartoffeln ist derartig schwierig geworden, daß ohne militärische Hilfe nicht die Sicherheit besteht,
daß nicht ernste Unruhen ausbrechen.6 Selbst die Ernte des Jahres 1917 brachte kaum Linderung.
Das Städtische Lebensmittelamt Gotha wandte sich am 6. September 1917 mit folgendem Hil-
feruf an den Präsidenten des Ernährungsamtes für die Thüringischen Staaten nach Weimar: Der
Inhalt des Schreibens vom 31. August gibt uns Anlaß zu großer Besorgnis. Die Kartoffelmenge ist auf
7 Pfund festgesetzt, der Schwerarbeiterzuschlag ist weggefallen, die Brotration soll laut Mitteilung des
Präsidenten des Kriegsernährungsamtes voraussichtlich vom 1. Oktober ab wieder gekürzt werden, die
Fettbelieferung wird von Woche zu Woche schwieriger, ebenso die Fleischversorgung, in der Kohlefrage
sind die Aussichten äußerst trübe, Obst ist für die allgemeine Bevölkerung kaum zu haben, Gemüse ist

3 Ebd., Nr. 50 b, Fol. 147 v.


4 Ebd., Nr. 50 b, Fol. 137.
5 Ebd., Nr. 50/4, Fol. 202/3.
6 Ebd., Nr. 28/3, Fol. 197.

165
Steffen Arndt

knapp und teuer, die Milchzufuhr nimmt ständig ab, Eier gibt es nicht, die Fischzufuhr stockt vollstän-
dig […]. Wir bezweifeln sehr, daß sich die hiesige Bevölkerung und die Rüstungsarbeiter das bieten las-
sen, und wir sehen mit schweren Sorgen dem kommenden Winter entgegen.7 Wie sehr diese Not gerade
die armen Bevölkerungskreise, denen ohne Geldvermögen selbst die Versorgung über den teuren
Schwarzmarkt verwehrt war, traf, zeigt ein Bittgesuch der Witwe Silvia Brand aus Wölfis vom
22. Juli 1917: Die wohllöblichen Herrn des Staatsministeriums werden verzeihen, daß ich mich mit so
einer dringenden Bitte an Sie wenden muß, aber der Hunger und die Noth treibt mich dazu, da ich nun
schon zwei volle Wochen keinen Bissen Brot und auch kein Stäubchen Mehl, auch schon von April keine
Kartoffel mehr habe. […] Nun weiß ich vor Hunger und vor Angst nicht mehr, was ich machen soll,
Kartoffeln habe ich schon von April nicht mehr. Ich habe noch 2 Jungen, einen von 17 Jahren, der andere
wird 16 Jahre, die jetzt im besten Wachstum stehen, die müssen doch verhungern.8 Der moralische
Tiefpunkt in Thüringen war am 29. November 1916 gekommen, als das großherzogliche Staats-
ministerium zu Weimar – das Herzogtum Gotha folgte am 2. Dezember – per Erlass die Herstel-
lung von rohen Kartoffelklößen in Gast- und Speisewirtschaften, Fremdenheimen, Vereins- und
Erfrischungsräumen und in Volksküchen und ähnlichen Anstalten für Massenspeisungen verbot.
Da die Demoralisierung der Heimatfront bedrohliche Ausmaße annahm, sah sich die Oberste
Heeresleitung veranlasst, im Juli 1917 nicht nur für Soldaten, sondern auch für die Bevölkerung
den sogenannten vaterländischen Unterricht einzuführen. Die Lehrgänge, die aus Vorträgen, er-
gänzt mit Lichtbildern, bestanden, sollten die Moral heben und den Durchhaltewillen stärken. In
einem Vortrag für den 2. Lehrgang des stellvertretenden Generalkommandos des XI. Armeekorps
für vaterländischen Volksunterricht am 27. November 1917 führte Major Seebohm im Hinblick
auf die weitere Zukunft aus: Gegenüber der Zukunft empfindet man am besten wie ein unverbildetes,
reines und fröhliches Kind empfindet. Auch das könnte vielleicht diesen und jenen befremden: Wir Er-
wachsenen meinen doch, wir sind klüger als ein Kind; ein Kind muß doch erst selbst lernen. Das stimmt.
Aber ebenso richtig ist es, daß auch der weiseste Mann außerordentlich viel von einem Kinde zu lernen
vermag. Sehen Sie sich doch nur ein Kind an, welche unendliche Kraftfülle von Vertrauen, Glauben und
Zuversicht in einem Kind steckt; mit welcher Wonne das Kind Neues in sich aufnimmt, mit welcher
Treffsicherheit das Kind in allem Neuen das für es Wertvolle herausfindet. Das ist die Stimmung, in die
man sich versetzen soll, wenn über die Zukunft etwas gesagt wird, in Buch oder Rede.9
Zu den Kümmernissen des Alltags gesellten sich die Sorgen um die Ehemänner oder Söhne an
der Front. Der Krieg dauerte nicht nur erheblich länger als geplant, sondern forderte immen-
se Opfer. Gerade die ersten Kriegsmonate gehörten zu den verlustreichsten der deutschen
Kriegsgeschichte – Deutschland verlor allein im August 1914 300.000 Soldaten – aber auch die
Schlacht um Verdun und die Frühjahrsoffensive von 1918 ließen die Opferzahlen in die Höhe
schnellen. Insgesamt fielen zwei Millionen deutsche Soldaten an der Front. Hinzu kamen über
vier Millionen Verwundete, die in der Familie oftmals als Ernährer ausfielen, so dass diese von
der kümmerlichen Invalidenversorgung leben musste. Auch die Witwen- und Waisenversorgung
sicherte kaum das Existenzminimum. Zur Linderung der Not wurde eine Stiftung „Nationalga-

7 Ebd., Nr. 50/3, Fol. 289.


8 Ebd., Fol. 278.
9 Ebd., Fol. 705.

166
Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918

be“ ins Leben gerufen. Hier konnten graue, silberne oder goldene Nägel gekauft und in öffentlich
aufgestellte, hölzerne Standbilder eingeschlagen werden. Der finanzielle Erlös stand dabei nur an
zweiter Stelle, denn die Wirkung dieses ursprünglich volkstümlichen Brauchs der Kriegsnage-
lung überstieg jede gesteuerte Propaganda und trug erheblich zur Stärkung der Heimatfront bei.
Die lange Dauer des Krieges stellte die Reichsleitung auf einem anderen Gebiet vor unlösba-
re Aufgaben, denn jeder Kriegsmonat kostete seit Oktober 1916 drei Milliarden, seit Okto-
ber 1917 vier Milliarden und seit Oktober 1918 4,8 Milliarden Mark. Da das Reich kaum über
eigene Steuereinnahmen verfügte – es war auf die Matrikularbeiträge der Länder angewiesen –
konnte der Krieg nur über Schulden finanziert werden. Da die Goldreserven der Reichsbank
nicht ausreichten, um die Neuverschuldung werthaltig abzusichern, wurde der Goldanker, d. h.
die gesetzliche Dritteldeckung der Reichsbanknoten durch Gold, aufgehoben. An die Bevöl-
kerung ging der dringende Appell, private Goldbestände an die Reichsbank abzugeben, um
den Ankauf dringender Rohstoffe im Ausland bewerkstelligen zu können. Trotzdem wurden
im Laufe des Krieges Metalle so knapp, dass man im März 1917 zahlreiche Kirchenglocken aus
Bronze abnahm und einschmolz.
Neun Kriegsanleihen, ausgegeben von 1914 bis 1918, sollten die laufende Kriegsfinanzierung
sicherstellen – die Zeichnung erhob die Reichsleitung zur patriotischen Pflicht. Regierung und
Reichstag, darunter namentlich genannt Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann, übernah-
men selbst noch 1918 die Garantie für die Sicherheit dieser Anleihen. Zwar wurde auf das un-
versehrt bestehende Volksvermögen verwiesen, das 1913 etwa 300 Milliarden Mark betrug, aber
der Krieg kostete bis 1918 etwa 160 Milliarden Mark; finanziert durch Schulden. Mithin hätte
also die Hälfte des Volksvermögens für die Schuldentilgung eingesetzt werden müssen. Die für
einen geordneten Schuldendienst notwendige Steuerquote hätte ab 1919 etwa 35 % betragen
müssen – andere Ausgaben, z. B. für die Invaliden – bzw. Witwen- und Waisenversorgung oder
für Investitionen in die Zukunft, wären damit unmöglich gewesen. Das Deutsche Reich war also
1919 schlicht pleite.

II. Die Streikbewegung gegen Hunger und Krieg 1917/1918


Mit Kriegsausbruch 1914 verhängte Kaiser Wilhelm II. im Deutschen Reich den Kriegszustand.
Gemäß dem Gesetz über den Belagerungszustand ging die vollziehende Gewalt an die Befehlsha-
ber der Militärbezirke über. Die Zivilverwaltung hatte den Befehlen des Militärs Folge zu leisten.
Dies bedeutete konkret, dass dem Militär bei Widerstand gegen dessen Maßnahmen im Inland
gemäß der Vorschrift über den Waffengebrauch des Militärs und seine Mitwirkung zur Unter-
drückung innerer Unruhen vom 19. März 1914 der Gebrauch der Waffen aus eigenem Recht zu
jeder Zeit gestattet war. Der Waffengebrauch war, so die Anweisung, weder von einer Anforderung
der Zivilbehörde abhängig, noch war erforderlich, daß dem Gebrauche der Waffen eine Androhung
desselben vorangehen muß. Somit entwickelte sich Deutschland während des Krieges zur Militär-
diktatur. Kritik oder sogar Streiks sollten im Keim erstickt werden. Nachdem aber klar wurde,
dass das Friedensangebot der Mittelmächte an die Entente vom Dezember 1916 ein Friedensdik-
tat bedeutete und eher der Stärkung der Heimatfront dienen sollte – also kein Ende des Krieges

167
Steffen Arndt

abzusehen war – wuchs auch der Widerstand in der Heimat. Hinzu kam der Kohlrübenwinter
1916/1917, der das Desaster der Lebensmittelversorgung überdeutlich werden ließ.
Schon seit dem Frühling/Sommer 1915 war es immer wieder zu ersten Demonstrationen ge-
gen die schlechte Lebensmittelversorgung gekommen, so fand z. B. am 31. März in Gotha eine
sozialdemokratische Frauenversammlung gegen Preiswucher statt. Diese Unruhen traten aber
nur vereinzelt auf und hatten keinen durchgreifend politischen Charakter. Die Situation änderte
sich im Frühjahr 1917 grundlegend: eine regelrechte Streikwelle erfasste das Land, insgesamt
befanden sich 1917 fast 670.000 Arbeiter im Ausstand. Selbst 1905, wegen der ersten russischen
Revolution ein Hochjahr der Streikbewegung, belief sich die Zahl nur auf 420.000 Arbeiter. Der
Burgfrieden hatte zwar mit tatkräftiger Unterstützung der SPD und der Gewerkschaften drei
Jahre gehalten, aber unter der Oberfläche staute sich ein gewaltiges Konfliktpotential an. Hinzu
kam das Fanal der russischen Februar-Revolution 1917. So setzten im April 1917 in Berlin und
im Ruhrgebiet Massenstreiks ein, die rasch auf andere Industriereviere ausstrahlten. Mit diesen
Streiks wurden ausdrücklich politische Forderungen erhoben, wie nach einer Reform des preu-
ßischen Dreiklassenwahlrechts, nach einem Friedensschluss ohne Annexionen oder nach einer
republikanischen Staatsverfassung (s. Abb. 2). Auch in den Städten Gotha und Erfurt, mit ei-
ner starken Industriearbeiterschaft, kam es zu Streiks und Demonstrationen. So berichtete der
Stadtrat zu Gotha an das Staatsministerium am 1. Mai 1917: Die Nacht zum 1. Mai ist wiederum
zur Verteilung von Flugblättern benutzt worden. In den Straßen, die zu den größeren Fabriken der
Rüstungsindustrie führen, lagen einige hundert Handzettel […], sie konnten von Polizeipatrouillen
gesammelt werden, bevor die Arbeiter die Werkstätten aufsuchen oder die Nachtschichtarbeiter diese
verließen. Es handelt sich auch hier offenbar um Flugblätter, die von auswärts eingeführt worden sind.
Der Verteiler ist unbekannt.10 Wie sehr die Reichsleitung von den politischen Streiks beunruhigt
war, zeigt die Reaktion des preußischen Innenministers v. Loebell, der am 12. Juli 1917 an die
Regierungspräsidenten, u. a. an Carl von Fidler in Erfurt, ausführte: Verschiedene der in der letzten
Zeit vorgekommenen Unruhen aus Anlaß der Nahrungsmittelknappheit zeigen in mehrfacher Hinsicht
ein gleiches Bild. Gleichzeitiges Niederlegen der Arbeit an räumlich auseinanderliegenden Betriebsstät-
ten, teilweise auf ein bestimmtes Signal hin, strahlenförmiges Zusammenströmen der Demonstranten
nach offenbar vorher bestimmten Punkten, Aufstellung fast überall gleichlautender Forderungen, bei
drohendem polizeilichen Einschreiten fast überall Frauen, Minderjährige und Kinder im Vordergrunde,
offenbar in der Hoffnung, daß dadurch die Polizei oder das Militär von der Anwendung der schärfsten
Mittel abgehalten werden könne. […] Alle diese Umstände lassen es nicht zweifelhaft erscheinen, daß
es sich um sorgsam durch Verabredungen von Mund zu Mund verbreitete Kundgebungen und Krawalle
handelte, die nicht lediglich spontane Äußerungen der Erregung über die sich verschärfenden Lebens-
mittelnöte waren, sondern zum Teil auf die Agitation gewissenloser Hetzer zurückzuführen sind; mögen
diese nun in den Reihen der Anhänger der radikalen Sozialdemokratie zu suchen sein.11 Die Oberste
Heeresleitung wandte sich im April 1917 mit ehrherabsetzenden Worten an die Arbeiter: Ein

10 StAG, StMin. Gotha, Dep. II, Loc. 56, Nr. 40, Fol. 13.
11 StAG, Regierung Erfurt, Nr. 8796.

168
Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918

Hundsfott (Vulva der Hündin), wer streikt, solange unsere Heere vor dem Feind stehen! Gleichzeitig
verwies das Militär auf das Strafgesetzbuch und bedrohte die streikenden Arbeiter mit Zuchthaus
bis zu zehn Jahren wegen Landesverrats.
Die Gothaer Sozialdemokraten, die schon bei Kriegsbeginn heftig gegen den Burgfrieden oppo-
niert hatten, schlossen sich 1915 der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft an und vollzogen
1917 unter Leitung von Wilhelm Bock die Gründung der Unabhängigen Sozialdemokratischen
Arbeiterpartei (USPD). Die meisten Sozialdemokraten und Sozialisten des Gothaer Landes tra-
ten bei und beugten so einer Spaltung – die gleichzeitig eine Schwächung bedeutet hätte – vor.
Die Anzahl der Arbeiteraufstände und Streiks nahm auch in Gotha zu. Diese fanden ihren Nie-
derschlag in zahlreichen Aufrufen. In einer Stellungnahme des Gothaer Polizeikommissars Max
Gisohn an das Stellv. Generalkommando des XI. Armeekorps über polizeiliche Maßnahmen ge-
gen die USPD schätzte dieser die Situation ein: Deshalb scheint es nicht möglich zu erreichen, daß
dem Treiben der „unabhängigen Sozialdemokratie“ mit nennenswertem Erfolg entgegenzutreten und
ihr die Möglichkeit zur Verbreitung ihrer Gesinnung im Volk unterbunden werde. […] Die gegenwär-
tigen wirtschaftlichen Verhältnisse und die innenpolitische Lage machen es werbenden Hetzern leicht,
sich unklaren Köpfen gegenüber durchzusetzen. Gisohn glaubte, so sein Fazit, der Anteil, der nicht
im Heeresdienst stehenden Parteigenossen sei zu gering und dem größten Teil der Bevölkerung
schwebe der politische Umsturz nicht vor. Er riet deshalb: Sogenannte Lebensmittelkundgebungen
z. B. können nicht ohne weiteres rücksichtsloses Vorgehen der bewaffneten Macht rechtfertigen, auch
dann nicht, wenn einiger Sachschaden angerichtet wird. In Zeiten schwerster Spannung, sowohl auf
wirtschaftlichem als auf politischem Gebiet scheint es taktisch richtiger, ungefährliche Auspuffmöglich-
keiten nicht gewaltsam zu stören. Die volle Gewalt des Staates, nötigenfalls mit der Waffe in rücksichts-
loser Härte, wäre da anzuwenden, wo es gilt, als umstürzlerische Bewegung erkannte öffentliche Kund-
gebungen zu ersticken.12 Der Reichskanzler selbst wandte sich am 3. August 1917 an alle deutschen
Bundesregierungen und führte aus: Die Vorgänge bei den letzten Streiks und sonstige Nachrichten
haben ergeben, daß die sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft, die sich seit der Gothaer Tagung als
„Partei der unabhängigen Sozialdemokratie“ bezeichnet, am Werke ist, Verhetzung in weitestem Maße
in das Volk zu tragen. Sie agitiert sowohl gegen die Fortsetzung des Krieges als auch gegen die bestehen-
den Staatseinrichtungen in einer Weise, die auf den Willen des Volkes, den Krieg bis zum Ende durchzu-
führen, zersetzend wirkt. […] Diesem gefährlichen Treiben der unabhängigen Sozialdemokratie muß
mit aller Entschiedenheit entgegengetreten und ihr die Möglichkeit zur Verbreitung ihrer Gesinnung im
Volke unterbunden werden.13
Im Jahr 1918 überstürzten sich die Ereignisse. Die aufgeheizte revolutionäre Stimmung, bedingt
durch Kriegsmüdigkeit und Hunger, der lange gärende Unmut über das Domänengesetz zuguns-
ten des Herzogs von Sachsen-Coburg und Gotha von 1905, die Ereignisse in Russland – all das
trug zur Eskalation bei. Die verteilten Flugblätter enthielten nun hauptsächlich politische Forde-
rungen. Ausgehend von Berlin, dehnte sich im Februar 1918 eine erste intensive Streikbewegung
auf die Rüstungsbetriebe in Gotha aus. Albert Kandt, Generaldirektor der Gothaer Waggonfab-
rik, musste am 5. Februar 1918 anlässlich des Streiks in Gotha in einem Bericht über die Kriegs-

12 StAG, StMin. Gotha, Dep. II, Loc. 56, Nr. 40, Fol. 51–56.
13 Ebd., Fol. 56.

169
Steffen Arndt

müdigkeit der Arbeiter feststellen: Notwendig ist es auch m. E., daß die scharfen Ausfälle der All-
deutschen und der Vaterlands-Partei, mögen sie noch so patriotisch und wohlgemeint sein, unterbleiben.
[…]Unser gesamtes Volk und ein sehr großer Teil der Arbeiterschaft ist durchaus vaterländisch gesinnt
und es besteht eine gewisse Überhebung darin, wenn sich eine Vaterlandspartei bildet, die gewisserma-
ßen allein das Recht, vaterländisch zu sein, auf ihre Fahnen schreibt, nachdem es ja nach dem Willen
unseres Kaisers Parteien überhaupt nicht mehr geben soll.14
Das Stellv. Generalkommando des XI. Armeekorps ergriff drastische Maßnahmen, um Arbeits-
niederlegungen zu verhindern. So wurden Formblätter erstellt, mit denen das Militär den strei-
kenden Arbeitern die Unterstellung der Betriebe unter militärische Leitung und den Einzug zum
Kriegsdienst androhte. Ebenso erfasste das Militär die heereswichtigen Betriebe incl. der wehr-
pflichtigen Arbeiter und der zuständigen Truppenteile im Falle der Einziehung. Nochmals wurde
an die Arbeiter appelliert, der vaterländischen Pflicht zur Arbeit nachzukommen. Selbst Hinden-
burg wandte sich noch am 2. September 1918 an die Deutschen und rief zur Einigkeit von Armee
und Heimat auf – dabei war ihm längst klar, daß der Krieg militärisch verloren war und sich die
Front in Auflösung befand. Aber alle Aufrufe fruchteten nicht mehr. Bereits am 16. März 1918
hatte das preußische Kriegsministerium an die Regierungspräsidenten berichtet, daß die unab-
hängige Sozialdemokratie gegen die neue Kriegsanleihe eine gründliche Propaganda entwickeln will.
[…] Während der Zeichnungsfrist für die letzte Kriegsanleihe wurde das zur Reklame überall ange-
brachte Bildnis des General-Feldmarschalls von Hindenburg an vielen Orten offenbar systematisch he-
runtergerissen.15
Die drohende Niederlage zwang nun auch die Oberste Heeresleitung zum Handeln: am 3. Okto-
ber 1918 wurde Prinz Max von Baden zum Reichskanzler ernannt. Er sollte das Deutsche Reich
in eine parlamentarische Monarchie überführen. Der neue Reichskanzler berief mit Philipp
Scheidemann und Gustav Bauer auch Sozialdemokraten in die Regierung. Am 4. Oktober erfolg-
te das Waffenstillstandsgesuch an den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson. Mit der
Entlassung Ludendorffs am 26. Oktober als Kopf der Obersten Heeresleitung und der Änderung
der Reichsverfassung zugunsten einer parlamentarisch kontrollierten Regierungsführung am 28.
Oktober war Deutschland auf dem Weg in eine parlamentarische Demokratie – somit wurde eine
alte Forderung der SPD und der Gewerkschaften erfüllt – allerdings war Wilhelm II. noch immer
deutscher Kaiser und preußischer König. Am 6. November 1918 rief Reichskanzler Max von Ba-
den das deutsche Volk zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung auf. Die Seekriegsleitung
hatte jedoch andere Pläne.

III. Die Novemberrevolution in Gotha


Bereits im Sommer 1918 war die krisenhafte Entwicklung sowohl an der Westfront als auch in
der Heimat unübersehbar. Die Frühjahrsoffensive an der Westfront war ins Stocken geraten und
ein Sieg in weite Ferne gerückt. In der Heimat war die Versorgungslage weiterhin schlecht, hin-
zu kamen Massenstreiks mit eindringlichen politischen Forderungen. Der Matrosenaufstand in

14 Ebd., Fol. 124 f.


15 StAG, Regierung Erfurt, Nr. 8796, Fol. 106.

170
Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918

Kiel, als Widerstand gegen die Pläne der Marineleitung zum Selbstmordeinsatz der Flotte, führte
schließlich zum Ausbruch der Revolution im gesamten Land.
Auch die Gothaer USPD-Führung musste handeln, um nicht Gefahr zu laufen, die Kontrolle zu
verlieren. Die Vertrauensmänner der USPD hatten im Laufe des Sommers 1918 Verbindungen
zu dem in Gotha stationierten 6. Thüringer Infanterie-Regiment Nr. 95 und dem Flieger-Ersatz-
bataillon Nr. 3 aufgenommen, um diese, bei dem sich abzeichnenden Zusammenbruch des kai-
serlichen Deutschlands, als Verbündete zu gewinnen. Als sichergestellt war, dass sich die in Go-
tha stationierten Militäreinheiten dem Aufstand anschließen würden, gründete sich am Abend
des 8. November der Arbeiter- und Soldatenrat mit seinem Vorsitzenden Otto Geithner.
Noch am 8. November 1918 wandte sich Wilhelm Bock, im Auftrag der sozialdemokratischen
Fraktion des Landtages, schriftlich an den Staatsminister von Bassewitz mit der Bitte um Ein-
berufung des Gemeinschaftlichen Landtages. Hier nannte er als wichtigste Forderungen des
werktätigen Volkes, die Abdankung des Herzogs und die Zusammenschließung Großthüringens unter
republikanischer Staatsform. Der Zustand, daß 8 Fürsten eine Bevölkerung von 1 Millionen mit 8 Mi-
nisterien u. 9 Landtagen regieren, spottet jeder Vernunft. Wir verlangen die Herausgabe des durch den
Domänenvertrag dem Herzog ausgelieferten ehemaligen Staatsbesitzes wieder als Staatseigentum. Wir
fordern eine freiheitliche Reform des Wahlrechts, die auch den Frauen die gleichen staatsbürgerlichen
Rechte gewährt wie den Männern. Wir fordern die längst versprochene Reform des Gemeindegesetzes
u. d. Gemeindeabgaben-Gesetzes, wie wir überhaupt eine Revision unserer ganzen Gesetzgebung, ein-
schließlich der Steuergesetzgebung, im Sinne einer demokratisch-sozialistischen Neuorientierung von
Wirtschaftspolitik u. Staatsverwaltung verlangen.16
Bassewitz bestätigte den Empfang und vermerkte, er habe den Herzog informiert, um Ermäch-
tigung zur Einberufung des Landtags gebeten und werde diese auch veranlassen, falls er keine
andere Order erhalte. Doch bereits am 9. November fand auf dem Gothaer Hauptmarkt eine
Volksversammlung statt, auf der Bock den Sturz der Monarchie verkündete (s. Abb. 3). Auch
die bürgerlichen Mitglieder des Landtags bekannten sich am 9. November in der Gothaischen
Zeitung zu den Grundsätzen einer parlamentarischen Demokratie. Allerdings entbehrt es nicht
einer gewissen Ironie, dass der Arbeiter- und Soldatenrat Gothas in dieser bürgerlichen Zeitung,
die auch gleichzeitig das Regierungsblatt für das Herzogtum Gotha herausgab, die Revolution
inserieren musste – gleich neben Käse und Zigarren. Der Staatsminister wurde nun vor die Wahl
gestellt, zurückzutreten oder den Anweisungen des Arbeiter- und Soldatenrates Folge zu leisten.
Als man ihm zusicherte, er sei von seinem bisherigen Eid entbunden, da der Herzog abgesetzt sei,
erklärte er sich zur Mitarbeit bereit.
Am gleichen Tag traf ein Telegramm des Stellvertretenden Bevollmächtigten zum Bundesrat,
Paulssen, ein: soeben wurde im reichsamt des innern gemeldet, dass der kaiser abgedankt habe, der
reichskanzler prinz max zurückgetreten und ebert reichskanzler geworden sei. Paulssen.17 Der libera-
le Maximilian von Baden, am 3. Oktober 1918 von Kaiser Wilhelm II. zum deutschen Reichs-
kanzler und preußischen Ministerpräsidenten berufen, hatte sich am 6. November noch an das

16 StAG, StMin. Gotha, Dep. I, Nr. 68, Fol. 1–2.


17 StAG, StMin. Gotha, Dep. II, Loc. 5 e, Nr. 22, Bd. 5.

171
Steffen Arndt

deutsche Volk gewandt. Doch es war bereits zu spät. So verkündete er aus eigener Verantwortung
die Abdankung des Kaisers, trat selbst zurück und ernannte den Sozialdemokraten Friedrich
Ebert zum Reichskanzler. Die Kriegshandlungen des Ersten Weltkriegs wurden dann offiziell
am 11. November 1918 mit Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens in Compiègne/
Frankreich beendet.
Vor allem die Sozialdemokraten unter Ebert strebten eine Nationalversammlung an, in der die
zukünftige Staatsform bestimmt werden sollte. Man entschied sich für Weimar, das für seine
Beschaulichkeit bekannt war. So hatte der preußische Gesandte in Weimar, Ludwig Raschdau,
bereits im Juli 1897 bemerkt: Hier in Weimar führe ich ein Phäakendasein. Ich radle und spiele Lawn-
tennis, hin und wieder gibt es bei uns ein Abendessen in kleinem Kreise, das von den Eingeladenen
dankbar anerkannt wird, da sonst in der Gesellschaft nichts los ist. […] Der Aufenthalt ist wirklich
auf die Länge einschläfernd.18 Und noch zu Beginn der 1930er-Jahre stellte die Vossische Zeitung
in einem Jena-Portrait fest: Weimar dagegen [ist] die Stadt des Alters, der großen Vergangenheit, der
Ort der Gräber und der Erinnerungen. Die Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung,
an der reichsweit erstmals auch Frauen teilnehmen konnten, fand am 19. Januar 1919 statt. Un-
ter den insgesamt 421 gewählten Abgeordneten befanden sich 37 Frauen. Die SPD wurde zwar
stärkste politische Kraft, errang mit 163 Sitzen aber nicht die absolute Mehrheit. Auf die USPD
entfielen 22 Mandate.
Der Gothaer Arbeiter- und Soldatenrat (s. Abb. 4) strebte eine Räterepublik an, übernahm am
13. November die volle Regierungsgewalt und beauftragte das Staatsministerium mit der vor-
läufigen Weiterführung der Amtsgeschäfte. Am 14. November gab von Bassewitz während der
öffentlichen Sitzung des Gemeinschaftlichen Landtages folgende Erklärung ab: In einem am Mor-
gen des 9. November eingegangenen Schreiben hat die sozialdemokratische Fraktion des Landtags die
alsbaldige Einberufung des gemeinschaftlichen Landtages beantragt. Diesem Antrag ist so schnell, als es
die schwierigen Verkehrsverhältnisse erlaubten, entsprochen worden. – Unterdessen ist Deutschland eine
auf sozialistischer Grundlage ruhende Republik geworden, in deren Namen kein Raum für das Weiter-
bestehen von Einzelmonarchien ist. Damit hat der Herzog aufgehört, in den Herzogtümern Coburg und
Gotha zu regieren. Er hat alle Beamten von dem ihm geleisteten Eide entbunden. Auch weiterhin ist er
beseelt von dem aufrichtigen Wunsche für das Wohl seiner bisherigen Landeskinder und unseres armen
geschlagenen Vaterlandes.19
In einer anschließenden, nicht öffentlichen Versammlung wurde von den Anwesenden festge-
stellt: Die Staatsregierung ist von Organen übernommen worden, die die Verfassung nicht vorsieht. Der
auf Grund dieser Verfassung gewählte Landtag hält unter den obwaltenden Verhältnissen seine weitere
Wirksamkeit für unmöglich. Alle Beteiligten, einschließlich der sozialdemokratischen Abgeordne-
ten, billigten den Wortlaut der Erklärung und waren mit der Veröffentlichung in der Tagespres-
se im Namen aller Mitglieder des bisherigen gemeinschaftlichen Landtages einverstanden. Der
Landtag hatte sich somit selbst aufgelöst.

18 Ludwig Raschdau: In Weimar als Preußischer Gesandter. Ein Buch der Erinnerungen an deutsche Fürstenhöfe
1894–1897. Berlin 1939, S. 154.
19 StAG, StMin. Gotha, Dep. I, Nr. 68/1, Fol. 9.

172
Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918

Unter Leitung von Otto Geithner übernahm nun der Vollzugsausschuss des Arbeiter- und Solda-
tenrates Gotha, bestehend aus anfangs neun und später elf Personen, die Regierungsgewalt. Im
Regierungsblatt vom 16. November ließ er bekanntgeben: Nachdem der Herzog aufgehört hat zu
regieren, tritt bis auf weiteres in allen gemeinschaftlichen und gothaischen Angelegenheiten, in denen
der Herzog nach Verfassung und Gesetz bisher zuständig gewesen war, der Vollzugsausschuss des Ar-
beiter- und Soldatenrates Gotha an seine Stelle. Im Übrigen bleiben alle Reichs- und Landesgesetze und
Verordnungen bis zu ihrer ausdrücklichen Aufhebung in Kraft.
Bereits am 14. November war mit dem ersten Gesetz im Freistaat Gotha der Acht-Stunden-Ar-
beitstag eingeführt worden. Die Verkündung erfolgte am 16. November 1918 und damit weit vor
einer reichsweiten Regelung. Eine wesentliche Forderung des Erfurter Parteitages der SPD, im
„Erfurter Programm“ festgeschrieben, wurde damit nun erstmals in Deutschland verwirklicht.
Da sich der Vollzugsausschuss wegen seiner Größe als zu schwerfällig erwies, bildete sich wäh-
rend einer Delegiertenkonferenz am 30. November das Gremium der Volksbeauftragten für den
Staat Gotha, bestehend aus: Wilhelm Bock, Emil Grabow und Adolf Schauder. Nachdem Wil-
helm Bock im Februar 1919 seinen Posten aufgab, trat Albin Tenner an dessen Stelle.
Der Arbeiter- und Soldatenrat hatte zwar vollständig die Macht übernommen und übte diese
auch aus, die Verwaltungsorgane des Staates wurden jedoch beibehalten, wie aus dem Schrei-
ben vom 2. Januar an von Bassewitz hervorgeht. Er erhielt die Order der „Volksbeauftragten des
Staates Gotha“, unterzeichnet von Adolf Schauder, dass alle Verfügungen und Anordnungen des
Staatsministeriums für Coburg und Gotha von ihm gegenzuzeichnen seien. Der Staatsminister
wurde gebeten, am Montag, Mittwoch und Freitag um 11.00 vormittags auf Schloss Friedenstein Vor-
trag zu halten.20 Der bürgerlich-konservative Staatsminister von Bassewitz behielt seine Stellung
bis Februar 1919.
Der Beginn des Jahres 1919 war in Thüringen, gerade in den USPD-Hochburgen, von militäri-
schen Kämpfen und Streiks um den Zusammentritt der Nationalversammlung in Weimar über-
schattet. Erstmals besetzten Reichswehreinheiten unter Generalmajor Maercker, der schon im
Januar 1919 an der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes in Berlin beteiligt war, am 18.
Februar 1919 die Stadt Gotha. Bereits 1920 wurde Gotha während des Kapp-Putsches und der
nachfolgenden revolutionären Unruhen nicht nur erneut von der Reichswehr besetzt, sondern
nach Verhängung des Ausnahmezustandes auch von einem durch Reichspräsident Friedrich
Ebert eingesetzten Reichsregierungskommissar verwaltet. Die Unruhen und Plünderungen in
Gotha radikalisierten schließlich auch das Bürgertum, insbesondere, da die Verfahren zur Ahn-
dung der Straftaten aufgrund der politischen Amnestie des Thüringer Landtages vom 9. Ap-
ril 1921 eingestellt wurden.
Die Landtagswahlen im Mai 1919 endeten zwar mit einer knappen absoluten Mehrheit für die
USPD, aber auch das bürgerliche Lager konnte Gewinne erzielen. Mit Eröffnung der Landes-
versammlung im März wurden die Volksbeauftragten Grabow, Schauder und Tenner im Amt
bestätigt. Die starke USPD im Gothaer Land versuchte bei den Verhandlungen über das Gesetz
für die vorläufige Regierungsgewalt in der Republik Gotha im Sommer 1919, ihre Vorstellun-

20 Ebd., Fol. 53.

173
Steffen Arndt

gen von einem starken Rätesystem durchzusetzen. In der Begründung zu diesem Gesetz hieß
es: Die Räteorganisation ist zu einem der hervorragendsten Erfolge, ja zur wichtigsten Errungenschaft
der Revolution überhaupt geworden. Sie bekämpfen oder ihre schwachen Ansätze wieder beseitigen zu
wollen, ist gegenrevolutionär im höchsten Maße und bedeutet für jede Revolutionsregierung und jedes
Revolutionsparlament Verletzung ihrer historischen Pflicht. Aus diesem Grunde bringt der vorliegende
Verfassungsentwurf als wesentlicher Bestandteil die gesetzliche Verankerung des Rätesystems.21 Aller-
dings konnte sich eine Verfassung mit Einbindung des Rätesystems nicht durchsetzen. Erst am
24. Dezember 1919 erlangte ein Verfassungsvorschlag von Hermann Brill Gesetzeskraft, der den
hergebrachten Bahnen einer parlamentarischen Demokratie folgte.
Im Coburger Landesteil war nach dem Sturz des Herzogs ebenfalls ein Arbeiter- und Soldaten-
rat entstanden. Die Entwicklung dort verlief aber wesentlich gemäßigter; der Staatsminister Dr.
Quarck arbeitete im Einvernehmen mit dem Arbeiter- und Soldatenrat weiter. Bereits im Febru-
ar fanden Wahlen zur Landesversammlung statt. Die Abgeordneten traten am 1. März erstmals
zusammen und gaben dem Freistaat Coburg kurz darauf eine eigene Verfassung – die Trennung
von Gotha war damit legitimiert. Obwohl sich gewisse Parallelen zum Gothaer Modell zeigten,
war das eigentliche Ziel eine parlamentarische Demokratie. Da man im Reichsverband aber
die inzwischen getrennten Landesteile noch als Einheitsstaat ansah, mussten zwangsläufig wei-
tere gemeinsame Verhandlungen und Absprachen erfolgen. Diese fanden in vier Sitzungen ab
31. März 1919 in Gotha statt. Es kam zu einem kräftigen Schlagabtausch zwischen den Gothaer
und den Coburger Abordnungen. Der Gothaer Volksbeauftragte Adolf Schauder begann die Ver-
handlungen mit den grundlegenden Feststellungen: Durch den Vertrag von 1825 waren aus rein
dynastischen Gründen zwei Gebietsteile unserer Thüringer Heimat zu einem Staatsgebilde zusammen-
gefügt worden, die nach Struktur ihres Wirtschaftslebens und nach Stammesart ihrer Bevölkerung nicht
zueinander gehörten. Die Revolution hat das lose Band, das beide vereinigte, noch mehr gelockert und
die schon lange vorhandenen auseinanderstrebenden Tendenzen wesentlich verstärkt.22 Der Landtags-
abgeordnete der DDP Hermann Anders Krüger formulierte seine Einschätzung deutlicher: Man
könne die Gemeinschaft der beiden Staaten mit einer unglücklichen katholischen Ehe vergleichen, bei
der das Reich allein – dem Papste gleichend – Dispens erteilen könne. In dieser Ehe wäre das energische
Coburg [das bereits die Trennung beschlossen hatte, Anmerkung des Autors] sicherlich die Frau,
die die Hosen anhabe.23
Trotz aller Vorbehalte und Gegensätze wurde am 12. April 1919 der Staatsvertrag über die Ver-
waltung der gemeinschaftlichen Angelegenheiten der Freistaaten Coburg und Gotha mehrheit-
lich beschlossen. Dieser Vertrag regelte die gemeinsame Vertretung gegenüber dem Reich bis zur
endgültigen Trennung der Staaten Coburg und Gotha.
Der ehemalige Herzog Carl Eduard wurde, nachdem er eine Abfindungssumme abgelehnt hat-
te, mit dem Gesetz über die Einziehung des Gothaischen Hausfideikommiß, des Lichtenberger Fi-
deikommiß, des Ernst-Albert-Fideikommiß, der Schmalkaldener Forsten und des Hausallods vom
31. Juli 1919 enteignet. Die Arbeiter- und Soldatenräte in Friedrichroda und Georgenthal über-

21 StAG, Landtag II, Nr. 973.


22 Landtag Gotha: Verhandlungen der Gemeinschaftlichen Landesversammlung, Gotha 1919, S. 2.
23 Ebd., S. 4.

174
Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918

nahmen das Schloss Reinhardbrunn, bzw. den herzoglichen Grundbesitz. Ebenso wurde über
das Inventar des Schlosses Reinhardsbrunn verfügt, obwohl Herzog Carl Eduard Rechtsmittel
gegen die Enteignung eingelegt hatte.
Die Volksbeauftragten begründeten das Gesetz im Landtag wie folgt: Die Landesregierung und die
zur Verhandlung beauftragte Kommission haben mit allen Mitteln versucht, einen billigen Ausgleich
herbeizuführen und boten dem Herzog eine Abfindung in Geld im Betrage von 5 Mio. Mark sowie das
Jagdschloß in Oberhof, dazu sollte dem Herzog noch das Lichtenberger Fideikommiß mit Ausnahme
des Rittergutes Wandersleben sowie diejenigen bewegliche Gegenstände verbleiben, die sich in seinem
oder der Herzogin Privateigentum befinden. Nur schweren Herzens konnten wir uns zu einem solchen
Vorschlag entschließen, […]. Bedenken Sie meine Herren, die wirtschaftliche Not jedes Einzelnen, sei
es nun Beamter, Kaufmann oder Arbeiter, denken Sie an die Bedrängnisse der zurückkehrenden Krie-
ger, die arbeitslos dasitzen, halten Sie sich die Not der Krieger-Witwen vor Augen, so müssen Sie uns
zugeben, daß wir das Äußerste getan haben, um einen Ausgleich herbeizuführen.24 Eine wesentliche
Forderung Wilhelm Bocks in seiner Revolutionsrede vom 9. November 1918 auf dem Gothaer
Hauptmarkt war damit erfüllt. Die einzige Fürstenenteignung in Deutschland wurde allerdings
1925 nach einem Reichsgerichtsurteil wieder aufgehoben.

IV. Die Novemberrevolution in Erfurt


Erfurt war nicht nur die größte Stadt in Thüringen, wenn auch Teil des preußischen Staatsverban-
des, sondern auch Standort bedeutender Industrie- und Rüstungsbetriebe. Allein die Königlich
Preußische Gewehrfabrik produzierte während des Ersten Weltkrieges ca. 80 % aller deutschen
Handfeuerwaffen, darunter ca. 1,5 Millionen Karabiner98 – die Standardwaffe der deutschen
Infanterie. Im Jahr 1917 beschäftigte die Fabrik im Drei-Schicht-System 20.000 Arbeiter. Hinzu
kamen die Firmen Otto Schwade & Co., Flugzeug- und Motorenbau, Henry Pels & Co., Maschi-
nenbau – Pels war Begründer der deutschen Umformtechnik –, R. Wolf AG Hagans, Lokomotiv-
bau, sowie J. A. Topf und Söhne, industrielle Feuerungstechnik. Außerdem waren in Erfurt das
Artillerie-Regiment Nr. 19 in der Rudolfkaserne, das Infanterie-Regiment Nr. 71 am Petersberg
und das Jäger-Regiment Nr. 6 in Daberstedt als Garnison stationiert. Wie angespannt die Lage
schon 1917 war, zeigt eine geheime Anweisung des Regierungspräsidenten zu Erfurt vom 13.
April 1917 an den Oberbürgermeister zu Erfurt: Gemäß höherer Anordnung soll bei eintretenden
Unruhen solange als möglich vermieden werden, mit Militär einzuschreiten. Falls die verfügbaren Poli-
zeibeamten (Gendarmen) nicht ausreichen, so wird sich zunächst empfehlen, daß jedem Polizisten oder
Gendarm ein besonnener und umsichtiger Unteroffizier mit Gewehr beigegeben wird. […] Vor Allem
kommt es darauf an, durch eine umfassende Aufklärungsarbeit, bei der Beamte, Betriebsleiter, Geist-
liche und Lehrer zu beteiligen sind, insbesondere aber durch die Presse […] der Beunruhigung in der
Bevölkerung vorbeugend entgegenzuwirken.25 Somit fielen die von Kiel ausgehenden revolutionären
Ereignisse in Erfurt auf einen fruchtbaren Boden.
Schon am 5. Oktober hatte ein in Erfurt verbreitetes Flugblatt der USPD die sozialistische Re-
publik gefordert und den Eintritt der SPD unter Scheidemann und Bauer in die Reichsregierung

24 StAG, StMin. Gotha, Dep. I, Nr. 177, Fol. 145.


25 Stadtarchiv Erfurt, I-2/130–1524, Fol. 163.

175
Steffen Arndt

heftig kritisiert. Am 27. Oktober 1918 führte der bayerische USPD-Reichstagsabgeordnete Jo-
sef Simon auf einer Versammlung mit 300 Arbeitern im Gasthaus „Rheinischer Hof “ in Erfurt
aus: Tausende der ehrenhaftesten und bravsten Männer mußten in Gefängnissen und Zuchthäusern
schmachten, weil sie es gewagt hatten, für den Frieden zu demonstrieren.[…] Durch die Annahme der
14 Punkte Wilsons erweise sich der Zusammenbruch des ganzen bisherigen Systems, welches die unab-
hängige Sozialdemokratie stets bekämpft habe. […] Wenn wir jetzt einen schweren Frieden bekämen,
dürften wir uns nicht wundern und auch nicht beklagen, denn was würde Deutschland für Bedingungen
stellen, wenn es Sieger gewesen wäre. Der Brester Frieden ist der Frieden, den Deutschland einem unter-
legenen Volke diktiert.26
Am 8. November 1918 meldete der Erfurter Regierungspräsident Graf Pückler an das Stellvertre-
tende Generalkommando des XI. Armeekorps in Kassel, dass am Nachmittag etwa 150 Arbeiter
der Firma Hagans in den Ausstand getreten seien. Diesem Streik schlossen sich die Arbeiter Er-
furts und die Soldaten der Garnison an, so dass in der Nacht zum 9. November ein Arbeiter- und
Soldatenrat gebildet werden konnte. Der Führer der Erfurter SPD und Reichstagsabgeordnete
Paul Reißhaus wurde zum Vorsitzenden gewählt. Nach Verhandlungen mit dem Regierungsprä-
sidenten entsandte der Arbeiter- und Soldatenrat zwei ständige Vertreter zur preußischen Re-
gierung Erfurt, um dort die Verwaltungsarbeit der Beamten kontrollieren zu können. Damit war
eine wichtige Forderung zur Unterstellung der Zivil- und Kommandogewalt unter die Kontrolle
der Arbeiterschaft erfüllt. Der Arbeiter- und Soldatenrat Erfurts bekannte sich ausdrücklich zur
sozialistischen Republik Deutschland und forderte die sofortige Einberufung einer verfassungs-
gebenden Nationalversammlung.
Über die entscheidenden Ereignisse am 9. November berichtete die sozialdemokratische Zei-
tung Tribüne auf der Titelseite (s. Abb. 5). Hermann Schmidt, Oberbürgermeister von Erfurt,
schrieb am 9. November 1918 an den Regierungspräsidenten über den Arbeiter- und Soldaten-
rat: Auf Ansage erschien heute Nachmittag 4 Uhr der für Erfurt neu gebildete Arbeiter- und Soldatenrat
im Rathause. In Gegenwart des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Schmidt, Herrn Bürgermeister Lüdde-
ckens und des Unterzeichneten, Stadtrat Dr. Otto, stellte der Gewerkschaftssekretär Herr Knöner die
Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrats – je 5 Arbeiter und Soldaten – vor. Darauf erteilte er Herrn
Reichstagsabgeordneten Reißhaus das Wort, welcher insbesondere die aufgestellten Bedingungen zur
Verlesung brachte und sodann überreichte. […] Nach kurzer Beratung erklärte Herr Oberbürgermeis-
ter namens des Magistrats, alle 9 Punkte der überreichten Bedingungen, soweit sie die Stadtverwaltung
betreffen, hiermit anerkennen zu wollen. Die Neuordnung der Dinge erkenne er ebenfalls an. Auch sei er
mit der Ernennung 1 Magistratsmitgliedes durch den Arbeiter- und Soldatenrat einverstanden.27
Auch in den anderen Städten des preußischen Regierungsbezirkes Erfurt war die Revolution
erfolgreich. So berichtete Oberbürgermeister Trenckmann aus Mühlhausen am 12. November:
Sonnabend, den 9. November früh machte sich eine lebhafte Bewegung der Arbeiterschaft in Mühlhau-
sen geltend: es waren Flugblätter in der Stadt verteilt worden, die über die Vorgänge in Gotha berichteten
und zum Anschluß an die Bewegung aufforderten. Zwischen 9 und 10 Uhr erschien über der Stadt ein
Flieger aus Gotha, der von seinem Flugzeug aus Bündel von Aufrufen abwarf. Der Oberbürgermeister

26 StAG, Regierung Erfurt, Nr. 12783, Fol. 3.


27 Stadtarchiv Erfurt, 1–2/120–13, Fol. 1 f.

176
Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918

berief sofort den Magistrat zusammen. Es wurde beschlossen, den beiliegenden Aufruf sofort als Flug-
blatt zu verteilen und ihn in den am Abend erscheinenden Blättern zu veröffentlichen. […]Bereits am
Nachmittag 3 Uhr erschienen beim Oberbürgermeister 2 Führer der Sozialdemokraten und erklärten,
daß heute hier ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet sei, und daß die organisierte Sozialdemokratie die
Leitung in die Hand genommen habe, damit die Bewegung in Ruhe und Ordnung verlaufe, und nicht
etwa unruhige Elemente die Oberhand gewönnen. […] Der Oberbürgermeister sagte mit Rücksicht auf
diese Erklärung zu, daß Polizei sich nicht einmischen würde, so lange kein äußerer Anlaß dazu gege-
ben wäre. […] In der Stadt war alles ruhig. Alle öffentlichen Gebäude waren durch Mannschaften des
Bataillons besetzt. Patrouillen durchzogen die Stadt, um nötigenfalls für Ordnung zu sorgen. Die Ruhe
wurde indes nirgends gestört.28 Der Arbeiter- und Soldatenrat zu Mühlhausen rief für den 11. No-
vember zu einer Großdemonstration auf dem Blobach, bei gleichzeitiger Wahrung von Ruhe und
Besonnenheit, auf. Dazu sollte in sämtlichen Betrieben die Arbeit niedergelegt werden. Auch in
Mühlhausen wurde dem Oberbürgermeister eine Liste von Forderungen der Arbeiter und Sol-
daten übergeben.
Der Landrat des Kreises Langensalza berichtete am 13. November über die Ereignisse in der
Stadt: Am 9. November, vorm. 9 Uhr überflog ein Flieger von Gotha die Stadt Langensalza und warf
Flugblätter ab, die die Aufforderung enthielten, einen Arbeiter- und Soldatenrat zu bilden. Gegen 10
Uhr zog ein Trupp Angehörige des Ersatz-Eskadron Jäger-Regiments zu Pferde Nr. 2 durch die Stadt,
die den Soldaten Achselklappen und Kokarden abrissen und sie zum Mitgehen aufforderten, die Offi-
ziere aber zwangen, Achselstücke und Degen abzulegen. Ich hatte mich indessen zu einer Besprechung
auf die Kommandantur begeben, in der beschlossen wurde, daß die Offiziere freiwillig Degen und Ach-
selstücke ablegen sollten und ein bewaffneter Widerstand nicht erfolgen sollte. […] Am Sonnabend und
Sonntag fanden Versammlungen statt und am Montag, mittags 2 Uhr, ein Umzug durch die Stadt. Auf
den öffentlichen Gebäuden sind rote Fahnen aufgezogen. Die Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrates
ist in Ruhe vor sich gegangen. Der Arbeiter- und Soldatenrat hat mich gebeten, die Geschäfte wie in
bisheriger Weise ohne Störung weiterzuführen.29
Allerdings kam es schon im Dezember 1918 zu Versuchen, die Revolution in geordnete Bahnen
zu lenken. So wandte sich die preußische Staatsregierung unter Ministerpräsident Hirsch am 10.
Dezember im Rahmen einer Bekanntmachung an die Regierungspräsidenten: Die in verschiede-
nen Gegenden des Preußischen Staates gemachten Versuche, Teile von Preußen loszutrennen oder in
Preußen eigenmächtig obrigkeitliche Befugnisse auszuüben, geben uns Veranlassung, darauf hinzuwei-
sen, daß solche Bestrebungen das Gemeinwohl gefährden und deshalb mit allen zu Gebote stehenden
Mitteln bekämpft werden müssen.[…] Im Übrigen wird über die künftige staatsrechtliche Gestaltung
Preußens durch die Nationalversammlung entscheiden werden. Sämtliche preußische Behörden werden
angewiesen, sich nach diesen Vorschriften unweigerlich zu richten. Allen den zuwiderlaufenden Eingrif-
fen ist unnachsichtlich entgegenzutreten.30 Ebenso wandte sich der Rat der Volksbeauftragten unter
Friedrich Ebert und Hugo Haase am 5. Dezember an sämtliche Bundesregierungen – über die
preußische Staatsregierung erreichte das Schreiben auch die Regierung Erfurt – und mahnte:

28 StAG, Regierung Erfurt, Nr. 12783, Fol. 18 f.


29 Ebd., Fol. 12.
30 StAG, Regierung Erfurt, Nr. 12781, Fol. 7.

177
Steffen Arndt

Unter dem Einfluß der Geschehnisse der letzten Zeit sind vielfach für Teile des Reichs Anordnungen
ergangen, die einschneidende Änderungen des Reichsrechts aussprechen. So hat man Standgerichte oder
Volksgerichte eingesetzt, ihnen unter Ausschaltung der ordentlichen Gerichte bestimmte Straftaten zur
Aburteilung zugewiesen und zugleich diese Straftaten entgegen den Vorschriften des Reichsstrafgesetz-
buchs mit dem Tode bedroht. […] Die Reichsregierung bittet daher dringend, mit ihr gemeinsam darü-
ber zu wachen, daß die Zuständigkeit des Reiches auf dem Gebiete der Gesetzgebung unter keinen Um-
ständen angetastet wird. Nur so kann die Rechtseinheit des Reichs vor der Zerrüttung bewahrt werden.
Mit ihr würde ein wichtiges Band der politischen Einheit Deutschlands zerrissen werden.31
Nachdem die USPD-Vertreter im Rat der Volksbeauftragten in Berlin am 29. Dezember 1918
das Gremium verlassen hatten, eskalierte die Situation. Der linke Spartakusbund lehnte Wahlen
zur Nationalversammlung und die Auflösung der Arbeiter- und Soldatenräte ab. Im Januar kam
es daraufhin in Berlin zu heftigen bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen dem Spartakusbund
und der Reichswehr – Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden in diesen Tagen ermordet.
Auch in Erfurt kam es im Januar/Februar 1919 zur Bewaffnung der Arbeiter und zu ausgedehn-
ten Demonstrationen und Generalstreiks (s. Abb. 6).
Der Magistrat der Stadt Erfurt berichtete am 26. Februar 1919 an den Regierungspräsidenten
Graf Pückler: Aus Anlaß des heute ausgebrochenen Generalstreiks erschienen von seiten der Streik-
leitung die Herren Petzold (Schriftleiter der Tribüne), Schulle (Angestellter des Transportarbeiter-
verbandes), Quenzel (Angestellter des städt. Gaswerkes). Die Erschienenen erklärten, daß sie mit der
Durchführung des allgemeinen Streiks ganz streng vorgehen müßten. Insbesondere müßten auch die
städtischen Werke stilliegen. Wenn Beamte und Angestellte freiwillig den Betrieb aufrecht zu erhalten
unternähmen, so würde die Streikleitung sie auf ihre Seite zu bekommen versuchen. Die Lebensmittelzu-
fuhr, Herstellung und Verteilung soll ungehindert bleiben. Soweit dazu in einzelnen Fällen Lieferungen
der Werke unbedingt nötig werden, müsse die Streikleitung angerufen werden. Das Lebensmittelamt
solle ungehindert weiter arbeiten, die Fütterung der Pferde bleibt ungehindert. Die Krankenversorgung
solle nicht behindert werden, müsse aber ohne Wasser und Stromlieferung auskommen. Über alle diese
Zugeständnisse stehe aber die endgültige Entscheidung bei der Streikleitung.32
Auch wenn der Streik infolge eines bürgerlichen Abwehrstreiks am 8. März 1919 abgebrochen
werden musste, blieb die Ruhe trügerisch. Schon am 19. Juni 1919 kam es zu einem umfassenden
Eisenbahnerstreik, der schließlich mit Hilfe der Reichswehrtruppen unter Generalmajor Maer-
cker mittels Ausrufung des Belagerungszustandes niedergeschlagen wurde.
Wie angespannt die Situation noch im Sommer 1919, selbst bei symbolischen Fragen, war, zeigt
die Forderung der DNVP zur Entfernung der roten Fahne vom Erfurter Regierungsgebäude.
Auch die Beamtenschaft der Regierung zu Erfurt protestierte am 10. Juni 1919 gegen das „rote
Tuch“ mit einer Schilderung des regen Fahnenwechsels: Seit Anfang dieses Jahres weht vom Dache
des hiesigen Regierungsgebäudes die rote Fahne. Sie wurde von der im Gebäude seinerzeit untergebrach-
ten revolutionären Sicherheitswehr unter dem Schutze des gleichfalls im Hause ansässigen Vollzugs-
ausschusses des Arbeiter- und Soldatenrats gehißt. Zwei Tage danach war sie verschwunden. Wie sich

31 StAG, Landratsamt Mühlhausen, Nr. 274.


32 StAG, Regierung Erfurt, Nr. 12783, Fol. 42.

178
Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918

herausstellte, hatte sie ein Beamter, der gleich anderen solches Joch nicht ertragen zu können glaubte,
herabgeholt und auf dem Dachboden niedergelegt. Dieser Vorfall schien einen Teil der Bevölkerung Er-
furts mit Hilfe unverantwortlicher Personen in starke Erregung versetzt zu haben, sodaß man nach zwei
weiteren Tagen demonstrativ unter Beteiligung von mehreren 100 Erwerbslosen, Arbeitern, Mädchen
und Kindern wieder ein rotes Tuch an der Stange emporsteigen ließ. […] Erneut scheinen aber in den
Kulissen Kräfte gewirkt zu haben, denen es gelungen ist, die rote Fahne nach 10stündiger Unterbrechung
zum 3. Male hissen zu lassen. Hierüber sind die Beamten der Regierung und die weitesten Kreise der
Bevölkerung Erfurts auf das Äußerste empört.33

Abb. 1
(Staatsministerium Gotha Dep. II Loc. 192 Nr. 42)

33 Ebd., Nr. 7418, Fol. 72.

179
Steffen Arndt

Abb. 2
(Staatsministerium Gotha Dep. II Loc. 56 Nr. 40)

180
Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918

Abb. 3
(Landratsamt Ohrdruf, Nr. 388)

181
Steffen Arndt

Abb. 4
(Bildersammlung Staatsarchiv Gotha)

182
Die russische Revolution 1917 und die Novemberrevolution 1918

Abb. 5
Tribüne. Organ der Sozialdemokratie für Thüringen und den Regierungsbezirk Erfurt, 15. Januar 1919
(Bildersammlung Staatsarchiv Gotha)

183
Steffen Arndt

Abb. 6
(Stadtarchiv Erfurt 6-2 D Gundermann Nr. 354)

184
Mark Jones

Scripting the Revolution: ‘Russian Conditions’ and the German


political imagination in 1918 and 1919

The 4 November 1918 is a crucial date in the history of the German Empire. One month earlier,
under extreme pressure from Germany’s de-facto military ruler General Erich Ludendorff, the
new Imperial Chancellor, Prince Max von Baden sent his first diplomatic note to US President
Woodrow Wilson. Prince Max had approached the American President with a view to reaching
peace upon the basis of Wilson’s 14 points. When he made the news public in Germany on 5 Oc-
tober 1918, Prince Max added the promise that if Germany’s enemies were not willing to agree to
a peace that was compatible with Germany’s honour, then the German people would be forced to
fight on with renewed vigor.1 Four weeks and three rounds of diplomatic notes later, despite the
collapse of Germany’s allies and an absence of the kind of manpower needed to continue fight-
ing, Prince Max’s cabinet was still arguing about how to end the war and whether or not an armi-
stice was really necessary. Some voices at cabinet even spoke of there being some conditions that
Germany could not accept.2 All of these debates came to an end on 4 November 1918 when the
news came that the Imperial port city of Kiel had fallen under the control of a pro-revolutionary
council of sailors.3
The next day in Berlin, Centre Party politician Matthias Erzberger told a meeting of the pro-
democratic Reichstag interparty committee (the Interfraktionelle-Ausschuss) – the forerunner
to the Weimar coalition – that Germany needed to know President Wilson’s final conditions for
an armistice by the end of the week at the very latest. If not, Germany simply had to raise the
‘white flag.’ In his words: ‘Any further delay will demoralize the people and the government will
lose control of the situation. Incidents in Kiel, Stuttgart, Munich. At first [we have] no news from
the Rhineland. In 24 hours, that can take in areas that no one may possibly anticipate. Then the
inner front will collapse entirely. The conditions of the enemy are less painful than the domestic
laceration of the people. Russian conditions. We cannot let that happen!’4
The next day, 6 November 1918, the Imperial regime lost control of Hamburg – Germany’s sec-
ond industrial city and militarily key to contain the revolution to the north. By the time the red
flag flew over Hamburg, Erzberger had already left for Compiègne where he would sign the Armi-
stice on 11 November – an act for which right wing terrorists would murder him in August 1921.
While he made his way towards France, across Germany a chorus of voices repeated his senti-
ments: peace was necessary at any price because ‘Russian conditions’ had to be avoided at all

1 Mark Jones, Founding Weimar. Violence and the German Revolution of 1918–19 (Cambridge, 2016), 32–38.
2 Erich Matthias and Rudolf Morsey (eds.), Die Regierung des Prinzen Max von Baden, Quellen zur Geschichte des
Parlamentarismus und der politischen Parteien, (Düsseldorf, 1962).
3 Jones, Founding Weimar, 38–43.
4 Matthias and Morsey (eds.), Die Regierung des Prinzen Max von Baden Nr. 127: ‘Sitzung des Interfraktionellen
Ausschusses’ 5 Nov. 1918, Erzberger quote, 513. Emphasis added.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 185–203


[Link] 185
Mark Jones

costs. They included the voice of General Groener, who had been made quartermaster General of
the German Army following Ludendorff ’s dismissal on 24 October 1918. Even before the fall of
Hamburg, Groener told the cabinet that ‘Bolshevism is a more dangerous enemy than the enemy
at the front’.5
Debates about the relationship between the German Revolution of 1918–19 and the Russian
Revolutions of 1917 are as old as the revolutions themselves. In both countries, at important
junctures, key historical figures assumed that the future of their revolution would depend upon
events in the other context. In both cases, the language of revolutionary and counter revolution-
ary politics drew upon and developed scripts and ideas from the other context.
The purpose of this essay is to probe the Russian revolutionary script within the German Revolu-
tion of 1918–19. It is to ask what did contemporaries mean when they used terms like ‘Bolshe-
vism’ and ‘Russian conditions’ in German political debates in 1918 and early 1919? Where did
these ideas come from and how did they circulate and evolve in the final year of the First World
War and in the months following the Armistice? How did they develop and influence actors’
preferences and imaginaries, creating in turn cycles of hope and despair? What were the conse-
quences of the Russian script in the first months of Weimar Republic?
The approach takes inspiration from a recent volume, Scripting Revolution edited by Keith Michael
Baker and Dan Edelstein, who suggest that the revolutionary script is a mode through which his-
torians may engage in a new kind of comparative history of revolution. In their words, a script
‘constitutes a frame within which a situation is defined and a narrative projected; the narrative, in
turn, offers a series of consequent situations, subject positions, and possible moves to be enacted
by the agents within that frame. […] Competition to impose a script, or to control a script that
has been imposed, is a fundamental fact of politics, though perhaps never more in evidence than
in a situation that has been declared revolutionary.’6
Like all powerful-scripts, the narrative-idea that ‘Russian conditions’ were about to arrive in Ger-
many consisted of component parts that had already existed long before the script itself came
into being. In the second half of the 19th century greater global mobility and communication
had made the dangers of Russian ‘otherness’ increasingly central to Imperial German political
and cultural identities.7 Migration patterns, including migrants from the Russian Empire passing
through Germany on their way to the United States, as well as permanent and seasonal patterns of
migrant labour into Germany, added to German anxieties about the east. These older prejudices
further radicalized as a result of a series of events in the decade prior to the beginning of the First

5 Matthias and Morsey (eds.), Die Regierung des Prinzen Max von Baden, Nr. 129: ‘Sitzung des Gesamtkabinetts mit
General Groener, 5 Nov. 1918’, 526–45, Groener quote, 535.
6 Keith Michael Baker and Dan Eddelstein (eds.), Scripting Revolution. A Historical Approach to the Comparative
Study of Revolutions (Stanford, 2015), 3.
7 There is an enormous literature upon German perceptions of eastern-Europe, including Russia, both before and
during the First World War. As starting points see: Philipp Ther, ‘Deutsche Geschichte als imperiale Geschichte.
Polen, slawophone Minderheiten und das Kaiserreich als kontinentales Empire’, in Sebastian Conrad and Jür-
gen Osterhammel, Das Kaiserreich transnational. Deutschland in der Welt 1871–1914 (Göttingen, 2004), 129–48;
Vejas Gabriel Liulevicius, The German Myth of the East. 1800 to the Present (Oxford, 2009); Sebastian Conrad,
Globalisation and the Nation in Imperial Germany, trans. Sorcha O’Hagan (Cambridge, 2010).

186
Scripting the Revolution: ‘Russian Conditions’ and the German political imagination in 1918 and 1919

World War. The violent pogroms of 1903 to 1906; Russia’s defeat to Japan in 1905; the Revolu-
tion of 1905–06 and the re-emergence of conservative Russian nationalism, all contributed to
German understandings of Tsarist Empire as barbaric, uncivilized and backward.8 International
politics mattered too. Russia’s alliance with France increased German hostility to the Russian
Empire, feeding the sensation that Germany faced ‘encirclement’ and that only a victorious war
against Russian barbarism would break it.9 In 1912 and 1913, Germans sense of political and cul-
tural superiority was further strengthened by high profile events like the Lena massacre and the
Beilis ritual-murder trial, both of which were especially important for the development of liberal
and social democratic views of Tsarist Russia as a backward and uncivilized.10
After 1914, the older foundations of what became the German script of ‘Russian conditions’ in
1918 and 1919 were radicalized as the military experiences of war in the east added to and re-
inforced older forms of cultural superiority and xenophobia.11 Violence played a fundamental
role in this process. During the brief Russian incursion into eastern-Prussia, Russian soldiers
committed atrocities against the German civilian population, sending refugees westwards with
real and imagined tales of Russian barbarity. Even though the Russian occupiers were quickly
forced out, the memory of their supposed barbarity continued to shape German mobilization
for the remainder of the war.12
The structures of the German occupation regime that developed as the war progressed in cen-
tral and eastern Europe became a further powerful force for the creation and dissemination
of ideas of Russian inferiority. The creation of Ober-Ost, a quasi-military state that was estab-
lished to occupy an area of territory that included regions of Kurland, Lithuania and Bialystok-
Grodno, home to some 3 million people, was particularly important for the strengthening of
discourses of the ‘east’ as an uncivilized and threatening space. Millions of German soldiers
experienced this occupation regime and came directly into contact with the supposedly cultur-
ally inferior peoples that lived there, including eastern European Jews. As Vejas Liulevicius’s
study of the occupation has shown, this experience also contributed to the reinforcement and
transformation of older theories of eastern inferiority. Notably, the language that they used to
describe their encounters drew upon the scripts of African colonialism: the native populations

8 Troy R. E. Paddock, ‘Still Stuck at Sevastopol: The depiction of Russia during the Russo-Japanese War and the
Beginning of the First World War in the German Press’, German History, 16:3 (1998), 358–76.
9 William Mulligan, The Origins of the First World War (Cambridge, 2010); Christopher Clark, Sleepwalkers. How
Europe Went to War in 1914 (London, 2012).
10 For example, in its commentary on the Beilis murder trial, the liberal Vossische Zeitung, remarked that the trial was
a reflection of the extent to which Russia ‘where a majority of the population is still illiterate, is in many ways still
deeply stuck in the middle-ages’. Bundesarchiv Berlin Lichterfelde (hereinafter: BArch Berlin) R8934/II/1479
Bl.128: ‘Geistige Epidemien’, Vossische Zeitung, 11 Nov. 1913, Nr. 575.
11 On ‘cultural mobilization’ see: John Horne (ed.), State, society and mobilization in Europe during the First World
War (Cambridge, 1997); Roger Chickering, Imperial Germany and the Great War, 1914–1918 (Cambridge, 1998),
23–32; Anna von der Goltz, Hindenburg: Power, Myth and the Rise of the Nazis (Oxford, 2010) 14–42; Vejas G.
Liulevicius, The German Myth of the East; Sebastian Conrad, Globalisation and the Nation in Imperial Germany.
12 Alex Watson, ‘ “Unheard of Brutality ”: Russian Atrocities against Civilians in East Prussia, 1914–1915, Journal of
Modern History 86:4 (2014), 780–825.

187
Mark Jones

of eastern Europe were given the same characteristics as the subject populations of the German
colonial Empire.13
These were the tropes that helped to frame German responses to the Russian Revolutions of 1917
and to the beginning of the Russian civil war in 1918. At first, the news of revolutionary upheaval
in the Russian Empire was welcomed. It was understood, rightly, as something that could only
lead to German military victory in the east, a prospect that would end Germany’s military en-
circlement and open up new supplies of food to a country starving under the effects of the allied
blockade. Hence, even the Bolshevik Revolution was initially welcomed by large swathes of Ger-
man society. It was only over the course of 1918, as Germany’s allies collapsed and the German
armies went into retreat on the western front that the meaning of Bolshevism transformed into an
expression of Armageddon that was to be avoided at all costs.
This new meaning grew out of an understanding of ‘Russian conditions’ that equated Bolshevism
with new and unrestrained forms of violence. The term, which was regularly repeated in the Ger-
man media from early 1918 on, was short had for chaos, dirt, disorder, violence and everything
that went against the supposedly German values of Kultur, hygiene, work, discipline, and order.14
Detailed newspaper reports provided accounts of the violence of the early stages of the Russian
civil war. They appeared under threatening headlines such as ‘The battle for Petersburg,’ ‘The
domestic situation in Russia,’ ‘What it is really like in Russia.’15 There was more detailed reporting
that let Germans imagine how Bolshevism had brought about the end of ‘order’ and the rise of
terror ‘plunder and murder…famine.’ German newspaper reports described conditions in rural
Russia as especially dangerous, with German newspaper readers warned that in these areas hun-
ger and violence were rapidly increasing.16 So too, the Bolsheviks’ ‘Godlessness’ was a subject
that Germans could read about in detail, as newspapers brought news of the Bolsheviks’ war on
religion.17 As a result, the term ‘Bolshevism’ offered a sort of short hand for a new and dangerous
political project which multiplied all of the older threats from the east.18
In February 1918, one semi-official south-German regional newspaper carried a report of the first
months of the rule of the Russian Bolsheviks. It described it as ‘complete tyranny.’ The newspaper
claimed that the Bolsheviks were ‘raging’ against everything they considered ‘“Bourgeois.” ’ They
were supposedly engaged in ‘unlimited terrorism,’ arresting their opponents, the Mensheviks, the
agrarian socialists, and anyone who was accused of having joined with ‘counter-revolutionaries.’

13 Vejas G. Liulevicius, War Land on the Eastern Front. Culture, National Identity and German Occupation during
World War I (Cambridge, 2000); Vejas G. Liulevicius, ‘German-Occupied Eastern Europe’, in John Horne (ed.),
A Companion to World War I (Oxford, 2010), 479–93; Conrad, Globalisation and the Nation in Imperial Germany,
364–67.
14 See the collection of newspaper reports on the subject in Hauptstaatsarchiv Stuttgart (hereinafter: HStAS)
E 40/72 Bü 713.
15 HStAS E 40/72 Bü 713: ‘Der Kampf um Petersburg’, Münchner Neueste Nachrichten Nr. 575, 13 Nov. 1917; HS-
tAS E 40/72 Bü 713: ‘Die innere Lage in Rußland’, Norddeutsche Allgemeine Zeitung Nr. 99, 23 Feb. 1918; HStAS
E 40/72 Bü 713: ‘Wie es in Rußland wirklich aussieht’, Schwäbischer Merkur Nr. 325, 13 Juli 1918.
16 HStAS E 40/72 Bü 713: ‘Die innere Lage in Rußland’, Norddeutsche Allgemeine Zeitung Nr. 99, 23 Feb. 1918.
17 See: HStAS E 40/72 Bü 713: ‘Russland’, Deutscher Reichsanzeiger Nr. 33, 7 Feb. 1918.
18 BArch Berlin R901/55619 Bl.32: ‘Arbeiter, aufgewacht!’ Rheinische Zeitung Nr. 247, 22 Oct. 1918.

188
Scripting the Revolution: ‘Russian Conditions’ and the German political imagination in 1918 and 1919

In sum, it threatened: ‘In the few months they have been in power, the Bolshevik government has
proved that it is incapable of leading an ordered administration.’19
The script that suggested that ‘Russian conditions’ amounted to unrestrained violence was also
powered by German involvement in new forms of violence in central and eastern Europe in 1918.
Even after the Treaty of Brest-Litovsk, as many as one million German soldiers remained in the
territories that formally came under German control or influence. Many of them were active par-
ticipants in the increasingly brutal forms of violence that were to define the post-imperial shatter-
zones.20 In Finland, where anti-Bolshevik forces massacred as many as 10,000 rebels in May 1918,
a German ‘Baltic division’ under the command of Rüdiger von der Goltz fought on the nationalist
side.21 Meanwhile, in the Ukraine, German soldiers fought rebels in a hostile environment that
saw both sides commit atrocities, including the Bolshevik execution of 1,000 former Tsarist offi-
cers in Kiev and the German execution of some 2,000 Bolshevik prisoners on the Black Sea coast
in June 1918.22
While this direct German participation in the conflicts in the east helped to spread the idea that
‘Russian conditions’ were equivalent to unrestrained and new forms of violence, at the same time,
the fear of those conditions arriving in Germany was enhanced by the presence of more than 1.4
million prisoners of war from the former Russian Empire inside Germany – more than twice the
number of French and more than eight times the number of British prisoners. It was also greater
than the 1.25 million immigrant workers in the German Empire in 1914.23
After July 1918, as the allied counter-offensives on the western front began to push the German
armies back towards the German border and the situation in Germany became more unstable,
the meanings associated with Bolshevism and ‘Russian conditions’ extended to include older
fears of violent revolution, fears centred upon selective historical memories of 1789–92, 1848
and the Paris Commune. In this way, over the course of 1918, the scripts associated with terms
like ‘Bolshevism’ and ‘Russian conditions’ came to represent the fusion of two of the defining

19 HStAS E 40/72 Bü 713: Beilage zum Staats-Anzeiger für Württemberg, 22 Feb. 1918.
20 Liulevicius, ‘German-Occupied Eastern Europe’, 447–63, 458. See further Liulevicius, War Land on the Eastern
Front; Conrad, Globalisation and the Nation in Imperial Germany, 364–7.
21 Liulevicius, ‘German-Occupied Eastern Europe’, 458; Rüdiger von der Goltz, Meine Sendung in Finnland und im
Baltikum (Leipzig, 1920).
22 See the considered analysis of Peter Lieb, ‘The German Occupation of the Ukraine, 1918’, in Matthias Strohn
(ed.), World War I Companion (London, 2013), 210–25. On the Ukraine see further: Serhy Yekelchyk, ‘Bands
of Nation Builders? Insurgency and ideology in the Ukrainian Civil War’, in Robert Gerwarth and John Horne
(eds.), War in Peace. Paramilitary Violence in Europe after the Great War (Oxford, 2012) 107–25; Andrea Graziosi,
The Great Soviet Peasant War: Bolsheviks and Peasants, 1917–1933 (Cambridge MA, 1996), 11–37.
23 For fears of Russian prisoners’ potential to commit violence see: Eveline Blücher, An English Wife in Berlin. A
Private Memoir of Events, Politics and Daily Life in Germany throughout the War and the Social Revolution of 1918
(New York, 1920), 9 Nov. 1918, 282. See further her comments about freed Italian prisoners in Austria, 3 Nov.
1918, 272. Prisoner statistics are found in Wilhelm Doegen, Kriegsgefangene Völker (Berlin, 1921), 28. On prison-
ers see Alan Kramer, Dynamic of Destruction. Culture and Mass Killing in the First World War (Oxford, 2007), 65;
Heather Jones, Violence against Prisoners of War in the First World War. Britain, France and Germany, 1914–1920
(Cambridge, 2011), 54; Alon Rachamimov, POWs and the Great War: Captivity on the Eastern Front (Oxford,
2002). The number of immigrant workers is taken from David Blackbourn, ‘Das Kaiserreich transnational. Eine
Skizze’, in Conrad and Osterhammel (eds.), Das Kaiserreich transnational, 303–24, 313.

189
Mark Jones

fears of the political elite of Imperial Germany: the threat from below and the fear of the east. In
other words, the script of Russian conditions took its power because of the way the term came to
draw meanings that fused the ideas behind German Orientalism with elite fears of the chaos and
dirt of the German urban poor. After four years of war, both fears had been revitalized and radical-
ized by a conflict that put the nation’s existence at stake. As more and more Germans came to real-
ize that the Empire faced defeat in the Great War, fears of Russian conditions grew in intensity.
The diaries of the Heidelberg history Professor Karl Hampe provide us with an example of how
this process of transformation occurred. Hampe learnt of what he called the Bolshevik’s ‘new
revolution’ in Petrograd on 8 November 1917 and immediately predicted that it would result in
‘civil-war.’ However, the main issue for him remained whether or not this would bring about a
separate peace between Germany and Russia. He was critical of the idea that Germany needed
a functioning Russian government for such a separate peace to occur. Instead, he told his diary:
‘The more chaos there, the better for us.’24 A week later, he predicted that ‘shattered by civil war
and anarchy,’ Russia would eventually end up returning to some kind of constitutional Tsarism.25
On the 24 November 1918 he maintained the same line of thinking. The news of the ‘civil-war’
was a good thing, because it would ruin Russia to the point that regardless of whoever eventu-
ally won out, no political group would be able to continue the fight against Germany.26 Two days
later, he was equally pleased when he recorded the news that the Entente’s diplomatic staff had
left St. Petersburg and that English, French and American citizens had been interned.27 Even if the
Bolsheviks did not hold on to power, he was now certain that it would no longer be possible for
any Russian government to ‘unleash an offensive spirit against Germany’ and that ‘we are finally
free from this nightmare.’28 The next day he already pondered if victory in the east could lead to
an new offensive in the west – Hampe was not to know it, but Ludendorff had started to contem-
plate new offensives around the same time.29 Two days later – while commenting on how much
pleasure he was deriving from the lectures he was giving students at Heidelberg University on
Dante – he rejoiced even further, hoping for an outright Bolshevik victory because of its impact
upon the Entente.30
Over the course of December 1917 his opinion remained the same. He rejoiced at the news that
Russia might declare bankruptcy.31 When he learnt of its contents on 18 December 1917, he was
very pleased with the contents of the Armistice Treaty with Russia: ‘From now on it would all
come down to whether or not the Bolsheviks could hold on to power; they have to overcome.’32
On 5 January 1918 he recorded in his diary that the negotiations with the Bolsheviks were not

24 Folker Reichert and Eike Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch 1914–1919. Deutsche Geschichtsquellen des
19. und 20. Jahrhunderts, vol. 63, (Munich, 2007), 9 Nov. 1917, 616.
25 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 16 Nov. 1917, 618.
26 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 24 Nov. 1917, 622.
27 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 26 Nov. 1917, 622–3.
28 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 26 Nov. 1917, 622–3.
29 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 27 Nov. 1917, 623.
30 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 29 Nov. 1917, 623–4.
31 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 8 Dec. 1917, 629.
32 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 18 Dec. 1917, 633.

190
Scripting the Revolution: ‘Russian Conditions’ and the German political imagination in 1918 and 1919

going well but he remained optimistic, pointing towards the possibility of a separate peace with
the Ukraine and the potential of playing the Ukrainians off against the Bolsheviks.33
Illustrative of a broader change in attitudes towards Bolshevism at this time, his tone began to
change in the final third of January. Although it was still far off the outright hostility that devel-
oped in the mid-to-late summer of 1918, at this point Hampe began to place greater emphasis
upon Bolshevism as a source of violence. On 21 January 1918, after learning of the Bolsheviks’
liquidation of the Russian Constitutional assembly he described them as a ‘regiment of horror
[Schreckensregiment]’. Even if this development created greater uncertainty, Hampe also thought
that it would not endanger Germany’s long-term priority, a separate peace with Russia. Moreover,
in this diary entry, he was more concerned with the threat posed by striking workers in Vienna,
than with the threat posed by Bolshevism and its potential spread to Germany.34 Nonetheless,
echoing events in Russia themselves, and their wider representation in Germany at this time,
the meaning of Bolshevism in his diary entries was shifting towards the idea of Bolshevism as
unlimited violence, chaos and civil war. Two days later, he summed this up in a single line: ‘Heavy
internal fighting in Russia. Murders in St. Petersburg and the like.’35
On 27 January, the idea of Bolshevism as a source of disorder in Germany was central to his
analysis. He noted that strikes were now planned for Germany and he attributed their organiza-
tion to Trotsky, whom he described as a ‘clinical realist,’ who was trying ‘to make Germany small’
through the spread of revolution among the working class.36 Two days later, his concern grew that
the imitation of events in Russia could lead the German masses to destroy the fruits of Germany’s
impending victory in the east.37
On 2 February his diary referred to ‘Bolshevik Terror’ for the first time. In a citation that typifies
the way that Bolshevism was perceived as something that was clearly dangerous, but neverthe-
less still advantageous to Germany he wrote: ‘The developments in the east are as a result of the
increasing disintegration interesting, and not disadvantageous for us. What matters now is how
far the individual unique states can stand up to Bolshevist terror. Then we could first have peace
with Finland and the Ukraine. In the latter there is however heavy fighting. It seems likely that
Romania will secure Bessarabia and agree to peace with us.’38
This threatening imagery receded however in advance of the signing of the Treaty of Brest-Litovsk.
On 13 February 1918, Hampe was more optimistic about Bolshevism because he had learnt of
the Russian declaration of bankruptcy.39 Hampe was not alone in thinking along these lines. One

33 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 5 Jan. 1918, 642. He remained optimistic on 12 January
when he learnt that the negotiations were taking place once again, 12 Jan. 1918, 645.
34 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 21 Jan. 1918, 648.
35 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 23 Jan. 1918, 649.
36 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 27 Jan. 1918, 650. For a similar assessment, see the di-
ary of Käthe Lehmann, Weimar, 30 Jan. 1918, in Lisbeth Exner and Herbert Kapfer (eds.), Verborgene Chronik.
1915–1918 (Berlin, 2017), 499–500.
37 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 29 Jan. 1918, 650–51. The next day, he described the
‘voice of the people’, as the ‘voice of cows’. Hampe Diary, 30 Jan. 1918, 651.
38 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 2 Feb. 1918, 652.
39 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 12 Feb. 1918, 657.

191
Mark Jones

other example, the diary of the soldier Reinhard Kell in France, includes a similar observation
that the ‘brilliant news’ from the east would hurt Russia’s creditors, including especially France.40
On 26 February 1918, Hampe recorded that Chancellor Hertling had announced that the Bol-
sheviks had accepted Germany’s conditions and agreed to peace.41 A week later, he described the
3 March 1918 – the day the Treaty was signed – as ‘an important day.’42
From mid-summer 1918 onwards, however, the negative connotations that depicted Bolshevism
as violence and a threat to Germany’s future came to outweigh the positive connotations that
revolution in Russia had brought victory in the east. July was an especially crucial month. In the
space of a few weeks, Germans learnt that the deposed Tsar and his family had been brutally mur-
dered, that the top German military commander in the Ukraine, Generalfeldmarschall Hermann
von Eichhorn, had been murdered in Kiev, and that the German ambassador to Bolshevik Russia,
Count Mirbach, had been murdered inside the German Embassy building in Moscow (diplo-
matic relations had been re-established following the Treaty of Brest-Litovsk).43 Hampe blamed
the murder on Kerenksi’s counter-revolution and was certain that it would not lead to a break in
relations between Germany and the Bolsheviks.44 On 26 July he recorded that the situation for
the Bolsheviks was ‘very dangerous.’45
Even as late as August there are still examples in Hampe’s diaries that showed that he understood
Bolshevism as something that was damaging to the Entente and therefore beneficial to Germany.
Entente intervention on the anti-Bolshevik side even lead Hampe to believe that the Russian civil
war could end up strengthening Germany’s relations with the Bolsheviks.46 But such hopeful fu-
tures went hand in hand with observations of violence. On the 1 September, when he learnt that
there had been an attempt to execute Lenin, he commented that young girls were now taking up
the profession of assassins. He added that a colleague had withdrawn from a trip to Kiev because
his wife feared for his safety.47 This focus on violence was soon followed by another foreboding
entry on 11 September 1918: ‘Terror is growing in Russia; more than 500 Social revolutionaries
have been shot for assassinations. A new list of those to be killed has already been drawn up for
the next attack on a Bolshevist leader. This hostage-mindset is now starting to affect members of
the Entente.’48

40 Reinhold Kell, 25 Feb. 1918, in Exner and Kapfer (eds.), Verborgene Chronik, 512.
41 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 26 Feb. 1918, 661.
42 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 3 March 1918, 663.
43 Holger Herwig, The First World War: Germany and Austria-Hungary, 1914–1918 (London, 2014), 386. See von
Karl Freiherr von Bothmer, Mit Graf Mirbach in Moskau (Tübingen, 1922); George Katkov, ‘The Assassination
of Count Mirbach’, Soviet Affairs, 3 (1962), 53–93. See also HStAS E 40/72 Bü 713: ‘Aus dem Reich. Berlin 6
Juli (Amtlich)’, Staats-Anzeiger für Württemberg, Nr. 157, 8 July 1919; ‘Lenin deplores Mirbach murder’, New York
Times 8 July 1918; ‘Revolver und Handgranate’, Volksstimme Nr. 158, 9 July 1918; ‘Nikolaus Romanow erschos-
sen’, Volkstimme Nr. 170, 23 July 1918.
44 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 7 July 1918, 709.
45 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 26 July 1918, 717.
46 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 16 Aug. 1918, 728.
47 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 1 Sept. 1918, 733.
48 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 11 Sept. 1918, 737.

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Scripting the Revolution: ‘Russian Conditions’ and the German political imagination in 1918 and 1919

In the Autumn, as politically thinking Germans became more and more aware of the impending
collapse of Germany’s allies and the worsening position of the German armies on the western-
front, the fear of Russian conditions in Germany grew exponentially. It received a new burst of
energy from Ludendorff himself. During a series of meetings at the OHL on 29 September 1918,
he told the Emperor, Kanzler, and foreign secretary that the war was lost and demanded that
the government call for an immediate ceasefire.49 One officer who was present when Ludendorff
explained his thinking to officers, wrote that Ludendorff explained that ‘the military situation is
awfully grave. Everyday our western front could be broken through.’50 He then expanded upon
how he thought events could unfold in at any time:
‘The OHL and the German army are at their end; the war is not only no longer winnable rather
the final defeat is well unavoidably immanent. Bulgaria has dropped out. Austria and Turkey are
at the end of their power, they will soon follow. Our own army is sadly already badly contaminat-
ed by the poison of spartakist-socialist ideas. The soldiers can no longer be depended upon. Since
the 8th August it has gotten rapidly worse. Continually soldiers’ units have had to be quickly with-
drawn from the front because they have shown complete unreliability. When they were replaced by
soldiers who were still ready to fight, these soldiers were greeted with shouts ‘Strike-breakers’ and
they were called on to fight no longer. He could not operate with divisions, which could no longer
be depended on.51
As a result of Ludendorff ’s assessment that the German armies could no longer be depended
upon to fight, he predicted ‘that the enemy will succeed in the immediate future with a great
victory, a breakthrough on an unprecedented scale with the help of the Americans who clamour
for battle. Then the western army will lose its last resolve and flood back in dissolution across the
Rhine and carry the revolution into Germany.’52 As historian Michael Geyer has pointed out, in
the language of the German military, this amounted to a prediction of annihilation in battle.53
The scripts of the Russian Revolution went to the heart of Ludendorff ’s vision. His expectation
of German military collapse on the western front amounted to an imaginative transfer of events
in Russia and the collapse of the Russian armies. To avoid such a horror scenario Ludendorff de-
manded an immediate armistice. This news was supposed to be kept secret, but like so much else
it circulated widely and it forced large sections of the political elite to imagine Russian conditions
in Germany, either in agreement or disagreement with Ludendorff ’s assessment of the situation.54
The Russian script also offered soldiers at the front a powerful framework to understand what was
happening in Germany. On 7 November 1918 in Belgium, August Gieselmann, who had served

49 Chickering, Imperial Germany and the Great War, 184–85.


50 Siegfried A. Kaehler (ed.), Albrecht von Thaer, Generalstabsdienst an der Front und in der O. H. L.: aus Briefen und
Tagebuchaufzeichnungen 1915–1919 (Göttingen, 1958), 1 Nov. 1918. 234.
51 Kaehler (ed.), Albrecht von Thaer, 234.
52 Kaehler (ed.), Albrecht von Thaer, 235. Here translation used is that provided by Michael Geyer, ‘Insurrectionary
Warfare: the German Debate about a Levée en Masse in October 1918’, Journal of Modern History 73 (2001),
459–527, 467.
53 Geyer, ‘Insurrectionary Warfare’, 466–67.
54 For an example see the diary entries of Käthe Lehmann, Weimar, 3 Oct. 1918 and 11 Oct. 1918, Exner and Kapfer
(eds.), Verborgene Chronik, 624–25 and 628–30.

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Mark Jones

on the western front since August 1914 (with the exception of five months spent on the eastern
front in late 1916 and 1917) recorded that ‘many revolutionaries were at work in the Heimat and
that they wanted to begin a civil war along horrific Russian lines.’55 The following day in France,
Reinhold Kell used the same script to capture the changes taking place in Germany: ‘The Bol-
shevist ideas are spreading. It is a terrible time. […] If only the Heimat would take Russia as
its example. One can see there, what happens, with Bolshevism comes disintegration, chaos,
hunger and civil war. May God protect the Heimat from this.’56
The projection of the Russian script onto events in urban Germany received a further boost with
the release of Karl Liebknecht from prison in late October. As a price for their agreement to pro-
vide two Social Democratic ministers to the government of Prince Max von Baden, the Social
Democratic Party, the party with the largest representation in the Reichstag, had demanded a
loosening of censorship and once they had gotten over their initial reluctance, the release of
Liebknecht, the most prominent political prisoner in Germany during the First World War. The
Social Democrats calling for Liebknecht’s release argued that his imprisonment was more dan-
gerous than his release, suggesting that as long as Germany’s most vocal critic of the conduct of
the war remained imprisoned, he would serve as a focal point for opposition. Their assessment
turned out to be right. After his release on 23 October 1918, Liebknecht remained a politically
peripheral figure, a man who was unable to garner the support he wanted from his intended
audience. But Liebknecht was powerful in another way. His public performance and his rhetoric
linking Germany to Bolshevik Russia, strengthened the idea that a Bolshevik style power seizure
was imminent. More than any other figure on the political left, Liebknecht suggested that ‘Rus-
sian conditions’ in Germany could become reality.57
When he was released from prison he began his new career with a spectacular political dem-
onstration in central Berlin. It began with a procession of anti-war socialists who joyfully wel-
comed the return of their leader through central Berlin.58 From this point on, Russia was central
to Liebknecht’s revolutionary script. He used the Russian Embassy as a stage for his final speech
following his release before deliberately demonstratively entering the Embassy in an act of high
political drama.59
Liebknecht’s place in the Russian script contributed to his emergence as the most important
symbolic component of the Russian revolutionary script in Germany. He was about to become
the German Lenin. One aristocratic observer of Liebknecht’s triumphal parade following his
release described how ‘he was seated in a carriage with his wife, surrounded by flowers, and they
drove slowly by the Reichstag and through some by-streets, landing finally at the Russian Em-

55 August Gielsemann, Nimy (Belgium), 7 Nov. 1918, Exner and Kapfer (eds.), Verborgene Chronik, 647–48. He
predicted that the soldiers would have to fight again in the homeland.
56 Reinhold Kell, Longwy (France), 9 Nov. 1918, Exner and Kapfer (eds.), Verborgene Chronik, 653. For another
example see: Eugen Miller, Nachrodt, 27 Nov. 1918, Exner and Kapfer (eds.), Verborgene Chronik, 683.
57 See further, Jones, Founding Weimar, 67–103.
58 See also ‘Wir grüßen Dich, Liebknecht!’ Leipziger Volkszeitung, 23 Oct. 1918 [Nr. 457] in Annelies Laschitza and
Elke Keller (eds.), Karl Liebknecht: Eine Biographie in Dokumenten (East Berlin, 1982), 374.
59 Aus Erinnerungen Fritz Globigs, [Nr. 460] in Laschitza, Keller, Karl Liebknecht, 375–6.

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Scripting the Revolution: ‘Russian Conditions’ and the German political imagination in 1918 and 1919

bassy. There Liebknecht addressed his assembled friends in a speech tainted with Bolshevism.’60
Further away in Heidelberg, Karl Hampe described the moment as Liebknecht’s ‘Incitement to
revolution.’ Hampe was furious that Liebknecht had been allowed to speak. He immediately as-
sociated Liebknecht’s appearance with the threat of chaos.61 Soon after, the aristocratic princess
Evelyn Blücher, who lived close to the Brandenburg Gate recorded a rumour that Liebknecht was
about to give speeches in 80 different German towns. According to this upper-class whispering
he was going to begin his speech with the words: “‘Two years ago I went into prison a socialist. I
have come out of it an anarchist. I will tell you the reason why.’ ” 62
By aligning himself with Russia and notions of ‘world revolution,’ Liebknecht had become the
personification of the Russian revolutionary script in Germany. From this point on he was a sym-
bolic meeting point of some of the most powerful strands of the elites’ revolutionary fears. The
threats that he represented mixed visions of an out of control urban proletariat taking over the
streets, with the more recent anxiety generated by the fear that the discipline of the army was
about to break down at the front.63
Following on from Liebknecht’s appearance at the Russian Embassy, the power of the Russian
script was so great that many people believed rumours that the Embassy was the center of an
organization preparing for revolution in Germany. Soon after, the ‘intelligence’ department
of the Berlin police, responsible for spying on subversives, accused Moscow of supplying the
Embassy with material for propaganda purposes and weapons.64 Among civilians fearful of the
Embassy’s role in a future revolution – ‘we suspect it is a hotbed of Bolshevism and anarchy’
wrote Princess Blücher – the focus remained Karl Liebknecht who was said to be ‘constantly
going in and out.’65
At the end of October the government of Prince Max von Baden was still unwilling to move against
the Embassy.66 The rumours of Embassy involvement in revolutionary agitation were at first de-
nied by the Embassy and the government was initially, at least publicly, reluctant to act.67 But the
combination of fear, mistrust and suspicion was too great and as diplomatic boxes were being un-
loaded at Friedrichstraße station in central Berlin on 4 November 1918 German agents claimed
that one broke open revealing that it contained dangerous ‘Bolshevik propaganda.’68 The official
report that was subsequently issued to newspapers stressed that the propaganda called for workers
to stage a ‘bloody revolution [blutigen Umsturz].’ Another leaflet, signed in the name of the ‘Gruppe

60 Blücher, An English Wife in Berlin, 24 Oct. 1918, 256.


61 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 24 Oct. 1918, 763.
62 Blücher, An English Wife, 29 Oct. 1918, 262–265.
63 Blücher, An English Wife 24 Oct. 1918, 256; Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 24 Oct.
1918, 763. See also Helmut Trotnow, Karl Liebknecht. Eine politische Biographie (Frankfurt/M., 1980), 249.
64 Matthias and Morsey (eds.), Die Regierung des Prinzen Max von Baden, 414, See notes 5 and 6.
65 Blücher, An English Wife, 3. Nov. 1918, 272.
66 Matthias and Morsey (eds.), Die Regierung des Prinzen Max von Baden, 414.
67 ‘Die russische Botschaft in Berlin ein Herd des Bolschewismus?’ Die Post, 4 Nov. 1918 Morning edition. See also:
‘Die russische Vertretung in Berlin und der Bolschewismus. Eine amtliche Erklärung’, Norddeutsche Allgemeine
Zeitung, 3 Nov. 1918, HStAS. E 40/72 Bü 713 Bl.190.
68 Ritter/Miller, Die Deutsche Revolution 1918/1919, (Frankfurt/M., 1983). 338.

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Mark Jones

Internationale (der Spartakusgruppe)’ was said to call for ‘Revolutionskampf.’ Yet another was said
to provide instructions for revolutionary fighting and demanded ‘murder’ and ‘Terror.’69
The event provided evidence that the Russian script was about to be realized.70 Evelyn Blücher was
alarmed by the news that these papers had been found. She wrote that they were ‘full of anarchist
proclamations to the people, stirring them up to bloodshed and plunder.’71 Even the liberal Frank-
furter Zeitung was astounded.72 The press accused the Bolshevik ambassador, the veteran revolu-
tionary Adolf Joffe, who was Jewish, of conspiring to cause revolution in Germany and warned that
Germany was on the verge of ‘insidious murder [Meuchelmord]’ and ‘Terror.’73 As a result of the
discovery, the Embassy and its staff were expelled from Germany, to the relief of the anxious audi-
ence – Evelyn Blücher wrote that she ‘heaved a sigh of relief ’ when she heard the news.74
Anti-Semitism was a feature of responses to the news. Even the liberal Frankfurter Zeitung, prior
to 1914 one of the strongest voices opposing anti-Semitism in the German Empire, now reported
that the discovery provided the evidence that the ‘Jews’ were helping the Russian Embassy to
spread dangerous propaganda in Germany.75 When the Vorwärts reported on the expulsion it told
its audience that those behind the leaflets wanted to divide the German working class and force
‘Russian conditions,’ upon it. What such conditions meant was spelt out as the Social Democratic
newspaper warned that people were dying in Russia because of food shortages. Furthermore, as
it projected the likely impact of ‘Russian conditions’ onto Germany, the Vorwärts argued that the
same methods would result in even greater shortages in Germany.76
The actual role of Bolshevik support for the German revolution was minimal, if not totally irrel-
evant. The Bolshevik attempts to control groups like Berlin’s revolutionary shop stewards failed.77
The revolution itself broke out among the sailors of the surface fleet in the northern coastal
towns – places where there was little Spartacist organization let alone contact with Moscow. Yet,
as this examination of the language of contemporary politics shows clearly – even though an
organized Bolshevik political group had little or no role in what was taking place – the scripts of
the Russian Revolution were essential to the way that the collapse of the authority of the Impe-

69 Matthias and Morsey (eds.), Die Regierung des Prinzen Max von Baden, 510; Norddeutsche Allgemeinen Zeitung, 5
Nov 1918 Evening edition. See also: BArch Berlin R901/55619 Bl.23: ‘Der Kampf gegen den Bolschewismus’,
Norddeutsche Allgemeine Zeitung Nr. 569, 6 Nov. 1918.
70 ‘Die bolschewistische Gefahr’, Deutsche Zeitung Nr. 567, 6 Nov. 1918 Evening edition; ‘Der Kampf gegen den
Bolschewismus’. Norddeutsche Allgemeine Zeitung Nr. 569, 6 Nov. 1918 Evening edition.
71 Blücher, An English Wife, 3 Nov. 1918, 272.
72 ‘Russische revolutionäre Propaganda in Deutschland. Berlin, 5 Nov.’, Frankfurter Zeitung, 6 Nov. 1918 First Mor-
ning edition.
73 Frankfurter Zeitung, 6 Nov. 1918 Second Morning edition. See further: BArch Berlin R901/55619 Bl.23: ‘Der
Kampf gegen den Bolschewisums’, Norddeutsche Allgemeine Zeitung Nr. 569, 6 Nov. 1918 Evening edition.
74 Blücher, An English Wife, 3 Nov. 1918, 272.
75 Jones, Founding Weimar, 74.
76 Summary of Vorwärts contained in Coburger Zeitung Nr. 262, 8 Nov. 1918.
77 For details of their attempts to do so see: Ottokar Luban, ‘Russische Bolschewiki und deutsche Linkssoziali-
sten am Vorabend der deutschen Novemberrevolution. Beziehung und Einflussnahmen’, Jahrbuch für historische
Kommunismusforschung 2009, 283–298; Aleksandr Vatlin, Die Komintern. Gründung, Programmatik, Akteure
(Berlin, 2009). More recently see the brilliant study Gleb J. Albert, Das Charisma der Weltrevolution. Revolutionä-
rer Internationalismus in der frühen Sowjetgesellschaft 1917–1927 (Vienna/Cologne/Weimar, 2017).

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Scripting the Revolution: ‘Russian Conditions’ and the German political imagination in 1918 and 1919

rial state was experienced in Germany. The diary of the well-connected wife of a civil servant in
Weimar provides an example. On 8 November 1918, as she contemplated the revolution, even
though she noted that everything was quiet in the town, the news that a soldiers’ council had
been formed, left Käthe Lehmann turning to the Russian script to frame her assessment of what
was taking place. In her words, the council was ‘bolshevist ideas that have been introduced to our
poor Germany.’78
This script became more powerful after 9 November 1918 and the proclamation of a Republic
in Berlin. With the Kaiser gone, a new revolutionary government was formed. It consisted of 3
members of the (Majority) Social Democratic Party, and 3 members of the Independent Social-
ist Party. The government represented a compromise. It lasted until the end of December when
the Independent Socialists quit the government. On 19 January 1919 elections were held. Al-
though they made the Social Democratic Party the largest party, the electorate did not give them
an overall majority. Nonetheless, the clear majority of Germans had voted for liberal democracy.
Over the course of 1919, the deputies elected on 19 January met in the town of Weimar, where a
German constitutional assembly eventually reached agreement upon the constitution of the new
Republic which came into law on 11 August 1919.
Back in November and December 1918, despite the Social Democrats successes in gaining the
support of the revolutionaries who filled the streets of German towns and cities, the expectation
that the revolution would not stand still was so great that many people predicted that the compro-
mise political order would only last until Liebknecht staged a putsch, as Lenin’s Bolsheviks had
done. Imposing the Russian script upon conditions in Germany, many people believed rumours
that Liebknecht commanded a secret army and that it was ready to seize power at a moment’s
notice. The degree of anxiety was so great that men feared for the future of their families and
children and the defense of the home became a central preoccupation.
Once again, the diary of Karl Hampe’s diary provides us with an example of how this wider pat-
tern worked in the case of a single individual. In the middle of the November Revolution, he
immediately turned to the Russian script to interpret the political situation in Germany. On 9
November 1918 his diary entry recorded his depression and fears of future violence in Germany.
He even asked if life would still be worth living in the coming years. ‘Compared to the coercive
force of mob rule,’ he wrote that ‘there was infinitely more freedom under the monarchy’ and pre-
dicted that the forces behind the ‘mob’ ‘will not remain unopposed, and then the forceful claims
of those who hold power will be tried with similar means as in Russia.’ In an important example
of how his expectations were shaped by the script of the Russian revolution, he added: ‘They
never cease talking about the responsibility and political maturity of our people, just because up
to now the revolution has cost little blood; [but that was] the same as what happened in Russia
at the beginning.79
In his diary entry of 10 November he described the revolution as the ‘worst day of my life!’ Script-
ing the course of the Russian Revolutions and civil war onto Germany he predicted that the fu-

78 Käthe Lehmann, Weimar, 8 Nov. 1918, Exner and Kapfer (eds.), Verborgene Chronik, 651.
79 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 9 Nov. 1918, 775.

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Mark Jones

ture would include ‘brutal class rule under the cheating pretence of freedom, civil war, famine,
chaos.’ He accused the revolution of freeing criminals and described how a colleague had watched
the most ‘horrible sight’ as ‘ half-grown lads removed the epaulettes from officers and soldiers
and took away their weapons.80 In this moment of rage, anti-Semitism entered his revolutionary
script. Following an encounter with a Jewish colleague, Professor Fraenkel, he described deal-
ing with Jews at this time as difficult to accept. Hampe thought that Fraenkel’s acceptance of the
new regime was a typical example of Jewish ‘willingness to adapt’ – a typical example of how
discourses presented Jews as not belonging to the fatherland.81
Hampe was not the only person to focus upon Jews’ role in and reactions to the revolution. On
8 November 1918, reflecting upon the course of the revolution in Munich and role played by its
Jewish leader Kurt Eisner, Thomas Mann asked the question: ‘Munich, like Bavaria, governed by
Jewish literati. How long will that be allowed to go on?’82 Before this Mann’s diaries had noted the
role of Jewish revolutionaries in the spread of revolution across Europe.83 By 9 November, when
ultra-conservative newspapers in Berlin commented upon the revolution, their language present-
ed the revolutionaries as no longer belonging to the German race. For example, the Reichsbote,
like the Deutsche Tageszeitung and the Deutsche Zeitung, defined the revolution as the betrayal of
Germany by ‘foreign elements.’84 In its evening edition of 9 November 1918, the arch conserva-
tive Deutsche Tageszeitung – even used the Russian script to claim that the German revolutionar-
ies were even worse than the Bolsheviks who had at least tried to put national interests ahead of
those of the revolution by trying to continue the war.85
Liebknecht’s position within his version of the Russian revolutionary script now grew in impor-
tance. On 12 November, Hampe wrote: ‘Liebknecht and his people will soon attempt a putsch.
One can already see it coming, [eventually] the enemy will have to create peace in Germany and
then as compensation they will take even more land.’86 Scripting the events in Russia directly
onto what he expected to happen in Germany in the coming weeks and months, he wrote: ‘Our
Mensheviks have apparently already sacrificed the national assembly to the Bolsheviks.’87 For the
remainder of November, his diary contains a series of similar illustrations of how Liebknecht
remained the focal point of his imagined Russian future.88

80 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 10 Nov. 1918, 775.
81 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 10 Nov. 1918. 776.
82 Inge Jens and Peter de Mendelssohn (eds.), Thomas Mann Tagebücher 1918–1921 (Frankfurt/M., 2003), 8 Nov.
1918, 63.
83 Jens and de Mendelssohn (eds.), Thomas Mann Tagebücher, 2 Nov. 1918, 52.
84 ‘Ein Stoß ins Herz’, Reichsbote Nr. 569, 9 Nov. 1918 Evening edition; BArch Berlin R901/55561 Bl.11: Deutsche
Tageszeitung Nr. 572, 9 Nov. 1918 Evening edition; ‘Hohenzollern’, Die Post Nr. 575, 9 Nov. 1918 Evening edition;
‘Umsturz in Berlin’, Deutsche Zeitung Nr. 573, 9 Nov. 1918 Evening edition
85 BArch Berlin R901/55561 Bl.11: Deutsche Tageszeitung Nr. 572, 9 Nov. 1918 Evening edition.
86 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 12 Nov. 1918, 779.
87 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 12 Nov. 1918, 779.
88 Reichert and Wolgast (eds.), Karl Hampe Kriegstagebuch, 14 Nov. 1918, 780; 15 Nov. 1918, 781; 16 Nov. 1918,
782; 19 Nov. 1918, 784.

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Scripting the Revolution: ‘Russian Conditions’ and the German political imagination in 1918 and 1919

Hampe’s diary was one example of a wider trend.89 As had been the case earlier in the year, di-
rect personal experiences of the Russian Revolution helped to spread the Russian revolutionary
script in Germany. On 12 November, Kurt Riezler, a former advisor to Chancellor Bethmann
Hollweg, who had been working for the German Embassy in Moscow for most of 1918, thought
that [it was] ‘now only a question of which workers and soldiers council retains the upper hand
and whether with a handful of fanatics Liebknecht takes control of the hardly protected central
[council]’.90 Other public opinion leaders, including newspaper editors, as well as Social Demo-
cratic Party members, who had followed events in Russia carefully, now turned to impose the
Russian script upon their expectations for events in November and December 1918.91 For ex-
ample, the Social Democratic historian Gustav Mayer thought that the compromises between the
Social Democrats and the Independent Socialists on 9 and 10 November offered little to prevent
a proletarian dictatorship. In another example of how the language of Russian conditions was
used to script what people expected to take place in Germany, he added that the return of large
numbers of soldiers to Berlin could end in the ‘terror of the streets like in the French and Russian
Revolutions’.92
Anti-Semitism grew in importance over the same timeframe. Even though Karl Liebknecht was
not Jewish, many opponents of the revolution were certain that he was and used anti-Semitic lan-
guage against him. In early December 1918, anti-Spartacist posters even demanded the murder of
Karl Liebknecht and Rosa Luxemburg – the two most prominent representatives of the Russian
script in Germany. Notably, while posters used the words ‘kill Liebknecht,’ of Luxemburg they
demanded that it was time ‘Beat the Jew to death [Schlagt die Juden Tot].’93 The conservative
view of anti-Semitism and Bolshevism as two parts of the one dangerous enemy also mattered
for the murderer of Kurt Eisner in Munich. Papers found in his room, stated that his reasons for
killing the leader of the Bavarian revolution included that Eisner was a ‘Jew’ and a ‘Bolshevik’.94
The political role of the Russian script reached had its greatest influence during and after the
‘January Uprising’ of 1919. The Uprising, often misleadingly described as the ‘Spartacist Upris-
ing’ began during the night of 5–6 January 1919. After unusually large anti-government crowds
had formed in Berlin to protest against the Social Democrats’ dismissal of the Independent So-

89 For examples of how naval officers were horrified by revolution and defeat, see: Michael Epkenhans (ed.), Albert
Hopman. Das ereignisreiche Leben eines “Wilhelminers”. Tagebücher, Briefe, Aufzeichnungen 1901 bis 1920 (Mu-
nich, 2004), 11 Nov. 1918, 1140; Nicolas Wolz, Das lange Warten. Kriegserfahrungen deutscher und britischer Seeof-
fiziere 1914 bis 1918 (Paderborn, 2008), 423–6 and 441–9. For less dramatic commentary see Charles Kessler
(ed.), The Diaries of a Cosmopolitan 1918–1937, Count Harry Kessler (London, 1999), 9 Nov. 1918, 9.
90 Holger Afflerbach, Kaiser Wilhelm II. als Oberster Kriegsherr im Ersten Weltkrieg. Quellen aus der militärischen Um-
gebung des Kaisers 1914–1918 (Munich, 2005), 12 Nov. 1918, 487–8.
91 Bernd Sösemann (ed.), Theodor Wolff. Tagebücher 1914–19: der Erste Weltkrieg und die Entstehung der Weimarer
Republik in Tagebüchern, Leitartikeln und Briefen des Chefredakteurs am “Berliner Tageblatt” und Mitbegründers der
“Deutschen Demokratischen Partei”, (Boppard am Rhein, 1984), 12 Nov. 1918, 652.
92 Gottfried Niedhart (ed.), Gustav Mayer. Als deutsch-jüdischer Historiker in Krieg und Revolution 1914–1920. Tage-
bücher, Aufzeichnungen, Briefe (Munich, 2009), 13 Nov. 1918, 187.
93 As cited in Susanne Miller and Heinrich Potthoff (eds.), Die Regierung der Volksbeauftragten 1918/19 (Düssel-
dorf, 1969), Vol. 1, 294 note 33 referring to an article in the independent socialist Freiheit newspaper, 7 Dec. 1918.
94 Hans von Pranckh, Der Prozeβ gegen den Grafen Anton Arco-Valley, der den bayerischen Ministerpräsidenten Kurt
Eisner erschossen hat (Munich, 1920), 13.

199
Mark Jones

cialist Police President Emil Eichhorn, a small number of armed protestors occupied a series of
buildings in the newspaper district, including the Vorwärts newspaper, the most important Social
Democratic newspaper in Germany. The language used by radical revolutionaries to accompany
the occupations promised that the events in the press district in Berlin would culminate with a
proletarian power seizure along Bolshevik lines. In response, armed supporters of Ebert’s govern-
ment took up positions in the government district to protect the most important government
buildings, including the Imperial Chancellery and the Reichstag. Violent skirmishes soon began
to occur in central Berlin. They lasted until 11 January 1919, when the Vorwärts building was
stormed by soldiers under the command of the Social Democrats and the uprising was brought
to an end.
Even before the uprising began they warned that the Bolsheviks had provided millions of marks
to finance revolutionary upheaval in Germany.95 Once the Uprising began their warnings of the
dangers of ‘Russian conditions’ in Germany could only grow louder.96 On 5 January 1919, before
the first buildings had been occupied, after he had seen Karl Liebknecht mobilizing a crowd in
central Berlin, Harry Graf Kessler thought that he had witnessed a ‘wave of Bolshevism surging
in from the East’ that resembled ‘the invasion by Islam in the seventh century.’97 The next day,
the Russian script was equally important to Robert Leinert, a Social Democrat from Hanover
who represented the Central Council created by the National Assembly of Soldiers and Workers
Councils. Speaking to a crowd of Social Democratic Party supporters in front of the Chancellery
Building, he told them that the government (which now only consisted of Social Democratic
Party members) were making preparations to ‘finally deal with’ this gang of Spartacists and the
‘terror of the streets.’ At this point he told them that Eichhorn and Karl Radek (the Bolshevik’s
main agent in Berlin) wanted to bring Russian soldiers to the Rhine to restart the war and to fight
in a new coalition against the British and French.98
Political posters also depended upon the contents of a Russian script. They referred to the Sparta-
cists reliance upon Russian money and Russian methods.99 The Russian script was so powerful
that it even generated a rumour that there were as many as 1,000 Russian Bolshevik agents in
Berlin disguised as German soldiers.100 Workers were warned that the Russian methods included
the suspension of the delivery of food so to mobilize workers against the government and into
the hands of the radicals. They were also told that a flood of Russian money was being used to buy

95 ‘Die bolschewistische Propaganda in Deutschland’, Frankfurter Zeitung 1 Jan. 1919 First Morning Edition. Refer-
ring to a report from the Deutsche Allgemeinen Zeitung. See further ‘Die Zustände in Berlin’, Coburger Zeitung Nr. 4,
5 Jan. 1919.
96 ‘20 Millionen Rubel für Joffe in Deutschland’, Die Post Nr. 15, 9 Jan. 1919 MA; BArch Berlin R901/55610 Bl.7:
‘Wenn die Alliierten einmarschieren’, Die Post Nr. 17, 10 Jan. 1919 MA.
97 Kessler, The Diaries of a Cosmopolitan 1918–1937, 5 Jan. 1919, 52.
98 ‘Der Kampf um die Macht’. [Berlin Priv Tel. 6. Jan 12.05 Nachmittag], Frankfurter Zeitung, 7 Jan. 1919 First Morn-
ing edition.
99 See the collection contained in HStAS E131 Bü 151: ‘Flugblätter, Flugschriften (Zur Innen-, Aussen- und Wirt-
schaftspolitik), Parteiflugblätter / 1918–1919’.
100 ‘Russischer Zuzug? [Berlin, 8 Jan. Priv. Tel.]’, Frankfurter Zeitung 8 Jan. 1919 AA.

200
Scripting the Revolution: ‘Russian Conditions’ and the German political imagination in 1918 and 1919

the support of the German working class.101 One Social Democratic poster even argued that the
Spartacists wanted to create a ‘Bolshevist madhouse’.102
Given that the Uprising was geographically limited to parts of central Berlin, it is important to
point out that the Russian script allowed for its significance to be dramatically increased. For ex-
ample, in Brockau (close to Breslau) the diarist Ruth Hildebrand wrote that Berlin was ‘tearing it-
self to pieces.’ In her words, ‘the Russian Revolution has thrown its firebrands into German lands,
they fell on secretly stored explosives. Berlin is the main depot.’103 She was typical of the audience
to the uprising that demanded that the government prove that it had the means to ensure that a
Bolshevik style seizure of power would not be realized.
The degree to which the events taking place in central Berlin were framed by the Russian revo-
lutionary script is seen further when we turn to accounts of the end of the uprising. After the
uprising was defeated, the Russian script was used to depict the centrality of Russian involvement
in the uprising. One conservative newspaper even suggested that they had discovered a Russian
language textbook on the body of a dead rebel. In its words: ‘the discovery deserves mention’: ‘It
is a Russian language textbook, an edition for students who want to race ahead… The Russian
seducers and their German representatives are trying to hammer into their victims the convic-
tion that in the future socialist Russia and Germany are to form an Empire, an association for the
revolutionary conquest of the rest of the world.’104
Such representations might not come as too great a surprise in the press of the nationalist right.
But they may also be found in sources that are often described as liberal. For example, the Frank-
furter Zeitung included a description of soldiers discovering the body of a Russian, whom they first
believed was Karl Radek.105 The same newspaper claimed that the Spartacists had forced women
and children to face the fire of government soldiers and that they had learnt these ‘bloody’ and
‘cowardly’ ‘methods’ from their Russian role models.106 Another report in the same newspaper
explained that rumours that Rosa Luxemburg was captured among the prisoners circulated after
a Russian woman was caught ‘at the machine gun’.107 Similarly, one of the Vorwärts editors, the
Social Democrat Friedrich Stampfer later wrote that one of the first bodies he saw in the Vorwärts
building was ‘someone from the Caucasus’.108
The claims of direct Russian involvement in the Uprising were untrue. The Vorwärts occupation
was the largest occupation in the January Uprising. After it collapsed, pro-government soldiers
captured several hundred prisoners. A report on the backgrounds of 400 reveals clearly that al-
most all of those present in the newspaper building were German. Only 20 people, or 5 per cent

101 ‘Flugblätter, Flugschriften (Zur Innen-, Aussen- und Wirtschaftspolitik), Parteiflugblätter / 1918–1919’.
102 HStAS E131 Bü 151: ‘Das Bolschewistische Tollhaus. Von Erich Kuttner, Redakteur des “Vorwärts” ’.
103 Ruth Hildebrand, Brockau bei Breslau (Silesia), 11 Jan. 1919, Exner and Kapfer (eds.), Verborgene Chronik, 708.
104 ‘Die Krisis’, Deutsche Zeitung Nr. 11, 12 Jan. 1919 MA.
105 ‘Berlin. 11 Jan [Priv. Tel.]’, Frankfurter Zeitung 12 Jan. 1919 2MA.
106 ‘Spartakistische Kampfmethode [Berlin. 11 Jan. Priv. Tel.]’, Frankfurter Zeitung 12 Jan. 1919 2MA. Similar allega-
tions appear in ‘Letzte Meldungen [11 Jan. Priv. Tel.]’, Frankfurter Zeitung 11 Jan. 1919 Evening edition.
107 ‘Rosa Luxemburg – Das Standrecht [Berlin. 11 Jan. Priv. Tel.]’, Frankfurter Zeitung 12 Jan. 1919 Second Morning
edition.
108 Friedrich Stampfer, Erfahrungen und Erkenntnisse: Aufzeichnungen aus meinem Leben (Cologne, 1957), 234.

201
Mark Jones

of the total, were not citizens of Germany, and there were more Italians and Swiss than Rus-
sians.109 This reality mattered little for the discourses of Russian conditions, as statements by the
government, the Central Council, as well as media discourses in the liberal, Catholic, national-
ist, pan-German, and Social Democratic press, all exaggerated Russians’ roles in the occupation
and continued to stress the threat of ‘Russian conditions’. A few days later, following the murder
of Rosa Luxemburg and Karl Liebknecht in Berlin, when Philip Scheidemann told a pro-Social
Democratic Party rally that he had just learnt news of their deaths, he emphasized that Luxem-
burg was ‘Russian.’110
The Russian script played a similarly important role in framing political responses to Berlin’s
‘March Uprising,’ of 1919. In a typical example of how observers put events in Berlin within a
wider European framework that was greatly shaped by imagining the Russian revolutions spread-
ing west, the Kölnische Volkszeitung wrote that the German revolution ‘has copied the Russian
into the smallest details’ and predicted that ‘we will still go through worse, and it is doubtful, if
Germany will every recover from the consequences of the crime of 9 November.’111 Anti-Semitism
once again accompanied anti-Russian discourses. In one of its responses to events in Berlin, the
Reichsbote finished by asking the question: ‘By the way, who invited all of these Russian Jews,
Radek, Jogiches, and whatever else they are called, into Germany?’112
The scripting of Russian involvement in the German revolution reached its apogee during and
after the collapse of the Bavarian Councils Republic. Unlike during the Berlin’s January Upris-
ing, there was a stonger Russian involvement in the leadership of the second Councils’ Republic.
Even though he had lived most of his life in western-Europe, council leader Eugen Leviné had
been born in St. Petersburg and so his role in events could easily be represented as having Russian
origins. Elsewhere, other leaders developed a cult of Russian Bolshevism that was so strong that
one participant later bemoaned that all one had to say to convince German radicals to follow a
given course of action was to say that ‘we did it differently in Russia.’113
But even if there were stronger links between Russian Bolshevism and the Munich So-
viet, the links that existed did not merit the way that the opponents of the Councils Republic later
portrayed Russian involvement. For example, the execution of hostages by the Munich Soviet’s
red army on 30 April 1919 was widely attributed to Russian soldiers – a claim that was widely
believed because of the strength of the Russian script. So too, the largest single execution during
the Revolution of 1918–19 occurred when a military company approaching Munich from the
west, including students from the University of Tübingen, executed 53 Russian prisoners of war
in a sand pit in a Munich suburb. They accused the prisoners of war of fighting on the rebel side, a
point that was later strongly contested. Anti-Semitism also increased dramatically in the Bavarian

109 Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem (GStA PK) Rep. 84a. ( Justizministerium)
Nr. 11759 Bl. 61–2: ‘Der Erste Staatsanwalt bei dem Landgericht I. 67. Gen. Berlin, 14 Feb. 1919. Bericht über die
Beteiligung an den Spartakusunruhen und Beweggründe hierfür. Berichtverfasser: Staatsanwalt Schönner’.
110 ‘Scheidemann über Bolshewismus und Gewaltfrieden’, Germania 17 Jan. 1919 Evening Edition.
111 BArch Berlin R901/55655 Bl.48: ‘Knechtschaft’, Kölnische Volkszeitung Nr. 201, 12 March 1919 Evening edition.
112 BArch Berlin R901/55655 Bl.23: Reichsbote Nr. 125, 13 March 1919 Evening edition.
113 Ernst Toller, Eine Jugend in Deutschland (Amsterdam, 1933), 175. See also, 133, 147.

202
Scripting the Revolution: ‘Russian Conditions’ and the German political imagination in 1918 and 1919

case. By the time of the trials of the accused hostage murderers, racist drawings of the accused
depicted them as having semitic features.114
From the end of the Munich Council, the idea of Russian conditions and the scripts
that made it plausible were deeply connected to debates about the legitimacy and necessity of
violence. The rulers of the new state had resorted to extreme forms of violence – including giv-
ing its soldiers the right to carry out on the spot executions without any form of trial – and the
men responsible for these decisions needed a script to defend their actions. Thus, as the degree
of violence they unleashed grew during the first six months of 1919, and again during the ‘Ruhr
Uprising’ of 1920, or the ‘March Action’ of 1921, the idea that the state’s violence was saving
Germany from Russian conditions grew increasingly importance. For this process to work, the
discourses behind the script of Russian conditions had to repeatedly outline the dangers that
Russian conditions would bring to Germany. In the final years of the Republic, this script re-
emerged as the dangerous idea that Germany was on the verge of a Communist Putsch – an idea
that drew its plausibility because of the growth of the KPD in the late 1920 s and early 1930 s.
Preventing the script’s realization was an essential component in the Nazi’s justification of their
destruction of the legal order of the Weimar Republic and its replacement with a permanent
status of emergency.
In 1933, as he projected the same script backwards in a self-aggrandizing pseudo-scien-
tific account of his violent anti-revolutionary heroism, the future SS General Reinhard claimed
that the occupation of the Vorwärts included 60 Russians and around 250 Russian-Polish Jews.115 It
was a typical example of how the original idea that the revolution had betrayed the true German
people had evolved in right wing thought between 1918 and 1933. But it was not just the Nazis
who propagated the idea that 1918–19 was a moment when hard men of violence had saved
Germany from the dangers of Russian conditions. In 1928, on the tenth anniversary of the No-
vember Revolution, the Social Democratic Party produced a publication to mark the occasion. In
it, Gustav Noske went furthest in arguing that his party had saved Germany from Bolshevism.116
The memory of the scripts provided by the Russian example during 1918–19 did not make the
demise of the Weimar Republic inevitable. But the script did weaken the Republic’s foundation
and provide legitimacy to all those who used violence to seek to undermine it. Its power in 1918
and 1919 deprived the Republic’s founders of creating a stronger foundational myth, one that
could have portrayed the Republic as the logical culmination of the revolutions of 1848. It was
only after the Second World War that historians finally began to unravel the script’s power, dem-
onstrating that the idea that Germany was on the verge of Bolshevism was more myth than real-
ity. For many conservative historians and historians with close ties to the contemporary Social
Democratic Party the process is still ongoing.

114 See the collection of newspaper cuttings on the trial, which took place in September 1919, contained in BArch-
Berlin NS26/2095 ‘Prozeß über den Münchener Geiselmord vom 30 April 1919’.
115 Wilhelm Reinhard, Die Wehen der Republik (Berlin, 1933), 76.
116 Gustav Noske, ‘Die Abwehr des Bolschewismus’. in Gustav Stresemann, Hermann Müller (ed.), Zehn Jahre deut-
sche Geschichte 1918–1928 (Berlin, 1928), 21–35.

203
Leontij Lannik

Die deutsche Armee an der Ostfront zwischen zwei Revolutionen,


November 1918 – Februar 1919

Die Geschichte des Scheiterns der ersten Besatzung und der Evakuierung der deutschen Trup-
pen aus den von ihnen 1915–1918 gehaltenen riesigen Räumen im Osten ist bis heute nicht ge-
schrieben. Die einzige umfassende Arbeit ist bisher die vom Reichsarchiv schon 1936 herausge-
gebene Untersuchung „Die Rückführung des Ostheeres“,1 die stark gekürzt ist und einige „für
die Ehre der deutschen Armee“ unbequeme revolutionäre Episoden verschweigt. Daneben gibt
es bis heute nur ein einziges Buch über das Ende der deutschen Besatzung im Osten und im
Schwarzmeergebiet,2 das in vielerlei Hinsicht auf halbvergessenen Berichten basiert, die „ganz
unmittelbar“ nach den Evakuierungsereignissen geschrieben wurden.3 Eine ganze Reihe von ein-
schlägigen Untersuchungen erhellt die Details des schrittweisen Rückzugs der Besatzungstrup-
pen der Mittelmächte aus Litauen, Finnland und Polen, aber immer aus der lokalen Perspektive.4
In der Regel erscheinen die dramatischen Kriegsereignisse der Jahreswende 1918/1919 in diesen
Untersuchungen lediglich als unbedeutender Epilog oder deutlich zweitrangiger Hintergrund
der politischen oder sozioökonomischen Ereignisse, unter anderem auch der ersten deutschen
Besatzung der Länder Osteuropas. Einen Gesamtüberblick über die Evakuierung der mindestens
660.000 deutschen Soldaten und Offiziere5 gibt es bis heute nicht, obgleich die Zeitgenossen
damals eine Tragödie befürchteten, die mit dem Untergang der Großen Armee Napoleons ver-
gleichbar war. Bis heute ist auch die Rolle der Ostfront am Ausgang der Kampagne von 1918
insgesamt nicht in angemessener Weise untersucht worden, obgleich der Umfang der im Westen
und in Italien nicht genutzten Reserven Anlass zu kühnsten Vermutungen gibt.6 Noch schlechter
ist es um eine Untersuchung des Abzugs von mindestens 100.000 österreich-ungarischen Sol-
daten des Ostheeres7 und den Rückzug einer ganzen Reihe anderer prodeutscher Kräfte bestellt

1 Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres (Hrsg.): Darstellungen aus Nachkriegskämpfen deutscher Trup-
pen und Freikorps. 9 Bde. Bd. 1: Die Rückführung des Ostheeres. Berlin 1936.
2 Siehe Kurt Fischer: Deutsche Truppen und Entente-Intervention in Südrußland 1918/19. Boppard a. R. 1973.
3 Siehe Walter Fest: Nikolajew, der letzte deutsche Posten am Schwarzen Meer. Duisburg 1919.
4 Siehe z. B.: Marjaliisa Hentilä, Seppo Hentilä: 1918. Das deutsche Finnland. Die Rolle der Deutschen im finni-
schen Bürgerkrieg. Bad Vilbel 2018; Marianne Bienhold: Die Entstehung des litauischen Staates in den Jahren
1918/1919 im Spiegel deutscher Akten. Bochum 1976; Arthur Hausner: Die Polenpolitik der Mittelmächte und
die österreichisch-ungarische Militärverwaltung in Polen während des Weltkrieges. Wien 1935.
5 Die Frage der zahlenmäßigen Stärke der deutschen Truppen im Osten gegen Ende des Großen Krieges ist keines-
wegs einfach. Siehe det. L.V. Lannik: „Ukrainskij faktor“ v kampanii 1918 g. na Zapadnom fronte: cena i posled-
stvija intervencii dlja Central’nych deržav. In: O. R. Ajrapetov i dr.(red.): Russkij sbornik. Issledovanija po istorii
Rossii. T. 28. Moskva 2020, S. 486–512. Vollständige Gefechtsgliederung der deutschen Armee an der Ostfront
Mitte November siehe Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres (Hrsg.), Die Rückführung des Ostheeres,
S. 181–194.
6 Siehe z. B. Lannik, „Ukrainskij faktor“ v kampanii 1918 g. na Zapadnom fronte: cena i posledstvija intervencii dlja
Central’nych deržav, S. 486–512.
7 Eine der Arbeiten, die das Problem wenigstens teilweise behandeln: Zoltan Szende: Die ungarischen Feldtruppen
beim Zusammenbruch der Donaumonarchie 1918 [Dis.]. Freiburg i. B. 1930.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 205–217


[Link] 205
Leontij Lannik

(zum Beispiel von Offizieren der Hetman-Armee aus Kiew und anderen Städten). Es gab nicht
wenige memoirenartige Veröffentlichungen, die fast unmittelbar dem Vergessen anheimfielen, in
denen unter anderem über die Ereignisse in Kiew, Mitava, Odessa, Belostok8 und anderen Städ-
ten erzählt wurde. Vergessen sind Hunderte, in Bezug auf ihre Faktologie in der Regel exklusive
Regimentsgeschichten und andere Sammlungen von Erinnerungen von Veteranen des Großen
Krieges.
Nicht selten verdeckt der a priori-Verweis auf fehlende Quellen das Fehlen entsprechender Pri-
oritäten in aktuellen Untersuchungen. Der offene Verzicht auf militärpolitische Untersuchun-
gen kann nicht mit dem Erforschungsgrad des Problems gerechtfertigt werden, besonders in
diesem Fall. Von einem Forschungsstand des Themas – auf den man gewöhnlich hinsichtlich
beispielsweise der Westfront des Großen Krieges verweist – kann keine Rede sein. Das „Verges-
sen“ der Ostfront, das in Deutschland schon in der Zwischenkriegszeit begann, wurde schon
längst von den Forschern konstatiert,9 allerdings hat diese unerfreuliche Schlussfolgerung bis-
her zu keinen wesentlichen Konsequenzen geführt. Bei aller Kritik der deutschen „Geschichts-
schreibung des Generalstabs“10 wurden bislang keine Alternativen dazu geschaffen, denn dafür
reichen sogar nicht einmal die intensiven Bemühungen des deutschlandweit einzigen Fachzent-
rums (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften) der Bundeswehr. Die Verweise
der Forscher, die einzig und allein diplomatische Archive bevorzugen (PA AA), auf den Unter-
gang des Hauptteils der deutschen Militärarchive sind nur auf den ersten Blick überzeugend.
Tatsächlich gibt es eine chronische Unterbewertung der Militärbestände und der Erinnerungs-
literatur, deren Qualität und Exklusivität a priori vernachlässigt wird. Die hohe Aufmerksamkeit
gegenüber verwandten Themen, insbesondere der Entstehung neuer Nationalstaaten, und die
umfassenden neueren Untersuchungen zum „Greater War 1912–1923“11 in Osteuropa zeugen
vom Gegenteil.
Die Quellensituation ist tatsächlich bei Weitem nicht hoffnungslos, auch wenn man die deut-
schen und insbesondere die militärische Perspektive der Ereignisse betrachten will. Selbst in
den bewegten Zeiten des Zweiten Weltkriegs und als Folge des anschließenden Austauschs von

8 Siehe z. B. Karl Gelshorn: Mit den deutschen Truppen in der Ukraine. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen
Zusammenbruchs. Königsberg 1919; Dietrich Neufeld: Zu Pferd 1000 km durch die Ukraina. Emden 1922; Franz
R. Wohlgemuth: Fruchtbare Arbeit eines Soldatenrats im besetzten Gebiet. Sein erfolgreiches Wirken für die
Revolution, das Reich und den Sozialismus. Dresden 1919; Friedrich Schrader: Eine Flüchtlingsreise durch die
Ukraine. Tagebuchblätter von meiner Flucht aus Konstantinopel. Tübingen 1919; Walter Oehme: Damals in der
Reichskanzlei. Erinnerungen aus den Jahren 1918/1919. Berlin 1958.
9 Siehe Gerhard P. Groß (Hrsg.): Die vergessene Front – der Osten 1914/15. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung.
Paderborn 2006; Thomas F. Schneider: „Nach Rußland. Da ist ja kein Krieg mehr“. Vom Verschwinden der Os-
tfront aus dem deutschen kulturellen Gedächtnis. In: Bernhard Bachinger, Wolfram Dornik (Hrsg.): Jenseits des
Schützengrabens. Der Erste Weltkrieg im Osten. Erfahrung – Wahrnehmung – Kontext. Innsbruck/Wien/Bozen
2013, S. 437–450.
10 Siehe det. Markus Pöhlmann: Kriegsgeschichte und Geschichtspolitik. Der Erste Weltkrieg. Die amtliche deutsche
Militärgeschichtsschreibung 1914–1956. Paderborn 2002.
11 Siehe zum Konzept Wlodzimierz Borodziej, Maciej Górny: Der vergessene Weltkrieg. Europas Osten 1912–1923.
2 Bde. Darmstadt 2018.

206
Die deutsche Armee an der Ostfront zwischen zwei Revolutionen, November 1918 – Februar 1919

Beuteakten im Militärarchiv Freiburg (BA-MA)12 sind nicht nur viele äußerst wertvolle Stabs-
unterlagen erhalten geblieben, sondern auch anderes Material wie detaillierte und sogar schon
zum Druck vorbereitete Memoiren von Generälen, die an der Rückführung des Ostheeres ab
Ende 1918 oder sogar bis Ende 1919 beteiligt waren. Einen Verleger oder zumindest einen For-
scher haben diese Unterlagen nicht gefunden.13 Einer der Gründe hierfür war, dass der Höhe-
punkt des Interesses, der in den 1960er/70er-Jahren erreicht wurde, auf der Welle der Debatten
um die „Fischer-Version“14, längst vorüber war, wobei sich seither die Archivbestände und der
Grad ihrer Bearbeitung sowie die Zugänglichkeit für Forscher aus verschiedenen Ländern (auch
der bei Weitem noch nicht abgeschlossene Prozess der Digitalisierung) grundlegend zum Bes-
seren verändert haben. Die Anstrengungen der nationalen Geschichtsschreibungen (insbeson-
dere der polnischen15, sowie der deutlich weniger bekannten z. B. belarussischen Historiogra-
fie16) bedürfen nicht nur einer kompetenten Analyse der Schlussfolgerungen, die in der Regel
nicht frei von nationaler Mythologie sind,17 sondern auch zusammenfassender Arbeiten sowie
Artikeln mit modernen Ansätzen, die jedoch die alten, zuvor ignorierten Aspekte wieder auf-
nehmen.18 Bei dem ungeheuren Umfang der Faktologie und neuer Quellen, die nach wie vor in
Umlauf kommen, erfordern Untersuchungen, die Lücken schließen sollen, eine besonderen Fo-
kussierung – auf den Verlauf und die Probleme des Abzugs der Besatzungstruppen – und einen
genauen chronologischen Rahmen, der von der Logik der beschriebenen Prozesse bestimmt
ist. Im Zusammenhang mit dem allgemeinen Erforschungsgrad des Problems erhebt sich das
Problem nicht nur der Analyse, sondern der Rekonstruktion des Primärbildes der Ereignisse in
der Endphase der ersten Besatzung und der Gesamtlogik der Entwicklung der Situation.

12 Siehe det. Helmut Otto: Der Bestand Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres im Bundesarchiv, Mil-
itärisches Zwischenarchiv Potsdam. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 52 (1992), S. 429–441.
13 Z. B. sind die umfassenden und zum Druck vorbereiteten Erinnerungen über die Ereignisse an der Ostfront, ins-
besondere in den Jahren 1917–1919, der Generäle Robert Kosch und Walter v. Eberhardt, die die Besatzung-
struppen während ihrer Evakuierung von der Krim und aus Litauen befehligten, durchaus erhalten geblieben.
Siehe Bundesarchiv-Militärarchiv, N 754/9–12; N 2059/2–4.
14 Damals entstanden folgende für Ostpolitik-Forscher bis heute grundlegende Arbeiten: Winfried Baumgart: Deut-
sche Ostpolitik 1918. Von Brest-Litowsk bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Wien/München 1966; Hans-Erich
Volkmann: Die deutsche Baltikumpolitik zwischen Brest-Litovsk und Compiègne. Ein Beitrag zur Kriegsdiskus-
sion. Köln/Wien 1970; Peter Borowsky: Deutsche Ukrainepolitik 1918. Unter besonderer Berücksichtigung der
Wirtschaftsfragen. Lübeck/Hamburg 1970. Etwas später kamen hinzu: Wolfdieter Bihl: Die Kaukasus-Politik der
Mittelmächte. 2 Bde. Wien u. a. 1975–1992; Werner Zürrer: Kaukasien. 1918–1921. Der Kampf der Großmächte
um die Landbrücke zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Düsseldorf 1978.
15 Siehe neueste umfassende Untersuchung Grzegorz Kucharczyk (red.): Pierwsza niemiecka okupacja. Królestwo
Polskie i kresy wschodnie pod okupacją mocarstw centralnych 1914–1918. Warszawa 2019.
16 In Belarus werden große Anstrengungen zur Stärkung der Bedeutung der Belorussischen Volksrepublik unter-
nommen: Siarhej Šupa (uklad.): Archivy Belaruskaj Narodnaj Rėspubliki. U 2-ch kn. Vil’nja/N’ju-Ёrk/Mensk/
Praga 1998: Andrej Černjakevič: BNR. Triumf pobeždennych. Minsk 2018.
17 Dies erkennt selbst die zeitgenössische deutsche Geschichtsschreibung an, die sich an strenge Neutralität hält.
Siehe z. B. Eberhard Demm: Die Unabhängigkeitserklärung vom 16. Februar 1918 – Ein nationaler Mythos der
Litauer. In: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 49 (2000), S. 396–409.
18 Tomas Balkelis: Deutsche Freiwilligenverbände in Litauen 1919. In: Annaberger Annalen 2019, Nr. 27, S. 88–104.
Dieser Artikel basiert weitgehend auf Daten aus: Otto Schröder, Ralph v. Heygendorff: Die Sächsischen Freiwilli-
gen-Truppen in Litauen 1919. Dresden 1933.

207
Leontij Lannik

Die radikalen Veränderungen in dem seit Februar/März 1918 errichteten neuen Raum der deut-
schen Vorherrschaft in Osteuropa19 zeichneten sich schon zum Zeitpunkt des Abschlusses und
der Implementierung des deutsch-sowjetischen Zusatzvertrags vom 27. August ab. Die Serie neu-
er Abmachungen zwischen Berlin und Moskau zu regionalen Problemen rief eine scharf negative
Reaktion vieler Länder Osteuropas hervor und war der Höhepunkt der versuchten Umgestaltung
der Region, wobei jeder Einfluss der Entente abgeblockt wurde. Der schnelle militärische Zu-
sammenbruch der Mittelmächte wurde Ende September offensichtlich, allerdings wollte man im
deutschen Hauptquartier die Niederlage Deutschlands „auch im Osten“ lange nicht anerkennen.
Ein Teil der politischen Elite kam auf den Gedanken, Zugeständnisse an die Entente im Westen
gegen den Erhalt wenigstens eines Teils der durch den Zusammenbruch des Russischen Reiches
erworbenen Gebiete eintauschen zu können. Dies widersprach dem Kurs, der seit Juli 1918 vom
Chef des deutschen Auswärtigen Amtes, Paul von Hintze20 verfolgt wurde, der unter anderem aus
diesem Grund Anfang Oktober gezwungen war, die Regierung des Kaiserreichs unter Max von
Baden zu verlassen.
Der neue Kurs der deutschen Ostpolitik, der vom neuen Reichskanzler seit Anfang Oktober ver-
folgt wurde, war auf ein allmähliches Abrücken von der Zusammenarbeit mit den Bolschewiki
und eine aktivere Kooperation mit den nationalen Regierungen und Gruppierungen ausgerich-
tet. Um den Preis eines unausweichlichen Konflikts mit Sowjetrussland hoffte man, die Ultralin-
ken in Deutschland zu schwächen und wenigstens einen Teil der Ergebnisse von Brest-Litovsk
nach Abschluss eines künftigen Abkommens mit der Entente zu behalten. Die Konturen dieses
Abkommens waren selbst nach einer Serie von Noten Wilsons im Oktober 1918 bis dahin nicht
ganz klar. Der eindeutige Verzicht auf imperialistische Abmachungen mit den Bolschewiki bei
der Teilung Osteuropas entsprach auch dem Ziel des Aufbaus einer festen Union mit der SPD,
was für eine erfolgreiche Parlamentarisierung der deutschen Monarchie unerlässlich war. In Mos-
kau spürte man das deutliche Abrücken vom früheren Kurs schnell, allerdings war man nicht
alarmiert, da man der Meinung war, dass Deutschland, das einer Niederlage entgegen ging, nicht
die Kraft habe, sich den bolschewistischen Forderungen und Initiativen zu entziehen. Hierbei
leistete der sowjetische Bevollmächtigte Vertreter in Berlin, Ioffe, der dazu aufrief, die revoluti-
onäre Pathetik auszuweiten, sich aber keinen Illusionen hinsichtlich einer schnellen Revolution
durch die Bemühungen der „Unabhängigen“ hinzugeben, große Überzeugungsarbeit.21 Im Lau-
fe des Oktobers erhöhte sich der Druck des Volkskommissariats für Auswärtige Angelegenhei-
ten (Protestnoten, Anfragen usw.) bei einer immer längeren Liste von Streitfragen, die mit der
Umsetzung des Zusatzvertrags vom 27. August 1918 zusammenhingen.22 Die wachsende Un-
terstützung beim Aufbau einer antibolschewistischen Nord- und Südarmee in den besetzten Ge-

19 Siehe det. L.V. Lannik: Posle Rossijkoj imperii. Germanskaja okkupacija 1918 g. Sankt-Peterburg 2020.
20 Siehe die detaillierte, aber bei Weitem nicht erschöpfende Veröffentlichung der Dokumente seines Bestandes:
Johannes Hürter (Hrsg.): Paul von Hintze. Marineoffizier, Diplomat, Staatssekretär. Dokumente einer Karriere
zwischen Militär und Politik, 1903–1918. München 1998.
21 Siehe A .Ju. Vatlin: Sovetskaja Rossija i germanskaja revoljucija 1918 g. In: Novaja i novejšaja istorija 2017, Nr. 5,
S. 65–79; ders.: Poslednie dni Germanskoj imperii v donesenijach sovetskogo polpreda Adol’fa Ioffe (oktjabr’
1918 g.). In: Rossijskaja istorija 2018, Nr. 5, S. 89–104.
22 Einen bei Weitem nicht vollständigen, aber bislang alternativlosen Quellenbestand zu dieser Frage siehe bei A. A.
Gromyko (gl. red.): Dokumenty vnešnej politiki SSSR. V 24 t. T. 1. Moskva 1958; S. Dernberg i dr. (red.): Sovet-

208
Die deutsche Armee an der Ostfront zwischen zwei Revolutionen, November 1918 – Februar 1919

bieten durch Deutschland gab ausreichend Anlass für die Anmeldung immer neuer Ansprüche.
Die Auseinandersetzungen aufgrund des Abzugs der deutschen Truppen aus Belorussland, der
von massenhaften Plünderungen und der Demontage von Vermögenswerten und Ausrüstungen
begleitet war, wurden mit zunehmender Härte geführt. Nach einer Serie von Siegen der Roten
Armee im Wolgagebiet begann Moskau, sich einen schärferen Ton als früher zu erlauben und
schob sogar die Zahlung der anstehenden Goldtranche auf (30. Oktober 1918). Noch viel mehr
allerdings störte sich die Regierung Max von Badens an der spürbaren Belebung der bolsche-
wistischen Propaganda, die zu einer Serie von diplomatischen Skandalen und zur Ausweisung
oder zur Verweigerung der Einreise einer Reihe sowjetischer Emissäre führte (Semkov, Zinov’ev,
R akovskij). Die sowjetrussische Unterstützung des eben erst aus dem Gefängnis entlassenen
Karl Liebknecht und einer Aktion des Spartakusbundes vor dem Gebäude der sowjetischen
Bevollmächtigten Vertretung Unter den Linden nährte die Überzeugung, dass gegen die staatli-
chen Ordnung des Deutschen Reiches umfassende Untergrundaktivitäten im Gange waren, vor
denen Militär- und Polizeibehörden schon lange gewarnt hatten.23 Im Auswärtigen Amt suchte
man nach einem Vorwand für den Abbruch der Beziehungen und diskutierte mehrfach über den
passenden Augenblick sowie einen entsprechenden Vorwand und war gezwungen, zu einer Pro-
vokation mit Diplomatengepäck zu greifen, die sich am 4./5. November 1918 ereignete.
Die Folge hiervon sollte die Aufkündigung des Vertrags von Brest-Litovsk sein, allerdings hät-
te man sich im Kaiserreich, das seit Anfang Oktober 1918 umfassende innenpolitische Umge-
staltungen „unter dem Diktat“ der Wilson-Noten durchführte, darauf nur mit Billigung der En-
tente einlassen können. Die Sieger im Großen Krieg waren über eine Vielzahl anderer Probleme
besorgt, und deshalb hoben sie alle Verträge, die Deutschland im Osten geschlossen hatte, auf
einen Schlag auf, ohne Spezialklauseln zum Frieden von Brest-Litovsk und noch weniger zum
Zusatzvertrag. Nach dem Beginn der Novemberrevolution und der Abdankung des Kaisers wur-
de die Lage in Osteuropa unter anderem wegen der revolutionären Zersetzung und der starken
Besorgnis der allzu weit von der Heimat entfernten Kämpfer der Besatzungstruppen noch weit
komplizierter. Es war offensichtlich, dass man die Rote Armee nicht mit scharfen Demarchen
und Erschießungen von Agitatoren zum Angriff anstacheln durfte, denn dies hätte den Unmut
der deutschen Soldaten im Osten verstärkt, die sich der revolutionären Welle schnell anschlos-
sen. Daher wurde der Vertrag von Brest-Litovsk von Deutschland nicht aufgekündigt und der
Waffenstillstand von Compiègne, in dem die Haltung der Entente auch zur Besetzung der ehema-
ligen Gebiete des Russischen Reiches festgeschrieben war, bot die Möglichkeit, die Verträge mit
den Bolschewiki als nicht aktuell zu betrachten. In Berlin unterschätzte man jedoch das Ausmaß
der antideutschen Stimmung bei den Siegern, die über den unerwarteten Sieg schon in diesem
Feldzug jubelten und setzte auf die Bereitschaft der Entente, praktisch sofort zu gemeinsamen
Aktionen gegen den Bolschewismus überzugehen.
In Moskau, wo auf dem VI. Parteitag der Sowjets (6. bis 9. November) die ersten, in Mitteleuro-
pa erklungenen Takte der Weltrevolution stürmisch begrüßt wurden, sah man die Lage anders.

sko-germanskie otnošenija ot peregovorov v Brest-Litovske do podpisanija Rapall’skogo dogovora. V 2 t. T. 1:


1917–1918 gg. Moskva 1968.
23 Eine Vielzahl von Beispielen für das Gesamtjahr 1918 findet sich bei: Wilhelm Deist (Hrsg.): Militär und Innen-
politik im Weltkrieg 1914–1918. 2 Bde. Bd. 2: Dokumente. Düsseldorf 1970.

209
Leontij Lannik

Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen und die Ausweisung der Botschaft hielt man für
eine vorübergehende Episode, nach der eine unverzügliche und triumphale Rückkehr der sow-
jetischen Mission erfolgen würde, zurück in das verbündete revolutionäre Deutschland. Allein,
dies geschah nicht, Ioffe blieb in Borisov stecken und wartete auf den Austausch gegen deutsche
Diplomaten,24 die Illusion eines schnellen „Linksrucks“ und der Bereitschaft der neuen deut-
schen Regierung zu einem Bündnis mit Sowjetrussland hielt sich noch etwa einen Monat. Auch
deswegen planten die Einheiten der Roten Armee keinen sofortigen Angriff auf ganzer Front. Es
war offensichtlich, dass die revolutionäre Zersetzung der deutschen Truppen bessere Resultate
erzielen würde. Die Aufkündigung des Friedens von Brest-Litovsk durch Sowjetrussland am 13.
November war in erster Linie ein Propagandaschritt. Sie bedeutete nicht, dass Deutschland ein
Revolutionskrieg erklärt wurde. Der Akt der Aufkündigung war kein Verzicht auf die Grundidee
von Brest. Es war ein Angebot an das neue revolutionäre Deutschland, eine Revision vorzuneh-
men, die Verantwortung für die früheren Annexionen abzulegen und ein Bündnis gegen die En-
tente zu schließen.
Die Lage an den Fronten im Bürgerkrieg in Russland gestaltete sich Mitte November so, dass
von einer Konzentration der Kräfte der Bolschewiki an der Demarkationslinie keine Rede sein
konnte. Der Westvorhang konnte nicht zu einer Front umgestaltet werden, da er durch die Verla-
gerung aller Reserven an die wichtigeren Kriegsschauplätze an der Wolga und am oberen Don zu
geschwächt war (bis beinahe auf symbolische Größen von 12.000 bis 15.000 Kämpfern). Trotz
einiger beeindruckender Erfolge, insbesondere an der Ost- und Südfront, konnten es sich die
führenden Offiziere der Roten Armee nicht erlauben, eine Verstärkung der Kräfte des Westvor-
hangs unverzüglich und schnell schon vom 10. bis zum 20. November vorzunehmen. Dagegen
sprach auch die allgemeine Lage in der begonnenen Winterkampagne des Bürgerkriegs, deren
Verlauf sich wegen der Transformation der Weißen Bewegung und der Verstärkung der Inter-
vention grundlegend verändern konnte. Mitte November fürchtete man ernsthaft eine massierte
Verstärkung der Entente-Kontingente gleich auf mehreren Kriegsschauplätzen, das Absetzen ih-
rer starken Landungstruppen und einen allgemeinen „Feldzug der Imperialisten“ gegen Sowjet-
russland. In dieser Situation konnte die Rote Armee keinesfalls einen zusätzlichen und nach wie
vor formidablen Feind (die Erinnerung an die Operation „Faustschlag“25war noch stark präsent)
gebrauchen. Jedenfalls so lange nicht, bis die erwartete und mit allen Kräften unterstützte revolu-
tionäre Zersetzung eingetreten war. Für die Bolschewiki wäre eine allmähliche Verschiebung der
Demarkationslinie nach Westen gelegen gekommen. Anfangs rechneten sie nur mit einer gewis-
sen Beschleunigung des früheren Prozesses des Abzugs der deutschen Truppen aus Belorussland
und möglicherweise aus dem Gebiet Pskov. Jetzt aber wollten sie dafür nicht mehr mit Gold
bezahlen, obgleich zuvor die Evakuierung der Besatzer eindeutig mit dem Zeitplan der Zahlun-
gen verknüpft worden war. Daher erging der Befehl über den Übergang der Roten Armee zum
Großangriff erst einige Tage nach der Aufkündigung des Friedens von Brest-Litovsk, als die Feh-
ler im früheren Kalkül offensichtlich wurden. Zur Aktivierung der Aktionen der Bolschewiki im

24 Siehe det. Baumgart, Deutsche Ostpolitik 1918, S. 359 ff.


25 Tatsächlich gibt es dazu bis heute keine umfassende Beschreibung. Zwei relativ detaillierte Arbeiten betreffen
lediglich die Aktionen im Baltikum und in Finnland: Hugo Kaupisch: Die Befreiung von Livland und Estland (18.
Februar bis 5. März 1918). Oldenburg 1918; Karl Henke, Gerhard Liesner: Um Finnlands Freiheit. Berlin 1932.

210
Die deutsche Armee an der Ostfront zwischen zwei Revolutionen, November 1918 – Februar 1919

Westen trug auch das beharrliche Drängen einiger militärischen Führer (unter anderem Trockij
und Antonov-Ovseenko26) bei. Sie wiesen darauf hin, dass man Zeit gewinnen müsse, bevor die
antibolschewistischen Kräfte sich konsolidiert hätten, und erwarteten keine großen Verluste und
harten Kämpfe, denn der frühere Hauptgegner – die deutschen Truppen – war kampfunfähig.
Das revolutionäre Chaos in Deutschland und das gegenseitige Misstrauen der neuen Kraftzent-
ren, also einiger maßgeblicher Soldatenräte (in Kiew, Kovno, Minsk, Mitava, Belostok usw.) und
der ehemaligen führenden Offiziere von Armeen, Korps und Divisionen hatten zur Folge, dass
man an der Ostfront ab Mitte November in ständiger Ungewissheit war. Die den Bolschewismus
hassenden Kommandeure der verschiedenen Ebenen27 stellten sich die Frage: Kommt es erneut
zum Krieg mit Russland? Wann steht der Abzug bevor? Auf welcher Route wird er sich vollzie-
hen? Wird die Eisenbahn angesichts der Übergabe Tausender Lokomotiven an die Sieger der
Belastung gewachsen sein?28 Wo sind die zur Ablösung der deutschen Truppen erwarteten Kon-
tingente der Entente? Die Interpretation der Bedingungen des Waffenstillstands von Compiègne
(Artikel 12) sah das Verbot eines schnellen Abzugs der deutschen Truppen aus dem Osten vor.
Genau hierauf beriefen sich später die über den eiligen Abzug der Besatzungstruppen besorgten
Regierungen von Lettland, Litauen und in gewissem Maße auch der Belorussischen Volksrepub-
lik sowie des Ukrainischen Staates. Denn schon in der ersten Woche nach der Aufkündigung von
Brest (13. November) änderte sich die Lage in den besetzten Gebieten drastisch. Es flammte ein
Aufstand der ukrainischen Nationalisten gegen den Hetman auf, was für einige Tage die weitere
Existenz dieses einst prodeutschen Regimes in Frage stellte. Die abrupte Umorientierung Skoro-
padskijs auf ein Bündnis mit dem Ataman Krasnov und auf die Losung der Wiederherstellung
eines einigen Russland beschleunigte nur die Entwicklung der Ereignisse und brachten die deut-
schen Soldatenräte und die Führung vollends in Verwirrung, die schon bald nicht mehr wussten,
mit welcher der Autoritäten der Ukraine – des Hetman, von Petljura oder sogar den bolschewis-
tischen – sie wegen des sicheren Abzugs verhandeln sollten. In dieser Situation mussten nach der
Regelung der Beziehungen mit den örtlichen Bolschewiki möglichst schnell die Wege für den
Abzug der Truppen festgelegt werden.
Gegen Ende November war Lenin zur Überzeugung gelangt, dass die Zersetzung der deutschen
Truppen recht weit gediehen war, und er meinte, sie müssten jetzt einen zusätzlichen Impuls für
die Kooperation mit Sowjetrussland erhalten. Man begann mit lokalen Aktionen und Privatver-
einbarungen mit den deutschen Soldatenräten. Als erster berichtete über massenhafte revoluti-
onäre Verbrüderungen der Kommandeur eines der ukrainischen Partisanenregimenter, der in
den Gouvernements Kursk und Orel aktive N. Ščors. Die erfolgreichen Verbrüderungen führten
zum Aufkeimen von Hoffnungen auf die Einrichtung der Kontrolle der Ultralinken über die in

26 Siehe z. B. V. A. Antonov-Ovseenko: Zapiski o Graždanskoj vojne. V 3 kn. Kn. 2. Moskva 2016, S. 18–21.
27 Siehe det. L.V. Lannik: Reakcija na Russkuju revoljuciju komandovanija germanskich vojsk na Vostoke v 1917–
1919 gg. In: Istoričeskij žurnal: naučnye issledovanija 2017, Nr. 6, S. 54–68.
28 Siehe det. zu den Problemen der deutschen Feldeisenbahn den erst 2010 erschienen, aber schon in den 1930er-
Jahren vom Reichsarchiv vorbereiteten 2. Band der Geschichte des Großen Krieges zu diesem Aspekt: Horst Rohde
(Hrsg.): Das deutsche Feldeisenbahnwesen. 3 Bde. Bd. 2. Hamburg/Berlin/Bonn 2010.

211
Leontij Lannik

der ganzen Ukraine entstehenden deutschen Soldatenräte.29 Einer Belastungsprobe unterzogen


die estnischen Bolschewiki die deutsche Verteidigung bei Narva. Am 22. November gingen sie
zum Angriff über, wobei sie keine Gegenwehr erwarteten. Der erste Ansturm wurde jedoch zu-
rückgeschlagen. Ab 24. November schlossen sich größere Kräfte der Offensive an. Vom 24. bis
zum 26. November wurde die zur Verteidigung von Pskov zurückgelassene, aber immer noch
nicht formierte Nordarmee zerschlagen. Der Sieg begeisterte die Führung der Roten Armee, das
Kalkül eines triumphalen Vorstoßes nach Westen schien aufzugehen. Allmählich erwachte auch
die Führung der deutschen Truppen aus dem ersten revolutionären Schock. Zu dieser Zeit war
die Evakuierung der Besatzungstruppen besser vorbereitet, den Stäben war es (im Wesentlichen)
gelungen, einen kontrollierten Abzug nach Westen zu erreichen. Seine Geschwindigkeit war
keineswegs einheitlich, sie hing stark von der allgemeinen Situation bei der Eisenbahn und den
klimatischen Besonderheiten ab. Bei der 10. Armee (Belorussland und Litauen), die sich schon
im September/Oktober auf den Truppenrückzug vorbereitete, verlief der Abzug bis Anfang De-
zember relativ planmäßig, außerordentlich erfolgreich war die Evakuierung der deutschen Kon-
tingente aus Georgien (dank der Anstrengungen von Albert Hopmann in Sevastopol‘)30 und aus
Finnland,31 wo die Evakuierung über den Seeweg erfolgte. Augenfällig waren hingegen der deut-
liche Zusammenbruch der 8. Armee (im Baltikum) sowie die schwierige Lage der Landwehr-
und Landsturmtruppen, die durch Aufstände in verschiedenen Regionen der Ukraine blockiert
wurden.
Die Bolschewiki waren bestrebt, die Bildung antibolschewistischer Kräfte zu unterbinden, und
zwar sowohl von Offiziersgruppen, die sich Denikin hätten anschließen können, als auch von
nationalen Armeen in Estland, Lettland, Litauen, Polen und anderen Ländern. Im Revolutionä-
ren Militärrat hatte man auch die extrem feindselige Haltung Finnlands im Blick, das durch den
Abzug der deutschen Truppen alarmiert war. Es zeigte sich der Wunsch, große Kriegsbeute wie
Lebensmittel und rollendes Material zu machen, was den Bestrebungen der deutschen führenden
Offiziere direkt widersprach. Der Versuch der Roten Armee, Anfang Dezember ihren Vormarsch
zu beschleunigen, führte zu einem Wiederaufleben der Kampfhandlungen. Das Vertrauen der
deutschen Soldatenräte in die „proletarische Solidarität“ der Bolschewiki war untergraben. Im-
mer mehr weiteten sich die Kämpfe im Baltikum aus, wo deutsche Soldaten schon früh begonnen
hatten, Freiwilligeneinheiten zu bilden. Sie blieben zahlenmäßig auf niedrigem Niveau, die meis-
ten wollten noch vor Weihnachten möglichst schnell in die Heimat evakuiert und demobilisiert
werden. Die Soldaten der im Osten dominierenden Bataillone und Regimenter der Landwehr
und des Landsturms sahen sich logischerweise als Milizen und fühlten sich nicht verpflichtet,
den Kriegsdienst nach Abschluss des Waffenstillstands von Compiègne fortzusetzen, noch dazu
so weit von der Heimat. Sie bestanden darauf, als erste demobilisiert zu werden, und sei es aus

29 Siehe det. Ivan M. Kulinytsch, Mitrofan M. Koschyk: Die deutsche Spartacusgruppe in der Ukraine 1918–1919.
Berlin 1961.
30 Siehe det. Albert Hopman: Tagebuchaufzeichnung, 24. – 25. Oktober. In: Winfried Baumgart (Hrsg.): Von Brest-
Litovsk zur deutschen Novemberrevolution. Aus den Tagebüchern, Briefen und Aufzeichnungen von Alfons Pa-
quet, Wilhelm Groener und Albert Hopman, März bis November 1918. Göttingen 1971, S. 629 f., Anm. 737.
31 Siehe z. B. Rüdiger v. d. Goltz: Meine Sendung in Finnland und im Baltikum. Leipzig 1920, S. 108–118.

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Die deutsche Armee an der Ostfront zwischen zwei Revolutionen, November 1918 – Februar 1919

Altersgründen.32 Es gab häufig niemanden, der den Abzug oder die eigenmächtige Ausreise gan-
zer Bataillone sichern konnte. Des Öfteren gab es Angriffe auch seitens der örtlichen Milizen,
die auf illegalen Wegen oder von den deutschen Stäben Waffen ausschließlich für den Kampf
mit den vorrückenden Truppen der Roten erhalten hatten. Immer heftiger wurden die Zusam-
menstöße mit polnischen Truppen, die den Großteil des Territoriums des ehemaligen Kongress-
polen erobert hatten und versuchten, den Abzug der deutschen Einheiten über Brest und Belo-
stok zu verhindern. Die Verhandlungen mit den im Entstehen begriffenen Organen der Zweiten
Rzeczpospolita verliefen äußerst schleppend.33 Im Zuge der Zusammenstöße mit einer ganzen
Reihe von Gegnern erwarben die von der revolutionären Zersetzung erfassten Besatzungstrup-
pen Kampfkraft, denn jegliche Vereinbarungen über die Entwaffnung und die freie Fahrt in die
Heimat wurden nicht eingehalten und es drohten Schikanen, Gefangenschaft oder Tod. Es gab
genügend Leute, die für die Monate, ja sogar Jahre der Besatzung Rache nehmen wollten. Die
führenden Offiziere verschafften sich allmählich Autorität und bauten immer öfter eine Koope-
ration mit den Soldatenräten auf.
Aber auch bei dieser Entwicklung der Ereignisse lösten sich die Bolschewiki nicht von dem Ge-
danken eines revolutionären Bündnisses mit Deutschland. Diese Absicht blieb bestehen und
wurde den ganzen Dezember hindurch und selbst noch Anfang Januar genährt. Nun sah man
in den deutschen Truppen im Osten eine Revolutionsarmee, auf gemeinsamen Kundgebungen
hörte man Losungen von den „Soldaten der russisch-deutschen Revolution“, der Strom der Flug-
blätter verstärkte sich, von allen Fronten des Bürgerkriegs zogen deutsche, polnische, lettische
und ungarische Internationalisten nach Westen. Über die Soldatenräte wurde weiterhin zur Be-
seitigung der „alten Ordnungen“ in der Armee und zur wörtlichen Umsetzung der Beschlüsse
des Ersten Reichsrätekongresses aufgerufen, der vom 16. bis zum 21. Dezember 1918 in Berlin
stattgefunden und die von den Hamburger Delegierten eingebrachten Vorschläge zur Reorgani-
sation der Streitkräfte verabschiedet hatte. Auch wenn es gelang, die bolschewistische Delegation
festzunehmen und nur wenige nach Deutschland (Radek,34 Reuter, Rakov u. a.) illegal eingereist
waren, konnte man in Moskau mit den Zwischenergebnissen der weiteren revolutionären Zerset-
zung der alten Armee zufrieden sein. Jetzt musste der Einfluss auf die aus verschiedenen Grün-
den in den besetzten Gebieten aufgehaltenen Besatzungstruppen verstärkt werden. Dies konnte
nicht nur durch Kontakt mit den Einheiten der Roten Armee erfolgen, sondern auch dank der
Aktivitäten des bolschewistischen Untergrunds und halblegaler Sowjets (in Char’kov, Odessa,
Ekaterinoslav, Kiew, Gomel‘, Vilnius, Nikloaev, Sevastopol’usw.). Ergebnis der aufrührerischen
Aufrufe ultralinker Agitatoren waren Bürgerkriegsausbrüche bei den deutschen Truppen im Os-
ten. Die Auflage der verbreiteten Flugblätter und bolschewistischen Zeitungen in deutscher Spra-

32 Zu den Besonderheiten der Demobilisierung der deutschen Armee siehe det. L.V. Lannik: Pobedonosnye
proigravšie. Germanskaja voennaja ėlita v 1914–1921 gg. Sankt-Peterburg 2016, S. 417–423.
33 Mit diesen befasste sich Harry Graf Kessler, der trotz seiner ungeheuren Verdienste um die Befreiung von Ju.
Piłsudski aus dem Gefängnis in Magdeburg aus Warschau ausgewiesen wurde. Siehe det. Harry Graf Kessler: Das
Tagebuch 1880–1937. 9 Bde. Bd. 6. Hrsg. v. Günter Riederer, Christopf Hilse. Stuttgart 2006, S. 662–695.
34 Siehe det. Wolf-Dietrich Gutjahr: Revolution muss sein. Karl Radek – die Biographie. Köln/Weimar/Wien 2012,
S. 346 ff.

213
Leontij Lannik

che betrug zehntausende und hunderttausende Exemplare.35 Zunächst hoffte man noch auf den
revolutionären Elan der repatriierten Soldaten, denn die Masse der Zwangsmigranten36 machte
die ohnehin schon nicht einfache soziale Lage in allen kriegführenden Ländern extrem kompli-
ziert, was die Anhänger der Weltrevolution natürlich für ihre Zwecke ausnutzen konnten.37 Öl
ins Feuer goss die stürmische Reaktion der Bolschewiki auf die Ermordung von Karl Liebknecht
und Rosa Luxemburg, nach deren Bekanntwerden Geiseln genommen wurden und mit Masse-
nerschießungen gefangener deutscher Offiziere und „Bourgeois“ „als Antwort“ gedroht wurde.
Erst von da an gingen die Anstrengungen zur Anbahnung eines Dialogs mit dem offiziellen Berlin
deutlich zurück, die diplomatischen Beziehungen verblieben auf dem Niveau eines Stroms von
Protesten und Noten auf beiden Seiten.38
Zum Jahreswechsel 1918/1919 festigte sich das Vertrauen der Roten Armee in die militärische
Gewalt als Methode zur Lösung von Streitfragen im Westen deutlich. Die Ursache war eine Rei-
he kleinerer und größerer militärischer Erfolge. Das einst äußerst hohe Ansehen der deutschen
Armee war völlig untergraben. Meldungen, dass die Deutschen im Zuge des Großpolnischen
Aufstands die Kontrolle selbst über Posen verloren hatten, waren für die Roten erst recht An-
lass für die Anwendung gewaltsamer Methoden. Die Forderungen an die deutsche Militärfüh-
rung verschärften sich deutlich. Diese verlor ihrerseits jegliche Zweifel daran, dass sie – ohne
amtliche Verfügungen und entsprechende Erklärungen der Diplomaten – den Krieg mit den
Bolschewiki in einem Zwangsbündnis mit den nationalen Regierungen führe. Die Illusion ei-
nes Friedens zwischen Deutschland und Russland hatte sich völlig in Luft aufgelöst. Die Rote
eroberten überraschend Minsk (10./11. Dezember) und versuchten, entgegen den Vereinbarun-
gen über die Evakuierungsfristen der Deutschen, die Abfahrt der Züge mit Ausrüstung und Sol-
daten zu blockieren. Danach entfachten sie einen Aufstand in Gomel’ und Kalinkoviči (18. bis
19. Dezember), der von deutschen Soldaten niedergeschlagen wurde, da sie nicht die Kontrolle
über die wichtigsten Bahnhöfe auf dem Weg nach Westen verlieren wollten. Nach verzweifelten
Versuchen der Polen, die Übergabe der Kontrolle über Vilnius zu erreichen, besetzte die Rote
Armee aufgrund der Schwäche der litauischen Regierung am 4./5. Januar die Stadt, sodass die
deutschen Räte und die Militärführung in der Folge einander gegenseitig des Verrats bezichtig-
ten.39 Die Bolschewiki eroberten nach langen Diskussionen überraschend Char’kov (2./3. Janu-

35 Dafür rühmte sich in der Folge die sowjetische und die ostdeutsche Geschichtsschreibung. Siehe z. B. Leo Stern
(Hrsg.): Die Auswirkungen der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution auf Deutschland. 4 Tle. T. 4. Ber-
lin 1959, S. 1665, 1798–1805 ff.
36 Siehe Jochen Oltmer: Repatriierungspolitik im Spannungsfeld von Antibolschewismus, Asylgewährung und Arbe-
itsmarktentwicklung. Kriegsgefangene in Deutschland 1918–1922. In: Ders. (Hrsg.): Kriegsgefangene im Europa
des Ersten Weltkrieges. Paderborn u. a. 2006, S. 267–294.
37 Hannes Leidinger, Verena Moritz: Gefangenschaft, Revolution, Heimkehr. Die Bedeutung der Kriegsgefan-
genenproblematik für die Geschichte des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa 1917–1920. Wien/Köln/
Weimar 2003.
38 Deren sowjetische Version: S. Dernberg i dr. (red.): Sovetsko-germanskie otnošenija ot peregovorov v Brest-
Litovske do podpisanija Rapall’skogo dogovora. T. 2: 1919–1922 gg. Moskva 1971. Der westdeutsche Bestand
ist vertreten in: Walter Bußmann (Hrsg.). Akten zur deutschen auswärtigen Politik. 1918–1945 (ADAP). Ser. A:
1918–1925. 14 Bde. Bd. 1. Göttingen 1982.
39 Siehe z. B. Wilnas Auslieferung an die Polen. Denkschrift des zurückgetretenen Soldatenrats der 10. Armee. Stutt-
gart 1919.

214
Die deutsche Armee an der Ostfront zwischen zwei Revolutionen, November 1918 – Februar 1919

ar 1919) und zwangen damit die Führung des dort stationierten 1. Armeekorps zur Aufnahme
von Verhandlungen über den Abzug der restlichen deutschen Truppen nicht nach Westen, son-
dern über von der Roten Armee kontrolliertes Gebiet.40 Nach wiederholten Aufständen letti-
scher Einheiten und der übereilten Übergabe Rigas (2./3. Januar) und Mitavas (9. Januar) wurde
die Lage für die Reste der 8. Armee im Baltikum äußerst schwierig. Vergeblich bemühte sich
der Generalbevollmächtigte für die Baltischen Lande, August Winnig,41 mit den Bolschewiki zu
einer Vereinbarung über die Einstellung der Offensive zu kommen. In Marschordnung zogen
die deutschen Kavallerieeinheiten in der Ukraine in Richtung Polen und schlugen Angriffe ört-
licher Aufständischer aller Couleur zurück. Am 17. Januar 1919 fuhren die letzten Militärzüge
mit Besatzungstruppen aus Kiew ab. Zu diesem Zeitpunkt unterstand der Ataman Grigor’ev, der
das von deutschen Soldaten verteidigte Nikolaev belagerte, de facto nicht dem ukrainischen Di-
rektorium. Sobald offensichtlich wurde, dass die Petljura-Truppen nicht in der Lage sein würden,
Kiew zu halten, schlug sich der aufrührerische Ataman ganz auf die Seite der Roten. Vor diesem
Hintergrund sahen die ersten Misserfolge der Roten Armee, die später zu schweren Niederlagen
führten, nicht so bedeutsam aus. Durch den übereilten Angriff auf Riga blieben den Roten auch
in Kurland keine Kräfte mehr zur Einnahme von Reval und Ende Januar verloren sie die Kont-
rolle über fast ganz Estland einschließlich Narva. Sie konnten auch Libau nicht einnehmen, das
zu einem Sammlungszentrum für deutsche Freiwillige und russische Weißgardisten geworden
war.42 Der schnelle Vormarsch in Richtung der Schwarzmeerküste kam zum Stillstand, es häuften
sich die Probleme mit der Disziplin und der Versorgung der Truppen der Sowjetukraine. All-
mählich erstarkte der Widerstand gegen die Truppen der Roten Armee seitens der Streitkräfte
Südrusslands und der Kolčak-Armeen. Auch die deutsche Militärführung, die erst allmählich die
neue Front gegen die polnischen Truppen aufbaute, hatte zahlreiche Sorgen. Die Hoffnungen
auf einen schnellen Vormarsch der Landungstruppen der Entente, die in den Schwarzmeerhäfen
abgesetzt worden waren, hatten sich nicht erfüllt.
Ende Januar 1919 scheiterte das Kalkül der Bolschewiki, die Revolution schnell nach Deutsch-
land tragen zu können, auch wenn sie sich zunächst nicht endgültig davon lossagten. Die Auf-
stände in Berlin wurden niedergeschlagen, die Ergebnisse der Wahl zur Nationalversammlung in
Deutschland (am 19. Januar) waren durchaus bescheiden. Karl Radek befand sich für lange Zeit
in Moabit, was ihn vor der gewaltsamen Vergeltung durch Waldemar Pabst bewahrte. Vergleichs-
weise erfolgreich verlief die Demobilisierung der kaiserlichen Armee,43 die durch das schnelle
Anwachsen der deutlich antisozialistischen Freikorps abgelöst wurde. Den internationalistischen
Losungen der Bolschewiki standen die Auswirkungen des in Deutschland erstarkten Gefühls der
nationalen Demütigung gegenüber. Obgleich die Bedingungen des Versailler Friedens bei Wei-

40 Diese Tatsache wurde mit großem Unwillen und äußerst knapp in der einzigen deutschen Arbeit zur Geschichte
der Evakuierung beschrieben. Siehe Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres (Hrsg.), Die Rückführung
des Ostheeres, S. 58 f.
41 Siehe det. August Winnig: Am Ausgang der deutschen Ostpolitik. Persönliche Erlebnisse und Erinnerungen. Ber-
lin 1921, S. 82 ff.
42 Dies ist sehr kurz beschrieben im 2. Band einer Serie von Arbeiten über die Nachkriegskämpfe: Kriegsgeschicht-
liche Forschungsanstalt des Heeres (Hrsg.): Darstellungen aus Nachkriegskämpfen deutscher Truppen und Frei-
korps. Bd. 2: Der Feldzug im Baltikum bis zur zweiten Einnahme von Riga, Januar bis Mai 1919. Berlin 1937.
43 Siehe Richard Bessel: Germany after the First World War. Oxford 1995.

215
Leontij Lannik

tem noch nicht klar waren, veranlassten doch die beginnende Besetzung des linken Rheinufers
durch die Entente, die immer härteren Bedingungen des Waffenstillstands (der in Trier Mitte Fe-
bruar bestätigt wurde), der Großpolnische Aufstand in Posen (Ende Dezember) und die aufflam-
menden Kämpfe in Westpreußen und in Oberschlesien, sowie die eindeutigen Gebietsansprüche
der Italiener, der Südslawen und Tschechen – von Tirol und Kärnten bis zu den Sudeten und
Teschen – viele Schwankende, zum Schutz der Grenzen eines gemeinsamen Reiches (einschließ-
lich Deutsch-Österreichs) zu den Waffen zu greifen.44 Gegen Ende der komplizierten Winter-
kampagne 1918/19 war der revolutionäre Enthusiasmus auch auf der anderen Seite der Front
nicht sehr hoch. Für die Soldaten der Roten Armee waren die Ideale der Weltrevolution weniger
verständlich als das Ziel der Befreiung der Heimat von den Besatzern und anderen „Unterdrü-
ckern“. Immer stärker strebten diejenigen, die üblicherweise als „Internationalisten“ bezeichnet
wurden als Privatleute in die Heimat und nicht an die Spitze der Einheiten der Roten Armee.45
Mitte Februar 1919 ließ der Druck der sowjetischen Truppen, der eher auf der Schwäche der
Gegner als auf hoher Kampfbereitschaft basierte, deutlich nach. Von der Ostsee bis zum Pripjat’
stabilisierte sich die Front, sobald die Truppen der Roten Armee auf immer stärker für den Kampf
motivierte Freiwillige aus Skandinavien (in Estland), Kämpfer der Freikorps (in Kurland), Trup-
pen der neuen unabhängigen Staaten und verschiedene weißgardistische Einheiten (aus der ehe-
maligen Nordarmee) trafen. Ab Mitte Februar 1919, nach dem Abkommen mit Polen über den
Abzug der deutschen Truppen, das in Belostok erzielt wurde,46 begann die sowjetisch-polnische
Front in Belorussland, sich sehr schnell herauszubilden.47 Die Evakuierung oder der Abzug der
deutschen Truppen in Marschordnung aus der Ukraine und dem ukrainisch-polnischen Grenz-
gebiet ging zu Ende. Nun fühlten sich die außerhalb der Grenzen von 1914 stehenden deutschen
Soldaten nicht mehr als Besatzer, sie waren ziemlich fest überzeugt, dass sie die Heimat weit ent-
fernt (in Libau, Kovno, Suvalki usw.) verteidigten, ohne es den Bolschewiki aus den Ländern
Zentraleuropas und ihren Impulsgebern aus Russland zu ermöglichen, sich zu einer einheitli-
chen Armee zusammenzuschließen. Gründe, dies zu befürchten, gab es genug. Dies belegten die
bewaffneten Zusammenstöße in Ostpreußen, die Ereignisse in Bremen und das Entstehen von
Räterepubliken in Bayern und in Ungarn.
Erst Mitte Februar 1919 ging die seltsame Koexistenz in den sowjetisch-deutschen Beziehungen
gleich mehrerer, einander beinahe ausschließender Entwicklungslogiken der Ereignisse zu Ende.
Erstens setzten sich über mehrere Monate die Versuche Moskaus fort, ein revolutionäres Bündnis

44 Diese Ereignisse wurden in der Folgezeit in einer Serie von gesonderten Untersuchungen heroisiert, die aufgrund
der Niederlagen im Zweiten Weltkrieg nicht zu Ende geführt wurden. Siehe Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt
des Heeres (Hrsg.): Darstellungen aus den Nachkriegskämpfen deutscher Truppen und Freikorps. 9 Bde. Berlin
1936–1943.
45 Die sowjetische Geschichtsschreibung hat dies freilich nicht anerkannt. Alternativen dazu gibt es bis heute
nicht. Siehe Höhepunkt der sowjetischen Untersuchung des Problems: A .Ja. Manusevič (red.): Internacionalisty.
Učastie trudjaščichsja stran Central’noj i Jugo-Vostočnoj Evropy v bor’be za vlast’ Sovetov v Rossii 1917–1920 gg.
Moskva 1987.
46 Siehe Text des deutsch-polnischen Abkommens: I. A. Chrenov i dr. (otv. red.): Dokumenty i materialy po istorii
sovetsko-pol’skich otnošenij. V 12 t. T. 2. Moskva 1964, S. 84–87.
47 Siehe det. V. Rezmer: Načalo pol’sko-sovetskoj vojny 1919–1920 gg.: issledovatel’skij vopros. In: A. G. Ajrapetov
([Link].): Čičerinskie čtenija. Rossija i mir posle Pervoj mirovoj vojny (k 90-letiju okončanija vojny i podpisanija
poslevoennych soglašenij). Tambov 2009, S. 132–139.

216
Die deutsche Armee an der Ostfront zwischen zwei Revolutionen, November 1918 – Februar 1919

mit den Zentren der Räterepubliken in Deutschland und mit den Soldatenräten verschiedener
Ebenen auch in den besetzen Gebieten (besonders in Char’kov) zu erreichen. Genau in diesem
Zuge gab es in Moskau die Hoffnung auf diplomatische Beziehungen mit dem Rat der Volksbe-
auftragten, dessen „Linksruck“ man bis zur Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes in Berlin
und bis zum Eintreffen der Wahlergebnisse zur Nationalversammlung (19. Januar) beharrlich
erwartetet hatte. Zweitens zielten die Beziehungen der RSFSR mit dem neuen republikanischen
Deutschland auf die Gewährleistung der geordneten Evakuierung der Besatzungstruppen un-
ter Mitwirkung oder zumindest in Abstimmung mit dem wichtigsten Vertragspartner ab (was
zum Beispiel in Novozybkovo, Vilnius, Gomel’ und eben in Char’kov gelang). Die eindeutigen
Anstrengungen, einen Kompromiss zu erzielen, schlossen drittens erbitterte Kampfhandlun-
gen zwischen den seit Ende November 1918 auf Basis der alten kaiserlichen Armee entstan-
denen Freiwilligenverbänden und den nach Westen und Südwesten vordringenden Truppen
der Roten Armee nicht aus. Im Zuge des Abschlusses der Evakuierung der deutschen Truppen
und der Ankunft von Kämpfern verschiedener Freikorps im Osten, vor allem in Kurland und
Litauen, die sich in Deutschland gebildet hatten, ging die Zeit des Chaos (aber nicht der Un-
gewissheit) in den sowjetisch-deutschen Beziehungen vorüber. Es gab keine Illusionen mehr
über einen schnellen Aufbau, wenn nicht von Bündniskontakten, so wenigstens von konstruk-
tiven und offizieller Kontakten zwischen Berlin und Moskau. Zur Kooperation zurückzukeh-
ren versuchten die Weimarer Republik und die RSFSR erst nach dem Ende des bewaffneten
Kampfes im Baltikum, also Anfang 1920.48 Beabsichtigte oder unbeabsichtigte Versuche, die
Bedeutung auch nur einer der oben genannten Ereignislogiken in den postimperialen Räumen
Osteuropas zu ignorieren oder umgekehrt zu übertreiben, halten der Komplexität des Gesamt-
bildes nicht stand. Die weitere Nichtbeachtung der militärischen Komponente in den Prozes-
sen von November 1918 bis Februar 1919 oder eine a priori-Betrachtung lediglich im Kontext
des Entstehens des Versailler Systems der internationalen Beziehungen49 wird nicht nur durch
die früheren, zumindest ungenauen Vorstellungen aufrecht erhalten, sondern auch der weiteren
Mythologisierung des wichtigsten Abschnitts in der Geschichte aller Länder Mittelosteuropas,
einschließlich Deutschlands und Russlands, Vorschub leisten.

48 Siehe det. V.L. Černoperov: Iz istorii svjazej bol’ševikov i germanskich nacionalistov. In: B. M. Tupolev (otv. red.):
Rossija i Germanija. Vyp. 4. Moskva 2007, S. 119–149.
49 Siehe Jörn Leonhard: Der überforderte Frieden. Versаilles und die Welt 1918–1923. München 2018.

217
Vasilij Černoperov

„… Wir glauben, glauben mit all unserem Wesen an Sie,


unsere unvergesslichen Befreier“: Vertreter Sowjetrusslands in
Deutschland und die russischen Kriegsgefangenen 1918–1919
Die Geschichte der Kriegsgefangenschaft im Ersten Weltkrieg und die Heimkehr der Zwangsar-
beiter in die Heimat blieb in der Sowjetzeit am Rande der heimischen Geschichtsschreibung. In
die wenigen Arbeiten1 waren nur teilweise Memoiren einbezogen.2 Eine umfassende Aufarbei-
tung des Problems begann in Russland erst ab den 1990er-Jahren.3 Ein ähnlicher Prozess war in
der deutschsprachigen Geschichtsschreibung zu beobachten.4 Allerdings gibt es auch heute auf
diesem Feld noch einige „weiße Flecken“. Dazu gehören die Beziehungen der offiziellen Vertreter

1 Siehe A .CH. Klevanskij: Nekotorye nerešennye problemy istorii voennoplennych i internacionalistskogo


dviženija. Moskva 1967; A. A. Mal’kov: Dejatel’nost’ bol’ševikov sredi voennoplennych russkoj armii (1915–1919
gg.). Kazan’ 1971; N. Ždanov (sost.): Russkie voennoplennye v mirovoj vojne 1914–1918 gg. Moskva 1920; Ju.A.
Pisarev: Russkie voennoplennye v Avstro-Vengrii v 1917–1918 gg. In: Istorija SSSR 1966, Nr. 4, S. 166–178; A. N.
Sysin: Bežency i voennoplennye vo vremja imperialističeskoj vojny. In: Izvestija Narodnogo komissariata zdra-
voochranenija 1925, Nr. 1, S. 8–11.
2 Siehe z. B. V. V. Aramilev: V dymu vojny. Zapiski vol’noopredeljajuščegosja (1914–1917 gg.). Moskva 1930; L.
Kacov: Skvoz’ plen. Moskva 1930; Ju. Kirš: Pod sapogom Vil’gel’ma. Iz zapisok rjadovogo voennoplennogo №
4925. 1914–1918 gg. Moskva/Leningrad 1925; K. Levin: Zapiski iz plena. Moskva 1931.
3 S. N. Vasil’eva: Voennoplennye Germanii, Avstro-Vengrii i Rossii v gody Pervoj mirovoj vojny. Moskva 1999; V. P.
Galickij: Zaščita prav voennoplennych v period Pervoj mirovoj vojny: opyt i uroki. In: V. P. Kozlov (red.): Posled-
njaja vojna Rossijskoj imperii. Moskva 2006, S. 254–257; I. A. Ždanova: Organizacija vozvraščenija rossijskich
plennych v 1918–1919 godach. In: Rossijskaja istorija 2011, Nr. 4, S. 63–72; V. A. Karelin: Problema interniro-
vanija russkich voennoplennych Pervoj mirovoj vojny. In: Novaja i novejšaja istorija 2010, Nr. 1, S. 93–105; O. S.
Nagornaja: Drugoj voennyj opyt. Rossijskie voennoplennye Pervoj mirovoj vojny v Germanii (1914–1922).
Moskva 2010; K. A. Pachaljuk: Prostranstvo plena Pervoj mirovoj: lager’ dlja tureckich plennych na ostrove Nar-
gen (1915–1918 gg.). In: Meždunarodnaja žizn’. Spec. vypusk: Istorija bez kupjur. Velikaja vojna. Načalo. 2014,
S. 100–128; A. V. Revjakin: „Ėtničeskoe oružie“ Antanty (Sojuznoe komandovanie i voennoplennye protivnika
v gody Pervoj mirovoj vojny). In: Ju. Makar (otv. red.): Pervaja mirovaja vojna. Stranicy istorii. Černovcy 1994,
S. 61–74; T. M. Simonova: Rossijskie voennoplennye i internirovannye v lagerjach Germanii i Avstrii v 1914–1922
gg. In: Kozlov (red.), Poslednjaja vojna Rossijskoj imperii, S. 331–336; E. S. Senjavskaja: Položenie russkich voen-
noplennych v gody Pervoj mirovoj vojny: očerk povsednevnoj real’nosti. In: Vestnik Ros. universiteta družby
narodov. Istorija 2013, Nr. 1, S. 64–83; [Link]. Sergeev: Russkie voennoplennye v Germanii i Avstro-Vengrii v gody
Pervoj mirovoj vojny. In: Novaja i novejšaja istorija 1996, Nr. 4, S. 65–78; S. A. Solnceva: Voennyj plen v gody Per-
voj mirovoj vojny (novye fakty). In: Voprosy istorii 2000, Nr. 4–5, S. 98–105; V. L. Telicyn: Vozvraščenie domoj.
K istorii russkich voennoplennych Pervoj mirovoj vojny. Moskva 2011; E. Sergeev: Russian Prisoners of World
War I at the Austro-Italian Front in 1915–1917. In: World War I and the XXth Century. Acts of the International
Conference of Historians. Moscow 1995, S. 187–190; S. Vinogradov: Russian Prisoners of War in the Yugoslavian
Regions of Austria-Hungary, Serbia and Montenegro, 1914–1918. In: Ebd., S. 190–193; u. a.
4 Siehe z. B. Uta Hinz: Gefangen im Großen Krieg. Kriegsgefangenschaft in Deutschland 1914–1921. Essen 2006;
Jochen Oltmer (Hrsg.): Kriegsgefangene im Europa des Ersten Weltkriegs. Paderborn u. a. 2006; I. Lencen:
Ispol’zovanie truda russkich voennoplennych v Germanii (1914–1918 gg.). In: Voprosy istorii 1998, Nr. 4,
S. 129–137; Verena Moritz, Hannes Leidinger: Zwischen Nutzen und Bedrohung. Die russischen Kriegsgefan-
genen in Österreich (1914–1921). Bonn 2005; Reinhard Nachtigal: Die Murmanbahn. Die Verkehrsanbindung
eines kriegswichtigen Hafens und das Arbeitspotential der Kriegsgefangenen. Grunbach 2001; Jochen Oltmer:
Bäuerliche Ökonomie und Arbeitskräftepolitik im Ersten Weltkrieg: Beschäftigungsstruktur, Arbeitsverhältnisse
und Rekrutierung von Ersatzarbeitskräften in der Landwirtschaft des Emslandes 1914–1918. Sögel 1995; Rainer

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 219–234


[Link] 219
Vasilij Černoperov

der RSFSR in Deutschland mit den russischen Kriegsgefangenen in den ersten Jahren der Sowjet-
macht. Diese Arbeit soll dazu beitragen, die vorhandene Lücke zumindest teilweise zu schließen.
Ihr chronologischer Rahmen umfasst den Zeitraum vom Beginn des Frühjahrs 1918 bis zum Ende
des Winters 1919. Die Zeitspanne beginnt am 3. März 1918, dem Tag der Unterzeichnung des
sowjetisch-deutschen Vertrages von Brest-Litovsk und endet Ende Februar 1919, als in Berlin das
Russische Büro für Kriegsgefangene seine Arbeit einstellte.
Die Quellenbasis des Artikels stellten veröffentlichte Dokumente5 und Quellen persönlichen Ur-
sprungs dar.6 Die größte Bedeutung hatten jedoch nichtveröffentlichte Berichte und Meldungen des
Büros für Kriegsgefangene beim Generalkonsulat der RSFSR in Berlin (zuweilen wird diese Ein-
richtung in den Quellen auch als Hilfsbüro für Kriegsgefangene beim Generalkonsulat der RSFSR
in Berlin bezeichnet) und Briefsammlungen von Mitarbeitern der Russischen Rotkreuzgesell-
schaft (ROKK), die im Bestand des Exekutivkomitees der Liga vom Roten Kreuz und des Roten
Halbmondes im Staatsarchiv der Russischen Föderation aufbewahrt werden.7 Ein großer Teil der
Archivunterlagen wird erstmalig in den wissenschaftlichen Verkehr gebracht.
Die juristische Grundlage für die Beziehungen zwischen Sowjetrussland und Deutschland bildete
der Vertrag von Brest-Litovsk. Kriegsgefangenenfragen wurden in dessen Artikeln VIII und XII8
behandelt sowie in den Kapiteln 5 und 7 der Zusatzvereinbarung, die ebenfalls am 3. März 1918
unterzeichnet wurde. 9 Außer diesen Artikeln wurde der Status der Kriegsgefangenen in Deutsch-
land durch die Deklaration und die Haager Konvention von 1907 „betreffend die Gesetze und Ge-
bräuche des Landkriegs“10 sowie durch Sonderbestimmungen11 und Beschlüsse der Stockholmer
Konferenz 1914 festgelegt.12
In der RSFSR befassten sich mit dem Schicksal der militärischen und zivilen Gefangenen das
Zentralkollegium für Gefangenen- und Flüchtlingsangelegenheiten beim Militärkommissariat
(Centroplenbež), das über eine Dachorganisation und Repräsentanzen in den Gouvernements

Pöppinhege: Kriegsteilnehmer zweiter Klasse? Die Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener 1919–1933.


In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 64 (2005), S. 391–423.
5 Ja.S. Drabkin (otv. red.): Komintern i ideja mirovoj revoljucii. Dokumenty. Moskva 1998; Stefan Dёrnberg i dr.
(red.): Sovetsko-germanskie otnošenija ot peregovorov v Brest-Litovske do podpisanija Rapall’skogo dogovora.
V 2 t. T. 1: 1917–1918 gg. Moskva 1968.
6 Karl fon Botmer [Karl v. Bothmer]: S grafom Mirbachom v Moskve. Dnevnikovye zapisi i dokumenty za period s
19 aprelja po 24 avgusta 1918 g. Moskva 1996; G. A. Solomon: Sredi krasnych voždej. Moskva 1995.
7 Gosudarstennyj archiv Rossijskoj Federacii (künftig: GA RF), f. 9501, op. 6.
8 Mirnyj dogovor meždu Rossiej, s odnoj storony, i Germaniej, Avstro-Vengriej, Bolgariej i Turciej – s drugoj. 3
marta 1918 g. In: Dёrnberg i dr. (red.), Sovetsko-germanskie otnošenija ot peregovorov v Brest-Litovske do pod-
pisanija Rapall’skogo dogovora, S. 369 (Dok. 178).
9 Russko-germanskij dopolnitel’nyj dogovor k mirnomu dogovoru meždu Rossiej, s odnoj storony, i Germaniej,
Avstro-Vengriej, Bolgariej i Turciej – s drugoj. 3 marta 1918 g. In: Ebd., S. 421–426 (Dok. 179).
10 V. Uljanickij: Voennoplennye. In: Ėnciklopedičeskij slovar’ tovariščestva „Br. A. i I. Granat i Ko“. T. 10. 7-e izd.
Moskva 1912, S. 615–617.
11 Ždanov (sost.), Russkie voennoplennye v mirovoj vojne 1914–1918 gg., S. 23.
12 Ebd., S. 190–209.

220
Vertreter Sowjetrusslands in Deutschland und die russischen Kriegsgefangenen 1918–1919

und Kreisen verfügte13 und das Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten (Abteilungen
für Visa und Gelddarlehen und Büro für Kriegsgefangene).14
Auf Basis des Vertrages von Brest-Litovsk wurden in Sowjetrussland und im Kaiserreich diploma-
tische und konsularische Missionen eröffnet. Ende April 1918 wurde in Berlin eine Bevollmäch-
tigte Vertretung (polpredstvo) unter der Leitung des bekannten Revolutionärs Adol’f Abramovič
Ioffe eingerichtet. Die Bevollmächtigte Vertretung war für die gesamte Arbeit in Bezug auf die
Kriegsgefangenen zuständig. Die praktische Seite dieser Frage wurde aber dem Büro für Kriegs-
gefangene beim Generalkonsulat der RSFSR übertragen, an dessen Spitze im Range eines Atta-
chés für Kriegsgefangenenangelegenheiten der Bolschewik Semen Moiseevič Semkov (Samuil
Moiseevič Kogan) stand. Und er war es auch, der die Welt in Kenntnis setzte, dass ab 1. Mai 1918
die Betreuung der russischen Kriegsgefangenen in Deutschland von der Botschaft Spaniens, die
sich mit dieser Frage seit Beginn des Ersten Weltkriegs befasst hatte, auf die sowjetischen Struktu-
ren übergehen werde.15
Von den ersten Tagen des Aufenthalts in Berlin versuchten die sowjetischen Diplomaten, Kontak-
te zu den Gefangenenlagern aufzubauen oder vielmehr in einigen Fällen die bereits zuvor vorhan-
denen Verbindungen wiederherzustellen. Die Bolschewiki beschlossen schon 1915 auf der Berner
Konferenz der Auslandsorganisationen der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, in
den Lagern für Kriegsgefangene des Russischen Reiches auf dem Gebiet Deutschlands und Öster-
reich-Ungarns eine Propagandatätigkeit zu entfalten. Dabei wurden sie von den linken Sozialdemo-
kraten Clara Zetkin, Fritz Heckert, Oskar Cohn und anderen unterstützt.16 Während der Kämpfe
an der Ostfront wurde die Tätigkeit der bolschewistischen Agitatoren in den Gefangenenlagern –
wie übrigens auch der Propagandisten anderer, der zaristischen Regierung gegenüber feindlich
eingestellter Parteien von den kaiserlichen Behörden nicht besonders behindert. Allerdings
änderte sich die Situation mit der Unterzeichnung des Vertrags von Brest-Litovsk. Berlin begann
aus vielerlei Gründen, die Kontakte sowjetischer Beamter zu den Gefangenen zu behindern.
Die deutschen Behörden fürchteten, dass ihre massenhafte Ausreise den Betrieb der sich im
Kriegsmodus befindlichen Eisenbahn stören könnte, dass dies den Feinden ermöglichen würde,
mit den ehemaligen Arbeitssklaven seine Truppen aufzufüllen, und vor allem, dass – aufgrund der
massenhaften Verwendung der Kriegsgefangenen in der Volkswirtschaft – der deutschen Wirt-
schaft Millionen von Arbeitskräften entzogen würden.17 Darüber hinaus setzte das Kaiserreich die
Gefangenen entgegen der Haager Konvention zu Arbeiten an der Front ein.

13 Siehe I. P. Ščerov: Centroplenbež v Rossii: istorija sozdanija i dejatel’nosti v 1918–1922 gg. Smolensk 2000.
14 B. Kantorovič: Organizacionnoe razvitie NKID. In: Meždunarodnaja žizn’ 1922, Nr. 15, S. 52.
15 Ob’ ’javlenie attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. [?] maja 1918 g. GA RF, f. 9501, op. 6, d. 3, l. 552 f.
16 A. P. Jakušina: Rabota bol’ševikov sredi russkich voennoplennych v Germanii i Avstro-Vengrii (1914–1918 gg.).
In: Voprosy istorii KPSS 1963, Nr. 3, S. 59; Dies.: Lenin i zagraničnaja organizacija RSDRP. Moskva 1972, S. 362.
17 Pis’mo načal’nika General’nogo štaba germanskoj armii rejchskancleru. 11 dek. 1917 g. In: Dёrnberg i dr. (red.),
Sovetsko-germanskie otnošenija ot peregovorov v Brest-Litovske do podpisanija Rapall’skogo dogovora, S. 62 f.
(Dok. 27); Pis’mo ministra sel’skogo chozjajstva, gosudarstvennogo imuščestva i lesov Prussii voennomu minis-
tru Prussii. 11 dek. 1917 g. In: Ebd., S. 64 (Dok. 28); Telegramma predstavitelja vedomstva inostrannych del pri
Glavnoj stavke Verchovnogo glavnokomandovanija vedomstvu inostrannych del. 16 dek. 1917 g. In: Ebd., S. 81 f.
(Dok. 36); Pis’mo stats-sekretarja voennogo vedomstva po snabženiju prodovol’stviem gosudarstvennomu min-
istru Prussii Gel’ferichu. 18 dek. 1917 g. In: Ebd., S. 100 f. (Dok. 43); Pis’mo stats-sekretarja voennogo vedomstva

221
Vasilij Černoperov

Angesichts der Bedeutung der Kriegsgefangenen war Berlin bemüht, „die Fehler des Vertrags von
Brest zu beseitigen“,18 und begann, Hindernisse auf deren Weg nach Hause zu schaffen.19 Insbe-
sondere gestattete Berlin erst am 24. Mai 1918 sowjetischen Vertretern, die sich der Frage der
militärischen und zivilen Gefangenen annehmen sollten, nach Deutschland einzureisen.20 Dar-
über hinaus lehnten die kaiserlichen Behörden einen Austausch „aller gegen alle“ ab und stellten
das Prinzip „Transport gegen Transport“ auf21 (oder sogar „Kopf gegen Kopf “), was bei dem be-
stehenden Missverhältnis der in Kriegsgefangenschaft Gehaltenen den Verbleib des größten Teils
der Russen in Deutschland garantierte. Nach verschiedenen Daten wurden 1918 auf dem Gebiet
des ehemaligen Russischen Reiches bis zu 500.000 deutsche Staatsangehörige (zwischen 159.390
und 190.000 Kriegsgefangene,22 bis zu 300.000 Internierte23 und zwischen 10.000 und 13.600 im
Herbst 1914 aus Ostpreußen Deportierte24) zurückgehalten. Die Zahl der russischen Kriegsgefan-
genen belief sich nach verschiedenen Quellen auf 1,2 Mio.25 bis 2 Mio. 26 (am häufigsten wird eine
Zahl um die 1,5 Mio. genannt27). Wobei in dieser Zahl die Tausenden internierten Bürger Russ-
lands sowie die Rotarmisten und Partisanen (oder ihre Familien) nicht berücksichtigt sind, die
während des deutschen Vormarschs durch Russland, die Ukraine, das Baltikum und den Kaukasus
von Februar bis Mai 1918 und der anschließenden Besetzung dieser Gebiete in Gefangenschaft
gerieten.
Die sowjetischen Vertreter in Deutschland konnten anfangs dem deutschen Druck nicht stand-
halten. Dies war der unzureichenden Qualifikation der Mitarbeiter des sowjetischen Apparats28
und der begrenzten Personalstärke des Büros für Kriegsgefangene (im Weiteren „Büro“) geschul-
det, die täglich 200–500 Personen aufnehmen mussten, vorwiegend Internierte, Polen, Esten
und Letten.29 Zeit und Personal für Inspektionsreisen durch die Lager waren nicht vorhanden. In-

po snabženiju prodovol’stviem gosudarstvennomu ministru Prussii Gel’ferichu. 4 jan. 1918 g. In: Ebd., S. 186 f.
(Dok. 84).
18 Botmer, S grafom Mirbachom v Moskve, S. 95.
19 Dokladnaja zapiska № 8 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. 31 maja 1918 g. GA RF, f. 9501, op. 6,
d. 3, l. 572.
20 Botmer, S grafom Mirbachom v Moskve, S. 44.
21 Ebd., S. 15 f., 45.
22 Vasil’eva, Voennoplennye Germanii, Avstro-Vengrii i Rossii v gody Pervoj mirovoj vojny, S. 15; G. D. Škundin (otv.
red.): Mirovye vojny ХХ veka. V 4 kn. Kn. 1: Pervaja mirovaja vojna. Istoričeskij očerk. Moskva 2002, S. 630.
23 P. Chol’kvist: Rossijskaja katastrofa (1914–1921) v evropejskom kontekste. Total’naja mobilizacija i „politika
naselenija“. In: Rossia 1998, Vol. XXI, Nr. 11–12, S. 38 f.
24 S. G. Nelipovič: Naselenie okkupirovannych territorij rassmatrivalos’ kak rezerv protivnika. In: Voenno-istoričeskij
žurnal 2000, Nr. 2, S. 62; K. Dikkert, Ch. Grossman: Boi v Vostočnoj Prussii. Obširnyj dokumental’nyj reportaž o
voennych sobytijach, proischodivšich v Vostočnoj Prussii. Kaliningrad 1999, S. 13.
25 Pis’mo načal’nika General’nogo štaba germanskoj armii rejchskancleru. 11 dek. 1917 g. In: Dёrnberg i dr. (red.),
Sovetsko-germanskie otnošenija ot peregovorov v Brest-Litovske do podpisanija Rapall’skogo dogovora, S. 62
(Dok. 27).
26 Položenie voennoplennych v Germanii. Bez avtora. Bez daty. GA RF, f. 9501, op. 6, d. 3, l. 369.
27 Botmer, S grafom Mirbachom v Moskve, S. 21, 43, 45. Dokladnaja zapiska № 8 attaše po delam voennoplennych
S. M. Semkova. 31 maja 1918 g. GA RF, f. 9501, op. 6, d. 3, l. 566; Škundin (otv. red.), Mirovye vojny ХХ veka,
S. 630; V. P. Efremov (sost.): Rossija v mirovoj vojne 1914–1918 goda (v cifrach). Moskva 1925, S. 4, 39.
28 Solomon, Sredi krasnych voždej, S. 65.
29 Dokladnaja zapiska № 5 attaše po delam voennoplennych [S. M. Semkova?]. [?] maja 1918 g. GA RF, f. 9501,
op. 6, d. 3, l. 556.

222
Vertreter Sowjetrusslands in Deutschland und die russischen Kriegsgefangenen 1918–1919

folgedessen besuchten die Mitarbeiter des Büros im Mai 1918 nur 3 (!) Lager30 von 124, in denen
Kriegsgefangene festgehalten wurden.31 Grundlegend änderte sich die Lage auch im folgenden
Monat nicht.32 Unterdessen kamen aus den Lagern alarmierende Nachrichten. Die Gefangenen
hofften, dass sie mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages unverzüglich nach Hause entlas-
sen werden würden, aber nichts dergleichen geschah, und da sie keine Informationen über die
Schwierigkeiten des Austauschs und die Widerstände der deutschen Behörden hatten, begannen
sie, namentlich die sowjetischen Vertreter in Berlin der Verzögerungen bei der Abreise zu be-
schuldigen und sie „zu verfluchen“.33
Im Mai 1918 definierte S. M. Semkov die vorrangigen Aufgaben seiner Mission – Befreiung der
Zivilisten aus den Lagern, deren rechtliche Gleichstellung mit den deutschen Staatsangehö-
rigen34 und Zugang zu der Masse der Gefangenen.35 Zur Beschleunigung des Prozesses schlug
der Diplomat der sowjetischen Führung vor, „mit staatlicher Reziprozität“ zu antworten und die
Deutschen so zu treffen, „dass sie das auch spüren“. Und zwar „einige Hundert prominente deut-
sche Internierte zu sammeln, sie in ein Lager zu verbringen, strengste [Aufsicht] festzulegen, sie
jeglicher freien Bewegung zu berauben und ihnen dieselben [Beschwernisse] aufzuerlegen, wie
sie auch russische Bürger zu tragen hätten“.36
Trotz des Aufrufs von Semkov wurden die Bedingungen für den Austausch nach wie vor von
den Deutschen bestimmt. Bestätigt wurde dies durch das Berlin durchaus zufriedenstellende37
Russisch-Deutsche Protokoll über Grundsätze für den Austausch der beiderseitigen diensttaug-
lichen Kriegsgefangenen, das am 24. Juni 1918 vom bevollmächtigten Vertreter A. A. Ioffe und
dem Leiter der Rechtsabteilung des deutschen Außenministeriums Johannes Kriege unterzeich-
net worden war.38 Das Dokument ermöglichte es bis November 1918 den meisten deutschen
Gefangenen – 101.000 – aus Russland und Rumänien heimzukehren.39
Die Ermordung des deutschen Botschafters in der RSFSR, Graf Wilhelm von Mierbach-Harff,
am 6. Juli 1918 brachte den bilateralen Dialog fast zum Erliegen, es kam jedoch nicht zum Ab-
bruch der diplomatischen Beziehungen, was es den bolschewistischen Emissären ermöglichte,
ihre Arbeit zur Lösung des Schicksals der Gefangenen des Ersten Weltkriegs fortzusetzen.
Im Sommer 1918 wurden im Büro für Kriegsgefangene 3 Abteilungen geschaffen: die Lager-
inspektion unter der Leitung von Ju. Dunovič, die Gesundheits- und die Rechtsabteilung. Da
Semkov unter einem akuten „Personalmangel“ litt, wandte er sich Ende Mai 1918 an das deut-

30 Dokladnaja zapiska № 8 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. 31 maja 1918 g. Ebd., l. 569.
31 Mitteilung des Büros für Kriegsgefangene. Bez daty. Ebd., l. 50.
32 Dokladnaja zapiska № 10 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. [?] ijunja 1918 g. Ebd., l. 591.
33 Dokladnaja zapiska № 5 attaše po delam voennoplennych [S. M. Semkova?]. [?] maja 1918 g. Ebd., l. 557.
34 Dokladnaja zapiska № 2 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. [?] maja 1918 g. Ebd., l. 549.
35 Ebd., l. 550.
36 Ebd., l. 549 f.
37 Botmer, S grafom Mirbachom v Moskve, S. 71.
38 Russko-germanskij protokol ob osnovnych položenijach dlja vzaimnogo obmena prigodnych k službe voen-
noplennych. 24 ijunja 1918 g. In: Dёrnberg i dr. (red.), Sovetsko-germanskie otnošenija ot peregovorov v Brest-
Litovske do podpisanija Rapall’skogo dogovora, S. 560 f. (Dok. 237).
39 Elsa Brändström: Unter Kriegsgefangenen in Russland und Sibirien 1914–1920. Berlin 1927, S. 235.

223
Vasilij Černoperov

sche Kriegsministerium mit der Bitte, drei ihm bekannte Kriegsgefangene zur Mitarbeit im Büro
freizulassen.40 Die Deutschen erlaubten dies nach einigem Zaudern, und im Büro nahmen ehe-
malige Gefangene, der Soldat Šrejer und der Offizier V. Lorenc, ihre Arbeit auf. Darüber hinaus
kamen zu Semkovs Unterstützung Gol’cen und I. I. Sidorov, entsandt von der Eisenbahn Nord,
und I. Kazakevič von den Putilov-Werken nach Deutschland. Mit ihrer Unterstützung und mit
Genehmigung des deutschen Auswärtigen Amtes organisierte das Büro bis Ende Juni 1918 sei-
ne Vertretungen (Kommissionen) in Berlin, Posen, Hannover und Nürnberg.41 Auf der unteren
Ebene knüpften die sowjetischen Vertreter Kontakte mit den in den Lagern gebildeten Komitees
der Kriegsgefangenen. Die Aufstockung des Personals wurde fortgeführt. Insbesondere zog A.
Ioffe zur Lösung der Frage seinen alten Kampfgefährten Viktor Leont‘evič Kopp hinzu, der sich
seit 1915 in deutscher Gefangenschaft befand.42
Die genannten Änderungen ermöglichten es dem Büro, ab Ende Juli 1918 systematische In-
spektionen der Lager aufzunehmen. Die erstellten Ergebnisberichte zeichnen ein tragisches Bild
der Geschichte des Krieges. So hausten im Lager Arys die Gefangenen in Erdlöchern.43 Unter
ähnlichen Bedingungen befanden sich die Gefangenen in Zehlendorf bei Cottbus.44 In Altdamm
waren die Gefangenen in grauen langen und schmutzigen Baracken untergebracht.45 Das in einer
Senke gelegene Lager Zwellenburg verwandelte sich bei Schneeschmelze oder starkem Regen
ständig in eine riesige nasse Grube.46 Fast alle Haftanstalten waren mit Reihen von Stacheldraht
umgeben.
Zu diesen Katastrophen kam noch die schlechte Ernährung. Am 4. August 1918 zum Beispiel
erhielten die Gefangenen des Lagers Altdamm zum Abendessen „trübes Wasser“.47 Nicht besser
sah auch das Mittagessen aus. „Die Suppe bestand aus säuerlichen Rüben, Holzschwämmen und
verschiedenen verdorbenen Pilzen und anderen Beimengungen.48 Bis 3. August erhielten die Ge-
fangenen höchstens 180 Gramm Brot pro Tag. Ebenso karg wurden Kranke verpflegt, obgleich
für sie eine Aufbaukost, auch Fleisch, vorgesehen war.
Die sowjetischen Vertreter versuchten, der Lebensmittelnot entgegenzuwirken, ebenso dem
Mangel an Kleidung, Medikamenten usw. Zu diesem Zweck knüpften sie im Mai 1918 Kontakte

40 Dokladnaja zapiska № 8 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. 31 maja 1918 g. GA RF, f. 9501, op. 6,
d. 3, l. 569.
41 Dokladnaja zapiska attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. 27 ijunja 1918 g. Ebd., l. 454.
42 V. L. Černoperov: Diplomatičeskaja dejatel’nost’ V. L. Koppa v Germanii v 1918–1921 gg. Ivanovo 2006, S. 66–69.
43 Dokladnaja zapiska M. Lengauėra i Dibermana o poseščenii lagerja Aris. [?] avg. 1918 g. GA RF, f. 9501, op. 6, d.
3, l. 1.
44 Dokladnaja zapiska sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona, attaše voennogo minister-
stva Perl’mana, sotrudnikov Bjuro voennoplennych Vol’perta i S. P. Pocepuchova o poseščenii lagerja Celendorf.
11 jan. 1918 g. Ebd., l. 340.
45 Dokladnaja zapiska neizvestvnogo sotrudnika Bjuro voennoplennych o poseščenii lagerja Al’tdam. 4 avg. 1918 g.
Ebd., l. 4.
46 Otčet inspektora I. I. Aleksandrova o poseščenii lagerja Cvellenburg 27–28 janvarja 1919 g. Ebd., l. 279.
47 Dokladnaja zapiska neizvestvnogo sotrudnika Bjuro voennoplennych o poseščenii lagerja Al’tdam. 4 avg. 1918 g.
Ebd., l. 8.
48 Ebd.

224
Vertreter Sowjetrusslands in Deutschland und die russischen Kriegsgefangenen 1918–1919

zum Dänischen Roten Kreuz (DRK).49 Zu dieser Zeit ergaben sich positive Veränderungen in
der Finanzierung. Im Mai und Juni erhielt das Büro für Kriegsgefangene bis zu 2,5 Mio. Rubel.50
Im Juli beschloss der V. Allrussische Sowjetkongress die Bereitstellung von 25 Mio. Rubel für
die Bedürfnisse der Kriegsgefangenen.51 Im August erhielt das Büro 45 Waggons von mit Na-
men versehenen Paketen zur Verteilung über das Dänische Rote Kreuz, die von Verwandten in
Russland gesammelt worden waren,52 wobei die Pakete drei Monate unterwegs waren.53 Zum
Zeitpunkt der Ankunft der Güter hatten sich die Beziehungen mit den Dänen verschlechtert, und
auf Betreiben des Büros wurde zur Verteilung der Nahrungsmittel die Firma Jacobi & Valentin
herangezogen, die Lager, Transportmittel und professionelle Ladearbeiter zur Verfügung stellte.54
Insgesamt wurden bis Mitte Oktober 1918 aus der RSFSR an die Gefangenen in Deutschland
107 Waggons mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten verschickt.55 Außer den Paketen
aus Russland versuchten die Mitarbeiter des Büros, Waren für die Gefangenen auf dem lokalen
Markt und in neutralen Ländern zu kaufen.56
Die beschafften Waren und empfangenen Pakete wurden in die Verfügungsgewalt der Lagerko-
mitees übergeben. Allerdings erhielten nicht alle Hilfe. In Lamsdorf zum Beispiel verteilte das
örtliche Komitee Konserven nur an die Lagerinsassen und entzog selbst Kranken die Hilfe.57
Diese Tatsache veranlasste die Mitarbeiter des Büros, eine Neuwahl der Komitees auf die Tages-
ordnung zu setzen.
Das Armutsbild in den Lagern wurde ergänzt durch Massendrangsalierungen von Gefangenen
seitens der Lagerleitung und der Wächter, die die Mitarbeiter des Büros systematisch aufzeich-
neten. Der Gefangene Potechin zum Beispiel aus dem Lager Aris wurde geschlagen und unter
Arrest gestellt, weil er sich geweigert hatte, nach 9 Uhr abends zur Arbeit zu gehen.58 I. Maleev
wurde ebenfalls dort der Arm gebrochen, weil er sich weigerte, am Sonntag zu arbeiten.59 Für ein
ähnliches „Verbrechen“ verprügelte der Feldwebel Schwertfegel im Lager Altdamm grausam den
Soldaten Kačkura.60 Wobei er die Prügelstrafe noch fortsetzte, als der Gefangene zu Boden gegan-
gen und das Bewusstsein verloren hatte. Nach den Prügeln wurde Kačkura unter Arrest gestellt
und erhielt drei Tage lang kein Essen. Unter demselben Schwertfegel litten auch der Gefange-

49 Dokladnaja zapiska № 3 attaše po delam voennoplennych [S. M. Semkova?]. [?] 1918. Ebd., l. 554.
50 Dokladnaja zapiska № 8 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. 31 maja 1918 g. Ebd., l. 574.
51 Ždanova, Organizacija vozvraščenija rossijskich plennych v 1918–1919 godach, S. 65.
52 Dokladnaja zapiska № 14–15 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. 29 ijulja 1918 g. GA RF, f. 9501,
op. 6, d. 3, l. 598.
53 Ždanova, Organizacija vozvraščenija rossijskich plennych v 1918–1919 godach, S. 65.
54 Dokladnaja zapiska № 14–15 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. 29 ijulja 1918 g. GA RF, f. 9501,
op. 6. d. 3, l. 598.
55 Ždanova, Organizacija vozvraščenija rossijskich plennych v 1918–1919 godach, S. 65 f.
56 Dokladnaja zapiska № 14–15 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. 29 ijulja 1918 g. GA RF, f. 9501,
op. 6, d. 3, l. 600.
57 Otčet neizvestvnogo sotrudnika Bjuro voennoplennych o poseščenii lagerja Lamsdorf. 2 avg. 1918 g. Ebd., l. 322.
58 Dokladnaja zapiska M. Lengauėra i Dibermana o poseščenii lagerja Aris. [?] avg. 1918 g. Ebd., l. 1.
59 Ebd., l. 2.
60 Dokladnaja zapiska neizvestvnogo sotrudnika Bjuro voennoplennych o poseščenii lagerja Al’tdam. 4 avg. 1918 g.
Ebd., l. 6 f.

225
Vasilij Černoperov

ne Samsonov und der Arzthelfer Micheev,61 auch wenn medizinisches Personal bei bewaffneten
Konflikten praktisch immer Immunität genoss.
Unterernährung wurde von harter Arbeit begleitet. Die Gefangenen arbeiteten in über 100.000
Unternehmen.62 daher waren auch an gewöhnlichen Tagen die meisten nicht in Lagern, sondern
in so genannten Arbeitskommandos. Beim Besuch des Lagers Arys beispielsweise fanden die
Mitarbeiter des Büros von 30.000 registrierten Gefangenen nur etwas mehr als 1.600 vor.63 Wo-
bei die russischen Gefangenen meist die schwersten und am schlechtesten bezahlten Arbeiten
ausführten. Einer der Mitarbeiter des Büros für Kriegsgefangene beobachtete bei einer Reise in
das Lager Altdamm das folgende Bild: „… ein langer Güterzug, beladen mit Kohle, steht auf
einem Abstellgleis, etwa 70 … russische Soldaten, gekleidet in irgendwelche Lumpen, beladen
schwere Förderwagen mit Kohle und schieben diese langsam zum Werk, das in einer Entfernung
von einem Werst vom Bahnhof gelegen ist. […] Müde schieben sie die schweren Förderwagen
unter der sengenden Sonne und nur die groben Befehlsrufe der Wachleute, die am Zaun im
Schatten der Bäume saßen, störten dieses düstere Bild und verliehen ihm eine schwere, bedrü-
ckende Atmosphäre.“64
Nach Angaben des Büros für Kriegsgefangene waren Proteste gegen die Willkür und die Arbeits-
bedingungen nicht möglich. Selbst Versuche dazu wurden unterbunden. Mitte Juni 1918 zum
Beispiel band ein deutscher Begleitposten russische Gefangene, die von der Arbeit in das Gut
Portpert zurückkehrten, an einen Wagen und trieb die Pferde an.65 Die Unglücklichen mussten
ihm sieben Kilometer hinterherrennen. Das Wachpersonal der Arbeitskommandos schreckte
auch nicht vor der Anwendung von Waffen zurück. Nach Angaben des Büros kam dies am häu-
figsten im Waldgebiet Schrentenheil vor.66
Den russischen Gefangenen in Deutschland war es auch untersagt, sozialistische Periodika, Pu-
blikationen neutraler Länder und örtliche Zeitungen zu abonnieren. Allerdings gab es, wie die
sowjetischen Vertreter feststellten, in Deutschland noch Zwangsarbeiter, die unter noch schwere-
ren Bedingungen festgehalten wurden, als die eigentlichen Kriegsgefangenen – die in den Lagern
Lamsdorf und Skalmierzyce untergebrachten gefangen genommenen Rotgardisten.67
Wer sich nicht mit den Gefangenenbedingungen abfinden wollte, flüchtete. Die Flucht wurde zu
einem Massenphänomen. Aus dem Lager Altdamm und den diesem zugewiesenen Arbeitskom-
mandos flüchteten zum Beispiel täglich bis zu 200 Personen.68 Bis nach Hause schafften es aller-
dings nur wenige. Das Schicksal der wieder Eingefangenen war nicht beneidenswert. Sie kamen

61 Ebd.
62 Dokladnaja zapiska № 8 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. 31 maja 1918 g. Ebd., l. 566.
63 Dokladnaja zapiska M. Lengauėra i Dibermana o poseščenii lagerja Aris. [?] avg. 1918 g. Ebd., l. 2.
64 Dokladnaja zapiska neizvestvnogo sotrudnika Bjuro voennoplennych o poseščenii lagerja Al’tdam. 4 avg. 1918 g.
Ebd., l. 4.
65 Ebd., l. 7.
66 Dokladnaja zapiska M. Lengauėra i Dibermana o poseščenii lagerja Aris. [?] avg. 1918 g. Ebd., l. 3.
67 Doklad neizvestvnogo sotrudnika Bjuro voennoplennych o poseščenii lagerja Lamsdorf. 2 avg. 1918 g. Ebd., l.
322; O položenii plennych v Skal’maržicach. 6 ijunja 1918 g. Ebd., l. 450.
68 Dokladnaja zapiska neizvestvnogo sotrudnika Bjuro voennoplennych o poseščenii lagerja Al’tdam. 4 avg. 1918 g.
Ebd., l. 10.

226
Vertreter Sowjetrusslands in Deutschland und die russischen Kriegsgefangenen 1918–1919

in eine Arrestzelle, wurden schlecht ernährt69 oder man zwang sie, zwei Stunden lang morgens
und abends auf dem Appellplatz herumzurennen.70
Unter den unerfreulichen Mitteilungen der Mitarbeiter des Büros stachen als Ausnahmen nur
zwei hervor – über das Festungslager Plassenburg, in dem Offiziere gefangen gehalten wurden
und in dem die Alltagsbedingungen und die Ernährung zufriedenstellend waren,71 und über das
Lager Wünsdorf für kriegsgefangene Moslems, in dem die Inspektoren überhaupt keine Klagen
über die Ernährung hörten.72
Die Bevölkerung des Kaiserreichs war den Beschwernissen der Russen gegenüber gleichgültig.
„Seitens der deutschen Gesellschaft – nicht nur der bürgerlichen, sondern selbst links der links-
sozialistischen“, stellte Semkov im Mai 1918 fest, „herrscht ein völliges Desinteresse gegenüber
dem Schicksal unserer Kriegsgefangenen und jener Sklaverei, die in den Betrieben [besteht], in
denen die Arbeit von Kriegsgefangenen eingesetzt wird“.73 Die Situation änderte sich auch später
nicht. „Das deutsche Proletariat“, schrieb derselbe Semkov im Juni, „ist sehr indifferent gegen-
über der Gewalt der deutschen Unternehmer gegenüber russischen Kriegsgefangenen“.74
„Um das menschliche Gewissen bei unseren sozialistischen Freunden in Deutschland zu
erwecken“,75 appellierten die Mitarbeiter des Büros für Kriegsgefangene und andere sowjetische
Missionen an die Sozialdemokraten (SPD) und die Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD).
Im Juni 1918 erstellte Semkov für die Mitglieder der USPD sowie für Redaktionen linker Zeitun-
gen ein Memorandum „mit Materialien über das Leben von Kriegsgefangenen“.76 Darüber hinaus
traf er sich persönlich mit den Parteiführern. Danach hielten die Vertreter der USPD im Reichstag
Karl Ryssel und Wilhelm Koenen Reden über die Lage der russischen Zwangsarbeiter.77 Es war
allerdings nur ein Teilerfolg. Die Reden wurden nur von der „Leipziger Zeitung“ veröffentlicht.
Ergiebiger erwies sich das Treffen Semkovs mit dem Redakteur des frei in den Lagern verteil-
ten „Russischen Boten“, einer Zeitung, die vom Kriegsministerium Deutschlands herausgegeben
wurde und sich an die „Kampflinie der deutschen imperialistischen Politik“ hielt. Nach dem Ge-
spräch wurde der Ton des Blattes im Hinblick auf die Sowjetmacht weniger kritisch.78

69 Dokladnaja zapiska neizvestnogo v Meždunarodnyj komitet Krasnogo Kresta. Bez daty. Ebd., d. 7, l. 21.
70 Dokladnaja zapiska neizvestvnogo sotrudnika Bjuro voennoplennych o poseščenii lagerja Al’tdam. 4 avg. 1918 g.
Ebd., d. 3, l. 9.
71 Otčet sotrudnika Bjuro voennoplennych S. P. Pocepuchova o poseščenii lagerja Plassenburg. 28 avg. 1918 g. Ebd.,
l. 413.
72 Siehe V. L. Černoperov: Musul’manskij lager’ voennoplennych Vjunsdorf v kontekste politiki bol’ševikov po
vozvraščeniju na rodinu uznikov Pervoj mirovoj vojny. In: Gosudarstvo, obščestvo, cerkov ’ v istorii Rossii ХХ
veka. Materialy IХ Mežd. nauč. konf. V 2 č. Č. 2. Ivanovo 2010, S. 723–729.
73 Dokladnaja zapiska № 9 attaše po delam voennoplennych [S. M. Semkova?]. Bez daty. GA RF, f. 9501, op. 6, d. 3,
l. 579.
74 Dokladnaja zapiska № 10 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. 11 ijunja. Ebd., l. 591.
75 Ebd., l. 592.
76 Ebd., l. 591.
77 Ebd., l. 592.
78 Dokladnaja zapiska № 8 attaše po delam voennoplennych S. M. Semkova. 31 maja 1918 g. Ebd., l. 571.

227
Vasilij Černoperov

Aber das Wichtigste in der Arbeit der bolschewistischen Vertreter in Deutschland in Bezug auf die
Kriegsgefangenen war deren Rückführung in die Heimat. Und auf diesem Feld waren ab Sommer
1918 positive Bewegungen zu verzeichnen. Die betriebene Politik ermöglichte es den sowjeti-
schen Emissären, bei den Kriegsgefangenen wieder Autorität zu erlangen. Im Sommer 1918 blieb
in den Lagern von der Antipathie, die noch im Mai zu beobachten war, keine Spur mehr. Jetzt wur-
den die Vertreter des Büros mit militärischem Gruß und Ehrenbezeugungen empfangen.79 Selbst
in dem wohlsituierten Wünsdorf verhielt man sich ihnen gegenüber mit unverhohlenem Interesse,
fragte sie über Russland aus80 und flehte die Inspektoren bei deren Abreise „mit kindlichem Ver-
trauen an, so schnell wie möglich nach Hause entlassen zu werden“.81
Die aufgenommene Arbeit zur Rückführung der Gefangenen in die Heimat wurde am 5. Novem-
ber 1918 unterbrochen. An diesem Tag erklärte die deutsche Regierung bekanntlich die Auswei-
sung der Bevollmächtigten Vertretung und aller anderen Institutionen Sowjetrusslands aus Berlin.
Und obgleich der Anlass für diese Entscheidung möglicherweise eine Provokation war (Entde-
ckung von Flugblättern mit revolutionärem Inhalt in der diplomatischen Post der RSFSR),82 ent-
sprach die Begründung für die Ausweisung der diplomatischen Mission als Verstoß gegen Artikel
II des Vertrages von Brest-Litovsk, der die Propaganda und Agitation „gegen die Regierung oder
die Staats- und Heereseinrichtungen des anderen Teiles“ untersagte,83 vollkommen den Tatsa-
chen. Im November 1918 verwandelte sich die sowjetische Bevollmächtigte Vertretung in Ber-
lin in einen richtigen Stab zur Vorbereitung der deutschen Revolution.84 Die Rechtmäßigkeit der
Handlungen der deutschen Behörden wurde im Übrigen selbst von den Bolschewiki anerkannt.85
Die Mitarbeiter der Missionen der RSFSR verließen Berlin am 6. November 1918. Es reisten frei-
lich nicht alle ab. Insbesondere blieben die Mitarbeiter des Büros für Kriegsgefangene, der Sekre-
tär I. I. Aleksandrov, der Abteilungsleiter der Lagerinspektion Ju. Dunovič und die Mitarbeiter M.
Lengauėr, S. P. Pocepuchov und Šrejer.
Bald fand in Deutschland die Novemberrevolution statt. Im Lande wurde die Republik ausgeru-
fen. Die neue Regierung – der Rat der Volksbeauftragten – unterzeichnete am 11. November1918
in Compiègne den Waffenstillstand mit den Ländern der Entente. Der Erste Weltkrieg war zu

79 Dokladnaja zapiska neizvestvnogo sotrudnika Bjuro voennoplennych o poseščenii lagerja Al’tdam. 4 avg. 1918 g.
Ebd., l. 5 f.
80 Otčet o poseščenii lagerja Cossen sotrudnikami bjuro voennoplennych V. Lorencom i I. Kazakevičem. 15 avg.
1918 g. Ebd., l. 71.
81 Ebd., l. 72.
82 A. A. Achtamzjan: Ot Bresta do Kilja. Proval antisovetskoj politiki germanskogo imperializma v 1918 godu. Mosk-
va 1963, S. 184.
83 Mirnyj dogovor meždu Rossiej, s odnoj storony, i Germaniej, Avstro-Vengriej, Bolgariej i Turciej – s drugoj. 3
marta 1918 g. In: Dёrnberg i dr. (red.), Sovetsko-germanskie otnošenija ot peregovorov v Brest-Litovske do pod-
pisanija Rapall’skogo dogovora, S. 366 (Dok. 178).
84 A .Ju. Vatlin: Sovetskaja Rossija i Germanskaja revoljucija 1918 g. In: Novaja i novejšaja istorija 2017, Nr. 5, S. 70,
73, 75; Dž. Uiler-Bennet [ John Wheeler-Bennet]: Brestskij mir. Pobedy i poraženija sovetskoj diplomatii. Moskva
2009, S. 321 f., 325–330; Černoperov, Diplomatičeskaja dejatel’nost’ V. L. Koppa v Germanii v 1918–1921 gg.,
S. 73 f.
85 S. Z. Sluč: Germano-sovetskie otnošenija v 1918–1941 godach. Motivy i posledstvija vnešnepolitičeskich rešenij.
In: Slavjanovedenie 1995, Nr. 6, S. 16.

228
Vertreter Sowjetrusslands in Deutschland und die russischen Kriegsgefangenen 1918–1919

Ende. Zwei Tage später annullierte in der RSFSR das Allrussische Zentrale Exekutivkomitee
(VCIK) den Vertrag von Brest-Litovsk und den im August 1918 unterzeichneten Zusatzvertrag.86
Von der Aufhebung des Vertrages mit Berlin erhoffte sich Moskau die Anbahnung freund-
schaftlicher Beziehungen und sogar Bündnisbeziehungen „mit den revolutionären Brüdern“ in
Deutschland,87 was automatisch die Frage der Kriegsgefangenen gelöst hätte. Allerdings stellte
sich bald heraus, dass die neuen deutschen Machthaber nicht geneigt waren, sich den Bolsche-
wiki anzunähern. Dann verlangten der Leiter des Volkskommissariats für Auswärtiges, Georgij
Vasil‘evič Čičerin, und der Leiter von Centroplenbež, Iosif Stanislavovič Unšlicht, Ende Novem-
ber 1918 von Deutschland den Zugang der sowjetischen Vertreter zu den Kriegsgefangenen für
deren Versorgung und Heimkehr.88 Parallel wandte sich die Russische Gesellschaft des Roten
Kreuzes um Hilfe an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK).89 Beim IKRK be-
schloss man, G. Ed. Boissier90 nach Deutschland zu schicken.
Die sowjetische Seite stellte dies nicht zufrieden, und so reiste der Sekretär der Russischen Ge-
sellschaft des Roten Kreuzes, Doktor I. A. Šneerson, nach Berlin. Nach seiner Ankunft trat er in
Kontakt mit den Mitarbeitern des Büros für Kriegsgefangene und mit dem deutschen Auswär-
tigen Amt. Im Auswärtigen Amt versicherte man ihn, dass man bereit wäre, die Tätigkeit der
Russischen Gesellschaft des Roten Kreuzes in Deutschland zu gestatten, wenn das IKRK dessen
Berliner Abteilung anerkenne.91 Diesem Bereich gehörten die Mitarbeiter des Roten Kreuzes
Geller und Il‘in, der Arzt Milenskij (oder Milenkovskij?), der Jurist Ėstran und der oben schon
erwähnte Lorenc an.92 Damit begann Ende 1918 in Deutschland neben dem Büro für Kriegsge-
fangene die Repräsentanz der Russischen Gesellschaft des Roten Kreuzes, sich mit Fragen der
Kriegsgefangenen zu befassen.
Zu dieser Zeit hatte sich die Situation in den Lagern deutlich verschärft. Tausende Zwangsarbei-
ter, die der Meinung waren, die Novemberrevolution habe den Weg nach Hause geöffnet, ver-
ließen die Arbeitskommandos und kehrten an ihre Zuweisungsorte zurück. Letztlich stieg die

86 Postanovlenie VCIK ob annulirovanii Brest-Litovskogo dogovora. 13 nojab. 1918 g. In: Dёrnberg i dr. (red.),
Sovetsko-germanskie otnošenija ot peregovorov v Brest-Litovske do podpisanija Rapall’skogo dogovora, S. 679–
681 (Dok. 287).
87 V. L. Černoperov: „Germanskaja partija – odna iz lučšich“ versus „ne doverjat’ nikakim nemcam v kommunističeskoj
škure“: vosprijatie sovetskimi partijnymi rukovoditeljami, diplomatami i žurnalistami KPG i ee liderov v gody Vej-
marskoj respubliki. In: Istorija. Obščestvo. Politika 2017, Nr. 4 (4), S. 76–101, hier S. 78. URL: [Link]
ru/wp-content/Archiv/[Link]
88 Radiotelegramma narodnogo komissara inostrannych del Sovetu narodnych upolnomočennych i Sovetu
rabočich i soldat Germanii. 23 nojab. 1918 g. In: Dёrnberg i dr. (red.), Sovetsko-germanskie otnošenija ot pere-
govorov v Brest-Litovske do podpisanija Rapall’skogo dogovora, S. 684 (Dok. 292); Telegramma predsedatelja
Central’nogo soveta po delam plennych i bežencev stats-sekretarju vedomstva inostrannych del Germanii Zol’fu.
26 nojab. 1918 g. In: Ebd., S. 689 (Dok. 295).
89 Telegramma Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta v Meždunarodnyj komitet Krasnogo Kresta. 30 nojab.
1918 g. GA RF, f. 9501, op. 6, d. 7, l. 24.
90 Telegramma Meždunarodnogo komiteta Krasnogo Kresta predstavitelju Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta
v Švejcarii [Link]. Bagockomu. 30 nojab. 1918 g. Ebd., l. 23.
91 Pis’mo predstavitelja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockogo misteru [Friku (Frick)?].
Bez daty. Ebd., l. 1.
92 Ebd.

229
Vasilij Černoperov

Überbelegung in den Lagern um ein Vielfaches, was neue Probleme mit Schlafzeug, Verpflegung,
medizinischer Betreuung, Heizung, Bekleidung usw. schuf.93
Die Hoffnungen auf eine Heimkehr und die schwierige Lage in den Lagern riefen eine Erhit-
zung der Gemüter und Nervosität hervor. Ein eindrückliches Beispiel hierfür ist der Bericht von
M. Lengauėr über die Situation im Soldatenlager Dyrotz: „[…] Die Stimmung im Lager ist im
höchsten Grade erregt. All meine Ermahnungen und Beruhigungen durch das Versprechen einer
baldigen Heimkehr wurden nicht beachtet („wir wollen heim, wir sterben lieber an der Gren-
ze als bei den Deutschen“). Von einem aufgebrachten Soldaten wurde mir erklärt, dass – wenn
die Soldaten nicht in Kürze nach Hause gelassen würden – sie die Baracken abreißen und zu
Fuß nach Russland gehen würden. […] Jetzt lehnen es die Soldaten ab, überhaupt irgendwel-
che Arbeiten zu machen. […] Nachdem ich drei Stunden für die Beruhigung der Gefangenen
aufgewandt und fast keine Ergebnisse erzielt hatte, verließ ich die Soldaten, nachdem ich ihnen
nochmals versprochen hatte, dass sie in allernächster Zeit nach Russland entlassen würden.“94
Aber Hunderttausende russischer Soldaten und Offiziere wollten nicht mehr warten und dräng-
ten nach Osten. Wobei sie auch Nachrichten nicht abhielten, dass der Heimweg durch neue Staa-
ten abgeschnitten sei – durch Polen, das die Grenze zu Deutschland geschlossen hatte,95 und die
baltischen Länder – und dass in Russland Zerstörung, Hunger und Bürgerkrieg herrschten.
Gerechtigkeitshalber wollen wir feststellen, dass die Mitarbeiter des Büros für Kriegsgefangene
nach der Novemberrevolution Veränderungen zum Besseren im Leben der russischen Gefan-
genen feststellten. In einigen Betrieben wurde ihr Lohn gleichgestellt mit der Bezahlung der Zi-
vilangestellten.96 Es häuften sich Aktionen der Solidarität mit den Gefangenen.97 Selbst die Wach-
leute änderten ihr Verhalten. In Hameln zum Beispiel gestattete der Sowjetrussland gegenüber
feindlich eingestellte Kommandant, Oberst Sebet, den Kriegsgefangenen die Abhaltung von
Versammlungen.98 In Zwickau beschränkte der örtliche Soldatenrat die Tätigkeit eines gewis-
sen Majors Platzer, der „durch seine Roheit und Grausamkeit im Umgang mit den Gefangenen“
„berühmt“ geworden war.99 Die genannten positiven Geschehnisse waren allerdings bei Weitem
nicht überall zu beobachten. Im Lager Güstrow zum Beispiel waren die russischen Soldaten An-

93 Mitteilung des Büros für Kriegsgefangene. Bez daty. Ebd., l. 50–53; Otčet inspektora I. I. Aleksandrova o
poseščenii lagerja Cvellenburg. 27–28 jan. 1919 g. Ebd., l. 280–282.
94 Dokladnaja zapiska sotrudnika Bjuro voennoplennych M. Lengauėra o poseščenii lagerja Dyroc. 28 nojab. 1918 g.
Ebd., l. 272 f.
95 Mitteilung des Büros für Kriegsgefangene. Bez daty. Ebd., l. 49.
96 Otčet sotrudnika Bjuro voennoplennych Ju. Dunoviča o poseščenii rabočej komandy № 236 Gejlingenzee-Tegel’
pod Berlinom. 10 dek. 1918 g. Ebd., l. 183.
97 Otčet M. Lengauėra o poseščenii rabočej komandy „Borsigval’dermetallverke“ v Berline-Vittenau. [9?] dek.
1918 g. Ebd., l. 48.
98 Otčet sekretarja Bjuro voennoplennych I. I. Aleksandrova o poseščenii lagerja Gameln 9–11 janvarja 1919 g. Ebd.,
l. 141.
99 Otčet sekretarja Bjuro voennoplennych I. I. Aleksandrova o poseščenii lagerja Cvikau 21–22 janvarja 1919 g.
Ebd., l. 59.

230
Vertreter Sowjetrusslands in Deutschland und die russischen Kriegsgefangenen 1918–1919

fang 1919 Ausbeutung und Misshandlungen „im gleichen Ausmaß wie auch früher vor der Revo-
lution ausgesetzt“.100 Auch die Tötungen hörten nicht auf.101
Für den 19. Januar 1919 waren in Deutschland Wahlen zur Nationalversammlung angesetzt, die
die Verfassung des Landes verabschieden sollte. In dem Bestreben, die Bildung eines bürgerlich-
parlamentarischen Staates zu unterbinden, zettelten die deutschen Kommunisten (Spartakus-
bund) am 5. Januar einen Aufstand an und versuchten, die Macht zu ergreifen. Gegen die Put-
schisten erhoben sich regierungstreue reguläre Einheiten und Freiwillige. Die Aufständischen
wurden von einigen der in Berlin befindlichen russischen Kriegsgefangenen unterstützt. Die
Kämpfe dauerten bis zum 11. Januar und endeten mit der Zerschlagung des Spartakusbundes.
Das Land versank im „weißen Terror“. Er betraf auch die Russen, die nach den Worten des Betei-
ligten an den Ereignissen Karl Berngardovič Radek (Sobel‘son), „völlig außerhalb des Gesetzes“
waren.102 Die am Aufstand Beteiligten bezahlten mit ihrem Leben. Das Gebäude des Büros für
Kriegsgefangene wurde geplündert.103 Allerdings versprachen laut A. I. Šneerson die deutschen
Behörden, diesen Zwischenfall genau zu untersuchen und den Schaden zu ersetzen.104
Nach Zeugenaussagen sowjetischer Vertreter verschärften sich während und gleich nach den
Januarereignissen in vielen Lagern die Zustände. Nach Hameln zum Beispiel brachte man Ma-
schinengewehre und gab Warnschüsse ab. Später wurden die Maschinengewehre auf den Lager-
türmen aufgestellt und man begann, sie auf jede sich sammelnde Gruppe von Gefangenen zu
richten.105 Im Lager Zwickau kam es erneut zu Prügelattacken auf die Zwangsarbeiter durch die
Lagerverwaltung.
Angesichts des „weißen Terrors“ waren die Möglichkeiten zur Unterstützung der Gefangenen sei-
tens der sowjetischen Vertreter deutlich eingeschränkt. Die Lage wurde noch schwieriger durch
den Mangel an Finanzmitteln. Die Hoffnungen der Russischen Gesellschaft des Roten Kreuzes
auf Erhalt von 10 Mio. Mark,106 die von den Bolschewiki bei deutschen Banken angelegt wurden,
erfüllten sich nicht. Zu einem weiteren wachsenden Problem wurde die Einmischung der En-
tente in die Sache der Heimkehr der Gefangenen. Nach einem Schreiben von Šneerson vom 23.
Januar 1919 teilten die Entente-Mächte Deutschland in Bezirke unter der Leitung von englischen
oder amerikanischen Inspektoren auf, denen zur Arbeit in den Lagern ein russischer Offizier mit
Englischkenntnissen zugewiesen wurde.107 Außerdem entsandte die Entente Kontrolleure zur

100 Otčet sekretarja Bjuro voennoplennych I. I. Aleksandrova o poseščenii lagerja Gjustrov 2–5 janvarja 1919 g. Ebd.,
l. 197.
101 Ebd., l. 200.
102 Pis’mo K. Radeka V. Leninu, G. Čičerinu i Ja. Sverdlovu o položenii v Germanii [Berlin, ne ranee 24 jan. 1919 g.].
In: Drabkin (otv. red.), Komintern i ideja mirovoj revoljucii, S. 93 (Dok. 6).
103 Ebd., S. 93 f.
104 Dokladnaja zapiska sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona [predstavitelju Rossijskogo
obščestva Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu]. 17 jan. 1918 g. GA RF, f. 9501, op. 6, d. 5, l. 32 ob.
105 Otčet sekretarja Bjuro voennoplennych I. I. Aleksandrova o poseščenii lagerja Hameln 9–11 janvarja 1919 g. Ebd.,
d. 3, l. 141.
106 Pis’mo predstavitelja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockogo [misteru Friku (Frick)?].
Bez daty. Ebd., d. 7, l. 1.
107 Pis’mo sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona [predstavitelju Rossijskogo obščestva
Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu?]. 23 jan. 1918 g. Ebd., d. 5, l. 252 ob.

231
Vasilij Černoperov

Festigung ihres Einflusses an die Orte mit Kriegsgefangenen und begann, die russischen Offiziere
mit warmer Kleidung und Soldaten mit Lebensmitteln zu versorgen.108 Allerdings beeinflussten
diese Schritte keineswegs die Stimmungen der Kriegsgefangenen. Begeistert reagierten sie nur
auf die Nachricht über Transporte nach Russland. Der Delegierte des Büros für Kriegsgefangene
Šrejer, der sich vom 10. bis 12. Januar 1919 im Lager Göttingen bei Hannover befand, teilte mit,
dass nach der Bekanntgabe der Vorbereitung eines Militärzugs in die Heimat die Gefangenen zu
schreien begannen: „Es lebe Sowjetrussland! Lasst uns schnellstens nach Russland, in die sowje-
tischen Regimenter, zur Stärkung der Macht der Sowjets!“109
Die bolschewistischen Vertreter waren bemüht, diese Stimmungen zu verfestigen. Und zwar
nicht nur durch die Organisation von Transporten. Am Sammelpunkt des Berliner Schlesischen
Bahnhofs organisierten sie zum Beispiel die Verpflegung der Gefangenen.110 Und hier konnten
alle, die das wollten, Bücher und die Zeitung „Russkij socialist“ mit probolschewistischen Bewer-
tungen der Situation in Russland erhalten.
Die Entente begriff, dass sie dabei war, den Kampf um die Sympathien der russischen Kriegsge-
fangenen zu verlieren, und begann Anfang Februar 1919, entschiedener zu handeln. Es wurde
erklärt, dass die Heimkehr der Zwangsarbeiter nicht möglich sei, solange dort die Bolschewiki
regierten und Hunger und Anarchie herrschten. Die Sache der Unterstützung der Kriegsgefan-
genen ging auf die Kontrollkommissionen der Entente über.111 Zu dieser Zeit verblieben nach
Angaben Šneersons im Weimarer Deutschland bis zu 600.000 russische Zwangsarbeiter, die auf
80 Lager und Arbeitsmannschaften verstreut waren.112 Die überwiegende Betreuung der Gefan-
genen übernahmen die USA.113
Die deutschen Behörden wollten der Entente nicht nachstehen und versuchten ihrerseits, den
Einfluss der mit der RSFSR verbundenen Strukturen unter den Kriegsgefangenen zu begren-
zen. Die deutsche Abteilung des Roten Kreuzes fuhr die Kontakte mit Vertretern Russlands
auf ein Minimum zurück.114 Die Finanzmittel der Bolschewiki bei deutschen Banken wurden
eingefroren,115 der Umtausch russischer Gelder in Mark wurde verboten,116 was früher zur Unter-
stützung der Gefangenen genutzt wurde.

108 Ebd.
109 Otčet sotrudnika Bjuro voennoplennych Šrejera o poseščenii lagerja Gёttingen 10–12 janvarja 1919 g. Ebd., d. 3,
l. 148.
110 Doklad o dejatel’nosti sbornogo punkta na Silezskom vokzale s 16 po 31 janvarja 1919 g. Ebd., l. 467.
111 Pis’mo sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona [predstavitelju Rossijskogo obščestva
Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu?]. 6 fev. 1918 g. Ebd., d. 5, l. 234.
112 Pis’mo sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona [predstavitelju Rossijskogo obščestva
Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu?]. 2 fev. 1918 g. Ebd., l. 228.
113 Pis’mo sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona [predstavitelju Rossijskogo obščestva
Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu?]. 9 marta 1918 g. Ebd., l. 124.
114 Pis’mo sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona [predstavitelju Rossijskogo obščestva
Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu?]. 23 jan. 1918 g. Ebd., l. 252 ob. f.
115 Pis’mo sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona [predstavitelju Rossijskogo obščestva
Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu?]. 18 fev. 1918 g. Ebd., l. 158 ob.
116 Pis’mo L. Iogichesa (Tyški) V. Leninu o rabote kompartii Germanii. [Berlin]. 4 fev. [1919 g.]. In: Drabkin (otv.
red.), Komintern i ideja mirovoj revoljucii, S. 100 (Dok. 7).

232
Vertreter Sowjetrusslands in Deutschland und die russischen Kriegsgefangenen 1918–1919

Durch die von der Entente und den deutschen Behörden ergriffenen Maßnahmen blieben nach
Angaben von Šneerson die meisten Kriegsgefangenenlager Mitte Februar 1919 ohne jede Ob-
hut.117 Die Lage änderte sich auch in den Einrichtungen selbst, in denen die Kriegsgefangenen
untergebracht waren. Der Einfluss der Kriegsgefangenenkomitees wurde „gegen Null“ zurückge-
fahren, der Einfluss der Offiziere stieg.118 Zur Verstärkung der antibolschewistischen Stimmun-
gen wurden in den Lagern Aktivitäten zur Diskreditierung des Büros für Kriegsgefangene entfal-
tet. Insbesondere verbreitete sich das Gerücht, dass dies eine „jüdische Institution“ sei, obgleich
in der Führung kein einziger Jude war. 119
Ab 17. Februar 1919 begann das Büro für Kriegsgefangene, seine Aktivitäten einzustellen.120 Am
24. desselben Monats wurde das Büro endgültig geschlossen, wobei das Volkskommissariat für
Äußeres und Centroplenbež hiervon nichts wussten.121 Im März wandten sich die meisten An-
gestellten und Mitarbeiter des Büros an die deutschen Behörden und die Behörden der Entente
und beantragten einen Passierschein nach Sowjetrussland.122 Ab Sommerende 1919 befasste sich
mit der Lösung der Gefangenenfrage der „halblegale Bevollmächtigte Vertreter“ der RSFSR in
Deutschland, V. L. Kopp.123
Zum Abschluss der Geschichte der Beziehungen zwischen den Bolschewiki und den Kriegsge-
fangenen im Frühjahr 1918 – Winter 1919 seien die Worte aus einem Brief des Soldatenrates des
Unterlagers Goshol des Lagers Soltau an das Büro zitiert: „Gestern, am 6. Januar, brachte unsere
Delegation die von Ihnen bereitgestellte Hilfe: drei Kisten Konserven. […] Mit „Hurra“-Rufen
und Freudentränen empfingen wir unsere Delegation mit diesem für uns so wertvollen Gepäck.
Wie soll man den ganzen Enthusiasmus, die ganze Freude beschreiben, die uns ergriff. Dies war
wohl mit der größte Feiertag, der in unserer Heimat je gefeiert wurde. […].
Unsere lieben, einzigen Beschützer und Behüter, von ganzem Herzen, aus der Tiefe unserer Seele
senden wir Ihnen unsere aufrichtige Dankbarkeit. O, könnten wir Ihnen doch durch etwas ande-
res als dieses kalte Stück Papier unsere große, tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck bringen.
Seien Sie versichert, Sie reinen, russischen guten Menschen, deren mildtätige Herzen, deren frei-
gebige Hände uns die wertvolle Hilfe gereicht haben, uns, den vor Hunger Sterbenden und in
Zwangsarbeit Verschmachtenden … Möge Sie der Himmel segnen.

117 Pis’mo sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona [predstavitelju Rossijskogo obščestva
Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu?]. 15 fev. 1919 g. GA RF, f. 9501, op. 6, d. 5, l. 88.
118 Pis’mo sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona [predstavitelju Rossijskogo obščestva
Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu?]. 15 fev. 1919 g. Ebd., l. 88 ob.
119 Ebd., l. 88.
120 Pis’mo sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona [predstavitelju Rossijskogo obščestva
Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu?]. 17 fev. 1919 g. Ebd., l. 154 ob.
121 [Pis’mo sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona predstavitelju Rossijskogo obščestva
Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu?]. 24 fev. 1919 g. Ebd., l. 188.
122 Pis’mo sekretarja Rossijskogo obščestva Krasnogo Kresta I. A. Šneersona [predstavitelju Rossijskogo obščestva
Krasnogo Kresta v Švejcarii [Link]. Bagockomu?]. 19 marta 1919 g. Ebd., l. 110.
123 Černoperov, Diplomatičeskaja dejatel’nost’ V. L. Koppa v Germanii v 1918–1921 gg., S. 81–98, 106–108, 126–
129, 137–140, 144–150, 231 f., 263–278, 300–308, 313–315.

233
Vasilij Černoperov

Und wir werden bis zum Ende unseres Lebens Ihre guten Taten im Gedächtnis behalten. Bis zum
Ende unserer Tage senden wir inständige Gebete für die dankbaren, mitfühlenden Seelen aller,
die durch ihre Hilfe an der Rettung unseres Lebens vor Hunger und vor der schweren Zwangsar-
beit teilgenommen haben …
Ja, wir glauben, glauben mit unserem ganzen Wesen an Sie, unsere unvergesslichen Befreier. Wir
glauben, dass Sie alle Maßnahmen ergreifen, dass Sie sich mit allen Kräften bemühen, uns unsere
Heimat zurückzugeben, uns zurückzubringen zu unseren Frauen, Eltern und Kindern …
[…] Also gebe Gott Ihnen Gesundheit und Kraft. Sie haben eine große Tat vollbracht, sie haben
Tausenden von Unglücklichen Leben gegeben, haben auf ewig in ihren dankbaren Herzen im-
merwährendes Gedenken an Sie und Ruhm hinterlassen.“124
Bald schon werden einige derer, die diese aufrichtigen Zeilen schrieben, auf die harten Realitäten
der sowjetischen Wirklichkeit stoßen und den Bolschewiki gegenüber kritischer oder gar feind-
selig werden,125 aber solange sie sich in Deutschland befanden, sahen sie die Verteidiger ihrer
Interessen vor allem in den sowjetischen Vertretern und ihr ausschließlicher leidenschaftlicher
Wunsch war einzig und allein, nach Hause zu kommen. Und darin liegt eine weitere tragische
Seite des Ersten Weltkriegs.

124 Pis’mo Soldatskogo soveta voennoplennych podlagerja Goschol lagerja Sol’tau v Bjuro voennoplennych v Ber-
line. 7 jan. 1919 g. GA RF, f. 9501, op. 6, d. 3, l. 168 f.
125 O. S. Nagornaja: „Ėvakuacija v tom vide, v kakom suščestvuet, gubitel’na dlja voennoplennych i opasna dlja
gosudarstva“: sovetskaja praktika repatriacii russkich voennoplennych Pervoj mirovoj vojny. In: Vestnik
Čeljabinskogo gos. universiteta. Istorija 2008, Nr. 15, S. 55–63, hier S. 60 f. URL: [Link]
vch/116/vcsu08_15.pdf

234
Tobias Hirschmüller

„Ketten fallen“? Das Russlandbild in der Presse des deutschen und


österreichischen Judentums

1. Einleitung
„Für uns deutsche Juden erhebt sich außer dem lebhaftesten Interesse für diese neue überra-
schende Wendung der Dinge – überraschend, obgleich viele Politiker schon seit Jahren eine
Umwälzung in Rußland vorher verkündeten – nun die bange Frage: Wie wird sich die Lage der
Juden in dem neuen Rußland gestalten.“1 So kommentierte die „Allgemeine Zeitung des Juden-
tums“ am 23. März 1917 die Februarrevolution und das Ende der Zarenherrschaft im Russischen
Reich. Die Wirkung der russischen Revolution auf Gesellschaft und Politik bei den Zentralmäch-
ten wurde bereits breit untersucht.2 Doch wegen der seit dem 19. Jahrhundert zunehmenden
und unter Nikolaus II. weiter verstärkten Verfolgungen jüdischer Einwohner Russlands3 waren
die Transformationsprozesse des Jahres 1917 für die deutschen und österreichischen Juden von
besonderem Interesse, was sich in der jüdischen Presse widerspiegelte, wie auch der Ausbruch
des Ersten Weltkrieges schon einen Einschnitt in der jüdischen Publizistik bedeutet hatte.4
Unter anderem hat Susanne Urban-Fahr auf die Komplexität und die daraus resultierenden he-
terogenen Auffassungen verwiesen, wenn es darum geht, überhaupt eine deutschsprachige jüdi-
sche Presse zu definieren.5 Hier soll auf das Verständnis von Stephanie Seul verwiesen werden,
die erklärte: „Zur ‚deutsch-jüdischen Presse‘ zählen Periodika, die vorwiegend von jüdischen
Verlegern, Herausgebern und Redakteuren herausgebracht und gestaltet werden, die sich in ho-

1 Die Woche. In: Allgemeine Zeitung des Judentums vom 23. März 1917.
2 Beispielsweise: Jürgen Zarusky: Die deutschen Sozialdemokraten und das sowjetische Modell. Ideologische
Auseinandersetzungen und außenpolitische Konzeptionen 1917–1933. München 1992; John A. Fuchs: Zu den
deutschen Reaktionen auf die russischen Revolutionen von 1917 – Einblicke in Politik und Presse. In: Nikolaus
Lobkowicz u. a. (Hrsg.): Deutsche Rußlandbilder im 20. und 21. Jahrhundert [= Forum für osteuropäische Ide-
en- und Zeitgeschichte 12 (2008), H. 1]. Köln u. a. 2008, S. 29–46; Detlef Lehnert: Die Oktoberrevolution in
der Wahrnehmung der deutschen Sozialdemokratie. In: Jahrbuch für historische Kommunismusforschung 2017,
S. 117–130.
3 Bernd Bonwetsch: Fremde, Minderheiten, Feinde. Deutsche und Juden in der Geschichte des Zarenreichs. In: Bert
Becker, Horst Lademacher (Hrsg.): Geist und Gestalt im historischen Wandel. Facetten deutscher und europäi-
scher Geschichte 1789 bis 1989. Festschrift für Siegfried Bahne. Münster 2000, S. 113–134.
4 Hans R. Brittnacher, Irmela v. d. Lühe (Hrsg.): Kriegstaumel und Pazifismus. Jüdische Intellektuelle im Ersten
Weltkrieg. Frankfurt a. M. u. a. 2016; Eva Edelmann-Ohler: Deutsch-jüdische Literatur und Erster Weltkrieg. In:
Hans O. Horch (Hrsg.): Handbuch der deutsch-jüdischen Literatur. Berlin u. a. 2016, S. 151–163. Auch: Werner
T. Angress: Juden im politischen Leben der Revolutionszeit. In: Werner E. Mosse (Hrsg.): Deutsches Judentum in
Krieg und Revolution. 1916–1923. Ein Sammelband. Tübingen 1971, S. 137–315.
5 Susanne Urban-Fahr: Jüdische Presse – Juden in der Presse. Zwischen Vielfalt und Stereotypen. In: Tribüne.
Zeitschrift zum Verständnis des Judentums 37 (1998), H. 148, S. 150–164. Auch: Andreas B. Kilcher: Was ist
„deutsch-jüdische Literatur“? Eine historische Diskursanalyse. In: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literatur-
wissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaften 45 (1999), H. 4, S. 485–517.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 235–255


[Link] 235
Tobias Hirschmüller

hem Maße mit Themen von spezifischen jüdischem Interesse beschäftigen und die sich an eine
überwiegend jüdische Leserschaft wenden.“6
Bei den Juden in Deutschland und in Österreich-Ungarn handelte es sich um keinen monolithi-
schen Block, sondern sie bestanden aus grob drei Hauptströmungen von liberalen, orthodoxen
und zionistischen Prägungen mit divergenten religiösen sowie politischen Perspektiven und da-
her auch Ambitionen, die in der jeweiligen Zeitungskultur zum Ausdruck kamen. Der größte Teil
der liberalen Juden war im „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ (CV) or-
ganisiert, bei dem das Selbstverständnis vorlag, sich zuerst als deutsche Staatsangehörige zu füh-
len und einen assimilierten Lebensstil zu pflegen. Die Organisation gab das Blatt „Im deutschen
Reich“ heraus. Als religiöse Gegenbewegung zu jenem reformierten Judentum war in der Mitte
des 19. Jahrhunderts die orthodoxe Strömung entstanden, die auf eine konsequente Befolgung
der jüdischen religiösen Regeln bestand. Wenn die Orthodoxen auch keine homogene Gruppe
bildeten, einte sie doch die Ablehnung der vom CV vertretenen Assimilation.7 Zu den bedeuten-
den Blättern der Orthodoxie zählten unter anderem „Der Israelit“ oder „Die jüdische Presse“. In
der Gegenposition zum liberalen Judentum bestand eine Gemeinsamkeit mit den Zionisten, die
nicht wie der CV das Judentum als Religion verstanden, sondern die das nationalpolitische Ziel
der Gründung eines jüdischen Nationalstaates in Palästina verfolgten und hierfür unter anderem
in der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ organisiert waren mit dem publizistischen
Organ „Jüdische Rundschau“. Um einen möglichst breiten Einblick zu gewinnen, werden Blätter
zu allen jüdischen Hauptrichtungen ausgewertet.8

6 Stephanie Seul: „Großer Friedensstifter“ – „Befreiung des russischen Judentums“ – „Bewusstes Walten Gottes“:
Deutsch-jüdische Pressdiskurse über den Beginn des Ersten Weltkrieges, 1914/15. In: Cornelia Rauh, Arnd Rei-
temeier, Dirk Schumann (Hrsg.): Kriegsbeginn in Norddeutschland. Zur Herausbildung einer „Kriegskultur“
1914/15 in transnationaler Perspektive. Göttingen 2015, S. 128–154.
7 Zu den Strömungen: Siegfried Moses: Weltanschauliche Unterschiede im deutschen Judentum. In: Bulletin des
Leo Baeck Instituts 8 (1965), S. 346–351; Jacob Toury: Die politischen Orientierungen der Juden in Deutschland.
Von Jena bis Weimar. Tübingen 1966; Pinchas E. Rosenblüth: Die geistigen und religiösen Strömungen in der
deutschen Judenheit. In: Werner E. Mosse (Hrsg.): Juden im Wilhelminischen Deutschland. 1890–1914. Ein Sam-
melband. Tübingen 1976, S. 549–598; Mordechai Breuer: Jüdische Orthodoxie im Deutschen Reich. 1871–1918.
Sozialgeschichte einer religiösen Minderheit. Frankfurt a. M. 1986; George L. Mosse: Deutscher Patriotismus und
jüdischer Nationalismus. In: Wolfgang Hardtwig, Harm-Hinrich Brandt (Hrsg.): Deutschlands Weg in die Moder-
ne. Politik, Gesellschaft und Kultur im 19. Jahrhundert. München 1993, S. 161–169; Uri R. Kaufmann: Kultur
und „Selbstverwirklichung“: Die vielfältigen Strömungen des Zionismus in Deutschland 1897–1933. In: Andrea
Schatz, Christian Wiese (Hrsg.): Janusfiguren. „Jüdische Heimstätte“, Exil und Nation im deutschen Zionismus.
Berlin 2006, S. 43–60. Judith Bleich: The Emergence of an Orthodox Press in Nineteenth-Century Germany. In:
Jewish Social Studies 42 (1980), S. 323–344; Christhard Hoffmann: Between Integration and Rejection: The
Jewish Community in Germany, 1914–1918. In: John Horne (Hrsg.): State, Society and Mobilization in Europe
during the First World War. Cambridge u. a. 1997, S. 89–104; Avraham Barkai: „Wehr dich!“ Der Centralverein
deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C. V.) 1893–1938. München 2002.
8 Liberal: Allgemeine Zeitung des Judentums (künftig: AZJ); Neue Jüdische Monatshefte, Berlin (NJM); Die
Wahrheit, Wien (DW); Im deutschen Reich: Zeitschrift des Centralvereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen
Glaubens, Berlin (IdR). Orthodox: Dr. Bloch’s Oesterreichische Wochenschrift, Wien (BOW); Jüdische Korres-
pondenz, Wien ( JK). Zionistisch: Frankfurter israelitisches Familienblatt, Frankfurt a. M. (FIF); Jüdische Rund-
schau, Berlin ( JR); Jüdische Volksstimme, Brünn ( JV); Jüdische Zeitung. National-Jüdisches Organ, Wien ( JZ).

236
Das Russlandbild in der Presse des deutschen und österreichischen Judentums

Bei jeglicher Arbeit über die Presse im Ersten Weltkrieg muss berücksichtigt werden, dass die
Zeitungen grundsätzlich der Zensur der Behörden ausgesetzt waren.9 Diese Kontrolle bezog sich
allerdings vornehmlich auf „militärische Aspekte der Kriegsberichterstattung und damit weniger
auf diskursive Aushandlungsprozesse jüdischer Identitätsentwürfe“, weshalb die „Aussagekraft
jüdischer Periodika“ zum letzteren Thema nicht gemindert erscheint.10 Es muss zudem berück-
sichtigt werden, dass im Ersten Weltkrieg mit der fortwährenden Dauer des Krieges ein schon
vorhandener Antisemitismus sukzessive zunahm, dessen sich die Redaktionen zu erwehren
suchten, wodurch weite Teile der Berichte von einem situationsbedingten Rechtfertigungstenor
geprägt waren.11 Wohl aber können Einstellungen, Stimmungen und Differenzen zwischen und
innerhalb der Strömungen im Judentum herausgearbeitet werden. Im Ergebnis soll damit vorge-
legt werden, welches Bild von Russland jenseits der schon in der Vorkriegszeit auch in der Mehr-
heitsgesellschaft vorhandenen Rezeption der Slawen als rückständige oder brutale Völker vorlag,
das durch die Besetzung Ostpreußens und Galiziens noch verstärkt wurde.12 Es soll sich hier um
einen Themenaufriss und nicht um eine erschöpfende Darstellung handeln.
Auch war der Krieg ein Grund, dass neue Zeitungen ins Leben gerufen wurden, um den Zielen
der jeweiligen Strömungen Nachdruck zu verleihen, wie etwa das zionistische Blatt „Der Jude“
oder die nationalliberalen „Neuen Jüdischen Monatshefte“. Beide hatten die Intention, insbeson-
dere auf die Lage der Ostjuden aufmerksam zu machen.13 Mit der gleichen Intention erschien
in Österreich-Ungarn die „Jüdische Korrespondenz“, die als orthodoxes Blatt zudem ihre Ver-
bundenheit mit den Habsburgern herausstellte.14 Die Informationen über das feindliche Ausland
entnahmen die jüdischen Zeitungen aus anderen deutschen Tageszeitungen, wie beispielsweise

9 Martin Creutz: Die Pressepolitik der kaiserlichen Regierung während des Ersten Weltkrieges. Die Exekutive, die
Journalisten und der Teufelskreis der Berichterstattung. Frankfurt a. M. u. a. 1996.
10 Sarah Panter: Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg. Göttingen 2014, S. 34.
11 Saul Friedländer: Die politischen Veränderungen der Kriegszeit und ihre Auswirkungen auf die Judenfrage. In:
Mosse (Hrsg.), Deutsches Judentum in Krieg und Revolution, S. 27–65; Helmut Berding: Der Aufstieg des Anti-
semitismus im Ersten Weltkrieg. In: Wolfgang Benz, Werner Bergmann (Hrsg.): Vorurteil und Völkermord. Ent-
wicklungslinien des Antisemitismus. Bonn 1997, S. 286–303; Paul Mendes-Flohr: Im Schatten des Weltkrieges.
In: Ders., Avraham Barkai, Steven M. Lowenstein (Hrsg.): Deutsch-Jüdische Geschichte in der Neuzeit. Bd. 4: Auf-
bruch und Zerstörung. 1918–1945. München 1997, S. 15–36.
12 Peter Jahn: „Zarendreck, Barbarendreck – Peitscht sie weg!“ Die russische Besetzung Ostpreußens 1914 in der
deutschen Öffentlichkeit. In: Berliner Geschichtswerkstatt (Hrsg.): August 1914. Ein Volk zieht in den Krieg. Berlin
1989, S. 147–155; Rudolf Jaworski: Osteuropa als Gegenstand historischer Stereotypenforschung. In: Geschichte
und Gesellschaft 13 (1987), S. 63–76; Thomas Raithel: Das „Wunder“ der inneren Einheit. Studien zur deutschen
und französischen Öffentlichkeit bei Beginn des Ersten Weltkrieges. Bonn 1996, S. 328–334; Hans Lemberg: „Der
Russe ist genügsam“. Zur deutschen Wahrnehmung Russlands vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. In: Birgit Asch-
mann, Michael Salewski (Hrsg.): Das Bild „des Anderen“. Politische Wahrnehmung im 19. und 20. Jahrhundert.
Stuttgart 2000, S. 121–131; Steffen Bruendel: Volksgemeinschaft oder Volksstaat. Die „Ideen von 1914“ und die
Neuordnung Deutschlands im Ersten Weltkrieg. Berlin 2003, S. 87 f. Peter Hoeres: Die Slawen. Perzeptionen des
Kriegsgegners bei den Mittelmächten. Selbst- und Feindbild. In: Gerhard P. Groß (Hrsg.): Die vergessene Front –
der Osten 1914/15. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung. Paderborn u. a. 2006, S. 179–200.
13 Salomon Adler-Rudel: Ostjuden in Deutschland 1880–1940. Zugleich eine Geschichte der Organisationen, die
sie betreuten. Tübingen 1959, S. 47–50. Zur Zeitschrift „Der Jude“ einschlägig: Eleonore Lappin: Der Jude 1916–
1928. Jüdische Moderne zwischen Universalismus und Partikularismus. Tübingen 2000.
14 Klaus Kreppel: Jonas Kreppel – glaubenstreu und vaterländisch. Biographische Skizze über einen österreichisch-
jüdischen Schriftsteller. Wien 2017.

237
Tobias Hirschmüller

die „Vossische Zeitung“ oder die „Straßburger Post“, und Periodika aus den neutralen Staaten
wie Dänemark, den Niederlanden oder Schweden. Neben oft nicht näher genannten Quellen
wurden die Redaktionen nach Kriegsausbruch mit Informationen aus jüdischen Korrespondenz-
büros versorgt.15
Die wissenschaftliche Auswertung jener Blätter hat mittlerweile in der Geschichtswissenschaft
eine jahrzehntelange Tradition, über deren Stand und Perspektiven auch wieder Stephanie Seul
einen guten aktuellen Forschungsüberblick geliefert hat.16 Neben einer Vielzahl an Überblicks-
darstellungen17 soll hier kursorisch noch auf zentrale Arbeiten über einzelne Zeitungen18 sowie

15 Anne-Christin Saß: Berliner Luftmenschen. Osteuropäisch-jüdische Migranten in der Weimarer Republik. Göt-
tingen 2012, S. 226; Anne Weberling: Isaak Feuerring – eine zionistische Biografie zwischen Deutschland, Schwe-
den und Palästina. In: Olaf Glöckner, Helmut Müssener (Hrsg.): Deutschsprachige jüdische Migration nach Schwe-
den 1774 bis 1945. München u. a. 2017, S. 147–164, hier S. 156.
16 Stephanie Seul: Die deutsch-jüdische Presse im Ersten Weltkrieg. Stand und Perspektiven der Forschung. In:
Holger Böning, Susanne Marten-Finnis (Hrsg.): Aufklären, Mahnen und Erzählen. Studien zur deutsch-jüdischen
Publizistik und zu deren Erforschung, zum Kampf gegen den Antisemitismus und zur subversiven Kraft des
Erzählens. Bremen 2015, S. 177–198. Über die Zeitungen als Quelle auch: Jacob Borut: Die jüdisch-deutsche
Presse Ende des 19. Jahrhunderts als historische Quelle. In: Menora. Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschich-
te 7 (1996), S. 43–60.
17 Margaret T. Edelheim-Mühsam: The Jewish Press in Germany. In: Leo Baeck Institute Year Book 1 (1956), S. 163–
176; Hermann Lewy: Die jüdische Presse in Deutschland. In: Emil Dovifat (Hrsg.): Handbuch der Publizistik.
Bd. 3. Berlin 1969, S. 508–513; Reiner Bernstein: Zwischen Emanzipation und Antisemitismus: die Publizistik
der deutschen Juden am Beispiel der „C. V.-Zeitung“, Organ des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen
Glaubens, 1924–1933 [Dis.]. Berlin 1969; Werner Becker: Die Rolle der liberalen Presse. In: Mosse (Hrsg.), Deut-
sches Judentum in Krieg und Revolution, S. 67–135; Herbert A. Strauss: The Jewish Press in Germany, 1918–
1939. In: David Flinker, Shalom Rosenfeld (Hrsg.): The Jewish Press that was. Accounts, Evalutions and Memories
of Jewish Papers in pre-Holocaust Europe. Tel Aviv 1980, S. 321–354; Gert Mattenklott: Juden in der deutschspra-
chigen Zeitschriftenkultur im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts: In: Julius H. Schoeps (Hrsg.): Juden als Träger
bürgerlicher Kultur in Deutschland. Sachsenheim u. a. 1989, S. 149–166; Barbara Suchy: Die jüdische Presse im
Kaiserreich und der Weimarer Republik. In: Ebd., S. 167–191; Jacob Toury: Das Phänomen der jüdischen Presse
in Deutschland. In: Mordekhai Naor: Jüdische Zeitungen und Journalisten in Deutschland. Tragt ihn mit Stolz,
den gelben Fleck! Tel Aviv 1989, S. 4–13 [= Quesher, Sonderheft Mai 1989]; Michael Brenner: East and West
in Orthodox German-Jewish Novels (1912–1934). In: Leo Baeck Institute Year Book 37 (1992), S. 309–323;
Andrea Hohmeyer: Die jüdischen Zeitschriften. In: Alfred Estermann (Hrsg.): Zeitungsstadt Frankfurt am Main.
Zur Geschichte der Frankfurter Presse in fünf Jahrhunderten. Frankfurt a. M. 1994, S. 119–131; Michael Nagel:
Deutsch-jüdische Presse und jüdische Geschichte. In: Martin Welke, Jürgen Wilke (Hrsg.): 400 Jahre Zeitung. Die
Entwicklung der Tagespresse im internationalen Kontext. Bremen 2008, S. 379–394; Johannes V. Schwarz: „A
New German-Jewish Public Sphere“ – Konzeptionelle Überlegungen zu einer Gesamtgeschichte der jüdischen
Presse in Deutschland von der Aufklärung bis zur Gegenwart. In: Susanne Marten-Finnis, Markus Bauer (Hrsg.):
Die jüdische Presse. Forschungsmethoden – Erfahrungen – Ergebnisse. Bremen 2007, S. 39–53; Rachel Heu-
berger, Hans Otto Horch, Gabriele v. Glasenapp: Deutsch-jüdische Periodika. In: Horch (Hrsg.), Handbuch der
deutsch-jüdischen Literatur, S. 500–526.
18 Mordechai Eliav: Der „Israelit“ und Erez Israel im 19. Jahrhundert. In: Bulletin des Leo Baeck Instituts 8 (1965),
Nr. 32, S. 273–301; ders.: Philippsons Allgemeine Zeitung des Judentums und Erez Israel. In: Bulletin des Leo
Baeck Instituts 12 (1969), Nr. 46–47, S. 155–182; Hans Otto Horch: Auf der Suche nach der jüdischen Erzähl-
literatur. Die Literaturkritik der „Allgemeinen Zeitung des Judentums“ (1837–1922). Frankfurt a. M. u. a. 1985;
Yehuda Eloni: Die Geburtswehen der „Jüdischen Rundschau“. In: Na‘or, Jüdische Zeitungen und Journalisten in
Deutschland, S. 31–36; Norbert Bachleitner: Zionistische Propaganda durch literarische Fiktion. Die Belletris-
tik in Theodor Herzls Zeitschrift Die Welt (im Vergleich mit Dr. Blochs Österreichischer Wochenschrift). In:
Christine Haug (Hrsg.): Populäres Judentum. Medien, Debatten, Lesestoffe. Tübingen 2009, S. 65–84; Michael

238
Das Russlandbild in der Presse des deutschen und österreichischen Judentums

Untersuchungen speziell zu den Blättern im Ersten Weltkrieg verwiesen werden.19 Neben der
Betrachtung der Haltung zu den Monarchen und zur Monarchie als Staatsform20 stand unter an-
derem oft die Sorge um die Juden in Osteuropa im Zentrum der Forschung.21 Zu den verdienst-
vollen Forschungen von Dieter J. Hecht über die deutschsprachige Presse in der Donaumonar-
chie22 sind auch noch die Arbeiten von Gabriel Eikenberg über den „Mythos deutscher Kultur im
Spiegel jüdischer Presse in Deutschland und Österreich“,23 Sarah Panter zu jüdischen Erfahrun-
gen und Loyalitätskonflikten im Ersten Weltkrieg24 und auch aktuell von Anna Ullrich zum Er-
wartungsmanagement deutsch-jüdischer Vereine zu nennen.25 Auf die Wahrnehmung Russlands

Nagel: Jüdische Rundschau. In: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur. Bd. 3: He–Lu.
Stuttgart u. a. 2012, S. 253–255; Dominic Bitzer: Im deutschen Reich. Das publizistische Organ des Centralvereins
deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens [Dis.]. Aachen 2013. Aktuell insbes. die Arbeit von Sabrina Schütz:
Die Konstruktion einer hybriden „jüdischen Nation“. Deutscher Zionismus im Spiegel der „Jüdischen Rund-
schau“ 1902–1914. Göttingen 2019.
19 David J. Engel: Patriotism as a Shield. The Liberal Jewish Defence against Antisemitism in Germany during the
First World War. In: Leo Baeck Institute Year Book 31 (1986), S. 147–172; Eva Edelmann-Ohler: Orte des Krieges.
Zur Raumpoetik des Schlachtfelds in zionistischer Presse und Literatur (1914−1918). In: Petra Ernst, Eleonore
Lappin-Eppel (Hrsg.): Jüdische Publizistik und Literatur im Zeichen des Ersten Weltkriegs. Innsbruck u. a. 2016,
S. 27–50; Monika Brockhaus: „… da es sich bei der Erklärung um einen antideutschen Versuch handelt… “. Die
Balfour-Deklaration im Spiegel der Jüdischen Rundschau und der Allgemeinen Zeitung des Judentums. In: Nur-
inst. Beiträge zur deutschen und jüdischen Geschichte 7 (2014), S. 119–133.
20 David Rechter: Kaisertreu: The Dynastic Loyalty of Austrian Jewry. In: Klaus Hödl (Hrsg.): Jüdische Identitäten.
Einblicke in die Bewußtseinslandschaft des österreichischen Judentums. München 2000, S. 189–208; Eleonore
Lappin-Eppel: Kaiserbilder in der Wiener jüdischen Presse während des Ersten Weltkriegs. In: Dies., Ernst (Hrsg.),
Jüdische Publizistik und Literatur im Zeichen des Ersten Weltkriegs, S. 75–106.
21 Andreas Herzog: Zum Bild des „Ostjudentums“ in der „westjüdischen“ Publizistik der ersten Jahrzehnte des 20.
Jahrhunderts. In: Mitteilungen und Beiträge. Forschungsstelle Judentum. Theologische Fakultät Leipzig. Ap-
ril 1998, S. 26–49; Wilhelm Terlau, Beate Wunsch: „Ein Gespenst geht um in Deutschland […]“. Die „Ostjuden-
frage“ im Spiegel der deutschsprachigen jüdischen Presse während des Ersten Weltkriegs. In: Hans Otto Horch
(Hrsg.): Positionierung und Selbstbehauptung. Debatten über den Ersten Zionistenkongreß, die „Ostjudenfrage“
und den Ersten Weltkrieg in der deutsch-jüdischen Presse. Tübingen 2003, S. 67–110; Sarah Panter: Zwischen
Selbstreflexion und Projektion. Die Bilder von Ostjuden in zionistischen und orthodoxen deutsch-jüdischen Pe-
riodika während des Ersten Weltkriegs. In: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 59 (2010), S. 65–92; Iza-
bela Olszewska: Die Juden im Weltkrieg. Das Bild der Ostjuden in der deutsch-jüdischen Presse aus der Zeit des
Ersten Weltkrieges. In: Monika Kucner, Elżbieta Katarzyna Dzikowska, Agnieszka Godzisz (Hrsg.): Der Erste Welt-
krieg. Ostmitteleuropäische Einblicke und Perspektiven. Frankfurt a. M. 2016, S. 181–190; Julia Schneider: (Für)
Sorge – Die „Ostjudenfrage“ in der deutsch-jüdischen Presse. In: Nils Steffen, Cord Arendes (Hrsg.): Geflüch-
tet – unerwünscht – abgeschoben. Osteuropäische Juden in der Republik Baden (1918–1923). Heidelberg 2017,
S. 107–127.
22 Dieter J. Hecht: Die Jüdische Zeitung (Wien 1907–1920): Ein nationaljüdisches Organ. In: Eleonore Lappin, Mi-
chael Nagel (Hrsg.): Deutsch-jüdische Presse und jüdische Geschichte: Dokumente, Darstellungen, Wechselbe-
ziehungen. Bd. 2. Bremen 2008, S. 57–68; Dieter J. Hecht, Louise Hecht: Die jüdische Presse der Habsburger Mon-
archie im langen 19. Jahrhundert. In: Böning, Marten-Finnis (Hrsg.), Aufklären, Mahnen und Erzählen, S. 69–92.
Zu Österreich-Ungarn auch: Jacob Toury: Die jüdische Presse im österreichischen Kaiserreich. Ein Beitrag zur
Problematik der Akkulturation 1802–1918. Tübingen 1983.
23 Gabriel Eikenberg: Der Mythos deutscher Kultur im Spiegel jüdischer Presse in Deutschland und Österreich von
1918 bis 1938. Hildesheim 2010.
24 Panter, Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg.
25 Anna Ullrich: Von „jüdischem Optimismus“ und „unausbleiblicher Enttäuschung“. Erwartungsmanagement
deutsch-jüdischer Vereine und gesellschaftlicher Antisemitismus 1914−1938. Berlin 2019.

239
Tobias Hirschmüller

gehen unter anderem Beate Wunsch26 sowie Jim G. Tobias und Nicola Schlichting ein.27 Explizit
die Revolutionen in Russland, von 1905 wie vom März 1917, arbeitete unter anderem Magda
Beiss in ihrer Fallstudie auf.28
Im weiteren Verlauf soll nun zunächst das Russlandbild in der ersten Kriegsphase untersucht wer-
den, um die Auswirkungen der Revolutionen von 1917 herausstellen zu können. Welche Konse-
quenzen sich für das Russlandbild ergaben, darauf wird in einem dritten Kapitel des Hauptteiles
eingegangen, bevor ein Fazit gezogen wird.

2. Die Anfangszeit des Krieges


Egmont Zechlin schrieb über die Wahrnehmung des Kriegsausbruches im deutschen Judentum:
„Tatsächlich unterschied sich der deutsche Zionismus im Augenblick des Kriegsausbruchs in sei-
nem Denken und Handeln nicht grundsätzlich von der Masse der Bevölkerung und von den jüdi-
schen Assimilanten.“ Neben dem „Empfinden, Bürger des bedrohten deutschen Reiches zu sein“,
fügte Zechlin unter Verwendung der Erinnerungen von Franz Oppenheimer hinzu, mussten sich
„Gedanken an das zukünftige Schicksal der osteuropäischen Juden aufdrängen.“29 Diese Sicht
wurde mittlerweile in der Forschung – verzögert zu der Dekonstruktion des Augusterlebnisses –
relativiert. Es ist davon auszugehen, dass die Redaktionen in besonderem Maße einen Ausdruck
von Loyalität an die Mehrheitsgesellschaft kommunizieren wollten.30 Die These einer generel-
len nationalistischen Angleichung liberaler, orthodoxer und zionistischer Strömungen lässt sich
anhand der Berichterstattung über den Kriegsausbruch somit nur zunächst bestätigen. So ist in
allen drei Richtungen eine Sakralisierung des Kampfes festzustellen. Hierin unterschieden sich
die Angehörigen des Judentums nicht von denen anderer Religionen.31

26 Beate Wunsch: Drei Stimmen im Weltkrieg. Die „Jüdischen Monatshefte“, das „Jüdische Jahrbuch für die Schweiz“
und „Die Wahrheit. Unabhängige Zeitschrift für jüdische Interessen“. In: Horch (Hrsg.), Positionierung und
Selbstbehauptung, S. 111–135, hier S. 127–129.
27 Jim G. Tobias, Nicola Schlichting: „… nichts als hingebungsvolle Liebe zum so schwerbedrohten Deutschtume“.
Das erste Kriegsjahr im Spiegel jüdischer Zeitungen. In: Nurinst. Beiträge zur deutschen und jüdischen Geschich-
te 7 (2014), S. 31–45.
28 Magda Beiss: Das Frankfurter Israelitische Familienblatt als Spiegel der Zeit von 1902 bis 1919. München 2017.
29 Egmont Zechlin: Friedensbestrebungen und Revolutionierungsversuche. Deutsche Bemühungen zur Ausschal-
tung Rußlands im Ersten Weltkrieg. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parla-
ment B 25/1961 vom 21. Juni 1961, S. 341–367, hier S. 341.
30 Panter, Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg, S. 39–46; Seul, „Großer Friedensstif-
ter“ – „Befreiung des russischen Judentums“ – „Bewusstes Walten Gottes“, S. 139–143; Moshe Zimmermann: Die
Kriegsbegeisterung der deutschen Zionisten. In: Brittnacher, v. d. Lühe (Hrsg.), Kriegstaumel und Pazifismus,
S. 333–349; Ullrich, Von „jüdischem Optimismus“ und „unausbleiblicher Enttäuschung“, S. 13–23.
31 Jeffrey Verhey: Der „Geist von 1914“ und die Erfindung der Volksgemeinschaft. Hamburg 2000.

240
Das Russlandbild in der Presse des deutschen und österreichischen Judentums

Die Schriftstellerin Margarete Marasse32 überschrieb im September 1914 einen ihrer Artikel in
der AZJ mit der Überschrift „Der Heilige Krieg“,33 und im einleitenden Satz war zu lesen: „Mit
einem starken Glücksgefühl, mit leuchtenden Augen sind im Augenblick einer nationalen Er-
hebung ohnegleichen auch alle jene zu den Fahnen geeilt, die sich im deutschen Vaterland zur
mosaischen Religion bekennen.“ Der Kern des Textes war ein Vergleich der gegenwärtigen Lage
der Mittelmächte mit der Belagerung Jerusalems im Jahr 70, wofür mehrere Zitate von Flavius
Josephus zur Veranschaulichung angeführt wurden. Die Autorin schloss ihre Ausführungen mit:
„Willkommen, Tod fürs Vaterland! tönt es heute im Osten und Westen des deutschen Vaterlandes,
wie es einst getönt von der Burg Zion und Salomons Tempelbau.“ Neben dieser generellen Legi-
timierung des Krieges lag bei der Thematisierung der Kriegsgegner eine besondere Fokussierung
auf Russland vor. Der Sieg über diesen Gegner war mit einer spezifischen Erwartung verbunden,
wie beispielsweise ein Artikel von Arthur Weil, Lehrer in Straßburg,34 in derselben Ausgabe be-
legt. Hierin wird die Herrschaft von Zar Nikolaus II. als „eines der traurigsten Kapitel in der Lei-
densgeschichte Israels“ geschildert und daher der Ausgang des Krieges mit folgender Hoffnung
verbunden: „Deutsche Truppen stehen an der russischen Grenze. Möge mit ihnen Recht und
Licht eindringen in das dunkle Zarenreich, damit auch die sechs Millionen unglücklicher Juden
das erlangen, was ihnen seit einem Jahrhundert versagt worden ist – Menschenrechte!“35
Eine besondere religiös konnotierte Abwertung Russlands, verbunden mit der Hoffnung einer
„Befreiung“ der Juden im Osten, wurde zudem in der Folgezeit auch von anderen Autoren im-
mer wieder vertreten, etwa wenn die Lage der Zentralmächte als „Biblisches Drama des Vier-
verbandes“ und die Gegner als „Feinde Gottes, Hasser des Rechtes, der Wahrheit und der edlen
Menschlichkeit“ charakterisiert wurden.36 Dies galt für Zeitungen aus allen Richtungen des Ju-
dentums mit der leichten Tendenz, dass orthodoxe und zionistische Blätter in ihrer Wortwahl
drastischer waren als die liberalen. Die Kritik richtete sich insbesondere an die Person des re-
gierenden Romanow und dessen Umfeld. Er galt als eigentlicher Drahtzieher des Attentats von
Sarajewo, da er mit einem Krieg von seinen innenpolitischen Problemen habe ablenken wollen.37
In der BOW wurde mit dem Verweis auf die Berichte jüdischer Flüchtlinge aus Galizien Nikolaus

32 Zur Haltung von Vertreterinnen jüdischer Frauenorganisationen beim Kriegsausbruch Martina Steer: Wir wollen
sein ein einig Volk von Schwestern, vor keiner Not uns fürchten und Gefahr! Der Jüdische Frauenbund im Ersten
Weltkrieg. In: Edith Saurer, Margarete Grandner (Hrsg.): Geschlecht, Religion und Engagement. Die jüdischen
Frauenbewegungen im deutschsprachigen Raum. 19. und frühes 20. Jahrhundert. Wien u. a. 2005, S. 103–121,
insbes. S. 109 f. Ein kurzer biographischer Abriss zu Margarete Marasse in: Hedwig Pringsheim-Dohm: Tagebücher.
Bd. 4: 1905–1910. Hrsg. v. Cristina Herbst. Göttingen 2015, S. 799.
33 Margarete Marasse: Der Heilige Krieg. In: AZJ vom 4. Sep. 1914.
34 Michael Brocke, Julius Carlebach, Carsten Wilke, Katrin Nele Jansen (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbi-
ner. Teil 2: Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871–1945. München 2009, S. 633 f.
35 Michael Brocke, Julius Carlebach, Carsten Wilke, Katrin Nele Jansen (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbi-
ner. Teil 2: Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871–1945. München 2009, S. 633 f.
36 David Leimdörfer: Biblisches Drama eines Vierverbandes. Kriegsbetrachtung. In: AZJ vom 2. Juli 1915. Zu Leim-
dörfer: Brocke, Carlebach, Wilke, Jansen (Hrsg.), Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871–1945, S. 372–375. Zur
Vorstellung vom „Befreiungskrieg im Osten“: Panter, Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten
Weltkrieg, S. 46–53.
37 Kaiser Franz Josef und der Zar. In: DW vom 30. Okt. 1914. Zur Darstellung von Russland als Drahtzieher im
Weltkrieg in der Presse: Tobias, Schlichting, „… nichts als hingebungsvolle Liebe zum so schwerbedrohten
Deutschtume,“ S. 34.

241
Tobias Hirschmüller

mit Übergriffen der sogenannten „Schwarzen Hundert“ in Verbindung gebracht, einer rechts-
extremen russischen Terrorgruppe. Hier wurde vom „fluchbeladenen Zar, Ehrenpräsident der
Mörderbande“ geschrieben und prophezeit: „Wenn ein Gott der Gerechtigkeit die Welt regiert,
wird das Blut der Tausenden und hunderttausenden jüdischen Märtyrer seine Sühne finden.“38
Es fällt zudem auf, dass sich viele Periodika einig waren, dass eine Beendigung des Krieges mit
dem aktuellen russischen Herrscher und zudem der Herrschaftsform nicht erfolgen könne, son-
dern ein Frieden nur möglich sei, wenn der Zarismus überwunden werde. Unter anderem wur-
den Hoffnungen in einen Aufstand der Bauern und damit in einen innerrussischen Widerstand
gegen die Despotie gesetzt.39 Auch der prophezeite Sturz von Nikolaus II. wurde in einem religi-
ösen Kontext gesehen. So lautete der Titel eines Artikels in der JK von 1915 „Der Zar als Flücht-
ling“. Hierin amüsierte sich der Verfasser darüber, dass der russische Herrscher aus Angst vor
deutschen Zeppelinen geflohen sei, und wertete dies mit Verweis auf die zehn biblischen Plagen
als „Fingerzeig Gottes“, der bald mit seiner „ganzen Hand“ dem Despoten und seinen Handlan-
gern im Schilfmeer seine Niederlage bereiten werde.40
Neben der Person des Zaren richteten sich die Zeitungen auch gegen das sogenannte
„Moskowitertum“41, ein Begriff, mit dem im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch die russi-
sche Oberschicht, sowohl der Adel oder nur der Hofstaat wie auch wohlhabendes Bürgertum
und zudem militärische Entscheidungsträger gemeint sein konnten. Unter diesem Schlagwort
wurde nicht nur im Zionismus eine Personengruppe beschrieben, die als Urheber des Unglücks
russischer Juden galten und deren Macht es in diesem Krieg gebrochen werden sollte. Hierzu
schrieb die JR: „Wir deutschen Zionisten sind begeistert in diesen Kampf gezogen, nicht nur,
weil es unsere Pflicht als Staatsbürger erheischt, sondern weil wir Zionisten ein tiefinnerliches
Interesse daran haben, daß deutsche Art und deutsches Wesen erhalten bleiben. Und ferner: weil
dieser Kampf gegen unseren Todfeind, das Moskowitertum, geht.“ Gleichzeitig erklärte der Ver-
fasser: „Wer aber glaubt, daß es wegen unseres patriotischen Verhaltens mit unserem jüdischen
Nationalismus vorbei ist, der irrt und zeigt, daß er nie begriffen hat, wie es in unseren nach Frei-
heit und Ganzheit lechzenden Herzen aussieht, daß er gar nicht erfaßt hat, warum wir eigentlich
Zionisten geworden sind. Gerade nach dem Kriege werden wir mit gesteigertem Eifer und noch
glühenderer Leidenschaftlichkeit für die Verwirklichung unseres jüdischen Sehnsuchtstraumes
kämpfen; nachdem wir für die Existenz und die Größe des deutschen Volkes geblutet haben,
werden wir besser verstehen für die Ehre und die Freiheit unseres jüdischen Volkes Opfer zu
bringen.“42 In der orthodoxen wie in der zionistischen Presse war zudem eine über Kritik an der
Oberschicht hinaus reichende Negierung von Russland zu erkennen. Formulierungen wie „rus-
sische Barbarei“, „wilde Bestien“, „Raubtier“, „Löwen“, „Tiger“, „Hyänen“ und „Wölfe“, gegen die
zur „Errettung der europäischen Kultur“ angetreten werden müsse, richteten sich nicht nur gegen

38 Der Zar an die Juden. „Erinnerungen an die Wohltaten.“ In: BOW vom 14. Aug. 1914.
39 Kaiser Franz Josef und der Zar. In: DW vom 30. Okt.1914; Der Weltkrieg und die Judenfrage. In: JV vom
4. Juni 1915; Ministerpräsident Chwostow. In: JK vom 4. Nov. 1915.
40 Der Zar als Flüchtling. In: JK vom 26. Aug. 1915.
41 Gerd Koenen: Der Rusßland-Komplex. Die Deutschen und der Osten 1900–1945. München 2005, S. 52.
42 Nationale Gedanken. Von einem jungen Zionisten. In: JR vom 16. Okt. 1914.

242
Das Russlandbild in der Presse des deutschen und österreichischen Judentums

die meist generell als Kosaken bezeichnete russische Armee, sondern vereinzelt auch insgesamt
gegen das Reich im Osten und dessen Bevölkerung.43
Diese Form der Berichterstattung wurde in den ersten zweieinhalb Kriegsjahren beibehalten.
Neben fatalen „Spuren der russischen Invasion“44 über die Auswirkungen der zeitweiligen Be-
setzung deutscher und österreichisch-ungarischer Gebiete durch die Truppen des Zaren bestand
der Konsens einer sich weiter verschlechternden Lage der Juden in Russland.45 Die jüdischen
Bewohner im besetzten Galizien würden als Spione von Österreich-Ungarn verdächtigt.46 Den
jüdischen Soldaten in der russischen Armee werde die Schuld an der Niederlage in Ostpreußen
gegeben, deren Kinder dürften keine Schulen besuchen, und den Juden sei es wegen des „Ansied-
lungsrayons“ verboten, das Kriegsgebiet zu verlassen. Die Angaben der Quellen über die Zustän-
de im Osten blieben jedoch unspezifisch: „Aus Kopenhagen wird berichtet: Nach zuverlässigen
persönlichen Mitteilungen sind in Bessarabien und Russisch-Polen blutige Pogrome gegen Juden
ausgebrochen.“47 Neben den Pogromen, dieser „echtrussischen Erfindung der echtrussischen
Leute“,48 wurde immer wieder von Deportationen jüdischer Bevölkerungsteile und der Verweige-
rung von Lebensmittelabgaben49 berichtet bis hin zu der Schlagzeile „der Jude wird verbrannt“.50
Meldungen über eine angebliche Besserstellung der Juden wurden stets dementiert und als Pro-
paganda charakterisiert.51 Die „Pogromhelden küssen sogar die Thorarolle“, schrieb die JZ hierü-
ber abwertend.52 Dabei brachten die Zeitungen immer wieder den Ärger darüber zum Ausdruck,
dass insbesondere die amerikanische Presse die russischen Darstellungen über eine Besserstel-
lung der Juden unkritisch übernehmen würde.53 Hingegen galt das Vorrücken der Truppen der
Mittelmächte als „Befreiung“, und es wurde die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass unter den
neuen Herrschern, insbesondere im einst russischen Polen, eine Verständigung zwischen Juden
und Angehörigen anderer Religionen gelinge.54
Offen wurde von den einzelnen Strömungen im Judentum nach den erfolgreichen Offensiven
gefordert, mit den nun unter der Kontrolle der Zentralmächte lebenden Juden Polens in Kon-
takt zu treten und damit letztlich innerjüdisch Einfluss zu gewinnen.55 Noch mit Zurückhaltung

43 Beispielsweise: Für Gott und Recht! In: FIF vom 7. Aug. 1914; M. Lewin: Ein Ausblick. In: JP vom 4. Sept. 1914;
Der Weltkrieg und die Judenfrage. In: JV vom 4. Juni 1915; Die russischen Greueltaten im Weltkriege und die
Folgen. In: JV vom 18. Juni 1915.
44 Die Spuren der russischen Invasion. In: DW vom 16. Apr. 1915.
45 Kurt Aram: Rußland und die Juden. In: JZ vom 31. Juli 1914; Die Erhebung der Kriegsschäden in Galizien. In: JK
vom 9. Sept. 1915.
46 Die „lieben Juden“ des Zaren. In: JK vom 23. Dez. 1915.
47 Momentbilder aus Rußland. In: JR vom 16. Okt. 1914.
48 Die „lieben Juden“ des Zaren. In: JK vom 23. Dez. 1915.
49 Aram, Rußland und die Juden; Das Juden-Elend in Warschau. In: FIF vom 7. Aug. 1914; Denkmal russischer
Schande. In: JK vom 26. Aug. 1915; Rußland als Wohltäter der Juden. In: JP vom 4. Sept. 1914; Die lieben Juden
des Zaren. In: JK vom 9. Sept. 1915; Die „lieben Juden“ des Zaren. In: JK vom 4. Nov. 1915.
50 Tut nichts, der Jude wird verbrannt. In: DW vom 26. März. 1915.
51 Wozu die lieben Juden des Zaren gut sind. In: JK vom 15. Okt. 1915.
52 Rußland und seine Juden. In: JZ vom 30. Okt. 1914.
53 Die Lügen des Zaren. In: BOW vom 23. Okt. 1914.
54 Die jüdisch-polnische Frage. Ein Mahnwort an Juden und Polen. In: JK vom 11. Nov. 1915.
55 Beziehungen zu den Juden Russisch-Polens. In: JK vom 26. Aug. 1915.

243
Tobias Hirschmüller

wurde diskutiert, wie die erhoffte Sicherung der Stellung der Juden im Osten dauerhaft durch das
Deutsche Kaiserreich und die Donaumonarchie gewährleistet werden sollte.
Ein erster bezeichnender Kommentar stammt von Carlernst Donner, der schon Ende 1914 und
damit vor der Besetzung russischer Gebiete durch die Mittelmächte publiziert wurde. Hierin hieß
es zunächst, „stellt man einen Vergleich an zwischen diesen deutschsprechenden Juden und ihren
unter gleichen Verhältnissen und Lebensbedingungen am selben Orte wohnenden russischen
Landsleuten, so wird man bei objektiver Beurteilung zugeben müssen, daß die Juden bei weitem
noch die sympathischern sind. Die gebildeten Juden, die alle gutes Deutsch sprechen, bilden
die russische Intelligenz überhaupt.“ Neben dieser Vorstellung einer Überlegenheit der jüdischen
gegenüber der restlichen Bevölkerung wird hier also der Anspruch kommuniziert, dass Juden
als Träger der deutschen Kultur dienen könnten. Noch deutlicher wird der Autor in folgendem
Satz: „Gerade diese Juden werden, wo Deutsche auch hindringen, eine nicht zu unterschätzende
Stütze für das Deutschtum sein. Unsere Truppen finden jetzt nach sechshundert Jahren in einem
neu eroberten Gebiete Deutsche vor – konservative noch dazu.“56 Zwar ist diese Äußerung eine
einzelne Stimme und repräsentiert in keiner Strömung des Judentums die Mehrheit der Bericht-
erstattung. Doch wenn auch keine unmittelbare territoriale Expansion gefordert wird, geht dies
über die Vorstellung einer Rolle Deutschlands als „Ordnungsmacht“ hinaus, wie dies noch Mar-
tin Klinkenberg über Carlernst Donner bilanzierte.57 Hier wird propagiert, die russischen Juden
könnten wegen ihrer geistigen Entwicklung und ihrer Sprache als Deutsche die Stützen einer
zukünftigen deutschen wie auch immer gestalteten Vorherrschaft in Osteuropa sein.

3. Die Ereignisse des Jahres 1917


Bei der Betrachtung der Kommunikation der Transformationen des Jahres 1917 in Russland in
den deutschsprachigen jüdischen Periodika muss zunächst vorangestellt werden, dass, wenn von
„Russischer Revolution“ geschrieben wird, man sich in allen drei Strömungen auf die Februarer-
eignisse bezog. Begriffe wie Februar- und Oktoberrevolution fanden noch keine Verwendung,
wie auch der Einschnitt vom November als bedeutend wahrgenommen, aber nicht als Revolu-
tion dargestellt wurde. Die Beendigung der Zarenherrschaft und die Einsetzung einer provisori-

56 Carlernst Donner: Die russischen Juden als Pioniere des Deutschtums im Osten. In: IdR 20 (1914), H. 10–12,
S. 381 f. Zu dieser Auffassung auch: Michaela Wirtz: „So sind wir vielleicht doch als Juden in den Krieg gezogen.“
Die Deutung des Ersten Weltkrieges in den Zeitschriften deutsch-jüdischer Studentenverbindungen. In: Mark
H. Gelber (Hrsg.): Integration und Ausgrenzung. Studien zur deutsch-jüdischen Literatur- und Kulturgeschichte
von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Festschrift für Hans Otto Horch zum 65. Geburtstag. Tübingen 2009,
S. 231–242, hier insbes. S. 240.
57 Martin Klinkenberg: Zwischen Liberalismus und Nationalismus. Im Zweiten Kaiserreich (1870–1918). In: Kon-
rad Schilling (Hrsg.): Monumenta Judaica. 2000 Jahre Geschichte und Kultur der Juden am Rhein. Eine Ausstel-
lung im Kölnischen Stadtmuseum 15. Oktober 1963 – 15. März 1964. Bd. 1: Handbuch. Köln 1964, S. 309–384,
hier S. 359. Zur Auffassung von „Jiddisch“ als „deutschem Dialekt“: Elizabeth Loentz: „Das Jüdisch-Deutsche ist
doch auch ein Reis vom Stamme unserer Muttersprache.“ Joseph Wohlgemuths Verteidigung der jiddischen Spra-
che um die Zeit des Ersten Weltkriegs. In: Dagmar Lorenz, Ingrid Spörk (Hrsg.): Konzeption Osteuropa. Der „Os-
ten“ als Konstrukt der Fremd- und Eigenbestimmung in deutschsprachigen Texten des 19. und 20. Jahrhunderts.
Würzburg 2011, S. 177–198; Arndt Kremer: Deutsche Juden – deutsche Sprache. Jüdische und judenfeindliche
Sprachkonzepte und -konflikte 1893−1933. Berlin u. a. 2007. Auch zu nennen Tobias Grill: Der Westen im Osten.
Deutsches Judentum und jüdische Bildungsreform in Osteuropa (1783–1939). Göttingen 2013, S. 302 f.

244
Das Russlandbild in der Presse des deutschen und österreichischen Judentums

schen Regierung in Russland wurden in den liberalen, orthodoxen wie auch in den zionistischen
Blättern als einschneidendes Ereignis für den weiteren Fortgang des Krieges wahrgenommen.
Die liberale AZJ schrieb am 23. März 1917: „Im Vordergrund der Ereignisse steht die russische
Revolution.“ Die Folgen waren aber wegen der unklaren Informationslage noch nicht absehbar:
„Was über diese Revolution zu denken ist, läßt sich nicht bestimmt sagen.“ Insbesondere richtete
sich natürlich wieder der Blick auf die Folgen für die Situation der Glaubensbrüder im Osten:
„Zunächst kann man nur vermuten, daß die Erstürmung der Gefängnisse und die Befreiung der
dort weilenden Insassen auch vielen eingekerkerten Juden die Freiheit gegeben haben wird.“ Da
die „politische Stellung vieler Minister“ als „liberal bezeichnet“ wurde, war für die Redaktion
nicht ausgeschlossen, „daß die große Wandlung, die sich in den inneren Verhältnissen des Zaren-
reiches vollzieht“, auch für die „unglücklichen Glaubensgenossen bedeutsam werden könnte“. 58
Auch in den folgenden Wochen konnte die Redaktion der AZJ keine Klarheit über die Lage in
Russland gewinnen, weshalb die Inhalte der Meldungen stark divergierten.59 Einerseits wurde
berichtet, „die neuen Machthaber“ verkündeten „mit fast noch größerer Entschiedenheit als die
früheren, den Krieg gegen Deutschland bis aufs Messer“ fortzuführen.60 Andrerseits glaubte die
Redaktion zu erkennen, „daß eine vollständige Aenderung in der Lage der Juden bevorsteht.“
Dies zeigt die Ambivalenz der Einschätzung der Ereignisse; zunächst wurde betont, als Deutsche
sei man „nie Feinde Rußlands, sondern des Zarismus und der unerträglichen inneren Zustände
des großen Reiches“ gewesen.61 Die Informationen über das Engagement jüdischer Studenten
für Selbstbestimmung in den Aufständen wurden begrüßt,62 doch als Berichte über erneute Po-
grome kamen63 und Meldungen über Berichte der „Times“ eintrafen, in denen die Juden als An-
stifter der Revolution bezichtigt wurden, wies die AZJ eine treibende Funktionen der jüdischen
Bevölkerung bei den Vorgängen im Osten zurück.64
Die Redaktion war auch der Ansicht, dass es für die Juden Schwierigkeiten geben könnte, weil
Leo Trotzki, der russische Verhandlungsführer mit den Mittelmächten in Brest-Litowsk, Jude
war.65 Konsequenzen in Form von Schuldzuweisungen wurden dabei für die Glaubensbrüder in
Russland wie in den Staaten der Zentralmächte gesehen. So erklären sich rechtfertigende Dar-
stellungen, wonach vormals geflohene Juden nach Russland zurückkehrten und dort für die
deutschen Interessen kämpfen würden.66 Einig war sich die AZJ darin, dass die Verbesserung
der Lage der Juden in den von den Mittelmächten besetzten Gebieten der deutschen Obersten
Heeresleitung zu verdanken war: „Seit Hindenburgs sommerlichem Siegeszug 1915 sind in vie-
len russischen Großstädten die Schranken gefallen, hinter denen die russischen Juden unter dem

58 Die Woche. In: AZJ vom 23. März 1917.


59 Die Woche. In: AZJ vom 30. März 1917; 18. Mai 1917; 8. Juni 1917.
60 Die Woche. In: AZJ vom 6. Apr. 1917.
61 Die Woche. In: AZJ vom 13. Apr. 1917.
62 Die Woche. In: AZJ vom 4. Mai 1917.
63 Die Woche. In: AZJ vom 27. Apr. 1917.
64 Die Woche. In: AZJ vom 11. Mai 1917.
65 Die Woche. In: AZJ vom 21. Dez. 1917. Zu den Vorstellungen von einem angeblich jüdischen Bolschewismus:
Ulrich Herbeck: Das Feindbild vom „jüdischen Bolschewiken.“ Zur Geschichte des russischen Antisemitismus vor
und während der Russischen Revolution. Berlin 2009.
66 Die Woche. In: AZJ vom 1. Juni 1917.

245
Tobias Hirschmüller

Alpdruck brutaler Ausnahmegesetze ihr Scheindasein führten.“ Nun erst könnte sich ein freies
jüdisches Kulturleben in Europa entfalten.67
Auffälligerweise nahm die AZJ zwei Geschehnisse im Herbst 1917 in Relation wahr: „Zwei hoch-
wichtige Ereignisse erregten innerhalb der Berichtswoche das größte Interesse: sie müssen an
dieser Stelle umso mehr erwähnt werden, als sie auch für die jüdischen Verhältnisse von gro-
ßer Bedeutung sein können. Das eine ist die Umwälzung in Rußland, das andere die Lösung der
innerpolitischen Krise in Deutschland.“68 In Diesem Artikel wurde der Novemberumsturz in
Russland in Zusammenhang gebracht mit den unter Reichskanzler Georg von Hertling erfolgten
Ernennungen des Nationalliberalen Robert Friedberg zum stellvertretenden Ministerpräsiden-
ten und des Fortschrittlers Friedrich von Payer zum Vizekanzler.69 Letzterer Vorgang wurde als
„bemerkenswerter Sieg des Parlamentarismus“ erachtet.
Die Folgen daraus, dass „Maximalisten unter der Führung von Lenin gesiegt“ hatten, konnten
nicht abgeschätzt werden, denn: „Man kann freilich weder wissen, ob dieser in Petersburg er-
folgte Umschwung auf das ganze Land übergreift, noch ob er von Dauer ist: erhält er sich, so ist
er fast von ähnlicher Wichtigkeit wie die Vertreibung des Zaren.“ Mit der vollständigen Umge-
staltung Russlands im Inneren bei einer gleichzeitigen demokratischen Friedensabsicht nach au-
ßen sei immerhin „eine Basis geboten, den Krieg im Osten bald zu beenden“.70 In der Redaktion
herrschte Einigkeit darüber, dass nach dem Umsturz der „Antrag auf sofortigen Waffenstillstand
und die Einleitung von Friedensverhandlungen seitens Rußlands […] sehr ernst zu nehmen“
seien.71 Sie glaubte an eine ernsthafte Abkehr der neuen Machthaber von dem Bündnis mit den
Westmächten.72 Keine klare Position war jedoch in der AZJ darüber vorhanden, wie die geopo-
litischen Verhältnisse mit einem deutschen Sieg gestaltet werden sollten. Herausgeber Ludwig
Geiger erhoffte einerseits den Schutz der Juden durch Deutschland, distanzierte sich aber von
alldeutschen Forderungen, „daß von den eroberten russischen Landesteilen größere Stücke zu
Deutschland gelangen.“73
Ein ähnliches Bild wurde in den anderen liberalen Blättern kommuniziert, denn auch in der
„Wahrheit“ war die Hoffnungen vorhanden, dass nach der Gleichstellung der Juden im Gebiet
des Oberbefehlshabers Ost74 diese nun durch das Emanzipationsedikt auch im verbliebenen
Russland eintreten werde.75 Parallel wurde gemeldet, dass Kosakenoffiziere den Juden die Schuld

67 Fritz Bettauer: Das Getto von Wilna. In: AZJ vom 7. Dez. 1917.
68 Die Woche. In: AZJ vom 16. Nov. 1917.
69 Erich Born: Preußen im deutschen Kaiserreich 1871–1918. Führungsmacht des Reiches und Aufgehen im Reich.
In: Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte. 3 Bde. Bd. 3: Vom Kaiserreich zum 20.
Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens. Berlin u. a. 2001, S. 15–148, hier S. 138.
70 Die Woche. In: AZJ vom 16. Nov. 1917.
71 Die Woche. In: AZJ vom 7. Dez. 1917.
72 Die Woche. In: AZJ vom 14. Dez. 1917.
73 Hans-Dieter Holzhausen: Ludwig Geiger (1848–1919) – ein Beitrag über sein Leben und sein Werk unter dem As-
pekt seiner Bibliothek und weiterer Archivalien. In: Menora. Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte 2 (1991),
S. 245–269. Auf die Neuordnung der Verhältnisse in Osteuropa weist auch hin: Adler-Rudel, Ostjuden in Deutsch-
land 1880–1940, S. 49. Zur Ablehnung von Annexionen auch: Becker, Die Rolle der liberalen Presse, S. 79.
74 Nationale Gleichstellung der Juden in Ober-Ost. In: DW vom 13. Juli 1917.
75 Das Emanzipationsedikt in Rußland. In: DW vom 18. Mai 1917.

246
Das Russlandbild in der Presse des deutschen und österreichischen Judentums

an der Revolution gaben, wodurch auch hier weiterhin Ängste dominierten.76 Mehr noch in Ös-
terreich-Ungarn als in Deutschland sahen sich die Redakteure dazu veranlasst, Schuldzuweisun-
gen an der Heimatfront wie durch die „demagogische christlichsoziale Presse aller Länder“, wo-
mit im Speziellen die „Reichspost“ gemeint war, zurückzuweisen.77 Auch hier wurden Parallelen
der Entwicklungen in Russland und den Zentralmächten ausgemacht, etwa durch den Hinweis
auf die zeitliche Nähe des Sturzes des Zarismus und der „Kräftigung der Demokratie“ durch die
kaiserliche Osterbotschaft.78 Wenn auch die „Wahrheit“ die Entente als große „Raubgesellschaft“
charakterisierte, so wurde trotzdem darauf hingewiesen, dass der Frieden auch deswegen noch
nicht geschlossen sei, weil es auf beiden Seiten „Kriegstreiber und Kampfenthusiasten“ gäbe. Sie
mahnte die 1914 geweckten Hoffnungen an und kritisierte die Armeeangehörigen der Mittel-
mächte, die Juden im besetzten Russisch-Polen nach „russischen Gesetzen behandeln, weil dies
die ‚Haager Konvention‘ verlange“, und warf die Frage auf: „Ist die österreichische Armee nicht
ausgezogen, die unterdrückten Völker vom zarischen Joche zu befreien?“79
Auch die orthodoxen Blätter wie der JK nahmen das „Mene-Tekel“ für den Zaren vom März 1917
als bedeutenden Einschnitt für den Krieg allgemeinen wie für die Glaubensbrüder speziell zur
Kenntnis.80 Auch hier wurde es als „Verdienst der siegreichen Heere der Mittelmächte, der ge-
nialen Kriegsführung Hötzendorfs und Hindenburgs“ hervorgehoben, dass Russland vielleicht
aufhöre, ein „halbbarbarisches Reich zu sein“.81 So lautete eine Bilanz: „Ohne Übertreibung kann
gesagt werden: Ohne Gorlice gäbe es kaum eine Revolution in Rußland.“ Damit wurde auf einen
erfolgreichen Durchbruch der Mittelmächte an der Front zwei Jahre vor der Revolution Bezug
genommen. Während die JK den neuen Verhältnissen gegenüber kritisch war und blieb,82 wur-
den in der BOW die Ereignisse vom März 1917 als „etwas Wunderbares“ und als „Ausfluß einer
ewigen Gerechtigkeit“ euphorisch begrüßt.83 Zwar sprach das Blatt wegen der zunächst ausblei-
benden Besserung für die Juden von der neuen republikanische Regierung als „Pharao’s selige[n]
Erben“,84 doch wurde bald einhellig über das Ausleben kultureller Traditionen, die Zugänglich-
keit der Offizierslaufbahnen für Juden,85 den ersten jüdischen Stadt-Hauptmann in Petersburg86
und das Emanzipationsedikt berichtet.87 Auch in der BOW war bekannt, dass die Gegner der
Revolution den Juden die Schuld an Hungersnöten und der Fortdauer des Krieges gaben.88 Dem
wurde entgegengehalten, dass die Juden in Russland an einer Konsolidierung der Verhältnisse

76 Judenpogrome in Rußland. In: DW vom 1. Juni 1917.


77 Die russische Revolution und die „Reichspost“. In: Wiener Sonn- und Montagszeitung vom 30. Apr. 1917.
78 R. L.: Kriegs- und Friedensaussichten. In: DW vom 20. Apr. 1917.
79 R. L.: Widerstände gegen Frieden und Recht. In: DW vom 29. Juni 1917.
80 „Mene-Tekel“ in Petersburg. In: JK vom 18. März 1917.
81 Der abgesetzte Zar. In: JK vom 22. März 1917.
82 Ebd.; Friedens- und Judenfragen in Rußland. In: JK vom 18. April 1917; Die Juden in Rußland. In: Ebd.
83 Völkermörders schmählich Ende. In: BOW vom 23. März 1917.
84 Pharao’s selige Erben. (Zum Pessachfest 5677–1917). In: BOW vom 6. Apr. 1917.
85 Die Befreiung der russischen Juden. In: BOW vom 20. Apr. 1917; Die Emanzipation der russischen Juden. In:
BOW vom 18. Mai 1917.
86 Der erste jüdische Gradonatschalnik in Petersburg. In: BOW vom 18. Mai 1917.
87 Das Emanzipationsedikt in Rußland. In: BOW vom 4. Mai 1917.
88 Die Juden und die Revolution. In: BOW vom 27. Apr. 1917. Ähnlich auch in der JK: Antisemitische Ausschrei-
tungen in Rußland. In: JK vom 8. Nov. 1917.

247
Tobias Hirschmüller

interessiert seien.89 Zudem berichtete die Redaktion über die Diskriminierung der russischen
Juden in England als Konsequenz der Revolution.90 Große Hoffnungen wurden in die neue russi-
sche Führung im November gesetzt: „Lenin und Trotzki sind Freunde Oesterreichs, haben Jahre
hindurch in Oesterreich geweilt. Charakter und Wesen der Wiener Antisemiten ist ihnen genau
bekannt und sie wissen sie zu taxieren.“91 Die JK befürchtete hingegen in erster Linie, die Juden
würden nun wieder mehr zu leiden haben, da die Ereignisse vom November 1917 erneut zu Un-
ruhen führen würden.92
Auch in den zionistisch ausgerichteten Zeitungen wurde das Potential erkannt, das die Trans-
formationen des Frühjahrs 1917 für die russischen Juden mit sich brachten.93 Wenn auch hier
gleichfalls keine definitive Einschätzung der Lage abgegeben wurde,94 verwiesen die Blätter doch
wie die liberalen und orthodoxen Periodika auf die beginnenden rechtlichen Gleichstellungen95
und die Gefahren durch den immer noch präsenten Antisemitismus und die damit verbundenen
Schuldzuweisungen in Russland.96 Die neuen Rechte der Juden im Osten, so war man sich auch
im Zionismus bewusst, würden auch Auswirkungen auf die Lage der Juden in der Heimat ha-
ben: „Den reaktionären Elementen in Oesterreich-Ungarn, die an politischer Einsicht weit hinter
den afrikanischen Negerstämmen zurückstehen, ist die Entwicklung in Rußland ein schlimmer
Schlag.“97
Zwei Unterschiede sind jedoch in den zionistischen Blättern auszumachen. Zunächst wurde ex-
plizit auf die Leistungen der Zionisten bei den Ereignissen in Russland und insbesondere bei der
„Befreiung“ der dortigen Juden verwiesen.98 Echiel Wolfowitsch Tschlenow, einer der führenden
russischen Zionisten, habe gemeldet, „daß die Juden volles Vertrauen zu der Erklärung der neuen
Regierung haben“.99 Es sei „ein zionistisches Informationsbureau eröffnet“ worden, das sich zur
Aufgabe gemacht habe, die „jüdische Jugend zu organisieren und der Revolution zur Verfügung

89 Der Antisemitismus in Rußland. Wessen man die Juden beschuldigt. In: BOW vom 23. Nov. 1917.
90 Die Dienstpflicht der russischen Juden in England. In: BOW vom 27. Apr. 1917.
91 Ein Jüdischer Staatsmann als Friedensbringer. In: BOW vom 14. Dez. 1917.
92 Die neuen Umwälzungen in Rußland. In: JK vom 15. Nov. 1917. Zum Aufbrechen des „Burgfriedens“ in der
Presse: Panter, Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg, S. 101–115.
93 Die Revolution in Rußland. In: FIF vom 23. März 1917; Ketten fallen. In: JR vom 23. März 1917.
94 Pessach. In: FIF vom 4. Apr. 1917.
95 Die ersten Früchte der Judenemanzipation in Rußland. In: JR vom 30. März 1917; Die Kongreßdebatte in Ruß-
land. In: JR vom 30. März 1917; Aus Rußland. In: JR vom 30. März 1917; Rußland. Die Umwälzung. In: FIF vom
20. Apr. 1917; Die Durchführung der jüdischen Gleichberechtigung in Rußland. In: JR vom 20. Apr. 1917; Die
Beförderung russischer Juden zu Offizieren. In: JR vom 20. Apr. 1917; Das Emanzipationsedikt in Rußland. In:
JR vom 27. Apr. 1917; Die Verkündigung der Emanzipation. In: JR vom 27. Apr. 1917; Die erneuerte jüdische
Presse in Rußland. In: JR vom 4. Mai 1917; Das Erwachen der zionistischen Tätigkeit in Rußland. In: JR vom 11.
Mai 1917; Von den jüdisch-sozialistischen Parteien in Rußland. In: JR vom 15. Juni 1917.
96 Die Ereignisse in Russland. In: JZ vom 30. März 1917; Die russischen Juden in der Revolution. In: FIF vom 20.
Apr. 1917; Die zunehmenden judenfeindlichen Ausschreitungen in Rußland. In: JR vom 2. Nov. 1917; Zu den
judenfeindlichen Exzessen in Rußland. In: JR vom 7. Dez. 1917.
97 Von der Woche. In: JZ vom 20. Apr. 1917.
98 Zionisten in Rußland. In: JZ vom 13. Apr. 1917; Bericht aus Rußland. In: FIF vom 27. Apr. 1917; Kundgebung
des zionistischen Aktionskomitees zur Befreiung der russischen Juden. In: JZ vom 4. Mai 1917.
99 Nach der Revolution in Rußland. In: JR vom 6. Apr. 1917.

248
Das Russlandbild in der Presse des deutschen und österreichischen Judentums

zu stellen“.100 In einem „Aufruf des Zentralkomitees der zionistischen Organisation in Rußland“


hieß es explizit: „Schließt euch in festen Reihen zusammen und, indem ihr das neue Rußland
in seiner Befreiungsarbeit unterstützt, ruft das Judentum zur Festigung und Vereinigung seiner
nationalen Kräfte, zur Organisation der Nation.“101 Damit wurde immer wieder deutlich, dass als
Konsequenz der Ereignisse in Russland erhofft wurde, die dort lebenden Juden für die Auswan-
derung nach Palästina zu gewinnen.102 Fredrik Böök schrieb in der JZ schon März 1917, „daß die
deutschen Waffen ein paar Millionen Ostjuden aus der russischen Unterdrückung befreit und
dadurch das jüdische Problem in seiner ganzen Weite und Tiefe aufgerollt haben.“ Er fügte noch
hinzu: „Die Ostjuden waren doch einmal alle deutsche Juden.“103
Als zweiter Punkt dominierten Befürchtung einer Assimilation der russischen Juden und damit
ein Verlust an kultureller Eigenständigkeit.104 So schrieb das FIF, die „Russifizierung“ sei „noch
immer, was den Juden betrifft, die Parole der Liberalen allerorts“. Daher sah man eine neue Ge-
fahr für die russischen Juden: „Der Slave ist vor allem Gefühlsmensch, offen, weitherzig und
gutmütig. Unter einem solchen Volk ist bei politischer und bürgerlicher Gleichberechtigung die
Gefahr des Aufgehens gegeben. Bei einer Gleichstellung fällt nicht nur der Schutz der gemein-
samen Ghettos, der gemeinsamen Not weg, sondern auch der Schutz der kompakten Masse.“
Als Lösung galt daher: „Die nationale Schule ist der Schutzengel vor der bevorstehenden Gefahr
der Assimilation.“105 Ähnlich äußerte sich Fritz Löwenstein in der JR. Für ihn „mischte sich in die
Freude der deutschen Juden über die Gleichberechtigung ihrer russischen Brüder“ die „bange
Frage, ob sich hier nicht im großen ein Prozeß wiederholen werde, wie er im kleinen eine Folge
der Emanzipation der Westjudenheit gewesen war.“ Daher gab er zu bedenken: „Hier hatte die
gesetzliche Gleichberechtigung, die die Völker den Juden gegeben hatten, und die Möglichkei-
ten, sich in die Kultur und das geistige Schaffen der Umwelt zu vertiefen, die Folge gehabt, daß
mit Bewußtheit das Aufgeben der nationalen Eigenart zur herrschenden Tendenz im jüdischen
Leben wurde. Die Sprache der Umwelt wurde angenommen, das jüdische Leben seiner natio-
nalen Formen und Inhalte beraubt und der deutsche Jude wurde zum Staatsbürger mosaischer
Konfession. Sollte das auch der Weg sein, der dem russischen Judentum bevorsteht?“106 Auch in
den NJM stand im Fokus, dass nach der Befreiung der Juden in Russland ein neuer Kampf begon-
nen habe: „Das jüdische Volk in Rußland rüstete sich zum Kampf um die nationale Zukunft.“107

100 Aus den Tagen der Revolution. In: JR vom 20. Apr. 1917.
101 Der Aufruf des Zentralkomitees der zionistischen Organisation in Rußland. An die Zionisten! In: JR vom 20. Apr. 1917.
102 Von den „Poale-Zion“ in Rußland. In: JR vom 2. Nov. 1917; Konferenz der jüdischen Kolonisten in Rußland. In:
JR vom 7. Dez. 1917.
103 Fredrik Böök: Die Zukunft der Ostjuden. In: JZ vom 23. März 1917.
104 Hierzu insbes.: Beiss, Das Frankfurter Israelitische Familienblatt als Spiegel der Zeit von 1902 bis 1919, S. 385–
392. Hierzu auch: Herzog, Zum Bild des „Ostjudentums“ in der „westjüdischen“ Publizistik der ersten Jahrzehnte
des 20. Jahrhunderts, S. 26–49.
105 Die russische Revolution und die Zukunft der Juden. In: FIF vom 11. Mai 1917.
106 Fritz Löwenstein: Zur Emanzipation der russischen Juden. In: JR vom 4. Mai 1917.
107 L. Bergmann: Die Emanzipation der Juden in Rußland. In: NJM vom 10/25. Mai 1917.

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Tobias Hirschmüller

4. Die Hoffnungen im letzten Kriegsjahr 1918


Das Russlandbild in der jüdischen Presse im letzten Kriegsjahr soll hier exemplarisch an drei
Themenschwerpunkten untersucht werden, die unmittelbar in Zusammenhang mit den Folgen
der Revolution stehen: die Friedensschlüsse der Mittelmächte mit den neuen Machthabern in
Russland, das Ende von Nikolaus II. und die Lage der Juden in dem einstigen Herrschaftsbereich
des Zaren.
Zwar hat Beate Wunsch zu Recht auf die militärische Denkweise und die damit verbundene Ab-
lehnung von „Diplomatie“ sowie die Stoßrichtung gegen den Zaren in der Zeitung „Wahrheit“
verwiesen.108 Doch darf dabei nicht übersehen werden, dass das liberale Blatt eine der wenigen
hier untersuchten Zeitungen war, in denen eine dezidiert mäßigende Haltung bei den Friedens-
verhandlungen eingemahnt wurde. Bezüglich der „Diplomaten des Vierbundes“, wie der Autor
die Zentralmächte bezeichnete, wurde die Frage aufgeworfen: „Werden sie es begreifen, daß sie
diese russischen Regierungsmänner und mit ihnen den Frieden unmöglich machen, wenn sie ih-
nen jeden moralischen Erfolg verwehren?“ Neben dieser Erkenntnis, dass die neuen Machthaber
in Russland, die zu einem Frieden mit den Mittelmächten bereit waren, einen außenpolitischen
Erfolg benötigten, um innenpolitisch an Autorität zu gewinnen, wurde noch ein zweiter Aspekt
angeführt: „Wird für Deutschland und Oesterreich nur der Status quo vor Kriegsausbruch er-
reicht, dann ist dies bereits ein großes Ergebnis, das ihre Gegner so sehr fürchten. […] Die Groß-
mut beim Friedensschlusse wäre auf Seite des Vierbundes und der fürchterliche Weltkrieg würde
in den Herzen der Nationen keinen bleibenden Groll zurücklassen, der, wie eben der Weltkrieg
gezeigt hat, die Quelle künftiger Kriege bildet.“109 Damit kommt aus der Sicht des Autors als
wichtiger Punkt hinzu, dass eine Einigung auf dem Vorkriegsstand das moralische Ansehen der
Mittelmächte stärken und die Gefahr revisionistischer Bestrebungen mit neuen Konflikten mini-
mieren könnte. Nach dem Abschluss des Vertrages wurde im März Bedauern darüber geäußert,
dass ein „Verständigungsfrieden“ nicht zustande gekommen war, die Schuld dafür wurde aber
bei den Westmächten gesehen. Doch galt als Bilanz: „Der magerste Friedensschluß bringt mehr
Segen als der aussichtsvollste Krieg.“110 Im April 1918 hieß es noch dazu, „auf keinen Fall kann
der Weltkrieg in der bisherigen Dimension noch jahrelang andauern, gleichgiltig ob die Deut-
schen ihre Gegner vollständig und restlos besiegen können oder nicht.“ Dies zeigt, dass trotz der
Beendigung des Zweifrontenkrieges die Ermattung der Heimatfront weit vorangeschritten war.
Die Wiederherstellung des polnischen Staates aus „seinem mehr als hundertjährigen Scheintod“
wurde befürwortet, wie auch, dass die Staaten Litauen, Kurland, Finnland, Estland und die Uk-
raine „befreit“ wurden „aus nationaler Vergewaltigung“. Diesem Beispiel folgend, und das war die
zentrale Hoffnung nach dem Kriegsschluss und die eigentliche Aussage in dem Artikel, sollte eine
bessere Behandlung der Juden in der Donaumonarchie eintreten: „Kein Staat kann auf die Dauer
unbeschränkten Raubbau an seinen nützlichsten und zahlreichsten Untertanen ertragen.“111

108 Wunsch, Drei Stimmen im Weltkrieg, S. 127–135.


109 R. L.: Die schwere Friedensgeburt. In: DW vom 25. Jan. 1918.
110 Ders.: Die gegenwärtige Phase des Weltkrieges. In: DW vom 22. März 1918.
111 Ders.: Was können wir nach Kriegsschluß erhoffen? In: DW vom 19. Apr. 1918; ders.: Der Abbau des Weltkrieges.
In: DW vom 31. Mai 1918. Über die deutsche Politik im Ersten Weltkrieg und die Ostjuden: Egmont Zechlin: Die
deutsche Politik und die Juden im Ersten Weltkrieg. Göttingen 1969, S. 101–284.

250
Das Russlandbild in der Presse des deutschen und österreichischen Judentums

Auch in der anderen liberalen Zeitung, der AZJ, stand in einem Artikel am 8. März 1918 von
Simon Scherbel die Betonung von Friedenssehnsucht im Zentrum. Dass diese durch die Umwäl-
zungen überhaupt erst möglich wurde, müsse zu einer „Rehabilitation der Revolution“ führen,
da dieser Begriff in der Vergangenheit zu abwertend betrachtet worden sei.112 Zudem war in der-
selben Ausgabe zu lesen, dass nun Lenin und Trotzki „vom Schauplatz abgetreten“ seien, da sie
„Krankheit an weiterer Tätigkeit“ hindere.113 Ein grundsätzliches Problem lag hier wie bei anderen
Zeitungen in der Intensität und gleichzeitigen Unklarheit des Informationsflusses.
In der zionistischen JR hieß es hingegen zunächst: „In den Verhandlungen von Brest-Litowsk
haben die Unterhändler Deutschlands ihren Willen restlos durchgesetzt.“ Gleichzeitig wurde kri-
tisiert, dass das „jüdische Volk“ an diesen „Verhandlungen nicht beteiligt“ gewesen sei und man
auf die deutsche Politik hoffe, die „nationale Autonomie“ der Juden auch beispielsweise in Polen
und Litauen dauerhaft durchzusetzen.114
Am deutlichsten wurde der Friedensvertrag von der orthodoxen Presse begrüßt. Hier wurde ge-
schrieben, der Zar werde sich eingestehen müssen, dass die Arbeit seiner Vorfahren vernichtet
sei: „Der Zarismus ist ein überwundener Standpunkt, ein historischer Begriff. Die Menschheit ist
dieser Geisel frei und der künftige Geschichtsschreiber wird sicherlich das Befreiungswerk, das
die vielverschrieenen Mittelmächte verrichtet haben, besser als die Gegenwart zu würdigen ver-
stehen.“ So müsse der 3. März 1918 „im Kalender der Weltgeschichte rot unterstrichen“ werden
als ein „Freuden- und Festtag für Völker und Menschen.“ Auffällig ist die Bilanz, die für die Juden
gezogen wurde: „Im eigentlichen Rußland, das noch der Botmäßigkeit Petersburgs und Moskaus
untersteht, dürfte die Zahl der Juden keine übermäßig große sein.“ Der Fokus richtete sich nun
auf die Rolle der Juden in den neuen Staaten: „Die anderen Teile, die überwiegende Majorität,
bevölkerten die sogenannten Randvölker, die heute selbständige Staaten werden und moderne
Staatseinrichtungen erhalten. Möge in Petersburg und in Moskau alles drüber und drunter ge-
hen, – das Gros der russischen Judenheit ist geborgen. Es fürchtet nicht mehr die Kosaken des
Zaren und auch nicht die ‚Rote Garde‘ der Bolschewiki.“115 Russland war also nach dieser Auffas-
sung zu Recht auf seine ihm zustehenden Gebiete beschränkt worden. Den neuen Machthabern
stand die Redaktion mit ebenso viel Misstrauen gegenüber wie dem Zaren.
Einhellig wurde von allen Richtungen die Ermordung von Nikolaus II. mit Genugtuung aufge-
nommen. Es sei „ein schmähliches Ende eines fluchwürdigen Lebens“ gewesen, schrieb die AZJ.
Der Tod des Zaren stärke die „Zuversicht“, dass Russland dauerhaft aus der Reihe der Kriegs-
gegner ausgeschieden bliebe.116 In der orthodoxen BOW wurde die Ermordung mit einem Zi-
tat religiös legitimiert: „Denn ich der Ewige bin ein rächender Gott, der alle Missetat der Väter
ahndet an Kindern, am dritten und vierten Geschlecht und Gnade bewahrt den tausendsten Ge-
schlechtern derer, die mich lieben und meine Gebote bewahren.“ Schließlich sei dem russischen
Herrscher nie bewusst gewesen, dass die Juden „keine Eindringlinge in den großen slawischen

112 Simon Scherbel: Politische und wissenschaftliche Revolution. In: AZJ vom 8. März 1918.
113 Die Woche. In: AZJ vom 8. März 1918.
114 Brest-Litowsk und Bukarest. In: JR vom 8. März 1918.
115 Rußland. In: JK vom 7. März 1918.
116 Die Woche. In: AZJ vom 26. Juli 1918.

251
Tobias Hirschmüller

Gebieten“ waren, sondern „zu den ältesten Bewohnern“ zählten. Die Bilanz laute daher: „Das
jüdische Volk hat noch immer alle seine Feinde und Verfolger begraben.“117 Zwar gab die Redak-
tion zu bedenken: „Ein Mord ist unter allen Umständen eine Schändung der Kultur.“ Doch sei es
die Verantwortung der Romanows, dass unter ihnen nie der „Wert des Menschenlebens kostbar“
war, und insbesondere Nikolaus habe „seinen Thron mit jüdischem Blut zu kitten“ versucht. Des
Weiteren wurde angeführt, dass der Zar auch mit den Bolschewiki nicht anders verfahren wäre,
hätte die Möglichkeit dazu besessen.118
Somit bleibt noch die Frage nach der Wertung der Lage der Juden in Russland im ersten Jahr
nach der Revolution. Hierbei fällt insbesondere in den orthodoxen und zionistischen Blättern die
Behandlung des Umstandes auf, dass sich unter den neuen Machthabern im Osten auch Prota-
gonisten mit jüdischem Glauben befanden. Von beiden Richtungen wurde dies als Gefahr für die
Glaubensbrüder nicht nur in Osteuropa gesehen. In der orthodoxen JP hieß es hierzu zunächst,
die „Tatsache, daß unter den Mitgliedern der russischen Delegation bei den Friedensverhand-
lungen in Brest-Litowsk etliche Juden sich befanden und vor allem der Führer der Delegation in
dem zweiten Abschnitt der Verhandlungen der Jude Trotzki-Bronstein gewesen ist, hat zu allerlei
Preßkommentare Anlaß gegeben.“ Hierzu wurde angemerkt, es sei verständlich, dass die Juden
die Ereignisse in Russland begrüßten. Die jüdischen Revolutionäre würden jedoch nicht als Ju-
den fungieren, sondern seien „Vertreter der extremsten Assimilation“. Mit Beunruhigung wurden
Forderungen wahrgenommen wie „da mußte auch wieder einmal der Jude verbrannt werden“
sowie das leichtfertige „Gerede von dem zersetzenden Einfluß des in der Phantasie von Fanati-
kern konstruierten ‚Alljudentums‘ (das vielleicht im Sinne eines übernationalen Prinzips, wie es
auch das Christentum kennt, besteht, niemals aber als politische Organisation oder auch nur als
eine besondere seelische Veranlagung der Judenheit existiert hat) […].“ Die Revolution habe
zwar einen „jüdischen Einschlag“, der aber „ganz allgemein“ gehalten sei.119 Somit dominierten
die Ängste, dass durch den Gang der Ereignisse die Lage der Juden zunächst in Osteuropa nicht
besser würde. Daher veröffentlichten die Redaktionen immer wieder Artikel, in denen die Hoff-
nung ausgesprochen wurde, dass die Mittelmächte bei den Verhandlungen mit der Ukraine120,
Rumänien121 oder Finnland122 auch auf die Besserung der rechtlichen Stellung der Juden insis-
tieren. Darüber hinaus blieb den Redaktionen die Aufgabe, dem zunehmenden Antisemitismus
in den Staaten der Zentralmächte durch die Transformationen im Osten entgegenzutreten. Dies
geschah etwa durch Verweise auf die wirtschaftlichen Vorteile für Österreich-Ungarn durch die
Juden in der Ukraine.123
Am kritischsten wurde zu Beginn des Jahres 1918 die Lage der Juden in den zionistischen Blät-
tern geschildert. Immer wieder publizierten die Redaktionen Meldungen über neue Pogrome

117 Das Ende des russischen Weltreiches. In: BOW vom 8. März 1918.
118 Der Untergang der Romanow. In: BOW vom 26. Juli 1918.
119 David Fleischer: Die Bolschewiki. In: JP vom 22. Feb. 1918.
120 Richard Weiß: Zum Frieden mit der Ukraine. In: JP vom 22. Feb. 1918.
121 Ders.: Bessarabien und Rumänien. In: JP vom 1. März 1918; Die Juden in der Ukraine. In: JK vom 18. Apr. 1918.
122 Richard Weiß: Die finnische Judenfrage. In: JP vom 8. März 1918.
123 Oesterreich-Ungarn und die Juden in der Ukraine. In: JK vom 25. Apr. 1918.

252
Das Russlandbild in der Presse des deutschen und österreichischen Judentums

trotz der rechtlichen Besserstellung124 oder Berichte über Benachteiligungen bei Wahlen,125 wes-
halb auch die Gründung von Selbstschutzorganisationen in Russland notwendig wurde.126 Es
war nicht zu erschließen, ob es an den Marxisten oder den Oppositionellen liege, dass dieser
Bedrohung nicht entgegengewirkt werde.127 Zudem galt auch den Zionisten die Lage der Juden in
den sich von Russland lösenden Staaten weiterhin als unsicher, wie etwa in Finnland.128
Der Journalist Mayer Ebner129 schrieb daher in der JZ: „Das Judentum in Rußland steht und fällt
mit der Revolution. Dies erklärt den hervorragenden Anteil der russischen Juden an dem großen
Geschehen, das wir die russische Revolution nennen und das möglicherweise ihr geschichtliches
Urbild – die französische Revolution – in den Schatten stellen wird, weil es sich nicht mehr um
die Befreiung eines Standes, sondern um den Anfang der Lösung der sozialen Frage handelt.“ Mit
Stolz verwies Ebner, wenn auch ohne Beleg, noch darauf, das jüdische Volk habe in „ungefähr die
Hälfte von der Gesamtzahl der weiblichen Revolutionäre beigestellt“, ein „Prozentsatz, der der jü-
dischen Frau in Rußland alle Ehre“ mache.130 Doch größer als die Freude über diese emanzipato-
rische Leistung war die Sorge über eventuell daraus resultierenden die Konsequenzen.131 Auch in
der JR wurde die Befürchtung geäußert, dass nun insbesondere durch die „russische Intelligenz“,
die nicht näher präzisiert wird, den Juden die Schuld an der Niederlage gegeben wird, „obgleich
die bedeutendsten Führer des russischen Judentums und sämtliche jüdischen sozialistischen Par-
teien gegen die bolschewistische Regierung Stellung genommen haben.“132
Mayer Ebner urteilte in der JZ ähnlich, ging jedoch entschieden ins Gericht mit den Vertretern
der Bolschewiki, bei denen er grundsätzlich davon ausging, sie würden sich nicht lange halten
können. Lenin „thront hoch oben wie ein Dalaj-Lama, von der Masse unverstanden und für sie
auch unerreichbar.“ Zwar erhielte die Partei „Leben und Bewegung“ durch „ihre hervorragends-
ten Führer, welche – Juden sind!“ Doch dass Leo Trotzki, Adolf Abramowitsch Joffe und Lew Bo-
rissowitsch Kamenew als führende Protagonisten auftraten, hielt er für einen Fehler, da dies das
„russische Nationalgefühl […] in hohem Maße verletzt“. Der Verlust der Eroberungen von Peter
dem Großen und Katharina II. würde „diese flammenden Rufe des Zornes und der Patriotischen
Entrüstung“ entfachen, und der „Refrain dieser nationalen Klage“ werde lauten: „Die Juden sind
das Unglück, sie sind es, die Rußland zerstückelten und vernichteten.“ Er mahnte daher die jüdi-
schen Verantwortungsträger der Revolution, sich zurückzunehmen: „Aber so vortreffliche, reine
Edelmenschen die Trotzkis und Genossen auch sind, in ihrem Eifer für die Adoptivnation, in ih-

124 Die zunehmende Pogrombewegung in Rußland. In: JR vom 11. Jan. 1918; Die russische Presse über den Zionis-
mus. In: JR vom 18. Jan. 1918; Der Jüdische Kongreß in Rußland. In: JR vom 1. März 1918; Rußland. Unter der
Herrschaft der Maximalisten. In: FIF vom 22. März 1918; Rußland. Neue Pogrome. In: JZ vom 26. Juli 1918.
125 Die Wahlen zur Konstituante. In: JR vom 4. Jan. 1918.
126 Selbstschutzorganisationen der Juden in Rußland. In: JZ vom 11. Jan. 1918.
127 Die Judenpogrome in Rußland. In: JR vom 19. Juli 1918.
128 Die finnische Judenfrage. In: FIF vom 18. Januar 1918; Ausweisung der Juden aus Finnland. In: JR vom 19. Juli 1918.
129 Andrei Corbea-Hoisie: Czernowitzer „Geiseln“ in Russland im Ersten Weltkrieg: Philipp Menczel und Mayer Eb-
ner. In: Florian Kührer-Wielach, Markus Winkler (Hrsg.): Mutter: Land – Vater: Staat. Loyalitätskonflikte, politi-
sche Neuorientierung und der Erste Weltkrieg im österreichisch-russländischen Grenzraum. Regensburg 2017,
S. 41–56.
130 Mayer Ebner: Die Juden in der russischen Revolution. I. In: JZ vom 11. Jan. 1918.
131 Ders.: Die Juden in der russischen Revolution. II. In: JZ vom 18. Jan. 1918.
132 Vom russischen Judentum. In: JR vom 2. Aug. 1918.

253
Tobias Hirschmüller

rer Hingebung für die ganze Menschheit vergessen sie ihre eigentlichen Volksgenossen und den-
ken nicht daran, daß sich das Wehgeschrei tausender verstümmelter und gepeinigter Menschen
zum Himmel erheben wird, weil die Juden Trotzki und Genossen vergessen haben, daß sie Juden
sind und Pflichten auch gegen ihr Volk haben.“133 Es wird deutlich ist, dass die Verbundenheit
unter Juden nicht auf der Ebene des Glaubens, sondern der Volkszugehörigkeit gesehen wird.
Exemplarisch ist daher für die Haltung des Zionismus ein Bericht vom Juli 1918 in der JZ, nach
dem das „goldene Zeitalter auch für die russischen Juden noch nicht da“ sei. Hieraus wurde fol-
gender Rückschluss gezogen: „Die Enttäuschungen im Osten mögen für uns schmerzlich sein,
sie bestätigen doch nur die alte zionistische Erkenntnis, daß im Galuth [hebräisch: Exil] eine
Erlösung des jüdischen Volkes unmöglich ist.“134 Bezeichnend für die Einschätzung der Lage am
Ende des Krieges ist ein Kommentar über Ausschreitungen in Galizien vom 14. November 1918:
„In den Flitterwochen der Völkerfreiheit fließt jüdisches Blut in Strömen.“135

5. Fazit
Als Fazit über die deutschsprachige jüdische Presse bleibt zunächst festzuhalten, dass nicht nur
eine Heterogenität im Hinblick auf die drei Hauptrichtungen vorlag, sondern es innerhalb dieser
Strömungen auch inhaltlich starke Unterschiede gab, wie dies das Fallbeispiel Russland zeigte.
Somit konnte wieder bestätigt werden, dass es nicht nur unmöglich ist, von dem Judentum zu
sprechen, sondern es sich letztlich bei den Kommentaren um die Meinungen einzelner Personen
oder Personengruppen handelt. Dies bedeutet, dass ein fixes Bild über den Nachbarn im Osten
nicht herausgearbeitet, sondern lediglich von Tendenzen gesprochen werden kann. Zwar bestä-
tigt die Untersuchung die bisherigen Erkenntnisse, dass die Juden im Deutschen Kaiserreich wie
in der Donaumonarchie zunächst in ihren Zeitungen in den Konsens einstimmen, einen gerech-
ten Verteidigungskrieg zu führen. Hierbei lag mehr als in der übrigen Presselandschaft eine Fo-
kussierung auf Russland als Gegner vor, die durch die Politik des Zarenreiches gegenüber seinen
jüdischen Einwohnern eine pejorative, von Stereotypen geprägte Tradition besaß. Die Verwen-
dung von Begriffen wie „Kosaken“ und „Moskowitertum“ entsprechen den rassistischen Denk-
mustern, von denen die Mehrheitsgesellschaften im Deutschen Reich und Österreich-Ungarn
geprägten waren. Die russische Politik verstärkte jedoch die Reaktionen in der jüdischen Presse
besonders.
Eine nähere Betrachtung der Stilisierung des Gegners ergibt zudem, dass eine Sakralisierung des
Krieges durch Verweise auf religiöse Vorbilder ausgeprägt war. Der Widerspruch, sich einerseits
von Eroberungsforderungen zu distanzieren und andererseits eine dauerhafte Schutzmachtfunk-
tion der Zentralmächte für Juden in Osteuropa zu erhoffen und einzufordern, war in allen Zei-
tungen anzutreffen. Parallel blieb die Sorge um die Glaubensbrüder auch nach den beginnenden
Loslösungsbewegungen der unter russischer Herrschaft stehenden Völker. Die Vorbehalte waren
nicht nur gegenüber den Russen und auch nicht nur wegen einer autokratischen Oberschicht
vorhanden, sondern galten grundsätzlich weiten Teilen der osteuropäischen Völker.

133 Mayer Ebner: Die Juden in der russischen Revolution. III. In: JZ vom 25. Jan. 1918.
134 Enttäuschte Hoffnungen. In: JZ vom 19. Juli 1918.
135 Völkerfreiheit und Pogrome. In: JK vom 14. Nov. 1918.

254
Das Russlandbild in der Presse des deutschen und österreichischen Judentums

Die Revolution in Russland wurde daher zunächst von allen Strömungen begrüßt. Doch sahen
sich die Redaktionen dazu veranlasst, die Vorteile der russischen Juden für die Zentralmächte
hervorzuheben und gleichzeitig sich gegenüber dadurch hervorgerufenem neuen Antisemitis-
mus in den eigenen Heimatländern zu verteidigen. Letzteres war in der Donaumonarchie ein
noch größeres Problem als in Deutschland. Im Vergleich zu den liberalen und orthodoxen Zei-
tungen zeichnen sich in der Haltung der zionistischen Presse tendenzielle Unterschiede ab. Hier
wurden zum einen die Leistungen zionistischer Juden in Russland betont und im Gegensatz zu
den Blättern der anderen Richtungen Ängste vor einer als Folge der Revolution beginnenden
Assimilation hervorgehoben. Während alle drei Strömungen das Potential der Juden durch die
neuen Verhältnisse in Russland anerkannten, kommunizierten die Zionisten einen möglichen
Identitätsverlust für die Juden als neue Gefahr, die noch größer gesehen wurde als das Zaren-
regime. Die einzige dauerhafte Lösung konnte für sie nur die Schaffung einer „Heimstätte“ in
Palästina sein. Das Fallbeispiel Russland bestätigt die Thesen von Sarah Panter, die das „Augus-
terlebnis“ in der jüdischen Presse relativiert und betont, dass mit der Fortdauer des Krieges die
verdeckten Konflikte zwischen den Strömungen des Judentums wie zur Mehrheitsgesellschaft
verstärkt wurden, wenn sie auch noch nicht offen ausbrachen.136

136 Panter, Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg, S. 39–115.

255
Reiner Tosstorff

Deutsch-russische Wahrnehmungen und Wechselbeziehungen:


Robert Dißmann, der Deutsche Metallarbeiterverband
und die USPD

1) Wer war Robert Dißmann?1


1878 im Bergischen Land geboren, lernte Robert Dißmann Dreher und Maschinenbauer. Er
schlug den nicht ungewöhnlichen Lebensweg eines Facharbeiters im Kaiserreich hin zur or-
ganisierten Arbeiterbewegung ein, als er 1897 Mitglied im Deutschen Metallarbeiter-Verband
(DMV) – dem Vorläufer der IG Metall – und der SPD in Barmen wurde. Im Jahre 1900 wurde
er dort Geschäftsführer des DMV und begann eine Karriere als Hauptamtlicher in der Arbeiter-
bewegung, wie sie einerseits nicht unüblich war: 1905 wechselte er auf den DMV-Geschäftsfüh-
rerposten in Frankfurt und nahm dort zugleich ein stärkeres ehrenamtliches Engagement in der
lokalen SPD auf. Drei Jahre später, 1908, wurde er Sekretär der SPD für den Reichstagswahlkreis-
verein Hanau, der unter seiner Ägide einen starken organisatorischen Aufschwung nahm.
Untypisch war allerdings, dass er mit seinem gewerkschaftlichen Hintergrund fest auf dem linken
Parteiflügel stand, während Gewerkschaftsfunktionäre ansonsten mehrheitlich zu starken Stüt-
zen des reformistischen Flügels zählten, und mithalf, diese Wahlkreisorganisation dort eindeutig
zu positionieren. U. a. pflegte er in der Zeit vor Kriegsausbruch enge Kontakte zu Rosa Luxem-
burg, was in der Historiographie der Partei über jene Jahre eher wenig beleuchtet ist.2 Ende 1912
wurde er Bezirkssekretär für das Rhein-Main-Gebiet in Frankfurt und hatte damit eine auch für
die Gesamtpartei wichtige Funktion erreicht, da er nun auch zum neu geschaffenen Parteiaus-
schuss gehörte, der den Parteivorstand beriet. Allerdings scheiterte seine Bewerbung zum Pos-
ten des Vorstandssekretärs auf dem Parteitag im Jahre 1913, wie auch seine Kandidaturen zum
Reichstag wie zum preußischen Landtag vor Kriegsausbruch erfolglos blieben.
Jedenfalls hatten sich in dieser Parteiarbeit seine spezifische Begabung als Organisator und Agi-
tator gezeigt. An den großen theoretisch-strategischen Debatten der Vorkriegssozialdemokratie
mit ihrem vielfältigen publizistischen Widerhall, die noch immer am stärksten die Aufmerk-
samkeit der Historiker auch in den biographischen Darstellungen bestimmen, hatte er dagegen
keinen speziellen Anteil, weswegen seine Rolle auf der SPD-Linken zu Unrecht etwas unterbe-
leuchtet ist.

1 Sofern nicht anders vermerkt, sind die biographischen Informationen meinem Artikel entnommen: Reiner Toss-
torff: Robert Dißmann: Zwischen Metallarbeitergewerkschaft und linker Sozialdemokratie. In: Moving the So-
cial 51 (2014) [Lives on the Left], S. 95–125. Eine ausführliche Biographie ist in Vorbereitung.
2 Jüngstes Beispiel dafür ist Ernst Piper: Rosa Luxemburg. Ein Leben. München 2018, wo Dißmann nicht einmal
erwähnt ist. Dabei spielte er etwa, um nur einen Punkt aufzuführen, eine wichtige Rolle für ihre von Piper dur-
chaus erwähnte berühmte Anti-Kriegs-Rede in Frankfurt-Bockenheim, die ihr im Februar 1914 eine Verurteilung
einbrachte.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 257–269


[Link] 257
Reiner Tosstorff

Daher war es nur folgerichtig, dass er aufgrund seiner regionalen Position nach dem 4. August
eine wichtige Anlaufstelle der zunächst sehr kleinen Anti-Kriegsopposition wurde. Nach den ers-
ten Monaten im Umkreis der sich herausbildenden Gruppe Internationale (um Rosa Luxemburg
und Karl Liebknecht, zu der in Frankfurt auch noch Paul Levi gehörte), der späteren Sparta-
kusgruppe, brach er aber mit dem radikalen Flügel in den ersten Monaten des Jahres 1915 und
orientierte sich fortan stattdessen auf die Minderheit in der Reichstagsfraktion um Hugo Haase
und Wilhelm Dittmann, dem zukünftigen Führungskern der USPD in ihrer Anfangsphase. Bei
der Parteigründung im April 1917 spielte er selbstverständlich eine wichtige Rolle. Ab da an war
er von Frankfurt aus ihr Bezirkssekretär für Südwestdeutschland.

2) Der DMV im Burgfrieden und angesichts der russischen Revolution3


Der DMV war seit 1914 unter seinem Vorsitzenden Alexander Schlicke eine der Stützen der ge-
werkschaftlichen Burgfriedenspolitik gewesen. Aufgrund seiner Größe (über eine halbe Million
Mitglieder bei Kriegsausbruch, dann allerdings halbierte sich die Mitgliederzahl und wuchs erst
wieder langsam ab 1916 an) und der Rolle der Metallindustrie in der gesamten Kriegswirtschaft –
übertroffen nur noch vom Bergbau – kann man seine Bedeutung nicht groß genug veranschlagen.
‚Aus der Metallindustrie heraus wuchs zudem die Antikriegsopposition in die breite Gesellschaft
hinein. Sie manifestierte sich im großen Umfang, über einzelne Aktionen hinaus, zum ersten Mal
in den Rüstungsarbeiterstreiks im April 1917, eine Folge der Not im Krieg, insbesondere auf-
grund der Ernährungssituation, aber auch zweifellos befeuert durch das russische Beispiel der
einen Monat zuvor erfolgten Februarrevolution.
Dißmann hatte die Kontakte zu seiner Gewerkschaft nach seinem Wechsel auf eine Parteiposi-
tion nicht fallen gelassen. Schon 1909 war er – sogar als Parteisekretär! – Delegierter auf dem
Gewerkschaftstag der Metaller. Dann allerdings verliefen die weiteren Beziehungen lange Zeit
wohl nur informell, wobei allerdings auch gilt, dass die Metallarbeiter das Gros der Mitglieder
in seinem Hanauer Wahlkreisverein stellten. Und nun, nachdem er bereits in der Partei die Anti-
Kriegsopposition mitgetragen hatte, wurde er 1917 zum Delegierten für den Gewerkschaftstag
der Metaller gewählt, der vom 27. bis 30. Juni in Köln stattfand und auf dem sich der Vorstand
zum ersten Mal einer breiten Opposition gegenübersah. Dißmann wurde ihr Wortführer mit ei-
nem Korreferat zum Vorstandsbericht nach einer Kampfabstimmung, nachdem der Vertreter der
Berliner Revolutionären Obleute, Richard Müller, darauf verzichtet hatte.
Obwohl sich die Auseinandersetzungen um die konkreten Folgen der Burgfriedenspolitik in
Deutschland und insbesondere um die April-Streiks drehten, war dabei im Hintergrund zwei-
fellos die russische Revolution präsent. In der Metallarbeiterzeitung allerdings, dem wöchent-
lichen Organ des DMV, hatte sie nicht stattgefunden. Wahrscheinlich dürfte man eine solche
Angelegenheit von allgemeiner Bedeutung der Gesamtvertretung der deutschen (sozialdemo-

3 Eine neuere Arbeit über den DMV im Ersten Weltkrieg bleibt ein Desiderat. Organisationsgeschichtlich muss
man noch immer zurückgreifen auf Fritz Opel: Der Deutsche Metallarbeiter-Verband während des ersten Welt-
krieges und der Revolution. Hannover 1957. Zur Ergänzung kann aber jetzt folgende Biographie einer zentralen
Figur der DMV-Opposition herangezogen werden: Ralf Hoffrogge: Richard Müller. Der Mann hinter der Novem-
berrevolution. 2. Aufl. Berlin 2018.

258
Deutsch-russische Wahrnehmungen und Wechselbeziehungen

kratischen) Gewerkschaften, der Generalkommission, überlassen haben und sowieso galt natür-
lich auch die traditionelle Arbeitssteilung zwischen Partei und Gewerkschaft. Politik fand eben
in der Partei und durch sie statt, worauf der Vorstand des DMV wie auch der Gesamtvorstand
der deutschen Gewerkschaften, die Generalkommission, gegenüber der innergewerkschaftlichen
Opposition immer beharrten.
Das begann sich erst im Winter 1917/18, mit dem bolschewistischen Oktoberumsturz und der
sich daraus ergebenden Möglichkeit eines Friedens zumindest im Osten, zu ändern. Allerdings
beinhaltete diese Entwicklung für die DMV-Führung ein Dilemma: Einerseits konnten nur die
Bolschewiki den Weg zu einem Friedensabkommen im Osten ermöglichen, andererseits konnte
man sich aber kaum mit ihrer revolutionären Politik identifizieren, die ja nun auch am scharf ge-
gen die SPD gerichtet war. Mit den Menschewiki dagegen als Partei im politischen Gleichklang
mit der SPD drohte eine Fortsetzung der russischen Beteiligung an der alliierten Kriegsführung.
Dieses Dilemma kann man gut an der offiziellen Haltung der deutschen Gewerkschaften zum
Brest-Litowsker Friedensvertrag sehen.4 Zudem warf der Friedensvertrag mit seinen erpresse-
rischen Forderungen gegenüber Russland natürlich auch die Frage auf, wie ernst die offiziellen,
von den Gewerkschaften unterstützten Friedensforderungen der SPD war. Das Organ des DMV,
die Metallarbeiter-Zeitung, war im Februar 1918 gezwungen, in einer dreiteiligen Serie diese
Dilemmata zu behandeln.5 Dies war das einzige Mal auf lange Zeit, dass es sich mit Russland
beschäftigte.
Diese widersprüchliche Situation erklärt auch, warum der DMV-Vorsitzende Schlicke in seiner
Eigenschaft als Sekretär des Internationalen Metallarbeiterbundes (IMB), des weltweiten Zu-
sammenschlusses der Metallarbeitergewerkschaften, in dessen Organ einige positive Artikel über
die Bolschewiki veröffentlichte, darunter auch dem Bericht des schwedischen Metallarbeitervor-
sitzenden über seine Reise nach Russland.6 All dies lag noch ganz auf der Linie der SPD, die von
den Bolschewiki zunächst einmal die Vereinbarung des Separatfriedens mit Deutschland (und
dann natürlich dessen Einhaltung) erwartete.7
Doch andererseits galt es für die DMV-Führung zu verhindern, dass die deutschen Arbeiter – und
speziell die Metallarbeiter wie in den Januarstreiks 19188 – auch den russischen Weg einschlugen,
d. h. die Erzwingung einer Beendigung des Kriegs „von unten“. Mit dem Scheitern dieser Streiks
verschwand das russische Thema erst einmal wieder von der gewerkschaftlichen Tagesordnung,
auch wenn es natürlich in der sozialistischen Anti-Kriegsopposition von USPD und Spartakus-
bund präsent war. Dort begann im Laufe des Jahres 1918 eine umfassende Diskussion über die

4 Dazu ausführlich Hans-Joachim Bieber: Gewerkschaften in Krieg und Revolution. Arbeiterbewegung, Industrie,
Staat und Militär in Deutschland 1914–1920. 2 Bde. Bd. 1. Hamburg 1981, S. 492–498.
5 fk [Fritz Kummer. – R. T.]: Zur Umwälzung in Russland. In: Metallarbeiter-Zeitung, Nr. 5 vom 2. Feb. 1918; Nr. 6
vom 9. Feb. 1918; Nr. 7 vom 23. März 1918.
6 A .Gr.: Aus der russ. Metallarbeiterbewegung. In: Internationale Metallarbeiter-Rundschau 13 (1918), Nr. 2; ders.:
Aus Finnland und Russland. In: Ebd., Nr. 3; ders.: Ein allrussischer Metallarbeiterkongress. In: Ebd., Nr. 5.
7 Insgesamt zur sozialdemokratischen Haltung gegenüber den Bolschewiki vgl. Peter Lösche: Der Bolschewismus
im Urteil der deutschen Sozialdemokratie 1903–1920. Berlin 1967.
8 Dazu Hoffrogge, Richard Müller, S. 53–61; Opel, Der Deutsche Metallarbeiter-Verband während des ersten Welt-
krieges und der Revolution, S. 73–75.

259
Reiner Tosstorff

Politik der Bolschewiki, die erst jüngst in ihrer ganzen Breite nach der Wiederentdeckung bisher
als verschollen gegoltener Zeitungen dokumentiert worden ist.9 Die verschiedenen Argumente
und Positionen sind hier aber nicht Thema, so dass der Verweis genügen muss, dass sich auf der
einen Seite in der USPD-Führung eine eher kritische Haltung zu den Bolschewiki herauskristalli-
sierte, während sich auf dem linken Parteiflügel, damals noch mit dem Spartakusbund im Mittel-
punkt, eine im Großen und Ganzen zustimmende Position entwickelte. Kaum über einen engs-
ten Kreis hinaus bekannt waren die Vorbehalte, die Rosa Luxemburg in ihrer Haft formulierte.
Doch wie verhielt sich Dißmann dazu? Darüber gibt es leider keine Informationen. Die nicht-
öffentlich durchgeführte Konferenz der USPD im September 1918 zu ihrer Haltung zu den Bol-
schewiki ist nicht nur nicht protokolliert worden, die wenigen nachher angefertigten Berichte
sind äußerst dürftig und lassen nur wenige Protagonisten erkennen. Es ist aber sehr wahrschein-
lich, dass Dißmann als Mitglieds des Beirats der USPD (dem Äquivalent für den SPD-Partei-
ausschuss), also einem zentralen Führungsgremium, an ihr teilnahm, ob er nun dort das Wort
ergriff oder nicht. Festzuhalten ist allerdings, da Dißmann kein Theoretiker war, dass es für ihn
es deshalb vor allem um die praktische Solidarität mit der russischen Revolution gegangen sein
dürfte. Und das bedeutete, dass man sie durch eine Massenbewegung für die Beendigung des
Kriegs in Westeuropa am besten ausüben würde. Dabei gilt allerdings für das gesamte Spektrum
der Linken, dass sie insofern durch das „russische Vorbild“ geprägt war, als dass die Schaffung von
Arbeiterräten in den Mittelpunkt rückte. Insofern kann man durchaus von einer Identifikation
mit der Entwicklung im bolschewistischen Russland reden, selbst wenn der Informationsstand
insbesondere in der breiten Masse der Aktivisten über die konkrete Situation dort sicherlich alles
andere als hoch war.

3) Dißmann und der DMV in der revolutionären Welle vom November 1918
bis zur Generalversammlung vom Oktober 1919
Nach Ausbruch der Novemberrevolution spielte Dißmann eine führende Rolle im Frankfurter
Arbeiterrat, der aus besonderen Gründen in dieser Stadt, nämlich lange ohne von Freikorps oder
Reichswehr bedroht zu sein, eine wichtigere und längere Rolle als woanders spielte, um aber
schließlich ebenfalls an der Ablehnung durch die SPD zu scheitern.10 Allerdings verlagerten sich
auch bald Dißmanns Prioritäten ganz auf die „Reichsebene“, denn schließlich gehörte er zum
weiteren Führungskreis der USPD. Dies galt insbesondere nach dem Linksruck, den die USPD
auf ihrem Parteitag im März 1919 erlebte.11 Dißmann war dort ein heftiger Kritiker der Versuche,
in klarem Widerspruch zu den Bolschewiki die Rekonstruktion der Zweiten Internationale in
Angriff zu nehmen. Wenn auch die Frage des direkten Zusammengehens mit den Bolschewiki –
zeitgleich fand der Moskauer Gründungskongress der Kommunistischen Internationale statt –

9 Vgl. Jörn Schütrumpf (Hrsg.): Diktatur statt Sozialismus. Die russische Revolution und die deutsche Linke
1917/18. Berlin 2017.
10 Vgl. dazu Erhard Lucas: Frankfurt unter der Herrschaft des Arbeiter- und Soldatenrats 1918/19. Frankfurt 1969.
11 Zur Entwicklung der USPD in dieser Zeit vor allem David W. Morgan: The Socialist Left and the German Revolu-
tion. A History of the German Independent Social Democratic Party, 1917–1922. Ithaca/London 1975; Robert
F. Wheeler: USPD und Internationale. Sozialistischer Internationalismus in der Zeit der Revolution. Frankfurt
a. M. u. a. 1975.

260
Deutsch-russische Wahrnehmungen und Wechselbeziehungen

noch unentschieden blieb, stand immerhin die überwältigende Mehrheit deutlich gegen eine
Abgrenzung von Sowjetrussland und sprach sich für eine „Internationale des Klassenkampfes“,
ohne Sozialpatrioten, aus. Ebenso deutlich war die Hinwendung zum Rätesystem als zentraler
programmatischer Forderung. Auf diesem Parteitag wurde allerdings auch klar, dass Dißmanns
zentrale Aufgabe nun in einer Art Koordination des gewerkschaftlichen Einflusses der USPD
bestand und nicht so sehr in der unmittelbaren Fortführung dessen, was von der Rätebewegung
übriggeblieben war.
Tatsächlich durchlebte die deutsche Gewerkschaftsbewegung in den ersten Monaten dieses Jah-
res eine gewaltige Erschütterung.12 In vielen unteren Gliederungen wurden die mit der SPD ver-
bundenen Führungen abgewählt. An ihre Stelle traten überwiegend USPD-Mitglieder (und nur
in wenigen Fällen auch Mitglieder der KPD, die zu dieser Zeit nur über geringen gewerkschaftli-
chen Einfluss verfügte). Darin drückte sich zum einen die Abrechnung mit der Burgfriedenspo-
litik aus, aber mindestens genauso die Enttäuschung über die ausgebliebene soziale Umwälzung
im Gefolge des politischen Umbruchs. Stattdessen hatte es die Gewalterfahrung durch das Vor-
gehen von Freikorps und Reichswehr gegeben. Die Räte verloren ihren politischen Gestaltungs-
anspruch und ihr betrieblicher Einfluss wurde zurückgedrängt.
Auf dem allgemeinen Gewerkschaftskongress in Nürnberg vom 30. Juni bis 5. Juli 1919, auf dem
die Generalkommission durch den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) abge-
löst wurde, konnte sich diese organisatorisch-politische Umwälzung aufgrund seiner Struktur,
die die kleinen berufsorientierten Einzelgewerkschaften bevorzugte, nur begrenzt ausdrücken.13
Hier war jedenfalls schon Dißmann der Wortführer, der im Namen der durch die USPD be-
stimmten Opposition dem Gewerkschaftsvorsitzenden Carl Legien entgegentrat. Zwar konnte er
nur für ein Drittel der Delegierten sprechen, die jedoch an die vierzig Prozent der Mitgliedschaft
vertraten. Auch hier galt: es ging bei den Auseinandersetzungen um die konkreten Erfahrungen
und Forderungen in Deutschland, wobei jedoch die russische Revolution im Hintergrund stand,
allenfalls als, je nach Standpunkt, positives oder negatives Beispiel beschworen.
Eine größere Rolle spielte die Opposition dann auf dem Gewerkschaftstag des DMV, der vom
13. bis 23. Oktober in Stuttgart stattfand.14 Denn hier dominierte nun sie. Es waren die Metallar-
beiter, wo sich die Opposition am stärksten hatte durchsetzen können. Hier waren die meisten
lokalen Führungswechsel nach heftigen Kämpfen durchgesetzt und entsprechend die Delegier-
ten gewählt worden. Daran hatten auch mehrmalige Versuche des bisherigen Vorstandes, darin
einzugreifen – er sprach sogar von „terroristischen Methoden“ der Opposition –, nichts ändern
können. Viele der großen Zentren der Metallindustrie und das heißt vor allem der ehemaligen
Rüstungsindustrie waren nun von der USPD beherrscht. Ca. drei Fünftel der Delegierten des
Gewerkschaftstags unterstützten die verschiedenen Resolutionen der Opposition, wobei die al-

12 Dazu neben Bieber, Gewerkschaften in Krieg und Revolution, vor allem Heinrich Potthoff: Gewerkschaften und
Politik zwischen Revolution und Inflation. Düsseldorf 1979.
13 Zum Ablauf vgl. Protokoll der Verhandlungen des zehnten Kongresses der Gewerkschaften Deutschlands. Abge-
halten zu Nürnberg vom 30. Juni bis 5. Juli 1919. Berlin 1919.
14 Dazu vgl. Die vierzehnte ordentliche Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes in Stutt-
gart 1919. Abgehalten vom 13. bis 23. Oktober im großen Saale des Stadtgarten. Stuttgart 1919.

261
Reiner Tosstorff

lermeisten Delegierten das USPD-Mitgliedsbuch hatten. Die KPD verfügte nur über eine geringe
Präsenz. Im Ergebnis wurde die alte Führung abgewählt und eine neue unter Leitung von Robert
Dißmann – formal nur einer von drei Vorsitzenden – bestimmt.
Neben zahlreichen organisationsrelevanten Beschlüssen wurden zwei Resolutionen angenom-
men (zum Vorstandsbericht und zur Frage der Arbeitsgemeinschaft mit den Unternehmern), in
denen zwar die gewerkschaftliche Organisationsform, allerdings auf einer klassenkämpferischen
Grundlage, verteidigt, zugleich aber auch in allgemeinen Worten das Rätesystem gefordert wur-
de. Das Verhältnis zueinander blieb jedoch nur sehr ungenau bestimmt. Dahinter verbargen sich
grundlegende Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Opposition, die bald dann auch auf-
brechen sollten.
Auch hier stellte die russische Revolution den Subtext für die Auseinandersetzungen um die
deutschen Fragen dar. Sie wurde allerdings auch direkt angesprochen, als einer der wenigen kom-
munistischen Delegierten eine Resolution einbrachte, die sich direkt mit ihr solidarisierte. Auf
dem Höhepunkt des Bürgerkriegs war sie eine Erklärung der Sympathie und der Solidarität und
ein Aufruf an die Arbeiter in den alliierten Ländern, die von dort ausgehende Intervention zu-
gunsten der Weißen zu verhindern. Ohne dass das inhaltlich zu einem Bekenntnis zur gesamten
Politik der Bolschewiki ausformuliert worden war, lief die Resolution doch darauf hinaus, sich
eindeutig zu positionieren. Dies brachte umgehend den Wortführer der SPD-Delegierten zu ei-
nigen Anmerkungen, wobei er zwar ebenfalls die Intervention verurteilte. Er lobte das Verhalten
der Reichsregierung, die das genau vertrete, warnte aber doch davor, sich auch politisch festzule-
gen, d. h. sich mit den Bolschewiki konkret zu solidarisieren. Dies wiederum zwang Dißmann zu
einer Erklärung. Man könne zwar über die Formulierungen im Einzelnen streiten. Man hätte die
Resolution angesichts des Themas am besten ohne Diskussion angenommen. Leider sei es auch
mit dem deutschen Verhalten nicht so eindeutig, wie das Geschehen von Brest-Litowsk bis hin
zur Entsendung von Truppen in das Baltikum bewiesen habe. „Die Frage, ob das russische Volk
die Sowjetregierung will, überlassen wir den Russen selbst zur Beurteilung. Die Frage Rußlands
ist eine Frage des gesamten Proletariats. Fällt die russische Sowjetregierung – und die Gefahr
besteht bei dem planmäßigen Vorgehen der ganzen Welt – dann ist das ein Schlag für das Proleta-
riat aller Länder. Ich bitte deshalb auch die Kollegen, die politisch nicht auf unserm Standpunkt
stehen, zu bedenken, daß man mit dem Vorgehen gegen Rußland die Revolutionäre überhaupt
treffen will.“15 Nach diesem Appell wurde die Resolution gegen zwei Stimmen angenommen. Sie
war zweifellos symptomatisch für die westeuropäische Arbeiterbewegung in jenen Monaten, in
denen eine Solidarisierung mit Sowjetrussland breite Zustimmung über politische Organisati-
onszugehörigkeiten hinaus fand.
Die Bedeutung dieses Gewerkschaftstags lag aber vor allem in den Auswirkungen auf die deut-
sche Gewerkschaftsbewegung. Zum ersten – und einzigen Male – wurde eine Gewerkschaftsfüh-
rung durch eine Bewegung von unten gestürzt. Das war eng mit dem Aufschwung der USPD seit
Anfang 1919 verbunden, sollte aber mit ihrer Spaltung im Oktober 1920 enden. Letztlich wurde
damit weder die Einheit der deutschen Gewerkschaftsbewegung gefährdet, noch ihre Ausrich-

15 Ebd., S. 313.

262
Deutsch-russische Wahrnehmungen und Wechselbeziehungen

tung grundsätzlich geändert. Das war jedoch bei den Protagonisten in jener Zeit nicht unbedingt
die Erwartung oder zumindest die Absicht.
Diese Situation in ihrer Widersprüchlichkeit nicht richtig eingeschätzt zu haben, war auf jeden
Fall das Problem der Bolschewiki. Dort hielt man die beinahe Einstimmigkeit, mit der diese Er-
klärung angenommen worden war, gleich auch für eine ebenso breite Solidarisierung mit dem
politischen Kurs der Bolschewiki. Das war jedenfalls der Eindruck, den der Schweizer Kommu-
nist Fritz Platten in einem Artikel in einer neuen Zeitschrift der sowjetischen Gewerkschaften
über die internationale Gewerkschaftsbewegung vermittelte.16 Damit waren die Erwartungen in
Moskau sehr hoch gehängt, unrealistisch hoch, denn man vermutete nun eine viel tiefere Ra-
dikalisierung der deutschen Gewerkschaftsbewegung, als es sie tatsächlich gab. Das hätte man
eigentlich schon aus den Worten Dißmanns heraushören können, wonach man über einzelne
Formulierungen der Resolution streiten könne und sowieso die russische Entwicklung in Russ-
land bestimmt werde.
Eine solche Einstellung implizierte im Übrigen, dass die Entwicklung in anderen Ländern auch
jeweils dort bestimmt würde. Doch in Moskau herrschte noch die Erwartung auf eine unmittel-
bar bevorstehende Weltrevolution vor, mit Deutschland als ihrem Zentrum und entsprechend
dem bolschewistischen Modell. Angesichts dieses Erwartungshorizontes liegt es nahe, dass er
im Falle des Nichteintretens der Weltrevolution nicht nur in eine allgemeine Enttäuschung um-
schlagen musste, sondern sicher auch in eine scharfe Schuldzuweisung an denjenigen mit sich
bringen würde, die scheinbar erst diese Erwartung erweckt hatten, dann aber offensichtlich die
Verantwortung für das Scheitern trugen, also für den „Verrat“.

4) Der DMV in der Zerreißprobe über die Rätefrage


Mit der neuen Führung nahm die Metallarbeiterzeitung umgehend eine linkere, „klassenkämpfe-
rische“ Ausrichtung an, ohne allerdings die Ausprägung einer Gewerkschaftszeitung für eine be-
stimmte Berufsgruppe aufzugeben. Nun rückten auch stärker internationale Themen, vor allem
zu Arbeitskämpfen und gewerkschaftlichen Entwicklung, in den Blickpunkt.
Und so begann man auch in der Nr. 10 v. 6. 3. 1920 mit dem Abdruck eines längeren Berichts
von Aleksej Rykov über den Stand der sowjetischen Ökonomie auf dem dritten Kongress der
Volkswirtschaftsräte im Januar 1920. Die Bolschewiki seien keineswegs gestürzt, wie das stän-
dig prophezeit worden sei, begründete die Redaktion diese lange Veröffentlichung über zwei
Nummern. Aber man wisse wenig über die wirtschaftliche Situation, über die die bürgerliche
Presse nur tendenziös berichte. Deshalb habe man sicher die Zustimmung der Leserschaft für
den großen Raum, den die Veröffentlichung einnehme. In einer weiteren Nummer wurde ein
zusätzlicher Bericht zum Stand des Transportwesens veröffentlicht. Nicht zuletzt verteidigte man
die sowjetische Entwicklung in einer Polemik gegen die Zeitung der christlichen Metallarbeiter-
gewerkschaft, die die Organisierung der „Arbeitsarmeen“ in Sowjetrussland angegriffen hatte.
Das sei ein Schritt zur sozialistischen Arbeitsorganisation, da sie alle nach ihren Möglichkeiten
erfasse, damit auch die bourgeoisen Müßiggänger und Saboteure.

16 S’ ’ezd Germanskogo sojuza metallistov. In: Meždunarodnoe rabočee dviženie 1920, Nr. 1–2 (maj).

263
Reiner Tosstorff

Doch in der Zwischenzeit bahnte sich ein heftiger Konflikt in der linken Mehrheit des DMV
an, der Hand in Hand ging mit den Auseinandersetzungen innerhalb der USPD.17 Dabei ging
es beim gewerkschaftlichen Aspekt dieser Flügelkämpfe um das weitere Verhältnis der Räte zu
den Gewerkschaften. Nachdem die Arbeiterräte als politische Funktionsträger durch die frühe
Entscheidung zur Wahl einer Nationalversammlung bereits im Dezember 1918 obsolet gewor-
den waren, wirkten sie in den Betrieben als wirtschaftliche Arbeiterräte weiter. Ohne dass hier
der weitere Weg zu der gesetzlichen Einhegung der Betriebsräte angezeigt werden kann, deren
blutiger Höhepunkt die Demonstration am 13. Januar 1920 vor dem Reichstag darstellte, sei hier
nur betont, dass diese Entwicklung auf scharfen Widerstand der USPD und natürlich auch des
DMV gestoßen war, wie zahlreiche Artikel in der Metallarbeiterzeitung zeigen. Doch mit der
Verabschiedung des Gesetzes galt es nun, damit umzugehen.
Die Zerreißprobe für den DMV entstand dadurch, dass ein Teil, angeführt von dem Exponenten
der Rätebewegung unter den Metallgewerkschaftern, Richard Müller, der in der neuen Führung
seit Oktober 1919 den Schriftleiter der Metallarbeiterzeitung stellte, nun versuchte, die „übrig-
gebliebenen“ Betriebsräte in einer selbständigen Organisationsform zu sammeln. Die Führung
des DMV mit dem in dieser Frage unermüdlich wirkenden Robert Dißmann setzte dagegen
mehr oder weniger im Einklang mit den mehrheitssozialdemokratischen Gewerkschaftsführern
darauf, sie unter dem Dach der Gewerkschaften – und das heißt unter ihrer Kontrolle – zusam-
menzufassen.
Die Erwartung des linken Flügels war, durch eine Selbständigkeit, die auch die Zusammenarbeit
mit nicht-gewerkschaftlichen (v. a. syndikalistischen) Betriebsräten umfasste, bei einer neuen re-
volutionären Welle über die bessere Voraussetzung zu verfügen, daraus erneut politische Arbei-
terräte wie vom November 1918 zu schaffen. Dagegen erwarteten die Gewerkschaftsführungen
nicht nur nicht einen solchen revolutionären Aufschwung in naher Zukunft, sondern wollten vor
allem die konkrete Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und Gewerkschaften in den alltäg-
lichen betrieblichen Auseinandersetzungen und nicht zuletzt in den Tarifkämpfen reibungslos
organisieren. Dieser Konflikt bewegte über Monate die Gremien nicht nur des DMV, sondern
ganz allgemein der deutschen Gewerkschaftsbewegung und gipfelte in einer vom ADGB ein-
berufenen Reichsbetriebsrätekongress vom 5. bis 7. Oktober 1920.18 Hier setzten sich die ge-
werkschaftlichen Führungen und damit auch Dißmann mit deutlicher Mehrheit durch. Damit
war bereits die Polarisierung vorweggenommen, die auf dem unmittelbar im Anschluss daran
stattfindenden USPD-Parteitag in Halle zur Spaltung führen sollte.

5) Eine Begegnung mit Šljapnikov


Dabei hatte sich Dißmann ironischerweise bei den Auseinandersetzungen während der Monate
zuvor sogar bemüht, die Bolschewiki für seine Argumentation heranzuziehen. Dazu waren in

17 Zu den Flügelkämpfen im DMV vgl. Günther Högl: Gewerkschaften und USPD von 1916–1922. Ein Beitrag zur
Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung unter besonderer Berücksichtigung des Deutschen Metallarbeiter-,
Textilarbeiter- und Schuhmacherverbandes [Dis.]. München 1982.
18 Vgl. Protokoll der Verhandlungen des Ersten Reichskongresses der Betriebsräte Deutschlands. Abgehalten vom
5. – 7. Oktober 1920 zu Berlin. Berlin 1920.

264
Deutsch-russische Wahrnehmungen und Wechselbeziehungen

der neu geschaffenen Betriebsrätezeitschrift des DMV unter dem beredten Titel „Die Stellung
der Gewerkschaften in Sowjetrußland“ Resolutionen verschiedener sowjetrussischer Gewerk-
schaftskongresse von 1917/18 veröffentlicht worden, in denen die Eingliederung der damaligen
russischen Form der Betriebsräte, der Fabzavkomy, in die Gewerkschaftsstrukturen gefordert
worden war.19 Damit war es der bolschewistischen Gewerkschaftsführung auch um die Ausschal-
tung des Einflusses der Anarchosyndikalisten gegangen, deren Hochburg die Fabrikkomitees
darstellten.20 Die Betriebsrätezeitschrift, für die Dißmann verantwortlich zeichnete, polemisierte
im Vor- und Nachspann gegen die Vertreter der sogenannten selbständigen Betriebsrätebewe-
gung und berief sich nun auf das russische Beispiel.
Daraufhin begann Richard Müller in der Metallarbeiterzeitung, deren Schriftleiter er ja war, mit
der Veröffentlichung einer vom Vorsitzenden des russischen Metallarbeiterverbandes, Aleksan-
dr Šljapnikov,21 verfassten Darstellung „Aus der Gewerkschaftsbewegung in Sowjetrußland“.22
In der redaktionellen Vorbemerkung zum ersten der insgesamt sechs Teile hieß es, scharf ge-
gen die Betriebsräte-Zeitschrift gewandt, sie zeige, die Sowjetherrschaft und die „sozialisierte
Volkswirtschaft baut sich auf und stützt sich auf die Arbeiter- und Bauernräte. Die Gewerk-
schaften sind die Organe der Betriebsräte.“ Doch unmittelbar darauf war Müller gezwungen,
von der Schriftleitung zurückzutreten. Unter dem neuen Redakteur setzte die Metallarbeiter-
zeitung allerdings die Veröffentlichung fort. Im Anschluss an die letzte Folge kam diese auf die
Vorbemerkung Müllers zurück. Der gesamte Text Šljapnikovs zeige, dass die Gewerkschaften
die wirtschaftliche Macht halten würden. Dieses russische Organisationsystem sichere der Ar-
beiterklasse die Macht und unterscheide sich somit grundlegend vom „Räterummel“ und den
„Rätevereinchen“ in Deutschland.
Bekanntlich hatten weder Dißmann noch Müller recht und bezeichnenderweise war bei keinem
der beiden von der Partei die Rede. Es gibt auch keinen Kommentar von Šljapnikov zu seiner
konträren Indienstnahme durch die beiden Flügel im DMV bzw. der USPD. Vermutlich erfuhr
davon nicht. Doch hätte er wohl, bei allen spezifischen Positionen, die er bald im Namen der
„Arbeiteropposition“ für die Führung der Betriebe in Russland durch die Gewerkschaften rekla-
mierte, Dißmann sicher entgegengehalten, er habe seine Haltung von der Stellung als Gewerk-
schaftsführer einer sozialisierten Metallindustrie aus formuliert, während Dißmann zunächst
einmal den Kapitalismus stürzen müsse.
Doch was war überhaupt der Anlass dafür, ausgerechnet Šljapnikov zu bemühen, der zwar die
russische Metallarbeitergewerkschaft leitete, aber ansonsten innerhalb der bolschewistischen
Führung nicht zum allerengsten Kern gehörte? Tatsächlich hatte Šljapnikov im März eine Rei-
se nach Skandinavien begonnen, um dort auf verschiedenen, auch internationalen Kongressen,
eine Verbindung zwischen der russischen und der internationalen Gewerkschaftsbewegung her-

19 Die Stellung der Gewerkschaften in Sowjetrußland. In: Betriebsräte-Zeitschrift 1 (1920), S. 97–103.


20 Vgl. dazu Gennady L. Shkliarevsky: Labor in the Russian Revolution. Factory Committees and Trade Unions,
1917–1918. New York 1993.
21 Inzwischen liegt eine quellengestützte neuere Biographie vor: Barbara C. Allen: Alexander Shlyapnikov, 1885–
1937. Life of an Old Bolshevik. Chicago 2017.
22 Metallarbeiter-Zeitung Nr. 25 vom 19. Juni 1920 – Nr. 31 vom 31. Juli 1920.

265
Reiner Tosstorff

zustellen.23 Ziel war dabei die russische Mitgliedschaft in den internationalen Gewerkschaftsor-
ganisationen. Neben der Internationalen Transportarbeiterföderation betraf das vor allem den
Internationalen Metallarbeiterbund, dessen vor dem Krieg gewählter Sekretär noch immer der
1919 abgewählte DMV-Vorsitzende Schlicke war, weil noch kein neuer Kongress stattgefunden
hatte. Es begann ein Tauziehen um seine Einberufung. Man warf ihm vor, einen solchen zu ver-
hindern, weil er eine Linkswendung des IMB aufhalten wolle. Es gab aber auch große organisa-
torische Schwierigkeiten dafür wie Visaprobleme, Bestimmung eines Orts, wohin Delegierte aus
allen Ländern kommen könnten und nicht zuletzt die Schwierigkeit, einen gemeinsamen Termin
zu finden. Von Skandinavien aus kam Šljapnikov Ende April nach Deutschland. Dort führte er
eine Reihe von Gesprächen mit dem DMV-Vorstand und der USPD-Leitung und trat auch auf
Veranstaltungen auf. Er übergab zahlreiche Dokumente zur russischen Gewerkschaftsbewegung,
aus denen die erwähnten Veröffentlichungen in den DMV-Organen wurden. Weiteres Material
wurde von KPD-nahen Verlagen veröffentlicht.
In den Besprechungen mit Dißmann und dem DMV-Vorstand schälte sich der gemeinsame Wille
heraus, möglichst bald den IMB auf einem Kongress seiner Mitgliedsorganisationen wieder zu
beleben, auch mit russischer Mitgliedschaft. Doch aus einer Reihe von Gründen, die von den
Reichstagswahlen in Deutschland am sechsten Juni bis zu Problemen der britischen Metallar-
beitergewerkschaft reichten, musste der Termin immer wieder verschoben werden. Auf einer
Vorbesprechung im Juni in Kopenhagen legte man endgültig den Beginn auf den 20. August am
selben Ort fest. Der dänische Metallarbeiterverband versprach, einer russischen Delegation die
Visen für die Teilnahme zu besorgen, worauf Šljapnikov erst einmal zuversichtlich zu Beratungen
mit der Führung des russischen Metallarbeiterverbandes zurückkehrte. Doch die Erwartungen
trogen. Dänische Visen wurden an die nun mal als Revolutionäre geltenden russischen Gewerk-
schafter nicht gegeben. Šljapnikov, der sich inzwischen schon in Norwegen aufhielt, musste un-
verrichteter Dinge zurückkehren. Damit war der russische Metallarbeiterverband nicht als Mit-
glied an der Wiedergründung des IMB beteiligt.24
Dabei war einer seiner Vorläufer, die Petrograder Metallarbeitergewerkschaft, schon 1913 bei-
getreten. Es begann nun eine jahrelange Diskussion darüber, ob doch noch eine Mitgliedschaft
möglich sei. Diese Diskussion war dabei keineswegs auf die Metallarbeiter beschränkt. Fast alle
Internationalen Berufssekretariate, die internationalen gewerkschaftlichen Branchenverbän-
de, diskutierten bis zur Wende in der internationalen kommunistischen Politik in den Jahren
1928/29 diese „russische Frage“, doch nur in einem einzigen Fall, bei den Lebensmittelarbei-
tern, führte dies auch vorübergehend zu einer russischen Mitgliedschaft.25 Ob eine vergleichbare
Entwicklung vor allem bei den großen Verbänden wie den Metall- oder Transportarbeitern eine
Auswirkung auf die innersowjetische Entwicklung gehabt hätte, bleibt natürlich eine rein hypo-
thetische Frage. Ganz ohne Konsequenzen wäre sie sicherlich nicht geblieben.

23 Zu seiner Europa-Reise vgl. Allen, Alexander Shlyapnikov, S. 151–155; Reiner Tosstorff: Profintern. Die Rote
Gewerkschaftsinternationale 1920–1937. Paderborn u. a. 2004, S. 123–128.
24 Tosstorff, Profintern, S. 300–303.
25 Zu dieser Streitfrage, die auf vielen Kongressen der Internationalen Berufssekretariate in den zwanziger Jahren
abgehandelt wurde, vgl. ebd., S. 477–497; 547–576; 631 f.

266
Deutsch-russische Wahrnehmungen und Wechselbeziehungen

6) Die Streitfrage der Internationale(n)


Doch Šljapnikovs Besuch in Deutschland hatte auch noch eine andere Seite. Er wirkte auch für die
im März 1919 gegründete Kommunistische Internationale und führte Gespräche mit der USPD-
Führung über deren Anschluss. Dies war Thema einer heftigen interparteilichen Diskussion, die
hier im Einzelnen nicht nachgezeichnet zu werden braucht.26 Hatte die USPD sich im Febru-
ar 1919 noch an der Konferenz in Bern, die zur Wiedergründung der Internationale führen sollte,
beteiligt, so führte die innerparteiliche Radikalisierung sehr schnell dazu, jedes Zusammengehen
mit den „Arbeiterverrätern“ des Burgfriedens auf beiden Kriegsseiten zu verwerfen. Man solle
Mittel und Wege zum Anschluss an Moskau finden, sagte etwa Dißmann Anfang August 1919.
Doch wie das genau zu verwirklichen sei, wurde schnell zu einem Streitpunkt und führte zu einer
Differenzierung innerhalb der USPD. Die ab 1918 gegründeten kommunistischen Parteien in
Westeuropa waren klein und erfolglos geblieben. Stattdessen gab es sich radikal nach links hin
entwickelnde Massenparteien, die aus der Sozialdemokratie kamen, an erster Stelle die USPD,
aber keineswegs nur sie. Eine neue revolutionäre Internationale müsse die russische Revolution
mit den Bolschewiki an der Spitze mit der westeuropäischen Arbeiterbewegung zusammenbrin-
gen. Nur das würde zu einer „sozialrevolutionären Internationale“ führen, die die Massen hinter
sich hätte. Ein unmittelbarer Anschluss an Moskau würde stattdessen eine Abkoppelung von der
Radikalisierung in Westeuropa bedeuten.
Dißmann unterstützte diese Konzeption einer Ost und West umfassenden Internationale in der
die USPD zunehmend bewegenden Auseinandersetzung um die Internationale, deren Wort-
führer in der Partei allerdings andere waren. Sein Metier stellte seit der Führungsübernahme im
DMV die Gewerkschaften dar. Da die dortigen Protagonisten in der Auseinandersetzung über
die Räte ja oftmals „in Personalunion“ USPD-Mitglieder waren, überlagerten sich beide Diskus-
sionen. Die Anhänger der selbständigen Räteorganisation waren auch diejenigen, die den sofor-
tigen Anschluss an die dritte Internationale forderten, während die Vertreter der Einbindung der
Räte in die gewerkschaftlichen Strukturen sich hierzu zögerlich verhielten, sicher auch mit Blick
auf die Entwicklung der westeuropäischen Arbeiterbewegung und speziell der Gewerkschaften.
Letztlich standen dahinter auseinanderstrebende grundsätzliche Konzeptionen. Es deutete sich
im Sommer 1920 an, dass die Entscheidung über die weitere Entwicklung in beiden Fragen aber
in der Partei fallen würde. Genau genommen würde dazu erst in Moskau, auf dem für Juli 1920
einberufenen Kongress der Kommunistischen Internationale, beraten werden.
Dessen Ergebnis ist bekannt: Es wurden die „21 Bedingungen“ für die Mitgliedschaft angenom-
men, mit denen die Umwandlung aller beitrittsinteressierter Parteien – die USPD dabei an der
Spitze – in kommunistische gefordert wurde. Das geschah – wenige Tage nach dem gewerkschaft-
lichen Betriebsrätekongress – durch die Abstimmung auf dem Hallenser Parteitag der USPD vom
12. bis 17. Oktober 1920, der zur Spaltung der Partei führte. Während eine Mehrheit sich mit der
KPD vereinigte, verblieb die Minderheit als selbständige Partei. Kern dieser Minderheit war der
Gewerkschaftsflügel, nicht nur, aber vor allem aus dem DMV mit Robert Dißmann an der Spitze.
Er war zwar nicht unbedingt der wichtigste Protagonist bei den Auseinandersetzungen gewesen.

26 Vgl. dazu Wheeler, USPD und Internationale.

267
Reiner Tosstorff

Aber als Repräsentant der größten Gewerkschaft wurde er von dem nach Halle gereisten Vorsit-
zenden der Komintern, Grigorij Zinov’ev, direkt attackiert.
Dabei hatte die Auseinandersetzung für die Gewerkschafter und die Metaller insbesondere noch
einen zusätzlichen Aspekt über den bloßen Beitritt zur Komintern hinaus angenommen. Die
Russen waren bei den Gesprächen am Rande des zweiten Kominternkongresses im Juni/Juli in
Moskau daran gegangen, wenn auch ohne allzu klares Konzept, den Grundstein zu einer revoluti-
onären Gewerkschaftsinternationale (d. h. eines Dachverbandes nationaler Gewerkschaftsbünde
im Unterschied zu den internationalen Branchenorganisationen) aufzuwerfen, die im Gegensatz
zum westlichen, sozialdemokratisch dominierten Internationalen Gewerkschaftsbund stehen
sollte, also faktisch auf deren Spaltung hinauslaufen musste.27
Damit war auf der gewerkschaftlichen Ebene ein zusätzlicher Bruchpunkt geschaffen. In Kopen-
hagen, auf dem internationalen Metallarbeiterkongress, war dies noch nicht bekannt gewesen,
zumal Šljapnikov abwesend war, und so hatte es keinen Streit darüber gegeben. Doch schon im
Oktober sah das anders aus. Denn zusätzlich zu dem zum Hallenser USPD-Parteitag entsand-
ten Komintern-Vorsitzenden Zinov‘ev war dort auch der wichtigste bolschewistische Gewerk-
schaftsfunktionär für die Schaffung dieser neuen Gewerkschaftsinternationale, S. A. Lozovskij,28
anwesend. Er hatte auch schon auf dem gewerkschaftlichen Betriebsrätekongress unmittelbar vor
dem USPD-Parteitag das Wort ergriffen. Beide Male warb er unter heftigen Angriffen auf die
„verräterischen Gewerkschaftsführer“ im Westen für seine zukünftige Gewerkschaftsinternatio-
nale. Im Ergebnis kam es, wie man in den Protokollen beider Kongresse im Einzelnen nachlesen
kann, zu lautstarken und drastischen Wortwechsel. Das führte unmittelbar zur Vertiefung der
Gräben in den Gewerkschaften wie auch der USPD und beschleunigte die Spaltungsdynamik.
Für Monate nun war nicht nur die deutsche Gewerkschaftsbewegung durch diese Auseinander-
setzung um den Anschluss an die neue „Rote Gewerkschaftsinternationale“ (Profintern) in Mos-
kau in Beschlag genommen.
Dißmann war dabei nicht nur in Deutschland, sondern auch in der internationalen Gewerk-
schaftsbewegung in dieser Zeit deren heftiger Gegenspieler, so dass ihn Zinov‘ev schon in seinem
Bericht über Halle als zukünftigen Noske der nächsten Welle der deutschen Revolution angriff.29
Innerhalb zunächst des DMV setzten diese kommunistischen Angriffe allerdings auf der anderen
Seite auch eine Art Wiederannäherung zwischen SPD und der verbliebenen USPD in Gang. Mit
einer Verzögerung, wobei dazu aber auch viele andere Faktoren aus der deutschen Innenpoli-
tik zu berücksichtigen wären, folgte auch die politische Ebene mit einer Wiedervereinigung von
SPD und USPD im September 1922.

27 Zu diesem ganzen Komplex vgl. Tosstorff, Profintern.


28 Zu ihm liegt jetzt eine umfangreiche Biographie vor, die aber leider seine internationalen gewerkschaftlichen Ak-
tivitäten ungenügend beleuchtet. Vladimir M. Šamberg: Lozovskij. Moskva 2012.
29 G. Sinowjew: Zwölf Tage in Deutschland. Hamburg 1921, S. 14.

268
Deutsch-russische Wahrnehmungen und Wechselbeziehungen

7) Schlussbemerkungen
Doch wäre es falsch, hier schon gleich einen Schlussstrich zu ziehen. Tatsächlich blieb vieles
offen. Die Annäherung Dißmanns und der von ihm repräsentierten ehemaligen USPDler an
die SPD-Gewerkschafter endete bald in Enttäuschung, nicht zuletzt wegen des Unwillens des
ADGB, die Betriebsräte auch tatsächlich im gewerkschaftlichen Rahmen aktiv zu organisieren.
Da zudem die Komintern bzw. die KPD eine Wende im Jahre 1921 zur „Einheitsfrontpolitik“
vollzog, ergaben sich dadurch neue Möglichkeiten, die hier allerdings in ihren Elementen nicht
mehr nachgezeichnet werden können. Das betraf auch die Frage einer Kooperation mit der rus-
sischen Metallarbeitergewerkschaft, von deren Führung Šljapnikov inzwischen allerdings bereits
entfernt war. Dißmann war nun ein Protagonist dabei, eine Verständigungsmöglichkeit auszulo-
ten, insbesondere auf dem Höhepunkt der Inflationskrise im Jahre 1923. Mit dem Gewicht des
Vorsitzenden der stärksten deutschen Einzelgewerkschaft im Rücken wurde er nach der Wie-
dervereinigung von USPD und SPD einer der einflussreichsten Wortführer des neuformierten
linken Flügels in der SPD. Diese Entwicklung liegt aber nun schon ganz außerhalb des Themas
dieses Papiers und wurde zudem durch seinen überraschenden frühen Tod Ende Oktober 1926
plötzlich abgebrochen, was auch seine stiefmütterliche Behandlung in der Historiographie der
Weimarer Republik und speziell ihrer Arbeiterbewegung mit erklärt.
Robert Dißmann war alles andere als ein Theoretiker, sondern ein aus der industriellen Fachar-
beiterschaft hervorgegangener rastloser Organisator und Agitator, dem selbst von der KPD eine
charismatische Stellung in seinem Milieu bescheinigt wurde.30 Damit war er repräsentativ für
das Fundament, auf dem die deutsche Sozialdemokratie zur Massenpartei nach 1890 geworden
war. Weniger repräsentativ – im gewissen Sinne sogar ganz untypisch zu den meisten hauptamt-
lichen Gewerkschaftsfunktionären, die in der SPD aktiv waren – war seine spezifisch linkssozi-
alistische Haltung zwischen reformistischer Sozialdemokratie und sich bolschewisierender und
stalinisierender KP, geprägt vor allem auch von seinen Erfahrungen in der Novemberrevolution.
Dabei stellte die russische Revolution immer einen Subtext dar, der in vielfacher Weise einwirkte.
Am direktesten spürbar war das zweifellos durch das konkrete Verhalten der KPD, aber es wirkte
auch in vielfacher Weise auf das Verhalten des DMV, seine Taktik in Deutschland, aber auch in
den internationalen Gewerkschaftsbeziehungen – alles Aspekte, mit denen sich Dißmann immer
wieder auseinandersetzen musste. Insofern kann man die verschiedenen Entwicklungen und Dy-
namiken von USPD bzw. linker SPD wie auch des DMV nicht ohne diesen „russischen Subtext“
verstehen. Dabei war Dißmann ein wichtiger Protagonist.

30 Im Nachruf des KPD-Zentralorgans Die Rote Fahne vom 2. Nov. 1926 hieß es: „Innerhalb des Vorstandes war er
neben den übrigen absoluten Nullen die einzige Ziffer.“

269
Irina Kukuškina

Die Deutsche Revolution und die österreichische Sozialdemokratie

Die Revolutionen in Deutschland und Österreich 1918/1919 begannen praktisch zeitgleich und
wiesen viele Parallelen auf, vor allem: die Ausrufung einer Republik und der Aufstieg der Sozial-
demokraten an die Macht sowie die Durchführung von demokratischen und sozialen Reformen.
Gleichzeitig gab es auch grundlegende Unterschiede: Während Deutschland seine Staatlichkeit
behielt, zerfiel Österreich-Ungarn. Zudem beschädigte der von den Siegern des Ersten Weltkrie-
ges diktierte Friedensvertrag von Versailles das Nationalgefühl der Deutschen und brachte letz-
ten Endes Hitler an die Macht und einen neuen Krieg, wogegen der Vertrag von Saint-German
mit Österreich die Errichtung eines österreichischen Nationalstaates begünstigte.1
Im Herbst 1918 sahen die österreichischen Sozialdemokraten eine solche Perspektive jedoch
noch nicht. Es war bereits absehbar, dass sich der Krieg dem Ende näherte, und zwar ohne güns-
tigen Ausgang für die Mittelmächte und dass die verschiedenen Völker des Reiches zwar vom
Befreiungskampf um ihre Selbstbestimmung erfasst waren, das Schicksal der deutschsprachigen
Bevölkerung Österreich-Ungarns jedoch ungewiss blieb. Die österreichischen Sozialdemokraten
verfolgten die Geschehnisse in Deutschland aufmerksam, was sich auch in Parteiblättern wie der
„Arbeiter-Zeitung“ und in der theoretischen Zeitschrift „Der Kampf “ widerspiegelte. Die öster-
reichische sozialdemokratische Presse legte ihren Lesern nicht nur die Ereignisse im Nachbar-
land dar, sondern bewertete sie auch. In der geschichtswissenschaftlichen Literatur gibt es nach
wie vor keine spezifische Arbeit, die die Bewertung der deutschen Revolution von 1918/1919
durch die österreichischen Sozialdemokraten untersucht hätte, wenngleich einzelne Aspekte die-
ser Problematik hinreichend beleuchtet wurden. Vor allem betrifft dies den Anschluss (die An-
gliederung der deutschen Teile der österreich-ungarischen Monarchie an Deutschland).2
Allerdings ist dieser Aspekt unserer Ansicht nach Teil eines größeren Problems, das mit den Re-
volutionen nach dem Ersten Weltkrieg in beiden Ländern und mit ihren Gemeinsamkeiten bzw.
Besonderheiten zusammenhängt. Die Erforschung der Bewertung der Deutschen Revolution

1 Siehe ausführlicher I. A. Kukuškina: Revoljucii v Germanii (1918–1919) i Avstrii (1918–1920): opyt


sravnitel’nogo analiza. In: Ėlektronnyj naučno-obrazovatel’nyj žurnal „Istorija“ 2018, Vyp. 7 (71):
Revoljucionnye volny i transformacii kartiny mira v XX veke. DOI: 10.18254/S0002388-5-1
2 Eine genaue Betrachtung dieser Frage würde eine eigene Untersuchung erfordern, weswegen hier nur
einzelne Arbeiten genannt seien, anhand derer die angesprochene Problematik detaillierter behan-
delt wird: Helmut Konrad (Hrsg.): Sozialdemokratie und „Anschluß“. Historische Wurzeln, Anschluß
1918 und 1938, Nachwirkungen. Wien/München/Zürich 1978; Susanne Miller: Das Ringen um die
„einzige großdeutsche Republik“. Die Sozialdemokratie in Österreich und im Deutschen Reich zur
Anschlußfrage 1918/19. In: Archiv für Sozialgeschichte 11/1971, S. 1–67; Norbert Schausberger: Der
Griff nach Österreich. Der „Anschluß“. 3. Aufl. Wien/München 1988; Walter Wiltschegg: Österreich –
der „Zweite deutsche Staat“? Der nationale Gedanke in der Ersten Republik. Graz/Stuttgart 1992;
Z. A. Atlas: Politika anšljusa avstrijskoj social-demokratii (oktjabr ’ – nojabr ’ 1918 g.). In: Problemy
social’no-ėkonomičeskogo razvitija Zapadnoj Evropy v period imperializma. Vyp. 1 (11). Čeljabinsk
1976, S. 42–76.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 271–275


[Link] 271
Irina Kukuškina

durch die österreichischen Sozialdemokraten ermöglicht einen wichtigen Beitrag zur Untersu-
chung dieser Problematik.
In der „Arbeiter-Zeitung“ wurde am 1. Oktober unter dem Titel „Der letzte Augenblick“ ein Ar-
tikel veröffentlicht, dessen Autor sich neben der slawischen Frage in Österreich auch der Wich-
tigkeit der deutschen Frage widmete und sie als „die Frage der Zusammenfassung des deutschen
Volkes in Österreich zur Einheit und die Ausstattung dieser einheitlichen Nation mit Freiheit
und Selbständigkeit, ihre Begründung in einem unabhängigen Staate“3 definierte. Dabei war zu
dieser Zeit von einer Eingliederung in das Deutsche Reich noch gar nicht die Rede. Drei Tage
später (am 4.10.1918) publizierte die Zeitung eine Entscheidung des Klubs der sozialdemokra-
tischen Reichsratsabgeordneten,4 in der allen in Österreich lebenden Völkern ein Selbstbestim-
mungsrecht eingeräumt wurde und auch die Forderung desselben Rechts für das deutsche Volk
enthalten war: das Recht, einen eigenständigen deutsch-österreichischen Staat zu gründen, der
seine Beziehungen zu den anderen Völkern Österreichs sowie dem deutschen Reich selbständig
bestimmen solle. Auch hier ging es nicht um einen Anschluss.
Der konsequenteste Verfechter eines Zusammenschlusses mit Deutschland (noch vor der deut-
schen Revolution!) war Otto Bauer. In dem Artikel „Der deutschösterreichische Staat“ vom 13.
Oktober 1918, unterschrieben mit О.В., nannte er drei territoriale Gebiete Österreichs, deren
Bevölkerung überwiegend aus österreichischen Deutschen bestehe („innerösterrereichisches
Gebiet“, Deutschböhmen und Westschlesien), die jedoch räumlich voneinander getrennt sei-
en. Da es nicht möglich sei, sie in einem einzigen Staate zu vereinen, sollten sie nach Ansicht
des Autors zu Subjekten eines Bundesstaates oder eines Staatenbundes werden. „Sie haben nur
eine Wahl:“, so der Autor, „Sie können entweder Bundesstaaten innerhalb eines Bundes der
österreichischen Völker sein oder sie können sich als Bundesstaaten dem Deutschen Reiche
anschließen.“5 Die Mehrheit der österreichischen Deutschen dachte nach Meinung des Autors
erst einmal nur an die erste Möglichkeit, aber ob die anderen Völker dem wohl zustimmten?
Somit bleibe als einzige Möglichkeit ein Zusammenschluss mit dem Deutschen Reiche. Den-
selben Gedanken führte Otto Bauer im Artikel „Deutschland und wir“ vom 16. Oktober aus
und betonte dabei die Notwendigkeit der Demokratisierung des inneren Lebens Deutschlands.
Zudem erschien ihm die Angliederung an Deutschland vorteilhafter, da nach seiner Ansicht der
Klassenkampf damit von nationalen Gegensätzen befreit sein würde und ein schnellerer Weg
zum Sozialismus möglich wäre.
Inzwischen war der Zerfall von Österreich-Ungarn in das entscheidende Stadium eingetreten.
Am 16. Oktober veröffentlichte Kaiser Karl I. sein „Manifest an Meine getreuen österreichischen
Völker!“, in dem er die Umbildung Österreich-Ungarns in einen Bundesstaat ausrief, der auf der
Selbstbestimmung jedes Volkes gründe. Das Manifest vermochte nicht, den Zerfall des Habsbur-
ger Reiches zu verhindern, doch half es dabei, ein weiteres Blutvergießen abzuwenden, da es die
bereits gegründeten Nationalräte legitimierte (Tschechoslowakischer Nationalrat sowie die Na-

3 Arbeiter-Zeitung vom 1. Okt. 1918.


4 Die deutsche Sozialdemokratie und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen. In: Arbeiter-Zeitung
vom 4. Okt. 1918.
5 Arbeiter-Zeitung vom 1. Okt. 1918.

272
Die Deutsche Revolution und die österreichische Sozialdemokratie

tionalräte der Kroaten, Serben und Slowenen). Am 19. Oktober rief die Ukrainskaja Narodnaja
Rada die Unabhängigkeit der Westukrainischen Gebiete aus, aus denen später die Westukraini-
sche Volksrepublik hervorging. Am 17. Oktober rief das ungarische Parlament die Unabhängig-
keit Ungarns aus.
Vor diesem Hintergrund riefen Reichsratsabgeordnete aus den Reihen der Christlichsozialen
Partei, des Deutschen Nationalverbandes und der Sozialdemokraten am 21. Oktober die Grün-
dung der Provisorischen Nationalversammlung Deutschösterreichs aus. Im Koalitionsvertrag
wurde die Notwendigkeit der Gründung eines eigenständigen Deutschösterreichischen Staates
erklärt, der Verbindungen zu anderen Völkern auf der Grundlage freiwilliger Vereinbarungen
knüpfen sollte. Bis zu den Wahlen zur Konstituierenden Nationalversammlung war die Proviso-
rische Nationalversammlung berechtigt, Friedensverhandlungen zu führen. In der Nacht vom 30.
auf den 31. Oktober wurde ein Staatsrat unter der Führung von drei Präsidenten gebildet – aus
Vertretern aus jeder der drei Parteien und einem gewählten Staatskanzler, dem Sozialdemokraten
Karl Renner. Wenige Stunden zuvor wurde der Beschluss über die grundlegenden Einrichtungen
der Staatsgewalt, auch Provisorische Verfassung genannt, gefasst. In diesem Beschluss ging es mit
keinem Wort um die zukünftigen Beziehungen zu Deutschland – und schon gar nicht um einen
Anschluss.
Dennoch beharrte Otto Bauer weiterhin auf dem Anschluss. In einer Rede auf dem Parteitag
am 31. Oktober behauptete er, dass die selbständige Existenz Deutschösterreichs kein möglicher
Staat sei und dass ein Eintritt in das deutsche Staatsgebiet anzustreben sei, um dann gemeinsam
für eine Demokratisierung Deutschlands zu kämpfen.
Die Situation änderte sich, als in Deutschland die Revolution ausbrach. Die österreichischen So-
zialdemokraten, die in ihrer Presse auch schon zuvor den Ereignissen im benachbarten Deutsch-
land viel Zeit gewidmet hatten, stellten diese nun in den Vordergrund. Anscheinend begannen
sie, Deutschland als ihr eigenes Land zu sehen und stellten Forderungen an die Innenpolitik
Deutschlands, als sei es ihr eigenes Land. Im Artikel „Die deutsche Revolution“6 bezeichneten sie
Wilhelm II. als den „erbittertste[n] Feind der proletarischen Demokratie“ und Träger des „per-
sönlichen Regiments“ und beschuldigten ihn praktisch, den Weltkrieg angezettelt zu haben, der
das deutsche Volk in die schlimmste Katastrophe gestürzt habe. „Gestern hätte Wilhelm II. noch
[…] freiwillig abdanken können; heute kann er dem Schicksal nicht mehr entgehen, abgesetzt zu
werden.“ schrieb die Zeitung. Anders als die Forderung nach einer Demontage des Kaisers eines
Nachbarstaates lässt sich diese Passage wohl kaum bezeichnen. Für den Autor des Artikels ging
es jedenfalls schon um sein eigenes Land. Er sprach von „Deutschösterreich“ und den „bajuvari-
schen Ländern“ und nannte sie „Deutschlands erste Republiken“. „Haben die Fürsten Deutsch-
land zerrissen, so wird die Republik Deutschland wieder einigen.“ Und seine Schlussfolgerung:
„Kein Preußen und kein Österreich! Ein einiges freies Deutschland!“
Die „ Arbeiter-Zeitung“ vom 10. November war praktisch vollständig den Ereignissen in Deutsch-
land gewidmet: Es ging um die Abdankung des Kaisers, die revolutionären Ereignisse in Berlin
und es gab einen begeisterten Artikel mit der Überschrift „Heil Deutschland!“ Die österreichi-

6 Arbeiter-Zeitung vom 9. Nov. 1918.

273
Irina Kukuškina

schen Sozialdemokraten freuten sich über den Sieg ihrer deutschen Kollegen und nannten die
deutsche Republik deren Werk. „Der Sieg der Republik ist in dem hochindustriellen Lande der
Sieg des Proletariats. Und der Sieg des Proletariats ist der Sieg des Sozialismus.“7 Im Lichte der
vorangegangenen Artikel erscheint die Schlussfolgerung der Autoren, dass es auch ihr Sieg sei –
der Sieg der österreichischen Sozialdemokratie – durchaus logisch.
Am 11. Oktober 1918 unterzeichnete der österreichische Kaiser Karl ein Manifest über den
„Verzicht auf jeden Anteil an den Regierungsgeschäften“ und über den Rücktritt der von ihm
zuvor ernannten Regierung. Tags darauf, am 12. Oktober 1918, verabschiedete die Provisorische
Nationalversammlung ein Gesetz über die Errichtung eine Republik in Österreich und erklär-
te „Deutsch-Österreich“ zu einem Teil der Deutschen Republik. „Wir sind ein Stamm und eine
Schicksalsgemeinschaft”, erklärte Karl Renner vom Rednerpult des Parlaments aus. Die Versu-
che von Soldaten der „Roten Garde“, eine Räterepublik „nach russischem Vorbild“ zu errichten,
scheiterten.
Somit nahm „Deutsch-Österreich“ offiziell Kurs in Richtung Anschluss. Das lässt sich unserer
Ansicht nach nicht nur und nicht so sehr mit der „Nähe“ der beiden Völker zueinander erklären,
sondern vielmehr mit dem fehlenden Glauben der österreichischen Politiker an die Leistungsfä-
higkeit der österreichischen Wirtschaft und folglich an die Überlebensfähigkeit eines selbständi-
gen österreichischen Staates.
Dabei variierten in der sozialdemokratischen Presse Österreichs die theoretischen Grundlagen für
die Notwendigkeit eines Anschlusses. In seinem Artikel „Der Krieg ist aus, der Kampf beginnt“8
sah Max Adler die Revolutionen in Deutschland und Österreich als Hauptursache für die Nieder-
lage dieser Länder im Weltkrieg und gleichzeitig als Befreiung. Als Befreiung von Militarismus
und nationaler Unterdrückung. Und auch als Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts der
Völker und als Beginn des Kampfs für eine soziale Umgestaltung der Gesellschaft. Adlers Ansicht
zufolge schreite Deutschland, wo bereits eine sozialistische Republik geschaffen worden sei, vo-
ran, während Österreich bislang nur eine politische Revolution erlebe, die Republik sei jedoch
eine bürgerliche. Friedrich Adler ging von einer schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land aus
und von der Annahme, dass Österreich nicht in der Lage sein werde, seine Bevölkerung zu ernäh-
ren.9 Gleichzeitig wurden auch andere Stimmen laut. „Aber den Staat werden wir machen, wir
Sozialdemokraten, die wir schon heute in diesem deutschen Volke in Österreich vielleicht die
Mehrheit haben, […]. Wir werden ihn in die Hand nehmen, ihm Inhalt und Form bestimmen,
ihn zu einem echten und rechten demokratischen Staate und wohl auch bald zu einem demokra-
tischen Gemeinwesen machen.“10 Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs verboten jedoch den
Anschluss, und die Österreichische Republik musste lernen, selbstständig zu leben.
Gleichzeitig wuchs bei den Österreichern die Enttäuschung über die Politik der deutschen So-
zialdemokraten. „Und doch sehen wir bei der deutschen Sozialdemokratie keinen entschlosse-
nen Willen, die von dem Feinde eingeleitete politische Revolution in eine soziale überzuleiten“,

7 Arbeiter-Zeitung vom 10. Nov. 1918.


8 Max Adler: Der Krieg ist aus, der Kampf beginnt. In: Der Kampf 12/1918, S. 776–785.
9 Friedrich Adler: Wohin gehen wir? In: Der Kampf 1/1919, S. 1–11.
10 Friedrich Austerlitz: Der deutsch-österreichische Staat. In: Der Kampf 11/1918. S. 718.

274
Die Deutsche Revolution und die österreichische Sozialdemokratie

schrieb Helene Bauer in der Zeitschrift „Der Kampf “. „In dem Vordergrund ihres Denkens liegt
nicht der revolutionäre Wille, sondern das Bewußtsein, daß das deutsche Proletariat noch immer
nicht die Mehrheit im Volke bildet. Den führenden Geistern der deutschen Sozialdemokratie
erscheint das deutsche Proletariat noch immer zum Sozialismus nicht reif.“11
Die österreichischen Sozialdemokraten nahmen an der Ausarbeitung und Verabschiedung wich-
tiger Gesetze durch die Nationalversammlung teil und legten damit den Grundstein für den
österreichischen Sozialstaat: für den bezahlten Urlaub, den 8-Stunden-Arbeitstag, für Schieds-
kammern und Kollektiverträge, für die Schaffung von Arbeiterkammern, Betriebsräten und öf-
fentlichen Unternehmungen. Unter unmittelbarer Beteiligung der Sozialdemokraten wurde auch
die österreichische Verfassung erarbeitet, die durch die Konstituierende Nationalversammlung
am 1. Oktober 1920 verabschiedet wurde und eine der demokratischsten Verfassungen der Welt
war. Die größte Errungenschaft der österreichischen Sozialdemokratie war jedoch das „Rote
Wien“ – der erste erfolgreiche Versuch eines Sozialstaates in Europa.12

11 Helene Bauer: Selbstbestimmungsrecht der Arbeit. In: Der Kampf 3/1919. S. 121.
12 Siehe ausführlicher I. A. Kukuškina: Krasnaja Vena kak al’ternativa „Krasnoj Moskve“. In: Rossijskaja
revoljucija 1917 goda i ee mesto v istorii XX veka. Moskva 2018, S. 270–279.

275
Jürgen Zarusky

Karl Kautsky und die Revolutionen in Russland und Deutschland

Die russische Februar- und Oktoberrevolution 1917 haben die Revolution in Deutschland
1918/19 stark beeinflusst. Die Bolschewiki erhoben sogar den Anspruch, dass ihre Revolution
mit der Etablierung einer sogenannten Diktatur des Proletariats das universal gültige Muster für
sozialistische Revolutionen sei. Niemand in der deutschen Sozialdemokratie hat sich dem ent-
schiedener entgegengestellt als Karl Kautsky, der einflussreichste marxistische Theoretiker der
Vorkriegssozialdemokratie.
Kautsky, der eigentlich immer nur Theoretiker hatte sein wollen, geriet durch die deutsche Re-
volution 1918 in die aktive Politik und übernahm wichtige, wenn auch keine Spitzenfunktionen.
Seine Auseinandersetzung mit dem revolutionären Umbruch in Russland und seine Haltung und
Rolle in der deutschen Revolution bilden eine integrale Einheit. In seinem langen politischen
Leben – Karl Kautsky ist 1854 in Prag geboren und starb 1938 in Amsterdam, wo er Zuflucht
vor der NS-Herrschaft gefunden hatte – gehören die Jahre 1917 bis 1919 sicherlich zu den ereig-
nisreichsten und einschneidendsten. Diesen Abschnitt seines Lebens zu verfolgen, wie das hier
skizzenhaft geschehen soll, eröffnet eine spezifische Perspektive auf das Revolutionsgeschehen in
beiden Ländern. Es ist die Perspektive eines – in vieler Hinsicht gescheiterten – demokratischen
Sozialismus.
Kautsky, der 1874 zum Sozialismus fand und sich bald für den Weg eines Intellektuellen in der so-
zialistischen Arbeiterbewegung entschied, verstand sich als Schüler und Interpret von Marx und
Engels, die er 1881 in London kennengelernt hatte. Insbesondere Engels wurde sein Mentor. In
der Vorkriegszeit erreichten manche von Kautskys Schriften Millionenauflagen und wurden viel-
fach übersetzt. Im Revisionismusstreit der Jahrhundertwende verkörperte er das dominierende
„marxistische Zentrum“. 1883 hatte er die Zeitschrift „Die Neue Zeit“ gegründet, deren Chefre-
dakteur er bis 1917 war. Hier zu publizieren, war ein Ritterschlag für sozialistische Intellektuelle.
Eine häufige Autorin war Rosa Luxemburg, die 1904 in ihrem Aufsatz „Organisationsfragen der
russischen Sozialdemokratie“1 Lenins ultrazentralistisches Modell der Kaderpartei kritisierte.
Dass es den Sozialisten nicht gelang, den Ersten Weltkrieg abzuwenden und die großen sozialis-
tischen Parteien West- und Zentraleuropas die Kriegführung ihrer Regierungen unterstützten,
löste eine fundamentale Krise der sozialistischen Bewegung aus. Kautsky gehörte zu jenen, die
einen Verteidigungskrieg bejahten, für die aber die bald deutlich werdenden Eroberungsgelüste
der Reichsführung und diverser Elitegruppen der Gesellschaft nicht akzeptabel waren. Dagegen
wandte er sich im Juni 1915 gemeinsam mit Eduard Bernstein und dem Co-Vorsitzenden der
SPD Hugo Haase in dem kriegskritischen Manifest „Das Gebot der Stunde“.2 Schließlich schloss

1 Rosa Luxemburg: Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie. In: Die Neue Zeit. Wochenschrift der
deutschen Sozialdemokratie 22 (1903–1904), Bd. 2, S. 484–492 (I), 529–535 (II).
2 Eduard Bernstein, Hugo Haase, Karl Kautsky: Das Gebot der Stunde. In: Leipziger Volkszeitung, Nr. 139 vom
19. Juni 1915.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 277–283


[Link] 277
Jürgen Zarusky

er sich im April 1917 der kriegskritischen Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD)


an, auch wenn er die Spaltung der Sozialdemokratie im Grunde ablehnte. Im Herbst 1917 entzog
ihm die Mehrheits-SPD sein Redakteursamt bei der „Neuen Zeit“.
Die Februarrevolution in Russland hatte den sozialistischen Kriegsgegnern in Deutschland Auf-
trieb gegeben. Allerdings blieben die folgenden tastenden Versuche, zu Friedensverhandlungen
zu kommen, erfolglos. Die Oktoberrevolution wurde daher von großen Teilen der kriegsmüden
Arbeiterschaft, nicht nur in Deutschland, als eine Revolution für den Frieden begrüßt. Kautsky
zeigte sich indes frühzeitig kritisch. Er hatte die Aussichten der Februarrevolution ähnlich bewer-
tet wie die Menschewiki: Angesichts der stark bäuerlich geprägten Gesellschaft in Russland stehe
eine sozialistische Revolution nicht auf der Tagesordnung. Es gehe vielmehr um die Entwicklung
einer Demokratie mit einer starken sozialen Komponente.3 Dementsprechend skeptisch war er
gegenüber der Machteroberung durch die Bolschewiki. Sie drohe „den Widerspruch zwischen
dem hohen proletarischen Streben und der niedrigen Entwicklungsstufe des Reichs aufs äußerste
zu steigern“. Als Folge seien massive Zerfallserscheinungen in Wirtschaft und Staat zu befürchten,
schrieb Kautsky schon am 15. November 1917, also eine Woche nach dem Oktoberumsturz, in
der „Leipziger Volkszeitung“.4
Einen Monat später, am 17. Dezember berichtete dort Alexander Stein über besorgniserregende
Entwicklungen in Russland. Stein war ein ehemaliger Menschewik, der sich nach der Revolution
von 1905/6 nach Deutschland geflüchtet und hier in der Sozialdemokratie Fuß gefasst hatte. Die
proklamierte Diktatur des Proletariats und der ärmeren Bauernschaft sei nichts anderes als die
„Diktatur einer Gruppe der Bolschewikipartei, die die Leitung der Bewegung an sich gerissen
hat“, schrieb er und berichtete über die Sabotierung der Bemühungen um eine sozialistische Ein-
heitsregierung durch Lenin und Trotzki, Repressionen gegen Andersdenkende, die Aufhebung
des Koalitionsrechts sowie Drohungen, man werde bei einem „unpassenden“ Wahlergebnis die
Verfassunggebende Versammlung auflösen. Die Gefahr eines Bürgerkriegs werde immer größer.5
Nicht zuletzt unter dem Einfluss solcher Nachrichten publizierte Kautsky Anfang Januar 1918
im USPD-Organ „Sozialistische Auslandspolitik“ den Aufsatz „Demokratie und Diktatur“6, den
er dann zu dem Büchlein „Die Diktatur des Proletariats“ 7 ausarbeitete, das im Herbst erschien.
Darauf reagierte Lenin mit seiner bekannten Polemik „Die proletarische Revolution und der Re-
negat Kautsky“8.
Gar y P. Steenson, der 1978 eine grundlegende Biografie Kautskys vorgelegt hat, schreibt, im
Streit zwischen Kautsky und Lenin sei eine eher deterministische, weniger gewaltsame und hu-
manistischere Interpretation von Marx’ Schriften auf eine voluntaristischere, gewaltsamere und

3 Massimo L. Salvadori: Sozialismus und Demokratie. Karl Kautsky 1880–1938. Stuttgart 1982, S. 316–319.
4 Karl Kautsky: Die Erhebung der Bolschewiki. In: Leipziger Volkszeitung, Nr. 267 vom 15. Nov. 1917.
5 Alexander Stein: Demokratie oder Diktatur? In: Leipziger Volkszeitung, Nr. 293 vom 17. Dez. 1917.
6 Karl Kautsky: Demokratie und Diktatur. In: Sozialistische Auslandspolitik. Unabhängige sozialdemokratische
Wochenschrift 4 (1918), Nr. 1.
7 Karl Kautsky: Die Diktatur des Proletariats. Wien 1918.
8 Wladimir I. Lenin: Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky. In: Ders.: Werke. Hrsg. v. Institut für
Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED. Bd. 28: Juli 1918 – März 1919. Berlin (Ost) 1970, S. 225–
320.

278
Karl Kautsky und die Revolutionen in Russland und Deutschland

weniger humanistische gestoßen.9 Das ist in der Rückschau sicherlich richtig, aber für die Kon-
trahenten ging es in ihrem Streit nicht zuletzt um die Frage, wer sich auf dem Boden der mar-
xistischen Orthodoxie bewegte und wer ihn verlassen hatte. Nicht umsonst erhob Lenin gegen
Kautsky, den intellektuellen Nachlassverwalter der Altmeister Marx und Engels, den Vorwurf des
Renegatentums. Die Dimension der Herausforderung wiederum, die Kautsky in der Oktoberre-
volution sah, wird schon im ersten Satz der Broschüre „Die Diktatur des Proletariats“ deutlich:
„Die jetzige russische Revolution hat zum ersten Mal in der Weltgeschichte eine sozialistische
Partei zur Beherrscherin eines großen Reiches gemacht“10, lautete er.
Anders als im Falle der Pariser Kommune, wo die Parteien der Linken zusammengearbeitet
hätten, sei diese Machtergreifung aber im Kampf gegen und unter Ausschließung anderer so-
zialistischer Strömungen erfolgt. Der Gegensatz sei ein grundsätzlicher, nämlich der zwischen
einem demokratischen und einem diktatorischen Weg zum Sozialismus.11 In einem ausführli-
chen theoretisch-historischen Exkurs erörterte Kautsky dann zunächst die Unabdingbarkeit der
Demokratie für den Weg zum und die Umsetzung des Sozialismus. Nur in der Demokratie könne
das Proletariat die Reife für die sozialistische Produktionsform erreichen, die wiederum nach
demokratischen Grundsätzen organisiert werden müsse. Der Übergang dazu sei – anders als bei
den vorausgegangenen bürgerlichen Revolutionen – ebenfalls nur als demokratischer vorstellbar,
und nur unter demokratischen Verhältnissen sei die notwendige Organisierung des Proletari-
ats möglich.12 Den Marx’schen Begriff der „Diktatur des Proletariats“ dürfe man nicht als Regie-
rungsform, sondern müsse man als gesellschaftlichen Zustand verstehen.13 Andernfalls könne es
sich nur um die Diktatur eines Einzelnen oder einer kleinen Gruppe handeln, die mit Sozialismus
nichts gemein habe.14 Der Diktatur wiederum wohne die Tendenz zum Bürgerkrieg inne, der so-
zialistische Aufbau könne aber nur unter friedlichen Bedingungen erfolgen. Der Bürgerkrieg sei
überdies durch noch schrecklichere Formen der Gewaltausübung geprägt, als der Krieg zwischen
Staaten, denn: „Im Bürgerkrieg kämpft jede Partei um ihre Existenz, droht dem Unterliegenden
die völlige Vernichtung.“ Insbesondere wenn sich eine Minderheit an der Macht halten wolle,
komme es zu einer solchen Dynamik.15
Von seinen allgemeinen theoretischen Überlegungen geht Kautsky zur direkten Kritik der bol-
schewistischen Revolution über. Diese beruhe auf der Voraussetzung, dass sie den Ausgangs-
punkt für eine allgemeine europäische Revolution bilde. Doch sei es dazu bisher nicht gekom-
men, weil Revolutionen sich nicht ohne Weiteres auslösen ließen und die Verhältnisse im Westteil
Europas von denen in Russland sehr verschieden seien.16 Scharf kritisierte Kautsky die im Januar
erfolgte gewaltsame Auflösung der Konstituante und das Sowjetsystem. Dadurch würden große
Segmente der Gesellschaft politisch entrechtet und wichtige Aspekte der sozialen Realität aus

9 Gary P. Steenson: Karl Kautsky. 1854–1938. Marxism in the Classical Years. Pittsburgh 1978, S. 181.
10 Kautsky, Die Diktatur des Proletariats, S. 3.
11 Ebd.
12 Ebd., S. 7–12.
13 Ebd., S. 20.
14 Ebd., S. 23.
15 Ebd., S. 24 f.
16 Ebd., S. 28 f.

279
Jürgen Zarusky

dem politischen Diskurs verdrängt. Da auch Vertreter sozialistischer Parteien wie der Sozialrevo-
lutionäre und der Menschewiki aus den Räten ausgeschlossen worden seien, verenge sich selbst
innerhalb des Proletariats der Kreis der Inhaber politischer Rechte immer mehr auf die Anhänger
der Bolschewiki.17 Die Entwicklung der ökonomischen Verhältnisse unter dieser Herrschaft zei-
ge anschaulich, wie verfehlt der bolschewistische Ansatz sei. Dennoch, so konstatierte Kautsky
mit Unverständnis, gehe von ihm eine starke Faszination aus, und das selbst in Ländern, wo in
langen Kämpfen grundlegende Freiheitsrechte errungen worden seien.18
Für die Menschewiki, so Julij Martov in einem Brief an Alexander Stein vom 25. Oktober 1918,
sei Kautskys Broschüre eine Bestärkung ihrer Position.19 Auch Lenin hatte sie gleich nach dem
Erscheinen gelesen und reagierte zunächst mit einer wütenden Replik in der „Pravda“ vom 11.
Oktober 1918: „Kautsky hat dem Marxismus den Rücken gekehrt, denn er hat vergessen, daß
jeder Staat eine Maschine zur Unterdrückung einer Klasse durch eine andere ist und daß auch die
demokratischste bürgerliche Republik eine Maschine zur Unterdrückung des Proletariats durch
die Bourgeoisie ist“, erklärte er. Dementsprechend sei die Diktatur des Proletariats „eine Maschi-
ne zur Niederhaltung der Bourgeoisie durch das Proletariat“ und weiter: „Wo es Niederhaltung
gibt, dort kann es keine Freiheit, Gleichheit usw. geben.“ Die Unterdrückung der Bourgeoisie
gehe aber mit der „wahre[n] Demokratie“ für die Werktätigen einher.20 Lenin beließ es aber nicht
bei einem Zeitungsartikel, sondern verfasste – inmitten des beginnenden Bürgerkriegs und be-
lastet von zahlreichen Regierungsaufgaben – die über einhundert Seiten umfassende Broschüre
„Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky“21. Freilich war das nicht gerade eine
intellektuelle Glanzleistung.
Ein nicht ganz kleiner Teil des Textes besteht aus grobianischen Beschimpfungen, der Rest ist
eine Polemik deren Kerngedanken Lenins mechanistisches Modell des Klassenstaats und seine
optimistische Revolutionserwartung bildeten. Sie kommt in den triumphierenden Schlusszeilen
zum Ausdruck: „Die vorstehenden Zeilen waren am 9. November 1918 niedergeschrieben. In
der Nacht vom 9. zum 10. trafen aus Deutschland Nachrichten ein über den Beginn der siegrei-
chen Revolution zuerst in Kiel und anderen Städten im Norden und an der Küste, wo die Macht
in die Hände der Arbeiter- und Soldatenräte übergegangen ist, dann auch in Berlin, wo der Rat
ebenfalls die Macht übernommen hat. Der Schluß, den ich noch zu der Broschüre über Kautsky
und die proletarische Revolution zu schreiben hätte, erübrigt sich dadurch.“22
Lenins Hoffnungen sollten sich indes als verfehlt erweisen. Die deutsche Revolution verlief nicht
nach sowjetischem Muster. Die weit überwiegende Mehrheit in der sozialistischen Arbeiterbe-
wegung sprach sich für eine parlamentarische Demokratie aus. Alle kommunistischen Revolutio-
nierungsversuche der folgenden Jahre scheiterten an fehlender Massenunterstützung. Doch auch
für Kautsky hielt die Entwicklung der Revolution eine Reihe von Enttäuschungen bereit. Sie ka-

17 Ebd., S. 37 f.
18 Ebd., S. 59.
19 Iz pis’ma Ju.O. Martova A. N. Štejnu v Berlin. Moskva, 16 ijunja [1918]. In: Socialističeskij Vestnik 1926, Nr. 7–8,
S. 16–18.
20 V. I. Lenin: Proletarskaja revoljucija i renegat Kautskij. In: Pravda, Nr. 219 vom 11. Okt. 1918.
21 N. Lenin: Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky. Wien 1919.
22 Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke, Bd. 28, S. 320.

280
Karl Kautsky und die Revolutionen in Russland und Deutschland

tapultierte ihn, der sich bis dahin stets auf das Feld der Theorie beschränkt hatte, in die praktische
Politik. Der Rat der Volksbeauftragten berief ihn zum Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt
mit der Spezialaufgabe, eine Edition deutscher Dokumente zum Kriegsausbruch zu erstellen.
Der Österreicher wurde damit auch zum deutschen Staatsbürger. Eine zweite regierungsamtliche
Funktion, die er übernahm, war die des Vorsitzenden der Sozialisierungskommission, die Pläne
für die Vergesellschaftung der Produktionsmittel entwickeln sollte. Und schließlich wurde er nun
zum aktiven Parteipolitiker, der die USPD vor dem Abgleiten in das bolschewistische Fahrwas-
ser bewahren und auf eine enge Zusammenarbeit mit der SPD hinwirken wollte. Denn in der
Einheit der Arbeiterbewegung erblickte er die notwendige Voraussetzung für die Fortführung
der Revolution.
Ende 1918 sah er diese erst am Anfang und noch keineswegs als abgeschlossen an. In seinem gro-
ßen Artikel „Das Weitertreiben der Revolution“, der am 29. Dezember 1918 in der USPD-Zeitung
„Die Freiheit“ und kurz darauf auch als Broschüre23 erschienen war, erklärte er, es gehe darum,
den alten Staatsapparat umzugestalten und die alte Bürokratie zu entmachten. Hier gebe es eine
grundsätzliche Übereinstimmung der USPD mit der Mehrheits-SPD. Der Spartakusbund hinge-
gen wolle nicht die Konsolidierung der Demokratie, sondern deren Aufhebung. Kautsky warf den
„Spartaziden“ vor, zu verkennen, dass die deutsche Revolution eigenen Gesetzen und nicht dem
Muster Russlands folge. Versuche, die Revolution mit Methoden weiterzutreiben, die die Ge-
schlossenheit der Arbeiterbewegung zerrissen, „treiben die Revolution nicht vorwärts, sondern
abwärts, moralischem und ökonomischem Zerfall und schließlichem Untergang entgegen“.24 Am
Tag des Erscheinens von Kautskys Artikel schieden jedoch die Unabhängigen wegen des harten
Vorgehens Friedrich Eberts und des Militärs bei den sogenannten Weihnachtsunruhen in Berlin
aus dem Rat der Volksbeauftragten aus. Mitte Januar vertiefte der sogenannte Spartakusaufstand
den Spalt noch weiter, auch weil nach dessen Niederschlagung Karl Liebknecht und Rosa Lu-
xemburg ermordet wurden. Luxemburg war vor dem Krieg eine Freundin der Familie Kautsky
gewesen. Kautskys Ehefrau Luise schrieb in der „Freiheit“ einen warmherzigen Nachruf auf die
Ermordete.25 Auch Karl Kautsky selbst bekam, wenn auch nur für einen kurzen Moment, den
kalten Atem der Reaktion zu spüren. Am Nachmittag des 15. Januar wurde er von einem Leut-
nant und zwei Gefreiten von seiner Wohnung in die Kaserne des 4. Garde-Regiments in Moabit
gebracht und dort über eine Stunde lang zu seinen Verbindungen mit Rosa Luxemburg verhört.
Wenn er in Verbindung mit den Spartakisten stehe, müsse er erschossen werden, bekam er zu hö-
ren. Das Ganze endete erst, als Kautsky erklärte, er wolle unverzüglich die Regierung anrufen –
der er bis zum Rücktritt der USPD-Mitglieder zwei Wochen zuvor noch selbst angehört hatte.
Die „Freiheit“, die über den Zwischenfall berichtete, machte den Volksbeauftragten für Heer und
Marine, Gustav Noske, dafür verantwortlich, dass solche Übergriffe möglich geworden seien.26
Zwischen dem allzu vertrauensvollen Verhältnis der Mehrheits-SPD zu Militär und Freikorps
und der dramatischen Linksentwicklung der USPD fand Kautskys Streben nach einer sozial-

23 Karl Kautsky: Das Weitertreiben der Revolution. Hrsg. und verlegt von der Arbeitsgemeinschaft staatsbürgerliche
und wirtschaftliche Bildung. Berlin o. J. [1919].
24 Die Freiheit. Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands, Nr. 79 vom 29. Dez. 1918.
25 Luise Kautsky: Rosa Luxemburg zum Gedächtnis. In: Die Freiheit, Nr. 36 vom 20. Jan. 1919.
26 Die Freiheit, Nr. 28 vom 16. Jan. 1919.

281
Jürgen Zarusky

demokratischen Aktionseinheit keinen Boden mehr. Von der Gründung 1917 bis zur Spaltung
1920 war die Zahl der USPD-Mitglieder von 100.000 auf fast 900.000 angewachsen, darunter
viele junge, die erst durch die Revolution politisiert worden waren und sich schnell radikalisier-
ten. Ende 1919 bekannte sich die Partei zu dem von Kautsky stets bekämpften Rätesystem und
trat aus der Zweiten Internationale aus.
Auch nach dem Ausscheiden der USPD-Mitglieder aus dem Rat der Volksbeauftragten setzte
Kautsky seine Arbeit an der Edition der „Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch“27 fort,
die Ende März abgeschlossen war. Heute kann man die von ihm und seiner Arbeitsgruppe edi-
tierten Akten in einer online-Faksimile Edition des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes28
einsehen. In den „Vorbemerkungen“ der Herausgeber wird der Zweck der Edition dahingehend
beschrieben „als wissenschaftliche Quellensammlung für die unbefangene Beurteilung der Er-
eignisse durch den Politiker und Historiker zu dienen“. Das ursprüngliche Ziel war aber nicht
ein rein wissenschaftliches. Es ging vielmehr um einen klaren Bruch mit der Geheimdiploma-
tie des Kaiserreichs und der Aufdeckung seiner hochgradigen Verantwortung für den Ausbruch
des Krieges. Kautsky war zu dem Schluss gekommen, „dass die Machthaber Deutschlands, die
den Krieg entfesselten, dabei unsäglich leichtfertig, kurzsichtig, kopflos gehandelt haben“. So ist
es in seinem 1919 erschienenen Buch „Wie der Weltkrieg entstand“29 zu lesen. Eine offizielle
Denkschrift als Ausdruck eines grundlegenden politischen Wandels in Deutschland, von dem
vor allem USPD-Politiker wie Kautsky, Kurt Eisner oder Heinrich Ströbel sich auch günstigere
Bedingungen für die Friedensverhandlungen erhofften, kam aber nicht zustande. Anstelle einer
kritischen Selbstbesinnung setzte eine massive Propaganda gegen die sogenannte „Schuldlüge“
ein, die vom „Schuldreferat“ des Auswärtigen Amtes massiv befeuert wurde und schon bald den
Diskurs beherrschte.
Auch die Arbeit der Sozialisierungskommission, der Kautsky vorstand, blieb letztlich ohne den
erwünschten Effekt. Nachdem die Reichstagswahlen vom Januar 1919 keine sozialdemokratische
Mehrheit erbracht hatten, wanderten ihre Pläne für die Vergesellschaftung des Kohlebergbaus in
die Schublade. Während Kautsky, durchdrungen von einem deterministischen Fortschrittsopti-
mismus, meinte, man werde die Pläne verwenden können, „sobald den Wahlurnen des Reichs
eine sozialistische Mehrheit entsteigt“30, sieht der Historiker Heinrich August Winkler eine be-
deutsame verpasste Chance: „Wären die Vorschläge der Mehrheit der Sozialisierungskommis-
sion verwirklicht worden, so hätten sich die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse in der jungen
Republik erheblich verändert: Das Lager, das dem neuen Staat mit äußerster Reserve gegenüber-

27 Max v. Montgelas, Walter Schücking (Hrsg.): Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch. Vollständige
Sammlung der von Karl Kautsky zusammengestellten amtlichen Aktenstücke mit einigen Ergänzungen. 4 Bde.
Charlottenburg 1919.
28 URL: [Link]
bruch/1496644.
29 Karl Kautsky: Wie der Weltkrieg entstand. Dargestellt nach dem Aktenmaterial des Deutschen Auswärtigen Amts.
Berlin 1919.
30 Felix Meiner (Hrsg.): Die Volkswirtschaftslehre der Gegenwart in Selbstdarstellungen. Bd. I: Eduard Bernstein,
Karl Diehl, Heinrich Herkner, Karl Kautsky, Robert Liefmann, Heinrich Pesch S. J., Julius Wolf. Leipzig 1924,
S. 147.

282
Karl Kautsky und die Revolutionen in Russland und Deutschland

stand, wäre geschwächt, die Bindung der Arbeiterklasse an die parlamentarische Demokratie ge-
stärkt worden.“31
Das Gefühl für Kontingenzen in der Geschichte, für Chancen, die es zu nutzen gilt, und deren
Vergänglichkeit war bei dem stark deterministisch und in langen Entwicklungszyklen denken-
den Kautsky nicht sehr ausgeprägt. Auch hierin unterschied er sich fundamental von Lenin, der
ein überaus talentierter Politiker war. Das erkannte auch Kautsky, der nach seinem Tod über
ihn schrieb: „Unter den Regenten der Großstaaten in unserer Zeit gibt es nur einen, der ihm an
Wucht einigermaßen nahekommt, das war Bismarck.“32 Mit dem Urheber des Sozialistengeset-
zes verglichen zu werden, war freilich ein zweischneidiges Kompliment für einen Revolutionär.
Kautsky anerkannte Lenins „gewaltigen Erfolg“, sah aber seine Basis vor allem in einer vom Krieg
aufs Höchste erregten Masse ohne eigenständige politische Erfahrung. Kautsky hatte als Politiker
indes keine große Erfolgsbilanz vorzuweisen: Aus den Sozialisierungsplänen war nichts gewor-
den. Ebenso wenig war der kategorische Bruch mit der Außenpolitik des Kaiserreichs vollzogen
worden. Bei seinen Streitereien mit Staatssekretär Wilhelm Solf, den indes bald der kooperativere
Ulrich von Brockdorff-Rantzau ablöste, hatte Kautsky übrigens einen Eindruck von der Obstruk-
tionstaktik der alten Eliten erhalten. Aber vor allem war es nicht gelungen, den Schwenk eines
großen Teils der deutschen sozialistischen Arbeiterbewegung zum Kommunismus abzuwenden.
Lenins Träume und Taten waren für viele attraktiver gewesen als Kautskys Konzepte und Kritik.
Peter Lösche hat in seiner Dissertation von 1967 die immer noch wirkmächtige These formu-
liert, Kautsky habe den Antibolschewismus als Ersatz-Integrationsideologie für den überkom-
menen Kautskyanismus aus der Taufe gehoben.33 Doch diese These verkennt den starken empiri-
schen und rationalen Kern von Kautskys Bolschewismuskritik ebenso wie dessen authentisches
demokratisch-sozialistisches Engagement. Beides gehört bei ihm untrennbar zusammen. Seine
kritische Auseinandersetzung mit der Oktoberrevolution und ihren Folgen hat wesentlich zur
Klärung der zeitweilig vor allem in der USPD ziemlich vernebelten Fronten innerhalb der sozi-
alistischen Bewegung beigetragen, wenn auch nicht mit der unmittelbaren Wirkung, die er sich
im Sinne einer starken, geeinten Sozialdemokratie als Motor der Revolution gewünscht hätte.

31 Heinrich August Winker: Von der Revolution zur Stabilisierung. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer
Republik 1918 bis 1924. Berlin/Bonn 1984, S. 192.
32 Karl Kautsky: Ein Brief über Lenin. In: Der Kampf. Sozialdemokratische Monatsschrift 17 (1924), S. 177 f.
33 Peter Lösche: Der Bolschewismus im Urteil der deutschen Sozialdemokratie 1903–1920. Berlin 1967, S. 124.

283
Vadim Dam’e

Anarchisten im „roten Bayern“: Erich Mühsam und Gustav


Landauer 1918/19

Am 7. April 1919 erfuhren die Bewohner Münchens aus den Zeitungen und aus den überall in
der Stadt angebrachten Plakaten, dass der revolutionäre Zentralrat am Vorabend die Räterepub-
lik Baiern ausgerufen hatte. Im Manifest „An das Volk in Baiern“ hieß es, dass die revolutionären
Arbeiter, Bauern und Soldaten „durch keine Parteigegensätze mehr getrennt“ seien, die Diktatur
des Proletariats „nun zur Tatsache geworden ist“ und ihr Ziel in der Errichtung „eines wahrhaft
sozialistischen Gemeinwesens“ und „einer gerechten sozialistisch-kommunistischen Wirtschaft“
bestehe. Landtag und Regierung wurden aufgelöst; es wurde ein Rätesystem mit von ihm dele-
gierten Organen eingesetzt; die Presse sollte sozialisiert werden; es wurde eine Rote Armee und
ein Revolutionsgericht gegründet. Das Manifest lehnte jede Zusammenarbeit mit der Regierung
in Berlin ab und bekundete die Freundschaft mit den Völkern Sowjetrusslands und Sowjetun-
garns.1 Die Autoren des Entwurfs dieses Manifestes waren namhafte deutsche Anarchisten – der
Dichter Erich Mühsam und der Schriftsteller Gustav Landauer. Zusammen mit dem unabhän-
gigen Sozialdemokraten und Dichter Ernst Toller gehörten sie zu den bekanntesten Gesichtern
der neuen Räterepublik. Ihre Rolle bei den Ereignissen im Jahre 1919 war so bedeutend, dass die
Gegner die bayerische Revolution als „Revolution der Literaten“ bezeichneten.
Auch andere Anarchisten unterschiedlichster Ausprägung spielten bei den revolutionären Ereig-
nissen in Bayern 1918/1919 eine große Rolle. Unter ihnen der Kaufmann Josef Sontheimer, der
Vorsitzende der Münchener Freidenkergesellschaft, der Schauspieler und Schriftsteller Ret Ma-
rut, der Münchener Tischler und Syndikalist Alois Sirch, der Kaufmann Josef Renner, Mitglied
des Arbeiterrats in Rosenheim, der später der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD)
beitrat, sowie der Buchdrucker und Syndikalist Fritz Oerter in Fürth und andere. Eine der Be-
sonderheiten dieser Situation bestand darin, dass die Anarchisten in Bayern zu jener Zeit durch-
aus nicht in einer Organisation vereint waren; jeder einzelne von ihnen handelte individuell und
seinen eigenen Überzeugungen entsprechend.2
Der in Karlsruhe geborene Landauer schloss sich schon in der Jugend der SPD an und stieg
bald zu einem anerkannten Führer der linksradikalen „Jungen“ auf, die 1891 aus der Partei aus-
geschlossen wurden. Im Zuge seiner Entwicklung vom linken Sozialismus zum Anarchismus,
stellte Landauer sein eigenes liberalföderalistisches Konzept auf. Er propagierte eine auf der
bestehenden Gesellschaft basierende Gründung neuer, freier Gemeinden und ihrer Föderatio-
nen, innerhalb derer sich der neue, freie Mensch herausbilden könne. Es war genau diese freie,
kulturelle und geistige Persönlichkeitsentwicklung und die praktische Umsetzung anarchistisch-
sozialistischer Prinzipien, die seiner Ansicht nach der sozialen Revolution den Boden bereiten

1 An das Volk in Baiern! In: Münchner Neueste Nachrichten Nr. 159 vom 7. Apr. 1919, S. 1.
2 Erich Mühsam: Die bayerische Räterepublik und die Anarchisten. In: Ders.: „War einmal ein Revoluzzer“. Ver-
streute Schriften 1917–1932. Marburg 1985, S. 37.

Zeitenwende: deutsche und russische Erfahrungen 1917–1919 | 285–297


[Link] 285
Vadim Dam’e

sollten. Diese Ideen waren auch die Grundlage des Sozialistischen Bundes: Landauer betrachtete
diesen als Keimzelle einer derartigen zukünftigen Föderation von Initiativen, Gemeinden und
Siedlungen. Die Münchener Gruppe des Sozialistischen Bundes wurde vom Schriftsteller Erich
Mühsam angeführt. Dieser wurde in Berlin geboren und war seit seiner Jugend mit den Kreisen
der literarisch-künstlerischen Boheme, Sozialisten und Anarchisten im Kontakt. Ab 1906 lebte
Mühsam in München, wo er die Zeitschrift „Kain“ herausgab und versuchte, die am meisten be-
nachteiligten Gesellschaftsschichten wie das Lumpenproletariat und die deklassierten Elemente
der Gesellschaft zu organisieren.
Durch die staatlichen Repressionen während des Ersten Weltkriegs wurden die Aktivitäten der
Anarchisten und Syndikalisten in Deutschland praktisch gelähmt. Die Hauptaufgabe der Be-
wegung bestand nun darin, zu überleben und zu versuchen, die Kontakte im ganzen Land in
Erwartung besserer Zeiten aufrecht zu erhalten. Die bedeutendsten gesamtdeutschen und regi-
onalen Organisationen (Anarchistische Föderation, Sozialistischer Bund, Freie Vereinigung der
deutschen Gewerkschaften) stellten ihre Arbeit ein. In München hielt sich lediglich die örtliche
Syndikalistische Arbeiterföderation unter der Führung von Alois Sirch.
Landauer zog sich aus der Politik zurück, da er glaubte, er müsse sich auf kulturelle und ideelle
Arbeit zur Bewusstseinsveränderung der Menschen konzentrieren. So folgte er 1916 den Aufru-
fen zur Wiederbelebung der Antikriegsagitation im Untergrund nicht, der ihn von den ehema-
ligen Führern der Anarchistischen Föderation Richard und Rudolf Oestreich sowie von Erich
Mühsam erreichte. Er suchte auch nicht die Zusammenarbeit mit dem antimilitaristischen Flügel
der Sozialdemokraten, da er ein gemeinsames Handeln mit Politikern jeder Art für unmöglich
hielt, da diese, wie er dachte, die Sache unweigerlich verderben würden. Mühsam hingegen nahm
nach anfänglichem Schwanken zu Beginn des Krieges bereits nach wenigen Monaten eine aktive
Antikriegshaltung ein. Er war überzeugt, dass nur eine spontane Revolution der Bevölkerung den
Krieg zu beenden könne. Als Kommentar zu einem Brief, den er von Landauer erhalten hatte,
notierte Mühsam am 19. Juni 1916 in seinem Tagebuch über diesen: „Gegen die Bemühungen,
eine Revolution zu provozieren, wendet er sich“, „weil dazu bestimmte Ziele aufgestellt und or-
ganisatorisch vorbereitet sein müßten. Die Ansicht teile ich gar nicht. Das Ziel einer Revolution
wäre jetzt einfach Friede. Ist der erreicht, dann hat das Volk ein moralisches Plus, das es für die
Vorbereitung größerer und sozialistischer Dinge sehr aufnahmefähig machen müßte.“3
Die Antikriegshaltung führte zu einer Annäherung von Anarchisten und linken Sozialdemokra-
ten in vielen Ländern der Welt. So nahmen die französischen revolutionären Syndikalisten an
der Zimmerwalder Bewegung teil; nicht selten arbeiteten Anarchisten und Bolschewiki bei den
Massenbewegungen 1917 in Russland zusammen; österreichische, ungarische und tschechische
Anarchisten erhoben sich in den Jahren 1918/19 zusammen mit den linken Marxisten gegen
den Krieg; einige von ihnen nahmen an der Gründung der kommunistischen Partei teil…4 Die-
sen Weg ging auch Mühsam. Bereits im Mai 1916 schlug er dem namhaften Münchener Sozi-
aldemokraten und Pazifisten Kurt Eisner eine Zusammenarbeit vor und solidarisierte sich mit
Karl Liebknecht. Am 17. Juni 1916 war Mühsam einer der Anführer der spontanen Hunger-Pro-

3 Erich Mühsam: Tagebücher. 15 Bde. Bd. 5: 1915–1916. Berlin 2013, S. 249.


4 V. V. Dam’e: Anarchisty, sindikalisty i Pervaja mirovaja vojna. Moskva 2014, S. 222 f., 227 f., 234–236.

286
Anarchisten im „roten Bayern“: Erich Mühsam und Gustav Landauer 1918/19

testdemonstration in München. Die versammelte Menge (Mühsam schätzte sie auf ca. 10.000
Menschen), skandierte „Frieden!“, „Nieder mit dem Krieg!“ und „Brot!“5 „Man scheint mich im
Verdacht zu haben, die ganze Sache organisiert zu haben, als ob sich sowas überhaupt organisie-
ren ließe!“, schrieb der Anarchist am 21. Juni 1916 in sein Tagebuch. „Meine Tätigkeit bei dem
Tumult erstreckte sich einfach darauf, den Rufen der Menge eine bestimmte Richtung zu geben,
die Aufregung über den Brotnot auf ihre Ursache, den Krieg, hinzulenken.“6 Mühsam hegte die
Hoffnung, dass die Krawalle anhalten und weitere Städte in Bayern und in ganz Deutschland
erfassen würden, und „dann kann es mit dem Kriege nicht mehr lange dauern.“7 Entgegen seinen
Erwartungen hörten in München die Unruhen jedoch auf, nachdem die Behörden die Lebens-
mittelversorgung der Bevölkerung etwas verbessert hatten.
Mühsam wurde zum Stammgast bei den abendlichen Diskussionen im Hause Eisner, der in die
Unabhängigen Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) eingetreten war und den Vor-
sitz der Münchener Ortsgruppe innehatte. Schon 1917 hatte der Dichter begonnen, Sympathien
für die russischen Bolschewiki zu empfinden. Ähnlich wie viele andere Revolutionäre außerhalb
Russlands sah er im Bolschewismus das, was er sehen wollte, und dieses Bild wich stark von der
Realität ab. Mühsam erklärte sich zum kommunistischen Anarchisten und Anhänger Bakunins,
den er als Wegbereiter der Idee der Sowjets betrachtete.8 Dabei sah er jedoch in Lenin und
den Bolschewiki eher unbewusste Nachfolger der Sache Bakunins, als derjenigen von Marx. Er
war der Ansicht, dass „der Bolschewismus die Brücke schlägt zwischen Marx und Bakunin“9,
und war aufrichtig davon überzeugt, dass „Lenin, dieser stramme Marxist“, die Unvereinbarkeit
von Sowjets und Zentralisierung verinnerlicht hatte und „den Lokalsowjets Autonomie gegeben“
hat.10 Mit anderen Worten, Mühsam hatte wenig Vorstellung von den rigorosen ultrazentralisti-
schen Realitäten des bolschewistischen Staates.
Die Aktivierung der Anarchisten in Deutschland zeichnete sich nach Beginn der Russischen Re-
volution ab. Das russische Vorbild und die Aktivitäten der Bolschewiki schienen eine Illustration
dafür zu sein, wie der Krieg und gleichzeitig die von ihm hervorgebrachten Ursachen beendet
werden könnten. Während der Streiks im Januar 1918 nahmen die Berliner Syndikalisten an
der Streikbewegung teil und verbreiteten Flugblätter mit der Aufforderung, den Streik zu ver-
längern. In München versagte der Vorstand der USPD-Ortsgruppe mit Eisner als ihrem Vorsit-
zenden während des Januar-Streiks den Anarchisten Mühsam und Sontheimer die Teilnahme an
Versammlungen und Arbeiterprotesten. Nach der Festnahme Eisners am späten Abend des 31.
Januars 1918 gelang es den beiden Anarchisten für eine gewisse Zeit, die Münchener Ortsgrup-
pe der Partei unter ihren Einfluss zu bringen. Aber bereits Ende Februar/Anfang März verbot
die Militärverwaltung ihnen öffentliche Betätigung und schickte sie im April aus München nach
Traunstein. Beide wurden erst am 31. Oktober 1918 aus der Haft entlassen. Einige Tage später
entflammte in Deutschland die Revolution.

5 Mühsam, Tagebücher, Bd. 5, S. 244–247.


6 Ebd., S. 256.
7 Ebd., S. 247.
8 „… das Rätesystem ist ganz sein Eigentum“, schrieb Mühsam über Bakunin; siehe ebd., S. 376.
9 Ebd., S. 298.
10 Ebd., S. 193.

287
Vadim Dam’e

Die revolutionären Ereignisse in Bayern begannen vor dem Sturz des Reiches in Berlin. Auch die
bayerischen Bauern waren trotz ihrer konservativ-katholischen Grundeinstellung unzufrieden
mit den Strapazen des Krieges, dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und dem Zwang, Lebens-
mittel abzuliefern. Noch mehr Empörung stand in den Städten vor dem Ausbruch, besonders
in München, wo sich Arbeiter, Soldaten und radikal eingestellte Intellektuelle sammelten. Und
genau diese wurden auch die treibende Kraft des Umsturzes. Die am 7. November veranstaltete
Massendemonstration auf der Theresienwiese geriet schnell außer Kontrolle der Organisatoren
aus den Reihen der SPD. Die Helden des Tages waren der im Oktober aus der Haft entlassene
Eisner und der illegal nach München zurückgekehrte Mühsam. Die Soldaten wollten den Reden
der sozialistischen Führer nicht zuhören, sondern erhoben ihre roten Flaggen und begannen,
mit Lastwagen zu den Kasernen zu fahren, um die Soldaten aufzufordern, sich dem Aufstand
anzuschließen.
„Ich war am 7. November nachmittags gegen 3/4 6 Uhr der erste Mensch Deutschlands, der
öffentlich die Absetzung der Dynastien und die Errichtung einer freien bayerischen Räterepublik
proklamierte“, teilte Mühsam in einem Brief an den Führer der Bremer „Internationalen Kom-
munisten“ Johann Knief (1880–1918) mit. Zunächst verlief die Demonstration ruhig, und „[d]
er erste Versuch, die Kraftwagenabteilung zu rebellieren, an dem meine Frau und ich teilnahmen,
missglückte völlig. Die Leute lehnten jede Aktion ab.“ Als die Demonstranten anfingen, durch die
Stadt zu ziehen, ging Mühsam zur Kaserne in der Türkenstraße, wo Unruhen aufgeflammt waren.
„Meine Frau ließ ich auf ein Militärlastauto hinaufheben, auf dem etliche Soldaten eine rote Fah-
ne schwangen. Dann kroch ich auch hinauf und hielt an die zusammengeströmten Soldaten und
das Publikum eine Rede, in der ich zur Revolution aufrief und die Republik verkündete. Jetzt war
die Revolution plötzlich da. Man rief mich zum Führer aus, und wir fuhren mit unserem Auto,
gefolgt von vielen Soldaten und bewaffnet mit einem schnell aufmontierten Maschinengewehr
los, um weitere Kasernen zu revoltieren.“11 Am Ende hatten sich fast alle Kasernen den Revoluti-
onären angeschlossen.
Anarchisten und Syndikalisten hatten an den revolutionären Ereignissen im November 1918
in unterschiedlichen Teilen Deutschlands äußerst tatkräftigen Anteil, obgleich es ihren unorga-
nisierten und unvorbereiteten Gruppen nicht gelang, auf die allgemeine Ausrichtung und die
Kampfparolen einen maßgeblichen Einfluss zu nehmen. Aber gerade in Bayern sollte es den An-
archisten vergönnt sein, für eine kurze Zeit in den Vordergrund der Ereignisse zu treten.
In München rief Mühsam zur Bildung von Räten auf, doch kam das erste dieser Gremien ohne
ihn zustande. Während er seine Agitation auf den Straßen der Stadt fortsetzte, gründeten Arbeiter
und Soldaten, die sich am Aufstand beteiligt hatten, im Mathäserbräusaal spontan den Revolutio-
nären Arbeiterrat (RAR). Wie sich Mühsam erinnerte, bestand der Revolutionäre Arbeiterrat aus
50 Mitgliedern. Obwohl die Mehrzahl der Mitglieder der USPD angehörten und viele von ihnen
nach der Gründung der KPD in diese neue Partei eintraten, wurde die Parteizugehörigkeit nicht
als wichtig empfunden, und eine Parteiagitation fand nicht statt. Die Zugehörigkeitsbedingung
war das Streben nach der Fortsetzung der Revolution bis zur Umsetzung der Expropriation des

11 Erich Mühsam an Johann Heinrich Knief in Bremen, 1. Dez. 1918. In: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina
Renz (Hrsg.): 1918: Die Deutschen zwischen Weltkrieg und Revolution. Berlin 2018, S. 238.

288
Anarchisten im „roten Bayern“: Erich Mühsam und Gustav Landauer 1918/19

Grundeigentums und der Produktionsmittel, der Beseitigung des demokratischen Staates und
der Errichtung einer Räterepublik.12 Zum Vorsitzenden des Revolutionären Arbeiterrats wurde
Eisner gewählt. Bei einer Sitzung im Landtagsgebäude rief der Rat die Bayerische Republik aus
und am folgenden Tag wurde eine Regierung unter der Leitung von Eisner gebildet. Ihr gehörten
vorwiegend Mitglieder der USPD und der SPD an, die nun die Revolution als vollendete Tatsa-
che akzeptieren musste.
Am 9. November wurde Mühsam vom Revolutionären Arbeiterrat als Mitglied kooptiert, entge-
gen dem Wunsch Eisners.13 Später wurde, auf Mühsams Vorschlag hin, auch Landauer zum Mit-
glied des Revolutionären Arbeiterrats gewählt.14 Zum Zeitpunkt der Revolution lebte Landauer
mit seinen Kindern im bayerischen Dorf Krumbach und war an Grippe erkrankt; schon einige
Tage nach dem Umsturz lud Eisner ihn nach München ein.15 „Was ich von Ihnen möchte“, schrieb
ihm der Führer der republikanischen Regierung in einem Brief vom 14. November, „ist, daß Sie
durch rednerische Betätigung an der Umbildung der Seelen mitarbeiten“.16 Kaum genesen, folgte
Landauer dieser Einladung von Eisner, den er seit 1917 kannte. „Ich fühle mich ganz gut von der
Grippe und fahre heute Abend nach München; Eisner erwartet mich“, teilte er am 15. Novem-
ber 1918 in einem Brief an seinen Schwager Adolf Otto mit und brachte die Hoffnung zum Aus-
druck, „daß es in oder gegen Berlin zu einer Ergänzungsrevolution kommt“. „Mein ganzer Trost
ist Bayern, von wo ich auch mithelfen will.“17 Allerdings gelang es Landauer nicht sofort, in die
bayerische Hauptstadt zu gelangen. In München erkrankte er erneut und musste für eine gewisse
Zeit nach Krumbach zurückkehren, von wo aus er erst Ende November erneut nach München
fuhr. Eisner stellte ihm als Bleibe ein Landhaus in Großhadern zur Verfügung. Landauer zerriss
sich geradezu zwischen Vorstadt, München und Krumbach, wo seine Kinder geblieben waren.
Er betrachtete seine Tätigkeit in Bayern lediglich als vorübergehend und hatte die Absicht, in der
Zukunft nach Düsseldorf zu ziehen, um dort im örtlichen Theater zu arbeiten.18
Der Münchener Revolutionäre Arbeiterrat in München organisierte in den Betrieben Wahlen
zum Münchener Arbeiterrat, half bei der Gründung von Räten in der Provinz und später bei der
Zusammenarbeit mit den Soldaten- und Bauernräten und der Schaffung des Bayerischen Zent-
ralrats. Außer Mühsam und Landauer gehörten dem Revolutionären Arbeiterrat noch zwei oder
drei parteilose Anarchisten an.19 Die Vertreter des Revolutionären Arbeiterrats bildeten die linke
Fraktion des Münchener Arbeiter- und Soldatenrats und entsandten Kontrolleure in alle Minis-

12 Mühsam, Die bayerische Räterepublik und die Anarchisten, S. 37–39; Ders.: Von Eisner bis Leviné. Die Entste-
hung der bayerischen Räterepublik. Berlin 2016, S. 7 f.
13 Erich Mühsam: Mein Gegner Kurt Eisner. In: Ders., „War einmal ein Revoluzzer“, S. 57.
14 Wolfgang Haug: Erich Mühsam. Schriftsteller der Revolution. Reutlingen 1984, S. 47.
15 Gustav Landauer an Ludwig Berndl, 12. Nov. 1918. Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis (künftig:
IISG), Gustav Landauer Papers, Inv. Nr. 152, Abschriften von 171 Briefen Gustav Landauers an Ludwig Berndl,
S. 170.
16 Wolf Kalz: Gustav Landauer. Kultursozialist und Anarchist. Meisenheim a. Glan 1967, S. 71.
17 Gustav Landauer an Adolf Otto, 15. Nov. 1918. IISG, Gustav Landauer Papers. Inv. Nr. 142. Briefe und Abschrif-
ten von Briefen von Gustav Landauer.
18 Gustav Landauer an Ludwig Berndl, 28. Nov. 1918; 29. Nov. 1918; 13. Dez. 1918; 25. Dez. 1918. IISG, Gustav
Landauer Papers, Inv. Nr. 152, S. 172–175.
19 Mühsam, Von Eisner bis Leviné, S. 7 f.

289
Vadim Dam’e

terien und offiziellen Dienststellen.20 Zudem wurden Anarchisten und Syndikalisten in verschie-
dene örtliche Räte gewählt: Der Aktivist der Syndikalistischen Arbeiterföderation Alois Sirch
wurde Mitte November Mitglied des Münchener Arbeiter- und Soldatenrats,21 der Anarchist
Fritz Oerter gehörte als Vetreter der USPD dem Exekutivkomitee des Arbeiter- und Soldaten-
rats Fürth22 an usw. Die Agitationsarbeit im revolutionären Bayern wurde von den Anarchisten
Sontheimer, Ret Marut und anderen betrieben. Marut gab die Zeitschrift „Der Ziegelbrenner“
heraus, brachte die Broschüre „Die Welt-Revolution beginnt“ in Umlauf und hielt Reden unter
dieser Losung.23
Es ist allerdings bezeichnend, dass es bei den Münchener Anarchisten keine Einigkeit bei Grund-
satzfragen der Theorie und Taktik gab. Sie alle begrüßten den Zusammenbruch des zentralisier-
ten Deutschen Reichs, diese „Taschenspielerei“, das „Werk Bismarcks“24 und „vorübergehende
Schöpfung der Gewalttat“.25 Die Anarchisten sahen in der spontanen Novemberrevolution und
in der Entstehung der Räte den Beginn eines Wegs zu Neuem, zu einer wahrhaft freien Gesell-
schaft. Allerdings stellten sie sich diesen Weg völlig unterschiedlich vor.
Sontheimer trat auf den Versammlungen der revolutionären Soldaten und Arbeiter mit Aufru-
fen zur Umsetzung des Kommunismus – der Vergesellschaftung des Eigentums – auf: „Wenn im
Kriege Alles durch Alle zwangsweise verteidigt werden musste, so muss nach dem Kriege auch
Alles Allen gehören. Wir verlangen die sofortige Beschlagnahme aller Kriegsgewinne, ehe sie
ins Ausland abwandern“, verkündete er.26 Sontheimers Sprache war dabei derart aggressiv und
blutdürstig, dass Mühsam sie später als „blutrünstiges und albernes Geschwätz“ bezeichnete.27
Landauer hingegen war bestrebt, die Ausübung von Gewalt gegen Menschen auf ein Minimum
zu begrenzen. „Das Problem der Gewalt macht mir nicht viel zu schaffen“, schrieb er an sei-
nen Freund Ludwig Berndl, „blutige gebrauche ich nicht; und das andere ist Notwehr gegen
Gewalt“.28
Aus Sicht Landauers konnten, wie sein Freund, der Philosoph Martin Buber zurecht anmerkte,
politische Revolutionen notwendig sein, doch würden sie nichts Neues schaffen. Sie könnten
nur den Boden für Neues bereiten. Der wahre Sozialismus, so glaubte er, bedeute freie, humane
und nicht hierarchische Beziehungen zwischen den Menschen, die über ein neues Bewusstsein

20 Mühsam, Die bayerische Räterepublik und die Anarchisten, S. 39. Später wurde der Revolutionäre Arbeiterrat auf
der Sitzung der Räte in Bayern von 10 Delegierten vertreten.
21 Ulrich Linse: Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871. Berlin 1969, S. 347.
22 Michael Seligman: Fürth in Bayern: Die erste bayerische Räterepublik – ausgerufen am 7. April 1919. In: Schwarzer
Faden. Vierteljahresschrift für Lust und Freiheit 1989, Nr. 1 (30), S. 46.
23 Wulf Koepke: Revolution in Schwabing: Ret Marut und sein Ziegelbrenner. In: Aurica E. Borszik, Hanna Mateo
(Hrsg.): B. Traven – der (un)bekannter Schriftsteller. Hamburg 2017, S. 84–91.
24 Erich Mühsam: Tagebücher. Bd. 6: 1919. Berlin 2014, S. 136.
25 Gustav Landauer: Die vereinigten Republiken Deutschlands und ihre Verfassung. Frankfurt a. M. 1918, S. 2. IISG,
Gustav Landauer Papers, Inv. Nr. 49.
26 So z. B. die Ankündigung einer Ansprache Sontheimers mit dem Titel „Soldaten u. Arbeiter!“ auf einer Ver-
sammlung von Soldaten am 27. Nov. 1918. In: Studienreihe Zivilgesellschaftliche Bewegungen – Institutionalisi-
erte Politik 2017, Nr. 34, S. 3.
27 Mühsam, Tagebücher, Bd. 6, S. 10.
28 Gustav Landauer an Ludwig Berndl, 14. März 1919. IISG, Gustav Landauer Papers, Inv. Nr. 152, S. 177.

290
Anarchisten im „roten Bayern“: Erich Mühsam und Gustav Landauer 1918/19

verfügten und ihre eigenen Organe zur Entscheidungsfindung bildeten. Dieser Prozess müsse
sich „von unten“ her entfalten und die Pflicht der Revolutionäre bestehe darin, die Herausbil-
dung von freien Formen des Lebens, des Bewusstseins und der sozialen Beziehungen zu ermög-
lichen.29 Genau damit wollte Landauer sich beschäftigen.
In seiner Broschüre „Die vereinigten Republiken Deutschlands und ihre Verfassung“, geschrie-
ben Ende November 1918, bezeichnete Landauer den Sturz der Monarchien als „segnende
Bewegung“,30 die den Grundstein für eine radikale Dezentralisierung und einen echten Födera-
lismus gelegt habe. Die echte Demokratie, so schreibt er, sei kein repräsentatives System, keine
Wahlabstimmung, bei der das Volk zugunsten einer Oligarchie resigniere. „Unsere Revolution
hat schon angefangen, zu der echten Demokratie zurückzukehren, wie sie in der Gemeinde-
und Landesversammlungen der mittelalterlichen Verfassungen, Norwegens und der Schweiz,
vor allem aber in den Tagungen der Sektionen in der französischen Revolution vorgebildet ist.“31
Anstelle von atomisierten Wählern und den sie vertretenden Parteiabgeordneten schlug Land-
auer ein anarchistisches System von örtlichen Versammlungen der Einwohner und Delegierten
verschiedener Verbände und Vereinigungen vor. Diese Delegierten sollten streng nach Anwei-
sung handeln (imperatives Mandat) und zu jedem beliebigen Zeitpunkt abberufen werden kön-
nen. Den von ihnen gegründeten Organen würden keine Befehls- und Verwaltungsvollmachten
übertragen: Es obliege ihnen lediglich Vorschläge zu machen oder Initiativen vorzubringen, zu
deren Umsetzung jedoch die Bevölkerung selbst oder die Verbände berufen seien. Die unteren
Selbstverwaltungsstrukturen sollten sich dann zu einer Föderation auf regionaler, Länder- und
staatlicher Ebene zusammenschließen. Landauer betonte besonders, „daß diese Demokratie in
unlöslicher Verbindung mit dem Sozialismus steht“.32 Den Weg dorthin sah er nicht etwa in der
Einberufung einer Nationalversammlung, sondern in den Räten: „Zu all dieser Entwicklung
sind nun die Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte, wie sie die Revolution nach altrevolutionärem
und neurussischem Muster sofort gebracht hat, der trefflichste Beginn.“33 Die Räte waren für
Landauer die Organe der Volksverbände und -vereinigungen und nicht die Diktatur des Proleta-
riats. „Und wer fürchtet jetzt noch eine Diktatur des Proletariats?“ rief er aus. Ich würde sie auch,
nein, nicht fürchten, sondern hassen und bekämpfen als Pest, wenn sie drohte; sie steht nicht
bevor; bevorsteht, früher als irgendjemand ahnt, nicht die Diktatur, sondern die Abschaffung
des Proletariats und die Entstehung der neuen Menschengesellschaft.“34
Doch der Übergang zur neuen Gesellschaft befinde sich erst ganz am Anfang, warnte Landauer
„Die Revolution hat erst begonnen“, schrieb er aus München an den Verleger Adolf Neumann
am 18. November 1918.35 Diesen Gedanken wiederholte Landauer des Öfteren. „Sie hat begon-
nen, die Geister sind erwacht und sie wird lange dauern. Was nur geschehen kann, soll getan

29 Martin Buber: Landauer und die Revolution. In: Ders.: Pfade in Utopia. Über Gemeinschaft und deren Verwirkli-
chung. Heidelberg 1985, S. 320–325.
30 Landauer, Die vereinigten Republiken Deutschlands und ihre Verfassung, S. 2.
31 Ebd., S. 3.
32 Ebd., S. 4.
33 Ebd.
34 Ebd., S. 5.
35 Gustav Landauer an Adolf Neumann, 18. Nov. 1918. IISG, Gustav Landauer Papers, Inv. Nr. 142.

291
Vadim Dam’e

werden, um der Vernunft, der Gerechtigkeit und der Liebe zu helfen“, betonte er in einem Brief
an Ludwig Berndl.36
Obwohl er die Entstehung der Räte begrüßte, kritisierte Landauer gleichzeitig die russischen
Bolschewiki, die er für zentralistische Jakobiner im Geist von Robespierre hielt, die nicht fähig
seien, eine neue Gesellschaft zu errichten. Sie seien „tragische Toren“, schrieb der Anarchist; und
alle „diese Krämpfe sind Marxistenwahnsinn“.37
Landauer stand Eisner positiv gegenüber, mit dem er persönlich befreundet war und den er als
ehrlichen Menschen und aufrichtigen Revolutionär schätzte. Allerdings störten ihn die Zuge-
ständnisse an die SPD, die vom Regierungschef gemacht wurden. Er hielt politische Parteien für
eine Bedrohung für die Revolution, ja, für ihren Totengräber, worüber er sich unmissverständlich
äußerte, als er vor der Sitzung des Bayerischen Provisorischen Nationalrats am 18. Dezember
1918 sprach.38 Allmählich wurde seine Enttäuschung über die Fähigkeiten Eisners, die Revoluti-
on voranzubringen, immer größer.
Mühsam hingegen vertraute Eisner von Anfang an nicht und bezeichnete die Bildung seiner Re-
gierung schon am 9. November öffentlich als „konterrevolutionär“.39 Mühsam bestand auf der
„Einigung des revolutionären Proletariats“ auf „dem Boden des Kommunismus“, durch „die
Sprengung aller Parteien“ und „die Vereinigung aller Revolutionäre, die internationalistisch,
kommunistisch und für die Räterepublik sind ohne Parteiprogramm, ohne Bibel, ohne Bonzen“
wie er die Parteiführer nannte.40 Dabei solle es auch einen Platz für Anarchisten und für revoluti-
onäre Marxisten der ersten Stunde geben. Ohne sich vom Anarchismus abzuwenden, hielt Müh-
sam es für unerlässlich, die Anschauungen Bakunins durch die Idee der „Diktatur des Proletari-
ats“ zu vervollständigen, wobei er darunter nicht eine Form des Staatsaufbaus verstand, sondern
ein Mittel zur Vollendung der Revolution.41 Sein eigenes „Programm“ sah folgendermaßen aus:
„Das Rätesystem mit der weitestgehenden Autonomie der lokalen Sowjets, der Internationalis-
mus bis zur Konsequenz der Aufhebung aller Staatsgrenzen, die proletarische Diktatur als Mittel
zum Zweck der Sozialisierung der Wirtschaft, der vollständigen Beseitigung jeder Ausbeutung
und endlich der Eliminierung des Proletariats selbst“, die „Herbeiführung der wirtschaftlichen
Gleichheit“, „Rücksichtslosigkeit im Destruieren kapitalistischer und staatsautoritärer Rudimen-
te bei gleichzeitigem Neuschaffen sozialistisch-kommunistischer Grundlagen der Gesellschaft“,
die Produktion als Magd des Konsums und die Dezentralisation der Wirtschaft.42 Mühsam
glaubte aufrichtig daran, dass die Bolschewiki in Russland auch genau das tun würden.
Zur Verbreitung dieser Ideen nahm Mühsam am 18. November 1918 wieder die Herausgabe der
Zeitschrift „Kain“ auf. Am 30. November gründete er mit radikalen Teilen des Revolutionären
Arbeiterrats eine neue Gruppe: die „Vereinigung revolutionärer Internationalisten“ (VRI). In ihr

36 Gustav Landauer an Ludwig Berndl, 29. Nov. 1918. IISG, Gustav Landauer Papers, Inv. Nr. 152, S. 173 f.
37 Gustav Landauer an Ludwig Berndl, 14. März 1919. Ebd., S. 177.
38 Buber, Landauer und die Revolution, S. 326.
39 Mühsam, Mein Gegner Kurt Eisner, S. 54–56.
40 Mühsam, Tagebücher, Bd. 6, S. 227.
41 Ebd., S. 192, 372.
42 Ebd., S. 298.

292
Anarchisten im „roten Bayern“: Erich Mühsam und Gustav Landauer 1918/19

sah er die praktische Verwirklichung der Idee der „Einigung des Proletariats“.43 Wie Mühsam sich
erinnerte, versammelte sich die VRI täglich in einem Hinterzimmer eines Gasthauses (Braunau-
er Hof), besprach die aktuelle Situation und anstehende Aktionen und erstellte Flugblätter und
Plakate. Landauer gehörte dieser Gruppe nicht an.44 Eine der ersten größeren Aktionen der Ver-
einigung war eine Demonstration gegen die geplanten Wahlen zum bayerischen Landtag am 6.
Dezember 1918. Vor 1.000 Soldaten und Arbeitern rief Mühsam dazu auf, die Wahlen zu sabotie-
ren; die Demonstranten besetzten die Redaktionen und Druckereien der führenden bürgerlichen
Münchener Zeitungen und forderten den Abdruck ihrer Erklärung. Eisner befahl der Polizei, die
Räumlichkeiten von den Demonstranten zu säubern.45 Am Vorabend der Wahlen am 10. Januar
1919 ordnete Eisner an, 12 führende revolutionäre Aktivisten, unter ihnen Mühsam, Sontheimer,
die Führer der Münchener Kommunisten und Mitglieder der VRI zu verhaften. Nach einer Groß-
demonstration auf dem Promenadeplatz mussten die Festgehaltenen jedoch freigelassen werden;
ihnen wurde ein begeisterter Empfang bereitet.46 Der Revolutionäre Arbeiterrat lud Eisner zu sei-
ner Sitzung ein und forderte von ihm eine Erklärung. „Wozu dieses Spiel mit der Revolution nach
der Revolution?“, fragte der Regierungschef, worauf Mühsam unter Applaus der Versammelten
erklärte, dass die Revolution nicht beendet sei und dass sie nicht dafür durchgeführt worden sei,
um Eisner auf den Stuhl des Ministerpräsidenten zu verhelfen.47
Obwohl die Mehrzahl der VRI-Mitglieder sich im Januar 1919 der neugegründeten Kommunis-
tischen Partei Deutschlands anschloss und Mühsam diese Organisation verließ, setzte er seine
Zusammenarbeit mit den Kommunisten in praktischen Fragen in der Hoffnung auf vereintes
Vorgehen im Kampf für die Räte fort. Doch nach den Landtagswahlen am 12. Januar, bei denen
die USPD Einsers eine vernichtende Niederlage erlitten hatte, entwickelten sich die Ereignisse
nach dem Schneeballprinzip. Landauer und Mühsam konzentrierten ihre Energie auf die Arbeit
im Revolutionären Arbeiterrat. Als der Kriegsminister, der Sozialdemokrat Albert Roßhaupter
die Rechte der Offiziere wiederherstellte, schickte der Revolutionäre Arbeiterrat Mühsam zu
einer Sitzung des Zentralen Soldatenrats, um den Rücktritt des Staatsbediensteten zu fordern,
doch diese Forderung wurde abgewiesen. Auf Anregung Landauers organisierte der Revolutio-
näre Arbeiterrat am 9. Februar eine Demonstration unter der roten Fahne, um eine Abkehr von
der Anwendung des Strafrechts wegen „Aufwiegelung“ zu erreichen. Die Protestierer drangen in
eine Sitzung des Münchener Arbeiterrats ein, und Mitglieder des Revolutionären Arbeiterrats,
darunter auch Landauer, Mühsam und der Kommunistenführer Max Levien hielten Ansprachen.
Sie forderten den Rücktritt der sozialdemokratischen Minister und die Aussetzung der Einberu-
fung der Nationalversammlung. Die sozialdemokratische Mehrheit des Arbeiterrats verließ die
Sitzung als Zeichen ihres Protests. Doch am 16. Februar gab es eine weitere Großdemonstration
mit 15.000 Menschen gegen die Verfolgung von Revolutionären aus politischen Gründen; Mit-
glieder des Revolutionären Arbeiterrats skandierten Parolen zur Machtübergabe an die Arbeiter-,

43 Heinz Hug: Erich Mühsam. Untersuchungen zu Leben und Werk. Glashütten 1974, S. 45 f.
44 Mühsam, Von Eisner bis Leviné, S. 10.
45 Simon Schaupp: Der kurze Frühling der Räterepublik. Ein Tagebuch der bayerischen Revolution. Münster 2017,
S. 56, 90.
46 Linse, Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871, S. 369 f.; Haug, Erich Mühsam, S. 47 f.
47 Mühsam, Mein Gegner Kurt Eisner, S. 58.

293
Vadim Dam’e

Soldaten- und Bauernräte. Auf einer Sitzung des bayerischen Rätekongresses, der vom 13. bis 20.
Februar 1919 im Gebäude des Münchener Nationaltheaters stattfand, appellierte Mühsam an
Eisner, reale Maßnahmen zur Sozialisierung der Wirtschaft und zur Errichtung von Beziehungen
mit dem revolutionären Russland zu ergreifen.48
Am 21. Februar wurde Eisner auf dem Weg zum neuen Landtag von Anton von Arco auf Valley
getötet. Daraufhin schoss das Mitglied des Revolutionären Arbeiterrats Alois Lindner auf den
Führer der bayerischen Sozialdemokraten, den Innenminister Erhard Auer, den er für schuldig
am Attentat auf Eisner hielt. In der darauffolgenden allgemeinen Panik liefen die Landtagsabge-
ordneten und die Regierungsmitglieder auseinander. Die reale Macht fiel an den Revolutionären
Arbeiterrat, der erneut einen Rätekongress einberief.
Weder Mühsam noch Landauer befanden sich am 21. Februar in München, sie kamen jedoch
bald in die Hauptstadt zurück. Landauer sprach bei der Trauerfeier. Am 25. Februar versammelte
sich der neue Rätekongress. Bei der Sitzung am 28. Februar sprach Mühsam im Namen des Revo-
lutionären Arbeiterrats und regte an, eine Räterepublik auszurufen. Dieser Vorschlag wurde von
den Kommunisten unterstützt, jedoch mit 234 gegen 70 Stimmen abgelehnt.49 Nein-Stimmen
kamen nicht nur von Sozialdemokraten und der Mehrheit der USPD-Mitglieder, sondern auch
von Landauer, der der Ansicht war, dass die Zeit für eine Räterepublik noch nicht reif sei.50 Am 7.
und 8. März wiederholte Mühsam seinen Vorschlag ohne Erfolg.
Unter dem Druck der aus Berlin angereisten USPD-Führer wurde in Nürnberg am 7. März bei
Verhandlungen zwischen der SPD und der USPD ein Kompromiss erzielt, der auch vom Räte-
kongress trotz der Einwände der extremen Linken bestätigt wurde. Nach dieser Übereinkunft
sollte sich der Landtag für eine Regierungsbildung aus beiden sozialdemokratischen Parteien
zusammenfinden.51 Die Liste der Kabinettsmitglieder unter dem Vorsitz des Sozialdemokraten
Johannes Hoffmann wurde mit dem Zentralrat abgestimmt, der vom Rätekongress gewählt wur-
de. Am 17. März wurde die Regierung vom Landtag bestätigt, der danach seine Arbeit einstellte,
bis er wieder vom Zentralrat einberufen würde.
„Wir haben ein Ministerium der Mittelmäßigkeiten; aber wenigstens ist es vom Rätekongreß
ernannt und kann von ihm wiederabgesetzt werden“, schrieb Landauer an Adolf Otto. „Außer-
dem ist zu hoffen, dass die Kommissionen unseres Aktionsausschusses jetzt mit der praktischen
Arbeit beginnen werden.“52 „Wir erleben jetzt die Hochphase der Reaktion („sozialistisches Mi-
nisterium“ genannt)“, wiederholt er in einem Brief an Berndl. „wir sind jetzt in voller Reaktion
(„sozialistisches Ministerium“ genannt)“ – „Bei uns ist’s schwer; ich könnte helfen; aber die Welt
ist so taub, daß ich verstummen möchte.“53 Landauer stimmte einer Neuauflage der Zeitung „Der
Sozialist“ zu, die vor dem Krieg das Presseorgan des Sozialistischen Bundes gewesen war und
nun erneut dieselben Ideen propagieren sollte. Er erörterte mit Berndl Organisationspläne für

48 Mühsam, Von Eisner bis Leviné, S. 15–20.


49 Haug, Erich Mühsam, S. 48.
50 Mühsam, Die bayerische Räterepublik und die Anarchisten, S. 37.
51 Mühsam, Von Eisner bis Leviné, S. 30–32.
52 Gustav Landauer an Adolf Otto, 13. März 1919. IISG, Gustav Landauer Papers, Inv. Nr. 142.
53 Gustav Landauer an Ludwig Berndl, 14. März 1919. IISG, Gustav Landauer Papers, Inv. Nr. 152, S. 177.

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Anarchisten im „roten Bayern“: Erich Mühsam und Gustav Landauer 1918/19

freie argarindustrielle Wirtschaftsgemeinden im Raum München nach den Prinzipien, wie sie
von Kropotkin in seinen Büchern „Die Eroberung des Brotes“ und „Landwirtschaft, Industrie
und Handwerk“ dargelegt worden waren.54 Er wollte Anhänger für seine Ideen und Ansichten ge-
winnen und war bereit, diese Anhänger anzuführen. „Ich glaube auch, zu einer Führung berufen
zu sein; sammeln Sie nur an Ihrem Ort die Menschen, die zu mir gehören“, schrieb Landauer an
Adolf Neumann, „andere tun es und sollen es noch weiter tun an anderen Punkten, und, so hoffe
ich, soll bald die Zeit zu einer Art Kongreß kommen…“55
Auf einer Kundgebung des Revolutionären Arbeiterrats Ende März, bei der Mühsam eine An-
sprache hielt, trat der bayerische Kommissar für Wirtschaftssozialisierung Otto Neurath auf, der
versprach, die Regierung davon zu überzeugen, den Anhängern des Kommunismus eine größe-
re Bodenfläche für die Umsetzung einer kommunistischen Wirtschaft zur Verfügung zu stellen.
Landauer sprach sich für die Annahme dieses Plans aus. Doch die Mehrheit der Demonstranten
unterstützte die Position Mühsams, der forderte, dass ein solcher Bereich auch volle politische
Autonomie genießen solle.56
Die revolutionäre Stimmung in Bayerns Städten schwoll an. „Hier gehen wichtige Dinge vor; ich
fange wieder an zu denken, daß wir nicht umsonst arbeiten“, teilte Mühsam am 26. März in einem
Brief an den österreichischen Schriftsteller Fritz Mauthner mit. „Der Stachel, den wir hinter der
Regierung gesetzt haben, wirkt so, daß auf ihre Psychologie nicht mehr viel ankommt.“57
Am 4. April forderten die streikenden Augsburger Arbeiter vom Zentralrat die Ausrufung einer
Räterepublik. Gleichzeitig verstießen die Landtagsvorsitzenden gegen die getroffene Vereinba-
rung und beriefen eine Sitzung des Gesetzgebungsorgans für den 8. April ein, was von den Revo-
lutionären als der Übergang der Konterrevolution zum Angriff aufgefasst wurde. Landauer, der
Vorsitzende des Zentralrats, der Sozialdemokrat Ernst Niekisch und eine Reihe weiterer USPD-
Mitglieder schlugen vor, eine Räterepublik auszurufen und diese Idee wurde von Mühsam unter-
stützt. Beiden Anarchisten kam eine entscheidende Rolle in den darauffolgenden Besprechun-
gen zu, die in den Räumlichkeiten des Außenministeriums und des Ministeriums für militärische
Angelegenheiten unter Teilnahme der Mitglieder des Revolutionären Arbeiterrats, beider sozial-
demokratischen Parteien und der Gewerkschaften abgehalten wurden. Die Mehrheit der Anwe-
senden sprach sich für die Ausrufung der Räterepublik aus, doch die Führung der Kommunisten
unter der Leitung von Eugen Leviné war dagegen. Die Kommunisten wollten keine Beteiligung
von SPD-Vertretern an der neuen Machtverteilung hinnehmen und hielten die Errichtung einer
Räterepublik für „verfrüht“. Mühsam versuchte, sie von ihren Einwänden abzubringen; es wur-
de beschlossen, dass die SPD keinen Anteil an den neuen Exekutivorganen haben würde, doch
Leviné und seine Genossen blieben hart.58 Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Leviné
verurteilte Mühsam die Position der Kommunistenführer als Bruch der „Einheit des Proletariats“
und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sich ihre Position nach den Wahlen für die neu-

54 Gustav Landauer an Ludwig Berndl, 22. März 1919. Ebd., S. 177 f.


55 Gustav Landauer an Adolf Neumann, 22. März 1919. IISG, Gustav Landauer Papers, Inv. Nr. 142.
56 Mühsam, Von Eisner bis Leviné, S. 36.
57 Gustav Landauer, Fritz Mauthner: Briefwechsel 1890–1919. München 1994, S. 363.
58 Siehe auch Mühsam, Von Eisner bis Leviné, S. 39–48.

295
Vadim Dam’e

en Betriebs- und Fabrikräte, die die proletarische Macht darstellen sollten, ändern würde, doch
diese Hoffnung erfüllte sich nicht.
Letzten Endes wurde die Räterepublik59 ohne Beteiligung der KPD ausgerufen. Landauer und
Mühsam hatten bedeutende Positionen in ihrer Führung inne. Allerdings unterschieden sich die
Standpunkte und Handlungen der beiden Münchener Anarchisten in der Zeit der sogenannten
„ersten“ Räterepublik (7. bis 13. April) in vielen Punkten.
Landauer wurde zum Volksbeauftragten für Volksaufklärung, Bildung, Wissenschaft und Kunst,
wobei seine Kandidatur ohne Gegenkandidaten erfolgte und auf keinerlei Einwände stieß.60
Zwar hegte er berechtigte Zweifel am Erfolg der Räterepublik, doch wollte er auch nicht abseits
bleiben. „Läßt man nur ein paar Wochen Zeit, so hoffe ich etwas zu leisten; aber leicht möglich,
daß es nur ein paar Tage sind, und dann war es ein Traum“, schrieb er am 7. April an Mauthner.61
Landauer wollte die „akademische Konterrevolution“ beseitigen und seine Reorganisation des
Bildungs-, Kultur- und Kunstsystems nach den Prinzipien der Dezentralisierung und Selbstver-
waltung umsetzen.62 Seinen Plänen zufolge sollte an der Münchener Universität ein „Hoch-
schul-Revolutionsrat“ und an der Akademie der Bildenden Künste ein „Künstlerrat“ gegründet
werden. Diese Organe sollten dann Reformpläne für Lehranstalten auf den neuen revolutionären
Grundlagen erarbeiten, neue Lehrpläne vorbereiten usw. Mit Künstlern und Bühnenschaffenden
diskutierte er die Selbstverwaltung der Theater. Es wurde eine Sozialisierung der Presse erwogen.
Es gelang Landauer allerdings nicht, sein Programm während der Dauer der ersten Räterepublik
zu verwirklichen.63
Außerdem kritisierte Landauer die Kommunisten auf der Konferenz der der Betriebs- und Fab-
rikkomitees am 11. April scharf.
Der Anarchist Ret Marut arbeitete eng mit Landauer zusammen. Er leitete die Presseabteilung
des Zentralrats, war Mitglied des Propagandaausschusses des Gremiums der Betriebs- und Fabri-
kräte und der Kommission zur Bildung eines Revolutionstribunals. Unter anderem war er für die
Kontrolle der bürgerlichen Presse verantwortlich.64
Mühsam kümmerte sich im Kommissariat für Äußere Angelegenheiten um die Verbindungen
zu den Sowjetrepubliken im Osten, indem er über Funk Kontakt mit Sowjetungarn und Sow-
jetrussland unterhielt. Er wollte seine Dienstbezeichnung in die eines „Volksbeauftragten für das
Auswärtige“ umwandeln, doch diese Idee wurde von Landauer abgewiesen, der glaubte, dass es

59 Zur Ausrufung und Geschichte der Bayerischen Räterepublik siehe A .Ju. Vatlin: Sovetskoe ėcho v Bavarii.
Moskva 2014.
60 Erich Mühsam: Lüge um Landauer. In: Ders., „War einmal ein Revoluzzer“, S. 61.
61 Landauer, Mauthner, Briefwechsel 1890–1919, S. 364.
62 Siehe Abschrift eines Erziehungsprogramms. IISG, Gustav Landauer Papers, Inv. Nr. 164; Volksbeauftragter für
Volksaufklärung an die Universität München. Ebd., Inv. Nr. 163; Die Vorgänge an der Münchener Universität
unter dem Volkskommissariat Gustav Landauers. Ebd.
63 Linse, Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871, S. 364–367.
64 Christine Hohnschopp: Rebellierende Tote. Tod und Emanzipationsprozeß im Werk B. Travens. Paderborn 1993,
S. 49.

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Anarchisten im „roten Bayern“: Erich Mühsam und Gustav Landauer 1918/19

seinem Genossen hierfür an Erfahrung fehle.65 Mühsams Diskurs erinnerte in dieser Zeit stark
an die Terminologie der Bolschewiki. Bemerkenswert ist, dass er in dieser Zeit die Todesstrafe
kategorisch ablehnte. Später noch, als er sich in bayerischer Gefangenschaft befand, empörte er
sich über die Erschießung von Geiseln in den letzten Tagen der „zweiten“ Räterepublik: „Eine
verbrecherischere Verrücktheit wäre ja nicht auszusinnen gewesen.“66
Das Ausbleiben einer anarchistischen Organisation in Bayern während der Revolution und die
auseinandergehenden Meinungen von führenden Anarchisten erlaubte es ihnen nicht, eine ge-
meinsame Linie, die auf die Verwirklichung des anarchistischen Ideals abzielte, auszuarbeiten
und durchzuführen. Zudem war die Bevölkerung nicht darauf vorbereitet, die sozialen Alternati-
ven der Anarchisten anzunehmen und den Parteien sowie deren Führern zu vertrauen. „Wir alle
täuschten uns in der Psychologie der Massen“, bekannte Oerter in einem Brief an Mühsam zehn
Jahre nach den Ereignissen. „Wir glaubten sie fähig, sozialistisch zu denken und zu handeln. […].
Aus der Perspektive von heute gesehen, war die Räterepublik ein Versuch am untauglichen Ob-
jekt. Immerhin offenbarte sich bei dieser Gelegenheit ein beispielloser Heroismus.“67
Die „erste“ Räterepublik in München währte bekanntlich nicht lange. Sie wurde am 13. Ap-
ril 1919 durch einen Militärputsch gestürzt, der seinerseits von „roten“ Verbänden unter der Füh-
rung der Kommunisten niedergeworfen wurde. Eben diese bildeten eine neue Räteregierung,
in der für Anarchisten aber kein Platz mehr war. Mühsam wurde von den Putschisten verhaftet
und auf ein Territorium gebracht, das sich unter der Kontrolle des Kabinetts Hoffmann befand.
Landauer ging gegen die Regierung der Kommunisten in Opposition. Der von ihm vorgeschla-
gene Entwurf für eine Selbstverwaltung im Kulturbereich wurde abgelehnt. Am 16. April trat
er von seinem Posten als Kommissar zurück. In der „zweiten“ Räterepublik war er Kritik und
Hetzkampagnen ausgesetzt. Er musste die Räumlichkeiten des früheren Wittelsbacher Palais
verlassen. Im Zentralorgan der KPD „Rote Fahne“ titulierte man ihn und Mühsam als „bürgerliche
Revolutionäre“.68 Aus einer Versammlung Ende April 1919 jagte man Landauer mit der Begrün-
dung hinaus, dass es dort keinen Platz für einen Anarchisten gäbe, der vor niemandem die Verant-
wortung zu tragen wünsche.69 Er plante eine Reorganisation des Sozialistischen Bundes,70 doch
vermochte er seine Absicht nicht umzusetzen. Die Räterepublik fiel, und es begann der „weiße“
Terror. Am 2. Mai wurde Landauer von „Freikorpslern“ getötet. Er wusste, was ihn erwartete und
ging dem Tod erhobenen Hauptes entgegen. Auch Sontheimer wurde nach seiner Festnahme
ermordet. Am 4. Mai 1919 erschoss man zwei Mitglieder der Syndikalistischen Arbeiterfödera-
tion. Mühsam wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt und kam 1924 im Zuge einer Amnestie wie-
der frei. Marut gelang es, aus der Haft zu fliehen. Es musste einige Jahre untertauchen und dann
Deutschland verlassen; daraufhin lebte er in Mexiko und wurde ein bekannter Schriftsteller und
Drehbuchautor unter dem Pseudonym „Bruno Traven“. Die anarchistische Bewegung in Bayern
hat sich nach der Zerschlagung der Räterepublik nie wieder erholt.

65 Linse, Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871, S. 371.


66 Mühsam, Tagebücher, Bd. 6, S. 45.
67 Zit. nach: Seligmann, Fürth in Bayern, S. 47.
68 Mühsam, Tagebücher, Bd. 6, S. 164.
69 Ebd., S. 311.
70 Linse, Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871, S. 363 f., 367.

297
Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes

Dr. Vladislav B. AKSENOV, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Russländische


Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften
Prof. Dr. Helmut ALTRICHTER, 1990–2012 Inhaber des Lehrstuhls für Osteuropäische
Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Dr. Steffen ARNDT, Archivrat, Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Gotha
Prof. Dr. Karsten BRÜGGEMANN, Professor für Estnische und Allgemeine Geschichte an der
Universität Tallinn/Estland
Dr. Vladimir P. BULDAKOV, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Russlän-
dische Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften
Prof. Dr. Vasilij C. CHRISTOFOROV, korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie
der Wissenschaften, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Russländische
Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Vasilij L. ČERNOPEROV, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Geschichte und Internati-
onale Beziehungen der Staatlichen Universität Iwanowo
Dr. Vadim V. DAM’E, führender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Allgemeine
Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften
Tobias HIRSCHMÜLLER, M. A., wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und
Neueste Geschichte der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
Dr. Mark JONES, Lecturer/Assistant Professor, University College Dublin
Dr. Irina A. KUKUŠKINA, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Allgemeine
Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Leontij V. LANNIK, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Allgemeine Geschichte
der Russischen Akademie der Wissenschaften
Prof. Dr. JÖRN LEONHARD, Direktor des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte
Westeuropas an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Prof. Dr. Igor’ V. NARSKIJ, Staatliche Universität Südural, Tscheljabinsk
Prof. Dr. Marie-Luise RECKER, Professorin Emeritus der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Prof. Dr. Aleksandr V. ŠUBIN, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Allgemei-
ne Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften
Apl. Prof. Dr. Reiner TOSSTORFF, Historisches Seminar der Johannes Gutenberg-Universität
Mainz, Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte

299
Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes

Prof. Dr. Alexander Ju. VATLIN, Professor am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der
Historischen Fakultät der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität
Dr. Hans WOLLER, 1979–2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte in
München; 1985 bis 1988 Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in Rom; 1994 bis 2015
Chefredakteur der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte
Dr. Jürgen ZARUSKY, 1990–2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte
in München, 2016–2019 Chefredakteur der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, verstorben am
4. März 2019

300
Kontakte

Deutscher Co-Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission


Prof. Dr. Joachim Tauber
Nordost-Institut (IKGN e. V.)
an der Universität Hamburg
Lindenstraße 31
21335 Lüneburg
E-Mail: sekretariat@[Link]
Internet: [Link]
Russischer Co-Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission
Akademiemitglied Prof. Dr. Alexander Tschubarjan
Russische Akademie der Wissenschaften
Institut für Allgemeine Geschichte
Leninskij prospekt 32A
119334 Moskau
E-Mail: dir@[Link]
Internet: [Link]
Deutsches Sekretariat der Gemeinsamen Kommission
Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)
Referat K 43
Graurheindorfer Straße 198
53117 Bonn
E-Mail: K43@[Link]
Internet: [Link]
Russisches Sekretariat der Gemeinsamen Kommission
in der Russischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Viktor Ischtschenko
Leninskij prospekt 32a
119334 Moskau
E-Mail: dir@[Link]
Weitere Informationen zu Zusammensetzung und Tätigkeit der Kommission finden Sie unter:
[Link]

301
На рубеже эпох:
русский и немецкий опыт 1917–1919 гг.
Предисловие

Совместная комиссия по изучению новейшей истории российско-германских отношений


десятый раз представляет публике свои «Сообщения». Настоящий сборник статей посвя-
щен революциям 1917 г. в России и 1918–1919 гг. в Германии. В основу тома легли колло-
квиумы 2017 и 2018 годов, в ходе которых историки обсуждали последствия и транснацио-
нальное взаимодействие революционных событий в обеих странах. В публикуемых статьях
освещаются не только германо-российские отношения, но и взгляды обеих сторон на пер-
спективы революционного развития в контексте войны и политических потрясений.
Статьи, представленные в этом томе, с помощью различных подходов демонстрируют, на-
сколько тесно переплетались революционные события в Германии и России.
Впервые за все время издания «Сообщений» одна из статей сборника выходит в свет на
английском языке – статья Марка Джонса «Scripting the Revolution: “Russian Conditions”
and the German political imagination in 1918 and 1919». Еще одно нововведение – публи-
кация тома в формате открытого доступа (Open-Access). Тем самым Комиссия хотела бы
облегчить читателям доступ к публикуемым материалам и внести дополнительный вклад в
научный обмен между исследователями из Германии и России.
Совместная комиссия по изучению новейшей истории российско-германских отношений
благодарит правительства обеих стран за многолетнюю поддержку ее работы. Особую бла-
годарность Комиссия хотела бы выразить Министерству иностранных дел Российской Фе-
дерации, а также Уполномоченному Федерального Правительства Германии по делам куль-
туры и средств массовой информации.
В состав редакционной коллегии тома вошли Верена Брунель, Галина Велданова, к.и.н. Вик-
тор Ищенко, к.и.н. Наталья Тимофеева.

Проф. д-р Йоахим Таубер Проф., д.и.н. Александр Чубарьян


(сопредседатель Комиссии (сопредседатель Комиссии
с германской стороны) с российской стороны)

305
Коллоквиум «Российская революция 1917 года»
Москва, июль 2017 г.
Владимир Булдаков

Революция 1917 года в новейших российских исследованиях

По проблемам российской революции в современной России выходило и выходит немало


самых различных публикаций – от академических работ историков до всевозможных пу-
блицистических сочинений. Особенно активизировались авторы самых различных направ-
лений в связи со 100-летием событий 1917 г. – появились крупные обобщающие работы1.
В рамках данной статьи упомянуть обо всех из них вряд ли возможно2. Поэтому основное
внимание уделяется не столько отдельным публикациям и авторам, сколько общему движе-
ния исторической мысли в ХХI в.
На протяжении последних лет революция по-прежнему возбуждала немалые страсти и в
российском обществе, и в сообществе историков. Нет сомнения, что имплицитно сказы-
валась травма исторического сознания, связанная с «двойным» (1917 и 1991 гг.) разру-
шением «великой» империи3. В этом контексте следует рассматривать и «утешительные»
заявления о том, что русская история была особо успешной4. Напротив, некоторые авторы
попытались обосновать свой пессимизм относительно модернизационного прогресса Рос-
сии по-новому – с помощью неомальтузианских теорий5.
Тем не менее, внутри исторического цеха заметно проявило себя стремление к многомерно-
му анализу событий революционных лет6. В настоящее время интерес авторов простирает-
ся от экономики и финансов до слухов и предрассудков, от геополитики до повседневности.
В центре внимания оказываются не только попытки революционных лидеров прорваться в
«будущее», но и стремление политически неразвитых масс «убежать» в прошлое. Весьма
обнадеживают призывы понять революцию в свете теории динамического хаоса7. К сожа-
лению, современные авторы в большинстве своем отвергают стохастическую и синергети-

1 См.: Российская революция 1917 года: Власть, общество, культура. В 2 т. / Ю.А. Петров (отв. ред.). М., 2017.
2 О некоторых коммеморативных итогах см.: Б.И. Колоницкий. Юбилейный год и историки революции //
Российская история. 2018. № 1. С. 181–187.
3 Булдаков В.П. Революция и историческая память: Российские параметры клиотравматизма // Россия
и современный мир. 2008. № 2. С. 5–27; Михайлов И.В. От революции к Гражданской войне: трудности
переосмысления проблемы в современных условиях // Русская революция в контексте истории / В.П.
Зиновьев (отв. ред.). Томск, 2008. С. 82–88.
4 Соловей В.Д. Русская история: Новое прочтение. М., 2005. С. 7–9.
5 Нефедов С.А. О причинах Русской революции // О причинах Русской революции / Л .Е. Гринин, А .В.
Коротаев, С.Ю. Малков (отв. ред.). М., 2014. С. 25–60.
6 Могильницкий Б.Г. Русская революция в перспективе долгого времени: новые подходы к ее осмыслению
// Зиновьев В.П. (отв. ред.). Русская революция в контексте истории. С. 6–34; Цыганков В.В. Кризисы
российского общества: Русская революция с позиций мирсистемного анализа // Там же. С. 89–95;
Лукоянов И.В. Революция 1917 года: что это было? // Февральская революция 1917 года: проблемы истории
и историографии / В.В. Калашников (отв. ред.). СПб., 2017. С. 274–283.
7 Бородкин Л .И. Русская революция в свете теории динамического хаоса // Гринин Л .Е., Коротаев А .В., Мал-
ков С.Ю. (отв. ред.). О причинах русской революции. С. 283–284.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 309–327


[Link] 309
Владимир Булдаков

ческую природу социальных явлений, предпочитая этатистский подход к событиям 1917 г., –
сказывается наследие авторитаризма и патерналистской ментальности.
По-прежнему встречаются работы, отмеченные политической предвзятостью, что, есте-
ственно, лишает их исследовательской глубины8. Было время, когда историю революции
подменили «однопартийной» историей ВКП(б). Затем пришло время многопартий-
ной истории9. Некоторые авторы, особенно социал-демократической направленности,
по-прежнему настаивают на политической интерпретации революционных событий10. Вме-
сте с тем, исследователи все чаще пишут о связи русской революции с общеевропейской
катастрофой – Первой мировой войной11. Но наиболее примечателен наметившийся отказ
от выделения особых революций 1917 г. – Февральской и Октябрьской12. При этом даже в
популярных работах обращается внимание на то, что «исторические срывы, провалы и ка-
тастрофы следует признать важнейшей особенностью Русской цивилизации»13. А в право-
славно-монархических кругах революция признается закономерной катастрофой, связан-
ной с глубочайшим духовным кризисом, поразившим Россию, причем Февраль и Октябрь
называются его закономерными взаимосвязанными стадиями 14.
В целом, растет понимание того, что революция – это длительный процесс15, исход кото-
рого определялся не столько устремлениями в будущее и возможностями формирования
гражданского общества16, сколько сдерживающим влиянием культурных традиций17. Соот-

8 В этом отношении особенно показательны отдельные локальные исследования. Напр., см.: Соколов Д.В.
Таврида, обагренная кровью: Большевизация Крыма и Черноморского флота в марте 1917 – мае 1918 г.
М., 2013.
9 См.: Российская многопартийность и политические кризисы ХХ–ХХI вв. / П.П. Марченя, С.Ю. Разин
(ред). М., 2016. Критику таких представлений см.: Булдаков В.П. Российская многопартийность в
контексте системных кризисов // Вестник Тверского государственного университета. История. 2010. №
12. Вып. 2. С. 17–33.
10 Орлов Б. От Февраля к Октябрю 1917 г.: особенности социально-политического процесса // Сообщения
Совместной комиссии по изучению новейшей истории российско-германских отношений. Т. 7: Первая
мировая война: Россия и Германия в европейском контексте / А. Чубарьян, Х. Мёллер (ред.). Берлин; Бо-
стон, 2017. С. 123–131.
11 См.: Тютюкин С.В. Россия: от Великой войны – к Великой революции // Война и общество в ХХ веке /
С.В. Листиков (отв. ред.). В 3 кн. Кн. 1. М., 2008. С. 120–160; Россия в годы Первой мировой войны: Эко-
номическое положение, социальные процессы, политический кризис / Ю.А. Петров (отв. ред.). М., 2014;
Первая мировая война и конец Российской империи. В 3 т. Т. 3: Февральская революция / Р.Ш. Ганелин и
др. СПб., 2014.
12 Булдаков В.П. Красная смута: Природа и последствия революционного насилия. М., 1997, 2-е доп. изд.
2010.
13 Это, однако, не помешало автору представить «православную» версию событий. См.: Разумовский Ф. 1917:
Переворот? Революция? Смута? Голгофа! М., 2017. С. 3.
14 Закатов А .Н. Великая Русская Катастрофа: К 100-летию Февральской революции. Рязань, 2017. С. 3, 4, 6.
15 Булдаков В.П. Революция как проблема российской истории // Вопросы философии. 2009. № 1. С. 53–63.
16 Черняк Э.И. Гражданская активность в Сибири в 1917 г. // Зиновьев В.П. (отв. ред.). Русская революция в
контексте истории. С. 180–187.
17 См.: Гринин Л .Е., Коротаев А .В., Малков С.Ю. (отв. ред.). О причинах Русской революции; Russian Culture
in War and Revolution, 1914–22. Book 1: Popular Culture, the Arts, and Institutions / M. Frame, B. Kolonitskii,
S. G. Marks, M. Stockdale (eds.). Bloomington, 2014. В этом сборнике представлены работы западных и рос-
сийских авторов.

310
Революция 1917 года в новейших российских исследованиях

ветственно все большее внимание уделяется «тонкой материи» революционного бытия –


прежде всего архаичным элементам массового сознания18. Примечательно, что заметно ак-
тивизировались филологи19. Предпринимаются попытки показать особую эмоциональную
ауру революционной повседневности20. Появляются работы, затрагивающие внешнеполи-
тический аспект развития русской революции21.
На этом фоне профессиональные исследователи все чаще объединяют события 100-летней
давности понятием Великая российская революция22. Трудно сказать, насколько оправдано
употребление такого понятия. Нет сомнения, что революция 1917 г. была великой по своим
социальным потрясениям. Громадное влияние она оказала и на ход мировой истории ХХ
в. Однако ценности этой революции – основной маркер исторического величия – все же
вызывают серьезные сомнения.
По традиции события 1917 г. связываются по преимуществу с политическими института-
ми, далеко не всегда принимая во внимание их относительность в условиях углубляюще-
гося социального хаоса23. Некоторые авторы продолжают изыскивать социалистическую

18 Леонов С.В. «Разруха в головах»: к характеристике российского массового сознания в революционную эпо-
ху (1901–1917 гг.) // Ментальность в эпохи потрясений и преобразований /А .А. Горский (отв. ред.). М.,
2003. С. 95–172; Аксенов В.Б. Слухи и страхи петроградцев и москвичей в 1917 г. // Социальная история:
Ежегодник: 2004 / К.М. Андерсон, А .К. Соколов (отв. ред.). М., 2005. С. 163–200; Аксенов В.Б. Война
и власть в массовом сознании крестьян в 1914–1917 гг.: архетипы, слухи, интерпретации // Российская
история. 2012. № 4. С. 137–145; Аксенов В.Б. «Враги России» в журнальной карикатуре // Российская
история. 2016. № 5. С. 216–222; Аксенов В.Б. Слухи и мифологемы Российской революции: классификация,
особенности функционирования, сюжеты // Эпоха войн и революций: 1914–1922 / Б.И. Колоницкий,
Д. Орловски (отв. ред.). СПб., 2017. С. 337–350; Колоницкий Б.И. Слухи об императрице Александре
Фёдоровне и массовая культура (1914–1917) // Вестник истории, литературы, искусства / Г.М. Бонгард-
Левин (ред.). Т. 3. М., 2006. С. 362–378.
19 См.: Перелом 1917 года: революционный контекст русской литературы: Исследования и материалы / В.В.
Полонский (отв. ред.). М., 2017.
20 Булдаков В.П. Россия, 1914–1918 гг.: война, эмоции, революция // Россия в годы Первой мировой войны,
1914–1918 / А .Н. Артизов, А .К. Левыкин, Ю.А Петров (отв. ред.). М., 2014. С. 11–21; Булдаков В.П. 1917
год: страсти революции // Труды по россиеведению ИНИОН РАН. Вып. 6 / И.И. Глебова (гл. ред.). М.,
2016. С. 277–319; Булдаков В.П. Революция и эмоции: к реинтерпретации политических событий 1914–
1917 гг. // Колоницкий Б.И., Орловски Д. (отв. ред.). Эпоха войн и революций. С. 460–475; Булдаков В.П.
Революция, эмоции, политики: к переосмыслению событий 1914–1917 гг. // Политическая концептология.
2017. № 2. С. 147–180.
21 Листиков С.В. США и революционная Россия в 1917 году: К вопросу об альтернативах американской
политики от Февраля к Октябрю. М., 2006; Будницкий О.В. Б.А. Бахметев и «русские деньги» в Америке //
Российско-американские отношения в прошлом и настоящем: Образы, мифы, реальность / Е.И. Пивовар
(ред.), В.И. Журавлева (сост.). М., 2007. С. 187–207; Быстрова Н.Е. Россия на «дипломатическом фронте»
после Октября 1917 года // Великая российская революция 1917: Сто лет изучения / Ю.А. Петров (отв.
ред.). М., 2017. С. 568–575; Сергеев Е.Ю. Февраль и Октябрь 1917 года в общественном мнении Запада (на
примере Великобритании) // Там же. С. 533–538.
22 Шубин А .В. Великая российская революция: от Февраля к Октябрю 1917 года. М., 2014; Идзинский В.
Движущие силы и сущность Великой российской революции. М., 2017.
23 Николаев А .Б. Государственная дума в Февральской революции: Очерки истории. Рязань, 2002; Николаев
А .Б. Революция и власть: IV Государственная дума 27 февраля – 3 марта 1917 года. СПб., 2005; Куликов
С.В. Центральный военно-промышленный комитет накануне и в ходе Февральской революции 1917 г.
// Российская история. 2012. № 1. С. 69–90; Шубин А .В. Старт Страны Советов: Октябрь 1917 – март

311
Владимир Булдаков

альтернативу большевистскому захвату власти24, не учитывая, что к осени 1917 г. «кори-


дор альтернатив» катастрофически сузился. Наряду с этим все большее внимание уделя-
ется проблематике политической культуры России25 и психологических последствий ре-
волюции26.
Тема революционной власти, так или иначе, присутствует по всех работах. Предпринима-
ются попытки по-новому высветить фигуры тогдашних лидеров в меняющемся политиче-
ском ландшафте27. Более обстоятельно, чем прошлом, освещается отношение творческих
элит к революции и большевизму28. Весьма интересен анализ взглядов юристов самой раз-
личных политических ориентаций – от В.И. Ленина и М.А. Рейснера до П.Н. Милюкова и

1918. СПб., 2017; Рачковский В.А. Февральская революция и образование Петроградского Совета рабочих
депутатов // Калашников В.В. (отв. ред.). Февральская революция 1917 года. С. 316–322; Мамаев А .В.
Трансформация городского самоуправления при Временном правительстве (март – октябрь 1917 г.) //
Петров Ю.А. (отв. ред.). Великая российская революция 1917. С. 155–160.
24 Смирнова А .А. От коалиции к катастрофе: Петроградские социалисты в мае – ноябре 1917 года. СПб.,
2006; Смирнова А.А. Социалисты в Петроградском Совете рабочих и солдатских депутатов в феврале –
марте 1917 года // Калашников В.В. (отв. ред.). Февральская революция 1917 года. С. 323–332; Медведев
А .В. Революционное оборончество 1917 года // Первая мировая война: Взгляд из XXI века: Россия и
Нижегородская губерния в 1914–1918 гг. / Ф.А. Селезнев (сост.). Н. Новгород, 2014. С. 180–192; Морозов
К .Н. Шансы, потенциал и причины неудачи эсеровской демократической альтернативы в 1917 г. // Петров
Ю.А. (отв. ред.). Великая российская революция 1917. С. 238–243; Шубин А .В. Левая многопартийная
альтернатива в 1917 г. // Там же. С. 243–249; Шубин А .В. Основные проблемы и альтернативы Российской
революции в 1917 г. // Чубарьян А ., Мёллер Х. (ред.), Первая мировая война. С. 132–140; Ильюхов А .А.
Советская коалиция: Ноябрь 1917 – июль 1918 гг. М., 2017.
25 Колоницкий Б.И. Символы власти и борьба за власть: К изучению политической культуры российской
революции 1917 года. СПб., 2001; Колоницкий Б.И. Генеалогия «вождя народа». Образы лидеров и по-
литический язык Российской революции 1917 г. // Колоницкий Б.И., Орловски Д. (отв. ред.). Эпоха войн
и революций. С. 446–459; Ширинянц А .А. Вне власти и народа: Политическая культура интеллигенции
России XIX–ХХ века. М., 2002; Ахиезер А .С. Октябрьский переворот в свете исторического опыта России
// Октябрь 1917 года: взгляд из XXI века / Ю.М. Антонян (ред.). М., 2007. С. 13–23; Колчинский Д.В.
Формы самовыражения массовой политической культуры в 1917 г. (по материалам Тамбовской губернии)
// Вестник Тамбовского государственного университета. Гуманитарные науки. 2015. Вып. 3. С. 33–39;
Михайлов Н.В. Язык революции: «Рабочая конституция» или рабочий контроль в 1905 и 1917 гг. //
Колоницкий Б.И., Орловски Д. (отв. ред.). Эпоха войн и революций. С. 351–374; Коликов Р.Ю. К вопросу о
политической культуре средних слоев населения города Петрограда в дни Февральской революции 1917
года // Калашников В.В. (отв. ред). Февральская революция 1917 года. С. 265–273.
26 Левкиевская Е.Е. Ребенок и революция. Становление личности в кризисную эпоху // Человек и личность
в истории России, конец XIX – ХХ век / Н.В. Михайлов, Й. Хелльбек (отв. ред.). СПб., 2013. С. 149–161;
Наумов О.Н. Октябрь 1917 года и генеалогическая культура русского дворянства // Россия XXI. 2017. № 5.
C. 72–97.
27 Колоницкий Б. «Революционные имена»: Русская антропонимика и политическое сознание //
Политическая история России ХХ века: К 85-летию профессора Виталия Ивановича Старцева / Б.Д.
Гальперина, А .Б. Николаев (сост.). СПб., 2011. C. 341–359; Колоницкий Б. «Товарищ Керенский»: Анти-
монархическая революция и формирование культа «вождя народа» (март – июнь 1917 года). М., 2017;
Тютюкин С.В. Александр Керенский: Страницы политической биографии (1905–1917 гг.). М., 2012;
Булдаков В.П. 1917 год: лица, лики, личины революции // Россия и современный мир. 2017. № 1. С. 6–20.
28 См.: Аксютин Ю.В., Гердт Н.Е. Русская интеллигенция и революция 1917 года: в хаосе событий и в
смятении чувств. М., 2017; Булдаков В.П., Леонтьева Т.Г. 1917 год: Элиты и толпы: культурные ландшафты
русской революции. М., 2017.

312
Революция 1917 года в новейших российских исследованиях

П.И. Новгородцева – на происходящее29. Наметилось усиление интереса к взаимодействию


психологии масс и харизматического лидерства30.
Сохраняется устойчивый интерес к деятельности церкви и духовенства в 1917 г.31. При этом
изучаются и нехристианские конфессии32. Не снижается интерес к роли в революции каза-
чества, при этом отмечается их стремление придерживаться нейтралитета33. Весьма актив-
но исследуются проблемы межэтнических отношений34. Однако, похоже, что под влиянием

29 См.: Юристы и революция: Pro et Contra / С.М. Шахрай, К.П. Краковский (авт.-сост.). М., 2017.
30 Об этом, в частности, свидетельствует переиздание книги П. Рысса, снабженное весьма проницательным
предисловием. См.: Хасин В.В., Лучников А .В. Диалоги с Россией. Петр Рысс и его русская революция //
Рысс П.Я. Русский опыт: Историко-психологический очерк русской революции. М., 2017. С. 5–12. Также
см.: Булдаков В.П. Русская революция: утопия, память, наука // Форум новейшей восточноевропейской
истории и культуры. 2017. № 1. С. 61–76.
31 См.: Фирсов С.Л. Русская Церковь накануне перемен (конец 1890-х – 1918 гг.). М., 2002; Фирсов С.Л.
Церковь в Империи: Очерки из церковной истории эпохи Императора Николая II. СПб., 2007. С.
196–209; Рогозный П.Г. Церковная революция 1917 года. СПб., 2008; Рогозный П.Г. Духовенство против
Церкви в 1917–1918 гг. («Церковный большевизм» и церковные большевики) // Колоницкий Б.И., Ор-
ловски Д. (отв. ред.). Эпоха войн и революций. С. 375–390; Леонтьева Т.Г. Православное духовенство и
русская революция // К истории русских революций: События. Мнения. Оценки: Памяти И.И. Минца
/ И.Х. Урилов (ред.). М., 2007. С. 582–603; Леонтьева Т.Г. «Революционная церковь» или «церковная
революция»? О некоторых новейших исследованиях по истории Русской Православной церкви в 1917 г.
// The Soviet and Post-Soviet Review. 2009. Vol. 36. No. 2. P. 182–195; Леонтьева Т.Г. Революция. Духовен-
ство. Приход // Петров Ю.А. (отв. ред.). Великая российская революция 1917. С. 420–426; Шкаровский
М.В. Александро-Невская лавра в год революционных потрясений (1917–1918) / Христианское чтение.
2010. № 1. С. 6–33; Павлов Д.Б. Отечественная и зарубежная историография государственно-церковных
отношений 1917–1922 гг. М., 2011; Бабкин М.А. Священство и царство: Россия, начало ХХ века – 1918 год.
М., 2011; Соколов А .В. Разгром православных храмов в Петрограде во время февральских событий 1917 г.
/ Вопросы истории. 2014. № 8. С. 153–161; Кокарев М.С. Реорганизация благочиннического управления
Русской Церкви в 1917 г. (на материалах Самарской епархии) // Революция 1917 года и Гражданская
война как определяющие факторы российской истории ХХ века / Ж.А. Ермакова, В.А. Лабузов, Д .А.
Сафонов (ред.). Оренбург, 2017.
32 Исхаков С.М. Российские мусульмане и революция (весна 1917 г. – лето 1918 г.) М., 2003; Исхаков С.М.
«Мы работаем не только на благо всего мусульманского мира, но и всего человечества»: мусульманское
движение в Евразии 1917 г. // Россия XXI. 2017. № 5. C. 6–39.
33 Трут В.П. Казачество России в период Октябрьской революции 1917 года и на начальном этапе
Гражданской войны. Ростов н/Д., 2005; Венков А .В. Роль казаков в Российской революции 1917 года:
историографический обзор // Петров Ю.А. (отв. ред.). Великая российская революция 1917. С. 524–530,
здесь С. 529.
34 См.: Булдаков В.П. Временное правительство и Центральная рада: пределы психополитической
совместимости лидеров // «Украинский вопрос» и революционные события в России 1917 года / Р.С.
Ганелин (ред.). СПб., 2006. С. 13–32; Булдаков В.П. Феномен революционного антисемитизма, 1917–1918
гг. // Постигая историю: Сб. науч. ст. Пенза, 2006; Михутина И. Украинский Брестский мир: Путь выхода
России из Первой мировой войны и анатомия конфликта между Совнаркомом РСФСР и правительством
Украинской Центральной Рады. М., 2007; Суханова Н.И. Утверждение большевизма на Северном Кавказе
в годы революции и Гражданской войны // Гражданская война в России (1917–1922 гг.): Взгляд сквозь
десятилетия / Г.М. Ипполитов, О.А. Тарабрина (сост., отв. ред.). Самара, 2009. С. 393–394; Шубин А .В.
Махно и его время: О Великой революции и Гражданской войне 1917–1922 гг. в России и на Украине. М.,
2013; Красовицкая Т.Ю. Этнокультурный дискурс в революционном контексте февраля – октября 1917 г.:
Стратегии, структуры, персонажи. М., 2015; Кушко А. Война и революция в Бессарабии: между автономи-
ей, федерализмом и национализмом (1917–1918 гг.) // Колоницкий Б.И., Орловски Д. (отв. ред.). Эпоха войн
и революций. С. 300–316.

313
Владимир Булдаков

событий 1990-х годов внимание исследователей привлекает, главным образом, проблемати-


ка «русского» центра и «нерусской» периферии35. Более того, заметна тенденция к вы-
делению из общероссийского потока изолированных «национальных» революций36. При
этом проблеме межэтнических отношений революционного времени (конфликтам по го-
ризонтали37) уделяется недостаточное внимание. Между тем, это не просто проблема рос-
сийской империи, это, в значительной степени, вопрос об устойчивости межэтнических
взаимоотношений в современном мире.
Традиционный интерес к политическим партиям заметно сместился от их либерального
центра к правым38 и левым39, включая крайних40. Заметен некоторый интерес к межпартий-

35 См.: Исхаков С.М. Международная научная конференция «Национальный вопрос в интеграции и распаде
СССР» // Отечественная история. 2005. № 2. С. 211–216.
36 См.: Балаев А .Г. Азербайджанская революция 1917–1918 годов в современной историографии // Падение
империи: Революция и гражданская война в России / С.М. Исхаков (сост.). М., 2010. С. 149–162; Усманов
Н.В. События 1917 г. в Башкирии в трудах ее историков // Петров Ю.А. (отв. ред.). Великая российская
революция 1917. С. 654–660.
37 Булдаков В.П. Хаос и этнос: Этнические конфликты в России, 1917–191 гг.: Условия возникновения, хрони-
ка, комментарий, анализ. М., 2010.
38 Особенно важный материал содержат сборники «Революция 1917 года в России: Новые подходы и
взгляды», издаваемые в Санкт-Петербурге А .Б. Николаевым (2009, 2010, 2012, 2013, 2014, 2015 гг.). Также
см.: Сидоренко Н.С. Монархическое движение на Урале накануне Февральской революции 1917 года //
Урилов И.Х. (ред.). К истории русских революций. С. 526–541; Карпухин Д.В. «Черная сотня»: Вехи ос-
мысления в России. М., 2009; Степанов С.А. Черная сотня: Что они сделали для величия России? М., 2013;
Репников А .В. Консервативные модели российской государственности. М., 2014; Репников А .В. «Россию
подменили…» (Русские монархисты накануне и после крушения самодержавия) // Петров Ю.А. (отв.
ред.). Великая российская революция 1917. С. 788–796; Иванов А .А. «Черная сотня сгинула в подполье»:
русские правые и революция 1917 г. // Российская история. 2017. № 2. С. 42–59; Стогов Д.И. Проблема
отношения монархистов к Февральской революции в современной историографии // Калашников В.В.
(отв. ред.). Февральская революция 1917 года. С. 333–344.
39 См.: Морозов К .Н. Политическое руководство Партии социалистов-революционеров в 1901–1921 годах //
Политические партии в российских революциях в начале ХХ века / Г.Н. Севостьянов (ред.). М., 2005. С.
475–487; Морозов К .Н. Феномен субкультуры российского революционера начала ХХ в. // Михайлов Н.В.,
Хелльбек Й. (ред.). Человек и личность в истории России. С. 134–148; Смирнова А .А. На тернистом пути к
нежеланной власти: Петроградские социалисты в феврале – мае 1917 года. СПб., 2005; Коновалова О.В. В.М.
Чернов о путях развития России. М., 2009; Белова И.Б. Социалисты в российской провинции в годы Пер-
вой мировой войны (1914 – февраль 1917 г.) // Первая мировая война: взгляд спустя столетие: Мат. межд.
конф. М., 2011; Медведев А .В., Слепченкова А .А. Партия социалистов-революционеров в Нижегородском
крае (1895–1923). Н. Новгород, 2012.
40 См.: Леванов Б.В., Орчакова Л .Г. История московского анархизма (1905 – февраль 1917 года). М., 2004;
Сапон В.П. Терновый венец свободы: Либертаризм в идеологии и революционной практике российских
левых радикалов (1917–1918 гг.). Н. Новгород, 2008; Сапон В.П. Русские анархисты в 1917–1918 гг.: опыт
участия во власти // Исхаков С.М. (сост.). Падение империи. С. 112–133; Ненароков А .П. О некоторых
аспектах современного изучения исторического опыта российской социал-демократии // Там же. С. 91–
111; Канищев В.В., Протасов Л .Г. Социально-психологический портрет провинциального эсера-боевика
начала ХХ века // Вестник Тверского государственного университета. История. 2010. № 2. С. 51; Тарасов
К .А. Большевизм стихийный, шкурный, идейный. Новый взгляд на политическую самоидентификацию
солдат Петроградского гарнизона в 1917 г. // Революция 1917 года в России: Новые подходы и взгляды
/ А .Б. Николаев (сост.). СПб., 2014. С. 62–68; Назаров О.Г. Большевики накануне и в дни Февральской
революции // Калашников В.В. (отв. ред.). Февральская революция 1917 года. С. 294–304.

314
Революция 1917 года в новейших российских исследованиях

ным блокам41. Вместе с тем, тяготение к истории многопартийности порой встречает кри-
тику42. Было замечено, что «революция показала неустойчивость и хрупкость российской
многопартийности». При этом консервативные и либеральные партии не выдержали экза-
мена на прочность43, массы разочаровывались во всех умеренных партиях44 и создаваемых
ими институтах45, а «большевистский переворот продемонстрировал глубинные причины
слабости русского либерализма»46. Характерно, что отношение к В.И. Ленину и даже к Л.Д.
Троцкому стало терять негативную коннотацию47. Обнаружились попытки позитивно оце-
нить деятельность Ленина с имперско-геополитических позиций48.
Вместе с тем, вопрос о том, что все либеральные и социалистические партии России оказа-
лись далеки от традиционной политической культуры России, во всей полноте так и не был
поставлен. Со своей стороны, правые силы в ходе Гражданской войны не могли воссоздать
то, что в полном смысле рассыпалось в феврале 1917 г.49 В общем, политическая история
революции все более обнаруживает свою когнитивную ограниченность.
Вместе с тем, исследователи пытаются более активно использовать мультидисциплинарный
подход к революции, стремясь вписать ее в ход не только протяженной российской исто-
рии, но и мирового кризисного развития50. При этом растет внимание к литературным и

41 Холяев С.В. Политические партии России в борьбе за власть (1905–1922 гг.). Ярославль, 2008; Исхаков
С.М. Политические партии в российских революциях начала ХХ века. Всероссийская научная конферен-
ция // Отечественная история. 2004. № 6. С. 199–203; Штырбул А .А. Левые силы и левый блок в Сибири
(март 1917 – май 1918 г.) // Зиновьев В.П. (отв. ред.). Русская революция в контексте истории. С. 151–161;
Дробченко В.А. Межпартийные и социально-классовые отношения в Томской губернии в марте 1917 –
мае 1918 г. // Там же. С. 223–235; Савченко В.А. Идея анархистской «третьей революции» и попытки ее
реализации в 1918–1921 гг. // Ермакова Ж .А ., Лабузов В.А ., Сафонов Д.А. (ред.). Революция 1917 года и
Гражданская война как определяющие факторы российской истории ХХ века. С. 242–245.
42 Булдаков В.П. Российская многопартийность в контексте системных кризисов // Вестник Тверского
государственного университета. История. 2010. № 12. Вып. 2. С. 17–33; Булдаков В.П. Российская
многопартийность: иллюзии прошлого, химеры современности // Полис. 2016. № 4. С. 100–114.
43 Булдаков В.П. Уходящая натура? Истоки и смысл русского либерализма // Историк и его время: К
70-летию профессора В.В. Шелохаева / В.В. Журавлев (отв. ред.). М., 2011. С. 142–157; Шелохаев
В.В. Переформатирование партийного пространства в России в 1917 г. (историографические итоги и
исследовательские задачи) // Российская история. 2017. № 2. С. 32–41, здесь С. 39.
44 Чертищев А .В. Политические партии России и массовое политическое сознание действующей русской
армии в годы Первой мировой войны (июль 1914 – март 1918 гг.). М., 2006.
45 Руднева С.Е. Демократическое совещание (сентябрь 1917 г.): История форума. М., 2000; Руднева С.Е.
Предпарламент: Октябрь 1917 года: Опыт исторической реконструкции. М., 2006.
46 См.: Шелохаев В.В. Конституционно-демократическая партия в России и эмиграции. М., 2015.
47 См.: Логинов В.Т. Владимир Ленин: Выбор пути: Биография. М., 2005; Логинов В.Т. Неизвестный Ленин.
М., 2010; Логинов В.Т. Владимир Ленин: На грани возможного. М., 2013; Логинов В.Т. Ленин в 1917 году: На
грани возможного. М., 2016; Данилкин Л .А. Ленин: Пантократор солнечных пылинок. М., 2017; Чернявский
Г.И. Лев Троцкий. М., 2010.
48 См.: Бутаков Я. А. Брестский мир: Ловушка Ленина для кайзеровской Германии. М., 2012.
49 Селезнев Ф.А. Путилов и выступление генерала Корнилова (апрель – август 1917 г.) // Исхаков С.М. (сост.).
Падение империи. С. 69–90; Иванов А .А. Конкуренты большевиков справа: Монархическая организация
В.М. Пуришкевича в 1917 г. // Петров Ю.А. (отв. ред.). Великая российская революция 1917. С. 213–219.
50 Кагарлицкий Б.Ю. Периферийная империя: Циклы русской истории. М., 2009; Дамье В.В. Стальной век:
Социальная история советского общества. М., 2013; Булдаков В.П. Мировая война, европейская культура,

315
Владимир Булдаков

визуальным образам предреволюционной и революционной повседневности51. Заметны


также попытки сравнить системные кризисы 1917 г. и конца ХХ в.52 В общем, так или иначе,
создается плацдарм для переосмысления революции как цикличного системного кризиса,
обостренного мировыми событиями.
Конечно, остаются и противники данной исследовательской тенденции. Сказывается
инерция прежнего мышления, когда в оценке революционного процесса доминировала
логика поступательного движения вперед: от «буржуазно-демократической» революции
к революции «социалистической», а также ее идеологические перверсии, связанные с те-
орией модернизации. А между тем теория модернизации игнорировала главные элементы
человеческого бытия – культуру, идентичность, память53. В результате вместо системного
подхода исследователи оказались пленниками экономико-детерминистического подхода к
революции.
Как бы то ни было, и в прошлом, и в настоящем значительное внимание в нынешней россий-
ской историографии уделяется анализу предпосылок революции – прежде всего объектив-
ных. К сожалению, исследователи часто подходят к их рассмотрению в рамках привычных
подходов54. И в этом заметно разделение исследователей на «оптимистов» и «пессими-
стов»55. Первые доказывают, что объективные предпосылки революции отсутствовали: во-

русский бунт: к переосмыслению событий 1917 г. // Ю.А. Петров (отв. ред.). Великая российская
революция 1917. С. 21–31.
51 См.: Архипов И. Смех обреченных. (Смеховая культура как зеркало короткой политической жизни
«Свободной России» 1917 года) // Звезда. 2003. № 8. С. 161–176; Голдин В.Н. Поэзия гражданской войны
в периодических изданиях Урала: 1917–1919 годы. В 2 кн. Екатеринбург, 2006; Оче-видная история:
Проблемы визуальной истории России ХХ столетия / И.В. Нарский и др. (ред.). Челябинск, 2008; Булдаков
В.П. Поэтические завихрения «Красной смуты», 1917–1920 // Историк и Художник / Ю.А. Петров (отв.
ред.). М., 2013. С. 367–393; Филиппова Т.А. «Враг с Востока»: Образы и риторики вражды в русской сати-
рической журналистике начала XX века. М., 2012; Филиппова Т.А. «…Для „Великой России“ всего-то по-
надобилось четыре гвоздя…»: женские образы революции 1917 года в отечественной журнальной сатире
// Россия ХХI. 2017. № 5. С. 170–183; Баратов П., Филиппова Т.А. «Враги России»: Образы и риторики
вражды в русской журнальной сатире эпохи Первой мировой войны. М., 2014; Баратов П., Филиппова
Т.А. 1914–1918: Великая война и Великая революция в русской журнальной сатире. М., 2017; Аксенов
В.Б. Журнальная карикатура как зеркало общественных настроений в 1917 году // Вестник Тверского
государственного университета. История. 2017. № 1. С. 4–16; Ветер Семнадцатого года: Российский
политический плакат 1917 г. / И.Я. Великанова (отв. ред.). М., 1917; Бич 1917: События года в сатире со-
временников / В. Гусейнов (cост.), В. Булдаков (текст). М., 2017.
52 Булдаков В.П. Quo vadis?: Кризисы в России: Пути переосмысления. М., 2007; Пихоя Р.Г. Две революции:
1917 года и 1991 года. Общее и особенное // Петров Ю.А. (отв. ред.). Великая российская революция
1917. С. 50–58.
53 Булдаков В.П. Модернизация и Россия. Между прогрессом и застоем? // Вопросы философии. 2015. № 12.
С. 15–26, здесь С. 24–26.
54 Набатов Г.В. К вопросу об объективных и субъективных факторах революции 1917 г. // Революции
1917 г. в России: Уроки истории и политики: Мат. межд. конф. Н. Новгород, 2008; Мау В.А. Механизмы,
предпосылки и последствия радикальных общественных трансформаций. М., 2017; Леонов С.В. Проблема
«объективных и субъективных» предпосылок Великой российской революции: новый взгляд // Петров
Ю.А. (отв. ред.). Великая российская революция 1917. С. 73–80.
55 Куликов С.В. Спор между «пессимистами» и «оптимистами» продолжается… // Петербургский
исторический журнал. 2015. № 1 (5). С. 259–277.

316
Революция 1917 года в новейших российских исследованиях

енное производство росло, материальное положение населения было терпимым, трудности


носили временный характер, словом, Россия была готова к успешному продолжению вой-
ны56. Вторые, напротив, указывают, что системный кризис достиг своего апогея: транспорт-
ная система не могла обеспечить ритмичную работу промышленности, продовольственное
снабжение городов находилось под угрозой, усилилась деморализация социальной среды57.
Более того, обнаружилось, что людей, готовых защищать царский режим с оружием в ру-
ках практически не осталось58 – некоторые авторы уверяют, что революции сочувствовали
даже полицейские59.
На этом противоречивом фоне в историографии революции возникают и попятные дви-
жения. Наиболее заметно это сказывается в тяготении к «конспирологической» тематике,
концентрации исследовательских усилий на мнимых заговорах60 (включая и их опроверже-
ние)61. Конспирологию подпирают, с одной стороны, авторы, которые, как видно, полагают,
что всякая революция в соответствии с современными «политтехнологиями»62 непремен-
но должна направляться из того или иного центра63, с другой – любители поиска все тех
же видимых «объективных» причин того или иного явления. Последние склонны к своего

56 Никонов В.А. Крушение России: 1917. М., 2011.


57 Искендеров А .А. Закат империи. М., 2001; Бокарев Ю.П. Экономические последствия распада Российской
империи в результате Первой мировой войны. Екатеринбург; М., 2009; Колоницкий Б.И. «Трагическая
эротика»: Образы императорской семьи в годы Первой мировой войны. М., 2010; Толстогузов С.А.
Финансовый кризис и революция в России: опыт сравнительного анализа // Исхаков С.М. (сост.). Падение
империи. С. 38–52; Нефедов С.А. Уровень потребления в России начала ХХ века и причины русской рево-
люции // Общественные науки и современность. 2012. № 3. С. 96–107; Булдаков В.П. Пир во время чумы?
Деморализация российского общества в предреволюционную эпоху: причины и следствия (1914–1916
годы) // Вестник Новосибирского государственного университета. История, филология. 2014. Т. 13. Вып.
8. С. 101–111. Булдаков В.П. Мировая война и деморализация «Святой Руси». 1914–1916 гг. // Дальний
Восток России и страны Восточной Азии накануне и в годы Первой мировой войны / Л .И. Галлямова (отв.
ред.). Владивосток, 2016. С. 18–31.
58 Порошин А .А. Падение русской монархии и генерал М.В. Алексеев // Исхаков С.М. (сост.). Падение
империи. С. 53–68; Поликарпов В.В. 22–23 февраля 1917 г. в Петрограде // Там же. С. 6–37; Кожевин В.Л.
Российское офицерство и Февральский революционный взрыв. Омск, 2011; Тарасов К .А. Офицерский
корпус в период Февральского восстания в Петрограде // Калашников В.В. (ред.). Февральская
революция 1917 года. С. 353–362.
59 Николаев А .Б. Настроения и политические взгляды петроградских полицейских накануне Февральской
революции // Journal of Modern Russian History and Historiography. 2012. № 5. P. 1–39.
60 См.: Макаренко П.В. Германский фактор в Октябрьской революции 1917 г. // Вопросы истории. 2008. №
5. С. 30–45; Газенко Р., Мартынов А. Идеальный шторм: Технология разрушения государства. М., 2016;
Козодой В.И. Александр Иванович Гучков и Великая русская революция. Новосибирск, 2015; Оськин М.В.
Главнокомандующие фронтами и заговор 1917 г. М., 2016.
61 См.: Соболев Г.Л. Тайна «немецкого золота». СПб., 2002; Соболев Г.Л. Русская революция и «немецкое
золото». СПб., 2002; Старцев В.И. Немецкие деньги и русская революция: Ненаписанный роман Фердинанда
Оссендовского. 3-е изд. СПб., 2006; Колганов А .И. Миф о «немецком золоте» // «Альтернативы». 2006.
№ 2; Попова С.С. Между двумя переворотами: Документальные свидетельства о событиях лета 1917 г. в
Петрограде. М., 2010; Корнеев В.В., Козлов Я.В. О финансовой стороне издания газеты «Правда» (март –
май 1917 г.) // Россия XXI. 2017. № 5. С. 42–71.
62 Кагарлицкий Б. Наваждение. Симптомы одной болезни: конспирология и политтехнология // Русская
жизнь. 2008. № 6 (23). С. 25–26.
63 Гайда Ф.А. Либеральная оппозиция на путях к власти (1914 – весна 1917 г.). М., 2003; Гайда Ф.А. Власть
и общественность в России: диалог о пути политического развития (1910–1917). М., 2016; Гайда Ф.А.

317
Владимир Булдаков

рода ментальной панике: если понятных им способов доказательства неизбежности ре-


волюции окажется недостаточно, то они непременно начнут ссылаться на всевозможных
«злоумышленников», в частности интеллигенцию64. Впрочем, иные самодеятельные ав-
торы, претендуя на «системно-интегративный» анализ причин революции, тем не менее,
пишут о «международной мафии», спровоцировавшей Первую мировую войну, которая в
свою очередь повлекла за собой революцию65. Тема остается востребованной, несмотря на
постоянные возражения профессиональных историков66.
Конечно, ситуация, когда исследователи начинают ставить революцию в контекст с уровнем
произвольно оцениваемого благосостояния населения, вызывает изумление. Тем не менее,
полемика относительно причин революции порой парадоксальным образом закручивает-
ся именно в связи с такого рода материальным фактором67. И тогда остается лишь найти
«врагов». Но, если в прошлом главным «врагом России» объявлялись масоны68, то теперь
интерес к ним упал. Некоторые авторы указывают на других виновников в лице генералов,
либералов, предпринимателей69. Между тем, крах самодержавной империи с куда большим
основанием можно объяснить неспособностью ее главы «адекватно реагировать на вызовы
времени и вывести страну из кризисной ситуации»70. Естественно, такая власть вызывала
недовольство, которое, однако, так и не переросло в революционность. Представления о
том, что именно либералы подготовили революцию, исходили из правительственных и пра-
вых кругов, не желавших и неспособных наладить деловые отношения с общественностью,
столь необходимые в годы тотальной войны71.
Хотя в целом исследование основных потоков революционного движения осуществляется
по инерции, можно разглядеть и некоторые характерные подвижки. Так, количество иссле-
дований рабочего движения заметно уменьшилось. При этом исследователи все больше об-
ращают внимание на их стихийные действия, с одной стороны, прагматичную готовность
апеллировать к любых инстанциям ради достижения своей цели – с другой72. Вместе с тем,

Власть и общественность в России накануне Февраля 1917 г. // Калашников В.В. (отв. ред.). Февральская
революция 1917 года. С. 198–207.
64 Миронов Б.Н. Благосостояние населения и революции в имперской России: XVIII – начало ХХ века. М.,
2012.
65 Востриков С.В. Как Российская империя шла к 1917 году (к 100-летию Великой Русской Революции).
Смоленск, 2017. С. 39.
66 Сергеев Е.Ю. Британия и Февральская революция 1917 года в России (по материалам британских архивов)
// Новая и новейшая история. 2017. № 4. С. 3–15.
67 Давыдов М.А. Об уровне потребления в России в конце XIX – начале ХХ в. // Гринин Л .Е., Коротаев А .В.,
Малков С.Ю. (отв. ред.). О причинах Русской революции. С. 225–279.
68 См.: Брачев В.С., Шубин А .В. Масоны и Февральская революция 1917 года. М., 2007.
69 Айрапетов О.Р. Генералы, либералы и предприниматели: работа на фронт и революцию (1907–1917).
М., 2003.
70 Шелохаев В.В. Основной фактор крушения Российской и советской империй // Тысячелетняя история
России: Проблемы, противоречия и перспективы развития / А .И. Уткин (ред.). М., 2004. С. 371–376, здесь
С. 374.
71 Шевырин В.М. Сотрудничество и борьба: власть и общественные организации в годы Первой мировой
войны // Россия и современный мир. 2015. № 1. С. 95–123, здесь С. 114–118.
72 Гоголевский А .В. Революция и психология: Политические настроения рабочих Петрограда в условиях
большевистской монополии на власть: 1918–1920. СПб., 2005; Чураков Д.О. В битвах за историзм:

318
Революция 1917 года в новейших российских исследованиях

интерес историков сместился к проблемам рабочего сопротивления большевистской ре-


волюции и советской и профсоюзной бюрократии73 и адаптации к новым политическим
условиям74. Примечательно, что в контексте изучения «городской» революции75 заметно
растущее внимание к социокультурной и бытовой истории, включая их соответствующие
провинциальные особенности и коллизии76. В ряде случае это осуществляется в виде хро-
ник революционных событий77. Это позволяет по-новому оценить воздействи – непосред-
ственное и воображаемое – пролетариата на ближайшие социумы. Кроме того этим стиму-
лируется интересом к истории революционной повседневности78. К настоящему времени
данная тематика стала настолько «модной», что, к сожалению, появляются целые серии
поверхностных бытописаний региональной революции79. Тем не менее, «провинциаль-

Проблемы изучения Великой русской революции 1917 года и постреволюционного режима. М., 2016. С.
150–155, 158–164.
73 Гоголевский А .В. Революция и психология; Чураков Д.О. Бунтующие пролетарии: Рабочий протест в
Советской России (1917–1930-е гг.). М., 2007; Аксютин Ю.В. Послеоктябрьское похмелье гегемона: Ра-
бочий класс и политические партии России в первый год Советской власти (ноябрь 1917 – конец 1918 гг.).
М., 2013.
74 Яров С.В. Конформизм в Советской России: Петроград 1917–1920-х годов. СПб., 2006.
75 См.: Культуры городов Российской империи на рубеже XIX–ХХ веков / Б.И. Колоницкий и др. (ред.).
СПб., 2009.
76 См.: Аксенов В.Б. 1917 год и художественная интеллигенция: особенности восприятия // История России
XIX–ХХ веков: Новые источники понимания / С.С. Секиринский (сост., ред.). М., 2001. С. 130–135; Нарский
И.В. Жизнь в катастрофе: Будни населения Урала в 1917–1922 гг. М., 2001; Бакулин В.И. Драма в двух актах:
Вятская губерния в 1917–1918 гг. Киров, 2008; Мещеряков Ю.В. Тамбовская губерния в начальный период
советской власти: Октябрь 1917 – август 1918 г. Тамбов, 2012; Соколов К .И. Тверская быль революции:
Очерки революционной эпохи в Тверской губернии (1917–1922 гг.). Тверь, 2013; Канищев Вл.В. Тыловые
офицеры 1917 г.: революционеры, контрреволюционеры, обыватели (по материалам тамбовского гар-
низона) // Вестник Тверского государственного университета. История. 2017. № 1. С. 63–79; Сипейкин
А .В. Власть и общество в Тверской губернии в 1917 – начале 1918 г. в документах региональных архивов
// Там же. С. 80–95; Сулейманова Р.Н. Общественные настроения в провинциальной России в условиях
революционных событий 1917 года: на примере женского населения Башкирии // Ермакова Ж .А ., Лаб-
узов В.А ., Сафонов Д.А. (ред.). Революция 1917 года и Гражданская война как определяющие факторы
российской истории ХХ века. С. 260–263.
77 Ильюхов А .А. Революция 1917 года на Смоленщине: Хроника событий. Смоленск, 2007; Пашков А .А.
Борьба за власть в Шадринском уезде Пермской губернии: 1917–1920 гг. Шадринск, 2007; Ефимов О.В.
Нижегородская губерния в период двух революций (1917–1920 гг.): Сборник документов с комментариями.
Арзамас, 2008; Мордвинцев Г.В. Весна 1917 года в Башкирии (хроника событий). Уфа, 2010; Тропов И.А.
Революция в провинции: Лужский уезд Петроградской губернии в 1917 г. // Вестник Ленинградского
государственного университета. История. 2010. № 2. С. 178–187; Тропов И.А. Региональное измерение
революции 1917 г.: некоторые итоги развития отечественной историографии // Ермакова Ж .А ., Лаб-
узов В.А ., Сафонов Д.А. (ред.). Революция 1917 года и Гражданская война как определяющие факторы
российской истории ХХ века; Дмитриенко А .А. Гатчина: Год 1917-й (глазами горожан) М., 1917; Маслов
Е.Н. Петроград, Москва, Богородск: Хроника событий. Черноголовка, 2017.
78 Алтабаева Е.Б. Смутное время: Севастополь в 1917–1920 годах. Севастополь, 2004.
79 Кокоулин В.Г. Новониколаевск в годы революции, гражданской войны и «военного коммунизма» (февраль
1917 – март 1921 г.). Новосибирск, 2010; Кокоулин В.Г. Томск в годы революции и гражданской войны
(февраль 1917 – декабрь 1919 г.). Новосибирск, 2012; Кокоулин В.Г. Повседневная жизнь горожан Сибири в
военно-революционные годы (июнь 1914 – март 1921 г.) Новосибирск, 2013. Критический разбор данных
работ см.: Журавлев В.В., Рынков В.М., Симонов Д.Г. За пределами науки: по страницам имитационной
историографии // Российская история. 2016. № 6. С. 206–211.

319
Владимир Булдаков

ной»80, особенно «уездной» революции в современной России уделяется недостаточное


внимание81. Между тем, познавательные ее резервы весьма велики. Как показывает одно из
недавних исследований, даже в Гатчине, рядом с революционной столицей, события разви-
вались по-своему. В сущности, это был особый уровень развертывания революции82.
Практически впервые обнаружился необычный интерес к «вынужденным» мигрантам и
их роли в революционных событиях. Здесь на первый план выходят не только солдаты и
матросы83, но и многочисленные беженцы, военнопленные и дезертиры84. Отмечается, что
они многократно усилили бунтарский потенциал не только городского, но и сельского насе-
ления85. Но в целом исследователи предпочитают иметь дело с понятием революция, нежели
с феноменом архаичного бунтарства86.
К сожалению, изучение движение крестьянства в России в недавнем прошлом переживало
не лучшие времена. И все же здесь утвердились характерные новации87. Изучение поведения
и психологии крестьянства осуществляется в контексте так называемой общинной револю-
цией, так и в рамках институционного подхода88. При этом исследователей все в большей

80 Ильюхов А .А. Революция 1917 года на Смоленщине; Белова И.Б. Первая мировая война и российская
провинция: 1914 – февраль 1917 г. М., 2011; Мещеряков Ю.В. Тамбовская губерния в начальный период
советской власти; Соколов К .И. Тверская быль революции.
81 Можно назвать лишь отдельные работы, на которые мало кто обращает внимание. См.: Пашков А .А.
Борьба за власть в Шадринском уезде Пермской губернии; Ермолаев А .Н. Уездный Мариинск: 1856–1917.
Кемерово, 2008.
82 См.: Дмитриенко А .А. Гатчина.
83 Бажанов Д.А. Балтийский флот в дни февральской революции // Калашников В.В. (отв. ред.). Февральская
революция 1917 года. С. 175–197; Назаренко К.Б. Матросы русского флота и Февральская революция //
Там же. С. 284–293.
84 Оськин М.В. Неизвестные трагедии Первой мировой: Пленные. Дезертиры. Беженцы. М., 2011; Белова И.Б.
Вынужденные мигранты: беженцы и военнопленные Первой мировой войны в России: 1914–1925 гг. М.,
2014.
85 Дубровская Е.Ю. Русский Гельсингфорс весной – летом 1917 года (политическая топография города) //
Колоницкий Б.И. (ред.). Культуры городов Российской империи на рубеже XIX–XX веков. С. 245–258;
Курцев А.Н. Военные беженцы в городах России (1914–1917 гг.) // Там же. С. 327.
86 V. P. Bouldakov: Révolution ou révolte ? Nouvelles perspectives cent ans plus tard. In: Vingtième Siècle. Revue
d’histoire. 2017. № 135. P. 159–174.
87 См.: Вронский О.Г. Государственная власть России и крестьянская община в годы «великих потрясений»
(1905–1917). Тула, 2000; Сухова О.А. Психология «революционного чина»: к вопросу о мотивации
поведения российского крестьянства в годы революции и Гражданской войны в России (по материалам
Среднего Поволжья) // Исхаков С.М. (сост.). Падение империи. С. 209–225; Крестьянство и власть в
истории России ХХ века / П.П. Марченя, С.Ю. Разин (ред.). М., 2011; Сталинизм и крестьянство: Сборник
научных статей и материалов «круглых столов» и заседаний теоретического семинара «Крестьянский
вопрос в отечественной и мировой истории» / П.П. Марченя, С.Ю. Разин (ред.). М., 2014.
88 См.: Федотова И.Н. Крестьянские исполнительные комитеты северной части Центрального района России
в 1917 году // История крестьянства в России / С.Н. Полторак (ред.). СПб., 2000; Осипова Т.В. Российское
крестьянство в революции и гражданской войне. М., 2001; Асташов А.Б. Русский крестьянин на фронтах
Первой мировой войны // Отечественная история. 2003. № 2. С. 72–86; Кукушкин Ю.С., Тимофеев Н.С.
Самоуправление крестьян России (XIX – начало XXI в.). М., 2004; Люкшин Д.И. Вторая русская смута:
Крестьянское измерение. М., 2006; Сухова О.А. Десять мифов крестьянского сознания: Очерки истории
социальной психологии и менталитета русского крестьянства (конец XIX – начало ХХ в.) по материалам
Среднего Поволжья. М., 2008; Дорофеев М.В. Проблемы крестьянского землепользования в Западной

320
Революция 1917 года в новейших российских исследованиях

степени привлекает бунтарский аспект массовых выступлений89 и спонтанного сопротив-


ления большевизму90. Можно надеяться, что со временем российское крестьяноведение
начнет развиваться более интенсивно91. Исследователи соглашаются, что в истории русской
революции крестьянству принадлежит более значительная роль, чем принято было считать,
не только в силу его численного преобладания, но и по причине его общинно-патерналист-
ских традиций и ментальности92.
Под сходным углом зрения разворачивается разработка роли в революции солдатских
масс93. Отмечается, что так называемый крестьянин-солдат, а таковых было большинство,

Сибири в 1917 г. // Зиновьев В.П. (отв. ред.). Русская революция в контексте истории. С. 188–193;
Гаврилова О.А. Земство и революция. 1917 год в Петроградской губернии. СПб., 2009; Колупаев А.А.
Индивидуальное крестьянское хозяйство Курской губернии в годы революций и Гражданской войны
(1917 – весна 1921 г.). Курск, 2012; Рынков В.М., Ильиных В.А. Десятилетие потрясений: сельское
хозяйство Сибири в 1914–1924 гг. Новосибирск, 2013; Есикова М.М. «Общинная революция» в
Тамбовской губернии в 1917–1918 гг. // Ермакова Ж.А., Лабузов В.А., Сафонов Д.А. (ред.). Революция
1917 года и Гражданская война как определяющие факторы российской истории ХХ века. С. 71–73;
Томина Е.Ф. Земство Оренбургской губернии в период событий 1917–1919 гг. // Там же. С. 269–274;
Белова И.Б. «Народное право» в действии: российская деревня в условиях революционных перемен 1917
г. (по материалам Калужской и Орловской губерний) // 1917 год в российской провинции / О.А. Сухова
(ред.). Пенза, 2017. С. 12–18.
89 См.: Егоров А.В. Уфимский тыловой гарнизон и массовые беспорядки (погромное движение) в городах
Уфимской губернии в 1917 г. // Право, насилие, культура в России: Региональный аспект (первая
четверть ХХ века) / Г.Н. Севостьянов (отв. ред.). М.; Уфа, 2001. С. 122–137; Булдаков В.П. Революционная
наркотизация: параметры проблемы // Историческая наука и образование на рубеже веков / А.А. Данилов
(сост.). М., 2004. С. 300–312; Веселие Руси ХХ век: Градус новейшей российской истории от «пьяного
бюджета» до «сухого закона» / В.Б. Аксенов (ред.). М., 2007; Нарский И., Хмелевская Ю. «Упоение»
бунтом в русской революции (на примере разгрома винных складов в России в 1917 году) // Российская
империя чувств: подходы к культурной истории эмоций / Я. Плампер и др. (ред.). М., 2010. С. 259–281;
Волкова И.В. Солдатский бунт и Февральская революция 1917 г. // Гуманитарные научные исследования.
2011. № 1.
90 Савельев С.И. Опыт характеристики общественно-политических настроений крестьянства периода
Гражданской войны (на материалах Саратовской губернии) // Исхаков С.М. (сост.). Падение империи.
С. 226–233; Калягин А.В. «Трудно рассчитывать на энергичную поддержку пассивного крестьянства…»
(Отвечали ли цели и политика Комитета членов Учредительного собрания в Самаре интересам крестьянских
масс?) // Там же. С. 234–255.
91 О перспективах исследований см. доклады В. Кондрашина на недавних конференциях: Кондрашин В.В.
Крестьянство и революция: историографические заметки в связи со 100-летием Великой российской
революции // Ермакова Ж.А., Лабузов В.А., Сафонов Д.А. (ред.). Революция 1917 года и Гражданская война
как определяющие факторы российской истории ХХ века. C. 137–142; Кондрашин В.В. Крестьянство и
революция // Петров Ю.А. (отв. ред.). Великая российская революция 1917. С. 66–72.
92 См.: Крестьянство и казачество России в условиях революции 1917 г. и Гражданской войны: национально-
региональный аспект / В.В. Кондрашин, В.А. Юрченков (отв. ред.). М.; Саранск, 2017.
93 Сермягин В.Г. Февральская революция и мировая война в политической жизни провинциального гарнизона
// Мировые войны и развитие человечества (к 90-летию Первой мировой войны): Мат. науч.-практ. конф.
Уфа, 2004. С. 51–52; Гребенкин И.Н. Военный фактор в развитии революционного процесса 1917 года //
Россия и революция 1917 года: Опыт истории и теории / Б.В. Ананьич и др. (ред.). СПб., 2008. С. 128–132;
Назаренко К .Б. Флот, революция и власть в России: 1917–1921. М., 2011; Асташов А .Б. Петроградский
гарнизон накануне 1917 года: от повседневности прифронтового города к революции // Вестник Тверского
государственного университета. История. 2017. № 1. С. 17–38; Бусырева Е.П. Петропавловская крепость в
дни революции 1917 года. СПб., 1917; Тарасов К .А. Выборная власть в Петроградском гарнизоне в 1917–

321
Владимир Булдаков

к 1917 г. жаждал не только окончания войны, но и «награды» в виде разрешения аграрно-


го вопроса94. Не приходится сомневаться, что большевиков в первую очередь поддержала
часть населения, мыслящая именно таким образом. Именно в этой среде таился мощный
антидемократический потенциал, который сказался на конечном итоге революционного
процесса.
По превалирующим ныне понятиям русская революция не соответствовала духу евро-
пейского «прогресса». Но не следует забывать, что именно безудержный «прогрессизм»
привел Европу не невиданной катастрофе. В этом смысле русская революция со всеми ее
ужасами была естественной «человеческой» реакцией на невиданный мировой кризис.
Представляется, что под этим углом зрения следует оценивать ее значение для российской
и мировой истории.
Тем не менее, количество авторов, привыкших мыслить в позитивистско-прогрессистской
парадигме, не уменьшается. Если валовые показатели растут, значит, прогресс налицо95. Об-
ладая нерассуждающей верой в подобный «прогресс», легко отыскать его «врагов», ибо
весь когнитивный потенциал «исследователя» будет направлен на подтверждение един-
ственно приемлемого им «оптимистичного» вывода. Но это уже проблема персональной
психологии, парализующей в данном случае историческое сознание.
Так или иначе в историографии революции находит свое отражение феномен отчуждения
от собственной истории, связанный с господством «марксистско-ленинской» теории об-
щественного развития. Попытки преодолеть это отчуждение путем «очеловечивания» со-
бытий прошлого дают пока ограниченный результат96.
На этом фоне предлагаются и экзотические теории российской революционности. В про-
шлом некоторые авторы связывали ее с перманентной «расколотостью» России, связан-
ной не столько с историческим Расколом, сколько с невозможность выработать «средин-
ную» культуру и создать «средний» социальный слой, социокультурно консолидирующей
все сословия и страты97. В философском плане этим трудно не согласиться. Однако в наше
время некоторые авторы переводят феномен Раскола в политико-прагматичный контекст.
Доказывается, что поскольку «старая вера» – исконно народная форма «русскости», то
гонения на нее повлекли за собой последующие большевистские беды. Пишут даже об исто-
рической «мести» старообрядчества романовской монархии – ее следует отнести к числу

1918 гг.: комитеты, командиры, комиссары // Колоницкий Б.И. и др. (отв. ред.). Эпоха войн и революций.
С. 207–221; Рахимов Р.Н. «Хозяева положения»: Уфимский гарнизон в сентябре 1917 г. // Ермакова Ж .А .,
Лабузов В.А ., Сафонов Д.А. (ред.). Революция 1917 года и Гражданская война как определяющие факторы
российской истории ХХ век. С. 225–231.
94 Булдаков В.П. К вопросу о происхождении мифов о крестьянстве // Марченя П.П., Разин С.Ю. (ред.).
Крестьянство и власть в истории России ХХ века. С. 127–137.
95 Давыдов М.А. 20 лет до великой войны: Российская модернизация Витте-Столыпина. СПб., 2016.
96 Журавлев В.В. Революционные эпохи в контексте личного интереса: К столетию Великой российской
революции 1917 года // Россия XXI. 2017. № 3. С. 126–145.
97 Ахиезер А .С. Специфика российской политической культуры и предмета политологии. М., 2002; Ахиезер А .,
Клямкин И., Яковенко И. История России: конец или новое начало? М., 2005.

322
Революция 1917 года в новейших российских исследованиях

обычных «метаисторических» фантазий98. На деле в 1917 г. старообрядчество пережило


такую же эволюцию слева направо, как и все российское образованное общество99.
В целом, нынешние подходы к революции по-прежнему противоречивы100. Такая ситуация
болезненна для массового сознания. Как выйти из нее? Первыми озаботились этим не исто-
рики101, а власть предержащие102.
В декабре 2016 г. российское руководство приняло решение, что грядущая коммеморация
пройдет под знаком примирения духовных наследников «либералов» и «коммунистов»,
«красных» и «белых». При этом было заявлено, что «сегодня государственная власть не
только не диктует историкам, какие “правильные” политические акценты необходимо да-
вать тем или иным событиям нашей истории, но наоборот, обращаеться к специалистам,
чтобы получить профессиональные ответы на сложные вопросы». Такой подход нельзя не
приветствовать. Но чтобы прийти к подлинному примирению, надо бы найти глубинные
истоки революции, отыскать такие несомненные ее причины, которые устроили бы всех.
Возможно ли это? Положение усложняется тем, что не столь давно, в ходе предыдущей ком-
меморации, связанной с Первой мировой войной, сверху не раз прозвучали слова о «преда-
тельстве», в результате которого Россия оказалась проигравшей стороной103. А в обобщаю-
щей коллективной монографии, изданной Институтом российской истории РАН, события
февраля-марта 1917 г. были охарактеризованы как «гибель огромной культурно-цивилиза-
ционной системы»104.
В 2017 г. ситуация изменилась. «Необходимо взглянуть на те события во всех оттенках,
стать выше борьбы сторон, справедливо и беспристрастно вспомнить и о победителях,
и о жертвах, у каждого из которых была своя правда», – заявил 3 июня 2017 г. на общем
собрании Российского исторического общества его председатель С.Е. Нарышкин. И, надо
заметить, близкие к власти любители заговоров вскоре сбавили тон105, а на многочислен-
ных конференциях стал утверждаться образ «Великой Российской Революции». Однако

98 Шахназаров О.Л. Старообрядчество и большевизм // Вопросы истории. 2002. № 4. С. 72–96; Пыжиков А .В.
Корни сталинского большевизма. М., 2015.
99 Керов В.В. От выражения «молитвенного восторга» до осуждения «гнусного злодейства»:
Старообрядчество в 1917 г. // Петров Ю.А. (отв. ред.). Великая российская революция 1917. С. 426–432.
100 Buldakov V. Scholary Passions around the Myth of «Great October» // After the Fall: Essays in Russian and
Soviet Historiography / M. David-Fox, P. Holquist, M. Poe (eds.). Bloomington, 2004. P. 84–97.
101 В сущности, «упреждающий» характер в России приобрела только одна международная конференция.
См.: Эпоха войн и революций: 1914–1922: Материалы международного коллоквиума (Санкт-Петербург,
9–11 июня 2016 года). СПб., 2017.
102 Это было сразу же замечено западными авторами. См. введение к «юбилейному» номеру британского
журнала «Революционная Россия»: Rendle M., Retish A. B. Introduction. The «lessons» of 1917 // Revolu-
tionary Russia. 2017. Vol. 30. № 1. June. P. 1–5.
103 Об этом см.: Колоницкий Б.И. Ресурсы культурной памяти и политика памяти о Первой мировой войне в
России // Cahiers du monde russe. 1917. Historiographie, dynamiques révolutionnaires et mémoires contestées.
2017. 58/1–2, Janvier–juin. P. 179–181.
104 История России с древнейших времен до наших дней / А .Н. Сахаров и др. (ред). М., 2016. С. 1325.
105 Ср.: Никонов В.А. Крушение России: 1917. M., 2016; Никонов В.А. Октябрь 1917: Кто был ничем, тот станет
всем. М., 2017.

323
Владимир Булдаков

авторы «социалистической ориентации» резко возразили против этого106. С другой сторо-


ны, активизировались историки, продолжающие настаивать, что революция «спасла» Рос-
сию107. Как бы то ни было, в некоторых популярных работах новый имидж революции все
еще соседствует со старыми политическими клише108. Революцию именуют катастрофой109.
А некоторые авторы попросту пугают революцией110.
По некоторым данным, с декабря 1916 до конца 1917 г. в России прошло около 2 тыс.
коммеративных событий (конференций, чтений, выставок и т.п.). Конечно, преоблада-
ли ритуальные и занимательные мероприятия – вплоть до музыкально-театрализованных
представлений. Но были и содержательные акции вроде цикла публичных лекций видных
исследователей111.
Какова оказалась содержательная часть «юбилея»? Показательны публикации в журнале
«Российская история». Так, весенний номер 2017 г. открылся статьей директора Институ-
та российской истории РАН Ю.А. Петрова о том, как представлена Россия накануне рево-
люции в современной историографии. Было отмечено, что громадным стимулятором для
историков революции стало 100-летие Первой мировой войны: война и революция пере-
стали, наконец, рассматриваться обособленно112. Но только ли европейская война породила
русскую революцию? Ответ был сформулирован так: «В мирное время Российская импе-
рия, несмотря на многообразие, разнонаправленность и масштабность характерных для нее
социальных конфликтов, способна была их “переварить”. Однако в экстремальных условиях
войны это оказывалось невозможным». Было также отмечено, что «практически “вечный”
вопрос о соотношении стихийного и рукотворного в событиях Февраля 1917 г. предполага-
ет особое внимание к проблемам массового движения»113. Между тем, развернутая карти-
на массовых движений именно под таким «вечным» углом зрения оказалось представлена
слабо. И дело не только в количестве исследований. Нынешний подход к «стихийности»
осуществляется по преимуществу под углом зрения «сознательности», восходящей к эпохе
Просвещения.
Впрочем, из последующих «юбилейных» журнальных публикаций видно, что в осмыслении
истоков и хода революции наметился сдвиг. Исследователи, вроде бы далекие от социаль-
ной истории, отмечали, что «изучать политическую историю революционного времени,

106 Кара-Мурза С.Г. 1917: Две революции – два проекта. М., 2017. С. 12–13.
107 Вахитов Р.Р. Революция, которая спасла Россию. М., 2017. Нечто подобное высказывается и в другой книге.
См.: От Великого Октября к советскому социализму. Взгляд 100 лет спустя / П.П. Апрышко и др. (ред.). М.,
2017.
108 См.: Герман А .А. Русские революции и Гражданская война. М., 2017.
109 Смирнов А .С. Катастрофа 1917 года: От империи к глобальному коммунизму. М., 2017.
110 Революция в России: реальна ли угроза?: 1917–2017 / А .Д. Степанов (сост.). М., 2018.
111 Так, в Санкт-Петербурге местными и московскими исследователями было последовательно прочитано 12
лекций, посвященных событиям каждого месяца 1917 г. См.: Петроград 1917: Исторический календарь /
Ю. Кантор (отв. ред.). СПб., 2018.
112 См.: Петров Ю.А. (отв. ред.). Россия в годы Первой мировой войны; Булдаков В.П., Леонтьева Т.Г. Война,
породившая революцию: Россия, 1914–1917 гг. М., 2015.
113 Петров Ю.А. Россия накануне Великой революции 1917 г.: современные историографические тенденции
// Российская история. 2017. № 2. С. 9–23, здесь С. 16, 3, 8.

324
Революция 1917 года в новейших российских исследованиях

опираясь только на законодательные акты, невозможно – они могли обессмысливать друг


друга, поскольку издавались в условиях нарушения обычного хода дел и, зачастую, случайно
оказавшимися во главе ведомств людьми»114. Другие историки подчеркивали, что «информа-
ционный кризис кануна революции, характеризовавшийся огромной ролью слухов, ради-
кализировал общественные настроения, подготовив ментальную почву для революции»115.
Вместе с тем встречаются утверждения, что политическая история русской революции еще
не написана116. И это при том, что именно политической историей революции в России зани-
мались более 100 лет, что, однако, не принесло ничего, кроме эмоционального возрождения
старых споров117.
В этих условиях политические партии европейского образца делались бессильными. Было
признано, что «ни консерватизм, ни либерализм (как идеология и политическая практика)
не смогли “укорениться” на российской почве»118. Действительно, российские партии in
corpore отражали (или предвосхищали) процесс развала империи, а не консолидацию об-
щественных сил и, тем более, не начало формирования гражданского общества. Российская
многопартийность оказалась мертворожденной в силу ее генетических умозрительно-док-
тринальных изъянов119. Это не случайно заметили тогдашние правые. Один из них в свое
время заметил: «Винить большевиков – все равно, что винить холерного эмбриона», ко-
торый не отвечает за тайну своего происхождения и активизации120. Действительно, самые
массовые в прошлом правые партии, – общероссийские и региональные – представляли со-
бой «руины» одного из многих «бастионов», воздвигнутых на пути революции121.
В любом случае, дискурс «логос культуры против стихии охлоса»122 требует особого куль-
турно-антропологического оснащения. Пока что в этом направлении делаются лишь от-
дельные шаги123. Формально, в России возникали (и возникают) вроде бы те же политиче-
ские институты, что и на Западе. Но только они, как правило, оказывались инструментами

114 Гордеев П.Н. Комиссариат Временного правительства над бывшим Министерством двора // Там же. С.
59–78, здесь С. 62.
115 Аксенов В.Б. Революция и насилие в воображении современников: слухи и эмоции «медового месяца» 1917
г. // Там же. С. 17–32, здесь С. 32.
116 Медушевский А .Н. Политическая история русской революции: нормы, институты, формы социальной
мобилизации в ХХ веке. М., 2017. С. 18.
117 В этой связи разочаровывают попытки возродить традиции советской «этатистской» истории революции.
См.: Чураков Д.О. 1917 год: Русская государственность в эпоху смут, реформ и революций. М., 2017.
118 Шелохаев В.В. Переформатирование партийного пространства в России в 1917 г. (историографические
итоги и исследовательские задачи // Российская история. 2017. № 2. С. 32–41, здесь С. 39, 41.
119 См.: Булдаков В.П. Российская многопартийность: иллюзии прошлого, химеры современности // Полис.
2016. № 4. С. 100–114.
120 Иванов А .А. «Черная сотня сгинула в подполье». Русские правые и революция 1917 г. // Российская
история. 2017. № 2. С. 42–59, здесь С. 57.
121 Омельянчук И.В. Провинциальная контрреволюция: Иваново-вознесенская самодержавно-монархическая
партия в 1905–1917 гг. / Там же. С. 113–130, здесь С. 130.
122 Филиппова Т.А. Братание идеи со штыком. Политико-культурные смыслы Великой российской революции
// Там же. С. 78–92, здесь С. 84–87.
123 Никольский С.А. Империя и культура: Философско-литературное осмысление Октября. М., 2017.

325
Владимир Булдаков

не органического, а псевдоморфного развития России124. В любом случае следовало бы не пу-


тать потемкинские деревни с реальными субъектами российской истории.
Другой «юбилейный» номер журнала также оказался небогат оригинальными текстами.
Так, при обсуждении книги В.П. Булдакова и Т.Г. Леонтьевой «Война, породившая рево-
люцию» большинство авторов возражало против политической «экзотизации» России125.
Даже в статьях о женском движении в 1917 г. предпочтение отдавалась партийному феми-
низму; бунтарские выступления женщин, вносившие истеричную ноту в ход революции,
упоминались вскользь. Оказались вновь забытыми весенние стачки столичных прачек, а рас-
кол в женском движении связывался с партийной борьбой и был отодвинут к осени 1917 г.126
Другие авторы предложили такие политические трактовки революции: «Трагедия заклю-
чалась в том, что сама обстановка войны, в ходе которой элиты Российской империи демон-
стрировали свою неэффективность… высекала искры крамолы в беспокойном народном
сознании»127; большевистский финал обусловлен тем, что в России отсутствовала «единая
концепция многопартийной социалистической власти»128. Возникает вопрос, а откуда было
взяться экзотическим политическим цветкам среди архаики народной смуты? Не случайно
некоторые современные авторы, говоря о причинах революции, отмечают «безлюдье» (от-
сутствие подлинных лидеров) в российских политических элитах129.
Некоторое представление о соотношении подходов к событиям 100-летней давности дают
материалы международной научной конференции «Великая российская революция 1917:
сто лет изучения», состоявшаяся в октябре 2017 г. в Институте российской истории РАН
и собравшая около 150 исследователей. На ней последовательно рассматривались эконо-
мическое положение России, политический кризис и трансформация властных институ-
тов, партии и общественные организации, национальные движения, культура и духовная
жизнь, человеческое измерение революции, внешнеполитическое влияние революции130.
В общем, преобладал привычный этатистский подход; социальные движения словно рас-
творились в нем.

124 Подробно об этом см.: Королев С.А. Псевдоморфоза как тип развития: случай России // Философия
и культура. 2009. № 6. С. 72–85; Королев С.А. Секуляризация и десекуляризация в контексте концепции
псевдоморфного развития России // Философская мысль. 2015. № 4. С. 1–54; Королев С.А. Метаморфозы
власти: Опыты по микроистории: Философские аспекты. М., 2017. С. 13–41.
125 См.: Диалог о книге // Российская история. 2017. № 5. С. 3–29, здесь С. 9, 20, 23.
126 Алферова И.В. 1917 г. в России: большевизм и феминизм в условиях социальной активности женщин-работ-
ниц // Вестник Тамбовского университета. Гуманитарные науки. 2009. Вып. 11. С. 355–360; Пушкарева
И.М., Пушкарева Н.Н. Женское движение в общественно-политической жизни России 1914–1917 гг.
(некоторые итоги изучения проблемы в отечественной историографии) // Российская история. 2017. № 5.
С. 73–96, здесь С. 93.
127 Сапон В.П. Нижегородская либеральная оппозиция накануне Февральской революции 1917 г. // Там же. С.
30–43, здесь С. 43.
128 Кружинов В.М., Сокова З.Н. Органы многопартийной социалистической власти на Урале осенью 1917 г. //
Там же. С. 62–72, здесь С. 72.
129 При всей своей тенденциозности данная книга позволяет по-новому взглянуть на истоки революционного
кризиса. См.: Бородин А .П. Верхи власти и общества Российской империи начала ХХ столетия глазами
современников. Киров, 2018.
130 Петров Ю.А. (отв. ред.). Великая российская революция 1917.

326
Революция 1917 года в новейших российских исследованиях

Разумеется, многие работы 2017 г. носили неглубокий характер, будучи поспешно приуро-
чены к «юбилею». Вероятно, важнейшим итогом коммеративных мероприятий следует
считать не столько появление тематически новых исследований о революции, сколько пу-
бликацию источников, среди которых преобладают документы личного происхождения.
Итак, получается, что в целом российские авторы по-прежнему тяготеют к политической
истории, руководимой, естественно, из центра. Возможно, это связано вовсе не со специ-
фикой научного интереса, а с психологией исследователей, как всегда оглядывающихся на
власть. Не прекращаются умозрительные поиски демократических альтернатив большевиз-
му. Однако этатистская традиция российской историографии постепенно размывается.
В лице русской революции всему историческому сообществу был предложен своего рода
экзамен на креативность сознания. Речь идет о способности историков совместными уси-
лиями вырваться из притяжения созданных революцией мифов131. На сегодняшний день это
удается с трудом: призывы взглянуть на ход революции снизу132 встречают лишь пассивное
одобрение. Однако намечается склонность историков к диалогу. В ряде случаев под одной
книжной обложкой сходятся авторы весьма несхожих воззрений и подходов133. Несомнен-
но, русская революция 1917 г. впитала в себя не только черты революций прошлого, но и
своим бунтарским потенциалом напомнила о себе в ходе последующих катаклизмов ХХ в. Ее
100-летняя годовщина показала, что историки ощущают необходимость в самом глубоком
и интенсивном ее изучении.

131 Булдаков В.П. Историк и миф. Перверсии современного исторического воображения // Вопросы
философии. 2013. № 8. С. 54–65; Тихонов В.В. Революционный миф и политика памяти в СССР в эпоху
«оттепели» // Петров Ю.А. (отв. ред.). Великая российская революция 1917. С. 673–678.
132 Булдаков В.П. Революция 1917 г.: к смене исследовательской парадигмы // Ермакова Ж .А ., Лабузов В.А .,
Сафонов Д.А. (ред.). Революция 1917 года и Гражданская война как определяющие факторы российской
истории ХХ века.
133 Приводятся интервью с С. Нефедовым, К. Назаренко, К. Тарасовым, А. Пыжиковым, И. Ратьковским. См.:
Яковлев Е., Пучков Д. Красный шторм: Октябрьская революция глазами российских историков. СПб., 2018.

327
ХЕЛЬМУТ АЛЬТРИХТЕР

Русская революция в зеркале немецкой историографии

Две вещи делают разговор о русской революции таким сложным: ее многослойность и про-
тяженность процессов во времени. К этому следует добавить различия между периферией и
центром, речь о которых пойдет здесь в других докладах. Если же сфокусироваться только
на центре, то картина будет следующей: в начале 1917 г. так называемые революционеры
выглядели по-настоящему едиными только в своей враждебности к самодержавию. Никто,
будучи в здравом уме и твердой памяти, не мог предсказать в это время победу большеви-
ков – маленькой радикальной партии, руководство которой находилось за границей или в
ссылке, а сама партия не принимала никакого участия в развязывании революции и сверже-
нии царизма. Такими же разными, как и акторы, были фазы, которые революция пережила в
своем развитии, вследствие чего культуры памяти о революции сформировались такими же
специфическими, как и картины случившегося1.
В общем и целом, следует различать пять аспектов: 1. Политическая революция, свергнув-
шая весной 1917 г. царское самодержавие и его правительство. Временное правительство,
за плечами которого стояло большинство депутатов Государственной Думы, то есть членов
парламента, возложило управление государством на себя. Новое правительство провоз-
гласило основные буржуазные свободы и свободу слова, а также пообещало созвать Учре-
дительное (конституционное) собрание на основе свободных, равных и тайных выборов.
Несмотря на неоднократные трансформации, Временное правительство не смогло контро-
лировать процессы, разворачивавшиеся на улицах городов и в сельской местности. Рост не-
терпения масс сопровождался ростом хаоса. Поскольку правительство продолжало вести
войну, оно унаследовало проблемы своего предшественника – царского режима. В свою
очередь большевики использовали осенью 1917 г. себе во благо все ширившуюся анархию.
В ходе вооруженного восстания они свергли Временное правительство и провозгласили со-
циалистическую республику.
2. Вслед за политической революцией последовала социальная революция, носителями ко-
торой стали крестьяне, рабочие и солдаты, а также, в определенных границах, буржуазия.
Банки перешли в собственность государства, земельные владения дворянства, церкви и ко-
роны были национализированы, на фабриках и заводах – введен всеобъемлющий рабочий
контроль, немедленно был заключен мир. Монополия государственного насилия перешла
в руки советов депутатов, органа власти, который в демократических традициях опирал-
ся в первую очередь на рабочих и солдат как представитель их интересов. Это советское
государство не нуждалось ни в регулярной армии, ни в профессиональном чиновничьем
аппарате. Как провозгласил Ленин в своих апрельских тезисах 1917 г., они подлежали устра-
нению вместе с царской полицией и юстицией. Новое социалистическое правительство по-

1 Способ подачи текста соответствует выступлению автора на Московской конференции. В настоящем


тексте также сохранена свободная манера речи. Сноски приводятся только на избранную литературу.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 329–335


[Link] 329
Хельмут Альтрихтер

пыталось немедленно реализовать эту неотложную программу действий, произведя на свет


целый поток декретов.
Социалистическая революция усилила сецессию периферийных областей империи, где
доминировало нерусское население. Итак, в-третьих, речь идет о национальных револю-
циях, в ходе которых нерусские окраинные территории, используя кризис, охвативший всё
государство, вышли из состава многонациональной Российской империи. Начиная с весны
1917 г. на окраинах России, под лозунгом «Покончим с национальным гнетом», форми-
ровались движения, притязавшие на «национальное самоопределение». Эти движения
под руководством «буржуазно-демократической интеллигенции создали собственные
административные институты и приступили к подготовке образования «буржуазных на-
циональных государств». Это утверждение справедливо в отношении Финляндии, Эсто-
нии, Литвы, Латвии, Грузии, Армении и Азербайджана, Северного Кавказа, Киргизии и
Среднего Поволжья, Украины, Белоруссии, Бессарабии, Крыма, Башкирии, Туркестана
и т.п. Летом 1918 г. на всех фронтах царила открытая Гражданская война. Казалось, что
многонациональная империя неминуемо распадется на составные части. И только побе-
да Красной Армии в Гражданской войне положила конец стремлению национальных элит
к независимости. Большевики трудились не покладая рук, пока не восстановили бывшие
границы царской империи на Юге, Юго-Востоке и Востоке. Свою независимость, наряду с
Польшей, смогли отстоять только Финляндия и государства Балтии.
Большая часть населения пережила в эти годы еще нечто особенное: для людей револю-
ция и Гражданская война стали прежде всего оргией голода, насилия и смерти. Это чет-
вертый аспект. Если следовать цифрам, приведенным в середине 1990-х годов в одном из
ведущих российских исторических журналов, потери населения Советской России соста-
вили за период 1917–1922 гг. около 13 млн человек: 2,5 млн. погибли в ходе вооруженных
столкновений, еще 2,0 млн. – от эпидемий, один млн. стал жертвами террора и банди-
тизма, около 300.000 погибли в результате еврейских погромов, около 1,5–2,0 млн. эми-
грировали, остальные стали жертвами голода, последовавшего за Гражданской войной в
1921–1922 годах2. Потери России в Первой мировой войне оцениваю в размере от 1,6 до
2,0 млн. человек. Максим Горький убедительно описывал в своих статьях, опубликован-
ных в газете «Новая жизнь», как Петроград, столица советской России, уже в декабре
1917 г. погряз в ненависти и насилии. Я процитирую здесь лишь короткую выдержку из
одной его статьи:
«За время революции насчитывается уже до 10 тысяч «самосудов». Вот как судит демокра-
тия своих грешников: около Александровского рынка поймали вора, толпа немедленно избила
его и устроила голосование: какой смертью казнить вора: утопить или застрелить? Решили
утопить и бросили человека в ледяную воду. Но он кое-как выплыл и вылез на берег, тогда один
из толпы подошел к нему и застрелил его […].

2 Поляков Ю.А. Воздействие государства на демографические процессы в СССР (1920–1930-e годы) //


Вопросы истории. 1995. № 3. С. 122–128, здесь С. 123.

330
Русская революция в зеркале немецкой историографии

Солдаты ведут топить в Мойке до полусмерти избитого вора, он весь облит кровью, его лицо
совершенно разбито, один глаз вытек. Его сопровождает толпа детей; потом некоторые из
них возвращаются с Мойки и, подпрыгивая на одной ноге, весело кричат: – Потопили, уто-
пили!» 3.
В-пятых, русская революция 1917 г. была также «культурной революцией», в рамках кото-
рой интеллектуальная элита обещала создание «нового искусства», «нового общества» и
«нового человека». Разве революция не поставила существование всех и каждого в отдель-
ности под вопрос? Разве не были объявлены пережитками прошлого само государство, его
система управления и экономика, включая иерархии и институты, начиная с брака и семьи,
церкви с ее влиянием на школу, сословий с их организациями и заканчивая памятниками и
культурой памяти? Как большевики поставили себя вне традиции, диктовавшей не перено-
сить взгляд с настоящего на будущее, так и художники смогли революционизировать мир
искусства, порвать с прошлым в течение последних десяти дореволюционных лет, оставить
в прошлом ориентацию на предметную реальность и отважиться на смелый шаг в буду-
щее. В их числе были, и это далеко не полный список, Александр Блок, Лиля и Осип Брики,
Владимир Маяковский, Михаил Ларионов и Наталья Гончарова, Натан Альтман, Казимир
Малевич, Любовь Попова и Николай Пунин, Алексей Явленский, Марк Шагал и Василий
Кандинский, Владимир Татлин, Наум Габо, Лазарь Лисицкий и Александр Родченко. Пушки-
на и Растрелли, «генералов классики», Маяковский на арго Гражданской войны призывал
«поставить к стенке» как белых генералов. Приведенный перечень следовало бы дополнить
именами других представителей «пишущего искусства», проектировщиками городов и ар-
хитекторами4.
Все, что мной описано выше, относилось в прошлом к ведущим трендам историографии
революции. Вплоть до конца 1960-х годов для западной историографии, равно как для за-
падногерманской, революционные события в России были в первую очередь событиями
революции политической. В центре внимания историков находились такие события, как
крушение династии Романовых, апрельский кризис, июльские дни, корниловский мятеж,
Октябрьское восстание, выборы и роспуск Учредительного собрания, Брест-Литовский
мирный договор, антибольшевистские правительства в Омске и Самаре, восстание Чеш-
ского легиона, иностранная интервенция и т.д., и т.п. Главными акторами революции были
отдельные личности (князь Львов, Милюков, Керенский, Ленин, Троцкий и т.д.), институты
(Дума, советы, съезды советов, армия, ВРК, СНК, ЧК, Учредительное собрание, Директо-
рия и т.п.), а также партии с их программами (эсеры, большевики, меньшевики, кадеты). Яр-
ким примером такого подхода является монография о российской революции Дитриха Гай-
ера. Книга под названием „Die Russische Revolution. Historische Probleme und Perspektiven“
(«Российская революция. История и перспективы») была написана на основе лекции,
посвященной 50-летию русской революции и прочитанной в университете Тюбинген. Ав-
тор (1928 г.р.) за два года до этого возглавил кафедру восточноевропейской истории Тю-

3 Новая жизнь. № 195. 7 (20) декабря 1917 г. Здесь цит. по: Горький М. Несвоевременные мысли. М., 2017. С.
32.
4 В обобщенном виде см.: Altrichter H. Politik und Kunst im revolutionären Russland. In: Evgenia Petrova, Klaus
Albrecht Schröder (Hrsg.). Chagall bis Malewitsch: Die russischen Avantgarden. München, 2016. S. 25–39.

331
Хельмут Альтрихтер

бингенского университета и считался одним из самых профессиональных и влиятельных


специалистов по российско-советской истории. Даже если посмотреть только на оглав-
ление книги («Война и революция», «Конец старой империи», «Эрозия двоевластия»,
«Восстание и захват власти»), Вы увидите, что автор расставляет акценты именно так, как
я выше описал «политическую историю». Книга пользовалась успехом, сменила издатель-
ство («Kohlhammer» на «Vandenhoeck»), ее четвертое издание было опубликовано новым
издательством в 1985 году5.
Между тем в историографии состоялась смена парадигмы. Результаты случившегося попы-
тался подытожить Бернд Бонвеч (1940 г.р.) в своей книге, опубликованной в 1991 г. Ранее
Бонвеч был сотрудником Гаейера, а к 1991 г. стал уже профессором восточноевропейской
истории Рур-Университета Бохум. Большинство историков знало его уже после Бохума как
первого директора Германского исторического института в Москве. Хотя книга Бонвеча
носила практически такое же название, как и книга Гайера „Die Russische Revolution 1917“,
речь в первой половине книги (на 119 страницах из 219) шла совсем не о событиях 1917 г.
Как гласил подзаголовок книги, автор предпринял попытку, написать «социальную исто-
рию освобождения крестьян, начиная с 1861 г и до Октябрьского переворота». Книга на-
правляет взгляд читателя не столько на политические события, сколько на слои и структуры
общества, на «крестьянство и аграрные отношения», а также на «пролетариат до Первой
мировой войны», причем этот же подход сохраняется при описании событий между фев-
ралем и октябрем 1917 года. Бонвеч попытался, как он сам об этом пишет, «поместить со-
бытия 1917 г. в широкий контекст трансформационного или модернизационного процесса,
затронувшего все общество», у «истоков которого стояли поражение России в Крымской
войне и «революция сверху, предпринятая Александром II». Иначе говоря, рабочие, кре-
стьяне и солдаты больше не играли роль безвольной человеческой массы, отданной на откуп
политическим партиям, их планами и действиям. Теперь массы воспринимались и изобра-
жались как самостоятельная сила в процессе развития6.
Само собой разумеется, историки никогда не забывали о том, что Российская империя (как
и Австро-Венгрия и Османская империя) была многонациональным государством. Об этом
также напомнила диссертация Андреаса Каппелера на соискание ученой степени доктора
исторических наук, защищенная в 1981 г. (ее подзаголовок гласил: «Das Zarenreich und die
Völker der Mittleren Wolga vom 16. bis zum 19. Jahrhundert» («Царская империя и наро-
ды Средней Волги в 16–19 веках»))7. Гораздо больше внимания широкой общественно-
сти привлекла к себе вторая книга Каппелера на эту же тему. Она была издана в 1992 г. в
издательстве C. [Link]-Verlag под названием «Россия как многонациональная империя.
Возникновение, история, распад»8. Прежде всего последний термин указывал на то, что

5 Geyer D. Die Russische Revolution: Historische Probleme und Perspektiven. Stuttgart, 1968; 4. Aufl. Göttingen,
1985.
6 Bonwetsch B. Die Russische Revolution 1917: Eine Sozialgeschichte von der Bauernbefreiung 1861 bis zum Ok-
toberumsturz. Darmstadt, 1991. S. 2.
7 Kappeler A. Russlands erste Nationalitäten: Das Zarenreich und die Völker der Mittleren Wolga vom 16. bis
19. Jahrhundert [= Beiträge zur Geschichte Osteuropas. Bd. 14]. Köln; Wien, 1982.
8 Kappeler A. Russland als Vielvölkerreich: Entstehung, Geschichte, Zerfall. München, 1992.

332
Русская революция в зеркале немецкой историографии

придавало теме дополнительную актуальность: «этнический взрыв» в Советском Союзе,


вместе с которым с середины 1980-х годов, как мы знаем сегодня постфактум, начался про-
цесс распада СССР, завершившийся в 1991 г. (однако только этнический момент не в со-
стоянии в достаточной мере объяснить произошедшее). Когда в 1997 г. я сам опубликовал
книгу к 80-й годовщине революции („Russland 1917. Ein Land auf der Suche nach sich selbst“
(Россия в 1917 г. Страна в поисках самой себе)), стало ясно, что в ней должна была быть
третья часть (об отделении национальных областей), так как многие союзные республики,
ставшие теперь самостоятельными, искали корни своей государственности в революции и
сопровождавших ее попытках создания национальных государств9.
Революция и Гражданская война – это еще и опыт насилия, не имевший исторических ана-
логов. Об этом мы узнали были не только из кинофильмов, таких как снятый еще в 1967 г.,
но впервые показанный в советских кинотеатрах только в 1988 г. (в 1989 г. – по советскому
телевидению) фильм «Комиссар» режиссера Александра Аскольдова по мотивам рассказа
Василия Гроссмана – история женщины-комиссара Красной Армии, которая забеременела
во время Гражданской войны, получила отпуск и сняла жилье у еврея-жестянщика, где роди-
ла ребенка и начинает впервые воспринимать революцию и Гражданскую войну не как ге-
роический победный поход. Теперь она переживает все случившиеся глазами страдающего
народа, действие происходит в маленьком городке, который переходил из рук в руки четы-
рнадцать раз10. Об опыте насилия мы узнали в первую очередь благодаря многочисленным
сборникам документов, которые российские историки публиковали, начиная с перестрой-
ки. В фокусе этих документов оказалась оборотная сторона революции и Гражданской во-
йны с ее широкомасштабным насилием, источники продемонстрировали, что насилие нача-
лось не после прихода Сталина к власти, а уже непосредственно в 1917 г., став постоянным
спутником революции.
Если цифры потерь, которые я приводил выше (при этом я основывался на статье Юрия
Полякова, опубликованной в журнале «Вопросы истории» в 1995 г.) показывают, что по-
тери России в ходе революции и Гражданской войны в разы превышают потери в Первой
мировой войне, или если большевистское руководство применяло в борьбе за хлеб, кото-
рая велась против крестьян, тяжелую артиллерию и отравляющие газы (здесь я ссылаюсь
на исследования Виктора Петровича Данилова11), то это все нельзя оставлять впредь без
внимания, если даже картины насилия не укладываются в расхожие образцы политической,
социальной и национальной истории. Как я уже упоминал, Горький в свое время описал
этот феномен взрыва общественного насилия (см. цитату из публикации в «Новой жиз-
ни»). Оргия повседневного насилия также запечатлена на страницах дневников Исаака Ба-
беля (после своего открытия эти дневники были также переведены на немецкий)12, ее опи-

9 Altrichter H. Rußland 1917: Ein Land auf der Suche nach sich selbst. Paderborn; München; Wien; Zürich, 1997;
2. Aufl. Paderborn, 2017).
10 См. любое издание рассказа В. Гроссмана «В городе Бердичеве». О фильме см.: Altrichter H. Russland 1989:
Der Untergang des sowjetischen Imperiums. München, 2009. S. 298 ff.
11 См.: Крестьянское восстание в Тамбовской губернии в 1919–1921 гг. («Антоновщина»): Документы и
материалы / В.П. Данилов, Т. Шанин (отв. ред.). Тамбов, 1994.
12 Дневник 1929 г. (конармейский) // Бабель И.Э. Сочинения. В 2 т. Т. 1. Москва, 1990 (Приложение).

333
Хельмут Альтрихтер

сание приводится во множестве эго-документов и воспоминаний. Главы вышедшей в 1997


году под редакцией Стефана Куртуа и наделавшей на Западе много шума «Черной книги
коммунизма» («Le livre noir du communisme. Crimes, terreur, répression»), посвященные
Советскому Союзу и написанные Николя Вертом, основываются именно на этих новых до-
кументальных публикациях13.
То обстоятельство, что русская революция была также «культурной революцией», с её
поисками «нового искусства», «нового образа жизни», «нового быта», «нового горо-
да», «нового отношения полов», а если коротко – «нового обществ» и «нового чело-
века», само собой разумеется не является открытием. Рене Фюлеп-Миллер (настоящая
фамилия Филипп Рене Мария Мюллер), популярный писатель австро-венгерского проис-
хождения, еще в 1926 г. написал толстую книгу под заголовком «Дух и облик большевиз-
ма» (Geist und Gesicht des Bolschewismus), посвященную культурной жизни в Советском
Союзе, которая позднее была переиздана под заголовком «Фантазия и повседневность в
Советской России. Свидетельство очевидца» („Fantasie und Alltag in Sowjetrussland. Ein
Augenzeugenbericht“)14. Это начинание подхватил в конце 1980-х годов Ричард Стайтс
своей книгой «Революционные мечты: утопическое видение и экспериментальная жизнь
в русской революции» („Dreams. Utopian Visions and Experimental Life in The Russian
Revolution“)15. Немецкоязычная историография включает в себя сегодня множество трудов,
написанных в рамках Cultural turn, я не имею возможности перечислить их здесь в отдель-
ности. Отмечу лишь Стефана Плаггенборга, который, основываясь на двух названных здесь
книгах (Фюлепа-Миллера и Стайтса), попытался в своей докторской диссертации, защи-
щенной во Фрайбурге в 1993 г., достичь нового синтеза. Диссертация называлась «Рево-
люция и культура: Культурные ориентиры в период между Октябрьской революцией и эпо-
хой сталинизма» („Revolutionskultur. Menschenbilder und kulturelle Praxis in Sowjetrussland
zwischen Oktoberrevolution und Stalinismus“). Отдельной книгой исследование было опу-
бликовано три года спустя, в 1996 г. Исходя из попыток «реорганизации человека» (термин
Плаггенборга), автор описывает в первой части книги трансформации его мировоззрения
и его телесности, во второй он характеризует попытки новой организации его восприятия
(все, что касается чтения, слухового и зрительного восприятия, опыта, воспоминаний и пе-
реживаний), чтобы в заключительной, третьей, части обратиться к вопросу о «культ урных
антагонизмах»16.

13 Верт Н. Государство против своего народа. Насилие, репрессии и террор в Советском Союзе // Куртуа
С., Верт Н., Панне Ж.-Л. и др. Черная книга коммунизма: Преступления, террор, репрессии. Москва, 2001.
С. 61–258 (здесь же приводится список использованных сборников документов).
14 Fülöp-Miller R. Geist und Gesicht des Bolschewismus: Darstellung und Kritik des kulturellen Lebens in Sowjet-
Rußland. Zürich; Leipzig; Wien, 1926.
15 Stites R. Revolutionary Dreams: Utopian Vision and Experimental Life in the Russian Revolution. New York;
Oxford, 1989.
16 См.: Плаггенборг Ш. Революция и культура: Культурные ориентиры в период между Октябрьской
революцией и эпохой сталинизма. СПб., 2000. Каким бы привлекательным не выглядел конструкт
революционной культуры на бумаге, тяжело дать ответ на вопрос, что же он объясняет. Его нельзя
трактовать как партийную программу или как руководящую идею большевистского руководства. Если же
рассматривать в качестве несущего слоя конструкта революционной культуры «революционеров» или
«большевиков и их сторонников» (что здесь и происходит), то это значило бы вновь забыть о всех выводах

334
Русская революция в зеркале немецкой историографии

То, что тема революции заботит не только цех профессиональных историков, наглядно де-
монстрируют различного рода мероприятия, конференции и выставки, которые прошли в
юбилейном 2017 г. Даже съезд евангелической церкви, состоявшийся в конце мая 2017 г. в
Берлине, был вдохновлен революционной тематикой, избрав предметом своей подиумной
дискуссии следующую тему: «Новый человек – мечта или кошмар? Длинная тень русской
революции» „(Alb-)Traum Neuer Mensch? Der lange Schatten der Russischen Revolution“).
Но как бы я не приветствовал, будучи историком, когда ключевые события истории ста-
новятся предметом общественной дискуссии и местом коллективной памяти, я отнюдь не
согласен с тем, что русская революция сводится лишь к поиску «нового человека» в смысле
культуры. Не стоит забывать, что этот «поиск» стоил более 10 млн. человеческих жизней, а
также повлек за собой другие страшные последствия.

социальной истории: о хаотическом состоянии партии и совершенно разных представлениях о жизни и


различных интересах общественных групп – рабочих, крестьян, солдат и интеллигенции, – видевших в
Ленине и большевистском руководстве исполнителей их желаний и требований, которых они поэтому
поддерживали или, по меньшей мере, терпели.

335
ЙОРН ЛЕОНХАРД

Примат войны? Германия и русская революция 1917–1918 гг.

Введение: фантазии о глобальной мобилизации антиколониальных сил


С самого начала Первая мировая война была нечто большим, чем просто чередой событий
на европейском континенте и чересполосицей фронтов на Западе и Востоке. Ее глобальное
измерение выяснилось отнюдь не в ретроспективе, современники также четко осознавали
масштабы происходившего. Развитие ситуации в колониях привлекало к себе взгляды про-
тивоборствующих сторон в поисках дополнительных союзников, в том числе с немецкой
точки зрения – в интересах мобилизации антиколониальных сил против Британской импе-
рии. Профессор истории Гейдельбергского университета Карл Хампе писал уже в сентябре
1914 г.: «Интересные, однако все еще смутные новости о восстании в Индии и привлечении
японцев для его подавления с тяжелыми условиями для Англии, которые, возможно, в буду-
щем могут обусловить падение английского господства на Дальнем Востоке. Египет, кажет-
ся, тоже шатается». Надежды Хампе на масштабное и планомерное «возвышение ислама»
вылились в конечном итоге в видение глобального движения, обладающего огромным по-
тенциалом: «Дело может дойти до преображения мира! Смелее в том же духе!» 1
На самом деле, в политической секции Отдела IIIb немецкого МИДа имелись соображения
по целому ряду операций международного масштаба, нацеленных на поддержку националь-
ных и антиимпериалистических движений. Начальник отдела, Рудольф Надольный, отметил
в плане на 1914–1915 гг. «освободительные движения в Финляндии, Ирландии, Грузии и
Марокко, движение сенуситов [в Ливии], в Аравии, а также угрозу Индии». Джихад – свя-
щенная война всех мусульманских народов против британцев, французов и русских – обла-
давший большим символическим значением и объявленный 14 ноября 1914 г. султан-хали-
фом Мехмедом V, также был «вписан» в этот контекст и получил существенную помощь со
стороны Германии2.
Хотя большинство операций такого рода по поддержке антиимпериалистических восста-
ний не оказали серьезного воздействия на ход военных действий, они усилили представле-
ние о мировой войне как схватке вселенского масштаба, которая ведется всеми средства-
ми. С точки зрения немецких, британских или французских политиков и военных, колонии
являлись продолжением театра военных действий в Европе и на них следовало перенести
логику внутриевропейского конфликта. Однако практика вскоре продемонстрировала, на-
сколько такие представления недооценивали собственную внутреннюю динамику разви-
тия колониальных обществ. Это же утверждение справедливо для еще одного «военного
пространства», в отношении которого противники питали надежды на его разложение из-
нутри. По мнению немецких планировщиков войны, идея ускорить внутреннюю эрозию

1 Hampe K. Kriegstagebuch 1914–1919 / F. Reichert, E. Wolgast (Hrsg.). München, 2007. S. 124, 132.
2 Koenen G. Der Rußland-Komplex: Die Deutschen und der Osten 1900–1945. München, 2005. S. 76–77.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 337–346


[Link] 337
Йорн Леонхард

Российской империи стала актуальной самое позднее летом 1915 г., с прорывом фронтов в
Восточной Европе3.

Революция как средство ведения войны Германией в Восточной Европе


Путешествие Ленина из Цюриха в Петроград в апреле 1917 г., ставшее возможным благо-
даря немецкому правительству, не было случайностью. Однако эта поездка превратилась
в «снаряд» мировой истории, как назвал ее Стефан Цвейг, только исходя из знания о ее
последствиях, которые никто не мог предвидеть в тот апрельский месяц4. «Ленинский ва-
гон» отвечал идее глобальной мобилизации сил внутреннего разложения в обществах го-
сударств-противников. Если сначала немецкие чиновники министерства иностранных дел,
военного министерства и Верховного главнокомандования делали ставку на антиколони-
альные восстания внутри Британской империи и на джихад, то с 1915 г. их интерес сместил-
ся в сторону России. Усилия, направленные на ускорение извне эрозии царской империи,
активизировались самое позднее после Брусиловского прорыва летом 1916 г. и кризиса ле-
гитимности царствования Николая II в конце этого же года.
Известия о Февральской революции застали Ленина врасплох. Эмигранты в Цюрихе по-
лучали информацию о событиях в России преимущественно из газет, крушения царизма
они не ожидали. Когда Ленин узнал об отречении царя, он тотчас же понял, какой шанс
представляет собой этот кризис, вызванный войной. В отличие от 1905 г., в этот раз Ленин
не хотел терять времени и стремился оказаться в России как можно скорее, чтобы непо-
средственно воздействовать на события. Союзники никогда бы не допустили поездку боль-
шевиков через Францию, а путешествие через территорию Османской империи казалось
слишком опасным, не говоря уже об авантюрном плане воздушного перелета над фронтами.
Альтернатива заключалась в том, чтобы провести зондаж немецкого правительства при по-
средничестве русских социалистов и выехать через Германию в Скандинавию, а оттуда – в
Петроград5.
Этот план лежал в русле немецкой стратегии, за счет поддержки революционных групп
ослабить Россию изнутри и вынудить ее к сепаратному миру. Уже с конца 1914 г. немец-
кие дипломаты через посредников и информантов собирали в столицах нейтральных го-
сударств – Швейцарии, Дании и Швеции – сведения о русских революционерах. Так, имя
Ленина содержалось в отчете посланника в Берне Гисберта фон Ромберга, датированном
мартом 1915 г. Немного позднее немецкое правительство заполучило для ознакомления ле-
нинскую программу, которая в первую очередь содержала предложение мира, адресован-
ное Центральным державам, без какого-либо учета интересов союзников. Это привело к
тому, что немецкая сторона обратила на Ленина внимание, и все же поначалу он оставал-

3 Leonhard J. Die Büchse der Pandora: Geschichte des Ersten Weltkriegs. München, 2014. S. 193–195.
4 Zweig St. Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen [= Gesammelte Werke in Einzel-
bänden]. Frankfurt a. M., 2004. S. 247; Merridale C. Lenins Zug: Eine Reise in die Revolution. Frankfurt a. M.,
2017. S. 175–198; Plaggenborg St. Der Revolutionär fuhr zweiter Klasse // Frankfurter Allgemeine Zeitung. 5.
Apr. 2017.
5 Service R. Lenin: Eine Biographie. München, 2000. S. 337–339.

338
Примат войны? Германия и русская революция 1917–1918 гг

ся лишь одним из целого ряда русских изгнанников, получавших поддержку от правитель-


ства Германского рейха. Так, белорус Александр Гельфанд (Парвус), в прошлом сам соци-
алистический теоретик, ярый враг царизма и информант немецкого посла в Дании графа
Ульриха фон Брокдорф-Ранцау, получил весной 1915 г. миллион рейхсмарок для поддержки
революционного движения в России. После отречения царя, Брокдорф-Ранцау и Парвус
выступили весной 1917 г. в поддержку Ленина, поскольку верили, что именно он окажет
большое воздействие на ситуацию в России. Через посредничество одного швейцарского
социалиста в конечном итоге были организованы переговоры с немецким посольством в
Берне. Правительство в Берлине одобрило поездку через Германию, а Верховное главноко-
мандование даже выступило с предложением, переправить Ленина в Россию через линию
фронта, в случае, если у него будут проблемы со въездом в Швецию.
Революционизация России пользовалась с немецкой точки зрения приоритетом как инстру-
мент войны. Все изменилось в тот момент, когда большевики действительно взяли власть в
свои руки и распрощались со всеми «устаревшими» представлениями о мире и войне. Ле-
нин изначально позаимствовал идею тотальной мобилизации у Великой Французской рево-
люции с ее объединением войны и революции после 1792 г. То, что изначально могло плани-
роваться как революция снизу, в случае с истощенным русским обществом вскоре привело к
коллапсу всех внутренних органов и институтов старого режима. Со сломом государствен-
ного центра возник вакуум порядка и образовалось «разрушенное государство» («failed
6
state») как постимперская зона катастрофы .
В этой ситуации Ленин ориентировался отнюдь не на реформаторские представления, ко-
торым он приписывал буржуазные корни, при этом он последовательно отвергал все идеи,
направленные на федерализацию многонациональной Российской империи. Его концепт
основывался на анализе мировой войны, которую он трактовал как конфликт между импе-
риалистическими державами. Превратив этот конфликт в войну гражданскую, он покончил
со всеми мыслями об идее порядка или о политике мира. Каскад революций, который дол-
жен был закончиться финальным сражением социально-революционных сил, – вот о чем
грезил Ленин. Все это не имело ничего общего с категориями компромиссного мира, ко-
торый в глазах ведущих большевиков только замедлял собственно прогрессивное развитие,
сдерживал революционную борьбу и заглушал сознание социально-экономических струк-
тур общества, определявших ход истории. Отталкиваясь от этих размышлений, Ленин вы-
вел задачу революционеров: подогревать и использовать в своих интересах напряженность
между империалистическими участниками глобального конфликта, которая на четвертом
году войны проявлялась все очевидней, чтобы ускорить революционные процессы в обо-
зримом будущем.
Германия не случайно играла в этом ленинском концепте особенно важную и позитивную
роль. В пользу ее модернизационного превосходства над обществами стран-союзников,
особенно Великобритании, свидетельствовала не только ее чрезвычайно прогрессивная,
действенная и строго организованная военная экономика. Концепт дестабилизации Бри-
танской империи путем оказания поддержки движениям за национальную независимость,

6 Там же. S. 340–347; Leonhard J. Die Büchse der Pandora. S. 655.

339
Йорн Леонхард

разработанный немецкими дипломатами, политиками и военными, также воспринимался


Лениным как особенно прогрессивное, прямо-таки всемирно-революционное измерение
немецкого способа ведения войны. Здесь уже явно прорисовывался концепт самоопреде-
ления наций, причем задолго до «Четырнадцати пунктов» и последующих речей американ-
ского президента Вудро Вильсона7.
Исходя из этой перспективы, собственное путешествие Ленина в беспересадочном вагоне
из Цюриха в Россию весной 1917 г., которое стало возможным благодаря сложному функ-
ционированию дипломатического и военного механизма Германии, было нечто большим,
чем анекдотическим «зигзагом» в тени Великой войны. Спустя год, после заключения
Брест-Литовского мирного договора, в результате этой поездки наметилась комбиниро-
ванная перспектива развития: стабилизация власти большевиков после захвата власти в
октябре 1917 г., конец военных действий в Восточной Европе и, после решения немецкой
проблемы в виде войны на два фронта, шанс Германии на победоносный мир на Западе8. В то
же время разворачивалась борьба за право наиболее верно интерпретировать, что представ-
ляет из себя «прогрессивный мир», исходя из критерия самоопределения наций. В ходе
этой борьбы в особенности выявились противоречия между немецким Верховным главно-
командованием и рядом членов Рейхстага. В конечном итоге, апелляция к праву наций на
самоопределение со стороны как большевиков, так и германской дипломатии, позволила
оказать давление на британские и французские колониальные режимы и, как надеялись их
противники, усилить скрытые противоречия между Антантой и Соединенными Штатами
после вступления американцев в войну весной 1917 года.

Идеологическое наступление большевиков как вызов, брошенный


воюющим государствам
Когда большевики в октябре 1917 г. силой взяли власть в свои руки, они исходили из того,
что мировая война породила не только их собственную революцию, но и спровоцирует ре-
волюционные движения пролетариата в других европейских странах. В этом отношении
взгляду большевиков на войну с самого начала была присуща функциональная логика. И
уже самый первый внешнеполитический акт большевиков, последовавший сразу же после
свержения Временного правительства, задавал требуемое направление: «рабоче-крестьян-
ское правительство» во главе с Лениным, созданное на 2-м Всероссийском съезде советов,
опубликовало 8 ноября 1917 г. «Декрет о мире». В этом декрете советское правительство
обратилось ко всем воюющим народам и их правительствам. Уже в таком обозначении адре-
сатов скрывалось нечто новое, так как народы оказались теперь непосредственно включены
в число тех, кто решал вопросы мира и войны. Ленин прекрасно осознавал это новшество,
он так объяснил съезду, почему декрет должен быть адресован как правительствам, так и
народам: «Мы не можем игнорировать правительства, ибо тогда затягивается возможность

7 Rabinowitch A. The Bolsheviks in Power: The First Year of Soviet Rule in Petrograd. Bloomington, 2007. S. 181–
209; Koenen G. Die Farbe Rot: Ursprünge und Geschichte des Kommunismus. Bonn, 2018. S. 777–799; Leonhard
J. Die Büchse der Pandora. S. 817–818.
8 Leonhard J. Der überforderte Frieden: Versailles und die Welt 1918–1923. 2. Aufl. München, 2019. S. 92–106.

340
Примат войны? Германия и русская революция 1917–1918 гг

заключения мира, а народное правительство не смеет это делать, но мы не имеем никакого


права одновременно не обратиться и к народам. Везде правительства и народы расходятся
между собой, а поэтому мы должны помочь народам вмешаться в вопросы войны и мира» 9.
Декрет от 8 ноября 1917 г. требовал, «начать немедленно переговоры о справедливом,
демократическом мире». Большевики апеллировали непосредственно к «подавляющему
большинству истощенных, измученных и истерзанных войной рабочих и трудящихся клас-
сов всех воюющих стран», ссылаясь на опыт рабочих и крестьян Советской России, а также
их желание мира после свержения царя. Подобный мир мог быть, как гласил декрет, толь-
ко немедленным миром «без аннексий (т. е. без захвата чужих земель, без насильственно-
го присоединения чужих народностей) и без контрибуций». В декрете также заявлялось
о приверженности принципу самоопределения наций. Пи этом самоопределение могло
выражаться для большевиков совершенно по-разному: «Если какая бы то ни было нация
удерживается в границах данного государства насилием, если ей, вопреки выраженному с
ее стороны желанию – все равно выражено ли это желание в печати, в народных собраниях,
в решениях партий или в возмущениях и восстаниях против национального гнета, – не пре-
доставляется права свободным голосованием, при полном выводе войска присоединяющей
или вообще более сильной нации, решить без малейшего принуждения вопрос, о формах
государственного существования этой нации, то присоединение ее является аннексией, т.
е. захватом и насилием»10.
Исходя из этих соображений, большевики отклоняли продолжение войны, которая служит
аннексионистским целям. Война, цель которой заключается в том, чтобы «разделить между
сильными и богатыми нациями захваченные ими слабые народности», является «величай-
шим преступлением против человечества» и должна быть закончена немедленно. При этом
большевики распространяли данное требование не только на национальности, входившие
в состав континентальных европейских империй, но и на колониальные общества, суще-
ствовавшие в рамках заморских владений европейских держав. Принцип, согласно которо-
му каждая нация «ясно и добровольно» выражает свои «согласия и желания», действовал
независимо от того, «насколько развитой или отсталой является насильственно присоеди-
ненная или насильственно удерживаемая в границах данного государства нация», а также
от того, «в Европе или в далеких заокеанских странах эта нация живет»11. Критика бри-
танского и французского колониального господства в Азии и Африке, сформулированная
в этих строках, должна была звучать особенно привлекательно с немецкой точки зрения.
Большевики со своими мирными инициативами вторглись в неисследованную область еще
в одном аспекте: они порвали с принципом тайны межправительственных переговоров,
притом, что этот принцип был основополагающим для всех мирных договоров новейшего

9 Ленин В.И. Полное собрание сочинений. В 55 т. Т. 35: Октябрь 1917 – март 1918. Москва, 1974. С. 16.
10 Декрет о мире // Собрание узаконений и распоряжений правительства за 1917–1918 гг. / Управление
делами Совнаркома СССР. М., 1942. С. 2–3.
11 Там же; Die Russische Revolution 1917: Von der Abdankung des Zaren bis zum Staatsstreich der Bolschewiki
/ M. Hellmann (Hrsg.). München, 1964. S. 312–315; Krüger P. Neue Konzepte gesellschaftlicher und interna-
tionaler Ordnung // Funkkolleg Jahrhundertwende: Die Entstehung der modernen Gesellschaft 1880–1930:
Studienbegleitbrief. Bd. 7. Weinheim; Basel, 1989. S. 11–49, здесь S. 29.

341
Йорн Леонхард

времени. Большевики сознательно включили в число акторов общественность, к которой


они апеллировали, а со своей приверженностью принципу транспарентности они столь же
сознательно дистанцировались от всех прежних договоров Российской империи и Времен-
ного правительства: «Тайную дипломатию Правительство отменяет, со своей стороны вы-
ражая твердое намерение вести все переговоры совершенно открыто перед всем народом,
приступая немедленно к полному опубликованию тайных договоров, подтвержденных или
заключенных правительством помещиков и капиталистов с февраля по 25 октября 1917 го-
да»12. И большевики не блефовали. Уже в ноябре 1917 г. они опубликовали все тайные дого-
воры бывших русских правительств.
Заинтересованные читатели могли в средине декабря 1917 г. ознакомиться на страницах
крупных европейских газет с деталями тайных обязательств и договоренностей, например,
с обещаниями, данными в 1915 г. правительствами в Париже и Лондоне царской России или
Италии. Это было неслыханно: святая святых дипломатии стала достоянием международ-
ной общественности. Публикация тайных договоров вынуждала к действию прежде всего
американского президента Вудро Вильсона и его правительство, поскольку теперь каждый
мог убедиться в том, насколько сильны были противоречия между программными принци-
пами, за которые выступал президент США, с одной стороны, и экспансионистскими воен-
ными целями Великобритании и Франции – с другой. В то же время, еще до первых шагов по
подписанию мира, в течение нескольких дней после Октябрьской революции, наметились
новые критерии, согласно которым теперь должна была измеряться прогрессивность буду-
щего мирного договора: отказ от аннексий и контрибуций, право народов на самоопреде-
ление и, прежде всего, принцип прозрачности перед лицом общественности. Это оказало
серьезное воздействие на Германию, поскольку представители независимой социал-демо-
кратии, критически относившиеся к войне, а также сторонники мирной резолюции, при-
ятой Рейхстагом летом 1917 г., возлагали свои надежды на мирный договор именно такого
рода. Однако теперь предстояла проверка на практике. Что конкретно из всей этой теории
могло быть реализовано на деле, должны были продемонстрировать мирные переговоры
большевиков с представителями Центральных держав, которые начались в Брест-Литовске
в начале декабря 1917 года13.

Брест-Литовск и новая концепция глобального господства Германии


Значение Брест-Литовского мира, с которым было связано столько ожиданий с обеих сто-
рон, едва ли можно переоценить и в более глобальном контексте. На стороне Антанты и в
Соединенных Штатах Америки доминировал образ неравного мира, где ведущие берлин-
ские военные, политики и дипломаты утратили перед лицом иерархии победителей и по-
бежденных всякое правдоподобие в качестве представителей передовых принципов.
Для немецкой стороны мир в Брест-Литовске был гораздо большим, чем всего лишь очеред-
ным этапом решающего 1918 года, которым он традиционно выглядит до сих пор, учиты-
вая негативную динамику завершения войны, перемирия и Версальского мира. Заключение

12 Декрет о мире.
13 Leonhard J. Der überforderte Frieden. S. 74–79.

342
Примат войны? Германия и русская революция 1917–1918 гг

мира, ставшее результатом двух русских революций, знаменовало собой поворотный пункт
для возникновения новых концепций германского господства. Кроме того, результаты это-
го мира придали решающий импульс имперскому геополитическому мышлению, которое,
фокусируясь на Евразии, теперь далеко выходило за рамки востока Центральной Европы
и собственно Восточной Европы. Свое воздействие этот образчик мышления продолжал
оказывать также после ноября 1918 года14. Например, Брест-Литовск после 1918 г. окрылял
мышление в категориях упущенных возможностей. Историк Ульрих Ноак писал в конце
1920-х годов, что немецкое руководство могло зимой 1916/17 г. перестроить весь восточ-
но-европейский государственный порядок. Тогда, согласно Ноаку, было все еще возможно
спасти русскую монархию и заключить с ней сепаратный мир, который воспрепятствовал
бы большевистской революции и одновременно помог бы интегрировать Персию и Афга-
нистан в рамках обширной федерации. Таким образом, британские войска в Месопотамии
оказались бы под давлением, что повысило бы шансы успешного наступления турецких во-
йск в районе Суэцкого канала. Итак, Ноак увидел в военных успехах немецких войск в Вос-
точной Европе шанс, который якобы мог бы реализоваться весной 1917 г., но в реальности
и при совершенно других условиях возник только весной 1918 года. Но прежде всего, эта
интерпретация представляла собой мышление с точки зрения возможностей, что было не-
мыслимо в отношении Западной Европы15.
После революции, мирного договора в Брест-Литовске, последующего распада Российско-
го государства и дезинтеграции мультиэтничного имперского пространства, идеи такого
рода о немецкой экспансии и контроле над территориями не ограничивались больше уста-
ревшей «центрально-европейской» концепцией. Теперь эти замыслы включали в себя не
только Польшу, Курляндию или Литву, но и все евразийское пространство, что позволяло
разглядеть в общих чертах новую «среднеазиатскую» концепцию немецкого доминирова-
ния. После крушения Российской империи, согласно распространенным тогда представле-
ниям, на ее территории могла возникнуть зона влияния Германии, которая позволила бы
ограничить имперское влияние Великобритании в Азии. За этой концепцией с конца 1917 г.
изначально скрывалась экономическая логика страны, зависимой от импорта сырья. Ведь
такие важные производственные материалы, как железо и марганец, без которых Германия
была не состоянии продолжать войну, она могла бы импортировать из Украины, с Кубани и
Кавказа. Компанию железу и марганцу составляли балканская нефть, украинская пшеница,
персидский и прикаспийский хлопок.
Тем самым, революция и мирный договор с Россией открывали для Германии реальную пер-
спективу, справиться с блокадой со стороны союзников. Вальтер Ратенау уже в 1915 г. ука-
зывал на «пространство на Востоке», и прежде всего на Россию, как на поставщика сырья и
рынок для немецкой промышленности, тем самым дистанцируясь от традиционной «цен-
трально-европейской» концепции. Карл Гельферих также подчеркивал принципиальное

14 Jenkins J. L. Germany ’s Eurasian Strategy in 1918 // The World During the First World War / H. Bley, A. Kremers
(Hrsg.). Essen, 2014. P. 291–302.
15 Epstein [Link]. Germany ’s Eastern Policy in the First World War // Epstein [Link]. Germany and the East: Selected
Essays / R. F. Byrnes (Hrsg.). Bloomington; London, 1973. P. 151–168, здесь P. 152; Jenkins J. L. Germany ’s
Eurasian Strategy in 1918. P. 291.

343
Йорн Леонхард

значение гарантированного доступа Германии к сырьевым богатствам России. Принимая во


внимание условия Брест-Литовского мира и положение, в котором находились большевики,
Германия, как казалось, получала в этом деле свободу рук, тем более что поначалу нельзя
было ожидать, что союзники или американцы будут пользоваться в России каким-либо вли-
янием. Это также способствовало открытию русского рынка потребления для Германии16.
Статс-секретарь Ганс Карл фон Штейн и бывший управляющий предприятий Круппа Отто
Видфельд, представлявшие в Имперском экономическом ведомстве (Reichswirtschaftsamt)
интересы тяжелой промышленности, требовали в контексте Брест-Литовска, вместо став-
ки на военную аннексию, ассоциировать новые территории и, тем самым, контролировать
их в экономическом отношении. Приложения к мирным договорам с Россией и Украи-
ной, на которые историки зачастую не обращают внимание, содержат многочисленные
экономические оговорки. Такая же тактика была использована в Бухаресте и Поти, при
подписании в мае 1918 г. мирных договоров с Румынией и новоиспеченной республикой
Грузией. В текстах этих договоров оговаривались контроль Германии над морскими пор-
тами и железными дорогами, право на специальные концессии, обеспечивавшие доступ к
сырью и промышленным товарам и даже немецкой вмешательство в денежное обращение
и кредитную политику. При этом немецкая сторона ориентировалась на модель британ-
ских доминионов. Новые государства должны были получить статус клиентов, протекто-
ратов и экономически зависимых окраинных государств. Эти принципы распространялись
не только на Центральную Европу, Бельгию или Украину, но и на Среднюю Азию, Кавказ
и Персию. Для соображений такого рода важной опорной точкой являлась колониальная
практика британцев17.
Успешное продвижение концепта права наций на самоопределение как прогрессивной идеи
было наследием 1917 г. – а именно наследием большевиков, пока Вудро Вильсон не сделал
более сильный акцент на самоопределении в течение 1918 г. Взаимосвязь между идеей экс-
пансии и инструментализированным правом наций на самоопределение можно проследить
на примере среднеазиатского пространства. После Брест-Литовска здесь столкнулись ап-
петиты Германии и имперская логика Великобритании. В то время как лорд Керзон актив-
но старался создать зону из буферных государств между Кавказом и Индией, которая по-
зволила бы Великобритании осуществлять контроль над стратегически важным регионом
Персидского залива и нефтяными полями Ирана, чиновники немецкого МИДа в Берлине
выработали идею, соорудить из государств, которые были бы прочно привязаны к кайзеров-
ской империи, мост, соединяющий Кавказ и Персию. В этом же контексте 28 мая 1918 г. в
Поти был подписан мирный договор с Грузией, призванный обеспечить расширение радиу-

16 Там же. P. 294–295.


17 Gachechiladze R. Geopolitics and Foreign Powers in the Modern History of Georgia. Comparing 1918–21 and
1991–2010 // The Making of Modern Georgia, 1918–2012: The First Georgian Republic and Its Successors /
St.F. Jones (ed.). London, 2014. P. 17–34; Mouravi G. T. Georgia’s European Aspirations and the Eastern Partner-
ship // Там же. P. 49–73; Tsereteli M. Georgia as a Geographical Pivot. Past, Present, and Future // Там же. P.
74–93; Litten W. Persien: Von der «pénétration pacifique» zum «Protektorat»: Urkunden und Tatsachen zur
Geschichte der europäischen «pénétration pacifique» in Persien 1860–1919. Berlin, 1920. S. 351–366; Jenkins
J. L. Germany ’s Eurasian Strategy in 1918. P. 297.

344
Примат войны? Германия и русская революция 1917–1918 гг

са влияния Германии вплоть до Персии. Хармут фон Рихтгофен, бывший атташе немецкого
консульства в Тегеране, напоминал в июне 1918 г. в газете «Берлинер Бёрзенцайтунг» о
том, насколько мощным является влияние Германии в Персии и как с этим связана судьба
Кавказа в целом18.
Это выставляет в истинном свете немецкие заявления о праве народов на самоопределе-
ние. Когда статс-секретарь МИДа Кюльман упомянул в своей речи, произнесенной в Рейх-
стаге 1 января 1918 г., о самоопределении наций, он использовал этот концепт в интересах
заключения такого мира, который без формальной аннексии превратил бы бывшие обла-
сти царской империи в зоны влияния Германии, что позволило бы ей успешно продолжить
войну и добиться в долгосрочной перспективе гегемонии на континенте. Итак, ссылка на
право народов на самоопределение носила со стороны Германии тактический характер как
ответ на декреты большевиков ноября 1917 г., но, не в последнюю очередь, заявления о
самоопределении наций оказывали также значительное давление как на страны Антанты,
так и США19.
И хотя по причине окончания мировой войны в 1918 г. евразийская стратегия не была реа-
лизована, она продолжала оказывать воздействие на немецкую сторону. В то время как лорд
Керзон вынудил Персию к подписанию соглашения с Великобританией в августе 1919 г., в
результате которого контроль за экономикой страны оказался в руках британцев, сеть не-
мецких дипломатов, которые делали ставку на евразийскую зону влияния с базой в Восточ-
ной Европе, пользовалась авторитетом и после 1919 г. Эти дипломаты олицетворяли преем-
ственность между 1917 г. и началом 1920-х годов. Так, Надольный, начиная с 1914–1915 г.,
сделал ставку на концепт глобального разложения мультиэтничных обществ враждебных
государств, и неважно, против кого он был направлен – Российской империи или колониаль-
ных владений Британии и Франции. Позднее Надольный не только входил в состав немецкой
делегации в Брест-Литовске, он был также советником по внешнеполитическим вопросам
Рейхспрезидента Германии Фридриха Эберта. В 1920-е годы Надольный стал первым послом
Германии в молодой Турецкой республике. Наряду с Надольным также другие немецкие ди-
пломаты и политики были убеждены в том, что евразийская опция обладает большим потен-
циалом. К их числу принадлежал, например, Фридрих Вернер граф фон Шуленбург, посол в
Тегеране, начиная с 1923 г., и в Москве – после 1934 года20. В особой мере это было также
свойственно будущему министру иностранных дел Брокдорф-Ранцау, который в качестве
главы немецкой делегации в Версале указывал в феврале 1919 г., выступая перед Националь-
ным собранием Германии, на необходимость скорейшего возобновления дипломатических
отношений с Россией. Позднее он станет, наряду с Вальтером Ратенау и Аго фон Мальцаном,
одним из архитекторов германо-советского сближения, увенчавшегося конференцией в Ра-

18 Kelly S. How Far West?: Lord Curzon’s Transcaucasian (Mis)Adventure and the Defence of British India, 1918–
1923 // International History Review. 2013. Vol. 35. No. 2. P. 274–293; Berliner Börsenzeitung. 29. Juni 1918.
Цит. по: Hirschfeld Y. P. Deutschland und Iran im Spielfeld der Mächte: Internationale Beziehungen unter Reza
Schah, 1921–1941. Düsseldorf, 1980. S. 15; Jenkins J. L. Germany ’s Eurasian Strategy in 1918. P. 297–298.
19 Kühlmann R. v. Erinnerungen. Heidelberg, 1948. S. 523–524; Jenkins J. L. Germany ’s Eurasian Strategy in 1918.
P. 298.
20 Там же. S. 301–302.

345
Йорн Леонхард

палло. На уровне военного руководства за тесную кооперацию с Советской Россией высту-


пал Ганс фон Сект, с декабря 1917 г. и до окончания мировой войны влиятельный советник
Османской армии под руководством военного министра Энвер-паши21.

Выводы: 1917–1922 гг. как период совместной немецко-российской


истории
История русской революции является, во-первых, комплексной немецко-российской исто-
рией взаимных связей. В ней сначала нашли свое выражение две немецкие перспективы
ведения войны: представление о внутреннем разложении мультиэтничных колониальных
обществ, спланированном извне, и представление о Восточной Европе как о слаборазвитом
в цивилизационном плане пространстве, которое, однако, именно поэтому могло превра-
титься в пространство широких возможностей для реализации немецких идей господства.
Во-вторых, немецкие надежды на большевистскую революцию и ее практическая под-
держка первоначально отвечали немецким требованиям примата войны. Однако эта точка
зрения страдала недооценкой собственной динамики 1917 г., когда большевики со своим
Декретом о мире, заявлениями о праве наций на самоопределение и отказе от тайной ди-
пломатии дистанцировались от расхожих категорий войны и мира. В результате под серьез-
ным давлением оказались как страны Антанты, так и США, зато для немецкой стороны мир
в Брест-Литовске еще раз открыл широкие перспективы, где место старых европоцентрич-
ных представлений заняла новая среднеазиатская концепция.
В-третьих, немецко-русская ось, созданная с явлением Ленина в 1917 г. и укрепленная в
1918 г. в Брест-Литовске, была отнюдь не мимолетным эпизодом в контексте революции,
мирного договора и немецких победных ожиданий. Ее следует «вписать» в историю гео-
политических концептов немецких военных применительно к войне на Востоке, в историю
тактик революционирования национальных движений, выработанных немецким МИДом
и Верховным главнокомандованием, а также в череду мирных договоров весны 1918 г. и до-
полнительных договоров лета 1918 г., вплоть до сближения обеих стран – изгоев Версаль-
ской системы. В любом случае, совместная история 1917–1918 гг. предлагала как немецким,
так и советским дипломатам весьма конкретные точки соприкосновения в их стремлении,
заложить подписанием договора в Рапалло совместный фундамент, который позволил бы
аутсайдерам мировой системы затмить союзническую конференцию в Генуе.

21 Helbig H. Die Träger der Rapallo-Politik. Göttingen, 1958. S. 11; Hürten H. Seeckt, Hans Friedrich Leopold von
// Neue Deutsche Biographie / O. v. Stolberg-Wernigerode (Red.). Bd. 24. Berlin, 2010. S. 139–140; Meier-Wel-
cker H. Seeckt. Frankfurt a. M., 1967. S. 325–355, 450–459.

346
ИГОРЬ НАРСКИЙ

Русская революция и движение населения

«Ткани, ткани, лучше всего в отрезе, но по дороге досматривают, и это опасно. Благораз-
умнее в кусках, для вида сшитых на живуху. Вообще материи, мануфактуру, можно одежду,
предпочтительно верхнюю, не очень ношенную. Поменьше хламу, никаких тяжестей. При
частой надобности перетаскивать все на себе, забыть о корзинах и чемоданах. Немногое,
сто раз пересмотренное, увязывать в узлы, посильные женщине и ребенку. Целесообразны
соль и табак, так показала практика, при значительном, однако, риске. Деньги в керенках.
Самое трудное – документы»1.
Приведенный развернутый перечень соображений, продиктованный опытом втянутого в
кочевую жизнь населения революционной России и вложенный Борисом Пастернаком в
уста одной из героинь романа «Доктор Живаго», может быть использован в качестве вве-
дения в проблематику движения населения во время русской революции. Миграция в годы
революции была отмечена беспрецедентной динамикой и имела формативный характер для
протекания революционных событий и процессов. В этой связи исследование движения на-
родонаселения России в годы революции и Гражданской войны 1917–1921 гг. представля-
ется одним из ключей к пониманию хода и исхода русской революции. Однако по понятным
причинам изучение демографии русской революции сопряжено с труднопреодолимыми
препятствиями. Статистика движения населения весьма приблизительна и неполна, фраг-
ментарна и ненадежна. По отдельным процессам, например, по естественному движению
населения 1917–1921 гг., сведения отсутствуют почти полностью. Этим объясняются не-
избежные разночтения в цифровой информации, которой располагают и оперируют исто-
рики2. Вместе с тем количественные данные о состоянии страны и протекании различных
социальных процессов, собранные и обработанные работниками статистических служб на
территории России в годы революции и Гражданской войны, позволяют создать ориенти-
ровочное представление о демографических аспектах русской революции.
Население Российской империи накануне Первой мировой войны насчитывало около 166
млн. человек и к началу 1923 г., по ожиданиям специалистов, в условиях мирного существова-
ния должно было вырасти до 207,5 млн. человек. Между тем, на территории СССР в 1923 г.

1 Пастернак Б.Л. Доктор Живаго. Вильнюс, 1988. Кн. 1. С. 188.


2 Подробнее о разночтениях в оценке демографических потерь в революционной России см.: Андреев Е.М.,
Дарский Л .Е., Харькова Т.Л. Население Советского Союза: 1922–1991. М., 1993; Поляков Ю.А. Советская
страна после окончания гражданской войны: Территория и население. М., 1986; Поляков Ю.А. Гражданская
война: взгляд сквозь годы // Гражданская война в России: перекресток мнений / Ю.А. Поляков, Ю.И.
Игрицкий (отв. ред.). М., 1994; Степанов А .И. Психогенетические и этнокультурные последствия
массового террора 1917–1922 гг. // Революция и человек: Социально-психологический аспект / П.В.
Волобуев (отв. ред.). М., 1996; Население России в ХХ веке: Исторические очерки / Ю.А. Поляков (отв.
ред.). В 3 т. Т. 1: 1900–1939. М., 2000. В научной литературе довольно часто встречается и оценка потерь в
25–26 млн чел. (см., напр.: Пайпс Р. Россия при большевиках. М., 1997. С. 602).

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 347–356


[Link] 347
Игорь Нарский

проживало всего 137,5 млн. жителей. Убыль 70 млн., или трети ожидаемой численности, не
поддается иному определению как демографическая катастрофа. Утратив 30–32 млн. жите-
лей в результате усечения территории, 2–3 млн. вследствие массовой эмиграции и 20–22,5
млн. из-за косвенных демографических потерь, страна потеряла за 1914–1922 г. около 20
млн. человек – жертв прямой демографической убыли. Из них 2 млн. погибло во время ми-
ровой войны. Преобладающая часть потерь падает на 1917–1922 гг. Согласно одной из оце-
нок, в эти годы на территории будущего СССР погибло 16–18 млн. человек. Среди них 5–6
млн. умерло от голода, около 3 млн. – от болезней, 3 млн. – на полях сражений гражданской
войны; жертвами «белого» террора стали 200–250 тыс. человек, «красного» – 500 тыс.
Беспрецедентную убыль населения в революционной России можно интерпретировать как
одно из выражений и следствий массовой миграции. Факторам, ее поощрявшим, формам, в
которых она воплощалась, и эффектам, к которым она привела, и посвящено последующее
изложение, которое будет предварено кратким экскурсом в теорию.

«Вопросы жизни и смерти» как факторы движения населения


В последние десятилетия в социальных и гуманитарных дисциплинах наметился «про-
странственный поворот», сторонники которого проводят границу между географически
фиксируемой территорией и социально конструируемым пространством3. Согласно новой
интерпретации, пространство изменчиво и является плодом человеческой деятельности4.
Сама человеческая деятельность по организации пространства интерпретируется в послед-
ние годы как его важная составляющая. Так, экономист Дитер Леппле относит к компонен-
там пространства четыре феномена. Во-первых, это материальный субстрат – измененная
человеческими усилиями природа, социальные объекты, материальные артефакты и сами
люди. Во-вторых, властные отношения, правила и нормы, формы собственности, влияющие
на организацию пространства. В-третьих, человеческую практику по овладению и исполь-
зованию пространства. Наконец, в-четвертых, символическое кодирование пространства,
его репрезентация и восприятие5. Использование в историческом исследовании социаль-
но-конструктивистского подхода позволяет видеть в социальной организации простран-
ства не только отражение политических реалий и конкретно-исторической прагматики, но
и символическое наполнение. Пространственное оформление жизни обществ, в том числе
и его демографическая составляющая как одна из практик преобразования пространства6,

3 Российская социология в сфере исследования пространства оказалась среди отставших. Характерно, что
в теоретическом труде, специально посвященном социологии пространства, А .Ф. Филиппов пришел к
осторожному выводу, что «такая дисциплина возможна». См.: Филиппов А .Ф. Социология пространства.
СПб., 2008. С. 359.
4 Компактный обзор этого подхода см.: Шенк Ф.Б. Поезд в современность: Мобильность и социальное
пространство России в век железных дорог. М., 2016. С. 14–19. Библиографию социологических подхо-
дов к изучению пространства, отражающую уровень научного осмысления феномена см.: Филиппов А .Ф.
Социология пространства. С. 267–283.
5 См.: Läpple D. Essay über den Raum // Stadt und Raum: Soziologische Analysen / H. Häußermann u. a. (Hrsg.).
Pfaffenweiler, 1991. S. 157–207.
6 Библиографию о современном состоянии изучения миграций см.: Коллиер П. Исход: Как миграция
изменяет наш мир. М., 2016. С. 376–382.

348
Русская революция и движение населения

становится значимым воплощением культурно-ментальных процессов, представлений исто-


рических акторов о себе, о культурно близком и чужом, о прошлом, настоящем и будущем.
Среди факторов, определявших движение населения в русской революции как фактор пре-
образования пространства, следует выделить, во-первых, связанные с рождаемостью и
(естественной и насильственной) смертностью и, во-вторых, с (вынужденными) передви-
жениями внутри страны и за ее пределы. Хотя обе группы факторов были тесно взаимос-
вязаны, целесообразно представить их ниже порознь, чтобы попытаться определить место
миграций в демографическом движении населения и их роль в русской революции.
Связанные с революцией условия повышенных рисков и материальной нужды неблагопри-
ятно сказались на соотношении рождаемости и смертности в бывшей Российской империи.
Общий коэффициент рождаемости в России в 1920 г. опустился до 36,7 рождений на 1.000
человек, коэффициент смертности поднялся до 45,2, вследствие чего естественная убыль
населения составила 833 тыс. человек, демонстрируя классический случай демографиче-
ской катастрофы. В 1921 г., несмотря на незначительный естественный прирост населения,
общий его рост также имел отрицательные показатели из-за миграционных потерь. Лишь в
1923 г. наметился значительный естественный прирост населения – почти 2,5 млн. Ожида-
емая продолжительность жизни в России в 1920 г. колебалась вокруг отметки 20 лет (19,5
лет у мужчин и 21,5 года у женщин). В последующие годы она начала увеличиваться, достиг-
нув в 1923 г. 33,6 лет (31,5 у мужчин, 35,8 лет у женщин). Столь низкая средняя продол-
жительность жизни объясняется катастрофически высоким коэффициентом младенческой
смертности, который в 1920–1923 гг. снизился с 251 до 229 смертей на 1.000 младенцев.
Количество детей до 5 лет с 1920 по 1922 г. сократилось более чем на 0,5 млн., в возрасте 5–9
лет – почти на 2 млн. Значительно сократилось также количество пожилых людей старше 65
лет7.
Центральными причинами катастрофической физической убыли населения были насиль-
ственная смерть вследствие боевых действий и террора 1917–1920 гг. (до 4 млн. человек),
массовых эпидемий 1918–1922 гг. (3 млн. человек) и голода 1921–1922 гг. (до 6 млн. чело-
век). В 1917–1922 гг. в России от эпидемических заболеваний умерло примерно столько
же, сколько на полях сражений Гражданской войны и в полтора раза больше, чем в Первой
мировой войне, при анализе последствий которой специалисты по гигиене питания – сви-
детели событий, приходили к неутешительному выводу: «Колоссальные размеры бедствий,
причиненных войной народному здравию и санитарному состоянию страны, не могут быть
целиком учтены сейчас имеющимися данными. Тяжкие последствия катастрофы будут из-
живаться возрождающейся страной еще в течение десятков лет»8. К периоду революции и
Гражданской войны, «военного коммунизма» и начала НЭПа, которые рассматривались
очевидцами как естественное продолжение и следствие Первой мировой войны, этот вер-
дикт компетентного современника приложим тем более: эпидемии в период революцион-
но-военных катаклизмов превратились в бедствие пандемического масштаба. Небывалый
размах этого сложного социально-биологического явления в охваченной революцией стра-

7 См.: Андреев Е.М. и др. Население Советского Союза. С. 11, 14, 121–122, 125; там же. С. 83–143.
8 Биншток В.И., Каминский Л .С. Народное питание и народное здравие. М.; Л ., 1929. С. 86.

349
Игорь Нарский

не объясняется резким ухудшением условий существования, которые устранили барьеры


для бесперебойной работы механизмов передачи заразных болезней. Основные пути их
распространения – водный, пищевой и контактно-бытовой – оказались открытыми для
массовых вспышек многих заболеваний. Эпидемии стали следствием совокупного эффек-
та следующих факторов: разрушения несовершенных систем водопровода и канализации,
ухудшения бактериологических показателей воды; архаичной и неприемлемой в городских
центрах санитарной культуры вынужденно мигрирующих низших слоев населения, гони-
мых войной и голодом; катастрофического ухудшения материального положения, полу-
чившего выражение в изменении характера питания и снижении количества потребляемых
витаминов, неблагоприятном эмоциональном фоне и высокой концентрации стрессовых
ситуаций, топливном кризисе и разрушении жилищного фонда, нехватке одежды и обуви
(что повышало шансы перегрева или переохлаждения)9.
Голод 1921–1922 гг. (в некоторых регионах – 1919–1923 гг.) усугубил негативные тенден-
ции в движении населения в революционной России. Врачи того времени, наблюдавшие
ежедневно массовые смерти, четко различали смерть на почве голода (к ней относилась
смерть от тифа, дизентерии и цинги, которые подстерегали ослабленный голодом организм)
и смерть от голода, наступившую от длительного отсутствия пищи, в результате чего тело
человека сначала отекало, а затем усыхало, превращаясь в скелет, обтянутый кожей. Первый
советский массовый голод может рассматриваться как один из факторов, положивших конец
массовому сопротивлению сельских жителей новом режиму и тем самым – революционным
событиям 1917–1921 гг.10

Миграционные потоки и их последствия


Миграционные потоки были второй ключевой составляющей движения населения в ре-
волюционной России. До 35 млн жителей бывшая Российская империя потеряла за счет
отпадения территорий и бегства / изгнания населения из страны. Эмиграция, особенно
представителей бывших привилегированных слоев дореволюционного общества, привела
к возникновению нескольких миграционных центров в Европе и США (Берлин, Прага, Па-
риж, Нью Йорк), ставших средоточиями «русской культуры в изгнании», которая, в свою
очередь оказала существенное влияние на «западную» культуру, в том числе и на научные
и художественные интерпретации русской революции11. В этой связи история «исхода» из
России 3-х млн. (бывших) подданных династии Романовых в 1914–1922 гг. исследована бо-
лее систематично и известна значительно лучше, чем внутренние миграционные потоки в
революционной России. Среди последних следует выделить следующие: движения армий
(включая тыловые гарнизоны и контингенты военнопленных) и сопровождавшее их бежен-
ство, а также перемещения населения между городом и деревней, включая мешочничество

9 Подробнее см.: Ющук Н.Д., Мартынов Ю.В. Эпидемиология. М., 1993. С. 9–14, 130, 135, 261.
10 Подробнее об этом см.: Нарский И.В. Жизнь в катастрофе: Будни населения Урала в 1917–1922 гг. М., 2001.
С. 350–366, 497–505.
11 О демографических аспектах эмиграции из России см.: Андреев Е.М. и др. Население Советского Союза.
С. 134–142.

350
Русская революция и движение населения

и бегство из деревни в город ради спасения от голода, а также межрегиональные движения


горожан и особенно крестьян в поисках урожайных, «сытых земель».
Русская революция сопровождалась боевыми действиями Гражданской войны 1917–
1921 гг. (включая повстанческие движения русских и нерусских крестьян и казаков 1918–
1921 гг.). Гражданская война отличалась от Первой мировой маневренным характером,
подвижностью и размытостью фронтовых линий, большей ролью кавалерии, рукопашного
боя и опыта персонального и непосредственного убийства противника12.
Повышенная мобильность армий вызвала многократные локальные, региональные и ква-
зиобщероссийские наступления противников большевистского режима из периферийных
регионов бывшей империи и контрнаступления Красной Армии с разной степенью успеха.
Это привело к многократной смене власти во многих, преимущественно окраинных частях
страны. Смене власти предшествовал приход армейских соединений победителей и отход
вооруженных формирований побежденных, в обозе которых часто находились беженцы,
лояльные прежнему режиму и потому ожидавшие неприятности от новой власти. Смена
властей сопровождалась также пленением, лишением свободы передвижения или, напро-
тив, принудительным перемещением значительного количества лиц, находившихся на воен-
ной или гражданской службе у свергнутого режима.
В результате в Европейской России обнаруживаются как минимум три зоны, в которых
частотность смены власти в 1917–1920 гг. принципиально различалась13. В первой из них,
охватывавшей примерно половину из 46 губерний, население испытало смену правителей
лишь дважды – весной и осенью 1917 г. Реже власть сменялась трижды, если ее переходу
к большевикам предшествовало относительно длительное пребывание у руля управления
промежуточных режимов, оставшихся верными свергнутому Временному правительству
или Советам, которые выступили против единовластия большевиков. Такая модель сме-
ны власти была характерна для Центральной и Северо-Западной России, части Поволжья,
Русского Севера. Во второй зоне переходы власти осуществлялись от четырех до семи раз.
В этих уголках провинциальной России население в 1918–1919 гг. пережило один или два
прихода «белых» и их изгнание «красными». По такой схеме события развивались в 15-ти
преимущественно русских по составу губерниях: на границе с Украиной, в большей части
Новороссии, в нескольких губерниях Поволжья и Урала. Наконец, третья зона отличалась
наиболее частой сменой власти. Она охватывала 9 губерний: почти всю Украину и западный
кусок Новороссии – регион, в котором сложно переплелись интересы Советов, оккупаци-
онных властей Германии, украинских националистов, казачьей и крестьянской вольницы.
Следствием сложной расстановки сил стали сменявшие друг друга волны «освободите-

12 Подробнее о специфике боевых действий в условиях Гражданской войны в России см.: Beyrau D. Der Erste
Weltkrieg als Bewährungsprobe. Bolschewistische Lernprozesse aus dem «imperialistischen» Krieg // Journal
of Modern European History. 2003. No. 1. P. 96–124; Нарский И.В. Первая мировая и Гражданская войны
как учебный процесс: Военизация жизненных миров в провинциальной России (Урал в 1914–1921 годах)
// Большая война России: Социальный порядок, публичная коммуникация и насилие на рубеже царской и
советской эпох / К. Бруиш, Н. Катцер (ред.). М., 2014. С. 179–201.
13 Подробнее о районировании Европейской России по критерию частотности смены власти в годы
революции и Гражданской войны см.: Нарский И.В. Жизнь в катастрофе. С. 45–46, 574–576.

351
Игорь Нарский

лей». Эпицентром катастрофы на юго-западной периферии бывшей Российской империи


стал Киев. Он лидировал по количеству смен власти в 1917–1920 годах: оно достигало ре-
кордной цифры – четырнадцать переходов города из рук в руки за четыре года. Смена вла-
сти в старинном, ранее цветущем городе стала для его жителей частью их горьких будней, в
которых все перемешалось настолько, что обыденное сознание было неспособно восстано-
вить очередность происшедших трагических событий14.
Важным миграционным феноменом русской революции было перемещение населения из
городов в сельскую местность и наоборот. Между 1917 и 1920 г. из городов бежало, спаса-
ясь от голода и террора властей, около 5 млн человек, преимущественно из состава 6 млн.
молодых горожан, переселившихся из сельской местности во время Первой мировой вой-
ны. Столицы потеряли от трети до половины своих жителей. В 24 из 77 губерний, в которых
были проведены переписи 28 августа 1920 г. и 15 марта 1923 г., городское население за это
время еще более сократилось15.
Еще большего размаха, чем бегство горожан от голода в деревню, приобрело массовое кур-
сирование горожан и крестьян между городами и сельской местностью, называвшееся в ре-
волюционной России «мешочничеством» и «спекуляцией»16. Революция и Гражданская
война стали временем лихорадочной торговой активности населения, вынужденного взять
в свои руки обеспечение себя самым необходимым. В условиях размывания рынка продо-
вольствия и предметов массового спроса, обесценивания денег, нежизнеспособности цен-
трализованных распределительных систем, падения авторитета власти к торговле обрати-
лись все слои населения – взрослые и дети, интеллигенты и обыватели, солдаты и рабочие,
представители бывшей и новой элиты, горожане и сельские жители. Главным вожделенным
предметом приобретения становились крестьянские продукты питания, которые в услови-
ях малоуспешного эксперимента советской власти по централизации снабжения городско-
го населения продовольствием в 1918–1920 гг. горожане были вынуждены искать в деревне
самостоятельно, а крестьяне – доставлять в города незаконно, с риском для имущества и
жизни.

14 Михаил Булгаков, который потрясения 1917–1919 гг. пережил в Киеве, спустя четыре года писал: «Пока что
можно сказать одно: по счету киевлян у них было восемнадцать переворотов. Некоторые из теплушечных
мемуаристов насчитали их двенадцать; я точно могу сообщить, что их было четырнадцать, причем десять из
них я лично пережил. […]
Достаточно припомнить: немцы, железные немцы в тазах на головах, явились в Киев с фельдмаршалом
Эйхгорном и великолепными, туго завязанными обозными фурами. Уехали они без фельдмаршала и без
фур, и даже без пулеметов. Все отняли у них разъяренные крестьяне.
Рекорд побил знаменитый бухгалтер, впоследствии служащий союза городов Семен Васильич Петлюра.
Четыре раза он являлся в Киев, и четыре раза его выгоняли». См.: Булгаков М.А. Киев-Город // Накануне
(Берлин). 6 июля 1923 г. URL: [Link]
15 См.: Андреев Е.М. и др. Население Советского Союза. С. 10.
16 О продовольственной политике в годы революции и Гражданской войны, а также о реакции на нее со
стороны населения см.: Павлюченков С.А. Военный коммунизм в России: Власть и массы. М., 1997; Кабанов
В.В. Крестьянское хозяйство в условиях военного коммунизма. М., 1998; Давыдов А .Ю. Мешочники и
диктатура в России: 1917–1921 гг. СПб., 2007.

352
Русская революция и движение населения

До осени 1917 г. развитие «спекуляции» сдерживалось относительной насыщенностью


рынка и свободной торговлей, контролирующей активностью жителей и моральным не-
приятием этого явления в широких слоях населения. Термин «спекуляция» использовался
как синоним «наживы» и нес негативную оценочную нагрузку. Первая волна массового
мешочничества из Центральной России и Поволжья на Урал и в Западную Сибирь в октя-
бре-ноябре 1917 г. позволяет предположить, что в сознании населения Центральной Рос-
сии к этому времени произошел серьезный сдвиг: «спекуляция» перестала казаться чем-то
зазорным и порочным. Это предположение подтверждается многочисленными свидетель-
ствами современников, которые пока еще относились к массовой коммерциализации с осу-
ждением. Как констатировал с горечью один из них в конце 1917 г., «…спекуляция одер-
живает самую крупную, самую блестящую победу над умами широких слоев населения. На
спекуляцию уже многие, я сказал бы, большинство, смотрят, как на законное явление…»17.
В середине 1918 г. население городов в зоне большевистского господства покупало у част-
ных нелегальных торговцев от 70 до 90 % потребляемого продовольствия. В свою очередь, в
связи с угрожающим продовольственной политике властей распространением самодеятель-
ной торговли в мае 1918 г. постановление ВЦИК объявило мешочников и крестьян, про-
дающих им продукты, врагами народа. Однако регулярные запреты не только «кранных»,
но и «белых» властей не в силах были побороть народную коммерческую инициативу и
форму самоорганизации во имя борьбы с голодом. Масштабы мешочничества значительно
превосходили возможности государственного контроля. Непоследовательность советской
государственной политики в отношении мешочников, многократная разница в ценах, осо-
бенно в приграничье «красных» и «белых» территорий, соседство регионов со свободной
торговлей и твердыми, значительно более низкими ценами, – все это придавало мешочни-
честву в 1918–1920 гг. устойчивый характер. Если первоначально преобладало мешочниче-
ство профессиональное и организованное – групповое и ориентированное на торговлю,
то в 1920 г. оно было потеснено потребителями-одиночками, ищущими продуктов питания
для себя. Их сила была не в организованности, а в необозримом и не поддающемуся контро-
лю обилии. «Мешочничество» стало одной из самых масштабных и успешных в революци-
онной России миграционных практик населения.
Голодная катастрофа первого года НЭПа вновь подняла миграционные волны, превышав-
шие, видимо, масштабы времeн Гражданской войны18. Города оказались переполнены го-
лодными, грязными, завшивленными, больными, бездомными и беспомощными беженцами,

17 Народовластие. 1917. №. 17. С. 17.


18 О первом голоде в Советской России см.: Patenaude B. The Big Show in Bololand: The American Relief Ex-
pedition to Soviet Russia in the Famine of 1921. Stanford, 2002; Хмелевская Ю.Ю. Миссия выполнима?
Американская филантропия против первого советского голода (к 90-летию начала деятельности
Американской администрации помощи на Урале, 1921–1923 гг. // Вестник Пермского госуниверситета.
История. 2011. № 3 (17). C. 65–74; Федотова А .Ю., Федорова Н.А. Помощь голодающему населению ТАССР
советскими и иностранными организациями в 1921–1923 гг. Казань, 2013; Усманов Н.В. Американская
администрация помощи на Урале (1921–1923 гг.). Уфа, 2015.

353
Игорь Нарский

значительная часть которых была обречена на смерть на городской улице. Санитарное со-
стояние городов упало до беспрецедентно низкой отметки19.
Из скученности жителей, высокой концентрации пришлого гражданского населения и во-
инских контингентов следует повышенная нагрузка на городскую жизнь, но отнюдь не выте-
кает неизбежное ухудшение санитарного состояния городов. Оно зависело, главным обра-
зом, от того, каков был культурный облик гражданского и военного пополнения городских
жителей. Историки и социологи пользуются терминами «окрестьянивание», «рурализа-
ция», «архаизация» для описания политических и социальных трансформаций советского
государственного порядка и структуры общества в Советской России и СССР20. Массовая
восходящая мобильность выходцев из крестьянской среды, восхождение сельских жителей
к вершинам новой элиты достойно, однако, рассмотрения не только из социально-полити-
ческой, но и культурной перспективы. Разрушение городских санитарно-гигиенических
стандартов в революционной России позволительно интерпретировать как воплощение
культурного «окрестьянивания» российского города. Вчерашний крестьянин, будь он одет
в деревенский армяк, солдатскую шинель, унтер-офицерский мундир, рабочую тужурку,
кожанку чекиста или ответственного советского работника, приносил в город привычки
сельского быта, культура гигиены которого находилась на самом низком уровне. Обита-
тели русской деревни не брезговали пользоваться водой сомнительного уровня чистоты.
Крестьяне пили из водоемов, в которые заходил домашний скот. Берега рек, озер и прудов
были превращены в свалки мусора и даже трупов домашних животных. Нужников не знали
вплоть до 1930-х годов даже в относительно процветавшей и чистоплотной казачьей ста-
нице, отправляя естественные потребности в хлеву, который, правда, прилежный хозяин
ежедневно чистил21.
Жизнь в серых декорациях «окрестьяненного» быта ознаменовала торжество обезличен-
ного, «серенького» человека с минимизированными, непритязательными потребностями,
запросами и ожиданиями. Пропагандисты сближения с народом и «опрощения» из рядов
дореволюционной русской интеллигенции, несомненно, ужаснулись бы, увидев плоды ре-
ализации своих призывов в ранней Советской России. В обстановке революционной ката-
строфы оказались востребованными культурные коды сельского сословия, которое всего за
два поколения до этого пребывало в состоянии гражданской недееспособности, – психоло-
гия неполноправия, уничижительное отношение к человеческой личности и самой жизни,
готовность унижать и унижаться, применять насилие и покорно сносить его.
Резкого притока бывших сельских жителей, начавшегося после освобождения крестьян от
крепостной зависимости в 1861 году и особенно усилившегося во время индустриализации
Российской империи на рубеже XIX–ХХ веков и в годы Первой мировой войны, революции

19 О санитарном состоянии городов в годы революции на примере Урала см.: Нарский И.В. Канализация хаоса
и хаос в канализации: санитарно-гигиеническое состояние уральских городов в 1917–1922 гг. // Человек и
война: Война как явление культуры / И. Нарский, О. Никонова (ред.). М., 2001. С. 238–265.
20 См., напр.: Lewin M. The making of the Soviet System. New York, 1985; Пайпс Р. Россия при старом режиме.
М., 1993; Вишневский А .Г. Серп и рубль: Консервативная модернизация в СССР. М., 1998.
21 Автор признателен челябинскому этнологу Андрею Рыбалко, предоставившему неопубликованный
полевой материал о гигиенической культуре в станицах на территории Оренбургского казачьего войска.

354
Русская революция и движение населения

и гражданской войны, город не выдержал. Он оказался во власти людей, которые, пользуясь


словами классика, «…вообще отстав в развитии от европейцев лет на двести, до сих пор
еще не совсем уверенно застегивают собственные штаны»22.
Бегство крестьян от голода 1921–1922 гг. из деревни в города и более урожайные местности
сопровождалось значительно большими людскими потерями, чем мешочничество. Оно
протекало в формах, традиционных для неурожайных годов, регулярно повторявшихся
в крестьянской повседневности. Главы и взрослые здоровые члены семей мужского пола
покидали деревню в поиске заработков на стороне, дети и старики уходили просить
милостыню. Традиционными направлениями «голодной миграции» из Европейской
России были восток и юг. Для присмотра за хозяйством оставались одни женщины.
Стихийная миграция крестьян с целью пережить голод приняла, однако, в 1921–1922 гг.,
беспрецедентные масштабы. Крестьяне снимались с места целыми селениями, бросив дома
или, в случае удачи, обменяв их на продовольствие. По деревням, из волости в волость,
тянулись, преодолевая иногда сотни верст, вереницы нищих по 30–40 человек, прося
хлеба. Неспособных к нищенству и потому обреченных на голодную смерть малолетних
детей крестьяне приводили в государственные приюты с просьбой взять их на содержание.
Поскольку за недостатком мест устроить детей чаще всего не удавалось, наблюдалось
массовое подкидывание детей в приюты и прочие государственные учреждения. Насколько
ненадежным источником выживания была крестьянская миграция ради спасения от голода,
свидетельствуют до 6 млн. голодных смертей в 1921–1922 гг.
Способы передвижения во время революции пережили существенные перемены. Железной
дороге на первом году революции была уготована особая роль в ее распространении из
столиц в провинции. По мнению современника и активного участника революционных
событий, Антона И. Деникина, уральская и сибирская почва была неблагоприятна для
большевизма, который распространялся «…главным образом от центра к периферии чи-
сто механическим путем, вдоль железнодорожных магистралей. Его заносила главным об-
разом волна солдат, отчасти казаков, хлынувших с фронта…»23.
Однако этим роль железнодорожной сети не исчерпывалась. Железная дорога, которая в
поздней Российской империи стала главным каналом миграции, особенно организован-
ной крестьянской24, сохраняла важное значение при перемещениях на большие расстоя-
ния, но подверглась характерной архаизации. Разрушение транспортной сети и подвиж-
ного состава в годы революции, особенно в эпицентрах Гражданской войны, изменения
в организации перевозок (включая отмену классности в годы «военного коммунизма»)
«демократизация» состава пассажиров, основной контингент составляли «мешочники»,
привели к катастрофическому понижению железнодорожного сервиса. В начале 1920-х гг.
люди передвигались по железной дороге в условиях, непригодных для перевозки скота:
вагоны для пассажиров, несмотря на дороговизну билетов, представляли собой теплушки
без нар: люди сидели и лежали на заплеванном полу, проходившие переступали через них.

22 Булгаков М.А. Собачье сердце // Булгаков М.А. Избр. соч. в 2 т. Т. 1. М., 1997. С. 408.
23 Деникин А .И. Очерки русской смуты. М., 1991. С. 155.
24 Подробнее см.: Шенк Ф.Б. Поезд в современность.

355
Игорь Нарский

Вокзалы и поезда стали местами наибольшей концентрации преступности. Газеты на


протяжении революции непрестанно предостерегали читателей от появления без острой
необходимости в районе железнодорожных станций. Симптоматичной, что вокзалы и ва-
гоны-теплушки, наряду с продуктовой очередью, музеем и субботником, превратились в
важные пункты коммуникативной сети, особенно в зонах боевых действий Гражданской
войны. В «зону создания легенд» (Марк Блок) и «кризисную сеть» (Татьяна Б. Щепан-
ская) железную дорогу превращали соприкосновения с подвижными и проницаемыми
фронтовыми линиями, разрушения границ между фронтом и тылом, эскалация тотального
дефицита на продукты питания и предметы массового спроса, массовое мешочничество25.
Вместе с тем, вновь востребованными в массовом масштабе стали домодерные способы
передвижения: пешие одиночки и группы, в которые объединялись (преимущественно
сельские) нищие; гужевые переезды всей (чаще крестьянской) семьей, снявшейся с на-
сиженных мест и бегущей от войны, террора, и голода; миграции в обозе отступающей
армии. Массовый вынужденный переход к (полу)кочевому образу жизни был невозможен
без примитивизации средств передвижения.
Таким образом, миграционные практики были важной составной частью движения населе-
ния в русской революции, сыграв в ней амбивалентную роль. Массовое перманентное пе-
ремещение вооруженных объединений обеспечивало многократную смену политических
режимов в отдельных регионах бывшей Российской империи и порождало политический
хаос и падение авторитета всякой власти, ставшие характерными признаками русской ре-
волюции. Массовые хаотичные миграционные потоки приводили к скоплению неустро-
енных групп населения в городских центрах, осложняли гигиеническую и эпидемическую
ситуацию в городах, блокировали государственные эксперименты в области продоволь-
ственной политики, торговли и распределения. Вместе с тем, миграционные практики
были наиболее цивилизованным способом решения насущных проблем – обеспечения
продовольствием городского населения в условиях распада вольного рынка, выживания
сельского населения в условиях брутальной государственной реквизиционной политики
и массовых неурожаев. Эти практики в значительной степени опирались на богатый преж-
ний опыт широких слоев населения и позволяли им, таким образом, и в экстраординарных
условиях революции и Гражданской войны оставаться в рамках собственной культуры.
Вместе с тем, разразившаяся в революционной России демографическая катастрофа и рост
удельного веса населения, выброшенного на обочину, свидетельствуют об ограниченном
успехе миграционных практик населения в годы русской революции.

25 Подробнее о слухах в экстремальных ситуациях см.: Bloch M. Rèflexions d’un historien sur les fausses nou-
velles de la guerre // Bloch M. Mèlanges historiques. V. 1. Paris, 1963. P. 41–57; Щепанская Т.Б. «Кризисная
сеть» (традиции духовного освоения пространства) // Русский Север: К проблеме локальных групп / Т.А.
Бернштам (ред.-сост.). СПб., 1995. С. 110–176; Смит С. Небесные письма и рассказы о лесе: «суеверия»
против большевизма // Антропологический форум. 2005. № 3. С. 269–284, здесь С. 284. О слухах в русской
революции на примере Урала см.: Нарский И. Как коммунист черта расстрелять хотел: апокалипсические
слухи на Урале в годы революции и Гражданской войны // Слухи в России XIX–ХХ веков: Неофициальная
коммуникация и «крутые повороты» российской истории / И. Нарский и др. (ред.). Челябинск, 2011. С.
233–255.

356
АЛЕКСАНДР ШУБИН

Социальное и национальное в Великой российской революции

Когда мы исследуем причины и ход революции, начавшейся в Российской империи в 1917 г.,
наряду с социальными факторами мы неизменно обращаемся к национальным. В националь-
ных историографиях эти события часто рассматриваются как самостоятельные революции,
феномен лишь национальной истории («Украинская революция», борьба за независи-
мость государств Балтии и Закавказья и др.). Но все эти национальные потоки являются в
то же время и частью большого комплекса – Великой Российской революции 1917–1922 гг.
(российской эта революция называется не в связи с принадлежностью к современной Рос-
сийской федерации, а потому, что разразилась на территории распадающейся Российской
империи).

Параллели и меридианы истории


Соотношение этно-национальных и социальных факторов в исторических событиях – важ-
ная научная проблема. Она стоит в центре дискуссии между сторонниками цивилизацион-
ного и стадиального подходов к анализу исторических процессов. По существу борьба меж-
ду цивилизационным и формационным подходами в их чистых формах – это борьба между
двумя крайностями. Отрицание стадиальных различий – такая же крайность, как и отрица-
ние этнокультурных особенностей. Между тем уже в марксистской историографии была
сформулирована проблема «общего и особенного»1, которая дает возможность нащупать
«золотую середину»: все страны проходят одни и те же стадии поступательного развития
(«прогресса»), но каждая проходит их по своей дороге2.
Интересно было бы выстроить некоторую типологию, связывающую стадиальные и эт-
но-цивилизационные характеристики в единую систему координат в зависимости от ха-
рактера прохождения тех или иных стадий развития различными народами. Действительно,
они проходят одни и те же стадии по-разному: с большими или меньшими разрушениями
и жертвами, с большей или меньшей энергией участвующих в событиях социальных слоев.
Для одних стран более благоприятны «консервативные» стадии развития, для других наи-
более продуктивны периоды революций. Историческое событие находится как бы на пе-
рекрестье социально-стадиальных «параллелей» и этно-культурных «меридиан». Можно
предположить, что национальная культура входит в своего рода «резонанс» с теми перио-
дами общественного развития, которые в наибольшей степени соответствуют их социаль-
но-психологической структуре народа3.

1 См., напр.: Общее и особенное в историческом развитии стран Востока / Г.Ф. Ким (отв. ред.). М., 1966.
2 См.: Шубин А .В. Ритмы истории. М., 1996.
3 Там же.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 357–376


[Link] 357
Александр Шубин

Возможно, такая типология может быть выстроена в соответствии с объективными крите-


риями реагирования разных народов на общие стадиальные вызовы. Одним из таких вызо-
вов стала Великая российская революция и гражданская война в 1917–1922 гг. и даже более
широкая волна послевоенных революций, в водоворот которых было вовлечено множество
разнообразных народов.
При этом важно помнить о глубокой связи социальной революции и нациестроительства
(которое иногда так и характеризуется как национальные задачи революции). Современная
нация – продукт индустриальной модернизации с ее стремлением к стандартизации – в том
числе стандартизации культуры, которую несет с собой нация как стандартизированный со-
циально-культурный территориальный комплекс. Процесс модернизации сопровождается
социальными революциями и другими аналогичными потрясениями. Революция призвана
преодолеть системные препятствия на пути модернизации. Нациестроительство формиру-
ет определенную языковую и социально-культурную среду, культурные стандарты модерни-
зации. Эта взаимосвязь ставит дилемму «социальное-национальное» в большинстве рево-
люций, происходящих на стадии перехода от традиционного общества к индустриальному.
Революция, являющаяся «тараном» индустриальной модернизации4, открывает новые
возможности для нациестроительства, являющегося одним из проявлений индустриаль-
ной стандартизации в области культуры и чреватого резким обострением этноконфликтов.
Национальные движения и социально-политические силы, вовлеченные в революционный
переворот, стремились использовать друг друга, социальные задачи соседствовали с нацио-
нальными в политических программах. Но на разной этно-социальной почве национальные
и социальные лозунги срабатывали по-разному, то привлекая и консолидируя, то отталки-
вая и раскалывая массы.
Социальный взрыв 1917 г., исходящий из центра Империи, своей волной «накрыл» самые
разные социумы – от этнически консолидированной в своем территориальном ядре Фин-
ляндии до этнической чересполосицы Кавказа, от среднеразвитых (для своего времени)
аграрно-индустриальных европейских территорий Российской империи до Средней Азии,
уровень модернизации которой аналогичен XVI – XVIII векам в Западной Европе. Рево-
люция вывела на авансцену множество ярких лидеров, действующих во имя социализма,
коммунизма, классов, демократии и нации. Но все эти понятия складывались на западноев-
ропейской почве, отличающейся от российской Азии и даже России как этно-культурно, са-
мим смыслом слов, так и стадиально. Многообразие культурных смыслов самой своей сутью
противостоит типологизации, но социальные состояния выстраиваются в аналогичные
ряды на пути «прогресса», и мы в принципе можем понять, насколько Россия отставала
от той или иной страны Запада, а страны Закавказья – от России. Стадии социального раз-
вития в этом смысле являются ключом и к решению более трудной задачи типологизации
национальных факторов, которые именно в такие критические периоды, как 1917–1922 гг.,
тесно взаимодействуют, буквально сплавляются с социальными, становятся их оборотной
стороной. Терминология мировых проектов наполняется специфическим местным содер-

4 Подробнее о понятии «революция»: Шубин А .В. Великая Российская революция: от Февраля к Октябрю
1917 года. М., 2014. С. 6–12.

358
Социальное и национальное в Великой российской революции

жанием (в данном случае – пройдя через специфическую российскую реторту, сохранив-


шую «родимые пятна» Российской империи). Социальная модель, исходящая из эпицен-
тра общероссийской революции, взаимодействовала с «иными эпохами», в которых все
еще жили соответствующие народы Азии. И все это происходило в условиях многообразия
конфликтующих культур. Человек, вовлеченный в водоворот революции, действовал в пе-
рекрестье факторов:
1. Социостратегических – революционных стратегий преобразования всей «большой
России» и через нее – мира.
2. Геостратегических – обустройства распавшегося территориального пространства
нескольких империй в новых территориальных границах, обеспечивающих интере-
сы как социостратегий, так и формирующихся наций.
3. Национальных – преобразующих этносы в современные нации с определенными
границами и культурными стандартами, которых раньше могло и не быть.
4. Социальных – структуры местных социумов, которые, согласно европейским тео-
риям, пока не дозрели ни до социализма, ни до демократии, но в лице своих лидеров
предприняли попытку создать у себя и то, и другое.
Принципиально важным «маркером» различной реакции на ситуацию 1917–1922 гг. явля-
ется соотношение социальных и национальных задач в глазах активной, революционизиро-
ванной части населения. Если польским лидерам, например, удалось добиться национальной
консолидации перед лицом идущей с востока и запада революционной волны, то в регионах,
населенных преимущественно русскими, социальные проекты очевидно доминировали над
национальными, «черносотенный» национализм был деморализован уже в феврале 1917 г.,
а национальные лозунги белого движения не способствовали его успехам.
Между этими полюсами мы можем обнаружить интересную палитру реакций народов на
революционные вызовы.

Временное правительство и украинский синтез


После сообщений о падении самодержавия практически во всех «национальных окраинах»
Российской империи возникли три политических центра: объединение общественности,
лояльной Временному правительству, Советы (рабочих и солдатских, а также крестьянских
депутатов), которые поддерживали правительство «постольку – поскольку», и националь-
ные объединения, выступавшие за национально-территориальную автономию своих реги-
онов. Большинство из них не ставило вопрос о независимости и видело будущее России как
федерации. Также формировались национальные партии, которые дублировали общерос-
сийский политический спектр, но с национальной спецификой. В национальных движениях
шла дискуссия между сторонниками территориальной и персональной автономии5. Сто-

5 См., напр.: Красовицкая Т.Ю. Этнокультурный дискурс в революционном контексте февраля – октября
1917 г.: Стратегии, структуры, персонажи. М., 2015.

359
Александр Шубин

ронники контроля этноса над территорией возобладали, так как это соответствовало стра-
тегии формирования нации.
Сильнейшими национально-политическими центрами были Центральная рада на Украине,
Армянский национальный совет, парламент Финляндии. За исключением последнего эти
органы не избирались, а формировались из национальных партий (такой опыт применялся
и в других национальных регионах, например Сфатул цэрий в Бессарабии). Сильные наци-
ональные партии действовали также в Азербайджане и Грузии, но грузинские социал-демо-
краты, доминировавшие в этой стране, до осени 1917 г. были активно вовлечены в общерос-
сийские дела.
Судьба национальных движений зависела от их способности создать собственные воору-
женные формирования. Здесь наибольших успехов достигли Украина, Армения, Грузия и
Финляндия (тюркские народы отставали, так как в Российской империи большинство их
населения не служило в армии).
Особенно важной для судеб революции была ситуация на Украине – и в силу положения
фронта, и в силу богатых ресурсов страны, и из-за энергичности лидеров национального
движения, стремившихся определить территорию Украины и степень ее автономии как
можно шире. 7 марта была создана украинская Центральная рада как орган украинских на-
циональных партий и движений.
5–8 мая 1917 г. прошел I всеукраинский войсковой съезд, 700 делегатов которого пред-
ставляли до 900 тысяч солдат и офицеров. Съезд выступил за создание украинизированных
частей и национально-территориальную автономию, избранный им Украинский военный
генеральный комитет вошел в Центральную раду, обеспечив ее связь с войсками. Из оказав-
шихся в тылу солдат – украинцев, а затем и из украинцев на фронте создавались украинизи-
рованные части. Однако важно отметить, что подавляющее большинство солдат, представ-
ленных на съезде, потом не станут защищать Центральную раду.
Центральная рада вступила в конфликт с Временным правительством, который завершил-
ся компромиссом 2 июля. Керенский предложил лидерам Центральной рады поддержать
Временное правительство. При этом Керенский не возражал против автономизации Украи-
ны. Но он считал принципиально важным проведение любых существенных решений через
Учредительное собрание. Лидеры Центральной рады настаивали на том, чтобы Временное
правительство сразу признало автономию, а уже затем эту реальность может санкциониро-
вать Учредительное собрание.
Не добившись соглашения с Временным правительством, украинское национальное дви-
жение усилило давление на центральную власть, запланировав II Всеукраинский воинский
съезд. Этот съезд был запрещен военным министром А. Керенским, но все равно собрался
и 10 июня провозгласил принятый в тот же день Комитетом Центральной рады Универсал.
В этом документе, который получил название Первого Универсала Центральной рады, го-
ворилось: «Не отделяясь ото всей России, не разрывая с российским государством, пусть
украинский народ на своей земле имеет право сам управлять своей жизнью. Пусть порядок
и строй на Украине определит выбранное общим, равным, прямым и тайным голосованием

360
Социальное и национальное в Великой российской революции

Всенародное Украинское Собрание (Сейм)». Универсал требовал от каждого органа мест-


ной власти, который «стоит за интересы украинского народа», установить организацион-
ные сношения с Центральной радой. Прежде всего, Универсал обращался к «членам нашей
нации», но также выражал надежду, что «неукраинские народы, которые живут на нашей
земле», примут участие в создании украинской автономии. Важным шагом стало решение
ввести налог в пользу Украины6. Универсал был торжественно провозглашен на Софийской
площади Киева в присутствии делегатов войск. 15–27 июня был создан исполнительный ор-
ган Рады – Генеральный секретариат во главе с В. Винниченко.
Временное правительство не имело возможности пресечь «самоуправство» Центральной
рады, и вынуждено было договариваться. 28 июня четыре российских министра – А. Керен-
ский, М. Некрасов, И. Церетели и М. Терещенко – прибыли в Киев на переговоры. Теперь
они уже были согласны предоставить Украине автономию с последующим утверждением
ее Учредительным собранием. Для этого планировалось подписать соглашение, после чего
стороны публично декларировали бы единство своих действий. В Центральную раду долж-
ны были быть включены представители неукраинского населения, чтобы она представляла
всех граждан Украины. Таким образом, в результате переговоров автономия приобретала
территориальный, а не национально-территориальный характер, хотя и с национально-про-
порциональным представительством (пропорции определялись в результате переговоров
между лидерами Центральной рады и представителями «меньшинств» – Раду пополнили
202 действительных члена и 51 кандидат). Власть на Украине переходила к исполнительно-
му органу Центральной рады – Генеральному секретариату. При Временном правительстве
должна была быть введена должность комиссара по украинским делам, оно, не поступив-
шись своей законодательной властью, обещало согласовывать с Радой законодательство по
Украине. С Керенским договорились о комплектовании украинских частей украинцами.
Когда вернувшиеся в Петроград министры 2 июля доложили коллегам об итогах перего-
воров с Радой, возмущенные кадеты вышли из правительства, что положило начало июль-
скому политическому кризису в Петрограде. Оставшиеся министры признали Генеральный
секретариат высшим органом управления региональными делами, назначаемым Временным
правительством по согласованию с Центральной радой. Последней предлагалось разрабо-
тать проект национально-территориальной автономии для утверждения правительством.
В ответ 3 (16) июля Центральная рада приняла свой Второй универсал, где подтвердила,
что «всегда стояла за то, чтобы не отделять Украину от России», и сообщила об уступках
Временному правительству – об утверждении состава Генерального секретариата в Петро-
граде, о подготовке законодательства о национально-территориальной автономии для при-
нятия всероссийским Учредительным собранием7. Треть депутатов Рады выступили против
этих уступок. После дополнения Рады представителями национальных меньшинств (около
трети ее состава, 18 членов Малой рады), Генеральный секретариат также был реорганизо-

6 Украïнська Центральна Рада: Документи i матерiали: У двох томах. / В.Ф. Верстюк (упоряд.). К ., 1996. С.
101–105.
7 Там же. С. 163–165.

361
Александр Шубин

ван на многоэтничной основе, хотя украинцы сохранили в нем ведущие позиции. 9 августа в
Центральную раду на время вступили даже большевики.
Лидеры Центральной рады подготовили проект устава Генерального секретариата, регули-
рующий его полномочия, то есть, таким образом – сферу украинской автономии. В уста-
ве говорилось и о Центральной раде как органе революционной демократии всех народов
Украины, который служит утверждению автономии Украины и ведет подготовку к Россий-
скому и Украинскому учредительным собраниям. Таким образом, лидеры Центральной
рады пытались легитимизировать не только Генеральный секретариат, но и права Рады, а
также идею Украинского учредительного собрания. 15 июля В. Винниченко в сопровожде-
нии министров Х. Барановского и М. Рафеса отправился утверждать состав Генерального
секретариата и его устав в Петроград. Там украинцы встретили холодный прием.
Победив своих противников слева, А. Керенский возглавил правительство и стремился
воссоздать коалицию с кадетами. Теперь уступки украинским «сепаратистам» были не ко
времени. Поскольку проект устава Генеральному секретариату вышел за рамки киевских до-
говоренностей, он был отвергнут комиссией Временного правительства. Вместо него пра-
вительство 4 августа выпустило инструкцию Генеральному секретариату, которая ставила
этот орган в административное подчинение всероссийскому правительству, не признавала
властных полномочий за Центральной радой и ограничивала территорию, подчиненную Ге-
неральному секретариату Киевской, Волынской, Подольской, Полтавской и частично Чер-
ниговской губерниями. Временное правительство запрещало Генеральному секретариату,
иметь в своем составе секретариаты по военным, судебным и продовольственным делам,
путей сообщения, почт и телеграфов. Впрочем, большинство этих сфер еще недавно и сам
М. Грушевский относил к компетенции российского центра.
Решение Временного правительства возмутило депутатов Малой рады. Позднее Винничен-
ко вспоминал: «Инструкция была ничем иным, как циничным, бесстыдным и провокаци-
онным нарушением соглашения 16 июля и откровенным желанием вырвать из рук украин-
ства все его революционные достижения»8. Впрочем, как раз в августе 1917 г. Винниченко
был настроен куда спокойнее: «Инструкция – это уже признание принципа автономии,
которого мы вначале только и добивались. Но теперь мы добились большего, чем хотели
два месяца назад. Признание самой идеи автономии, а не «областного самоуправления»,
гораздо важнее… Если мы поглядим на фактическое соотношение сил, то можем сказать,
что инструкция открывает для нас широкое поле как моральной, так и публично-правовой
работы. И меня удивляют некоторые товарищи, которые так пессимистично смотрят на
этот документ»9. Действительно, инструкция закрепляла автономию Украины и предостав-
ляла ей четкие границы, в которые были включены территории с очевидным преобладанием
именно украиноговорящего населения. В инструкции даже упоминалась Центральная рада,
хотя за ней какие-то права не признавались (что естественно, ведь предметом регулирова-
ния был именно Генеральный секретариат). Так что умеренный оптимизм Винниченко был
реалистичен. Позднее, когда Временное правительство превратилось в «козла отпущения»

8 Винниченко В. Вiдродження нацiï. К., 1920. Ч. 1. С. 319.


9 Верстюк В.Ф. (упоряд.). Украïнська Центральна Рада. С 220, 547.

362
Социальное и национальное в Великой российской революции

за беды 1917 года, Винниченко в своих мемуарах присоединился к хору возмущения по по-
воду украинской политики «временщиков».
Отсылка Винниченко к реальному соотношению сил августа 1917 г. не была случайной –
после июльской победы позиции Керенского и более правых сил укрепились, и в этой об-
становке Центральная рада могла вообще потерять свои позиции. В русскоязычной прессе
развернулась кампания травли украинских лидеров за «связи с немцами» (что было частью
общей июльско-августовской кампании против левых сил с типовыми обвинениями). В этих
условиях Рада вынуждена была подчиниться инструкции, не признавая ее официально и не
отказываясь от борьбы за расширение автономии, в том числе – и территориальной. После
долгого согласования 21 августа Винниченко сформировал новый Генеральный секретари-
ат в соответствии с инструкцией, и 1 сентября его утвердило Временное правительство.
Однако ситуация вновь изменилась, корниловское выступление нарушило баланс власти.
Позиции «партии порядка» резко ослабли.
Центральная рада открыто готовила выборы в Украинское учредительное собрание. Это
вызвало гнев и угрозы со стороны Керенского, который вызвал Винниченко в Петроград.
Глава Генерального секретариата прибыл в столицу как раз в тот момент, когда началась
Октябрьская революция. Лидеры Центральной рады оказались хорошо подготовленными
к резкой смене обстановки и в ноябре 1917 г. установили контроль над Киевом и провозгла-
сили 7 ноября 1917 г. Украинскую народную республику (УНР) в составе России, включав-
шую территории 9 губерний.
Этот очерк истории национального движения на Украине в 1917 г. демонстрирует нам мо-
дель наиболее эффективного установления его доминирования в легальной территориаль-
ной автономии. Другие национальные движения, за исключением Финляндии, не смогли
добиться того же результата, что говорит в пользу найденного лидерами Центральной рады
сочетания социально-политических и этно-национальных факторов общественной мобили-
зации. Они были социалистами, что давало им поддержку крестьянства и городских низов.
Они нашли аргументы, которые привлекли на их сторону достаточное количество солдат.
И, наконец, они проявили оптимальную политическую гибкость, которая позволила им до-
стичь соглашения с Временным правительством – в отличие от Финляндии, сейм которой
был разогнан в июле 1917 г. и даже занят войсками (впрочем, в августе он оправился от
удара и возобновил работу).
Таким образом, мы можем разместить Украину между полюсами социального радикализма
и национальной консолидации.

Октябрьский переворот, украинские «качели» и внешнеполитический


фактор
«Триумфальное шествие» Советской власти столкнулось с разнородной этнополитиче-
ской почвой. В одних регионах, как на Украине и в Закавказье, успели сформироваться вли-
ятельные национальные движения, которые сумели обзавестись достаточной вооруженной
силой, чтобы отбить первый натиск большевизма. В других случаях, как в Белоруссии и

363
Александр Шубин

Молдавии, большевики наносили поражение «буржуазным» автономистам, перехватывая


лозунг автономии и используя доминирование социальных и политических мотиваций над
национальными. В борьбе с более прочным национализмом Советское государство было
готово пойти даже на предоставление независимости – с последующей поддержкой ле-
во-социалистических сил, которые должны были сделать новые независимые государства
частью будущей семьи социалистических республик. В обстановке 1918 г. социальный про-
ект большевизма, дополненный обещаниями права наций на самоопределение, составлял
достойную конкуренцию в борьбе за симпатии масс даже сильным национальным проектам
Финляндии, Украины и народов Закавказья10.
Первоначально влиятельные национальные движения выступали за территориальную авто-
номию в составе обновленного, федеративного Российского государства. Но их не устраи-
вала Советская федерация, в которой виделась угроза большевистского господства. Разгон
Учредительного собрания лишил национальные проекты надежд на легитимную защиту
их прав от леворадикального российского центра. Естественным результатом стало стрем-
ление национальных лидеров отгородиться от разбушевавшегося в России социального
смерча с помощью провозглашения независимости. А защитить независимость в условиях
Первой мировой войны можно было только опершись на мощную внешнюю силу. Провоз-
глашение независимости от России означало превращение в германский или турецкий про-
текторат.
Часть национальных деятелей пошла по пути поддержки советского проекта, в котором
увидела форму осуществления национальной идеи. Национал-коммунизм станет важным
фактором советской истории на всем ее протяжении. Советская модель сочетания социаль-
ного и национальных проектов оказалась привлекательна для антиимпериалистических и
антиколониальных движений в мире, что было важно для глобальной борьбы российских
коммунистов.
Успехам национальных движений способствовала и приверженность большевиков идее
права наций на самоопределение, что сковывало их действия против Центральной рады
и других центров «буржуазного» (то есть несоветского) национализма. Однако, после
колебаний и попыток уладить разногласия политическими средствами, 25 декабря 1917 г.
сторонники советской власти развернули наступление на Киев. Они действовали от имени
советской Украинской рабоче-крестьянской республики.
В наши дни войну украинских националистов и красных в 1918 году на Украине иногда на-
зывают «агрессией России». Но в колоннах красных шли как раз жители Украины. И они
поднимали восстания за власть Советов. Война на Украине была гражданской, хотя и ин-
тервенция Советской России играла свою роль. Но не будем забывать, что Украина в дека-
бре 1917 г. была частью России, и гражданская война на Украине была частью гражданской
войны в России. Казалось бы, украинский баланс национального и социального факторов
должен был стать для большевиков «крепким орешком», но социальные преобразования в
УНР практически не начались.

10 Шубин А .В. Старт Страны Советов: Революция: Октябрь 1917 – март 1918. М., 2017. С. 284–354.

364
Социальное и национальное в Великой российской революции

Авторитет Рады стремительно падал. 18 (31) января она приняла украинский закон о соци-
ализации земли, ликвидировавший частное землевладение и передававший землю крестья-
нам. Он был основан на той же идее социализации земли, что и советский закон, принятый
несколькими днями позднее. Но крестьянство уже было раздражено учреждениями Рады,
так как в соответствии с ее указаниями земельные комитеты описывали имущество имений,
а крестьяне стремились просто его разобрать по хозяйствам. Для предотвращения разгрома
имений уездные земельные управы вызывали войска.
В сравнении с последующим законодательством гетмана аграрный закон Рады больше
устраивал крестьян, что и обеспечит сторонникам УНР массовую поддержку сразу после
ухода немцев в ноябре–декабре 1918 г. Но пока Центральная рада была слишком умерен-
ной, чтобы крестьяне были готовы сражаться за нее с большевиками, которые также несли с
собой радикальную аграрную реформу. А вот рабочие явно предпочитали большевиков, что
стало важным фактором при борьбе в городах.
Промедление с реформами определило падение влияния Рады – социальный фактор в усло-
виях революции был важнее национального. Но в условиях противостояния более радикаль-
ному большевизму, украинские социалисты пытались защититься от него национальным
щитом. Лидеры Центральной рады были националистами и социалистами, что определяло
основное противоречие их политики. Им пришлось выбирать между целями национальной
консолидации и социальными преобразованиями, которые ее неизбежно нарушают.
В Киеве стала проводиться украинизация, выразившаяся, в частности, во введении го-
сударственного языка в официальный документооборот. Как вспоминал член Рады от
«меньшинств» А. Гольденвейзер, «предстоящая украинизация приводила в смущение всех
неукраинцев, причастных к школе, науке, адвокатуре. Украинский язык, с которым впослед-
ствии немного свыклись, вызывал аффектированные насмешки; никто не собирался учить-
ся этому языку»11.
Если в городах эта политика не пользовалась большой популярностью, то село поддержало
на выборах в Учредительное собрание именно украинские социалистические партии. Как
пишет исследователь Учредительного собрания Л. Г. Протасов, «цифры красноречивы: по
Украине в целом на украинские национальные списки, партийные и беспартийные, при-
шлось около 60 % голосов, в том числе в Киевской губернии – 76,9 %, на Волыни – 70 %, в
Подолии – 77,6 %, заметно понижаясь на Левобережье»12. Данные голосования позволяют
проследить, насколько резким было это понижение, и не только на Левобережье, но и на юге
Правобережья. В Волынском округе национальные списки получили почти 114 тыс. голосов
при 27,5 тыс. у эсеров и 36,6 тыс. у большевиков; в Киевском – соответственно 133,8 тыс.
при 19,2 тыс. и 60,7 тыс., в Подольском – 113,6 тыс. при 11 тыс. и 32,9 тыс. Но восточнее и
южнее этих центральных губерний Украины соотношение народных симпатий было дру-
гим. В Полтавском – 33,3 тыс. при 198,4 тыс. и 64,5 тыс.; в Екатеринославском – 72,6 тыс.
при 231,7 тыс. у эсеров и 213,2 тыс. у большевиков, в Таврическом (правда, с учетом специ-

11 Революция на Украине по мемуарам белых / С.А. Алексеев (сост.). М.; Л ., 1930. С. 18.
12 Протасов Л.Г. Люди Учредительного собрания: Портрет в интерьере эпохи. М., 2008. С. 139.

365
Александр Шубин

фической крымской ситуации, где влиятельно было крымско-татарское движение во главе с


курултаем) – 105,6 тыс. при 300,1 тыс. и 31,2 тыс., в Харьковском – 11,6 тыс. при 838,9 тыс.
и 114,7 тыс., Херсонском – 117,8 тыс. при 368 тыс. и 108 тыс.; Черниговском – 28,3 тыс. при
105,6 тыс. и 271,2 тыс.13 Оценив электоральные настроения, украинские эсеры отказались
от выдвижения собственного списка в Харьковском округе, войдя в список эсеров, где их
представители заняли только 4-е и 5-е места14. Географическая двойственность Украины не-
посредственно влияла на политику. Но и в украинском этническом ядре настроения были
переменчивы, колеблясь между национальными и социальными приоритетами.
Центральная рада претендовала на обширные районы вплоть до Донбасса, где ее власть ни-
когда не признавали. Претендуя на восточные территории, Центральная рада «получала»
и население левобережья, еще более равнодушное к национальной идее, чем жители Право-
бережья.
В 1917 – начале 1918 гг. национальный фактор успешно конкурировал с социальным, но
только при условии, что само национальное движение было автономистским, не отпугивая
население неопределенной перспективой независимости. Однако логика самосохранения в
борьбе с большевизмом толкала УНР к провозглашению формальной независимости, кото-
рая в тех условиях означала переход под протекторат Германии.
Столкнувшись с расширением сферы советского влияния на Украине, Центральная рада в
своем IV Универсале, датированном 9 (22) января 1918 г., все же провозгласила независи-
мость Украинской народной республики. Но национальная идея оказалась слабым моби-
лизующим фактором в условиях обострившихся социальных проблем и в развернувшейся
борьбе социалистических проектов.
Для большинства жителей восточной Украины, а то и Киева или Одессы, в которых боль-
шинство жителей говорило по-русски, украинское государство не было своим. Для них вой-
на против украинских националистов была войной против попытки разделить живую ткань
народов, против затяжки с социальными преобразованиями. Позднее украинские атаманы
легко переходили из-под желто-голубых знамен под красные и обратно. Вооруженных укра-
инцев интересовала не национальная государственность, а ее социальное содержание.
В 1918 г. национальные движения развивались в условиях не только революции, но и важных
мировых сдвигов, связанных с завершением Первой мировой войны. Национальные лидеры
настаивали на своем праве участвовать в определении условий мира. Ни Центральная рада,
ни Закавказский секретариат не признавали права Совета народных комиссаров (коалиция
большевиков и эсеров) единолично заключать мир от имени всей России. Это создавало для
австро-германской и турецкой дипломатии прекрасные возможности для маневра, которые
были с успехом реализованы в Бресте и на Кавказе. Украинские представители были готовы

13 Протасов Л.Г. Всероссийское Учредительное собрание: История рождения и гибели. М., 1997. С. 363–
366. Данные по Подольскому и Херсонскому округам неполные.
14 Партия социалистов-революционеров: Документы и материалы. Т. 3 Ч. 2: Октябрь 1917 г. – 1925 г. / В.В.
Шелохаев (отв. ред.). Москва, 2000. С. 259.

366
Социальное и национальное в Великой российской революции

договориться с немцами за счет России, грузинские и армянские лидеры считали, что смо-
гут добиться лучших условий на Кавказе, а тюркские – сочувствовали Османской империи.
В этих условиях неспособность большевиков договориться с национальной оппозицией
вела к катастрофическим внешнеполитическим последствиям. Попытка решить этот во-
прос силой натолкнулась на непреодолимое препятствие – государства Четверного союза.
8 февраля советские войска (в которых воевали и украинцы) взяли Киев, но уже 9 февраля
представители УНР заключили мир с Германией и ее союзниками, пригласив на Украину их
войска. Это предопределило Брестскую катастрофу российской внешней политики.
В условиях советского наступления потерявшие опору внутри своей страны, лидеры Цен-
тральной рады сделали ставку на внешнюю силу, пригласив германских и австро-венгерских
«союзников», которые разогнали Центральную раду и установили авторитарный режим
гетмана П. Скоропадского. Однако пока Германия и ее союзники доминировали в Восточ-
ной Европе, Украина (как и Польша, Литва, Финляндия) сохраняла формальную независи-
мость в составе системы Германской гегемонии.
Таким образом, прямое столкновение сторонников независимости и радикального соци-
ального проекта на Украине дали преимущество последним – мобилизационная база неза-
висимцев оказалась слабой. На Кавказе национальная мобилизация была гораздо сильнее,
но уравновешивалась межнациональными конфликтами, в которых Россия сохраняла по-
тенциальную роль арбитра. В успехе сторонников советской власти на Украине свою роль
сыграло и вмешательство советской России, которое, однако, было быстро побеждено гер-
манским вмешательством.
Но история УНР на этом не закончилась. В условиях краха Pax Germana в результате пора-
жения в мировой войне прогерманские режимы потеряли опору. Сторонники УНР подняли
восстание против Скоропадского и вошли в Киев 14 декабря 1918 г. Директория УНР была
популярна среди крестьян. Но, как и в начале 1918 г., в начале 1919 г. УНР не смогла устоять
против советского натиска. Революционные массы, и без того не склонные в большинстве
своем к национализму, быстро развернулись против Директории. История повторилась,
но не была прервана германским нашествием и получила новое продолжение. Повстанцы,
выступившие против немецкой оккупации и Скоропадского, и частично поддержавшие Ди-
ректорию, теперь разворачивали фронт против нее. Популярность идеи Советской власти
и связанных с ней радикальных социальных преобразований обеспечила быстрое продви-
жение красных на Украине.
Но политика военного коммунизма вызвала разочарование крестьянства, а использование
русского языка пришедшими с севера коммунистами – недовольство даже просоветского
украинофильского актива. Обещания большевиков сменились практикой коммунистов
(крестьяне даже не всегда понимали, что это – одна партия). Ответом стала волна повстан-
чества 1919 года, которая дезорганизовала красные тылы и способствовала приходу на Укра-
ину белых15. Их склонность к русскому национализму способствовала подъему повстанче-
ства уже против белого движения, что стало одной из причин его скорого поражения.

15 Подр. см.: Шубин А .В. Махно и его время. М., 2013. С. 145–172.

367
Александр Шубин

Таким образом, Украина демонстрировала своего рода «качели», когда доминировали то


национальные, то социальные факторы мобилизации масс. В 1917 г. преобладали нацио-
нальные, в начале 1918 г. – социальные. В 1919 г. то национальные, то социальные, но вто-
рые все же взяли верх при поддержке Советской России, с которой восток Украины был
тесно связан и экономически, и культурно. Но коммунисты извлекли уроки из этого опыта,
начав политику коренизации Советской власти (на Украине – «украинизации»), которая
обеспечила им поддержку части украинофильской интеллигенции и национально-ориени-
рованного крестьянства. Украинские «качели» были связаны не только с географической
«двойственностью» страны – ведь они проявлялись и в центральных, правобережных ча-
стях Украины. Таким образом, эта особенность реанимирования Украины на вызовы рево-
люции, может быть связана с ее социально-культурными особенностями.

Между Германией и Россией


На пространстве между Латвией и Украиной конкурировали польский, литовский и бело-
русский национальные проекты. Первые два имели некоторое изначальное преимущество в
силу религиозного и языкового противостояния российской православной культуре. Бело-
русы оказывались в «промежуточном» состоянии по обоим параметрам, что ослабляло их
собственную идентичность.
На территории, оставшейся под контролем России, белорусское национальное движение не
смогло добиться таких же успехов, как например украинское. Так, уже 18 декабря 1917 г. со-
ветские власти без труда разогнали Всебелорусский съезд. Однако созданные им органы –
Совет и Исполком – продолжили свою деятельность, пытаясь занять в Белоруссии то же
место, что Центральная Рада на Украине. Однако в дальнейшем попытки создать несовет-
скую Белорусскую народную республику так и не привели к созданию государства де факто.
Германские оккупационные власти игнорировали претензии Исполкома (затем Народного
секретариата) и Рады на роль государственных органов. Не помогло и «отделение от Рос-
сии» после провозглашения 25 марта 1918 г. «независимой» Белорусской народной респу-
блики. В то же время из Рады вышли представители земств, связывавшие будущее страны
с Россией (что помимо прочего ударили по финансированию Рады, которая оставалась на
деле не государственным, а общественным органом). После выдержанной в униженных то-
нах телеграммы Рады императору Вильгельму 25 апреля из Народного секретариата вышла
его левая часть. Но император опять не снизошел до того, чтобы заметить «белорусское
государство»16. Деятели Рады взаимодействовали с оккупационными властями как местные
общественные деятели по вопросам культурного и хозяйственного развития, но не призна-
вались в качестве полномочных представителей местного населения.
Эфемерность первой попытки создания белорусского государства можно объяснить раз-
ными причинами – и стадиальными, и макрополитическими. Макрополитические причины
заключаются, прежде всего, в том, что центральная часть Белоруссии в 1917–1918 гг. была

16 См.: Мазец В.Г. Геополитические аспекты становления белорусской государственности в конце 1917–
1918 гг. // Историческое пространство: Проблемы истории стран СНГ. 2009. № 1. С. 69–83.

368
Социальное и национальное в Великой российской революции

занята крупными силами российской и немецкой армий, что сдвигало соотношение сил
сильнее, чем это было в Киеве. Однако при наличии реального низового движения за наци-
ональное возрождение хотя бы украинских масштабов его было бы труднее игнорировать,
как это делали советские и германские власти в 1918 г.
Стадиальная поправка к процессу нациестроительства в Белоруссии может объяснять его
слабость некоторым отставанием процесса модернизации. Однако в Литве, где модерниза-
ция не могла похвастать большими успехами, чем в Белоруссии, национальная консолида-
ция была заметно выше. Относительная слабость политического национализма в Белорус-
сии может, помимо всего прочего, найти объяснение и в социальной психологии белорусов
и литовцев. Свою роль играл также, конфессиональный фактор. В Литве он консолидировал
национальный проект, а в Белоруссии – разлагал. Конечно, важную роль играла и этнокуль-
турная и отчасти конфессиональная близость белорусов и русских.
В Германии разрабатывались различные проекты территориального разделения, в которых
не было места для белорусского государства. Ставка делалась на лидеров польского, литов-
ского национальных движений, а также на местных немцев. То, что в латвийской истори-
ографии получило наименование «грешный альянс», касается также обстоятельств воз-
рождения Польского и Литовского государств.
В условиях германской оккупации 5 ноября 1916 г. было создано Польское королевство во
главе с Регентским советом. Ставка Германии на поляков была плохой новостью для литов-
ского и белорусского проектов. Однако это образование было демонстративно марионеточ-
ным, германский генерал-губернатор оставил в своих руках всю реальную власть. Больших
успехов добилась Польская военная организация во главе с Ю. Пилсудским. Но польское
национальное движение не могло удовлетвориться марионеточным положением своего го-
сударства, что вызвало конфликт Пилсудского и австро-германских властей17. Ко времени
крушения Германской империи это обеспечило реабилитацию за «грешный альянс».
Литовская тариба, также созданная при содействии германской оккупационной админи-
страции18, провозгласила 11 декабря 1917 г. и 16 февраля 1918 г. независимость Литовского
государства, союзного Германии и в июле объявленного королевством. Тариба стала Литов-
ским национальным советом, который пригласил на трон Литвы германского принца.
В связи с крушением Германской империи в ноябре 1918 г. началось быстрое формирова-
ние структур уже действительно независимых и республиканских польского и литовского
государств. Германия обеспечила инкубационный период независимости этих государств и
вовремя ушла со сцены, что создало удачные условия для развития польского и литовского
национальных проектов. Однако отношения между ними были отягощены двумя пробле-
мами: территориальным спором и федеративным проектом польских политических элит,
нацеленных на поглощение Литовского государства федерацией с центром в Варшаве. Как

17 Подр. см.: Матвеев Г.Ф. Великая война и судьбы польского вопроса // Незабытое сражение 1914 года:
Лодзь – прифронтовой город / Г.Ф. Матвеев. (сост.). М., 2014. С 124–147.
18 См.: Mačiulis D., Staliūnas D. Lithuanian Nationalism and the Vilnius Question, 1883–1940. Marburg, 2015.
P. 53.

369
Александр Шубин

пишут Д. Масюлис и Д. Сталюнас, «по мере того, как нарастала угроза большевистского
вторжения, в декабре 1918 г. Варшава предложила Литовскому правительству защищать
Вильнюс от большевиков совместно. Литва согласилась принять помощь при условии, что
Польша признает независимость Литвы со столицей в Вильнюсе. Польша не собиралась
признавать независимое Литовское государство, и вместо ответа Литовское правительство
получило известия, что Варшава формирует администрации бывших Каунасской, Сувал-
кинской и Вильнюсской губерний»19. 4 января 1919 г. красные вошли в Вильнюс. Они были
врагами для Польского и Литовского государств, активные советско-литовские боевые дей-
ствия продолжались до июня 1920 г. Но, как мы видим, национальный фактор раскалывал
антибольшевистский фронт, создавая треугольник, в котором могли бы возникать разные
альянсы. Большевики оценили силу литовской национальной идеи, противостоящей вели-
копольскому проекту, и передали Вильнюс советской Литве.

От «буфера» к национальной государственности


Однако между Литвой, Польшей и РСФСР лежали белорусские земли с неясными граница-
ми и слабым национальным движением. При прочих равных условиях у белорусского про-
екта не было шансов на успех, территория Белоруссии могла быть просто разделена. После
вывода германских войск «Белорусская народная республика» не имела возможностей и
для того, чтобы оказать сопротивление продвижению Красной армии и Войска польского.
Попытки строить государственность «против России» оказались в Белоруссии неудачны-
ми. Зато вскоре началось строительство Белорусской государственности вместе с Россией.
Толчком к этому стали нужды коммунистического проекта. Вынужденная сражаться на не-
скольких фронтах, Советская Россия пыталась оттянуть время столкновения с Польшей.
Исходя из дипломатических соображений казалось, что в этом может помочь «буфер», от-
сутствие общей границы России и Польши. Это также должно было помочь снять с комму-
нистической экспансии имидж великодержавной, имперской.
1 января 1919 г. в качестве «буфера» между Советской Россией и Польшей была создана
Советская Социалистическая Республика Беларусь (ССРБ) (это название утвердилось
только 4 февраля). Ее проект был согласован 24–25 декабря на заседании ЦК РКП(б) при
участии структур Наркомнаца (прежде всего Белорусского комиссариата при НКН – Бел-
нацкома). Решение провозгласить Белоруссию независимой советской социалистической
республикой принималось «по причине современных международных отношений и в
целях укрепления и расширения завоеваний социалистической революции во всемирном
масштабе»20. Приняв общее решение о создании «буферной» Белоруссии, центр запустил
процесс, имевший свою административную логику – основой нового государства должна
была стать Западная область, которая была более обширна, чем этническое ядро белору-
сов. Собравшаяся 30 декабря в Смоленске (а не в Минске) Северо-западная конференция
РКП(б) была провозглашена I съездом КП Белоруссии и заслушала доклад А. Мясникова, в

19 Там же. P. 66.


20 Цит. по: Коршук В.К. и др. Государственность Беларуси: Проблемы формирования в программах
политических партий. Минск, 1999. С. 61.

370
Социальное и национальное в Великой российской революции

котором сообщалось о создании нового государства. Было решено включить в состав Бело-
руссии территории Витебской, Могилевской, Минской, Гродненской и частично Смолен-
ской, Виленской и Ковенской губерний. Таким образом, в новом государстве объединялись
как русскоязычные регионы Западной области, так и соседние с ней территории, населен-
ные преимущественно белоруссами. Казалось, что это позволит сохранить и прежнюю тер-
риториально-экономическую структуру Западной области (что было важно для прежних
советских властей Западной области), и сформировать территориальное ядро для развития
белорусской культуры, что было приоритетом для белорусских национал-коммунистов во
главе с первым премьером ССРБ Д. Жилуновичем.
Они отнеслись к «буферному» проекту вполне серьезно и надеялись на создание реально-
го советского государства со специфически белорусского культурной политикой, которая
должна сделать граждан (включая горожан и руководящие кадры) белорусскоговорящими.
Но для коммунистов Смоленской, Могилевской и Витебской губерний эта идея была чу-
жда. И тогда сработал механизм советской демократии, который во время Гражданской во-
йны еще мог транслировать наверх настроения советского актива – в начале января совет-
ские органы и съезды советов Смоленской, Могилевской и Витебской губерний выступили
против их передачи в новое государство. 16 января ЦК РКП(б) удовлетворил эту прось-
бу, оставив три губернии в РСФСР под предлогом того, что они не граничат с Польшей и
потому не являются частью «буфера». Но такой раздел вызывал недовольство не только у
национал-коммунистов, но и у «областников» – местных руководителей, стремящихся к
сохранению достаточно крупной территориальной единицы, аналогичной Западной обла-
сти. Усеченная Белоруссия оказывалась настолько маленькой, что экономически была не-
жизнеспособна: «Или республика как есть, или область как была»21.
Решение было найдено неожиданное, но имевшее исторические прецеденты (если вспом-
нить о ВКЛ) – 30 января Свердлов сообщил Жилуновичу о предстоящем объединении
«урезанной» Белоруссии с советской половинкой Литвы (с центром в Вильнюсе). Этим
решением «убивалось» сразу несколько «зайцев». Новая республика обретала более со-
лидную территорию, чем обе ее составляющие. Снимались территориальные споры в зоне
смешанного населения. Белорусский и литовский народы одинаково противостояли поль-
ской экспансии, что вызывало здесь поддержку РККА со стороны местного населения по
общим национальным причинам. К тому же, по мнению эмиссара ЦК РКП(б) А. Иоффе,
«если удастся устроить унию, то белорусский и литовский национализмы будут в значи-
тельной степени друг друга нейтрализовывать…»22 Это решение было проведено в жизнь
в феврале 1919 г. – как раз накануне наступления Войска польского, которое сокрушило
все эти «буферные» комбинации. 19 апреля поляки взяли Вильнюс, 8 августа – Минск. Во
время польско-советской войны в ходе советского наступления 31 июля 1920 г. Белорусская
советская социалистическая республика была провозглашена снова, но уже без союза с Лит-
вой – военно-политическая ситуация в регионе изменилась. И это решение, на тот момент

21 Короткова Д. «Из всей этой пантомимы ничего путного не получится…» Литбел и его окрестности //
Родина. 2012. № 3. С. 101–102.
22 Там же. С. 103.

371
Александр Шубин

продиктованное политическими мотивами, положило начало процессу, который привел к


формированию в недрах СССР реальной государственности, выделившейся в 1991 г. в не-
зависимое государство республика Беларусь.
Создание Литбела мотивировалось и необходимостью совместной борьбы с литовской и
польской контрреволюцией. Официальный советский взгляд на этот вопрос был предельно
прост: буржуазия и помещики просто используют национальную карту для защиты своих
имущественных интересов. Режим в Каунасе – это один из очагов контрреволюции, запо-
ведник буржуазии и помещиков, прикрытый национальным флагом. Однобокость такого
взгляда быстро была подтверждена историей – Советская Россия стала оказывать поддерж-
ку Каунасу в его борьбе против польской оккупации Вильнюса в 1920 г. Национальные
противоречия между Литвой и Польшей раскололи в этом регионе «буржуазный» фронт.
После заключения советско-литовского мирного соглашения 12 июля 1920 г. Литва стала
наиболее дружественным СССР государством региона. Это обстоятельство определялось
как отсутствием общей границы (что не спасло Литву от поглощения СССР в дальнейшем),
так и поддержкой претензий Литвы на Вильнюс со стороны СССР, реализовавшейся на
практике накануне этого поглощения.

Возможны варианты
Брестский мир облегчил процесс распада Российского государства. Под контролем Герма-
нии оказались Финляндия, Эстония, Латвия (как раньше Литва и российская часть Поль-
ши). Оккупирована была Украина и часть Белоруссии, а также ряд южных регионов России.
Османская империя, благодаря попыткам закавказских политиков вести самостоятельную
внешнюю политику, перешла границы, согласованные в Бресте и вторглась на Кавказ, от
чего сильнее всего пострадали армяне.
Но как только блок Центральных держав проиграл войну, советский проект вернулся поч-
ти на всю территорию, потерянную в Бресте. И уже в 1918–1921 гг. народам приходилось
выбирать между национал-коммунизмом и антисоветскими национальными проектами.
Большевизм постепенно усвоил уроки национального сопротивления и был готов идти на
широкие уступки национальной самостоятельности и культуре при одном важнейшем ус-
ловии – власть в национальных регионах должна быть выстроена по советскому образцу и
принадлежать местной коммунистической партии, которая подчиняется Москве и общей
стратегии социальных преобразований. Эта модель возобладала на всей территории бывшей
Российской империи, кроме ее западной части, на возвращение которой в 1919–1921 гг. не
хватило военных сил. Свою роль в такой исходе сыграли как чисто военные обстоятельства,
так и мобилизационный потенциал национальной идеи в Польше и странах Балтии. Но не
на Украине и на Кавказе.
Ленина волновали возможности глобального расширения коммунистической системы, он
готов был идти на уступки национальным группировкам номенклатуры. Это усиливало
«сцепку» режима с этно-культурной и местной социально-экономической почвой, но в
долгосрочной перспективе подрывало целостность коммунистической системы.

372
Социальное и национальное в Великой российской революции

В странах Балтии стартовые позиции нациестроительства были сильны, и борьба шла по


поводу социального устройства будущих национальных государств. Формирование неза-
висимых государств Балтии демонстрирует очевидный приоритет национальных задач, но
проекты Советской Литвы, Литбела и Советской Латвии предусматривали решение нацио-
нальных задач в рамках социального проекта (третий вариант): борьба за Вильнюс, против
польского и немецкого «засилья», имевшего социальную подоплеку.
Впрочем, и борьба за национальную независимость имела социальную подоплеку. А. Сме-
тона, К. Ульманис и К. Пятс боролись за то, чтобы жить в независимых государствах. Но они
не могли не понимать, что эти государства в силу их относительной слабости не смогут быть
полностью независимыми, что они должны будут опираться на поддержку более сильных
держав (сначала речь шла о Германии, затем об Антанте), и находиться в экономической за-
висимости от развитых капиталистических государств. Они сражались за то, чтобы страны
Балтии остались в западной системе политических и социально-экономических отношений.
Они боролись не за любую государственность, а только за государственность, защищаю-
щую частную собственность. В этом отношении их стремление к развитию национальной
культуры также или почти также соотносилось с социальными задачами, как и аналогичное
стремление В. Мицкявичюса-Капсукаса, П. Стучки и Я. Анвельта. Революционеры, дей-
ствовавшие в «дочерних» советских республиках, созданных либо ради «буфера», либо
ради экспансии коммунистического проекта на национальной территории, могли искренне
стремиться к созданию полноценной национальной части советской федерации, которая
будет решать как социальные, так и национально-культурные задачи.
В Латвии социальный проект большевиков попал на благоприятную почву латвийско-не-
мецких противоречий, носивших в значительной степени и социальный характер. Учиты-
вая «грешный альянс», это давало преимущества красным латышам в борьбе с белыми. Но
благодаря тому же «грешному альянсу» соотношение военных сил оказалось не в пользу
Советской Латвии, а модель военного коммунизма разочаровывала. Лидеры Латвийской
республики вовремя сменили фронт, отказавшись от «грешного альянса». В результате
возникли предпосылки консолидации латышей на антигерманской и антисоветской основе
одновременно, что и привело к успеху Латвийской республики во второй половине 1919 г.
Если в начале 1919 г. ход борьбы за Латвию определялся столкновением социальных проек-
тов, то во второй половине года значение этого фактора ослабло, и национальная консоли-
дация возобладала.
Казалось бы, прибалтийские и закавказские сюжеты подводят нас к выводу: даже радикаль-
но-социальные проекты 1917–1922 гг. в своем «базисе» имеют национальную почву, реше-
ние национальных задач. Однако уже эти примеры показывают, что социальные процессы
могут оказаться гораздо сильнее национальной повестки дня, а национальные формы ис-
пользоваться для продвижения социального проекта.
Возможны разные варианты соотношения национального и социального факторов:

373
Александр Шубин

5. Открытое доминирование национальных задач, решение которых обеспечивает и


сохранение позиций имущественной элиты (в большей степени это характеризует
ситуацию в Польше, но характерно для «белых» прибалтийских республик);
6. Открытое доминирование социальных задач (российский большевизм, готовый
идти на уступки национальному строительству именно из равнодушия к тому, как
будет устроено будущее национальное деление единого в социальном отношении
организма «Коммуны»);
7. Использование социального проекта для решения национальных задач (Баку 1918 г.,
советские Латвия и Литва, а также, например, Венгрия 1919 г.), что предопределяет
неустойчивость коммунистического режима, принявшегося с энтузиазмом за прове-
дение социальных преобразований;
8. Использование национального проекта для решения международных революцион-
ных «классовых» задач («буферные республики»), что может при благоприятных
условиях привести к ускорению нациестроительства в рамках советского простран-
ства (Белоруссия).
В этой системе координат Украина оказывается страной, в которой национальный и соци-
альный факторы играют одинаково важную роль, при том, что вперед выдвигается то один,
то другой. Это характерно также для Финляндии 1917–1918 гг. Грузия и Армения, тяготея к
первому варианту, использовали элемент третьего.
Туркестан, отстававший в «гонке» модернизации, пережил и создание Туркестанской авто-
номии с центром в Коканде, ликвидированной советскими отрядами, и гражданскую войну
европейского населения, игнорирование мнения «туземного населения», которое обер-
нулось подъемом вооруженного сопротивления советскому проекту басмачей – традицио-
налистов и пантюркистов. Нациостроительные проекты еще только вызревали на этно-со-
циальной почве Туркестана, и победившие военным путем в борьбе за города большевики
предпочли возглавить процесс и показать Востоку образец решения национально-коло-
ниального вопроса. Национально-территориальное размежевание 1924–1925 гг. при всей
своей искусственности создало границы современных национальных государств Средней
Азии (эти события тяготеют к четвертому из перечисленных вариантов).
Соотношение детерминирующего фактора и детерминируемой формы в каждом конкрет-
ном случае тоже зависит от трех основных факторов:
4. Собственно этнокультурные особенности;
5. Стадия развития, на которой народ застал 1917 год;
6. Макрополитические факторы – воздействие других, более сильных государств. В
обстановке 1917–1920 гг. национальные «окраины» Петрограда превратились в
периферию сразу трех центров – Москвы, Берлина и Парижа (где собрались лидеры
победителей в мировой войне). Эта интерференция периферий создавала дополни-
тельные возможности для маневра национальных лидеров.

374
Социальное и национальное в Великой российской революции

Впрочем, как и в остальных случаях, внешние формы и «подкладка» могу т иметь самостоя-
тельную инерцию. Так, например, революционеры, действовавшие в «дочерних» советских
республиках, созданных либо ради «буфера», либо ради закрепления коммунистического
проекта на национальной территории, могли искренне стремиться к созданию полноцен-
ной национальной части советской федерации, которая будет решать национально-куль-
турные задачи ничуть не хуже, чем социальные. Если для Ленина национальное было вто-
ричным, и он был не против развития национальной культуры постольку, поскольку это не
мешает реализации социального проекта, то для «национал-коммунистов» задачи развития
национальной культуры были приоритетны. Даже те, у кого большевистский проект прежде
вызывал у них сомнения, пошли по пути советского национального строительства (это ка-
сается, например, украинских эсеров и меньшевиков, которые в ходе гражданской войны
вошли в партию большевиков и стали активными проводниками политики украинизации).
Попытка своеобразного разделения сфер деятельности и интересов между большевиками
Центра и национал-коммунистами вылилась в практику «коренизации», понимавшуюся
ими по-разному либо как средство умиротворения крестьянства и интеллигенции нацио-
нальных регионов, либо как реальное форсирование создание современной нации в рам-
ках советской федерации. Казалось, что трудности управления, например, украинским
крестьянством со стороны русскоязычных кадров, столь трагически проявившиеся весной
1919 г., будут сняты, если обучить кадры украинскому языку. Но с началом Первой пятилет-
ки выяснилось, что коренизация зримо препятствует индустриальной модернизации, дви-
жению рабочей силы в масштабах государства. Единая фабрика СССР не могла эффективно
действовать, если бы состояла из «национальных цехов», работники которых говорят на
разных языках и плохо понимают друг друга. Доминирование русского языка на производ-
стве становилось основой советского «плавильного котла», который покончил с «корени-
зацией» и привел социальную повестку к победе над национальной.
Но, бросая взгляд вперед, мы видим, что после смены эпохи, когда задачи индустриально-
го перехода были выполнены, и на повестку дня во второй половине ХХ века встал вопрос
качества жизни, потребности в культурном разнообразии, снова все более актуальной ста-
новилась национальная проблематика. Это предопределило ослабление общности «совет-
ский народ» и национальное возрождение, которое регенерировало всю ту же «матрицу»
особенностей реагирования народов на исторические вызовы. Для одних национальное
возрождение стало поводом перейти из советского пространства в западноевропейское,
манившее иной политической культурой и экономическим просперити. Сегодня мы видим,
что зависимость государств Балтии, Венгрии и Польши от европейских институтов весьма
высока, и необходимость делиться суверенитетом превращается в проблему национального
сознания. Для других стран распад советского пространства стал началом возвращения к
неизжитому прошлому этноконфликтов с соседями.
Чтобы ни говорилось о стремлении к развитию западных институтов в Закавказье, этот во-
прос еще долго будет вторичным для населения этих стран в сравнении с остротой межэт-
нической борьбой за территории.

375
Александр Шубин

Не исчез дуализм политической культуры Украины, во многом унаследованный от тех вре-


мен, когда восток и юг стали частью Советской Украины, чтобы у нее имелась своя надежная
территория в борьбе с несоветской Украиной. Запад и Восток Украины продолжили свой
спор о языке, о ценностях культуры и индустриального прогресса, связи с Западом и Рос-
сией. Национализм по-прежнему служит средством сдерживания социальных перемен –
вплоть до подмены социальной революции национальным «революционным» антуражем.
Мы видим и тяготение Беларуси к единству с Россией, которое воскрешает в памяти как те
колебания, которые сопровождали создание «буферной» Белоруссии 1919 г., так и осто-
рожность пути БССР к независимости в 1991 г. Но при этом руководство Беларуси не на-
мерено поступаться обретенным статусом.
Социальные проекты сегодня слишком слабы и далеки от социальных нужд людей, чтобы
доминировать над национальным «базисом». Но может статься, что так будет не всегда.

376
ВАСИЛИЙ ХРИСТОФОРОВ

Угрозы безопасности России накануне и в период революции


1917 года

Изучение проблем безопасности в различные исторические периоды приобретает особую


актуальность в современных условиях, когда растет количество внешних и внутренних
угроз, наблюдается рост протестного движения, дальнейшего расслоения населения, а так-
же активность международных террористических организаций. От способности россий-
ского государственного аппарата и сил обеспечения безопасности выявлять и нейтрализо-
вывать внешние и внутренние угрозы, понимать, учитывать и реагировать на настроения
населения, в том числе в условиях политического и социально-экономического кризиса,
зависит безопасность личности, общества и самого государства.
В течение 1917 г. в России функционировали три различных государственных строя и по-
литических режима (самодержавие, буржуазно-демократическая республика, советская ре-
спублика). Принципиально изменялся аппарат управления, правосудия. Происходила сме-
на политических элит и управленческих кадров (государственных служащих). Изменялись
государственная идеология и система обеспечения безопасности государства, создавались
ее новые или модернизировались прежние структуры.
В советской историографии утвердилось мнение о том, что при самодержавии в России
сложился могучий бюрократический аппарат с жандармерией, полицией и армией, в управ-
лении государством всесильной властью обладали канцелярии1. При этом деятельность
сил обеспечения безопасности российского государства в период самодержавия и буржуаз-
но-демократической республики рассматривалась в негативном свете.
Ситуация изменилась в 1990-х гг., когда были открыты архивы, появилась возможность объ-
ективно изучать деятельность структур, обеспечивавших безопасность государства. В оте-
чественной историографии появились работы, посвященные проблемам обеспечения безо-
пасности Российской империи в период Первой мировой войны 1914–1918 гг., выявлению
и локализации внешних угроз, исходивших от разведок иностранных государств2.

1 Ерошкин Н.П. Российское самодержавие. М., 2006. С. 325.


2 Батюшин Н.С. Тайная военная разведка и борьба с ней. М., 2002; Егизаров А .Г. Организационно-правовые
основы деятельности органов военной контрразведки Российской империи и ее особенности на Кубани
[дис. канд. юр. наук]. Краснодар, 2010; Зданович А .А. Отечественная контрразведка (1914–1920):
Организационное строительство. М., 2004; Кирмель Н.С. Организация русской контрразведки и ее борьба
с японским и германским шпионажем в Сибири (1906–1917 гг.) [дис. канд. ист. наук]. Иркутск, 2000;
Максимов Д.В. Становление и развитие органов контрразведки в российской провинции: начало XX в. –
1941 г. (на примере Курского региона) [дис. канд. ист. наук]. Курск, 2006; Перегудова З.И. Политический
сыск России: 1880–1917 гг. М., 2000; Уфимское губернское жандармское управление 1873–1917 гг.: До-
кументы и материалы / Т.В. Исмагилов и др. (сост.). Уфа, 2012; Шамаев В.Г. На страже государственной
безопасности: Из истории Воронежского губернского жандармского управления. Воронеж, 2005, и др.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 377–392


[Link] 377
Василий Христофоров

Всесторонний взвешенный и критический подход к оценке действий государственной вла-


сти по локализации угроз безопасности России в период кризисной обстановки позволит
извлечь уроки и использовать опыт деятельности государственного аппарата, в том числе
и негативный. Введение в научный оборот архивных документов Департамента полиции
МВД, Петроградского охранного отделения, Министерства юстиции позволяет дать оцен-
ку эффективности деятельности властей, в том числе сил обеспечения безопасности рос-
сийского государства в период российской революции 1917 г.3
В условиях самодержавия обеспечением государственной безопасности (защищенности от
внешних и внутренних угроз) в пределах компетенции занимались русская армия4 и флот,
Департамент полиции, Отдельный корпус жандармов, губернские жандармские управле-
ния, жандармско-полицейские управления железных дорог, охранные отделения, контрраз-
ведывательные отделения5.
Обеспечение безопасности – это, прежде всего, комплекс политических, экономических,
социальных, военных и правовых мероприятий, направленных на обеспечение нормальной
жизнедеятельности государства, устранение возможных угроз. Обеспечение безопасности
включает в себя защиту государственного и общественного строя, обеспечение территори-
альной целостности и суверенитета, охрану общественного порядка и борьбу с преступно-
стью.
В начале 1917 г. внешней угрозой безопасности России, исходившей от блока Центральных
держав во главе с Германией, была возможность утраты национального суверенитета и тер-
риториальной целостности. Внутренними угрозами – политический и социально-экономи-
ческий кризис, активизация деятельности оппозиционных сил, рост негативного настрое-
ния в обществе, проявления сепаратизма в российских регионах.
Безопасность России зависела от способности русской армии противостоять иностран-
ным армиям (Германии, Австро-Венгрии, Турции), обеспечить территориальную целост-
ность, национальную независимость и суверенитет государства, создать военные гарантии
стабильности общественного и государственного строя, поддерживать гражданский мир в
стране, пресечь противоправные действия экстремистских организаций.
В ходе Первой мировой войны Германия умело использовала в своих интересах внутренние
угрозы российского государства, проводя «политику революционизирования»: поддержи-
вая российские радикальные и сепаратистские движения. В процессе «политики революци-
онизирования» Германия решала две основные задачи: освободить немецкие вооруженные
силы на Востоке и оттеснить Россию как можно дальше от своих границ6.

3 Государственный архив Российской Федерации (далее: ГА РФ). Ф. 102. Оп. 316. 1916; Оп. 213–214. 1917;
Оп. 316. 1917.
4 Русская армия – сухопутные войска Российского государства, существовавшие с момента его
возникновения до весны 1918 г.
5 Более подробно о структуре, основных направлениях деятельности Департамента полиции, жандармских
управлений и охранных отделений см.: Перегудова З.И. Политический сыск России.
6 Новикова И.Н. «Финская карта» в немецком пасьянсе: Германия и проблемы независимости Финляндии в
годы Первой мировой войны. СПб., 2002. С. 55–56.

378
Угрозы безопасности России накануне и в период революции 1917 года

По мнению немецких экспертов, необходимо было использовать внутренние угрозы Рос-


сии: «поляков, финнов, украинцев и мусульман, а также русские революционные круги»,
организовать в Великом княжестве Финляндском и Царстве Польском волнения и бес-
порядки, поддерживать революционеров в России, которые «только и ждали мгновенья,
чтобы поднять восстание, которое уничтожит Россию изнутри». Германия стремилась к
воссозданию Польши, отторжению от России северо-западных провинций (Прибалтики и
Финляндии) и Украины.
Как показали последующие события, именно эти угрозы способствовали распаду Россий-
ской империи (Польша, Финляндия, Прибалтийские провинции вышли из состава россий-
ского государства).
Туркестанское восстание в 1916 г.7 показало, что в регионах компактного проживания уси-
лия для дестабилизации обстановки прилагали и Турция, и Германия. Об этом свидетель-
ствовала активная антиправительственная деятельность национально-религиозных элит в
1917 г.8
В обращениях, распространявшихся в регионах компактного проживания российских му-
сульман (Туркестан, Северный Кавказ, Крым, Волго-Уральский регион), немецкий кайзер
прямо именовался «покровителем ислама», противостоящим «врагам ислама» – странам
Антанты9.
Российские оппозиционные силы, представлявшие собой самые разные слои общества (бур-
жуазия, либеральная общественность, «Прогрессивный блок» в Государственной думе), в
начале 1917 г. не думали о революции, а хотели лишь смены непопулярного правительства.
Выступивший от имени «Прогрессивного блока» С.И. Шидловский заявил, что правитель-
ство в настоящем составе не способно справиться с революцией и должно уступить место
лицам, готовым опираться на большинство Государственной думы и проводить в жизнь ее
программу. 1 ноября 1916 г. на заседании Государственной думы в выступлении одного из
лидеров «Прогрессивного блока» кадета П.Н. Милюкова в осторожной форме звучали
слова о предательстве при императорском дворе. Милюков, намекая на императрицу и ее
окружение, говорил о неумелой и продажной политике правительства. Впоследствии Ми-
люков заявил, что 1 ноября 1916 г. и стало «началом русской революции».
Признаки нарастания социального конфликта для Петроградского охранного отделения
были заметны уже в декабре 1916 г., когда существенно увеличилось количество забастовок.
Если в ноябре невыход на работу из-за участия в стачках составлял более 25 тыс. рабочих
дней, то в декабре – около 230 тыс. 9 января 1917 г. под руководством большевиков прошла

7 См.: Туркестанское восстание 1916 г.: Факты и интерпретации: Мат. межд. науч. конф. / Ю.А. Петров (отв.
ред.). М., 2016.
8 Подробнее см.: Сенюткина О.Н. Тюркизм как историческое явление (на материалах истории Российской
империи 1905–1916 г.). Н. Новгород, 2007.
9 Методы и формы немецкой и турецкой агитации и пропаганды в отношении российских мусульман
накануне революции обстоятельно изложены в работах: Гилязов И.А ., Гатауллина Л .Р. Российские солдаты-
мусульмане в германском плену в годы Первой мировой войны. Казань, 2014; Гусева Ю.Н. Российский
мусульманин в XX веке. Самара, 2013. С. 195–210.

379
Василий Христофоров

демонстрация, приуроченная к годовщине Кровавого воскресенья (9 января 1905 г.), в ко-


торой участвовали более 130 тыс. человек.
В январе 1917 г. премьер-министр Н.Д. Голицын, министр иностранных дел Н.Н. Покров-
ский, Иркутский генерал-губернатор А.И. Пильц, брат императора Михаил Александрович,
председатель Государственной думы М.В. Родзянко предупреждали Николая II об общей
тревоге в обществе, говорили о необходимости пойти на уступки гражданам, сменить не-
популярного министра внутренних дел А.Д. Протопопова.
В то же время Протопопов информировал Николая II о том, что в Петрограде все благопо-
лучно и спокойно. Император доверял министру внутренних дел, надеялся на успех насту-
пления весной 1917 г. на фронте и на то, что общественность успокоится.
В январе – начале февраля 1917 г. начальник Петроградского охранного отделения генерал
К.И. Глобачев информировал Протопопова и дворцового коменданта В.Н. Воейкова о тре-
воге в настроениях населения столицы, ожиданиях исключительных событий, начиная от
революционных выступлений до «дворцового переворота». Глобачев регулярно сообщал
о забастовках, которые шли на предприятиях Петрограда, настроениях населения столицы,
ожиданиях революционных выступлений, о том, что обстановка в начале 1917 г. напомина-
ла обстановку, предшествовавшую революции 1905 г.
По данным охранного отделения, либеральные партии допускали возможность уступок
со стороны правительственной власти в связи с наступлением революционных событий, а
также передачу власти в руки Прогрессивного блока, после чего «на Руси все образуется».
Левые партии считали, что власть не пойдет на уступки, поэтому наступит стихийная ре-
волюция, которая создаст условия для «превращения России в свободное от царизма госу-
дарство, государство, построенное на социальных началах». Глобачев отмечал, что населе-
ние недовольно ростом цен на продукты и предметы первой необходимости. Он сообщал
об активности левых газет и журналов, росте симпатии широких масс к Государственной
думе, разговорах о существовавшей офицерской организации, которая решила убить ряд
лиц, мешавших обновлению страны. Глобачев говорил, что на улицах, в трамваях, театрах,
магазинах население критикует в недопустимом по резкости тоне все правительственные
мероприятия, а также деятельность императора. Указывая на антиправительственную ра-
боту лидеров оппозиционного движения В.М. Пуришкевича, А.И. Гучкова, А.И. Конова-
лова, князя Г.Е. Львова, он писал, что политическое положение в обществе с каждым днем
становилось все напряженнее. Либеральная оппозиция искала поддержки у рабочих, среди
которых активно действовала Рабочая группа при Военно-промышленном комитете. Соз-
дав широкое рабочее движение около Государственной думы, Гучков надеялся осуществить
дворцовый переворот.
Однако ни император, ни правительство не обращали внимания на рост протестного дви-
жения, полиция разогнала демонстрации, а требования рабочих не учитывались, меры по
улучшению экономического положения населения не принимались.
14 февраля в день открытия заседаний Государственной думы в Петрограде на 58 предпри-
ятиях бастовали около 90 тыс. человек. К Таврическому дворцу, где проводились заседания,

380
Угрозы безопасности России накануне и в период революции 1917 года

пришли всего несколько сотен рабочих, это было воспринято понижение уровня протест-
ного настроения.
20–21 февраля Николай II принял Голицына, Покровского, военного министра М.А. Беля-
ева, председателя Госсовета И.Г. Щегловитова и предупредил их об отъезде, а также Прото-
попова, который уверял императора в полном спокойствии в столице. 22 февраля в 14 часов
император убыл в Могилев – в Ставку Верховного главнокомандующего Русской армии.
23 февраля в Петрограде прошли манифестации работниц, приуроченные к Международ-
ному женскому дню. У митингующих в руках были лозунги: «Долой войну» и «Давайте
хлеба». В забастовке и манифестации участвовали около 87 тыс. человек. В министерстве
внутренних дел полагали, что причиной демонстраций был недостаток хлеба. На антивоен-
ные лозунги «Долой войну» никто не обратил внимания. 24 февраля в забастовке участво-
вало уже около 170 тыс. рабочих, большевики объявили ее политической, их поддержали
меньшевики и эсеры. Появились лозунги: «Долой царское правительство», «Долой вой-
ну».
Правительство не располагало информацией о масштабах беспорядков, Протопопов и ко-
мандующий Петроградским военным округом генерал С.С. Хабалов считали, что демон-
страции вызванные недостатком хлеба в столице, не заслуживали внимания, т.к. в столице
муки было достаточно.
25 февраля в забастовке участвовали около 240 тыс. человек, появились листовки с призы-
вом к всеобщей забастовке, борьбе под красными знаменами революции против монархии,
установлении восьмичасового рабочего дня, предоставлении земли народу, прекращению
войны.
Николай II, находившийся в Ставке в Могилеве 23 и 24 февраля, не располагал достоверной
информацией о событиях в Петрограде, не представлял масштабов демонстраций, их поли-
тической направленности. Лишь вечером 25 февраля, получив телеграммы генералов Беля-
ева и Хабалова, а также Протопопова, император и Ставка стали понимать, что обстановка
в Петрограде развивается в критическом направлении. Николай II дал указание генералу
Хабалову 26 февраля навести порядок в столице.
Целесообразность и масштабы применения военной силы против демонстрантов всегда вы-
зывают острую дискуссию в обществе. Операции по наведению порядков не могут прово-
диться по шаблону и должны поручаться специалистам, владеющим навыками управления в
кризисных ситуациях, знакомым с психологией толпы.
Применение оружия против мирных граждан в Петрограде вызвало рост протестного дви-
жения. 27 и 28 февраля на сторону демонстрантов стали переходить воинские подразделе-
ния и части: вначале учебная команда запасного батальона Волынского полка, затем воен-
нослужащие Преображенского полка и других частей Петроградского гарнизона.
Государственный аппарат в кризисной ситуации оказался не способным принимать меры
по наведению порядка. Правительство и МВД практически бездействовали, надеясь лишь
на применение войск. Голицын просил Николая II назначить для командования войсками

381
Василий Христофоров

популярного генерала, сообщал, что Совет министров не может справиться с беспорядка-


ми, просил назначить премьером лицо, пользующееся доверием общества, которому пору-
чить сформировать новое правительство.
Ставка Верховного главнокомандующего, располагавшая в феврале 1917 г. силами русской
армии около 10 млн человек (14 армий объединенных в 5 фронтов), несколько дней прак-
тически бездействовала. Меры начали принимать только вечером 27 февраля, когда от Ха-
балова, Беляева, М.В. Родзянко поступили телеграммы о масштабных беспорядках и кри-
тическом положении в Петрограде, бунте в запасных батальонах, невозможности подавить
военный мятеж.
Для наведения порядка командующим Петроградским военным округом был назначен ге-
нерал Н.И. Иванов10, который 28 февраля с Георгиевским батальоном убыл в Царское Село.
В его распоряжение планировалось передать сводный отряд в составе двух бригад пехоты,
двух бригад кавалерии, двух пулеметных команд от Северного и Западного фронтов. Одна-
ко неумело организованные действия генерала Иванова вскоре были отменены.
Николай II, несмотря на рекомендации генерала Алексеева не покидать Ставку, решил вые-
хать в Царское Село. По мнению Алексеева, необходимо было собрать сводный отряд боль-
шой численности, чтобы наступать на бунтующий Петроград. Однако Николай II беспоко-
ился за судьбу семьи и рано утром 28 февраля уехал в Царское Село.
Так за неделю император совершил две трагические ошибки. Во-первых, 22 февраля уехал
из Петрограда в Ставку, оставив столицу в сложный период без авторитетного руководи-
теля, который смог бы объективно оценить обстановку и принять решение в критической
ситуации. Во-вторых, 28 февраля император выехал из Могилева в Царское Село, когда ему
было целесообразным оставаться в Ставке.
26 февраля Родзянко начал втягивать генералов русской армии в политическую борьбу,
направив телеграмму в Ставку и главнокомандующим фронтами, в которой отмечал об
угрожающем характере волнений, необходимости формирования ответственного мини-
стерства11. 28 февраля Родзянко в телеграмме генералу Алексееву и главнокомандующим
фронтами сообщил об образовании Временного комитета Государственной думы и перехо-
де к нему всей власти. Он призвал армию и флот сохранять спокойствие, заверив, что борьба
против внешнего врага будет продолжена.
Примерно в это же время был образован Совет рабочих и солдатских депутатов. Испол-
ком Совета назначил комиссаров во все городские районы, приказал формировать Красную
гвардию и штаб по обороне Таврического дворца.

10 Иванов Николай Иудович (1851–1919), русский военный деятель, генерал от артиллерии (с 13 апр.
1908). Прикомандирован к Ставке Верховного главнокомандующего (17 марта 1916 – 28 фев. 1917),
главнокомандующий войсками Петроградского военного округа (28 фев. – 2 марта 1917).
11 Ответственное министерство – выражение, использовавшееся в российской политической жизни в 1916–
1917, предусматривавшее подотчетность правительства перед Государственной думой.

382
Угрозы безопасности России накануне и в период революции 1917 года

Императорский поезд, направлявшийся в Царское Село, был вынужден повернуть в Псков,


т.к. железнодорожные пути и станции были заняты восставшими войсками. Вечером 1 мар-
та император прибыл в Псков, где находился штаб Северного фронта. Главнокомандующий
Северным фронтом генерал Н.В. Рузский проинформировал Николая II о положении в сто-
лице и деликатно настаивал на необходимости образования правительства ответственного
перед Госдумой. Николай II подписал манифест о создании ответственного министерства.
Однако это решение императора было запоздалым.
В ночь на 2 марта в беседе по прямому проводу Родзянко убеждал генерала Рузского скло-
нить Николая II к отречению. Генерал Алексеев, получив соответствующую информацию
от Рузского, направил телеграммы главнокомандующим фронтов, запросив их мнение по
вопросу отречения царя. Главнокомандующие фронтами, а также великий князь Николай
Николаевич рекомендовали Николаю II отречься от престола.
Вечером 2 марта в Псков приехали А.И. Гучков и В.В. Шульгин, которые проинформиро-
вали императора об обстановке в Петрограде и рекомендовали ему отречься от престола.
Николай II ответил, что уже принял решение об отречении и за себя, и за сына в пользу бра-
та – великого князя Михаила Александровича, который 3 марта также отрекся от престола.
2 марта Временный комитет Государственной думы и Исполком Петроградского Совета ра-
бочих и солдатских депутатов образовали Временное правительство во главе с князем Г.Е.
Львовым.
Крушение векового монархического строя не вызвало в армии, воспитанной в его традици-
ях, не только борьбы, но даже и отдельных вспышек. Сдерживающим началом для выступле-
ния армии в поддержку императора послужили два обстоятельства: первое – видимая ле-
гальность обоих актов отречения, причем великий князь Михаил Александрович призывал
подчиниться Временному правительству; второе – боязнь междоусобной войной открыть
фронт. Армия в феврале 1917 г. была послушна своим вождям, а они – генерал Алексеев, все
главнокомандующие фронтами – признали новую власть12.
В 1917 г. второй формой государственного устройства в России стала буржуазно-демокра-
тическая республика (2 марта – 25 октября 1917 г.), сохранявшая звенья государственного
аппарата самодержавия вплоть до Октябрьской революции13.
В марте 1917 г. произошло событие, которое радикально изменило весь ход отечественной
истории, перевернуло социальный, экономический и политический порядок вещей в стра-
не. Крушение монархии во всех отношениях стала переломной вехой в судьбе страны и на-
рода. По мнению ряда историков, произошла не просто смена власти, а гибель огромной
культурно-цивилизационной системы14.
Временному правительству не удалось локализовать внешние угрозы безопасности России,
более того, усилились внутренние проблемы (разложение государственного управления,

12 Деникин А .И. Путь русского офицера. М., 2002. С. 143–144.


13 Коржихина Т.П. Советское государство и его учреждения: Ноябрь 1917 г. – декабрь 1991 г. М., 1994. С. 3.
14 История России. В 2 т. Т. 2: С начала XIX века до начала XXI века / А .Н. Сахаров (ред.). М., 2006. С. 438.

383
Василий Христофоров

стремление к национальной автономии ряда российских регионов, борьба за влияние и


власть Советов; падение боеспособности армии; попытки установления военной дикта-
туры, катастрофическое ухудшение материального положения населения, нехватка продо-
вольствия, рост цен в десятки раз, рост преступности в городах).
Революционные настроения, проникшие в армейские части и соединения, а также издание
Петроградским Советом рабочих и солдатских депутатов Приказа № 1 по Петроградскому
гарнизону о демократизации в армии оказали пагубное влияние на боеспособность армии.
Приказ привел к фактическому переходу власти к выборным солдатским комитетам, к вы-
борному началу и смене солдатами начальников. Начались самосуды над офицерами, росло
дезертирство, падала дисциплина, армия была деморализована, утратила боеспособность
и находилась на грани развала. Приказ № 1 дал первый и главный толчок к развалу армии15.
Временное правительство фактически разгромило Департамент полиции, Отдельный кор-
пус жандармов, жандармские управления и охранные отделения, ослабило контрразведыва-
тельные отделения. Чрезвычайная следственная комиссия начала расследование противоза-
конных действий бывших министров, сотрудников правоохранительных органов.
При министерстве юстиции были созданы Особая комиссия, которая занималась состав-
лением точных списков лиц, задержанных в конце февраля – начале марта, выяснением
оснований и причин их задержания, а также Комиссия для разрешения вопроса о месте и
способе хранения материалов и документов Охранных отделений. Для разбора архивов и
материалов переписки упраздненного Отдельного корпуса жандармов и губернских жан-
дармских управлений, охранных отделений и розыскных пунктов в российских губерниях
были образованы особые комиссии в составе председателя окружного суда, одного или двух
членов суда и прокурора (товарища прокурора). При этом предписывалось все материалы
политического и уголовного характера передать прокурорам окружных судов, а материалы,
касающиеся «неприятельского шпионажа» – в штабы военных округов16.
Обеспечением общественной безопасности и охраной правопорядка с марта 1917 г. стали
заниматься Временное управление по делам общественной полиции и обеспечению личной
и имущественной безопасности граждан (позднее – Главное управление по делам милиции
и по обеспечению личной и имущественной безопасности граждан), Министерство юсти-
ции, Народная милиция.
При Министерстве юстиции была создана Чрезвычайная следственная комиссия для рас-
следования противозаконных действий бывших министров, главноуправляющих и других
высших должностных лиц.
А.Ф. Керенский, находясь на посту министра юстиции, направил предписание прокурорам
судебных палат и окружных судов с требованием немедленно освободить всех осужденных
по политическим и религиозным преступлениям, а также распоряжение о немедленном и

15 Деникин А .И. Очерки русской смуты. В 3 т. Т. 1: Крушение власти и армии: Февраль – сентябрь 1917 г. М.,
2003.
16 ГА РФ. Ф. 124. Оп. 83. Д. 284, 285.

384
Угрозы безопасности России накануне и в период революции 1917 года

полном освобождении депутатов Государственной думы от социал-демократической фрак-


ции, тем самым завоевав популярность в обществе. По распоряжению министра юстиции 3
марта 1917 г. была начата реформа мирового суда: единоличные мировые судьи заменялись
временными судами в составе мирового судьи, представителя армии и представителя рабо-
чих (судья и два заседателя).
Власть в стране находилась в состоянии кризиса, происходили постоянные смены состава
правительства, включая и министров внутренних дел, создание новых органов правопоряд-
ка застопорилось. Управление милицией было децентрализовано и передано местным Со-
ветам. Правоохранительные функции выполняли вооруженные подразделения при местных
Советах, которые и именовались милицией. Однако их деятельность сводилась лишь к охра-
не самих Советов. Борьба с преступностью была сведена к минимуму.
Падение российской монархии привело к расширению полномочий земского и городско-
го самоуправления, национальному самоопределению и провозглашению автономии на
Украине, созданию Центральной рады как независимого органа республиканской власти,
возглавившего движение украинского народа за самоопределение в форме автономии, с
перспективой создания самостоятельного государства. В июле 1917 г. была создана Бело-
русская рада, которая добивалась предоставления Белоруссии автономии в рамках буржу-
азной республики России.
Общественно-политические организации, представлявшие коренное мусульманское насе-
ление в Средней Азии, Башкирии, Крыму, на Северном Кавказе, активно боролись за созда-
ние национальных автономий.
О праве на автономное управление заявило казачество всех войск: Донского, Кубанского,
Оренбургского, Сибирского, Терского.
Потребовали полной независимости Польша и Финляндия, что создавало новые угрозы
безопасности России. Польша в этот период была оккупирована Германией, и Времен-
ное правительство признало право на ее государственное отделение. В разгар июльского
кризиса 1917 г. финский сейм провозгласил независимость Финляндии от России во вну-
тренних делах и ограничил компетенцию Временного правительства вопросами военной
и внешней политики. 12 (25) июля Сейм направил в адрес Временного правительства тре-
бование «признать неотъемлемые права Финляндии». Временное правительство отказало
Финляндии в самоопределении (до решения Учредительного собрания) и разогнало Сейм.
Для России Финляндия была нужна в качестве плацдарма и базы русского флота. Угрозы
безопасности России увеличивались в случае отделения Финляндии, т.к. граница воюющего
государства проходила в 30 верстах от столицы.
Партия большевиков – РСДРП(б) – в феврале 1917 г., выйдя из подполья, насчитывала в
своих рядах 24 тыс. членов. В начале апреля в Петроград из эмиграции вернулся В.И. Ленин.
Программы большевиков, ориентированные на ожидания народных масс, оказались при-
влекательными. Большевики обрели массовую поддержку и стремительно набирали поли-
тический вес, в июне 1917 г. в рядах их партии насчитывалось уже 240 тыс. членов.

385
Василий Христофоров

Позиция Временного правительства продолжать войну до победного конца привела к


апрельскому политическому кризису и осложнению отношений между Временным прави-
тельством и Петроградским советом рабочих и солдатских депутатов. 18 апреля 1917 г. Вре-
менное правительство направило союзным державам (Англии и Франции) ноту о целях вой-
ны, подписанную министром иностранных дел П.Н. Милюковым, в которой опровергались
слухи о том, что Россия намеревается заключить сепаратный мир. Нота заверяла союзни-
ков, что Россия стремится довести войну до решительной победы. Нота Милюкова явилась
полной неожиданностью для Петросовета и социалистических партий. По мнению членов
исполкома Петросовета, Временное правительство должно было публично отказаться от
империалистических планов по ведению войны и отправить в отставку Милюкова. Разрыв
между политикой правительства и настроениями петроградских масс, стремившихся к пре-
кращению войны, проявился впервые 20 и 21 апреля 1917 г., когда тысячи рабочих, солдат
и матросов со знаменами и транспарантами провели массовые антиправительственные де-
монстрации. У демонстрантов появились лозунги «Долой Милюкова!», «Долой политику
аннексий!» и «Долой Временное правительство!».
В разгар политического кризиса два министра, самым тесным образом связавших себя с
непопулярной внешней и военной политики Временного правительства: Милюков и Гуч-
ков – подали в отставку. Политический кризис завершился созданием в мае 1917 г. коалици-
онного правительства с участием эсеров и меньшевиков. А.Ф. Керенский занял должность
военного и морского министра.
Новое коалиционное правительство попыталось предотвратить развал русской армии, при-
няв меры по укреплению воинской дисциплины и повысив ответственность за уклонение
от военной службы17. Однако оно оказалось еще менее способным взяться за решение на-
циональных проблем, чем его предшественник. Провал наступления русской армии в июне
1917 г. стал одной из главных причин острейшего политического кризиса в России.
В июле 1917 г. резко изменились соотношение политических сил и вся картина революцион-
ной России. 3–5 июля в Петрограде большевики предприняли первую серьезную попытку
покончить с властью коалиционного правительства и передать власть Советам, организовав
массовые антиправительственные выступления вооруженных рабочих, солдат и кронштад-
тских моряков 18.
Временное правительство объявило июльские события результатом «заговора большеви-
ков с целью вооруженного захвата власти», ввело в Петроград войска с фронта, разоружило
рабочих и солдат Петроградского гарнизона, расформировало части, принимавшие участие
в демонстрации, провело аресты инициаторов выступления рабочих и солдат, начало пре-
следовать большевиков, выдвинув версию о причастности Ленина к шпионажу в пользу Гер-
мании. Доказательств шпионской деятельности Ленина не было предъявлено, тем не менее
7 июля вышел указ о его аресте. Ленин скрылся в Финляндии19.

17 Вестник Временного правительства. 6 мая 1917 г.


18 Рабинович А. Большевики приходят к власти: Революция 1917 года в Петрограде. М., 1989. С. 29–30.
19 История человечества. В 8 т. Т. 8: Россия / А .Н. Сахаров (ред.). М., 2003. С. 566.

386
Угрозы безопасности России накануне и в период революции 1917 года

9 июля ВЦИК Советов рабочих и солдатских депутатов и ЦИК крестьянских депутатов


объявили о признании неограниченных полномочий Временного правительства. Советы
временно утратили свое значение. Временному правительству удалось покончить с двоев-
ластием.
24 июля 1917 г. было сформировано второе коалиционное правительство во главе с Керен-
ским. Политическим кредо правительства оставался центризм с лозунгом борьбы на «два
фронта»: и против правых, и против левых, тем не менее соотношение сил изменилось в
пользу правых.
Русская армия, призванная обеспечивать безопасность России, летом 1917 г. сама превра-
тилась в источник внутренних угроз. Солдаты на волне демократизации армии и усталости
от боевых действий не хотели воевать. Российские генералы, считая, что Временное пра-
вительство не способно решать задачи управления государством, обеспечить внутреннюю
экономическую и политическую стабильность, и, вынашивая идею «сильной власти»,
предприняли неудачную попытку установления военной диктатуры.
19 июля 1917 г. Верховным главнокомандующим русской армией был назначен популяр-
ный среди офицеров генерал Л.Г. Корнилов. 3 августа Корниловым и начальником штаба
Верховного главнокомандующего генералом А.С. Лукомским была составлена докладная
записка, в который выдвигались требования по укреплению армии: введение на всей терри-
тории России военно-революционных судов с применением смертной казни, главным обра-
зом для наведения порядка в запасных батальонах, восстановление дисциплинарной власти
военных командиров, ограничение круга деятельности войсковых комитетов и комиссаров
и установление их ответственности, воспрещение митингов, противогосударственной про-
паганды и выезда на театр войны всяких делегаций и агитаторов.
Корниловские реформы были поддержаны управляющим военным министерством Б.В. Са-
винковым, а также одобрены на Государственном совещании в Москве 12–15 августа 1917 г.
Появившиеся сведения о том, что в конце августа в Петрограде должно было произойти
выступление большевиков, привели к тому, что Временное правительство дало согласие на
проведение требуемых Ставкой Верховного главнокомандующего реформ. Уверенный в
том, что его действия поддержит Керенский, и действуя в соответствии с предварительны-
ми договоренностями с Савинковым, Корнилов 25 августа 1917 г. отдал приказ 3-му кон-
ному корпусу под руководством генерала А.М. Крымова начать наступление с территории
Белоруссии на Петроград. Он намеревался восстановить в России «твердую власть» и пре-
дотвратить с помощью военной силы приход к власти большевиков и заодно покончить с
Советами20.
Корнилова поддержали генералы Лукомский, В.Н. Клембовский (командующий Северным
фронтом), А.И. Деникин (командующий Юго-Западным фронтом), а также находившийся
24–25 августа в Ставке в Могилеве – Савинков.

20 Деникин А .И. Путь русского офицера. С. 214.

387
Василий Христофоров

Однако Керенский отказался от предварительных договоренностей и на экстренном засе-


дании Временного правительства в ночь на 27 августа назвал военное выступление «мяте-
жом», заявил, что Корнилов стремится «установить государственный порядок, противоре-
чащий завоеваниям революции». Керенский потребовал передачи ему всей полноты власти
для борьбы с контрреволюцией, сместил Корнилова с поста Верховного главнокомандую-
щего и обратился за помощью к руководству ЦИК Советов и Исполкому Всероссийского
совета крестьянских депутатов.
28 августа Корнилов заявил, что принимает на себя всю полноту власти, обещая «спасти
Великую Россию» и «довести народ путем победы до созыва Учредительного собрания».
29 августа Корнилов распространил обращение, в котором заявил о заговоре правитель-
ства, большевиков и Германии и призвал не подчиняться распоряжениям правительства.
Положение было критическим, лидеры партии кадетов настаивали на соглашении с Корни-
ловым, на переговорах с Корниловым настаивали послы союзных держав. Генералы один за
другим отказывались от назначения на пост Главнокомандующего русской армии.
В конце августа – начале сентября были арестованы несколько генералов – лидеров мяте-
жа, в том числе и генерал Корнилов. Их отправили в Быховскую тюрьму недалеко от Мо-
гилева. 29 августа постановлением Временного правительства была создана Чрезвычайная
комиссия для расследования дела о бывшем Верховном главнокомандующем генерале Л.Г.
Корнилове21.
Революционные массы сыграли решающую роль в срыве выступления Корнилова, однако
это имело гибельные последствия и для Временного правительства. Корниловские события
полностью изменили ситуацию в стране. Правые, потерпев поражение, больше не могли
оказывать давление на правительство. На политической арене остались лишь левые силы,
возросла роль Советов, усилился процесс их большевизации, укрепились вооруженные ор-
ганизации рабочих – Красная гвардия и рабочая милиция.
1 сентября постановлением Временного правительства был создан временный чрезвычай-
ный орган верховной власти в России – Директория – коллегия 5 министров Временного
правительства, просуществовавший до 25 сентября – даты образования 3-го коалиционно-
го Временного правительства.
В то время когда шло формирование отрядов Красной гвардии, укрепление рабочей мили-
ции, дисциплина и боеспособность русской армии продолжали падать. В сентябре 1917 г. в
104 городах России имелись отряды Красной гвардии, только в Петрограде в ее рядах было
около 20 тыс. вооруженных рабочих.
Солдатские комитеты на фронте и в тылу призывали не выполнять приказы Верховного
главнокомандующего. Военный министр А.И. Верховский в октябре 1917 г. отмечал, что
«народ не понимает, за что он воюет, за что его заставляют нести голод, лишения, идти на

21 См.: Дело генерала Л .Г. Корнилова: Август 1917 – июнь 1918: Документы. В 2 т. / Г. Севостьянов (ред.). М.,
2003.

388
Угрозы безопасности России накануне и в период революции 1917 года

смерть. В самом Петрограде ни одна рука не вступится на защиту Временного правитель-


ства, а эшелоны, вытребованные с фронта, перейдут на сторону большевиков»22.
В условиях усиления противоборства правых и левых сил продолжение Керенским полити-
ки балансирования вело к изменению социальной базе его поддержки. 20 октября 1917 г.
военный министр Верховский, выступая на закрытом заседании комиссий Предпарламента
по обороне и иностранным делам с «откровенными и исчерпывающими сведениями о со-
стоянии армии», сделал сенсационное заявление о невозможности для русской армии про-
должать войну. Он предлагал заключить мир, чтобы покончить с анархией и большевизмом
и установить единоличную диктатуру. В ночь на 21 октября 1917 г. на заседании Временно-
го правительства большинство его членов высказалось против предложения Верховского,
немедленно обратиться к союзникам с призывом начать мирные переговоры. Военному ми-
нистру пришлось уйти в отставку.
К 21 октября практически все войска Петроградского гарнизона находились под контролем
Военно-революционного комитета (ВРК), который координировал подготовку Октябрь-
ского вооруженного восстания.
К утру 25 октября столица была в руках восставших, в ночь на 26 октября был взят Зимний
дворец и арестованы министры Временного правительства. Керенский накануне выехал
на фронт, где безуспешно пытался организовать сопротивление перевороту. Генералы, за
исключением П.Н. Краснова, не поддержали его. Однако войска Краснова 1 ноября потер-
пели поражение под Петроградом, а новый Верховный главнокомандующий генерал Н.Н.
Духонин заявил о своем нейтралитете. Как и во время Февральской революции, в октябре
1917 г. русская армия не встала на защиту прежнего политического режима.
Временному правительству не удалось локализовать внутренние угрозы: разложение госу-
дарственного управления, стремление к национальной автономии ряда российских регио-
нов, борьбу за влияние и власть Советов; падение дисциплины и боеспособности армии;
попытки установления военной диктатуры, катастрофическое ухудшение материального
положения населения, нехватку продовольствия, рост преступности в городах. Все это, в
конце концов, и привело к его падению.
Третьей формой правления в России в 1917 г. стала Советская республика (25 октября
1917 г. – 30 декабря 1922 г.). II Всероссийский съезд Советов, абсолютное большинство
делегатов которого составили большевики и их союзники – левые эсеры, избрал высший
орган советской власти – Всероссийский Центральный исполнительный Комитет (ВЦИК)
и сформировал правительство – Совет народных комиссаров (СНК) во главе с Лениным.
Началось строительство высших органов государственной власти Советской России. В
составе СНК были созданы структуры, выполнявшие функции обеспечения безопасно-
сти государства: Наркомат юстиции (НКЮ) – организация и функционирование системы
правосудия, построение новой правовой системы и новой юстиции; Наркомат внутренних
(НКВД) – обеспечение процесса советского строительства (создание на местах структуры
Советов, контроль за их становлением и деятельностью), охрана революционного порядка.

22 Верховский А .И. Россия на голгофе: Из походного дневника 1914–1918 гг. Пг., 1917. С. 138.

389
Василий Христофоров

Советское правительство, отвергнув тайную дипломатию России и империалистических


держав, в ноябре 1917 г. начало публикацию соглашений относительно сфер влияния и пла-
нов передела мира, заключенных Россией с другими странами Антанты. Руководители во-
енных миссий союзных стран при Ставке Верховного главнокомандующего Н.Н. Духонина
заявили решительный протест возможной приостановке военных действий, угрожая в про-
тивном случае политическими, экономическими и военными санкциями против Советской
России. Однако Духонин никак не мог повлиять на ситуацию.
Большевики с первых дней нахождения у власти повели борьбу за влияние в русской армии
и флоте. В целях руководства демократизацией и демобилизацией русской армии и создания
вооруженных сил Советской республики 26 октября был образован Комитет по военным
и морским делам. 27 октября Комитет был преобразован в Совет народных комиссаров
по военным и морским делам, основными задачами которого были: овладение аппаратами
Военного и Морского министерства и Ставкой Верховного главнокомандующего русской
армии; их преобразование на революционной основе; демократизация и демобилизация
русской армии; создание новых советских вооруженных сил; руководство действующей
армией; ликвидация контрреволюционных мятежей. 9 ноября генерал Н.Н. Духонин был
уволен с поста Верховного главнокомандующего и на эту должность назначается прапор-
щик Н.В. Крыленко.
14 ноября для демократизации и демобилизации военного флота, проведения чистки от
контрреволюционных элементов, реорганизации аппарата Морского министерства была
образована Верховная морская коллегия.
19 ноября в Ставке создан Военно-революционный комитет. 20 ноября в Ставку в Могилев
прибыл Крыленко, в этот же день солдаты убили генерала Духонина. 23 ноября при ВРК
Ставки создан Революционный полевой штаб по борьбе с контрреволюцией. 16 декабря
принят декрет СНК о выборном начале и об организации власти в армии. С 15 декабря 1917
г. по 3(16) января 1918 г. проходил Общеармейский съезд по вопросу о демобилизации ар-
мии, на котором было принято решение о необходимости формирования новой армии на
добровольных началах, по рекомендации советских организаций.
Основная масса солдат русской армии под влиянием большевистской пропаганды перешла
на их сторону. Значительная часть офицеров, не приняла новую власть, 2 ноября генерал
М.В. Алексеев начал создавать Добровольческую армию на Дону, главнокомандующим ко-
торой 7 января 1918 г. назначен генерал Корнилов.
Разрушение российского государства, начавшееся после Февральской революции, продол-
жалось после Октябрьской революции, на обломках империи стали возникать националь-
ные государственные образования. 7 ноября 1917 г. Центральная рада провозгласила авто-
номию Украинской народной республики, а 24 января 1918 г. – ее независимость. 15 ноября
1917 г. в Тифлисе был создан Закавказский комиссариат (правительство Закавказья: Азер-
байджана, Армении и Грузии), который не признал советскую власть и проводил политику
отторжения Закавказья от России. 27 октября Белорусская рада призывала к свержению
советской власти.

390
Угрозы безопасности России накануне и в период революции 1917 года

Возникновению новых национальных государственных образований отчасти способство-


вали документы, принятые советским правительством. Так, 2 ноября 1917 г. была подписана
«Декларация прав народов России», объявившая равенство и суверенность народов стра-
ны, их право на свободное самоопределение вплоть до отделения и образования самостоя-
тельного государства. 20 ноября принято Обращение советского правительства «Ко всем
трудящимся мусульманам России и Востока», которое декларировало уничтожение тайных
договоров, направленных против интересов народов Востока, договоров о разделе Персии
и Турции. Обращение призывало народы Востока – персов и турок, арабов и индусов, к
борьбе против угнетения и поддержке пролетарской революции23.
В конце 1917 г. были образованы несколько непризнанных государств на территории совре-
менных Узбекистана, Казахстана и Киргизии, Урала, Поволжья, Крыма, Северного Кавказа:
Кокандская и Алашская автономии; Башкурдистан; Крымская народная и Горская респу-
блики.
24 ноября 1917 г. Финляндия провозгласила свою независимость, а 18 декабря ВЦИК и
СНК ее государственную независимость признали.
Октябрьская революция привела к тому, что существенно возросли внешние угрозы госу-
дарству. Воспользовавшись тем, что полностью распался кавказский фронт, турецкие вой-
ска заняли территорию Грузии, Дагестана, Азербайджана.
2 декабря 1917 г. в Брест-Литовске начались переговоры о перемирии между Россией с
одной стороны и Четверным союзом (Германия, Австро-Венгрия, Турция, Болгария, в ре-
зультате которых был заключено перемирие на 28 дней (до 14 января 1918 г.). 6 декабря
там же начались мирные переговоры. После подписания 3 марта 1918 г. мирного договора
(Бресткого мира) и выхода России из Первой мировой войны русская армия в марте–апре-
ле 1918 г. была расформирована. Однако вскоре Германия нарушила условия мирного дого-
вора, оккупировала почти всю Украину, вторглась на территорию Крыма.
Ожидания большевиков о том, что начнется процесс «всемирной пролетарской револю-
ции», распространение революции в других странах, в первую очередь в Германии, Ав-
стро-Венгрии, о том, что удастся придать русской революции такой размах, который бы со-
здал наилучшие условия для ожидания мировой революции и локализации внешних угроз
безопасности Советской России, не оправдались.
Утопическими оказались и ожидания большевиков, связанные с локализацией внутренних
угроз безопасности государства. Взяв власть в свои руки, большевики считали, что защита
революционных завоеваний и обеспечение безопасности будет осуществляться непосред-
ственно народными массами. Функции обеспечения внутренней безопасности после Октя-
бря 1917 г. осуществляли Советы, опиравшиеся на красногвардейцев, матросов и рабочих, а
также Петроградский ВРК, наркомат юстиции, наркомат внутренних дел, милиция.

23 За мир, безопасность и разоружение народов: Летопись внешней политики СССР / Н.И. Лебедев (ред.).
М., 1984. С. 43.

391
Василий Христофоров

В ноябре – начале декабря 1917 г. в Петрограде социально-политическая и экономическая


обстановка существенно ухудшились. Продолжались массовые погромы винных складов.
Агитация и призывы к революционной сознательности не оказывали влияние на погром-
щиков. Для ликвидации погромов большевики создали вооруженные мобильные отряды,
которые в случае сопротивления стали применять оружие. 19 ноября ВРК издал воззвание,
в котором расхитители спиртного впервые в советской истории были названы «врагами
народа». 4 декабря был создан чрезвычайный орган – Комитет по борьбе с погромами.
В начале декабря 1917 г. СНК рассматривал варианты создания специального органа для
поддержания порядка в столице, преодоления массового бойкота («саботажа») государ-
ственных служащих, который вызвал паралич государственного аппарата, возможности
забастовки служащих в правительственных учреждениях во всероссийском масштабе, пре-
дотвращения угрозы проведения всеобщей забастовки на транспорте. Создались реальные
угрозы утраты власти РСДРП(б). Для предотвращения забастовки и ее подавления боль-
шевики приняли решение создать особую комиссию по борьбе с саботажем. 7(20) декабря
СНК, обсудив вопросы борьбы с антисоветской печатью, ликвидации саботажа, пресече-
ния преступной деятельности кадетов и правых эсеров, утвердил создание Всероссийской
чрезвычайной комиссией (ВЧК) при Совете народных комиссаров по борьбе с контррево-
люцией и саботажем. Председателем ВЧК был назначен Ф.Э. Дзержинский.
Таким образом, к концу 1917 г. в Советской России были сформированы структуры, зани-
мавшиеся обеспечением безопасности государства: Совет народных комиссаров по воен-
ным и морским делам, Наркоматы внутренних дел и юстиции, Революционный полевой
штаб и ВЧК.

392
ВЛАДИСЛАВ АКСЕНОВ

Власть и общество в отражении взаимных слухов:


информационно-психологический кризис как фактор
революции 1917 г.

В исторической науке проблема сочетания объективных и субъективных факторов остается


одной из актуальных. Особенно это касается изучения таких явлений, как революции, ло-
мающих социально-политические отношения. Очевидно, что чем грандиознее изменения,
тем уместнее предположить наличие глубинных причин, предопределивших вызревание
глобальных преобразований. Вместе с тем нередко толчком к ним оказываются случайные,
непрогнозируемые факторы из области стихийного. В российской революции 1917 г. роль
случайного фактора сыграли слухи, спровоцировавшие февральские беспорядки. Стихий-
ный характер слухов не отрицает объективный и закономерный характер революции: слух,
запущенный в стабильной системе, не способен поколебать ее основ, в то время как в усло-
виях кризиса, нарушения устойчивости и равновесия системы резко повышается значение
случайных, стихийных процессов1. Годы Первой мировой войны как раз стали временем
системного кризиса, проявившегося на уровне массовых настроений возросшей эмоцио-
нальностью и даже невротизацией общества2.
К сожалению, в современной историографии еще встречается как недооценка отдельными
исследователями значения стихийных процессов, так и, вследствие некритического подхода
к источникам, выдача распространенных слухов за факты3. При этом изучение простран-
ства слухов кануна революции осложняется тем, что слухами были переполнены как обыва-
тельские представления о власти, так и сама власть, вырабатывая политические стратегии,
нередко руководствовалась слухами. Формирование искаженных взаимных представлений
усугубляло социально-психологическое состояние российского общества, нагнетало ат-
мосферу враждебности, предопределяя распространение различных форм насилия в фев-
ральско-мартовские дни.

1 См.: Булдаков В.П. Россия, 1914–1918 гг.: война, эмоции, революция // Россия в годы Первой мировой
войны, 1914–1918 / А.Н. Артизов, А.К. Левыкин, Ю.А. Петров (отв. ред.). М., 2014. С. 11–21; Булдаков В.П.
Метанарративы и микронарративы Русской революции: к переосмыслению сложившихся представлений //
Столетие русской революции 1917 года и ее значение в мировой истории и культуре / Т. Краус (гл. ред.).
Будапешт, 2018. С. 77–90; Бородкин Л.И. Вызовы нестабильности: концепции синергетики в изучении
исторического развития России // Уральский исторический вестник. 2019. № 2 (63). С. 127–136.
2 Более подробно см.: Аксенов В.Б. Слухи, образы, эмоции. Массовые настроения россиян в годы войны и
революции (1914–1918). М., 2020.
3 Так, напр., в серии «юбилейных» статей С.А. Нефедова о революции 1917 г. в журналах «Новый мир»,
«Эксперт» и др. в качестве «фактов» приведены циркулировавшие слухи о том, что английское посольство
разрабатывало для российских либералов инструкции, как «делать» революцию, что одна из причин
нехватки муки в Петрограде в том, что извозчики скормили ее лошадям, что в дни февральского восстания
городовых привязывали к двум автомобилям и разрывали на части, что с крыш домов, церквей и колоколен
городовые расстреливали из пулеметов обывателей и пр.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 393–407


[Link] 393
Владислав Аксенов

Значительный вес слухов в политической жизни конца 1916 – начала 1917 г. констатировал-
ся как рядовыми обывателями, так и сотрудниками полиции. Александр Вертинский вспо-
минал последнюю зиму 1916/17 гг: «Трон шатался… Поддерживать его было некому. По
стране ходили чудовищные слухи о похождениях Распутина, об измене генералов, занимав-
ших командные должности, о гибели безоружных, полуголых солдат, о поставках гнилого
товара армии, о взятках интендантов»4.
Важно отметить, что слухи из способа передачи информации трансформировались в сам
предмет разговоров, вследствие чего возникали слухи о слухах. Причем в городах обсужда-
ли слухи, распространенные в деревнях и наоборот, но особое значение приобретало уст-
ное информационное пространство Петрограда: «Разговоры в Москве двух родов: о до-
роговизне… и о петроградских слухах», – сообщал москвич 2 февраля 1917 г.5 Внимание
обывателя было приковано к столице и тому, что в ней происходит, поэтому любые сведе-
ния, поступавшие из Петрограда, казались важными. Слух превращался в самостоятельный
феномен предреволюционной ситуации, захватывая сознание представителей совершен-
но разных слоев населения, как образованных, так и нет, вхожих в политические круги и
рядовых обывателей. Депутат Государственной думы М. Воронков писал из Петрограда в
Новочеркасск 30 ноября 1916 г., констатируя тот факт, что даже сами депутаты не знают,
чему верить относительно планов политических комбинаций и распоряжений других фрак-
ций: «Неопределенность политического положения заставляет сидеть в Питере. Есть такое
предположение, что каждая фракция запретила своим членам разъезжаться по домам. По-
следние дни передавали слухи о возможности образования общественного кабинета, но те-
перь все меньше и меньше верят. Положение действительно напряженное, в верхах какие-то
комбинации назревают, но об истинных намерениях ничего неизвестно»6.
Петроградское Охранное отделение также отмечало, что слухи создают нервозную обста-
новку, напоминающую канун 1905 г. 5 января 1917 г. начальник петроградской Охранки
генерал-майор К.И. Глобачев писал командующему Петроградским военным округом гене-
рал-лейтенанту С.С. Хабалову: «Настроение в столице носит исключительно тревожный
характер. Циркулируют в обществе самые дикие слухи, одинаково, как о намерениях Прави-
тельственной Власти (в смысле принятия различного рода реакционных мер), так равно и
о предположениях враждебных этой власти групп и слоев населения (в смысле возможных
и вероятных революционных начинаний и эксцессов). Все ждут каких-то исключительных
событий и выступлений, как с той, так и с другой стороны… Настоящий политический мо-
мент в сильнейшей степени напоминает собою обстановку событий, предшествовавших ре-
волюционным эксцессам 1905 года»7.
Изменение общей психологической атмосферы фиксировалось в дневниках современни-
ков, которые справедливо обращали внимание, что важно не то, откуда берутся эти слухи
(в столицах ходили слухи о существовании «фабрики слухов», к которой были причастны

4 Вертинский А. Дорогой длинною… М., 1990. С. 91.


5 Государственный архив Российской Федерации (далее: ГА РФ). Ф. 102. Оп. 265. Д. 1071. Л. 17.
6 Там же. Д. 1064. Л. 1403.
7 ГА РФ. Ф. 111. Оп. 5. Д. 669 а. Л. 2.

394
Власть и общество в отражении взаимных слухов

немецкие шпионы, занимающиеся распространением дискредитирующей власть недосто-


верной информации), а то, что люди в них верят, несмотря на абсурдность многих из них8.
Опасность представляло то, что слух, вызывая с течением времени все большую эмоцио-
нальную реакцию, превращался в двигательный импульс.
В октябре 1916 г. Департамент полиции давал оценку текущей забастовке в столице, от-
мечая стихийно-эмоциональный характер рабочего движения, совпавшего с общей «не-
рвозностью»: «Необычайно повышенное настроение населения столиц дает основание
начальникам охранных отделений заключить, что в случае, если не изменятся обстоятель-
ства, вызвавшие подобную нервозность как в Петрограде, так и в Москве могут вспыхнуть
крупные беспорядки чисто стихийного характера. Происходящие ныне в Петербурге за-
бастовки чисто стихийного происхождения как бы подтверждают правильность такого за-
ключения»9. В начале 1917 г. в Полтавской губернии ожидали, что слухи станут причиной
«действий»: «Сознание, что причиной всех наших неурядиц является измена и измена
свыше, проникло во всю толщу населения. Говорят об этом всюду и везде, а в будущем надо
ожидать и действий»10. Слухи формировали эмоциональную атмосферу, которая по общим
наблюдениям характеризовалась крайней нервозностью.
Можно отметить несколько причин возрастания роли слухов в информационном простран-
стве. Первые связаны с ошибочными стратегиями властей, в частности, усилением цензуры,
что заставляло обывателей искать альтернативный источник информации, другие – с неспо-
собностью властей поддерживать снабжение населения товарами первой необходимости
на должном уровне, что провоцировало разговоры о злонамеренности тех или иных пред-
ставителей администрации, третьи – с демографическими процессами, проникновением в
города крестьянской психологии и устной культуры.
Современники отмечали, что именно деревенские слухи были самыми фантастическими.
Так, если накануне революции одним из самых актуальных слухов о войне в городах был
слух о намерениях «темных сил» заключить сепаратный мир с Германией, то в деревнях
говорили о том, что «воюют потому, что хотят опять сделать крестьян крепостными»11.
Показательно, что этот слух повторился в Одессе в марте 1917 г.: когда стало известно об
образовании Временного правительства, крестьяне решили, что первым мероприятием ре-
волюционной власти станет восстановление крепостного права.
Особенности городских и деревенских слухов обнаруживаются в интерпретации одних и
тех же сюжетов из области шпиономании. Например, и образованные городские слои, и
необразованные сельские были уверены в том, что неудачи России в войне, а также ухуд-
шение продовольственной ситуации, вызваны предательством императрицы, являвшейся
немецкой шпионкой. Но если горожане имели в виду Александру Федоровну, бывшую эт-
нической немкой, то крестьяне в тех же самых грехах винили Марию Федоровну, этниче-
скую датчанку. Порой доставалось и императору. Так, крестьянин Владимирской губернии

8 Дневник Л .А. Тихомирова: 1915–1917 гг. / А .В. Репников (сост.). М., 2008. С. 96.
9 Буржуазия накануне февральской революции / Б.Б. Граве (сост.). М.; Л ., 1927. С. 136.
10 ГА РФ. Ф. 102. Оп. 265. Д. 1070. Л. 48.
11 Там же. Д. 1064. Л. 1461.

395
Владислав Аксенов

Николай Беспалов в мае 1915 г. заявил, что государь император немецкого происхождения,
так как «его мать двоюродная сестра императора Вильгельма»12. Недолюбливание крестья-
нами вдовствующей императрицы объясняется, по-видимому, разными факторами: слухами
о ее любовных связях с П.А. Столыпиным, из-за которого крестьянам якобы не дали землю,
фольклорным дискурсом, приписывавшим вдове антагонистические функции, традицией
обсценной лексики, в которой оскорбление царя «по-матери» переносилось на импера-
трицу13.
Иррациональные слухи деревенской среды проникали в города. Образованные горожане,
с возмущением пересказывавшие их, сами при этом становились их невольными распро-
странителями, и в конце концов начинали в них верить. В июне 1915 г. Л.А. Тихомиров при-
вел в дневнике пришедший из деревни слух, что немецкие шпионы отравляют все колодцы
мышьяком, разъезжая по сельской местности на велосипедах. Крестьяне бросаются вдогон-
ку на лошадях, но догнать шпионов-велосипедистов не могут14. Несмотря на абсурдность
слуха Тихомиров колебался в его оценке: «Что тут правда – не знаю»15. Вместе с тем в усло-
виях развития эпидемических заболеваний, в первую очередь холеры, санитарные врачи рас-
поряжались заколачивать колодцы – главные источники распространения заразы16. В 1915
г. в окрестностях Риги из-за недостатка больничных коек для местного населения холерных
больных оставляли в их домах, и единственным средством профилактики распространения
холеры становилась «борьба с колодцами». Крестьяне интерпретировали эти действия в
соответствии с распространенной шпиономанией, напоминавшей массовый психоз.
Вместе с тем у образованных слоев были свои сопоставимые по абсурдности с крестьянски-
ми слухи, бывшие следствием «горя от ума». По службе Департамент полиции вынужден
был реагировать на некоторые из них. Так, столичная полиция в 1915–1916 гг. была занята
поиском инженера Герберта Пенгу, который, согласно серии анонимных доносов, изобрел
аппарат «посредством которого можно видеть сквозь стены на далекое расстояние… При
помощи новых изобретений можно гипнотизировать на расстоянии, распространять болез-
ни, умертвить кого угодно»17. Впоследствии выяснилось, что автором и распространителем
слухов про таинственный аппарат был проживавший в Ревеле душевнобольной отставной
коллежский секретарь Р.М. Сальман. Следует отметить, что Первая мировая война способ-
ствовала распространению психических заболеваний как на фронте, так и в тылу. В неко-
торых случаях шпиономания оборачивалась настоящими психическими расстройствами. В
частной переписке, доносах в Охранное отделение обыватели жаловались, что соседи-шпи-
оны устраивают тайные сходки и «ночные оргии с употреблением немецкого языка», а

12 Российский государственный исторический архив (далее: РГИА). Ф 1405. Оп. 521. Д. 476. Л. 119–119 об.
13 Более подробно о фольклорных источниках слухов см.: Aksenov V. B. The War and the Regime in Peasant Popu-
lar Consciousness, 1914–1917. Archetypes, Rumors, Interpretations // Russian Studies in History. 2017. Vol. 56.
№ 2. P. 126–140.
14 Репников А .В. (сост.). Дневник Л .А. Тихомирова. С. 81, 84–85.
15 Там же. С. 85.
16 Краузе Ф. Письма с Первой мировой (1914–1917). СПб., 2017. С. 206.
17 ГА РФ. Ф. 102 (ДП-ОО). Оп. 245 (1915). Д. 33. Т. 2. Л. 65.

396
Власть и общество в отражении взаимных слухов

одна знакомая Л.А. Тихомирова набросилась с кухонным ножом на своего кота, решив, что
он немецкий агент, посланный ее убить18.
Из числа массовых абсурдных слухов, захвативших города, можно выделить молву о том,
что в Зимнем дворце находится телеграф/телефон, по которому императрица (Алексан-
дра Федоровна в представлении горожан и Мария Федоровна в представлении крестьян)
напрямую связывается с Вильгельмом II. Получая из донесений агентов, анонимных писем
подобную информацию, директор Департамента полиции В.А. Брюн де Сент Ипполит в
мае 1915 г. поручил направить начальнику дворцовой охраны запрос, в котором осторож-
но поинтересовался, действительно ли в Зимнем дворце имеется такой телеграф (из ответа
выяснилось, что радио-телеграфная станция раньше работала, но около пяти лет назад была
упразднена)19. Психозы на почве шпиономании захватывали чинов полиции, некоторые из
них приобретали манию преследования и увольнялись, уезжали в другие города, но пара-
нойя при этом не исчезала и они сами принимались писать в Департамент полиции жалобы
на слежку и засилье шпионов20. На развивавшиеся мании преследования у официальных лиц
обращали внимание многие современники: «Жаль беднягу. Он очень порядочный, чест-
ный человек, и вот, – свихнулся!» – писал о знакомом следователе, у которого появилась
idée fixe, что его хотят повесить за шпионаж, военный врач21.
Шпиономания, ставшая с одной стороны естественной спутницей войны, порожденных ею
страхов, с другой стороны провоцировалась военными властями, пытавшимися неудачи на
фронте объяснить деятельностью шпионов и предателей. Однако официальная пропаганда,
пропускавшая в печать информацию определенного рода, блокировала сведения, которые
могли бы бросить тень на представителей власти. Газеты выходили с белыми полосами и
обывателям оставалось лишь гадать, что именно там могло быть напечатано. «Белые места
в газетах – хуже прокламаций», – делились современники своими впечатлениями22. Цензу-
ра подстегивала народную фантазию, которая все чаще своим объектом начинала выбирать
верховную власть. Когда собственной фантазии не хватало – обращались к альтернативному
источнику информации, т.е. слухам. 27 декабря 1916 г. обыватель писал в Москву из Екате-
ринослава: «Если бы газеты сообщали правду, т.е. если бы они знали правду, быть может и
не было бы такой массы всякого рода иногда самых невероятных слухов»23. За несколько
дней до начавшейся революции учитель географии коммерческого училища И.Н. Жуков пи-
сал из Петрограда: «Общественная жизнь полна всяких слухов, толков и зигзагов. Так как
цензура наложила на печать свою тяжелую лапу, то петроградцам ничего не остается делать,
как питаться сплетнями, из которых девять десятых совершенно неправдоподобны. Обще-
ственное настроение нервное и действительно напоминает канун 1905 года»24.

18 ГА РФ. Ф. 102. Оп. 265. Д. 1006. Л. 71; ГА РФ. Ф. 102. Оп. 245. Д. 33. Т. 4. Л. 13; Репников А .В. (сост.). Днев-
ник Л .А. Тихомирова. С. 164.
19 ГА РФ. Ф. 102. Оп. 245. Д. 33. Т. 3. Л. 300.
20 Там же. Л. 129–129 об.
21 Краузе Ф. Письма с Первой мировой. С. 335.
22 ГА РФ. Ф. 102. Оп. 265. Д. 1064. Л. 1409.
23 Там же. Д. 1067. Л. 1796.
24 Там же. Д. 1071. Л. 49.

397
Владислав Аксенов

После известного московского погрома в мае 1915 г. прессе было запрещено писать о про-
довольственных беспорядках в России, наоборот, начались публикации статей, сообщений
о том, что Германия стоит на пороге голода. Однако известия о беспорядках на продоволь-
ственной почве в Поволжье летом-осенью 1915 г. распространялись по стране, порождая
множество толков, обрастая выдуманными деталями. В конце концов даже сообщения о
германском экономическом кризисе начинали восприниматься на счет России. В Охранном
отделении обратили внимание на то, что несоответствие напечатанных официальных сведе-
ний тому, о чем говорили в стране, лишь еще более настраивало обывателей против властей,
становилось раздражающим фактором.
Стратегически неправильную позицию власти заняли относительно Государственной
Думы. Отсрочки заседаний порождали слухи о ее окончательном роспуске, а самих депута-
тов наделяли революционным ореолом. Департамент полиции сообщал в январе 1917 г., что
отсрочка открытия сессии нервирует обстановку в Петрограде и становится главной темой
слухов25. В условиях политического кризиса к Думе было приковано пристальное внимание
обывателей, однако речи депутатов выходили с пробелами, а то и вовсе не печатались. Это
при том, что критика в адрес верховной власти с трибуны не звучала – это было запрещено
и всегда пресекалось председателем. Тем не менее, после нашумевшего заседания 1 ноября
1916 г., когда читатели не дождались выхода в свет речей депутатов, в городах стали рас-
пространяться поддельные речи П.Н. Милюкова, Н.С. Чхеидзе и других депутатов, в кото-
рых они, якобы, открыто призывали к революции и бросали оскорбительные обвинения в
адрес царя и царицы. Интерес публики к этим речам иллюстрируется тем фактам, что один
из вариантов поддельной речи Милюкова у газетчиков стоил 25 рублей (немногим меньше
средней месячной зарплаты рабочих Петрограда). Когда же власти поняли свою ошибку и
опубликовали в конце месяца выступления депутатов, то многие, успевшие познакомить-
ся с поддельными речами, разочаровались. 29 ноября Л.А. Тихомиров записал в дневнике:
«Сегодня в “Русском слове” напечатана речь Милюкова… При всей резкости речи Милю-
кова нельзя, однако, найти в ней (она все-таки с пропусками) такого места, где он мог бы
упоминать об императрице – о чем кричат все»26.
При этом многие депутаты искренне верили в то, что своими действиями, призывая прави-
тельство идти на соглашение с думой, спасают страну от революционной анархии. На об-
щей конференции кадетов 22–24 октября 1916 г. П.Н. Милюков говорил: «Нравственный
кредит правительства равен нулю; в последний момент, охваченное ужасом, оно, конечно,
ухватится за нас, и тогда нашей задачей будет не добивать правительство, что значило бы
поддерживать анархию, а влить в него совершенно новое содержание, т.е. прочно обосно-
вать правовой конституционный строй. Вот почему в борьбе с правительством, несмотря
на все, необходимо чувство меры»27. На открытии пятой сессии Думы 1 ноября 1916 г. Ми-
люков, по-видимому, искренне недоумевал, является ли нежелание властей идти навстречу
Думе глупостью или изменой. Депутат от Воронежской губернии С.И. Шидловский 22 но-

25 Граве Б.Б. (сост.). Буржуазия накануне февральской революции. С. 170.


26 Репников А .В. (сост.). Дневник Л .А. Тихомирова. С. 311.
27 Граве Б.Б. (сост.). Буржуазия накануне февральской революции. С. 147.

398
Власть и общество в отражении взаимных слухов

ября 1916 г. обращал внимание, что всеобщая вера в «чудовищные слухи» являлась верным
симптомом политического кризиса: «Я не буду вам указывать и приводить те чудовищные
слухи, которые разносятся по всей стране, я не стану вам повторять многих отдельных эпи-
зодов, которые были здесь вам сказаны ораторами, передо мной говорившими, но я нахожу,
что самая возможность появления этих слухов и самая возможность того, что им все везде
верят, это есть лучший показатель, что доверия этому правительству нет»28.
Ошибки цензурной политики признавались в петроградском губернском жандармском
управлении. Еще в сводке за октябрь 1916 г. отмечалось, что «все без исключения выражают
определенную уверенность в том, что “мы накануне крупных событий”, в сравнении с коими
“1905 г. – игрушка”, что “система правительства держать обывателя в неведении потерпела
полный крах: обыватель пробудился и, вместо ожидаемого “ура”, кричит “караул”, и т.п.”»29.
При этом новый директор департамента полиции А.Т. Васильев справедливо полагал, что
хотя революционное движение плохо организовано, его силы распылены, беспорядки мо-
гут развиваться стихийно, во многом благодаря царившей в обществе нервозности30.
Вместе с тем цензурная политики давала сбои. В конце января 1917 г. петроградская ох-
ранка жаловалась на цензоров, пропускавших «пасквили» А. Амфитеатрова, в частности,
в газете «Речь» от 23 января 1917 г. упоминание приема у А.Д. Протопопова заканчива-
лось словами, что «во время обеда играл хор балалаечников жандармского дивизиона»31.
22 января 1917 г. в «Русской воле» А. Амфитеатров опубликовал заметку, начинавшуюся
со слов: «”Рысистая езда шагом”, или трусцой – есть ледяное, непоколебимое обществен-
ное настроение… И, ох, чтобы его, милое, пошевелить или сбить, адская твердость нужна,
едва ли завтра явится предсказуемая!..»32 Заведующий почтово-телеграфным отделением
В.А. Козлов разгадал задумку писателя, зашифровавшего в качестве акростиха следующее
послание: «Решительно ни о чем писать нельзя. Предварительная цензура безобразнича-
ет чудовищно. Положение плачевнее, нежели тридцать лет назад. Мне недавно зачеркнули
анекдот, коим я начинал свою карьеру фельетониста. Марают даже басни Крылова. Куда
еще дальше идти? Извиняюсь, читатели, что с седою головой приходится прибегать к по-
добному средству общения с вами. Но что поделаешь! Узник в тюрьме пишет, где и чем
может, не заботясь об орфографии. Протопопов заковал нашу печать в колодки и более
усердного холопа реакция еще не создавала. Страшно и подумать, куда он ведет страну. Его
власть – безумная провокация революционного урагана»33. Филолог Л.В. Успенский, быв-
ший в то время семнадцатилетним гимназистом, вспоминал, в какой восторг он пришел,
когда на уроке разгадал акростих Амфитеатрова, и какое возбуждение он вызвал среди его
одноклассников34. Однако предварительная цензура пропустила эту публикацию. Впрочем,
некоторые цензоры, по всей видимости, сознательно закрывали глаза на отдельные матери-

28 Государственная дума: Стенографические отчеты: Четвертый созыв: Сессия пятая. Пг., 1917. Стб. 390.
29 Граве Б.Б. (сост.). Буржуазия накануне февральской революции. С. 129.
30 Там же. С. 136–138.
31 Там же. С. 168.
32 Русская воля. 22 янв. 1917 г.
33 РГИА. Ф. 1282. Оп. 1. Д. 1165. Л. 217.
34 См.: Успенский Л. Записки старого петербуржца. Л ., 1970.

399
Владислав Аксенов

алы: так, после убийства Г. Распутина официальная «Летопись войны» опубликовала пор-
трет В.М. Пуришкевича с подписью «герой», а в журнале «Столица и усадьбы» появилась
фотография дворца Юсуповых с подписью, что в нем живет очень меткий стрелок. Тем не
менее в большинстве случаев цензоры выполняли свою работу: газеты выходили с белыми
полосами вымаранных столбцов, на журнальных иллюстрациях появлялись черные квадра-
ты, скрывавшие часть изображения.
Вероятно убийство Распутина 17 декабря 1916 г. стало определенным психологическим
рубежом как для власти, так и для общества, породив череду слухов и сплетен, страхов и на-
дежд. Власть и общество ждали друг от друга следующих шагов. В записке охранного отде-
ления об общественных настроениях указывалось на вероятность развязывания «красного
и белого террора»: «Возможность “возобновления красного террора в ответ на белый” не
подлежит никакому сомнению, тем более что в действующей армии, согласно повторных и
все усиливающихся слухов, террор широко развит в применении к нелюбимым начальни-
кам, как солдатам, так и офицерам… Поэтому слухи о том, что за убийством Распутина –
“этой первой ласточкой террора” – начнутся другие “акты”, – заслуживают самого глубокого
внимания»35.
В 1917 г. Охранное отделение и Департамент полиции также как и все общество находились
под властью слухов, которые передавались по агентурной линии. Начальник Петроград-
ского охранного отделения Глобачев сообщал Хабалову, ссылаясь на слухи: «Передают, как
слух, о том, что накануне минувших Рождественских праздников или в первые дни таковых
состоялись якобы какие-то законспирированные совещания представителей левого крыла
Государственного Совета и Государственной Думы»36. В условиях роста социально-поли-
тической напряженности власти искали источник протестной активности и находили его в
Государственной Думе. Следует отметить, что возможности Государственной Думы влиять
на политическую ситуацию в стране были минимальными, за все дни Первой мировой вой-
ны на заседания Государственной Думы пришлось менее 9 % дней. Тем не менее, общество
именно в Думе видело последнее спасение России, в журнальных иллюстрациях Дума изо-
бражалась в качестве броневика, мчавшегося на неприятельские позиции, а после заседания
1 ноября 1916 г. ее авторитет как оппозиционного органа еще более усилился. Поэтому к
деятельности депутатов Государственной Думы было приковано внимание Охранного от-
деления. Слухи о секретных совещаниях депутатов, вместе с информацией о деятельности
рабочей группы Центрального Военно-промышленного комитета, приводят к версии об их
тесной связи. Накануне ареста рабочей группы 26 января Глобачев передает информацию,
полученную от агентов, что рабочей группой ЦВПК управляют Родзянко и Милюков (sic!),
которые с ее помощью пытаются организовать 14 февраля, в день открытия Думы, шествие
к Таврическому дворцу, во время которого народ должен потребовать от Думы создать Вре-
менное правительство, или «правительство спасения»37. А.И. Гучков же в этом донесении,
как сторонник «военного переворота», предстает как не имеющий отношения к действиям

35 Граве Б.Б. (сост.). Буржуазия накануне февральской революции. С. 173.


36 ГА РФ. Ф. 111. Оп. 5. Д. 669 а. Л. 2.
37 Там же. Л. 12–13.

400
Власть и общество в отражении взаимных слухов

«рабочей группы». На основе абсурдных сведений о влиянии Милюкова и Родзянко на ра-


бочую группу 27 января она была арестована. Агенты Охранки удовлетворенно сообщали,
что арест рабочей группы стал неожиданным и успешным ударом по боевой общественно-
сти, при этом сам Гучков, действительно, был обескуражен ее арестом, однако не потому,
что возлагал на рабочую группу какие-то революционные надежды, а потому, что считал
ее средством предотвращения стихийного бунта в рабочей среде, способного привести к
анархии38.
8 февраля под председательством петроградского градоначальника генерал-майора А.П.
Балка состоялось совещание по выработке дальнейших мер по сохранению порядка в сто-
лице 10–14 февраля. Балк обосновал необходимость усилить охрану в городе ссылаясь на
«циркулирующие слухи»39. Тем самым в январе–феврале 1917 г. слухи стали значимым сти-
мулом действий властей.
Как известно, несмотря на арест рабочей группы, а также на агитацию большевиков про-
тив демонстраций, 14 февраля в разных частях Петрограда состоялись рабочие сходки, что
говорит о переоцененности агентами Охранного отделения роли рабочей группы в связи
с массовыми слухами о готовящихся беспорядках. Кроме того, ликвидация рабочей груп-
пы затрудняла дальнейшее разрешение конфликтов рабочих с заводской администрацией,
что косвенно отразилось на объявленном 22 февраля 1917 г. локауте на Путиловском за-
воде, вследствие которого 36 тысяч рабочих оказалось на улице. Как следует из запроса,
подготовленного 23 февраля Государственной думой, забастовка рабочих лафетно-штам-
повочной мастерской Путиловского завода началась неожиданно для основной массы ра-
бочих-путиловцев, причем ей предшествовал распространившийся «слух о возможном
сокращении производства и частично[м] расчет[е] рабочих в связи с недостатком топлива
и сырья»40. Слух об отсутствии в Петрограде хлеба вывел на улицы города и женщин-ра-
ботниц Выборгского района 23 февраля. Но слухи не только подталкивали рабочих к проте-
стам, они формировали искаженную картину в представлении столичной полиции, приводя
к не менее драматичным ошибкам. Показательно, что распространителями слухов невольно
оказывались тайные агенты охранки.
В Охранном отделении признавали низкое качество агентурных сведений. Связывали это,
как правило, с материальными трудностями, заставлявшими агентов больше времени уделять
поискам дополнительного заработка. Заведующий наружным наблюдением петроградской
Охранки сообщал 18 февраля 1917 г.: «Возрастающие почти с каждым днем цены не только
на предметы первой необходимости, но и на питательные продукты, поставили всех филе-
ров… буквально в безвыходное положение… Всегдашняя мысль о добыче насущного хлеба
для семьи и плохое состояние здоровья окончательно подрывают в филере способность к
продуктивной работе»41. Минимальное жалованье филера в Петрограде в феврале 1917 г.
составляло 40 рублей в месяц, что было чуть выше среднего заработка рабочего. Поэтому

38 Там же. Л. 17–19.


39 ГА РФ. Ф. 111. Оп. 5. Д. 669. Л. 190.
40 Государственная дума. Стб. 1638–1661.
41 ГА РФ. Ф. 111. Оп. 5. Д. 669 а. Л. 235 об.

401
Владислав Аксенов

некоторые агенты Охранки начинали сочувственно относиться к рабочим требованиям.


Однако случалось и обратное: желая получить большее вознаграждение филеры накручива-
ли свои донесения сенсационными, разоблачающими общественные организации сведени-
ями. За полезную информацию филеры получали разовые денежные вознаграждения. Так,
за сведения, предоставляемые дважды в неделю осведомители получали в месяц несколько
десятков рублей42. Наиболее ценные сотрудники получали до 1.000 рублей в месяц, что
было вдвое выше генеральского жалованья. Иногда вместо денег получали вознаграждение
вещами. Генерал-майор Отдельного корпуса жандармов А.И. Спиридович вспоминал, как в
Киеве один рабочий-бундовец за резиновые калоши сдал всех своих товарищей43. Спири-
дович также указывал на то, что идейных сотрудников Охранки было немного, но даже они,
работая в среде революционеров, устанавливая с последними личные отношения, рано или
поздно переживали кризис, во время которого появлялось желание отомстить Охранному
отделению за свое предательство, падение. Самой мягкой формой мести была дезинформа-
ция. Все указанные особенности филерской работы приводили к формированию у предста-
вителей власти неадекватных представлений о реальной, политической ситуации в столице.
Впрочем, представления обывателей, также настоянные на слухах, отличались не большей
достоверностью. В обществе были распространены разговоры о том, что министр внутрен-
них дел А.Д. Протопопов готовит провокации, и с этой целью расставил на крышах домов,
колокольнях, пожарных каланчах пулеметы. Среди бытовых слухов горожан выделялись те,
которые объясняли нехватку продуктов, главным образом хлеба. В качестве причин называ-
ли спекуляцию, неумение властей организовать доставку хлебных грузов, вследствие чего
мука сгнивала на железнодорожных станциях, ожидая отправки, обвиняли даже извозчи-
ков, которые якобы в условиях роста цен на овес скупали хлеб и скармливали его лошадям.
Однако и в продовольственной теме было место для политики: быстро распространился
слух о том, что нехватка хлеба это и есть задуманная Протопоповым провокация. Якобы
министр лично распорядился запретить продавать хлеб населению, чтобы спровоцировать
голодный бунт и затем жестоко его подавить. По другой версии, министр внутренних дел
запретил подвозить в Петроград хлеб с тем, чтобы склонить население к заключению сепа-
ратного мира, полагая, что сытый народ на это не пойдет44. Впоследствии, когда революция
уже свершилась, в городской смеховой культуре – анекдотах, карикатурах, – данный сюжет
неоднократно обыгрывался. Протопопову приписывали слова, что он сознательно прибли-
жал революцию своими действиями. Появлялись даже шуточные проекты памятника глав-
ным «революционерам» – Распутину и Протопопову.
В условиях информационного кризиса, эмоционального напряжения слух часто выступал
стимулом массовых аффективных действий, которые становились нормой в январе-феврале
1917 г. Так, 8 января, накануне ожидавшихся беспорядков к годовщине «кровавого воскре-
сенья», сбой в работе электростанции, приведший к остановке трамвая, породил в Петро-
граде слух о том, что началась забастовка трамвайных служащих, которая, как ожидалось,

42 Спиридович А .И. Записки жандарма. Харьков, 1928. С. 194.


43 Там же. С. 195.
44 ГА РФ. Ф. 111. Оп. 5. Д. 669. Л. 25 об.

402
Власть и общество в отражении взаимных слухов

могла перерасти в массовые беспорядки, в результате на Спасской улице произошла паника,


публика штурмом брала трамвайные вагоны. В начале февраля стоявшая за мясом очередь,
когда мясо закончилось, чуть не растерзала приказчика из-за слуха, что он, якобы, припря-
тал часть товара для перепродажи. Расправу успел остановить подоспевший городовой.
Слухи стали толчком и к началу февральской революции 23 февраля. Министр внутренних
дел А.Д. Протопопов, телеграфируя в Ставку дворцовому коменданту, сумел сформулиро-
вать, по-видимому, истинные причины перебоев с хлебом: «Внезапно распространившиеся
в Петрограде слухи о предстоящем, якобы, ограничении суточного отпуска выпекаемого
хлеба… вызвали усиленную закупку публикой хлеба, очевидно в запас, почему части насе-
ления хлеба не хватило. На этой почве 23 февраля вспыхнула в столице забастовка, сопрово-
ждающаяся уличными беспорядками»45. Официальные газеты пытались успокоить обыва-
телей, однако в условиях информационного кризиса им не верили, а, наоборот, сообщения
об имеющихся в Петрограде запасах муки рассматривали как доказательство их отсутствия.
В социологии известен феномен самоисполняющегося пророчества, когда ложная инфор-
мация, воспринятая людьми как истинная, приводит к действиям, которые способствуют
реализации ложного слуха46. Нечто подобное случилось в Петрограде в феврале 1917 г.
В февральские дни одним из самых сильных раздражительных стимулов стал слух о «про-
топоповских пулеметах». Парадоксально, что власти и восставшие обыватели, верившие в
пулеметную стрельбу с крыш, приписывали ее друг другу: если революционеры обвиняли
Протопопова, то начальник Охранки Глобачев в пулеметной стрельбе с крыш винил, нао-
борот, революционеров47. Однако в массовом сознании остался образ переодетого городо-
вого, засевшего на чердаке с пулеметом. В феврале обыватели с испугом посматривали на
крыши и верхние этажи зданий, те, кто был вооружен, периодически обстреливали подо-
зрительные крыши. В результате подобной «бдительности» был застрелен трубочист48. За
стволы пулеметов публика, находившаяся на улице, принимала видневшиеся в окнах гарди-
ны, концы водосточных труб, выглядывавших с крыш, и пр. Так, например, 27 февраля толпа
пыталась взять приступом Мариинский театр, под крышей которого ясно видели торчащие
дула пулеметов, когда же в сопровождении артиста В.В. Киселева и режиссера П.И. Мельни-
кова представители воинственно настроенной публики обошли помещение театра, то убе-
дились, что за стволы пулеметов были ошибочно приняты концы вентиляционных труб49.
Согласно газетным сведениям, подобные революционные инициативы бдительной публики
привели к арестам около 4.000 человек, в результате чего министерству юстиции пришлось
создать особую следственную комиссию для проверки формальных причин задержания50.
Однако обнаружить среди них настоящих переодетых городовых, стрелявших из пулеме-
тов, конечно же, не удалось.

45 ГА РФ. Ф. 1788. Оп. 1. Д. 74. Л. 29.


46 Merton R. K. Social Theory and Social Structure. New York, 1968. P. 477.
47 Глобачев К .И. Правда о русской революции. Воспоминания бывшего начальника Петроградского охранного
отделения // Вопросы истории. 2002. № 9. С. 67.
48 Врангель Н.Е. Воспоминания: От крепостного права до большевиков. М., 2003. С. 355.
49 Безпалов В.Ф. Театры в дни революции: 1917. Л ., 1927. С. 23.
50 Мельгунов С.П. Мартовские дни 1917 года. Париж, 1961. С. 313.

403
Владислав Аксенов

Помимо городовых замешанными в слухах о «протопоповских пулеметах» оказались свя-


щенники. З. Гиппиус, А. Бенуа в дневниках отмечали, что якобы пулеметная стрельба шла с
крыши Исаакиевского собора, с колокольни Лютеранской церкви Св. Михаила51. Правда,
ни поэт, ни художник прямо не обвиняли в этом духовенство, однако народная молва пошла
дальше рассказов представителей художественной интеллигенции и вскоре родился образ
священника с пулеметом. В «Новом Сатириконе» в апреле была опубликована карикатура,
изображавшая стреляющего из пулемета попа с крестом в руке. Текст под рисунком гла-
сил: «В дни революции много пулеметов стояло на колокольнях, откуда и обстреливался
восставший народ»52. Находились свидетели, которые рассказывали, что пулеметы тайно
развозились по церквям в гробах53.
Во время февральского восстания возбужденные обыватели устроили форменную охоту за
полицейскими. Начальник петроградского охранного отделения К.И. Глобачев нарисовал
страшную своими подробностями картину поведения толп: «Городовых, прятавшихся по
подвалам и чердакам, буквально раздирали на части: некоторых распинали у стен, некото-
рых разрывали на две части, привязав за ноги к двум автомобилям, некоторых разрубали
шашками»54. Если начальника столичной Охранки можно заподозрить в крайнем субъекти-
визме в отношении тех, кого ему по долгу службы приходилось преследовать в предшеству-
ющую эпоху, то воспоминания барона Н.Е. Врангеля, крупного промышленника, должны
отличаться меньшей предвзятостью. Тем не менее, он рисует картину, близкую Глобачеву:
«Ряженого городового ищут везде. На улицах, в парках, в домах, сараях, погребах, а особен-
но на чердаках и крышах … Во дворе нашего дома жил околоточный; его толпа дома не на-
шла, только жену; ее убили, да кстати и двух ее ребят. Меньшего грудного – ударом каблука
в темя»55. Примечательна упомянутая картина убийства невинного ребенка – распростра-
ненный пропагандистский штамп, апеллирующий к эмоциям воспринимающего субъекта
и демонизирующий врага. В годы Первой мировой войны рассказы о немецких зверствах
вызывали в воображении населения апокалипсические образы, среди крестьян распростра-
нялись слухи о рождении нового царя Ирода. В этом отношении эмоции февраля во многом
были настояны на слухах военного времени.
В целом слухи власти и общества друг о друге были похожи в том, что в их основе лежал
страх. Слухи, определявшие в качестве главного врага околоточного и городового, прово-
цировали ненависть к представителям власти, а затем и проявления агрессии. Тем самым
пространство слухов формировало эмоциональную «триаду враждебности» – страх, гнев,
ненависть – определявшую психологическое состояние революционного общества.
Характеристика психологического кризиса будет неполной без упоминания проблемы
нервно-психического состояния обывателей. Накануне революции и в дни оной обывателя-

51 Гиппиус З.Н. Синяя книга: Петербургский дневник: 1914–1918. Белград, 1929. С. 90; Бенуа А .Н. Мой
дневник: 1916–1917–1918. М., 2003. С. 124.
52 Новый Сатирикон. 1917. № 14. С. 7.
53 Румянцев А .Г. «Полицейские пулеметы» в Феврале 1917 года: миф или реальность? // Революция 1917 года
в России: Новые подходы и взгляды / А .Б. Николаев (отв. ред.). СПб., 2015. С. 49.
54 Глобачев К .И. Правда о русской революции. С. 68.
55 Врангель Н.Е. Воспоминания. С. 355.

404
Власть и общество в отражении взаимных слухов

ми двигали не столько осознанные, ясные цели и задачи, сколько накопившиеся по большей


части отрицательные эмоции. Февральский социальный взрыв можно определить как пери-
од эмоционального, нервно-психологического перенапряжения, который вскоре привел к
всплеску душевных заболеваний среди петроградцев. Причем пострадавших хватало как со
стороны перепуганных служителей старого строя, так и новоиспеченных революционеров:
одни со страхом смотрели на крыши, другие пересказывали абсурдные слухи о расчлене-
нии своих сослуживцев на улицах города. Товарищ председателя петроградского общества
психиатров П.Я. Розенбах ввел термин «революционный невроз», описав его на примере
поведения бывшего городового, который приобрел манию преследования: «Он мечется в
страхе, слышит, как прислуга сговаривается его убить. Врач пугает его. Он передает свои
опасения жене, которая убеждает его, что ему нечего опасаться. Он успокаивается, но сле-
дующая слуховая галлюцинация приводит его в прежнее состояние»56.
Эмоциональное перенапряжение негативно отражалось на душевном состоянии револю-
ционеров и после победы Февраля. Сказывался эустресс – зашкаливавшие положительные
эмоции истощали нервную систему обывателей. Особенно это проявлялось во время патри-
отических митингов-концертов, когда доведенная до экстаза ораторами публика начинала
падать в обмороки. В первую очередь подобные картины были характерны для выступлений
А.Ф. Керенского. Ученица К.С. Станиславского и жена А.Я. Таирова актриса А.Г. Коонен
вспоминала одно из собраний: «И выступление Керенского, и атмосфера в зале производи-
ли впечатление какого-то истерического театрального представления. Керенский показался
мне похожим на актера-неврастеника (амплуа, еще не вышедшее из моды), который само-
забвенно играл роль вождя, увлекающего за собой толпу. Дамы, слушая его, хватались за
голову, рыдали, срывали с рук кольца и браслеты и бросали их на сцену»57. Причем в экстаз
впадали не только экзальтированные дамы, но и офицеры – георгиевские кавалеры – также
падали в обморок. Примечательно, что современники, обращавшие внимание на тревожные
симптомы массовой психологии, пытались смотреть на них оптимистически, противопо-
ставляя современный им эустресс прошлому дистрессу: «Если раньше мы были свидетеля-
ми глубоко отрицательного, охватившего все слои населения, массового шовинистического
психоза…, то теперь мы присутствуем тоже при массовом психозе, быть может, тоже не-
долговечном, но глубоко отрадном по своему направлению и внутреннему содержанию. С
его помощью мы можем сделать огромный шаг вперед», –писал молодой военный врач Ф.О.
Краузе 3 апреля 1917 г58. Нервные потрясения, пережитые обывателями в февральско-мар-
товские дни, у одних вызывали развитие нервозов и психозов, у других, наоборот, могли
в качестве шоковой терапии привести к ремиссии. Последнее произошло с Н.О. Лосским,
страдавшим от панических атак со времен Первой российской революции, а в марте 1917 г.
«сильное впечатление, произведенное на меня началом этой революции, – писал философ, –
и чувство ужаса перед нею… как будто излечили меня от моего психоневроза»59.

56 Биржевые Ведомости. Веч. вып. 18 мая 1917 г.


57 Коонен А .Г. Страницы жизни. М., 1985. С. 233.
58 Краузе Ф. Письма с Первой мировой. С. 391.
59 Лосский Н.О. Воспоминания: Жизнь и философский путь. Минск, 2012. С. 118.

405
Владислав Аксенов

Нервно-психическое состояние обывателей отразилось на динамике поступлений душев-


нобольных в городские клиники Петрограда. Статистические данные можно рассматривать
в качестве своеобразной лакмусовой бумажки: конечно, было бы вульгарным упрощением
всех революционеров, или, наоборот, сторонников старого строя окрестить «психами»,
однако колебания заболеваемости среди людей, предрасположенных к психическим болез-
ням, свидетельствуют об определенном психологическом климате в обществе, являющимся
объективной характеристикой эпохи.
На приведенном графике показан рост поступлений душевнобольных за один и тот же
временной отрезок в 1914–1917 г. (Рис. 1). В 1917 г. происходит не только общее увели-
чение заболеваемости, но явственно проступают пики, не свойственные предшествующе-
му времени, совпадающие с описанным в теоретических трудах психиатров, эпистолярном
наследии обывателей, периодом эмоционального накала. Тем самым функционирование в
обществе ряда абсурдных слухов следует рассматривать с учетом данной психиатрической
ситуации. Вероятно не случайно психиатрическая тема сама проникала в революционизи-
рованное пространство слухов: обыватели в неврастении подозревали Александру Федо-
ровну и Николая II, сумасшедшим считали Протопопова, о чем М.В.Родзянко прямо сказал
императору. Впрочем, судя по воспоминаниям современников, слухи о помешательстве ми-
нистра внутренних дел незадолго до революции были очень похожи на правду.

120

100

80

60 1914
1915
40 1916
1917
20

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Рис. 1. Сравнительный график поступлений душевнобольных в городские клиники Петрограда за


февраль–июнь 1914–1917 гг.

Как показала последующая история, массовые представления власти и общества друг о


друге накануне революции во многом были ложными: М.В. Родзянко, П.Н. Милюков, А.И.
Гучков не готовили февральскую революцию, а, наоборот, проявили растерянность в дни

406
Власть и общество в отражении взаимных слухов

народного бунта, но и А.Д. Протопопов сознательно не провоцировал хлебный кризис и


не расставлял на крышах пулеметы. Тем не менее особенности психологической атмосферы
были таковы, что даже самый абсурдный слух мог стать сигналом действия для противобор-
ствовавших сторон.
Таким образом, информационно-психологический кризис кануна революции характеризо-
вался возросшим влиянием устной информации, которая, в условиях недоверия к прави-
тельственным СМИ, вытесняла официальную картину событий. Противоречивость слухов,
не позволявшая создать целостную и адекватную картину, нервировала общество, прово-
цировала нервозность обывателей, что выливалось в аффективные действия (главным обра-
зом погромы продовольственных лавок, попытки самосудов). Тем не менее, не только обще-
ство, но и власть оказалась заложником данной ситуации: экономический и политический
кризис понизил эффективность работы агентов Охранного отделения, вследствие чего ряд
мероприятий полиции и градоначальства в январе-феврале 1917 г. был основан на получен-
ных агентурным путем непроверенных слухах. У власти и общество формировались иска-
женные представления друг о друге, обе стороны, предчувствуя скорую развязку, склонны
были предаваться взаимообвинениям. Возросшее информационное и эмоциональное зна-
чение слухов в обществе приводило к срабатыванию механизма самоисполняющегося про-
рочества, что проявилось не только в хлебных беспорядках февраля, но и на политическом
уровне: демонизация властью общественных организаций, подозревавшихся в революци-
онной деятельности, приводившая к ограничению их прав, создавала им героический ореол
в глазах народа. В конце концов Государственная дума, которая вопреки подозрениям Де-
партамента полиции и Охранки не готовила рабочих манифестаций 14 февраля, вынужден-
но стала одним из организационных центров революции, когда 26 февраля к Таврическому
дворцу начали стекаться толпы солдат, рабочих, студентов. Слухи предопределяли формы
революционного насилия, так как порождали чувство страха, а последнее – чувство нена-
висти. Формировалась «триада враждебности» – страх, гнев, ненависть – определявшая
психологические особенности данного периода и выражавшаяся в дни февральских беспо-
рядков в серии аффективных действий толпы и последующем росте душевных расстройств
петроградцев.

407
КАРСТЕН БРЮГГЕМАНН

Революционные события 1917 года в остзейских губерниях


Российской империи*

Введение
Новости о забастовках и беспорядках в столице Российской империи быстро распростра-
нялись в конце февраля 1917 г.1 в близлежащих областях остзейских губерний, все еще
свободных от немецкой оккупации2. В то время как Эстляндская губерния, а также север-
ные и восточные части Лифляндской губернии еще целый год, вплоть до немецкого насту-
пления 1918 г., оставались под властью Петрограда, Курляндская губерния уже в 1915 г.
стала частью Обер Ост, оккупированной российской территории, подчинявшейся Верхов-
ному командованию всеми германскими вооруженными силами на Востоке. Рига, столица
Лифляндии, а также острова Саарема (нем. Эзель) и Хийумаа (нем. Дагё) были захвачены
немецкими войсками в конце августа 1917 г. Таким образом, главное внимание в настоящей
статье будет уделено территориям, остававшимся в составе России до начала 1918 г. При
этом центр тяжести исследования образуют земли, населенные эстонцами, которые вклю-
чали в себя, наряду с собственно Эстляндской губернией, также север Лифляндии: границы
трех прибалтийских губерний в целом повторяли очертания средневековых областей под
управлением соответствующих рыцарств – (немецких) дворянских корпораций, еще в нача-
ле 20 века игравших важную роль в местном управлении остзейских губерний.
Не вызывает никакого сомнения, что революционные события в Петрограде оказали зна-
чительное влияние на провозглашение независимости Эстонии в конце февраля 1918 г. За
исключением островов, эстонская территория оставалась до этого времени незатронутой
прямыми военными действиями. Я уже писал ранее3 о том, что независимую Эстонию с

* Статья подготовлена при поддержке проекта Эстонского научного агентства IUT31–6.


1 Все даты приведены в соответствии с действующим в то время в России юлианским календарем. В Эстонии
летоисчисление велось по юлианскому календарю до начала февраля 1918 г., т. е. до момента немецкой ок-
купации.
2 Под этим термином понимаются три российские губернии – Эстляндская, Лифляндская и Курляндская,
на территории которых в настоящее время располагаются Эстония и Латвия. Литва, которая сегодня без-
оговорочно рассматривается как часть «Балтии», относилась в годы Первой мировой войны, когда и по-
явился этот термин, скорее к польско-католической сфере и не имела ничего общего с онемеченными и
населенными протестантами областями расселения эстонцев и латышей. См.: Brüggemann K., Tuchtenhagen
R. Grundzüge // Das Baltikum: Geschichte einer europäischen Region. Bd. 3: Die Staaten Estland, Lettland und
Litauen / K. Brüggemann, R. Tuchtenhagen, A. Wilhelmi (Hrsg.). Stuttgart, 2020. S. 11. В настоящей короткой
статье речь не идет о Литве, а также об оккупированных немцами территориях остзейских губерний. Под-
робнее см.: Brüggemann K., Tauber J. Die Phase der Staatsgründungen und der Unabhängigkeitskriege // Там же.
S. 95–137.
3 Brüggemann K. Learning from Estonia Means Learning to Be Victorious? Estonia between the Legacy of the Feb-
ruary Revolution and Nikolai Iudenich’s Northwestern Army // The Global Impacts of Russia’s Great War and
Revolution. Book 1: The Arc of Revolution, 1917–24 / A. Marshall, J. W. Steinberg, St. Sabol (eds.). Blooming-
ton, 2019. P. 99–129; Брюггеманн К. Демократическая революция в Эстляндской губернии, 1917–1919 гг.:

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 409–421


[Link] 409
Карстен Брюггеманн

полным правом можно характеризовать как дитя Февральской революции, поскольку эта
революция оказала на эстонцев значительное притягательное воздействие. Настоящее ис-
следование, которое в первую очередь концентрируется на событиях 1917 г. в остзейских
губерниях Российской империи, будет посвящено главным образом рассмотрению вопроса
о том, как развивался конфликт между двумя ведущими идеологиями того времени, социа-
лизмом и национализмом. Тем не менее, в интересах введения в тему необходимо бросить
короткий ретроспективный взгляд на исходное положение, сложившееся в регионе накану-
не революционных событий.

Остзейские губернии к началу 20 столетия


Эксцессы насилия в ходе революции 1905–1906 гг., вызванные национальными и социаль-
ными противоречиями между латышами и эстонцами, с одной стороны, и немецкими по-
мещиками и пасторами, с другой стороны, удалось подавить только массированным при-
менением вооруженной силы и не без участия отрядов самообороны балтийских немцев4.
Немногие годы, оставшиеся до начала Первой мировой войны, представляли собой удиви-
тельно креативное время, когда происходило дальнейшее разобщение этнических групп,
зато в провинциальных столицах Риге и Таллинне (нем. Ревель) стало правилом прагма-
тическое сотрудничество, невзирая на этнические границы5. Таллин, который с момента
выборов в городскую думу в конце 1904 г. находился под управлением эстонско-русского
большинства, а также Рига, остававшаяся в руках остзейских немцев, стремились в своем
качестве провинциальных столиц к нормализации отношений с Санкт-Петербургом. В ка-
честве примиряющего жеста в 1910 г. в центре обоих городов были сооружены памятники,
посвященные 200-летнему юбилею завоевания шведских остзейских провинций Петром
Великим. То, что этот жест не вызвал протеста, не следует, тем не менее, интерпретировать
как знак сплоченности различных групп местного населения, связанных друг с другом сер-

от всероссийского энтузиазма до национальной независимости // Великая российская революция, 1917:


Сто лет изучения: Мат. Межд. науч. конф. / Ю.А. Петров (отв. ред.). М., 2017. С. 315–320; Brüggemann K.
Yearning for Social Change: The Russian Revolution in the Baltic Provinces // Studies in Ethnicity and National-
ism. 2017. № 3. P. 358–368.
4 Benz E. Die Revolution von 1905 in den Ostseeprovinzen Rußlands: Ursachen und Verlauf der lettischen und
estnischen Arbeiter- und Bauernbewegung im Rahmen der ersten russischen Revolution. Mainz, 1990; Kar-
jahärm T. Gewalt in Estland im Jahr 1905. Ursachen und Erscheinungsformen // Wandel und Anpassung in der
Geschichte Estlands: 16.–20. Jahrhundert / K. Brüggemann (Hrsg.). Lüneburg, 2014. S. 140–174 [= Nordost-
Archiv. Zeitschrift für Regionalgeschichte 22 (2013)]; Henning D. Die baltischen Ostseeprovinzen Russlands
zwischen den Revolutionen (1905–1917) // Das Baltikum: Geschichte einer europäischen Region. Bd. 2: Vom
Beginn der Frühen Neuzeit bis zur Gründung der modernen Staaten / K. Brüggemann, D. Henning, R. Tuchten-
hagen (Hrsg.). Stuttgart, 2021, S. 535–641.
5 О Риге см.: Hirschhausen U. v. Die Grenzen der Gemeinsamkeit: Deutsche, Letten, Russen und Juden in Riga
1860–1914. Göttingen, 2006 [= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Bd. 172]; о Ревеле см.: Wood-
worth B. D. Civil Society and Nationality in the Multiethnic Russian Empire: Tallinn/Reval, 1860–1914 [PhD
diss.]. Bloomington, 2003; Woodworth B. D. Administrative Reform and Social Policy in the Baltic Cities of the
Russian Empire: Riga and Reval, 1870–1914 // Jahrbuch für europäische Verwaltungsgeschichte. 2004. S. 111–
150; Брюггеманн К. Города имперских и национальных утопий: транснациональный взгляд на Ригу и Тал-
лин, 1914–1924 // Города империи в годы Великой войны и революции / А. Миллер, Д. Черный (ред.).
СПб., 2017. С. 100–139.

410
Революционные события 1917 года в остзейских губерниях Российской империи

дечной неприязнью. Скорее такое отношение трактовалось – по совершенно различным


причинам – как необходимый символ принадлежности к империи. Именно в этом качестве
позиция остзейцев была принята к сведению большинством власть имущих в скептически
настроенном имперском центре6.
Воздвижение памятников являлось инициативой рыцарств Эстляндской и Лифляндской
губерний. Именно немецкие дворяне вынесли из опыта революционных событий 1905–
1906 гг. понимание того, что их притязания на власть в регионе опираются исключитель-
но на царские штыки. В то время как дворяне оставались в плену традиционной сословной
идентификации в качестве помещиков, часть немецкой буржуазии пыталась разыграть на-
циональную карту, однако ее инициатива, добиться внесословной консолидации общества
за счет создания немецких союзов и объединений, потерпела неудачу7. Ориентация на Гер-
манский рейх поддерживалась исключительно в области культуры, в политической сфере
доминировала лояльность царю, хотя бы по причинам прагматического свойства – особен-
но для местных торговцев, которые только выигрывали от принадлежности к империи8.
Эстонцам и латышам также было ясно, что изменение властных отношений в настоящее
время могло быть инициировано только из Санкт-Петербурга. Учреждение Государствен-
ной думы вследствие революции имело для них решающее значение: впервые в истории
интересы остзейских губерний представляло в столице не только дворянское сословие.
Личные контакты эстонских и латышских депутатов Государственной думы с их русскими
коллегами сыграли решающую роль в развитии событий в регионе весной 1917 г. В то же
время не стоит забывать про персональные контакты с русскими социал-демократами всех
мастей, которые завязали многочисленные эстонские и латышские активисты революцион-
ных событий 1905 года, оказавшись в изгнании в Западной Европе. Эти контакты также сы-
грали свою роль в 1917 г. Именно в этом можно распознать транснациональное измерение
революции для эстонцев и латышей.
Тем не мене сложившаяся расстановка сил была разрушена в остзейских губерниях еще до
революции 1917 г. вследствие мировой войны. И хотя офицеры из числа балтийских немцев
остались лояльными слугами царя в его борьбе с Германским рейхом, это не стало прегра-
дой на пути антинемецкой истерии, охватившей широкие круги русской общественности,
вплоть до негативного воздействия на повседневную жизнь остзейских немцев – наряду с
повсеместным недоверием к немцам, речь шла в первую очередь о запрете публичного упо-
требления немецкого языка. Этот запрет оказал заметное влияние на традиционную жизнь

6 Hirschhausen U. v. Die Grenzen der Gemeinsamkeit. S. 328–340; Woodworth B. D. An Ambigous Monument:


Peter the Great’s Return to Tallinn in 1910 // Проблемы национальной идентификации, культурные и
политические связи России со странами Балтийского региона в XVIII–XX веках / Р. Бюттнер, В. Дубина,
М. Леонов (ред.). Самара, 2001. С. 205–219.
7 Hackmann J. Nachholende Modernisierung. Das kurze Leben der Deutschen Vereine in den russländischen Ost-
seeprovinzen (1905–1914) // Vereinskultur und Zivilgesellschaft in Nordosteuropa: Regionale Spezifik und eu-
ropäische Zusammenhänge / J. Hackmann (Hrsg.). Köln; Wien, 2012. S. 387–418 [= Quellen und Studien zur
baltischen Geschichte. Bd. 20].
8 Brüggemann K., Wezel K. Nationally Indifferent or Ardent Nationalists? On the Options for Being German in Rus-
sia’s Baltic Provinces, 1905–17 // Kritika: Explorations in Russian and Eurasian History. 2019. № 1. P. 39–62.

411
Карстен Брюггеманн

балтийских губерний9. В свою очередь для многих эстонцев и латышей война с Германией
была неким эрзацем войны против господства балтийских немцев в остзейских губерниях,
которое воспринималось как угнетение. В газете „Tallinna teataja“ («Таллинский курьер»)
мировая война была даже названа «священной войной» за свободу и независимость10. То
обстоятельство, что Константин Пятс (1874–1956), один из тех, кто в 1905 г. был вынужден
оставить родину из страха преследования, ставший в 1918 г. первым премьер-министром
Эстонии, написал эти патриотические имперские строки в сентябре 1914 г. в надежде на то,
что победоносная Россия предоставит своим сражающимся народам широкую автономию,
относится к одной из самых примечательных коллизий тех лет.
Именно надежда на автономию лежала в основе стратегии эстонских и латышских депу-
татов Государственной думы в годы мировой войны. Внесенный в Думу в марте 1916 г. со-
вместно с рядом русских депутатов законопроект о введении в Прибалтике земской систе-
мы, что вырвало бы власть на местах из рук остзейского дворянства, потерпел неудачу не
только потому, что в условиях немецкой оккупации Курляндии реформы такого рода были
немыслимыми в любом случае11. Дело было в том, что у российского правительства блиста-
тельно отсутствовал концепт, каким образом можно еще теснее «привязать» прибалтий-
ский регион к имперскому центру. Министр иностранных дел Российской империи С.Д.
Сазонов написал в своем отзыве на внесенный законопроект, что укрепление «русских го-
сударственных начал» за счет введения земского самоуправления в стратегически важном
регионе обладает первостепенным значением для безопасности империи, однако усиление
«маленьких племенных групп» не отвечает имперским интересам. Один из главных камней
преткновения заключался в том, что в ходе реформы границы губерний должны были быть
изменены согласно этнографическим границам, что, в свою очередь, являлось одним из
ключевых требований эстонского и латышского национальных движений, начиная с 1880-х
годов. Таким образом, Сазонов опасался, что введение земств фактически будет означать
введение национального самоуправления. Он изложил эту дилемму для Санкт-Петербурга
следующим образом: «Сохранение за немецким населением трех губерний прежнего го-
сподствующего положения, конечно, недопустимо; но столь же недопустима передача влия-
ния и земской власти в обладание эстонцев и латышей»12. Выход из этого тупика имперской

9 Must A. Von Privilegierten zu Geächteten: Die Repressalien gegenüber deutschbaltischen Honoratioren während
des Ersten Weltkrieges. Tartu, 2014.
10 X [Konstantin Päts]. Sõda ja rahvaste lootused // Tallinna teataja. 22. sept. 1914. (За указание на источник
благодарю Тоомаса Карьяхярма, Таллин. – К .Б.)
11 Законопроект, внесенный в Государственную думу. 24 марта 1916 г. // Имперская политика России
в Прибалтике в начале XX века: Сборник документов и материалов / Т. Карьяхярм (ред.). Тарту, 2000.
С. 357–374, здесь С. 361; Karjahärm T. Vene impeerium ja rahvuslus: Moderniseerimise strateegiad. Tallinn,
2012. Lk. 239, 275; Андреева Н.С. Прибалтийские немцы и российская правительственная политика в начале
XX века. СПб., 2008. С. 255 след.; Karsten Brüggemann: Licht und Luft des Imperiums. Legitimations- und
Repräsentationsstrategien russischer Herrschaft in den Ostseeprovinzen im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Wiesbaden, 2018. S. 266 след. [= Veröffentlichungen des Nordost-Instituts. Bd. 21].
12 Отзыв Сазонова, 19 мая 1916 г. // Карьяхярм Т. (ред.). Имперская политика России в Прибалтике в начале
XX века. С. 392 след.; Дякин В.С. Национальный вопрос во внутренней политике царизма (XIX – начало
XX вв.). СПб., 1998. С. 330.

412
Революционные события 1917 года в остзейских губерниях Российской империи

политики в Прибалтике российские власти смогли найти только после смены правления
весной 1917 г.

Остзейские губернии и смена власти в Петрограде


Во время третьей военной зимы главное беспокойство у населения Эстляндии, как и у
остального населения империи, вызывало плохое продовольственное снабжение. Ситуа-
ция усугублялась необходимостью обеспечивать продуктами многочисленных беженцев из
Курляндии и литовских областей. Участие в благотворительных акциях в пользу солдат – в
армию были призваны около 100.000 эстонцев – рассматривалось обязательным также выс-
шими слоями остзейских немцев, при этом в выражениях лояльности Императору Всерос-
сийскому не было недостатка. В Таллине и Тарту (нем. Дорпат), старом университетском
городе, относившемся к Лифляндской губернии, выросла стоимость жизни и арендная пла-
та. Будучи гарнизонным городам, Таллин испытывал как тяготы фронта, так и нужды тыла13.
В этой ситуации новости о событиях в столице империи распространялись в конце февра-
ля 1917 г. по телеграфу со скоростью лесного пожара. 1 марта 1917 г. забастовочная волна
захлестнула Таллин, в забастовках приняли участие 18.000 человек, на следующий день в
ходе всеобщей забастовки состоялся митинг, в котором участвовали 30.000 человек. Рево-
люция знаменовалась в Таллине переходом командования на военных кораблях от офице-
ров к матросам, рабочие штурмовали городскую тюрьму, расположенную в крепостной
башне «Толстая Маргарита». Канцелярии губернатора и полиции были разграблены, доку-
менты преданы огню, в то время как рабочая милиция пыталась взять пламя под контроль.
Здесь следует упомянуть о том, что в предвоенные годы Таллин был превращен в морскую
крепость, а кораблестроение развивалось в значительной мере. В результате тысячи рабочих
верфи, прибывших из России, усилили, наряду с гарнизоном, местный резонанс петроград-
ских событий14.
Свержение царя было воспринято как сигнал, уничтожить все оковы. Свобода слова была
реализована буквально. Эстонская писательница Марта Силлаотс вспоминала: «Эти им-
провизированные митинги, которые проходили на каждом углу! … Все эти нескончаемые
диспуты! … Русские заразили эстонцев своим вирусом красноречия, выступления длились
без конца. Если […] матрос и солдат или солдат и эстонский рабочий начинали спорить
между собой, тогда тот из спорщиков, кто лучше умел жонглировать словами, залазил на
лестничную ступень, забирался на фонарь или запрыгивал на грузовик, и тут же разгорался
митинг, слушатели собирались гроздьями вокруг оратора, раздавались крики “Правильно!”
и “ Ура!”, а иногда и ”Долой”, и все упивались ”свободой” вплоть до беспамятства»15.
26 марта 1917 г. на улицы Петрограда вышли также эстонцы, чтобы потребовать
предоставления Эстонии автономии в составе свободной России. В этой демонстрации

13 См.: Esimene maailmasõda ja Eesti. 2 k. / T. Tannberg (koost.). Tartu, 2014–2016 [= Eesti Ajalooarhiivi toimet-
ised. K. 22 (29), 24 (31)].
14 Karjahärm T. Ida ja lääne vahel: Eesti-Vene suhted 1850–1917. Tallinn, 1998. Lk. 187–192.
15 Sillaots M. Sealtpoolt künniseid. Tallinn, 2009 (первое изд. 1939 г.). Lk. 118 след.

413
Карстен Брюггеманн

приняли участие десятки тысяч людей, которые пели «Марсельезу» по-русски, что было
типично для тех дней16. Революционное воодушевление в Таллине еще раз достигло своего
апогея 9 апреля, в ходе визита министра юстиции Временного правительства Александра
Керенского и «бабушки русской революции» Екатерины Брешко-Брешковской. В это вре-
мя и в Эстонии, и в России герои революции были все еще одни и те же люди. В ходе при-
ема в стенах театра «Эстония», выстроенного незадолго до войны, будущий премьер-ми-
нистр Эстонии Отто Штрандман, член Эстонской трудовой партии, вышедшей из рядов
всероссийской политической организации трудовиков (и тем самым партийный товарищ
Керенского), заявил о том, что Эстония не имеет намерений отделяться от России. В тот
момент, когда Керенский пожал руку Штрандмана и провозгласил «Да здравствует авто-
номная Эстония», публика с воодушевлением запела будущий национальный гимн. Завер-
шил торжественное мероприятие оркестр исполнением «Марсельезы»17. Весной 1917 г.,
когда революционное воодушевление в Прибалтике выплескивалось через край, речь все
еще не шла о провозглашении независимых государств. Политический лозунг этих недель
нежданной агитационной свободы гласил: Свободная Эстония (или Латвия) в составе де-
мократической России18.
Эстонские и латышские депутаты Государственной думы постарались осуществить эту за-
севшую в их головах идею с помощью своих коллег по всероссийскому парламенту, которые
стали теперь членами Временного правительства. Удивительно быстро – подобная антине-
мецкая мера во время войны не требовала особого объяснения – правительство произвело
рокировку лояльности, к которой была не готова царская администрация: вместо немецко-
го дворянства в качестве социальной опоры Ancien Régime ставка была теперь сделана на
буржуазных политиков национального толка. Еще до того, как 30 марта (12 апреля) 1917 г.
было опубликовано постановление о временном устройстве самоуправления Эстляндской
губернии, городской голова Таллина Яан Поска (1866–1920) стал 6 марта 1917 г. первым
эстонцем, возглавившем губернию, положив тем самым конец столетиям доминирования в
Эстонии немецкого дворянства, а также правления русских наместников19. Положение о са-
моуправлении предусматривало проведение границ между Эстляндской и Лифляндской гу-
берниями вдоль границ поселения эстонцев и латышей, вследствие чего в случае Эстляндии
была образована национальная территория, на что позднее могла ссылаться Декларация
независимости Эстонии от 24 февраля 1918 г. В то время как таким путем была образована
«Эстония», будущая «Латвия» частично все еще была оккупирована Германией (речь идет
о Курляндии), частично входила в состав «русской» Витебской губернии (Латгалия), поэ-

16 Zetterberg S. Eesti ajalugu. Tallinn, 2009. Lk. 378; о значении «Марсельезы» в эти дни см: Figes O., Kolonitskii
B. Interpreting the Russian Revolution: The Language and Symbols of 1917. New Haven, 1999. P. 30–70.
17 Päälinna külalised Tallinnas // Postimees. 10. apr. 1917; Zetterberg S. Eesti ajalugu. Lk. 380–381.
18 Arens A. Riik, võim ja legitiimsus Eestis aastail 1917–1920 // Acta Historica Tallinnensia. 2007. № 11. P. 71–79,
здесь P. 73; Plakans A. A Concise History of the Baltic States. Cambridge, 2011. P. 285–300. См. также: Feest D.
«Citizens, Come to the Rescue!» Modes of Belonging and Participation in the Coverage of the February Revolu-
tion by the Estonian Daily Paper «Postimees» // Imagining the Future in Russia’s February Revolution: Instant
Reactions in the Press Across the Empire / F. Schedewie, D. Dierks (eds.). Leiden, 2021 (в печати).
19 Великая Октябрьская социалистическая революция в Эстонии: Сборник документов и материалов / И.М.
Саат (отв. ред.). Таллин, 1958. С. 41 (док. 24).

414
Революционные события 1917 года в остзейских губерниях Российской империи

тому весной 1917 г. Временное правительство в Петрограде не имело возможности принять


какое-либо решение.20
В соответствии с постановлением о предоставлении автономии был учрежден выборный
провинциальный парламент – Maapäev (рус. «Временный земский совет Эстляндской гу-
бернии»). Всеобщие выборы депутатов Maapäev проводились через выборщиков согласно
системе косвенных выборов. Таким образом, по меньшей мере с институциональной точки
зрения, Февральская революция победила в Эстонии. Речь шла здесь о тихой национальной
революции, в результате которой власть перешла от малочисленной немецкой элиты к пред-
ставителям демографического большинства. Вопрос в том, как на это реагировал русский
центр? Уже майские торжества 1917 г. (18 апреля по старому стилю) показали, насколько
спорной была революционная символика, когда сначала русские солдаты и матросы, а вслед
за ними и эстонские большевики срывали эстонские национальные флаги, заявляя о том,
что разрешены только красные знамена21.
Как и в российских центрах, так и в свободных от оккупации областях остзейских губер-
ний заметным фактором стала политическая радикализация, что хорошо видно по результа-
там выборов. В областях, населенных эстонцами, начиная с 1917 г. и заканчивая выборами
в эстонское Учредительное собрание весной 1919 г., левые партии неизменно получали от
двух третьих до половины голосов избирателей. Историография событий 1917 г. в Прибал-
тике охотно указывает в качестве «латышского» курьеза на выборы во Всероссийское уч-
редительное собрание в ноябре 1917 г., когда 72 % избирателей в Лифляндии проголосовали
за латышских большевиков. К этому времени Рига уже была оккупирована немцами, вслед-
ствие чего все политические группировки были ослаблены, за исключением социал-демо-
кратов, обладавших организационной сетью в том числе за пределами столицы. Поскольку
в ходе этих выборов социал-демократы были представлены в северной Лифляндии единым
кандидатским списком, доминировавшие в социал-демократии большевики стянули на себя
все голоса более или менее революционно настроенных избирателей. В Эстляндии, напро-
тив, с мая 1917 г. имелась национальная Эстонская социал-демократическая партия, а так-
же социал-революционеры и Эстонская партия труда, которые также действовали на тот
момент независимо от русских головных партий. В целом партии левого спектра получили
в Эстляндии в ноябре 1917 г. – всего в выборах приняли участие 56 % избирателей – также
около 70 % голосов. Доля голосов, отданных за большевиков, составляла около 40 % от этой
цифры, что приблизительно соответствовало их доле в Москве и Петрограде22.
Эта радикализация зримо отразилась также на развитии Советов депутатов. Как и в Петро-
граде, в Таллине также установилось «двоевластие», которое несло в себе разные взгляды
по вопросу будущего страны. Структуры власти, созданные в регионе Временным прави-

20 Там же, С. 102–104 (док. 94); подробно о внутренних разногласиях среди эстонских политических деятелей
см.: Pajur A. «Meie riigipoliitiliseks paleuseks on autonoomia». 30. märtsi 1917. aasta määrus Eestimaa ajutise
valitsemiskorra kohta // Tannberg T. (koost.). Esimene maailmasõda ja Eesti. K. I. Lk. 217–269.
21 Tallinna Teataja. 20. apr. 1917; Arens O. Soviets in Estonia 1917/18 // Die baltischen Provinzen Rußlands zwis-
chen den Revolutionen von 1905 und 1917 / A. Ezergailis, G. v. Pistohlkors (Hrsg.). Köln; Wien, 1982. S. 295–
314, здесь S. 299.
22 Более подробно об этом см.: Brüggemann K. Yearning for Social Change. S. 360–361.

415
Карстен Брюггеманн

тельством, противостояли Советам рабочих и солдатских депутатов, формировавшихся по


образцу Петрограда. В Советах сначала доминировали эсеры или меньшевики23. Интерес-
но, что в число более чем 300 депутатов Таллинского Совета в конце марта 1917 г., наряду
с рабочими, солдатами и матросами, изначально входили также представители эстонских
союзов и городского управления. Однако уже вскоре в знак протеста против политики Со-
вета они покинули его заседания.
Примерно 60 % депутатов Таллинского Совета были по национальности русскими. Факти-
ческая власть Совета основывалась на том, что он обладал сильным влиянием на солдат гар-
низона и фабричных рабочих. По причине своего национального состава Совет подвергал-
ся критике в эстонской прессе, в первую очередь, за притязания на высший политический
авторитет в губернии, в то время как сам Совет состоял преимущественно из солдат, лишь
временно здесь размещенных. Следуя Олави Аренсу, Советы в Эстонии были бы почти пол-
ностью неэстонскими учреждениями, если бы большевики не были представлены в них в
лице «значительной группы эстонцев (фабричных рабочих)»24. Силлаотс отмечает в сво-
их воспоминаниях, что русские чиновники, несмотря на красные банты на груди, с самого
начала были противниками «огненно-красного Совета» уже по причине своего традици-
онного презрения к низшим слоям общества. Однако по «эстонскому вопросу» они были
солидарны с Советом: никто не хотел даже слышать про «право эстонцев», самим решать
свои собственные дела25.
Национально-политическая альтернатива Советов, верховный орган самоуправления
Maapäev, созданный Временным правительством, смог собраться в полном составе только
в начале октября 1917 г. из-за затянувшегося на месяцы избирательного процесса. В рядах
Земского совета Эстляндии, наряду с буржуазно-демократическими группировками, име-
лось также примерно равное им по численности социалистическое представительство:
пятеро большевиков, восемь эсеров, девять меньшевиков и 11 членов Эстонской трудовой
партии. Самый большой блок депутатов в размере 13 человек сформировал Эстонский союз
земледельцев, в то время как Эстонская демократическая партия получила семь, а радикаль-
ные демократы – четыре места. Перечень заключали три беспартийных депутата, а также по
одному депутату от немецкого и шведского меньшинства26. Наличие Maapäev расценивает-
ся как важная предпосылка для формальной реализации идеи национального государства.
Тот факт, что Maapäev был зародышем будущей парламентской демократии, не вызывает
сомнений, и все же следует отметить, что большинство его депутатов в 1917 г. придержи-
вались концепции свободной Эстонии в свободной России, вдохновленной Февральской
революцией. Да, тогда действительно раздавались заявления, такие как высказывания Яана

23 Только в индустриальной Нарве Совет с самого начала был большевистским. Arens O. Soviets in Estonia
1917/18. S. 297–298. Дальнейшее согласно: Brüggemann K. Learning from Estonia Means Learning to Be Vic-
torious?
24 Arens O. Soviets in Estonia 1917/18. S. 301, сноска 22; о критике в эстонской прессе см.: Tallinna Teataja.
31. mai 1917.
25 Sillaots M. Sealtpoolt künniseid. Lk. 118–119.
26 Raun T. U. Estonia and the Estonians. Stanford, 1991. P. 100; Brüggemann K. Die Gründung der Republik Est-
land und das Ende des «Einen und Unteilbaren Russland»: Die Petrograder Front des Russischen Bürgerkriegs
1918–1920. Wiesbaden, 2002. S. 55–57 [= Forschungen zum Ostseeraum. Bd. 6].

416
Революционные события 1917 года в остзейских губерниях Российской империи

Тыниссона (1868–1941), в которых была сформулирована идея полной независимости в ка-


честве идеала, однако реализм все же превалировал: сомнения в жизнеспособности такой
маленькой страны, как Эстония, были большими27.
Однако после того, как немцы оккупировали в сентябре 1917 г. Ригу, а вскоре после этого
заняли эстонские острова, в то время как контроль за ситуацией в Российской империи все
более ускользал из рук Временного правительства, а Эстляндию захлестнула забастовочная
волна, в Maapäev в свою очередь впервые развернулись дебаты об отделении от России. Од-
нако речь здесь не шла об односторонней сецессии. Отделение Эстонии рассматривалось
возможным только в том случае, если бы все другие народы также отделились от России.
Представления о государственном суверенитете были своего рода последним убежищем,
риски такого шага было трудно оценить. Всем было ясно, что если автономная Эстония бу-
дет вынуждена защищаться в какой-либо форме, ей будет трудно рассчитывать на протек-
цию одной из соседних держав. Жестокая немецкая оккупация эстонских островов, о кото-
рой много писалось в прессе, развеяла оставшиеся надежды на то, что с приходом немцев,
по меньшей мере, улучшится экономическое положение населения28.

Большевики приходят к власти в Эстонии


В описанных условиях – приближение фронта военных действий, забастовки, трудности со
снабжением – не было ничего удивительного в том, что также и в Эстляндии проявилась
«петроградская» тенденция большевизации Советов. В то же время произошел заметный
раскол между социалистическими группировками в губернии по вопросу будущего страны.
Не только Maapäev, но и повсеместно весь политический спектр, кроме большевиков, начи-
ная от ряда эстонских эсеров и эстонских социал-демократов (меньшевиков) и заканчивая
Союзом земледельцев, высказывался за широкую автономию Эстонии в составе демокра-
тической российской федерации. Эту же точку зрения представлял 1-ый съезд эстонских
военнослужащих, состоявшийся в июне 1917 г. При этом большинство рассматривало
Всероссийское учредительное собрание, созыв которого был главной политической целью
Февральской революции, как верховный орган, обладающий правом определять будущее
России, включая нерусские регионы29.
Только большевики дистанцировались от этой целевой установки эстонской националь-
ной революции, риторически пытаясь представить ее идеи как классовые идеи на службе
эстонской буржуазии. Сама по себе эта аргументация свидетельствовала о вирулентности
национальной идеи, даже если в остальном большевистская партия демонстративно игно-
рировала этот вопрос. Тем не менее, большевики сумели добиться роста своей популяр-
ности среди эстонских рабочих – Советы, как уже говорилось, большевизировались. В то
же время радикальный солдатский потенциал был, по меньшей мере частично, поглощен

27 Eesti ajalugu V / T. Karjahärm, T. Rosenberg (toim.). Tartu, 2010. Lk. 417–418.


28 Arens O. The Estonian Question at Brest-Litovsk // Journal of Baltic Studies. 1994. № 4. P. 305–330, здесь P. 309;
в общем см.: Zetterberg S. Eesti ajalugu. Lk. 382–383.
29 Graf M. Eesti rahvusriik: Ideed ja lahendused: Ärkamisajast Eesti Vabariigi sünnini. Tallinn, 1993. Lk. 138–141;
nd [ Johan Juhtund]. Eesti sõjaväeliste congress // Päevaleht. 23. juuni 1917.

417
Карстен Брюггеманн

в пользу партий национальной демократии благодаря созданию, начиная с весны 1917 г.,
национальных воинских частей, поддержанных Временным правительством. Но и в этих
частях имелись многочисленные сторонники большевиков – не обязательно из-за рево-
люционной риторики, скорее по причине широко распространенного стремления сол-
датских масс к миру30.
В свете названных разногласий внутри социалистического лагеря по вопросу будуще-
го Эстонии – и конечно также Российской империи – следует еще раз более подробно
подвергнуть анализу уже приведенные выше данные результатов выборов во Всероссий-
ское учредительное собрание. Действительно, революционные партии получили тогда
более 70 %, но из них свыше 50 % голосов приходились на Эстонскую трудовую партию,
эстонских социал-демократов, Демократический блок, а также на радикальных демокра-
тов, которые выступали за широкую автономию Эстонии в составе демократической фе-
дерации – и, тем самым, наглядно демонстрировали все еще сохранившийся потенциал
идей Февральской революции. Эсеры (около 6 %) и, с серьезным отрывом, сильнейшая
партия – большевики (около 40 %) – напротив, ставили «интернационалистическую»
революционную деятельность выше национальной автономии31. Однако эсеры вскоре
отклонились от этого курса и стали выступать за эстонскую автономную «рабочую ре-
спублику»32.
Как известно, к моменту выборов во Всероссийское учредительное собрание большевики
уже взяли в свои руки власть в Петрограде. Вслед за ними этого же добились эстонские
большевики в Таллине. Приближавшийся фронт усиливал звучавшие призывы к миру, чему
способствовали слухи о том, что все фабрики будут вскоре эвакуированы в Россию. Боль-
шевики также доминировали в Таллинском Совете депутатов. Военно-революционный ко-
митет был образован в Таллине по петроградскому образцу 23 октября (5 ноября) 1917 г.
Комитет быстро взял на себя управление городом и уже 27 октября (9 ноября) лишил Яана
Поску власти. Типичным для этой формальной смены власти стало требование со стороны
Поски, подготовить некий протокол, подписанный от имени военно-революционного ко-
митета Виктором Кингисеппом (1888–1922). Своей подписью эстонский революционер
подтвердил, что переход власти в руки большевиков был результатом государственного пе-
реворота33.
Поздняя советская эстонская историография называла Октябрьскую революцию в Эсто-
нии «тихой революцией»34. И действительно, большевики даже не сразу ликвидировали

30 Pajur A. Die estnischen Militäreinheiten 1917–1918 // Forschungen zur baltischen Geschichte. 2015. S. 136–
162, здесь S. 152.
31 Radkey O. Russia Goes to the Polls: The Election to the All-Russian Constituent Assembly, 1917. Ithaca, 1990.
P. 35–36; Graf M. Eesti rahvusriik. Lk. 179–182; Arens O. Riik, võim ja legitiimsus Eestis aastail 1917–1920.
Lk. 76.
32 Suits G. Eesti Tööwabariik. Eesti Sotsialistide-Rewolutsionääride Partei märgukiri Eesti iseseiswuse küsimuses.
Tallinn, 1918.
33 Laaman E. Jaan Poska: Eesti riigitegelase elukäik. Tartu, 1935. Lk. 94.
34 Vahemetsa A. Sügis 1917 Tallinnas. Tallinn, 1987. На обложке стоят слова: «Тихая революция побеждает»
(Vaikne revolutsioon võidab).

418
Революционные события 1917 года в остзейских губерниях Российской империи

двоевластие, Maapäev действовал беспрепятственно еще несколько дней. Незадолго до


объявления о роспуске Maapäev удалось 15 (28) ноября 1917 г. объявить себя носителем
высшей власти в Эстонии (тем самым по меньшей мере de facto отделив Эстонию от Рос-
сии). Лишь 20 ноября (3 декабря) 1917 г. Яан Анвельт (1884–1937) как председатель ис-
полкома Таллинского Совета взял в свои руки в том числе дела Maapäev35. Таким образом,
два институционализированных выборных органа власти со своими притязаниями зани-
мали диаметрально противоположные позиции, к которым могли апеллировать в ближай-
шие годы конкурирующие попытки государственного строительства – Эстонская Респу-
блика и Эстляндская трудовая коммуна. Как и в случае распадающейся империи в целом, в
Эстонии витал дух гражданской войны.
«Красной» власти в Эстонии было отмерено короткое время, о чем «позаботились» не-
мецкие войска уже в феврале 1918 г. За три с половиной месяца своего господства боль-
шевики не вышли за рамки мелких преобразований. И все же они ввели эстонский в ка-
честве официального языка (за исключением армии) и установили рабочий контроль на
фабриках. В то же время большевики столкнулись с пассивным сопротивлением во многих
учреждениях, особенно за пределами городских центров. Благодаря демократизации мест-
ного управления и революционному энтузиазму активистов, пришедших во власть в 1917
году, идеи Февральской революции сохранились во время большевистского правления и
немецкой оккупации с февраля по ноябрь 1918 г., и были реализованы в первые годы ре-
спублики.
Как ранее в литовских областях и в Курляндии, начиная с 1915 г., немецкая оккупация ми-
нимизировала влияние большевиков на местах и отрезала Эстонию от общероссийского
развития событий. Наряду с русскими чиновниками, Эстонию и север Латвии оставили
армейские части, были эвакуированы фабрики, в результате из региона выехали много-
численные приверженцы большевистской партии. Опора власти Советов была полностью
разрушена, тем более, что во время короткого времени своего господства Советы скорее
увеличили число своих противников – не в последнюю очередь за счет идеи коллективиза-
ции сельского хозяйства, ведь с момента отмены крепостного права в 1816–1819 гг. соб-
ственное хозяйство было романтизированным идеалом эстонских крестьян36.
В ходе выборов в эстонское Учредительное собрание 21–22 января 1918 г., проведение ко-
торых большевики сами требовали еще в ноябре 1917 г., быстро стало ясно, что они явно
не достигнут установленной внутри большевистской партии отметки 50 % и даже не на-
берут 40 % голосов. Партия труда, которая в декабре 1917 г. первая из партийных органи-
заций приняла официальное решение, держать курс на независимость Эстонии, обогнала

35 Постановления Maapäev опубликованы в: Saat I. M. (отв. ред.). Великая Октябрьская социалистическая


революция в Эстонии. С. 299 (док. 300), С. 307 (док. 313); Arens O. The Estonian Maapäev during 1917 //
The Baltic States in Peace and War 1917–1945 / [Link]. Vardys, R. J. Misiunas (eds.). University Park, 1978. P. 19–
30, здесь P. 31; Arens O. Soviets in Estonia 1917/18. S. 308–309.
36 Karjahärm T., Rosenberg T. (toim.). Eesti ajalugu V. Lk. 420–421; Brüggemann K. National and Social Revolution
in the Empire’s West: Estonian Independence and the Russian Civil War, 1917–1920 // Russia’s Home Front in
War and Revolution 1914–22. Book 1: Russia’s Revolution in Regional Perspective / S. Badcock, L. Novikova,
A. B. Retish (eds.). Bloomington, 2015. P. 143–174, здесь P. 149–150.

419
Карстен Брюггеманн

большевиков в ряде сельских регионов. В результате выборы были прерваны под удобным
предлогом мнимого немецкого наступления. Подобно Всероссийскому учредительному
собранию в Петрограде, эта политическая цель Февральской революции не была достиг-
нута под давлением большевиков также и в Таллинне37.

Дорога к национальному государству


Регионализация внутриимперского конфликта, свидетельством чего в том числе была де-
кларация Maapäev от 15 ноября 1917 г., усугубилась в результате немецкой оккупации.
«Комитет спасения Эстонии», получивший свои полномочия от Совета старейшин еще в
январе 1918 г., объявил 24 февраля 1918 г. о независимости Эстонии, использовав короткий
вакуум власти между уходом большевиков и приходом немецких войск38. Хотя новые власти
не признали независимость страны и наложили запрет на любую политическую деятель-
ность на благо независимой Эстонии39, эстонским дипломатам за рубежом все же удалось –
хотя бы исходя из военно-тактических причин – добиться по меньшей мере de facto призна-
ния Maapäev в качестве высшего регионального органа власти со стороны Великобритании
(3.5.), Франции (13.5.), Италии (29.5.) и США (28.9.)40. И хотя эти признания содержали
ограничительную ссылку на решения будущей мирной конференции, таким образом вну-
трироссийское дело превратилось в вопрос международной политики.
Когда 11 ноября 1918 г. Временное правительство Эстонии, еще до вывода немецких окку-
пационных войск, собралось на свое первое заседание, оно могло ссылаться на внутреннюю
и внешнюю легитимацию, которую было не так-то просто отрицать. В его первом воззва-
нии, «Манифесте к народам Эстонии» от 11 ноября 1918 г., подчеркивалась преемствен-
ность власти: главной задачей Maapäev провозглашался созыв Учредительного собрания на
основании «всеобщих, равных, прямых, тайных и пропорциональных выборов»41. Тем са-
мым, с одной стороны, правительство продемонстрировало свое соответствие ожиданиям
стран-победительниц. С другой стороны, оно осталось верным идеям Февральской револю-
ции, хотя их реализация ограничилась Эстонией42.

37 Raun T. U. Estonia and the Estonians. P. 104; Graf M. Eesti rahvusriik. Lk. 216–219; Arens O. The Estonian Ques-
tion at Brest-Litovsk. P. 317, 327 (прим. 62).
38 Zetterberg S. Eesti ajalugu. Lk. 385–386; Pajur A. Die Geburt des estnischen Unabhängigkeitsmanifests 1918 //
Forschungen zur baltischen Geschichte. 2006. S. 136–163.
39 В то же время немецкое вмешательство в гражданскую войну в Финляндии предусматривало кооперацию
вместо оккупации.
40 Соответствующие заявления см.: Maanõukogu protokollid: 1917–1919: 1. koosolekust 1. juulil 1917 78. koo-
solekuni 6 veebruaril 1919. Tallinn, 1935. Lk. 294–296. Здесь стоит лишь коротко заметить, что эти признания
означали серьезную дилемму для политики союзников в отношении России, поскольку ни одно из россий-
ских правительств не намеревалось отказываться от прибалтийских территорий до решения Всероссийско-
го учредительного собрания. Подробнее на эту тему: Brüggemann K. Die Gründung der Republik Estland und
das Ende des «Einen und Unteilbaren Russland».
41 Там же. S. 109; Pajur A. Die Übernahme Estlands von der deutschen Besatzungsmacht im November 1918 //
Forschungen zur baltischen Geschichte. 2020. S. 142–168.
42 Обзор формирования эстонской демократии зимой 1918–1919 гг. см.: Brüggemann K. Estlands Weg zum
Staat in Revolution und Krieg: Die Einhegung der Gewalträume // Wege aus dem Krieg: Frieden und Friedens-

420
Революционные события 1917 года в остзейских губерниях Российской империи

Социал-демократы победили в апреле 1919 г. на выборах в эстонское Учредительное со-


брание под лозунгами «земли» и «мира», хорошо известными из имперского контекста
1917 г. Предвыборные обещания были выполнены ими благодаря радикальной аграрной ре-
форме, проведенной в октябре 1919 г., а также в результате войны за независимость против
немецких фрайкоров и Красной Армии, закончившейся подписанием мира в Тарту в февра-
ле 1920 г. Таким образом, социальная революция осуществилась в национальных рамках, о
чем Эстония вспоминает сегодня с гордостью. То, что истоки эстонской революции берут
свое начало в российской Февральской революции, зачастую упускается из виду.

schlüsse in und zwischen den Staaten Nordosteuropas nach dem Ersten Weltkrieg / J. Kusber (Hrsg.). Frankfurt,
2021 (в печати).

421
АЛЕКСАНДР ВАТЛИН

Октябрьский переворот 1917 г. в Петрограде и его оценки в


Германии

Российская революция 1917 г. перечеркнула устоявшийся ход вещей и стала предвестником


новой эпохи не только в отечественной, но и в европейской истории. Однако на первых по-
рах она оказалась в тени Первой мировой войны. Крах самодержавия виделся зарубежным
наблюдателям прежде всего как следствие поражений на фронте, неспособности царского
правительства перевести экономику страны на военный лад и отказа российского общества
признавать легитимность прогнившего режима. «Большое видится на расстоянье», – на-
писал когда-то Сергей Есенин. Всей глубины политических, а тем более социальных преоб-
разований, начатых революцией, не представляли себе в семнадцатом году даже ее творцы.
И союзники России по Антанте, и ее главный противник – Германия, после Февраля 1917 г.
задавались прежде всего практическим вопросом, выйдет или не выйдет новая Россия из
мировой войны. Исходя из этого строилась и их русская политика, в целом ограничивавша-
яся оперативным реагированием без выработки новой стратегии. Союзники обещали уве-
личить материальную помощь и слали Временному правительству телеграммы поддержки,
Германия сделала ставку на поддержку его противников из стана левых радикалов и нацио-
нальных движений. Но чем более необратимым становился революционный процесс в Рос-
сии, тем дальше анализ его глубинных причин и долговременных перспектив в европейских
странах отходил от доминирования военных соображений.
Понимание того, что речь идет о гораздо большем, нежели выход или невыход России из
мировой войны, пришло осенью 1917 г. Развал государственных институтов в Петрограде
и на местах, фронда национальных окраин Российской империи, падение производства и
стихийная демобилизация армии, наконец, продовольственный кризис – все это перечер-
кивало надежды западных социалистов и либералов, что Россия встала на путь европейско-
го, демократического развития. Ошеломляющим «моментом истины» для современников
стал захват власти партией большевиков. Временным правительством Керенского на них
был наложен ярлык «германских шпионов», что поляризовало зарубежные отклики на
формирование в России правительства народных комиссаров.
Подобная поляризация четко прослеживается на примере Германии. Для ее правящих кру-
гов новая фаза Российской революции была связана с расчетами на заключение сепаратно-
го мира на Востоке. Буржуазно-либеральные партии и умеренные социалисты страшились
«эпидемии большевизма», которую не остановят ни фронтовые окопы, ни государствен-
ные границы. Излюбленным образом новой России в среде творческой интеллигенции ста-
ло «второе великое переселение народов», которое на сей раз охватит весь мир и будет не
географическим, а социальным. Наконец, немногочисленная группа немецких единомыш-
ленников ленинской партии видела «свет с Востока», который в ближайшее время доберет-
ся и до их собственной страны.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 423–432


[Link] 423
Александр Ватлин

Существует огромная научная литература, посвященная реакции на победу большевиков


тех или иных фракций политического класса Германии – представителей правительства и
военных кругов, лидеров парламентских партий, ведущих экспертов и журналистов1. Дан-
ная тема весьма популярна и в современной немецкой историографии, попав в тренд «со-
циокультурного поворота», который обращает главное внимание на ментальный подтекст,
лежащий в основе принятия тех или иных политических решений.
Вопрос о том, какую роль сыграло восприятие Российской революции в Германии, стал од-
ной из ключевых тем «спора историков» ФРГ 1986 г.2 Если инициировавший дискуссию
о «сингулярности» нацистских преступлений Эрнст Нольте видит в реакции германской
буржуазии на события в России «великий страх», который в конечном счете привел к вла-
сти Гитлера3, то левые историки избегают одномерности и прямолинейных обвинений в
адрес творцов революционной диктатуры. «Большевизм, несомненно, вызывал страх, но
в такой же мере и любопытство (в немецком обществе. – А.В.). Ведь то, что происходило в
России, взрывало все обычные мерки. И этому соответствовал размах различий в интерпре-
тациях»4.
Не претендуя на охват всего спектра этих интерпретаций, автор в настоящей статье попыта-
ется систематизировать самую первую, непосредственную реакцию германских политиков
на Октябрьский переворот в Петрограде – реакцию, во многом опиравшуюся на стереоти-
пы их традиционного восприятия России и русских. Чтобы получить на выходе «момен-
тальный снимок», представляется целесообразным ограничить период исследования под-
писанием Брестского мира. В рамках договора, заключенного 3 марта 1918 г., обе страны
восстановили свои дипломатические отношения, в результате чего многократно вырос по-
ток информации о событиях в Советской России, достигавшей Берлина. В свою очередь
Германия с весны 1918 г. стала для ленинского правительства главным «окном в Европу»,
пусть даже снабженным фильтрами военной цензуры и полицейской слежки.
Если в странах Антанты утверждение власти большевиков в Петрограде воспринималась
в конспирологическом ключе как победа прогерманских сил, прикрывавшихся лозунгом
«мир во что бы то ни стало», то реакция военной верхушки Германии была прямо про-
тивоположной. Новая волна стихийных братаний на Восточном фронте, предложение Со-
вета народных комиссаров немедленно подписать перемирие и начать мирные переговоры
трактовались как признание Россией собственного поражения. В своем интервью газете
«Фрайе Прессе» 19 ноября 1917 г. генерал Людендорф заявил, что приход к власти больше-

1 См.: Koenen G. Blick nach Osten. Versuch einer Gesamt-Bibliographie der deutschsprachigen
Literatur über Russland und den Bolschewismus 1917–1924 // Deutschland und die Russische Revolution:
1917–1924 / G. Koenen, L. Kopelew (Hrsg.). München, 1998. S. 827 [= West-östliche Spiegelungen. Reihe A.
Bd. 5].
2 Dworok G. «Historikerstreit» und Nationswerdung: Ursprung und Deutung eines bundesrepublikanischen Kon-
flikts. Köln, 2015.
3 Нольте Э. Европейская гражданская война (1917–1945): Национал-социализм и большевизм. М., 2003.
4 Копелев Л ., Кёнен Г. Проигранные войны, выигранное благоразумие. Беседа о прошлом в конце эпохи
// Германия и русская революция: 1917–1924 / Л. Копелев, Г. Кёнен (ред.). М., 2004. С. 24 [= Западно-
восточные отражения. Серия А. Т. 5]

424
Октябрьский переворот 1917 г. в Петрограде и его оценки в Германии

виков – не просто случайность, а закономерный результат нашей политики предшествую-


щих лет. Историк Ю. Фельштинский трактует эту фразу как намек на то, что за большевист-
ским переворотом стоит подрывная работа и денежные вливания Германии5.
Казалось, мечта немецких экспансионистов о «Срединной Европе» под своим контролем
и превращении восточного соседа в бессловесного вассала начала сбываться. Один из лиде-
ров правой Национал-либеральной партии Германии Аксель Рипке заявил 7 декабря 1917 г.:
«русская демократия лишь тогда сможет начать свою мирную деятельность, когда герман-
ский милитаризм закончит свою победоносную работу»6. Представитель МИД при ставке
Верховного главнокомандования сообщал 25 ноября, что по мнению военного руководства
«ситуация развивается в выгодном для нас ключе, надежды на мир любой ценой растут
[…]. Число просьб о перемирии увеличивается […]. Ленину удалось завладеть фронтом.
Ставка считает весьма желательной отправку денег ленинскому правительству»7.
Чтобы у читателей не возникло даже мысли о возможности повторения российских собы-
тий в Германии, официальная пресса страны с удвоенной энергией принялась эксплуати-
ровать один из главных постулатов военной пропаганды предшествующих лет: Россия есть
азиатская страна, и любые попытки направить ее на путь европейского развития обречены
на провал. Приход к власти большевиков трактовался не как углубление революции, а как
ее бесславное завершение, растворение в «азиатском хаосе», из которого возможен только
один выход – «внешнее управление», означавшее на деле иностранную оккупацию.
Для массового сознания немцев, которое за три года войны привыкло к образу дикой и не-
управляемой России, а за полгода революции дополнило его картинами революционных
оргий и государственного краха, тут не было ничего нового. Страна отрывалась от своих
исторических корней, ее сотрясали путчи и перевороты, ее шатало то влево, то вправо. Не
случайно газеты проводили параллели и с Парижской коммуной, и с генералом Кавеньяком,
и с Огюстом Бланки.
То, что в первом приближении выглядело как «очередной переворот» в цепи революци-
онных событий8, по истечении первых недель стало восприниматься гораздо серьезнее. К
власти в разрушенной стране пришла партия, которая начала самыми жесткими мерами
бороться с произволом революционной толпы, заодно выполняя обещания своих предше-
ственников, бесславно сошедших с исторической сцены. «Всеобщее стремление к миру,
немедленному и любой ценой» – это стало самым сильным впечатлением французского
офицера Жака Садуля, прибывшего в Петроград в начале октября 1917 г. В своем первом
письме на родину он подчеркивал: все русские хотят мира, но не могут его организовать9.
Буквально через две недели такой организатор нашелся. Большевики закрепили свой при-

5 Германия и революция в России: 1915–1918: Сборник документов / Ю. Фельштинский (ред.). М., 2013. С. 12.
6 Цит. по: Bertsch H., Weissbecker M. Die bürgerlichen Parteien in Deutschland und die Grosse Sozialistische Okto-
berrevolution // Die Grosse Sozialistische Oktoberrevolution und Deutschland / A. Anderle, M. Mammach u. a.
(Hrsg.). Bd. 1. Berlin (DDR), 1967. S. 216.
7 Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes (далее: PA AA). R 10085.
8 Vorwärts. 11. Nov. 1917.
9 Садуль Ж. Записки о большевистской революции (октябрь 1917 – январь 1919). М., 1990. С. 19.

425
Александр Ватлин

ход к власти знаменитым «Декретом о мире», решившись на выход из войны по принципу


«во что бы то ни стало», поставив чаяния одетых в солдатские шинели социальных низов
выше любых геополитических соображений и союзнических договоренностей. Декрет об-
ращался не только к россиянам, но и «к сознательным рабочим трех самых передовых наций
человечества и самых крупных участвующих в настоящей войне государств, Англии, Фран-
ции и Германии»10. Они должны были заставить правительства своих стран сесть за стол пе-
реговоров. Для Верховного командования Германии эти слова звучали как манна небесная.
В своей реакции немецкие генералы не были одиноки. Дипломаты также рассматривали
Октябрьский переворот как событие, способное привести к перелому в ходе мировой вой-
ны. Сотрудник германского посольства в Швеции Курт Рицлер записывал в своем дневнике
14 января 1918 г.: «Ленин действительно пришел к власти в России – это очередное чудо,
которое приведет к нашему спасению»11. В Берлине в первый момент даже не поверили в
подлинность Декрета о мире. На совещаниях в МИДе обсуждался вопрос, не является ли
его публикация хитрым ходом английской пропаганды с целью дискредитировать «прави-
тельство максималистов», как называли большевиков12.
Лишь 3 декабря 1917 г., то есть почти через месяц после переворота в Петрограде статс-се-
кретарь по иностранным делам Рихард Кюльман представил кайзеру Вильгельму доклад о
том, какую политику следует вести в отношении Советской России. Исходный тезис являл-
ся своеобразной вариацией на тему «слабого звена», только в отличие от Ленина речь шла
не о «цепи империализма», а об Антанте13. Большевики оказывались орудием разрушения
коалиции, противостоящей Центральным державам. Руководитель дипломатического ве-
домства констатировал совпадение интересов вчерашних противников: «для укрепления
собственного положения большевикам нужен мир; с ругой стороны, и нам крайне выгодно
использовать их, вероятно, недолгое правление, чтобы сначала добиться перемирия, а затем
по возможности и мира. Заключение сепаратного мира означало бы осуществление желан-
ной цели войны, разрыв отношений России со своими союзниками»14. Забегая вперед, сле-
дует сказать, что данная установка была полностью реализована германской дипломатией
на переговорах в Бресте.
С начала 1918 г. фиксация германского общественного мнения на подготовке мирного до-
говора все больше дополнялась интересом к основным чертам нового режима, утвердив-
шегося в России. Пролетарская диктатура с ее чрезвычайными мерами против «буржуев и
саботажников», введение рабочего контроля, т.е. отстранение предпринимателей от управ-
ления собственностью, и наконец, национализация банков (5 декабря 1917 г.) не оставляли
никаких сомнений: в России начинается социальная революция по рецептам родившейся в

10 Декреты Советской власти / Институт Марксизма-Ленинизма при ЦК КПСС. Т. I. М., 1957. С. 15–16.
11 Riezler K. Tagebücher, Aufsätze, Dokumente / K. D. Erdmann (Hrsg.). Göttingen, 2008. S. 454.
12 PA AA. R 10085.
13 «Российское звено стало слабейшим во вражеской цепи, а посему следует постепенно разомкнуть его и
по возможности отцепить». Цит. по: Кёнен Г. Между страхом и восхищением: «Российский комплекс» в
сознании немцев:1900–1945. М., 2010. С. 123.
14 Там же.

426
Октябрьский переворот 1917 г. в Петрограде и его оценки в Германии

Германии марксистской идеологии, а значит, объяснение в духе «азиатчины», «бунта раб-


ской души» и прочего экзистенциализма больше не работает.
В этих условиях особое значение приобретала оценка революционной диктатуры в России
ее идейным соратником – социалистическим рабочим движением Германии, которое счита-
лось во Втором Интернационале «образцовым». Исходя из прагматических соображений,
социал-демократы на первых порах приветствовали захват власти большевиками, ибо он
обещал скорейшее окончание войны на Востоке. 5 декабря 1917 г. газета СДПГ «Форвер-
тс» писала о том, что «максималистское правительство наводит порядок в стране», разру-
шенной политическими склоками предшествующих месяцев, причем делает это в интересах
российского пролетариата. Идеологические разногласия выносились за скобки, вопрос о
применимости русского опыта в Германии не ставился15.
Левые социалисты, изучая опыт Российской революции, концентрировали свое внимание
на том, что она принесла в практику политической борьбы пролетариата, и прежде всего
на проблеме рабочих советов. Их позитивно-сочувственное отношение к советской власти
продержалось недолго, катализатором критических оценок стал разгон большевиками Уч-
редительного собрания в Петрограде. Карл Каутский, а за ним и другие идеологи НСД-
ПГ – партии «независимцев» – пришли к выводу, что в России речь идет не о диктатуре
пролетариата как восходящего класса, а о безраздельном господстве одной партии, воспро-
изводившей в своей политике приемы и методы царского самодержавия. Другой видный те-
оретик НСДПГ Рудольф Гильфердинг всерьез воспринимал правление рабочих и крестьян-
ских советов в России, связывая появление такой формы правления с тем, что пролетарская
прослойка в населении этой страны была ничтожна. Германия же, имеющая социальную
структуру индустриального общества, покончит с капитализмом при помощи существую-
щих парламентских органов власти, считал Гильфердинг16.
Лидеры радикальных социалистов – группы «Спартак», идейно близкой большевикам, а
потому больше других рабочих организаций подвергавшейся полицейским преследованиям
в годы Мировой войны, видели в Октябрьском перевороте развитие и углубление процес-
сов, начатых в Феврале. В то же время Роза Люксембург (находившаяся в тюрьме) и ее со-
ратники пытались выработать критическую линию по отношению к политике большевиков,
ключевыми моментами которой были вопрос о сепаратном мире и о «красном терроре»17.
Листовки «Спартака», появившиеся в январе 1918 г., наряду с социальными целями нового
этапа революции подчеркивали бескомпромиссный пацифизм большевиков, их готовность
пойти навстречу требованиям трудящихся масс. «… Русские пролетарии борются сейчас,
опираясь на крестьянство, за удержание и укрепление только что завоеванной ими государ-
ственной власти. Они преследуют при этом двойную цель: Покончить с бойней народов.

15 Царуски Ю. От царизма к большевизму. Германская социал-демократия и «азиатский деспотизм» //


Копелев Л ., Кёнен Г. (ред.). Германия и русская революция. С. 109.
16 Smaldone W. Rudolf Hilferding: Tragödie eines deutschen Sozialdemokraten. Bonn, 2000. S. 94.
17 Кёнен Г. Между страхом и восхищением. С. 181.

427
Александр Ватлин

Приступить к осуществлению социализма»18. Только коренные социальные преобразова-


ния, по мнению Розы Люксембург и ее соратников, могли явиться гарантией от войн, кото-
рые в начале ХХ века стали инструментом разрушения человеческой цивилизации – от ее
материального фундамента до системы нравственных ценностей.
Главным внешним врагом российских пролетариев, с точки зрения «спартаковцев», высту-
пал германский империализм. Начало брестских переговоров о перемирии не должно вво-
дить немецких рабочих в заблуждение – «хищник никогда не изменяет своей природе». В
отличие от Ленина, понимавшего неизбежность сепаратного мира (хотя и встретившего на
первых порах острое противодействие среди своих ближайших соратников), немецкие ле-
вые социалисты отстаивали формулу достижения «всеобщего мира», подразумевая под ней
свержение монархии Гогенцоллернов. Чтобы достичь этой цели, рабочие Германии долж-
ны были по образцу Русской революции организовывать Советы, которым и предстояло
возглавить всеобщую политическую стачку. Перед ними открывалась альтернатива: «или
должно погибнуть правительство, или германский народ неминуемо обречен на гибель.
[…] Только народная революция и народная республика в Германии могли бы в кратчай-
ший срок привести нас ко всеобщему миру»19.
Хотя листовки «Спартака» не доходили до большинства немецких рабочих, вести о Рос-
сийской революции будили их социальную активность, которая нашла свое выражение в
лозунге «Сделаем как в России!» Правительственное «Бюро по социальным вопросам»,
которое отслеживало настроения в рабочей среде, уже 11 ноября 1917 г. сообщало: «Успех
большевиков породил вопрос у многих немецких рабочих: не является ли русский путь бо-
лее верным и в наших условиях, в отличие от мелкой политической и профсоюзной работы,
без выдвижения серьезных ориентиров?»20. Переход от слов к делу символизировали мас-
совые забастовки в Берлине в январе 1918 г., в которых приняло участие до полумиллиона
человек. Не имея достоверной информации о ходе революции в России, рабочие восприни-
мали ее как катализатор, необходимый для того, чтобы освободиться от верноподданниче-
ского духа, навязанного немцам их исторической традицией.
Голодные массы на исходе мировой войны были поражены вирусом равнодушия, они поте-
ряли веру в победу, сокрушался в своих мемуарах фельдмаршал Гинденбург.21 Его ближай-
ший соратник генерал Людендорф возлагал на гражданские власти ответственность за то,
что те не расправились с рабочими выступлениями железной рукой. Он писал, что в 1917 г.
рейхсканцлер Бетман-Гольвег и министр иностранных дел Австрии граф Чернин «всецело
находились под влиянием русской революции. Они оба опасались, что то же может произой-
ти в их странах».22 «Руководители рабочего движения и главные органы социалистической
печати, которые впоследствии вступили в борьбу с большевизмом, все еще не усматривали

18 Час решения // «Спартак» во время войны: Документы и нелегальные листовки союза «Спартак» во
время войны. М., 1933. С. 179–180.
19 Да здравствует всеобщая забастовка! На борьбу! // Там же. С. 187.
20 Цит. по: Rosenfeld G. Sowjetrussland und Deutschland 1917–1922. Berlin, 1960. S. 9.
21 Гинденбург П.ф. Из моей жизни. М., 2013. С. 240–241.
22 Людендорф Э. Мои воспоминания о войне 1914–1918 гг. М., 2016. С. 391.

428
Октябрьский переворот 1917 г. в Петрограде и его оценки в Германии

в нем особой опасности»23, подчеркивал в своих мемуарах Людендорф, «забывший» о том,


что весной 1917 г. он сам дал добро на отправку Ленина в Россию через территорию Герма-
нии.
Весьма различными были и оценки лозунгов и действий большевиков, направленных на
приближение всемирной пролетарской революции. И до, и после прихода к власти Ленин
заявлял, что российская революция является не столько национальным, сколько междуна-
родным явлением. Она должна превратить империалистическую войну в гражданскую, т.е.
в решающее столкновение между европейским пролетариатом и буржуазией, которое от-
кроет дорогу социалистическим преобразованиям во всем мире. Хотя Россия находилась
на периферии Европы и была отделена от передовых стран линией фронта, подобная пропа-
ганда находила горячий отклик у трудящихся масс. «Интернационализм в ситуации конца
Первой мировой войны был одной из самых доступных идеологем большевиков, способной
(пусть и в сильно упрощенной форме) политизировать даже солдат из неграмотных кре-
стьян»24.
Обещание новых властей России «раздуть мировой пожар» воспринимались либеральной
прессой и общественностью Германии как прямая угроза ценностям западной цивилиза-
ции. В то же время политики и публицисты не могли не признать, что ленинская трактовка
обновила марксистскую идеологию, заменила пассивное ожидание претворения в жизнь
железных законов истории революционным активизмом. В их высказываниях проскальзы-
вали даже нотки зависти перед «безбрежным российским идеализмом», который на поря-
док выше «узкой и мелкой западноевропейской жизни»25.
Особого страха перед «мировым большевизмом» и его возможным приходом в Германию
в берлинском МИДе в начале 1918 г. не испытывали. Дипломаты рассматривали события в
России в традициях реальной политики как изолированное явление, результат краха прог-
нившей государственной машины и в то же время как бессмысленный бунт русской души,
которым следует воспользоваться. В отличие от военных кругов, настаивавших на возобнов-
лении боевых действий в случае невыполнения германских ультиматумов26, ведущие сотруд-
ники МИДа выступали за налаживание торгово-экономических отношений с Советской
Россией, чтобы вовлечь ее в сферу германского влияния. Такая позиция дипломатического
ведомства сохранялась с небольшими модификациями вплоть до конца 1918 г.27

23 Там же. С. 494.


24 Альберт Г. «Мировая революция – прелестная вещь». Интернационализм большевистских активистов
первых лет советской власти // Бюллетень Германского исторического института в Москве. 2012. № 6. С. 23.
25 Из доклада литератора Артура Лютера «Мир духовных и политических представлений большевиков»,
прочитанного в Берлине в июне 1918 г. Цит. по: Кёнен Г. Между страхом и восхищением. С. 134.
26 См. донесение члена делегации Мирбаха адмирала Кейзерлинга из Петрограда от 21 янв. 1918 г. (РА АА.
R 10091). На донесении есть пометки рейхсканцлера Гертлинга, который подчеркнул фразу о том, что Рос-
сия вернулась к самодержавному правлению, Ленин и Троцкий «противодействуют соучастию во власти
говорливого народного представительства».
27 См. подробнее: Ватлин А .Ю. «Русский отдел» германского МИДа на рубеже 1918–1919 гг. //
Исторический журнал: научные исследования. 2015. № 3. С. 377–385.

429
Александр Ватлин

Переговоры о заключении мирного договора позволили представителям правящих кругов


Германии своими глазами увидеть состояние дел в России. На рубеже 1917/1918 гг. в Пе-
троград прибыла правительственная делегация для участия в работе совместной комиссии
по обмену военнопленными и восстановлению почтового и железнодорожного сообщения.
Ее руководитель граф Вильгельм Мирбах отмечал в своих донесениях, что по мнению остав-
шихся в российской столице дипломатов нейтральных стран большевики долго не продер-
жатся у власти. Рано или поздно «население увидит, что Троцкий и Ленин не наколдуют ему
хлеба, […] и поднимет на щит новых вождей»28. Члены делегации не верили в то, что власти
Советской России смогут в кратчайший срок воссоздать боеспособную армию. Уже после
подписания Брестского мира германские офицеры провели в передовых частях старой рос-
сийской армии массовый опрос, показавший стремление подавляющего большинства сол-
дат покинуть фронт. Из 18.847 опрошенных 87 % хотели бы вернуться в деревню, 11,3 % –
остаться в больших городах, и лишь 1,7 % были готовы продолжать службу в армии29.
Однако и без социологических опросов катастрофическое состояние армии было очевид-
ным. Революционные ультиматумы советской делегации во время переговоров в Бресте
только разжигали аппетиты кайзеровской военщины, приступившей к разделу «ничейно-
го» геополитического пространства от Вислы до Волги. Германские военные и дипломаты
в начале 1918 г. в один голос утверждали, что Россию как субъект международной политики
можно списать со счетов. Попытки Троцкого перехитрить своих оппонентов выдвижени-
ем агитационного лозунга «ни войны, ни мира» завершились провалом. Генерал Макс Го-
фман, игравший первую скрипку на переговорах в Бресте, имел основания злословить по
поводу «дипломатов в лаптях», прибывших из Петрограда. Окончательный вариант мира
между Советской Россией и Центральными державами, по его мнению, закрепил тот факт,
что «русское могущество на целый ряд лет уничтожено революцией и большевистским хо-
зяйничаньем»30.
Русофильские настроения консервативной части германской элиты, выраженные, в частно-
сти, в «Рассуждениях аполитичного» Томаса Манна31, были нейтрализованы очередным
приступом великогерманского шовинизма. Дуумвират Гинденбурга-Людендорфа, подмяв-
ший под себя всю внутреннюю политику страны, к 1917 г. добрался и до политики внешней.
Можно согласиться с мнением немецкого историка Карла Дитриха Эрдмана, что жесткую
линию военных в русском вопросе определяло не только желание опередить Антанту, но и
«воинствующий антибольшевизм, стремление любой ценой оградить Германию от рево-
люционной заразы»32.
Сопротивление гражданских деятелей оборачивалось их отставками, как это произошло
весной 1917 г. со статс-секретарем по иностранным делам Циммерманом и летом того же

28 Донесение графа Мирбаха от 4 янв. 1918 г. из Петрограда. PA AA. R 10088.


29 Телеграмма из Ставки Верховного главнокомандования в МИД от 12 марта 1918 г. РА АА. R 22314.
30 Гофман М. Война упущенных возможностей. СПб., 2016. С. 216–217.
31 См. подробнее: Кенен Г. «Рассуждения аполитичного». Томас Манн о России и большевизме // Копелев Л .,
Кёнен Г. (ред.). Германия и русская революция. С. 299–359.
32 Erdmann K. D. Kurt Riezler – ein politisches Profil // Riezler K. Tagebücher, Aufsätze, Dokumente. S. 101–102.

430
Октябрьский переворот 1917 г. в Петрограде и его оценки в Германии

года – с канцлером Бетман-Гольвегом. Не следует сбрасывать со счетов и то влияние, кото-


рое оказывал на реалистически настроенных политиков гром легких побед на Востоке. Бу-
дущий министр иностранных дел Веймарской республики, а в годы мировой войны послан-
ник в Дании, граф Брокдорф-Ранцау летом 1917 г. являлся сторонником компромиссного
мира с Россией, но уже в начале следующего года выступил за выдвижение в Бресте макси-
мальных требований33. Курт Рицлер, один из ключевых экспертов по России в германском
МИДе (в апреле 1918 г. его направят на дипломатическую работу в Москву), накануне под-
писания мирного договора высказывался за то, чтобы «шаг за шагом отвоевывать важные
для нас области» бывшей Российской империи34. Германское решение о прекращении мир-
ных переговоров и новом наступлении на Петроград было принято на коронном совете,
собравшемся 13 февраля 1918 г. Мнение статс-секретаря по иностранным делам Кюльмана,
настаивавшего на том, что бесполезно бороться военной силой с революционным образом
мыслей, не было принято во внимание35.
В условиях беззастенчивого дележа военной добычи на Востоке подали свой голос и круп-
нейшие предприниматели Германии. В своих меморандумах они просили учитывать не
только ожидаемые «преимущества» в эксплуатации ресурсов приобретенных территорий,
но и потери германских капиталовложений в результате национализации, проведенной со-
ветскими властями. По оценкам капитанов финансового бизнеса, представленным в герман-
ское правительство 27 февраля 1918 г., эти потери составляли от 4 до 5 млрд. марок36.
Подписание Брестского мира не только подвело черту под участием России в Первой ми-
ровой войне, но и позволило большевикам ужесточить собственную диктатуру. Немецкие
наблюдатели, в том числе прибывшие в Москву журналисты и дипломаты, подчеркивали
присутствие «железной руки» и необратимость произошедших изменений. «В своем от-
чаянии большевики способны на все», отмечал в своем донесении от 4 июня Курт Рицлер, в
очередной раз отводя советской власти срок жизни всего в несколько недель37.
Если в вопросе о судьбах первой российской демократии правящие круги Германии выбра-
ли правильный ответ, подчеркивая ее деструктивный характер и недолговечность, то в оцен-
ках перспектив большевистской диктатуры они кардинально ошиблись. Говоря вначале о
днях и неделях, а потом о месяцах, в течение которых Ленин сможет удержаться у власти,
они слишком доверяли марксистской упаковке, в которой подавались первые шаги револю-
ционной диктатуры. О том, что «утописты у власти» оказались прожженными прагматика-
ми, и завоеванное ими государство совсем не собирается «отмирать», все больше прибегая

33 Scheidemann Ch. Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau (1869–1928): Eine politische Biographie. Frankfurt a. M.,
1998. S. 345.
34 Письмо Рицлера немецкому посланнику в Швеции Бергену от 21 фев. 1918 г. // Riezler K. Tagebücher, Auf-
sätze, Dokumente. S. 704–705.
35 Baumgart W. Deutsche Ostpolitik 1918: Von Brest-Litowsk bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Wien; Mün-
chen, 1966. S. 64.
36 Rosenfeld G. Sowjetrussland und Deutschland 1917–1922. S. 89.
37 Регулярные донесения германского посольства в Москве начинаются с 28 апр. 1918 г., их авторами были
посол Мирбах и первый секретарь посольства Курт Рицлер. РА АА. R 10111.

431
Александр Ватлин

к методам тотального террора, в Берлине заговорили только летом 1918 г., и то лишь самые
смелые из комментаторов германской прессы38.
Новая геополитическая реальность, созданная в Центральной Европе «грабительским ми-
ром», вызывала у здравомыслящих политиков Германии сомнения в будущей стабильности
региона. Вальтер Ратенау признавал, что четыре независимых государства, возникших на
западных окраинах Российской империи, не дадут нам спокойной жизни. «Каким милым
соседом в сравнении с ними была имперская Россия!» – отмечал будущий министр ино-
странных дел Веймарской республики39. После Бреста не только Россия оказалась вассалом
германского империализма (об этом откровенно писала советская пресса), но и сама Герма-
ния была вынуждена связать свою судьбу с большевиками, ибо РКП(б), по единодушному
мнению берлинских политиков, оставалась единственной партией в России, с которой они
могли вести дальнейшие переговоры40.
Революция, разразившаяся в Берлине в ноябре 1918 г. и свергнувшая монархию Гогенцол-
лернов, имела в числе своих причин не только проигранную войну, но и влияние Россий-
ской революции, которое в течение года испытывали на себе «низы» и «верхи» немецкого
общества. Она покончила с наиболее одиозными приметами «старого режима» и расчи-
стила площадку для новых политических институтов. Берлинские революционеры активно
заимствовали русский опыт, назвав свое правительство Советом народных уполномочен-
ных и создавая по всей стране Советы рабочих и солдатских депутатов. Но это была только
похожая упаковка, внутри которой заключалось иное, либерально-демократическое содер-
жание. В отличие от России, вернувшейся к своему «особому пути» спустя всего лишь пол-
года после свержения царского самодержавия, первая германская демократия удерживала
страну от сползания к очередному «зондервегу» на протяжении целого десятилетия.

38 См. репортажи корреспондента газеты «Франкфуртер цайтунг» в Москве Альфонса Паке в книге: Кёнен Г.
Между страхом и восхищением. С. 149–156.
39 Письмо Ратенау майору Штайнбёмеру от 1 марта 1918 г. // Rathenau W. Politische Briefe. Dresden, 1929. S
173.
40 Меморандум, переданный 26 марта 1918 г. в МИД лидером немецкой партии Центр депутатом рейхстага
Матиасом Эрцбергером. PA AA. R 2000.

432
ХАНС ВОЛЛЕР

Токсичность на расстоянии. Резонанс Октябрьской революции в


Италии

То, что Италия представляла собой бочку с порохом, было очевидно всем наблюдателям.
После того, как во второй половине 19 века в стране началась индустриальная революция,
четко обозначились центробежные силы, направленные на внутренний раскол: современ-
ный промышленный Север все дальше удалялся от отсталого аграрного Юга. Напряжен-
ность между классово сознательными индустриальными рабочими и работодателями только
обострялась, точно также, как и конфликты между крупными землевладельцами и огромной
армией мелких арендаторов и поденных работников. С последними во многих отношениях
обращались как с рабами, но и они медленно пробуждались к политической жизни. К это-
му добавлялась идеологическая закоснелость, свойственная различным лагерям. В случае с
латифундистами и промышленными боссами верховодили силы, нацеленные на конфронта-
цию и очернявшие любой компромисс в случае тарифных споров и забастовок. Точно также
обстояло дело в организациях рабочего движения, где множились радикальные голоса, не
склонные приходить к консенсусу. Анархисты, синдикалисты и максималисты переживали
беспрецедентный взлет в рядах укрепившейся социалистической партии. Они, как и упря-
мые сторонники status quo на противоположной стороне баррикад, повсюду подливали
масло в огонь социального пожара, вследствие этого спираль насильственного противо-
стояния только раскручивалась. Италия до 1914 г. много раз стояла на пороге гражданской
войны1.
В годы Первой мировой войны ситуация ни в коем случае не стабилизировалась. Напротив,
после 1914 г. к прежним социальным и идеологическим сражениям добавился ожесточен-
ный спор между сторонниками и противниками войны, который прошел через все полити-
ческие лагеря и еще более углубил линии раскола во всей стране. Италия созрела – однако
для чего?
Этот вопрос долгое время оставался без ответа. В 1917 г. он возник с новой силой, посколь-
ку теперь – с революцией в России – имелся образец, задававший направление, в котором
могла двигаться Италия. Как итальянцы воспринимали эту модель? Что вообще знали в Ита-
лии о событиях в России? Как повела себя социалистическая партия, которая уже много лет
тесно сотрудничала с русскими социалистами, узнав о падении царизма? Как реагировало
на русскую революцию итальянское правительство? И какую позицию занял Муссолини,
чей антибольшевизм импонировал Гитлеру, обосновывая идеологическое «родство душ»
обоих фашистских диктаторов?2

1 См.: Woller H. Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert. München, 2010. S. 17–93.


2 См. в целом: Schieder W. Adolf Hitler: Politischer Zauberlehrling Mussolinis. Berlin; Boston, 2017.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 433–445


[Link] 433
Ханс Воллер

1. Революционные новости
Общественность знала о событиях в России мало, информация редко была надежной. С
одной стороны, это объяснялось спецификой итальянской прессы, которая фактически не
располагала собственными зарубежными корреспондентами и была вынуждена полагаться
на информацию крупных международных информационных агентств. Центральную роль
здесь играло агентство «Рейтер», однако нельзя утверждать, что оно делало все возмож-
ное для соблюдения объективности. Ленин был и оставался для «Рейтер» «подозритель-
ной фигурой», а большевики фигурировали в сообщениях агентства как кучка одичавших
авантюристов, которым неминуемо суждено поражение3. С другой стороны, плохая ин-
формированность итальянцев объяснялась строгой цензурой, которую правительство вве-
ло со вступлением страны в войну в 1915 г. Итальянцам не следовало узнавать что-либо, что
могло ухудшить их настроение и «подогреть» напряженность в обществе, расколотом по
многим основаниям.
Что же касается правительства, королевской семьи и военной верхушки, то они находились
в более комфортабельном «информационном» положении. У них был доступ к иностран-
ной прессе, кроме того, они узнавали новости от послов союзных государств из Лондона и
Парижа, по крайней мере теоретически. Зато собственные источники информации были
проблематичными. Рим имел посольство в Петрограде, однако посол не соответствовал
должности и был заменен осенью 1917 г.4 – как раз на пике революционных событий. Как
новый посол, так и его предшественник, консерваторы с графским титулом, в полной рас-
терянности наблюдали революционные коллизии, не в состоянии понять причины револю-
ции и мотивы радикализации русского общества, усиливавшиеся от месяца к месяцу. Соот-
ветственно такими же односторонними были их отчеты.
К этому добавились технические проблемы, такие как неполадки телефонной и телеграфной
связи. В конце концов посольство было вынуждено эвакуироваться, контакт с российскими
властями был утерян5. Поэтому итальянскому правительству в Риме было в принципе из-
вестно только следующее: царь свергнут в феврале 1917 г. с престола. Временное правитель-
ство действовало в тандеме с Государственной думой, разделив власть с Советами рабочих
и солдатских депутатов. «Двойная» власть объявила о широкомасштабных нововведениях,
таких как земельная реформа, и заверила союзников, что Россия будет соблюдать взятые
на себя союзнические обязательства в войне против Центральных держав. Что представлял
из себя Александр Керенский, начиная с лета 1917 г. самый влиятельный человек в России,

3 Aust M. Die russische Revolution: Vom Zarenreich zum Sowjetimperium. München, 2017. S. 218–219.
4 См.: Lomellini V. La «grande paura» rossa: L’Italia delle spie bolsceviche (1917–1922). Milano, 2015. P. 27–29;
Petracchi G. L’intervento italiano in Russia (1917–1919) // Storia contemporanea. 1975. № 3. P. 520–522.
5 Посол сначала выехал в Швецию, в Петрограде осталась лишь маленькая военная миссия. Позднее
посольство было вынуждено переезжать еще несколько раз, в результате чего полностью потеряло контакт
как с Римом, так и с правительством большевиков. См.: посол Томази делла Торретта – министру иностран-
ных дел Соннино, 16 марта 1918 г. // I documenti diplomatici italiani (далее: DDI). Quinta serie: 1914–1918.
Roma, 1954–1986. Vol. X. P. 348–349. См. также: посол Томази делла Торретта – министру иностранных дел
Соннино, 6 авг. 1918 г. // DDI. Quinta serie. Vol. XI. P. 277–278; посол Томази делла Торретта – министру
иностранных дел Соннино, 11 авг. 1918 г. // Там же. P. 301.

434
Токсичность на расстоянии. Резонанс Октябрьской революции в Италии

что планировали меньшевики и большевики, что думал о новом развитии страны старый
истеблишмент – на подобные вопросы имелись только расплывчатые ответы. В том числе
о Ленине и его политическом проекте было известно только то, что он стремится к выходу
России из войны и хочет разжечь пожар мировой революции6.
В 1918–1919 гг. ситуация с информацией улучшилась, в первую очередь благодаря тому,
что на Запад прибыли многочисленные русские эмигранты всех цветов и оттенков, кото-
рые поведали свои версии происходящего. Однако фокус сообщений оставался направлен
на Петроград и Москву, в то время как о положении в провинции и ходе гражданской войны
имелась лишь общая информация, зато курсировали многочисленные слухи. Более точные
сведения в Италии отсутствовали.

2. Итальянские социалисты: расколотое эхо русской революции


В аналогичном положении находилась Partito Socialista Italiano (PSI), Итальянская социа-
листическая партия, которая в феврале 1917 г. с энтузиазмом отреагировала на сообщения
из Петрограда – с энтузиазмом и в едином порыве, чего не наблюдалось уже долгое вре-
мя. Партия была безнадежно расколота по всем важным вопросам и теперь заняла единую
позицию лишь потому, что оба ведущих крыла партии трактовали события в России при-
менительно к своим политическим потребностям. Реформаторы, к которым относилось
большинство депутатов социалистической фракции парламента, профсоюзные деятели и
кооператоры, приветствовали Февральскую революцию, которая была в их глазах демокра-
тической революцией и, тем самым, следуя Марксу, исторически необходимым этапом на
пути к социализму. То, что Временное правительство объявило о проведении основополага-
ющих общественных реформ и пообещало интенсифицировать свои военные усилия, также
вызывало их одобрение. Новые властители России были братьями по духу, заинтересован-
ными в военной победе союзников, как и итальянские реформаторы-социалисты, которые
после катастрофы при Капоретто в октябре 1917 г. открыто заявили о своей поддержке от-
ечества, оказавшегося в смертельной опасности7.
Ленин, напротив, был для реформаторов красной тряпкой. Они не одобряли его революци-
онный пыл, якобы противоречивший учению Маркса, а также осуждали его радикальный
курс на заключение мира, который, с их точки зрения, вредил союзным державам и особен-
но Италии. Слишком сильным был страх того, что немецкие и австро-венгерские дивизии,
которые освободятся в случае заключения сепаратного мира на Востоке, будут задействова-
ны на фронтах сражений в Италии и решат там исход войны в свою пользу.
Такого рода патриотические чувства были совершенно чуждыми максималистам и револю-
ционерам в рядах социалистической партии. Они считали мировую войну войной капитали-
стов, в которой страдает только народ, и не хотели принимать в ней никакого участия – это

6 См.: Beyrau D. Petrograd, 25. Oktober 1917: Die russische Revolution und der Aufstieg des Kommunismus.
München, 2001.
7 См.: Procacci G. L’Italia nella Grande guerra // Storia d’Italia. Vol. 4: Guerre e fascismo 1914–1943 / a cura di G.
Sabbatucci, V. Vidotto. Roma; Bari, 1998. P. 79–80.

435
Ханс Воллер

было вовсе не их дело. Февральская революция в России в их глазах выступала только пер-
вым этапом переворота, который неминуемо и скоро приведет к завоеванию власти социа-
листами и миру во всем мире. Только немногие среди них хотя бы что-то слышали о Ленине
и большевиках, однако это не мешало их воодушевлению: «Мы не знали ни их программы,
ни их идеологии», – заявил позднее один из итальянских социалистов. «Мы были безогово-
рочно на их стороне, потому что они были против продолжения войны. Что было возможно
еще важнее, они были объектом нападок и оскорблений со стороны всех поджигателей во-
йны, со стороны всей итальянской буржуазии»8. Ленин, незадолго до этого большой знак
вопроса, внезапно стал – еще до Октябрьской революции – большой надеждой итальянских
максималистов, которые вскоре увидели в нем также великого обновителя марксизма. Ле-
нин, так считал тогда Антонио Грамши, «освободил учение Маркса от всяческой позитиви-
стской и натуралистической коросты», которая в конечном итоге вынуждала марксистов
признать, что «ход истории в высшей степени зависим от экономических факторов»9.
«Fare come in Russia» – сделаем так как в России10 –, гласил девиз, который находил вос-
торженный отклик у ядра итальянских социалистов. Ленин расценивался как глава револю-
ции, как миротворец и патрон-покровитель всех пролетариев мира – и эта оценка отнюдь
не изменилась после военной катастрофы итальянской армии при Капоретто, Октябрьской
революции и заключения сепаратного мира между Россией и Центральными державами
весной 1918 г. Только лишь после того, как в 1918–1919 гг. стало ясно, что большевизм оз-
начает на практике, а именно голод, террор и гражданскую войны, многие максималисты
прекратили горячечно бредить о перевороте и выразили сомнение в том, что Россия дей-
ствительно может послужить примером для Италии. Однако это сомнение привело лишь к
бесконечным теоретическим дебатам, которые во всех их подробностях оказались не в со-
стоянии расшифровать даже партийные интеллектуалы. На широкую общественность эти
споры не повлияли. Социалисты демонстрировали на публику сплоченность и придержи-
вались партийных решений, которые несли на себе отпечаток доминирующего марксизма11.
Таким образом, революционная пропаганда беспрепятственно осуществлялась дальше.
Даже многочисленные товарищи, которые уже давно стали лучше разбираться в ситуации,
все снова и снова пленялись гимнами в честь Ленина, революции и диктатуры пролетариата.
Неудивительно, что ожидания революционного переворота лишь усиливались у основной
массы трудящихся, а Ленин в их глазах приобретал почти мессианские черты12.
Почему? Почему именно в Италии промышленные и сельскохозяйственные рабочие ока-
зались столь восприимчивы к ленинским призывам? Начиная с 1900 г., в Италии царила ла-
тентная гражданская война, которая зачастую выливалась в кровавые столкновения между
трудящимися и силами безопасности. При этом регулярно задействовались армейские под-

8 Цит. по: Caretti St. I socialisti e la grande guerra (1914–1918) // Storia del socialismo italiano. Vol. 3: Guerra e
dopoguerra (1914–1926) / diretta da G. Sabbatucci. Roma, 1980. P. 80.
9 Caretti St. La rivoluzione russa e il socialismo italiano (1917–1921). Pisa, 1974. P. 142.
10 См. в целом: Petracchi G. Il mito della rivoluzione sovietica in Italia, 1917–1920 // Storia contemporanea. 1990.
№ 6. P. 1107–1130.
11 Caretti St. La rivoluzione russa e il socialismo italiano. P. 159.
12 См.: там же. P. 93, 63.

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Токсичность на расстоянии. Резонанс Октябрьской революции в Италии

разделения. Жертвами конфликтов из года в год становились сотни людей, речь постоянно
шла об одних и тех же требованиях: земля поденщикам, арендаторам и мелким крестьянам,
увеличение зарплаты и лучшие условия социальной защиты для промышленных рабочих.
Государство являлось для этих общественных групп ничем иным как врагом, который за-
щищает промышленников и латифундистов и отвечает на справедливые требования трудя-
щихся брутальными репрессиями. Война, социальная нужда, обострившаяся в результате
войны, а также сигнал, исходивший из России, подтверждали это глубоко укоренившееся
ощущение вечной дискриминации. Народ, как гласил лозунг самых громкоголосых социа-
листов, ничего не получит от войны. Пришло время ее закончить.
Ленинские требования, или то, что расценивалось как таковые, воодушевили эти широкие
общественные слои, которые с 1919 г. взяли свою судьбу в собственные руки: они нача-
ли забастовку и заняли крупные фабрики Северной Италии, парализовали транспортное
сообщение, отобрали землю у многочисленных латифундистов, при этом действуя так же-
стоко, что даже у многих социалистов замирало сердце. Италия, как казалось тогда многим,
в 1919–1920 гг. стояла на пороге кровавой революции. Социалистическая партия только
выигрывала от подобных настроений. По результатам парламентских выборов 1919 г. она
стала сильнейшей политической партией в Италии, а в ходе коммунальных выборов, пре-
жде всего в Северной Италии, победила с большим перевесом. Однако партия так никогда
и не нашла ответа на вопрос, что же она должна делать с доставшейся властью. Парламент-
ский путь в социалистическое будущее, как его представляли себе реформаторы, был закрыт
вследствие революционного настроения, охватившего массы взбудораженных сторонников
партии. В такой ситуации революционный путь был в сущности единственным, максима-
листы постоянно твердили об этом. Одни даже призывали провести забастовку в знак со-
лидарности с русской революцией и не медлили ни единой секунды в 1919 г., заявив о всту-
плении в Коммунистический Интернационал, тем самым еще раз подтвердив, что им святы
ленинские цели13.
Однако за словами пророков революционного переворота не следовали дела. Максимали-
сты не моги даже выработать единую программу действий, а в конечном итоге еще и рассо-
рились по поводу окончательного вступления в Коммунистический Интернационал. Они
оставались революционерами–мечтателями, с тем фатальным следствием, что подогревали
ожидания левого ядра в той же мере, как и жажду мщения социальных групп, которые чув-
ствовали себя в опасности из-за их радикальных обещаний. Вполне серьезно было настро-
ено только небольшое меньшинство вокруг Амадео Бордига, Антонио Грамши и Пальмиро
Тольятти. Эта группа в январе 1921 г. окончательно порвала с материнской партией и обра-
зовала Итальянскую коммунистическую партию14.

13 Caretti St. La rivoluzione russa e il socialismo italiano. P. 186, 191.


14 См.: König H. Lenin und der italienische Sozialismus 1915–1921: Ein Beitrag zur Gründungsgeschichte der kom-
munistischen Internationale. Tübingen, 1967.

437
Ханс Воллер

3. Амбивалентная позиция правительства


Принимая во внимание то обстоятельство, что в собственной стране имелась левая рево-
люционная сила, которую поддерживали готовые к насилию и перевороту массы, реакция
итальянского правительства была, на первый взгляд, легко предсказуемой. Однако все было
не настолько просто: правительство в Риме приветствовало Февральскую революцию, но не
потому, что для него много значили новые демократические свободы русского народа. Для
него речь шла исключительно и только об интенсификации военных усилий, которую обе-
щали предпринять новые власти в Петрограде. Именно по этому критерию в Риме меряли
как правительство Керенского, так и сменившее его правительство большевиков, которое с
момента взятия власти держало курс на быстрое заключение мира и поэтому столкнулось с
яростным неприятием со стороны Рима15. То, что Ленин и его соратники коренным обра-
зом преобразовывали царскую Россию в соответствии с теоретическими представлениями
большевиков и при этом сметали на своем пути все, что воспринимали как преграду, а так-
же то, что они стремились нести революцию всему миру, поначалу озаботило в Риме лишь
немногих. Эти аспекты вышли на первый план только после окончания Первой мировой
войны – лишь после 1918 г. в Риме стали страшиться некоего заражения революционной
бациллой. Однако не было ясно, насколько глубоко этот страх действительно поселился в
правительственных кругах, а в какой мере его инструментализировали, чтобы подавить как
социалистическую оппозицию, так и любую другу форму инакомыслия.
Таким образом, «русская политика» итальянского правительства осуществлялась под зна-
ком амбивалентности. В 1917–1918 гг. Италия категорически отклоняла контакты с боль-
шевистским правительством. Более того, в Архангельск, Мурманск и в Сибирь16 были от-
правлены небольшие военные контингенты, которые на стороне союзников должны были
«не только подавить большевистскую революцию и воспрепятствовать усилению немецкой
позиции»17, но также символически демонстрировать флаг и подчеркивать притязания Ита-
лии на роль великой державы18. Рим был готов признать любое русское контрправительство,
при условии, что оно выступит против большевиков19. Итальянское правительство даже не
исключало полноценного участия в военной интервенции20. Посол постоянно оказывал на

15 Министр иностранных дел Соннино – послам в Лондоне, Париже, Вашингтоне и Петрограде, 25 дек. 1917
г. // DDI. Quinta serie. Vol. IX. P. 545.
16 См.: Petracchi G. L’intervento italiano in Russia. P. 465–522; Petracchi G. La Russia rivoluzionaria nella politica
italiana: Le relazioni italo-sovietiche 1917–25. Roma; Bari, 1982. P. 85–97.
17 Neutatz D. Träume und Alpträume: Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert. München, 2013. S. 161.
18 Министр иностранных дел Соннино – посольствам в Лондоне, Париже, Вашингтоне, военному министру и
начальнику генерального штаба сухопутных войск, 24 июня 1918 г. // DDI. Quinta serie. Vol. XI. P. 98.
19 Министр иностранных дел Соннино – посольствам в Лондоне, Париже, Вашингтоне и России, 9 нояб.
1918 г. // DDI. Sesta serie: 1918–1922. Vol. I. Roma, 1956. P. 41.
20 Посол Томази делла Торретта – министру иностранных дел Соннино, 14 окт. 1918 г. // DDI. Quinta serie.
Vol. XI. P. 508; министр иностранных дел Соннино – посольствам в Лондоне, Париже, Токио, Вашингтоне,
России и начальнику генерального штаба сухопутных войск, 21 окт. 1918 г. // Там же. P. 544–545.

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Токсичность на расстоянии. Резонанс Октябрьской революции в Италии

правительство давление в этом направлении, так как рассматривал военную акцию против
большевиков как «гуманитарный долг»21.
Сит уация стала меняться в 1919–1920 гг. Итальянские власти корректировали свой курс,
при этом они не учитывали, что большевистское правительство постепенно консолидиро-
валось, а волна террора в России приблизилась к своему пику. Решающим моментом для
этой корректировки стало разочарование политикой старых союзников, которые в ходе
мирных переговоров отклонили территориальные притязания Италии, лишив ее возмож-
ности экспансии. В итоге Рим был вынужден, если не хотел оказаться в числе второразряд-
ных или даже третьеразрядных держав, искать новых союзников, причем наряду с Герма-
нией в числе потенциальных партнеров рассматривалась также большевистская Россия.
Поэтому Италия отозвала свой военный контингент из России,22 Рим публично выступал
против западного вмешательства во внутренние дела России и уже в 1920 г. рассматривал
возможность, возобновить экономический обмен с Россией как прелюдию к восстановле-
нию дипломатических отношений23.
Таким образом, страх большевизации Италии не был таким уж большим. Премьер-мини-
стры Франческо Саверио Нитти и Джованни Джолитти хорошо знали потенциал своих сил
государственной безопасности. Для них также не было тайной, что более половины ита-
льянцев боятся большевистского эксперимента. Там и тут под знаком «grande paura rossa»
(«великого красного страха») возникали первые союзы самообороны, которые в своей
свирепой решимости преследовали только одну цель: выступить против левых с оружием
в руках. Нитти и Джолитти, в конце концов, также точно знали, что социалистическая пар-
тия глубоко расколота, а партийное большинство в сущности было не готово, дать сигнал к
большому штурму. Италия, как гласил их хладнокровный вывод, не созрела для социалисти-
ческой революции. Ситуация только выглядела в некоторых местностях революционной.

4. Муссолини и «carnevale leninista»


Муссолини с воодушевлением воспринял как известие о свержении царизма, так и сооб-
щение о том, что Керенский взял власть в свои руки в июле 1917 г. Новый диктатор, по
мнению Муссолини, спас «русскую революцию и революционную Россию»24. Создание
Временного правительства и его авторитарная реорганизация, предпринятая Керенским25,
объяснялись Муссолини активизацией военных действий и подтверждали его тезис о том,
что война влечет за собой социальную революцию. «Революция не боится войны, война

21 Посол Томази делла Торретта – министру иностранных дел Соннино, 14 окт. 1918 г.; посол Томази делла
Торретта – министру иностранных дел Соннино, 21 июня 1918 г. // DDI. Quinta serie. Vol. XI. P. 83.
22 Lomellini V. La «grande paura» rossa. P. 92.
23 Detti T. La Rivoluzione d’ottobre e l’Italia // Studi Storici. 1974. № 4. P. 881–893, здесь P. 891.
24 Mussolini B. Viva Kerensky! (Il popolo d’Italia. 26 luglio 1917) // Opera Omnia di Benito Mussolini (далее:
OO). Vol. IX: Dalla crisi del ministero Boselli al Piave (18 giugno 1917 – 29 ottobre 1917) / a cura di E. Susmel,
D. Susmel. Firenze, 1952. P. 77.
25 См.: Figes O. Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924. München, 2001.
S. 465–481; Hildermeier M. Geschichte der Sowjetunion 1917–1991: Entstehung und Niedergang des ersten so-
zialistischen Staates. München, 1998. S. 80–87, а также переиздание 2017 г.

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Ханс Воллер

спасает революцию», – писал он в июле 1917 года26. Муссолини уже прорицал подобным
образом в 1914–1915 гг., и под знаменем этого пророчества боролся за вступление Италии в
мировую войну. Зато Ленин и Октябрьская революция были для него бельмом на глазу. При
этом его возмущала не революция сама по себе, в 1917–1918 он сам мечтал о великих пере-
менах. То, что эти перемены должны были быть делом революционного авангарда и повлечь
за собой многочисленные жертвы среди верхних слоев общества, Муссолини также считал
само собой разумеющимся. В вопросе радикальности и амбиций разрушителя старого мира
Муссолини не уступал Ленину. Не зря же до 1914 г. он принадлежал к революционному
крылу социалистической партии и возглавил самый настоящий поход ненависти против
буржуазно-аристократического истеблишмента.
Муссолини мог стать бы последователем Ленина, если бы националист, империалист и ан-
тисемит внутри него не вели его совершенно другим путем. Ленин добивался мира любой
ценой, чтобы спасти революцию. В случае с Муссолини все было наоборот: он стремился
к войне, чтобы начать революцию, а также во имя Великой Италии, границы которой в его
глазах были слишком тесными. Его видение будущего объединяло в единое целое войну,
революцию и империалистическую экспансию. Ключевой предпосылкой реализации это-
го проекта было формирование сильного «народного сообщества», в рядах которого не
было место для чуждых элементов и так называемых «врагов народа»27. Кто относился к
последним, определял Муссолини. Изображение здесь во всех подробностях этого проекта
и потенциального сопутствующего ущерба увело бы нас далеко в сторону. Однако о двух
группах жертв необходимо упомянуть, так как они были особенно важны для Муссолини
и находились в непосредственной связи с Октябрьской революцией. Речь идет об евреях и
социалистах. Евреи уже давно казались ему зловещими. Теперь же – в 1918–1919 гг. – эта
неприязнь только усилилась, так как в евреях Муссолини видел закулисных вожаков боль-
шевизма и, что еще хуже, пораженчества в России. Не довольствуясь тем, что заклеймил
Ленина как немецкого агента28, Муссолини рассматривал его также как еврея и даже нашел
для него новое имя: Цеорбаум или Цедербаум29. Почти все руководство коммунистической
партии находилось, согласно Муссолини, в еврейских руках, как в России, так в Венгрии, где
в 1919 г. коммунист Бела Кун пришел к власти, усилив революционные ожидания европей-
ских левых. Эти евреи на высших руководящих должностях управлялись, заявлял Муссоли-
ни, финансовым миром Лондона и Нью-Йорка, где также царили евреи. Тем самым евреи
мстили «арийской расе, которая много веков назад обрекла их на рассеивание [по всему
миру]. […] Международная плутократия, возглавляемая и контролируемая евреями, чрез-
вычайно заинтересована в том, чтобы процесс полной дезинтеграции жизни в России до-
стиг своего пика. Парализованная, дезорганизованная и обреченная на голод Россия будет
завтра тем местом, где буржуазия будет кататься как сыр в масле. Короли золотого тельца

26 Mussolini B. Bandiere rosse (5 luglio 1917) // OO. Vol. IX. P. 27.


27 См.: Woller H. Mussolini: Der erste Faschist. München, 2016. P. 159–161.
28 Mussolini B. Da Stürmer a Lénine (25 luglio 1917) // OO. Vol. IX. P. 74.
29 Mussolini B. Avanti, il mikado! (11 novembre 1917) // OO. Vol. X: Dal Piave al convegno di Roma (30 otto-
bre 1917 – 12 aprile 1918). Firenze, 1952. P. 41.

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Токсичность на расстоянии. Резонанс Октябрьской революции в Италии

полагают, что большевизму следует пожить дольше, чтобы еще лучше подготовить почву для
новых капиталистических предприятий»30.
Этот предпринятый Муссолини анализ, который не заметила почти вся историография, по-
священная дуче, датируется 4 июня 1919 года31. Ленин и большевизм характеризуются здесь
как инструмент еврейского финансового капитала, который полон решимости отомстить
«арийской расе» – тем самым они представляются смертельной угрозой западному миру,
к чему Муссолини однако отнесся скорее легко. Наряду с этим большевики фигурируют в
анализе Муссолини как пособники буржуазии, которую, после того как евреи закончат тво-
рить в России свои смертельные козни, ожидает страна Шлараффия, где капитализм найдет
для себя дополнительные многообещающие поля для деятельности.
Это пророчество якобы исполнилось двумя годами позднее, в 1921 году. Россия была в гла-
зах Муссолини «типичным капиталистическим государством», а коммунистическое прави-
тельство не заслуживало своего имени. На самом деле «оно представляло собой ничто иное
как “буржуазное” правительство», с которым следовало бороться32.
Когда Муссолини нападал на «еврея» Ленина и большевиков-«евреев», он хотел затро-
нуть не только новое правительство России. В первую очередь речь для него шла о том,
чтобы атаковать своих старых товарищей, которые в 1914 г. вышвырнули его из социалисти-
ческой партии. Мнения тогда разошлись по вопросу вступления Италии в войну – Итальян-
ская социалистическая партия была против, Муссолини – за. С этого момента Муссолини
клеймил социалистов как предателей родины, как «банду преступников» и как «ужасных
врагов»33, которые после 1917–1918 гг. делали все только хуже, так как в своем большинстве
встали на сторону большевиков, которые в свою очередь вывели Россию из войны, нанеся
тем самым урон Италии. Или, другими словами, социалисты служили интересам евреев и
обеспечивали бизнес гнусной международной буржуазии, которая рассматривала Россию
как поле невиданных ранее возможностей для экспансии и обогащения. Напротив, борьба
отечества за выживание и жизненно важные для Италии проекты экспансии постыдным об-
разом ничего для них не значили.

30 Mussolini B. I complici (4 giugno 1919) // OO. Vol. XIII: Dal discorso di Piazza San Sepolcro alla marcia di Ron-
chi (24 marzo 1919 – 13 settembre 1919). Firenze, 1954. P. 169–170; см. также: Mussolini B. Apologia o condan-
na? Il «Documento» Sadoul (16 marzo 1919) // OO. Vol. XII: Dagli armistizi al discorso di Piazza San Sepolcro
(13 novembre 1918 – 23 marzo 1919). Firenze, 1953. P. 301. В октябре 1920 г. без каких-либо объяснений он
снова взял обратно свои слова, согласно которым большевизм был делом рук евреев. См. об этом: Mussolini
B. Ebrei, bolscevismo e sionismo italiano (19 ottobre 1920) // OO. Vol. XV: Dal secondo congresso dei fasci al
trattato di Rapallo (26 maggio 1920 – 12 novembre 1920). Firenze, 1954. P. 269.
31 Исключение составляет Ричард Босворт. См.: Bosworth R. J. B. Mussolini: Un dittatore italiano. Milano, 2004.
P. 153. Однако и он не распознал идеологическое значение этой цитаты. См. также: Petracchi G. La Russia
rivoluzionaria nella politica italiana: Le relazioni italo-sovietiche 1917–25. Prefazione di Renzo De Felice. Roma;
Bari, 1982. Петракки, как и автор предисловия Де Феличе, считает значение большевизма для Муссолини
относительным.
32 Mussolini B. Italia e Russia (2 novembre 1921) // OO. Vol. XVII: Dal primo discorso alla camera alla conferenza
di Cannes (22 giugno 1921 – 13 gennaio 1922). Firenze, 1955. P. 204–205.
33 Mussolini B. Ciò che abbiamo ottenuto (25 dicembre 1917) // OO. Vol. X. P. 167.

441
Ханс Воллер

Муссолини нападал на социалистов с беспримерной агрессией и язвительностью. Этому не


стоит удивляться: социалисты не только не «вписывались» в представления Муссолини о
«народном сообществе», склонном к империалистическим авантюрам, но и вели за собой
широкие социальные слои, на поддержку которых претендовал сам Муссолини. Однако
также не подлежит сомнению, что он не страшился ни социалистов, ни заражения итальян-
ского общества бациллой русской революции. Италия в столь же малой степени похожа как
на Россию, так и на Германию, в которой большевистская искра также не превратилась в
пламя34. Муссолини писал: «Большевизм – это русский феномен. […]. Ему лишь удалось
заразить часть России […] Только население, на котором лежит отпечаток монгол и татар,
может смириться и может терпеть такой режим, который установил Ленин […]. Что же
касается западных наций, которые относятся к греко-римской цивилизации и являются
до крайности индивидуалистическими, такой режим не продержался бы 24 часов. Италия
[…] меньше всего [из всех стран] подвержена угрозе со стороны ленинизма»35. Скорее,
чем Италия, могла стать большевистской Великобритания. Однако в общем и целом у боль-
шевизма не была шанса на Западе, токсикоз был здесь невозможен – все снова и снова про-
поведовал Муссолини, причем для обоснования своих утверждений он зачастую привлекал
расистские стереотипы: Россия якобы является другой, азиатской страной36, с татаро-мон-
гольскими корнями, поэтому она стала для Ленина легкой добычей.
В итоге итальянские социалисты не особенно заботили Муссолини. В его глазах они взяли
курс на попадание в офсайд уже в 1915 г. и оказались вне игры в 1917 г., когда сделали без-
оговорочную ставку на большевиков, не узрев того, что Ленин был гробовщиком России и
социализма. «Режим, который пришел ко власти в России – в результате предательства и
сговора с немцами – не является социалистическим режимом, это красное самодержавие, у
которого есть свои цари, свои великие князья, чиновники, полицейские и свои виселицы»,
как у режима свергнутого царизма, – так Муссолини попрекал социалистов спустя год по-
сле Октябрьской революции37. В мае 1920 г. он выразился еще более четко: власть Ленина
представляет из себя «тиранию, более зверскую, варварскую, автократическую и милитари-
стскую, чем когда-либо знала история»38.
Продолжая, Муссолини заявлял, что приверженцы социалистов могут в некоторых городах
захватить улицы и площади и устроить на них «carnevale leninista»39, однако руководство
партии никогда не наберется духа, превратить игру в реальность. Для этого вожди соци-
алистов слишком рассорены между собой, слишком трусливы и, в конце концов, в своем

34 Mussolini B. Liebknecht è stato fucilato (17 gennaio 1919) // OO. Vol. XII. P. 152.
35 Mussolini B. Le manovre dei «boches». Ancora un ricatto? (24 novembre 1918) // OO. Vol. XII. P. 29. См.
также: Mussolini B. La decisione (15 aprile 1919) // OO. Vol. XIII. P. 58.
36 Mussolini B. Liebknecht è stato fucilato.
37 Mussolini B. Gli orrori del «Banditismo» leninista denunciati da un socialista russo nella rivista di Filippo Turati
(6 ottobre 1918) // OO. Vol. XI: Dal convegno di Roma agli armistizi (13 aprile 1918 – 12 novembre 1918).
Firenze, 1953. P. 396.
38 Mussolini B. Il Paradiso del Pidocchio. Missioni e missionari (20 maggio 1920) // OO. Vol. XIV: Dalla marcia di
Ronchi al secondo congresso dei fasci (14 settembre 1919 – 25 maggio 1920). Firenze, 1954. P. 456.
39 Mussolini B. Dopo la catastrofe, la «svolta» del «PUS». Dalle barricate alle urne! (2 agosto 1919) // OO. Vol.
XIII. P. 268.

442
Токсичность на расстоянии. Резонанс Октябрьской революции в Италии

большинстве слишком умны. «Прекратите выдавать себя за смелых львов», бросил он со-
циалистам в лицо, «когда вы представляете собой лишь трусливых зайцев, и прекратите
болтать о баррикадах, когда вы в состоянии лишь бросать бюллетени в урну»40. Опасность
грозила только в том случае, если события начнут развиваться помимо социалистов, дру-
гими словами, если разрушительный потенциал революционных промышленных рабочих
сольется с протестом сельскохозяйственных батраков, усилив анархистов, которые после
1918 г. переживали свой ренессанс. Однако ничего не говорило в пользу такого сценария,
а социалистическая партия отнюдь не намеревалась, выковать такой широкий альянс. Поэ-
тому Муссолини только насмехался: «Импотенция: так звучит слово, которое характеризу-
ет […] социалистов»41. Он расценивал их как «изгоев, которым нет места в жизни и исто-
рии»42, которые «обречены […] рычать и лаять, однако караван – как говорится в старой
притче – идет все дальше по великим дорогам, которые за пять лет глобальной трагедии
насквозь пропитались кровью, и этот караван, несмотря на собачий лай, достиг своей це-
ли»43. В любом случае социалисты не укусят, ведь «социалистическая партия «представляет
собой большого, жирного и неповоротливого зверя, с которым фашистский леопард может
шутить любые шутки»44.
Все это, однако, не означает, что от Муссолини осталось скрытым, что в Италии «бродит
призрак коммунизма»45, который не только вселяет неуверенность во многих итальянцев,
но и приводит их в панический ужас. Ему и его фашистам эти расползающиеся страхи
играли только на руку. Чем больше была воображаемая опасность, тем сильнее была по-
требность в защитниках, которые были достаточно мощны, чтобы справиться с ней. Поэ-
тому фашисты делали все, чтобы разжечь эти страхи, в то же время выставляя себя как ту
единственную силу, которая была в состоянии противостоять социалистам и анархистам.
Правительство в одиночку, заявлял Муссолини, было на это неспособно. Власти предоста-
вили левым слишком много свободы и сделали им слишком много уступок – из страха пе-
ред гражданской войной, которой не страшились Муссолини и его единомышленники. В
результате все произошло согласно фашистскому сценарию: сначала они превратились в
единственную надежду латифундистов, потом промышленников и, в конце концов, фаши-
сты стали союзниками правительства, хотя они никогда не допускали сомнения в том, что
преследуют свою собственную цель. «Исходная точка нашей борьбы с большевизмом не
является консервативной или […] реакционной»46, как в случае правительства и старых
властных элит. Специфическая полемика Муссолини, направленная против евреев, бур-
жуазии и капитализма, также указывала в этом направлении. Это сулило мало хорошего
правительству. После разрыва с социалистами Муссолини ни в коем случае не отказался
от своих революционных проектов. Сначала они были направлены против социалистов,
анархистов и коммунистов, которые были элиминированы при помощи правительства как

40 Mussolini B. I volti e le maschere (3 marzo 1920) // OO. Vol. XIV. P. 350.


41 Mussolini B. Ammissioni nemiche (20 giugno 1918) // OO. Vol. XI. P. 136.
42 Mussolini B. L’ora presente (23 giugno 1918) // Там же. P. 145.
43 Mussolini B. Consensi (10 settembre 1918) // Там же. P. 350.
44 Mussolini B. Un gesto di coraggio (19 ottobre 1920) // OO. Vol. XV. P. 267.
45 Mussolini B. L’altro spettro (29 novembre 1919) // OO. Vol. XIV. P. 157.
46 Mussolini B. I fatti di mantova e la duplice viltà dei capi (8 dicembre 1919) // Там же. P. 187.

443
Ханс Воллер

«анти-итальянцы», но затем все больше и больше – против буржуазного истеблишмента,


который так долго протягивал ему руку. В конечном итоге фашистская революция пожрала
своих наставников и отцов.

5. Резюме
– Русская революция усилила центробежные силы в итальянском обществе. Она
воздействовала как катализатор процесса раскола, который развивался уже деся-
тилетиями. Ленинское послание ускорило его и довело до стадии зрелости: оно
воодушевило революционные надежды социалистов и в тоже время мобилизовало
консервативных лидеров, которые и не думали покидать поле боя без битвы. В итоге
«холодная» гражданская война, давно царившая в итальянском обществе, транс-
формировалась после Первой мировой войны в «горячую».
– Русская революция внесла решающий вклад в раскол социалистической партии и,
тем самым, в ослабление демократического потенциала Италии. До 1917 г. конку-
рирующие и разъединенные крылья Итальянской социалистической партии все же
находили возможность, придерживаться единого курса. Октябрьская революция
и необходимость выбирать сторону, перед которой Ленин поставил в том числе
итальянских социалистов, разрушили единство партии, которая, серьезно постра-
дав от раскола, в будущем должна была также вести борьбу со своими враждебными
братьями из коммунистической партии, как будто бы ей было мало смертельной
конфронтации с фашистами, находившимися на подъеме.
– Итальянское правительство подогревало и инструментализировало «grande paura
rossa» («великий красный страх»), охвативший консервативные круги, хотя само в
действительности этот страх не разделяло. Власти также стремились достичь раскола
социалистической партии, привязав реформированное крыло к себе и подвергнув
революционное крыло дальнейшим репрессиям. То, что в результате такой политики
правительство теряло доверие буржуазных слоев, которые чувствовали себя безза-
щитными, а также придавало дополнительный импульс фашистам, рассматривалось
как побочный ущерб, который Муссолини охотно использовал в своих целях.
– Муссолини совершенно не боялся большевизма. Он не испытывал того «отноше-
ния к коммунизму, наполненного страхом и ненавистью», которое Эрнст Нольте
характеризовал как «движущий момент ощущений Гитлера и идеологии Гитлера»47,
да и в случае с Гитлером это еще требует доказательств. Муссолини знал итальян-
ских социалистов не понаслышке. Он считал их или революционными болтунами,
или слишком умными и прагматичными для того, чтобы они стремились повторить
в Италии более чем сомнительный русский эксперимент. Однако и он отнюдь не
страшился, подогревать чувство опасности в консервативных кругах. В результате
Муссолини приобретал новых сторонников и частичное признание со стороны

47 Nolte E. Der europäische Bürgerkrieg 1917–1945: Nationalsozialismus und Bolschewismus. Frankfurt a. M.; Ber-
lin, 1987. S. 16.

444
Токсичность на расстоянии. Резонанс Октябрьской революции в Италии

правительства, которое хотело его использовать в своих целях в ходе конфронтации


с социалистами. Вытекавший отсюда компромисс, который способствовал в 1922 г.
приходу Муссолини к власти, был едва ли возможен без токсичного дистанционного
воздействия Октябрьской революции.
– Антибольшевизм не был определяющим моментом ни для футуристов, ни для
националистов. Но и Муссолини, и ранние фашисты также не были антибольшеви-
ками. Иначе как бы «дуче» мог поддерживать план итальянского правительства,
восстановить дипломатические отношения с Россией? И как в противном случае он
мог бы уже ноябре 1922 г. рисовать советским дипломатам перспективы широкого
союза между Москвой и Римом?48 Впрочем, это было не в последний раз – следую-
щие авансы последовали в середине и в конце 1920-х годов49. Без сомнения, фашисты
извлекали выгоду, выступая против большевизма, а также получали пользу от того
угрожающего общественно-политического климата, который создали социалисты
своей революционной риторикой, ориентируясь на русский образец. Однако фаши-
сты не считали, что их противники бросают им серьезный вызов. Они ненавидели их
и враждовали с ними не потому, что те были приверженцами Ленина и называли себя
коммунистами, а потому, что те давали неверный ответ на вопрос «война или мир?»
и, следовательно, были заклеймены как предатели отечества. Фашисты чувствовали
себя выше этих «пораженцев», чувствовали настоящими революционерами, зака-
ленными в войне, со своей собственной программой действий. Фашисты действо-
вали решительно, они стремились создать «нового человека» в антураже «новых
обществ», и, в конечном итоге, образовать фашистское «народное государство»,
готовое к экспансии50. Когда в 1919 г. Муссолини начал воплощать в жизнь свои
мечты о новом государстве и великой Италии, его главными врагами были «парази-
тическая буржуазия», «прожорливый финансовый капитал» Лондона, Нью-Йорка
и Парижа и международное еврейство. Антибольшевизм играл в мыслях первых фа-
шистов только подчиненную роль. Достаточно ли это для того, чтобы пересмотреть
утверждение о «врожденном страхе»51 перед большевизмом как приводном ремне
фашистского движения после 1918 года? Многое говорит в пользу того, чтобы и этот
тезис Эрнста Нольте подвергнуть более обстоятельной проверке, а затем отклонить.

48 См.: Petracchi G. La Russia rivoluzionaria nella politica italiana. P. 231.


49 См. предисловие Де Феличе // Petracchi G. La Russia rivoluzionaria nella politica italiana. P. XIII.
Антибольшевизм стал фактором внешней политики Италии только в 1930-е годы.
50 См.: Gentile E. Der «neue Mensch» des Faschismus: Reflexionen über ein totalitäres Experiment // Der Faschis-
mus in Europa: Wege der Forschung / Th. Schlemmer, H. Woller (Hrsg.). München, 2014. S. 89–106.
51 См.: Nolte E. Der europäische Bürgerkrieg 1917–1945. S. 547.

445
МАРИ-ЛУИЗЕ РЕККЕР

Великобритания и революционная Россия

По мнению Рея Стеннерда Бейкера, американского журналиста и писателя, который при-


нимал участие в Парижской мирной конференции 1919–1920 гг., сопровождая Вудро Виль-
сона в качестве директора пресс-бюро американской делегации, влияние «русского вопро-
са» на участников конференции было огромным: «Париж нельзя понять без Москвы. […]
Россия играла в Париже более важную роль, чем Пруссия. В то время как прусская идея
потерпела поражение, русская идея увеличивала свое влияние»1. Таким образом, создание
нового мирового порядка в Европе и подавление большевизма были тесно связаны друг с
другом. Спустя двадцать лет Арно Дж. Майер взял эту интерпретацию на вооружение и
превратил ее в главный мотив своего повествования о переговорах стран-победительниц в
Версале и других предместьях французской столицы2. Как подчеркивал Майер, в лице Виль-
сона и Ленина друг другу противостояли протагонисты двух альтернативных концептов
мирового порядка3, которые стремились реализовать свои представления о будущем после
окончания мировой войны.
Эта интерпретация, без сомнения, несправедливо минимизирует то значение, которое для
всех собравшихся в Париже имели немецкий вопрос и обуздание гегемонистских устрем-
лений Германии. Кроме того, она несёт на себе сильный отпечаток блоковой конфронта-
ции времен Холодной войны. И все же эта точка зрения отображает главное устремление
стран-победительниц, а именно не только защитить европейский континент от возрожде-
ния амбиций Германии в качестве великой державы, но и – совершенно безотлагательно –
привить европейцам иммунитет против распространения революционного движения, ис-
ходившего из России. Ведь именно в странах, потерпевших поражение в войне, социальные
конфликты и политические беспорядки приобрели настолько большой масштаб, что боль-
шевистская идея находила здесь прекрасно подготовленную почву. Но и в станах-победи-
тельницах усталость от войны и необходимость давно назревших социальных и политиче-
ских реформ сформировали благоприятный климат для революционных эксцессов. В этом
смысле «русский вопрос» на самом деле был злободневным вопросом Парижской мирной
конференции.
Отпор ленинскому концепту будущего мирового порядка и сдерживание «русской опасно-
сти» волновали также и британское правительство. Поскольку Соединенное королевство
в качестве гаранта «баланса сил» традиционно преследовало цель, обеспечивать полити-
ческий порядок, отмеченный равновесием, сотрудничеством и открытыми рынками как в

1 Baker R .St. Woodrow Wilson and World Settlement: Written from His Unpublished and Personal Material. 3 vols.
Vol. 2. Garden City, NY et al., 1923. P. 64.
2 См.: Mayer A. J. Politics and Diplomacy of Peacemaking: Containment and Counterrevolution at Versailles
1918–1919. New York, 1967.
3 См.: Mayer A. J. Wilson vs. Lenin: Political Origins of the New Diplomacy, 1917–1918. New Haven, 1959.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 447–452


[Link] 447
Мари-Луизе Реккер

Европе, так и в мире в целом, британская дипломатия в Париже сделала ставку на то, чтобы
создать стабильный и сбалансированный послевоенный порядок. Однако для этого сле-
довало задушить исходившую из России революцию. Премьер-министр Великобритании
Дэвид Ллойд Джордж был горячим сторонником программы, прокламированной Вудро
Вильсоном, который призывал потушить революционный пожар, раздуваемый из Москвы,
посредством умеренных, но действенных социальных реформ, а также приемлемых условий
мира для бывших Центральных держав. Однако Ллойд Джордж был вынужден все время
исключать из данной программы те или иные пункты, учитывая позицию консерваторов –
своих партнеров по правительственной коалиции, а также требования французов. Поэтому
его политика была не такой решительной, как президента США.
Еще одной трудноразрешимой проблемой для Британии стал вопрос о политических силах,
на которые ей стоит сделать ставку в России, и кто должен был занять место большевиков во
главе России после того, как революция будет разгромлена. К царской монархии Лондон от-
носился скорее скептически, в особенности после того, как робкие либеральные реформы
были свернуты царем после 1905–1906 гг. и наметился возврат к самодержавию. Движущие
политические силы Февральской революции гораздо больше соответствовали представле-
ниям британцев о новом политическом порядке, нацеленном на политическое и социальное
реформирование, однако было в высшей степени неясно, смогут ли эти силы – кадеты, эсе-
ры и меньшевики – удержаться у власти. Но в первую очередь британское правительство
стремилось помешать выходу России из войны и облегчить угрожающее положение своих
собственных войск на Западе за счет русского наступления на Восточном фронте. Поэтому
Британия оказывала сильное давление на Временное правительство, принуждая его выпол-
нить взятые обязательства и наконец-то предпринять обещанное наступление. Когда же
июньское наступление 1917 г. провалилось, судьба Февральской революции была решена.
Приход большевиков к власти поставил британскую политику в отношении России4 перед
совершенно новыми вызовами. Со своими лозунгами хлеба, земли и мира Ленин и Троцкий
совершенно явно отмежевались от прежней линии сотрудничества с союзными держава-
ми. Перемирие, а затем и мир в Брест-Литовске означали не только выход России из воен-
ной коалиции, но и ее отказ, максимальное дистанцирование от тайных договоренностей
в отношении целей войны, что не могло не задеть союзников. Публикация в ноябре 1918 г.
всех тайных договоров прежних российских правительств была на самом деле «неслыхан-
ным событием, в результате которого тайны дипломатии стали достоянием международ-
ной общественности»5, тем самым большевики сознательно нарушили интернационально
признанный свод дипломатических правил. Однако в первую очередь Ленин стремился
превратить мировую войну в войну гражданскую. Его целью была целая серия революций,
которые в конечном итоге должны были вылиться в окончательное сражение социальной
революции. Эти революции были призваны не только радикально изменить политический и
общественный порядок в Европе, но и разжечь глобальную освободительную борьбу тузем-

4 Этот вопрос был тщательно изучен уже достаточно давно: Ullman R. H. Anglo-Soviet Relations, 1917–1921.
3 vols. Princeton, 1961–1972.
5 Leonhard J. Der überforderte Frieden: Versailles und die Welt 1918–1923. München, 2018. S. 78.

448
Великобритания и революционная Россия

ных народов на других континентах. Теперь очертания на политической карте мира должна
была определять не система международного порядка, выработанная на мирных перегово-
рах, а вселенский строй, опирающийся на идеалы социальной революции.
Для правительства в Лондоне все это было не только внешнеполитической провокацией,
но и внутриполитическим вызовом. И хотя Лейбористская партия и профсоюзы по-преж-
нему поддерживали политику военного кабинета и тесно сотрудничали с ним как на персо-
нальном уровне, так и административно, однако с ростом усталости от войны как на полях
сражений, так и в тылу эта поддержка все больше была под вопросом. Социальный протест
начал прокладывать себе дорогу в 1917–1918 гг.6 волной забастовок, прокатившихся по
крупным центрам оборонной промышленности, по верфям Клайда, угольным шахтам Уэ-
ллса и Северной Англии, а также по железным дорогам. В глазах правительства социаль-
ное недовольство легко могло быть инфицировано «бациллой большевизма». Отдельные
вспышки недовольства в армии, в ходе которых солдаты требовали скорейшего окончания
войны и демобилизации, многие наблюдатели также расценивали как тревожные признаки
революционного настроения. И, не в последнюю очередь, растущее недовольство в рядах
Лейбористской партии, особенно в ее левом крыле, сигнализировало о том, что политиче-
ская система Соединенного королевства также пришла в движение. И хотя процессы распа-
да традиционной политической системы, включая возникновение левых социалистических
и коммунистических группировок, протекали здесь с гораздо меньшей интенсивностью,
чем во Франции, Италии или Германии, потрясения, исходившие от российской Октябрь-
ской революции, затронули также британские острова.
Ответом британского правительства на эту ситуацию стала быстрая демобилизация солдат
и, что еще более характерно, начало осуществления широкой социальной программы. Эта
социальная программа несомненно была детищем Ллойд Джорджа, который еще в свою
бытность министром финансов в довоенное время выступил инициатором масштабной
реформы. Его назначение премьер-министром в 1916 г. не в последнюю очередь преследо-
вало цель, существенно интенсифицировать военные усилия страны, но при этом обещать
солдатам на полях сражений и рабочим в тылу социально-политическую компенсацию за
их услуги, оказанные отечеству. Правительство хотело сделать послевоенную Британию
«Страной, достойной героев»7, предусмотренные меры включали в себя соответствующие
выплаты инвалидам, вдовам и сиротам, широкую строительную программу, расширение
медицинского обслуживания, улучшение системы образования, снижение длительности ра-
бочей недели и отмену всех избирательных ограничений. И хотя эту программу нельзя трак-
товать исключительно или в первую линию как ответ на русскую революцию, поскольку она
задумывалась раньше, вызовы, исходившие из Москвы и Петрограда, были важнейшим ар-
гументом для ее окончательного завершения и принятия.
Перед лицом роста социальной напряженности во всех воюющих государствах,
локализация, а лучше уничтожение «бациллы революции» было требованием текущего

6 См. более подробно: Mayer A. J. Politics and Diplomacy of Peacemaking. P. 133 след., 604 след.
7 См.: Johnson P. B. Land Fit for Heroes: The Planning of British Reconstruction, 1916–1919. Chicago; London,
1968.

449
Мари-Луизе Реккер

момента. Ни одна из метафор не использовалась так часто в ходе дискуссий о русской


революции как метафора лесного пожара, который стремительно пожрал гибнувшую
царскую империю и теперь угрожает всему континенту. Лесной пожар загорается случайно,
он уничтожает все, что стоит на его пути, его нельзя потушить привычным способом, он
мощнее любого пожарного. Единственная возможность, победить лесной пожар – сделать
просеки и канавы на его пути, то есть оградить его зонами безопасности, которые он не
сможет преодолеть. Этот образ лесного пожара в высокой степени характеризовал собой
отношение Великобритании к революционной России.
При этом из перспективы Лондона было трудно понять, что же собственно происходит в
России. Новости, достигавшие Запада, говорили о насилии, гражданской войне, грабежах,
голоде, а также о крахе любого государственного и общественного порядка. Всюду буше-
вали «красный» и «белый» террор. Россия, как писал позднее Ллойд Джордж, превра-
тилась в джунгли, в которых никто не мог распознать, что происходит на отдалении всего
лишь в несколько метров8. Поскольку иностранные державы отозвали летом 1918 г. своих
дипломатов из Петрограда, а вслед за ними в течение следующих месяцев выехало также
большинство иностранных журналистов, то практически отсутствовал какой-либо контакт
с событиями в России. «Во время конференции вершители мира знали о России примерно
столько же, сколько об обратной стороне луны»9.
Правительство в Лондоне не рассматривало возможность широкого военного вмешатель-
ства с целью свергнуть большевиков, хотя именно такого курса все снова и снова требовал
не только военный министр Черчилль. Поддержка белых войск под командованием адми-
рала Колчака и генерала Деникина может расцениваться как пролог такого курса, однако
участие Великобритании в этом деле было скорее вялым. Прямая интервенция британских
войск в Мурманске и Архангельске также протекала с заминками, ее все время тормозила
озабоченность командования по поводу морали и боевого духа войск. Попытки, которые
могли бы привести к свержению большевиков, требовали совершенно другого порядка ве-
личин. Если признать точность диагноза Ллойд Джорджа, согласно которому приход Ле-
нина к власти был обусловлен социальными проблемами царского режима и преобладаю-
щей усталостью от войны как русских войск, так и гражданского населения, то стоит также
согласиться с тем, что эти две проблемы нельзя было решить вмешательством извне. Поэ-
тому целью британского правительства была не ликвидация революции, а ее сдерживание,
„containment“, а не „counterrevolution“.
Этой цели служила поддержка национальных движений на периферии бывшей Российской
империи, начиная с Кавказа (Грузия, Армения, Азербайджан), через Украину и вплоть до
Чехословакии, Польши, государств Балтии и Финляндии, а также укрепление Румынии и
Болгарии. Здесь речь шла не только о реализации на практике лозунга самоопределения на-
ций, который как Ленин, так и Вильсон называли в качестве основополагающего принципа
нового мирового порядка. Эти новые государства следовало привлечь на сторону Запада.
Урезанная таким образом до своих первоначальных границ Россия расценивалась рядом

8 Lloyd George D. The Truth about the Peace Treaties. 2 vols. Vol. 1. London, 1938. P. 326–327.
9 MacMillan M. Die Friedensmache: Wie der Versailler Vertrag die Welt veränderte. Berlin, 2015. S. 103.

450
Великобритания и революционная Россия

правительственных деятелей в Лондоне с точки зрения геополитики в качестве предпоч-


тительной опции для будущего Британской империи. Таким образом, новые страны, воз-
никшие на обломках Российской империи, образовывали кольцо безопасности вокруг ядра
большевистского господства, призванное послужить сдерживанию революционного «лес-
ного пожара».
Особое значение в рамках стратегии сдерживания играл пояс восточноевропейских
государств, поскольку он географически располагался между очагом революционной
опасности и западно-европейскими и центрально-европейскими государствами –
Великобританией, Францией, Италией, а также Германией, находившимися под угрозой.
Стратегия сдерживания опасности, исходившей из России, предполагала стабилизацию
этого пояса. Поэтому британское правительство активно занималось задачей политической
и экономической консолидации данных государств10. При этом поддержкой Лондона
преимущественно пользовались силы, которые выступали за политическую культуру,
ориентированную на западную модель. То есть речь шла об умеренных социал-демократах
и либералах, открытых для реформ. Учитывая тяжелое положение со снабжением населения
в этом регионе, а также в целях поддержать здесь строительство стабильных политических
и экономических структур, британское правительство даже рассматривало возможность,
запустить для стран «пояса безопасности» широкую программу восстановления
экономики. Здесь само собой напрашивается сравнение с планом Маршала после Второй
мировой войны. Однако эта инициатива вскоре была похоронена, а именно как только
выяснилось, что США не будут в этом участвовать. Кроме того, сама Великобритания уже
испытывала первые признаки всемирной экономической депрессии начала 1920-х годов.
Усилия, направленные на то, чтобы создать на западной оконечности России Cordon
sanitaire («санитарный кордон») для сдерживания «лесного пожара» революции следует
расценивать как недостаточные. Новые государства, образовывавшие кордон, столкнулись с
множеством политических, социальных и экономических проблем, что мешало их быстрой
консолидации. И даже кооперация между ними была затруднительной. Казалось, что вы-
строенный кордон рухнет в результате кризиса марта – апреля 1919 г.: первая костяшка до-
мино упала с провозглашением советской Венгерской республики во главе с Бела Куном.
Перед лицом растущего социального недовольства в Австрии и соответствующих слухов о
предстоящем большевистском путче были все основания считать, что революционная искра
также перепрыгнула на дунайскую республику, а с радикализацией революционного движе-
ния в Германии весной 1919 г. и провозглашением Мюнхенской и Бременской советских
республик в опасности оказалась даже молодая парламентская демократия Веймарской ре-
спублики. И хотя кризис был преодолен и правительство Белы Куна в Будапеште свергнули,
эти события наглядно продемонстрировали слабость формирующегося послевоенного по-
рядка перед лицом угрозы, исходившей из Москвы.
Негативный взгляд Лондона на события в Москве только усугубился в связи с этими про-
цессами. Как заявил Ллойд Джордж в середине апреля 1919 г. в своей программной речи,

10 См. подробнее: Recker M.-L. England und der Donauraum 1919–1929: Probleme einer europäischen Nachkrieg-
sordnung. Stuttgart, 1976.

451
Мари-Луизе Реккер

произнесенной в Палате общин, Россия напоминала ему вулкан, сотрясаемый чудовищны-


ми извержениями11. Государство было фактически разрушено и утратило свои функции под-
держания порядка, страна погрязла в гражданской войне, власть валялась на дороге. Жесто-
кое убийство царской семьи шокировало западную общественность. Своей пропагандой
мировой революции и посылкой агентов, разжигавших классовую ненависть и подстрекав-
ших к мятежам, Россия поставила себя по ту сторону международного порядка и преврати-
лась в парию среди мировых держав. Вплоть до начала 1920-х годов революционная Россия
была исключена из семьи европейских государств. Лишь после того, как фаза революции
и гражданской войны внешне и внутренне сменилась фазой советского государственного
строительства, молодой Советский Союз смог постепенно вновь завязать контакты с евро-
пейскими державами. Великобритания во главе с ее первым лейбористским правительством
восстановила дипломатические отношения с СССР в 1924 г., вслед за ней немного позднее,
хотя и внутренне сопротивляясь, последовала Франция.

11 House of Commons. Parliamentary Debates. 5th series. Vol. 114. Cols. 2936–2956. Заседание от 16 апр. 1919 г.
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Коллоквиум «Ноябрьская революция в Германии в
германо-российском контексте»
Мюнхен, июль 2018 г.
ШТЕФФЕН АРНДТ

Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в


зеркале архивов Готы и Эрфурта

I. Первая мировая война и «фронт в тылу»


После покушения в Сараево 28 июня 1914 г. на наследника австро-венгерского престола
эрцгерцога Франца Фердинанда, между военно-политическими блоками в Европе велись
лихорадочные дипломатические переговоры, которые, однако, закончились неудачей на об-
щем фоне готовности всех задействованных сторон, вступить во взаимную борьбу. Фран-
ция стремилась взять реванш за поражение 1871 года. Великобритания хотела устранить
угрозу своему мировому господству в лице немецкой программы строительства военного
флота, а также экономической мощи единого Германского рейха. Россия конкурировала с
Австро-Венгрией на Балканах. Германия как национальное государство и великая держава
старалась наконец-то завоевать причитавшееся ей «место под солнцем», в котором ей до
сих пор было отказано, а также разорвать кольцо изоляции Антанты. В итоге кайзер Виль-
гельм II наделил своего союзника в Вене неограниченными политическими полномочиями,
заверив, что в сложившейся ситуации Германия «в духе старой дружбы всеми силами под-
держит Австро-Венгрию в соответствии со своими союзническими обязательствами». Эта
поддержка обусловила предъявление ультиматума Сербии, что повлекло за собой роковой
каскад событий. В начале августа 1914 г. великие державы Европы привели свои армии в
боевую готовность, Германия провела мобилизацию 1 августа 1914 г.
Так как Германия должна была избежать войны на два фронта, план Шлиффена предусматри-
вал в начале войны масштабное окружение войск противника и взятие их в клещи, при этом
немецкие войска должны были обойти хорошо укрепленную восточную границу Франции,
чтобы победить французов в ходе короткой кампании. После этого немецкие армии должны
были развернуться лицом на Восток и разбить армии русского царя. Этот план провалился
уже в первые месяцы войны, так как в России мобилизация была произведена значительно
быстрее, чем предполагалось. В результате Германия потеряла Восточную Пруссию. Герман-
ский Генеральный штаб должен был перебросить на Восток значительные силы с Западного
фронта, что ослабило возможности Германии в борьбе с Францией. Кроме того, нарушение
нейтралитета Бельгии повлекло за собой вступление в войну Великобритании.
Вначале военные действия на Западе были успешными для Германии, но уже в сентябре
1914 г. немецкое наступление захлебнулось в битве на Марне, превратившись в мучитель-
ную окопную войну. Поскольку бронированная техника, которая могла бы обеспечить
мобильность операций, появилась на фронтах только к концу мировой войны, обороняю-
щаяся сторона пользовалась значительным преимуществом, так как окопные сооружения,
снабженные тяжелыми пулеметами, были практически неприступными для атакующих. В
результате Первая мировая война превратилась в войну на уничтожение, отличавшуюся
невиданной ранее жестокостью. Всего война унесла около 17 млн. жизней. Отдельный че-

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 455–478


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Штеффен Арндт

ловек был теперь только пушечным мясом, решающее значение в этой войне имело то, ка-
кая из противоборствующих сторон сумеет с наибольшей эффективностью перевести все
народное хозяйство на рельсы тотальной военной экономики. Война теперь определяла все
сферы жизни, став резким перелом традиции мирного существования: в конце концов, по-
следняя война Германии против Франции случилась более сорока лет назад.
С началом войны правительству кайзеровской империи удалось, благодаря провозглаше-
нию внутреннего перемирия между политическими партиями, снять внутриполитическую
напряженность. Социал-демократы также поддержали перемирие и проголосовали в Рейх-
стаге за выделение военных кредитов, запрошенных правительством. В первые августов-
ские дни немецкое население охватила самая настоящая эйфория по поводу объявления
войны, отчасти потому, что все ждали короткой войны, отчасти из-за того, что слава, честь
и смерть за отечество расценивались в милитаризованном обществе Германского рейха как
высший культ. В прессе публиковались бесчисленные патриотические стихотворения по
образцу «Юной девы». Император с супругой призвали всех немцев, мужчин и женщин,
выполнить свой долг перед родиной.
Однако Германский рейх был крайне слабо подготовлен к затяжной войне. Уже до 1914 г.
Германия покрывала треть своих продовольственных нужд за счет импорта. Запасов сде-
лано не было, напротив, до лета 1914 г. Германия даже экспортировала пшеницу и рожь.
Британская морская блокада поставила крест на поставках удобрений в Германию, в итоге
плодородие почв заметно ухудшилось. Нехватка продовольствия, которую население ощу-
тило практически сразу же после начала войны, привела к значительному росту цен, пока
имперское правительство не установило в октябре 1914 г. твердые цены. В совершенно се-
кретной записке, обосновывающей обнародование этих мер, по поводу пшеницы и отрубей
говорилось следующее: «Предположим, что имеющиеся запасы не увеличатся и не уменьшат-
ся за счет ввоза или вывоза […] в этом случае до следующего урожая мы будем испытывать
нехватку в размере 1,95 млн. тонн пшеницы и 3,28 млн. тонн ячменя. […] В условиях такой
значительной нехватки, нелимитированное потребление немецким населением пшеницы мо-
жет быть сохранено лишь в течение 8 месяцев»1.
В июне 1915 г. во всем рейхе были введены хлебные карточки, а в конечном итоге вся хлеб-
ная отрасль перешла под контроль государства. В свою очередь всеобъемлющая бюрокра-
тия и государственный диктат цен вызвали сопротивление со стороны производителей, что
выразилось в дальнейшем сокращении объемов продукции. Кроме того, сформировался
обширный черный рынок, через который реализовывалось от 30 % до 50 % всех наличе-
ствовавших продуктов питания. Так как государственный рацион покрывал только около
50 % суточной потребности в калориях, все дополнительное обеспечение продуктами за-
висело от собственных средств потребителей. Нехватка продовольствия привела уже в на-
чале 1915 г. к появлению многочисленных инструкций по использованию отечественных
ресурсов, а также советов домашним хозяйкам, таким как уход за местными фруктовыми
садами или указаний о том, как кухням, которые придерживаются соответствующих пи-
щевых запретов, избегнуть ненужного расточительства белка. В листовке под названием

1 Staatsarchiv Gotha (далее: StAG), StMin. Gotha, Dep. II, Loc. 192, Nr. 5/1, Fol. 52.

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Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале архивов Готы и Эрфурта

«Война, фрукты и женщины», посвященной изготовлению домашними хозяйками консер-


вов из местных фруктов, говорилось: «Часто приходилось слышать насмешки над немецкой
женщиной, вооруженной половником. Но сегодня символ насмешки стал настоящим символом
победы. И с поварешкой можно побеждать в больших сражениях, когда речь заходит о том,
чтобы сделать все, чтобы обеспечить наше общественное питание, пока враг стоит у ворот
Германии»2. Цветастые плакаты пропагандировали даже разведение подсолнечника и мака в
целях улучшения снабжения населения растительным маслом (см. иллюстрацию № 1).
Однако все государственные мероприятия, сопровождавшиеся страстными призывами
к мелким немецким землевладельцам и их женам, в конечном итоге вели лишь к бюрокра-
тизации управления выросшими дефицитами. Даже создание Имперской картофельной
службы в октябре 1915 г. или Военно-продовольственного ведомства в мае 1916 г., задачей
которого было общее обеспечение гражданского населения продуктами питания, привело
только к раздуванию бюрократии. В итоге уже весной 1916 г. в больших городах, например
в Лейпциге, были зафиксированы первые беспорядки на почве нехватки продовольствия.
Зимой 1916–1917 гг. из-за плохого урожая во всей Германии почти прекратилось снабже-
ние населения картофелем, в итоге люди должны были употреблять в пищу брюкву, которая
изначально по причине своего специфического вкуса использовалась как корм для свиней.
Имперский совет по вопросам здоровья так описал рискованные последствия такого пи-
тания на своем совещании 20 декабря 1917 г.: «Согласно общему мнению, период питания
брюквой был самым тяжелым периодом прошлого года, именно на это время в первую очередь
приходится прирост всевозможных заболеваний. […] Население повсеместно отказывалось
от употребления хлеба с добавкой брюквы, от брюквы в качестве добавки к картофелю, а так-
же от брюквенного мармелада. Качество брюквенного хлеба плохое, есть его можно только с
усилием над собой, следствием такой диеты является понос»3.
Суточная норма обеспечения продовольствием на одного человека сократилась в общей
сложности до 1.000 килокалорий. Так как нормальная потребность организма составляет
около 2.600 килокалорий, население в своей массе стало систематически недоедать, что в
свою очередь привело к росту детской смертности и смертности от гриппа. Уже упомяну-
тый выше Имперский совет по вопросам здоровья констатировал по этому поводу: «В пер-
вую очередь было пролетаризировано совокупное питание населения, оно стало однообразным,
для некоторых ничем не лучше, чем тюремная пища 60–70 лет назад […] из-за отсутствия
всех животных продуктов»4. Доктор Вебер, медицинский советник г. Берлина, также уста-
новил – его выводы можно применить в отношении всех крупных индустриальных горо-
дов Германии, таких как Эрфурт, – что смертность среди лиц старше 60 лет выросла зимой
1916–1917 г. в сравнении с предыдущей зимой на 81 %. Об этом Вебер заявил на заседании
Совета по народному питанию 25 января 1918 г., которое было посвящено вопросу сопро-
тивляемости заболеваниям в условиях дефицита питания. Если перед войной смертность в
Берлине составляла около 28.000 умерших в год, то в 1917 г. умерло 34.000 берлинцев5. В

2 Там же. Nr. 17/2. Fol. 232.


3 Там же. Nr. 50b. Fol. 147v.
4 Там же. Nr. 50b. Fol. 137.
5 Там же. Nr. 50/4. Fol. 202/3.

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Штеффен Арндт

целом в годы Первой мировой войны в Германии голод стал причиной около 800.000 смер-
тей. Для сравнения можно указать, что в ходе бомбардировок немецких городов союзной
авиацией в годы Второй мировой войны погибло около 500.000 человек.
Неспособность имперского руководства, обеспечить снабжение населения продовольстви-
ем, имела тяжелые последствия также и для Тюрингии. Так, заместитель главнокомандующе-
го XI армейским корпусом в Касселе, к числу полномочий которого относилось отправление
исполнительной власти в Западной Тюрингии, писал 19 октября 1916 г. государственному
министерству Готы: «Снабжение промышленных рабочих картофелем ухудшилось на-
столько, что без военной силы нельзя быть уверенным в том, что не разразятся серьезные
беспорядки»6. Урожай 1917 г. едва ли смягчил ситуацию. Городское продовольственное ве-
домство Готы обратилось 6 сентября 1917 г. к президенту продовольственной палаты Тю-
рингских государств в Веймаре со следующим призывом о помощи: «Содержание письма
от 31 августа дает нам повод для серьезных опасений. Картофельный рацион установлен в
размере 7 фунтов, добавка за тяжелую работу ликвидирована, хлебный рацион должен быть
снова сокращен предположительно начиная с 1 октября, что следует из сообщения президен-
та военно-продовольственной палаты. Снабжение жирами становится все более сложным от
недели к неделе, равно как и поставки мяса. Перспективы снабжения капустой чрезвычайно ту-
манные, фруктов для населения практически нет, овощей мало и они дороги, подвоз молока все
время ослабевает, яиц нет совсем, поставки рыбы полностью прекратились […]. Мы весьма
сомневаемся в том, что местное население и рабочие военной отрасли будут это терпеть, и
мы с тяжелым сердцем встречаем грядущую зиму»7. Насколько нужда затронула именно бед-
ные слои населения, которые за неимением денег не могли позволить себе покупать доро-
гие продукты на черном рынке, показывает просьба о помощи, адресованная властям 22
июля 1917 г. вдовой Сильвией Бранд, проживавшей в Вёльфисе: «Высокочтимые господа
государственного министерства, простите мне, что я обращаюсь к Вам с такой настоятель-
ной просьбой, однако к этому меня вынудили голод и нужда. Так, уже две недели у меня нет не
только кусочка хлеба и горсти муки, но с апреля больше нет также картофеля. […] Я схожу
с ума от голода и страха и не знаю, как мне быть, последний картофель закончился к началу
апреля. На моем попечении два мальчика, одному из них 17 лет, другому скоро будет 16, им
сейчас только расти и расти, вместо этого они должны умереть с голоду»8. Моральный пик
падения пришелся в Тюрингии на 29 ноября 1916 г., когда государственное министерство
Великого герцогства Саксония в Веймаре – герцогство Гота последовало этому примеру 2
декабря – своим указом запретило изготовление картофельных клецок для массового пита-
ния в столовых, гостиничных ресторанах, пансионах, закусочных, фабриках-кухнях и т.д.
Поскольку деморализация тыла достигла угрожающих размеров, Верховное главнокоман-
дование посчитало необходимым, ввести в июле 1917 г. так называемые «патриотические
занятия» не только для солдат, но и для гражданского населения. Эти занятия, которые
представляли их себя доклады, дополненные демонстрацией диапозитивов, должны были

6 Там же. Nr. 28/3. Fol. 197.


7 Там же. Nr. 50/3. Fol. 289.
8 Там же. Nr. 50/3. Fol. 278.

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Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале архивов Готы и Эрфурта

поднять мораль слушателей и усилить их волю к сопротивлению. В своем докладе для вто-
рого курса обучения заместитель главнокомандующего XI армейским корпусом по вопро-
сам патриотических занятий майор Зеебом разглагольствовал 27 ноября 1917 г. о том, как
население должно вести себя в отношении перспектив: «Будущее лучше всего следует вос-
принимать так, как его воспринимает неиспорченное, чистое и светлое дитя. Это может по-
казаться кому-то странным: мы, взрослые, гораздо умнее ребенка, ребенок для начала должен
чему-нибудь научиться. Это верно. Однако также верно то, что даже мудрейший человек мог
бы многому научиться у ребенка. Взгляните только на ребенка, сколько в нем скрыто доверия,
веры и уверенности в будущем, бесконечных в своем изобилии, с каким упоением он восприни-
мает все новое, как без колебания он находит во всем новом неоценимо драгоценное. Это тот
настрой, который стоит воспринять всем, кто хочет что-то сказать о будущем, будь это
книга или речь»9.
К повседневным заботам в тылу относились также переживания по поводу судьбы мужей и
сыновей, ушедших на фронт. Война не только длилась гораздо дольше, чем было запланиро-
вано, но и потребовала огромных жертв. Именно первые месяцы войны стали самыми кро-
вопролитными в немецкой военной истории – только в августе 1914 г. Германия потеряла
около 300.000 солдат. Но и битва за Верден, и весеннее наступление 1918 г. мало в чем усту-
пали в отношении количества жертв. В общей сложности на фронтах мировой войны по-
гибло два миллиона немецких солдат. К этой цифре следует добавить еще четыре миллиона
раненых, которые зачастую переставали быть кормильцами для своих семей, вынужденные
кое-как перебиваться на жалкой пенсии по инвалидности. Социальное обеспечение вдов и
сирот также едва ли гарантировало даже минимальный уровень существования. Для смяг-
чения нужды был образован благотворительный фонд «Nationalgabe» («Дар нации»).
Жертвователь мог купить железный, серебряный или золотой гвоздь и вбить его в деревян-
ную статую, выставленную в публичном месте. При этом финансовый профит стоял здесь
только на втором месте, так как воздействие этого изначально народного обычая создания
«воина из гвоздей» превосходило любую официальную пропаганду и вносило существен-
ный вклад в усиление морального духа тыла.
Затянувшаяся война поставила перед руководством Кайзеровского рейха неразрешимую
задачу еще в одной области – финансовой, поскольку каждый месяц ведения военных дей-
ствий обходился казне, начиная с октября 1916 г., в три миллиарда, с октября 1917 г. – в
четыре миллиарда и с октября 1918 г. – в 4,8 миллиардов рейхсмарок. Так как рейх практи-
чески не располагал собственными налоговыми поступлениями – центр зависел от матри-
кулярных взносов отдельных земель – он мог финансировать войну только в долг. Золотых
резервов Рейхсбанка было недостаточно, чтобы гарантировать рост государственного
долга, в итоге так называемое правило «золотого якоря», согласно которому треть бу-
мажных денег должна была иметь золотое обеспечение, аннулировалось. Власти призы-
вали граждан, передать имевшееся у них золото Рейхсбанку, чтобы обеспечить закупку
необходимого сырья заграницей. Несмотря на это, металлы стали во время войны таким

9 Там же. Nr. 50/3. Fol. 705.

459
Штеффен Арндт

дефицитом, что в марте 1917 г. большое количество церковных колоколов из бронзы было
снято с колоколен и отправлено на переплавку.
Текущее финансирование войны должны были гарантировать облигации девяти военных
займов, выпущенные в период с 1914 по 1918 гг. – подписка на займы была объявлена кай-
зеровским правительством патриотическим долгом. Правительство и Рейхстаг, в том числе
персонально Фридрих Эберт и Филипп Шейдеман, заявили в 1918 г. о том, что они гаранти-
руют сохранность этих займов. При этом они ссылались на т.н. фонд общенародного досто-
яния, который оставался нетронутым: в 1913 г. он составлял около 300 миллиардов марок.
Однако война, финансируемая за счет долгов, стоила к 1918 г. около 160 миллиардов марок.
Следовательно, для того, чтобы покрыть военные долги, необходимо было потратить поло-
вину всего общенародного достояния. Доля налогов в валовом продукте, необходимая для
упорядоченного обслуживания государственного долга, должна была составить, начиная с
1919 г., около 35 %. Другие расходы, такие как пенсии по инвалидности или социальные
выплаты вдовам и сиротам, не говоря уже об инвестициях в будущее, были государству не по
карману. Таким образом, в 1919 г. Германский рейх неминуемо стал бы банкротом.

II. Забастовочное движение 1917–1918 гг. против голода и войны


С началом Первой мировой войны император Вильгельм II ввел в Германском рейхе военное
положение. Согласно закону, теперь вся исполнительная власть перешла к командующим
военных округов. Гражданская администрация должна была исполнять приказы военных.
Конкретно это означало, что военные имели право, в случае сопротивления предпринятым
ими мерам, согласно предписанию о применении военными оружия для подавления вну-
тренних беспорядков от 19 марта 1914 г., «применять оружие в любое время по собствен-
ному усмотрению». Как гласило предписание, применение оружия не зависело «от тре-
бований гражданских властей», кроме того, «военные не были обязаны сначала угрожать
оружием перед его непосредственным применением». Таким образом, Германия преврати-
лась в годы войны в военную диктатуру. Любая критика, не говоря уже о забастовках, долж-
на была быть задушена в зародыше. Однако после того, как стало ясным, что предложение о
мире, адресованное в декабре 1916 г. Центральными державами странам Антанты, было на
самом деле бескомпромиссным предложением с позиции победителей, нацеленным в пер-
вую очередь на укрепление немецкого тыла (таким образом, конец войны отодвигался на
неопределенное время), в Германии стало расти народное недовольство. Важным фактором
стала «брюквенная зима» 1916–1917 г., которая сделала очевидной для всех катастрофиче-
скую ситуацию в области снабжения населения продуктами питания.
Уже начиная с весны – лета 1915 г. вновь и вновь регистрировались первые демонстра-
ции против плохого продовольственного снабжения. Например, 31 марта 1915 г. в Готе
состоялось собрание женщин против спекулянтов, организованное социал-демократа-
ми. Однако выступления такого рода были единичным явлением и не имели радикального
политического характера. Ситуация изменилась коренным образом весной 1917 г.: Гер-
манию охватила настоящая волна забастовок, в целом в забастовочном движении в 1917 г.
приняли участие около 670.000 рабочих. Даже в 1905 г., который под влиянием первой

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Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале архивов Готы и Эрфурта

русской революции стал пиком забастовок в довоенной Германии, численность бастую-


щих рабочих составляла только около 420.000 человек. Внутриполитическое перемирие,
которому оказывали активную поддержку социал-демократы и профсоюзы, продержалось
в течение трех лет, однако внешняя мирная поверхность лишь скрывала огромный кон-
фликтный потенциал. К этому добавилось воздействие Февральской революции в России.
В результате в апреле 1917 г. в Берлине и Рурской области начались массовые забастовки,
которые вскоре охватили другие промышленные области. В ходе этих забастовок были
выдвинуты категорические политические требования, такие как реформа трехклассного
избирательного права в Пруссии, заключение мирного договора без аннексий и приня-
тие республиканской конституции (см. иллюстрацию № 2). В городах Гота и Эрфурт, с их
сильным промышленным пролетариатом, дело также дошло до забастовок и демонстра-
ций. Муниципалитет Готы так информировал 1 мая 1917 г. государственное министер-
ство: «Ночь на 1 мая снова была использована для распространения листовок. На улицах,
которые ведут к крупным военным фабрикам, были разбросаны сотни прокламаций, поли-
цейские патрули смогли собрать их прежде, чем рабочие утром отправились на работу или
ночные смены отправились домой. Речь в данном случае также идет о листовках, которые
были завезены со стороны. Распространители нам неизвестны»10. Насколько имперское
руководство было обеспокоено забастовками под политическими лозунгами, показывает
реакция министра внутренних дел Пруссии фон Лёбеля, который писал 12 июля 1917 г.,
адресуясь начальникам административных округов, в том числе Карлу фон Фидлеру в Эр-
фурте: «Беспорядки различного рода, имевшие место в последнее время по причине дефицита
продовольствия, демонстрируют во многих отношениях черты несомненного сходства. Од-
новременная остановка работы на производствах, расположенных по соседству, отчасти
по определенному сигналу, слияние радиальных потоков демонстрантов в определенных пун-
ктах сбора, очевидно определенных заранее, практически повсеместное предъявление одних и
тех же требований, в случае угрозы полицейских мер почти везде наблюдается выставление в
первых рядах протестующих женщин, несовершеннолетних и детей, очевидно в надежде, что
таким образом можно удержать полицию или армию от применения решительных мер […]
Все эти обстоятельства не оставляют больше сомнения в том, что речь идет о митингах и
беспорядках, которые ширятся из-за сговора, передаваемого из уст в уста. Эти беспорядки
являются не столько спонтанным выражением возбуждения по поводу обострившегося дефи-
цита продуктов, сколько следствием агитации бессовестных подстрекателей, которых нам
очевидно искать в рядах приверженцев радикальной социал-демократии»11. Верховное глав-
нокомандование обратилось в апреле 1917 г. к рабочим в менее благопристойном стиле:
«М…да собачья тот, кто бастует, когда наша армия сражается с врагом!». Одновременно
военные сослались на уголовный кодекс и угрожали бастующим рабочим тюремным за-
ключением сроком до 10 лет по обвинению в государственной измене.
Социал-демократы Готы, которые уже в начале войны были настроены резко отрицательно в
отношении внутриполитического перемирия, примкнули в 1915 г. социал-демократической

10 StAG. StMin. Gotha. Dep. II. Loc. 56. Nr. 40. Fol. 13.
11 StAG. Regierung Erfurt. Nr. 8796.

461
Штеффен Арндт

рабочей группе12 и участвовали в 1917 г. под руководством Вильгельма Бока в создании Не-
зависимой социал-демократической партии Германии (НСДПГ). Большинство социал-де-
мократов и социалистов округа Гота вступили в новую партию и, таким образом, избежали
внутреннего раскола, который означал бы ослабление их рядов. Тем временем количество
рабочих выступлений и забастовок увеличилось, в том числе в Готе. Бастующие и демон-
странты выдвигали многочисленные требования. Комиссар полиции Готы Макс Гизон в
своем рапорте заместителю главнокомандующего XI армейским корпусом о полицейских
мерах в отношении НСДПГ оценивал ситуацию следующим образом: «Практически невоз-
можно добиться того, чтобы противостоять действиям “независимых социал-демократов”
со сколько-нибудь значимым успехом и лишить их возможности, распространять подрывные
настроения в народе […] Настоящая экономическая ситуация и внутриполитическое по-
ложение облегчают подстрекателям оболванивание затуманенных голов». И все-же Гизон
верил, таков его вывод, что «доля членов НСДПГ, избежавших призыва в армию, является
небольшой, в то время как для большей части населения сама идея политического переворота
является чуждой». Поэтому он советовал: «Так называемые продовольственные митинги не
могут служить оправданием бесцеремонного применения вооруженной силы, даже в том случае,
если в результате был причинен некоторый ущерб. Во времена тяжелой напряженности как
в экономической, так и в политической области кажется тактически более правильным, не
закупоривать насильственно безопасные клапаны выхода недовольства. Вся сила со стороны
государства, в случае необходимости с оружием в руках, должна жестко применяться лишь в
том случае, если потребуется задушить публичные выражения недовольства, которые стали
приобретать характер подрывного движения!»13 В свою очередь сам рейхсканцлер обра-
тился 3 августа 1917 г. ко всем правительствам земель с воззванием, в котором говорилось:
«События, имевшие место быть в ходе последних забастовок, как и прочие сведения, под-
тверждают, что социал-демократическая рабочая группа, которая со времени съезда в Готе
именуется как “Партия независимой социал-демократии”, поставила своей задачей организо-
вать как можно более широкое подстрекательство населения против власти. Эта партия
агитирует как против продолжения войны, так и против государственных учреждений, делая
это образом, который разлагающе действует на волю народа, вести войну до победного кон-
ца. […] Этому опасному образу действий независимых социал-демократов необходимо со всей
решимостью оказать сопротивление и лишить их возможности, распространять подобные
настроения среди населения»14.
В 1918 г. лавина событий стала стремительно нарастать. Революционное настроение, по-
догретое усталостью от войны и голодом, долго зревшее недовольство по поводу закона
1905 г. о вотчинной собственности, от которого выиграл герцог Саксен-Кобург-Готский,
события в России – все это внесло свой вклад в эскалацию ситуации. Теперь листовки содер-
жали преимущественно только политические требования. Мощная волна забастовок, эпи-
центром которой был Берлин, захлестнула в феврале 1918 г. предприятия оборонной про-

12 Речь идет о группе в составе 18 депутатов Рейхстага под руководством Гуго Гаазе, проголосовавших в
декабре 1915 г. против военных кредитов. Прим. переводчика.
13 StAG, StMin. Gotha, Dep. II, Loc. 56, Nr. 40, Fol. 51–56.
14 Там же. Fol. 56.

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Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале архивов Готы и Эрфурта

мышленности в Готе. Альберт Кандт, генеральный директор готской вагонной фабрики, был
вынужден 5 февраля 1918 г. в своем отчете, посвященном теме усталости рабочих от войны,
констатировать по поводу забастовки в Готе: «По моему мнению, необходимо воспрепятство-
вать острым выпадам, исходящим из рядов пангерманистов и Немецкой отечественной пар-
тии, какими бы они ни были патриотическими и доброжелательными […] Весь наш народ и
весьма большая часть рабочих настроена крайне патриотично. Поэтому есть определенное
зазнайство в том, когда образуется какая-нибудь отечественная партия и присваивает себе
единоличное право, начертать лозунг патриотизма на своих знаменах, и это после того, как
согласно воле нашего Кайзера, больше вообще не должно быть партий»15.
Заместитель главнокомандующего XI армейским корпусом предпринимал радикальные
меры, чтобы воспрепятствовать забастовкам. Так, были изготовлены формуляры, с помо-
щью которых армия угрожала бастующим рабочим переподчинением их предприятий во-
енному ведомству и призывом на службу. Военные власти также произвели учет ключевых
оборонных предприятий, включая регистрацию военнообязанных рабочих, а также назна-
чили соответствующие части войск в случае призыва пролетариев. К рабочим еще раз об-
ратились с призывом, выполнить свой патриотический долг на рабочем месте. Гинденбург
призвал к единству армии и тыла в своем обращении к немцам от 2 сентября 1918 г., при
этом ему самому давно было ясно, что война проиграна и фронт находится в состоянии
разложения. Но никакие призывы уже не могли изменить ситуацию. Еще 16 марта 1918 г.
военное министерство Пруссии сообщило председателю правительства, «что независи-
мая социал-демократия стремится развязать массовую пропаганду против военных займов
[…]. В ходе подписной кампании на последний военный заем во многих местах системати-
чески срывались плакаты с изображением генерал-фельдмаршала Гинденбурга, помещенные
повсюду для рекламы»16.
Грозящее поражение вынудило Верховное главнокомандование к компромиссу: 3 октября
1918 г. рейхсканцлером был назначен принц Макс фон Баденский. Его задача заключалась
в превращении Германской империи в парламентскую монархию. Новый рейхсканцлер
включил в свое правительство в том числе социал-демократов в лице Филиппа Шейдемана
и Густава Бауэра. 4 октября 1918 г. Германия обратилась к президенту США Вудро Виль-
сону с просьбой о перемирии. После отставки Людендорфа с поста начальника Верхов-
ного Главнокомандования 26 октября 1918 г., а также изменения имперской конституции
в пользу прерогатив правительства, подотчетного Рейхстагу, последовавшего 28 октября
1914 г., Германия встала на путь создания парламентской демократии. Тем самым было вы-
полнено старое требование СДПГ и профсоюзов, однако Вильгельм II все еще оставался
немецким кайзером и прусским королем. 6 ноября 1918 рейхсканцлер Макс фон Баден-
ский призвал немецкий народ к сохранению спокойствия и порядка. Но у руководства
военно-морским флотом Германии были другие планы.

15 Там же. Fol. 124 f.


16 StAG. Regierung Erfurt. Nr. 8796. Fol. 106.

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Штеффен Арндт

III. Ноябрьская революция в Готе


Уже летом 1918 г. кризисное положение дел как на Западном фронте, так и в тылу стало
очевидным для всех. Весеннее наступление на Западе захлебнулось, победа в войне отодви-
нулась на неопределенное время. В тылу ситуация со снабжением становилась все хуже, к
проблемам добавились массовые забастовки, сопровождавшиеся настойчивыми политиче-
скими требованиями. Прологом к революции во всей стране стало восстание матросов в
Киле, выступивших против планов военно-морского командования, бросить флот в самоу-
бийственную схватку.
В свою очередь Готское руководство независимых социал-демократов должно было действо-
вать оперативно, чтобы не утратить контроля над ситуацией. Доверенные лица НСДПГ в
течение лета 1918 г. установили контакты с личным составом 6-го Тюрингского пехотного
полка № 95 и запасного летного батальона № 3, базировавшихся в Готе, чтобы заручиться
их поддержкой в ходе грядущего развала кайзеровской Германии. Когда же стало ясно, что
военные части, размещенные в Готе, примкнут к восстанию, вечером 8 ноября 1918 г. был
образован Совет рабочих и солдатских депутатов под председательством Отто Гайтнера.
В тот же день, 8 ноября 1918 г., Вильгельм Бок по поручении социал-демократической фрак-
ции ландтага письменно обратился к государственному министру фон Бассевитцу с прось-
бой о созыве всеобщего ландтага Тюрингии. В своем письме он назвал в качестве наиболее
важных требований «трудящегося народа» отречение герцога и введение во всей Тюрин-
гии республиканской формы правления. В частности, Бок писал: «То обстоятельство, что
восемь князей управляют миллионом населения посредством 8 министерств и девяти ланд-
тагов, является издевательством над здравым смыслом. Мы требуем возвращения в государ-
ственную собственность бывших государственных имуществ, отданных герцогу во владение
в результате заключения договора о родовых поместьях. Мы требуем либеральную реформу
избирательного права, которая предоставит женщинам такие же гражданские права, как и
мужчинам. Мы требуем давно обещанную реформу коммунального законодательства, а также
закона о коммунальных налогах. Впрочем, к нашим требованиям относится пересмотр всего
законодательства, включая налоговое, в духе новой демократической и социалистической ори-
ентации экономической политики и государственного управления»17.
Фон Бассевитц подтвердил получение петиции и сделал пометку о том, что он проинформи-
ровал герцога, чтобы просить о полномочиях, созвать ландтаг, а также о своей готовности,
отдать соответствующие распоряжения, если не поступят другие указания. Но уже 9 ноября
1918 г. в Готе на ярмарочной площади состоялся митинг, на котором Вильгельм Бок объявил
о свержении монархии (см. иллюстрацию № 3). В свою очередь буржуазные члены ландта-
га объявили через «Готскую газету» о своей приверженности принципам парламентской
демократии. Впрочем, была определенная ирония в том, что Совет рабочих и солдатских
депутатов Готы должен был провозглашать революцию на страницах этой буржуазной газе-
ты, которая одновременно была издателем правительственного листка для герцогства Гота,
при этом Совет депутатов конкурировал с размещенной тут же рекламой сыра и сигар. Го-

17 StAG. StMin. Gotha. Dep. I. Nr. 68. Fol. 1–2.

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Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале архивов Готы и Эрфурта

сударственный министр оказался перед выбором, подать в отставку или исполнять указания
Совета рабочих и солдатских депутатов. После того, как его заверили в том, что он свободен
от своих прежних клятв, так как герцог смещен с престола, Бассевитц заявил о своей готов-
ности, сотрудничать с новой властью.
В тот же день была получена телеграмма заместителя уполномоченного Бундесрата по де-
лам Великого герцогства Саксонского Паульсена: «министерство внутренних дел объяви-
ло об отречении кайзера, отставке рейхсканцлера принца макса и назначении эберта рейх-
сканцлером. Паульсен».18 Либерал Максимилиан фон Баденский, назначенный кайзером
Вильгельмом 3 октября 1918 г. канцлером Германии и министр-президентом Пруссии, 6 но-
ября 1918 г. еще раз обратился с воззванием к немецкому народу. Однако было уже поздно.
Под свою ответственность он объявил об отречении кайзера, сам подал в отставку, назна-
чив перед этом рейхсканцлером социал-демократа Фридриха Эберта. После этого военные
действия на фронтах Перовой мировой войны были официально закончены с подписанием
соглашения о перемирии 11 ноября 1918 г. в Компьене, Франция.
В первую очередь именно социал-демократы во главе с Эбертом считали первоочередной
задачей созыв Национального собрания, которое должно было определить будущую форму
государственного устройства Германии. Выбор был сделан в пользу Веймара, знаменитого
своим спокойствием. Так, прусский посланник в Веймаре, Людвиг Рашдау, отмечал еще в
июле 1897 г. «Здесь, в Веймаре, я веду беззаботное существование. Катаюсь на велосипеде и
играю в лаун-теннис, время от времени мы ужинаем вместе в тесном кругу, при этом пригла-
шенные на ужин очень благодарны, так как во всем остальном в свете мало что происходит
[…] Такое времяпрепровождение, растянись оно надолго, убаюкивает»19. И еще в начале 1930-
х годов «Vossische Zeitung» констатировала, рисуя портрет Йены: «Веймар, напротив, это
город старины, город великого прошлого, город гробниц и воспоминаний». Выборы учре-
дительного Национального собрания, в которых впервые в истории смогли участвовать так-
же женщины из всех земель Германии, состоялись 19 января 1919 г. Среди 421 избранного
депутата были также 37 женщин. По результатам выборов СДПГ являлась самой сильной
партией, но 163 места, которые социал-демократы получили в Национальном собрании, не
составляли абсолютного большинства. Еще 22 депутатских мандата получили независимые
социал-демократы.
Совет рабочих и солдатских депутатов Готы (см. иллюстрацию 4) стремился к провозгла-
шению советской республики. 13 ноября 1918 г. он объявил о переходе в его руки всей
полноты правящей власти, после чего поручил государственному министерству временно
продолжать заниматься административной рутиной. 14 ноября 1918 г. во время публичного
заседания объединенного ландтага фон Бассевиц сделал следующее заявление: «В письме,
поступившем в министерство утром 9 ноября, социал-демократическая фракция ландтага
запросила как можно более скорого созыва объединенного ландтага. Это поручение было выпол-
нено настолько быстро, насколько позволяли тяжелые транспортные условия. Тем временем

18 StAG. StMin. Gotha. Dep. II. Loc. 5 e. Nr. 22. Bd. 5.


19 Raschdau L. In Weimar als Preußischer Gesandter: Ein Buch der Erinnerungen an deutsche Fürstenhöfe 1894–
1897. Berlin, 1939. S. 154.

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Штеффен Арндт

Германия стала республикой, основывающейся на социалистических принципах, где больше нет


места для существования монархий. В итоге герцог прекратил отправлять власть в герцог-
ствах Кобург и Гота. Он освободил всех чиновников от принесенной ему клятвы. Однако и
в будущем главным желанием герцога остается благо его бывших подданных и нашей бедной
пострадавшей Родины»20.
В ходе последующего собрания, которое уже не было публичным, присутствовавшие кон-
статировали: «Государственная правительственная власть перешла в руки органов, не
предусмотренных конституцией. Однако ландтаг, избранный на основании этой конститу-
ции, при сложившихся обстоятельствах рассматривает свое дальнейшее правление невоз-
можным». Все участники собрания, включая социал-демократических депутатов, одобрили
текст заявления и были согласны с его публикацией от имени всех членов бывшего объеди-
ненного ландтага. Таким образом, ландтаг распустил сам себя.
Вся правительственная власть перешла в руки Исполнительного комитета Совета рабочих и
солдатских депутатов под руководством Отто Гайтнера в составе изначально девяти и позд-
нее одиннадцати человек. В правительственном листке от 16 ноября 1918 г. Совет объявил:
«После того, как герцог прекратил править, все прежние полномочия герцога в отношении
всех общественных дел и непосредственно дел Готы, которыми он обладал согласно консти-
туции и закона, вплоть до дальнейших распоряжений переходят в руки Исполнительного
комитета Совета рабочих и солдатских депутатов. В остальном все законы и постановления
рейха и земли остаются в силе вплоть до их недвусмысленно выраженной отмены».
Уже 14 ноября 1918 г. первым же законом в земле Гота был введен 8-часовой рабочий день.
Объявление об этом последовало 16 ноября 1918 г., задолго до того, как вопрос был урегу-
лирован на уровне всего рейха. Тем самым впервые в Германии было реализовано одно из
важнейших требований партийного съезда СДПГ в Эрфурте, записанное в «Эрфуртской
программе». Так как Исполком Совета из-за своего размера оказался слишком неповорот-
ливым, на делегатской конференции 30 ноября 1918 г. был сформирована тройка уполномо-
ченных по делам земли Гота в составе Вильгельма Бока, Эмиля Грабова и Адольфа Шаудера.
После того, как Вильгельм Бок покинул свой пост в феврале 1919 г., его место занял Альбин
Теннер.
Хотя Совет рабочих и солдатских депутатов не только полностью взял власть в свои руки, но
и правил де факто, все старые государственные административные органы были сохранены,
как следует из письма фон Бассевитцу от 2 января 1919 г. Бассевитц получил распоряжение
от «народных уполномоченных земли Гота», подписанное Адольфом Шаудером, согласно
которому все предписания и постановления государственного министерства Готы и Кобур-
га должны были быть завизированы им самим. Государственный министр был также теперь
обязан «выступать с докладом по понедельникам, средам и пятницам в 11.00 утра в замке
Фриденсштайн»21. В итоге буржуазно-консервативный государственный министр фон Бас-
севитц сохранял свой пост до февраля 1919 г.

20 StAG. StMin. Gotha. Dep. I. Nr. 68/1. Fol. 9.


21 Там же. Fol. 53.

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Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале архивов Готы и Эрфурта

Начало 1919 г. в Тюрингии, в первую очередь в городах, являвшихся опорой независимых


социал-демократов, было омрачено вооруженными столкновениями и забастовками вокруг
созыва Национального собрания в Веймаре. Так, 18 февраля 1919 г. Готу заняли части рейх-
свера под командованием генерал-майора Меркера, при этом у Меркера была репутация
человека, который в январе 1919 г. уже принял участие в разгроме восстания спартаковцев
в Берлине. В следующем, 1920 г., во время путча Каппа и последовавших за ним революци-
онных волнений, Гота не только вновь была занята рейхсвером, но и после введения чрезвы-
чайного положения управлялась рейхскомиссаром, назначенным президентом Фридрихом
Эбертом. Беспорядки и грабежи, обрушившиеся на Готу, в конечном итоге также привели к
радикализации местной буржуазии, в особенности потому, что судебные процессы по уго-
ловным делам были прекращены постановлением ландтага Тюрингии от 9 апреля 1921 г.,
провозгласившим политическую амнистию.
Выборы в ландтаг в мае 1919 г. завершились победой независимых социал-демократов, по-
лучивших абсолютное большинство, хотя и с перевесом лишь в несколько голосов. Однако
буржуазный лагерь также мог занести эти выборы себе в плюс. После начала работы Го-
сударственного совещания Свободного государства Готы в марте 1919 г. в своих должно-
стях были подтверждены народные уполномоченные Грабов, Шаудер и Теннер. НСДПГ,
обладавшая в Готе сильной позицией, в ходе переговоров лета 1919 г. о принятии закона о
временном правительстве, попыталась претворить в жизнь свои представления о советской
системе. В преамбуле законопроекта, предложенного независимыми социал-демократами,
говорилось: «Власть Советов стала одним из выдающихся успехов, если не самым важней-
шим достижением революции в целом. Любая попытка бороться с советской системой,
любое стремление удалить ее первые слабые ростки является контрреволюцией высшей
пробы и должно расцениваться любым революционным правительством и любым револю-
ционным парламентом как посягательство на их исконные прерогативы. По этой причине
настоящий конституционный проект рассматривает законное укоренение советской систе-
мы как свою важную составную часть»22. Тем не менее, конституция, предусматривавшая
советскую систему, не получила одобрения. 24 декабря 1919 г. был принят проект конститу-
ции, автором которого являлся Герман Брилл. Этот проект был написан по традиционным
лекалам парламентской демократии.
Что же касается кобургской части Тюрингии, то здесь после свержения власти герцога также
возник Совет рабочих и солдатских депутатов. Однако ситуация развивалась тут по более
умеренному сценарию. Так, государственный министр д-р Кварк продолжил свою работу
по взаимному согласию с Советом. Уже в феврале 1919 г. прошли выборы депутатов Госу-
дарственного совещания Кобурга, первое заседание которого состоялось 1 марта 1919 г.
Вскоре после этого депутаты приняли собственную конституцию Свободного государства
Кобурга. Тем самым было узаконено отделение от Готы. Хотя имелась определенная схо-
жесть с готской моделью, собственно целью кобургской конституции была парламентская
демократия. Но поскольку федеративные власти Германии продолжали рассматривать раз-
делившиеся между собой части Тюрингии как единое государственное образование, Гота

22 StAG. Landtag II. Nr. 973.

467
Штеффен Арндт

и Кобург «в принудительном порядке» должны были вести между собой переговоры и


добиваться очередных договоренностей. Начиная с 31 марта 1919 г., в Готе состоялось че-
тыре совместных заседания, на которых депутаты Готы и Кобурга обменялись тяжелыми
ударами. Адольф Шаудер, народный уполномоченный Готы, начал переговоры следующей
принципиальной констатацией: «В результате договора 1825 г. по чисто династическим со-
ображениям две различные области нашей родной Тюрингии были объединены в одно государ-
ство, при этом данные области не подходили друг к другу ни по структуре своей экономики,
ни по составу населения. Революция еще больше ослабила тот непрочный узел, что их связывал
и существенно усилила давно имеющиеся центробежные тенденции»23. Депутат ландтага от
Немецкой демократической партии Герман Андерс Крюгер дал еще более четкую оценку
ситуации: «Общность обоих государств можно сравнить с несчастливым католическим бра-
ком, где только лишь рейх – как Папа Римский – может дать развод. В этом браке энергичный
Кобург [который уже принял решение о разводе – прим. автора] несомненно играл роль жен-
щины, которая имела мужество быть главой семьи»24.
Несмотря на все оговорки и противоречия, 12 апреля 1919 г. большинством голосов был за-
ключен государственный договор о совместном управлении делами, затрагивающими Сво-
бодные государства Готу и Кобург. Этот договор регулировал общее представительство в
отношении рейха вплоть до окончательного разделения государств Кобурга и Готы.
Бывший герцог Карл Эдуард, после того, как отклонил предложенную ему компенсацию,
был лишен своего имущества в соответствии с «Законом о конфискации Готского родового
фидеикомисса, Лихтенбергского фидеикомисса, Эрнст-Альберт- фидеикомисса, Шмаль-
каденских лесов и родового аллода» от 31 июля 1919 года. Советы солдатских и рабочих
депутатов Фридрихсроды и Георгенталя вступили во владение замком Райнхардбрунн и
соответственно, герцогскими земельными владениями. Такое же решение было принято в
отношении имущества замка Райнхардбрунн, хотя герцог Карл Эдуард обжаловал экспро-
приацию в судебном порядке.
Народные уполномоченные так обосновывали этот закон в ландтаге: «Правительство
земли и комиссия, уполномоченная вести переговоры, всеми средствами пытались добиться со-
глашения о дешевой компенсации и предложили герцогу денежное возмещение в размере 5 млн.
марок, а также охотничий замок в Оберхофе. Кроме того, во владении герцога оставался Лих-
тенбергский фидеикомисс за исключением поместья Вандерслебен, а также движимое имуще-
ство, находящееся в его частной собственности или собственности герцогини. Мы приняли
с тяжелым сердцем решение, сделать герцогу такое предложение […]. Только представьте
себе тяжелейшую материальную нужду, которую сегодня испытывает каждый, будь то чи-
новник, торговец или рабочий, подумайте о безвыходном положении солдат, вернувшихся с во-
йны, которые сидят без работы, не говоря уже о нищете солдатских вдов, и тогда вы должны
признать, что мы сделали все возможное, чтобы достичь соглашения о компенсации»25. Тем
самым было исполнено важное требование Вильгельма Бока, прозвучавшее в его революци-

23 Landtag Gotha: Verhandlungen der Gemeinschaftlichen Landesversammlung. Gotha 1919. S. 2.


24 Там же. S. 4.
25 StAG. StMin. Gotha. Dep. I. Nr. 177. Fol. 145.

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Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале архивов Готы и Эрфурта

онной речи на главной площади Готы 9 ноября 1918 г. Однако уже в 1925 г. закон об экспро-
приации княжеских имуществ был отменен решением Имперского суда.

IV. Ноябрьская революция в Эрфурте


Эрфурт был не только самым большим городом Тюрингии, хотя и находился под юрисдик-
цией Пруссии, но и местом концентрации промышленных и оборонных предприятий. Толь-
ко «Королевская Прусская оружейная фабрика» произвела за годы Первой мировой вой-
ны около 80 % всего личного огнестрельного оружия, в том числе около 1,5 млн магазинных
винтовок Маузер 98 – стандартного оружия немецкой пехоты. В 1917 г. на этой фабрике в
три смены трудились около 20.000 рабочих. Кроме этого, в Эрфурте располагались фирмы
«Отто Шваде & Co» (самолетостроение и моторы), «Генри Пелс & Co» (машинострое-
ние, Пелс был изобретателем немецкой техники обработки металлов давлением), «Р. Вольф
АГ Хаганс» (строительство локомотивов), а также «Й.А. Топф и сыновья» (промышлен-
ная теплотехника). Кроме того, в Эрфурте базировались гарнизонные 19-й артиллерийский
полк (Рудольфказерне), 1-й пехотный полк (Петерсберг) и 6-й полк егерей (Даберштедт).
Насколько ситуация была напряженной уже в 1917 г., показывает секретная инструкция, ко-
торую председатель правительства Эрфурта направил 13 апреля 1917 г. обер-бургомистру
Эрфурта: «Согласно указаниям вышестоящих властей, в случае возникновения беспорядков
следует как можно дольше избегать применения военной силы. В случае, если не будет хватать
имеющихся в наличии полицейских чиновников (жандармов), то сначала рекомендуется при-
крепить к каждому полицейскому или жандарму благоразумного и осторожного унтер-офицера
с винтовкой […] В первую очередь речь идет о том, чтобы в результате широкомасштабной
просветительной работы, в которой также должны принять участие чиновники, руководи-
тели предприятий, священники и учителя, но в первую очередь пресса, добиться превентивно-
го предотвращения беспорядков»26. Таким образом, семена революции, занесенные из Киля,
пали в Эрфурте на плодородную почву.
Уже 5 октября 1918 г. листовка НСДПГ, распространявшаяся в Эрфурте, потребовала уч-
реждения социалистической республики, а также резко критиковала вхождение СДПГ во
главе с Шейдеманом и Бауэром в правительство рейха. Йозеф Симон, депутат рейхстага от
«баварской» НСДПГ, заявил 27 октября 1918 г. в Эрфурте, выступая перед тремя сотня-
ми рабочих в гостинице «Райнишер Хоф»: «Тысячи наиболее достойных и смелых мужчин
томятся сегодня в тюрьмах и на каторге, поскольку они отважились выйти на улицы с тре-
бованием мира […] С принятием 14 пунктов Вильсона стал очевиден распад всей прежней
системы, с которой неуклонно боролась независимая социал-демократия […] Если теперь
мы получим мир на тяжелых условиях, мы не должны удивляться и жаловаться, представьте
только, какие условия выдвинула бы Германия, окажись она победителем. Брестский мир явля-
ется миром, который Германия навязала побежденному народу»27.
8 ноября 1918 г. начальник окружного управления Эрфурта граф Пюклер сообщил заме-
стителю командующего XI армейским корпусом в Касселе, что после полудня около 150 ра-

26 Stadtarchiv Erfurt. I-2/130–1524. Fol. 163.


27 StAG. Regierung Erfurt. Nr. 12783. Fol. 3.

469
Штеффен Арндт

бочих фирмы «Хаганс» начали забастовку. К ним присоединились рабочие Эрфурта и сол-
даты гарнизона, в результате в ночь на 9 ноября 1918 г. появилась возможность, образовать
городской Совет рабочих и солдатских депутатов. Председателем Совета был избран вождь
эрфуртских социал-демократов и депутат Рейхстага Пауль Райнхаус. После переговоров с
начальником окружного управления Совет делегировал двух постоянных представителей
в прусскую администрацию Эрфурта, чтобы иметь возможность контролировать деятель-
ность чиновников. Тем самым было выполнено важное требование, а именно подчинение
гражданской и военной власти под контроль рабочих. Совет рабочих и солдатских депута-
тов Эрфурта заявил о своей приверженности идее социалистической республики Германии
и потребовал незамедлительного собрания учредительного Национального собрания.
О судьбоносных событиях 9 ноября 1918 г. сообщила на своей титульной странице соци-
ал-демократическая газета «Трибюне» (см. иллюстрацию 5). Герман Шмидт, обер-бурго-
мистр Эрфурта, так писал 9 ноября 1918 г. о Совете рабочих и солдатских депутатов началь-
нику окружного управления: «Как было объявлено, сегодня в 4 часа после полудня в ратушу
прибыли члены новообразованного Совета рабочих и солдатских депутатов. В присутствии
господина обер-бургомистра д-ра Шмидта, господина бургомистра Люддекенса и нижеподпи-
савшегося, городского советника д-ра Отто, секретарь профсоюза господин Кнёнер предста-
вил членов Совета – соответственно пять рабочих и пять солдат. После этого он передал
слово господину депутату Рейхстага Райсхаусу, который в первую очередь огласил требования
Совета и затем вручил их нам […] После короткого совещания господин обер-бургомистр
заявил от имени магистрата, о признании всех 9 пунктов заявленных требований, поскольку
они касаются городского управления. Новый порядок дел он также признал. Кроме того, он
заявил о своем согласии с назначением одного члена магистрата от имени Совета рабочих и
солдатских депутатов»28.
В других городах, относящихся к юрисдикции прусского окружного управления Эрфурта,
революция также была успешной. Так, обер-бургомистр Тренкман из Мюльхаузена сооб-
щал 12 ноября 1918 г.: «В субботу 9 ноября, рано утром, в Мюльхаузене наблюдалась боль-
шая активность рабочих: в городе распространялись листовки, в которых рассказывалось о
событиях в Готе, а также содержались призывы к действию. Между 9 и 10 часами над городом
пролетел самолет из Готы, пилот которого пачками разбрасывал прокламации. Обер-бурго-
мистр тотчас же созвал магистрат. Было принято решение, распространить прилагаемый
к сему призыв в качестве листовки, а также опубликовать его в вечерних газетах. Уже в три
часа по полудню обер-бургомистру нанесли визит два лидера социал-демократов и заявили,
что сегодня в городе образуется Совет рабочих и солдатских депутатов, а общее руководство
переходит в руки организованной социал-демократии, с тем, чтобы революционное движение
развивалось в спокойном русле, а также лишить беспокойные элементы возможности, прийти
к власти […]. Обер-бургомистр в свою очередь ответил, что полиция не будет вмешиваться в
происходящее, пока у нее не будет для этого внешних поводов […] В городе наблюдались тиши-
на и спокойствие. Все общественные здания были заняты командами, выделенными батальо-
ном. Город патрулировался, чтобы в случае необходимости обеспечить должный порядок. По-

28 Stadtarchiv Erfurt. 1–2/120–13. Fol. 1 f.

470
Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале архивов Готы и Эрфурта

кой нигде не был нарушен»29. Совет рабочих и солдатских депутатов Мюльхаузена призвал
провести 11 ноября 1918 г. массовую демонстрацию на площади Блобах, однако указал, что
в ходе демонстрации должен соблюдаться порядок. При этом все предприятия города долж-
ны были остановить свою работу. Также и в Мюльхаузене обер-бургомистру был передан
перечень требований рабочих и солдат.
Ландрат округа Лангензальца так сообщал 13 ноября 1918 г. о событиях в городе: «9 ноя-
бря, утром, около 9 часов, над Лангензальцой пролетел самолет из Готы, который сбросил ли-
стовки с требованием, создать здесь Совет рабочих и солдатских депутатов. Около 10 утра
по городу проехало конное подразделение запасного эскадрона 2-го егерского полка, которое
срывало с солдат погоны и кокарды и призывало их идти с собой. В то же время от офицеров
требовали снимать эполеты и шпаги. Я отправился на переговоры в комендатуру, в результа-
те было принято решение, что офицеры добровольно прекратят ношение погонов и шпаг и не
будут оказывать вооруженное сопротивление […] В субботу и воскресение в городе проходили
собрания, а в понедельник в два часа дня состоялась демонстрация. На общественных зданиях
были вывешены красные флаги. Формирование Совета рабочих и солдатских депутатов про-
шло спокойно. Совет обратился ко мне с просьбой, дабы я продолжил отправлять свои обязан-
ности обычным образом»30.
Однако уже в декабре 1918 г. были предприняты попытки, направить развитие революции
в более «упорядоченное» русло. Так, прусское Государственное министерство во главе с
министр-президентом Хиршом обратилось 10 декабря 1918 г. к начальникам окружных
управлений: «Предпринятые в различных частях Пруссии попытки, отделить от прусского
государства его части, или присвоить себе властные полномочия, дают нам повод завить о
том, что такие устремления подрывают общее благо и с ними должна вестись борьба всеми
имеющимися средствами […] Решение о будущем государственно-правовом устройстве Прус-
сии будет принято Национальным собранием. Всем органам власти Пруссии отдано распо-
ряжение, неуклонно придерживаться данных предписаний. Всем попыткам противодействия
будет дан безжалостный отпор».31 В свою очередь Совет народных уполномоченных во
главе с Фридрихом Эбертом и Гуго Хаазе обратился 5 декабря с воззванием ко всем феде-
ральным правительствам (правительство Эрфурта получило воззвание опосредовано через
государственное министерство Пруссии). В этом воззвании народные уполномоченные
предостерегали: «Под влиянием событий последнего времени во многих частях рейха были
отданы соответствующие распоряжения касательно кардинальных изменений имперского
судопроизводства. Так, создаются военно-полевые или народные суды, под юрисдикцию кото-
рых попадают определенные преступления, изъятые из юрисдикции обычных судов, при этом
в качестве наказания, вопреки статьям Уголовного кодекса Германии, применяется смертная
казнь. […] Правительство рейха настоятельно просит, чтобы власти на местах наблюдали
вместе с ним за неприкосновенностью прав рейха в сфере законодательства. Только так мы

29 StAG. Regierung Erfurt. Nr. 12783. Fol. 18 f.


30 Там же. Fol. 12.
31 StAG. Regierung Erfurt. Nr. 12781. Fol. 7.

471
Штеффен Арндт

можем защитить правовое единство рейха от распада. Если же это случится, политическому
единству Германии будет нанесен тяжелый урон»32.
После того, как представители НСДПГ в Совете народных уполномоченных в Берлине 29
декабря 1918 г. вышли из его состава, произошла эскалация событий. Левый «Союз Спар-
така» отклонил выборы в Национальное собрание, а также роспуск Советов рабочих и сол-
датских депутатов. Вслед за этим в Берлине развернулись ожесточенные сражения между
спартаковцами и войсками рейхсвера, напоминавшие гражданскую войну. В эти же дни
были убиты Роза Люксембург и Карл Либкнехт. В Эрфурте январь – февраль 1919 г. также
были отмечены вооружением рабочих, массовыми демонстрациями и всеобщими забастов-
ками (см. иллюстрацию 6).
Магистрат Эрфурта сообщал 26 февраля 1919 г. начальнику окружного управления графу
Пюклеру: «По поводу начавшейся сегодня забастовки, от имени забастовочного комите-
та нас посетили господа Петцольд (редактор “Трибюне”), Шулле (служащий профсоюза ра-
бочих-транспортников) и Квенцель (служащий Горгаза). Визитеры заявили, что они будут
жестко обеспечивать проведение всеобщей забастовки. В особенности свою работу должны
прекратить все городские предприятия и учреждения. Если чиновники и служащие попыта-
ются добровольно поддерживать их деятельность, забастовочный комитет постарается
привлечь их на свою сторону. Подвоз продовольствия, его производство и распределение долж-
ны осуществляться беспрепятственно. Если в отдельных случаях для этого будут абсолютно
необходимы заводские поставки, следует поставить в известность забастовочный комитет.
Продовольственное ведомство должно работать беспрепятственно, фуражное снабжение ло-
шадей осуществляется как раньше. Лечебные заведения могут продолжить свою работу, од-
нако они должны считаться с тем, что им придется это делать в условиях отключения воды
и электричества. Окончательное решение об уступках остается за забастовочным комите-
том»33.
И хотя бастующие были вынуждены 8 марта 1919 г. прервать свою акцию по причине
встречной забастовки буржуазии, чиновников и служащих, ситуация лишь внешне выгляде-
ла спокойной. Уже 19 июня 1919 г. началась широкомасштабная забастовка железнодорож-
ников, которая в конечном итоге была подавлена войсками рейхсвера под командованием
генерал-майора Меркера, объявившего о вводе осадного положения.
Насколько положение оставалось напряженным еще летом 1919 г., даже в случае с симво-
лическими вопросами, показывает требование Немецкой национальной народной партии,
убрать красное знамя с флагштока резиденции правительства Эрфурта. Чиновники адми-
нистрации протестовали 10 июня 1919 г. против «красной тряпки», оставив нам описание
чехарды вокруг смены флага: «С начала этого года на крыше здания местного управления
развевается красный флаг. Он был вывешен отрядом охраны революции, который в свое время
размещался в этом здании, и находился под защитой исполкома Совета рабочих и солдатских
депутатов, резиденция которого также располагалась в этом доме. Спустя два дня флаг исчез.

32 StAG. Landratsamt Mühlhausen. Nr. 274.


33 StAG. Regierung Erfurt. Nr. 12783. Fol. 42.

472
Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале архивов Готы и Эрфурта

Как выяснилось, один чиновник, который, как и остальные, был не в силах выносить такое
бремя, спустил его и оставил на чердаке. Этот инцидент привел в сильное возбуждение часть
населения Эрфурта, чему способствовала агитация безответственных личностей, в резуль-
тате спустя еще два дня красная тряпка была демонстративно поднята на флагшток при
участии более 100 безработных, рабочих, служанок и детей […] Вновь за кулисами сработали
силы, которым удалось после 10-часового перерыва в третий раз вывесить красный флаг. Это
вызвало крайнее возмущение как чиновников окружного управления, так и широких слоев насе-
ления Эрфурта»34.

Иллюстрация № 1
(Staatsministerium Gotha Dep. II Loc. 192 № 42)

34 Там же. Nr. 7418. Fol. 72.

473
Штеффен Арндт

Иллюстрация № 2
(Staatsministerium Gotha Dep. II Loc. 56 № 40)

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Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале архивов Готы и Эрфурта

Иллюстрация № 3
(Landratsamt Ohrdruf № 388)

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Штеффен Арндт

Иллюстрация № 4
(Bildersammlung Staatsarchiv Gotha)

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Русская революция 1917 г. и Ноябрьская революция 1918 г. в зеркале архивов Готы и Эрфурта

Иллюстрация № 5
Tribüne. Organ der Sozialdemokratie für Thüringen und den Regierungsbezirk Erfurt, 15. Januar 1919
(Bildersammlung Staatsarchiv Gotha)

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Штеффен Арндт

Иллюстрация № 6
(Stadtarchiv Erfurt 6-2 D Gundermann № 354)

478
МАРК ДЖОНС

Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое


политическое мышление в 1918–1919 годах

4 ноября 1918 г. – решающая дата в истории Германской империи. Месяцем ранее, под силь-
ным давлением фактического военного правителя Германии генерала Эриха Людендорфа,
новый рейхсканцлер принц Максимилиан Баденский направил свою первую дипломатиче-
скую ноту президенту США Вудро Вильсону. Принц Макс обратился к американскому пре-
зиденту с тем, чтобы договориться о мире на основе «Четырнадцати пунктов Вильсона».
5 октября 1918 г., сообщая эту новость населению Германии, принц Макс заявил, что если
враги Германии не захотят согласиться на мир, совместимый с честью Германии, то немец-
кий народ будет вынужден сражаться с новой силой1. Спустя четыре недели и три раунда
обмена дипломатическими нотами, несмотря на крах союзников Германии и отсутствие
человеческих ресурсов, необходимых для продолжения боевых действий, внутри кабинета
принца Макса все еще шли споры о том, положить ли конец войне и действительно ли необ-
ходимо перемирие. Кое-кто в кабинете министров даже говорил о том, что существуют ус-
ловия, которые Германия не может принять2. Все эти дебаты закончились 4 ноября 1918 г.,
когда пришло известие о том, что революционный Совет матросов взял под контроль пор-
товый Киль3.
На следующий день в Берлине на заседании продемократического межпартийного коми-
тета Рейхстага – предшественника Веймарской коалиции – член партии Центра Маттиас
Эрцбергер заявил, что Германии необходимо ознакомиться с окончательными условиями
перемирия, выдвигаемыми президентом Вильсоном самое позднее до конца недели. В про-
тивном случае Германии придется просто выкинуть «белый флаг». По заявлению Эрцбер-
гера, «любая дальнейшая задержка деморализует народ, а правительство теряет контроль
над ситуацией. Инциденты в Киле, Штутгарте, Мюнхене. Для начала [у нас] нет новостей
из Рейнской области. За 24 часа тоже самое может произойти в областях, от которых никто
этого даже не ожидает. Тогда внутренний фронт потерпит полный крах. Условия врага ме-
нее болезненны, чем продолжение мучений немецкого народа. Ситуация в России. Мы не
можем этого допустить!»4.
6 ноября 1918 г. имперские власти потеряли контроль над Гамбургом – вторым по рангу
промышленным городом Германии и военным оплотом сдерживания революции на севере
страны. К тому времени, как красный флаг взвился над Гамбургом, Эрцбергер уже уехал в

1 Jones M. Founding Weimar: Violence and the German Revolution of 1918–1919. Cambridge, 2016. P. 32–38.
2 Die Regierung des Prinzen Max von Baden [= Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen
Parteien. R. 1. Bd. 2] / E. Matthias, R. Morsey (Hrsg.). Düsseldorf, 1962.
3 Jones M. Founding Weimar. P. 38–43.
4 Sitzung des Interfraktionellen Ausschusses. 5. Nov. 1918 // Matthias E., Morsey R. (Hrsg.). Die Regierung des
Prinzen Max von Baden. № 127. Цитата S. 513 (курсив автора. – М.Д.).

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 479–499


[Link] 479
Марк Джонс

Компьень, где 11 ноября 1918 г. подписал перемирие от имени Германии – поступок, за


который он будет убит террористами правого крыла в августе 1921 г. Пока же Эрцбергер
ехал во Францию, по всей Германии ему вторил хор голосов: мир нужен любой ценой, пото-
му что всеми средствами нужно избежать повторения «русской ситуации». Среди них был
и голос генерала Вильгельма Грёнера, который был назначен генерал-квартирмейстером
германской армии после отставки Людендорфа, последовавшей 24 октября 1918 г. Еще до
перехода Гамбурга под власть Совета рабочих и солдат, Грёнер заявил кабинету министров,
что «большевизм – более опасный враг, чем враг на передовой»5.
Споры о соотношении немецкой революции 1918–1919 гг. и русских революций 1917 г. так
же стары, как и сами революции. В обеих странах в переломные моменты ключевые исто-
рические фигуры предполагали, что будущее их революции будет зависеть от событий дру-
гой революции. В обоих случаях язык революционной и контрреволюционной политики
использовал и развивал идеи и сценарии другого контекста.
Цель этой статьи – исследовать русский революционный сценарий в период немецкой ре-
волюции 1918–1919 гг., а именно поставить вопрос о том, что имели в виду современники,
когда использовали в немецких политических дебатах в 1918 – начале 1919 гг. такие терми-
ны, как «большевизм» и «русская ситуация»? Откуда приходили революционные идеи,
как они циркулировали и развивались в Германии в последний год Первой мировой войны и
в первые месяцы после перемирия? Как они влияли на предпочтения и мышление современ-
ников, то давая им повод к надежде, то повергая их в отчаяние? Каковы были последствия
развития событий по «русскому сценарию» для первых месяцев существования Веймар-
ской республики?
Данный подход основан на недавнем издании под названием «Scripting Revolution» под ре-
дакцией Кита Майкла Бейкера и Дэна Эдельштейна, которые предполагают, что революци-
онный сценарий – это инструмент, с помощью которого историки могут по-новому подхо-
дить к сравнительной истории революций. По их словам, сценарий «представляет собой
рамку, в которой задается некая ситуация и проецируется сюжет; сюжет, в свою очередь,
предлагает серию последовательных событий, позиций субъектов и возможных ходов, ко-
торые должны быть разыграны участниками внутри этой рамки. […] Конкуренция за навя-
зывание сценария или за контроль над навязанным сценарием является фундаментальным
фактом политики, и это наиболее очевидно в отношении ситуации, которая расценивалась
как революционная»6.
Подобно всем силовым сценариям, нарративная идея того, что «русская ситуация» вот-вот
должна сложиться в Германии, включала в себя элементы, которые существовали уже задол-
го до появления самого сценария. Во второй половине XIX века в связи с ростом глобальной
мобильности и развитием средств коммуникации, опасность русской «инаковости» стала
центральным вопросом политической и культурной идентичности кайзеровской Герма-

5 Sitzung des Gesamtkabinetts mit General Groener 5. Nov. 1918 // Там же. № 129. Цитата S. 535.
6 Scripting Revolution: A Historical Approach to the Comparative Study of Revolutions / K. M. Baker, D. Eddel-
stein (eds.). Stanford, 2015. P. 3.

480
Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое политическое мышление в 1918–1919 годах

нии7. Беспокойства немцам добавляли миграции, в том числе выходцев из Российской импе-
рии, выезжавших через Германию в США, а также постоянные сезонные перемещения тру-
довых мигрантов из Восточной Европы. Эти старые предрассудки еще больше усилились в
результате череды событий, случившихся за десятилетие до начала Первой мировой войны.
Жестокие погромы 1903–1906 гг., поражение России от Японии в 1905 г., революция 1905–
1906 гг. и возрождение русского консервативного национализма – все это способствовало
восприятию немцами Российской империи как варварской, нецивилизованной и отсталой
страны8. Международная политика также имела значение: союз России с Францией усилил
враждебность Германии к Российской империи, породив ощущение того, что Германии гро-
зит враждебное окружение и что только победоносная война с русским варварством может
с этим покончить9. В 1912–1913 гг. чувство политического и культурного превосходства
немцев еще более усилилось такими резонансными событиями, как Ленский расстрел и
дело по обвинению в ритуальном убийстве еврея Бейлиса, которые были особенно важны
для развития либеральных и социал-демократических взглядов на царскую Россию как от-
сталое и нецивилизованное государство10.
После 1914 г. прежние основы, на которых в 1918–1919 гг. будет выстроен немецкий сце-
нарий в контексте «русской ситуации», приобрели еще более радикальный характер, по-
скольку военный опыт войны на Востоке расширял и усиливал традиционные формы куль-
турного превосходства и ксенофобии11. Основную роль в этом процессе сыграло насилие.
Во время короткого вторжения русских в Восточную Пруссию в 1914 г. русские солдаты
совершали акты жестокости по отношению к гражданскому населению Германии, а бежен-
цы несли на Запад реальные и вымышленные истории о «русском варварстве». Несмотря
на то, что русские войска были быстро изгнаны из Пруссии, память об их предполагаемом
варварстве продолжала держать немцев в напряжении вплоть до конца мировой войны12.

7 Существует огромное количество литературы о восприятии немцами Восточной Европы, включая Россию,
как до, так и во время Первой мировой войны. См., напр.: Ther Ph. Deutsche Geschichte als imperiale Ge-
schichte. Polen, slawophone Minderheiten und das Kaiserreich als kontinentales Empire // Conrad S., Oster-
hammel Jü. Das Kaiserreich transnational: Deutschland in der Welt 1871–1914. Göttingen, 2004. S. 129–148;
Liulevicius V. G. The German Myth of the East: 1800 to the Present. Oxford, 2009; Conrad S. Globalisation and
the Nation in Imperial Germany. Cambridge, 2010.
8 Paddock T. R. E. Still Stuck at Sevastopol: The depiction of Russia during the Russo-Japanese War and the Begin-
ning of the First World War in the German Press // German History. 1998. № 3. P. 358–376.
9 Mulligan W. The Origins of the First World War. Cambridge, 2010; Clark Ch. Sleepwalkers: How Europe Went to
War in 1914. London, 2012.
10 Напр., в своем комментарии к делу Бейлиса либеральная газета Vossische Zeitung отмечала, что судебный
процесс является отражением того, в какой степени Россия, «где большинство населения все еще
неграмотно, во многих отношениях глубоко застряла в средневековье». См.: Geistige Epidemien // Vossi-
sche Zeitung. № 575. 11. Nov. 1913. Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (далее: BArch Berlin). R8934/II/1479.
Bl. 128.
11 О «культурной мобилизации» см.: State, Society and Mobilization in Europe during the First World War /
J. Horne (ed.). Cambridge, 1997; Chickering R. Imperial Germany and the Great War, 1914–1918. Cambridge,
1998). P. 23–32; Goltz A. v. d. Hindenburg: Power, Myth and the Rise of the Nazis. Oxford, 2010. P. 14–42; Liu-
levicius V. G. The German Myth of the East; Conrad S. Globalisation and the Nation in Imperial Germany.
12 Watson A. «Unheard of Brutality»: Russian Atrocities against Civilians in East Prussia, 1914–1915 // Journal of
Modern History. 2014. № 4. P. 780–825.

481
Марк Джонс

Структуры немецкого оккупационного режима, сложившиеся по мере развития войны в


Центральной и Восточной Европе, стали еще одной мощной силой для возникновения и
распространения идей о неполноценности России. Создание Обер Ост – квазивоенного
государства для управления оккупированными территориями, включая Курляндию, Литву
и область Белосток – Гродно, где проживало около трех миллионов человек, было особенно
важно для укрепления дискурса о «Востоке» как нецивилизованном и опасном простран-
стве. Миллионы немецких солдат принимали участие в оккупации и напрямую вступали в
контакт с якобы менее культурными народами, которые жили на оккупированной террито-
рии, включая восточноевропейских евреев. Как показало исследование немецкой оккупа-
ции Веясом Люлевичюсом, этот опыт также способствовал укреплению и трансформации
старых теорий о неполноценности жителей Восточной Европы. Примечательно, что язык,
на котором описывалась эти контакты, основывался на сценариях африканского колониа-
лизма: коренное население Восточной Европы получило те же характеристики, что и коло-
ниальное население Германской империи13.
Именно эти образы помогли сформировать реакцию Германии на русские революции
1917 г. и начало гражданской войны в России в 1918 г. Поначалу новости о революционных
потрясениях в Российской империи приветствовались и действительно толковались как не-
что единственное, что могло привести к военной победе Германии на Восточном фронте,
что положило бы конец военному окружению Германии и открыло бы новые источники
продовольствия для страны, голодающей из-за блокады союзников. Таким образом, понача-
лу даже большевистская революция приветствовалась широкими слоями немецкого обще-
ства. Однако в течение 1918 г., после того как союзники Германии были разбиты, а немецкие
армии начали отступать на Западном фронте, большевизм превратился в видение Армагед-
дона, которого требовалось избежать любой ценой.
Это новое качество выросло из специфического понимания «русской ситуации», когда
большевизм стал приравниваться к необузданным формам насилия. Данный термин, ко-
торый регулярно повторялся в немецких газетах применительно к России с начала 1918 г.,
был синонимом хаоса, грязи, беспорядка, насилия и всего, что противоречило якобы немец-
ким ценностям Культуры, гигиены, труда, дисциплины и порядка14. Подробные газетные
сообщения содержали информацию о жестокостях на ранних этапах гражданской войны в
России. Они появлялись под тревожными заголовками, такими как «Битва за Петербург»,
«Внутренняя ситуация в России», «Как на самом деле обстоят дела в России»15. Публико-
вались и более подробные репортажи, которые давали возможность немцам представить,
как большевизм практически положил конец «порядку», а также описывали рост терро-

13 Liulevicius V. G. War Land on the Eastern Front: Culture, National Identity and German Occupation during
World War I. Cambridge, 2000; Liulevicius V. G. German-Occupied Eastern Europe // A Companion to World
War I / J. Horne (ed.). Oxford, 2010. P. 479–493; Conrad S. Globalisation and the Nation in Imperial Germany.
P. 364–367.
14 Публикации в газетах по теме см.: Главный государственный архив Штутгарта (далее: HStAS). E 40/72
Bü 713.
15 Der Kampf um Petersburg // Münchner Neueste Nachrichten. № 575. 13. Nov. 1917. HStAS. E 40/72 Bü 713;
Die innere Lage in Rußland // Norddeutsche Allgemeine Zeitung. № 99. 23. Feb. 1918. Там же; Wie es in Ruß-
land wirklich aussieht // Schwäbischer Merkur. № 325. 13. Juli 1918. Там же.

482
Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое политическое мышление в 1918–1919 годах

ра, «грабежи и убийства… голод». В сообщениях немецких газет условия в сельской части
России характеризовались как особенно опасные, а читателей предупреждали, что в этих
районах быстро усиливаются голод и насилие16. Точно так же актуальным вопросом было
«безбожие» большевиков, с этой темой немцы могли подробно ознакомиться, поскольку
газеты регулярно публиковали новости о борьбе большевиков с религией17. В результате,
термин «большевизм» стал своего рода кратким определением нового и опасного полити-
ческого проекта, который умножал все старые угрозы с Востока18.
В феврале 1918 г. одна полуофициальная южно-немецкая региональная газета опубликовала
отчет о первых месяцах правления русских большевиков как о «тотальной тирании». Газе-
та утверждала, что большевики «бушуют» против всего, что они считают «буржуазным».
Они якобы занимались «неограниченным терроризмом», арестовывая своих противни-
ков, меньшевиков, социалистов-аграриев и любого, кого обвиняли в том, что он присоеди-
нился к «контрреволюционерам». В целом газета констатировала: «За несколько месяцев
у власти большевистское правительство доказало, что оно не способно осуществлять упо-
рядоченное правление»19.
Сценарий, в котором говорилось, что «русская ситуация» равносильна безудержным экс-
цессам, был также основан на участии Германии в новых формах насилия в Центральной и
Восточной Европе в 1918 г. Даже после Брест-Литовского мирного договора около мил-
лиона немецких солдат оставались на территории, все еще формально подпадавшей под
немецкий контроль или влияние. Многие из них активно участвовали во все более жесто-
ких военных акциях, которым было суждено определить зоны раскола постимперского
пространства20. В Финляндии, где в мае 1918 г. антибольшевистские силы уничтожили до
10.000 повстанцев, на стороне националистов воевала немецкая «балтийская дивизия» под
командованием Рюдигера фон дер Гольца21. В то же время на Украине немецкие солдаты сра-
жались с повстанцами во враждебном окружении, когда все стороны конфликта совершали
зверства, как, например, казнь большевиками тысячи бывших царских офицеров в Киеве и
казнь немцами около двух тысяч пленных большевиков на побережье Черного моря в июне
1918 года22.
В то время как прямое участие Германии в конфликтах на Востоке способствовало распро-
странению идеи о том, что «русская ситуация» эквивалентна новым формам безудержного

16 Die innere Lage in Rußland // Norddeutsche Allgemeine Zeitung. № 99. 23. Feb. 1918. Там же.
17 См: Russland // Deutscher Reichsanzeiger. № 33. 7. Feb. 1918. Там же.
18 Arbeiter, aufgewacht! // Rheinische Zeitung. № 247. 22. Oct. 1918. BArch Berlin. R901/55619. Bl. 32.
19 Beilage zum Staats-Anzeiger für Württemberg. 22. Feb. 1918. HStAS. E 40/72 Bü 713.
20 Liulevicius V. G. German-Occupied Eastern Europe. P. 447–463, 458. См. также: Liulevicius V. G. War Land on the
Eastern Front; Conrad S. Globalisation and the Nation in Imperial Germany. P. 364–367.
21 Liulevicius V. G. German-Occupied Eastern Europe. P. 458; Goltz R. v. d. Meine Sendung in Finnland und im Bal-
tikum. Leipzig, 1920.
22 См. аргументированный анализ: Lieb P. The German Occupation of the Ukraine, 1918 // World War I Com-
panion / M. Strohn (ed.). London, 2013. P. 210–225. По теме Украины см.: Yekelchyk S. Bands of Nation Build-
ers? Insurgency and ideology in the Ukranian Civil War // War in Peace: Paramilitary Violence in Europe after the
Great War / R. Gerwarth, J. Horne (eds.). Oxford, 2012. P. 107–125; Graziosi A. The Great Soviet Peasant War:
Bolsheviks and Peasants, 1917–1933. Cambridge MA, 1996. P. 11–37.

483
Марк Джонс

насилия, страх перед возникновением такой ситуации в Германии усиливался из-за присут-
ствия на территории Германии более 1,4 миллиона военнопленных из бывшей Российской
империи: их было в два раза больше, чем французских и в восемь раз больше, чем британ-
ских военнопленных. Их было также больше, чем миллион с четвертью рабочих-иммигран-
тов в Германской империи в 1914 году23.
С июля 1918 г., когда контрнаступление союзников на Западном фронте оттеснило немец-
кие армии к границе Германии, а ситуация в самой Германии становилась все более неста-
бильной, толкования «большевизма» и «ситуации в России» расширились, включив в
себя традиционные опасения относительно возможности навязывания революции извне.
В основном эти страхи были обусловлены отдельными воспоминаниями о событиях 1789–
1792 гг., революции 1848 г. и Парижской Коммуне. Таким образом, в течение 1918 г. сце-
нарии, связанные с такими терминами, как «большевизм» и «ситуация в России», стали
слиянием двух доминирующих страхов политической элиты имперской Германии: страха
«угрозы снизу» и боязни Востока. Иными словами, сценарий в рамках «русской ситуа-
ции» стал преобладать в силу того, что этот термин получил значения, которые объединяли
идеи, лежавшие в основе немецкого ориентализма, а также страх элиты перед хаосом и гря-
зью немецкой городской бедноты. После четырех лет войны оба эти страха активизирова-
лись и радикализовались в результате конфликта, который поставил на карту существование
нации. По мере того, как все больше и больше немцев осознавали, что империя потерпела
поражение в Великой войне, также росли опасения по поводу возможности повторения в
Германии «русской ситуации».
Дневники профессора истории Гейдельбергского университета Карла Хампе дают нам при-
мер того, как происходил этот процесс трансформации. Хампе узнал о событии, которое
он назвал большевистской «новой революцией» в Петрограде, 8 ноября 1917 г., и сразу же
предсказал, что это приведет к «гражданской войне». Однако, больше всего его заботил
вопрос, послужит ли это делу сепаратного мира между Германией и Россией. Хампе кри-
тиковал идею о том, что для заключения такого сепаратного мира Германии необходимо
действующее русское правительство. Наоборот, он записал в дневнике: «Чем больше там
хаоса, тем лучше для нас»24. Через неделю Хампе предсказал, что Россия, «разрушенная
гражданской войной и анархией», в конечном итоге вернется к некоему конституционному

23 На тему опасений возможного применения насилия со стороны русских пленных см.: Blücher E. An English
Wife in Berlin: A Private Memoir of Events, Politics and Daily Life in Germany throughout the War and the Social
Revolution of 1918. New York, 1920. P. 282 (9. Nov. 1918). Дополнительные комментарии об освобождении
итальянских пленных в Австрии см. P. 272 (3. Nov. 1918). Статистику по военнопленным см.: Doegen W.
Kriegsgefangene Völker. Berlin, 1921. S. 28. О военнопленных см.: Kramer A. Dynamic of Destruction: Culture
and Mass Killing in the First World War. Oxford, 2007. P. 65; Jones H. Violence against Prisoners of War in the
First World War: Britain, France and Germany, 1914–1920. Cambridge, 2011. P. 54; Rachamimov A. POWs and
the Great War: Captivity on the Eastern Front. Oxford, 2002. Количество рабочих-иммигрантов указано по:
Blackbourn D. Das Kaiserreich transnational. Eine Skizze / Conrad S., Osterhammel Jü. (eds.). Das Kaiserreich
transnational. S. 313.
24 Karl Hampe Kriegstagebuch 1914–1919 [= Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts, Bd. 63] /
F. Reichert, E. Wolgast (Hrsg.). München, 2007. S. 616 (9. Nov. 1917).

484
Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое политическое мышление в 1918–1919 годах

царизму25. 24 ноября 1918 г. он придерживался той же точки зрения. Новость о «граждан-


ской войне» была для него хорошей, потому что война разрушила бы Россию до такой сте-
пени, что независимо от того, кто в конечном итоге победит, ни одна политическая группа
не сможет продолжить борьбу против Германии26. Двумя днями позже Хампе был не менее
доволен новостью, что дипломатический персонал Антанты покинул Петроград, а граждане
Англии, Франции и Америки интернированы27. Теперь он был уверен в том, что даже если
большевики не удержат власть, ни одно русское правительство не сможет больше «развя-
зать новое наступление на Германию» и что «мы наконец-то свободны от этого кошма-
ра»28. На следующий день он уже размышлял о том, может ли победа на Востоке привести к
новому наступлению на Западе. Хампе не мог этого знать, но Людендорф начал обдумывать
планы нового наступления примерно тогда же29. Двумя днями позже – комментируя, какое
удовольствие он получил от лекции для студентов Гейдельбергского университета о Данте,
Хампе радовался еще больше, надеясь на полную победу большевиков, которая негативно
повлияет на Антанту30.
В течение декабря 1917 г. мнение Хампе не изменилось. Его обрадовало известие, что Рос-
сия может объявить о банкротстве31. 18 декабря 1917 г. он узнал о договоренностях о пе-
ремирии с Россией и был очень доволен их содержанием: «Отныне все будет сводиться к
тому, смогут ли большевики удержать власть; они должны победить»32. 5 января 1918 г. он
записал в своем дневнике, что переговоры с большевиками идут неважно, но он сохраняет
оптимизм, учитывая возможность сепаратного мира с Украиной и шанс, натравить украин-
цев на большевиков33.
Тон Хампе начал меняться в последней трети января 1918 г., что говорит об общем изме-
нении отношения к большевизму в это время. Хотя до открытой враждебности, которая
возникла в середине и конце лета 1918 г., все еще было далеко, с этого момента Хампе начал
уделять больше внимания большевизму как источнику насилия. 21 января 1918 г., узнав о
разгоне большевиками конституционного Учредительного собрания, он охарактеризовал
их власть как «господство ужаса». Тем не менее, Хампе полагал, что даже если такое разви-
тие событий создаст большую неопределенность, это не поставит под угрозу долгосрочный
приоритет Германии – сепаратный мир с Россией. Более того, в этой дневниковой записи
он был больше озабочен угрозой, исходящей от бастующих рабочих в Вене, чем угрозой,
исходившей от большевизма и его потенциального распространения в Германии34. Тем не
менее, эхо событий в России и их широкое повторение в Германии, привели к тому, что

25 Там же. S. 618 (16. Nov. 1917).


26 Там же. S. 622 (24. Nov. 1917).
27 Там же. S. 622–623 (26. Nov. 1917).
28 Там же.
29 Там же. S. 623 (27. Nov. 1917).
30 Там же. S. 623–624 (29. Nov. 1917).
31 Там же. S. 629 (8. Dez. 1917).
32 Там же. S. 633 (18. Dez. 1917).
33 Там же. S. 642 (5. Jan. 1918). Хампе сохранял оптимизм 12 января, когда узнал, что переговоры возобновля-
ются. S. 645 (12. Jan. 1918).
34 Там же. S. 648 (21. Jan. 1918).

485
Марк Джонс

трактовка большевизма в его дневниковых записях постепенно смещалась в сторону нео-


граниченного насилия, хаоса и гражданской войны. Двумя днями позже он резюмировал
это одной строкой: «Тяжелые внутренние бои в России. Убийства в Санкт-Петербурге и
тому подобное»35.
В записи от 27 января идея образца 1918 г., согласно которой большевизм был источником
беспорядков в Германии, была центральной в его анализе. Хампе отметил, что забастовки
теперь планируются и в Германии, и приписал их организацию Троцкому, которого он на-
звал «клиническим реалистом». Троцкий якобы пытался «сделать Германию маленькой»,
распространяя революционные идеи среди рабочего класса36. Двумя днями позже его обес-
покоенность возросла по поводу того, что повторение событий в России может привести к
уничтожению плодов близкой победы Германии на Востоке37.
2 февраля 1918 г. в его дневнике впервые упоминается «большевистский террор». В запи-
си, характеризующей большевизм как нечто явно опасное, но, тем не менее, все же выгодное
для Германии, он писал: «Развитие событий на Востоке в результате растущей дезинтегра-
ции интересно, и не является для нас неблагоприятным. Сейчас важно то, насколько отдель-
ные государства в состоянии противостоять большевистскому террору. Тогда мы могли бы
сначала заключить мир с Финляндией и Украиной. В последней, однако, идут тяжелые бои.
Похоже, Румыния сохранит Бессарабию и согласится на мир с нами»38.
Однако эти угрожающие образы большевистского террора исчезли еще до подписания Бре-
стского мира. В записи от 13 февраля 1918 г. Хампе был более оптимистичен в отношении
большевизма, потому что узнал об объявлении Россией банкротства39. Хампе был не един-
ственным, кто думал подобным образом. Еще один пример – дневник, который вел солдат
Рейнхолд Келл во Франции – содержит аналогичное наблюдение, что «блестящие новости»
с Востока нанесут ущерб кредиторам России, в особенности Франции40. 26 февраля 1918 г.
Хампе записал, что рейхсканцлер Георг фон Гертлинг объявил, что большевики приняли
условия Германии и согласились на мир41. Неделю спустя он назвал 3 марта 1918 г., день
подписания Брестского мира, «важным днем»42.
Тем не менее, с середины лета 1918 г. негативные трактовки, которые рисовали большевизм
как насилие и угрозу будущему Германии, стали перевешивать положительные коннотации
революции в России как источника победы Германии на Востоке. Июль был особенно важ-
ным месяцем. В течение нескольких недель немцы узнали, что свергнутый царь зверски убит
вместе с семьей; что в Киеве убит немецкий военный главнокомандующий на Украине гене-

35 Там же. S. 649 (23. Jan. 1918).


36 Там же. S. 650 (27. Jan. 1918). Такая же оценка в дневнике Кете Леманн. См.: Käthe Lehmann, Weimar, 30.
Jan. 1918 // Verborgene Chronik: 1915–1918 / L. Exner, H. Kapfer (Hrsg.). Berlin, 2017. S. 499–500.
37 Reichert F., Wolgast E. (Hrsg.). Karl Hampe Kriegstagebuch. S. 650–651 (29. Jan. 1918). На следующий день он
описал «глас народа» как «глас коровьего стада». S. 651 (30. Jan. 1918).
38 Там же. S. 652 (2. Feb. 1918).
39 Там же. S. 657 (12. Feb. 1918).
40 Reinhold Kell, 25. Feb. 1918 // Exner L., Kapfer H. (Hrsg.). Verborgene Chronik. S. 512.
41 Reichert F., Wolgast E. (Hrsg.). Karl Hampe Kriegstagebuch. S. 661 (26. Feb. 1918).
42 Там же. S. 663 (3. März. 1918).

486
Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое политическое мышление в 1918–1919 годах

рал-фельдмаршал Герман фон Эйхгорн; что посол Германии в большевистской России граф
Мирбах убит в здании посольства Германии в Москве (дипломатические отношения между
странами были восстановлены после подписания Брестского мирного договора)43. Хампе
обвинил в убийстве контрреволюционеров во главе с Керенским, но был уверен, что это не
приведет к разрыву отношений между Германией и большевиками44. 26 июля он записал, что
ситуация для большевиков «очень опасна»45.
Даже в августе Хампе все еще писал в дневнике о большевизме как о чем-то разрушительном
для Антанты и, следовательно, выгодном Германии. Вмешательство Антанты на стороне
врагов большевизма даже заставило Хампе поверить в то, что гражданская война в России
может в конечном итоге укрепить отношения Германии с большевиками46. Однако, столь
обнадеживающее будущее шло рука об руку с наблюдениями насилия. 1 сентября, узнав о
покушении на Ленина, Хампе заметил, что теперь за профессию убийцы берутся молодые
девушки. Он добавил, что его коллега отказался от поездки в Киев, потому что его жена
опасалась за его безопасность47. За записями, акцентирующими насилие, вскоре появилась
еще одна мрачная запись от 11 сентября 1918 г.: «Террор в России растет; более 500 эсеров
расстреляно за убийства. Уже составлен новый расстрельный список за следующее напа-
дение на лидера большевиков. Эта мысль о заложниках теперь начинает влиять на членов
Антанты»48.
Осенью 1918 г., когда политически мыслящие немцы все больше и больше осознавали над-
вигающийся крах союзников Германии и ухудшающееся положение немецких армий на
Западном фронте, страх повторения «русской ситуации» в Германии увеличивался в гео-
метрической прогрессии. Новый толчок к росту опасений дал сам Людендорф. Во время се-
рии встреч Верховного главнокомандования с руководством страны он заявил 29 сентября
1918 г. императору, рейхсканцлеру и министру иностранных дел, что война проиграна, и
потребовал от правительства немедленного прекращения огня49. Один из офицеров, при-
сутствовавших при заявлении Людендорфа, записал, что Людендорф сказал, что «военная
ситуация ужасно серьезна. Каждый день наш Западный фронт может быть прорван»50.
Затем Людендорф подробно рассказал, как, по его мнению, могут в любое время повер-
нуться события: «Верховное главнокомандование и немецкая армия на грани; война не

43 Herwig H. The First World War: Germany and Austria-Hungary, 1914–1918. London, 2014. P. 386. См.: Ботмер
К .ф. С графом Мирбахом в Москве. Москва, 2010; Katkov G. The Assassination of Count Mirbach // Soviet
Affairs. 1962. № 3. P. 53–93. Также см.: Aus dem Reich. Berlin 6. Juli (Amtlich) // Staats-Anzeiger für Würt-
temberg. № 157. 8. Juli 1919; Lenin deplores Mirbach murder // New York Times. 8 July 1918; Revolver und
Handgranate // Volksstimme. № 158. 9. Juli 1918; Nikolaus Romanow erschossen // Volkstimme. № 170. 23.
Juli 1918.
44 Reichert F., Wolgast E. (Hrsg.). Karl Hampe Kriegstagebuch. S. 709 (7. Juli 1918).
45 Там же. S. 717 (26. Juli 1918).
46 Там же. S. 728 (16. Aug. 1918).
47 Там же. S. 733 (1. Sept. 1918).
48 Там же. S. 737 (11. Sept. 1918).
49 Chickering R. Imperial Germany and the Great War. P. 184–185.
50 Albrecht von Thaer, Generalstabsdienst an der Front und in der O. H. L.: Aus Briefen und Tagebuchaufzeichnun-
gen 1915–1919 / S. A. Kaehler (Hrsg.). Göttingen, 1958. S. 234 (1. Nov. 1918).

487
Марк Джонс

только больше не может быть выиграна, но окончательное поражение неизбежно. Болга-


рия выпала. Австрия и Турция теряют силу и скоро последуют за ней. К сожалению, наша
собственная армия уже сильно заражена ядом спартаковских и социалистических идей. На
солдат больше нельзя положиться. С 8 августа ситуация быстро ухудшается. Приходилось
постоянно быстро выводить с фронта солдатские части, потому что они демонстрировали
полную ненадежность. Когда их заменяли, солдат, которые все еще были готовы сражаться,
встречали криками “штрейкбрехеры” и призывали больше не воевать. Он не может вести
войну с дивизиями, на которые больше нельзя полагаться»51.
В результате, оценка Людендорфом немецких армий как ненадежных в сражении стала ос-
новой его предсказания, что «враг добьется успеха в ближайшем будущем благодаря вели-
кой победе, прорыву беспрецедентных масштабов с помощью американцев, которые рвутся
в битву. Тогда наша армия на Западе потеряет свою последнюю решимость, хлынет обрат-
но через Рейн и принесет революцию в Германию»52. Как отметил историк Майкл Гейер,
говоря языком немецких военных, это было равносильно предсказанию гибели в битве53.
В основе такого видения Людендорфа лежал сценарий русской революции. Его ожидания
военного краха Германии на Западном фронте были результатом воображаемого перено-
са событий в России и краха русских армий, на немецкую почву. Чтобы избежать такого
ужасного сценария, Людендорф потребовал немедленного перемирия. Эта новость должна
была держаться в секрете, но, как и многое другое, она тут же широко распространилась
и заставила широкие слои политической элиты представить себе «русскую ситуацию» в
Германии, соглашаясь или не соглашаясь с Людендорфом54.
«Русский сценарий» давал прочную основу для понимания того, что происходило в Герма-
нии, также солдатам на фронте. Август Гильземанн, служивший на Западном фронте с авгу-
ста 1914 г. (за исключением пяти месяцев, проведенных на Восточном фронте в конце 1916
– начале 1917 гг.), записал в Бельгии 7 ноября 1918 г., что «на Родине орудовало множество
революционеров, которые хотели начать гражданскую войну по ужасающему русскому об-
разцу»55. На следующий день во Франции Рейнхолд Келл зафиксировал изменения, проис-
ходившие в Германии, аналогичным образом: «Большевистские идеи распространяются.
Это ужасное время. […] Если бы только на Родине вняли [печальному] примеру России.
Все видят, что происходит: с большевизмом приходит распад, хаос, голод и гражданская
война. Да защитит Бог от этого Родину»56.

51 Там же.
52 Там же. S. 235. Цит. по: Geyer M. Insurrectionary Warfare: The German Debate about a Levée en Masse in Octo-
ber 1918 // Journal of Modern History. 2001. № 3. P. 459–527, здесь S. 467.
53 Geyer M. Insurrectionary Warfare: The German Debate about a Levée en Masse in October 1918. P. 466–467.
54 См, напр., записи в дневнике Кете Леманн, Веймар, 3 окт. 1918 г. и 11 окт. 1918 г.: Exner L., Kapfer H. (Hrsg.).
Verborgene Chronik. S. 624–625, 628–630.
55 August Gielsemann, Nimy (Belgium), 7. Nov. 1918 // Exner L., Kapfer H. (Hrsg.). Verborgene Chronik. S. 647–
648. Он предсказывал, что солдатам снова придется воевать на родине.
56 Reinhold Kell, Longwy (France), 9. Nov. 1918 // Там же. S. 653. Другой пример см.: Eugen Miller, Nachrodt,
27. Nov. 1918 // Там же. S. 683.

488
Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое политическое мышление в 1918–1919 годах

Проецирование «русского сценария» на события в городах Германии получило дополни-


тельный импульс с освобождением из тюрьмы в конце октября 1918 г. Карла Либкнехта. Вза-
мен на согласие ввести двух министров из числа социал-демократов в правительство прин-
ца Максимилиана Баденского, руководство Социал-демократической партией Германии,
имевшей самое большое представительство в Рейхстаге, потребовало ослабления цензуры
и, преодолев первоначальное сопротивление внутри партии, освобождения Карла Либк-
нехта, самого известного политического заключенного Германии во время Первой миро-
вой войны. Социал-демократы, призывавшие к освобождению Либкнехта, утверждали, что
его заключение было более опасным, чем его освобождение, предполагая, что, пока самый
известный критик ведения войны остается в тюрьме, он будет служить центром оппозиции.
Их оценка оказалась верной. После своего освобождения 23 октября 1918 г. Либкнехт оста-
вался политически второстепенной фигурой, человеком, который не смог заручиться под-
держкой, которую намеревался получить от целевой аудитории. Но Либкнехт был силен в
другом. Его публичные выступления и риторика, связывающая Германию с большевистской
Россией, укрепили идею о том, что левые будут неизбежно стремиться к захвату власти в
большевистском стиле. Либкнехт больше, чем кто-либо другой из представителей левых по-
литических сил, полагал, что «ситуация в России» может стать реальностью в Германии57.
Освободившись из тюрьмы, он возобновил карьеру с яркой политической демонстрации в
центре Берлина: шествия независимых социал-демократов – противников войны, которые
радостно приветствовали возвращение своего лидера58. С этого момента Россия занимала
центральное место в революционном сценарии Либкнехта. Он использовал советское пол-
предство как сцену для заключительной речи после своего освобождения, а потом наме-
ренно демонстративно вошел в здание полпредства, что стало заметным актом в большой
политической драме59.
Либкнехт фигурировал в качестве важнейшего символического компонента русского ре-
волюционного сценария в Германии. Он намеревался стать немецким Лениным. Одна из
представительниц аристократии, наблюдавшая за триумфальным парадом в честь Либкнех-
та после его освобождения, описывала, как «он сидел в карете со своей женой, окруженный
цветами, и они медленно ехали мимо Рейхстага и переулков, наконец оказавшись у посоль-
ства России. Там Либкнехт обратился к собравшимся друзьям с речью, отмеченной больше-
визмом»60. Карл Хампе в Гейдельберге описал этот момент как «подстрекательство со сто-
роны Либкнехта к революции». Хампе был в ярости из-за того, что Либкнехту позволили
выступить. Он сразу же связал появление Либкнехта с угрозой хаоса61. Вскоре после этого
принцесса Эвелин Блюхер, которая жила недалеко от Бранденбургских ворот, распростра-
нила слух о том, что Либкнехт якобы собирался выступить с речами в 80 разных городах Гер-
мании. Согласно слухам, циркулирующим в высшем сословии, он якобы планировал начать

57 Далее см.: Jones M. Founding Weimar. P. 67–103.


58 Также см.: Wir grüßen Dich, Liebknecht! // Leipziger Volkszeitung. 23. Oct. 1918 // Karl Liebknecht: Eine
Biographie in Dokumenten / A. Laschitza, E. Keller (Hrsg.). Berlin, 1982. S. 374 (№ 457).
59 Aus Erinnerungen Fritz Globigs // Laschitza A., Keller E. (Hrsg.). Karl Liebknecht. S. 375–376 (№ 460).
60 Blücher E. An English Wife in Berlin. S. 256 (24. Oct. 1918).
61 Reichert F., Wolgast E. (Hrsg.). Karl Hampe Kriegstagebuch. S. 763 (24. Oct. 1918).

489
Марк Джонс

свою речь такими словами: «Два года назад я попал в тюрьму социалистом. Я вышел из нее
анархистом. И я скажу вам, почему»62.
Являясь сторонником большевистской России и разделяя идею «мировой революции»,
Либкнехт стал олицетворением революционного «русского сценария» в Германии. С это-
го момента он символически соединял в своем лице некоторые из наиболее сильных страхов
элит перед революцией. Угрозы, которые он представлял, были видениями вышедшего из-
под контроля городского пролетариата, захватывающего улицы, в сочетании с тревогами
последнего времени и боязнью того, что дисциплина в армии на фронте вот-вот рухнет63.
Вслед за появлением Либкнехта в советском полпредстве, влияние «русского сценария»
стало настолько велико, что многие поверили слухам о том, что полпредство РСФСР являет-
ся центром организации, готовящей революцию в Германии. Вскоре после этого секретная
служба берлинской полиции, отвечающая за слежку за подрывными элементами, обвинила
Москву в поставке полпредству пропагандистских материалов и оружия64. Обыватели бо-
ялись, что полпредство сыграет какую-то роль в будущей революции – «мы подозреваем,
что это рассадник большевизма и анархии», – писала принцесса Эвелин Блюхер, а в центре
внимания оставался Карл Либкнехт, про которого говорили, что он «постоянно входит и
выходит» из полпредства65.
В конце октября 1918 г. правительство принца Максимилиана Баденского все еще не же-
лало предпринимать шаги против полномочного представительства РСФСР66. Полпред-
ство опровергало слухи о своей причастности к революционной агитации, и правительство
первоначально, по крайней мере публично, действовало неохотно67. Но страх, недоверие и
подозрения были слишком велики, и, когда 4 ноября 1918 г. на станции Фридрихштрассе в
центре Берлина при разгрузке дипломатических ящиков немецкие агенты взломали один из
них, они заявили, что обнаружили опасную «большевистскую пропаганду»68. В официаль-
ном отчете, позже опубликованном в газетах, подчеркивалось, что обнаруженная пропаган-
дистская литература призывала рабочих устроить «кровавый переворот». В листовке, под-
писанной от имени «Интернациональной группы (группа Спартака)», содержался призыв
к «революционной войне». Говорили, что в еще одной листовке давались инструкции по
ведению революционной борьбы и содержались требования «убийства» и «террора»69.

62 Blücher E. An English Wife in Berlin. S. 262–265 (29. Oct. 1918).


63 Там же. S. 256 (24. Oct. 1918); Reichert F., Wolgast E. (Hrsg.). Karl Hampe Kriegstagebuch. S. 763 (24. Oct.
1918). Также см.: Trotnow H. Karl Liebknecht: Eine politische Biographie. Frankfurt a. M., 1980. S. 249.
64 Matthias E., Morsey R. (Hrsg.). Die Regierung des Prinzen Max von Baden. S. 414.
65 Blücher E. An English Wife in Berlin. S. 272 (3. Nov. 1918).
66 Matthias E., Morsey R. (Hrsg.). Die Regierung des Prinzen Max von Baden. S. 414.
67 Die russische Botschaft in Berlin ein Herd des Bolschewismus? // Die Post. 4. Nov. 1918, утр. вып. Также см.:
Die russische Vertretung in Berlin und der Bolschewismus. Eine amtliche Erklärung // Norddeutsche Allgemei-
ne Zeitung. 3. Nov. 1918. HStAS. E 40/72 Bü 713. Bl. 190.
68 Ritter G. A., Miller S. Die Deutsche Revolution 1918/1919. Frankfurt a. M., 1983. S. 338.
69 Matthias E., Morsey R. (Hrsg.). Die Regierung des Prinzen Max von Baden. S. 510; Norddeutsche Allgemeinen
Zeitung. 5. Nov 1918, веч. вып. Также см.: Der Kampf gegen den Bolschewismus // Norddeutsche Allgemeine
Zeitung. № 569. 6. Nov. 1918. BArch Berlin. R901/55619. Bl. 23.

490
Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое политическое мышление в 1918–1919 годах

Эти события свидетельствовали о том, что «русский сценарий» вот-вот будет реализован70.
Эвелин Блюхер была встревожена фактом обнаружения листовок. Она написала, что они
«полны анархических воззваний к народу, подстрекающих к кровопролитию и грабежу»71.
Даже либеральная «Франкфуртер Цайтунг» была поражена72. Пресса обвиняла полномоч-
ного представителя большевиков, старого революционера Адольфа Иоффе, который был
евреем, в заговоре с целью вызвать революцию в Германии и предупреждала, что Германия
находится на грани волны «скрытно надвигающегося убийства» и «террора»73. В резуль-
тате обнаружения пропагандистской литературы сотрудники полпредства были высланы из
Германии, к облегчению встревоженной публики. Эвелин Блюхер написала, что она «вздох-
нула с облегчением», когда услышала эту новость74.
Отличительной чертой реакции на эти новости был антисемитизм. «Франкфуртер Цай-
тунг», до 1914 г. игравшая роль одного из самых громких рупоров противников антисеми-
тизма в Германской империи, теперь сообщала, что это событие является доказательством
того, что «евреи» помогали русскому полпредству распространять опасную пропаганду в
Германии75. Когда газета «Форвертс» написала о высылке советских дипломатов, она зая-
вила аудитории, что те, кто стоял за листовками, хотели расколоть немецкий рабочий класс
и навязать ему «русскую ситуацию». Что такое «русская ситуация», было понятно, ведь
социал-демократическая газета предупредила, что люди в России умирают из-за нехватки
продовольствия. Более того, прогнозируя вероятное влияние «русской ситуации» на Гер-
манию, «Форвертс» утверждала, что те же методы в Германии приведут к еще большему
дефициту продуктов76.
Реальная роль поддержки немецкой революции со стороны большевиков была минималь-
ной, если совсем незначительной. Попытки большевиков, контролировать такие группы,
как берлинские революционные профсоюзы, потерпели неудачу77. Революция сама вспых-
нула среди моряков в северных прибрежных городах – местах, где спартаковская органи-
зация была небольшой, не говоря уже о контактах с Москвой. Тем не менее, как ясно по-
казывает анализ языка современной политики, даже несмотря на то, что организованная
большевистская политическая группа играла незначительную роль или не играла никакой
роли в происходящем, сценарии русской революции были важны для подрыва авторитета
германского имперского государства. Примером может служить дневник жены одного го-

70 Die bolschewistische Gefahr // Deutsche Zeitung. № 567. 6. Nov. 1918, веч. вып.; Der Kampf gegen den Bol-
schewismus.
71 Blücher E. An English Wife in Berlin. S. 272 (3. Nov. 1918).
72 Russische revolutionäre Propaganda in Deutschland. Berlin, 5. Nov. // Frankfurter Zeitung. 6. Nov. 1918, первый
утр. вып.
73 Frankfurter Zeitung. 6. Nov. 1918, второй утр. вып. Также см.: Der Kampf gegen den Bolschewisums.
74 Blücher E. An English Wife in Berlin. S. 272 (3. Nov. 1918).
75 Jones M. Founding Weimar. P. 74.
76 Обзор газеты «Форвертс» см.: Coburger Zeitung. № 262. 8. Nov. 1918.
77 Подр. об этом см.: Luban O. Russische Bolschewiki und deutsche Linkssozialisten am Vorabend der deutschen
Novemberrevolution. Beziehung und Einflussnahmen // Jahrbuch für historische Kommunismusforschung.
2009. S. 283–298; Vatlin A. Die Komintern: Gründung, Programmatik, Akteure. Berlin, 2009. См. также
недавнее замечательное исследование: Albert G. J. Das Charisma der Weltrevolution: Revolutionärer Internati-
onalismus in der frühen Sowjetgesellschaft 1917–1927. Köln; Wien; Weimar, 2017.

491
Марк Джонс

сударственного служащего в Веймаре, имевшей большие связи. В записи от 8 ноября 1918 г.,
размышляя о революции, Кете Леманн отметила, что в городе было тихо, но новость о соз-
дании солдатского Совета заставила ее обратиться к «русскому сценарию», чтобы сфор-
мулировать свою оценку происходящего. По ее словам, Совет представлял собой «больше-
вистские идеи, которые были внедрены в нашу бедную Германию»78.
Этот сценарий стал набирать силу после 9 ноября 1918 г. и провозглашения в Берлине ре-
спублики. После ухода кайзера было сформировано новое революционное правительство.
В его состав вошли три члена Социал-демократической партии Германии (большинства) и
три члена Независимой социал-демократической партии Германии. Состав правительства
представлял собой компромисс. Так продолжалось до конца декабря 1918 г., когда незави-
симые социалисты вышли из правительства. 19 января 1919 г. состоялись выборы в Наци-
ональное собрание. Хотя они превратили Социал-демократическую партию Германии в
самую крупную политическую силу, электорат не дал социал-демократам получить абсолют-
ное большинство голосов. Тем не менее, большинство немцев проголосовало за либераль-
ную демократию. В течение 1919 г. депутаты, избранные 19 января, встретились в Веймаре,
где Конституционное собрание Германии в конечном итоге достигло соглашения по кон-
ституции новой республики, которая вступила в силу 11 августа 1919 г.
Еще в ноябре-декабре 1918 г., несмотря на успехи социал-демократов в получении под-
держки революционно настроенных масс, заполнивших улицы немецких городов, ожида-
ние того, что революция не остановится на месте, было настолько велико, что многие люди
предсказывали, что компромиссный политический порядок продержится только до тех пор,
пока Либкнехт не устроит путч, как это сделали большевики-ленинцы. Встраивая «русский
сценарий» в условия Германии, многие немцы верили слухам о том, что Либкнехт команду-
ет секретной армией, которая готова захватить власть в любой момент. Степень обеспоко-
енности была настолько велика, что мужчины опасались за будущее своих семей и детей, и
их главной заботой стала защита дома.
И снова дневник Карла Хампе дает нам пример того, как такой широкий сюжет как «рус-
ский сценарий» работал в случае с отдельным человеком. В разгар ноябрьской революции,
чтобы интерпретировать политическую ситуацию в Германии, Хампе сразу же обратился к
«русскому сценарию». 9 ноября 1918 г. в дневнике он записывает о своей депрессии и стра-
хе перед насилием в Германии в будущем. Он даже задается вопросом, стоит ли жить даль-
ше. «По сравнению с принудительной силой правления толпы», писал он, «при монархии
было бесконечно больше свободы», и предсказывал, что силы, стоящие за «толпой», не мо-
гут не вызвать сопротивление, следовательно, «волевые претензии тех, кто держит власть,
будут испытаны теми же средствами, что и в России». Главным примером того, что его ожи-
дания были сформированы сценарием русской революции, служит следующее добавление:
«Они никогда не перестают говорить об ответственности и политической зрелости нашего
народа только потому, что до сих пор революция не стоила пролитой крови; [но это] то же
самое, что происходило в России в начале»79.

78 Käthe Lehmann, Weimar, 8. Nov. 1918 // Exner L., Kapfer H. (Hrsg.). Verborgene Chronik. S. 651.
79 Reichert F., Wolgast E. (Hrsg.). Karl Hampe Kriegstagebuch. S. 775 (9. Nov. 1918).

492
Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое политическое мышление в 1918–1919 годах

В дневниковой записи от 10 ноября 1918 г. он описал революцию как «худший день в моей
жизни!». Перенося ход русских революций и гражданской войны на Германию, Хампе
предсказывал, что будущее принесет с собой «жестокое классовое правление под лживым
предлогом свободы, гражданскую войну, голод, хаос». Он обвинял революцию в том, что
она выпустила на свободу преступников и описал, как его коллега наблюдал самое «ужас-
ное зрелище», когда «парни-переростки снимали погоны с офицеров и солдат и забирали
у них оружие»80. В этот момент гнева в его «революционный сценарий» вошел антисеми-
тизм. После встречи с коллегой-евреем, профессором Френкелем, Хампе писал, что иметь
дело с евреями в это время трудно. Хампе считал, что принятие Френкелем нового режима
было типичным примером еврейской «готовности приспосабливаться» –расхожий при-
мер рассуждения о том, что евреи не имеют отечества81.
Хампе был не единственным человеком, которого интересовала роль евреев в революции
и их реакция на нее. 8 ноября 1918 г., размышляя о ходе революции в Мюнхене и роли, ко-
торую сыграл еврейский лидер Курт Эйснер, Томас Манн задавался вопросом: «Мюнхен,
как и Бавария, управляется еврейскими литераторами. Как долго этому будет позволено
продолжаться?»82. До этого в дневниках Манна отмечалась роль еврейских революционе-
ров в распространении революции в Европе83. К 9 ноября 1918 г. публикации о революции
в ультраконсервативных берлинских газетах представляли революционеров как людей, не
принадлежащих к немецкой расе. Например, газета «Райхсботе», подобно «Дойче Тагес-
цайтунг» и «Дойче Цайтунг», определяла революцию как предательство Германии «ино-
странными элементами»84. В вечернем выпуске от 9 ноября 1918 г. консервативная «Дойче
Тагесцайтунг» даже сослалась на «русский сценарий», чтобы заявить, что немецкие рево-
люционеры еще хуже большевиков, которые, по крайней мере, пытались поставить нацио-
нальные интересы выше интересов революции в своем стремлении, продолжить войну85.
В эти же дни в версии русского революционного сценария возросла важность фигуры Либ-
кнехта. 12 ноября Хампе записал: «Либкнехт и его люди скоро попытаются осуществить
путч. Уже сейчас можно предвидеть, что [в конечном итоге] враги должны будут установить
мир в Германии, а затем в качестве компенсации они заберут еще больше земли»86. Прое-
цируя «русский сценарий» непосредственно на то, что, по его ожиданиям, произойдет в
Германии в ближайшие недели и месяцы, Хампе писал: «Наши меньшевики, по-видимому,
уже принесли в жертву большевикам Национальное собрание»87. До конца ноября 1918 г.

80 Там же. S. 775 (10. Nov. 1918).


81 Там же. S. 776.
82 Mann Th. Tagebücher: 1918–1921 / I. Jens, P. de Mendelssohn (Hrsg.). Frankfurt a. M., 2003. S. 63 (8. Nov. 1918).
83 Там же. S. 52 (2. Nov. 1918).
84 Ein Stoß ins Herz // Reichsbote. № 569. 9. Nov. 1918, веч. вып.; Deutsche Tageszeitung. № 572. 9. Nov. 1918,
веч. вып. BArch Berlin. R901/55561. Bl. 11; Hohenzollern // Die Post. № 575. 9. Nov. 1918, веч. вып.; Umsturz
in Berlin / Deutsche Zeitung. № 573. 9. Nov. 1918, веч. вып.
85 Deutsche Tageszeitung. № 572. 9. Nov. 1918, веч. вып.
86 Reichert F., Wolgast E. (Hrsg.). Karl Hampe Kriegstagebuch. S. 779 (12. Nov. 1918).
87 Там же.

493
Марк Джонс

в его дневнике фиксируется ряд аналогичных картин воображаемого будущего по русскому


образцу, в центре которого оставался Либкнехт88.
Дневник Хампе – лишь один из примеров более широкой тенденции89. Как и прежде в этом
году, возможность распространения русского революционного сценария на Германию дик-
товалась непосредственным личным опытом русской революции. 12 ноября Курт Рицлер,
бывший советник рейхсканцлера Бетмана-Хольвега, проработавший в посольстве Герма-
нии в Москве большую часть 1918 г., считал, что «теперь вопрос только в том, какой Совет
рабочих и солдат сохранит верховную власть и возьмет ли Либкнехт с горсткой фанатиков
контроль над мало защищенным центральным [Советом]»90. Другие лидеры обществен-
ного мнения, в том числе редакторы газет, а также члены Социал-демократической партии
Германии, которые внимательно следили за событиями в России, также обращались к «рус-
скому сценарию», проецируя его на свои ожидания результатов событий ноября и декабря
1918 года91. Например, социал-демократический историк Густав Майер считал, что ком-
промисс между социал-демократами большинства и независимыми социал-демократами,
достигнутый 9–10 ноября 1918 г., мало что может сделать для предотвращения диктатуры
пролетариата. Другой пример того, как «русская ситуация» использовалась для описания
ожиданий в Германии, демонстрирует запись Майера о том, что возвращение большого ко-
личества солдат в Берлин может закончиться «ужасом на улицах, как во время французской
и русской революций»92.
В то же время выросли масштабы антисемитизма. Хотя Карл Либкнехт не был евреем, мно-
гие противники революции были уверены, что был, и использовали против него антисемит-
ские выражения. В начале декабря 1918 г. антиспартаковские плакаты даже требовали убий-
ства Карла Либкнехта и Розы Люксембург – двух самых ярких представителей «русского
сценария» в Германии. Примечательно, что в то время как на плакатах были слова «убей
Либкнехта», в Люксембурге плакаты диктовали, что пришло время «забить евреев до смер-
ти»93. Консервативный взгляд на антисемитизм и большевизм как на две части одного опас-
ного врага также сыграл свою роль в убийстве Курта Эйснера в Мюнхене. В документах,

88 Там же. S. 780 (14. Nov. 1918); S. 781 (15. Nov, 1918); S. 782 (16. Nov. 1918); S. 784 (19. Nov. 1918).
89 Напр., насколько морские офицеры были встревожены революцией и поражением см.: Hopman A. Das
ereignisreiche Leben eines «Wilhelminers»: Tagebücher, Briefe, Aufzeichnungen 1901 bis 1920 / M. Epken-
hans (Hrsg.). München, 2004. S. 1140 (11 Nov. 1918); Wolz N. Das lange Warten: Kriegserfahrungen deut-
scher und britischer Seeoffiziere 1914 bis 1918. Paderborn, 2008. S. 423–426, 441–449. Менее драматический
комментарий см.: Kessler H. The Diaries of a Cosmopolitan: 1918–1937 / Ch. Kessler (ed.). London, 1999. P. 9
(9. Nov. 1918).
90 Afflerbach H. Kaiser Wilhelm II. als Oberster Kriegsherr im Ersten Weltkrieg: Quellen aus der militärischen Um-
gebung des Kaisers, 1914–1918. München, 2005. S. 487–488 (12. Nov. 1918).
91 Wolff Th. Tagebücher 1914–1919: Der Erste Weltkrieg und die Entstehung der Weimarer Republik in Tagebü-
chern, Leitartikeln und Briefen des Chefredakteurs am «Berliner Tageblatt» und Mitbegründers der «Deut-
schen Demokratischen Partei» / B. Sösemann (Hrsg.). Boppard a. Rhein, 1984. S. 652 (12 Nov. 1918).
92 Mayer G. Als deutsch-jüdischer Historiker in Krieg und Revolution 1914–1920: Tagebücher, Aufzeichnungen,
Briefe / G. Niedhart (Hrsg.). München, 2009. S. 187 (13. Nov. 1918).
93 Цит. по: Die Regierung der Volksbeauftragten 1918/19. Bd. 1 / S. Miller, H. Potthoff (Hrsg.). Düsseldorf, 1969.
S. 294. Прим. 33 со ссылкой на статью в независимой социалистической газете Freiheit, 7. Dez. 1918.

494
Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое политическое мышление в 1918–1919 годах

найденных в комнате убийцы, говорилось, что одной из причин убийства лидера баварской
революции было то, что Эйснер был «евреем» и «большевиком»94.
Политическая роль «русского сценария» достигла своего пика влияния в течение и непо-
средственно сразу после «январского восстания» 1919 г. Выступление, часто ошибочно
описываемое как «восстание спартаковцев», началось в Берлине в ночь с 5 на 6 января
1919 г. После того, как неожиданно большие толпы, настроенные против правительства,
собрались в Берлине в знак протеста против увольнения социал-демократами главы берлин-
ской полиции, независимого социал-демократа Эмиля Эйхгорна, небольшое количество во-
оруженных демонстрантов заняло ряд зданий в «газетном» районе, включая здание газеты
«Форвертс», главной социал-демократической газеты Германии. Призывы, которыми ра-
дикальные революционеры сопровождали свой захват, давали надежду их сторонникам, что
события в «газетном» районе Берлина завершатся захватом власти пролетариатом по боль-
шевистскому образцу. В ответ вооруженные сторонники правительства Фридриха Эберта
заняли позиции в правительственном районе для защиты самых важных зданий, включая
Рейхсканцелярию и Рейхстаг. Вскоре в центре Берлина начались ожесточенные стычки.
Они продолжались до 11 января 1919 г., когда солдаты под командованием социал-демокра-
тов взяли штурмом здание газеты «Форвертс» и восстание прекратилось.
Еще до начала восстания звучали предупреждения, что большевики выделили миллионы
марок на финансирование революционного переворота в Германии95. Как только началось
восстание, предупреждения об опасности «русской ситуации» в Германии только усили-
лись96. 5 января 1919 г., еще до того, как были заняты первые здания, граф Гарри Кесслер,
увидев, как Карл Либкнехт мобилизует толпу в центре Берлина, написал о том, что он стал
свидетелем «волны большевизма, хлынувшей с Востока», которая напоминала «вторжение
ислама в седьмом веке»97. На следующий день «русский сценарий» был в центре внима-
ния Роберта Лайнерта, социал-демократа из Ганновера, который представлял Центральный
совет, утвержденный Всегерманским конгрессом рабочих и солдатских советов. Высту-
пая перед толпой сторонников социал-демократической партии Германии перед зданием
Рейхсканцелярии, он заявил, что правительство (которое теперь состояло только из членов
СДПГ) готовится «наконец разобраться» с этой «бандой спартаковцев» и «террором на
улицах». Он также утверждал, что Эмиль Эйхгорн и Карл Радек, главный агент большеви-
ков в Берлине, хотели привести русских солдат на Рейн, чтобы возобновить войну и сра-
жаться в новой коалиции против британцев и французов98.

94 Pranckh H. v. Der Prozeβ gegen den Grafen Anton Arco-Valley, der den bayerischen Ministerpräsidenten Kurt
Eisner erschossen hat. München, 1920. S. 13.
95 Die bolschewistische Propaganda in Deutschland // Frankfurter Zeitung. 1. Jan. 1919, первый утр. вып. Со
cсылкой на сообщение в Deutsche Allgemeinen Zeitung. Также см.: Die Zustände in Berlin // Coburger Zei-
tung. № 4. 5. Jan. 1919.
96 20 Millionen Rubel für Joffe in Deutschland // Die Post. № 15. 9. Jan. 1919, утр. вып.; Wenn die Alliierten ein-
marschieren // Die Post. № 17. 10. Jan. 1919, утр. вып. BArch Berlin. R901/55610. Bl. 7.
97 Kessler H. The Diaries of a Cosmopolitan. 5. Jan. 1919. P. 52.
98 Der Kampf um die Macht. [Berlin Priv. Tel. 6. Jan. 12.05 Nachmittag] // Frankfurter Zeitung. 7. Jan. 1919,
первый утр. вып.

495
Марк Джонс

Политические плакаты также зависели от содержания «русского сценария». Они говорили


о том, что спартаковцы полагаются на русские деньги и русские методы99. Влияние «русско-
го сценария» был настолько мощным, что даже распространился слух о том, что в Берлине
находится около тысячи русских большевистских агентов, замаскированных под немецких
солдат100. Рабочих предупреждали, что «русские» методы включают приостановку поста-
вок продовольствия, чтобы мобилизовать рабочих против правительства и толкнуть их в
руки радикалов. Также говорилось, что поток русских денег используется для того, чтобы
купить поддержку немецкого рабочего класса101. На одном плакате социал-демократов даже
утверждалось, что спартаковцы хотят устроить «большевистский сумасшедший дом»102.
Учитывая, что Январское восстание было географически ограничено только некоторыми
частями центрального Берлина, важно отметить, что «русский сценарий» позволил рез-
ко повысить его значимость. Например, в Броккау (недалеко от Бреслау) Рут Хильдебранд
писала в дневнике, что Берлин «рвал себя на куски». По ее словам, «русская революция
забросила горящие головни в немецкие земли, которые упали на тайно хранящуюся взры-
вчатку, где главным складом был Берлин»103. Хильдебранд представляла собой типичную
аудиторию, которая требовала от правительства доказательств, что у него есть средства для
того, чтобы предотвратить захват власти в большевистском стиле.
До какой степени события, происходившие в центре Берлина, задавались русским револю-
ционным сценарием, мы видим, обратившись к сообщениям о подавлении восстания. После
того, как с восстанием было покончено, «русский сценарий» был использован, чтобы по-
казать центральную роль Советской России в восстании. Одна консервативная газета даже
заявила, что на теле убитого мятежника был обнаружен учебник русского языка. По словам
газеты, «находка заслуживает упоминания»: «Это учебник русского языка, издание для
студентов, которые стремятся быть впереди… Русские соблазнители и их немецкие пред-
ставители пытаются вбить в своих жертв убеждение в том, что в будущем социалистические
Россия и Германия должны сформировать империю, союз для революционного завоевания
остального мира»104.
Заявления такого рода были отнюдь не удивительны для правой националистической прес-
сы. Однако, их также можно обнаружить в источниках, которые часто называют либераль-
ными. Например, «Франкфуртер Цайтунг» приводила описание солдат, обнаруживших
тело русского, которым, как они посчитали сначала, был Карл Радек105. Та же газета утвер-
ждала, что спартаковцы заставляли женщин и детей идти под огонь правительственных сол-
дат и что они научились этим «кровавым» и «трусливым» «методам» на своих россий-

99 См. cборник: Flugblätter, Flugschriften (Zur Innen-, Aussen- und Wirtschaftspolitik), Parteiflugblätter /1918–
1919. HStAS. E131 Bü 151.
100 Russischer Zuzug? [Berlin, 8. Jan. Priv. Tel.] // Frankfurter Zeitung. 8. Jan. 1919, веч. вып.
101 Flugblätter, Flugschriften (Zur Innen-, Aussen- und Wirtschaftspolitik), Parteiflugblätter / 1918–1919.
102 Das Bolschewistische Tollhaus. Von Erich Kuttner, Redakteur des «Vorwärts». HStAS. E131 Bü 151.
103 Ruth Hildebrand, Brockau bei Breslau (Silesia), 11. Jan. 1919 // Exner L., Kapfer H. (Hrsg.). Verborgene Chro-
nik. S. 708.
104 Die Krisis // Deutsche Zeitung. № 11. 12. Jan. 1919, утр. вып.
105 Berlin. 11. Jan [Priv. Tel.] // Frankfurter Zeitung. 12. Jan. 1919, второй утр. вып.

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Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое политическое мышление в 1918–1919 годах

ских образцах для подражания106. В другом сообщении той же газеты заявлялось, что слухи
о том, что среди пленных была Роза Люксембург, распространились после того, как некая
русская была поймана «у пулемета»107. Точно так же один из редакторов газеты «Форвер-
тс», социал-демократ Фридрих Штампфер, позже писал, что одним из первых мертвых тел,
которые он увидел в здании «Форвертс», был «некий человек с Кавказа»108.
Утверждения о прямом участии Советской России в Январском восстании не соответство-
вали действительности. Захват здания газеты «Форвертс» был крупнейшей акцией восстав-
ших. После провала восстания проправительственные солдаты взяли в этом здании в плен
несколько сотен человек. Отчеты о биографии 400 человек ясно показывают, что почти все
присутствовавшие в здании были немцами. Только 20 человек, или 5 процентов от обще-
го числа, не были гражданами Германии, а итальянцев и швейцарцев среди них было боль-
ше, чем русских109. Однако это мало повлияло на «русский» дискурс, поскольку заявления
правительства, Центрального совета, а также либеральной, католической, националисти-
ческой, пангерманской и социал-демократической прессы преувеличивали роль русских в
этих событиях и продолжали подчеркивать угрозу «русской ситуации». Несколько дней
спустя, после убийства Розы Люксембург и Карла Либкнехта в Берлине, Филип Шейдеманн
заявил на митинге сторонников социал-демократической партии, что он только что узнал об
их смерти, подчеркнув, что Люксембург была «русской»110.
Не менее важную роль «русский сценарий» сыграл в формировании политических ответов
на Мартовское восстание в Берлине 1919 г. Типичный пример того, как события в Берлине
вписывались наблюдателями в более широкие европейские рамки, которые в значительной
степени формировались под воздействием идей распространения русской революции на
Западе, дает газета «Кёльнише Фольксцайтунг». Газета писала, что немецкая революция
«скопировала русский язык до мельчайших деталей» и предсказывала, что «мы все еще
переживаем худшее, и сомнительно, что Германия полностью оправится от последствий
преступления 9 ноября»111. Антирусские дискурсы снова сопровождались антисемитиз-
мом. Один из репортажей о событиях в Берлине газета «Райхсботе» закончила вопросом:
«Кстати, кто пригласил всех этих русских евреев, Радека, Йогихеса или как там их еще зовут,
в Германию?»112
«Русский сценарий» достиг своего апогея в немецкой революции во время существова-
ния Баварской советской республики, а также после ее распада. В отличие от Январского

106 Spartakistische Kampfmethode [Berlin. 11. Jan. Priv. Tel.] // Там же. Подобные заявления появились в: Letzte
Meldungen [11. Jan. Priv. Tel.] // Frankfurter Zeitung. 11. Jan. 1919, веч. вып.
107 Rosa Luxemburg – Das Standrecht [Berlin. 11. Jan. Priv. Tel.] // Frankfurter Zeitung. 12. Jan. 1919, второй утр.
вып.
108 Stampfer F. Erfahrungen und Erkenntnisse: Aufzeichnungen aus meinem Leben. Köln, 1957. S. 234.
109 Der Erste Staatsanwalt bei dem Landgericht I. 67. Gen. Berlin, 14. Feb. 1919. Bericht über die Beteiligung an den
Spartakusunruhen und Beweggründe hierfür. Berichtverfasser: Staatsanwalt Schönner. Geheimes Staatsarchiv
Preußischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem (GStA PK). Rep. 84a. ( Justizministerium) № 11759. Bl. 61–62.
110 Scheidemann über Bolshewismus und Gewaltfrieden // Germania. 17. Jan. 1919, веч. вып.
111 Knechtschaft // Kölnische Volkszeitung. № 201. 12. März 1919, веч. вып. BArch Berlin. R901/55655. Bl. 48.
112 Reichsbote. № 125. 13. März 1919, веч. вып. BArch Berlin. R901/55655. Bl. 23.

497
Марк Джонс

восстания в Берлине, «русское» участие в руководстве второго правительства Баварской


республики было более выраженным. Лидер Баварской республики Евгений Левине, несмо-
тря на то, что большую часть своей жизни прожил в Западной Европе, родился в Санкт-Пе-
тербурге, и поэтому его роль в событиях можно было легко представить, как имеющую рус-
ские истоки. Как бы то ни было, другие руководители Баварской республики развили такой
мощный культ русского большевизма, что один из участников революции позже сетовал,
что русским, чтобы убедить своих немецких товарищей следовать определенному курсу,
требовалось лишь сказать: «В России мы это делали по-другому»113.
Однако, даже если между русским большевизмом и Мюнхенским Советом существова-
ли более сильные связи, они не заслуживали того, как противники Баварской республики
позже изображали русское вмешательство. Например, казнь заложников Красной армией
Баварской советской республики 30 апреля 1919 г. широко приписывалась русским солда-
там – утверждение, которое получило распространение в силу «русского сценария». Точно
также самая крупная казнь во время революции 1918–1919 годов произошла, когда военная
рота фрайкоровцев, включая студентов Тюбингенского университета, приближавшаяся к
Мюнхену с запада, казнила 53 русских военнопленных в песчаной яме в пригороде Мюн-
хена. Военнопленные обвинялись в том, что сражались на стороне баварских коммунистов,
что впоследствии серьезно оспаривалось. В случае с Баварией также резко вырос антисе-
митизм. Во время судебных процессов над лицами, обвиняемыми в убийстве заложников,
расистские рисунки изображали подсудимых с семитскими чертами114.
С момента падения Баварской советской республики идея «русской ситуации» и сценари-
ев, которые делали ее возможной, была глубоко связана с дебатами о законности и необхо-
димости насилия. Лидеры нового германского государства прибегали к крайним формам
насилия, в том числе давали солдатам право, проводить казни на месте без какого-либо су-
дебного разбирательства. Следовательно, людям, ответственным за эти решения, был не-
обходим сценарий для защиты своих действий. Таким образом, по мере того, как степень
насилия, развязанного правительством, росла в течение первых шести месяцев 1919 г., а так-
же во время Рурского восстания 1920 г. или «Мартовской акции» 1921 г., идея о том, что
государственное насилие спасет Германию от «русской ситуации», приобретала все боль-
шее значение. Чтобы это сработало, в обсуждениях сценария «русской ситуации» было
необходимо постоянно описывать опасности, которые она может принести Германии. В
последние годы существования Веймарской республики «русский сценарий» возник вновь
как опасная идея того, что Германия находится на грани коммунистического путча – идеи,
которая казалась правдоподобной из-за роста численности КПГ в конце 1920-х – начале
1930-х годов. Предотвращение реализации «русского сценария» было важным компонен-
том оправдания нацистами нарушения ими правового режима Веймарской республики и
замены его на постоянное чрезвычайное положение.

113 Toller E. Eine Jugend in Deutschland. Amsterdam, 1933. S. 175. Также см. S. 133, 147.
114 См. коллекцию газетных вырезок о суде, состоявшемся в сентябре 1919 г.: Prozeß über den Münchener Gei-
selmord vom 30. Apr. 1919. BArch-Berlin. NS26/2095.

498
Сценарий революции: «русская ситуация» и немецкое политическое мышление в 1918–1919 годах

В 1933 г. будущий генерал СС Вильгельм Рейнхард, воспроизводя «русский сценарий»


в псевдонаучном самовосхвалении своего брутального антиреволюционного героизма,
утверждал, что в захвате здания редакции «Форвертс» участвовало 60 русских и около 250
русско-польских евреев115. Это заявление является типичным примером того, как первона-
чальная идея о том, что революция предала немецкий народ, эволюционировала в правора-
дикальном дискурсе в 1918–1933 гг. Но не только нацисты пропагандировали идею о том,
что 1918–1919 гг. были моментом, когда насилие спасло Германию от опасностей «русской
ситуации». В 1928 г., к десятой годовщине Ноябрьской революции, СДПГ выпустила кни-
гу, в которой Густав Носке пошел дальше всех, утверждая, что его партия спасла Германию
от большевизма116.
Память о сценариях, созданных «русским примером» в 1918–1919 годах, не сделала паде-
ние Веймарской республики неизбежным. Но «русский сценарий» действительно ослабил
основы Веймара, обосновав легитимность применения насилия со стороны тех сил, кото-
рые стремились их подорвать. Сила «русского сценария» в 1918–1919 годах не позволила
основателям Веймарской республики создать более мощный миф, который мог бы предста-
вить республику как логическую кульминацию революционных событий 1848 г. Лишь по-
сле Второй мировой войны историки наконец начали разгадывать влияние «русского сце-
нария», утверждая, что идея о том, что Германия находилась на грани большевизма, была
скорее мифом, чем реальностью. Для многих консервативных историков и исследователей,
тесно связанных с современной Социал-демократической партией Германии, этот процесс
все еще продолжается.

115 Reinhard W. Die Wehen der Republik. Berlin, 1933. S. 76.


116 Noske G. Die Abwehr des Bolschewismus // Zehn Jahre deutsche Geschichte: 1918–1928 / G. Stresemann,
H. Müller (Hrsg.). Berlin, 1928. S. 21–35.

499
ЛЕОНТИЙ ЛАННИК

Германская армия на Восточном фронте между двумя


революциями, ноябрь 1918 – февраль 1919 гг.

История крушения Первой оккупации и эвакуации германских войск с занятых ими в 1915–
1918 гг. огромных пространств на Востоке до сих пор не написана. Единственной общей
работой до сих пор является выпущенное Рейхсархивом еще в 1936 г. исследование «Вы-
вод войск с Востока»1, в высшей степени сокращенное и замалчивающее ряд неудобных
для «чести германской армии» революционных эпизодов. Помимо этого, до сих пор су-
ществует лишь одна книга о финале германской оккупации на Востоке в Причерноморье2,
основанная во многом на полузабытой публицистике, написанной «по горячим следам» со-
бытий эвакуации3. Целый ряд специальных исследований раскрывают детали постепенного
вывода оккупационных войск Центральных держав из Литвы, Финляндии, Польши, одна-
ко всегда в локальной перспективе4. Как правило, драматические военные события рубежа
1918–1919 гг. оказываются в таких исследованиях лишь незначительным эпилогом или явно
второстепенным фоном политических или социально-экономических явлений, в том числе
Первой германской оккупации стран Восточной Европы. Общая панорама эвакуации по
меньшей мере 660 тысяч германских солдат и офицеров5 до сих пор отсутствует, хотя совре-
менники опасались тогда трагедии, сравнимой с гибелью Великой армии Наполеона. До сих
пор в должной мере не рассмотрен и вопрос о роли Восточного фронта в исходе кампании
1918 г. в целом, хотя масштабы неиспользованных на Западе и в Италии резервов подталки-
вают к самым смелым предположениям6. Еще хуже обстоит дело с исследованием вывода
не менее 100 тысяч австро-венгерских военнослужащих Восточной армии7 и отступления

1 Darstellungen aus Nachkriegskämpfen deutscher Truppen und Freikorps. 9 Bde. Bd. 1: Die Rückführung des
Ostheeres / Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres (Hrsg.). Berlin, 1936. (См. рус. пер.: Описание
послевоенных боев германских войск и фрайкоров: Вывод войск с Востока / Л .В. Ланник (пер., комм.). М.,
2014)
2 См.: Fischer K. Deutsche Truppen und Entente-Intervention in Südrußland 1918/19. Boppard a. R., 1973.
3 См.: Fest W. Nikolajew, der letzte deutsche Posten am Schwarzen Meer. Duisburg, 1919.
4 См., напр.: Hentilä M., Hentilä S. 1918: Das deutsche Finnland: Die Rolle der Deutschen im finnischen Bürger-
krieg. Bad Vilbel, 2018; Bienhold M. Die Entstehung des litauischen Staates in den Jahren 1918–1919 im Spiegel
deutscher Akten. Bochum, 1976; Hausner A. Die Polenpolitik der Mittelmächte und die österreichisch-ungari-
sche Militärverwaltung in Polen während des Weltkrieges. Wien, 1935.
5 Вопрос о численности германских войск на Востоке к концу Великой войны крайне непрост. См. подр.:
Ланник Л .В. «Украинский фактор» в кампании 1918 г. на Западном фронте: цена и последствия интервенции
для Центральных держав // Русский сборник: Исследования по истории России. Т. 28 / О.Р. Айрапетов и
др. (ред.). Москва, 2020. С. 486–512. Полное боевое расписание германской армии на Восточном фронте в
середине ноября см.: Ланник Л .В. (пер., комм.). Описание послевоенных боев германских войск и фрайко-
ров. С. 223–249.
6 См., напр.: Ланник Л .В. «Украинский фактор» в кампании 1918 г. на Западном фронте: цена и последствия
интервенции для Центральных держав. С. 486–512.
7 Одна из работ, хотя бы частично затрагивающих проблему: Szende Z. Die ungarischen Feldtruppen beim
Zusammenbruch der Donaumonarchie 1918 [Dis.]. Freiburg i. B., 1930.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 501–512


[Link] 501
Леонтий Ланник

целого ряда иных прогерманских сил (например, офицеров гетманской армии из Киева и
других городов). Было выпущено немало почти немедленно преданной забвению публици-
стики мемуарного типа, в которой рассказывалось в том числе о событиях в Киеве, Мита-
ве, Одессе, Белостоке8 и др. Забыты сотни как правило эксклюзивных по своей фактологии
полковых историй и других памятных сборников воспоминаний ветеранов Великой войны.
Нередко априорная ссылка на отсутствие источников как правило прикрывает отсутствие
соответствующих приоритетов в современных исследованиях. Откровенный отказ от воен-
но-политических исследований не может быть оправдан степенью изученности проблемы,
особенно в данном случае. Об изученности темы – на что обычно указывают в отношении,
например, Западного фронта Великой войны – не может идти и речи. «Забвение» Восточ-
ного фронта, начавшееся в Германии еще в межвоенный период, давно констатировано ис-
следователями9, однако к существенным последствиям этот неутешительный вывод пока не
привел. При всей критике германской «историографии Генерального штаба»10 альтерна-
тивы ей до сих пор не создано, ведь для этого не хватает даже напряженных усилий едва ли
не единственного в Германии специализированного центра (Zentrum für Militärgeschichte
und Sozialwissenschaften) в системе бундесвера. Ссылки предпочитающих исключительно
дипломатические архивы (PA AA) исследователей на гибель основной части германских во-
енных архивов убедительны лишь на первый взгляд. В действительности имеет место хро-
ническая недооценка военных фондов и мемуаристики, качеством и эксклюзивностью ко-
торых априорно пренебрегают. Пристальное внимание к смежной проблематике, особенно
становлению новых национальных государств и масштабные новейшие исследования по
«the Greater War 1912–1923»11 в Восточной Европе свидетельствуют об обратном.
Источниковая ситуация в действительности далеко не безнадежна, в том числе и при жела-
нии рассмотреть германскую и именно военную перспективу событий. Даже в перипетиях
Второй мировой войны и по итогам последующего обмена трофеями в Военном архиве во
Фрайбурге (BA-MA)12 оказалось сохранено немало не только ценнейшей штабной докумен-
тации, но и иных материалов, включая подробные и даже подготовленные к печати мемуары

8 См., напр.: Gelshorn K. Mit den deutschen Truppen in der Ukraine: Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen
Zusammenbruchs. Königsberg, 1919; Neufeld D. Zu Pferd 1000 km durch die Ukraina. Emden, 1922; Wohlgemuth
F. R. Fruchtbare Arbeit eines Soldatenrats im besetzten Gebiet: Sein erfolgreiches Wirken für die Revolution, das
Reich und den Sozialismus. Dresden, 1919; Schrader F. Eine Flüchtlingsreise durch die Ukraine: Tagebuchblätter
von meiner Flucht aus Konstantinopel. Tübingen, 1919; Oehme W. Damals in der Reichskanzlei: Erinnerungen
aus den Jahren 1918/1919. Berlin, 1958. (См. рус. пер. части из этих произведений: Украина – 1918: Взгляд из
Германии / Л .В. Ланник (пер., комм.). М., 2018).
9 См.: Die vergessene Front – der Osten 1914/15: Ereignis, Wirkung, Nachwirkung / G. P. Groß (Hrsg.). Pader-
born, 2006; Schneider T. F. «Nach Rußland. Da ist ja kein Krieg mehr». Vom Verschwinden der Ostfront aus dem
deutschen kulturellen Gedächtnis // Jenseits des Schützengrabens: Der Erste Weltkrieg im Osten: Erfahrung –
Wahrnehmung – Kontext / B. Bachinger, W. Dornik (Hrsg.). Innsbruck; Wien; Bozen, 2013. S. 437–450.
10 См. подр.: Pöhlmann M. Kriegsgeschichte und Geschichtspolitik: Der Erste Weltkrieg: Die amtliche deutsche
Militärgeschichtsschreibung 1914–1956. Paderborn, 2002.
11 См. о концепции: Borodziej W., Górny M. Der vergessene Weltkrieg: Europas Osten 1912–1923. 2 Bde. Darm-
stadt, 2018.
12 См. подр.: Otto H. Der Bestand Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres im Bundesarchiv, Mil-
itärisches Zwischenarchiv Potsdam // Militärgeschichtliche Mitteilungen. 1992. H. 2. S. 429–441.

502
Германская армия на Восточном фронте между двумя революциями, ноябрь 1918 – февраль 1919 гг

генералов, участвовавших в выводе войск с Востока с конца 1918 г., а то и до конца 1919 г.
Своего издателя или хотя бы исследователя они так и не дождались13. Одной из причин это-
го стало то, что пик интереса к теме, достигнутый в 1960–70-х гг. на волне дебатов вокруг
«версии Фишера»14, давно миновал, а с тех пор архивные фонды и степень их обработки и
доступности для исследователей из разных стран (включая далеко не оконченный процесс
оцифровки) радикально изменились к лучшему. Усилия национальных историографий (осо-
бенно польской15, а так же и куда менее известной белорусской, например16) нуждаются не
только в компетентном анализе выводов, как правило не свободных от националистической
мифологии17, но и в обобщающих работах, а также в статьях с современными подходами, но
поднимающих старые, прежде игнорировавшиеся аспекты18. При громадном объеме факто-
логии и новых источников, что продолжают вводиться в оборот, исследования, призванные
закрыть лакуны, нуждаются в специфической фокусировке – на ходе и проблемах вывода
оккупационных войск – и в точных хронологических рамках, которые бы диктовались логи-
кой описываемых процессов. В связи с общей степенью изученности проблемы возникает
проблема не столько анализа, сколько воссоздания первичного полотна событий финала
Первой оккупации и общей логики развития ситуации.
Радикальные перемены в создаваемом с февраля–марта 1918 г. новом пространстве гер-
манской гегемонии в Восточной Европы19 наметились уже к моменту заключения и начала
имплементации советско-германского Добавочного договора от 27 августа. Серия новых
сделок между Берлином и Москвой по региональным проблемам вызвала резко негативную
реакцию многих стран Восточной Европы и стала высшей точкой в попытках переустро-
ить регион, блокировав любое воздействие Антанты. Быстрый военный крах Центральных
держав стал очевиден к концу сентября, однако в германской Ставке еще долго не желали

13 Напр., вполне сохранились обширные и подготовленные к печати воспоминания о событиях на Восточ-


ном фронте, в том числе в 1917–1919 гг., генералов Р. Коша и В. Эберхардта, командовавших оккупацион-
ными войсками во время их эвакуации из Крыма и Литвы. См.: Bundesarchiv-Militärarchiv. N 754/9–12; N
2059/2–4.
14 Именно тогда были созданы такие до сих пор базовые для исследователя Ostpolitik работы: Baumgart W.
Deutsche Ostpolitik 1918: Von Brest-Litowsk bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Wien; München, 1966; Volk-
mann H.-E. Die deutsche Baltikumpolitik zwischen Brest-Litovsk und Compiègne: Ein Beitrag zur Kriegsdis-
kussion. Köln; Wien, 1970; Borowsky P. Deutsche Ukrainepolitik 1918: Unter besonderer Berücksichtigung der
Wirtschaftsfragen. Lübeck; Hamburg, 1970. Несколько позже добавились: Bihl W. Die Kaukasus-Politik der
Mittelmächte. 2 Bde. Wien u. a., 1975–1992; Zürrer W. Kaukasien: 1918–1921: Der Kampf der Großmächte um
die Landbrücke zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Düsseldorf, 1978.
15 См. новейшее масштабное исследование: Pierwsza niemiecka okupacja: Królestwo Polskie i kresy wschodnie
pod okupacją mocarstw centralnych 1914–1918 / G. Kucharczyk (red.). Warszawa, 2019.
16 В Белоруссии предпринимаются масштабные усилия по усилению значимости БНР: Архівы Беларускай
Народнай Рэспублікі. У 2-х кн. / С. Шупа (уклад.). Вільня; Нью-Ёрк; Менск; Прага, 1998; Чернякевич А.
БНР: Триумф побежденных. Минск, 2018.
17 Это признает даже придерживающаяся строгого нейтралитета современная германская историография.
См., напр.: Demm E. Die Unabhängigkeitserklärung vom 16. Februar 1918 – Ein nationaler Mythos der Litauer
// Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung. 2000. H. 3. S. 396–409.
18 Balkelis T. Deutsche Freiwilligenverbände in Litauen 1919 // Annaberger Annalen. 2019. № 27. S. 88–104. Эта
cтатья во многом основана на данных из: Schröder O., Heygendorff R. v. Die Sächsischen Freiwilligen-Truppen in
Litauen 1919. Dresden, 1933.
19 См. подр.: Ланник Л .В. После Российской империи: Германская оккупация 1918 г. СПб., 2020.

503
Леонтий Ланник

признавать поражение Германии «и на Востоке тоже». Часть политической элиты пришла


к мысли о возможности обменять уступки Антанте на Западе на сохранение хотя бы части
приобретенного в результате крушения Российской империи. Это противоречило курсу,
проводимому с середины июля 1918 г. главой германского внешнеполитического ведомства
П. фон Хинтце20, который в том числе из-за этого в начале октября был вынужден покинуть
правительство Кайзеррейха, формируемого Максом Баденским.
Новый курс в германской политике на Востоке, проводимый новым рейхсканцлером с на-
чала октября, был направлен на постепенный отказ от взаимодействия с большевиками и
более активное сотрудничество с национальными правительствами и группировками. Це-
ной неизбежного конфликта с Советской Россией надеялись ослабить ультралевых внутри
Германии, а сохранить хотя бы часть результатов Бреста по итогам будущего соглашения с
Антантой. Контуры его даже после серии нот Вильсона в октябре 1918 г. были пока не впол-
не ясны. Явный отказ от империалистических сделок с большевиками по разделу Восточной
Европы отвечал и цели установления прочного союза с СДПГ, что было необходимо для
успешной парламентаризации германской монархии. В Москве быстро почувствовали яв-
ный отход от прежнего курса, однако не были встревожены, полагая, что идущая навстречу
поражению Германия бессильна уклониться от большевистских требований и инициатив.
В этом активно убеждал, призывая наращивать революционную патетику, но не строить
иллюзий насчет быстрой революции усилиями «независимцев», советский полпред в Бер-
лине Иоффе21. В течение октября нарастало давление НКИД (ноты протеста, запросы и
т.д.) по все более длинному списку спорных вопросов, связанных с имплементацией Доба-
вочного договора от 27 августа 1918 г.22 Усилившаяся поддержка Германией формирования
антибольшевистских Северной и Южной армий на оккупированных территориях давала
достаточно поводов для выдвижения все новых претензий. Споры из-за вывода герман-
ских войск в Белоруссии, сопровождавшегося массовым грабежом и демонтажом имуще-
ства и оборудования, становились все более ожесточенными. После серии побед РККА в
Поволжье Москва стала позволять себе более резкий тон нежели прежде и даже отложила
выплату очередного транша золотом (30 октября 1918 г.). Однако куда более раздражало
правительство Макса Баденского заметное оживление большевистской пропаганды, что
привело к серии дипломатических скандалов и к высылке либо отказу во въезде ряду со-
ветских эмиссаров (Семков, Зиновьев, Раковский). Поддержка Советской Россией только
что освободившегося из тюрьмы К. Либкнехта, акции группы «Спартака» перед зданием
советского полпредства на Унтер-ден-Линден убеждали в том, что против государственного

20 См. подробную, но далеко не исчерпывающую публикацию документов его фонда: Paul von Hintze: Marine-
offizier, Diplomat, Staatssekretär: Dokumente einer Karriere zwischen Militär und Politik, 1903–1918 / J. Hürt-
er (Hrsg.). München, 1998.
21 См.: Ватлин А .Ю. Советская Россия и Германская революция 1918 г. // Новая и новейшая история. 2017. №
5. С. 65–79; Ватлин А .Ю. Последние дни Германской империи в донесениях советского полпреда Адольфа
Иоффе (октябрь 1918 г.) // Российская история. 2018. № 5. С. 89–104.
22 Далеко не полный, но пока не имеющий альтернативы корпус источников по данному вопросу см.: До-
кументы внешней политики СССР. В 24 т. Т. 1 / А .А. Громыко (гл. ред.). М., 1958; Советско-германские
отношения от переговоров в Брест-Литовске до подписания Рапалльского договора. В 2 т. Т. 1: 1917–
1918 гг. / С. Дёрнберг и др. (ред.). М., 1968.

504
Германская армия на Восточном фронте между двумя революциями, ноябрь 1918 – февраль 1919 гг

устройства Германской империи ведется масштабная подрывная работа, о чем давно преду-
преждали военные и полицейские инстанции23. В германском внешнеполитическом ведом-
стве искали повод к разрыву, не раз обсуждая удобный момент и повод к нему, и вынуждены
были пойти на провокацию с дипломатическим багажом, состоявшуюся 4–5 ноября 1918 г.
Следствием этого должна была стать денонсация Брестского мира, однако на это в Кайзер-
рейхе, проводившем с начала октября 1918 г. масштабные внутриполитические преобра-
зования «под диктовку» нот Вильсона, могли бы пойти только с одобрения Антанты. По-
бедители в Великой войне были озабочены массой иных проблем, а потому отменили все
договоры, заключенные Германией на Востоке, одним махом, без специальных оговорок о
Брестском мире и тем более Добавочном договоре. После начала Ноябрьской революции
и отречения кайзера обстановка в Восточной Европе резко осложнилась в том числе в свя-
зи с революционным разложением и сильнейшей тревогой оказавшихся слишком далеко
от родины бойцов оккупационных войск. Было очевидно, что нельзя подталкивать РККА
к атаке резкими демаршами и расстрелами агитаторов, ведь это усилило бы недовольство
германских солдат на Востоке, быстро присоединившихся к революционной волне. Поэто-
му денонсации Бреста Германией не состоялось, а Компьенское перемирие, где прописы-
валось отношение Антанты и к оккупации бывших территорий Российской империи, дало
возможность считать договоры с большевиками неактуальными. Недооценивая степень
антигерманских настроений среди победителей, ликующих от неожиданной победы еще в
этой кампании, в Берлине рассчитывали на готовность Антанты перейти к совместным дей-
ствиям против большевизма едва ли не немедленно.
В Москве, где на VI съезде Советов (6–9 ноября) бурно приветствовали первые такты ми-
ровой революции, состоявшиеся в Центральной Европе, видели ситуацию иначе. Разрыв
дипломатических отношений и высылку посольства полагали временным эпизодом, за ко-
торым последует немедленное и триумфальное возвращение советской миссии назад, в со-
юзную революционную Германию. Хотя этого не случилось, а Иоффе застрял в Борисове,
дожидаясь обмена на германских дипломатов24, иллюзия быстрого «полевения» и готовно-
сти нового правительства Германии к союзу с Советской России сохранялась еще около ме-
сяца. В том числе поэтому к немедленному наступлению по всему фронту части РККА пе-
реходить не собирались. Было очевидно, что революционное разложение германских войск
даст большие результаты. Денонсация Брестского мира Советской Россией 13 ноября была
в первую очередь пропагандистским шагом. Она не означала объявления революционной
войны Германии. Акт денонсации не был отказом от базовой идеи Бреста. Это было предло-
жение новой, революционной Германии провести его ревизию, сняв с нее ответственность
за прежние аннексии и заключив союз против Антанты.
Обстановка на фронтах Гражданской войны в России к середине ноября была такова, что
концентрации сил большевиков у демаркационной линии и быть не могло. Западную завесу
не смогли преобразовать во фронт, так как она была слишком ослаблена (до почти симво-

23 Массу примеров за весь 1918 г. можно найти в: Militär und Innenpolitik im Weltkrieg 1914–1918. 2 Bde. Bd. 2:
Dokumente / W. Deist (bearb.). Düsseldorf, 1970.
24 См. подр.: Baumgart W. Deutsche Ostpolitik 1918. S. 359 след.

505
Леонтий Ланник

лических размеров в 12–15 тысяч бойцов) перебросками всех резервов на более важные
театры военных действий в Поволжье и на верхнем Дону. Несмотря на ряд впечатляющих
успехов, особенно на Восточном и Южном фронтах, позволить себе наращивание сил За-
падной завесы немедленно и спешно, уже 10–20 ноября, командование РККА было не в
состоянии. Против этого свидетельствовала и общая обстановка в начинавшейся зимней
кампании Гражданской войны, ход которой мог радикально измениться в связи с трансфор-
мацией Белого движения и усиления интервенции. В середине ноября серьезно опасались
массированного наращивания контингентов Антанты сразу на нескольких театрах военных
действий, высадки ее крупных десантов и общего «похода империалистов» против Совет-
ской России. В такой ситуации дополнительный и по-прежнему грозный враг (по инерции
воспоминаний о весенней операции «Фаустшлаг»25) был Красной армии совершенно не
нужен. По крайней мере до тех пор, пока не скажется ожидаемое и всеми силами поддержи-
ваемое революционное разложение. Большевиков устроило бы постепенное перенесение
демаркационной линии на запад. Поначалу они рассчитывали лишь на некоторое ускоре-
ние прежнего процесса вывода германских войск в Белоруссии и, возможно, на Псковщине.
Теперь за это уже не собирались платить золотом, хотя ранее эвакуация оккупантов была
четко соотнесена с графиком выплат. Поэтому приказ о переходе РККА в общее наступле-
ние отдали лишь через несколько дней после денонсации Брестского мира, когда стали ясны
ошибки в прежних расчетах. Активизации действий большевиков на западном направлении
способствовали и упорные настояния ряда военных деятелей (в том числе Троцкого и Анто-
нова-Овсеенко26). Они указывали на необходимость выиграть время до консолидации анти-
большевистских сил и не ожидали крупных потерь и упорных боев, ведь прежний главный
противник – германские войска – небоеспособен.
Революционный хаос в Германии, взаимное недоверие новых центров силы, то есть ряда ав-
торитетных солдатских советов (в Киеве, Ковно, Минске, Митаве, Белостоке и т.д.), и преж-
него командования армий, корпусов и дивизий привели к тому, что на Восточном фронте с
середины ноября находились в постоянной неуверенности. Ненавидевшие большевизм ко-
мандиры разных уровней27 задавались вопросом: возобновилась ли война с Россией? Когда
предстоит вывод? Каким маршрутом он будет проходить? Справятся ли с нагрузкой желез-
ные дороги с учетом выдачи победителям тысяч локомотивов?28 Где ожидаемые на смену
германским войскам контингенты Антанты? Интерпретация условий Компьенского пере-
мирия (статья 12) имела в виду запрет на ускоренную эвакуацию германских войск с Восто-
ка. Именно на это позднее ссылались встревоженные явно поспешным выводом оккупантов
правительства Латвии, Литвы, в некоторой степени и БНР, а также Украинской державы.

25 Действительно масштабного ее описания нет до сих пор. Две сравнительно подробные работы касаются
лишь действий в Прибалтике и Финляндии: Kaupisch H. Die Befreiung von Livland und Estland (18. Februar
bis 5. März 1918). Oldenburg, 1918; Henke K., Liesner G. Um Finnlands Freiheit. Berlin, 1932.
26 См., напр.: Антонов-Овсеенко В.А. Записки о Гражданской войне. В 3 кн. Кн. 2. М., 2016. С. 18–21.
27 См. подр.: Ланник Л .В. Реакция на Русскую революцию командования германских войск на Востоке в 1917–
1919 гг. // Исторический журнал: научные исследования. 2017. № 6. С. 54–68.
28 См. подр. о проблемах германских военных железных дорог выпущенный лишь в 2010 г., но подготов-
ленный Рейхсархивом еще в 1930-х гг. специальный 2-й том истории Великой войны в этом аспекте: Das
deutsche Feldeisenbahnwesen / H. Rohde (Hrsg.). 3 Bde. Bd. 2. Hamburg; Berlin; Bonn, 2010.

506
Германская армия на Восточном фронте между двумя революциями, ноябрь 1918 – февраль 1919 гг

Ведь уже в первую неделю после денонсации Бреста (13 ноября) обстановка на оккупи-
рованных территориях резко изменилась. Вспыхнуло восстание украинских националистов
против гетмана, что за несколько дней поставило под вопрос дальнейшее существование
этого некогда прогерманского режима. Резкая переориентация Скоропадского на союз с
атаманом Красновым и на лозунг восстановления единой России только ускорили развитие
событий и полностью дезориентировала германские солдатские советы и командование,
вскоре уже не знавшие с какой из властей Украины – гетманской, петлюровской или даже
большевистской – необходимо договариваться ради безопасной эвакуации. В такой ситуа-
ции нужно было скорее определить пути вывода войск, урегулировав взаимоотношения с
местными большевиками.
К концу ноября Ленин убедился в том, что разложение германских войск зашло достаточ-
но далеко, считал, что им нужен дополнительный импульс для сотрудничества с Советской
Россией. Начали с локальных акций, частных соглашений с германскими солдатскими сове-
тами. Первым рапортовал о массовых революционных братаниях командир одного из укра-
инских партизанских полков, действовавшего в Курской и Орловской губерниях Н. Щорс.
Успешные братания привели к появлению надежд на установление контроля ультралевых
над формирующимися по всей Украине германскими солдатскими советами29. Попробова-
ли на прочность оборону немцев и эстонские большевики под Нарвой. 22 ноября они нача-
ли наступление, не ожидая сопротивления, однако первый натиск был отбит. С 24 ноября в
наступление двинулись более крупные силы. 24–26 ноября была рассеяна оставленная обо-
ронять Псков так и не сформированная Северная армия. Победа воодушевила командова-
ние РККА, расчеты на триумфальное продвижение на запад, казалось, оправдываются. По-
степенно выходило из первого революционного шока и командование германских войск. К
тому моменту эвакуация оккупационных войск была более подготовлена, штабам удалось
(в основном) добиться контролируемого отхода на запад. Его темпы существенно разли-
чались, сильно завися от общей ситуации на железных дорогах и особенностей климата. В
подготовившейся к выводу войск еще в сентябре-октябре 10-й армии (Белоруссия и Литва)
отход до начала декабря шел достаточно планомерно, чрезвычайно успешно прошла эвакуа-
ция германских контингентов из Грузии (благодаря усилиям А. Хопмана в Севастополе)30 и
Финляндии31, проходившая морским путем. Зато бросался в глаза явный развал 8-й армии (в
Прибалтике), тяжелое положение ландверных и ландштурменных частей, блокированных
восстаниями в различных регионах Украины.
Большевики стремились сорвать формирование антибольшевистских сил; как офицерских
дружин, способных примкнуть к Деникину, так и национальных армий Эстонии, Латвии,
Литвы, Польши и др. стран. Имели в виду в Реввоенсовете и резко враждебную позицию

29 См., подр.: Кулiнич I.М., Кошик М.М. Революцiйна дiяльнiсть нiмецької комунiстичної групи «Спартак» на
Украiїнi (1918–1919 рр.). Київ, 1959.
30 См. подр.: Hopman A. Tagebuchaufzeichnung, 24. – 25. Oktober // Von Brest-Litovsk zur deutschen November-
revolution: Aus den Tagebüchern, Briefen und Aufzeichnungen von Alfons Paquet, Wilhelm Groener und Albert
Hopman, März bis November 1918 / W. Baumgart (Hrsg.). Göttingen, 1971. S. 629–630. Anm. 737.
31 См., напр.: Гольц Р. фон дер. Моя миссия в Финляндии и Прибалтике / Л .В. Ланник (пер., комм). СПб., 2015.
С. 119–127.

507
Леонтий Ланник

Финляндии, встревоженную выводом германских войск. Сказывалось желание захватить


огромные трофеи, в том числе продовольствие и подвижной состав, что прямо противо-
речило устремлениям германского командования. Попытки РККА ускорить продвижение
в начале декабря привели к активизации боевых действий. Доверие германских солдатских
советов к «пролетарской солидарности» большевиков оказалось подорвано. Все большие
обороты набирали бои в Прибалтике, где ранее всего стали формироваться добровольче-
ские отряды из германских солдат. Они оставались крайне немногочисленными, большин-
ство желало лишь скорейшей эвакуации и демобилизации на родине еще до Рождества.
Солдаты преобладавших на Востоке батальонов и полков ландвера и ландштурма, логично
полагая себя ополченцами, не ощущали обязанности продолжать военную службу после
заключения Компьенского перемирия, тем более вдали от Родины. Они настаивали на де-
мобилизации в первую очередь, хотя бы по возрастным причинам32. Прикрывать отход или
самовольный выезд целыми батальонами зачастую было некому. Нередки были нападения и
со стороны местных ополчений, получивших оружие нелегальным путем или от германских
штабов исключительно для борьбы с наступавшими войсками красных. Все более острыми
становились стычки с польскими войсками, захватившими основную территорию бывшей
Конгрессовой Польши и пытавшимися блокировать выезд германских частей через Брест и
Белосток. Переговоры с формирующимися властями Другой Речи Посполитой проходили
крайне тяжело33. По мере столкновений с целым рядом противников охваченные револю-
ционным разложением оккупационные войска обретали боеспособность, ведь любые до-
говоренности о разоружении и свободном проезде на родину не соблюдались и грозили
издевательствами, пленом или гибелью. Желающих свести счеты за месяцы, а то и годы ок-
купации было достаточно. Командование постепенно возвращало себе авторитет, все чаще
налаживая взаимодействие с солдатскими советами.
Но и при таком развитии событий большевики не отказывались от мысли о революцион-
ном союзе с Германией. Этот замысел оставался в силе и подпитывался весь декабрь и даже
начало января. Теперь в германских войсках на Востоке видели революционную армию, на
совместных митингах зазвучали лозунги о «солдатах русско-германской революции», уси-
лился поток листовок, отправились на запад со всех фронтов Гражданской войны немцы,
поляки, латыши и венгры-интернационалисты. Через солдатские советы продолжали при-
зывать к ликвидации «старых порядков» в армии и к буквальному воплощению решений
1-го Всегерманского съезда Советов, прошедшего 16–21 декабря 1918 г. в Берлине и при-
нявшего предложенные гамбургскими делегатами предложения по реорганизации воору-
женных сил. Хотя большевистскую делегацию удалось задержать, а в Германию проехали
нелегально лишь немногие (К. Радек34, Ройтер, Раков и др.), промежуточными итогами
дальнейшего революционного разложения старой армии в Москве могли быть довольны.

32 См. подр. об особенностях демобилизации германской армии: Ланник Л .В. Победоносные проигравшие:
Германская военная элита в 1914–1921 гг. СПб., 2016. С. 417–423.
33 Ими занимался Г. Кесслер, высланный из Варшавы несмотря на его огромные заслуги в освобождении Ю.
Пилсудского из тюрьмы в Магдебурге. См. подр.: Kessler H. G. Das Tagebuch 1880–1937. 9 Bde. Bd. 6 / G.
Riederer, C. Hilse (Hrsg.) Stuttgart, 2006. S. 662–695.
34 См. подр.: Gutjahr W.-D. Revolution muss sein: Karl Radek – die Biographie. Köln; Weimar; Wien, 2012. S. 346
след.

508
Германская армия на Восточном фронте между двумя революциями, ноябрь 1918 – февраль 1919 гг

Теперь предстояло усилить воздействие на задержавшихся на оккупированных террито-


риях по тем или иным причинам оккупационные войска. Это могло быть осуществлено
не только на линии соприкосновения с частями РККА, но и благодаря активности больше-
вистского подполья и полулегальных советов (в Харькове, Одессе, Екатеринославе, Киеве,
Гомеле, Вильне, Николаеве, Севастополе и т.д.). Результатом подстрекательских призывов
ультралевых агитаторов были вспышки гражданской войны в германских войсках на Восто-
ке. Тиражи распространяемых листовок и большевистских газет на немецком языке состав-
ляли десятки и сотни тысяч экземпляров35. Пока еще надеялись на революционный порыв
репатриированных солдат, ведь масса вынужденных мигрантов36 предельно осложнила и до
того непростую социальную обстановку во всех воевавших странах, что не могли не исполь-
зовать в своих целях сторонники мировой революции37. Масла в огонь подлила бурная ре-
акция большевиков на казнь К. Либкнехта и Р. Люксембург, после известий о которой брали
заложников и грозили массовыми расстрелами «в ответ» пленных германских офицеров и
«буржуев». Только с этого момента усилия по налаживанию диалога с официальным Бер-
лином явно пошли на убыль, дипломатические отношения остались на уровне потока про-
тестов и нот с обеих сторон38.
На рубеже 1918 и 1919 гг. уверенность РККА в военной силе, как методе решения спорных
вопросов на Западе, существенно окрепла. Это было вызвано серией легких и крупных воен-
ных успехов. Некогда высочайший авторитет германской армии был совершенно подорван.
Известия о том, что немцы потеряли контроль даже над Позеном, в ходе Великопольского
восстания, только подталкивали красных к силовым методам. Требования к германскому ко-
мандованию существенно ужесточились. Оно, в свою очередь, утратило всякие сомнения в
том, что ведет – без официальных на то распоряжений и соответствующих деклараций ди-
пломатов – войну с большевиками в вынужденном союзе с национальными правительства-
ми. Иллюзия мира между Германией и Россией совершенно рассеялась. Красные внезапно
захватили Минск (10–11 декабря), вопреки договоренностям о сроках эвакуации немцев
и попытавшись блокировать отход поездов с имуществом и солдатами. Затем подняли вос-
стание в Гомеле и Калинковичах (18–19 декабря), отбитых германскими солдатами, так
как они не желали лишиться контроля за важнейшими станциями на пути на запад. После
отчаянных попыток поляков добиться передачи им контроля над Вильной и в связи с бес-
силием литовского правительства 45 января войска РККА заняли этот город, так что впо-

35 Этим впоследствии гордились советская и восточногерманская историография. См., напр.: Die Auswirkun-
gen der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution auf Deutschland / L. Stern (Hrsg.). 4 Tle. T. 4. Berlin, 1959.
S. 1665, 1798–1805 след.
36 См.: Oltmer J. Repatriierungspolitik im Spannungsfeld von Antibolschewismus, Asylgewährung und Arbeits-
marktentwicklung. Kriegsgefangene in Deutschland 1918–1922 // Kriegsgefangene im Europa des Ersten Welt-
krieges / J. Oltmer (Hrsg.). Paderborn u. a., 2006. S. 267–294.
37 Leidinger H., Moritz V. Gefangenschaft, Revolution, Heimkehr: Die Bedeutung der Kriegsgefangenenproblematik
für die Geschichte des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa 1917–1920. Wien; Köln; Weimar, 2003.
38 Советская их версия: Советско-германские отношения от переговоров в Брест-Литовске до подписания
Рапалльского договора. Т. 2: 1919–1922 гг. / С. Дёрнберг и др. (ред.). М., 1971. Западногерманский корпус
представлен: Akten zur deutschen auswärtigen Politik: 1918–1945 (ADAP). Ser. A: 1918–1925. 14 Bde. Bd. 1 /
W. Bußmann (Hrsg.). Göttingen, 1982.

509
Леонтий Ланник

следствии германские советы и командование обвиняло друг друга в предательстве39. Боль-


шевики после долгих дискуссий внезапно захватили Харьков (2–3 января 1919 г.), вынудив
командование стоявшего там 1-го армейского корпуса начать переговоры о выезде остатков
германских войск не на запад, а через контролируемую РККА территорию40. После неод-
нократных мятежей латышских частей и поспешной сдачи Риги (2–3 января) и Митавы (9
января) крайне сложным стало положение остатков 8-й армии в Прибалтике. Договориться
с большевиками о приостановке наступления тщетно пытался уполномоченный по Прибал-
тике А. Винниг41. Походным порядком, отбиваясь от местных повстанцев любой окраски,
выходили к Польше германские кавалерийские части на Украине. 17 января 1919 г. стали
отправляться последние эшелоны с оккупационными войсками из Киева. К этому моменту
фактически не подчинялся украинской Директории атаман Григорьев, осаждавший оборо-
няемый германскими солдатами Николаев. Как только стало очевидно, что петлюровские
войска не смогут удержать Киев, мятежный атаман и вовсе перешел на сторону красных. На
таком фоне первые неудачи РККА, позднее приведшие к тяжелым поражениям, не выгля-
дели существенными. В результате поспешного наступления к Риге и в Курляндии у крас-
ных не осталось сил для взятия Ревеля, к концу января они потеряли контроль почти над
всей Эстонией, включая Нарву. Не сумели взять и Либаву, ставшую центром концентрации
германских добровольцев и русских белогвардейцев42. Остановилось быстрое наступление
к побережью Черного моря, накапливались проблемы с дисциплиной и снабжением войск
Советской Украины. Постепенно крепло сопротивление войскам РККА со стороны ВСЮР
и армий Колчака. Хватало тревог и у германского командования, лишь постепенно выстраи-
вавшего новый фронт против польских войск. Неоправданными оказались надежды на бы-
строе наступление десантов Антанты, высаженных в причерноморских портах.
К концу января 1919 г. расчеты большевиков быстро привнести революцию в Германию
провалились, хотя окончательно от них пока не отказались. Мятежи в Берлине были по-
давлены, результаты выборов в Национальное собрание Германии (19 января) оказались
вполне умеренными. К. Радек надолго оказался в Моабите, что и спасло его от расправы со
стороны В. Пабста. Сравнительно успешно прошла демобилизация кайзеровской армии43,
сменившаяся быстрым ростом настроенных резко антисоциалистически фрайкоров. Про-
тив интернационалистских лозунгов большевиков действовал эффект крепнувшего в Герма-
нии чувства национального унижения. Хотя условия Версальского мира были еще далеко не
ясны, однако начало антантовской оккупации левобережья Рейна, все более жесткие усло-

39 См., напр.: Wilnas Auslieferung an die Polen: Denkschrift des zurückgetretenen Soldatenrats der 10. Armee.
Stuttgart, 1919.
40 Этот факт с огромной неохотой и крайне скупо описывался в единственной германской работе по истории
эвакуации. См. рус. пер.: Ланник Л .В. (пер., комм.). Описание послевоенных боев германских войск и фрай-
коров. С. 81–83.
41 См. подр.: Winnig A. Am Ausgang der deutschen Ostpolitik: Persönliche Erlebnisse und Erinnerungen. Berlin,
1921. S. 82 след.
42 Это немного описано во 2-м томе серии работ о послевоенных боях: Darstellungen aus Nachkriegskämpfen
deutscher Truppen und Freikorps. Bd. 2: Der Feldzug im Baltikum bis zur zweiten Einnahme von Riga, Januar
bis Mai 1919 / Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres (Hrsg.). Berlin, 1937. (Cм. рус. пер.: Бои в
Прибалтике: 1919 год / Л .В. Ланник (пер., комм., науч. ред.). М., 2017. C. 10–188)
43 См.: Bessel R. Germany after the First World War. Oxford, 1993.

510
Германская армия на Восточном фронте между двумя революциями, ноябрь 1918 – февраль 1919 гг

вия перемирия (подтвержденного в Трире в середине февраля), Великопольское восстание


в Позене (в конце декабря) и вспышки боев в Западной Пруссии и Верхней Силезии, явные
территориальные претензии итальянцев, южных славян и чехов – от Тироля и Каринтии до
Судетов и Тешена, – заставили многих колебавшихся встать с оружием в руках на защиту
границ единого (включая Немецкую Австрию) рейха44. К концу непростой зимней кампа-
нии 1918–1919 гг. не слишком высоким был революционный энтузиазм и по другую сто-
рону фронта. Солдатам РККА идеалы мировой революции оказались менее понятны, чем
цель освобождения родины от оккупантов и других «угнетателей». Все сильнее стреми-
лись на родину в частном порядке, а не во главе отрядов Красной армии те, кого принято
было называть «интернационалистами»45. К середине февраля 1919 г. натиск советских
войск, основанных скорее на слабости противников, нежели на высокой боеспособности
явно ослабел. От Балтийского моря и до Припяти фронт стабилизировался, как только во-
йска РККА столкнулись со все более мотивированными к боям добровольцами из Сканди-
навии (в Эстонии), бойцами фрайкоров (в Курляндии), войсками новых независимых госу-
дарств, различными белогвардейскими отрядами (из бывшей Северной армии). С начала
февраля 1919 г. после соглашения с Польшей о выводе германских войск, достигнутого в
Белостоке46, стал стремительно формироваться советско-польский фронт в Белоруссии47.
Окончилась эвакуация либо отход походным порядком германских войск с Украины и укра-
ино-польского пограничья. Теперь находившиеся за пределами границ 1914 г. германские
солдаты более не чувствовали себя оккупантами, они были достаточно твердо уверены,
что продолжают защищать Родину на дальних подступах (в Либаве, Ковно, Сувалках и
т.д.), не давая большевикам из стран Центральной Европы и их вдохновителей из России
соединиться в единую армию. Причин опасаться этого было более чем достаточно. В этом
убеждали вооруженные стычки в Восточной Пруссии, события в Бремене, возникновение
советских республик в Баварии и в Венгрии.
Лишь к середине февраля 1919 г. подошло к концу странное сосуществование в совет-
ско-германских отношениях сразу нескольких, почти взаимоисключающих логик разви-
тия событий. Во-первых, несколько месяцев продолжались попытки Москвы добиться
революционного союза с очагами советских республик в Германии и с солдатскими сове-
тами разных уровней, в том числе на оккупированных территориях (особенно в Харькове).
Инерцией именно этой линии были надежды Москвы на установление дипломатических
отношений с СНУ, «полевения» которого упорно ожидали вплоть до разгрома спартакист-

44 Эти события были впоследствии героизированы в серии специальных исследований, не оконченной из-за
поражений в годы Второй мировой войны. См.: Darstellungen aus den Nachkriegskämpfen deutscher Truppen
und Freikorps. 9 Bde / Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt des Heeres (Hrsg.). Berlin, 1936–1943.
45 Советская историография этого, разумеется, не признавала. Альтернатив ей до сих пор нет. См. вершину
советского исследования проблемы: Интернационалисты: Участие трудящихся стран Центральной и Юго-
Восточной Европы в борьбе за власть Советов в России 1917–1920 гг. / А .Я. Манусевич (ред.). М., 1987.
46 См. текст германо-польского соглашения: Документы и материалы по истории советско-польских
отношений. В 12 т. Т. 2 / И.А. Хренов и др. (отв. ред.). М., 1964. С. 84–87.
47 См. подр.: Резмер В. Начало польско-советской войны 1919–1920 гг.: исследовательский вопрос //
Чичеринские чтения: Россия и мир после Первой мировой войны (к 90-летию окончания войны и
подписания послевоенных соглашений) / А .Г. Айрапетов (отв. ред.). Тамбов, 2009. С. 132–139.

511
Леонтий Ланник

ского восстания в Берлине и до получения результатов выборов в Национальное собрание


(19 января). Во-вторых, отношения РСФСР с новой, республиканской Германией имели в
виду обеспечение упорядоченной эвакуации оккупационных войск при содействии или по
меньшей мере по согласованию с основным контрагентом (что удалось сделать, например,
в Новозыбкове, Вильне, Гомеле, в том же Харькове). Явные усилия по достижению компро-
мисса не исключали, в-третьих, ожесточенных боевых действий между формирующимися
с конца ноября 1918 г. на основе старой кайзеровской армии добровольческими отрядами
и наступавшими на запад и юго-запад войсками РККА. По мере окончания эвакуации гер-
манских войск и прибытия на Восток, в первую очередь в Курляндию и Литву, бойцов раз-
личных фрайкоров, сформированных в Германии, период хаоса (но не неопределенности) в
советско-германских отношениях миновал. Иллюзий быстрого установления если не союз-
ных, то хотя бы конструктивных и официальных контактов между Берлином и Москвой не
осталось. Вернуться к сотрудничеству Веймарская республика и РСФСР попытались лишь
после окончания вооруженной борьбы в Прибалтике, то есть в начале 1920 г.48 Вольные или
намеренные попытки игнорировать или, наоборот, преувеличить значение лишь одной из
указанных выше логик событий на постимперских пространствах Восточной Европы не
оправдываются сложностью общей картины. Дальнейшее забвение военной составляющей
в процессах ноября 1918 – февраля 1919 гг. либо априорное рассмотрение их лишь в кон-
тексте становления Версальской системы международных отношений49 не только сохранит
прежние по меньшей мере не точные представления, но и способствует дальнейшей мифо-
логизации важнейшего этапа в истории всех стран Центрально-Восточной Европы, вклю-
чая Германию и Россию.

48 См. подр.: Черноперов В.Л. Из истории связей большевиков и германских националистов // Россия и
Германия. Вып. 4 / Б.М. Туполев (ред.). М., 2007. С. 119–149.
49 См.: Leonhard J. Der überforderte Frieden: Versаilles und die Welt 1918–1923. München, 2018.

512
ВАСИЛИЙ ЧЕРНОПЕРОВ

«… Мы верим, верим всем своим существом в Вас, наши


незабвенные освободители»: Представители Советской России в
Германии и российские военнопленные, 1918–1919 гг.
История плена Первой мировой войны и возвращения невольников на Родину в советский
период оставались на периферии отечественной историографии. Немногочисленные тру-
ды1 лишь отчасти восполнялись мемуарами2. Глубокое осмысление проблемы началось в
России только с 1990-х годов3. Схожий процесс наблюдался и в немецкоязычной историо-
графии4. Однако и сегодня на этом поле немало «белых пятен». Среди таковых – взаимоот-

1 См.: Клеванский А .Х. Некоторые нерешенные проблемы истории военнопленных и интернационалистского


движения. М., 1967; Мальков А .А. Деятельность большевиков среди военнопленных русской армии (1915–
1919 гг.). Казань, 1971; Русские военнопленные в мировой войне 1914–1918 гг. / Н. Жданов (сост.). М.,
1920; Писарев Ю.А. Русские военнопленные в Австро-Венгрии в 1917–1918 гг. // История СССР. 1966.
№ 4. С. 166–178; Сысин А .Н. Беженцы и военнопленные во время империалистической войны // Известия
Народного комиссариата здравоохранения. 1925. № 1. С. 8–11.
2 См., напр.: Арамилев В. В дыму войны: Записки вольноопределяющегося (1914–1917 гг.). М., 1930; Кацов
Л. Сквозь плен. М., 1930; Кирш Ю. Под сапогом Вильгельма: Из записок рядового военнопленного № 4925:
1914–1918 гг. М.; Л ., 1925; Левин К. Записки из плена. М., 1931.
3 Васильева С.Н. Военнопленные Германии, Австро-Венгрии и России в годы Первой мировой войны.
М., 1999; Галицкий В.П. Защита прав военнопленных в период Первой мировой войны: опыт и уроки //
Последняя война Российской империи / В.П. Козлов (ред.). М., 2006. С. 254–257; Жданова И.А. Организация
возвращения российских пленных в 1918–1919 годах // Российская история. 2011. № 4. С. 63–72; Карелин
В.А. Проблема интернирования русских военнопленных Первой мировой войны // Новая и новейшая
история. 2010. № 1. С. 93–105; Нагорная О.С. Другой военный опыт: Российские военнопленные Первой
мировой войны в Германии (1914–1922). М., 2010; Пахалюк К .А. Пространство плена Первой мировой:
лагерь для турецких пленных на острове Нарген (1915–1918 гг.) // Международная жизнь. Спец. выпуск:
История без купюр. Великая война. Начало. 2014. С. 100–128; Ревякин А .В. «Этническое оружие» Антанты
(Союзное командование и военнопленные противника в годы Первой мировой войны) // Первая мировая
война: Страницы истории / Ю. Макар (отв. ред.). Черновцы, 1994. С. 61–74; Симонова Т.М. Российские
военнопленные и интернированные в лагерях Германии и Австрии в 1914–1922 гг. // Козлов В.П. (ред.).
Последняя война Российской империи. С. 331–336; Сенявская Е.С. Положение русских военнопленных
в годы Первой мировой войны: очерк повседневной реальности / Вестник Рос. университета дружбы
народов. История. 2013. № 1. C. 64–83; Сергеев Е.Ю. Русские военнопленные в Германии и Австро-Венгрии
в годы Первой мировой войны // Новая и новейшая история. 1996. № 4. С. 65–78; Солнцева С.А. Военный
плен в годы Первой мировой войны (новые факты) // Вопросы истории. 2000. № 4–5. С. 98–105; Телицын
В.Л. Возвращение домой: К истории русских военнопленных Первой мировой войны. М., 2011; Sergeev E.
Russian Prisoners of World War I at the Austro-Italian Front in 1915–1917 / World War I and the XXth Century:
Acts of the International Conference of Historians. Moscow, 1995. P. 187–190; Vinogradov S. Russian Prisoners
of War in the Yugoslavian Regions of Austria-Hungary, Serbia and Montenegro, 1914–1918 / Там же. Р. 190–
193; и др.
4 См., напр.: Hinz U. Gefangen im Großen Krieg: Kriegsgefangenschaft in Deutschland 1914–1921. Essen, 2006;
Kriegsgefangene im Europa des Ersten Weltkriegs / J. Oltmer (Hrsg.). Paderborn u. a., 2006; Ленцен И. Исполь-
зование труда русских военнопленных в Германии (1914–1918 гг.) // Вопросы истории. 1998. № 4. С. 129–
137; Moritz V., Leidinger H. Zwischen Nutzen und Bedrohung: Die russischen Kriegsgefangenen in Österreich
(1914–1921). Bonn, 2005; Nachtigal R. Die Murmanbahn: Die Verkehrsanbindung eines kriegswichtigen Hafens
und das Arbeitspotential der Kriegsgefangenen (1915 bis 1918). Grunbach, 2001; Oltmer J. Bäuerliche Ökono-
mie und Arbeitskräftepolitik im Ersten Weltkrieg: Beschäftigungsstruktur, Arbeitsverhältnisse und Rekrutierung

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 513–527


[Link] 513
Василий Черноперов

ношения официальных представителей РСФСР в Германии с российскими военнопленны-


ми в первые годы советской власти. Частично заполнить обозначившуюся лакуну призвана
настоящая работа. Ее хронологические рамки охватывают период с начала весны 1918 г. по
конец зимы 1919 г. Нижней границей стало 3 марта 1918 г. – день подписания советско-гер-
манского Брест-Литовского договора. Верхним рубежом – конец февраля 1919 г., когда в
Берлине прекратило работу российское Бюро военнопленных.
Источниковую базу статьи составили опубликованные документы5 и источники личного
происхождения6. Но наибольшее значение имели неопубликованные отчеты и доклады
Бюро военнопленных при Генеральном консульстве РСФСР в Берлине (иногда в источни-
ках этот институт упоминается как Бюро помощи военнопленным при Генеральном кон-
сульстве РСФСР в Берлине) и эпистолярии сотрудников Российского общества Красного
Креста (РОКК), которые отложились в фонде Исполкома Союза Красного Креста и Крас-
ного Полумесяца в Государственном архиве Российской Федерации7. Большая часть архив-
ных материалов вводится в научный оборот впервые.
Юридической основой отношений Советской России и Германии стал Брест-Литовский
договор. Вопросы пленных проговаривались в его VIII-ой и XII-ой8 статьях, а также в главах
5-ой и 7-ой дополнительного соглашения, подписанного также 3 марта 1918 г. 9 Кроме этих
статей статус военнопленных в Германии определялся Брюссельской декларацией и Гааг-
ской конвенцией 1907 года «О законах и обычаях сухопутной войны»10, а также специаль-
ными положениями11 и решениями Стокгольмской конференции 1914 года12.
В РСФСР судьбой военных и гражданских пленных занимались Центральная коллегия по
делам пленных и беженцев при Военном комиссариате (Центропленбеж), имевшая голов-

von Ersatzarbeitskräften in der Landwirtschaft des Emslandes 1914–1918. Sögel, 1995; Рöppinhege R. Kriegsteil-
nehmer zweiter Klasse? Die Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener 1919–1933 // Militärgeschichtli-
che Zeitschrift. 2005. № 64. S. 391–423.
5 Коминтерн и идея мировой революции: Документы / Я.С. Драбкин (отв. ред.). М., 1998; Советско-гер-
манские отношения от переговоров в Брест-Литовске до подписания Рапалльского договора. Сб. док. / С.
Дёрнберг и др. (ред.). В 2 т. Т. 1: 1917–1918 гг. М., 1968.
6 Ботмер К .ф. С графом Мирбахом в Москве: Дневниковые записи и документы за период с 19 апреля по 24
августа 1918 г. М., 1996; Соломон Г.А. Среди красных вождей. М., 1995.
7 Государственный архив Российской Федерации (далее: ГА РФ). Ф. 9501. Оп. 6.
8 Мирный договор между Россией, с одной стороны, и Германией, Австро-Венгрией, Болгарией и Турцией –
с другой. 3 марта 1918 г. // Дёрнберг С. и др. (ред.). Советско-германские отношения от переговоров в
Брест-Литовске до подписания Рапалльского договора. С. 369 (Док. 178).
9 Русско-германский дополнительный договор к мирному договору, заключенному между Россией, с одной
стороны, и Германией, Австро-Венгрией, Болгарией и Турцией – с другой. 3 марта 1918 г. // Там же.
С. 421–426 (Док. 179).
10 Уляницкий В. Военнопленные // Энциклопедический словарь товарищества «Бр. А. и И. Гранат и Ко».
Т. 10. 7-е изд. М., 1912. С. 615–617.
11 Жданов Н. (сост.). Русские военнопленные в мировой войне 1914–1918 гг. С. 23.
12 Там же. С. 190–209.

514
Представители Советской России в Германии и российские военнопленные, 1918–1919 гг.

ной аппарат и представительства в губерниях и уездах13, а также Наркомат по иностранным


делам (отделы виз, денежных ссуд и Бюро военнопленных)14.
На основании Брест-Литовского договора в Советской России и кайзеровской империи
открывались дипломатические и консульские миссии. В Берлин в конце апреля 1918 г.
прибыло полномочное представительство (полпредство), которое возглавил известный ре-
волюционер Адольф Абрамович Иоффе. Именно полпредство курировало всю работу по
пленным. Практическая же сторона решения вопроса легла на Бюро военнопленных при Ге-
неральном консульстве РСФСР, во главе которого в ранге атташе по делам военнопленных
встал большевик Семён Моисеевич Семков (Самуил Моисеевич Коган). Именно он опове-
стил мир, о том, что с 1 мая 1918 г. в Германии заботы о русских военнопленных переходят
от посольства Испании, которое занималось этим вопросом с начала Первой мировой вой-
ны, к советским структурам15.
С первых дней пребывания в Берлине советские дипломаты попытались установить кон-
такты с лагерями пленных. Точнее, в ряде случаев восстановить уже имевшиеся связи. Боль-
шевики еще в 1915 г. на Бернской конференции заграничных организаций Российской
социал-демократической рабочей партии решили развернуть пропагандистскую работу в
лагерях военнопленных Российской империи на территории Германии и Австро-Венгрии.
В этом им помогали левые социал-демократы Клара Цеткин, Фриц Геккер, Оскар Кон и др.16
В период боев на Восточном фронте кайзеровские власти деятельности большевистских
агитаторов в лагерях пленных, как, впрочем, пропагандистов и других партий, враждебно
настроенных к царскому правительству, особо не препятствовали. Однако с подписанием
Брест-Литовского договора ситуация изменилась. Берлин в силу разных причин стал пре-
пятствовать контактам советских чиновников с пленными. Немецкие власти опасались, что
их массовый отъезд вызовет перебои в работающем в режиме военного времени железно-
дорожном транспорте, поможет врагам пополнить за счет бывших невольников свои вой-
ска и главное – при массовом использовании военнопленных в народном хозяйстве лишит
экономику Германии миллионов рабочих рук17. Кроме того, кайзеровская империя вопреки
Гаагской конвенции использовала пленных на фронтовых работах.

13 См.: Щеров И.П. Центропленбеж в России: история создания и деятельности в 1918–1922 гг. Смоленск,
2000.
14 Канторович Б. Организационное развитие НКИД // Международная жизнь. 1922. № 15. С. 52.
15 Объявление атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. [?] мая 1918 г. ГА РФ. Ф. 9501. Оп. 6. Д. 3.
Л. 552–553.
16 Якушина А .П. Работа большевиков среди русских военнопленных в Германии и Австро-Венгрии (1914–
1918 гг.) // Вопросы истории КПСС. 1963. № 3. С. 59; Якушина А.П. Ленин и заграничная организация
РСДРП. М., 1972. С. 362.
17 Письмо начальника Генерального штаба германской армии рейхсканцлеру. 11 дек. 1917 г. // Дёрнберг С. и
др. (ред.). Советско-германские отношения от переговоров в Брест-Литовске до подписания Рапалльского
договора. С. 62–63 (Док. 27); Письмо министра сельского хозяйства, государственных имуществ и лесов
Пруссии военному министру Пруссии. 11 дек. 1917 г. // Там же. С. 64 (Док. 28); Телеграмма представителя
ведомства иностранных дел при Главной ставке Верховного главнокомандования ведомству иностранных
дел. 16 дек. 1917 г. // Там же. С. 81–82 (Док. 36); Письмо статс-секретаря военного ведомства по снабже-
нию продовольствием государственному министру Пруссии Гельфериху. 18 дек. 1917 г. // Там же. С. 100–

515
Василий Черноперов

Берлин, учитывая значение военнопленных, постарался «устранить ошибки Брестского до-


говора»18 и стал создавать преграды на пути их возвращения домой19. В частности, только
24 мая 1918 г. разрешил советским представителям, которые должны были решать вопросы
военных и гражданских пленных, въехать в Германию20. Кроме того, кайзеровские власти
отказались от обмена «всех на всех» и выдвинули принцип «транспорт на транспорт»21
(или даже «голова на голову»), что при существовавшей диспропорции удерживаемых в
плену гарантировало Германии оставление основной массы россиян у себя. Согласно раз-
нящимся данным, в 1918 г. на территории бывшей Российской империи удерживалось до
500 тыс. германских подданных (от 159.390 до 190 тыс. военнопленных22, до 300.000 интер-
нированных 23 и от 10.000 до 13.600 депортированных осенью 1914 г. из Восточной Прус-
сии24). Российских же пленных по разным источникам насчитывалось от 1,2 млн.25 до 2
млн. 26 (чаще всего называлась цифра в районе 1,5 млн.)27. Причем в это количество не вошли
тысячи интернированных граждан России, а также красногвардейцы и партизаны (или их
семьи), плененные во время германского продвижения по России, Украине, Прибалтике и
Кавказу в феврале – мае 1918 г. и последующей оккупации этих районов.
Советские представители в Германии первое время не могли противостоять германскому
напору. Этому способствовала недостаточная квалификация сотрудников советского ап-
парата28 и ограниченный штат Бюро военнопленных (далее – Бюро), которому ежедневно
приходилось принимать по 200–500 человек. Преимущественно интернированных, поля-
ков, эстонцев и латышей29. Времени и людей для инспекционных поездок по лагерям не

101; Письмо статс-секретаря военного ведомства по снабжению продовольствием государственному мини-


стру Пруссии Гельфериху. 4 янв. 1918 г. // Там же. С. 186–187 (Док. 84).
18 Ботмер К .ф. С графом Мирбахом в Москве. С. 95.
19 Докладная записка № 8 атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. 31 мая 1918 г. ГА РФ. Ф. 9501. Оп. 6.
Д. 3. Л. 572.
20 Ботмер К .ф. С графом Мирбахом в Москве. С. 44.
21 Там же. С. 15–16, 45.
22 Васильева С.Н. Военнопленные Германии, Австро-Венгрии и России в годы Первой мировой войны. С. 15;
Мировые войны ХХ века. В 4 кн. Кн. 1: Первая мировая война: Исторический очерк / Г.Д. Шкундин (отв.
ред.). М., 2002. С. 630.
23 Хольквист П. Российская катастрофа (1914–1921) в европейском контексте. Тотальная мобилизация и
«политика населения» // Rossia. 1998. Vol. XXI. №. 11–12. С. 38–39.
24 Нелипович С.Г. Население оккупированных территорий рассматривалось как резерв противника // Военно-
исторический журнал. 2000. № 2. С. 62; Диккерт К ., Гроссман Х. Бои в Восточной Пруссии: Обширный до-
кументальный репортаж о военных событиях, происходивших в Восточной Пруссии. Калининград, 1999.
С. 13.
25 Письмо начальника Генерального штаба германской армии рейхсканцлеру. 11 дек. 1917 г. // Дёрнберг С. и
др. (ред.). Советско-германские отношения от переговоров в Брест-Литовске до подписания Рапалльского
договора. С. 62 (Док. 27).
26 Положение военнопленных в Германии. Без автора. Без даты. ГА РФ. Ф. 9501. Оп. 6. Д. 3. Л. 369.
27 Ботмер К .ф. С графом Мирбахом в Москве. С. 21, 43, 45; Докладная записка № 8 атташе по делам военно-
пленных С.М. Семкова. 31 мая 1918 г. ГА РФ. Ф. 9501. Оп. 6. Д. 3. Л. 566; Шкундин Г.Д. (отв. ред.). Мировые
войны ХХ века. С. 630; Россия в мировой войне 1914–1918 года (в цифрах) / В.П. Ефремов (сост.). М.,
1925. С. 4, 39.
28 Соломон Г.А. Среди красных вождей. С. 65.
29 Докладная записка № 5 атташе по делам военнопленных [С.М. Семкова?]. [?] мая 1918 г. ГА РФ. Ф. 9501.
Оп. 6. Д. 3. Л. 556.

516
Представители Советской России в Германии и российские военнопленные, 1918–1919 гг.

оставалось. Как следствие, за май 1918 г. сотрудники Бюро посетили только 3 (!) лагеря30 из
124, в которых содержались военнопленные31. Кардинально положение не изменилось и в
следующем месяце32. Между тем, из лагерей стали поступать тревожные известия. Пленные
надеялись, что с подписанием мира их немедленно отправят домой, но этого не произошло,
и они, не имея информации о сложностях обмена и противодействии германских властей,
начали обвинять в задержке с выездом именно советских представителей в Берлине и «по-
сылать проклятия» в их адрес33.
В мае 1918 г. С.М. Семков определился с первоочередной задачей своей миссии – освобо-
ждение из лагерей гражданских лиц, уравнение их в правах с подданными Германии34 и по-
лучение допуска к массе пленных35. Для ускорения процесса дипломат предлагал советскому
руководству «ответить государственной взаимностью» и ударить по немцам «так, чтобы
они тоже почувствовали». А именно, «собрать несколько сот видных немецких интерниро-
ванных, отвезти их в лагерь, установить строжайший [надзор], а также лишить их всякого
свободного передвижения, наложить на них те же [тяготы], что и на русских граждан»36.
Несмотря на призыв Семкова, условия обмена продолжали определять немцы. Подтверж-
дением стал вполне удовлетворивший Берлин37 Русско-германский протокол об основных
положениях для взаимного обмена пригодных к службе военнопленных, который 24 июня
1918 г. подписали полпред А.А. Иоффе и глава правового отдела германского МИД Йо-
ганнес Криге38. Документ позволил к ноябрю 1918 г. вернуть домой из России и Румынии
большинство немецких пленных – 101 тыс.39
Двусторонний диалог едва не прервало убийство германского посла в РСФСР графа Виль-
гельма фон Мирбаха-Харфа 6 июля 1918 г., но до разрыва дипотношений не дошло, что по-
зволило большевистским эмиссарам продолжить работу по решению судьбы узников Пер-
вой мировой войны.
К лет у 1918 г. в Бюро военнопленных были созданы 3 отдела: лагерной инспекции во главе
с Ю. Дуновичем, санитарный и юридический. Испытывая острый «кадровый голод», Сем-
ков в конце мая 1918 г. обратился в Военное министерство Германии с просьбой выпустить
для участия в работе Бюро 3-х известных ему военнопленных40. Немцы после некоторых
проволочек разрешили, и в Бюро приступили к работе бывшие невольники – солдат Шрей-

30 Докладная записка № 8 атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. 31 мая 1918 г. Там же. Л. 569.
31 Mitteilung des Büros für Kriegsgefangene. Без даты. Там же. Л. 50.
32 Докладная записка № 10 атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. [?] июня 1918 г. Там же. Л. 591.
33 Докладная записка № 5 атташе по делам военнопленных [С.М. Семкова?]. [?] мая 1918 г. Там же. Л. 557.
34 Докладная записка № 2 атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. [?] мая 1918 г. Там же. Л. 549.
35 Там же. Л. 550.
36 Там же. Л. 549–550.
37 Ботмер К .ф. С графом Мирбахом в Москве. С. 71.
38 Русско-германский протокол об основных положениях для взаимного обмена пригодных к службе
военнопленных. 24 июня 1918 г. // Дёрнберг С. и др. (ред.). Советско-германские отношения от переговоров
в Брест-Литовске до подписания Рапалльского договора. С. 560–561 (Док. 237).
39 Brändström E. Unter Kriegsgefangenen in Russland und Sibirien 1914–1920. Berlin, 1927. S. 235.
40 Докладная записка № 8 атташе по делам военнопленным С.М. Семкова. 31 мая 1918 г. ГА РФ. Ф. 9501. Оп. 6.
Д. 3. Л. 569.

517
Василий Черноперов

ер и офицер В. Лоренц. Кроме того, в Германию на помощь Семкову прибыли – Гольцен и


И.И. Сидоров, делегированные Северной железной дорогой, и И. Казакевич от Путилов-
ского завода. При их содействии и с разрешения МИД Германии Бюро к концу июня 1918 г.
организовало свои представительства (комиссии) в Берлине, Познани, Ганновере и Нюр-
нберге41. На низовом уровне советские представители установили контакты с образованны-
ми в лагерях комитетами военнопленных. Продолжилось укрепление кадрового состава. В
частности, к решению вопроса А. Иоффе привлек своего старого боевого товарища Викто-
ра Леонтьевича Коппа, находившегося с 1915 г. в германском плену42.
Отмеченные изменения позволили Бюро с конца июля 1918 г. начать систематическое об-
следование лагерей. Составленные по итогам доклады – трагическая картина истории во-
йны. Так, в лагере Арис пленные ютились в землянках43. В схожих условиях находились не-
вольники Целендорфа близ Котбуса44. В Альтдаме пленных разместили в серых длинных и
грязных бараках45. Расположенный в низине лагерь Цвелленбург при таянии снега или силь-
ных дождях постоянно превращался в огромную сырую яму46. Почти все места содержания
окружали ряды колючей проволоки.
На эти бедствия накладывалось плохое питание. Например, 4 августа 1918 г. пленные лагеря
Альтдам получили на ужин «одну воду мутного цвета»47. Не лучше выглядел и обед. «Суп
состоял из прокисшей репы, древесных и разных плохих грибов и других примесей»48. До
3 августа невольники получали не более 180 грамм хлеба в сутки. Столь же скудно питались
больные, хотя им полагалось усиленное питание, в том числе мясо.
Советские представители пытались снизить нужду в продовольствии, а также в одежде, ме-
дикаментах и т.д. С этой целью они в мае 1918 г. установили контакт с Датским Красным
Крестом (ДКК)49. К этому времени позитивные изменения произошли в финансировании.
В мае и июне Бюро военнопленных получило до 2,5 млн. рублей50. В июле V Всероссийский
съезд советов принял решение о выделении на нужды военнопленных 25 млн. рублей51. К
августу Бюро для распределения через ДКК получило 45 вагонов именных посылок, со-

41 Докладная записка атташе по делам военнопленным С.М. Семкова. 27 июня 1918 г. Там же. Л. 454.
42 Черноперов В.Л. Дипломатическая деятельность В.Л. Коппа в Германии в 1918–1921 гг. Иваново, 2006.
С. 66–69.
43 Докладная записка М. Ленгауэра и Дибермана о посещении лагеря Арис. [?] августа 1918 г. ГА РФ. Ф. 9501.
Оп. 6. Д. 3. Л. 1.
44 Докладная записка секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона, атташе военного
министерства Перльмана, сотрудников Бюро военнопленных Вольперта и С.П. Поцепухова о посещении
лагеря Целендорф. 11 янв. 1919 г. Там же. Л. 340.
45 Докладная записка неизвестного сотрудника Бюро военнопленных о посещении лагеря Альтдам. 4 авг.
1918 г. Там же. Л. 4.
46 Отчет инспектора И.И. Александрова о посещении лагеря Цвелленбург 27–28 января 1919 г. Там же.
Л. 279.
47 Докладная записка неизвестного сотрудника Бюро военнопленных о посещении лагеря Альтдам. 4 авг.
1918 г. Там же. Л. 8.
48 Там же.
49 Докладная записка № 3 атташе по делам военнопленных [С.М. Семкова?]. [?] 1918 г. Там же. Л. 554.
50 Докладная записка № 8 атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. 31 мая 1918 г. Там же. Л. 574.
51 Жданова И.А. Организация возвращения российских пленных в 1918–1919 годах. С. 65.

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Представители Советской России в Германии и российские военнопленные, 1918–1919 гг.

бранных родственниками в России52, которые были в пути 3 месяца53. К моменту прибытия


груза отношения с датчанами испортились, и по инициативе Бюро к распределению продо-
вольствия привлекли фирму «Якоби и Валентин», которая предоставила склады, транспорт
и профессиональных грузчиков54. Всего к середине октября 1918 г. из РСФСР пленным в
Германию было отправлено 107 вагонов с продовольствием, вещами и медикаментами55.
Помимо посылок из России сотрудники Бюро пытались покупать товары для пленных на
местном рынке и в нейтральных странах56.
Приобретенные товары и полученные посылки переправлялись в ведение лагерных коми-
тетов. Однако, помощь получали не все. Например, в Ламсдорфе местный комитет распре-
делил консервы только между находящимися в лагере, лишив помощи даже больных57. Этот
факт заставил сотрудников Бюро поставить вопрос о переизбрании состава комитета.
Бедственная картина в лагерях дополнялась фактами массовых издевательств над пленными
со стороны лагерного начальства и охраны, которые сотрудники Бюро фиксировали систе-
матически. Например, военнопленный Потехин из лагеря Арис был избит и посажен под
арест за отказ идти на работу после 9 часов вечера58. И. Малееву там же за не желание тру-
диться в воскресенье сломали руку59. За схожее «преступление» в лагере Альтдам фельдфе-
бель Швертфегель жестоко избил солдата Качкуру60. Причем продолжил экзекуцию и после
того, как пленный упал и потерял сознание. После избиения Качкуру поместили под арест
и 3 дня не давали никакой пищи. От того же Швертфегеля пострадали пленный Самсонов
и фельдшер Михеев61, хотя медицинские работники при вооруженных конфликтах всегда
имели фактическую неприкосновенность.
Недоедание сопровождалось изнурительной работой. Пленные работали на более чем
100.000 предприятий62, поэтому в обычные дни их большая часть находилась не в лагерях,
а в так называемых рабочих командах. Например, при посещении лагеря Арис сотрудники
Бюро из 3.0000 приписанных пленных на месте обнаружили немногим более 1.60063. При-
чем русские пленные обычно выполняли наиболее тяжелую и мало оплачиваемую работу.
Один из сотрудников Бюро военнопленных при поездке в лагерь Альтдам наблюдал следу-

52 Докладная записка № 14–15 атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. 29 июля 1918 г. ГА РФ. Ф. 9501.
Оп. 6. Д. 3. Л. 598.
53 Жданова И.А. Организация возвращения российских пленных в 1918–1919 годах. С. 65.
54 Докладная записка № 14–15 атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. 29 июля 1918 г. ГА РФ. Ф. 9501.
Оп. 6. Д. 3. Л. 598.
55 Жданова И.А. Организация возвращения российских пленных в 1918–1919 годах. С. 65–66.
56 Докладная записка № 14–15 атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. 29 июля 1918 г. ГА РФ. Ф. 9501.
Оп. 6. Д. 3. Л. 600.
57 Отчет неизвестного сотрудника Бюро военнопленных о посещении лагеря Ламсдорф. 2 авг. 1918 г. Там же.
Л. 322.
58 Докладная записка М. Ленгауэра и Дибермана о посещении лагеря Арис. [?] авг. 1918 г. Там же. Л. 1.
59 Там же. Л. 2.
60 Докладная записка неизвестного сотрудника Бюро военнопленных о посещении лагеря Альтдам. 4 авг.
1918 г. Там же. Л. 6–7.
61 Там же.
62 Докладная записка № 8 атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. 31 мая 1918 г. Там же. Л. 566.
63 Докладная записка М. Ленгауэра и Дибермана о посещении лагеря Арис. [?] авг. 1918 г. Там же. Л. 2.

519
Василий Черноперов

ющую картину: «…длинный товарный поезд, нагруженный углем стоит на запасном пути,
около 70-ти … русских солдат, одетых в какие-то тряпки, нагружают тяжелые вагонетки
углем и, медленно толкая их, отвозят к заводу, находящемуся на расстоянии 1 версты от вок-
зала. […] Устало толкают они тяжелые вагонетки под палящими лучами солнца и только
грубые и повелительные окрики часовых, сидящих на заборе под тенью деревьев, нарушали
эту мрачную картину и придавали ей какую-то тяжелую, давящую атмосферу»64.
По данным Бюро военнопленных, протесты против произвола и условий труда были не-
возможны. Пресекались даже попытки их проявления. Например, в середине июня 1918 г.
немецкий конвоир привязал русских пленных, возвращавшихся с работ в имении Портперт,
к телеге и погнал лошадей65. Несчастные бежали за ним 7 километров. Не останавливались
охранники рабочих команд и перед применением оружия. По данным Бюро, наиболее часто
это происходило в лесном районе Шрентенхайль66.
Русским пленным в Германии запрещалось также выписывать социалистическую периоди-
ку, издания нейтральных стран и местные газеты. Однако, как выяснили советские предста-
вители, в Германии были невольники, содержавшиеся в еще более тяжелых условиях, чем
собственно военнопленные, – помещенные в лагеря Ламсдорф и Скальмаржицы захвачен-
ные красногвардейцы67.
Не желавшие мириться с условиями плена бежали. Явление стало массовым. Например, из
лагеря Альтдам и приписанных к нему рабочих команд ежедневно бежало до 200 человек68.
Но до дома добирались не многие. Судьба пойманных была незавидной. Их сажали в карцер,
плохо кормили69 или заставляли по 2 часа утром и вечером бегать по плацу70.
В ряду безрадостных сообщений сотрудников Бюро исключением выглядели лишь два – о
легере-крепости Плассенбург, где содержались офицеры, и где бытовые условия и пища
оказались удовлетворительными71, и о лагере пленных-мусульман Вюнсдорф, в котором ин-
спектора вообще не услышали жалоб на содержание72.

64 Докладная записка неизвестного сотрудника Бюро военнопленных о посещении лагеря Альтдам. 4 авг.
1918 г. Там же. Л. 4.
65 Там же. Л. 7.
66 Докладная записка М. Ленгауэра и Дибермана о посещении лагеря Арис. [?] авг. 1918 г. Там же. Л. 3.
67 Отчет неизвестного сотрудника Бюро военнопленных о посещении лагеря Ламсдорф. 2 авг. 1918 г. Там же.
Л. 322; О положении пленных в Скальмаржицах. 6 июня 1918 г. Там же. Л. 450.
68 Докладная записка неизвестного сотрудника Бюро военнопленных о посещении лагеря Альтдам. 4 авг.
1918 г. Там же. Л. 10.
69 Докладная записка неизвестного в Международный комитет Красного Креста. Без даты. Там же. Д. 7. Л. 21.
70 Докладная записка неизвестного сотрудника Бюро военнопленных о посещении лагеря Альтдам. 4 авг.
1918 г. Там же. Д. 3. Л. 9.
71 Отчет сотрудника Бюро военнопленных С.П. Поцепухова о посещении лагеря Плассенбург. 28 авг. 1918 г.
Там же. Л. 413.
72 См.: Черноперов В.Л. Мусульманский лагерь военнопленных Вюнсдорф в контексте политики большевиков
по возвращению на родину узников Первой мировой войны // Государство, общество, церковь в истории
России ХХ века: Материалы IХ Межд. науч. конф. В 2 ч. Ч. 2. Иваново, 2010. С. 723–729.

520
Представители Советской России в Германии и российские военнопленные, 1918–1919 гг.

Население кайзеровской империи было равнодушно к тяготам россиян. «Со стороны не-
мецкого общества – не только буржуазного, но даже левее левого социалистического, –
отмечал Семков в мае 1918 г. – полная инертность к судьбе наших военнопленных и тому
рабству, которое [существует] в предприятиях, где применяется труд военнопленных»73.
Не изменилась ситуация и позже. «Немецкий пролетариат, – писал тот же Семков в июне,
– очень индифферентен к происходящему насилию немецких предпринимателей над рус-
скими военнопленными»74.
«Чтобы побудить человеческую совесть у наших социалистических друзей в Германии»75,
сотрудники Бюро военнопленных и других советских миссий апеллировали к социал-де-
мократам (СДПГ) и независимым социал-демократам (НСДПГ). В июне 1918 г. Семков
подготовил для членов НСДПГ, а также редакции левых газет меморандум «с материалами
о жизни военнопленных»76. Кроме того, лично встретился с лидерами партии. В результате
представители НСДПГ в рейхстаге Руссель и Вильгельм Коенен (Koenen) произнесли речи
о положении русских невольников77. Успех, правда, был частичный. Выступления опублико-
вала только «Лейпцигер Цайтунг».
Более результативной оказалась встреча Семкова с редактором свободно распространяв-
шегося в лагерях «Русского вестника» – газеты, издававшейся Военным министерством
Германии и придерживавшейся «боевой линии германской империалистической полити-
ки». После разговора тон издания в отношении советской власти стал менее критичным78.
Но, конечно, главным в работе большевистских представителей в Германии в отношении
пленных была их оправка на Родину. И на этом поприще в течение лета 1918 г. наблюдались
положительные сдвиги. Проводимая политика позволила советским эмиссарам вернуть у
пленных авторитет. Летом 1918 г. в лагерях от антипатии, которая наблюдалась в мае, не
осталось и следа. Теперь представителей Бюро встречали воинскими приветствиями и от-
дачей чести79. Даже в благополучном Вюнсдорфе к ним отнеслись с не скрываемым инте-
ресом, расспрашивали о России80, а при отъезде инспекторов «с детским доверием молили
вернуть поскорее» домой81.
Наладившаяся работа по возвращению пленных на Родину была прервана 5 ноября 1918 г.
В этот день, как известно, германское правительство объявило о высылке из Берлина пол-
предства и всех других учреждений Советской России. Хотя сам повод для такого реше-

73 Докладная записка № 9 атташе по делам военнопленных [С.М. Семкова?]. Без даты. ГА РФ. Ф. 9501. Оп. 6.
Д. 3. Л. 579.
74 Докладная записка № 10 атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. 11 июня. Там же. Л. 591.
75 Там же. Л. 592.
76 Там же. Л. 591.
77 Там же. Л. 592.
78 Докладная записка № 8 атташе по делам военнопленных С.М. Семкова. 31 мая 1918 г. Там же. Л. 571.
79 Докладная записка неизвестного сотрудника Бюро военнопленных о посещении лагеря Альтдам. 4 авг.
1918 г. Там же. Л. 5, 6.
80 Отчет о посещении лагеря Цоссен сотрудниками бюро военнопленных В. Лоренцом и И. Казакевичем. 15
авг. 1918 г. Там же. Л. 71.
81 Там же. Л. 72.

521
Василий Черноперов

ния был, возможно, провокацией (обнаружение полицией в диппочте РСФСР листовок


революционного содержания)82,, мотивировка высылки димиссии как нарушение статьи II
Брест-Литовского договора, запрещавшей пропаганду и агитацию «против правительства
или государственных и военных установлений другой стороны»83, полностью соответство-
вала действительности. К ноябрю 1918 г. советское полпредство в Берлине превратилось в
настоящий штаб по подготовке германской революции84. Кстати, правомерность действий
немецких властей позже признавали и сами большевики85.
Сотрудники миссий РСФСР покинули Берлин 6 ноября 1918 г. Правда, уехали не все. В
частности, остались сотрудники Бюро военнопленных – секретарь И.И. Александров, на-
чальник отдела лагерной инспекции Ю. Дунович, сотрудники М. Ленгауэр, С. П. Поцепухов
и Шрейер.
Вскоре в Германии произошла Ноябрьская революция. Страна была провозглашена ре-
спубликой. Новое правительство – Совет народных уполномоченных (СНУ) – 11 ноября
1918 г. в Компьене подписало со странами Антанты перемирие. Первая мировая война за-
вершилась. Через два дня в РСФСР ВЦИК аннулировал Брест-Литовский договор и Допол-
нительное соглашение к нему, подписанное в августе 1918 г.86
Ликвидируя договора с Берлином, Москва надеялась на установление с «революционными
братьями» в Германии дружественных и даже союзнических отношений87, что автоматиче-
ски решало вопросы с пленными. Однако быстро выяснилось, что новые немецкие власти
не склонны сближаться с большевиками. Тогда глава НКИД Георгий Васильевич Чичерин
и руководитель Центропленбежа Иосиф Станиславович Уншлихт в конце ноября 1918 г.
потребовали от Германии допущения к военнопленным советских представителей для их
обеспечения и возвращения домой 88. Параллельно Российское общество Красного Креста

82 Ахтамзян А .А. От Бреста до Киля: Провал антисоветской политики германского империализма в 1918
году. М., 1963. С. 184.
83 Мирный договор между Россией, с одной стороны, и Германией, Австро-Венгрией, Болгарией и Турцией –
с другой. 3 марта 1918 г. // Дёрнберг С. и др. (ред.). Советско-германские отношения от переговоров в
Брест-Литовске до подписания Рапалльского договора. С. 366 (Док. 178).
84 Ватлин А .Ю. Советская Россия и Германская революция 1918 г. // Новая и новейшая история. 2017. № 5.
С. 70, 73, 75; Уилер-Беннет Дж. Брестский мир: Победы и поражения советской дипломатии. М., 2009.
С. 321–322, 325–330; Черноперов В.Л. Дипломатическая деятельность В.Л. Коппа в Германии в 1918–
1921 гг. С. 73–74.
85 Случ С.3. Германо-советские отношения в 1918–1941 годах. Мотивы и последствия внешнеполитических
решений // Славяноведение. 1995. № 6. С. 16.
86 Постановление ВЦИК об аннулировании Брест-Литовского договора. 13 нояб. 1918 г. // Дёрнберг С. и др.
(ред.). Советско-германские отношения от переговоров в Брест-Литовске до подписания Рапалльского до-
говора. С. 679–681 (Док. 287).
87 Черноперов В.Л. «Германская партия – одна из лучших» versus «не доверять никаким немцам в
коммунистической шкуре»: восприятие советскими партийными руководителями, дипломатами и
журналистами КПГ и ее лидеров в годы Веймарской республики // История. Общество. Политика. 2017.
№ 4 (4). С. 76–101, здесь С. 78. URL: [Link]
88 Радиотелеграмма народного комиссара иностранных дел Совету народных уполномоченных и Совету
рабочих и солдат Германии. 23 нояб. 1918 г. // Дёрнберг С. и др. (ред.). Советско-германские отношения
от переговоров в Брест-Литовске до подписания Рапалльского договора. С. 684 (Док. 292); Телеграмма

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Представители Советской России в Германии и российские военнопленные, 1918–1919 гг.

обратилось за помощью в Международный комитет Красного Креста (МККК)89. В МККК


решили направить в Германию Г. Эд. Буасье90.
Советскую сторону это не удовлетворило, и в Берлин выехал секретарь РОКК доктор И.
А. Шнеерсон. По прибытии он установил связь с сотрудниками Бюро военнопленных и
немецким Министерством иностранных дел. В МИД его заверили, что готовы разрешить
работу РОКК в Германии, если его берлинское отделение признает МККК91. В состав дан-
ной структуры вошли сотрудники Красного Креста Геллер и Ильин, врач Миленский (или
Миленковский?), юрист Эстран и упоминавшийся выше Лоренц92. Таким образом, с кон-
ца 1918 г. в Германии вопросами пленных помимо Бюро военнопленных стало заниматься
представительство РОКК.
К этому времени положение в лагерях существенно обострилось. Тысячи невольников, по-
считав, что Ноябрьская революция открыла наконец-то путь домой, покинули рабочие ко-
манды и вернулись в места приписки. В итоге скученность в лагерях возросла многократно,
что породило новые проблемы со спальными принадлежностями, питанием, медицинским
обслуживанием, отоплением, обмундированием и т.д.93
Надежды на возвращение домой и тяжелое положение в лагерях провоцировали накал стра-
стей и нервозность. Яркий пример тому – доклад М. Ленгауэра о ситуации в солдатском
лагере Дыроц: «…настроение в лагере в высшей степени приподнятое. Все мои увещева-
ния, успокоения обещанием скорой отправки не принимались во внимание (,,домой хотим,
лучше умереть на границе, чем у немцев”). Мне было заявлено волновавшимся солдатом,
что если их не отправят на этих днях, то они разнесут бараки и пойдут пешком в Россию.
[…] Сейчас солдаты отказываются исполнять какую-либо работу. […] Потратив три часа
на успокоение пленных, не добившись почти никаких результатов, я покинул солдат, еще раз
обещав им, что в самом непродолжительном времени их отправят в Россию»94. Но сотни
тысяч российских солдат и офицеров ждать более не желали и устремились на Восток. При-
чем их не останавливали вести о том, что пути к дому отрезаны новыми государствами –
Польшей, которая закрыла границу с Германией95, и странами Прибалтики, что в России
разруха, голод и Гражданская война.

председателя Центрального совета по делам пленных и беженцев статс-секретарю ведомства иностранных


дел Германии Зольфу. 26 нояб. 1918 г. // Там же. С. 689 (Док. 295).
89 Телеграмма Российского общества Красного Креста в Международный комитет Красного Креста. 30 нояб.
1918 г. ГА РФ. Ф. 9501. Оп. 6. Д. 7. Л. 24.
90 Телеграмма Международного комитета Красного Креста представителю Российского общества Красного
Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому. 30 нояб. 1918 г. Там же. Л. 23.
91 Письмо представителя Российского общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкого мистеру
[Фрику (Frick)?]. Без даты. Там же. Л. 1.
92 Там же.
93 Mitteilung des Büros für Kriegsgefangene. Без даты. Там же. Л. 50–53; Отчет инспектора И.И. Александрова
о посещении лагеря Цвелленбург. 27–28 янв. 1919 г. Там же. Л. 280–282.
94 Докладная записка сотрудника Бюро военнопленных М. Ленгауэра о посещении лагеря Дыроц. 28 нояб.
1918 г. Там же. Л. 272–273.
95 Mitteilung des Büros für Kriegsgefangene. Без даты. Там же. Л. 49.

523
Василий Черноперов

Справедливости ради отметим, что сотрудники Бюро военнопленных после Ноябрьской


революции фиксировали изменения к лучшему в жизни российских пленных. На ряде пред-
приятий их заработную плату уравняли с оплатой вольнонаемных96. Участились акции со-
лидарности с пленными97. Даже охранники меняли свое поведение. В Гамельне, например,
враждебно настроенный к Советской России комендант полковник Зебет разрешил плен-
ным проведение собраний98. В Цвикау местный солдатский совет ограничил деятельность
некоего майора Платцера, «прославившегося» «своей дикостью и суровостью в обраще-
нии с пленными»99. Отмеченные позитивные факты, однако наблюдались далеко не везде.
В лагере Гюстров, например, в начале 1919 г. русские солдаты подвергались эксплуатации и
издевательствам «в тех же самых размерах, как и раньше, до революции»100. Продолжались
и их убийства101.
На 19 января 1919 г. в Германии были намечены выборы в Национальное собрание, кото-
рое должно было принять конституцию страны. Немецкие коммунисты (спартаковцы) в
стремлении сорвать образование буржуазно-парламентского государства 5 января подняли
восстание и попытались захватить власть. Против путчистов выступили верные правитель-
ству регулярные части и добровольцы. Восставших поддержали некоторые из оказавшихся
в Берлине русских военнопленных. Бои продолжались до 11 января и завершились разгро-
мом спартаковцев. Страну захлестнул «белый террор». Коснулся он и россиян, которые,
по словам участника событий Карла Бернгардовича Радека (Собельсона), оказались «со-
вершенно вне закона»102. Участвовавшие в восстании поплатились жизнями. Здание Бюро
военнопленных было разграблено103. Правда, согласно А. И. Шнеерсону, германские власти
обещали строго расследовать данный инцидент и возместить ущерб104.
По свидетельствам советских представителей, во время и сразу после январских событий
во многих лагерях ужесточились порядки. В Гамельн, например, ввезли пулеметы и откры-
ли предупредительный огонь. Позже пулеметы разместили на лагерных вышках и стали на-

96 Отчет сотрудника Бюро военнопленных Ю. Дуновича о посещении рабочей команды № 236 Гейлингензее-
Тегель под Берлином. 10 дек. 1918 г. Там же. Л. 183.
97 Отчет М. Ленгауэра о посещении рабочей команды «Борзигвальдерметаллверке» в Берлине-Виттенау.
[9?] дек. 1918 г. Там же. Л. 48.
98 Отчет секретаря Бюро военнопленных И.И. Александрова о посещении лагеря Гамел[ь]н 9–11 января
1919 г. Там же. Л. 141.
99 Отчет секретаря Бюро военнопленных И.И. Александрова о посещении лагеря Цвикау 21–22 января
1919 г. Там же. Л. 59.
100 Отчет секретаря Бюро военнопленных И.И. Александрова о посещении лагеря Гюстров 2–5 января 1919 г.
Там же. Л. 197.
101 Там же. Л. 200.
102 Письмо К. Радека В. Ленину, Г. Чичерину и Я. Свердлову о положении в Германии [Берлин, не ранее 24 янв.
1919 г.] // Драбкин Я.С. (отв. ред.). Коминтерн и идея мировой революции. С. 93 (Док. 6).
103 Там же. С. 93–94.
104 Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона [представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому]. 17 янв. 1919 г. ГА РФ. Ф. 9501. Оп. 6. Д. 5.
Л. 321 об.

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Представители Советской России в Германии и российские военнопленные, 1918–1919 гг.

правлять на любую собиравшуюся группу пленных105. В лагере Цвикау возобновились изби-


ения невольников лагерной администрацией.
В условиях «белого террора» возможности для помощи пленным у советских представи-
телей существенно сократились. Положение осложнила нехватка финансовых средств. На-
дежды РОКК на получение 10 млн. марок106, помещенных большевиками в немецких банках,
не оправдались. Еще одной нарастающей проблемой стало вмешательство в дело возвраще-
ния пленных Антанты. Согласно письму Шнеерсона от 23 января 1919 г., страны Согласия
разделили Германию на районы во главе с английскими или американскими инспекторами,
к которым прикомандировывался для работы в лагерях русский офицер со знанием ан-
глийского языка107. Кроме того, Антанта для укрепления своего влияния направила в места
содержания пленных контролеров и начала снабжать русских офицеров теплыми вещами,
а солдат – продуктами108. Правда, эти шаги почти никак не влияли на настроения военно-
пленных. С восторгом они реагировали лишь на известия о транспортах в Россию. Делегат
Бюро военнопленных Шрейер, находившийся с 10 по 12 января 1919 г. в лагере Гёттинген
под Ганновером, сообщал, что после объявления о подготовке эшелона на родину пленные
начали выкрикивать: «Да здравствует Советская Россия! Скорее нас в Россию в советские
полки, на подкрепление власти Советов!»109
Большевистские представители старались укреплять подобные настроения. Причем не
только организацией транспортов. На сборном пункте берлинского Силезского вокзала
они, например, организовали кормление пленных110. Здесь же все желающие могли получить
книги и газету «Русский социалист» с пробольшевистскими оценками ситуации в России.
Антанта, понимая, что проигрывает борьбу за симпатии российских военнопленных, в на-
чале февраля 1919 г. начала действовать более решительно. Было объявлено, что возвраще-
ние невольников на родину невозможно, пока там правят большевики, господствуют голод и
анархия. Дело помощи военнопленным перешло к антантовской контрольной комиссии111.
К этому времени, по данным Шнеерсона, в Веймарской Германии оставалось до 600.000

105 Отчет секретаря Бюро военнопленных И.И. Александрова о посещении лагеря Гамел[ь]н 9–11 января
1919 г. Там же. Д. 3. Л. 141.
106 Письмо представителя Российского общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкого [мистеру
Фрику (Frick)?]. Без даты. Там же. Д. 7. Л. 1.
107 Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона [представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому?]. 23 янв. 1919 г. Там же. Д. 5. Л. 252 об.
108 Там же.
109 Отчет сотрудника Бюро военнопленных Шрейера о посещении лагеря Гёттинген 10–12 января 1919 г. Там
же. Д. 3. Л. 148.
110 Доклад о деятельности сборного пункта на Силезском вокзале с 16 по 31 января 1919 г. Там же. Л. 467.
111 Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона [представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому?]. 6 фев. 1919 г. Там же. Д. 5. Л. 234.

525
Василий Черноперов

русских невольников, разбросанных по 80 лагерям и рабочим командам112. Основные забо-


ты о пленных взяли на себя США113.
Германские власти не желали отставать от Антанты и со своей стороны попытались огра-
ничить влияние среди военнопленных структур, связанных с РСФСР. Немецкое отделение
Красного Креста к минимуму свело контакты с представителями России114. Были заморо-
жены финансовые средства большевиков в германских банках115, запрещен обмен русских
денег на марки116, что ранее использовалось для поддержки пленных.
В результате мер, предпринятых антантовскими и германскими властями, по словам Шне-
ерсона, в середине февраля 1919 г. большинство лагерей военнопленных оказались без ка-
кой-либо защиты117. Менялась обстановка и в самих местах содержания. «К нулю» было
сведено влияние комитетов военнопленных и возросло влияние офицеров118. Для усиления
антибольшевистских настроений в лагерях развернулась работа по дискредитации Бюро во-
еннопленных. В частности, распространялся слух, что это «жидовское учреждение», хотя в
руководстве не было ни одного еврея 119.
С 17 февраля 1919 г. Бюро военнопленных в Берлине начало сворачивать свою деятель-
ность120. К 24-му числу того же месяца оно закрылось окончательно, причем НКИД и
Центропленбеж об этом не знали121. В марте большинство служащих и сотрудников Бюро
обратились к немецким и антантовским властям с ходатайством о пропуске в Советскую
Россию122. С конца лета 1919 г. решением вопросов пленных будет заниматься «полулегаль-
ный полпред» РСФСР в Германии В.Л. Копп123.

112 Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона [представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому?]. 2 фев. 1919 г. Там же. Л. 228.
113 Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона [представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому?]. 9 марта 1919 г. Там же. Л. 124.
114 Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона [представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому?]. 23 янв. 1919 г. Там же. Л. 252 об. – 253.
115 Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона [представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому?]. 18 фев. 1919 г. Там же. Л. 158 об.
116 Письмо Л. Иогихеса (Тышки) В. Ленину о работе компартии Германии. [Берлин]. 4 фев. [1919 г.] //
Драбкин Я.С. (отв. ред.). Коминтерн и идея мировой революции. С. 100 (Док. 7).
117 Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона [представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому?]. 15 фев. 1919 г. ГА РФ. Ф. 9501. Оп. 6. Д. 5. Л. 88.
118 Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона [представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому?]. 15 фев. 1919 г. Там же. Л. 88 об.
119 Там же. Л. 88.
120 Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона [представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому?]. 17 фев. 1919 г. Там же. Л. 154 об.
121 [Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому?]. 24 фев. 1919 г. Там же. Л. 188.
122 Письмо секретаря Российского общества Красного Креста И.А. Шнеерсона [представителю Российского
общества Красного Креста в Швейцарии С.Ю. Багоцкому?]. 19 марта 1919 г. Там же. Л. 110.
123 Черноперов В.Л. Дипломатическая деятельность В.Л. Коппа в Германии в 1918–1921 гг. С. 81–98, 106–108,
126–129, 137–140, 144–150, 231–232, 263–278, 300–308, 313–315.

526
Представители Советской России в Германии и российские военнопленные, 1918–1919 гг.

В завершении истории взаимоотношений большевиков и военнопленных весной 1918 – зи-


мой 1919 гг. приведем слова из письма солдатского совета подлагеря Госхол лагеря Сольтау
в Бюро: «Вчера 6-го января делегация наша привезла от Вас данную Вами помощь: три ящи-
ка консервов. […] С криками ,,ура” со слезами от радости встретили мы свою делегацию с
этой драгоценной ношей.
Как выразить весь энтузиазм, всю радость, что охватили нас. Кажется, это был один из тор-
жественнейших праздников, которые когда-либо встречались на родине. […].
Дорогие, единственные наши защитники-покровители, от всего сердца, от глубины души
шлем вам нашу искреннюю благодарность. О, если бы могли чем-либо другим, кроме этой
холодной бумажки засвидетельствовать вам свою глубокую, горячую благодарность.
Примите уверение вы чистые, русские добрые люди, чьи отзывчивые сердца, чьи щедрые
руки протянули нам дорогую помощь, нам умирающим от голода, изнывающим в неволе…
Да, благословит вас Небо.
А мы до конца своей жизни будем помнить Ваши благодеяния. До конца дней воссылать
горячие молитвы за благодарные, чуткие души вас всех, кто принял участие своей помощью
в спасении нашей жизни от голода, от тяжкой неволи …
Да, мы верим, верим всем своим существом в Вас, наши незабвенные освободители. Верим,
что вы принимаете все меры, что Вы стараетесь всеми силами дать нам нашу родину, возвра-
тить нас к своим женам, родителям и детям …
[…] Так дай вам Бог здоровья и сил. Вы, сделав великое дело, дав жизнь тысячам несчаст-
ных, оставив на веки в их благодарных сердцах вечную о Вас память и славу»124.
Вскоре некоторые из писавших эти искренние строки, столкнувшись с суровыми реалиями
советской действительности, станут более критичны и даже враждебны к большевикам125,
но, находясь в Германии, они защитников своих интересов видели, прежде всего, в совет-
ских представителях, и их единственным страстным желанием было одно – вернуться до-
мой. И в этом еще одна трагическая сторона Первой мировой войны.

124 Письмо Солдатского совета военнопленных подлагеря Госхол лагеря Сольтау в Бюро военнопленных в
Берлине. 7 янв. 1919 г. ГА РФ. Ф. 9501. Оп. 6. Д. 3. Л. 168–169.
125 Нагорная О.С. «Эвакуация в том виде, в каком существует, губительна для военнопленных и опасна для
государства»: советская практика репатриации русских военнопленных Первой мировой войны //
Вестник Челябинского гос. университета. История. 2008. № 15. C. 55–63, здесь С. 60–61. URL: [Link]
[Link]/vch/116/vcsu08_15.pdf

527
ТОБИАС ХИРШМЮЛЛЕР

«И пали цепи?» Воздействие трансформаций 1917–1918 гг. на


образ России в еврейских газетах Германии и Австрии

1. Введение
«Для нас, немецких евреев, помимо самого живого интереса к этому новому поразитель-
ному повороту вещей – действительно поразительному, хотя уже несколько лет назад
целый ряд политиков предвещал перемены в России – встает теперь тревожный вопрос:
каким будет положение евреев в новой России»1. Так комментировала 23 марта 1917 г.
Февральскую революцию и крушение царизма в России газета «Альгемайне Цайтунг дес
Юдентумс» (Allgemeine Zeitung des Judentums, AZJ). Воздействие русской революции на
общество и политику Центральных держав изучено уже довольно хорошо2. Однако из-за
преследований еврейского населения Российской империи3, усилившихся в конце 19 сто-
летия и приобретших новый размах при Николае II, трансформации 1917 г. представляли
собой особый интерес для немецких и австрийских евреев, что, в свою очередь, нашло от-
ражение в еврейской прессе, равно как начало Первой мировой войны также стало цезурой
для еврейской публицистики4.
Сюзанна Урбан-Фар указывала в том числе на комплексность и вытекающий из нее плюра-
лизм точек зрения, если речь идет о том, чтобы дать общее определение немецкоязычной
еврейской прессе5. Здесь следует также сослаться на Стефани Сеул, которая полагала, что
«к “немецко-еврейской прессе” относится периодика, которую формировали и издавали
преимущественно еврейские издатели и редакторы и которая в высокой степени была по-

1 Die Woche // Allgemeine Zeitung des Judentums. 23. März 1917.


2 Напр.: Zarusky Jü. Die deutschen Sozialdemokraten und das sowjetische Modell: Ideologische Auseinanderset-
zungen und außenpolitische Konzeptionen 1917–1933. München, 1992; Fuchs J. A. Zu den deutschen Reaktio-
nen auf die russischen Revolutionen von 1917 – Einblicke in Politik und Presse // Deutsche Rußlandbilder im
20. und 21. Jahrhundert [= Forum für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte. 2008. H. 1] / N. Lobkowicz
u. a. (Hrsg.). Köln u. a., 2008. S. 29–46; Lehnert D. Die Oktoberrevolution in der Wahrnehmung der deutschen
Sozialdemokratie // Jahrbuch für historische Kommunismusforschung. 2017. S. 117–130.
3 Bonwetsch B. Fremde, Minderheiten, Feinde. Deutsche und Juden in der Geschichte des Zarenreichs // Geist und
Gestalt im historischen Wandel: Facetten deutscher und europäischer Geschichte 1789 bis 1989: Festschrift für
Siegfried Bahne / B. Becker, H. Lademacher (Hrsg.). Münster, 2000. S. 113–134.
4 Kriegstaumel und Pazifismus: Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg / H. R. Brittnacher, I. v. d. Lühe (Hrsg.).
Frankfurt a. M. u. a., 2016. Edelmann-Ohler E. Deutsch-jüdische Literatur und Erster Weltkrieg // Handbuch der
deutsch-jüdischen Literatur / H. O. Horch (Hrsg.). Berlin u. a., 2016. S. 151–163. См. также: Angress W. T. Juden
im politischen Leben der Revolutionszeit // Deutsches Judentum in Krieg und Revolution: 1916–1923: Ein
Sammelband / W. E. Mosse (Hrsg.). Tübingen, 1971. S. 137–315.
5 Urban-Fahr S. Jüdische Presse – Juden in der Presse. Zwischen Vielfalt und Stereotypen // Tribüne. Zeitschrift
zum Verständnis des Judentums. 1998. H. 148. S. 150–164. См. также: Kilcher A. B. Was ist «deutsch-jüdische
Literatur»? Eine historische Diskursanalyse // Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik
und Kulturwissenschaften. 1999. H. 4. S. 485–517.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 529–550


[Link] 529
Тобиас Хиршмюллер

священа темам, затрагивающим специфические еврейские интересы и адресована преиму-


щественно еврейскому читателю»6.
В случае с евреями в Германии и Австро-Венгрии речь ни в коем случае не шла о некоем
монолитном блоке. Напротив, они были разбиты на три основных течения либерального,
ортодоксального и сионистского толка с разными религиозными и политическими перспек-
тивами и соответствующими амбициями, которые в том числе находили свое отражение в
газетной культуре. Большая часть либеральных евреев была организована в рамках «Цен-
трального союза немецких граждан иудейской веры» (Centralverein deutscher Staatsbürger
jüdischen Glaubens, CV), где нормой было чувствовать себя в первую очередь гражданином
Германии, которому присущ ассимилированный стиль жизни. Союз издавал свою газету
«Им дойчен Райх» („Im deutschen Reich“, IDR).
В качестве религиозного движения, противостоявшего реформированному еврейству, в
середине 19 века возникло ортодоксальное течение, выступавшее за последовательное от-
правление религиозных еврейских традиций. И хотя ортодоксальные евреи также не со-
ставляли однородную группу, их объединяло неприятие ассимиляции, за которую ратовал
«Центральный союз»7. К наиболее значительным газетам еврейской ортодоксии относи-
лись «Дер Израэлит» („Der Israelit“) и «Ди юдише прессе» („Die jüdische Presse“, JP).
Контрпозицию по отношению к либеральному еврейству также занимали сионисты, кото-
рые в отличие от «Центрального союза» расценивали еврейство отнюдь не как религию,
поскольку сами преследовали национально-политическую цель, а именно создание еврей-
ского национального государства в Палестине. Наиболее значительной сионистской орга-
низацией стал «Сионистский союз Германии» (‚Zionistische Vereinigung für Deutschland‘)
со своим печатным органом «Юдише Рундшау» („Jüdische Rundschau“, JR). Чтобы чита-
тель мог по возможности составить себе наиболее полное представление, ниже приведена

6 Seul St. «Großer Friedensstifter» – «Befreiung des russischen Judentums – «Bewusstes Walten Gottes»:
Deutsch-jüdische Pressdiskurse über den Beginn des Ersten Weltkrieges, 1914/15 // Kriegsbeginn in Nord-
deutschland: Zur Herausbildung einer «Kriegskultur» 1914/15 in transnationaler Perspektive / C. Rauh, A.
Reitemeier, D. Schumann (Hrsg.). Göttingen, 2015. S. 128–154.
7 О течениях внутри еврейства см.: Moses S. Weltanschauliche Unterschiede im deutschen Judentum // Bul-
letin des Leo Baeck Instituts. 1965. H. 32. S. 346–351; Toury J. Die politischen Orientierungen der Juden in
Deutschland: Von Jena bis Weimar. Tübingen, 1966; Rosenblüth P. E. Die geistigen und religiösen Strömungen
in der deutschen Judenheit // Juden im Wilhelminischen Deutschland: 1890–1914: Ein Sammelband / W. E.
Mosse (Hrsg.). Tübingen, 1976. S. 549–598; Breuer M. Jüdische Orthodoxie im Deutschen Reich: 1871–1918:
Sozialgeschichte einer religiösen Minderheit. Frankfurt a. M., 1986; Mosse G. L. Deutscher Patriotismus und jüdi-
scher Nationalismus // Deutschlands Weg in die Moderne: Politik, Gesellschaft und Kultur im 19. Jahrhundert
/ W. Hardtwig, H.-H. Brandt (Hrsg.). München, 1993. S. 161–169; Kaufmann U. R. Kultur und «Selbstverwirk-
lichung»: Die vielfältigen Strömungen des Zionismus in Deutschland 1897–1933 // Janusfiguren: «Jüdische
Heimstätte», Exil und Nation im deutschen Zionismus / A. Schatz, Ch. Wiese (Hrsg.). Berlin, 2006. S. 43–60.
Bleich Ju. The Emergence of an Orthodox Press in Nineteenth-Century Germany // Jewish Social Studies.
1980. № 3–4. P. 323–344; Hoffmann Ch. Between Integration and Rejection: The Jewish Community in Ger-
many, 1914–1918 // State, Society and Mobilization in Europe during the First World War / J. Horne (Hrsg.).
Cambridge u. a., 1997. P. 89–104; Barkai A. «Wehr dich!»: Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen
Glaubens (C. V.) 1893–1938. München, 2002.

530
Воздействие трансформаций 1917–1918 гг. на образ России в еврейских газетах Германии и Австрии

групповая классификация газет в зависимости от принадлежности к главным течениям в


еврействе8.
Любая работа, посвященная прессе периода Первой мировой войны, должна учитывать,
что газеты, как правило, были подвержены государственной цензуре9. Однако контроль
цензурных органов распространялся преимущественно на «военные аспекты сообщений с
фронтов, практически не затрагивая дискурсивные коммуникативные процессы, в результа-
те которых формировались еврейские идентичности», поэтому «информативная ценность
еврейских периодических изданий» именно по данной теме, по-видимому, не пострадала от
цензуры10. Кроме того, следует учитывать, что во время Первой мировой войны, принявшей
затяжной характер, все рос уже имевший место антисемитизм. В ответ редакции газет ста-
рались защищаться, в результате значительной части публикаций свойственна ситуативная
оправдательная риторика11. Как бы то ни было, в ходе исследования возможно изучение по-
зиций, настроений и разногласий как между, так и внутри течений в еврействе. В результате
будет выявлено, какой образ России сложился в 1917–1918 гг., помимо восприятия славян
как отсталых и жестоких народов, присущего довоенному времени, в том числе и для боль-
шинства немецкого общества. Такое восприятие было лишь усилено русской оккупацией
Восточной Пруссии и Галиции12. Речь здесь идет лишь о наброске, а не об исчерпывающем
описании вопроса.
Война также вызвала появление новых газет, задачей которых являлось более акцентиро-
ванное выражение целей соответствующих течений. В ряду этих новых изданий были си-

8 Либеральные еврейские газеты: Allgemeine Zeitung des Judentums (далее: AZJ); Neue Jüdische Monat-
shefte, Berlin (NJM); Die Wahrheit, Wien (DW); Im deutschen Reich: Zeitschrift des Centralvereins Deutscher
Staatsbürger Jüdischen Glaubens, Berlin (IdR). Ортодоксальные еврейские газеты Dr. Bloch’s Oesterreichische
Wochenschrift, Wien (BOW); Jüdische Korrespondenz, Wien ( JK). Сионистские газеты: Frankfurter israel-
itisches Familienblatt, Frankfurt a. M. (FIF); Jüdische Rundschau, Berlin ( JR); Jüdische Volksstimme, Brünn
( JV); Jüdische Zeitung. National-Jüdisches Organ, Wien ( JZ).
9 Creutz M. Die Pressepolitik der kaiserlichen Regierung während des Ersten Weltkrieges: Die Exekutive, die Jour-
nalisten und der Teufelkreis der Berichterstattung. Frankfurt a. M. u. a., 1996.
10 Panter S. Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg. Göttingen, 2014. S. 34.
11 Friedländer S. Die politischen Veränderungen der Kriegszeit und ihre Auswirkungen auf die Judenfrage // Mosse
W. E. (Hrsg.). Deutsches Judentum in Krieg und Revolution. S. 27–65; Berding H. Der Aufstieg des Antisemitis-
mus im Ersten Weltkrieg // Vorurteil und Völkermord: Entwicklungslinien des Antisemitismus / W. Benz, W.
Bergmann (Hrsg.). Bonn, 1997. S. 286–303; Mendes-Flohr P. Im Schatten des Weltkrieges // Deutsch-Jüdische
Geschichte in der Neuzeit. Bd. 4: Aufbruch und Zerstörung: 1918–1945 / A. Barkai, P. Mendes-Flohr, St.M.
Lowenstein (Hrsg.). München, 1997. S. 15–36.
12 Jahn P. «Zarendreck, Barbarendreck – Peitscht sie weg!» Die russische Besetzung Ostpreußens 1914 in der deut-
schen Öffentlichkeit // August 1914: Ein Volk zieht in den Krieg / Berliner Geschichtswerkstatt (Hrsg.). Berlin,
1989. S. 147–155; Jaworski R. Osteuropa als Gegenstand historischer Stereotypenforschung // Geschichte und
Gesellschaft. 1987. H. 1. S. 63–76; Raithel Th. Das «Wunder» der inneren Einheit: Studien zur deutschen und
französischen Öffentlichkeit bei Beginn des Ersten Weltkrieges. Bonn, 1996. S. 328–334; Lemberg H. «Der Russe
ist genügsam». Zur deutschen Wahrnehmung Russlands vom Ersten bis Zweiten Weltkrieg // Das Bild «des
Anderen»: Politische Wahrnehmung im 19. und 20. Jahrhundert / B. Aschmann, M. Salewski (Hrsg.). Stuttgart,
2000. S. 121–131; Bruendel St. Volksgemeinschaft oder Volksstaat: Die «Ideen von 1914» und die Neuordnung
Deutschlands im Ersten Weltkrieg. Berlin, 2003. S. 87–88. Hoeres P. Die Slawen. Perzeptionen des Kriegsgegners
bei den Mittelmächten. Selbst- und Feindbild // Die vergessene Front – der Osten 1914/15: Ereignis, Wirkung,
Nachwirkung / G. P. Groß (Hrsg.). Paderborn u. a., 2006. S. 179–200.

531
Тобиас Хиршмюллер

онистский журнал «Дер Юде» („Der Jude“, DJ) и национально-либеральная газета «Нойе
Юдише Монатсхефте» („Neue Jüdische Monatshefte“, NJM). Оба издания намеревались уде-
лить особое внимание положению евреев в Восточной Европе13. Аналогичное намерение
питала газета «Юдише Корреспонденц» („Jüdische Korrespondenz“, JK), выходившая в Ав-
стро-Венгрии в качестве печатного органа ортодоксального еврейства и заявлявшая о своей
приверженности Габсбургам14. Информацию о странах – противниках Центральных дер-
жав – еврейские газеты черпали из других немецких ежедневных газет, таких как «Фоссише
Цайтунг» („Vossische Zeitung“) или «Штрасбургер Пост» („Straßburger Post“), а также из
периодики нейтральных государств типа Дании, Нидерландов или Швеции. Наряду с зача-
стую анонимными источниками, редакции после начала войны снабжались информацией из
еврейских информационных бюро15.
Между тем в историографии уже сложилась многолетняя традиция научного изучения
еврейских газет. Все та же Стефани Сеул написала прекрасный актуальный обзор, посвя-
щенный состоянию и перспективам этой области историографии16. Наряду с целым ря-
дом обзоров17, в настоящей статье лишь бегло приводятся ссылки на главные публикации,

13 Adler-Rudel S. Ostjuden in Deutschland 1880–1940: Zugleich eine Geschichte der Organisationen, die sie be-
treuten. Tübingen, 1959. S. 47–50. См. подробнее о журнале «Der Jude»: Lapp E. Der Jude 1916–1928: Jüdi-
sche Moderne zwischen Universalismus und Partikularismus. Tübingen, 2000.
14 Kreppel K. Jonas Kreppel – glaubenstreu und vaterländisch: Biographische Skizze über einen österreichisch-jüdi-
schen Schriftsteller. Wien, 2017.
15 Saß A.-Ch. Berliner Luftmenschen: Osteuropäisch-jüdische Migranten in der Weimarer Republik. Göttingen,
2012. S. 226; Weberling A. Isaak Feuerring – eine zionistische Biografie zwischen Deutschland, Schweden und
Palästina // Deutschsprachige jüdische Migration nach Schweden 1774 bis 1945 / O. Glöckner, H. Müssener
(Hrsg.). München u. a., 2017. S. 147–164, здесь S. 156.
16 Seul St. Die deutsch-jüdische Presse im Ersten Weltkrieg. Stand und Perspektiven der Forschung // Aufklären,
Mahnen und Erzählen: Studien zur deutsch-jüdischen Publizistik und zu deren Erforschung, zum Kampf gegen
den Antisemitismus und zur subversiven Kraft des Erzählens / H. Böning, S. Marten-Finnis (Hrsg.). Bremen,
2015. S. 177–198. О газетах как истор. источнике см. также: Borut J. Die jüdisch-deutsche Presse Ende des 19.
Jahrhunderts als historische Quelle // Menora. Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte. 1996. Bd. 7. S. 43–60.
17 Edelheim-Mühsam M. T. The Jewish Press in Germany // Leo Baeck Institute Year Book. 1956. № 1. P. 163–176;
Lewy H. Die jüdische Presse in Deutschland // Handbuch der Publizistik. Bd. 3 / E. Dovifat (Hrsg.). Berlin,
1969. S. 508–513; Bernstein R. Zwischen Emanzipation und Antisemitismus: die Publizistik der deutschen Juden
am Beispiel der «C. V.-Zeitung», Organ des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, 1924–
1933 [Dis.]. Berlin, 1969; Becker W. Die Rolle der liberalen Presse // Mosse W. E. (Hrsg.). Deutsches Judentum
in Krieg und Revolution. S. 67–135; Strauss H. A. The Jewish Press in Germany, 1918–1939 // The Jewish Press
that was: Accounts, Evalutions and Memories of Jewish Papers in pre-Holocaust Europe / D. Flinker, Sh. Ro-
senfeld (Hrsg.). Tel Aviv, 1980. P. 321–354; Mattenklott G. Juden in der deutschsprachigen Zeitschriftenkultur
im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts // Juden als Träger bürgerlicher Kultur in Deutschland / Ju.H. Schoeps
(Hrsg.). Sachsenheim u. a., 1989. S. 149–166; Suchy B. Die jüdische Presse im Kaiserreich und der Weimarer Re-
publik // Там же. S. 167–191; Toury J. Das Phänomen der jüdischen Presse in Deutschland // Na´or M. Jüdische
Zeitungen und Journalisten in Deutschland: Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck! Tel Aviv, 1989. S. 4–13 [=
Quesher. Sonderheft Mai 1989]; Brenner M. East and West in Orthodox German-Jewish Novels (1912–1934)
// Leo Baeck Institute Year Book. 1992. P. 309–323; Hohmeyer A. Die jüdischen Zeitschriften // Zeitungsstadt
Frankfurt am Main: Zur Geschichte der Frankfurter Presse in fünf Jahrhunderten / A. Estermann (Hrsg.). Frank-
furt a. M., 1994. S. 119–131; Nagel M. Deutsch-jüdische Presse und jüdische Geschichte // 400 Jahre Zeitung:
Die Entwicklung der Tagespresse im internationalen Kontex / M. Welke, Jü. Wilke (Hrsg.). Bremen, 2008.
S. 379–394; Schwarz J. V. «A New German-Jewish Public Sphere» – Konzeptionelle Überlegungen zu einer
Gesamtgeschichte der jüdischen Presse in Deutschland von der Aufklärung bis zur Gegenwart // Die jüdische

532
Воздействие трансформаций 1917–1918 гг. на образ России в еврейских газетах Германии и Австрии

посвященные отдельным еврейским газетам18, а также на исследования, фокусирующиеся


на еврейской периодике в годы Первой мировой войны19. Наряду с рассмотрением отно-
шения евреев к монархам и монархии как форме государственного устройства20, в центре
этих исследований зачастую находился вопрос об освещении газетами положения евреев
в Восточной Европе21. Наряду с заслуживающим всяческих похвал исследованием Дитера
Хехта, посвященного немецкоязычной прессе Дунайской монархии22, следует назвать так-
же работы Габриэля Айкенберга о «мифе немецкой культуры в зеркале еврейской прессы

Presse: Forschungsmethoden – Erfahrungen – Ergebnisse / S. Marten-Finnis, M. Bauer (Hrsg.). Bremen, 2007.


S. 39–53; Heuberger R., Horch H. O., Glasenapp G. v. Deutsch-jüdische Periodika // Horch H. O. (Hrsg.). Hand-
buch der deutsch-jüdischen Literatur. S. 500–526.
18 Eliav M. Der «Israelit» und Erez Israel im 19. Jahrhundert // Bulletin des Leo Baeck Instituts. 1965. № 32. S. 273–
301; Eliav M. Philippsons Allgemeine Zeitung des Judentums und Erez Israel // Bulletin des Leo Baeck Instituts.
1969. № 46–47. S. 155–182; Horch H. O. Auf der Suche nach der jüdischen Erzählliteratur: Die Literaturkritik der
«Allgemeinen Zeitung des Judentums» (1837–1922). Frankfurt a. M. u. a., 1985; Eloni Y. Die Geburtswehen der
«Jüdischen Rundschau» // Na´or M. Jüdische Zeitungen und Journalisten in Deutschland. S. 31–36; Bachleitner
B. Zionistische Propaganda durch literarische Fiktion. Die Belletristik in Theodor Herzls Zeitschrift Die Welt (im
Vergleich mit Dr. Blochs Österreichischer Wochenschrift) // Populäres Judentum: Medien, Debatten, Lesestoffe
/ Ch. Haug (Hrsg.). Tübingen, 2009. S. 65–84; Nagel M. Jüdische Rundschau // Enzyklopädie jüdischer Ge-
schichte und Kultur. Bd. 3: He–Lu / D. Diner (Hrsg.). Stuttgart u. a., 2012. S. 253–255; Bitzer D. Im deutschen
Reich: Das publizistische Organ des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens [Dis.]. Aachen,
2013. Из новейших работ см. в особ.: Schütz S. Die Konstruktion einer hybriden «jüdischen Nation»: Deut-
scher Zionismus im Spiegel der «Jüdischen Rundschau» 1902–1914. Göttingen, 2019.
19 Engel D. J. Patriotism as a Shield. The Liberal Jewish Defence against Antisemitism in Germany during the First
World War // Leo Baeck Institute Year Book. 1986. P. 147–172; Edelmann-Ohler E. Orte des Krieges. Zur Raum-
poetik des Schlachtfelds in zionistischer Presse und Literatur (1914−1918) // Jüdische Publizistik und Literatur
im Zeichen des Ersten Weltkriegs / P. Ernst, E. Lappin-Eppel (Hrsg.). Innsbruck u. a., 2016. S. 27–50; Brockhaus
M. «…da es sich bei der Erklärung um einen antideutschen Versuch handelt…». Die Balfour-Deklaration im
Spiegel der Jüdischen Rundschau und der Allgemeinen Zeitung des Judentums // Nurinst. Beiträge zur deut-
schen und jüdischen Geschichte. 2014. S. 119–133.
20 Rechter D. Kaisertreu: The Dynastic Loyalty of Austrian Jewry // Jüdische Identitäten: Einblicke in die
Bewußtseinslandschaft des österreichischen Judentums / K. Hödl (Hrsg.). München, 2000. S. 189–208; Lappin-
Eppel E. Kaiserbilder in der Wiener jüdischen Presse während des Ersten Weltkriegs // Ernst P., Lappin-Eppel E.
(Hrsg.). Jüdische Publizistik und Literatur im Zeichen des Ersten Weltkriegs. S. 75–106.
21 Herzog A. Zum Bild des «Ostjudentums» in der «westjüdischen» Publizistik der ersten Jahrzehnte des 20.
Jahrhunderts // Mitteilungen und Beiträge. Forschungsstelle Judentum. Theologische Fakultät Leipzig. 1998.
April. S. 26–49; Terlau W, Wunsch B. «Ein Gespenst geht um in Deutschland […]». Die «Ostjudenfrage» im
Spiegel der deutschsprachigen jüdischen Presse während des Ersten Weltkriegs // Positionierung und Selbstbe-
hauptung: Debatten über den Ersten Zionistenkongreß, die «Ostjudenfrage» und den Ersten Weltkrieg in der
deutsch-jüdischen Presse / H. O. Horch (Hrsg.). Tübingen, 2003. S. 67–110; Panter S. Zwischen Selbstreflexion
und Projektion. Die Bilder von Ostjuden in zionistischen und orthodoxen deutsch-jüdischen Periodika während
des Ersten Weltkriegs // Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung. 2010. H. 1. S. 65–92; Olszewska I. Die Juden
im Weltkrieg. Das Bild der Ostjuden in der deutsch-jüdischen Presse aus der Zeit des Ersten Weltkrieges // Der
Erste Weltkrieg: Ostmitteleuropäische Einblicke und Perspektiven / M. Kucner, E. K. Dzikowska, A. Godzisz
(Hrsg.). Frankfurt a. M., 2016. S. 181–190; Schneider Ju. (Für)Sorge – Die «Ostjudenfrage» in der deutsch-
jüdischen Presse // Geflüchtet – unerwünscht – abgeschoben: Osteuropäische Juden in der Republik Baden
(1918–1923) / N. Steffen, C. Arendes (Hrsg.). Heidelberg, 2017. S. 107–127.
22 Hecht D. J. Die Jüdische Zeitung (Wien 1907–1920): Ein nationaljüdisches Organ // Deutsch-jüdische Presse
und jüdische Geschichte: Dokumente, Darstellungen, Wechselbeziehungen. Bd. 2 / E. Lappin, M. Nagel (Hrsg.).
Bremen, 2008. S. 57–68; Hecht D. J., Hecht L. Die jüdische Presse der Habsburger Monarchie im langen 19. Jahr-
hundert // Böning H., Marten-Finnis S. (Hrsg.). Aufklären, Mahnen und Erzählen. S. 69–92. Применительно к

533
Тобиас Хиршмюллер

Германии и Австро-Венгрии»23, Сары Пантер о еврейском опыте и конфликтах лояльности


в годы Первой мировой войны24, а также монографию Анны Ульрих, посвященную тому,
как немецко-еврейские союзы реагировали на ожидания и чаяния еврейского населения25.
О восприятии России в том числе пишут Беате Вунш26, Джим Тобиас и Никола Шлихтинг27.
Революционные события в России, как революция 1905 г., так и февральская революция
1917 г., являются объектом изучения специального исследования Магды Байс28.
Ниже сначала будет охарактеризован образ России на первом этапе мировой войны, чтобы
далее иметь возможность выявить воздействие на этот образ революции 1917 г. Прежде
чем подвести итог, в третьей главе будут описаны последствия революционных событий для
формирования представлений о России.

2. Начальная фаза войны


Эгмонт Цехлин так писал о восприятии разразившейся войны в среде немецкого еврей-
ства: «На самом деле немецкий сионизм в момент начала войны мало чем отличался в своих
мыслях и делах от основной массы населения и от ассимилированных евреев». Наряду с
«чувством, быть гражданином Германского рейха, оказавшегося под угрозой», как добав-
ляет Цехлин со ссылкой на воспоминания Франца Оппенгеймера, немецких евреев также
«обуревали мысли о будущей судьбе восточноевропейских евреев»29. Между тем в исто-
риографии, по мере деконструкции «августовского опыта», подчеркивается относитель-
ность этой точки зрения. Очевидно следует исходить из того, что редакции еврейских газет
в особенной мере хотели выразить лояльность евреев в адрес большинства германского
общества30. Тезис о националистическом принципиальной нивелировании либерального,
ортодоксального и сионистского течений подтверждается на основе газетных сообщений о

Австро-Венгрии см. также: Toury J. Die jüdische Presse im österreichischen Kaiserreich: Ein Beitrag zur Proble-
matik der Akkulturation 1802–1918. Tübingen, 1983.
23 Eikenberg G. Der Mythos deutscher Kultur im Spiegel jüdischer Presse in Deutschland und Österreich von 1918
bis 1938. Hildesheim, 2010.
24 Panter S. Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg.
25 Ullrich A. Von «jüdischem Optimismus» und «unausbleiblicher Enttäuschung»: Erwartungsmanagement
deutsch-jüdischer Vereine und gesellschaftlicher Antisemitismus 1914−1938. Berlin, 2019.
26 Wunsch B. Drei Stimmen im Weltkrieg. Die «Jüdischen Monatshefte», das «Jüdische Jahrbuch für die Schweiz»
und «Die Wahrheit. Unabhängige Zeitschrift für jüdische Interessen» // Horch H. O. (Hrsg.). Positionierung
und Selbstbehauptung. S. 111–135, здесь S. 127–129.
27 Tobias J. G., Schlichting N. «…nichts als hingebungsvolle Liebe zum so schwerbedrohten Deutschtume». Das
erste Kriegsjahr im Spiegel jüdischer Zeitungen // Nurinst. Beiträge zur deutschen und jüdischen Geschichte.
2014. S. 31–45.
28 Beiss M. Das Frankfurter Israelitische Familienblatt als Spiegel der Zeit von 1902 bis 1919. München, 2017.
29 Zechlin E. Friedensbestrebungen und Revolutionierungsversuche. Deutsche Bemühungen zur Ausschaltung
Rußlands im Ersten Weltkrieg // Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament.
B 25/1961. 21. Juni 1961. S. 341–367, здесь S. 341.
30 Panter S. Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg. S. 39–46; Seul St. «Großer Friedens-
stifter» – «Befreiung des russischen Judentums» –«Bewusstes Walten Gottes». S. 139–143; Zimmermann M.
Die Kriegsbegeisterung der deutschen Zionisten // Brittnacher H. R., Lühe I. v. d. (Hrsg.). Kriegstaumel und Pazi-
fismus. S. 333–349; Ullrich A. Von «jüdischem Optimismus» und «unausbleiblicher Enttäuschung». S. 13–23.

534
Воздействие трансформаций 1917–1918 гг. на образ России в еврейских газетах Германии и Австрии

начале войны лишь на первых порах. Так, всем трем течениям была свойственна сакрализа-
ция войны. В этом отношении приверженцы иудаизма не отличались от других конфессий31.
Писательница Маргарете Марасс32 опубликовала в сентябре 1914 г. в «Альгемайне Цайтунг
дес Юдентумс» одну из своих статей под заголовком «Священная война»33, где в первых
строках говорилось: «В этот момент национального подъема, счастливые, с сияющими гла-
зами, под знамена поспешили все те, кто исповедуют иудейскую религию в немецком отече-
стве». Основу текста составляло сравнение современного положения Центральных держав
с осадой Иерусалима в 70 году, при этом для наглядности приводилось множество цитат из
Иосифа Флавия. Автор завершала статью так: «Приди же, смерть за Отечество! Этот при-
зыв раздается сегодня на востоке и западе нашей немецкой Родины, как однажды эти слова
звучали у горы Сионской и храма Соломона». Наряду с этой генеральной легитимацией во-
йны, в случае с тематизацией врага особый фокус был сосредоточен на России. Победа над
Россией связывалась со специфическими ожиданиями, как свидетельствует статья учителя
из Страсбурга Артура Вайля34, опубликованная в той же самой газете. В ней царствование
Николая II описывается как «одна из самых трагических страстей израэливых» и потому
исход войны связывается со следующей надеждой: «Немецкие войска стоят на русской гра-
нице. Пусть же вместе с ними в темное русское царство придут закон и свет, чтобы шесть
миллионов несчастных евреев наконец-то получили то, в чем им отказывалось столетиями
– права человека!»35.
Характерное, религиозно окрашенное, уничижение России, в сочетании с надеждой на
«освобождение» евреев в Восточной Европе, было свойственно также для других авторов,
например, когда ситуация с Центральными державами характеризовалась как «библейская
драма Четвертного союза», а их противники – как «враги Бога, ненавистники справедли-
вости, правды и благородного человечества»36. Это было присуще всем газетам, представ-
лявшим основные направления еврейства, с одной небольшой разницей: ортодоксальные
и сионистские издания меньше заботились о выборе слов, чем либеральные. В особенно-
сти критика была направлена на персону правящего монарха из династии Романовых и
его окружение. Он считался истинным виновником покушения в Сараево, так как якобы

31 Verhey J. Der «Geist von 1914» und die Erfindung der Volksgemeinschaft. Hamburg, 2000.
32 К вопросу о позиции представительниц еврейских женских организаций в начале войны см.: Steer M. Wir
wollen sein ein einig Volk von Schwestern, vor keiner Not uns fürchten und Gefahr! Der Jüdische Frauenbund im
Ersten Weltkrieg // Geschlecht, Religion und Engagement: Die jüdischen Frauenbewegungen im deutschspra-
chigen Raum: 19. und frühes 20. Jahrhundert / E. Saurer, M. Grandner (Hrsg.). Wien u. a., 2005. S. 103–121,
в особ. S. 109–110. Короткий биографический очерк, посвященный Маргарете Марасс, см.: Pringsheim-
Dohm H. Tagebücher. Bd. 4: 1905–1910 / Cristina Herbst (Hrsg.). Göttingen, 2015. S. 799.
33 Marasse M. Der Heilige Krieg // AZJ. 4. Sept. 1914.
34 Biographisches Handbuch der Rabbiner. Teil 2: Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871–1945 / M. Brocke, Ju.
Carlebach, C. Wilke, K. N. Jansen (Hrsg.). München, 2009. S. 633–634.
35 Weil A. Die Juden Rußlands unter Nikolaus II. // AZJ. 4. Sept. 1914.
36 Leimdörfer D. Biblisches Drama eines Vierverbandes. Kriegsbetrachtung // AZJ. 2. Juli 1915. О Ляймдорфе см.:
Brocke M., Carlebach Ju., Wilke C., Jansen K. N. (Hrsg.). Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871–1945. S. 372–
375. По поводу представлений об «освободительной войне на Востоке» см.: Panter S. Jüdische Erfahrungen
und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg. S. 46–53.

535
Тобиас Хиршмюллер

захотел за счет войны отвлечь внимание народа от внутриполитических проблем37. В «Д-р


Блохс Остеррайхише Вохеншрифт» (Dr. Bloch’s Oesterreichische Wochenschrift, BOW), со
ссылкой на сообщения еврейских беженцев из Галиции, Николая II связывали с эксцессами
так называемой «черной сотни», русской правоэкстремистской террористической группы.
В данной статье речь шла о «проклятом царе, почетном председателе банды убийц». Автор
пророчествовал: «Если миром правит Бог справедливости, кровь тысяч и сотен тысяч ев-
рейских мучеников будет отомщена»38.
Бросается в глаза, что многие еврейские газеты были согласны в том, что окончание войны не-
возможно, если у власти в России останется правящий монарх и будет сохранена сама форма
правления. Таким образом, элиминация царизма трактовалась как обязательное условие мира.
В том числе выражались надежды на восстание крестьян и сопротивление деспотии внутри
России39. Предрекаемое падение Николая II рассматривалось в религиозном контексте. Так,
заголовок одной из статей в «Юдише Корреспонденц» в 1915 г. гласил «Царь-беглец». Ее
автор подшучивал здесь над неминуемым бегством русского царя в страхе перед немецкими
цеппелинами, и оценивал все это со ссылкой на десять казней египетских как «знак Божий»,
который вскоре своей «божественной дланью» уготовит деспоту и его приспешникам ги-
бель в Чермном море40.
Наряду с персоной царя, еврейские газеты ополчились также против так называемого «мо-
сковитства» („Moskowitertum“)41. Под этим термином мог подразумеваться, согласно обще-
му немецкому словоупотреблению, верхний слой русского общества, как дворянство (или
только придворные), так и благосостоятельные буржуа и высшие военные чины. Не только
сионисты описывали этим ключевым словом персональную группу, считавшуюся причиной
всех несчастий русских евреев, мощь которой должна быть сломлена в результате мировой
войны. Например, газета «Юдише Рундшау» писала: «Мы, немецкие сионисты, с воодушев-
лением включились в эту борьбу, не только потому, что этого требует наш гражданский долг,
но и потому, что мы, сионисты, глубочайше заинтересованы в том, чтобы сохранились немец-
кая порода и немецкая суть. А еще потому, что эта борьба ведется против нашего смертель-
ного врага, московитства». Одновременно автор заявлял: «Однако тот, кто думает, что наш
государственный патриотизм перечеркнул наш еврейский национализм, тот заблуждается и
демонстрирует, что никогда не понимал, что творится в наших сердцах, жаждущих свободы
и цельности, что никогда не был в состоянии постичь, почему мы стали собственно сиони-
стами. Сразу же после войны, с новым рвением и все еще пылающей страстью, мы вступим в
борьбу за осуществление нашей еврейской мечты. После того, как мы прольем кровь за суще-
ствование и величие немецкого народа, мы будем лучше понимать, как нам принести жертву

37 Kaiser Franz Josef und der Zar // DW. 30. Okt. 1914. Об изображении России в прессе как зачинщицы
мировой войны см.: Tobias J. G., Schlichting N. «…nichts als hingebungsvolle Liebe zum so schwerbedrohten
Deutschtume». S. 34.
38 Der Zar an die Juden. «Erinnerungen an die Wohltaten» // BOW. 14. Aug. 1914.
39 Kaiser Franz Josef und der Zar // DW. 30. Okt. 1914; Der Weltkrieg und die Judenfrage // JV. 4. Juni 1915; Min-
isterpräsident Chwostow // JK. 4. Nov. 1915.
40 Der Zar als Flüchtling // JK. 26. Aug. 1915.
41 Koenen G. Der Rußland-Komplex: Die Deutschen und der Osten 1900–1945. München, 2005. S. 52.

536
Воздействие трансформаций 1917–1918 гг. на образ России в еврейских газетах Германии и Австрии

на алтарь чести и свободы народа еврейского»42. В прессе ортодоксального еврейства, равно


как и в сионистской прессе, также практиковалось уничижение России, выходившее за рамки
критики в адрес высших слоев русского общества. Такие формулировки как «русское вар-
варство», «дикие бестии», «хищные звери», «львы», «тигры», «гиены» и «волки», про-
тив которых необходимо бороться ради «спасения европейской культуры», адресовались не
только военнослужащим Русской армии, которых обычно скопом называли «казаками», но и
в целом Российской империи и ее населению43.
Такая форма газетных сообщений сохранялась в течение первых двух с половиной военных
лет. Наряду с досадным освещением темы «следов русского вторжения»44 как последствия
временной оккупации немецких и австро-венгерских областей царскими войсками, газеты
единодушно писали про все ухудшающееся положение евреев в России45. По версии газет, ев-
рейское население оккупированной Галиции подозревалось русскими в шпионаже в пользу
Австро-Венгрии46. Русские якобы обвиняли солдат-евреев в российской армии в своем пора-
жении в Восточной Пруссии, их детям запрещалось ходить в школу, а евреям, проживавшим в
«черте оседлости» – покидать район военных действий. И все же сведения источников о си-
туации на Востоке оставались рутинно однообразными: «Из Копенгагена сообщают: соглас-
но надежным личным сведениям, в Бессарабии и на территории Русской Польши начались
еврейские погромы»47. Наряду с погромами, «этим истинно русским изобретением истинно
русских людей»48, газеты все снова сообщали о депортациях групп еврейского населения и
отказах евреев выполнять продовольственную повинность49, вплоть до публикации под заго-
ловком «Сожгут еврея»50.
Сообщения о предполагаемом улучшении положения евреев неизменно опровергались и
характеризовались как пропаганда51. «Теперь даже погромщики целуют свитки Торы» – с
негодованием писала по этому поводу «Юдише Цайтунг» ( Jüdische Zeitung, JZ)52. При этом
газеты все снова и снова выражали свое недовольство тем, что в особенности американская
пресса якобы некритически заимствовала русские описания улучшения положения евреев53.
Напротив, продвижение войск Центральных держав расценивалось как «освобождение», и
еврейская периодика выражала по этому поводу надежду, что при новых властях, особенно в

42 Nationale Gedanken. Von einem jungen Zionisten // JR. 16. Okt. 1914.
43 Напр.: Für Gott und Recht! // FIF. 7. Aug. 1914; Lewin M. Ein Ausblick // JP. 4. Sept. 1914; Der Weltkrieg und
die Judenfrage // JV. 4. Juni 1915; Die russischen Greultaten im Weltkriege und die Folgen // JV. 18. Juni 1915.
44 Die Spuren der russischen Invasion // DW. 16. Apr. 1915.
45 Aram K. Rußland und die Juden // JZ. 31. Juli 1914; Die Erhebung der Kriegsschäden in Galizien // JK.
9. Sept.1915.
46 Die «lieben Juden» des Zaren // JK. 23. Dez. 1915.
47 Momentbilder aus Rußland // JR. 16. Okt. 1914.
48 Die «lieben Juden» des Zaren // JK. 23. Dez. 1915.
49 Aram K. Rußland und die Juden; Das Juden-Elend in Warschau // FIF. 7. Aug. 1914; Denkmal russischer Schan-
de // JK. 26. Aug. 1915; Rußland als Wohltäter der Juden // JP. 4. Sept. 1914; Die lieben Juden des Zaren // JK.
9. Sept. 1915; Die «lieben Juden» des Zaren // JK. 4. Nov. 1915.
50 Tut nichts, der Jude wird verbrannt // DW. 26. März. 1915.
51 Wozu die lieben Juden des Zaren gut sind // JK. 15. Okt. 1915.
52 Rußland und seine Juden // JZ. 30. Okt. 1914.
53 Die Lügen des Zaren // BOW. 23. Okt. 1914.

537
Тобиас Хиршмюллер

бывшей русской Польше, будет достигнуто взаимопонимание между евреями и верующими


других конфессий54.
После успешных наступлений на фронте представители отдельных течений еврейства
открыто требовали в прессе, установить контакт с польскими евреями, которые находятся те-
перь под контролем Центральных держав, чтобы в конечном итоге приобрести влияние среди
еврейского населения55. Хотя и сдержанно, тем не менее также велась дискуссия о том, каким
образом Германский рейх и Дунайская монархия могут на длительное время гарантировать
столь ожидаемую безопасность положения евреев на Востоке.
Весьма показательный комментарий по этому поводу принадлежит перу Карлэрнста Донне-
ра. Он был опубликован в конце 1914 г., то есть еще до оккупации русских областей войсками
Центральных держав. Вначале читателям предлагается сравнить «немецкоговорящих евреев
с их русскими соседями, которые живут в одних и тех же условиях в одном и том же месте. Лю-
бой объективный наблюдатель должен признать, что евреи, помимо всего прочего, гораздо
более симпатичны. Образованные евреи, которые все хорошо говорят по-немецки, вообще
формируют русскую интеллигенцию». Наряду с этим представлением о превосходстве ев-
реев над остальным населением здесь также выражается притязание на то, что евреи могут
послужить носителями немецкой культуры. В следующем предложении автор пишет об этом
еще более четко: «Именно евреи станут там, где пройдут немцы, неоценимой опорой для
немецкого духа. Теперь, спустя шесть столетий, наши войска обнаруживают на только что за-
воеванных землях немцев, к тому же еще консервативных»56. Это высказывание прозвучало
одиноким голосом, который не выражал большинство мнений ни в одном из движений ев-
рейства. Но даже если здесь не выдвигалось требование непосредственной территориальной
экспансии, все равно авторская мысль выходила за рамки представления о роли Германии как
«силы порядка», об этом сделал вывод еще Мартин Клинкенберг, когда писал о Карлэрнсте
Доннере57. Здесь пропагандируется идея, согласно которой «русские» евреи благодаря их

54 Die jüdisch-polnische Frage. Ein Mahnwort an Juden und Polen // JK. 11. Nov. 1915.
55 Beziehungen zu den Juden Russisch-Polens // JK. 26. Aug. 1915.
56 Donner C. Die russischen Juden als Pioniere des Deutschtums im Osten // IdR. 1914. H. 10–12. S. 381–382. По
поводу этой концепции см. также: Wirtz M. «So sind wir vielleicht doch als Juden in den Krieg gezogen». Die
Deutung des Ersten Weltkrieges in den Zeitschriften deutsch-jüdischer Studentenverbindungen // Integration
und Ausgrenzung: Studien zur deutsch-jüdischen Literatur- und Kulturgeschichte von der Frühen Neuzeit bis
zur Gegenwart: Festschrift für Hans Otto Horch zum 65. Geburtstag / M. H. Gelber (Hrsg.). Tübingen, 2009.
S. 231–242, в особ. S. 240.
57 Klinkenberg M. Zwischen Liberalismus und Nationalismus. Im Zweiten Kaiserreich (1870–1918) // Monumenta
Judaica: 2000 Jahre Geschichte und Kultur der Juden am Rhein: Eine Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum
15. Oktober 1963 – 15. März 1964. Bd. 1: Handbuch / K. Schilling (Hrsg.). Köln, 1964. S. 309–384, здесь S. 359.
О восприятии «идиша» как «немецкого диалекта» см.: Loentz E. «Das Jüdisch-Deutsche ist doch auch ein
Reis vom Stamme unserer Muttersprache». Joseph Wohlgemuths Verteidigung der jiddischen Sprache um die
Zeit des Ersten Weltkriegs // Konzeption Osteuropa: Der «Osten» als Konstrukt der Fremd- und Eigenbestim-
mung in deutschsprachigen Texten des 19. und 20. Jahrhunderts / D. Lorenz, I. Spörk (Hrsg.). Würzburg, 2011.
S. 177–198; Kremer A. Deutsche Juden – deutsche Sprache: Jüdische und judenfeindliche Sprachkonzepte und
-konflikte 1893−1933. Berlin u. a., 2007. Также следует упомянуть: Grill T. Der Westen im Osten: Deutsches
Judentum und jüdische Bildungsreform in Osteuropa (1783–1939). Göttingen, 2013. S. 302–303.

538
Воздействие трансформаций 1917–1918 гг. на образ России в еврейских газетах Германии и Австрии

духовному развитию и языку могут в качестве немцев стать столпами будущего владычества
Германии в Восточной Европе, какую бы форму оно не приняло.

3. События 1917 года


При рассмотрении освещения в немецкоязычной еврейской периодике преобразований
1917 г. в России, следует предварительно отметить, что если в статьях речь идет о «русской
революции», то все три течения подразумевали февральские события. Такие понятия как
«Февральская революция» и «Октябрьская революция» еще не использовались в газетах,
равно как цезура октября 1917 г. воспринималась тогда как важное событие, но не как рево-
люция. Как решающее событие, которое определит дальнейший ход войны, в либеральных,
ортодоксальных, а также в сионистских изданиях трактовалось свержение царизма и приход
к власти Временного правительства. Либеральная «Альгемайне Цайтунг дес Юдентумс»
писала 23 марта 1917 г.: «На первом плане событий стоит русская революция». Однако
ее последствия было трудно предсказать из-за нехватки достоверной информации: «Пока
нельзя сказать с уверенностью, что следует думать об этой революции». В частности, в цен-
тре внимания газеты конечно же снова оказались последствия революции для положения
единоверцев в Восточной Европе: «Сейчас можно только предполагать, что захват тюрем
и освобождение томящихся в них заключенных принесло свободу также многим евреям».
Поскольку «политические взгляды многих министров Временного правительства обозна-
чались как либеральные», редакция газеты не исключала, что «те большие изменения, кото-
рые происходят во внутреннем устройстве царской империи, будут судьбоносными также
для наших несчастных братьев по вере»58.
В течение следующих недель у редакции «Альгемайне Цайтунг дес Юдентумс» все еще не
сложилось ясного представления о ситуации в России, в результате содержание публика-
ций резко варьировалось59. С одной стороны, сообщалось, что «новые власти» объявили
«едва ли не с большей решимостью, чем прежние, о своем намерении вести войну против
Германии не на жизнь, а на смерть»60. С другой стороны, редакция считала, что у нее есть
все основания полагать, что «предстоит кардинальное изменение в жизни евреев». Все это
демонстрирует амбивалентность в оценке событий; сначала подчеркивалось, что в своем
немецком качестве евреи «никогда не были врагами России, только врагами царизма и не-
выносимых внутренних условий огромной империи»61. Информация об участии еврейских
студентов в революционных выступлениях под лозунгом самоопределения приветствова-
лась62, однако, когда стали приходить сведения о возобновлении погромов63, а также посту-
пили сообщения «Таймс», обвиняющие евреев в подстрекательстве к революции, «Аль-

58 Die Woche // AZJ. 23. März 1917.


59 Die Woche // AZJ. 30. März 1917; 18. Mai 1917; 8. Juni 1917.
60 Die Woche // AZJ. 6. Apr. 1917.
61 Die Woche // AZJ. 13. Apr. 1917.
62 Die Woche // AZJ. 4. Mai 1917.
63 Die Woche // AZJ. 27. Apr. 1917.

539
Тобиас Хиршмюллер

гемайне Цайтунг дес Юдентумс» стала отрицать ведущую роль еврейского населения в
революционных событиях на Востоке64.
Редакция также придерживалась точки зрения, согласно которой у евреев могли быть про-
блемы из-за того, что Лев Троцкий, глава русской делегации на переговорах с Центральны-
ми державами в Брест-Литовске, был евреем65. Последствия этого в виде «приписывания
вины» грозили якобы коснуться евреев как в России, так и в государствах, входивших в
блок Центральных держав. Так можно объяснить оправдательные заметки, согласно кото-
рым еврейские беженцы якобы возвращались в Россию, чтобы там бороться за немецкие
интересы66. «Альгемайне Цайтунг дес Юдентумс» также была солидарна в том, что улуч-
шение положения евреев на оккупированных Центральными державами территориях ста-
ло возможным лишь благодаря немецкому Верховному главнокомандованию: «С момента
победоносного похода Гинденбурга летом 1915 г. во многих русских городах пали решетки,
за которыми русские евреи вели жалкое существование в удушающей атмосфере чрезвычай-
ных законов». Только теперь в Европе появились условия для свободного развития еврей-
ской культурной жизни67.
Обращает на себя внимание то, что «Альгемайне Цайтунг дес Юдентумс» акцентировала
свое внимание на двух событиях, случившихся осенью 1917 г.: «Два крайне важных собы-
тия вызвали наибольший интерес в течение этой недели: они тем более достойны упомина-
ния, поскольку могут иметь большое значение для положения евреев. Первое событие – это
переворот в России, второе – разрешение внутриполитического кризиса в Германии»68.
В этой публикации октябрьский переворот в России обсуждался в контексте назначения
рейхсканцлером Георгом фон Гертлингом члена Национально-либеральной партии Роберта
Фридберга на пост заместителя министра-президента Пруссии, а также члена Прогрессив-
ной народной партии Фридриха фон Пайера – на должность вице-канцлера69. Эти назначе-
ния характеризовались как «значительная победа парламентаризма».
Газета считала, что следствия «победы максималистов под предводительством Ленина»
еще пока рано оценивать, так как «нельзя быть уверенным в том, что этот переворот, слу-
чившийся в Петербурге, охватит остальную страну, равно как ничего не известно, сколько
времени ему суждено: если заговорщики удержатся у власти, то это будет событие почти
такой же важности, как свержение царя». В любом случае полная внутренняя перестрой-
ка России с одновременным намерением, заключить демократический мир, являлись, по

64 Die Woche // AZJ. 11. Mai 1917.


65 Die Woche // AZJ. 21. Dez. 1917. К вопросу о представлениях о якобы еврейском большевизме см.: Herbeck U.
Das Feindbild vom «jüdischen Bolschewiken»: Zur Geschichte des russischen Antisemitismus vor und während
der Russischen Revolution. Berlin, 2009.
66 Die Woche // AZJ. 1. Juni 1917.
67 Bettauer F. Das Getto von Wilna // AZJ. 7. Dez. 1917.
68 Die Woche // AZJ. 16. Nov. 1917.
69 Born E. Preußen im deutschen Kaiserreich 1871–1918. Führungsmacht des Reiches und Aufgehen im Reich //
Handbuch der preußischen Geschichte. 3 Bde. Bd. 3: Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen
der Geschichte Preußens / W. Neugebauer (Hrsg.). Berlin u. a., 2001. S. 15–148, здесь S. 138.

540
Воздействие трансформаций 1917–1918 гг. на образ России в еврейских газетах Германии и Австрии

мнению газеты, «основой для скорейшего завершения войны на Востоке»70. В редакции


царило согласие по вопросу о том, что после переворота «следует очень серьезно […] от-
нестись к предложению со стороны России о немедленном перемирии и начале мирных
переговоров»71. Газетчики верили в серьезность разрыва новых правителей со странами
Антанты72. Однако в редакции «Альгемайне Цайтунг дес Юдентумс» не сложилось четкой
позиции по поводу того, как должны быть выстроены геополитические отношения в случае
немецкой победы. Издатель Людвиг Гайгер надеялся, с одной стороны, на защиту евреев со
стороны Германии, с другой стороны, он дистанцировался от пангерманских требований,
согласно которым «Германии должны были принадлежать солидные части завоеванных в
России земель»73.
Похожая картина рисовалась на страницах других либеральных еврейских газет, даже в «Ди
Вархайт» выражалась надежда на то, что после того, как евреи будут уравнены в правах в
областях, подчиненных Верховному командованию всеми германскими вооруженными си-
лами на Востоке74, то же самое последует в оставшихся частях России в результате принятия
эдикта об эмансипации75. Параллельно сообщалось, что казачьи офицеры обвиняют евреев
в развязывании революции, что вызывало серьезные страхи также в среде евреев Централь-
ных держав76. Редакторы германских и, в большей степени, австро-венгерских еврейских га-
зет были вынуждены опровергать обвинения в адрес евреев в подрыве тыла, как и отклонять
упреки «демагогической христианско-социальной прессы всех стран», под которой, как
правило, подразумевалась газета «Райхспост»77. Также и здесь еврейские газеты усматрива-
ли параллели между развитием событий в России и в странах Четвертного союза, например,
ссылаясь на близость по времени падения царизма и «усиления демократии» в Германии
в результате пасхального обращения Вильгельма II78. И хотя «Ди Вархайт» характеризо-
вала союзников как громадное «общество хищников», тем не менее она указывала на то,
что мир все еще не заключен лишь потому, что обе стороны имеют «поджигателей войны
и энтузиастов борьбы». Газета предостерегала по поводу надежд, разбуженных в 1914 г., и
критиковала военных центральных держав, которые обращаются с евреями в оккупирован-
ной русской Польше «по русским законам, так как этого требует “Гаагская конвенция”».
При этом газета задавалась вопросом: «Разве австрийская армия не сражается за то, чтобы
освободить угнетенные народы из-под царского ярма?»79

70 Die Woche // AZJ. 16. Nov.1917.


71 Die Woche // AZJ. 7. Dez.1917.
72 Die Woche // AZJ. 14. Dez. 1917.
73 Holzhausen H.-D. Ludwig Geiger (1848–1919) – ein Beitrag über sein Leben und sein Werk unter dem Aspekt
seiner Bibliothek und weiterer Archivalien // Menora. Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte. 1991. S. 245–
269. Указание на новый порядок отношений в Восточной Европе приводится также здесь: Adler-Rudel S.
Ostjuden in Deutschland 1880–1940. S. 49. К вопросу об отрицании аннексий см. также: Becker W. Die Rolle
der liberalen Presse. S. 79.
74 Nationale Gleichstellung der Juden in Ober-Ost // DW. 13. Juli 1917.
75 Das Emanzipationsedikt in Rußland // DW. 18. Mai 1917.
76 Judenpogrome in Rußland // DW. 1. Juni 1917.
77 Die russische Revolution und die «Reichspost» // Wiener Sonn- und Montagszeitung. 30. Apr. 1917.
78 R. L. Kriegs- und Friedensaussichten // DW. 20. Apr. 1917.
79 R. L. Widerstände gegen Frieden und Recht // DW. 29. Juni 1917.

541
Тобиас Хиршмюллер

Ортодоксальные еврейские газеты аналогично восприняли «мене, текел, фарес» для царя
в марте 1917 г. в качестве важной цезуры как для войны в целом, так и для братьев по вере в
частности80. Также и здесь подчеркивалось, что заслуга в том, что Россия возможно переста-
нет быть «полу-варварской страной», принадлежит «победоносному воинству Централь-
ных держав, гениальному военному руководству Гетцендорфа и Гинденбурга»81. Вывод
гласил: «Без преувеличения можно утверждать: без Горлицкой операции едва ли бы слу-
чилась революция в России». Это была ссылка на успешный прорыв Центральных держав
на фронте за два года до революции. В то время как «Юдише Корреспонденц» критически
отнеслась к революции и продолжала придерживаться этой линии82, «Д-р Блохс Остер-
райхише Вохеншрифт» эйфорически приветствовала события марта 1917 г. как «нечто чу-
десное», как «эманацию вечной справедливости»83. И хотя по причине заставившего себя
ждать улучшения положения евреев в России газета вначале заявляла о новом республи-
канском правительстве как о «блаженных наследниках фараона»84, уже скоро появились
единодушные заметки об оживлении культурных еврейских традиций, доступности офи-
церской карьеры для евреев85, первом еврее-градоначальнике в Петрограде86 и российском
эдикте об эмансипации87. «Д-р Блохс Остеррайхише Вохеншрифт» также было известно,
что противники революции возлагают на евреев вину за голод и продолжение войны88. В от-
вет на это газета указывала, что евреи в России заинтересованы в консолидации общества89.
Кроме того, редакция сообщала о дискриминации русских евреев в Англии вследствие ре-
волюции90. Большие надежды газета возлагала после ноября 1917 г. на новое руководство
России: «Ленин и Троцкий являются друзьями Австрии, они годами здесь жили. Им очень
хорошо знакомы характер и сущность венских антисемитов, они знают им цену»91. Напро-
тив, «Юдише Корреспонденц» в первую очередь опасалась того, что русские евреи снова
обречены на еще большие страдания, так как события ноября 1917 г. вновь неминуемо при-
ведут к беспорядкам92.
Газеты сионистского толка также распознали потенциал, который несли в себе трансфор-
мации весны 1917 г. для русских евреев93. И хотя сионистам не удалось дать какую-либо

80 «Mene-Tekel» in Petersburg // JK. 18. März 1917.


81 Der abgesetzte Zar // JK. 22. März 1917.
82 Там же; Friedens- und Judenfragen in Rußland // JK. 18. April 1917; Die Juden in Rußland // Там же.
83 Völkermörders schmählich Ende // BOW. 23. März 1917.
84 Pharao’s selige Erben. (Zum Pessachfest 5677–1917) // BOW. 6. Apr. 1917.
85 Die Befreiung der russischen Juden // BOW. 20. Apr. 1917; Die Emanzipation der russischen Juden // BOW.
18. Mai 1917.
86 Der erste jüdische Gradonatschalnik in Petersburg // BOW. 18. Mai 1917.
87 Das Emanzipationsedikt in Rußland // BOW. 4. Mai 1917.
88 Die Juden und die Revolution // BOW. 27. Apr. 1917. Аналогичным образом в JK: Antisemitische Ausschrei-
tungen in Rußland // JK. 8. Nov. 1917.
89 Der Antisemitismus in Rußland. Wessen man die Juden beschuldigt // BOW. 23. Nov. 1917.
90 Die Dienstpflicht der russischen Juden in England // BOW. 27. Apr. 1917.
91 Ein Jüdischer Staatsmann als Friedensbringer // BOW. 14. Dez. 1917.
92 Die neuen Umwälzungen in Rußland // JK. 15. Nov. 1917. О разрыве «гражданского мира» в прессе см.:
Panter S. Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg. S. 101–115.
93 Die Revolution in Rußland // FIF. 23. März 1917; Ketten fallen // JR. 23. März 1917.

542
Воздействие трансформаций 1917–1918 гг. на образ России в еврейских газетах Германии и Австрии

определенную оценку ситуации94, их газеты, как либеральная и ортодоксальная пресса, ука-


зывали на начавшиеся процессы правовой эмансипации русских евреев95, а также на опас-
ности, возникавшие вследствие все еще имевшегося в России антисемитизма и связанных
с ним обвинений в адрес евреев96. Сионисты также осознавали, что новые права евреев
на Востоке окажут свое воздействие на положение евреев в Германии и Австро-Венгрии:
«Развитие ситуации в России является болезненным ударом по реакционным элементам
Австро-Венгрии, которые в политическом отношении стоят далеко позади негритянских
племен Африки»97.
И все же сионистские газеты отличались в двух отношениях. Вначале они много писали о
вкладе сионистов в русские события и, в особенности, в дело «освобождения» тамошних
евреев98. Иехиэль Вольфович Членов, один из ведущих русских сионистов, сообщал, что
«евреи испытывают полное доверие к заявлениям нового правительства»99. По его словам,
«было открыто сионистское информационное бюро», задачей которого являлась «орга-
низация еврейской молодежи с тем, чтобы предоставить ее в распоряжение революции»100.
В «Воззвании Центрального комитета сионистских организаций России» говорилось:
«Объединяйтесь в сплоченные ряды, поддерживая новую Россию в ее освободительной
работе, еврейство призывает к укреплению и слиянию своих национальных сил, к органи-
зации нации»101. При этом становилось все более очевидным: у сионистов появилась наде-
жда на то, что развитие событий в России позволит привлечь местных евреев к эмиграции в
Палестину102. Фредерик Бёк уже в марте 1917 г. писал в «Юдише Цайтунг» о том, что «не-
мецкое оружие освободило из-под русского гнета пару миллионов восточных евреев, тем
самым обнажив еврейскую проблему во всей ее широте и глубине». При этом он добавлял:
«Все восточные евреи когда-то были немецкими евреями»103.

94 Pessach // FIF. 4. Apr. 1917.


95 Die ersten Früchte der Judenemanzipation in Rußland // JR. 30. März 1917; Die Kongreßdebatte in Rußland
// JR. 30. März 1917; Aus Rußland // JR. 30. März 1917; Rußland. Die Umwälzung // FIF. 20. Apr. 1917; Die
Durchführung der jüdischen Gleichberechtigung in Rußland // JR. 20. Apr. 1917; Die Beförderung russischer
Juden zu Offizieren // JR. 20. Apr. 1917; Das Emanzipationsedikt in Rußland // JR. 27. Apr. 1917; Die Verkün-
digung der Emanzipation // JR. 27. Apr. 1917; Die erneuerte jüdische Presse in Rußland // JR. 4. Mai 1917; Das
Erwachen der zionistischen Tätigkeit in Rußland // JR. 11. Mai 1917; Von den jüdisch-sozialistischen Parteien
in Rußland // JR. 15. Juni 1917.
96 Die Ereignisse in Russland // JZ. 30. März 1917; Die russischen Juden in der Revolution // FIF. 20. Apr. 1917;
Die zunehmenden judenfeindlichen Ausschreitungen in Rußland // JR. 2. Nov. 1917; Zu den judenfeindlichen
Exzessen in Rußland // JR. 7. Dez. 1917.
97 Von der Woche // JZ. 20. Apr. 1917.
98 Zionisten in Rußland // JZ. 13. Apr. 1917; Bericht aus Rußland // FIF. 27. Apr. 1917; Kundgebung des zionis-
tischen Aktionskomitees zur Befreiung der russischen Juden // JZ. 4. Mai 1917.
99 Nach der Revolution in Rußland // JR. 6. Apr. 1917.
100 Aus den Tagen der Revolution // JR. 20. Apr. 1917.
101 Der Aufruf des Zentralkomitees der zionistischen Organisation in Rußland. An die Zionisten! // JR. 20. Apr. 1917.
102 Von den „Poale-Zion“ in Rußland // JR. 2. Nov. 1917; Konferenz der jüdischen Kolonisten in Rußland // JR.
7. Dez. 1917.
103 Böök F. Die Zukunft der Ostjuden // JZ. 23. März 1917.

543
Тобиас Хиршмюллер

Еще одной особенностью сионистов были доминирующие опасения ассимиляции русских


евреев и утраты ими культурной самобытности104. Так, «Франкфуртер израэлитишес Фами-
лиенблат» (Frankfurter israelitisches Familienblatt, FIF) писала о том, что русификация «все
еще повсеместно является лозунгом либералов, когда речь заходит о евреях». При этом но-
вая опасность для русских евреев усматривалась в том, что «славянин в первую очередь
человек эмоциональный, открытый, щедрый и добродушный. Для соседей такого народа,
в условиях политического и гражданского равенства, существует опасность раствориться
в нем. В случае эмансипации исчезает не только защита общих гетто, не только опыт общей
нужды, но и самозащита компактной массы». Решение проблемы, по мнению сионистов,
заключалось в следующем: «ангелом-хранителем, защитой от предстоящей опасности асси-
миляции является национальная школа»105. Аналогичным образом выразился на страницах
«Юдише Рундшау» Фриц Левенштейн. Для него «к радости немецких евреев по поводу
равноправия их русских братьев» примешивался «тревожный вопрос, не повторится ли
здесь в больших масштабах тот же самый процесс, который в малых масштабах стал след-
ствием эмансипации западных евреев». Автор призывал задуматься над тем, что «Правовое
равенство, предоставленное евреям [европейскими] народами, а также возможность, погру-
зиться в культуру и духовную работу окружающего мира, привели к тому, что сознательный
отказ от национальной самобытности стал доминирующей тенденцией в еврейской жизни.
Был усвоен язык окружающей среды, еврейская жизнь лишилась своих национальных форм
и содержания, а немецкие евреи превратились в граждан иудейского вероисповедания. Неу-
жели этим же путем предстоит пройти русскому еврейству?»106. «Нойе Юдише Монатсхе-
фте» также фокусировалась на том, что после освобождения евреев в России им предстоит
новая борьба: «Еврейский народ в России снаряжается для борьбы за новое будущее»107.

4. 1918: надежды последнего военного года


Образ России в еврейской прессе последнего года мировой войны исследуется здесь на
примере трех главных вопросов, которые находились в непосредственной связи с послед-
ствиями революции: 1) заключение мирных договоров между Центральными державами и
новыми властями на территории бывшей Российской империи, 2) убийство Николая II и 3)
положение евреев на бывших русских территориях.
Характеризуя газету «Ди Вархайт», Беате Вунш с полным правом указывала на милитари-
стский образ мыслей и обусловленное им невнимание к «дипломатии», а также нападки
на царя108. Но при этом нельзя упускать из виду, что либеральная еврейская газета была од-
ной из немногих изученных здесь газет, на страницах которой провозглашалась несомнен-
но умеренная позиция в ходе мирных переговоров. В отношении «дипломатии Четверт-

104 По данному вопросу см. в особ.: Beiss M. Das Frankfurter Israelitische Familienblatt als Spiegel der Zeit von
1902 bis 1919. S. 385–392. См. также: Herzog A. Zum Bild des „Ostjudentums“ in der „westjüdischen“ Publizis-
tik der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. S. 26–49.
105 Die russische Revolution und die Zukunft der Juden // FIF. 11. Mai 1917.
106 Löwenstein F. Zur Emanzipation der russischen Juden // JR. 4. Mai 1917.
107 Bergmann L. Die Emanzipation der Juden in Rußland // NJM. 10/25. Mai 1917.
108 Wunsch B. Drei Stimmen im Weltkrieg. S. 127–135.

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Воздействие трансформаций 1917–1918 гг. на образ России в еврейских газетах Германии и Австрии

ного союза», как авторы называли Центральные державы, газета задавалась следующим
вопросом: «Понимают ли наши дипломаты, что они выставляю в дурном свете русских
правительственных деятелей, а вместе с ними и мирный договор, когда отказывают русской
стороне в любом моральном успехе?». Наряду с осознанием того, что новые властители
России, заявившие о своей готовности к миру с Центральными державами, нуждаются во
внешнеполитическом успехе, чтобы завоевать авторитет внутри страны, газета подчерки-
вала еще один аспект: «Если для Германии и Австрии мир будет означать восстановление
довоенного статус-кво, это будет большим достижением, которого так опасаются их про-
тивники. […] Великодушие при заключении мирного договора должно стать прерогати-
вой Четверного союза, тогда ужасная мировая война не оставит злобы в сердцах наций на
долгие годы, что, как показала текущая война, является источником будущих войн»109. Тем
самым, по мнению автора статьи, при заключении мира следует учесть этот важный пункт,
согласно которому возвращение к довоенному статус-кво лишь усилит моральный автори-
тет Центральных держав и минимизирует опасность ревизионистских устремлений и выте-
кающих из них конфликтов. После заключения Брест-Литовского мирного договора в марте
1918 г. газета выразила сожаление, что возможность подписания «компромиссного мира»
осталась нереализованной, однако вина за это возлагалась на западные державы. Как бы то
ни было, газета подводила итог следующим образом: «Худой мир лучше доброй ссоры»110.
В апреле 1918 г. газета писала по этому поводу: «Мировая война ни в коем случае не мо-
жет длиться еще несколько лет, и неважно, победит ли Германия своих противников полно-
стью и безоговорочно, или этого не случится». Это заявление показывает, что несмотря на
окончание войны на два фронта, усталость немецкого тыла зашла уже очень далеко. В газе-
те приветствовалось воскрешение польского государства из его «более чем столетней ле-
таргии», а также «освобождение» Литвы, Курляндии, Финляндии, Эстонии и Украины от
«национального изнасилования». Следуя этому примеру, и это была главная надежда после
заключения мира и собственно послание цитируемой статьи, теперь в Дунайской монархии
должно было наступить время лучшего обращения с евреями, ведь «ни одно государство не
может вынести неограниченной хищнической эксплуатации своих самых полезных и мно-
гочисленных граждан»111.
Также и в другой либеральной газете, «Альгемайне Цайтунг дес Юдентумс», в статье, опу-
бликованной 8 марта 1918 г. за подписью Симона Шербеля, центральное место занимало
страстное желание мира. То, что этот мир вообще стал возможен лишь в результате пере-
ворота, должно было привести к «реабилитации революции», так как это понятие рассма-
тривалось в прошлом в уничижительном смысле112. Наряду с этим можно было прочитать,
что Ленин и Троцкий «удалились с политической сцены», так как «болезнь препятствует
отправлению их дальнейшей деятельности»113. Ключевая проблема заключалась здесь, как

109 R. L. Die schwere Friedensgeburt // DW. 25. Jan. 1918.


110 R. L. Die gegenwärtige Phase des Weltkrieges // DW. 22. März 1918.
111 R. L. Was können wir nach Kriegsschluß erhoffen? // DW. 19. Apr. 1918; R. L. Der Abbau des Weltkrieges //
DW. 31. Mai 1918. О политике Германии в годы Первой мировой войны и евреях Восточной Европы см.:
Zechlin E. Die deutsche Politik und die Juden im Ersten Weltkrieg. Göttingen, 1969. S. 101–284.
112 Scherbel S. Politische und wissenschaftliche Revolution // AZJ. 8. März 1918.
113 Die Woche // AZJ. 8. März 1918.

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Тобиас Хиршмюллер

и для других газет, в интенсивности информационного потока при его одновременной не-
ясности.
В сионистской «Юдише Рундшау», напротив, вначале говорилось так: «В ходе переговоров
в Брест-Литовске немецкие дипломаты безоговорочно настояли на своем». Одновременно
газета критиковала то, что «еврейский народ» «не принимал участия в этих переговорах»
и выражалась надежда, согласно которой немецкая политика добьётся долгосрочной «на-
циональной автономии» для евреев, в том числе в Польше и Литве114.
Самое большое воодушевление мирный договор встретил со стороны ортодоксальной
еврейской прессы. Здесь писалось, царь теперь должен признать, что вся работа его пред-
шественников уничтожена: «Царизм – это точка зрения, оставшаяся в прошлом, это уже
историческое понятие. Человечество перестало быть его заложником, и будущий историк
наверняка более почтительно, чем современник, отнесется к той освободительной работе,
которую проделали столь критикуемые Центральные державы». Таким образом, 3 марта
1918 г. следовало «выделить красным цветом в календаре мировой истории» как «празд-
ничный радостный день для народов и людей». Обращает на себя внимание вывод, кото-
рый газета сделала в отношении евреев: «На собственно русской территории, которая все
еще остается под властью Петербурга и Москвы, численность евреев вряд ли может быть
чрезмерной». Фокус здесь был направлен на роль евреев в новообразованных государствах:
«Остальные части [бывшей империи] в своем подавляющем большинстве населены так на-
зываемыми окраинными народами. Сегодня эти части превратились в независимые страны,
которые обзаводятся современным государственным устройством. Пусть все пойдет напе-
рекосяк в Петербурге и в Москве – большинство русских евреев теперь останется в безопас-
ности. Им больше не страшны ни царские казаки, ни “Красная гвардия” большевиков»115.
Согласно этой точке зрения, Россия получила по заслугам, когда ее границы были сведены
к собственно русской территории. К новым властителям России редакция относилась с та-
ким же недоверием, как и к царю.
Убийство Николая II было единодушно воспринято газетами всех течений еврейства с удов-
летворением. Как писала «Альгемайне Цайтунг дес Юдентумс», это был «презренный ко-
нец жизни, заслуживавшей всяческого проклятия». Смерть царя усиливала «уверенность»
в том, что Россия на продолжительное время выпала из рядов противников Германии116. В
ортодоксальной «Д-р Блохс Остеррайхише Вохеншрифт» убийство царя было узаконено
следующей библейской цитатой: «Ибо я Господь, Бог твой, Бог ревнитель, наказывающий
детей за вину отцов до третьего и четвертого рода ненавидящих Меня, И творящий милость
до тысячи родов любящим Меня и соблюдающим заповеди Мои». В конце концов, писала
газета, русские правители так и не осознали того, что евреи никогда не были «захватчика-
ми, которые вторглись в обширные славянские области», напротив, они относились «к их
древнейшим жителям». Вывод отсюда гласил: «Еврейский народ всегда переживал всех сво-

114 Brest-Litowsk und Bukarest // JR. 8. März 1918.


115 Rußland // JK. 7. März 1918.
116 Die Woche // AZJ. 26. Juli 1918.

546
Воздействие трансформаций 1917–1918 гг. на образ России в еврейских газетах Германии и Австрии

их врагов и гонителей»117. И хотя редакция призывала задуматься над тем, что «убийство
при любых обстоятельствах является осквернением культуры», она возлагала на Романо-
вых вину за то, что при них «человеческая жизнь никогда не ценилась как драгоценность»,
и в особенности Николай II «замарал свой трон еврейской кровью». Далее утверждалось,
что царь и с большевиками поступил бы соответствующим образом, если бы у него была
возможность сделать это118.
Остается еще осветить вопрос оценки положения евреев в России в первый постреволюци-
онный год. Здесь бросается в глаза, особенно что касается ортодоксальной и сионистской
печати, обращение к теме евреев среди новых российских правителей. Газеты обоих тече-
ний рассматривали это обстоятельство как опасность для единоверцев, причем не только в
Восточной Европе. В ортодоксальной «Ди юдише прессе» по этому поводу сначала говори-
лось: «тот факт, что среди членов русской делегации на мирных переговорах в Брест-Литов-
ске находятся в том числе евреи, и прежде всего то, что на втором этапе переговоров главой
делегации был еврей Троцкий-Бронштейн, дало повод для всевозможных комментариев в
прессе». При этом отмечалось, что вызывает понимание, когда евреи приветствуют про-
исходящее в России. И все же еврейские революционеры, утверждала газета, выступают
не столько в качестве евреев, сколько в качестве «представителей экстремальной ассими-
ляции». С беспокойством воспринимались требования типа «надо как-нибудь снова сжечь
еврея», а также легкомысленные «разговоры о разрушительном влиянии “паневрейства”,
этого конструкта в воображении фанатиков (которое, возможно, имеет место в качестве
наднационального принципа, свойственного в том числе христианству, но никогда не су-
ществовало как политическая организация или даже как особая духовная предрасположен-
ность еврейства) […]». И хотя революция имеет определенный «еврейский оттенок», пи-
сала газета, тем не менее она носит «всеобщий» характер119. Таким образом, в периодике
доминировали страхи того, что в результате развития событий положение евреев в Восточ-
ной Европе отнюдь не улучшится в первое время. Поэтому редакции все снова и снова пу-
бликовали статьи, в которых выражалась надежда, что Центральные державы в ходе перего-
воров с Украиной120, Румынией121 или Финляндией122 буду т также настаивать на улучшении
правового положения евреев. Помимо этого, задачей редакций оставалось противостояние
росту антисемитизма в блоке Центральных держав, вызванному трансформациями на Вос-
токе. Это осуществлялось, например, путем ссылок на экономические преимущества для
Австро-Венгрии как результат действий евреев на Украине123.
На страницах сионистских газет рисовалась самая тяжелая картина положения евреев в
России. Редакции раз за разом публиковали сообщения о новых погромах, несмотря на об-

117 Das Ende des russischen Weltreiches // BOW. 8. März 1918.


118 Der Untergang der Romanow // BOW. 26. Juli 1918.
119 David Fleischer: Die Bolschewiki // JP. 22. Feb. 1918.
120 Richard Weiß: Zum Frieden mit der Ukraine // JP. 22. Feb. 1918.
121 Richard Weiß: Bessarabien und Rumänien // JP. 1. März 1918; Die Juden in der Ukraine // JK. 18. Apr. 1918.
122 Richard Weiß: Die finnische Judenfrage // JP. 8. März 1918.
123 Oesterreich-Ungarn und die Juden in der Ukraine // JK. 25. Apr. 1918.

547
Тобиас Хиршмюллер

щее улучшение правовой ситуации124 или информацию об ущемлении прав евреев в ходе
выборов в Учредительное собрание125, чем объяснялась необходимость создание отрядов
еврейской самообороны в России126. Из статей невозможно было понять, кто же виноват –
марксисты или оппозиции – в том, что угрозам в адрес евреев не оказывалось противодей-
ствия127. Кроме того, также и сионистам казалось неопределенным положение евреев в го-
сударствах, отделившихся от России, например, в Финляндии128.
Журналист Майер Эбнер129 писал по этому поводу в «Юдише Цайтунг»: «Еврейство в
России держится и падет вместе с революцией. Это объясняет выдающееся участие русских
евреев в великом событии, которое мы называем Русской революцией и которое, возможно,
затмит свой исторический прообраз – Французскую революцию – потому что речь идет не
об освобождении одного из сословий, а о начале решения социального вопроса в целом».
Эбнер с гордостью, хотя и без доказательств, также указывал на то, «еврейский народ пре-
доставил около половины от общего числа революционеров женского пола», «процент,
который делает честь еврейским женщинам в России»130. Но даже больше, чем радость по
поводу этого достижения в области эмансипации, была озабоченность возможными послед-
ствиями131. В «Юдише Рундшау» также выражалось опасение, что теперь, в особенности
«русская интеллигенция», будет винить евреев в поражении, «хотя наиболее выдающиеся
русские евреи и все еврейские социалистические партии заняли антибольшевистскую пози-
цию». Кто подразумевался под «русской интеллигенцией», в статье не уточнялось132.
Майер Эбнер в «Юдише Цайтунг» вынес аналогичный вердикт, но подверг суровой кри-
тике представителей большевиков, которые, как он принципиально предполагал, не смо-
гут долго удержаться у власти. Ленин «сидит на высоком троне как Далай-лама, не поня-
тый массой и не достижимый для массы». И хотя «жизнь и движение» партии зависят от
ее «выдающихся вождей из числа евреев», Эбнер считал ошибкой то, что Лев Троцкий,
Адольф Абрамович Иоффе и Лев Борисович Каменев выступают в качестве ведущих про-
тагонистов, так как это «в высшей степени уязвляет […] русское национальное чувство».
Утрата завоеваний Петра Великого и Екатерины II только раздует «эти пламенные кличи
гнева и патриотического негодования», а «припев к этой национальной жалобе» будет зву-
чать так: «Евреи – беда, они – те, кто расчленяет и уничтожает Россию». Исходя из этого,
он призывал еврейских лидеров отступиться от революции: «Но какими бы прекрасны-

124 Die zunehmende Pogrombewegung in Rußland // JR. 11. Jan. 1918; Die russische Presse über den Zionismus
// JR. 18. Jan. 1918; Der Jüdische Kongreß in Rußland // JR. 1. März 1918; Rußland. Unter der Herrschaft der
Maximalisten // FIF. 22. März 1918; Rußland. Neue Pogrome // JZ. 26. Juli 1918.
125 Die Wahlen zur Konstituante // JR. 4. Jan. 1918.
126 Selbstschutzorganisationen der Juden in Rußland // JZ. 11. Jan. 1918.
127 Die Judenpogrome in Rußland // JR. 19. Juli 1918.
128 Die finnische Judenfrage // FIF. 18. Jan. 1918; Ausweisung der Juden aus Finnland // JR. 19. Juli 1918.
129 Corbea-Hoisie A. Czernowitzer «Geiseln» in Russland im Ersten Weltkrieg: Philipp Menczel und Mayer Ebner
// Mutter: Land – Vater: Staat: Loyalitätskonflikte, politische Neuorientierung und der Erste Weltkrieg im öster-
reichisch-russländischen Grenzraum / F. Kührer-Wielach, M. Winkler (Hrsg.). Regensburg, 2017. S. 41–56.
130 Ebner M. Die Juden in der russischen Revolution. I // JZ. 11. Jan. 1918.
131 Ebner M. Die Juden in der russischen Revolution. II // JZ. 18. Jan. 1918.
132 Vom russischen Judentum // JR. 2. Aug. 1918.

548
Воздействие трансформаций 1917–1918 гг. на образ России в еврейских газетах Германии и Австрии

ми, чистыми и благородными людьми не были Троцкий и его товарищи в своем рвении на
службе усыновившей их нации, в их преданности всему человечеству они забывают своих
земляков и не думают о том, что вопли тысяч изуродованных и замученных людей вознесут-
ся до небес, потому что еврей Троцкий и сотоварищи забыли о том, что они евреи и также
имеют обязанности перед своим народом»133. Отсюда становится очевидным, что единение
среди евреев рассматривалось сионистами не на уровне веры, а на уровне национальной
принадлежности.
Показательной для позиции сионизма является заметка, опубликованная в июле 1918 г. в
«Юдише Цайтунг», согласно которой «золотой век еще не наступил, в том числе и для
русских евреев». Отсюда был сделан следующий вывод: «Разочарования на Востоке могут
быть для нас весьма болезненными, но они лишь подтверждают старое сионистское пони-
мание того, что в Галуте [на иврите: «изгнание»] невозможно спасение еврейского наро-
да»134. Характерным для оценки положения в конце войны является газетный комментарий
к беспорядкам в Галиции 14 ноября 1918 г.: «Во время медового месяца свободы народов
потоком течет еврейская кровь»135.

5. Итоги
Подводя итоги анализа немецкоязычной еврейской прессы, сначала следует констатировать,
что определенная разнородность была свойственна не только трем основным течениям, но
и внутри самих течений имелись серьезные содержательные разночтения, как показывает
пример России. Таким образом, снова подтверждается тезис, согласно которому не только
невозможно говорить о монолитном еврействе, но и, в конечном итоге, в случае с газетными
комментариями речь идет о мнении отдельных людей или групп. Это означает, что не было
выработано устоявшегося представления о восточных соседях, речь может идти только о
некоторых тенденциях. Наше исследование также подтверждает старый вывод о том, что ев-
реи Германского рейха и Дунайской монархии в своих газетах выступали сначала с единой
позиции ведения Центральными державами справедливой оборонительной войны. В срав-
нении с остальным газетным ландшафтом, еврейские журналисты больше фокусировались
на России как на противнике, причем эта фокусировка из-за дискриминационной политики
царизма в отношении евреев уже обладала устойчивой пейоративной традицией, характе-
ризовавшейся негативными стереотипами. Использование таких терминов как «казаки» и
«московитство» отвечало расистским ментальным шаблонам, наложившим свой отпечаток
на большинство населения Германского рейха и Австро-Венгрии. Политика Российской им-
перии в отношении евреев только усиливала соответствующую реакцию еврейской прессы.
Рассмотрение стилизации образа врага с более близкого расстояния приводит к выводу, что
для евреев была присуща сакрализация войны путем отсылок к религиозным прототипам.
Всем газетам было свойственно противоречие, заключавшееся в том, что, с одной стороны,
они дистанцировались от аннексионистских требований, с другой – надеялись и настаива-

133 Ebner M. Die Juden in der russischen Revolution. III // JZ. 25. Jan. 1918.
134 Enttäuschte Hoffnungen // JZ. 19. Juli 1918.
135 Völkerfreiheit und Pogrome // JK. 14. Nov. 1918.

549
Тобиас Хиршмюллер

ли, чтобы Центральные державы на длительный срок взяли на себя функцию защитников
евреев в Восточной Европе. Параллельно еврейские газеты выражали заботу о единоверцах
уже после начала процесса приобретения независимости народами, находившимися ранее
под властью России. Имело место недоверие не только в отношении русских, особенно рус-
ских самодержавных элит, но и в целом в отношении широких масс восточноевропейских
народов.
Зато российскую революцию сначала приветствовали все три течения еврейства. Тем не ме-
нее, редакции видели свою задачу не только в том, чтобы отмечать преимущества русских ев-
реев для Центральных держав, но и одновременно выстраивать защиту против новой волны
антисемитизма на родине, вызванной этими достижениями. Последнее было в Дунайской
монархии еще более серьезной проблемой, чем в Германии. В сравнение с либеральными и
ортодоксальными газетами, позиция сионистской прессы характеризовалась значительны-
ми отличиями. Здесь, когда речь заходила об успехах евреев-сионистов в России, в отличие
от газет других направлений подчеркивалась опасность развития ассимиляции как след-
ствия революции. Признавая, наряду с либеральной и ортодоксальной периодикой, потен-
циал евреев в новых условиях в России, сионисты расценивали возможную утрату еврей-
ской идентичности как новую опасность, которую они считали гораздо серьезнее гонений
со стороны царизма. Единственное долгосрочное решение проблемы заключалось для них
исключительно в создании «приюта» для евреев в Палестине. Пример России в свою оче-
редь подтверждает тезис Сары Пантер, которая подчеркивает относительность «эйфории
августа 1914 года» для еврейской прессы и указывает на то, что в течение мировой войны
только усилились, хотя все еще не вырвались наружу, скрытые конфликты как между течени-
ями еврейства, так и между евреями и принимающими обществами136.

136 Panter S. Jüdische Erfahrungen und Loyalitätskonflikte im Ersten Weltkrieg. S. 39–115.

550
РАЙНЕР ТОССТОРФ

Взаимоотношения и взаимовосприятие Германии и России:


Роберт Диссман, профсоюз немецких металлистов и
независимая социал-демократия

1) Кем был Роберт Диссман?1


Роберт Диссман родился в 1878 г. в регионе Бергишесланд, получил профессиональное
образование токаря и машиностроителя. Он проделал нередкий в кайзеровской Германии
путь, когда квалифицированный рабочий становился членом организованного рабочего
движения, вступив в 1897 г. в профессиональный Союз немецких металлистов (Deutscher
Metallarbeiter-Verband, DMV2), предшественник ИГ Метал (IG Metall), а также в Соци-
ал-демократическую партию Германии (СДПГ) в городе Бармене. В 1900 г. там же он стал
управляющим делами ДМФ и начал делать карьеру в качестве одного из лидеров рабочего
движения, на первый взгляд также достаточно обычным путем. В 1905 г. Диссман сменил
Бармен на Франкфурт, где вновь занял руководящий пост в ДМФ, одновременно уделяя
много сил работе на общественных началах в местном отделении СДПГ. Спустя три года,
в 1908 г., он стал секретарем СДПГ в Союзе избирателей по выборам в Рейхстаг от округа
Ханау, который под его руководством пережил мощный организационный взлет.
Нетипичным было то, что Диссман, с его профсоюзным опытом, прочно примыкал к лево-
му крылу социал-демократической партии, в то время как профсоюзные деятели наоборот,
в своем большинстве, числились в качестве столпов реформистского крыла. Как «левак»,
Диссман внес решающий вклад, чтобы его Союз избирателей занял бесспорно левую по-
зицию. До начала Первой мировой войны он также поддерживал тесные контакты с Розой
Люксембург, о чем мало что говорится в историографии партии, посвященной этому пери-
оду3. В конце 1912 г. Диссман занял пост окружного секретаря СДПГ по Рейнско-Майнской
области с местожительством во Франкфурте. Тем самым он стал важным функционером
общепартийного масштаба, поскольку вошел в партийный комитет, задачей которого была
консультация руководства СДПГ. Однако его попытка, избраться на съезде СДПГ в 1913 г.
на пост секретаря партийного правления закончилась неудачей, как и его выдвижение кан-
дидатом на довоенных выборах в Рейхстаг, а также в прусский ландтаг.

1 Если нет других указаний, источником биографической информации о Р. Диссмане служит моя статья:
Tosstorff R. Robert Dißmann: Zwischen Metallarbeitergewerkschaft und linker Sozialdemokratie // Moving
the Social. 2014. № 51 [Lives on the Left]. S. 95–125. В настоящее время ведется работа над обстоятельной
биографией Диссмана.
2 Далее в тексте: ДМФ. – Прим. пер.
3 Самым свежим примером является книга Эрнста Пипера о Розе Люксембург, в которой Диссман даже не
упоминается. См.: Piper E. Rosa Luxemburg: Ein Leben. München, 2018. При этом Диссман, и это только один
из фактов, сыграл важную роль в подготовке знаменитой антивоенной речи Розы Люксембург (о которой
Пипер неоднократно упоминает в книге), за которую она была приговорена к тюремному заключению в
феврале 1914 г.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 551–565


[Link] 551
Райнер Тоссторф

Как бы то ни было, именно на партийной работе ярко проявились его специфические да-
рования как организатора и агитатора. Зато Диссман практически не принимал участия в
масштабных теоретико-стратегических дебатах предвоенной социал-демократии с их раз-
нообразным публицистическим эхом, которые все еще определяют внимание историков,
в том числе историков-биографов. Поэтому роль Диссмана в деятельности левого крыла
СДПГ несправедливо остается в тени.
Не было ничего удивительного в том, что с учетом сильной позиции Диссмана в регионе,
Франкфурт стал после 4 августа 1914 г. важным местом встречи первоначально малочислен-
ной антивоенной оппозиции. После первых месяцев сотрудничества с группой интернаци-
оналистов (формирующейся вокруг Розы Люксембург и Карла Либкнехта, во Франкфурте к
ним также примыкал Пауль Леви), которая позднее оформится как Союз Спартака, Диссман
порвал с радикальным крылом и переориентировался в первые месяцы 1915 г. на группу
меньшинства в составе социалистической фракции Рейхстага во главе с Гуго Хаазе и Виль-
гельмом Диттманом, которые в будущем возглавят Независимую социал-демократическую
партию Германии (НСДПГ) на начальной фазе ее существования. Во время формального
создания НСДПГ в апреле 1917 г. Диссман, само собой разумеется, играл важную роль. С
этого момента он выполнял функции окружного секретаря новой партии по Юго-Западной
Германии, оставаясь во Франкфурте.

2) Профсоюз немецких металлистов в годы внутринемецкого перемирия и


перед лицом русской революции4
Профсоюз немецких металлистов под председательством Александра Шлике являлся, на-
чиная с 1914 г., одним из профсоюзных столпов политики внутреннего перемирия между
политическими партиями в годы войны. Значение профсоюза металлистов было трудно пе-
реоценить, учитывая его размеры (свыше полумиллиона членов на момент начала войны,
потом численность металлистов сократилась примерно в два раза и начала снова медленно
расти лишь с 1916 г.) и роль металлообрабатывающей промышленности в военной инду-
стрии в целом (ее превосходила лишь горнорудная промышленность). Кроме того, анти-
военная оппозиция, вышедшая из рядов металлургов, охватила широкие слои общества.
Оппозиционность находила свое выражение в масштабных протестах. Помимо отдельных
акций, металлисты в первый раз массово приняли участие в забастовке рабочих оборонной
промышленности в апреле 1917 г., которая была следствием военной нужды, в особенности
ситуации с продовольствием, но также, без сомнения, воодушевлена русским примером в
лице Февральской революции, увенчавшейся успехом месяцем ранее.

4 Более современной работы о деятельности профсоюза немецких металлистов в годы Первой мировой
войны по-прежнему нет. Поэтому по вопросам истории организации исследователи все еще должны
обращаться к монографии многолетней давности: Opel F. Der Deutsche Metallarbeiter-Verband während des
ersten Weltkrieges und der Revolution. Hannover, 1957. В качестве дополнения теперь можно привлекать
биографию Рихарда Мюллера – центральной фигуры из рядов профсоюзной оппозиции. См.: Hoffrogge R.
Richard Müller: Der Mann hinter der Novemberrevolution. 2. Aufl. Berlin, 2018.

552
Взаимоотношения и взаимовосприятие Германии и России

Диссман поддерживал контакты с родственным профсоюзом и после того, как сосредоточил


все свои силы на работе в СДПГ. Еще в 1909 г. он – уже в ранге партийного секретаря! – был
делегатом профсоюзного съезда металлистов. Его дальнейшие связи с профсоюзом долгое
время носили скорее неформальный характер, однако при этом не стоит забывать, что рабо-
чие-металлисты составляли большинство в его Союзе избирателей в Ханау. Теперь же, после
того как Диссман сыграл важную роль в антивоенной оппозиции внутри партии, в 1917 г.
его избрали делегатом очередного профсоюзного съезда металлистов, который состоялся
в Кельне 27–30 июня. Именно на этом съезде профсоюзное руководство впервые столкну-
лось с широкой оппозицией в своих рядах. Диссман стал на съезде глашатаем этой оппози-
ции, выступив после альтернативного голосования с содокладом к отчету профсоюзного
руководства, после того, как от этого отказался Рихард Мюллер, представитель берлинских
«революционных уполномоченных».
Хотя споры велись по поводу конкретных последствий политики внутринемецкого пере-
мирия, в особенности вокруг апрельской забастовки 1917 г., их фоном без сомнения была
русская революция. Однако все эти процессы не находили своего отображения в газете
металлистов, еженедельном печатном органе ДМФ. Возможно потому, что такие вопросы
общего свойства относились к компетенции Генеральной комиссии – объединенного пред-
ставительства немецких (социал-демократических) профсоюзов. Кроме того, действовало
традиционное распределение ролей между партией и профсоюзами. Политика относилась
к сфере деятельности партии и осуществлялась партией, в то время как правление Союза
металлистов, как и Генеральная профсоюзная комиссия, постоянно выступали против оп-
позиции в своих рядах.
Ситуация начала меняться только зимой 1917/18 гг., под влиянием Октябрьского пере-
ворота и появившейся для Германии возможности, заключить мир, по меньшей мере, на
Восточном фронте. Однако такое развитие событий заключало в себе дилемму для руко-
водства ДМФ: с одной стороны, только большевики могли обеспечить подписание мирного
договора на Востоке, с другой стороны, металлисты едва ли могли идентифицировать себя
с большевистской революционной политикой, которая в том числе была остро направлена
против СДПГ. Приход же к власти меньшевиков, партии той же политической тональности,
что и СДПГ, грозил Германии продолжением участия России в войне на стороне Антанты.
Эта дилемма легко распознается на примере официальной позиции немецких профсоюзов
по отношению к Брест-Литовскому миру5. Помимо этого, мирный договор с его вымога-
тельскими требованиями в отношении России, остро ставил вопрос, насколько серьезными
были официальные мирные требования со стороны СДПГ, которые в свою очередь под-
держали профсоюзы. Печатный орган ДМФ, газета металлистов, был вынужден в феврале
1918 г. опубликовать статью в трех частях, посвященную данной дилемме6. Это был един-
ственный случай за долгое время, когда газета напечатала материал, связанный с Россией.

5 См. подробнее: Bieber H.-J. Gewerkschaften in Krieg und Revolution: Arbeiterbewegung, Industrie, Staat und
Militär in Deutschland 1914–1920. 2 Bde. Bd. 1. Hamburg, 1981. S. 492–498.
6 fk [Fritz Kummer. – Р.T.]. Zur Umwälzung in Russland // Metallarbeiter-Zeitung. 2. Feb. 1918 (№ 5); 9. Feb.
1918 (№ 6); 23. März 1918 (№ 7).

553
Райнер Тоссторф

Данная противоречивая ситуация также объясняет, почему председатель Союза немецких


металлистов Александр Шлике в своем качестве секретаря Международного союза рабочих-
металлистов (IMB, далее ИМБ), объединявшего профессиональные союзы металлистов по
всему миру, опубликовал в печатном органе ИМБ несколько позитивных статей о больше-
виках, в том числе сообщение председателя шведского союза металлистов о поездке в Рос-
сию7. Все это вполне отвечало линии СДПГ, которая поначалу ожидала от большевиков
подписания сепаратного мира с Германией (и, конечно же, его соблюдения в будущем)8.
Тем не менее, для руководства ДМФ было важно воспрепятствовать немецким рабочим –
в первую очередь металлистам в ходе январской забастовки 1918 г.9, – пойти по русскому
пути, то есть добиться окончания войны «снизу». После того, как эта забастовка закончи-
лась неудачей, русская тема на какое-то время снова исчезла из повестки дня профсоюзов,
хотя она конечно же оставалась актуальной для социалистической антивоенной оппозиции
в лице независимых социал-демократов и спартаковцев. Именно в их рядах в течение 1918 г.
развернулась масштабная дискуссия по вопросу о политике большевиков, которая только
недавно, после того как обнаружились газеты, считавшиеся утраченными, была описана с
опорой на источники во всей ее широте10. В нашу задачу здесь не входит анализ различных
аргументов и позиций. Достаточно следующей констатации: в рядах руководства независи-
мой социал-демократии выработалось скорее критическое отношение к большевикам, в то
время как среди представителей левого крыла партии, ядро которого в это время образовы-
вал Союз Спартака, доминировала в общем и целом позитивная позиция. Что же касается
тех критических оговорок, которые Роза Люксембург сформулировала в тюремном заклю-
чении, то о них едва ли было известно за пределами узкого круга социалистов.
Как ко всему этому относился Диссман? К сожалению, у нас нет никакой соответствующей
информации. Сентябрьская 1918 г. конференция НСДПГ по вопросу отношения к больше-
викам, проведенная за закрытыми дверями, не только не протоколировалась, но и те немно-
гочисленные сообщения о конференции, которые были написаны задним числом, содержат
крайне скудную информацию, из которой мы можем узнать лишь о некоторых протагони-
стах. Однако с большой долей вероятности можно утверждать, что Диссман в качестве чле-
на Совета НСДПГ (эквивалента партийного комитета СДПГ), то есть центрального ру-
ководящего органа партии, присутствовал на этой конференции, и неважно, выступал он
там или нет. Конечно же стоит констатировать, что Диссман не был теоретиком, поэтому
для него речь в первую очередь должна была идти о практической солидарности с русской
революцией. Проявить же такую солидарность можно было лучше всего, организовав в
Западной Европе массовое движение за окончание мировой войны. При этом в отноше-

7 A .Gr. Aus der russ. Metallarbeiterbewegung // Internationale Metallarbeiter-Rundschau. 1918. № 2; A .Gr. Aus
Finnland und Russland // Там же. № 3; A .Gr. Ein allrussischer Metallarbeiterkongress // Там же. № 5.
8 В целом о позиции социал-демократов в отношении большевиков см.: Lösche P. Der Bolschewismus im Urteil
der deutschen Sozialdemokratie 1903–1920. Berlin, 1967.
9 Об этом см.: Hoffrogge R. Richard Müller. S. 53–61; Opel F. Der Deutsche Metallarbeiter-Verband während des
ersten Weltkrieges und der Revolution. S. 73–75.
10 Ср.: Diktatur statt Sozialismus: Die russische Revolution und die deutsche Linke 1917/18 / J. Schütrumpf
(Hrsg.). Berlin, 2017.

554
Взаимоотношения и взаимовосприятие Германии и России

нии представителей левого спектра в целом справедливо утверждение, согласно которому


«русский образец» наложил на них отпечаток постольку, поскольку они считали решаю-
щим моментом создание Советов рабочих депутатов. В этом смысле можно смело говорить
об идентификации немецких левых с большевиками, хотя уровень информированности о
конкретной ситуации в революционной России, особенно среди широких масс немецких
активистов, был без сомнения, низким.

3) Диссман и ДМФ на революционной волне событий: от ноября 1918 г. до


съезда металлистов в октябре 1919 г.
После начала Ноябрьской революции Диссман занимал руководящую позицию в Совете
рабочих депутатов Франкфурта, который по особым причинам, а именно будучи длительное
время вне угрозы нападения со стороны Добровольческого корпуса или Рейхсвера, играл
более важную и долгую роль, чем любой другой совет в Германии. Однако в конце концов
он также потерпел поражение в результате отказа в поддержке со стороны СДПГ11. Как
бы то ни было, очень скоро приоритеты Диссмана распространились на всю Германию, в
конце концов он входил в расширенный состав руководства НСДПГ. В особенности это
стало очевидным после подвижки НСДПГ влево, которая произошла на партийном съезде
в марте 1919 года12. Диссман выступил там ярым критиком попытки, которая резко проти-
воречила политике большевиков, а именно попытки воссоздать II Интернационал. И хотя
вопрос прямого сближения с большевиками – в это время в Москве проходил конгресс, на
котором был основан Коммунистический Интернационал – еще не был решен, тем не ме-
нее подавляющее большинство делегатов высказалось против размежевания с Советской
Россией и заявило о своей приверженности «Интернационалу классовой борьбы», без
участия социал-патриотов. Таким же четким был поворот в сторону советской системы как
центрального пункта партийной программы. Однако на этом партийном съезде также ста-
ло ясно, что главная задача Диссмана состояла теперь в своего рода координации влияния
НСДПГ на профсоюзы, а не в непосредственном продвижении того, что еще оставалось
весной 1919 г. от движения за Советы.
Действительно, немецкое профсоюзное движение переживало в первые месяцы этого года
мощное потрясение13. Во многих низовых подразделениях были отстранены от должности
функционеры, связанные с СДПГ. Их место заняли преимущественно члены НСДПГ (и в
редких случаях – также члены КПГ, которая к этому времени располагала слабым влиянием
на профсоюзы). С одной стороны, для СДПГ это стало расплатой за политику «внутрен-
него перемирия», но не только. По меньшей мере столь же сильную роль сыграло разоча-
рование в отсутствии социальных перемен как следствия политического перелома. Вместо

11 Об этом см.: Lucas E. Frankfurt unter der Herrschaft des Arbeiter- und Soldatenrats 1918/19. Frankfurt, 1969.
12 О развитии НСДПГ в это время см. в первую очередь: Morgan D. W. The Socialist Left and the German Rev-
olution: A History of the German Independent Social Democratic Party, 1917–1922. Ithaca; London, 1975;
Wheeler R. F. USPD und Internationale: Sozialistischer Internationalismus in der Zeit der Revolution. Frankfurt
a. M. u. a., 1975.
13 Об этом наряду с Bieber H.-J. Gewerkschaften in Krieg und Revolution, см. прежде всего: Potthoff H. Gewerk-
schaften und Politik zwischen Revolution und Inflation. Düsseldorf, 1979.

555
Райнер Тоссторф

этого трудящиеся приобрели негативный опыт насилия, которое они терпели под дулами
Добровольческого корпуса и Рейхсвера. Советы соответственно утратили свои притязания
как политические организации, а их влияние на промышленность резко сократилось.
На всеобщем профсоюзном конгрессе, который состоялся в Нюрнберге с 30 июня по 5
июля 1919 г., где на смену Генеральной комиссии пришла Всеобщая федерация немецких
профсоюзов (Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, ADGB, далее АДГБ), этот органи-
зационно-политический переворот нашел лишь ограниченное выражение, так как профсо-
юзная структура ставила малочисленные союзы в привилегированное положение14. Как бы
то ни было, на этом конгрессе Диссман был оратором, выступавшим от имени оппозиции
под флагом НСДПГ против председателя профсоюзной федерации Карла Легина. И хотя
он говорил от имени только трети делегатов, эта треть делегатов представляла 40 % членов
профсоюзов. Здесь также действовало правило: в ходе дебатов речь шла о конкретных тре-
бованиях и событиях в Германии, однако русская революция была фоном этих дебатов, осо-
бенно когда выступавшие приводили происходящее в России в качестве позитивного или
негативного примера.
Гораздо более серьезную роль оппозиция сыграла на профсоюзном съезде металлистов, ко-
торый проходил с 13 по 23 октября 1919 г. в Штутгарте15. Это было обусловлено ее безус-
ловным доминированием. Именно среди рабочих-металлистов оппозиция сумела завоевать
больше всего сторонников. Оппозиционеры после ожесточенных схваток добились в боль-
шинстве случаев смены местного руководства, на съезд были избраны соответствующие де-
легаты. Неоднократные попытки бывшего профсоюзного руководства изменить ситуацию
– оно заявляло даже о «террористических методах» оппозиции – не увенчались успехом.
Многие крупные центры металлообрабатывающей промышленности, прежде всего речь шла
о бывших центрах военной промышленности, теперь находились под контролем НСДПГ.
Около трех пятых делегатов съезда металлистов поддержали различные резолюции оппози-
ции, при этом большая часть делегатов имела членские билеты НСДПГ. Что же касается КПГ,
то она была представлена на съезде слабо. В результате металлисты проголосовали за отстра-
нение старого руководства и выбрали новое во главе с Робертом Диссманом, хотя формально
он был лишь одним из трех председателей профсоюза.
Наряду с многочисленными организационными решениями, съезд также принял две резо-
люции (по отчету правления и к вопросу сотрудничества рабочих с предпринимателями), в
которых, с одной стороны, заявлялось о приверженности профсоюзной идее, хотя и на клас-
совой основе, с другой стороны, в самых общих выражениях, были высказаны требования
в поддержку системы Советов. Соотношение между этими двумя концептами было крайне
неопределенным. Это было следствием принципиального идейного раскола внутри самой
оппозиции, что вскоре неминуемо должно было прорваться наружу.

14 Об итогах конгресса см.: Protokoll der Verhandlungen des zehnten Kongresses der Gewerkschaften
Deutschlands: Abgehalten zu Nürnberg vom 30. Juni bis 5. Juli 1919. Berlin, 1919.
15 См.: Die vierzehnte ordentliche Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes in Stuttgart
1919: Abgehalten vom 13. bis 23. Oktober im großen Saale des Stadtgarten. Stuttgart, 1919.

556
Взаимоотношения и взаимовосприятие Германии и России

Также и здесь русская революция представляла собой контекст споров вокруг «немецких»
вопросов. Но речь о ней конечно же заходила и напрямую, например, когда один из немно-
гих делегатов-коммунистов внес на рассмотрение съезда металлистов резолюцию, которая
призывала к непосредственной солидарности с большевиками. На пике гражданской войны
в России она выражала симпатию и солидарность с русской революцией, а также содержа-
ла призыв к рабочим стран Антанты, воспрепятствовать интервенции в поддержку белых,
исходящей из этих стран. Эта резолюция не являлась признанием политики большевиков
во всей ее совокупности, тем не менее, она сводилась к однозначному выбору позиции на
стороне русской революции. Это подвигло предводителя делегатов от СДПГ немедленно
высказать ряд критических замечаний, хотя он также выступил с осуждением интервенции.
Далее оратор от социал-демократии похвалил позицию, которое занимало по вопросу ин-
тервенции правительство Германии, но предупредил делегатов об опасности связывать себя
политическими обязательствами, то есть конкретно солидаризироваться с большевиками.
Диссман вынужден был отреагировать следующим заявлением: можно конечно же спорить
о конкретных формулировках, но лучше принять данную резолюцию без дискуссий. К сожа-
лению, позиция Германии в отношении России, заявил он, не является такой однозначной,
как доказывают события, начиная с Брест-Литовска и заканчивая отправкой войск в Прибал-
тику. «Вопрос о том, хочет ли русский народ советское правительство, мы оставим решать
самим русским. Вопрос России – это вопрос, который касается всего пролетариата. Если
власть Советов в России падет – а такая опасность сохраняется в результате планомерных
действий всего остального мира – то это будет удар по пролетариату всех стран. Поэтому я
прошу также тех коллег, которые не разделяют нашу политическую точку зрения, принять
во внимание, что удар по России будет ударом по всем революционерам без исключения»16.
После этого призыва резолюция была принята съездом, против было подано всего два голо-
са. Она, без, сомнения была характерной для западно-европейского рабочего движения тех
месяцев, когда солидарность с Советской Россией находила широкое одобрение, не взирая
на конкретную принадлежность к политической организации.
Значение этого съезда металлистов заключалось в первую очередь в его воздействии на не-
мецкое профсоюзное движение. В первый – и единственный раз – руководство профсоюза
было свергнуто в результате движения «снизу». Такая расстановка сил была тесно связана со
взлетом НСДПГ, начиная с 1919 г., и закончилась вместе с расколом независимой социал-де-
мократии в октябре 1920 г. В конечном итоге единство немецкого профсоюзного движения
не пострадало, также принципиально не изменилась его ориентация. Возможно, подобное
развитие событий и не отвечало ожиданиям главных действующих лиц того времени, или, по
меньшей мере, они не имели таких намерений.
Неспособность правильно оценить эту ситуацию во всей ее противоречивости, определен-
но была проблемой большевиков. В Советской России трактовали то единогласие, с которым
металлисты приняли резолюцию, как свидетельство такой же широкой солидарности с поли-
тическим курсом большевиков. В любом случае именно такое впечатление передал швейцар-
ский коммунист Фриц Платтен в своей статье, опубликованной в свежеиспеченном журнале

16 Там же. S. 313.

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Райнер Тоссторф

советских профсоюзов, посвященном международному рабочему движению17. При этом


ожидания Москвы были очень высокими, нереально высокими, теперь большевики рассчи-
тывали на гораздо более глубокую радикализацию немецкого профсоюзного движения, чем
было на деле. Большевики не расслышали слова Диссмана, согласно которым не возбраня-
лось спорить об отдельных формулировках резолюции, но в любом случае развитие ситуации
в России будет определяться в самой России. Такое отношение подразумевало, что развитие
событий в других странах также в каждом случае будет определяться внутри этих стран.
Однако среди большевиков все еще царило ожидание предстоящей в ближайшем будущем
мировой революции, с Германией в центре и по советскому образцу. Перед лицом таких ожи-
даний было ясно, что если мировая революция не случится, то эти ожидания не только транс-
формируются во всеобщее разочарование, но и обязательно выльются в острые обвинения в
адрес тех, кто сначала мнимо разбудил такие ожидания, а потом оказался ответственным за
неудачу, то есть за «предательство».

4) ДМФ и вопрос о Советах как проба на прочность


Газета профсоюза металлистов под новым руководством очень быстро приняла более левую,
«классово боевую» ориентацию, однако не утратила при этом имиджа профсоюзной газеты
для определенной профессиональной группы. Теперь она уделяла больше внимания между-
народным темам, прежде всего вопросам борьбы трудящихся за свои права и развитию про-
фсоюзного движения.
Так, начиная с № 10 от 6 марта 1920 г., газета стала публиковать длинный доклад Алексея Ры-
кова о состоянии советской экономики, с которым тот выступил на Третьем Всероссийском
съезде совнархозов в январе 1920 г. Редакция обосновывала эту публикацию, растянувшу-
юся на два номера, стремлением показать, что большевики ни в коем случае не потерпели
поражения, как постоянно пророчится. Следовательно, надо знать больше об экономической
ситуации в России, о которой буржуазная пресса сообщает только тенденциозно подобран-
ные сведения. Поэтому редакция уверена в одобрении читателей, которые с пониманием
отнесутся к тому, что публикация заняла так много места. В одном из следующих номеров
газеты было опубликовано дополнительное сообщение о состоянии транспорта в Советской
России. Не в последнюю очередь газета выступила в защиту большевиков в ходе полемики с
газетой христианского профсоюза металлистов, которая критиковала создание в Советской
России «трудовых армий». Эти армии, по словам «левой» газеты, были шагом на пути к
социалистической организации труда, так как они по возможности охватывали всех жителей
России, в том числе буржуазных тунеядцев и саботажников.
Между тем внутри левого большинства ДМФ разгорелся сильный конфликт, который разви-
вался рука об руку с конфликтом внутри НСДПГ18. Профсоюзный аспект этой борьбы раз-

17 Съезд Германского союза металлистов // Международное рабочее движение. 1920. № 1–2 (май).
18 О борьбе крыльев в ДМФ см.: Högl G. Gewerkschaften und USPD von 1916–1922: Ein Beitrag zur Geschichte
der deutschen Arbeiterbewegung unter besonderer Berücksichtigung des Deutschen Metallarbeiter-, Textilarbei-
ter- und Schuhmacherverbandes [Dis.]. München, 1982.

558
Взаимоотношения и взаимовосприятие Германии и России

ных крыльев партии был связан с дальнейшими отношениями между Советами и профсоюза-
ми. После того, как Советы рабочих депутатов уже в декабре 1918 г. утратили свое значение
как политические организации из-за быстрого решения о проведении выборов в Германское
национальное собрание, они продолжили действовать на предприятиях как экономические
органы. Не преследуя здесь цель показать весь дальнейший путь по законодательному огра-
ничению власти производственных советов, пиком которого стала демонстрация 13 января
1920 г. перед Рейхстагом, закончившаяся кровавой баней, следует только подчеркнуть, что та-
кое развитие событий встретило острое сопротивление со стороны НСДПГ и, конечно же,
ДМФ, как показывают публикации в газете профсоюза металлистов. Однако после принятия
закона о производственных советах им пришлось учиться, как с ним обходиться.
Проба на прочность для ДМФ заключалась в том, что часть профсоюзных деятелей во гла-
ве с Рихардом Мюллером, сторонником движения за советскую систему среди металлистов,
который с октября 1919 г. вошел в новое руководство союза в качестве редактора профсо-
юзной газеты, предприняла попытку, преобразовать «оставшиеся» производственные сове-
ты в самостоятельную политическую организацию. Руководство ДМФ во главе с Робертом
Диссманом, который работал не покладая рук для решения этого вопроса, напротив, стре-
милось объединить производственные советы под «крышей» профсоюзов, а значит и под
их контролем. Эта позиция более или менее отвечала взглядам профсоюзных руководителей,
поддерживавших социал-демократическое большинство.
Ожидания левого крыла заключались в том, что самостоятельность, которая подразумевала
также сотрудничество с внепрофсоюзными (прежде всего синдикалистскими) производ-
ственными советами, позволит им обеспечить в случае новой революционной волны благо-
приятные предпосылки, чтобы преобразовать производственные советы в Советы рабочих
депутатов образца ноября 1918 г. Профсоюзное руководство, напротив, не только не ожида-
ло такого революционного подъема в ближайшем будущем, но прежде всего стремилось ор-
ганизовать бесперебойное конкретное сотрудничество между производственными советами
и профсоюзами в сфере повседневных производственных конфликтов, не в последнюю оче-
редь – по поводу «тарифных сражений» между рабочими и работодателями. Этот конфликт
вокруг производственных советов в течение долгих месяцев занимал не только руководство
ДМФ, но и немецкое профсоюзное движения в целом и разрешился только на Имперском
съезде производственных советов, проходившем под эгидой АДГБ с 5 по 7 октября 1920
года19. Верх со значительным преимуществом одержали профсоюзные деятели, в том числе
Диссман. Эти события предвосхитили поляризацию сил, которая вылилась в раскол на пар-
тийном съезде НСДПГ, состоявшемся в Галле сразу же после «профсоюзного» съезда.

5) Встреча с Александром Шляпниковым


Ирония состоит в том, что Диссман за несколько месяцев до съезда, в ходе ожесточенных
споров, попытался привлечь даже большевиков, чтобы аргументировать свою точку зрения.
С этой целью в свежеиспеченном журнале производственных советов профсоюза метал-

19 См.: Protokoll der Verhandlungen des Ersten Reichskongresses der Betriebsräte Deutschlands: Abgehalten
vom 5. – 7. Oktober 1920 zu Berlin. Berlin, 1920.

559
Райнер Тоссторф

листов под красноречивым заголовком «Положение профсоюзов в Советской России»


публиковались резолюции разного рода профсоюзных съездов, состоявшихся в РСФСР в
1917/18 г. На этих съездах речь шла о включении фабрично-заводских комитетов, русско-
го аналога производственных советов, в профсоюзные структуры20. При этом для больше-
вистского руководства советских профсоюзов речь шла также об элиминировании влияния
анархо-синдикалистов, так как фабзавкомы как раз и были цитаделями анархо-синдикализ-
ма21. Журнал производственных советов, за который отвечал Диссман, полемизировал в
предисловии и послесловии к опубликованным резолюциям с представителями так назы-
ваемого движения независимых производственных советов, ссылаясь теперь на русский
пример.
В ответ Рихард Мюллер начал публиковать в газете профсоюза металлистов, редактором ко-
торой он на тот момент являлся, статью председателя русского Союза рабочих-металлистов
Александра Шляпникова22 под заголовком «Из жизни профсоюзного движения в Совет-
ской России»23. В редакционном предисловии к первой из шести частей этой публикации
утверждалось, что в советская власть и «социализированное народное хозяйство строятся
и опираются в России на Советы рабочих и крестьянских депутатов. Профсоюзы в свою
очередь являются органами производственных советов». Вся эта острая полемика была на-
правлена против журнала производственных советов. Однако непосредственно вскоре по-
сле этого Мюллер был вынужден оставить свой пост. При новом редакторе газета профсо-
юза металлистов, тем не менее, продолжила публикацию текста Шляпникова. Комментарий
к заключительной, шестой части, оспорил первичное утверждение Мюллера. Теперь редак-
ция утверждала, что весь текст Шляпникова свидетельствует о том, что именно профсоюзы
держат в РСФСР в своих руках экономическую власть. Эта русская организационная си-
стема обеспечивает власть рабочего класса и таким образом, принципиально отличается от
«советского балагана» и «советских союзиков» в Германии.
Как известно, ни Диссман, ни Мюллер не были здесь правы, и весьма характерно, что они
оба умолчали о роли партии. Отсутствуют также комментарии Шляпникова по поводу пря-
мо противоположной трактовки его высказываний конкурирующими крыльями в ДМФ и в
НСДПГ. Вероятно, он ничего не знал об этом. Однако, при всей специфики позиции Шляп-
никова, когда тот от имени «рабочей оппозиции» вскоре будет выступать за подчинение
промышленности в России профсоюзам, он безусловно возразил бы Диссману: он делал
свои заявления в качестве профсоюзного вождя социалистической металлообрабатываю-
щей промышленности, в то время как Диссману для начала предстояло свергнуть капита-
лизм.

20 Die Stellung der Gewerkschaften in Sowjetrußland // Betriebsräte-Zeitschrift. 1920. № 4. S. 97–103.


21 См. об этом: Shkliarevsky G. L. Labor in the Russian Revolution: Factory Committees and Trade Unions, 1917–
1918. New York, 1993.
22 Между тем опубликована новая биография Шляпникова с опорой на архивные источники: Allen B. C. Alex-
ander Shlyapnikov, 1885–1937: Life of an Old Bolshevik. Chicago, 2017.
23 Aus der Gewerkschaftsbewegung in Sowjetrußland // Metallarbeiter-Zeitung. 19. Juni 1920 (№ 25) –
31. Juli 1920 (№ 31).

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Взаимоотношения и взаимовосприятие Германии и России

И все же зададимся вопросом, что было поводом для того, чтобы использовать в качестве
аргумента именно позицию Шляпникова, который, хотя и возглавлял профсоюз русских
рабочих-металлистов, но не относился к внутреннему кругу большевистских вождей? В
действительности, Шляпников предпринял в марте 1920 г. поездку в Скандинавию, чтобы
на различных, в том числе международных конгрессах, завязать там связи между русским и
международным профсоюзным движением24. При этом его главной целью было членство
Советской России в международных профсоюзных организациях. Наряду с Международ-
ной федерацией рабочих-транспортников речь в первую очередь шла о Международном со-
юзе рабочих-металлистов. Секретарем последнего все еще был избранный до начала войны
Александр Шлике, который утратил свой пост председателя ДМФ в 1919 г., но не был пере-
избран в качестве секретаря международной профсоюзной организации, так как очередной
конгресс все время откладывался. По поводу его проведения началось перетягивание кана-
та. Шлике упрекали в том, что он затягивал созыв конгресса, стремясь воспрепятствовать
левому повороту ИМБ. Однако налицо были большие организационные трудности, такие
как визовые проблемы, определение места, куда могли бы приехать делегаты из всех стран,
и, не в последнюю очередь, выбор даты, которая устраивала бы всех. В конце апреля 1920 г.
из Скандинавии в Германию прибыл Шляпников. Там он провел ряд встреч с правлением
ДМФ и руководством НСДПГ, а также выступил на ряде мероприятий. Шляпников передал
немцам многочисленные документы о русском профсоюзном движении, которые и соста-
вили упомянутые публикации в печати ДМФ. Еще часть материалов была опубликована в
издательствах, близких КПГ.
В разговорах с Диссманом и правлением ДМФ выявилась общая воля, как можно скорее
оживить ИМБ путем созыва конгресса организаций-членов, в том числе с русским участи-
ем. Но по целому ряду причин, начиная с выборов в Рейхстаг 6 июня 1920 г. и заканчивая
проблемами британского союза металлистов, срок созыва конгресса все время сдвигался.
На предварительной встрече, состоявшейся в Копенгагене в июне 1920 г., было принято
окончательное решение о проведении конгресса на этом же самом месте 20 августа 1920 г.
Датский союз металлистов пообещал обеспечить визы для русской делегации, вслед за чем
Шляпников с обнадеживающей информацией вернулся в Советскую Россию для консуль-
таций с руководством русского союза. Однако ожидания не оправдались. Датские власти
отказались выдать визы русским профсоюзникам, которые теперь считались революционе-
рами. Шляпников, который между тем находился уже в Норвегии, вернулся не солоно хле-
бавши. В итоге Союз русских металлистов не участвовал в качестве полноправного члена в
организационном возрождении ИМБ25.
При этом один из его предшественников, Петроградский союз рабочих-металлистов, уже
в 1913 г. стал членом ИМБ. Началась длившаяся годами дискуссия, возможно ли еще одно
членство с «русской» стороны. Эта дискуссия ни в коем случае не ограничивалась только
металлистами. Почти все международные профсоюзные секретариаты отраслевых профес-

24 О его поездке в Европу см.: Allen B. C. Alexander Shlyapnikov. S. 151–155; Tosstorff R. Profintern: Die Rote
Gewerkschaftsinternationale 1920–1937. Paderborn u. a., 2004. S. 123–128.
25 Tosstorff R. Profintern. S. 300–303.

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Райнер Тоссторф

сиональных союзов обсуждали «русский вопрос» вплоть до поворота в международной


коммунистической политике 1928/29 г. Но только в одном единственном случае, советский
профсоюз рабочих-пищевиков получил временное членство в международном отраслевом
союзе26. Остается только гадать, какое влияние на процессы внутри Советской России –
СССР оказали бы в первую очередь крупные союзы, такие как союзы металлистов или
транспортников, если бы они также стали членами международных организаций. В любом
случае такое развитие событий не осталось бы без последствий.

6) Интернационал(ы) как яблоко раздора


У визита Шляпникова в Германию была еще одна сторона. Он действовал в интересах ком-
мунистического III Интернационала, основанного в марте 1919 г., и вел переговоры о член-
стве с руководством НСДПГ. Вопрос о членстве стал предметом бурной внутрипартийной
дискуссии, которая не нуждается здесь в подробном освещении27. Хотя НСДПГ еще при-
нимала участие в Бернской конференции в феврале 1919 г., которая должна была привести
к возрождению II Интернационала, внутрипартийная радикализация очень быстро приве-
ла к осуждению любого сотрудничества с «предателями рабочих» из числа сторонников
«классового перемирия» по обе стороны фронта. Диссман в начале августа 1919 г. заявил о
том, что нужно найти пути и средства, чтобы примкнуть в Москве.
Однако вопрос о том, как это осуществить на деле, быстро стал камнем преткновения и
привел к дифференциации внутри НСДПГ. Коммунистические партии, основанные в Ев-
ропе начиная с 1918 г., были малочисленными и неуспешными. Их нишу заняли массовые
партии – выходцы из социал-демократии, – переживавшие радикальную подвижку влево, в
первую очередь НСДПГ, которая была здесь отнюдь не в одиночестве. Новый революци-
онный Интернационал был призван свести вместе русскую революцию во главе с больше-
виками и западноевропейское рабочее движение. Только это привело бы к созданию «со-
циально-революционного Интернационала», пользующегося поддержкой немецких масс.
Непосредственное же «присоединение» к Москве означало вместо этого «спустить с по-
водка» процесс радикализации в Западной Европе.
Диссман поддержал концепцию Интернационала, охватывающего Восток и Запад, в ходе
дискуссии, которая велась внутри НСДПГ по «интернациональным» делам, однако глав-
ными ее поборниками в партии были другие люди. Его же профессиональной специализаци-
ей с того момента, как он взял на себя руководство ДМФ, являлись профсоюзы. Поскольку
профсоюзные деятели, принимавшие активное участие в дебатах вокруг производственных
советов, были зачастую одновременно членами НСДП, то эти две дискуссии наложились
друг на друга. Сторонники самостоятельных советских организаций были, как правило,
теми же людьми, которые требовали немедленного присоединения к III Интернационалу,
в то время как представители инкорпорирования советов в профсоюзные структуры зани-

26 О данном спорном вопросе, который обсуждался в 1920-е годы на многочисленных конгрессах


международных секретариатов отраслевых профсоюзов (die Internationalen Berufssekretariate) см.: там же.
S. 477–497; 547–576; 631–632.
27 См. об этом: Wheeler R. F. USPD und Internationale.

562
Взаимоотношения и взаимовосприятие Германии и России

мали в вопросе о Третьем Интернационале скорее выжидательную позицию, без сомнения


учитывая вектор развития западноевропейского рабочего движения и в особенности – про-
фсоюзов. В конечном итоге за всем этим стояли две конкурирующих концепции. Летом
1920 г. стало приходить понимание, что решение о дальнейшем развитии ситуации будет
принято партией. Если же быть более точным, то сначала вопрос обсудили в Москве, на
Конгрессе Коммунистического Интернационала в июле 1920 г.
Его результат известен: в качестве условия членства было выдвинуто «21 условие», кото-
рые предусматривали трансформацию всех партий, заинтересованных во вступлении в III
Интернационал, во главе с НСДПГ, в коммунистические партии. Это и случилось – спустя
несколько дней после Имперского съезда производственных советов – в результате голосо-
вания на партийном съезде НСДПГ, состоявшемся в Галле с 12 по 17 октября 1920 г., кото-
рое привело к расколу партии. В то время как большинство независимых социал-демократов
объединилось с КПГ, меньшинство осталось в качестве самостоятельной партии. Ядром
этого меньшинства было профсоюзное крыло, которое формировали не только, но в первую
очередь металлисты во главе с Робертом Диссманом. Он не был безоговорочно важнейшим
актором в ходе противостояния, однако как представитель самого большого профсоюза был
напрямую атакован председателем исполкома Коминтерна Григорием Зиновьевым, прие-
хавшим в Галле.
При этом развернувшаяся борьба имела для профсоюзных деятелей в целом и металлистов
в особенности еще один дополнительный аспект, помимо вступления в Коминтерн. Боль-
шевики в ходе дискуссий в кулуарах Второго конгресса Коминтерна в Москве в июне – июле
пришли к идее, хотя пока еще сырой, заложить камень основания революционного интерна-
ционала профсоюзов (т.е. головной организации национальных профессиональных союзов
в отличие от международных отраслевых организаций). Этот профсоюзный интернационал
должен был противостоять западной социал-демократической Международной федерации
профсоюзов, то есть фактически речь шла о расколе профсоюзного движения28.
Таким образом, на профсоюзном уровне была создана дополнительная точка разрыва. В Ко-
пенгагене, на международном конгрессе металлистов, об этом не было еще известно, тем
более что там отсутствовал Шляпников, поэтому дело до спора не дошло. Но уже в октябре
1920 г. ситуация выглядела иначе. В помощь председателю Коминтерна Зиновьеву, отправ-
ленному на съезд НСДПГ в Галле, сюда же приехал самый важный большевистский про-
фсоюзный деятель С.А. Лозовский29, на которого была возложена задача создания нового
профсоюзного интернационала. Лозовский также выступил с речью на Имперском съезде
производственных советов, непосредственно перед партийным съездом НСДПГ. Оба раза
после резких нападок на «предательское руководство профсоюзов» он агитировал на Запа-
де за свой будущий профсоюзный интернационал. В результате, как можно прочитать в про-
токолах обоих съездов в отдельности, дело дошло до громкой и ожесточенной словесной
перепалки. Это непосредственно привело к углублению раскола как в профсоюзном дви-

28 По данному комплексу вопросов см.: Tosstorff R. Profintern.


29 Теперь в наличии имеется обширная биография Лозовского, которая, к сожалению, в недостаточной
степени освещает его международную профсоюзную деятельность. См.: Шамберг В.М. Лозовский. M., 2012.

563
Райнер Тоссторф

жении, так и внутри НСДПГ и ускорило центробежную динамику. В течение месяцев спор
о присоединении к этому новому «красному профсоюзному интернационалу» в Москве
(Профинтерну) парализовал не только немецкое профсоюзное движение.
Диссман был яростным противником Профинтерна не только в масштабах Германии, но и
международного профсоюзного движения в целом, что дало повод Зиновьеву в его сооб-
щении о съезде в Галле выступить с нападками на Диссмана, которому якобы предстояло
сыграть роль Носке в ходе следующей волны немецкой революции30. С другой стороны, эти
атаки со стороны коммунистов запустили процесс сближения между СДПГ и оставшейся
частью НСДПГ, пусть пока для начала внутри ДМФ. С некоторым промедлением, но здесь
надо учитывать многие другие факторы немецкой внутренней политики, в сентябре 1922 г.
последовало объединение СДПГ и НСДПГ на политическом уровне.

7) Выводы
Было бы неверным, подводить черту уже здесь. На самом деле многие вопросы остаются
открытыми. Сближение Диссмана и бывших «независимых», которых он представлял, с
профсоюзными деятелями от СДПГ, вскоре закончилось разочарованием, не в последнюю
очередь из-за нежелания АДГБ активно и на деле организовывать производственные сове-
ты в профсоюзных рамках. Кроме того, Коминтерн и, соответственно КПГ, осуществили в
1921 г. поворот к «политике единого фронта», в результате появились новые возможности,
о природе которых здесь придется умолчать. Это касалось также вопроса о сотрудничестве
с русским профсоюзом металлистов, из руководства которого между тем уже был удален
Шляпников. Диссман был только одним из главных действующих лиц, пытавшихся оценить
возможность достижения взаимопонимания, особенно на пике инфляционного кризиса
1923 года. Имея политический вес председателя наиболее мощного немецкого отраслево-
го профсоюза, он стал после объединения НСДПГ и СДПГ одним из самых влиятельных
вождей реформированного левого крыла СДПГ. Однако эти события лежат уже полностью
вне темы данной статьи, кроме того, карьера Диссмана была неожиданно прервана его по-
разительно ранней смертью в октябре 1926 г., что объясняет, почему настолько невнима-
тельное отношение к его фигуре демонстрирует как историография Веймарской республи-
ки, так и история ее рабочего движения.
Роберт Диссман не был теоретиком, зато он был неутомимым организатором и агитато-
ром, выходцем из среды высококвалифицированных рабочих. Даже КПГ признавала ту ха-
ризматическую роль, которую он играл в своем окружении31. Тем самым он олицетворял
собой тот фундамент, с опорой на который немецкая социал-демократия превратилась по-
сле 1890 г. в массовую партию. Менее типичной – в определенном смысле совсем необыч-
ной в сравнении с большинством профсоюзных функционеров, игравших активную роль в
СДПГ – была его специфическая левая социалистическая позиция – между реформистской
социал-демократией и коммунистической партией, становившейся все более большевист-

30 Sinowjew G. Zwölf Tage in Deutschland. Hamburg, 1921. S. 14.


31 В некрологе, опубликованном 2 ноября 1926 г. в центральном органе КПГ, газете «Роте Фане», говори-
лось: «Внутри правления профсоюза он был единственной цифрой, окруженной абсолютными нулями».

564
Взаимоотношения и взаимовосприятие Германии и России

ской и просталинской. В первую очередь на позицию Диссмана свой отпечаток наложил


опыт участия в Ноябрьской революции. При этом русская революция всегда представля-
ла собой контекст, имевший разнообразное воздействие на Германию. Непосредственно
это воздействие ощущалось в конкретном образе действий КПГ, но не только. «Русский
контекст» также самыми разными способами влиял на позицию немецкого профсоюза ме-
таллистов и его тактику, причем не только в Германии, но и в международных профсоюз-
ных связях. Диссман должен был все снова и снова заниматься этими проблемами. Таким
образом, без этого «русского контекста» нельзя адекватно понять различные процессы и
динамику развития НСДПГ, левого крыла СДПГ, а также ДМФ. Диссман был здесь важным
действующим лицом.

565
ИРИНА КУКУШКИНА

Германская революция и австрийская социал-демократия

Революции 1918–1919 гг. в Германии и Австрии начались практически одновременно и


имели между собой много общего, прежде всего: провозглашение республики и приход к
власти социал-демократов, проведение демократических и социальных реформ.
В то же время имелись и существенные различия: в то время, как Германия сохранила свою
государственность, Австро-Венгерская империя (Reich) распалась. С другой стороны, про-
диктованный победителями в Первой мировой войне Версальский мирный договор унизил
национальное чувство немцев и в конечном итоге привел к власти Гитлера и новой войне,
Сент-Жерменский же, с Австрией – способствовал становлению австрийского националь-
ного государства1.
Однако осенью 1918 г. австрийские социал-демократы подобной перспективы еще не виде-
ли. Уже было ясно, что война близится к завершению и не в пользу германского блока, что
национальные части империи охвачены освободительной борьбой за самоопределение, но
судьба немецкоговорящих жителей Австро-Венгрии оставалась неопределенной. Австрий-
ские социал-демократы внимательно следили за происходящим в Германии, что нашло отра-
жение на страницах партийной печати, прежде всего, газеты «Arbeiter-Zeitung» (Рабочая
газета) и теоретического журнала «Der Kampf» (Борьба). Австрийская социал-демокра-
тическая пресса не просто знакомила своих читателей с происходившими событиями в со-
седней стране, но и давала им свою оценку. В исторической литературе до сих пор не было
специального исследования, посвященного оценке социал-демократами Австрии немецкой
революции 1918–1919 гг., хотя отдельные аспекты данной проблематики изучены достаточ-
но обстоятельно. Прежде всего это касается проблемы аншлюса («Anschluss» – вхождения
немецких частей Австро-Венгерской монархии в состав Германии)2.
Однако, на наш взгляд, данный аспект является частью более широкой проблемы, связан-
ной с революциями после Первой мировой войны в обеих странах, их общими чертами и

1 См. подробнее: Кукушкина И.А. Революции в Германии (1918–1919) и Австрии (1918–1920): опыт
сравнительного анализа // Электронный научно-образовательный журнал «История». 2018. Вып. 7 (71):
Революционные волны и трансформации картины мира в ХХ веке. DOI: 10.18254/S0002388-5-1
2 Подробное рассмотрение данного вопроса потребовало бы специального исследования, поэтому назовем
лишь отдельные работы, в которых указанная проблематика рассматривается наиболее подробно: Sozial-
demokratie und «Anschluß»: Historische Wurzeln, Anschluß 1918 und 1938, Nachwirkungen / H. Konrad
(Hrsg.). Wien; München; Zürich, 1978; Miller S. Das Ringen um die «einzige großdeutsche Republik». Die So-
zialdemokratie in Österreich und im Deutschen Reich zur Anschlußfrage 1918/19 // Archiv für Sozialgeschichte.
1971. Bd. 11. S. 1–67; Schausberger N. Der Griff nach Österreich: Der «Anschluß». 3. Aufl. Wien; München,
1988; Wiltschegg W. Österreich – der «Zweite deutsche Staat»?: Der nationale Gedanke in der Ersten Republik.
Graz; Stuttgart, 1992; Атлас З.А. Политика аншлюса австрийской социал-демократии (октябрь – ноябрь
1918 г. // Проблемы социально-экономического развития Западной Европы в период империализма. Вып.
1 (11). Челябинск, 1976. С. 42–76.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 567–571


[Link] 567
Ирина Кукушкина

особенностями. Изучение оценки австрийскими социал-демократами немецкой революции


позволит внести важный вклад в исследование данной проблематики.
1 октября газета «Arbeiter-Zeitung» опубликовала статью «Der letzte Augenblick», автор
которой наряду со славянским вопросом в Австрии подчеркивал также важность немецко-
го вопроса, определяя его как «объединение и сплочение немецкого народа в Австрии и
наделение его свободой и самостоятельностью, а также его утверждение в независимом го-
сударстве»3. Заметим, что ни о каком вхождении в состав Германской империи речь тогда
еще не шла. Спустя три дня (4.10.1918) газета опубликовала решение клуба социал-демо-
кратических депутатов рейсхрата4, где признавалось право на самоопределение всех наций,
входящих в состав Австрии и содержалось требование такого же признания и за немецким
народом: право на создание самостоятельного немецко-австрийского государства, которое
должно самостоятельно определить свои отношения с другими нациями Австрии и с Гер-
манской империей. Также никакого аншлюса.
Наиболее последовательным сторонником объединения с Германией – еще до Германской
революции! – был Отто Бауэр. В статье «Немецко-австрийское государство», подписан-
ной «О.B.», от 13 октября 1918 г. им определялись три территориальные области Австрии,
населенные преимущественно австрийскими немцами («внутриавстрийская», Немецкая
Богемия и Западная Силезия), но лежащими отдельно друг от друга. Поскольку объеди-
нить их в отдельное государство невозможно, по мнению автора статьи, они должны стать
субъектами федерации или конфедерации. «У них есть только один выбор, – считает ав-
тор. – Они могут стать или субъектами федерации внутри Союза австрийских народов, или
присоединиться в качестве субъекта федерации к Германии»5. Большинство австрийских
немцев, по мнению автора, пока думают лишь о первой возможности, но согласятся ли с
этим другие народы? Остается единственная возможность: объединение с Германией. Та-
кую же мысль проводил Отто Бауэр и в статье «Германия и мы», опубликованной 16 ок-
тября, настаивая на необходимости демократизации внутренней жизни Германии. Более
того, вхождение в состав Германии виделось ему предпочтительнее, так как, по его мнению,
освобождало классовую борьбу от национальных противоречий и делало возможным более
быстрый путь к социализму.
Тем временем распад Австро-Венгерской империи вступил в решающую стадию. 16 октя-
бря кайзер Карл I опубликовал «Манифест к народам Австрии», в котором провозгласил
преобразование Австро-Венгрии в федеративное государство, основанное на самоопреде-
лении каждого народа. Манифест не остановил распад империи Габсбургов, но помог из-
бежать дополнительного кровопролития, поскольку легитимизировал уже созданные на-
циональные советы (Чехословацкого и Национального совета хорватов, сербов и словен).
19 октября Украинская Народная Рада провозгласила независимость западноукраинских
земель, позднее оформившихся как Западноукраинская Народная Республика. 17 октября
венгерский парламент провозгласил независимость Венгрии.

3 Arbeiter-Zeitung. 1. Okt. 1918.


4 Die deutsche Sozialdemokratie und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen // Arbeiter-Zeitung. 4. Okt. 1918.
5 Arbeiter-Zeitung. 1. Okt. 1918.

568
Германская революция и австрийская социал-демократия

В этих условиях депутаты рейхсрата, представлявшие Христианско-социальную партию,


Немецкий национальный союз и социал-демократы 21 октября объявили о создании Вре-
менного Национального собрания Немецкой Австрии. В коалиционном договоре провоз-
глашалась необходимость создания самостоятельного немецко-австрийского государства,
которое должно установить связи с другими народами путем свободных соглашений. До
выборов в Конституционное Национальное собрание Временное Национальное собрание
наделялось правом ведения мирных переговоров. В ночь с 30 на 31 октября был сформи-
рован государственный совет во главе с тремя президентами – представителями от каждой
из трех партий и избран государственный канцлер, которым стал социал-демократ Карл
Реннер. А несколькими часами ранее было принято решение об основных институтах го-
сударственной власти, часто называемое Временной конституцией. В решении ни слова не
говорилось о будущих взаимоотношениях с Германией и, тем более, об аншлюсе.
На аншлюсе тем не менее продолжал настаивать Отто Бауэр. Выступая на партийном съезде
31 октября, он утверждал, что самостоятельное существование Немецкой Австрии невоз-
можно и нужно стремиться к вхождению в состав Германии и уже вместе бороться за ее
демократизацию.
Ситуация изменилась, когда в Германии началась революция. Австрийские социал-демокра-
ты, и раньше уделявшие в своей печати много времени событиям в соседней Германии, вы-
двинули их теперь на первый план. Казалось, что они стали считать Германию своей страной
и выдвигали требования к внутренней политике Германии как к собственной стране. В ста-
тье «Германская революция»6 они назвали Вильгельма II «злейшим врагом пролетарской
демократии», носителем «персонального режима», а также фактически обвинили его в
развязывании мировой войны, которая привела немецкий народ к страшнейшей катастро-
фе. «Вчера Вильгельм II […] еще мог бы добровольно отказаться от трона, сегодня он не
может избежать смещения», – писала газета. Иначе как требованием отстранения от власти
кайзера соседнего государства такой пассаж охарактеризовать трудно. Но для автора статьи
это государство уже было своим. Он назвал «Немецкую Австрию» и Баварию «баварски-
ми землями» и обе – «первыми республиками Германии». «Князья раздробили Германию,
а республика ее вновь объединит, – утверждал он. И – вывод: «Не Пруссия и не Австрия!
Единая свободная Германия!»
«Arbeiter-Zeitung» от 10 ноября была практически полностью посвящена событиям в Гер-
мании: отречение кайзера, революционные события в Берлине, восторженная статья «Heil
Deutschland!» (Да здравствует Германия!). Австрийские социал-демократы радовались
победе своих немецких коллег, называя немецкую республику именно их творением. «По-
беда республики в высокоразвитой стране, это победа пролетариата, – утверждали авторы
статьи. – А победа пролетариата, это победа социализма»7. В свете предыдущих статей в
вполне логическим кажется вывод авторов, что это также и их победа – победа австрийской
социал-демократии.

6 Arbeiter-Zeitung. 9. Nov. 1918.


7 Arbeiter-Zeitung. 10. Nov. 1918.

569
Ирина Кукушкина

11 октября 1918 г. австрийский кайзер Карл подписал Манифест об «отказе от участия в


государственной деятельности» и об отставке ранее назначенного им правительства. На
следующий день (12 октября 1918 г.) Временное Национальное собрание приняло закон
о установлении в Австрии республиканской формы правления и объявило «Немецкую Ав-
стрию» составной частью Германской республики. «Мы один народ и у нас общая судь-
ба», – заявил с парламентской трибуны Карл Реннер. Попытки солдат «Красной Гвардии»
установить советскую республику «русского образца» потерпели неудачу.
Таким образом «Немецкая Австрия» официально взяла курс на аншлюс. Объяснялось это,
на наш взгляд, не только и не столько «близостью обеих народов», сколько неверием ав-
стрийских политиков в возможность австрийской экономики и, как следствие – в возмож-
ность жизнеспособности самостоятельного австрийского государства.
Теоретическое обоснование необходимости аншлюса в австрийской социал-демократиче-
ской прессе варьировалось. Макс Адлер в статье «Война закончилась, борьба начинается»8
рассматривал революции в Германии и Австрии в качестве основных причин поражения
этих стран в мировой войне и, в то же время, как освобождение. Освобождение от милита-
ризма и национального угнетения. Как осуществление права на самоопределение народов.
Как начало борьбы за социальное переустройство общества. По мнению Адлера, Германия,
где уже создана социалистическая республика, идет впереди, а в Австрии произошла пока
лишь политическая революция, республика же – буржуазная. Фридрих Адлер же исходил
из тяжелого экономического положения в стране и утверждения о невозможности Австрии
прокормить свое население9. В то же время звучали и другие голоса. «Мы построим госу-
дарство, мы социал-демократы, имеющие уже сейчас в немецком народе Австрии большин-
ство, – писал Фридрих Аустерлиц. – Мы возьмем его в свои руки, дадим ему содержание и
форму, сделаем его подлинным и правильным демократическим государством и, пожалуй,
скоро – социал-демократическим обществом»10. Однако державы-победительницы в Пер-
вой мировой войне запретили аншлюс и Австрийской республике пришлось учиться жить
самостоятельно.
Одновременно у австрийцев росло разочарование в политике немецкой социал-демократии.
«Мы не видим у немецкой социал-демократии решительной воли, перевести начавшуюся
политическую революцию в социальную – писала Хелене Бауэр в журнале «Der Kampf». –
В центре их внимания находится не революционная воля, а убеждение, что немецкий про-
летариат еще не составляет большинства населения. Лидерам немецкой социал-демократии
немецкий пролетариат представляется еще не созревшим для социализма»11.
Австрийские социал-демократы приняли участие в разработке и принятии Национальным
Собранием важнейших законов, заложивших краеугольный камень австрийского социаль-
ного государства: об оплачиваемых отпусках, 8часовом рабочем дне, арбитражных палатах
и коллективных договорах, о создании рабочих палат, производственных советах, об обще-

8 Adler M. Der Krieg ist aus, der Kampf beginnt // Der Kampf. 1918. H. 12. S. 776–785.
9 Adler Fr. Wohin gehen wir? // Der Kampf. 1919. H. 1. S. 1–11.
10 Austerlitz Fr. Der deutsch-österreichische Staat // Der Kampf. 1918. H. 11. S. 718.
11 Bauer H. Selbstbestimmungsrecht der Arbeit // Der Kampf. 1919. H. 3. S. 121.

570
Германская революция и австрийская социал-демократия

ственных предприятиях. При непосредственном участии социал-демократов была разрабо-


тана Конституция Австрия, принятая Учредительным Национальным собранием 1 октября
1920 г., которая стала одной из самых демократических в мире. Но главным достижением
австрийской социал-демократии стала «Красная Вена» – первый успешный опыт социаль-
ного государства в Европе12.

12 См. подробнее: Кукушкина И.А. Красная Вена как альтернатива «Красной Москве» // Российская
революция 1917 года и ее место в истории ХХ века. М., 2018. С. 270–279.

571
ЮРГЕН ЦАРУСКИ

Карл Каутский и революции в России и Германии

Февральская и Октябрьская революции 1917 г. в России оказали сильное влияние на ре-


волюцию 1918–1919 гг. в Германии. Большевики даже претендовали на то, чтобы их рево-
люция, с установлением так называемой диктатуры пролетариата, превратилась в универ-
сальный действующий образец для остальных социалистических революций. Никто в рядах
немецкой социал-демократии не сопротивлялся этому более решительно, чем Карл Каут-
ский, самый влиятельный марксистский теоретик довоенной социал-демократии.
Каутский, собственно говоря, всегда хотел быть только теоретиком, но в ходе немецкой ре-
волюции 1918 г. оказался вовлечен в активную политику, где исполнял важные, хотя и не ру-
ководящие функции. Его противостояние с большевиками, пришедшими к власти в России
в 1917 г., а также его позиция и роль в немецкой революции, образуют единое целое. В его
длинной политической жизни – Карл Каутский родился в 1854 г. в Праге и умер в 1938 г.
в Амстердаме, где нашел убежище от господства национал-социалистов – годы с 1917 по
1919 были, без сомнения, самыми решающими и наиболее наполненными событиями. Опи-
сание этого периода жизни Карла Каутского, предпринятое здесь в общих чертах, откры-
вает специфическую перспективу на революционные события в обеих странах. Речь идет о
перспективе демократического социализма, потерпевшего неудачу во многих отношениях.
Каутский, ставший социалистом в 1874 г. и вскоре избравший для себя путь интеллектуала в
социалистическом рабочем движении, воспринимал себя как ученика и толкователя Маркса
и Энгельса, с которыми он познакомился в 1881 г. в Лондоне. Его наставником в первую оче-
редь стал Энгельс. В довоенный период целый ряд публикаций Каутского издавался милли-
онными тиражами, в том числе в переводе на иностранные языки. В споре с ревизиониста-
ми на рубеже веков он воплощал собой доминирующий «марксистский центр». В 1883 г.
Каутский основал журнал «Ди нойе Цайт» и оставался его главным редактором до 1917 г.
Публикация в этом журнале считалась среди интеллектуалов-социалистов сродни посвя-
щению в рыцари. Одним из постоянных авторов журнала была Роза Люксембург, которая в
1904 г. в своей статье «Организационные вопросы русской социал-демократии» подвергла
критике ленинскую модель сверх централизованной кадровой партии1.
То, что социалистом не удалось предотвратить развязывание Первой мировой войны, а
самые крупные социалистические партии Западной и Центральной Европы поддержали
военные усилия своих правительств, вызвало фундаментальный кризис социалистического
движения. Каутский относился к числу тех, кто выступал за оборонительную войну, однако
вскоре для него и его единомышленников стали неприемлемыми недвусмысленные завое-
вательские аппетиты имперского руководства и ряда элитных групп немецкого общества.

1 Luxemburg R. Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie // Die Neue Zeit. Wochenschrift der deut-
schen Sozialdemokratie. 1903–1904. Bd. 2. S. 484–492 (I), 529–535 (II).

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 573–580


[Link] 573
Юрген Царуски

Именно против этого был направлен антивоенный манифест «Требование момента», на-
писанный Каутским вместе Эдуардом Бернштейном и сопредседателем СДПГ Гуго Хаазе
в июне 1915 года2. В конечном итоге Каутский примкнул в апреле 1917 г. к антивоенной
Независимой СДПГ (НСДПГ), хотя в принципе был против раскола социал-демократии.
Осенью 1917 г. социал-демократическое большинство сместило его с поста редактора «Ди
нойе Цайт».
Февральская революция в России придала импульс противникам войны в Германии из числа
социалистов. Однако пробные шаги, направленные на начало мирных переговоров, были
безуспешными. Зато Октябрьскую революцию широкие массы трудящихся, уставших от
войны, и не только в Германии, приветствовали как революцию, способную принести мир.
Что же касается Каутского, то он был настроен скорее критически. Каутский оценивал пер-
спективы Февральской революции также, как и меньшевики: учитывая сильно выраженный
аграрный характер общества, социалистическая революция не стоит в России на повестке
дня. Речь скорее идет о развитии демократии с сильной социальной компонентой3. Соот-
ветственно скептически он также отнесся к приходу большевиков к власти, который грозил
«в чрезвычайной степени обострить противоречие между высокими устремлениями про-
летариата и низким уровнем развития Российской империи». В результате следует ждать
тяжелых процессов распада в экономике и государстве, – писал Каутский в «Ляйпцигер
Фольксцайтунг» уже 15 ноября 1917 г., то есть спустя всего неделю после Октябрьского
переворота4.
Спустя еще месяц, 17 декабря 1917 г., на страницах этой же газеты о тревожном развитии
событий в России поведал Александр Штайн. Он был бывшим меньшевиком, после пора-
жения революции 1905–1906 гг. бежал в Германию, где вступил в ряды СДПГ. Штайн писал
о том, что провозглашенная диктатура пролетариата и беднейшего крестьянства является
ничем иным, как «диктатурой группы членов партии большевиков, которая узурпировала
руководство движением», а также сообщал о саботировании Лениным и Троцким всех по-
пыток, создать единое социалистическое правительство, о репрессиях против инакомысля-
щих, запрете права на создание союзов и объединений, а также угрозах, распустить Учреди-
тельное собрание в случае «неподходящих» результатов выборов. Опасность гражданской
войны растет с каждым днем, – тревожился Штайн5.
Не в последнюю очередь под влиянием подобных сообщений Каутский опубликовал в ян-
варе 1918 г. в печатном органе НСДПГ «Социалистише Аусландсполитик» статью «Демо-
кратия и диктатура»6, которую он потом переработал в небольшую брошюру под названи-
ем «Диктатура пролетариата»7. Брошюра вышла в свет осенью 1918 г. На эту публикацию

2 Bernstein E., Haase H., Kautsky K. Das Gebot der Stunde // Leipziger Volkszeitung. № 139. 19. Juni 1915.
3 Salvadori M. L. Sozialismus und Demokratie: Karl Kautsky 1880–1938. Stuttgart, 1982. S. 316–319.
4 Kautsky K. Die Erhebung der Bolschewiki // Leipziger Volkszeitung. № 267. 15. Nov. 1917.
5 Stein A. Demokratie oder Diktatur? // Leipziger Volkszeitung. № 293. 17. Dez. 1917.
6 Kautsky K. Demokratie und Diktatur // Sozialistische Auslandspolitik. Unabhängige sozialdemokratische Wo-
chenschrift. 1918. № 1.
7 Kautsky K. Die Diktatur des Proletariats. Wien, 1918.

574
Карл Каутский и революции в России и Германии

Ленин отреагировал своей знаменитой полемикой «Пролетарская революция и ренегат


Каутский»8.
Гэри П. Стинсон, автор классической биографии Каутского, опубликованной в 1978 г., пи-
шет, что в споре между Каутским и Лениным скорее детерминистская, менее насильствен-
ная и более гуманистическая интерпретация Маркса столкнулась с более волюнтаристской,
более насильственной и менее гуманистической интерпретацией9. С точки зрения ретро-
спективы, это конечно же правильно, однако для Ленина и Каутского спор не в последнюю
очередь шел о том, кто из них остался на почве марксистской ортодоксии, а кто ее покинул.
Ленин не напрасно выдвинул в адрес Каутского, интеллектуального наследника основате-
лей марксизма, упрек в ренегатстве. В свою очередь, уже из первого предложения брошю-
ры «Диктатуры пролетариата», очевиден масштаб вызова, который Каутский разглядел в
Октябрьской революции: «Сегодняшняя русская революция впервые в мировой истории
сделала социалистическую партию повелительницей огромной империи»10.
Однако, в отличие от Парижской коммуны, где левые партии сотрудничали друг с другом,
захват власти большевиками осуществлялся в борьбе с другими социалистическими тече-
ниями и попытке их отстранения. Речь идет о принципиальном противостоянии, а имен-
но между демократическим и диктаторским путем к социализму11. Далее Каутский в под-
робном теоретико-историческом экскурсе объяснял обязательность демократии по пути к
социализму и для осуществления социализма. Только в условиях демократии пролетариат
может достичь зрелости для установления социалистической формы производства, которая
в свою очередь должна организовываться по социалистическим принципам. Переход к это-
му – в отличие от предыдущих буржуазных революций – также может быть только демокра-
тическим, и только в демократических условиях возможна требуемая форма организации
пролетариата12. Марксистский термин «диктатура пролетариата» следует понимать не как
форму правления, а как состояние общества13. В противном случае, речь может идти только
о диктатуре отдельного лица или небольшой группы лиц, которая не имеет с социализмом
ничего общего14. Диктатура носит в себе зародыш гражданской войны, в то время как со-
циалистическое строительство может разворачиваться только в мирных условиях. К тому
же гражданская война отличается еще более ужасными формами насилия, чем война между
государствами, так как «в гражданской войне каждая партия борется за свое выживание,
поскольку проигравшим грозит полное уничтожение». Такое развитие событий особенно
характерно в том случае, когда у власти хочет удержаться меньшинство15.

8 Ленин В.И. Пролетарская революция и ренегат Каутский // Полн. собр. соч. 5-е изд. Т. 37: Июль 1918 –
март 1919. М., 1969. С. 101–110, 235–331.
9 Steenson G. P. Karl Kautsky: 1854–1938: Marxism in the Classical Years. Pittsburgh, 1978. P. 181.
10 Kautsky K. Die Diktatur des Proletariats. S. 3.
11 Там же.
12 Там же. S. 7–12.
13 Там же. S. 20.
14 Там же. S. 23.
15 Там же. S. 24–25.

575
Юрген Царуски

Отталкиваясь от общих теоретических размышлений, Каутский переходит к прямой кри-


тике большевистской революции. Эта критика основывалась на предположении [больше-
виков], согласно которому русская революция является отправной точкой для всеобщей
европейской революции. Но пока этого не произошло, потому что революции не могут
разразиться без причины, а условия в западной части Европы сильно отличаются от усло-
вий в России16. Далее Каутский подверг резкой критике разгон Учредительного собрания
в январе 1918 г., а также советскую систему. В результате целые сегменты общества, писал
он, оказались лишены политических прав, в то время как важные аспекты социальной ре-
альности были вытеснены из политического дискурса. Так как из Советов исключили также
представителей социалистических партий, таких как социал-революционеры и меньшеви-
ки, круг обладателей политических прав все более сужался даже внутри пролетариата, огра-
ничиваясь сторонниками большевиков17. Развитие экономических отношений в Советской
России наглядно демонстрировало, насколько провальными были идеи большевиков. И все
же, как констатировал с недоумением Каутский, большевизм обладает большой притяга-
тельной силой, в том числе в тех странах, где основные свободы граждан уже были добыты
в долгой борьбе18.
Для меньшевиков, как писал Юлий Мартов в письме Александру Штейну 25 октября 1918 г.,
брошюра Каутского способствовала усилению их позиций19. Ленин также прочитал ее сра-
зу же после выхода в свет и сначала отреагировал гневной репликой в «Правде» 11 октября
1918 г. В частности, он заявил: «Каутский отрекся от марксизма, забывши, что всякое госу-
дарство есть машина подавления одного класса другим и что самая демократическая буржу-
азная республика есть машина для угнетения пролетариата буржуазией». Соответственно,
диктатура пролетариата является «машиной для подавления буржуазии пролетариатом» и
далее: «где есть подавление, там не может быть свободы, равенства и проч.». В то же время
подавление буржуазии, писал Ленин, дает трудящимся «настоящую демократию»20. Ленин
не ограничился газетной статьей и написал – посредине разгоравшейся гражданской вой-
ны, обремененный многочисленными правительственными обязанностями – стостранич-
ную брошюру «Пролетарская революция и ренегат Каутский»21. Здесь надо отметить, что
ленинская брошюра была отнюдь не блестящим интеллектуальным достижением.
Значительная часть ее текста состоит из грубых оскорблений в адрес Каутского, остаток
представляет собой полемику, ключевые мысли которой задают ленинская механистическая
модель классового государства и его оптимистические ожидания, связанные с [мировой]
революцией. Заключительные триумфальные предложения брошюры просто пропитаны
революционным оптимизмом: «Предыдущие строки были написаны 9 ноября 1918 г. В
ночь с 9 на 10 получены известия из Германии о начавшейся победоносной революции сна-

16 Там же. S. 28–29.


17 Там же. S. 37–38.
18 Там же. S. 59.
19 Из письма Ю.О. Мартова А .Н. Штейну в Берлин. Москва, 16 июня [1918] // Социалистический вестник.
1926. № 7–8. С. 16–18.
20 Ленин В.И. Пролетарская революция и ренегат Каутский // Правда. № 219. 11 окт. 1918.
21 Ленин В.И. Пролетарская революция и ренегат Каутский. М., 1918.

576
Карл Каутский и революции в России и Германии

чала в Киле и других северных и приморских городах, где власть перешла в руки Советов
рабочих и солдатских депутатов, затем в Берлине, где власть тоже перешла в руки Совета.
Заключение, которое мне осталось написать к брошюре о Каутском и о пролетарской рево-
люции, становится излишним»22.
Как известно, ленинские надежды не оправдались. Немецкая революция развивалась не по
советскому образцу. Подавляющее большинство в социалистическом рабочем движении вы-
сказалось за парламентскую демократию. Все попытки со стороны коммунистов, революци-
онизировать ситуацию, потерпели неудачу из-за недостаточной поддержки масс. Но и для
Каутского развитие революции принесло с собой целый ряд разочарований. Подхваченный
ее течением, он, до сих пор ограничивавшийся столом теоретика, оказался на поле прак-
тической политики. Совет народных уполномоченных назначил его помощником статс-се-
кретаря МИД Германии со специальным поручением, подготовить сборник документов по
вопросу о развязывании войны. Австриец Каутский получил в результате немецкое граж-
данство. Еще одна официальная функция, которая была на него возложена, представляла
собой пост председателя комиссии по социализации, которая должна была разработать
планы обобществления средств производства. И, в конце концов, Каутский стал активным
партийным деятелем, который стремился не дать НСДПГ перейти на большевистские рель-
сы, а также призывал к тесному сотрудничеству между независимой социал-демократией и
социал-демократией большинства. Ведь именно в единстве рабочего движение он видел не-
обходимую предпосылку для продолжения революции.
В конце 1918 г. Каутский считал, что революция в Германии находится только в начале пути
и ни в коем случае не близка к завершению. В своей пространной статье «Продолжение
революции», опубликованной сначала 29 декабря 1918 г. в печатном органе НСДПГ «Ди
Фрайхайт», а вслед за этим – в виде отдельной брошюры23, Кау тский заявил, что речь идет
о том, чтобы реорганизовать старый государственный аппарат и лишить власти старую
бюрократию. По этому вопросу, писал он, существует принципиальное согласие между
НСДПГ и большинством СДПГ. В свою очередь «Союз Спартака» отнюдь не стремился
к консолидации демократических сил, напротив, он хотел этому воспрепятствовать. Каут-
ский упрекал «спартаковцев» в том, что они не осознают того, что немецкая революция
развивается по собственным законам и не следует русскому образцу. Все попытки, подстег-
нуть революцию методами, которые разрушают сплоченность рабочего движения, «толка-
ют революцию отнюдь не вперед, а вниз, навстречу моральному и экономическому упадку,
и в конечном итоге, навстречу гибели»24. Тем не менее, в день публикации статьи Каутского
независимые социал-демократы покинули Совет народных уполномоченных в знак проте-
ста против жестоких действий Фридриха Эберта и военных в ходе так называемых рожде-
ственских беспорядков в Берлине. В середине января 1919 г. раскол еще более углубился из-
за так называемого восстания спартаковцев, в том числе потому, что после его подавления
были убиты Роза Люксембург и Карл Либкнехт. Люксембург до войны была другом семьи

22 Ленин В.И. Пролетарская революция и ренегат Каутский. Полн. собр. соч. Т. 37. С. 331.
23 Kautsky K. Das Weitertreiben der Revolution / Hrsg. und verlegt von der Arbeitsgemeinschaft staatsbürgerliche
und wirtschaftliche Bildung. Berlin, o. J. [1919].
24 Die Freiheit. Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands. № 79. 29. Dez. 1918.

577
Юрген Царуски

Каутского. Супруга Каутского Луиза написала для «Ди Фрайхайт» сердечный некролог в
память об убитой25. Также и Карл Каутский ощутил на себе, пусть и на короткий момент, хо-
лодное дыхание реакции. 15 января 1919 г., во второй половине дня, лейтенант и два ефрей-
тора забрали его из дома и доставили в казарму 4-го гвардейского полка в Моабите, где боль-
ше часа допрашивали на предмет его отношений с Розой Люксембург. Каутскому заявили,
что он подлежит расстрелу в случае, если будет установлена его связь со спартаковцами. До-
прос закончился только после того, как Каутский заявил о своем намерении, незамедлитель-
но позвонить в правительство, в состав которого он сам входил еще две недели назад, вплоть
до момента отставки членов НСДПГ. «Ди Фрайхайт», сообщив об инциденте, возложила
ответственность за подобного рода злоупотребления на народного уполномоченного по де-
лам армии и флота Густава Носке26.
Между слишком доверительным отношением большинства СДПГ по отношению к воен-
ным и фрайкорам, с одной стороны, и драматическим полевением НСДПГ, с другой сто-
роны, устремления Каутского к единству действий социал-демократических сил больше не
находили почву. Со времени своего основания в 1917 г. и до момента раскола в 1920 г., чис-
ленность членов НСДПГ выросла со 100.000 до почти 900.000 человек, среди них имелось
много молодежи, которая политизировалась в ходе революции и стремительно становилась
все более радикальной. В конце 1919 г. партия заявила о своей приверженности к советской
системе, против которой постоянно выступал Каутский, а также вышла из состава 2-го Ин-
тернационала.
После того, как члены НСДПГ вышли из Совета народных уполномоченных, Каутский тем
не менее продолжил свою работу по подготовке издания сборника «Немецкие документы о
начале войны»27, эта работа была завершена в конце марта 1919 г. Сегодня с актами, опубли-
кованными под редакцией Каутского и его рабочей группы, можно ознакомиться онлайн,
с помощью факсимильного издания политического архива МИД Германии28. В «Предва-
рительных замечаниях» издатели так описывали цель публикации – она «должна послу-
жить историкам и политикам как научное собрание документальных источников в целях
непредвзятого рассмотрения событий». Однако изначальная цель не была чисто научной.
Речь в первую очередь шла о недвусмысленном разрыве с тайной дипломатией кайзеров-
ской Германии и публичном признании ее значительной ответственности за развязывание
войны. Каутский пришел тогда к выводу, что «Руководители Германии, развязавшие войну,
действовали при этом несказанно легкомысленно, близоруко и безрассудно». Так он пи-
сал в книге «Как возникла мировая война», опубликованной в 1919 году29. Тем не менее,
соответствующий официальный меморандум как свидетельство фундаментальных полити-

25 Kautsky L. Rosa Luxemburg zum Gedächtnis // Die Freiheit. № 36. 20. Jan. 1919.
26 Die Freiheit. № 28. 16. Jan. 1919.
27 Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch: Vollständige Sammlung der von Karl Kautsky zusammenge-
stellten amtlichen Aktenstücke mit einigen Ergänzungen. 4 Bde / M. v. Montgelas, W. Schücking (Hrsg.). Char-
lottenburg, 1919.
28 URL: [Link]
bruch/1496644
29 Kautsky K. Wie der Weltkrieg entstand: Dargestellt nach dem Aktenmaterial des Deutschen Auswärtigen Amts.
Berlin, 1919.

578
Карл Каутский и революции в России и Германии

ческих изменений в Германии, который мог бы обеспечить немцам более благоприятные


условия в ходе мирных переговоров, как надеялись в первую очередь политики из рядов
НСДПГ, такие как Карл Каутский, Курт Эйснер и Генрих Штребель, так и не был подготов-
лен. В результате место критического осмысления событий заняла массивная пропаганда
против так называемой «лжи о вине [Германии]», быстро овладевшая дискурсом. Источ-
ником пропаганды являлся реферат МИД Германии, занимавшийся исключительно вопро-
сом ответственности за развязывание войны.
Деятельность комиссии по социализации под руководством Каутского в конечном итоге
также не принесла желаемого эффекта. После того, как в январе 1919 г. в ходе выборов в
Рейхстаг социал-демократы не получили большинства мест, их планы обобществления
горнодобывающей промышленности были положены под сукно. В то время как Каутский,
проникнутый детерминистическим оптимизмом по поводу прогресса, считал, что эти пла-
ны вновь могут найти свое применение, «как только из избирательных урн рейха явится
социалистическое большинство»30, историк Генрих Август Винклер увидел здесь важный
упущенный шанс: «Если бы предложения большинства Комиссии по социализации были
реализованы, социальный баланс сил в молодой республике существенно изменился бы: ла-
герь, который с предельной сдержанностью противостоял новому государству, был бы ос-
лаблен, а связь между рабочим классом и парламентской демократией была бы усилена»31.
У Каутского, обладавшего детерминистическим мышлением и привыкшего оперировать
долгими циклами развития, было плохо развито чувство случайных возможностей в исто-
рии и быстротечных шансов, которые стоит оперативно использовать. И здесь Каутский
фундаментально отличался от Ленина, являвшегося чрезвычайно одаренным политиком.
Это осознавал также сам Каутский, он так писал после смерти Ленина: «Среди правителей
великих государств нашего времени есть только один, кто хоть немного сравнится с ним по
мощи, это Бисмарк»32. Сравнение с инициатором исключительных законов против социа-
листов было, конечно же, обоюдоострым комплиментом в адрес революционера. Каутский
признавал «насильственный успех» Ленина, но видел базис этого успеха в первую очередь
в человеческой массе без собственного политического опыта, крайне взбудораженной ми-
ровой войной.
В свою очередь Каутский как политик не мог похвастать большими успехами: планы со-
циализации закончились ничем, также не получилось осуществить категорический разрыв
с традициями внешней политики кайзеровской Германии. Впрочем, в ссорах со статс-се-
кретарем Вильгельмом Зольфом, которого вскоре сменил более склонный к сотрудничеству
Ульрих фон Брокдорф-Ранцау, Каутский получил наглядное представление об обструкцио-
нистской тактике старых элит. Однако прежде всего ему не удалось, предотвратить поворот

30 Die Volkswirtschaftslehre der Gegenwart in Selbstdarstellungen. Bd. I: Eduard Bernstein, Karl Diehl, Heinrich
Herkner, Karl Kautsky, Robert Liefmann, Heinrich Pesch S. J., Julius Wolf / F. Meiner (Hrsg.). Leipzig, 1924.
S. 147.
31 Winker H. A. Von der Revolution zur Stabilisierung: Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik
1918 bis 1924. Berlin; Bonn, 1984. S. 192.
32 Kautsky K. Ein Brief über Lenin // Der Kampf. Sozialdemokratische Monatsschrift. 1924. Nr. 5. S. 177–178.

579
Юрген Царуски

к коммунизму значительной части немецкого социалистического рабочего движения. Меч-


ты и дела Ленина оказались для многих более притягательными, чем концепты и критика
Каутского. Петер Лёше сформулировал в своей диссертации, защищенной в 1967 г., все еще
убедительный тезис, согласно которому Каутский выдвинул идеологию антибольшевизма
как объединительную идеологию, призванную заменить устаревшее каутскианство33. Но
этот тезис не учитывает сильную эмпирическую и рациональную основу критики больше-
визма Каутским, а также его подлинную приверженность демократии и социализму. Для
него эти оба понятия были неразрывно связаны. Его критический анализ Октябрьской
революции и ее последствий в значительной степени способствовал прояснению границ
внутри социалистического движения, которые временами были довольно туманными, осо-
бенно внутри НСДПГ, хотя Каутский проделал это не с такой высокой эффективностью,
к которой он стремился в духе сильной объединенной социал-демократии как движущей
силы революции.

33 Lösche P. Der Bolschewismus im Urteil der deutschen Sozialdemokratie 1903–1920. Berlin, 1967. S. 124.

580
ВАДИМ ДАМЬЕ

Анархисты в «Красной Баварии»: Эрих Мюзам и Густав Ландауэр


(1918–1919)

7 апреля 1919 г. жители Мюнхена узнали из газет и расклеенных по городу листовок, что
накануне Революционный Центральный Совет провозгласил Баварию Советской респу-
бликой. В декларации «К народу в Баварии!» говорилось, что революционные рабочие,
крестьяне и солдаты «более не разделены партийными противоречиями», диктатура про-
летариата «теперь стала фактом», а целью ее является «осуществление подлинно социа-
листического общества» и «справедливой социалистическо-коммунистической экономи-
ки». Ландтаг и правительство объявлялись распущенными; вводилась система Советов и
делегируемых ими органов; печать подлежала социализации; учреждались Красная армия
и революционный суд. Декларация отвергала сотрудничество с правительством в Берлине
и провозглашала дружбу с народами Советской России и Советской Венгрии1. Авторами
проекта декларации были видные германские анархисты – поэт Эрих Мюзам и писатель
Густав Ландауэр. Они, а также независимый социал-демократ, поэт Эрнст Толлер, стали
наиболее заметными фигурами новой Советской республики. Их роль в событиях 1919 г.
была настолько велика, что противники именовали Баварскую революцию – «революцией
литераторов».
Активную роль в революционных событиях в Баварии в 1918–1919 гг. играли и другие анар-
хисты самого различного толка. Среди них были торговец Йозеф Зонтхаймер, председатель
Мюнхенского общества свободомыслящих; актер и писатель Рет Марут; мюнхенский сто-
ляр-синдикалист Алоис Зирх; торговец Йозеф Реннер, член Рабочего совета в Розенхайме,
позднее вступивший в Коммунистическую партию Германии (КПГ); печатник-сндикалист
Фриц Эртер в Фюрте и другие. Тем не менее, одна из особенностей ситуации состояла в
том, что анархисты Баварии в этот период не были объединены в одну организацию; каж-
дый из них действовал индивидуально, в соответствии со своими убеждениями2.
Родившийся в Карлсруэ, Ландауэр уже в молодости примкнул к СДПГ и вскоре стал при-
знанным лидером леворадикальной оппозиции так называемых «Молодых», которых в
1891 г. исключили из партии. Эволюционировав от левого социализма к анархизму, Ланда-
уэр выдвинул собственную либертарно-федералистскую концепцию. Он пропагандировал
создание в условиях существующего общества новых свободных общин и их федераций, в
рамках которых могло произойти становление нового, свободного человека. Именно такое
волевое культурное и духовное развитие личности и практическое осуществление анар-
хистско-социалистических принципов должно было, по его мысли, подготовить социаль-
ную революцию. Эти идеи и были положены в основу Социалистического союза: Ландауэр

1 An das Volk in Baiern! // Münchner Neueste Nachrichten. Nr. 159. 7. Apr. 1919. S. 1.
2 Mühsam E. Die bayerische Räterepublik und die Anarchisten // Mühsam E. «War einmal ein Revoluzzer»: Ver-
streute Schriften 1917–1932. Marburg, 1985. S. 37.

На рубеже эпох: русский и немецкий опыт 1917–1919 гг. | 581–593


[Link] 581
Вадим Дамье

рассматривал его как зародыш такой будущей федерации инициатив, общин и поселений.
Мюнхенскую группу Социалистического союза возглавлял поэт Эрих Мюзам. Он родился
в Берлине, с юности контактировал с кругами литературно-художественной богемы, социа-
листами и анархистами. С 1906 г. Мюзам жил в Мюнхене, где издавал журнал «Каин» и пы-
тался организовать наиболее обездоленные слои населения, включая люмпен-пролетарские
и деклассированные элементы.
Государственные репрессии в условиях Первой мировой войны практически парализовали
деятельность анархистов и синдикалистов в Германии. Основной задачей движения было
теперь выжить и попытаться сохранить контакты по стране в ожидании наступления луч-
ших времен. Основные общегерманские (Анархистская федерация, Социалистический
союз, Свободное объединение немецких профсоюзов) и региональные организации пре-
кратили свою работу. В Мюнхене сохранилась лишь местная Синдикалистская рабочая фе-
дерация во главе с Алоисом Зирхом.
Ландауэр устранился из политики, считая, что необходимо сосредоточиться на культурной
и идейной работе по изменению сознания людей. В 1916 г. он отвергал призывы к возоб-
новлению подпольной антивоенной агитации, которые ему делали бывшие лидеры Анар-
хистской федерации Рихард и Рудольф Эстрайхи и Мюзам. Не желал он и сотрудничества
с антивоенным крылом социал-демократии, считая невозможным совместные действия с
любыми политиками, которые, как он полагал, неминуемо извратят дело. Сам же Мюзам
после некоторых колебаний в самом начале войны уже через несколько месяцев перешел на
активные антивоенные позиции. Он был убежден, что покончить с войной сможет только
стихийная революция населения. Комментируя письмо, полученное им от Ландауэра, Мю-
зам писал в своем дневнике 19 июня 1916 г.: Ландауэр «обращается против усилий вызвать
революцию», «поскольку для этого должны быть выдвинуты определенные цели и необ-
ходимо подготовиться организационно. Я совершенно не разделяю этого взгляда. Целью
революции был бы попросту мир. Если это будет достигнуто, народ получит моральное пре-
имущество, которое сделало бы его весьма восприимчивым к подготовке более крупных и
социалистических вещей»3.
Антивоенная позиция привела к сближению анархистов и левых социал-демократов во мно-
гих странах мира. Французские революционные синдикалисты приняли участие в Циммер-
вальдском движении; в России анархисты и большевики нередко сотрудничали в массовых
движениях 1917 года; австрийские, венгерские и чешские анархисты выступали против во-
йны вместе с левыми марксистами и в 1918–1919 гг., некоторые из них приняли участие в
создании коммунистических партий…4 По тому же пути пошел и Мюзам. Уже в мае 1916 г.
он предложил сотрудничество известному мюнхенскому социал-демократу и пацифисту
Курту Эйснеру, а также выразил солидарность с Карлом Либкнехтом. 17 июня 1916 г. Мю-
зам оказался одним из вожаков стихийной голодной демонстрации протеста в Мюнхене.
Толпы собравшихся (около 10 тысяч человек, по оценке Мюзама) скандировали: «Мира! –

3 Mühsam E. Tagebücher. 15 Bde. Band 5: 1915–1916. Berlin, 2013. S. 249.


4 Дамье В.В. Анархисты. синдикалисты и Первая мировая война. М., 2014. С. 222–223, 227–228, 234–236.

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Анархисты в «Красной Баварии»: Эрих Мюзам и Густав Ландауэр (1918–1919)

Долой войну! – Хлеба!»5 «Меня, кажется, подозревают в организации всего этого дела, как
будто что-то подобное вообще можно организовать! – записывал анархист в дневнике 21
июня 1916 г. – Моя деятельность в ходе волнений распространялась лишь на то, чтобы при-
дать возгласам толпы определенное направление, обратить возмущение нехваткой хлеба на
ее причину, войну»6. Мюзам надеялся, что волнения продолжатся и охватят другие города
Баварии и Германии в целом, и «тогда с войной продлится недолго»7. Но вопреки его ожи-
даниям, беспорядки в Мюнхене прекратились после того, как власти несколько улучшили
снабжение населения продовольствием.
Мюзам становится завсегдатаем вечерних дискуссий в доме Эйснера, который вступил в Не-
зависимую социал-демократическую партию Германии (НСДПГ) и возглавил ее мюнхен-
скую организацию. Уже в 1917 г. поэт начал испытывать симпатии к русским большевикам.
Подобно многим другим революционерам за пределами России, он видел в большевизме то,
что ему хотелось видеть, и эта картина была весьма далека от реальности. Мюзам объявлял
себя анархистом-коммунистом и приверженцем Бакунина, которого считал основополож-
ником идеи Советов8. Но при этом он видел в Ленине и большевиках неосознанных про-
должателей скорее дела Бакунина, нежели Маркса. Он полагал, что «большевизм пролагает
мост между Марксом и Бакуниным»9, и был искренне убежден в том, что «Ленин, этот
твердый марксист», понял несовместимость Советов и централизации и «дал автономию
местным Советам»10. Иными словами, Мюзам плохо представлял себе жесткие ультрацен-
тралистские реалии большевистского государства.
Активизация анархистов в Германии наметилась после начала революции в России. Россий-
ский пример и действия большевиков казались иллюстрацией того, как можно покончить
с войной и одновременно – с породившими ее причинами. В период январских забастовок
1918 г. берлинские синдикалисты участвовали в стачечном движении и распространяли ли-
стовки, предлагая продлить забастовку. В Мюнхене во время январских забастовок руко-
водство местной организации НСДПГ во главе с Эйснером не допускало анархистов Мю-
зама и Зонтхаймера на собрания и рабочие митинги. После ареста Эйснера поздно вечером
31 января 1918 г. обоим анархистам удалось на время поставить мюнхенскую партийную
организацию под свое влияние. Но уже в конце февраля – марте военные власти запретили
им публичную деятельность, а в апреле выслали из Мюнхена, в Траунштайн. Оба обрели
свободу лишь 31 октября 1918 г. Через несколько дней в Германии вспыхнула революция.
Революционные события в Баварии начались раньше, чем пала империя в Берлине. Даже
баварское крестьянство, несмотря на свои консервативно-католические настроения, было
недовольно военными тяготами, развалом хозяйства и принуждением к поставке продуктов.
Еще большее возмущение готово было прорваться в городах, особенно в Мюнхене, где со-

5 Mühsam E. Tagebücher. Bd. 5. S. 244–247.


6 Там же. S. 256.
7 Там же. S. 247.
8 «… система Советов– это целиком его собственность», – писал Мюзам о Бакунине; см.: там же. S. 376.
9 Там же. S. 298.
10 Там же. S. 193.

583
Вадим Дамье

средотачивались рабочие, солдаты и радикально настроенная интеллигенция. Именно они


и стали главной движущей силой переворота. Созванный 7 ноября на Терезиенвизе массо-
вый митинг быстро вышел из-под контроля организаторов из СДПГ. Героями дня оказались
вышедший на свободу в октябре Эйснер и нелегально возвратившийся в Мюнхен Мюзам.
Солдаты не пожелали слушать речи социалистических лидеров, они подняли красные фла-
ги и принялись объезжать на грузовиках казармы, чтобы побудить военнослужащих прим-
кнуть к восстанию.
«7 ноября около 3/4 шестого пополудни я стал первым человеком Германии, который пу-
блично провозгласил смещение династий и установление свободной баварской Советской
республики», – сообщал Мюзам в письме лидеру бременских «интернациональных комму-
нистов» Йоганну Книфу (1880–1918). Первоначально митинг проходил спокойно, и «пер-
вая попытка взбунтовать бронеподразделение, в котором приняли участие моя жена и я,
не удалась. Люди отказывались от любого действия». Когда демонстранты стали ходить по
городу, Мюзам направился к казарме на Тюркештрассе, где вспыхнули волнения. «Я подса-
дил жену на военный грузовик, на котором несколько солдат подняли красный флаг. Затем я
сам также взобрался туда и держал перед стекавшимися солдатами и публикой речь, в кото-
рой призвал к революции и провозгласил республику. Теперь революция внезапно пришла.
Меня провозгласили вождем, и мы поехали на нашей машине, в сопровождении множества
солдат и вооруженные быстро установленным пулеметом, чтобы взбунтовать другие казар-
мы»11. В результате почти все казармы присоединялись к революционерам.
Анархисты и синдикалисты приняли самое деятельное участие в революционных событиях
ноября 1918 г. в различных частях Германии, хотя их неорганизованным и неподготовлен-
ным группам и не удалось существенно повлиять на общую направленность и лозунги борь-
бы. Но именно в Баварии анархистам предстояло на короткое время выйти на авансцену
событий.
В Мюнхене Мюзам призывал к образованию Советов, но первый такой орган возник без
его участия. Пока он продолжал агитацию на улицах города, в ночь с 7 на 8 ноября 1918 г.
на заседании в пивном зале «Матезер» рабочие и солдаты, которые участвовали в восста-
нии, стихийно сформировали Революционный рабочий совет (РРС). Как вспоминал Мю-
зам, РРС состоял из 50 членов. Хотя большинство его членов состояли в НСДПГ, а после
создания КПГ многие вступили в эту новую партию, партийная принадлежность считалась
неважной и партийная агитация не велась. Условиями принадлежности были стремление
продолжать революцию до осуществления экспроприации земли и средств производства,
ликвидации демократического государства и создания Советской республики12. Председа-
телем РРС был избран Эйснер. На заседании в здании ландтага Совет провозгласил Баварию
республикой, а на следующий день было сформировано правительство во главе с Эйснером.

11 Erich Mühsam an Johann Heinrich Knief in Bremen. 1. Dez. 1918 // 1918: Die Deutschen zwischen Weltkrieg
und Revolution / G. Hirschfeld, G. Krumeich, I. Renz (Hrsg.). Berlin, 2018. S. 238.
12 Mühsam E. Die bayerische Räterepublik und die Anarchisten. S. 37–39; Mühsam E. Von Eisner bis Leviné: Die
Entstehung der bayerischen Räterepublik. Berlin, 2016. S. 7–8.

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Анархисты в «Красной Баварии»: Эрих Мюзам и Густав Ландауэр (1918–1919)

В него вошли преимущественно члены НСДПГ и СДПГ, которая вынуждена была признать
революцию, как свершившийся факт.
9 ноября РРС кооптировал Мюзама в свой состав, вопреки желанию Эйснера13. Позднее
членом Революционного рабочего совета, по предложению Мюзама, был избран и Ланда-
уэр14. В момент революции Ландауэр жил с детьми в баварском городе Крумбах и болел
гриппом; в первые же несколько дней после переворота Эйснер пригласил его в Мюнхен15.
«Чего бы я от Вас хотел, – писал ему глава республиканского правительства в письме 14
ноября, – так это чтобы Вы путем Вашей ораторской деятельности сотрудничали в преобра-
зовании душ»16. Едва поправившись, Ландауэр последовал этому приглашению от Эйснера,
которого он знал с 1917 г. «Я чувствую себя вполне оправившимся от гриппа и сегодня
вечером выезжаю в Мюнхен; Эйснер ждет меня», – сообщал он 15 ноября 1918 г. в письме
к своему шурину Адольфу Отто, выражая надежду на то, что «в Берлине или против Берли-
на произойдет дополнительная революция». – «Все мое утешение – это Бавария, откуда я
тоже хочу помочь»17. Однако перебраться в баварскую столицу Ландауэру удалось не сразу.
В Мюнхене он снова заболел и вынужден был на некоторое время возвратиться в Крумбах,
откуда опять приехал в Мюнхен лишь в конце ноября. Эйснер предоставил ему для жилья
свой загородный домик в Гросс-Хадерне. Ландауэр буквально разрывался между пригоро-
дом, Мюнхеном и Крумбахом, где оставались его дети. Он рассматривал свою деятельность
в Баварии лишь как временную и намеревался в будущем перебраться в Дюссельдорф, чтобы
работать в местном театре18.
Революционный рабочий совет Мюнхена организовал выборы в Рабочий совет Мюнхена
по предприятиям, оказывал помощь в создании Советов в провинции, а затем, в сотрудниче-
стве с солдатскими и крестьянскими Советами, – в формировании Центрального совета Ба-
варии. Помимо Мюзама и Ландауэра, в РРС входили еще 2 или 3 беспартийных анархистов19.
Представители РРС составляли левую фракцию Рабочего и солдатского Совета Мюнхена и
делегировали контролеров во все министерства и официальные службы20. Анархисты и син-
дикалисты были избраны также в различные местные Советы: активист Синдикалистской
рабочей федерации Алоис Зирх стал в середине ноября членом Рабочего и солдатского со-
вета Мюнхена21, анархист Фритц Эртер вошел в состав исполнительного комитета Рабочего

13 Mühsam E. Mein Gegner Kurt Eisner // Mühsam E. «War einmal ein Revoluzzer». S. 57.
14 Haug W. Erich Mühsam: Schriftsteller der Revolution. Reutlingen, 1984. S. 47.
15 Gustav Landauer an Ludwig Berndl. 12. Nov. 1918 // Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis (далее:
IISG). Gustav Landauer Papers. Inv. Nr. 152. Abschriften von 171 Briefen Gustav Landauers an Ludwig Berndl.
S. 170.
16 Kalz W. Gustav Landauer: Kultursozialist und Anarchist. Meisenheim a. Glan, 1967. S. 71.
17 Gustav Landauer an Adolf Otto. 15. Nov. 1918 // IISG. Gustav Landauer Papers. Inv. Nr. 142. Briefe und Ab-
schriften von Briefen von Gustav Landauer.
18 Gustav Landauer an Ludwig Berndl. 28. Nov. 1918; 29. Nov. 1918; 13. Dez. 1918; 25. Dez. 1918 // IISG. Gustav
Landauer Papers. Inv. Nr. 152. S. 172–175.
19 Mühsam E. Von Eisner bis Leviné. S. 7–8.
20 Mühsam E. Die bayerische Räterepublik und die Anarchisten. S. 39. Позднее РРС был представлен 10 делегата-
ми на съезде Советов Баварии.
21 Linse U. Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871. Berlin, 1969. S. 347.

585
Вадим Дамье

и солдатского совета в Фюрте как представитель от НСДПГ22, и т.д. Агитационную работу


в революционной Баварии вели анархисты Зонтхаймер, Рет Марут и другие. Марут издавал
журнал «Дер Цигельбреннер», выпустил брошюру «Мировая революция начинается» и
выступал с речами под этим лозунгом23.
Характерно, однако, что среди мюнхенских анархистов не было единства по основным во-
просам теории и тактики. Все они приветствовали крах централизованной Германской им-
перии – этого «трюкачества», «детища Бисмарка»24 и «преходящего творения акта наси-
лия»25. Анархисты видели в стихийной Ноябрьской революции и возникновении Советов
начало пути к новому, подлинно свободному обществу. Но эту дорогу они представляли
себе совершенно по-разному.
Зонтхаймер выступал на собраниях революционных солдат и рабочих с призывами к осу-
ществлению коммунизма – обобществлению собственности: «Если во время войны все
должно было принудительно защищаться всеми, то после войны все должно принадлежать
всем. Мы требуем немедленной конфискации всех военных прибылей, пока их не увели за
границу», – провозглашал он26. Но при этом речи Зонтхаймера звучали столь агрессивно и
кровожадно, так что Мюзам называл их позднее «дурацкой болтовней»27.
Напротив, Ландауэр стремился свести к минимуму насилие против людей. «Проблема на-
силия меня не слишком заботит, – писал он своему другу Людвигу Берндлю. – Кровавого я
не использую; другое дело – необходимое оборона против насилия»28.
С точки зрения Ландауэра, как справедливо замечал его друг – философ Мартин Бубер, по-
литические революции бывают необходимы, но они не создают нового. Они могут лишь
расчистить почву для него. Действительный социализм, полагал он, – это свободные, гу-
манные и неиерархические отношения между людьми, которые обладают новым сознанием
и формируют свои собственные органы для принятия решений. Этот процесс должен был
разворачиваться «снизу», и долг революционеров состоял в том, чтобы способствовать
свободных форм жизни, сознания и социальных отношений29. Именно этим Ландауэр и на-
меревался заняться.
В брошюре «Соединенные республики Германии и их конституция», написанной им в
конце ноября 1918 г., Ландауэр называл свержение монархий «благословенным движени-

22 Seligman M. Fürth in Bayern: Die erste bayerische Räterepublik – ausgerufen am 7. April 1919 // Schwarzer
Faden. Vierteljahresschrift für Lust und Freiheit. 1989. Nr. 1 (30). S. 46.
23 Koepke W. Revolution in Schwabing: Ret Marut und sein Ziegelbrenner // B. Traven – der (un)bekannter Schrift-
steller / A. E. Borszik, H. Mateo (Hrsg.). Hamburg, 2017. S. 84–91.
24 Mühsam E. Tagebücher. Bd. 6: 1919. Berlin, 2014. S. 136.
25 Landauer G. Die vereinigten Republiken Deutschlands und ihre Verfassung. Frankfurt a. M., 1918. S. 2 // IISG.
Gustav Landauer Papers. Inv. Nr. 49.
26 См., напр., объявление «Soldaten u. Arbeiter!» о выступлении Зонтхаймера на собрании солдат 27 нояб.
1918 г. // Studienreihe Zivilgesellschaftliche Bewegungen – Institutionalisierte Politik. 2017. Nr. 34. S. 3.
27 Mühsam E. Tagebücher. Bd. 6. S. 10.
28 Gustav Landauer an Ludwig Berndl. 14. März 1919 // IISG. Gustav Landauer Papers. Inv. Nr. 152. S. 177.
29 Buber M. Landauer und die Revolution // Buber M. Pfade in Utopia: Über Gemeinschaft und deren Verwirkli-
chung. Heidelberg, 1985. S. 320–325.

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Анархисты в «Красной Баварии»: Эрих Мюзам и Густав Ландауэр (1918–1919)

ем»30, которое положило начало радикальной децентрализации и настоящему федерализму.


Настоящая демократия, пишет он, – это не представительная система, не голосование на
выборах, когда народ отрекается в пользу олигархии. «Наша революция уже начала возвра-
щаться к подлинной демократии, примером которой являются общинные и земельные со-
брания средневековых конституций, Норвегии и Швейцарии, но, прежде всего, – заседания
секций в период французской революции»31. Вместо атомизированных избирателей и пред-
ставляющих их партийных депутатов, Ландауэр предлагал анархистскую систему местных
общих собраний жителей и делегатов от различных ассоциаций и объединений. Эти делега-
ты должны были действовать по строгому наказу (императивному мандату) и отзываться в
любой момент. Создаваемым ими органам не делегировались полномочия команды и управ-
ления: им надлежало лишь делать предложения или выдвигать инициативы, осуществлять
которые призвано было само население или ассоциации. Низовые самоуправления затем
должны были объединяться в федерации на региональном, земельном и страновом уров-
не. Ландауэр особо подчеркивал, что «такая демократия находится в неразрывной связи
с социализмом»32. Пу ть к этому он видел не в созыве Национального собрания, а в Сове-
тах: «Прекрасным началом всего этого процесса служат теперь рабочие, крестьянские и
солдатские Советы, как их сразу же создала революция по старому революционному или
новому русскому образцу»33. Советы были для Ландауэра органами народных ассоциаций
и объединений, а не диктатуры пролетариата. «Кто сейчас еще боится диктатуры пролета-
риата? – восклицал он. – Я бы даже не то что боялся, а ненавидел ее и боролся бы с ней, как
с чумой, если бы она угрожала. Но она не предстоит. Предстоит, раньше, чем кто-нибудь
предполагает, не диктатура, а ликвидация пролетариата и возникновение нового человече-
ского общества»34.
Но процесс перехода к новому обществу находится лишь в самом начале, предупреждал
Ландауэр. «Революция еще только началась», – писал он 18 ноября 1918 г. из Мюнхена
издателю Адольфу Нойманну35. Ту же мысль Ландауэр повторял неоднократно. «Она нача-
лась, умы пробудились, и она будет продолжаться долго. Что бы ни случилось, должно быть
сделано для того, чтобы помочь разуму, справедливости и любви», – подчеркивал он в пись-
ме Людвигу Берндлю36.
Приветствуя Советы, Ландауэр одновременно критиковал российских большевиков, кото-
рых считал централистами-якобинцами, в духе Робеспьера, неспособными построить новое
общество. Они – «трагические дураки», писал анархист, а все их «судороги – это марксист-
ское безумие»37.

30 Landauer G. Die vereinigten Republiken Deutschlands und ihre Verfassung. S. 2.


31 Там же. S. 3.
32 Там же. S. 4.
33 Там же.
34 Там же. S. 5.
35 Gustav Landauer an Adolf Neumann. 18. Nov. 1918 // IISG. Gustav Landauer Papers. Inv. Nr. 142.
36 Gustav Landauer an Ludwig Berndl. 29. Nov. 1918 // IISG. Gustav Landauer Papers. Inv. Nr. 152. S. 173–174.
37 Gustav Landauer an Ludwig Berndl. 14. März 1919 // Там же. S. 177.

587
Вадим Дамье

Ландауэр положительно относился к Эйснеру, с которым был лично дружен и которого счи-
тал честным человеком и искренним революционером. Однако его смущали уступки СДПГ,
которые делались главой правительства. Он считал политические партии угрозой для рево-
люции, ее могильщиком, о чем недвусмысленно заявил, выступая на заседании Временного
национального совета Баварии 18 декабря 1918 г.38 Постепенно он все больше разочаровы-
вался в способности Эйснера двигать революцию дальше.
Напротив, Мюзам с самого начала не доверял Эйснеру и уже 9 ноября публично назвал
формирование его правительства «контрреволюционным»39. Мюзам считал необходимым
достижение «единства революционного пролетариата» на «основе коммунизма», путем
«взрыва всех партий» и «объединения всех революционеров, которые являются интер-
националистскими, коммунистическими и за Советскую республику, без партийной про-
граммы, библии и бонз», как он именовал партийных вождей40. В нем должно было найтись
место и для анархистов, и для подлинно-революционных марксистов. Не отказываясь от
анархизма, Мюзам считал необходимым дополнить взгляды Бакунина идеей «диктатуры
пролетариата», понимая под ней не форму государственного устройства, а средство совер-
шения революции41. Его собственная «программа» выглядела следующим образом: «Си-
стема Советов с самой широко идущей автономией местных Советов, интернационализм,
доходящий до ликвидации государственных границ, пролетарская диктатура как средство
социализации экономики, полного уничтожения всякой эксплуатации и, наконец, ликви-
дации самого пролетариата», «введение экономического равенства», «беспощадность
в разрушении капиталистических и государственно-авторитарных рудиментов при одно-
временном создании социалистическо-коммунистических основ общества», организация
производства, ориентированного на потребление и децентрализация хозяйства42. Мюзам
искренне верил, что именно это и делают большевики в России.
Для распространения этих идей Мюзам 18 ноября 1918 г. возобновил издание журнала
«Каин». 30 ноября он организовал, на основе радикальной части РРС, новую группу –
«Объединение революционных интернационалистов» (ОРИ). Он видел в нем практи-
ческое осуществление идеи «единства пролетариата»43. Как вспоминал Мюзам, ОРИ со-
биралось ежедневно в задней комнате одной из гостиниц («Браунауэр хоф»), обсуждало
ситуацию и предстоящие действия, составляло листовки и плакаты. Ландауэр в группу не
входил44. Одной из первых крупных акций Объединения стала демонстрация 6 декабря
1918 г. против намеченных выборов в баварский ландтаг. Выступивший перед 1.000 солдат и
рабочих Мюзам призвал сорвать выборы; демонстранты захватили редакции и типографии
ведущих буржуазных газет Мюнхена и потребовали опубликовать свое заявление. Эйснер

38 Buber M. Landauer und die Revolution. S. 326.


39 Mühsam E. Mein Gegner Kurt Eisner. S. 54–56.
40 Mühsam E. Tagebücher. Bd. 6. S. 227.
41 Там же. S. 192, 372.
42 Там же. S. 298.
43 Hug H. Erich Mühsam: Untersuchungen zu Leben und Werk. Glashütten, 1974. S. 45–46.
44 Mühsam E. Von Eisner bis Leviné. S. 10.

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Анархисты в «Красной Баварии»: Эрих Мюзам и Густав Ландауэр (1918–1919)

приказал полиции очистить помещения от протестующих45. Накануне выборов, 10 января


1919 г. Эйснер распорядился арестовать 12 ведущих революционных активистов, среди ко-
торых были Мюзам, Зонтхаймер, лидеры мюнхенских коммунистов и члены ОРИ. Однако
после мощной демонстрации на Променадеплац арестованных пришлось освободить; им
была устроена восторженная встреча46. РРС пригласил на свое заседание Эйснера и потре-
бовал от него объяснений. «К чему эти игры в революцию после революции?» – спросил
глава правительства, на что Мюзам под аплодисменты собравшихся заявил, что революция
не закончена, и делалась она не для того, чтобы посадить Эйснера в премьерское кресло47.
Несмотря на то, что большинство членов ОРИ в январе 1919 г. присоединились к ново-
созданной Коммунистической партии Германии, и Мюзам покинул эту организацию, он
продолжал сотрудничать с коммунистами в практических вопросах, надеясь на единство
действий в борьбе за Советы. Однако после выборов в ландтаг 12 января, на которых НСД-
ПГ Эйснера потерпела сокрушительное поражение, события нарастали, как снежный ком.
Ландауэр и Мюзам развернули энергичную работу в РРС. Когда военный министр, соци-
ал-демократ Альберт Росхауптер восстановил права офицеров, РРС направил Мюзама на
заседание центрального Солдатского совета, чтобы потребовать отставки чиновника, но
это требование было отклонено. 9 февраля, по предложению Ландауэра, РРС организовал
демонстрацию под красным флагом, добиваясь отказа от применения уголовной статьи
за «подстрекательство» к мятежу. Протестующие ворвались на заседание мюнхенского
Рабочего совета, и члены РРС, включая Ландауэра, Мюзама и лидера коммунистов Макса
Левина, выступили с речами. Они потребовали отставки социал-демократических мини-
стров и отмены созыва Национального собрания. Социал-демократическое большинство
членов Рабочего совета покинули заседание в знак протеста. Но 16 февраля состоялась но-
вая, 15-тысячная демонстрация против преследования революционеров по политическим
статьям; члены РРС вышли на нее с лозунгом перехода власти к рабочим, солдатским и
крестьянским Советам. На заседании съезда Советов Баварии, который проходил в здании
мюнхенского Национального театра с 13 по 20 февраля 1919 г., Мюзам обратился к Эйсне-
ру с призывом к реальным мерам по социализации экономике и к установлению отношений
с революционной Россией48.
21 февраля, по дороге в новый ландтаг, Эйснер был убит монархистом Антоном фон Арко
ауф Валлей. В ответ член РРС Алоис Линднер стрелял в лидера баварских социал-демокра-
тов, министра внутренних дел Эрхарда Ауэра, которого он считал виновным в покушении
на Эйснера. В возникшей всеобщей панике депутаты ландтага и члены правительства разбе-
жались. Реальная власть перешла в руки РРС, который вновь созвал съезд Советов.

45 Schaupp S. Der kurze Frühling der Räterepublik: Ein Tagebuch der bayerischen Revolution. Münster, 2017.
S. 56, 90.
46 Linse U. Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871. S. 369–370; Haug W. Erich Mühsam.
S. 47–48.
47 Mühsam E. Mein Gegner Kurt Eisner. S. 58.
48 Mühsam E. Von Eisner bis Leviné. S. 15–20.

589
Вадим Дамье

Ни Мюзама, ни Ландауэра не было в Мюнхене 21 февраля, но они срочно вернулись в столи-


цу. Ландауэр выступал на траурной церемонии. 25 февраля собрался новый съезд Советов.
Выступая на его заседании 28 февраля, Мюзам, от имени РРС, предложил провозгласить
Советскую республику. Это предложение было поддержано коммунистами, но отвергнуто
234 голосами против 7049. Среди тех, кто проголосовал «против», оказались не только со-
циал-демократы и большинство членов НСДПГ, но и Ландауэр, который считал, что время
для Советской республики еще не созрело50. 7 и 8 марта Мюзам безуспешно повторял свое
предложение.
7 марта, под давлением приехавших из Берлина лидеров НСДПГ, на переговорах меж-
ду СДПГ и НСДПГ в Нюрнберге был достигнут компромисс, который был утвержден и
съездом Советов, несмотря на возражения крайне левых. Согласно этой договоренности,
ландтаг должен был собраться для формирования правительства из представителей обеих
социал-демократических партий51. Список членов кабинета во главе с социал-демократом
Иоганнесом Гофманом был согласован с Центральным советом, избранным съездом Сове-
тов. 17 марта правительство было утверждено ландтагом, который после этого прекратил
работу, вплоть до момента, когда его вновь соберет Центральный совет.
«Мы имеем министерство посредственностей, но, по крайне мере, оно назначено съездом
Советов и может быть им смещено, – писал Ландауэр Адольфу Отто. – Кроме того, надо
надеяться, что комиссии нашего комитета действий теперь начнут практическую работу»52.
«Мы теперь переживаем разгар реакции (названной “социалистическим министерством“)
[…], – повторяет он в письме Берндлю. – У нас все тяжело; я мог бы помочь, но мир настоль-
ко глух, что мне хотелось бы замолчать»53. Ландауэр договорился о возобновлении издания
газеты «Дер Зоциалист», которая до войны была печатным органом Социалистического
союза и должна была теперь вновь пропагандировать те же идеи. Он обсуждает с Берндлем
планы организации свободных аграрно-промышленных хозяйств-общин в регионе Мюн-
хена, в соответствии с принципами, которые излагал Кропоткин в книгах «Хлеб и воля»
и «Поля, фабрики и мастерские»54. Он намеревается собрать сторонников своих идей и
взглядов, и готов их возглавить. «Я тоже полагаю, что должен руководить; соберите только
в вашей местности моих людей, – писал Ландауэр Адольфу Нойманну. – Другие делают и
будут продолжать это делать в других пунктах, и, как я надеюсь, вскоре наступит время для
своего рода съезда…»55.
В конце марта на митинге РРС, на котором делал доклад Мюзам, выступил баварский ко-
миссар по социализации экономики Отто Нейрат, пообещавший убедить правительство
выделить сторонникам коммунизма большой участок земли для организации коммуни-
стического хозяйства. Ландауэр выступил за принятие этого плана. Однако большинство

49 Haug W. Erich Mühsam. S. 48.


50 Mühsam E. Die bayerische Räterepublik und die Anarchisten. S. 37.
51 Mühsam E. Von Eisner bis Leviné. S. 30–32.
52 Gustav Landauer an Adolf Otto. 13. März 1919 // IISG. Gustav Landauer Papers. Inv. Nr. 142.
53 Gustav Landauer an Ludwig Berndl. 14. März 1919 // IISG. Gustav Landauer Papers. Inv. Nr. 152. S. 177.
54 Gustav Landauer an Ludwig Berndl. 22. März 1919 // Там же. S. 177–178.
55 Gustav Landauer an Adolf Neumann. 22. März 1919 // IISG. Gustav Landauer Papers. Inv. Nr. 142.

590
Анархисты в «Красной Баварии»: Эрих Мюзам и Густав Ландауэр (1918–1919)

участников поддержало позицию Мюзама. который потребовал, чтобы такой район полу-
чил также полную политическую автономию56.
Революционные настроения в городах Баварии нарастали. «Здесь происходят важные
вещи; я начинаю снова надеяться, что мы трудимся не зря, – сообщал Мюзам 26 марта в
письме австрийскому писателю Фрицу Маутнеру. – Жало, которое мы поставили за прави-
тельством, действует так, что от их психологии уже немногое зависит»57.
4 апреля бастовавшие аугсбургские рабочие потребовали у Центрального совета объявить
Советскую республику. Одновременно лидеры ландтага нарушили достигнутое соглашение
и созвали заседание законодательного органа на 8 апреля, что было воспринято революцио-
нерами, как переход контрреволюции в наступление. Ландауэр, председатель Центрального
совета, социал-демократ Эрнст Никиш и ряд членов НСДПГ предложили провозгласить
Советскую республику, и эта идея была поддержана Мюзамом. Оба анархиста сыграли ре-
шающую роль в последующих консультациях, которые проходили в зданиях министерства
иностранных дел и военного министерства, с участием членов РРС, обеих социал-демокра-
тических партий и профсоюзов. Большинство участников высказались за провозглашение
Советской республики, но руководство коммунистов во главе с Евгением Левине выступи-
ло против. Коммунисты возражали против участия представителей СДПГ в новой власти и
считали установление Советской республики «преждевременным». Мюзам пытался убе-
дить их отказаться от своих возражений; было решено, что СДПГ не будет участвовать в
новом исполнительном органе, но Левине и его товарищи остались непреклонны58. После
провала переговоров с Левине Мюзам осудил позицию руководства коммунистов как рас-
кол «единства пролетариата» и выразил надежду на то, что их позиция изменится после
выборов в новые фабрично-заводские советы, которые сформируют пролетарскую власть,
однако этого так и не произошло.
В конечном счете Советская республика59 была провозглашена без участия КПГ. Ландауэр
и Мюзам заняли видные посты в ее руководстве. Однако и позиция и действия мюнхенских
анархистов в период так называемой «первой» Советской Республики (7–13 апреля) были
во многом различными.
Ландауэр стал народным уполномоченным по вопросам народного просвещения, образова-
ния, науки и искусства, причем его кандидатура была единственной, не встретившей ника-
ких возражений60. Хотя он и питал обоснованные сомнения в успехе Советской республики,
но оставаться в стороне не мог. «Если мне дадут хотя бы пару недель времени, я надеюсь
кое-чего достичь; но вполне возможно, что это – всего лишь пара дней, а затем окажется, что
это был сон», – писал он Маутнеру 7 апреля61.

56 Mühsam E. Von Eisner bis Leviné. S. 36.


57 Landauer G., Mauthner F. Briefwechsel 1890–1919. München, 1994. S. 363.
58 Подробнее см.: Mühsam E. Von Eisner bis Leviné. S. 39–48.
59 О провозглашении и истории Баварской Советской республики см.: Ватлин А .Ю. Советское эхо в Баварии.
М., 2014.
60 Mühsam E. Lüge um Landauer // Mühsam E. «War einmal ein Revoluzzer». S. 61.
61 Landauer G., Mauthner F. Briefwechsel 1890–1919. S. 364.

591
Вадим Дамье

Ландауэр стремился ликвидировать «академическую контрреволюцию» и осуществить ре-


организацию системы образования, культуры и искусства на основе принципов децентра-
лизации и самоуправления62. Согласно его проектам, в Мюнхенском университете должен
был быть образован «Революционный совет высшей школы», а в Академии изобразитель-
ных искусств – «Совет художников». Этим органам предстояло разработать планы рефор-
мирования учебных заведений на новых, революционных основах, подготовить новые учеб-
ные программы и т.д. С артистами и театральными деятелями он обсуждал самоуправление
театров. Предполагалась социализация печати. Однако осуществить свою программу за
время существования первой Советской республики Ландауэру так и не удалось63.
Ландауэр также выступил с резкой критикой в адрес коммунистов на конференции фабрич-
но-заводских комитетов 11 апреля.
Анархист Рет Марут тесно сотрудничал с Ландауэром. Он возглавлял отдел по печати Цен-
трального совета, был членом комитета по пропаганде собрания фабрично-заводских сове-
тов и комиссии по подготовке создания революционного трибунала. Он отвечал, в частно-
сти, за контроль над буржуазной прессой64.
Мюзам занимался контактами с Советскими республиками на Востоке в комиссариате по
иностранным делам, поддерживая по радио контакты с Советской Венгрией и Советской
Россией. Он стремился превратить свою должность в комиссариат по иностранным делам,
но эта идея была отвергнута Ландауэром, который считал, что у его товарища недостает для
этого опыта65. Дискурс Мюзама в этот период весьма напоминал терминологию большеви-
ков. В то же время, стоит отметить, что он был категорически против смертной казни. Уже
позднее, находясь в баварской тюрьме, он возмущался расстрелом заложников в последние
дни «второй» Советской республики: «Более преступного безумия нельзя было и приду-
мать»66.
Отсутствие анархистской организации в Баварии в период революции и расхождение во
мнении между ведущими анархистами не позволило им выработать и проводить общую ли-
нию, нацеленную на осуществление анархистского идеала. С другой стороны, население не
было подготовлено к восприятию анархистской социальной альтернативы, доверяя парти-
ям и вождям. «Мы все обманывались в психологии масс, – признавал Эртер в письме Мю-
заму через 10 лет после событий. – Мы верили, что они способны мыслить и действовать
по-социалистически […]. С точки зрения сегодняшнего дня, Советская республика была
экспериментом с неподходящим объектом. Однако в этой ситуации проявился беспример-
ный героизм»67.

62 См.: Abschrift eines Erziehungsprogramms // IISG. Gustav Landauer Papers. Inv. Nr. 164; Volksbeauftragter für
Volksaufklärung an die Universität München // Там же. Inv. Nr. 163; Die Vorgänge an der Münchener Universität
unter dem Volkskommissariat Gustav Landauers // Там же.
63 Linse U. Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871. S. 364–367.
64 Hohnschopp C. Rebellierende Tote: Tod und Emanzipationsprozeß im Werk B. Travens. Paderborn, 1993. S. 49.
65 Linse U. Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871. S. 371.
66 Mühsam E. Tagebücher. Bd. 6. S. 45.
67 Цит. по: Seligmann M. Fürth in Bayern. S. 47.

592
Анархисты в «Красной Баварии»: Эрих Мюзам и Густав Ландауэр (1918–1919)

Как известно, «первая» Советская республика в Мюнхене продержалась недолго. 13 апре-


ля 1919 г. она была свергнута в ходе военного путча, который, в свою очередь, был подавлен
«красными» частями под руководством коммунистов. Они и сформировали новое Совет-
ское правительство, и в нем анархистам уже не было места. Мюзам был арестован путчи-
стами и увезен на территорию, находившуюся под контролем кабинета Гофмана. Ландауэр
выступал в оппозиции по отношению к правительству коммунистов. Предложенный им
проект преобразований в области культуры в духе самоуправления был отвергнут. 16 апре-
ля он подал в отставку с поста комиссара. В период «второй» Советской республики он
подвергся критике и травле. Его выселили из помещения в бывшем дворце Виттельсбахов. В
центральном органе КПГ «Роте фане» его и Мюзама клеймили как «буржуазных револю-
ционеров»68. С одного из собраний в конце апреля 1919 г. Ландауэра выгнали. заявив, что
та нет места для анархиста, который не желает нести ответственность ни перед кем69. Он
планировал реорганизацию Социалистического союза70, но осуществить свое намерение
уже не успел. Советская республика пала, и начался «белый» террор. 2 мая Ландауэр был
убит «фрайкоровцами». Он знал, что его ожидает, и пошел на смерть с высоко поднятой
головой. Зонтхаймер был также убит после ареста. 4 мая 1919 г. были расстреляны двое
членов Синдикалистской рабочей федерации. Мюзам был осужден на 15 лет тюрьмы, но в
1924 г. его освободили по амнистии. Маруту удалось бежать из-под ареста. Ему пришлось
несколько лет скрываться в подполье, а затем покинуть Германию; впоследствии он жил в
Мексике и стал известным писателем и сценаристом под псевдонимом «Бруно Травен».
Анархистское движение в Баварии так больше никогда не оправилось после разгрома Со-
ветской республики.

68 Mühsam E. Tagebücher. Bd. 6. S. 164.


69 Там же. S. 311.
70 Linse U. Organisierter Anarchismus im deutschen Kaiserreich von 1871. S. 363–364, 367.

593
Авторы настоящего тома

Владислав Бэнович АКСЕНОВ, д.и.н., старший научный сотрудник Института российской


истории Российской академии наук
Проф. д-р Хельмут АЛЬТРИХТЕР, 1990–2012 заведующий кафедрой истории Восточной
Европы Университета им. Фридриха – Александра в Эрлангене и Нюрнберге
Д-р Штеффен АРНДТ, архивный советник, Архив земли Тюрингии – Государственный ар-
хив г. Готы
Проф. д-р Карстен БРЮГГЕМАНН, профессор эстонской и всеобщей истории Института
истории Таллинского университета, Эстония
Владимир Прохорович БУЛДАКОВ, д.и.н., главный научный сотрудник Института россий-
ской истории Российской академии наук
Александр Юрьевич ВАТЛИН, д.и.н., профессор кафедры новой и новейшей истории исто-
рического факультета Московского государственного университета им. М.В. Ломоносова
Д-р Ханс ВОЛЛЕР, 1979–2017 научный сотрудник Института современной истории в
Мюнхене, 1985–1988 сотрудник Германского исторического института в Риме, 1994–2015
главный редактор ежеквартального журнала Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte
Вадим Валерьевич ДАМЬЕ, д.и.н., ведущий научный сотрудник Института всеобщей исто-
рии Российской академии наук
Д-р Марк ДЖОНС, доцент / ассистент профессор Университетского колледжа Дублина
Ирина Анатольевна КУКУШКИНА, к.и.н., старший научный сотрудник Института всеоб-
щей истории Российской академии наук
Леонтий Владимирович ЛАННИК, к.и.н., старший научный сотрудник Института всеоб-
щей истории Российской академии наук
Проф. д-р Йорн ЛЕОНХАРД, директор кафедры новой и новейшей истории Западной Ев-
ропы во Фрайбургском университете им. Альберта и Людвига
Игорь Владимирович НАРСКИЙ, д.и.н., проф., Южно-Уральский государственный нацио-
нальный исследовательский университет, Челябинск
Проф. д-р Мари-Луизе РЕККЕР, заслуженный профессор в отставке Франкфуртского уни-
верситета им. Иоганна Вольфганга Гёте
Проф. д-р Райнер ТОССТОРФ, внештатный профессор Майнцского университета им. Ио-
ганна Гутенберга, исторический семинар, отделение истории Восточной Европы
Тобиас ХИРШМЮЛЛЕР, Магистр искусств, научный сотрудник кафедры новой и новей-
шей истории Католического университета Айхштетт-Ингольштадт

595
Авторы настоящего тома

Василий Степанович ХРИСТОФОРОВ, член-корреспондент РАН, д.ю.н., проф., главный


научный сотрудник Института российской истории Российской академии наук
Д-р Юрген ЦАРУСКИ, 1990–2016 научный сотрудник Института современной истории
в Мюнхене, 2016–2019 главный редактор ежеквартального журнала Vierteljahrshefte für
Zeitgeschichte, скончался 4 марта 2019 г.
Василий Львович ЧЕРНОПЕРОВ, д.и.н., заведующий кафедрой всеобщей истории и меж-
дународных отношений Ивановского государственного университета
Александр Владленович ШУБИН, д.и.н., проф., главный научный сотрудник Института все-
общей истории Российской академии наук

596
Контакты

Сопредседатель Совместной комиссии с российской стороны


Академик РАН, д.и.н., проф. Александр О. Чубарьян
Российская академия наук
Институт всеобщей истории
Ленинский проспект 32А
119334 Москва
Электронная почта: dir@[Link]
Интернет: [Link]
Сопредседатель Совместной комиссии с германской стороны
проф. д-р Йоахим Таубер
Nordost-Institut (IKGN e. V.)
an der Universität Hamburg
Lindenstraße 31
21335 Lüneburg
Электронная почта: sekretariat@[Link]
Интернет: [Link]
Секретариат российской части Совместной комиссии
в Российской Академии Наук
к.и.н. Виктор В. Ищенко
Ленинский проспект 32А
119334 Москва
Электронная почта: dir@[Link]
Секретариат германской части Совместной комиссии
Уполномоченная Федерального правительства по делам
культ уры и средств массовой информации
Реферат K 43
Graurheindorfer Straße 198
53117 Бонн
Электронная почта: K43@[Link]
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597
Institut für Kultur und Geschichte
der Deutschen in Nordosteuropa e.V.
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Ich war hier
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Die Graffitis im Reichstagsgebäude
„Hier war ein Kerl aus dem russischen Kusko-
vo.“ – Diese Worte hinterließ ein sowjetischer
Soldat im Frühjahr 1945 auf einer Wand des
Reichstagsgebäudes, das die Rote Armee
während der Schlacht um Berlin eingenom-
men hatte. Hunderte Schriftzüge mit Holz-
kohle und Kreide befinden sich dort noch
heute. Zum Vorschein kamen sie erst Jahr-
zehnte später wieder – durch den Umbau des
Gebäudes in den Jahren 1995 bis 1999.
Karin Felix, Expertin für diese Inschriften
und langjährige Besucherführerin im Reichs-
tagsgebäude, versammelt in dieser Doku-
mentation erstmals alle noch vorhandenen
Graffitis und lässt Menschen mit besonderem
Bezug zu den Schriften zu Wort kommen. Ihr
Anliegen ist, das Positive persönlicher Begeg-
nungen zu betonen und den Erinnerungen
PRESSESTIMMEN der ehemaligen Soldaten einen Platz im Ge-
schichtsbewusstsein zu verschaffen.
„Ein in seiner ganzen Nüchternheit bewegen-
Ergänzt durch eine historische Einordnung
des Mosaik aus Einzelschicksalen, das vielfältig
bietet dieser dokumentarische Bildband ei-
ausgreift.“
nen umfangreichen und eindringlichen Blick
Cosima Lutz, Berliner Morgenpost, 24.02.2019
auf die erhaltenen Inschriften und ihre Prove-
„‚Ich war hier. Die Graffitis im Reichstagsgebäude‘ nienz – und macht so ein Stück Berliner und
ist ein eindrucksvolles Dokument, auch der Men- gesamtdeutscher Geschichte lebendig.
talität der sowjetischen Befreier.“
2019, 296 S., 7 s/w Abb., 8 farb. Abb.,
Der SPIEGEL 09/2019
12 s/w Fotos, 254 Farbfotos, 2 farb. Tab., geb.,
„Karin Felix hat die ‚sprechenden Wände‘ 37,– €, 978-3-8305-3872-1
übersetzt und versucht, den Spuren der Namen eBook PDF 978-3-8305-4039-7

nachzugehen. Welch eine Arbeit!“


Lothar Heinke, Der Tagesspiegel, 16.03.2019
„Es lohnt sich, mit dem Buch in der Hand durch
das Reichstagsgebäude zu gehen und an den
Wänden zu lesen.“
Kurt Schilde, Zeitschrift für Geschichts-
wissenschaft, Heft 3/2021

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Zum zehnten Mal legt die Gemeinsame Kommission für die Erforschung
der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen ihre
„Mitteilungen“ vor. Beleuchtet werden diesmal die revolutionären
Erschütterungen der Jahre 1917 bis 1919, die in Deutschland zur
Entstehung der Weimarer Republik und in Russland zur Gründung
Sowjetrusslands führten. Historikerinnen und Historiker beider Länder
untersuchen die Ereignisse jener Jahre in Deutschland und Russland als
Beziehungs- und Verflechtungsgeschichte.

Die Beiträge thematisieren neben politischen, sozialen, demogra-


fischen und sicherheitspolitischen Aspekten auch die Auswirkungen auf
andere Länder und Regionen. Sie demonstrieren in vielfältiger Weise,
wie eng die Verflechtungen zwischen den revolutionären Ereignissen in
Deutschland und Russland tatsächlich waren.

Совместная комиссия по изучению новейшей истории российско-


германских отношений десятый раз представляет публике свои
«Сообщения». В центре внимания на этот раз – революционные
потрясения 1917–1919 гг., которые привели к возникновению
Веймарской республики и основанию Советской России. Историки
из обеих стран рассматривают революционные события в России и
Германии как историю контактов и взаимодействия.

В статьях освещается, помимо политических, социальных,


демографических тем и аспектов политики безопасности, также вопрос
о влиянии революций на другие страны и регионы. Публикуемые
исследования наглядно демонстрируют, насколько тесно переплетались
революционные события в Германии и России.

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