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8.

Numerische Integration
Lernziele

• numerische Berechnung von Integralen


• einfache Quadraturverfahren
– vordefinierte Wahl von Stützstellen
• Gaußquadratur
– optimale Wahl der Stützstellen und Integrationsgewichte

Siehe auch [7, Abschnitt 31.3].


Das Ziel dieses Abschnittes ist die Approximation eines bestimmten Integrals
einer Funktion f in einem beliebigen Intervall [a, b]. Die grundsätzliche Vorge-
hensweise besteht darin, das Integral durch eine Summe von Funktionswerten
zu approximieren, welche sich durch ein Computerprogramm berechnen lässt.
Zur numerischen Approximation von Integralen machen wir einen ähnlichen
Ansatz wie bei der numerischen Differentiation. Wir möchten die der nu-
merischen Approximation zugrundeliegenden Berechnungen als gewichtete
Summe der bekannten Funktionswerte f (xi ) ausdrücken

Box 8.1

Wir nennen die Punkte xi , an denen die Funktion ausgewertet wird, auch
Stützstellen. Die Funktionswerte an den Stützstellen werden mit Gewichten wi
multipliziert.

8.1. Einfache Quadraturverfahren

Mittelpunktregel:
Z  
b
a+b (b − a)3 00
f (x) dx = (b − a) f + f (ξ)
a 2 24
Abbildung 8.1.: Mittelpunktregel
Trapezregel:
Z b
f (a) + f (b) (b − a)3 00
f (x) dx = (b − a) + f (ξ) ,
a 2 12

Abbildung 8.2.: Trapezregel


Simpsonregel:
Z    
b
b−a a+b (b − a)5 (4)
f (x) dx = f (a) + 4f + f (b) + f (ξ)
a 6 2 2880

Abbildung 8.3.: Simpsonregel


Allgemeine Vorgehensweise:
• approximiere Funktion f durch Lagrangepolynom
X
f (x) ≈ P (x) = f (xi )Lni (x)
i

• Nutze Linearität des Integrals aus und berechne Integrale der Lagrange-
schen Teilpolynome
Z b Z bX XZ b
f (x) dx ≈ f (xi )Lni (x) dx = Lni (x) dx f (xi )
a a i i |a {z }
wi

• Beispiel Finite-Elemente-Methoden (FEM): Berechne Faktoren wi


vorab und erhalte Gleichungssystem für die Unbekannten Knoten-
Werte f (xi ) (auch als Freiheitsgrade oder Degrees of Freedom (DoF)
bezeichnet)
• Die Fakoren wi werden in der Praxis üblicherweise nicht durch analy-
tische Integration, sondern näherungsweise durch numerische Quadra-
turverfahren berechnet
8.2. Approximation von Integralen mit der
Gauß-Quadratur

Gauß-Quadratur:
• Wähle sowohl Gewichte als auch Stützstellen optimal
• optimal bedeutet: wähle Gewichte wi und Stützstellen xi im Intervall [a, b]
so, dass Polynome möglichst hoher Ordnung exakt intergriert werden

Box 8.2

• n Gewichte und n Stützstellen → insgesamt 2n freie Parameter


• Polynome bis zum Grad 2n − 1 (mit 2n Koeffizienten) exakt integrierbar

Service 8. 1: Herleitung der Gewichte und Stützstellen

Die Integrationspunkte und Integrationsgewichte für die Gaußquadratur


können beispielsweise über Koeffizientenabgleich bestimmt werden. Da-
Abbildung 8.4.: Auswahl der Punkte für die Gaußquadratur im Vergleich zur
Trapezregel
Pk
zu setzt man ein allgemeines Polynoms Pk (x) = j=0 αj x
j vom Grad
k ≤ 2n − 1 in Box 8.2 ein

k
X Z1 n
X k
X k
X n
X
αj xj dx = wi αj xji = αj wi xji .
j=0 −1 i=1 j=0 j=0 i=1

Koeffizientenvergleich liefert dann k + 1 = 2n Bestimmungsgleichungen


für die unbekannten Stützstellen xi und Gewichte wi , i = 1, ..., n.
Eine alternative Herleitung verwendet die Nullstellen der sog. Legendre-
Polynome. Die Definition der orthogonalen Legendrepolynome ist

P0 (x) = 1,
1 dn 2
n 
Pn (x) = n x −1 , n = 1, 2, . . . .
2 n! dxn
Sie besitzen die folgenden Eigenschaften:
• Das Legendrepolynom Pn (x) ist ein Polynom vom Grad n.
• Für i 6= j gilt die Orthogonalitätseigenschaft

Z1
Pi (x)Pj (x)dx = 0.
−1

• Die Nullstellen der Legendrepolynome sind auf dem Intervall [−1, 1]


symmetrisch verteilt.
Die ersten fünf Legendrepolynome lauten
3 1
P0 (x) = 1, P1 (x) = x, P2 (x) = x2 − ,
2 2
5 3 35 4 15 2 3
P3 (x) = x3 − x, P4 (x) = x − x + .
2 2 8 4 8

1 P0 (x)
P1 (x)
P2 (x)
P3 (x)
Pn (x)

0 P4 (x)

−1
−1 −0.5 0 0.5 1
x
Ansatz:
• P (x) ist Polynom vom Grad p ≤ 2n − 1
• Polynomdivision mit Polynom Pn (x) vom Grad n
• P (x) = Q(x)Pn (x) + R(x) mit Quotient Q(x) und Rest R(x)
• Q(x), R(x) höchstens vom Grad n − 1

Z1 Z1
P (x)dx = Q(x)Pn (x) + R(x)dx.
−1 −1

P
n−1
• Schreibe Q(x) = αi Pi (x)
i=0
• Nutze Orthogonalität der Legendre-Polynome

Z1 n−1
X Z1
Q(x)Pn (x)dx = αi Pi (x)Pn (x)dx = 0.
−1 i=0 −1
• Wähle Stützstellen xi , i = 0, . . . , n − 1 als die Nullstellen des Legen-
drepolynoms Pn (x)
P
n−1
• Schreibe R(x) = R(xi )Ln−1,i (x)
i=0

Z1 Z1 n−1
X Z1
P (x)dx = R(x)dx = R(xi ) Ln−1,i (x)dx
−1 −1 i=0 −1
n−1
X Z1
= (R(xi ) + Pn (xi )Q(xi )) Ln−1,i (x)dx
i=0 −1
n−1
X Z1 n−1
X
= P (xi ) Ln−1,i (x)dx = P (xi )wi .
i=0 −1 i=0

Zusammenfassung: Die n Stützstellen werden als die Nullstellen des


Legendre-Polynoms Pn (x) bestimmt und die n Gewichte als die Integrale
über die n Lagrange-Teilpolynome vom Grad n − 1 unter Verwendung
der entsprechenden Stützstellen. Um die Notation konsistent zu Kapi-
tel 6.1 (Lagrange-Interpolation) zu halten, haben wir den Index i in dieser
Herleitung bei 0 beginnen lassen, im Unterschied zur Definition in Glei-
chung 8.1. 
Für die drei einfachsten Fälle n = 1, 2, 3 ergeben sich die folgenden Werte für
Integration auf dem Einheitsintervall [−1, 1]:

n xi wi
1 x1 = 0 w1 = 2
2 x1 = − √13 , x2 = √13 w1 = w2 = 1
q q
3 x1 = − 5 , x2 = 0, x3 = 35
3
w1 = 59 , w2 = 89 , w3 = 5
9

Integrationspunkte und Integrationsgewichte lassen sich also tabellieren so-


dass zur Berechnung des Integrals im Wesentlichen nur noch eine Auswertung
der Funktion an den Stützstellen nötig ist. Es ist dabei allerdings zu beachten,
dass diese Tabellierung für das Standardintervall“ [−1, 1] gilt. Für ein allge-

meines Intervall [a, b] 6= [−1, 1] wird eine Lineartransformation [a, b] → [−1, 1]
durchgeführt

Box 8.3

und das Integral auf das Standardintervall transformiert


Z b Z 1
dx (ξ)
f (x) dx = f (x (ξ)) dξ.
a −1 dξ
8.2.1. Mehrfachintegrale

Die Gaußsche Quadratur für Mehrfachintegrale ergibt sich für eine Funktion
f im dreidimensionalen Intervallgebiet [−1, 1]3 folgendermaßen:
Z 1 Z 1 Z 1 X ny nz
nx X X 
f (x, y, z) dx dy dz ≈ wix wiy wiz f xix , yiy , ziz
−1 −1 −1 ix =1 iy =1 iz =1
X n
= wi f (xi , yi , zi ) .
i=1

Auch für Mehrfachintegrale ist in der Regel eine Transformation F : (ξ, η, ζ) 7→


(x, y, z) notwendig. Die Integraltransformation lautet:

Box 8.4

wobei det J die sog. Jacobi-Determinante bezeichnet, die sich als Determi-
nante der Jacobimatrix zur Abbildungsfunktion F ergibt,
 ∂x ∂x ∂x 
∂ξ ∂η ∂ζ
 ∂y 
J =  ∂y
∂ξ
∂y
∂η ∂ζ 
∂z ∂z ∂z
∂ξ ∂η ∂ζ

ergibt. Im mehrdimensionalen Fall werden die Integrationspunkte und Integra-


tionsgewichte des eindimensionalen Falles in jeder Koordinatenrichtung ver-
wendet. Für die beiden einfachsten Quadraturformeln ergeben sich im zwei-
und dreidimensionalen Fall demnach folgende Integrationspunkte und Integra-
tionsgewichte:
• nx|y|z = 1: ξ1 = η1 (= ζ1 ) = 0 und w1ξ = w1η (= w1ζ ) = 2,
• nx|y|z = 2: ξ1 = η1 (= ζ1 ) = − √13 , ξ2 = η2 (= ζ2 ) = √1
3
und w1ξ = w2ξ =
w1η = w2η (= w1ζ = w2ζ ) = 1 ,
wobei die Werte in Klammern nur im dreidimensionalen Fall zusätzlich auf-
treten. Die Gaußquadratur ist z.B. das Standardintegrationsverfahren in der
Finite-Elemente-Methode (FEM, siehe Abschnitt 10.4.4).

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